Die Regierungskrisis. Der sozialbemokrattsche Wunschzettel. Berlin, 11. Dez. (Wolff.) Die sozialdemokratische Reichsta.^fraktion befatzte sich am Donnerstag nach der Plenarsitzung nochmals mit der Lösung des Regierungsproblems. Sie legte ihre Auf- fassung in einer Entschließun a nieder, die noch am gleichen Abend mit einem Begleitbrief dem Reichspräsidenten zugestellt wurde. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion macht ihre endgültige Entscheidung von der weiteren Klärung der politischen Situation abhängig und ermächtigt ihre Vertreter, durch Der- Handlungen mit den in Betracht kommenden Parteien die nötigen Grundlagen für die Entscheidung der Fraktion zu treffen. In diesen Verhandlungen legen wir Wert auf die Erörterung folgender Punkte: Offenes Eintreten für die Republik. Abwehr aller monarchistischen Restaurationsversuche, Ratifizierung des internationalen Abkommens von Washington, Verabschiedung eines Arbeits- zellgcseßes unter Wiederherstellung des achtstündigen Rormalarbeitstages, schleunige Verabschiedung des Gesetzes über die Erwerbslosen- verslcherung, Verbesserung der Erwerbslosen, sürsorge nach den sozialdemokratischen Anträgen im Rennten Ausschuß des Reichstages, Handelspolitik mit dem Ziel der Förderung des 3 n b u - strieexportes, Durchführung des § 165 der Reichsverfassung, Schaffung des endgültigen Reichswirtfchaftsrales unter Aufrechterhaltung der Parität der vezirkswirtfchaftsräte und paritätischen verusskammern, Verschiebung der- wlekenerHöhung, Erhöhung des Beitrages für den gemeinnützigen wohnungs- bau, keine Senkung der Befihfteuer, solange die Umsatzsteuer und die Lohnsteuer im bisherigen Ausmaße bestehen bleiben. Offenlegung der Steuerlisten zur Milderung des Steuerdrucks, Zurückziehung des Reichsschulgesetzent- wurfs, reichsgesehliche Regelung der Fürslen-Ab- slndungen mit rückwirkender Kraft, baldiger Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Heber die persönlichen Ga rantien ist nach Einigung über das sachliche Programm zu verhandeln. Nachdem die Reichstagsfraktionen von der Deutschen Dolkspartei bis zu den Sozialdemokraten gestern dem Reichspräsidenten die erbetenen schriftlichen Erklärungen übergeben haben, dürfte, wie die Blätter anehmen, Reichspräsident von Hindenburg heute eine Persönlichkeit, und zwar voraussichtlich Dr. Luther, mit der Kabinettsbildung beauftragen. Der „Lokalanz." will allerdings wissen, daß der Erteilung des Auftrags noch eine Besprechung sämtlicher Führer der für die Große Koalition in Betracht kommenden Fraktionen beim Reichspräsidenten vorausgehen soll. — Der gestrige Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird von einer Reihe von Blättern kommentiert. Die „Deutsche Tagesztg." spricht von einem k a u d i n i s ch e n Joch der Sozialdemokraten und glaubt nicht, daß auf Grund der sozialdemokratischen Forderunaen noch irgendwie aussichtsreiche Verhandlungen über die Bildung der Großen Koalition geführt werden können. Die . Germania" schreibt, es bestände nicht nur ein politischer, sondern auch ein wirtschaftspolitischer Zwang zur Großen Koalition. Jetzt komme es auf einen Willen und \auf ein Programm an. Derjenige, welcher ein solches mirtschafts- und sozial- politisches Programm der Versi hnung und des Aus- aleichs schaffe, h-->be die Unterstützung des Zentrums. Die geborenen Bundesgenossen des Zentrums seien dabci alle die, denen es nicht in erster Linie darum zu tun ist, vermeintliche Vorteile für die eioenen Wirtschaftsgriivpen oder für die eigene Partei zu ergattern, sondern die sich bemühten, staatspolitisch zu denken. Die „Voss. Ztg." nennt es beachtens- Wallung. D'.e Kosten der Steuerverwaltung betrugen vor dem Krieg 127 Millionen, nach der Zentralisierung 533 Millionen. 3m ganzen Reich werde durch die Zentralisierung des (5:c-ertoe'er.d der Wirtschaft c.ne Mehrbelastung von über einer Milliarde auferlegt. Rach einer Statistik zahle das deutsche Volk bei einem Volkseinkommen von 27 Milliarden (gegenüber 43 Milliarden vor dem Krieg) das 12,4sache an Steuern und Abgaben. Aus dieser Rotlage könne man nur herauskvmmen durch erheblichen Abbau des ungeheuer aufgeblähten Verwaltungsapparates und der Verwaltungskosten. Zu den kostspieligen und überflüssigen Staatsbehörden gehöre vor allem das nach der Revolution eingerichtete preußische Wohl ahrtsmi lifterium. Auch das Reichsarbeitsministerium sei überflüssig. Ministerpräsident Braun erklärt dann die vor uns stehenden wirtschaft- lichen Probleme würden in der Hauptsache nicht durch die Landesregierungen und Landesparlamente zu lösen sein, sondern das Schwergewicht unserer Wirtschaftspolitik liege mehr als je zuvor jetzt beim Reiche. Wenn es der Reichsregierung trotz des entscheidenden Einflusses der Deutschnationalen nicht gelungen sei, die wirtschaftlichen Verhältnisse im Reich so zu gestalten, daß eine Katastrophe vermieden werden könne, dann lägen doch wohl die Schwierigkeiten vielleicht etwa mehr an der Sache als bei den Politikern. Die vor uns stehenden Schwierigkeiten seien tatsächlich sehr groß und es sei deshalb nut oberflächlich wert, daß es sich bei allen in dem fozialdemotrau- scheu Fraktionsbeschluß enthaltenen Punkten nicht etwa um ultimative Forderungen handelt, sondern um Punkte eines gemeinsamen Arbeit Op r og r a m m s, die von der Sozialdemokratie zur Erörterung gestellt werden, also lediglich die Basis von Verhandlungen bilden sollen. Der Weg zur großen Koalition sei in nichts durch die bisherigen Beschlüsse der einzelnen Fraktionen verbaut worden. Der „Vorwärts" betont, daß das von der sozialdemokratischen Fraktion aufgestellte Arbeitsprogramm sich auf einige Punkte von entscheidender Bedeutung habe beschränken müssen, und daß nicht alle berechtigten Wünsche hätten ausgenommen werden können, für deren Erfüllung die Partei eintrete. Siresemann zur Lage. Berlin, 10. Dez. (WTD.) Auf dem Parteitage der Deutschen Volkspartei für den Wahlkreisverband Berlin führte der Reichsaußenminister Dr. Stresemann u. a. folgendes aus: Es sei eine Verkennung des parlamentarischen Sehstms, wenn einer Partei Vorwürfe darüber gemacht würden, daß sie im Laufe der politischen Entwickelung mit verschiedenen Parteien zusammenarbeite. Eine andere Kombination als die der Zusammenarbeit verschiedener Fraktionen bei den heutigen Parteiverhältnissen sei nicht möglich. Wenn wir zu gesunden Verhältnissen kommen wollten, so müßten alle Parteien Gelegenheit haben, im Lause der Entwickelung in der Regierung mit- zuarbeiten. Es sei deshalb völlig verfehlt, wenn der Deutschen Volkspartei Vorwürfe darüber gemacht würden, baß sie darauf bestanden habe, die Deutschnationale Partei an der Regierung zu beteiligen. Ebenso verfehlt sei es aber auch, ihr vorzuwersen, wenn sie die Konsequenz aus der heutigen Lage zöge, nachdem die Deutschnationalen nicht nur durch Ablehnung der Locarno-Verträge, sondern darüber hinaus noch durch ihre Anzweiflung der RechtSgürtigkeil dieser Verträge sich selbst von der weiteren Mitarbeit ausgeschlossen hätten. Anlaß zu der Aenderung der politischen 2agc habe die Außenpolitik gegeben. Diese Politik habe zum Ziel gehabt, die Wiedererrich- richtung der deutschen Souveränität. Sie habe ihrerseits wirtschaftliche Leistungen in der Stellung von Pfändern für die Reparationen geboten. London war die Lösung der Reparations» srage, Locarno soll die Lösung der politischen Fragen bringen, die zwischen der früheren Entente und unS bestehen. Die gegen uns in der Rachkriegszeit geführte Politik war eine Politik der Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Verträge von Locarno sollen dieser Politik ein Ende machen und eine Politik des Rechts und des wirklichen Friedens sowie darüber hinaus eine Politik der Derstän- digung und des gegenseitigen Zusammenwirkens sichern. Die Deutsche Volkspartei werde sich in der künftigen Regierung nur mit Parteien beteiligen, die gewillt seien, auf der Grundlage dieser Politik weiterzub.'.uen Das Wort „Rückwirkungen" in Bezug auf das Rheinlandregime sei vielleicht falsch gewählt, wenn es verstanden würde, als wenn die Folgerungen der Verträge von Locar.ro sich in ihm erschöpfen. Die auf Locarno aufge- b. ute P l'ttik habe selbstverständlich die Herstellung der völligen Freiheit und Souveränität Deutschlands zum Ziele. Sie bedeute aber darüber hinaus auch die aktive Beteiligung Deutsch! nds, namentlich in den großen europäischen Fragen und soll den Ausdruck unbedingt friedlich.r aber ebenso unbedingt at- tiver Pclitik bedeuten. zu erklären, daß wir nur an Kapitalmangel litten. Wir leiden vielmehr an den Folgen des Krieges. Linsers wichtigste Aufgabe ist es jetzt, Werte zu schaffen und mehr zu arbeiten. (Zurufe rechts.) 3ch möchte Ihnen (nach rechts) erklären, daß diese Forderung meist in den Kreisen erhoben wird, n denen man a m wenigsten arbeitet. Das macht einen sehr ungünstigen Eindruck auf diejenigen Kreise, in denen man überhaupt nur arbeitet. (Lebhafte Zustimmung links.) Daß die Wirtschaft wieder gesunden müsse, sei eine B'.n enwahrheit. über die es Wohl im ganzen Haus keine Differenzen gibt. Rur über den Weg zur Gesundung bestünden Meinungsverschiedenheiten. Die überflüssigen Betriebe müßten verschwinden und e i n Höchstmaß von Rationalismus erzielt werden. Rotwendig sei es, die älrbroöuftion zu stärken. Deshalb sei auch die H b^ng der land- Wirtschostlichen Produktion eine wichtige Aufgabe. Zur Wirtschaft gehöre aber nicht nur der Pro- duzent, sondern auch der Konsument. Gelinge es nicht, den Konsumenten aufnahmefäh'g zu machen, dann nütze alles andere nichts. Die R«hte verlange weiter Herabsetzung der Steuer. Wovon soll aber der Staat leben? Wenn das ganze Volk leide, müsse jeder Teil des Volkes seinen Anteil daran tragen. Was sei denn eigentlich noch national, wenn schon eine Reichsregierung, an drr die Deutschnationalen beteiligt waren, als „foge- nannte" nationale Regierung bezeichnet wird. Amerika und die deutsche Wirtschaft. Reichsbaukpräsideut Dr. Schacht über seine Amerika-R ise Berlin, 10. Dez. (511.) Auf Einladung der Berliner Industrie- und Handelskammer hielt im Berliner Börsengebäude Reichsbankpräsident Dr. Schacht einen Vortrag über „Amerikanische Eindrücke". De führenden Kreise Amerikas sind heute an den Vorgängen in Europa stärker interessiert als je zuvor. Für den Amerikaner bedeutet Europa einen Gesamtbegriff. Deutschland interessiert Amerika lediglich i m Rahmen Europas. Hier wird allerdings Deutschland aus mancherlei Gründen stark beobachtet. Das Vertrauen in die industrielle Lebensfähigkeit Deutschlands ist in Amerika un- erschüttert, insbesondere wird dies bei unserer vorhandenen organischen Verbindung von Industrie und Wissenschaft außerordentlich hoch geschäht. Ueberdies gilt der Deutsche als ein fleißiger und geschickter Arbeiter, als ein zuverlässiger und solider Kaufmann und Bankier. Die Otabiliflerung der deutschen Währung wird von den Amerikanern als eine außerordentliche Leistung betrachtet. Man weiß auch, daß sie aus eigener Kraft in Angriff genommen wurde, bevor der Dawesplan in Wirksamkeit trat. Ich bin während meines ganzen Aufenthaltes in Amerika niemals irgendeinem Zweifel an der deutschen Währung begegnet. DaS törichte Inflationsgerede, dem man noch immer in einer gewissen deutschen Presse begegnet, bleibt eine deutsche Eigentümlichkeit. Während wir in zahlreichen deutschen Kreisen immer noch auf eine völlig falsche Einstellung zum Dawes- plan stoßen, habe ich feststellen können, daß die amerikanische Welt, und insbesondere die Finanz- weit die Grundgedanken deS Dawesplanes vollständig beherrscht. Man erblickt im DaweSplan eine internationale Sicherung nicht nur für di« Aufrechterhaltung der deutschen Währung, sondern auch für die Wiederherbeiführung normaler wirtschaftlicher Zustände. Die Befriedigung über Öen Abschluß des Lvcarnovertrages ist in Amerika deshalb besonders groß gewesen, weil man damit einen großen Teil der politischen Hindernisse aufgeräumt sieht, die der weiteren wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas entgegen- standen. Die Wiederherstellung in den übrigen Ländern wird nunmehr das nächste Ziel fein, an dem Amerika Mitarbeiten wird. Fortsetzung der Ernährungs- bebalte im Reichstag. Der Donnerstag sah mit Rücksicht auf di« Verhandlungen über die Regierungsneub.ldung im Plenum des Reichstages nur eine kurze, zweistündige Debatte über den Haushalt des Reichsministerimns für Ernährung und Landwirtschaft. Auf den Regierungsbänken sah man nur den Grafen Kanitz, wie auch das Haus selbst recht große Lücken aufwies. Als erster Redner erschien der Zentrumsabgeordnete Blum auf der Tribüne, der vor allem die Urbarmachung des noch vorhandenen Oedlandes verlangte und sich gleichzeitig scharf gegen eine Ex- tensivierung der Landwirtschaft aussprach. Er berührte auch das Thema des Preisabbaus und machte die Kartelle für die Preisste gerungen verantwortlich, die man nicht erziehen könne, sondern auf die die gesetzlichen Bestimmungen Anwendung finden müßten. Besonderes dntereffe riefen die Ausführungen des Deutschvolksparteilers (Stamm hervor, der speziell die volkswirtschaftliche Bedeutung unserer Landwirtschaft hervorhob. Für 2,7 Milliarden Goldmark fe en Lebensmittel aus dem Auslande eingeführt, infolgedessen müsse unsere eigene landwirtschaftliche Produktion gefördert und sichergestellt werden. Gleichzeitig müsse der deutsche Landw.rt wieder in die Lage versetzt werden, deutsche Industriecrzeugnisse aufnehmcn zu können. Die deutsche Landwirtschaft sei der beste Abnehmer unserer Industrie. Soll aber die Landw r.schast wieder zur Blüte gelangen, dann sei en? Senkung der Produktionskosten, die heute bis 300 Prozent über der Friedensnorm liegen, erforderlich. Es sprach dann noch der bayerische Volksparteiler Lang, der ebenfalls die Ablage der Landwirtschaft sehr eingehend beleuchtete und auch auf das Mißverhältnis zwischen Erträgnissen aus landwirtschaftlichen Erzeugn f len und den Preisen für landwirtschaftliche Geräte aufmerksam machte. Darauf mürbe die Beratung abgebrochen und das Haus vertagte sich auf Freitag nachmittag. Die Besolbungsfrage im Haus^a!Lsaus?chutz. Berlin, 10. Dez. Der Haushaltsausschuß setzte die Beratung der sozialdemokratischen, kommunistischen und deutschvöltischcn Anträge über die Be- amtenbefoldunasfrage fort. In der Debatte wandte sich Abg. Neubauer (Komm.) dagegen, daß die Beamtenbejoldungsfrage mit der Frage der Regierungsbildung verkuppelt werde. Abg. Bender (Coz.) bemängelte vor allem die Durchschnittslohnsätze der Arbeiter. Abg. Friedrich (Natsoz.) hielt eine Verschleppung der Befoldungsfrage für unerträglich. Abg. Lauere nz (Dn.) war der Ansicht, daß die Erhöhung der Grundgehälter überaus wünschenswert sei, sich jedoch vor Weihnack.ten kaum noch durchführen ließe. Der einzige Weg, den Beamten schnell Hilfe zu gewähren, sei, noch vor Weihnachten 60 Millionen Mark zur Vertellung zu bringen. «let i- HK »u , l 1 U) f 11 , L ; Ml '‘■»hie? jedes Onfai 5* 5n m a r f i ul!cn lich au?1? iUrn* eibetteKr!A fle' m Nmen r? c[t >'4 b Pro-ent, ‘“itanlen £ . erlahmte S $\6M ' lech WL Iitdustrie-Atttp,! A* i* s,. lind umrändert. Getreidebörse. 10. H Ss tourten r?8W2fito2to'^? Ä LU« Meie 11,50 bis 11,75 1J5. TeÄenz ruhig, chlachtdirhmarkt. rs „Gießener Anzeiger«".) A. 10. H Auftrieb: 2 Kälber, 775 Schafe, 260 ' bezahlt für 100 M r: Feinste Xlafttalber 65 und beste Saugkälber 55 und gute Saugkälber älber 36 bis 42. Schafe: ämml 40 bis 45, gerin- Schafe 32 dis 38, mäßig Schafe WW 23 vllfl. von 80 dis 100 Kg. V 82 bis 85, von 100 bis bis 150 Kg. 87 bis 88. r Handel, geräumt. ipfaetithen M Bonbons be zum Manne, ».in. fnnbeitt aucb über Treppen. Habendiest an» ,1 oj.i.» dann nm an ,011 ,rNrvr« - ... M 0D* '-N-Mnnnrno» nwft’L sonnet« - \.«h exbal-en «e lMnbS eSllb der ... rt» das |s,nilv jeschenke! »Gebjr,h3*",’"d ,,hl 6»de“' in bet uff> (Bewerbe« <,6W oon ° 13, t* rfU5 in * Nr. 290 Erster Blatt 175. Jahrgang Freitag, 11. Dezember 1925 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl« Monats-kezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchlüsse: Schriftleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach- richten: »nzeiger rietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfi1üt§-Vuch- und Steinöruderci R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annayme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfenrlig; für Re» Mameameigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrift 20° , mehr. llhesredaNteur. Dr. Friedr Wilh. Lange. Derantwortiich. für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Will;. