Nr. 289 Erstes Blatt 175. Jahrgang Donnerstag. 10. Dezember 1925 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruek und Verlag: vrühl'sche Univerfitätz-Buch' und Steindnickerei «.Lange in Stehen. Schriftlettnng und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7. Annahme von »nzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahoorschrist 20* „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Gange; für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in (Biefjen. Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-kezugsprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüffe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Zrantfurtam Main 11686. Hessischer Landtag. Darmstadt, 9. D«. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9,45 älhr. Der Minister- fitz des Ministers des Innern von Brentano ist aus Anlaß feines 70. Geburtstages 'mit Blumen geschmückt. Bor Eintritt in die Tagesordnung erteilt Minister Raab die gestern zurückgestellte Antwort auf die Anfrage des Abg. Dinge ldeh (D. Dp.) wegen des Versagens der Erlaubnis zum Offenhalten der Läden an den Sonntagen, an denen in Gießen bas Mittelrheinische Turnfest und die Uker-Tagung stattfandcn. Der Minister bemerkte, eS sei richtig, daß er daS Polizeiamt in Gießen angewiesen habe, ein Verbot auszusprechen. Er sei dazu veranlaßt worden durch Eingaben der Angestellten des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- verbandes und des Gewerkschaftsbundes der Angestellten. 3n dieser Eingabe werde ausgeführt, daß der Festplatz weitab von der Stadt liege, die Festbesucher würden kaum in der Lage sein, Einläufe in der Stadt zu machen und die Handlungsgehilfen würden unnötigerweise in den Geschäften. festgehalten, während der Verdienst der Geschäftsinhaber doch sehr gering sein würde. Weiler. so erklärte der Minister, sei er zu dem Verbot veranlaßt worden durch das Feste- feiern, das jedes Maß überschritten habe. Für den ll6er°Tag habe das Polizeiamt in Gießen das Verbot von sich aus ausgesprochen. DaS Haus tritt bierauf in die Tagesordnung ein, auf der als erster Punkt ein Antrag der Abg. Frau Hattemer (Z.) über die Besoldung der technischen Lehrerinnen steht. Der Ausschuß hat beschlossen, den Antrag für erledigt zu erklären. Es sprechen zu diesenr Punlte Abg. Frau Hattemer (3-). Abg. Fräulein Birnbaum (D.Dp.) und Ministerialdirektor Tl r st a d t. Hierauf werden die Verhandlungen unterbrochen und Präftdcnt Adelung richtet an den Minister deS Innern drn Brentano eine Ansprache, in der er auf dessen 70. Geburtstag hinweist. Er stehe seit Mai 1897 im parlamentarischen Leben, also fast 30 Jahre. Kleber 7 Jahre lang übe er das verantwortungsvolle Amt eines Ministers aus. Seine Verdienste würden erst recht gewürdigt werden, wenn einmal eine Zeit komme, die dein Tagesstreit entrückt wäre. Minister von Brentano würde mit seinem Temperament doch einer Würdigung seiner Der- Lienste widersprechen. Zum Schluß seiner Ansprache wünscht der Präsident dem Minister, daß er noch viele Jahre in Gesundheit im Kreise seiner Familie verleben möge. Minister von Brentano spricht, sichtlich ergriffen, seinen innigsten und tiefempfundenen Dank für die Glückwünsche aus. Er habe das Empfinden, daß es ihm in seinem 7jährigen Wirken als Minister im großen und ganzen gelungen sei. daß in weiten Kreisen sich die Meinung gebildet habe, er habe nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl des Landes und der Bürger gewirkt. Er habe alles getan, was er tun konnte, seine Pflicht und Schuldigkeit. Mögen manchmal auch hier im Hause die Klingen gekreuzt worden sein, so habe er doch nie die Absicht gehabt, ein Mitglied des Hauses zu verletzen. Kritik müsse sein, besonders im Parlament. Ohne Kritik trete eine Stagnation ein. Er sei überzeugt, daß jeder im Hause das Beste wolle, auch die Mitglieder der Opposition Der Minister bittet, ihm die gütige Gesinnung zu bewahren. Er habe aus allen Kreisen und Ständen so viele Glückwünsche erhalten, er habe Hunderte von Briefen noch nicht geöffnet und sein Haus sei ein Blumengarten: er sei so ergriffen von den vielen Beweisen der Zuneigung, daß er auch jetzt Hier nicht in der Lage sei so zu sprechen, wie er es sonst gewohnt sei. Hierauf werden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Bei dem Antrag Hattemer (Z.), der weiterberaten wird, handelt es sich um eine höhere Einstufung der technischen Lehrerinnen. Abg. Frl. Birnbaum (D. Dp.) bedauert, daß bei den