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Iüstek, sämtlich in Gießen. Vereinfachung der öffentlichen Verwaltung. Berlin, 10. Dez. (WB.) Das Kurator.! um für Spar- und Verein- fachungsmaß nahmen hatte zum Tee im Hotel Adlon eingeladen, zu dem zahlreiche Vertreter staatlicher, städtischer und wirtschaftlicher Körperschaften, sowie der Hochschulen und der Presse erschienen waren, darunter die Reichsminister Dr. Gehler, Dr. Stingl und' Graf v. Ka- nih, der Präsident des Rechnungshofes des Deutschen Reiches, Staatsminister S a e m i s ch. Privatdozent Dr. Friedrich Raab- Gießen sprach über das Thema: Warum müssen wir sparen? An Hand eines umfangreichen statistischen Materials zeigte der Redner das An- schwellen der Steuerlast der Wirtschaft in den RachkriegSjahren und die Unfähigkeit aller wirtschaftenden Betriebe und Personen, diese Belastung länger zu ertragen. Richt nur daß die Preise durch den unverhältnismäßig hohen Anteil öffentlicher Lasten übertrieben seien, sie machten auch die Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslande fast zu einer älnmöglichkeit. Er forderte deshalb eindringlich eine Senkung der öffentlichen La st en durch eine Minderung der öffentlichen Ausgaben, da sonst ein Ausgleich der öffentlichen Haushalte bei der Unfähigkeit der Wirtschaft, die erwarteten Steuererträge aufzubringen, unmöglich sei. Der Präsident des Reichslandbundes, Karl Hopp, erörterte die Bedeutung der dem Kuratorium gestellten Aufgaben vom wirtschaftlichen Standpunkt aus, wobei er u. a. mitteilte, daß der soziale Etat des Reichs und der Wirtschaft Ende deS Jahres 1924 bereits 2 Milliarden, das heißt 70 Prozent mehr als im Jahre 1913, betragen habe und jetzt sogar auf 3,2 Milliarden angewachsen sei. Gegen bie Ueberlaftung ber herrischen Wirtschaft. .Jamburg, 10. Dez. (Wolff.) In der Börse fand eine vom Verband des Hamburger Einfuhr- Handels, dem Verein Hamburger Reeder, dem Verein Hamburger Exporteure, dem Zentralverband des deutschen Großhandels, dem Verband des Bremer Einfuhrhandels, dem Verband des Lübecker Einfuhrhandels und dem Hamburger Gewerbeoer- cin einberufene Versammlung statt, in der gegen die Ueberlaftung der Wirtschaft durch übermäßige Steuern protestiert wurde. Rach einem Referat von Alfred Oswald gelangte eine Entschließung zur Annahme, in der eine durchgreifende Steuerreform verlangt wird, die den Ueberschuß im Jahre 1924 und dem voraussichtlich günstigen Ergebnis 1925 Rechnung trägt. Mit der Steuerreform muß Hand in Hand gehen eine Finanzreform, die, unterstützt durch eine Verwaltungsreform, die öffentlichen Ausgaben mit den Erträgen der Wirtschaft in Einklang bringe. Der Abbau der unproduktiven D e r w a l t u n g s k o st e n bis auf das Vorkriegszeitniveau fei die erste Voraussetzung für eine Gesundung der Finanzen. Hcmshctttsdebatte im Preußischen Landtag. Ministerpräsident Braun zur Wirtsch'stsra.ie. • Berlin, 10. Dez. (SU.) Der Preußische Landtag setzte die dritc Beratung des Haushaltsplanes fort. Abg. Wiemer «D. Vp.): Der Finanzminister Höpker-Aschoff habe in Breslau das besonders wichtige Zugeständnis der R o t - Wendigkeit der Herabsetzung der E t e u e r l a st gemacht. Dem widerspreche jedoch sein jüngster Steuerentwurf an den Slaatsrat, nach dem die Hauszinsstcucr 95 Mill. Mk. mehr erbringen soll. Die Arbeiterschaft könne nur höhere Löhne bekommen. Wern Industrie und Landwirtschaft leistungsfähig seien. Helsen könnten schnelle äleberbrückungskredite. Abg. Falk (Dem.) erklärt, feine Partei habe dem Locarnovertrag keinen uneingeschränkten Beifall gezollt. Luther und Stresemann. hätten das erreicht, was zu erreichen war. Schmerzlich sei, daß die nicht paraphierten Lo:arno--Verein- barungen so wenig in Erscheinung treten, wie cs bisher geschah. (Hört, Hört rechts.) Man werde nicht müde werden können, weitere Rückwirkungen zu verlangen. Gefordert werden müsse, daß deutscher Boden ganz von den Besatzungstruppen befreit werde. Am Rhein sei die deutsch» Hoheit wieder herzustellen und auch die Abstimmung an der Saar müsse sehr viel früher vor sich gehen, als es nach den bestehenden Bestimmungen vorgesehen ist. Endlich müsse das erzwungene Schuldbekenntnis aus dem Vertrag verschwinden. Abg. L a d e n d o r f f (Wirtschaft!. Verg.) er- klärt, wir würden von unseren Feinden wie früher auch bei den Locarnoverträgen getäuscht werden. In England und Amerika würden die Rüstungen fortge cv, heute stünden zwei Millionen Men chen mehr unicr den Fahnen als zu Zeiten des großen deutschen Heeres. Deutschland müsse auf sich selbst bauen. Weiter schildert der Redner die gegenwärtige schwierige Wirtschaftslage. Rur um des Partekinteresses und der Popularität willen gehe feit der Re- Dotation ein Bewilligungstaumel durch die Parlamente, ohne danach zu fragen, woher Deckung genommen werden soll. Weiter wendet sich der Abgeordnete gegen die Verschwendung in der öffentlichen Ver- Orlsklaffcn den *B e a m » w J Wettervoraussage. Der Moffulkonftikt vor im auf Oberhes- der Schafe. Anläßlich des Reichstagsbeschlusses, für den Dau einer Küstenverteidigunqsflotte für den Haushalt 1926 47 Millionen finnische Mark zu bewilligen, jedoch keine Bürgschaft für die ganze vom Kabinett für diesen Zweck angeforderte Summe von 315 Millionen Mark zu gewähren, überreichte der finnische Premiermini- st er dem Präsidenten das Rücktrittsgesuch des gesamten Kabinetts. Eine Geucfye, die sich fast nur s e n beschränkt, ist die Räude denn nur in Oberhessen ist die Erkrankungen entfallen bis auf etwa 600 alle auf oberbessische Gemeinden. Todesovfer erforderte die Krankheit eigentlich nicht, doch sind 280 Tiere, die in Pfungstadt (Kreis Darmstadt) erkrankt waren, geschlachtet worden. Die Räude ist bei R f e r d e n in Oberhessen dagegen nur in zwei Fällen aufgetreten: in ganz Hellen wurde sie bei Einhufern nur achtmal festgestellt. Weit mehr wegen ihres Schadens für die Volkswirtschaft kommt die unter dem Ramen Vornasche Krankheit bekannte Gehirn- und Rückenmarkent^ünduna der Pferde in Betracht: sie ist nur in oberhessischen Gemeinhin angetroffen worden. Ein Heilmittel peaen diese Seuche gibt es bis jeftt nicht, und so sind ihr die 50 davon befallenen Tiere erlegen. Verhältnismäßig groß sind auch die Geldverluste beim Auftreten von Schweineseuche und Schweinepest; diese Krankheiten erscheinen in Kind weiß, Kind bunt Bild« eine Anfrage der Abgeordneten und Gen. über die DeemtLnbesolbung und die einteuung Abg. Steinkopp (Soz.) ersucht die Regierung, endlich mit der Sprache herauszukommen, was sie in der Frage der Beamtenbesoldung vorhabe. Die einmalige Zulage helfe nur im Augenblick, und in kürzester Frist stehe man erneut vor der Notwendigkeit, die Bcsoldungsfrage zu behandeln. Entschließe man sich aber zur einmaligen Zulage, so müsse sie selbstverständlich auch den Ange st eilten und Arbeitern gegeben werden. Abg. Schmidt (Dn.) drang darauf, daß die Beamtenbesoldungsfrage, die Frage der Erwerbe- losenfürsorge und der Lohnsteuer unbedingt noch vor Weihnachten erledigt werden müßten. Die Regierung soll morgen früh endgültig sagen, was sie machen will. Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Freitag. Rat von dem Führer der Untersuchungskommis- sion des Völkerbundes, General Laidoner verlesene Bericht zur Mossulfrage stellt einerseits fest, daß die Zwischenfälle an der vorläufigen Grenze zwischen der Türkei und dem Irak solange unvermeidlich bleiben, als die Grenzlinie nicht endgültig festgesetzt ist, unterstreicht aber andererseits, daß die Vertreibung der christlichen Grenzbevolke- r u n g durch türkische Truppen sehr ernste und beklagenswerte Formen angenommen habe. Gegenüber diesem zweiten Punkt erneuert nun der türkische Außenminister TewfikRuschdiBey in einer an die Presse verteilten Erklärung die bereits im September vorgebrachten türkischen Anklagen wegen des Vorgehens der englischen Truppen, die int Irak Taufende von türkenfreundlichen Muselmanen getötet, inS Gefängnis geworfen oder in das Gebiet nördlich der Brüsseler Linie vertrieben hätten. Die christlichen Restorianer, auf deren Aussage sich General Laidoner in seinem Bericht ausschließlich stütze, seien immer Gegner der Türkei gewesen und werden, wie die Erklärung hinzufügt, immer gegen die Türkei auS- sagen. Die Untersuchung des Generals Laidoner sei einseitig vorgenommen worden. Die tur» dem Völkerbund. Die Türkei führt den Bericht Laidoners an. Genf, 10. Dez. (WTD.) Der heute Vie Räumungsvordereitungen. Köln, 10. Dez. (TU.) Bis jetzt haben die Engländer zwei Züge Material und einen Truppentransport von 11 Offizieren und 340 Mann der• laden. Für die nächsten Tage sind keine Trans- oorte vorgesehen. Die genaue Zahl der Truppen, die Köln bis heute verlassen haben, läßt sich nicht angeben, da die Engländer neben den größeren Transporten täglich kleinere Abteilungen mit den fahrplanmäßigen Zügen völlig unauffällig abschieben. Auch in der belgischen und in der französischen Besatzungszone schreiten die Räu- mungsvorbereitungen fort. Die Belgier haben bisher etwa 3000 Mann aus den von ihnen besetzten Gebieten zurückgezogen. Die Franzosen sind in Bonn mit dem Abtransport von Material beschäftigt. Bis Weihnachten wollen sie 1000 Waggon Material abgefahren haben. Auch das Munitionslager in München-Gladbach, in dem mehrere Eisenbahnzüge Munition lagern, wird zur Zeit abgebrochen. TadN a&öemif nerfdät Schmit " C Stube: rats Pr gegen zur Dv Straße l Geheimr tvber sei bereiten, verwirk! schäft nr Wie tot dem Lu Haltet i Mroei bliM n $anr nur^n in M* Der' Dell beim vK nen 3°' und es Durd)[,u Der ? der v" -er hie E iptrrtn I1 nod) ®cnJ W -E ine h-er w» 6° fUIIg linD hindern, rungen ir Mn dei mögen g' Aus aller Welt. Der Tod der Jurjcwskaja. Rach einet Mitteilung deS Berliner Polizeipräsidiums haben die Ermittlungen in der Angelegenheit der verschwundenen Sängerin 3ur» jewslaja ergeben, daß die Ehefrau v. Brehmer, mit Künstlername Zurjewslaja, sich feit einiger Zeit in schwerer seelischer Bedrückung befand. Um Erholung zu finden, war sie im Einverständnis mit ihrem Ehemann nach der Schweiz abgereist. Durch diese Reise wollte sie zugleich dem Konzert, das am 3. Dezember im Gewandhaus zu Leipzig unter ihrer Mitwirkung stattfinden sollte, aus dem Wege gehen, da sie sich den Anforderungen eines Konzerts nicht gewachsen fühlte. Mm einen 11 r- laub von der Staatsoper zu erwirken, hat der Ehemann mit ihrem Einverständnis auf einem im Osten Berlins gelegenen Postamt ein Selejramm an Brehmer des Inhalts auf- gegeben, daß die Mutter der Sängerin schwer erkrankt sei und diese sofort nach Dorpat kommen sollte. Auf Grund dieses der Staatsoper übern.ittelten Telegramms, bei dem man den llrsprungsort Berlin in Dorpat umgeändert hatte, wurde die Sängerin beurlaubt. Der Ehemann brachte seine Frau selbst an die Bahn. Vier Tage nach ihrer Abreise erhielt v. Brehmer aus Andermatt einen Brief, in dem die Sängerin den Gatten bittet, er möge ihr verzeihen, wenn sie ihm Kummer bereite. Er möge allgemein verbreiten, daß sie durch Herzschlag verstorben sei. Sie werde aus dem Leben scheiden. 5rau Jurjewskaja hat sich etwa 40—50 Schritte von der Teufelsbrücke in die wild brausende Reust gestürzt. Bisher hat man lediglich zwischen der zweiten und dritten Stufe des Wasserfalles, der an jener Stelle von einer ziemlichen Höhe herunterbraust, ein Stück ihres Kleides aufge- funden. Trotz der angestrengtesten Suche ist es den Bergungsmannschaften bisher nicht gelungen, die Leiche aufzufinden. Bei dem reißendem Lauf der Reuß ist es leicht möglich, daß die Nachforschungen nach der Leiche der so tragisch ums Leben ge° kommenden Künstlerin jetzt im Winter ohne Erfolg bleiben werden. Abg. Büchner (Dem.) verwahrt sich da- | gegen, daß er eine dem Handwerk feindliche Stellung eingenommen hätte: er habe das Gesamt- interesse der deutschen Wirtschaft im Auge. Man dürfe einem einzelnen kleinen Berufskreise der Handwerker nicht auf Kosten der Steuerzahler helfen. Abg. Glaser (Landbund) bemerkt, die Versteigerungen, auf denen Stundung gewährt werde, brächten höhere Beträge, dadurch würden die Zinsverluste wieder wettgemacht. Der Ausschuß hat mit 7 gegen 7 Stimmen den Antrag Haury abgelehnt, das HauS lehnt in der Abstimmung diesen Q.ntrag ab und nimmt damit einen Antrag (Glaser) der Minderheit an, der den Wünschen der Handwerker ent- Ein deutsches Großflugzeug in Persien. Ein in 'Angora gestartetes Junkers-Dreischrau- ben-Grostflugzeug ist in Teheran eingetrosfen, nachdem der 1950 Km. lange Weg in 11 Stunden Flugzeit zurückgelegt worden war. Es ist das erste Großflugzeug, das Persien besucht. Es wird an den Krönungsfeierlichkeiten Riza Khans teilnehmen, der seit Beginn seiner Ministerpräsidentschast der Entwicklung und der Zusammenarbeit mit Deutschland auf diesem Gebiete großes Interesse entgegengebracht hat. Der weihe Tod. Im Bezirk Reutte (Tirol) ereignete sich innerhalb einerWoche das dritte Unglück durch L a - w i nensturz. Ebenso wie in den beiden ersten Fällen wollten Bauern von der Höhe Sommerheu herabbringen. Don den 20 Leuten find drei Brüder von einer Lawine erfaßt und fortgerissen worden. Während sich der eine mit eioener Kraft herausarbeitete, konnten seine beiden Brüder nur noch als Leichen geborgen werden. 6ecmann3loS. Der Heringslogger A. E. Rr^9L.von der Gesellschaft „Großer Kurfürst", ist b:i dem Orkan am 25. Rvvember bei der Einfahrt in dis Western-Ems gesunken. Dabei hat die Besatzung von 14 Mann den Tod gefunden. Der aus Rewcastle stammende Dampfer „Landport" ist am Mittwoch nacht an der englischen Ostküste mit einem norwegisch?n Fahrzeug zusammen- gestoßen und gesunken, wobei zehn Personen ertranken. 19 Kreuzottern vernichtet. 3m Dorfe Konradsgrün bei Würzburg entdeckte beim Aufheben einer großen Steinplatte ein hiesiger Steinmetz ein Win erasyl von Kreuzottern. Richt weniger als 18 Ottern, darunter große und ausgewachsene Tiere, wurden vernichtet. Aebersahrrue Schafherde. Der beschleunigte Personenzug Stuttgart* Bretten fuhr kurz vor dem Bahnhof Oelbronn! in eine Schafherde, die gerade den Bahnkörper überquerte. Trotzdem der Zugführer sofort ©egen* dampf gab, konnte der Zug erst zum Stehen gebracht werden, als bereits etwa 20 Schafe, größtenteils Mutterschafe, getötet und eine weitere Anzahl verletzt waren. Cs ist noch unaufgeklärt, wen die Schuld trifft Bekanntlich ist vor einigen Tagen auch bei Landstuhl eine Schafherde auf gleiche Weise vernichtet worden, ebenso vor etwa 14 Tagen in der Rühe von Marburg. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. Dezember 1925. j Die Tierseuchen in Hessen. Kürzlich hat die hessische Regierung ein Einfuhrverbot für Geflügel aus dem Ausland erlassen, das mit dem 1. Dezember in Kraft trat Die Veranlassung dazu haben in erster Linie mehrer Fälle von Geflügelcholera gegeben, die sich in verschiedenen Teilen des Landes eingestellt haben. Unter den seuchenartigen Krankheiten, die unter dem Geflügel auftreten, ist die Geflügelcholera bei weitem die gefährlichste, denn es kann ihr das Federvieh ganzer Ortschaften zum Opfer fallen, wenn es nicht gelingt, wirksame Sperrmaßnahmen durchzuführen. Die Krankheit ist nach den Ermittlungen fast stets aus dem Ausland, namentlich aus Italien eingeschleppt. Bis jetzt ist es noch immer gelungen, der Seuche Herr zu werden. Welcher Schaden aber angerichtet werde könnte, läßt sich aus dem Auftreten der Seuche im vergangenen Jahre ermessen, denn in den neun Gehöften, in denen sie auftrat, erlagen ihr nicht weniger als 846 Hühner, 50 Gänse und 38 Enten. Die Hühnerpest trat nur in einem Falle auf, und es fielen ihr 19 Gänse zum Opfer. May kann hieraus ersehen, daß nur scharfe Abwehrmaßnahmen den großen Geflügelbestand unseres Landes sichern können. Weit größer und volkswirtschaftlich weit mehr ins Gewicht gefallen sind natürlich die Schäden, die durch Seuchen in den Beständen der Großtiere angerichtet werden. Die größten Verluste werden durch den Rotlauf der Schweine und die Back- fteinblattern verursacht. Diese Krankheiten verteilen sich ziemlich gleichmäßig über die drei Pro- vinzen des Landes; es sind im Verlaufe des vergangenen Jahres 2775 Schweine daran erkrankt,681 sind zugrunde gegangen, 881 der erkrankten Tiere mußten getötet werden. Bis jetzt ist es noch nickt gelungen, der Krankheit Herr zu werden oder sie auf ein geringeres Maß zurückzufuhren. Die Bekämpfung der Maul - und Klauenseuche, von der Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine befallen werden, ist unbebingt notwendig, schon angesichts der Häufigkeit dieser Krankheit; sind doch 1924 allein 4904 Rinder, 901 Schafe, 712 Ziegen und 4374 Schweine davon befallen worden. Wenn auch in der Mehrzahl die Krankheit in der milderen Form auftrat, so forderte sie doch noch 59 Todesopfer an gefallenen und 9 auf polizeiliche Anordnung hin gerötete Rinder. Veränderlich, Tagestemperaturen wenig über dem Gefrierpunkt, leichter Nachtfrost, meist trocken. Der Nordseewirbel verlagert sich langsam ins Ostseegebiet. Seine warme Lust ist weiter nach Osten vorgedrungen und hat in ganz Deutschland das Tauwetter zum Durchbruch gebracht. Auf seiner Westseite bildet sich, von dem Vordringen kalter Luft nach Süden unterstützt, ein Gebiet höheren Druckes aus, so daß sich Nachlassen der Niederschläge und Temperaturfall anbahnen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 4,4 Grad Celsius, Minimum 1,8 Grad Celsius. Niederschläge 2,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 4,9 Grad Celsius. Der Kapitän Gordon Eunning, der in Tanger eintraf, behauptet, äleberbtinget eines offiziellen Briefes von A b d e I Krim, der einige Friedensbedingungen Vorschläge, zu fein. HavaS erfährt, Abd el Krim erkenne die religiöse Oberhoheit des SultanS an, beanspruche aber die volle politische Selbständigkeit des RifS, die namentlich das Recht umfasse, ein Heer zu unterhalten. Sonnige Mit >i)i Qt1 Hessischer Landtag. Darmstadt, 10. Dez. Zu Beginn der Sitzung wird folgender Antrag über die Verhältnisse im besetzten Gebiet beraten, in dem eine Reihe von Wünschen der Bevölkerung geäußert wird: Der Canbtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, daß die nach Annahme des Vertragswerkes von Locarno zu erwartenden Erleichterungen im besetzten Gebiet in möglichst weitem Umfange eintreten. Die Hof.nungen des befcfjLV Gebietes finb durch die Beseitigung des Delegierlenapparates und die Verordnung 30S dec Rheinlandkommission bisher nur zu gerin- gern Teil erfüllt worden. In wesentlichen Punkten, so bezüglich der die Bevölkerung besonders quälenden 7N i litärgerichtsbarkeit mit ihren Begleiterscheinungen (Gendarmerie, süret.) ist noch nichts geschehen; das Ausweisungsrecht der n einlandkomluifsion besteht weiter; die die deutsche Jusiizhoheit einschränkenden Vorschriften sind noch nicht ausgehobeu; die Pahpflicht ist bestehen geblieben, die Freiheit der presse ist noch keineswegs hergestellt, das Vereinsrechl unterlieg! weiterhin starken Beschränkungen. 3n allen diesen und noch vielen anderen Punkten erwartet das besetzte Gebiet die gänzliche Aufhebung der von der Rheinlandkommistion erlassenen Vorschriften als selbstverständliche Folge der durch Locarno geänderten politischen Verhältnisse. Insbesondere aber mutz der durch die übermäßig starke Besatzung gerade auf dem hessischen besetzten Gebiet und besonders auf der Stabt Main; lastende schwere Druck gemildert werben. Rach der Unterzeichnung bes Vertrags von Locarno bestehl nach ber Austastung des Hess. Lanbtags, der sich hierin einig weiß mit ber Relchsregierung, überhaupt kein Grund mehr zur Aufrecht e r h a 11 u n g ber Besetzung deutschen Gebietes. Jedenfalls aber muß die baldige wirksame Abkürzung ber Besahungsfristen energisch gefordert werden. Der Hess. Landtag spricht die Erwartung aus, daß es, solange die Besatzung bestehen bleibt, den Bemühungen der Reichsregierung gelingt, eine fühlbare Herabsetzung der Besahungs- starten und eine grundlegende Aende- rungdes Besahungsregimesherbeizu- fübten mit dem Ziele, für die Bevölkerung ber besetzten Gebiete und htsbefonbere für die Beoölte- rang ber am längsten beseht bleibenden hessischen Gebiete, die Besetzung so erträglich wie irgend möglich zn gestalten. D a r m ft a bt, den 8. Dezember 1925. Dingelbey. Kaul. Dr. Werner. Selber. Lenhart. Dr. v. Helmolt. Präsident Adelung bemerkt dazu, daß de: Druck im besetzten Gebiet immer noch sehr groß sei. Alle verantwortlichen Stellen mühten . Sorge tragen, daß der Geist von Locarno zur Auswirkung komme. Hessen, dessen Gebiet zur Hälfte beseht sei, hätte die Pfficht, auf diese Zustände hin-uweisen. Das Besahungsregime sei eine Gefahr für die friedliche Entwicklung Europas. Der Eintrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Hierauf wird ein» Vorstellung des Vereins hessischer Zustiz- cüntmänner über die Aufrückungsver- hältnisse der mittleren Zu st i z b e amten beraten. Abg. Dingeldeh erstattet hierüber Bericht. Ein Teil der Beamten soll in Grupp» 9 (Znh^berstellen) aufrüden. Der Ausschuß hat m feiner Mehrheit beschlossen, die Vorstellung der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Das Haus tritt diesem Beschluß bei. Ebenso wird eine Vorstellung des Verbandes der mittleren Daubeamten wegen Schaffung von gehobenen Stellen der Gruppe 9 in .üebereinflimmimg mit dem Ausschußantrag angenommen. ZL einem Antrag der Abg. Haury, Dingeldey und Den. über die Rutzholz-- versorgung des Hess. Handwerks hat die Regierung eine längere Erklärung abgegeben. Der Antrag will zinslose Stundung der Zahlungen bei Holzversteigerungen gegen Bürgschaftsleistung. Landforstmeister Hesse weist darauf hin, baß bis Martini gegen 9 Prozent Zinsen immer Stundung statffinbet. Abg. Haury (D. V.) macht darauf aufmerksam, daß anderen Berufen zinslose Stundungen in zahlreichen Fällen gewährt werden, z. B. der Landwirtschaft. Der Handwerker könne nicht immer gleich das Holz verwerten; auch bezahlten die Kunden des Handwerkers gegenwärttg so schlecht, daß dadurch die Holzzcchlunyen erschwert würden. Ministerialdirektor Schäfer meint, es würden große Beträge dem Staate verlorengehen, wenn dem Anträge stallgegeben werde. Die Bestimmungen über die Holzzahlungen in Hessen wären dieselben wie in anderen deutschen Ländern. Abg. Haury (D. B.) hält der Regierung entgegen, paß viele Gemeinden entgegenkommender bei den Zahlungsbedingungen sind als die Regierung. Die letzten Holzversteigerungen wären zumeist ergebnislos verkaufen, weil die Handwerker keine Barzahlung leisten können. Abg. Dr. Büchner spricht unter lebhaftem Widerspruch der Rechten gegen den Antrag Haury. Man solle die wirtschaftliche Krise sich erst einmal auswirken lassen. Landforstmeister Hesse: Die Preissenkungs- altion mache sich auch bei den Holzverfteigerungen geltend, die Preise gingen zurück. In ber weiteren Debatte wenden sich der Abg. Golm (Komm.) gegen den einseitigen großindustriellen Standpunkt des Abg. Dr. Büchner. — Abg. Kindt (Dn.) bezeichnet dessen Erklärungen direkt als handwerkerfeindlich. Abg. Haury lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Stellungnahme der verschiedenen Parteien zu seinem Anträge hin. Er mache das gesamte Handwerk auf die Aeuherungen des Abg. Dr. Büchner aufmerksam für mor Hier cüii meister statt, da ;toischki: " 2 Gebiet Mrtfcha Oibonna deS mit nam X mache ic das bck einem läge der das besek dort in t derlich. ' D nachts, nachlsse« L 9 rn,?enoAmft* der 6,5 M1^ >e Tod. siUKr Ätei-jfe mit eioph», *,n vor. deiden JBrfibsr bet; rden. cr "ur nod) iSloj. Mf, Nr m bn Sr®w MryÄ?®1' jj1 deraichtet iÖ'Ä?fr imetz ein © n ,6le|n- L-sL E^Herde. JSjW StUttgatt, Vel^omr ■otgfufet fofort St«Ä iti ettoa 29 Tchafs mjh, JÄ “S. Cine Mtet S V# unaufgeklärt, ^kannilich iß vor emigm eine Scherbe auf toorbrn, ebenso vor etwa von Marburg. >ywSsage. temperaturen wenig über ir Nachtfrost, meist trocken, verlagert sich langsam ins me Lust ist weiter nod) , hat in ganz DeuW hbruch gebracht. Suf/tlntr n bem Sortringen (aller Mt, ein Gebiet höheren Nachlassen der Niederschlage ahnen. iluren: Maximum 4,4 Stab Zrad Celsius. Mderschlögc zc Morgentemperatur 4,9 ire Ma«pM kn 11. Dezember 1925. M in Wen. 'siche Regierung ein Gin* iflügel aus dem Au;* dem I. Dezember In Uralt dazu haben in erster Linie igelcholera gegeben, die sich >es Lande, eingestellt haben, i Krantheiten, die unter dem die Geslügelchalera chste, denn er kann ihr dar chasten zum Dpi« foM wirksame Spermahnahmen mtheil '!t nach den ,m Ausland, namentlich aus q-k ;eb| ist es noch immer fe M» wnlrn.%* llche im oergangenen Sch rJSB-K SdjÄ* er ^•'uÄleitcn oer* H^tÄei Pro* chmah'y über . Der, ' l>nd ?m Sran erfrantt.681 Schweine daran' Iiere i. Ns W oder sie ’it frrr Ä ^je Bekämt" ,zurückzuM ^^. üOn W HW **»”J i chafe, 71L Oenn «um '&****, ft fast nm ^Schaft, !"it Don den ru^e auf nrrnstodtt &fI j e f s-LW*s «’r” «»n'^ «e*.1* «iÄü Schlafdecken wollgem., schwere Qualität, teils einfarbig oder Jacquard | Stück Mk. 18.50,14.50, I VsÄSM Sonntag von 12 bis 6 Uhr geöffnet! Auf reinwollene Decken gebe ich bis Weihnachten 15 Prozent Rabatt Mlueburr 10. der Statistik mit 98 erkrankten, gefallenen oder ge- töteten Tieren. Besonders gefährliche Seuchen find Milzbrand, Rauschbrand und Tollwut. Milzbrand ist bei 2- Rindern und einem Schwein feftgefteUt worden, Rauschbrand bei fünf Rindern, sämtliche Tiere sind getötet worden. Tollwut ist nur in Darmstadt und Kelsterbach aufgetreten; es [mb nur Hunde von ihr befallen worden, und zwar drei in Darmstadt und acht in Kelsterbach. Der Schutz gegen die Seuchen ist eine Angelegenheit des Reiches. Die Gesetzgebung hierüber stammt im wesentlichen aus den 70er Jahren des vergange. nen Jahrhunderts und ist später mehrfach ergänzt und erweitert worden. Die Anordnung und die Durchführung der Sicherheitsmaßregeln ist Sache der Länder. Die Mahnahmen gegen Einschleppung der Seuchen werden in Hessen vom Ministerium des Innern getroffen, die Kontrolloorschriften gegen die Verbreitung der Krankheiten werden dagegen l on den Kreisämtern erlassen und von ihnen über, wacht. Die Vorschristen über Stoll- oder Gehöft- sperren finden oft nicht den Beifall der Landwirte, nach weniger die Derkehrsperren und Viehmarktver- üote wegen ihrer pekuniären Auswirkungen. Aber die hier mitgeteilten Zahlen der Statistik. dürften gezeigt haben, wie notwendig es ist, die Einschlep' pung und Weiterverbreitung der Tierseuchen zu verhindern, denn sonst würden sie geradezu Verheerungen unter den Viehbeständen anrichten und nicht allein 4)en Landwirten, sondern auch dem Dolksver- mßgen gewaltigen Schaden zufügen. GeMlMMMkNMI! •• ÜntDerfitätfl - Gottesdienst. Rächsten Sonntag, 13. Dez., findet um ll1/* Upr akademischer Gottesdienst in der Aula der Uni- nerfliät statt. Die Predigt hält Prof. D. Hans Schm i d t. •* ßin Fackelzug der Gießener Studentenschaft zu Ehren deS Geheimrats Prof. Dr. B o st r o e m wird sich heute gegen Abend durch einen Teil unserer Straßen zur Wohnung deS Gelehrt m in der Frankfurter Straße bewegen. Damit will die Studentenschaft Geheimrat Prof. Dr. Dostroem, der im Oktober seinrn 75. Geburtstag beging, eine Ehrung bereiten. Tic sich zur Zeit^des Geburtstages nicht verwirklichen lieh, weil damals die Studenten? schäft noch nicht vollständig hier dngetroffen war. Wie wir hören, wird sich der Zug um 5 Uhr auf dem LudwigSplah aufstellen. Ar schließend veranstaltet die Medi-inerschaft zu Ehren Geheimrat BostroemS einen Kommers Inv Kath. Vereins- Haus. *• Dom Provinzialausschusi. Die für morgen, Samstag, angesetzte Verhandlung über eine Berufung in der Sache Durgerweist erwähl in Herchenhain findet nicht statt, da die Derufung von den Reklamanten in- zwische,-. flunldgenommen wurde. •• Der Verkehr mit dem besetzten Gebiet. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft teilt den unterstellten Behörden zur Ordonnanz $08 der Rheinlandkommission folgende- mit; .Unter Bezugnahme auf die Ordon- nan» 308 (Milderung des DesatzungsregimeS) mache ich darauf aufmerksam, bo5 alle Personen daS besetzte Gebiet nach wie vor nur mit einem Ausweis betreten dürfen. Eine Anzeige der Beamten des Geschäftsbereichs, die in daS besetzte ©ebiet versetzt worden sind, oder dort in Ruhestand treten, ist nicht mehr ersor- derllch. " Die Geltungsdauer der Weih- nachts - Fahrkarten. Die für die Weihnachtsfeiertage gelösten Eisenbahn - Fahrkarten gelten diesmal, da der lag nach Weihnachten auf einen Sonntag fällt, vom 23. bis einschließlich 27. Dezember. •• Weihnachtsbriefe nach Amerika. WeihnachtSbricse erreichen den östlichen Teil der Vereinigten Staaten noch, wenn sie von Southampton am 15. mit dem Dampfer .Lcvlathen" oder am 16. mit dem „Majestic" abgehen. Sie sind dann am 21. und 22. in R«o Bork fällig. Schlutzzeit ist je 2 Tage vorher in Hamburg 7 Alfjr abends, Bremen 9 Uhr abends, Köln tagd zuvor 7.32 Llhr vormittags. Beide Damp^r erhalten Rachversandte in Cherbourg, tag« zuvor aufi Frankfurt a. M. 12,12 Tlhr nachmittags. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7 Uhr „Toska" (Ende 10 Uhr). — Ehern. 118er: 8.30 Uhr „Postkeller" Jahresversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Bei mir Riagara". — Astoria-Lichtspiele: „Der Fall Gregory". / — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Rochmals sei in letzter Stunde auf Ole heutige Ausführung der Oper „Toska" durch ein Gastspiel des Frankfurter Opernhauses und Operirhausorchcsters hinge- wiesen, die einen auserlesenen Genuß verspricht. Schwurgericht Gießen. * Glesien, 10. Dez. Die heutige Sitzung des Schwurgerichts findet wiederum unter dem Dorsih des Landgerichtsrats Strack statt. Als tretet bet Anklage fungierte Staatsanwalt Justizrat Weidemann, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Albrecht. Angeklagt war die Fr. Sp. aus Offenbach wegen Meineids. In einem Entscheidungsprozeh wurde die Angeclagte vor dem Amtsgericht Glesien als Zeugin vernommen. Hierbei soll sie unter Eid in verschiedenen Punkten unwahre Angaben gemacht und eine Angabe verschwiegen haben. Rach der recht eingehenden Beweisaufnahme ergaben sich jedoch gewichtige Bedenken an der Schuld der Sp. Der Staatsanwalt wies nachdrüalich auf diese entlastenden Momente hin und stellte die Entscheidung ins Ermessen deS Gerichts. Der Verteidiger plädierte in längeren Ausführungen auf Freisprechung. Rach geheimer Beratung verkündete der Vorsitzende das auf Freisprechung lautende Urteil; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Kleine Strafkammer Wetzlar. Q Wetzlar. 9. Dez. Wegen Wid rfiands und Sachbeschädigung sowie wegen Verübung groben Unfugs war der Invalide Johann Sch. von Wetz- l a r seinerzeit durch Urteil des Amtsgerichts Wetzlar zu 70 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Wie die Verhandlung ergibt, hat der Angeklagte am 12.7. dadurch, daß er in betrunkenem Zustand auf der Lahnbrücke mit einem Revolver in der Hand umherlief, die Passanten In Aufregung versetzte. Einem Polizeibeamten, der auf das Treiben des Angeklagten aufmerffam gemacht worden war, folgte der Angeklagte dann auf besten Aufforderung, mit zur Wache zu gehen, ein Stück Wegs, versuchte dann aber auszurücken. Als der Beamte dies jedoch zu verhindern suchte, widersetzte sich der Angeklagte, schlug um sich und biß den Zeugen. Später auf die Wache gebracht, demolierte der An- geklagte noch die Pritsche in der Gefangenenzelle. Der Angeklagte war geständig. Er behauptete, schwer nervenleidend zu sein, auch könne er keinen Alkohol vertragen. An dem fraglichen Tage habe er etwas viel geturnten, und nur in diesem Zustand habe er die strafbaren Handlungen begangen. Er bat um mildere Strafe. Das Urteil lautete wegen groben Unfugs auf 5 Ti a r t und wegen Widerstandes auf 10 Mack Geldstrafe. Wegen der Sacbbefchä- digung erfolgte Einstellung des Verfahrens, da fein Strafantrag gestellt war. Wegen Diebstahls war das Dienstmädchen Anna Sch. von Altenkirchen vom Amtsgericht Braunfels zu 10 5 Mark Geldstrafe an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt worden, wogegen sie Berufung einlegte. Die Angeklagte war beschuldigt, bei ihrer früheren Dienstherrschaft altes Gold> und Silbergeld im Wert von etwa 95 Reichsmark entwendet zu haben, was die Angeklagte entschieden bestritt. Die heutige Be- weisaufnahme ergab nichts, was eine Verurteilung der Angeklagten rechtfertigte. Demgemäß lautete auch das Urteil auf kostenlose Freisprechung. Geraume Zeit dauerte die Verhandlung gegen die Arbeiter Hermann B-, Paul R. und Karl St., alle aus Waldgirmes, die sich wegen gefähr- kicher Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten hatten. Es ergab sich folgendes: In einer Nacht im Mai befand sich der Nachtwächter B. von A tz b a ch auf einem Dienstgang im Orte, als ihm drei männliche Personen begegneten. Als diese anfingen, zu fingen, gab sich der Nachtwächter zu erkennen, ermahnte sie zur Ruhe und ging dann wieder seines Weges. Die drei Personen folgten nun dem Nachtwächter und gingen in einem Abstand von etwa drei bis vier Schritten hinter ihm her. Mehrfachen Aufforderungen des Beamten, ihres Weges zu gehen und ihn in der Ausübung feines Amtes nicht zu stören, leisteten sie keine Folge, sondern gingen weiter hinter ihm her. Schließlich kam eine vierte Person aus entgegengesetzter Richtung, die anscheinend friedlich vorbeigehen wollte. Diesen ergriffen die drei und warfen ihn gegen den Nachtwächter, gleichzeitig faßten sie den Nachtwächter, drückten ihn zu Boden, schlugen mit einem harten Gegenstand auf ihn, traten ihn mit den Füßen gegen die Hüften und rissen bann aus. Der Nachtwächter trug hierbei mehrere Verletzungen am Kops, Auge und in der Hüstgegend davon. Gekannt hatte er damals keinen der Tater, sondern erst einige Zeit später gelegentlich des Sängerfestes in Atzbach stellte er die drei Angeklagten als die Täter fest. In erster Instanz waren die Angeklagten, obwohl sie die Täterschaft bestritten, zu Geldstrafen von ie 300 Mark, hilfsweise für je 5 Mark ein Tag Gefängnis, verurteilt worden. Hiergegen legten sowohl die Angeklagten, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der heutigen Verhandlung wurden zwei Zeugen unter dem Verdacht des Meineids vorläufig fest genommen und weitere Zeugen aus Münchholzhausen und Waldgirmes herbeigeholt. Spät nachmittags kam das Gericht zur Vertagung, da zur Klärung der Widersprüche zwischen den einzelnen Zeugenaussagen weitere Ermittlungen angestellt werden sollen. Die beiden vorläufig festgenommenen Zeugen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Buntes Allerlei. Die Frauen und das geilungsinserat. In seinen grimblegenben Studien über: -Das Verhältnis der Frau zur Zeitung", die grötzten- teils auf umfangreichen und erschöpfenden Umfragen bei allen Kreisen der Bevölkerung beruhen, behandelt der englische Philosoph MorreS auch die wichtige Frage, wie sich die Frau zu dem Zeitungsinserat stellt. Hat eS für sie eine Bedeutung? Werden Inserate von ihr gelesen? Mißt sie ihnen einen Wert zu und richtet sie sich tungenletfrenOt! , 7lympdosoo<*; mp- ist vas wirksamste aller LaagmtkUmitirte., wird bergetielil on £>ont> longjähr tfrfafrrongtn du berühmt Loagea-Spcr.-Arrles Arber and Tiachlschweih Appetit u. Körpergewicht heben sich überraschend, kkrepfot. u. gaa» jocolfrei flrjft. glänzend begutachte«. Tausend« vonDankschreibev> auch bei schweren ^öllea. Lestaudteile aus d. Packung. ÜrhälMchi»r. Gienen: l'lvoiUcte zum isoiDenen Engel. >e"D danach? Bach diesen drei GestchttpanSen Wird die wichtige Frage von dem Philosophen behaw- beit. Er kommt auf Grund der Mitteilungen. bU er von den Frauen aller Kreise erhalten hat. zu der äleberzeugung. dasi die Inserate einet Zeitung für die Frauen durchaus nicht nur eine Zugabe zu dem unterhaltenden Tert darsteUet^ sondern eine große Bedeutung haben. Die Anschauung, dasi neben dem Roman die Inserate die interessanteste Lektüre einer Zeitung bilden, kehrt in den meisten Antworten der Frauen wieder. AUe stimmen dann überein, dasi die Inserate von ihnen ausS eifrigste studiert werden. Manch« Frauen legen den größeren Wert auf die Familienanzeigen in weitestem Sinne, d. h. nicht nur auf die Aeiratsgesuchr und Anzeigen, sondern auf alle Inserate, die mit dem HauSwesen in irgendeiner Beziehung stehen. Ob die Anzeigen die Küche und den Keller oder andere Wirl- schaftsgegenstände betreffen, ist gleichgültig. Ein anderer Teil der Frauen legt wieder größere« Wert auf die Anzeigen, welche die Toilette bet Frau betreffen. Interessant ist dabei die Feststellung, daß diejenigen G schäfte, deren Ramen in den von den Frauen g:l Jenen Zeitungen wiederholt vorkemmen, rach Aussagen der Frauen ihnen allmählich auch dann vertraut und gleichsam befreundet werden, wenn sie bis dahin die betreffenden Zirmen persönlich noch gar nicht kennen. Die Erklärung hierfür ist darin zu suchmt. dasi die Frauen zu den Kaufleuten Vertrauen fassen, die sie in den bei ihnen beliebten Zeitungen wiederfinden. Auf Grund dieser Anschauungen ist eS ganz klar, wie die Beantwortung bet dritten Frage lautet, ob bi? Inserate für die Frauen Wert haben. Die m.i'tcn Frauen erklärten sich in ihren Antwortschreiben dahin, dasi sie ihre Einkäufe fast auöschliesilich nach den in ihren Zeitungen enthaltenen Anzeigen richten. Viele bemerken dazu sehr fein, dasi die Anzeigen für sie darum so interessant sind, weil sie im gewissen Sinne ihre Phantasie anregeu. Eine Menge Verschönerungen der Häuslichkeit, auf die die Frauen von selbst nicht verfallen waren, verdanken sie den Inseraten, uurch die sie darauf aufmerksam gemacht worden sind. Gerade um die Weihnachtszeit wird darum die Zeitung von den Frauen am meisten studiert, weil der 3nferatew- teil ihnen der beste Helfer und D?rater auf dem schwiengen Gebiete dec Geschenke ist. Die Zeitung ist eben nicht nur ein Führer deS Lebens durch die darin enthaltenen lehrreichen und unterhaltenden Artikel, sondern auch durch die Ankündigungen, die zwischen der ll'inen Welt der Frau im Hause und der ganzen groben Welt da draußen ein inniges Dand schaffen Für diesen älmstand zeugen diejenigen Antworten der Frauen, die sich dahin aussprachen, dab sie trotz des Zeitmangels, der sie hindert, sich in der Welt umzufehen, mit allen Ersch inungen der Reuzeit: durch die Lektüre des Anzeigenteils mitleben. Darum ist ihnen das Lesen der GeschäftSanzeigen täglich aus den mannigfachen Gründen ein grobes Bedürfnis. Diese Darstellung, die zum erstenmal in psychologischer Weise bad Verhältnis der Frau zu einem Teils des Zeitungswesens in erschöpfender Form feftlegt, ist auS dem Grund doppelt interessant, weil sie gleicherweise zur Kenntnis deS Zeitungswesens und feiner Bedeutung sowie zur Kenntnis der Frauenseele viel Stofs beibringt. 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Peter Hoffmann, Rektor a. D. Rr. 290 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Freitag, U. vezember (923 Die Bosnische Krise 1908—1909. Die Begegnung von Buchlau — Aehrenthal und Iswolsky — Die Annexion Bosniens und der Herzegowina. Mit Erlaubnis des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Verlagsge- sellschaft für Politik und Geschichte bringen wir fortlaufend aus der in Kürze erscheinenden neuen Bänderreche des ?roßen deutschen amtlichen Aktenwer» es*) eine Folge von zu Kapiteln zu- sammengestellten besonders wichtigen Dokumenten zur deutschen Außenpolitik der Jahre 1908—1911 zum Vorabdruck. DVG. Der Vertrag von Berlin 1878 hatte die Okkupation der unter türkischer Souveränität stehenden Länder Bosniens und Herzegowina durch österreichische Truppen zu einem dauernden Rechts- zustand gemacht, unter dem diese Länder faktisch unbestrittener österreichischer Besitz wurden. Es hätte noch im Jahre 1907 sich kein Politiker träumen lassen, daß diese Provinzen Anlaß zu der ersten fiener großen Krisen bieten sollen, die in kurzer Folge den Frieden Europas in dem Jahrfünft vor der Katastrophe von 1914 bedrohten. Eine Reihe von Umständen sachlicher und persönlicher Natur aber brachten es zustande, daß die Umwandlung des faktischen österreichischen Besitzes in den juristischen von nettem die ganze orientalische Frage bedrohlich aufleben ließ. Das russisch-österreichische Zusammengehen auf dem Balkan, das seit 1897 die Fragen des nahen Ostens hatte zurücktreten lassen, erlitt einen ersten Stoß, als der Außenminister Rußlands — das nach der Niederlage von 1905 seiner Expansivkraft wie- der die Richtung auf Konstantinopel gegeben hatte — den österreichischen Plänen aus Herstellung einer Bahnverbindung durch den Sandschak Nowi- basar nach Saloniki energischen Widerstand entgegensetzte. Schon in dieser Frage verschärften persönliche Reibereien zwischen den leitenden Staatsmännern die sachlichen Schwierigkeiten. Beide Minister — Iswolsky wie Baron Aehrenthal — verbanden eine lebhafte politische Geschäftigkeit mit nicht geringer persönlicher Eitelkeit: in dem Bestreben, die Großmachtstellung ihrer Länder — des durch Krieg und Revolution gegangenen Rußlands wie des in die heftigsten Nationalitäten» kämpfe verstrickten Habsburgerreiches — vor aller Welt darzutun, neigten beide au ausgesprochener Prestigepolitik und bedienten sich dabei einer politischen Methode, die sie notwendig in den Ruf der Unzuverlässigkeit bringen mußte. Da das Schicksal die beiden in vieler Beziehung ähnlichen Männer zu politischen Gegnern gemacht hatte, entstand zwischen ihnen eine Todfeindschaft, die politische Differenzen bis zu den bedrohlichsten Konflikten steigern sollte. Den äußeren Anstoß für Aehrenthals Annexionsabsichten gab die Schwächung des osmanischen Reiches durch die jungtürkische Revolution im Sommer 1908 sowie das bevorstehende 60jährige Regie- rungsjubiläum Kaiser Franz Josephs. Während man in Wien die Unterstützung seiner Pläne durch hie Berliner Regierung als so selbstverständlich voraussetzte, daß man dem deutschen Bundesgenossen erst wenige Tage vor der Annexionserklärung von seinen Absichten Kenntnis gab, suchte Aehrenthal das Einverständnis Iswolskys auf einer Zusammenkunft in Schloß Buchlau, der Besitzung des damaligen österreichischen Botschafters in Peters- bürg Grafen B e r ch t o l d , herbeizuführen. lieber diese Begegnung und ihre Ergebnisse entstand nach wenigen Wochen ein heftiger Streit zwischen den beiden Ministern. Fest steht, daß Iswolsky in Buchlau seine prinzipielle Zustimmung zur Annexion eingetauscht hat gegen die Zusage Aehrenthals, die russischen Wünsche bezüglich der türkischen Meerengen zu unterstützen. Doch bestritt Iswolsky späterhin aufs heftigste, daß genauere Abmachungen getroffen seien, und fühlte sich vor allem durch die plötzliche Annexionserklärung am 7. Oktober völlig überrascht und übers Ohr gehauen. Tatsächlich scheiterten seine Meerengenpläne an dem Widerstande Englands, so daß das Geschäft von Buchlau für Rußland jeden Nutzen verloren hatte. Völlige Klarheit über die Achrenthalsche Begegnung mit Iswolsky, die die Feindschaft der Minister vollends besiegelte, wird wohl nie zu erzielen sein. Einen wichtigen Beitrag aber liefern zwei Schrift- •) „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius, Albrecht Mendelssohn-Bartholdy, Friedrich Thimme. 5. Reihe. Erste Abteilung: „Weltpolitische Komplikationen". Band 26 bis 29 (6 Teile). Im Verlage der Deutschen Derlagsgesell- schaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. stücke aus dem in Kürze erscheinenden 26. Bande der Großen Aktenpublikation. Das erste ist ein Privatbrief Aehrenthals, in dem dieser dem F ü r st e n Bülow von den Buchlauer Ergebnissen sowie dem Annexionsplan Kenntnis gibt, das zweite ein Bericht des Staatssekretärs Freiherrn v. Schoen über eine Zusammenkunft mit dem von Buchlau nach Oberbayern gereiften russischen Minister in Berchtesgaden. Beide Schriftstücke enthalten auch bereits eine deutliche Skizzierung all der Momente, die in den folgenden langwierigen diplomatischen Erörterungen wieder und wieder vorgebracht werden sollten. I. Der österreichisch-ungarische Minister des Aeuhern Freiherr von Aehrenthal an den Reichs- kanzler Fürsten von Bülow, z. Z. in Mrderney. Privatbrief. Ausfertigung. Wien, den 26. September 1908. . . . Nach der Wiedereinführung der türkischen Verfassung ergab sich für uns die unbedingte Notwendigkeit, mit dem bisherigen absoluten Regime in Bosnien zu brechen. Außerdem stellte sich für uns die Unhaltbarkeit der Stellung unserer Garnisonen im Sandschak von Nowibasar heraus . . . Drei Wege standen mir offen, auf denen ich die Politik der Monarchie engagieren konnte. Zunächst der Weg, an der Verfassungsfrage in Bosnien nicht zu rühren, unter Hinweis darauf, daß die Verhältnisse dafür noch nicht günstig sind: wir konnten auch im Sandschak den jetzigen Status quo aufrecht erhalten, aber in beiden Teilen entsprechende militärische Vorkehrungen treffen, um nicht von den schamlosen Hetzereien der Serben, welche in letzter Zeit auch von dem jungtürkischen Komitee wenigstens geduldet werden, überrascht zu werden. Line solche Verstärkung unserer Garnisonen im Sandschak, die Mobilisierung des 5. Korps in Serajevo, wäre sicherlich von unseren Gegnern als Beweis einer aggressiven Politik gedeutet worden. Der zweite Weg, den ich einschlagen konnte, war der, von militärischen Vorkehrungen abzusehen und in Belgrad eine drohende Sprache zu führen, indem ich die dortige Negierung für jeden Zwischenfall in Bosnien und im Sandschak verantwortlich machte. Eine solche Politik hätte leicht zu einem bewaffneten Konflikt mit dem Königreiche geführt, unsere Lage im Sandschak nicht verbessert und auch unsere Beziehungen zu den Mächten, anstatt sie zu klären, eher getrübt. Endlich stand mir der dritte Weg offen, den ich ein- schlagen will. Seiner Majestät, meinem aller- gnädigsten Herrn, oorzuschlagen, unsere Truppen aus dem Sandschak herauszuziehen, auf eine Okkupation jener Gebiete definitiv zu verzichten, gleichzeitig aber die Annexion der beiden Provinzen als fait accompli auszusprechen. Ich entschied mich für diese Lösung nicht nur, weil sie den spezistschen Interessen Öesterreich-Ungarns gerecht wird, sondern auch, weil hierdurch die allgemeine Konstellation der Mächte am wenigsten berührt wird. Um nun die Frage der Annexion mit dem ge- ringften Risiko zu verbinden, war eine vorgängige Verständigung mit Rußland nötig. Rußland hat die Annexion der beiden Provinzen gleich zu Anfang unserer Verhandlungen aufs Tapet gebracht. In Buchlau hat Iswolsky nach einer von mir vorgebrachten eingehenden Darlegung unserer Beweggründe sich mit der von mir in Aussicht aenom- menen Vorgangsweise im Prinzipe einverstanden erklärt und eine freundschaftliche Haltung Rußlands zugesichert. Iswolsky hat natürlich die Gelegenheit wahrgenommen, um die Rückwirkung der Annexion Bosniens und der Herzegowina auf die Balkanverhältnisie sowie auf die spezifisch russischen Verhältnisse zur Erörterung zu bringen. Er glaubt, daß sowieso eine Revision zahlreicher Bestimmungen des Berliner Vertrages sich als unerläßlich Herausstellen dürfte und diese Revision auf friedlichem Wege durchzusetzen fein werde. Dieser Optimismus ist darauf begründet, daß die Türkei sich mit dem Fallenlassen rein formaler Rechtsansprüche, die sich mit den faktischen Machtverhältnissen nicht decken, abfinden werde, weil sie als Ersatz dafür freie Hand in ihren inneren Angelegenheiten erhält. Iswolsky denkt sich auch den Augenblick gekommen, wo er auf fein großes Ziel — eine Modifizierung der Bestimmungen betreffend die Meerengenfrage — zusteuern könnte. Iswolsky perhorresziert ledcn territorialen Anspruch in und um Konstantinopel. Er fände es im Interesse Rußlands gelegen, wenn der heutige territoriale Besitz der Türkei — exklusive Bosnien und Herzegowina, Ostrumelien und Kreta — solange als möglich intakt bliebe. Für den Der Schnupfen und feineEefahren Von Dr. weck. E. Mosbacher. Die Nase ist zum Riechen da. Aber nicht nur allein zu diesem Zweck; sie ist auch ein wichtiger Bestandteil des Atmungsapparates. Sie wirkt wie eine Art von Filter; werden doch in ihr aus der eingeatmeten Lust Staubteilchen und sonstige Verunreinigungen zurückgehalten, so daß bei ungehinderter Nasenatmung vom Gröbsten gereinigte Lust in Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lungen gelangt. Zudem aber wird die Einatrnungs- luft in der Nase und ihrer Nebenhöhle oorgewärmt und gleitet somit einer — dem Körper angepaßten — Temperatur in die empfindlichen tieferen Teile des Atmungsapparates. Für alle diese Arbeiten ist nun die Nase im Innern recht zweckmäßig eingerichtet. Die Nasenhöhle wird durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen zerlegt; an den beiden Seiten wird sie durch knorplig-elastische Wände, oben durch Knochen begrenzt und unten durch harten und weichen Gaumen von der Mundhöhle geschieden. Damit nun aber die schützende Schleimhaut, die die Höhle innen auskleidet, möglichst breit mit der vorbeistreichenden Luft in Berührung kommt, sind in jedem Nasenabteil drei überein- anberliegenbe, mit Schleimhaut überzogene Wülste angebracht — die Nasenmuscheln. Aber ein gut Teil der Lust muß, bevor sie in den Mund gelangt, imch die im Oberkiefer, Keilbein und Stirnbein liegenden Nebenhöhlen der Nase, die mit dem Naseninnern in enger Verbindung stehen, passieren. Außer der Stirn-, Kiefer- und Keilbeinhöhle ist noch das Mittelohr durch die eustachische Röhre (Ohrtrompete) mit der Nase verbunden. Auch der Ausführungsgang der Tränendrüsen mündet in das Nafeninnere. Ganz oben in der Nase liegen die Endigungen der Geruchsnerven, die durch die in der Luft enthaltenen flüchtigen, riechenden Gase gereizt werden und uns so Empfindungen übermitteln. Die Schleimhaut der Nasenhöhle enthält weite, in lockeres Zellgewebe eingehüllte, Blutgefäße, außerdem eine große Zahl von Drüsen, in ihrem vorderen Abteil feine kurze Härchen. Ungestört vermag die Nase mit ihren Hilfsmitteln beim Gesunden ihre Aufgaben zu erfüllen. Mit einem Schlage aber ändert sich das Bild, wenn auf eine Abkühlung, eine Erkältung hin die stets auf der Nasenschleimhaut vorhandenen — beim Gesunden ruhenden — Bakterien anfangen zu wuchern und eine Entzündung, einen Katarrh, einen Schnupfen heroorzurufen beginnen. Zunächst schwillt die Nase zu, d. h. die Blutgefäße der Schleimhaut werden prall mit dem roten Lebenssäfte überfüllt, um den Kampf gegen die Schädlinge mit verstärkten Kräften aufzunehmen, es kommt von Seiten der Drüsen zu vermehrten 2lus- schwitzungen, die zunächst als klare wässrige Flüssigkeit abfließen, um sich späterhin durch Eiterkörperchen, zugrunde gegangene Bakterienleiber und durch Verunreinigungen grünlich-gelblich zu Jär= ben. Die Luftpassage ist stark behindert oder ganz, lich aufgehoben ;der Kranke muß durch den Mund atmen, wodurch eine Austrocknung der Mundschleimhaut hervorgerufen wird, die sich durch er« irinkbedürfnis, besonders des Morgens beim Erwachen geltend macht. Hand in Hand mit dieser Lrttichen Erscheinung treten Störungen des Allgemeinbefindens auf, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Frösteln, leichtes Fieber, Kopfschmerzen u. bgl. m. Meist wird der Körper jedoch nach ein paar Tagen mit der Infektion fertig; die Absonderung wird klarer, läßt Fall einer weiteren Abbröckelung des türkischen Be- sitzstandes bleibt Rußland seinen früher mit uns ausgetauschten Zusicherungen treu, daß es für ein Belasten der türkischen Herrschaft in Konstantinopel et le territoire adjacent eintreten will. Die Meer- engen blieben somit nach wie vor unter der Herr- schäft der Türkei. Die Aenderung würde sich bloß auf die Einräumung des Rechtes an die Uferftaaten des schwarzen Meeres beziehen, daß Kriegsschiffe einzeln die Meerengen passieren dürfen. Als Gegenleistung der Annexion Bosniens habe ich Iswolsky eine gleich' freundschaftliche Haltung der Monarchie in Ansehung des erwähnten russischen Petitums in Aussicht gestellt, jedoch nur unter der ausdrücklich betonten Voraussetzung, daß die an den geltenden Bestimmungen vorzunehmenden Aenderungen die Selbständigkeit und die Sicherheit der Residenz des Sultans nicht tangieren dürfen. Wenn also Rußland faktisch diese heikle Frage wird anschneiden wollen, werden jedenfalls weitere Negoziationen nötig fein, in welchen die uns russischer- seits zu bietenden Garantien für die Wahrung unserer Interessen und Rechte am Balkan und am Bosporus zu prüfen und festzustellen fein werden. Ich halte dafür, daß diese unsere Interessen in Kon- ftantinopel so Ziemlich gleichartig mit den Interessen Deutschlands sind, und daß die Bürgschaften, die wir diesfalls werden verlangen müssen, so ziemlich dieselben sein werden wie die, welche DeutsMand anstreben wird. Iswolsky wird Sie ja im Laufe des Oktober aufsuchen und offenbar die Frage auch mit Ihnen besprechen. Mir gegenüber versicherte er, daß er in der Meerengenfrage kein Engagement mit England eingegangen ist . . . Mein allergnädigster Herr wird vor der Durchführung der Annexion an Kaiser Wilhelm schreiben und ihm seine Beweggründe für diesen Schritt auseinandersetzen. Herr von Szögyeny ist beauftragt, das Schreiben des Kaisers und Königs persönlich zu übergeben. Ich wäre Ihnen zu besonderem Danke verpflichtet, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, für den Botschafter, der am 4. Oktober in Berlin fein wird, eine Audienz, womöglich für den 5. oder 6. Oktober zu erwirken. Wir rechnen mit vollem Vertrauen auf Deutschlands Unterstützung, wie auch letzteres von uns Beweise erhalten hat, daß wir in ernster Stunde fest zu unseren Freunden stehen. Aehrenthal. II. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von S d) o 0 n, z. Z. in Berchtesgaden, an den Reichskanzler Fürsten Bülow, z. Z. in Norderney. Ausfertigung. Berchtesgaden, den 26. September 1908. Herr Iswolsky, welcher sich nach Abschluß seiner Kur in Karlsbad eine Woche bei seiner Familie in Tegernsee aufgehalten, hatte mir den Wunsch geäußert, mir von dort aus hier einen Besuch ab= Zustatten. Dieser Besuch ist gestern und heute zur Ausführung gekommen. Das Hauptgewicht der Besprechungen legte Herr Iswolsky auf alles, was den nahen Orient betrifft Baron Aehrenthal, mit dem er kürzlich eine De- gegenung gehabt, hat ihn in feine Pläne eingeweiht, deren Stichworte find: Annexion von Bosnien und der Herzegowina, Verzicht auf den Vormarsch nach Saloniki, Zurückziehen der Garnisonen aus dem Sandschak, Bereitwilligkeit, mit Rußland über dessen Wunsche nach freier Durchfahrt durch die Meerengen zu sprechen. Herr Iswolsky hat den Eindruck, daß Baron Aehrenthal, vielleicht mehr durch inner- politische wie durch äußere Erwägungen gedrängt, schon bald an die Lösung dieser Probleme heran- ’iitreten wünsche. Ohne bestimmte Angaben in biet'er Richtung von Baron Aehrenthal erlangt zu haben, neigt er der Annahme zu, daß der österreichisch-ungarische Minister bereits den bevorstehenden Delegationen den Plan der Annexion Bosniens und der Herzegowina oorlegen möchte. Einen so großen Reiz es auch für Rußland habe, dem Ziel feiner Wünsche, der Deffnung der Meerengen für russische Kriegsschiffe, nahezulommen, so könne er sich doch nicht verhehlen, daß die Aehrenthalschen Pläne manche Gefahren in sich schließen: Es sei immerhin fraglich, ob die neue Türkei sich mit der Preisgabe des Sandschaks durch Oesterreich-Ungarn abfinden lasten und nicht weitere Kompensationen, etwa die Revision der Kapitulationen und gewisser auf Mazedonien bezüglicher Bestimmungen des Berliner Vertrages verlangen werde. Bulgarien dürfte wohl r it aller ihm zu Gebote stehenden Kraft für feine volle Selbständigkeit und Erweiterung auftreten und trotz aller ernsten Mahnungen zur Ruhe, an denen es Rußland nicht fehlen lassen werde, geneigt sein, auf blutigem Wege zum Ziele zu gelangen . . . Mit den bulgarischen Verwickelungen seien übrigens die Folgen, die der österreichisch-ungarische Plan haben müßte, keineswegs erschöpft. Montenegro würde nicht ohne begründetes Recht Anspruch naMBEaWMMgll IW IPTMI I IBWMI I ■■ II I an Stärke nach, um bald wieder gänzlich aufzuhören; die Schwellung der Schleimhaut bildet sich zurück, die Passage wird freier, bis der normale Luftwechsel wieder ermöglicht wird. Die infolge der Verstopfung des Tränenausführungsgangs entstandene Verquellung und Rötung der Augen verschwindet. Da beim vvllentwickelten Schnupfen die Lust nicht bis zu den Endigungen der Geruchs- nerven bringen kann, so ist auch auf ber Höhe der Erkrankung meist jegliche Geruchsempfindung aufgehoben; auch diese kehrt nach Abklingen ber Ent- zünbung wieder zurück. Außerdem schmecken wir beim Schnupfen wenig ober gar nicht. Süß unb sauer, bitter unb salzig, laugenhaft unb metallisch schmecken wir zwar mit Hilfe ber Zunge; alles andere jedoch, also das Meiste, was wir zu schmecken vermeinen, riechen wir in Wirklichkeit. Und wenn bei einem Schnupfen die Eeruchsnerven ausgeschaltet werden, so geht es uns wie dem Menschen, der bei zugehaltener Naie, also bei Unterbrechung des Luftstromes, und cei oerbun- denen Augen z. B. Tee und Kaffee nicht mehr voneinander unterscheiden kann. So ungefähr verläuft ber gewöhnliche unkomplizierte Schnupfen. Anders liegen die Dinge, wenn im Verlaufe des Schnupfens besonders heftige und hartnäckige Kopfschmerzen über einem ober über beiden Augen auf treten ober wenn starke Schmerzen im Oberkiefer cinletzen. Dann muß man stets an eine Komputation, an ein Mitbefallensein ber Stirn- dzw. der Kieferhöhlen decken, um derentwillen man baldigst den Arzt aufsuchen muß. Auch höheres unb länger bauerndes Fieber weist auf Komplikationen hin, z. B. von Seiten des Ohres. Nicht selten entwickelt sich im Verlauf eines Schnupfens, besonders auch bei Kindern, eine Mitteloyrentzün- auf größere Bewegungsfreiheit erheben, als e» nach dem Berliner Vertrag genießt. Schließlich werbt man auch nicht umhin können, so ungern auch Baron Aehrenthal sich dazu entschließen bürste, Serbien burch einen kleinen Gebietszuwachs auf Kosten von Bosnien-Herzegowina abzuftnben. Kurz, es ergäbe sich eine Fülle teils nützlicher, teils notwendiger Veränderungen, die nicht ohne eine gründliche Revision des Berliner Vertrages vollzogen werden könnten, daher vielleicht einen neuen Kongreß erwünscht erscheinen Netzen. Er für feine Persern würde nicht ben Mut haben, all diese großen Fragen in Bewegung zu setzen, wenn dies aber burch bie Initiative Oesterreich-Ungarns geschehen sollte, so würde die russische Politik für eine gründliche Losung aller auftauchenden Balkanprobleme cintrctcn, immer nur von dem aufriefrj tigen Bestreben beseelt, einen Ausgleich auf friedlichem Wege herbeizuführen. Ich habe mich einer bindenden Aeußeruug zu allen diesen Fragen, die uns weniger intensiv de-' rührten wie Oesterreich-Ungarn unb Rußland, enthalten, nur stets betont, baß auch wir, wenn bie Balkansteine ins Rollen kommen sollten, un- an den Bemühungen zu stieblichem Ausgleich gern beteiligen würben. Zur Tlecrengenfrage hatten wir keine Veranlassung, uns von vornherein auf einen ablehnenben Standpunkt zu stellen, es käme aber wesentlich daraus an, wie Rußland sich bie Lösung im einzelnen denke. Herr Iswolsky meinte daraus, es würde sich eine Formel finden lasten, welche den Empftndlichkeiten des Sultans sowohl wie der Mächte gebührend Rechnung trage, vielleicht die Limitierung der in gewissen Zeiträumen durchzulassenden russischen Schisse und Garantien für die Nichtantastung der Souveränität des l|3abi« schahs. Wie England sich zu ber Frage stellen würbe, sagte Herr Iswolsky auf meine Frage, wisse er noch nicht, er habe noch feinen Anlaß zu einer Sondierung genommen. Er nehme vorläufig an, daß England nun, nach der Herstellung guter Be Ziehungen mit Rußland, nicht ganz intransigent sein dürfte. Sollte es die freie Durchfahrt nicht allein für russische, sondern auch für alle anderen Schiffe verlangen, so müßte die Erfüllung solcher Forderungen ben Effekt haben, Rußlanb zu enormen Aufwendungen für bie Befestigung feiner Plätze am Schwarzen Meer zu veranlasten. Eine so bebeutenbe finanzielle Mehrbelastung würbe aber Frankreich äußerst ungern sehen, daher wokst zur Einwirkung auf Englanb bereit fein. Auch könnte man letzterem vielleicht eine Kompensation burch Zugestänbnisfe in ber Frage ber Kapitulationen in Aegyvten gewähren. Ich habe darauf einen Zweifel nicht unterdrückt, ob es gut sei, einen fo weitgehenden Handel mit Kompensationen zu treiben, wenn wir auch unsererseits kaum davon würden Abstand nehmen können, für unsere etwaige Zu-- stimmung zur Dleerengeneröffnung einen Gegendienst auf anderem Gebiete zu erwarten. Herr Iswolsky gedenkt diese Orientfragen mit Euerer Durchlaucht zu besprechen, wenn er in ber zweiten Hälfte Oktober, von Lonbon unb Paris kommend, also vermullich nach erfolgter Sondierung daselbst, in Berlin eintreffen wird. . . v o nSch oen. MMmLW das Sie in einem Kochbuch, in Ihrer Zeitschrift oder sonstwo lesen, Backpulver genannt wird, so ist es Ihr Vorteil, Dr. Oetker’s Backpulver „Backin“ zu verwenden, denn seit über 30 Jahren hat es sich in Millionen von Haushaltungen glänzend bewährt. Sein Verbrauch ist ständig gestiegen und steigt auch heute noch. Es gibt keinen besseren Beweis der Zuverlässigkeit. Bitte versuchen Sie: Gewürzkuchen Zutaten : 125 g Butter, 350 g Zucker, 320 g Mehl, 125 g Schokolade, 4 Eier, 1, Eßlöffel Nelken (gestoß.) 1 Teelöffel Zimt, '/, Muskatnuß, 1 Tasse Milch (*/« Liter), l Päckchen Dr. Oet er’s Backpulver „Backin“. 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Der 5 unkomplizierte Schnupfen bedarf kaum einer Behandlung, außer wenn erhöhte Temperaturen und stärkere Störungen des Allgemeinbe« findens den Befallenen zwingen, für 1—2 lagt das Bett zu hüten. Hierbei können Schwitzprozeduren unter Zuhilfenahme von heißen Getränken versucht werden. Auck) Einatmen von Wasserdämp» fen bringen vielfach vorübergehende Erleichterung. Da die herabsließende ammoniakhaltige 2lbjonberung die Oberkippe reizt, so fette man diese mit Vaselin oder mit milder Borsalbe ein. Das Einatmen von Aspirin, Pyramidon u. bgl bei jedem lumpigen Schnum'en, zumal ohne Einverständnis des Arztes, ist Unfug. Denn diese Mittel sind keineswegs Harm, los und werden mitunter schlecht vertragen. Et« kalter Umschlag auf die Stirne genügt häufig, um die Kopfschmerzen ganz erheblich zu lindern. Sobald jedoch Anzeichen für eine der oben genannten Komplikationen vorliegen, so warte man nicht länger ab, sondern nehme umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch. Im übrigen muß man noch wissen, daß her Nasenkatarrh eine Anfangs- ober Begleiterscheinung einer ernsteren, ansteckende« Krankheit wie der Masern, de» Scharlach» ober ber Influenza sein kann. Oberhessen. Landkreis Gießen. ) L i ch, 10. Dez. Heute beginnt hier der von dem Verkehrs- und Der schöne rungs- verein unserer- Stadt veranstaltete Schaufensterwettbewerb. Die Inhaber der hiesigen Ladengeschäfte haben sich offensichtlich große Mühe gegeben, so daß das Preisgericht einen nicht ganz leichten Standpunkt haben wird. Auf die Besucher der Stadt dürften die zum Teil künstlerisch ausgestatteten SchaufensterdelOvationen einen recht guten Eindruck machen. Zu gleicher Zeit findet am 13. und 14. Dezember eine von dem Geflügel- und Vogelzuchtverein Lich und älmgegend veranstaltete Geflügelausstellung in der hiesigen Turnhalle statt, die, wie man hort, gut beschickt werden wird. Ein Besuch der Ausstellung dürfte recht lohnend sein. So hofft man, dem diesjährigen Weih- nachtsmarkt ein ganz besonderes Gepräge zu geben und ihm eine reiche Anziehungskraft zu verleihen; aber des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil. Der Schweinemarkt darf leider nicht statffiuden wegen erneuten Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in dem benachbarten Langsdorf. Cs ist indessen zu hoffen, das, die anderen Veranstaltungen genügende Anziehungskraft besitzen, um einen guten 'Besuch zu gewährleisten. — Heute wurden seitens der fürstlichen Gärtnerei dahier die ersten Christbäumchen in hiesiger Stadt verkauft. Der Verkaufspreis für schöne Bäumchen bewegte sich zwischen 60 Pfg. und 3 Mk. l. Hungen. 10. Dez. Aus der jüngsten Gemeinde ratssihung ist zu berichten: Die von der Gemeinde zu erhebende Hundesteuer für das Jahr 1926 wird mit 4 Mk. für den ersten Hund eines Besitzers festgesetzt. Für jeden weiteren Hund wird em Zuschlag erhoben. Die alten Drainagepläne sollen durch Ein- Zeichnung der durch die Feldbereinigung gebildeten neuen Parzellen ergänzt werden. Zur besseren Abrimdung des Gemei ndegelän- deS am Mühlberg wird mit einem angrenzenden Aachbar ein Austausch von Gelände vorgenommen. Das Gesuch eines Bauenden um Erlaß 6j>n Zinsen gegen sofortige Abtragung der Bauplatzkosten wird genehmigt, während eine Beschlußfassung über den Ankauf eines Ackers vertagt wird. Ein Gesuch um Äeberlasfung eines D a up l a tz e s in der Rähe der neuen Schule wird abgelehnt, da das betr. Gelände vorerst nicht verkauft werden soll. Das zweite Einzelhaus in der Aiddaer Straße wird einem Mieter zugewiesen, während über die Vermietung des Doppelhauses ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt wird. Verschieden« Gesuche um Stundung und Erlab von Gemeindeforderungen werden der Finanzkom- mission zur Vorbereitimg überwiesen. Um eine Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Langsdorf und die hierdurch für die Landwirtschaft entstehenden Nachteile zu verhüten, wird zur Abschlachtung des von der Seuche befallenen Viehes ein entsprechender Betrag bewilligt. Kreis Frievberg. * Butzbach, 10.Dez. Für Wontag hatte die Bruderschaft Butzbach des Iungdeutschen Ordens zu einem junadeutschen Abend in das Gasthaus Isenburger eingebrden. Der Abend wurde mit musikalischen und deklamatorischen 'Mrrträgen eingeleitel. Dann ergriff der Komtur der Ballei Oberhessen, Major a. D. Wichert- Büdtngen, das Wort zu einer längeren Ansprache. Aus einer Schilderung der Verhältnisse und Zustände, die jetzt das deutsche Volk beherrschen und bedrohen, entwickelte er die Aufgaben und Ziele des Iungdeuffchen Ordens. Reicher Beifall war die äuhere Ernte seiner ernsten RÄ>e. Mit einem Schlußworte des Butzbacher Großmeisters und dem gemeinsamen Singen des jung- deutschen OrdensÜedes schloß der schöne Mend. Kreis Büdingen. —/— Selters, 10. Dez. Der Zweig - verein des Evangelischen Bundes hielt im Kührckeschen Saal einen sehr gut besuchten Vortragsabend ab. Pfarrer Hoch sprach an Hand von ausgezeichneten Lichtbildern in überaus klarer und eindrucksvoller Weise über Japan, besonders die Arbeit der Mission in diesem Land. Verschiedene Chorlieder verschönten Franziska. Roman von LieSbet Dill. 1Z. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Hnb warum dachten Sie das?" fragte Hasse sehr höflich. „Run, weil man Sie nicht mehr mit ihr zusammen gesehen hat und weit man sagte, daß sie — aber das ist ja jetzt ganz gleich- gfllttg* „Rein, bitte, was sagte man?" Worth warf die Zigarette fort, es war ihm nicht angenehm, daraus zu antworten; aber die hellen grauen Augen Haffes bohrten sich ihm auf den Grund feiner Seele, und so sagte er endlich: „Daß sie mit Stephansberger in einer Wohnung lebt...“ Hasse saß einen Autzenblick stumm. Er stutzte sich zu fammeln, sich keine Blöße zu geben, zu begreifen, den Aufruhr in sich niederzudrücken, der in ihm loderte bei den: ersten Wort, das der andere zu ihm gesprochen. „Cs ist Theater- tlatsch", sagte er. indem er sich erhob. „Natürlich," lenkte der andere ein. „ich hab's ja nur am Stammtisch gehört." „An welchem Stammtisch?" fragte Hasse, der schon den Hut aufgesetzt hatte und nach seinem Stock giss. „Am runden Tisch in der Bavaria." „Gut", sagte Hasse, und er murmelte iroch einmal: „Sehr gut", grüßte und ging in die Rächt hinaus. Er ging, die Hände auf dem Rücken, den Stock zwischen den Schultern, voran, durch eine Allee an lropfenden Büschen vorüber. Cr dachte cm Franziska und ihre letzten Worte, an das, was sie ihm geschworen hatte... Die hatte es getan, aber zögernd, und in ihren Augen leuchtete etwas wie Furcht... Sie hatte ihm geschworen, darauf kam er immer wieder zurück, daß sie die Wahrheit gesprochen, und damit mußte er sich abfinden.. Aber die hingeworfenen Worte Worths, „der neueste Galan, der DtephanSber- ger", saßen wie Giftpfeile. Dieser Frauenjäger mit dem brutalen Ge- sicht und dem Stiernacken. Er hatte ihn im „Schmuck der Madonna" gesehen, wo er, die Peitsche in der Hand, auf dem Tisch stand und den anregend verlaufenen Abend. Derselbe Redner sprach am Montagabend über dasselbe Thema in Llse n bvrn. — Da unsere Kirchen- Heizung nicht mehr ausreichend war, wurde auf Beschluß des Kirchendorstandes ein neuer Kirchenofen angeschafft, den die Eisenwerke Hirzenhain lieferten Gerade in der kalten Zeit hat sich der Ofen glänzend bewährt. Die Mittel zur Reuanschaffung wurden durch eine Haussammlung in Selters und Filialdorf Wippenbach aufgebracht, die Gebefreudigkeit der Gemeinden war, wie immer, sehr groß. Kreis Schotten. * Laubach, 9. Dez. Die Eisbahn aus dem O b e r s e e, unterhalb des Ramsbcrges, wurde am Sonntag eröffnet. Am folgenden Tag fand die Hauptversammlung des Eisvereins statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende. Studiendirektor Dr. Hainer, des Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. R o e s ch e n , der an diesem Tage seinen 70. Geburtstag beging. (Er harte sich den Gratulationen durch eine Wanderung in seinen Geburtsort entzogen. Ein von allen Vorstandsmitgliedern unterzeichnetes Glückwunschschreiben wurde ihm am folgenden Tage überreicht.) Sodann erstattete der Rechner den Rechenschaftsbericht über die beiden letzten Jahre. Die Rechnung wurde geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. Die Haftpflichtversicherung soll erneut eingegangen werden mit Wirkung vorn 1. Dez. Dem Amtsgericht Laubach wird mitgeteilt, daß sich in der Zusammensetzung des Vorstandes nichts geändert hat. Die von Prof. Roe sch en entworfene Ordnung über die Pflichten der Eiswarle wird angenommen. Mit der Reinigung der Eisbahn werden mehrere Arbeitslose betraut. Die Kontrolle über den Besuch der Eisbahn soll strenger schondhabt werden. Darauf erfolgte die Feststellung des Voranschlags. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus den Beiträgen der Mitglieder 150 Mk.; Beitrag der Gemeinde 20 Mk.; Beitrag der Realschule 20 Mk.; Kassenvorrat 152 Mk.: zusammen 342 Mk. Die Ausgaben setzen sich zusammen aus: Reinigung der Eisbahn 100 Mk., Erhebung der Beiträge 10 Mk.; Beaufsichtigung der Bahn 5 Mk.; Anerkennungsgebühr an die gräfliche Generalkasse; Instandsetzung der Schleuse 100 Mk.; Verschiedenes 117 Mk.; zusammen 342 Mk. Die alten Eiskarten sollen für dieses Jahr mit einem Stempel versehen werden. Für Sonntag war ein Eisfest vorgesehen. Kreis Alsfeld. m. Rieder-Ohmen, 10. Dez. Auf Einladung des Kreisschulamtes Alsfeld hatten sich die Schulvorstandsvorsitzenden der Orte aus der Umgebung Mücke dahier zu einer Beratung über die Verteilung der Fori j bildungsschul stunden versammelt, da Lehrer Roth- Wettsaasen seinen Dienst als hauptamtlicher Fortbildungsschullehrer für Mücke und ilmgegenb antritt. Ihm wurden zugeteilt die Orte Lehnheim, Flensungen und Ilsdorf, Merlau, Bernsfeld, Wettsaasen und Ruppertenrod. Diesen Orten erwächst durch die Ernennung des hauptamtlichen Fortbildungsschullehrers der große Vorteil, daß die Schüler nur an einem Tag in der Woche unterrichtet werden, ferner der Stoff viel eingehender behandelt wird, da der Fortbildungsschullehrer nur in diesem Stoffe lebt und auch viel frischer an die Arbeit geht als dec Volksschullehrer, der seither diesen Unterricht im Rebenamte erteilte. l. Storndorf, 9. Dez. Urtfer Dorf, oder wenigstens der Rame unseres Ortes ist weithin bekannt. Haben wir doch in der Rahe einige klare Quellen, deren Wasser sich zu einem Bächlein bereinigen, das den Aamen ..Schwal m" erhalten hat und ihn durch schone und fruchtbare Täler weiterträgt. Kaum hat das Bächlein seine Wanderung begonnen, so fühlt es sich schon kräftig genug, im Wiesengrund unseres Dorfes ein Mühlrad zu drehen. Diese Mühle friert fast nie ein. denn der Mühlbach ist Brunnenwasser, das noch nicht lange der warmen Erde entquoll. Die Schwalm, in deren klaren Wasser die beliebte Forelle liebt, fließt munter dahin, treibt Mühlen und Sägewerke und Fabriken; wohl in jedem Ort, den sie berührt, erweist sie sich nutz- ibringend. Storndorf liegt etwas abseits vom großen Verkehr, darum ist es natürlich, daß fast alles, was zu des Leibes Rahrung und Votdurft gehört, von einheimischen Geschäften zu beziehen ist. S ä m t l i ch e H a n d w e r k e r, die der Landwirt braucht, betreiben hier ihr Gewerbe, sogar die Weiber vor sich, hertrieb, das war eine Rolle für ihn. Ist allen großen, heroischen versagte er. Gr war ungebildet, Stimme und Mensch — roh. Aber er bekam die meisten Blumen. Alle Frau.enherzen flogen ihm zu. Er war ein Cäsar: II n’avait eu qu’ä se montrer pour etre vainqueur. Tlnbegreiflich. Er suchte in seiner seiner Erinnerung, daß er oft mit ihr über den Stephansberger gesprochen, aber er hatte sie von feiner Richtswürdigkeit nicht zu überzeugen vermocht. Konnte man je ein Weib von der Schlechtigkeit eines Mannes überzeugen, der ihr gefiel? Cs war, als kämpfe man gegen einen Berg von Granit. Während in ihm diese Zweifel aufstiegen, geriet er immer weiter in diesen dunklen Park, stieß gegen die Büsche am Weg, die Zweige streiften ihm den Hut. Er kam schließlich auf der anderen Seite der Allee in dem alten Stadtteil an. Ich werde zu ihr gehen, be- schloß er und schritt geradewegs der Parkstrahe zu. Er fand das Hatts, die Haustür war noch offen. Er flieg nach oben und blieb in dem Treppenraum vor jeder Tür, jeder Visitenkarte stehen, um ein Wachslicht anzuzünden und die unbekannten Ramen zu lesen, bis zum dritten Stock, wo er ihre Karte fand. Sie hing schief, mit einem Reißnagel an der Glastür befestigt. Er läutete an. Bei dem dünnen, bimmelnden Ton der Schelle rührte sich etwas in seinem Herzen wie Mitleid. So wohnte sie jetzt, in dieser ■Umgebung, mit dem schmutzigen Eingang? Das Bimmeln verhallte, aber niemand kam. nichts rührte sich da drinnen. Er läutete wieder und wartete. Kein Laut. War sie eingeschlafen, sollte er sie wecken? War sie überhaupt da drinnen? Und warum kam niemand, die Tür öffnen? Er trat an die gegenüberliegende Tür, das Wachslicht flammte auf, und eine Visitenkarte mit dem Ramen Stephansberger leuchtete, ebenfalls an einem Reißnagel hängend, ihm dort entgegen, als ob dieselbe Hand sie hingehangen. Der Rame schlug vor ihm nieder, wie ein Blitz an einem Körper herabfahrt, die Glieder lähmend. Er zündete ein zweites Licht an und las es noch einmal, dann hörte er unten eine Tur gehen, und jemand kam mit fröhlichem Pfeifen die Treppe herauf. Wenn er es ist, dachte Hasse, in dem sich alles in Haß verwandelte. Gut, dann soll er mir Rede stehen, auf dieser Treppe, neuere Berufe, wie z. B. der eines Elektrotechnikers, sind hier vertreten. Auch ist ein Arzt am Platze, für abgelegene Ortschaften ein unschätzbarer Vorteil, dessen Bedeutung unsere Gemeinde richtig erkannt hat, als sie vor wenigen Jahren eine neue Arztwohnung erbaute. Weiter hat eine Oberförsterei in unseren Mauern ihren Sitz. Dampfsägewerke bearbeiten die Stämme aus den Vogelsberger Wäldern und geben ;ic dann als fertiges Bauholz in die Städte weiter, eine größere Genossenschafts-- molkerei liefert iricht nur ein ansehnliches Quantum Milch an die Stadt Frankfurt a. M., sondern erzeugt auch Butter und Käse. Weiter wird in unferm Dorf künstliches Tafelwasser nach erprobtem Verfahren hergestellt. Als ein Zeichen fortschrittlichen Geistes, als ein Denkmal bürgerlichen Gemeinfinnes sei noch das neuere, schön gelegene und hübsch eingerichtete Schulhaus genannt. K Aus dem Kreise Alsfeld, 10. Dez. Gegenwärtig sieht man öfters auf unseren Dörfern Arbeitslose, die sich auf eine ganz neue Art ihren Lebensunterhalt erwerben. Sie verkaufen selb st gerahmte Bildchen, die sie mit einer Glasscheibe bedeckt und an den Setten mit schwarzen Papierstreifen eingefaßt haben, was sehr nett aussieht. Manche verlaufen auch s e I b ft g e m a 11 e Bildchen, die sie mit schwarzer und roter Tusche Herstellen. Sie werden für 50 bis 80 Pf. pro Stück ab- geseht. Rheinhessen. WSR. Mainz, 10. Dez. Bei Oberolm wurde in einem Walde eine männliche Leiche ohne Kopf gesunden. Der Kopf lag einige Meter davon entfernt. Er soll sich um einen vor etwa einem Jahre verschwundenen Arbeiter aus einem Rachbardorf handeln. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Wetzlar, 10. Dez. Die Weirerentwicklung der von der Krei soerwaltung geschaffenen Wanüerbücherei, deren Bücherbestand zuletzt bis auf 10 000 gestiegen war, ist jetzt leider gänzlich zum totillftanb gekommen. Eine Fülle von Unterhaltung und Belehrung ging von dieser segensreichen Einrichtung aus. Durch den Umstand, daß die Bücher in den einzelnen Bürgermeistereien alljährlich von Dorf zu Dorf weitergegeben und dadurch sehr verbraucht wurden, hat die Bücherei erheblichen Schaden erlitten. Staat und Kreis sind bedauerlicherweise jetzt nicht in der Lage, die abgenutzten Bände durch neue zu ersetzen. kz. Wetzlar, 10. Dez. Bei den in diesem Jahre abgehaltenen Reichsjugendwett- kämpfen hatten die hiesigen Volksschulen 194 Sieger bzw. Siegerinnen. 3n der Knaben- Altersklasse 1911/12 waren 49 Sieger, in der Kna- ben-Altersklasse 1913/15 98 Sieger, in der Mädchen-Altersklasse 1911/12 20 Siegerinnen und in der Mädchen-Altersklasse 1913/15 27 Siegerinnen. 10 Prozent der Sieger stand eine besondere schön ausgestattete Ehrenurkunde zu, die den 20 besten Kämpfern überreicht wurde. * Hohensolms, 9. Dez. Am Sonntag fand im Dundesheirn der „Ehrt st deutschen Zügen b“, dem Schlosse zu Hohensolms, in dem auch gleichzeitig eine Volkshochschule ist, eine seine Advents feier statt. Die Klänge der zum Teil von VolkshochschlUern, zum TÄl von Mitgliedern der christdeutschen Jugend mehrstimmig vorgetragenen herrliche alten Advents- lieber, sowie der Lieder, die mgn unter Begleitung eines Posaunenchores (bestehend aus VolkS- hochschülern unb Ortseingesessencn) fang, die von einem wannen Ton durchwehte schone Adventsansprache eines Christdeutschen und das aufgeführte Weihnachtsspiel erhöhten die feierliche Sttmmung wesentlich unb schlugen die feinsten Satten der Seele an. XX Vom Lande, 10. Dez. Der strenge und Heuer so früh auftretenbe Frost hat dem Feld- und Gartenungeziefer den Garaus gemacht. Beim Wegschaffen von Schnee konstatieren Landwirte und Gartenbesitzer, daß die Eier der besonders im Nachsommer unb Herbst so überaus zahlreich aufgetretenen kleinen Fleischschnecken durch die Kälte und den Bodenfrost erfroren und vernichtet sind. Auch die stark aufgetretenen Feld- vor ihrer und seiner Tür, und wenn er mir die Wahrheit sagt... aber konnte er einen Mann dazu zwingen, eine Frau preiszugeben? And während er wartete, sah er einen kleinen dicken Postschaffner die Treppe heraufkom- men, er stieg an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten. wie ein Rachtwandler, die Treppen hinauf zu den Mansarden. Hasse nahm aus seinem Rotizbuch einen Zettel, schrieb seinen Ramen darauf, steckte ibn in Franziskas Briefkasten, und ging die Treppen hinab in die Rächt hinaus. Franziska kam gegen drei Tlhr mittags aus der Probe heim und hatte sich gerade etwas auf das Bett gelegt, um sechs Ahr mußte sie wieder ins Theater-, sie hatte heute abend die Mignon zu fingen, als sie den dünnen Ton der Schelle draußen vernahm. Es wird der Briefträger fein, dachte sie und blieb liegen. Die Schelle tonte wieder, dreimal hintereinander. Herrgoit, so schellte nur er. Was tun, dachte sie, liegen bleiben, schlafen? Ich muß schlafen, ich irnni jetzt niemand empfangen. Da schellte es so dringend, daß sie aufsprang. 3n den seidenen niedergetretenen gelben Pantoffeln, das rosa Muffelinnachtsleid auf der Brust zusammengerafft, schlich sie zu dem runden Ausguck an der Tür und schaute hinaus. Da stand Hasse, sie erkannte seine Schultern, seinen Anzug, seine hellgelben Stiefel, feinen weißen, blanken, Kragen, er schlug sich ungeduldig mit dem Stock auf die Beinkleider. Eine Szene, sagte sie und ließ das Sicherheitskettchen fallen. Haffe hatte im Park gegenüber dem Kulissenhaus gesessen, die Orchestertöne und die Gesänge gehört, bann war alles still geworden, die Choristen, die Künstler kamen heraus, zuletzt Stephansberger mit dem dicken Tenor, aber Franziska sah er nicht... Gr hatte in der Bavaria zu Mittag gegessen, aber vom runden Tisch war niemand gekommen, dann war er hinausgefahren. Das Warten hatte ihn in eine nervöse Stimmung gebracht. „Warum machtest du beim nicht gleich auf?“ fragte er, während er ihr durch den dunklen engen Gang folgte. Franziska drängte eine rasch auf steigende Ungeduld zurück. Sie nahm, ohne mause sind durch das Frostwetter in ihren Astlöchern gestört morden und werden beim raschen Abgehen des ersten Schnees noch weiter vernichtet. Kreis Marvnrg. WSN. Marburg. 10. Dez. In Einhausen bei Marburg gerieten gestern zwei Kinder eines Landwirts mit den Händen in die Rüben" f ch n e i d m a f ch i n e. Die Kinder zogen sich, dabei derartig schwere Verletzungen zu, daß sie in die Marburger Universitätsklinik verbracht werden mußten. Lrllkreis. bl. H e r b o r n , 10. Dez. An das Wasser- leitungsnetz der Stadt wurden vier weitere Quellen angeschlossen. Die Erweiterung; wurde durch den Mehrverbrauch der Landes- Heil- und Pflegeanstalt und der 'Dahn notwendig. Die Kosten betragen rd. 5000 Mark. bl. Dillenburg, 10.Dez. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer jüngsten; Sitzung die Ausführung von Rotstandsar- beiten im Wege der produttiven-Eüpcrbslosen- für sorge. Vorgesehen sind 2 Projekte. Auf der Frvhnhäuser Landstraße soll eine Wasserleitung gelegt, ferner soll eine neue Quelle erschlossen werden. Als Weihnachtsbeihilfe an die Arbeitslosen wurde ein Betrag bis zu 2000 Mark zur Verfügung gestellt. Von der Regierung ist der Bebauungsplan bezüglich des Spiel- und Sportplatzes abgelehnt worden. Stadtvervrbnetei'.versammlung und Ortsausschuß für Jugendpflege haben gegen diese Behandlung der Sache scharfen Protest eingelegt, da die Ablehnung der sachlichen Gründe entbehre. Don dem Wirteverein Dillenburg war ein Antrag auf Herabsetzung der Getränke st euer um 50 Prozent bzw. gänzliche Aufhebung eingegangen. Der Magistrat befaßt sich weiter mit der Sache. Mainqau. Hanau, 10. Dez. (TU.) Die hiesige Kri- mincckpolizei verhaftete vor einigen Tagen den 27jährigen Arbeiter Emil Steinberg aus Dannenberg i. P., der aus dem Arbeitshaus in iletfernriinöe entwichen war. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß er im Rovembec und Dezember 1924 und im September 1925 in Pommern und Mecklenburg eine Reihe mit Korn gefüllte Scheunen in Brand gesteckt hat. KreiZ Fulda. Fulda, 10. Dez. ($11.) 3n Thulba in der Rhön brannten nachmittags 4 Scheunen nieder, wobei sämtliche Futter- und Stroh- Vorräte ein Raub der Flammen wurden. Man vermutet Brand st iftung. Ein Handwerksbursche, der deswegen in Verdacht steht, wurde sestgenommen. WSR. Fulda, 10. Dez. Beim Holz- f ä I (e n i ft im nahen Rothemann der Arbeiter Flügel von einer um stürzenden Fichte derartig unglücklich getroffen worden, daß er sofort tot war. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) An Ne Leitung des Oberhessischen Museums. Am vorigen Sonntag wollte ich das im Alten Schloß in Gießen untergebrachte Oberhessische seum besuchen. Ich fuhr eigens zu diesem Zwecke von L. nach Gießen und las beim Eingang des Museums, daß dieses von 11 bis 1 Uhr geöffnet fei. Gegen $12 Uhr bemerkte ich, daß das Tor noch immer gesperrt war, und so zog ick die Glocke. Nun wurde ich von einem Herrn mit ehrwürdigem Bart nach meinem Begehren gefragt. Einigermaßen erstaunt über diese Frage, gab ich die vielleicht doch nicht ganz imerroartete Antwort, ich möchte das Museum besichtigen. Und nun erfuhr ich, das Museum sei wegen der großen Kälte geschlossen. Daß die Kälte an dem betreffenden Sonntag tatsächlich groß war, konnte ich zur Genüge erfahren, als ich draußen vor dem Tore etwa eine halbe Stunde lang wartete, bis das Museum im Sinne der der beim Eingang angebrachten Tafel geöffnet wurde. Nun frage ich: Muß es sein, daß der von auswätts Kommende erst an Ort und Stelle auf eine ganz unangenehme Art erfährt, daß das Museum geschlossen ist? Kann eine Aenderung nicht rechtzeitig zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden? Dr. H. auf ihn zu achten, vor dem Toilettentisch Platz und begann sich das Haar zu lösen. „Man schläft doch nicht mit dieser japanischen Frisur!" warf er ein. Sie trug ihr Haar von einem Retz umsteckt, daS die Ondulation schützte unb ihrem seinen Gesicht etwas streng Tlmrissenes, Herbes gab, bas sie aber aus praktischen Gründen nicht ändern wollte. Sie schüttelte das Haar und bürstete es langsam, mit festen, weichen Strichen. „Ich bin bas so gewöhrtt", sagte sie. „Wenn ich es nun nicht gewesen wäre, Franziska," sagte er. rittlings auf einem Stuhl Platz nehmenb, sie mit seinem Blick festhaltend wie ein Maler sein Modell, „bann hattest du irgendeinem anderen, einem deiner Kollegen also, in demselben Gewand, das eigentlich so gut wie keins ist, aufgemacht?" fuhr er mit einer Stimme fort, in der die Erregung bebte. „Ich habe für diese Fälle ein Guckloch an der Tür," sagte sie, „da lass' ich herein, wen ick will, der Milchmann und der Briefträger sind an mich gewöhnt.. Sie warf das gebürstete Haar in den Racken mit einer trotzigen Bewegung unb entzündete die Spirituslampe unter der Drennmaschine. „Franziska", sagte er weich unb trat hinter ihren Stuhl und umfaßte ihre Schultern und bog dieses süße, reine Gesicht zurück. „Du bist jetzt mein... denkst du daran, alles, dieser Arm. diese Hand, dieser Racken, dieses Haar?" Erzog ihre Hand an sich, drückte sie gegen feine Wange. Aber sie entzog ihm die Hand brüsk. „Geh weg, du machst so viel Wind, da brennt die Flamme nicht." Gr nahm neben ihr Platz, nahm einen Streifen ihres dunklen weichen Haares und drückte es gegen feine Augen, die ihm von der durchwachten Rächt brannten, unb blieb fo sitzen. Es kam wie eine Kühlung von ihrem feibigen Haar in seine entzündeten Augen, aber in ihm tobte der 'Sturm. Er entsann sich der Szene mit der Freundin, und er mäßigte sich, er suchte sich zu beruhigen, aber seinen Herzschlag konnte er nicht beruhigen, der ging unregelmäßig und hielt keinen Takt. Plötzlich sagche er: „Hast du meine Visitenkarte gefunden, Franziska?" (Fortsetzung folgt) Turnen, Sport und Spiel. Stand und Vorschau der Bezirksliga in Hessen-Hannover. tz. Nur durch die Spicloerzichte von Dieben und Osterode erhält die Tabelle ein anderes Gesicht, nicht aber eine andere Reihenfolge. Durch das dreimalige Nichtantreten verliert Osterode nicht nur die bisher errungenen Pluspunkte (siehe Vvrbericht im .Tietz. Anz." Ausgabe vom Mitt- woch, 9. Dez.) sondern auch die der noch ausgehenden Spiele gegen 6. D. Göttingen und Marburger S. Dg. Diese Aenderungen sind in nachstehender Tabelle berücksichtigt. Sn durchschnittlich 3 bis 4 Spielen ist die diesjährige Saison beendet, ausgenommen die des zukünftigen Bezirksmeisters. Lieber diesen Titel werden erst die kommenden Sonntage endgültige Klärung bringet. Kurhessen Kassel 21 Spiele 35 Punkte ..Sport" Kassel 22 35 — 05 Göttingen 24 32 — Borussia Fulda 23 31 Hessen 09 Kassel 21 28 Spielv. Kassel 24 — 28 D S. Vg. Göttingen 24 28 e. S. E. 03 Kassel 20 25 — Marburger S. Vg. 22 — 24 Wetzlarer F. C. 05 23 20 * ES. Vg. Hann.-Münden 24 — 16 (Stehen 1900 24 10 «• Kurhessen Marburg 26 9 w Osterode 26 w 3 V Der kommende Sonntag: durch das Ausscheiden Osterodes aus dem weiteren Wettbewerb findet das ursprünglich angesetzte Spiel S. Vg. Göttingen-O st erode nicht statt. Ohne Kampf erhält Göttingen die Punkte (sind in obiger Tabelle bereits enthalten). Ein weiteres Treffen: S. Bg. H a n n .-M ü n d e n—B o ru s- s i a Fulda ist auf Wunsch Fuldas auf einen späteren Termin verlegt. Die Verlegung ist unbedeutend, da Fulda doch tödlicherer Sieger bleiben würde. Zwei Begegnungen finden also nur statt: S. E. 0 3—„K u r h e s s e n" Kassel. (Man kann zum Vergleich nicht das erste Abschneiden der 03er in der vorigen Serie heranziehen. Da- inalS gehörten sie zu den schwächsten Mannschaften im Bezirk. Heute kann kein Mensch dafür garantieren, daß Kurhessen wieder gewinnt. Wir müssen vielmehr den Ausgong des Spiele- völlig offen lassen.) Hessen 09 Kasse l—W etzlarer F. C. 05. (Man mutz schon den „Hessen" etwas mehr Chancen geben für diesen Kampf als der Provinz. Wetzlar muh ein sehr gutes Spiel liefern, um sich gegen den großen Gegner, den Bezwinger des Altmeisters Kurhessen, zu halten.) LahnkreishandbaU. tz. Da am vergangenen Sonntag auf dem Spielfeld kein Kampf zustande kam, steht die Tabelle unverändert. Gegen das vom Schiedsrichter für verloren erklärte Spiel Hessen gegen 05 Wetz- 1 a r haben die Wetzlarer Protest eingelegt. Des weiteren ist auch bis heute über das Nichtantreten von 1900 in Wetzlar-Niedergirmes noch nichts bekannt. Wir nehmen demzufolge eine Tabellenänderung erst vor, wenn die Behörde ihr Urteil gesprochen hat. Laut Verfügung des T. B. A. (Technischer Bezirksausschuß) müssen die Gaue bzw. Kreise ihren Handballmeister bis zum 17. Januar 1926 melden. Nachdem der Beginn der Spiele im Ähnkreis künstlich derart hinausgeschoben wurde, daß jetzt noch nicht einmal die Vorrunde beendet ist, ist es unklar, wie an den paar noch ausstehenden Sonntagen der Meister noch rechtzeitig ermittelt werden soll. Am kommenden Sonntag treffen sich: P o l.- Spv. Wetzlar gegen Hessen Gießen (voraussichtlich zwei gleichstarke Gegner) und F. E. Wetzlar gegen S. C. Wetzlar-Niedergirmes. (Trotz Ersatz sollte F. C. das Spiel knapp gewinnen.) Sportvorschau für Sonntag, 13. Dezember. Rasensport: Im Fußball gibt es wiederum in erster Linie Punktspiele. Endspiel um den N. F. V.-Pokal zwischen Holstein-Kiel und Eimsbüttel in Hamburg. — Fußball-Länderspiel Belgien—Oesterreich in Lüttich. — Auch der H a n d b a l l s o o r t bringt vornehmlich Meisterschaftsspiele, ebenso wie der Hockeysport. — Rugbyspiel Südd.—Brandenburg. Schwimmen: Anläßlich der Einweihung des Stettiner Hallenbades treffen sich die Schwimmsportler zu mehreren Mannschafts- und Einzelkämpfen. Im Leipziger Carolabad kommt ein Klubzweikampf zwischen Poseidon D. f. B. Leipzig und Hellas-Magdeburg zum Austrag. Fechten: In Flensburg findet am Samstag und Sonntag ein Fechtturnier statt, zu dem aus Hamburg, Kiel, Hannover, Wilhelmshaven, Eimsbüttel, Berlin, Offenbach und von der Reichsmarine zahlreiche Meldungen oorliegen. Radsport: In Dortmund kommt ein Zweistunden-Mann- schastsfahren in der Westfalenhalle zum Austrag. Die Breslauer Jahrhunderthalle sieht ein vorzüglich besetztes Mannschaftsfahren. Auch die Steher sowie die Amateure werden am Start erscheinen. Wintersport: Im Eishockey tritt der bayerische Meister S. E. Rissersee in Wien gegen den österreichischen Meister, den Wiener Eislaufoerein, an. Am Vortage spielt der S. C. Rissersee gegen Plötzleinsdorf. In Schierke beginnt die Wintersaison am 15. 12. 25 mit Skikursen und Eislaufkursen. Der Skiverband Sachsen bringt einen Langlauf um den Schwartenberg bei Olbernhau zur Entscheidung, wahrend das Sauerland mit einem Zweier-Eröffnungs-Bob- rennen und einem Fünfer-Eröffnunas-Boorennen am Winterberg seine diesjährige Wintersportzeit eröffnet. Zweiter Märkischer Wintersporttag in Buckow (Märkische Schweiz) mit Durchführung des Langlaufs für die Norddeutsche Skimeisterschaft. Eine deutsche Höchstleistungs ifte Die Deutsch/ Sportbehörde für Leichtathlettk veröffentlicht im Dezemberheft der Zeitschrift „Start und Ziel" eine Liste der auf allen Gebieten der Leichtathletik erzielten deutschen Höchstleistungen. Im einzelnen wurden die Rekorde von folgenden Personen aufgestelll: Laufen: 50 Meter Houben - Krefeld, 5,4 Sekunden, 100 Meter R. Rau- Charloitenburg, 10,5 Sek., 200 Meter H. Hauben- Krefeld, 21,5 Sekunden, 400 Meter H. Braun- München, 48,3 Sek. (diese Höchstleistung des im Weltkrieg gefallenen deutschen Meisters Braun wurde bereits im Jahre 1912 aufgestellt und konnte trotz aller An- ftrengungen bis jetzt nicht überboten werden): 500 Meter Dr. Peltzer - Stettin, 1:05,2, 800 Meter H. Braun- München 1:52,2, 1000 Meter Dr. Pelt- z e r - Stettin, 2,30,3, 1500 Meter Dr. Peltzer - Stettin, 3:49,4, 3000 Meter Bedarfs- Düsseldorf, 8:44,5, 5000 Meter derselbe, 15:14,2, 7500 Meter derselbe, 23:54,4, 10 Km. derselbe, 32:14,2, 15 Km. derselbe, damals Eintracht Frankfurt a. M., 49:47,5, 42,2 Km. (Marathonlauf) P. H e m p e l - Charloitenburg, 2 Stunden 47:05,2, Einstundenlauf B e d a r f f - Frankfurt a. M., 17,979 Kilometer, 4mal 100-Meter-Staffel Verein Kickers Stuttgart, 42,2, 10ma( 100-Meter-Staffel Verein S. C. Eh a r l o t t e n b u r g , 1:48,3, Schwedenstaffel, 400, 300, 200, 100 Meter, Mlg. Mannheim, 1:58,7, 4mal 100-Meter-Staffel Mtg. Mann beim, 3:25,4, Olympische Staffel Mtg. Mannheim, 3:34,6, 110-Meter-Hürdenlaufen H. T r o ß b a ch - Berlin, 14:9, 400-Meter-Hürdenlaufen G. v. M a s s o w - Berlin-Zehlendorf, 56,2 Sek. Gehen. 5000 Meter H. Müller- Berlin, 21:05,8, 25 Kilometer M ü l l e r - Berlin, 1 St. 38:26, 100 Kilometer Brockmann - Charloitenburg, 10 Stunden 24:02,4, Einstundengehen P. Gunia - Berlin, 13,009 Km. Springen: Weitsprung vom Stand Selz- Altona, 3,22 Meter, Weitsprung Hornberger- Kreuznach, 7,33 Meter, Hocksprung vom Stand Frey- Neustadt a. d. D., 1,49 Meter, Hochsprung Pasemann - Berlin, 1,923 Mtr., Stabhochsprung Fricke- Hannover, 3,80 Meter. Werfen und Stoßen: Speerwerfen, bestarmig L Ü d e ck e - Berlin, 62,14 Meter, do. beidarmig derselbe, 103,26 Meter, Diskuswerfen, bestarmig Steinbrenner - Frankfurt a. M., 46,66 Meter, do. beidarmig Buchgeißer - Freiburg i. Dr., 75,83 Meter, Kugelstoßen, bestarmig Sollt n g e r - Darmstadt, 14,33 Meter, do. beidarmig H a y m a n n - München, 24,68 Meter, Steinstoßen v. Halt- München, 10,63 Meter, do. beidarmig Geier- München, 17,745 Meter. Zahlen vom deutschen Turnen. Berlin die turnerreichste Stadt. do. Die jetzt bekanntwerdenden statistischen Erhebungen geben über die Entfaltung der turn- beweg ung in Deutschland im Jahre 1 9 2 5 ein interessantes Bild. In der Gesamtzahl ist allerdings eine geringe Abnahme der Ziffer der in Deutschland Turnenden zu verzeichnen, die aber vornehmlich auf eine Abnahme der turnenden Männer zurückzuführen ist, die durch die Zunahme der turnenden Frauen, Knaben und Mädchen nicht ausgeglichen werden konnten. Unter den deutschen Großstädten, als bereit Zahl die letzte Erhebung (einschließlich Saarbrücken und Danzig) 47 mit über 100 000 Einwohnern ergab, steht Berlin mit 34 557 Dereinsangehörigen an erster Stelle. Das Hauptkontingent stellen naturgemäß die Männer mit 17 189, und auch in dieser Ziffer ist Berlin führend. An zweiter Stelle folgt Leipzig mit insgesamt 27 194 Dereinsangehörigen, davon 16 211 Männer. Danach ist also Leipzig, „die Turnerschaft", von Berlin überholt worden, und zwar in allen vier Klasien: der Männer, Frauen, Knaben und Mädchen. — Sofern allerdings das prozentuale Ergebnis zum Maßstab genommen wird, steht Leipzig weiter vor Berlin. Es folgen bann: 3. Dresden 19 521, 4. Frankfurt am Main 17 275, 5. München 14 532, 6. Hamburg 13 601, 7. Nürnberg 8295, 8. Stuttgart 8275, 9. Bremen 8141, 10. Kiel 8050, 11. Hannover 7852, 12. Saarbrücken 6983, 13. Breslau 6612, 14. Chemnitz 6555, 15. Essen (Ruhr) 5944, 16. Dortmund 4937, 17. Mannheim 4717, 18. Mainz 4555, 19. Köln 4414, 20. Karlsruhe 4365, 21. Ludwigshafen 4161, 22. Magdeburg 4151, 23. Plauen i. V. 4023, 24. Stettin 3707, 25. Augsburg 3539. Im ganzen haben 45 Städte über 1000 Turner. Berlin steht auch in den Zahlen der einzelnen Klassen, so wie Männer, auch Frauen, Knaben und Mädchen an erster Stelle. 5 Städte haben mehr als 6000 Männerturner. 6 Städte mehr als 2000 Turnerinnen, 8 Städte mehr als 1000 turnende Knaben, 4 Städte mehr als 2000 turnende Mädchen. Die größten deutschen T »rnvereine. Der größte deutsche Turnverein ist die Berliner Turnerschaft. An zweiter Stelle steht der Männerturnverein München. Die Zahlen sind: 5892 für die B. T., 5319 für den M. T. D. München. Beide Vereine führen mit einem Abstand von über 1000 Mitgliedern vor den dann folgenden. Sowohl in der Zahl der Männer als der Frauen wird die Berliner Turner- lchast vom M. T. D. München jedoch überflügelt. Der Männerturnverein München steht mit diesen beiden Zahlen unter allen deutschen Turnvereinen überhaupt führend da. Dagegen besitzt die Berliner Turnerschaft die größte Mitgliederzahl an Knaben, in der Klasse der Mädchen steht sie hinter der Hamburger Turnerschaft an zweiter Stelle. Die Zahlen für B. T. und M. T. V. München sind: Manner 2972:3280, Frauen 558:935, Knaben 1588:490, Mädchen 774:614. Insgesamt ist die Reihenfolge: 1. Berliner Turnerschaft 5892, 2. M. T. D. München 5319, 3. Hamburger Turnerschaft 4042, 4. T. S. V. 1860 München 2956, 5. T. V. 46 Nürnberg 2929, 6. T. V. Eintracht,Dorvnunb 2892, 7. Turnerschaft Freiburg i. Dr. 2890, 8. T. D. Mannheim 2629, 9. A. T. D. Dresden 2627, 10. T. V. Dorwärts- Breslau 2550, 11. T. S. Vg. Leipzig-Lindau 2509, 12. Turngemeinde in Berlin 2474, 13. Allgemeiner T. V. Leipzig 2459, 14. M. T. D. 44 Kiel 2441, 15 Eintracht-Frankfurt a. M. 2349, 16 T. K. 2348, 17. Turnerbund Ulm 2259, 18. T. D Pforzheim 2253, 19. M. T. D. Lüneburg 2182, 20. A. T. D. Breslau 2143, 21. T. D. Hanau 2031. — Im ganzen haben also 21 deutsche Turnvereine über 2000 Mitglieder. Schwimmen. Der 300 Meter Rekord Heinrichs anerkannt. vo. Äunmehr hat die neue Höchstleistung Heinrichs in Spandau ihre Anerkennung durch den Deutschen Schwimmverband gefunden. Der deutsche Rekord über 200 Meter bet lautet: 2:23,2, aufgestellt am 29. November 1925 von Herbert Heinrich, Poseidon-WD.-Leipzig in Spandau auf einer 25-Meter-Dahn mit Start- spnrng. Die Rhön als neues Mntersportgebiet. Im Herbst 1924 haben sich die im Verband Mitteldeutscher Ski-Vereine organisierten Skivereine u. a. zu einem Rhön-Ski-Gau zusammengeschlossen, um der Rhön auch wintersportlich die Bedeutung zu verschaffen, die die meisten anderen deutschen 'Mittelgebirge schon lange erreicht haben. Bis heute haben sich dem Gau zehn Vereine angeschlossen, die Silbung weiterer Vereine ist in Vorbereitung. Der Wintersportverein Gersfeld hat außer feinen guten Sprungschanzen am Simmelsbera-Dammelhof und Reesbach-Kalbenhof im letzten Winter einen guten Uebungshügel in der Sandwkese unmittelbar M Gersfeld errichtet. Die skisportlichen Veranstaltungen des Gaues finde» auch in diesem Winter wieder in Gersfelds Umgebung statt. Am 10. Januar 1926 wird neben einem Lang- und Geländelauf des Rhön-Ski-Gaue» in der Umgebung von Gersfeld zugleich der 4. Austrag des Rhön-Wanderpreises ausaekämptt werden, im Februar ein Staffellauf des Ryön-Ski- Gaues über die kuppenreiche Rhön um den vom Rhön-Club gestifteten Wanderpreis . sowie ein Sprunglaus-Weltbewerb. Auch die Rodelbahn ist gut im Stand, auf ihr soll in diesem Winker erstmalig ein für jedermann offenes Rodelrennnen abgehalten werden. Der Rechtswege!. SpekU: ationsgewrnne und Einkommensteuer. Von Dr. Paul Ruprecht, Dresden. Spekulationsgewinne, d. h. Gewinne aus einzelnen Veräußerungsgeschäften, lagen nach den bisherigen Einkommensteuervorschriften dann vor, wenn der Erwerb des veräußerten Gegenstandes zum Zwecke gewinnbringender Wiederoeräußerung erfolgt war. Der Beweis für diese vorwiegend inneren Motive lag bisher der Steuerbehörde ob und war naturgemäß in den meisten Fällen schwer zu führen. Diese Schwierigkeit hat das neue Einkommensteuergesetz dadurch zu überwinden versucht, daß es objektive Merkmale dafür ausgestellt hat, wann eine Veräußerung als Spekulationsgeschäft anzusehen ist. Dies soll nach den neuen Vorschriften von der zwischen Anschaffung und Veräußenmg vergangenen Zeit abhängen. Wenn sie weniger als zwei Jahre ausmacht, dann begründet sie bei Grundstücksgeschäften die Einkommensteuerpflicht für den Mehrerlös, die bei anderen Gegenständen, wie vei Wertpapieren, schon gegeben ist, wenn die Besitzdauer weniger als drei Monate beträgt. Diese Steuerpflicht liegt auch bann vor, wenn der Erwerb der Veräußenmg zeitlich folgt, womit die steuerliche Erfassung der Gewinne aus gewißen Börsengeschäften, wie z. B. Termingeschäften, ermöglicht werden soll. Für die bisher genannten Einnahmen sieht das neue Einkommensteuergesetz gewisse Befreiungen vor. Dies ist zunächst der Fall, wenn der im Steuerabschnitt (Veranlagungsjahr) aus Veräuherungs- geschäften erzielte Gewinn weniger als 1000 Reichsmark beträgt. Weiterhin find die Gewinne aus der Veräußerung von solchen Gegenständen einkommenssteuerfrei, die nicht zum vermögenssteuerpflich- tigen Vermögen des Veräußerers gehören. Was als solches anzusehen ist, regelt der § 5 des Vermögenssteuergesetzes in Verbindung mit dem § 2 des Reichs- bewertungsgesetzes, nach dessen 8 39 Hausrat und andere bewegliche Gegenstände, sofern sie nicht im § 37 desselben Gesetzes besonders aufgezählt sind, nicht dazu gehören. Danach sind im Gegensatz zum Hausrat u. a. vermögenssteuerpflichtig Gegenstände aus edlem Metall, Schmuck- und Luxusgegenstände, die nicht zur Wohnunasstattung des Steuerpflich- tigen gehören, sofern der gemeine Wert für den einzelnen Gegenstand 10 000 Rm. ober für mehrere gleichwertige ober zusammengehörige Gegen- stände 50 000 Rm. übersteigt. Werke lebender ober vor weniger als 15 Jahren verstorbener deutscher Künstler sind hiervon ausgenommen, womit au» solchen Verkäufen erzielte Gewinne als steuerfrei zu gelten haben. Die nach den gesetzlichen Vorschriften aus der Besitzbauer sich ergebende Steuerpflicht für Der- äußerungsgeschäfte tritt nickt ein, wenn der Steuerpflichtige den Nachweis dafür erbringen kann, daß er den veräußerten Gegenstand nicht zum Zwecke der Wiederoeräußerung erworben hat, und daß der Ver- kauf aus befonberen Gründen, wie z. D. Krankheit und berg!, nötig geworden ist. Die Gewinne aus Veräußerungsgeschäften werden nach 6 43 des Einkommensteuergesetzes durch den Ueberschuß der erzielten Einnahmen über die Ausgaben bargestellt. Die ersteren sind identisch mit dem Verkaufserlös, dem noch etwaige Nebenleistungen des Erwerbes hinzuzurechnen sind, wie z. B. die Uebernahme etwaiger Hypotheken durch ihn. Abzuziehen von dem Veräußerungspreis sind etwaige Leistungen und Kosten des Verkäufers, die durch "die Veräußerung bedingt sind, wie z. B. Ver- mittlungs-, Grundbuch-, Notariatsgebühren u. dgl. Dem nach diesen Zu- und Abrechnungen sich ergebenden Verkaufserlös sind zur Ermittlung des Gewinns die Ausgaben gegenüberzustellen. Sie bestehen aus dem Anschaffungspreise zuzüglich der evtl, entstandenen Kosten, denen auch die Wertzuwachssteuer und den Wert erhöhende Verbesserungen hinzu zurechnen sind. Dagegen ist es nicht statthaft, Zinsen für das investierte Kapital, selbst wenn kein Ertrag erzielt worben ist, dem Anschaffungspreis zuzufchlagen. Von den in einem Steuerabschnitt (Veranlagungsjahr) durch Spekulationsgeschäfte erzielten Gewinnen können die in der gleichen Zeit bei solchen Gescl)äften erlittenen Verluste in Abzug gebracht werden. Wer z. B. bei einem sonstigen Einkommen von 10 000 Rm. noch 5000 Rm. durch Spekulationsgewinne verdient und 6000 Rm. dabei verloren hat, der hat ein Einkommen von 10 000 Rm. und nicht etwa von 9000 Rm. zu versteuern. Die hier behandelten Gewinne werden den übrigen Einkünften des Steuerpflichtigen hinzuge- rechnet und bann bie Steuer von der sich ergebenden Gesamtsumme nach dem für diese maßgebenden Tarifsatz berechnet. Soweit die behandelten Veräußerungsgeschäste im Gewerbebetrieb des Steuerpflichtigen Vorkommen und dort durch die Buchführung als Teil seines gewerblichen Einkommens erschienen sind, werden sie nicht von den hier besprochenen Bestimmungen, sondern nur von den für die Besteuerung dieses Einkommens geltenden Vorschriften betroffen. Das Hypothekenaufwerlungs - ge'etz vom Reichsgericht für rechtswirksam erklärt. js. 3n einem Auftoertunasprozeh um ein Hypothekendarlehen hat daS Reichsgericht die Verfassungsmäßigkeit deS Hypothekenauf- wertungsgeseyes nachgeprüft und ausgesprochen, daß dieses Gesetz der Verfassung nicht widerspricht und deshalb rechtswirksam ist. In den reichsgerichtlichen Entschei-- dungsgrunden wird u. a. auSgeführt: SS ist in der öffentlichen Meinung in erster Linie ein Verstoß gegen Art. 153 R.-Verf. behauptet worden, weil die Regelung der Hypothekenaufwertung eine zwangsweise Entziehung von Rechten darstelle. Tatsächlich ließ aber die völlige JL iL seit 1OO Jahren bewährt von Millionen getrunken “Jubiläums - Dosen ohne Aufschlag überall erhältlich, f Waisenrente unehelicher Kinder, deren valer vor dem 20. August 1923 gestorben ist. (§ 1259 der Reichsverflcherungsordnung vom 13. Juki 1923.) Nack einer Entscheidung des Oberversicherungs- amtes Merseburg ist die Ansicht der Beklagten irrig, daß das Gesetz vom 13. Juli 1923, das bie Ausdehnung des § 1259 RBO. bezüglich der Gewährung der Waisenrente auch an uneheliche Kinder auf die Fälle ausspricht, In denen der Vater des unehelichen Kindes bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes verstorben ist, keine Anwendung zu finden habe. Durch Art. 3 Nr. 10 des fraglichen Gesetzes sind auch bie unehelichen Kinber, die früher überhaupt keine Rente bezogen, rentendezugsberechtigt geworden. Nach der Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 14. Juli 1923 ist Art. 3 Nr. 10 des Gesetzes am 20. August 1923 in Kraft getreten. Da es sich im vorliegenden Falle nicht um eine bisherige laufende Rente, sondern um einen neuen Anspruch handelt, haben die unehelichen Kinder, deren Vater vor dem 20. August 1923 gestorben sind, vom Inkrafttreten dieses Gesetzes ab Anspruch auf Waisenrente. Das Gesetz vom 13. Juli 1923 gibt diesen unehelichen Kindern einen neuen Anspruch auf Grund des Artikels 3 Nr. 10, und diese günstigeren Bestimmungen sind somit auf bie Fülle anzuwenden, in denen der Anspruch nach dem 20. August 1923 gestellt worden ist. Das Gericht vertritt auch den Standpunkt, daß das Gesetz auch nur aue der Erwägung heraus entstanden ist, den unehelich geborenen Kindern, deren Väter im Kriege gestorben sind und die demnach nicht in der Lage waren, die Mutter später zu heiraten, in sozialer Hinsicht zu helfen. Unsicherheit der Auswertung eine gesetzliche Regelung im Interesse des gesamten Wirtschafts- lebens dringend geboten erscheinen. , Eine abschließende Regelung der Aufwertung ist von der Mehrheit des Reichstagsausschusses mit der Rot- Wendigkeit der Erhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit begründet worden. Es bandelt sich also nicht um eine Entziehung wohlbegründeter Rechte, sondern um eine Festsetzung und Begrenzung der durch die Geldentwer- tting erschütterten Rechtsverhältnisse. Außerdem würde die Entziehung von Gläubiger- rechten auch erfüllt sein durch die in der Reichsverfassung ausgestellten Erfordernisse für die Zulässigkeit der Enteignung. Was die Rückwirkung betrifft, so ist zu bemerken, daß grundsätzlich keine Bedenken dagegen bestehen, daß ein Gesetz sich rückwirkende Kraft beilegen kann. (V 621/24. — 4. Rovember 1925.) Kammer^erichlsenLscheidung in Auswerlungsfragen. Amtlich wird folgender Beschluß des Er st en Zivilsenats des preußischen Kammergerichts vom 15. Oktober d 3. bekannt- gegeben: Eine in der Zeit vom 15. 3uni 1922 bis zum 14. Februar 1924 erteilte Löschungsbew'.lli- gung ist eine ausreichende Löschungsunterlage selbst dann nicht, wenn s'.e über eine Zahlung der Hhpotheke:'forderung nichts enthält. ES bedarf vielmehr der Beibringung ergänzender Unterlag en. Solche sind der Rachwe'L eines ausdrücklichen Aufwertungsverz.chts im Sinne deS § 14 der Verordnung über Oie Einrichtung der Auswertungsstellen vmn 21. 3uli d. 3., oder bei bereits abgelaufener Anmeldefrist eine Bescheinigung der Äufwertungsstelle üoer die Richtanmel- dung. Kammergericht. Das Wohnungsamt kann bie ordnungsmäßig erfolgte Zuweisung einer Wohnung nicht zurück- nehmen, wenn sie dem Wohnungsuchenden ;u- gegangen ifi. Aus ben Gründen: Wem das Wohnungsamt Räume zuweist, und ebenso, wenn es dem Verfü- aungsberechtigten einen ober mehrere Wohnung, juchende zum Zwecke des Abschlusses eines Mietvertrags namhaft macht, so wird es als Verwaltungsbehörde traft öffentlichen Rechts tätig. Für Verfügungen von der Art der wohnungsamtlichen Zuweifungen kommt eine Rechtskraftwirkung nicht in Bettackt. Verfügungen der Behörden können aber Sunächst stets abgeänbert werden, solange sie dem, ür den sie bestimmt sind, nicht zugegangen finb, enn als Akte des öffentlichen Rechts sind sie vor der erforderlichen Bekanntgabe überhaupt nicyt oor- banben. Die Verwaltungsbehörden haben nur auf das Gemeinwohl zu achten und ihr Verhalten allein in Rücksicht auf die allgemeinen Bedürfnisse ein- zurichten. Diese Regel muß jedoch eine Ausnahme erleiden, wenn auf Grund des öffentlich-rechtlichen Vorgangs, der zurückgenommen werden soll, bereits Rechte anderer entstanden sind. Verfügungen, die Rechte zur Entstehung gebracht haben,unterliegen b e m freien Wider- ruf nicht. Dieser nirgends allgemein ausgesprochene Grundsatz muß aus einer Reihe non Einzeloorschriften entnommen werden. (§ 115 DGB., § 311 HGB., § 32 Ges. über die Angelegenheiten Der Freiw. Gerichtsbarkeit u. a. tn.) Ist die Zuweisung durch das sachlich zuständige Wohnungsamt erfolgt, so kann sie nicht mehr qurüefgenommen werden, sobald sie dem Empfänger zugeganaen ist und damit den beiden Beteiligten die Befugnis zum Abschluß eines wohnungsrechttich gültigen Mietvertrages verliehen hat. (Kammergericht, 17 Z.- Senat vom 17. November 1924. 17 P. 95/24.) 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Auch drückende Wirtschaftslage trat wieder mehr in En nützliches Gesehen! das jedem Freude rr.aehl l-Ur.c hure f.ti 5 40,75 90485 »7,7 7 62 Im Die die die den 20.25 84 51 20 5 1,75 79 41.5 36.13 70 88 5' 6 5 0,03 80.25 42.5 39 5 108' 109.5* 40 72,5 92.5’ 0,195 0 195 j 270 0,102 0.18 zu 71/2 bis 9 Prozent, für erste Adressen noch darunter .Monatsgelb 91 _> bis 11 Prozent. 3m Devisenverkehr notierte Warschau gegen Kabel 9,5. Die Reichsmark wird gemeldet: London 20.37, Amsterdam 59.25. Börsenkurse. Preis Hk 120 «ANS SOTVKBZKOO». etaUN-QtHLO» Vordergrund. Infolgedessen kam es in einigen stark gestiegenen Werten zu Gewinnsicherungen. Die Grundstimmung blieb aber weiter fest. Der Geldmarkt steht unter dem Zeichen des Angebotes in Tagesgeld, das schon zu 7 Prozent zu haben ist. Monatsoeld 9,5 bis 11 Prozent. Bankdiskonten 7 Prozent. Im Devisenverkehr stellte sich Paris auf 128.45. London ist mit 4,85 bis 4,85g etwas fester. Die übrigen Valuten sind unverändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Dez. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer. 25.50 bis 25.75, Roggen.inländischer, 18 bis 18.25, Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26.50, Hafer, inländischer, 18.75 bis 22, Mais (gelb) 20.75 bis 21. Weizenmehl, inländisches. Spezial 0, 41.50 bis 42.50, Roggenmehl 27.50 bis 28. Weizenkleie 11.50 bis 11.75, Roggenkleie 11.50 bis 11.75, Tendenz: Abgeschwächt. Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Samstag, 12. Dezember. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Ahr: Äachmittagskonzerl des Ha.ts- orchesters. Hektor Beclioz. 6 b'.s 6.30 Ahr: Die Lesestunde (für die reifere Jugend): Aus „Die rote Koppel", eine Tiergeschichte von Svend Fleuron. 6.30 bis 6.50 Ahr: Die „Amschau". 6.50 bis 7.30 Ahr: „Schülerreise nach Spanien". Dortrag von Prof. Franz Wünenberg. 7.30 bis 8 Ahr: „Chinesische Musik". Vortrag mit Beispielen von Dr. W. Heinih-Hamburg. 8 bis 8.30 Ahr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Können imAntergrund von Frankfurt und Umgebung Bodenschätze erbohrt werden?". Vortrag von Dr. H. Adluft. 8.30 bis 10 Ahr: „Das Postamt", ein Bühnenspiel von Rabindranath Tagore. 10 bis 11 Ahr: Übertragung von Kassel: Lautenabend aus alter und neuer Zeit. 106,5* 54.5 103.7* 1 6* 41) 44 5* 72 5 91,75* 65 Letzte NaMrichten. Totschlag in Frankfurt. Frankfurt a. M., 11. Dez. (WTB.-Draht- meldung.) In der vergangenen Nacht ist es in der Weinwirtschaft Jaidc, Bethmannstr. 29, aus bisher noch nicht aufgeklärten Gründen zu Streitigkeiten gekommen, in deren Verlauf der Inhaber des Lokals, Iaide, einen Schlag auf den Kopf erhielt. Der Mann wurde in dos Heiliggeist-Hospital eingeliefert, wo er im Laufe der Nacht seinen Verletzungen erlegen ist. Ob es sich um einen häuslichen Streit oder um einen Streit mit Gästen handelt, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Ermittelungen sind noch im Gange. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt 57,25 , 40 | 22 20 13 16 25 26 IlllllllllllllllllllllllUlllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Für meine Zigarrenfabrik suche ich einen Reisenden der bei der Landkundschast gut etngeführt ti't und sich über bisherige Erfolge auS- roeifen kann. Schitlilikbe Angebote unter 09871 an den Gtelrener Anzeiger. 70 ; 88 5* : 6.4 1 0,03 60.5' j 63,25- 61.5 | - 40 | 90* I 92.75’ 93* | 97 75' statt. Oberpfarrcr Knodt (Schlitz) schilderte in einem kurzen Referat die Entwicklung der Arbeit der oberhessischen Volksmission, die sich die Aufgabe gestellt hat. die geordnete Arbeit des Pfarramts und der Seelsorge in brüderlicher Weise zu unterstützen. Nachdem es gelungen ist, innerhalb fünf Jahren nun schon den dritten Bcrufsarbeiter anzustellen. können von diesen drei Verufsarbeitern auch in diesem Winter achttägige Evange - lisationen in großer Zahl durchgesühri werben. Gern dienen sie, wo sie von Kirchcnvorstän- den oder Pfarrämtern gerufen werden. Da sie aber doch in erster Linie für Obcrhessen zur Verfügung stehen sollen, wurde beschlosien, die Arbeit der Dolksmission auch in den beiden anbauen und sie unter der Leitung des Landesvereins für Innere Mission als Zentralstelle zusammenzufassen. Ferner ivurde beschlossen, die Arbeit, welche seit Februar d. I. im ^chwesternkreis der Volksmission in Oberhessen für Schwestern, die keinem Mutterhaus angehören, organisiert ist, auch in Starkenburg und Rheinhessen in Angriff zu nehmen. Der Landesverein für Innere Mission wird die Schwestern, die feinem Verband angehören. zu vorbereitenden Versammlungen nach Darmstadt und Mainz einladen, bei denen Pfarrer OT cm inert, der den oberhessischen Schwestern- kreis im Auftrag der oberhessischen Volksmission leitet, über diese Arbeit berichten und die gleiche Organisation für Starkenburg und Rheinhessen in die Wege leiten soll. 51,1* -• ; 65,13 Kirche und Schule. Kirchlich positive Vereinigung in Oberhefsen. Am Dienstag hatte sich nach längerer, durch den Druck der Zeit gebotener Pause die Kirchlich positive Vereinigung in Ober- Hef s e n in der Herberge zur Heimat dahier, zur schlichten Feier ihres 20jährigen Bestehens versammelt, nachdem der Landesverein bereits im November snne Hauptversammlung zu Darmstadt gehalten hatte. Die Kirchlich positive Vereinigung will, wie schon ihr (Harne und ihre Monatszeitschrift: „Für Bibel und Kirche" andeuten, die evangelische Kirche in den Tagen der religiösen Zerfahrenheit, ja des Abfalls und dessen traurigen Folgeerscheinungen, auf dem ewigen Grund erhalten wissen, auf den sie die Reformatoren neu gestellt haben: auf die unverfälschte Bibel, d. h. die unvergänglichen Heilswahrheiten, und sie will die christliche Lehre durch Tatbekenntnis im All- tagswandel bewähren und so, auf die Amwelt wirkend, der Kirche dienen. Rach Verlesung des 24. (Advents-)Psalmes grüßte der Vorsitzende, Prof. Dr. Weimar, auf den Ernst der Zeitlage hindeutend, die aus Stabt und Land erschienenen Männer, Frauen und Jugend, worauf Dr. Avemarie aus Darmstadt den angekündigten klaren, tiefbeweaenden, stark anfasfenden Vortrag über das Thema: „Wir und die Bibel" hielt unter Hinweis auf die Hauptfeinde der Bibel aus drei Lagern, die ihr doch nichts anzutun vermögen, auf die hohe Wertschätzung des Buchs der Bücher durch die größten Geister der Jahrhunderte, sowie unter Zurückweisung der Anstände, die schiefen, oft törichten Arteile über die Bibel. Die Ausführungen nur zu skizzieren, läßt leider der verfügbare Raum nicht zu. Die folgende Aussprache bestätigte nicht nur die dankeswerte Darbietung, sondern suchte sie auch u. a. durch Darlegung des rechten, segensreichen Gebrauchs der heiligen Schrift in Kleinmünze zu prägen. 3m 2. Teil der Tagung behandelte und formulierte eingehend und eindringend Staatsanwalt Knauß, unter allseitiger Zustimmung, Organisationsfragen mit der Aufforderung zu reger Werbung für die Sache der Kirchlich positiven Vereinigung, die für ihre Gießener Mitglieder fortan allmonatliche, für den weiteren Kreis auch aus der Provinz vierteljährliche Zusammenkünfte plant. Zur Förderung des Turnunterrichts. nd. R i d d a, 10. Dez. Die Lehrer und Lehrerinnen des Bezirks Ridda, die Turnunterricht erteilen, haben sich zu einem „Turnlehrerverein Ridda und Amgegend" zusammengeschlossen, um durch gegenseitige Aussprache, Vorträge und Vorführung von Turnübungen der Schüler den Turnunterricht zu fördern und einheitlich zu gestalten. Auch die in Betracht kommenden Lehrpersonen der hiesigen Realschule i. E, haben sich dem Vereine angeschlossen. Zum Vor.itzen- den des neuen VeremZ wurde Lehrer Deck, hier, bestimmt, der die Turnlehrerprüfung für Volks- und höhere Schulen bestanden hat und bereits ü.er vielseitige Erfahrungen und tiefgründige Studien auf diesem Gebiete verfügt. Er hielt in der ersten, gutbesuchten Versammlung des Vereins eigen sehr lehrreichen Vortrag über den „Stand der Leibesübungen in Deutschland" und führte in Lichtbildern neuere Hebungen e.nrr Musteranstalt in Leipig und hervorragender Meister der Leibesübungen vor, die den Turnlehrern sicher viel Anregungen boten, den Turnun.erricht immer erfolgreicher zu gestalten und den neuzeitlichen Richtungen anzupassen. Ausbreitung der Missiousarbeit. ow. Frankfurt a. M., 9. Dez. Am Montag fand hier eine Besprechung des Vorsitzenden und des Direktors des Landesoereins für Innere Mission mit Vorstandsmitgliedern der oberhessischen Volksmission und Vertretern verwandter Bestrebungen in Rheinhessen Gerichtsfaal. WSR. Mainz, 9. Dez. 3m Vorort Bretzenheim waren in der Abortan'age einer Wirtschaft des öfteren die elektrischen Birnen ge stöhlen wordcn. Am den Dieb zu erwischen, hatten der Wirt und sein 60911, ein Monteur, die Beleuchtungsbirnen mit einer Stark st romleitung in Verb'.n- bung gebracht. Einige Tage später fand man abends in der Ecke des Pissoirs einen jungen Mann leblos. Angestellte Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Vater un) Sohn hatten sich nunmehr wegen fahrlässiger Tötung vor dem Schwurgericht zu verantworten. Der erstere erhielt zwei Monate, der letztere zwei Wochen Gefängnis. Der als Sachverständige zugezogene Kreisarzt hatte festgestellt, daß der junge Mann ein Herzleiden gehabt und es nicht erwiesen sei, oaß der verstärkte elektrische Sttom die direkte Todesursache gewesen sei. — Vor dem Schwurgericht stand ferner eine 69jährige Monatsfrau unter der Anklage, in einem Ehescheidungsprozeh einen Meineid geleistet zu haben. Das Gericht hielt die Angeklagte des wissentlichen Meineids nicht für schuldig, nahm aber an. daß bei ihrem Alter eine gewisse De- einflussung durch bei dem Ehescheidungsprozeß interessierten Zeugen nicht in Abrede zu stellen sei. Das Gericht verurteilte die bisher unbe- strafte Angeklagte unter Zubilligung mildernder Amstände wegen fahrlässigen Falscheids zu z w est Monaten Gefängnis. Wirtschaft. • D i c Grobhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 9. Dezember berechnete Großhandelsindexz-.ffer ist gegenüber dem 2. Dezember (123,9) um 0,3 Proz. auf 122,5 zurück- gegangen. Don den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 117,9 auf 117,3 oder um 0,5 Proz. nachgegeben, während die Industriestoffe mit 132,2 (Vorwoche: 132,3) nahezu unverändert blieben. ’ D i e Detriebsschwierigleiten im Ruhrgebiet. Der Demob.lnrachungskommissar genehmigte die Verminderung der Delegschaft der Zeche „Friedrich der Große" um 500 Arbeiter und fünf Beamte zum 1. Januar. 3n der betreffenden Sitzung, an der Vertreter der Zeche, der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften, sowie auch Oberbürgermeister Träger teilnahmen, erstattete Generaldirektor Klein Bericht über,die Lage. Die Gewerkschaftsvertreter schlugen vor, die Arbeit durch die Einlegung von Feierschichten zu strecken, um dadurch die Entlassung von 500 Bergleuten zu verhindern. Die Verwaltung wies jedvch an Hand eingehender Unterlagen nach, daß "dies für die Verwaltung nicht tragbar sei, da eigentlich 1200 Mann hätten entlassen werden müssen und man.um die Feierschichten sowieso nicht herumkoinme. Sollte sich die Lage bessern, so würden die Entlassenen bei der Reu- einstellung bevorzugt. * Zur Fusion Junkers-As ro-- Lloyd. Bekanntlich kann die Fusion der beiden Anternehmungen in der Form als gesich:rt angesehen werden, daß hierdurch weder eine Verreich- lichung und Verstaatlichung noch eine Monopolisierung in Frage kommt. Eine Monopolisierung ist schon deshalb ausgeschlossen, weil die Provinz-Luftverkehrsgesellschaften bestehen bleiben sollen und unter Amständen ein Gegengewicht gegen eine Monopolstellung der neuen Gesellschaft bilden könnten. Wie der DHD. erfährt, erfolgt bei der Lurag (Luftverkehr Ruhrgebiet A. G.) die Einstellung des Betriebes zum Zweck der Amstellung bereits am 23. Dezember. Cs ist nicht ausgeschlossen, daß der gesamte Luftverkehr aus diesem Grunde bis zum 31. März 1926 eingestellt oder zum mindesten äußerst eingeschränkt wird. * D i e Sanierung deS Kahn-Konzerns. Der Kahn-Konzern hat di:srr Tage eine Eingabe an die Reichsregierung und das Preußi- sche Staatsministerium gerichtet, in der um die Gewährung von tz'/z bis 8 Mill. Rin. Betriebskapital gebeten wird, nachdem das Hauptwerk Les Konzerns, die Stock Motorpflug A. - G., durch die auf Veranlassung des Reichsernäh- rungsministeriums in diesem Jahr durchgeführten Transaktionen in Schwierigkeiten geraten ist. lieber den Antrag auf Verhängung der Geschäftsaufsicht dürste voraussichtlich noch in dieser Woche entschieden werden. Inzwischen wird ein Teil der Kahtt-Anternehmungen, insbesondere der Stockbetrieb voraussichtlich geschlossen werden müssen. ' DrotHprn- und Kartoffelernte in Preußen. Wie der amtliche Preußische Pressedienst einer Aebersicht der Statistischen Korrespondenz, des amtlichen Publikationsorgans des Preußischen Statistischen Landesamts, entnimmt. zeigt es sich, daß die Hektarerträge im Staatsdurchschnitt bei Winter- und Sommerweizen um 2.1 und 2.7 Dz. gegen die Vorschützung höher ausfallen und daß an dieser besseren Bewertung fast sämtliche Provinzen beteiligt sind. Die Roggenerträge sind im Staatsdurchschnitt (17.6 Dz. je Hektar bei Winter- roggeti, 11.8 Dz. bei Sommerroggen) unverändert geblieben. Bei Kartoffeln (Staatsdurchschnitt 153.5 Dz. je Hektar) besserten sich die Durchschnittserträgnisse im ganzen um 6.3 Dz., woran fast sämtliche Gebiete beteiligt sind. Die Ge- famterntemengen an Brotgetreide stellen sich infolge der recht günstigen Weizenernte um rund 2 Millionen Dz. höher als die Vorschähungs- ergebnisse und an Kartoffeln um 11.8 Millionen Dz. Gegenüber der sehr mäßigen Getreideernte, jedoch leidlichen Kartoffelernte des Vorjahres ergeben sich Mehrerttäge an Brotgetreide von rund 24.6 Millionen und an Kartoffeln von 30.8 Millionen Dz. Berliner Börse. Berlin, 11. Dez. Die Haussebewegung der Schiffahrtsaktien, die an der gestrigen Mittagsbörse zu einem stürmischen Geschäft führte, nahm heute eine etwas langsamere Fortsetzung Die stark erhöhten Schluhkurse des Vortages konnten anfangs noch um 1 bis 2 Prozent anziehen, so daß sich Rordd. Lloyd dem Paristande zu nähern beginnen. Ein Gegenstück zu der Bewegung am vchiftahrtsmartte stellt das heute plötzlich hervorgetretene Interesse für heimische Anleihen bar. Sämtliche notierten heimischen Staatsanlechen erfuhren durch spekulative Käufe Befestigungen. Man vermutet. daß demnächst die Rotierung der Anleiheablösungs stücke aufgenommen werden soll. Die Vorbereitungen hierfür werden seitens des Dörsenvorstandes bereis getroffen. Die Kurse der sog. Freigabewerte lagen ebenfalls freundlich. Die an den Industrieaktien- märften letzthin zu beachtende Verstimmung ist heute gleichfalls gewichen. Anregend wirkten dabei die Aeuherungen des Reichsbankpräsiden- len, daß die bisherigen deutschen Auslandschulden ohne preis- oder währungspolitische Bedenken durchaus noch eine Erhöhung vertragen können und daß der amerikanische Geldmarkt für produktive deutsche Anleihen weiter aufnahmefähig sei. So konnten z. D. M 0 n t a n w e r t e bis zu 2 Prozent anziehen, insbesondere oberschlesische Werte. Bei letzteren stimulierten unkontrollierbare Gerüchte über zu erwartende weitere Transaktionen. Die Befestigung der Gesamtbörse dürfte nicht zuletzt auch in Deckungs- und Rückkäufen im Hinblick auf die bevorstehenden Medio--Liquidationen ihren Grund haben. Der Geldmarkt ist weiter sehr leicht. Tägliches Geld ist reichlich angeboten Frankfurter Börse. Frankfurt, 11. Dez. Tendenz sehr fest. Das Börsengeschäft nahm heute eine außergewöhnliche Ausdehnung und in seinem Verlaufe einen teilweise stürmilchen Charakter an. Die hausseartige Bewegung. die bereits vorbörslich einsetzte, nahm ihren Ausgangspunkt vom Schiffahrts- und Anilin-Markte. In Chemiewerten sind mit dem Her- annahen der Medio-Liquidationen infolge des lau« fchen gegen Schiffchrlsaktien Rückkäufe und Deckungen notwendig geworden, die von der Spekulation vorgenommen wurden. Die scharfe Aufwärtsbewegung der Kurse ist also in der Hauptsache auf börsentechnische Momente zurückzuführen. Immerhin zeigte die Spekulation größere Unternehmungs- lüft und schrill auch auf den anderen Märkten zu Käufen, wodurch das gesamte Kursniveau stark gehoben wurde. Für Chemiewerte stellten sich Besserungen von 5—6 Proz ein. Die Nachfrage in Schiffahrtsaktien war wieder überaus rege, so daß sich Hapag auf 92,75 Proz. und Nordd. Lloyd auf 97,75 stellen konnten, diese Werte wurden aber im Freiverkehr noch wesentlich höher genannt. Montanwcrte lagen ziemlich fest, doch hielten sich hier die Gewinne in bescheideneren Grenzen. Für Kaliwerte bestand weiter Begehr, so daß Westeregeln 6 Prozent und Aschersleben 3 Prozent gewinnen konnten. Elektrowerte lagen ruhig, aber fest. Auch Bankaktien ließen keine wesentlichen Veränderungen erkennen. Maschinen- und A u t 0 a k t i e n lagen gebessert, desgleichen Zucker a k t i e n. Der K a s s a m a r k t der Industriepapiere schloß sich der besseren Strömung an. Deutsche Anleihen tendierten in befestigter Haltung. Ausländische Renten lagen verachkässigt, die Kurse wiesen keine wesentlichen Veränderungen auf. Der Freiverkehr war etwas freundlicher veranlagt. Api 0,4, Becker Kohle 37, Benz 24, Brown Boven 53, Entreprise 8,25, Growag 35, Krügers- 1.18 5- 93,5' 104.5* 106' 76 Berlin 6d).ub.;nnfanq kur'. I • > 28.75 I 35.5* Henkefs Schenerpulver Gebrauche Ata — und Im Hau« Siebt « stete bei Dir wie Sonntag aus Mit Ata kannst Du alle Sachen Blitzblank und appetitlich machen I Ata putzt und scheuert alles! Dit't n: | D0/. Deutsche Ncichsanleibe 4% Deutsche 9tcid)-Sanleibe ■ 3'/a7n Deutsche R.tchsanleide 3% Deutsche NeichSanlribe Deutsche eparpramicnanlcibe 4% Preußische KonsolS • . • 4° 0 Hessen 3'/$°/« Hessen 3% Hessen Deutsche iffertb. Tollar^Anl. vto. Toll-Schatz-Lnireiing.*) 4°/o Zolltiirken......... 5% Goldmerikaner Berliner Handelsgesellschaft tiommer)- und Privat-Bank Taruist. und OZaitonalbant ■ Deutsche Bank......... Deutsche Bereinsdank .... TiScomo Commandit Meialldank.......... Mitteldeutsche (Kreditbank. . Ecftcrreidjifaje Kreditanstalt Weltbank Bochumer <3nß ...... BuderuS Taro . Deutsch Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Haroener Bergbau Zkaliwerke Äschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Vanrabiittc Oderbedarf Phönix Bergbau Ryeinstahl ...... Niebeck Montau Tellus Bergbau . Hamburg-Amenka Paket. . . N^ddeutscher Llovd . . . Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzinann...... Anglo-Tont.-Guano . . . . Badische Anilin ....... Cbemische Maper Alavin . . (Goldschmidt Gries eimer Electron . . ». Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ........ Rülgerüiverke ........ Scheideanstalt «llg. ElektrtzitäiS-Geselllchaft Bergmann ....... Mamkraitwerke ....... Schocker! . . . Siemens & Halöke ...... Adlerwerke.llleyer ..... Daimler Motoren. ..... Hevligenstaedt . . oh'eautn............ Motorenwerke Mannbeim frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . 9J?cta(taefea'(6aft frrantfnrt. Pet. Union L.-ltz....... Echulnabrik Her; . . . . . . Sichel . Zellstoff Waldbof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel • . . 10 !? | 11 12 0,1825 0.2025 — 0 21 O.1D75 u 21 0 2925 0.315 0 1125 0 2025 0 18 — — — — — — —— 08,2 — 7,8 — — ■e .28.7* —. »4* 94 5’ 103 9* 103 9' IU5.7* 106 r - -E» 103.7* 103.7* ■e — 89' 6.5 M 0.0 — 9' 60.5* 29.1 30 25 ö6* 36 6* 5:.4- 59* 63, * 64 9* f* - .25* 03.5* 96 5 99.75 100 102 5 25 26 43* 44.25 63.5* 63* 47.13* 47.75* 62,5 62 5 — — 90.25* 62.62* 6,25* 97,25* — — * 40 —- 61 — 107* 110* — 55.1 55.5 1U6* 108.2* 105,5* 109* — — 48* — 91 25* 93* 63,25 — — — 57,25* 58* 69 25* 70.75* 22 22 5 20 6 20,5 27 — 34 — — — — 60 2J — .9,75 — — 07 - 10 Dezbr. 11 De, r. Amtliche Noti rung Amtliche Wotieruna (Selb Briet Geld Briet Amn- Nou 168 51 108.93 168.54 168,96 Buen.-Aires 1.740 1.711 1.742 1.46 Brss.-Antw 19 11 19.0 19,03 19.07 Chrisii.inia 85.44 85.65 85 49 85.71 .Nopenbagn, lul.7« 195.03 104.7. 10.5,03 Stockholm 112,24 112. 2 112,24 112,52 HelstngforS 10 515 10.585 10.545 10,585 Italien. . 16 88 16,92 16 88 16.92 London. . 20,345 20.3 5 20,351 20,401 Weunort . - 4,195 4,20- 4,193 4,21-5 Paris. . . 15 865 15.105 15,83 15,87 Schwei; . 80 81 81.05 80.84 51,04 Spanien . 59 71 69,87 54,71 59.8i ^apan . . - 1.798 1,802 1,803 1,807 ■Hio de Ian ) 596 '.598 1.605 0.107 Wien in D-' Ceft. abgest 59.12 59,26 59,13 59,27 Prag ... 12.418 12.45 12.418 12.458 Belgrad . . 7.44 7,46 7.44 7,46 Budapest. □ .87 ->.89 i,87 6.89 Bul arien :r,o 5 3,065 3.055 3,065 l'-ffabon 21 275 21,32a 21.2.5 1.32.5 Dan;ig. . 80 63 80 83 80,70 80.90 Xonst ntin- 2,215 2,225 4,22 2,23 Atben 5 54 5 56 5 59 5 61 Canada. . 4 195 4.2 5 4.195 1.205 Uruguav . 4.235 4.245 4,265 4,275 Berlin, 10 Dezbr Keld Briet Amerikanische Vlotcn..... >.205 4.225 Belgische Noten ....... 18,96 19,06 Dänische Noten ....... 104.51 105,01 (^malische Noten........ 20.322 20,4ü? Französische Noten ...... 15,8)5 15 9 '2.5 Holländische Oioten -..... 168.1- 168.>7 flf.Iieniicbe Noten ...... V..68 16.98 Norwegische Noten . ... 85.19 85 6! Deulsch-Oesterr,6100 fronen -8.95 69.25 Rumänische Noten...... — — Schwedische Noten ...... 111.97 Ile.52 Schweizer Noten ...... 80,71 81 24 Spanische Woten ...... 59.4 <" 59.77 Tschechoslowakische Noten . . 12.588 12.448 Ungarische Noten 5.82 5.86 von Copyright 1925 by A. Scherl ®. m. b. H., Berlin. Nachdruck verboten. 13. Fortsetzung. Wiesenstelz daran an- iöoü. Sotö-. Bür] ! Ne« u.SeiieriWfn Ne« u.seiietroot?« SoOtjnotbefeo.Boö- Gesunde Füße macht 8 SA Alleinige Niederlage für Gießen und Umgegend: 0 Gießen, Marktplatz 2, »eben der Engelapotheke Somslag, öeii HeinrichHochstätter 11049a 35 95 75 59 95 95 50 Wir bitten um Besichtigung unserer Fenster! Sonntag, 13. und 20. Dezember sind unsere Geschäfte von 11 bis 6 Uhr geöffnet ► Sctxn trfictm Kommando hatten mit sö 2 5 hilfst. Dring lieber einmal in die Nürnberger ein, die sich so gescheit schütte die Wahrheit hinein, nichts die Wahrheit." ich", erk arte der Trichter großartig, aufschneiden Köpfe jener dünken, und anderes als „Werde Preis 50 Pf.das Halbpfund in der bekannten Packung. MWOSßwW Zeitz lletzler. Kamel haarst off' niedertreter Gr. 26-42 4.95. 3.95,2.70, WZe Hanl .Gerniaiiia* Wir bitten, beim Einkauf von je 1 Pfund . Blauband-Margarine“ das farbig illustrierte Famihenblatt „Die Blauband-Woche“ kostenlos zu verlangen. machen, so verspreche ich heute schon, daß ich, der Nürnberger Trichter, eingreifen und dem begriffsstutzigen Kerl gewaltsam alles in den Kopf eintrichtern werde, was ihr wünscht. Ich habe gesprochen!" Die Spielsachen sahen einander an: sie kannten diesen Herrn nicht. Otto und Liesel aber lachten sich beinahe krank, denn in Nürnberg gibt es nichts Komischeres als den Nürnberger Trichter. , Das ist nämlich ein Trichter ganz besonderer Art. Kann man zum Beispiel einem unwissenden und lernfaulen Menschen absolut nichts bei* bringen, so seht man ihm den Trichter auf den Kopf und gießt die Wiisenschasten einfach hinein: Grammatik, Geschichte, Geographie, Arithmetik, Botanik oder auch Reiseberichte. Am liebsten aber allerhand dummes Zeug, das dringt am leichtesten ein. 3e dümmer, um so lustiger für die anderen. Pelzmärtel, der sich unsichtbar gemacht hatte, lachte verschmitzt, packte den Trichter beim Henkel und stülpte ihn um. — — „Mach keine Flausen," wies er ihn zurecht, „es wird nicht nötigfein, daß du den Kindern warf sich herum und hüpfte davon. „GinsteigenI Abfal-rt!" rief jetzt Wiesenstelz. Uni) kaum war das Wort verklungen, begannen KamelbaarsloH -ümecbleg- schuhe, mit Filz- und Ledersohle. Gr 86—42 5.95 4.95. 8.95, Billigste Bezugsquelle Id Feinen Offenbacher Lederwaren BamenMuötafdjea MetimoolM Helfeloner yeinM Satt 25 MarNMatze 25. g £ A l Damen-Halbschuhe in Schnür u. Spangen, moderne Formen, 9.50. 8.50, 7.80. Pelzmärtel. Gin Nürnberger Spielzeugroman. Nach dem Italienischen der Teresah erzählt Gustav W. Eberlein. Landingstraue 11628a Aparte Stoffe für Dekorationen, Kissen usw. im Blauband dasSparenleicht und angenehm. Größe annahmen, damit sie bei dem kleinen Volk nicht an Ansehen einbüßten. Sie waren viel größer als die größten Puppen. Sogar Karl der Große, Kunigunde und Hans Sachs reichten ihnen nur bis zu den Schultern, wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellten. Nun, ihr könnt euch vorstellen, was für eine glückselige Lleberraschung es für zwei nicht durch Reichtum verwöhnte Kinder war, sich unerwarteterwcise inmitten oller erdenklichen schönen Dinge zu befinden! Niemals, nicht einmal im Traum, hatten sie eine solche Herrlichkeit erlebt, ihr Baier hatte ihnen niemals von den wunderbaren Sachen erzählt, die aus den Fabriken kamen, um bei ihnen nicht unerfüllbare Wünsche zu erwecken. Es war das erstemal, dah Otto und Liesel ganze Regimenter von Solda.en und Herden von Schäfchen und Menagerien voll wilder Tiere sahen. Sie erkannten auch sofort wieder Kunigunde und Harlekin von dem Theater, das der Vater ihnen an jenem Abend mit heimgebracht hatte. Nur konnten sie sich nid)t erklären, warum die Spielsachen sich auf so heftige Weise umarmten und adieu sagten, Handküsse und. Ver- beugungen austauschten, Nippenstöße, Tränen und andere Zärtlichkeiten, je nach Temperament und Erziehung. Hans Kaspar und Harlekin schwuren sich ewige Freundschaft. Sie schlugen einander auf den Baud), daß es dröhnte wie eine Baßgeige, und Hans Kaspar trug von dieser Art, sich Lebewohl zu sagen, zwei eingeschlagcne Nippen davon. Der lächerliche Meistcrfinger zupfte aus seiner Mandoline eine geschmack o e Romanze, und nach jeder Strophe warf er sich Kunigunde zu Füßen, indem er ihr die Hand küßte und mit einer zum Totlachen scheppernden Stimme seufzte: „Hehre Kaiserliche Majestät!" Karl der Große verabsd)iedelc sich mit gewaltiger kriegerischer Gebärde von Jen Soldaten, aber da er aus einer anderen Zeit stammte als sie, verwechselte er sie miteinander. So nannte er einen Husarenhauptmann: „Lieber Legionär", worauf der ihn in der Verlegenheit mit „Gnädigster Herr Oberst" anrede:e. Nur Hans Sachs, alle n beiseitestehend, schien auf den lebendigen Odem seiner Vaterstadt zu lauschen, deren Kindernahrung Neis,Gries,Hafer, Gerste, Puddings, Himbeersyrup, Schokoladen, Keks und Zwieback in nur ersten Qualitäten empfiehlt J. M. Schulhof Seit 1836 Marktstr. 4, Tel 119. Bestellungen frei Haus. 9412c MMMlUI- nöhetio nimmt noch Kunden an Schnitt Angebote unter 09877 an den Gieß Anzeiger. Reformkorsetts Neform- leibchen WkWIlel EeiüWen auch für starke Damen In «Toner Auswahl. 09830 Warme Leibbinde» KM» 5 Kreuzplatz 5. itfO i Turmes erreicht. ilnö nun ging es noch höher, und immer noch höher, bis sie so hoch waren wie die Wolken. 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