Ausschuhberatungen keine we.blichen Abgeordnete zugegen war. Die Handarbeitslehrerinnen, die zwei Examina abgelegt hätten, mühten den wissenschaftlichen Lehrerinnen im Gehalt gleichgestellt werden. Aach weiterer Debatte stimmt das Haus dem Ausschuhantrag zu. Gegen einen Antrag Hauck (Aatsoz.), der die Einführung eines 9. Volksschuljahres will, hat sich die Regierung ausgesprochen, weil die Forderung der Reichsgesetzg:bung widerspricht. Der Antrag will in seinem zweiten Teil die Abschaffung der Fortbildungsschule. Der Ausschuh hat den Antrag abgelehnt. Aach längerer Aussprache tritt das Haus diesem Beschluß bei. Ein Antrag der Abgg. Heraeus (SitiL). Birnbaum (D. Vp.) und Hattemer (Z.) verlangt die Verwendung weiblicher Lehrkräfte in allen Mädchenschulen Hessens. Der Ausschuh beantragt hierzu, diesen Antrag für erledigt zu erklären, weil die Regierung im gewünschten Simr vorgeht. Es sprechen hierzu die Abgg. Frau Heraeus und Frl. Birnbaum. Diese betont, dah es der Wunsch der Eltern, nicht in erster Linie der Lehrerinnen sei. dah Oer Erziehungstätigkeit der Frau in den Mädchenschulen ein stärkerer Cinfluh eingeräumt wird. Die Tätigkeit der Lehrer solle nicht ausgeschaltet werden. Aach weiterer Aussprache wird der Ausschuhantrag angenommen. Ein Antrag der Abgg. Heraeus (Dntl.), Birnbaum (D. Dp.) und Hattemer (Z.) will einen verstärkten Handarbeitsunterricht, Die Wirtschaftskrisis. Vie Finanzlage -es Reiches. Die Bcamtenbefoldungsfrage im Haushaltungsausschuß des Neichstags. Berlin, 9. Dez. 3n der heutigen Sitzung des Hau^haltsausschusses gab der Vertreter des Reichsfinanzministeriumö einen Tleberblick über die Finanzlage des Reiches. Auf Grund der Erfahrungen der letzten Monate ist das Steueraufkommen für 1925 mit 425 Millionen Mark zu veranschlagen. Hiernach werden Länder und Gemeinden rund 325 Millionen, das Aeich rund 100 Millionen erhalten. Dieses Mehraufkommen bedeutet keine bleberschuh- wirtschaft. Der Vertreter des Reichsfinanzministeriums trat der Ausfassung entgegen, als ob das Reich Mittel in den Kaisen habe, über welche es zeitweise oder dauernd verfügen könne. Er teilte mit, dah das Etatjahr 1926 mit rund 330 Millionen M^rk Reparationszahlungen mehr belastet sei als im Jahre 1925, was nur durch äußerste Beschränkung der Ausgaben ausgeglichen uzefben könne. Er fügte einen 'Ausblick auf die Jahre 192? bis 1929 an, in denen die Reparationsleistungen weiter starkzunäh- men. Zur Beurteilung der von den Parteien zur B e - amtenbcsoldungsfrage gestellten Anträge wird auf folgendes hingewiesen: Nach den beim Reich, bei Reichspost, Reichsbahn, Ländern und Gemeinden angestellten Ermittlungen betragen die Gefamtkosten für den Antrag Müller-Franken und Genossen: Erhöhung des Zuschlags zu den Grundgehältern für die Besoldungsgruppen 1 bis 6 von 12$ auf 30 Prozent und für die Besoldungsgruppen 7 bis 9 von 10 auf 20 Prozent einschließlich der durch das Reichsverforgungsgefetz festgelegten Auswirkungen auf die Renten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, insgesamt 673,3 Millionen Mark jährlich. Davon entfallen auf die allgemeine Reichsoerwaltung 187 Millionen, die Reichspoft 89 Millionen, die Reichsbahn 131 Mill., auf die Länder 147,7 Millionen und auf die Gemeinden 118,6 Millionen Reichsmark. Die Kosten der von der Deutsch-Völlijchen Frei« heitspartel und den Kommunisten gestellten Anträge würden die genannten Summen noch erheblich über ft eigen. Schon eine e i n prozentige Erhöhung des Zuschlags auf die Grundgehälter sämtlicher Beamten würde bei Reich, Reichspost und Reichsbahn 27,7, bei Ländern und Gemeinden 27,9, zusammen also 55 Millionen Reichsmark jährlich ausmachen. Der gesamte Besoldungsaufwand an Grundgehältern, Wohnungszuschuß, Frauenzuschlag, Kinderzuschlägen und örtlichen Sonderzuschlägen für das Reich — einschließlich der gemäß Reicbsversor- gungsgesetz von den Beamtenbezügen abhängigen Renten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Reichspost, Reichsbahn, Länder und Gemeinden — beträgt nachdem heutigen Stand rund 8,4 Milliarden Reiche, ir? jährlich. Fast sämtliche Länder haben auf die Anfrage über die Durchführbarkeit der von den Reichstagsparteien gestellten Anträge erklärt, daß ihnen und den Gemeinden Mittel für Besoldungserhöhungen nicht zur Verfügung ständen, daß vielmehr, falls eine Gehaltserhöhung beschlossen würde, sie die hierfür erforderlichen Mittel vom Reiche überwiesen erhalten müßten. Nach diesen (Eröffnungen der Regierung entspann sich eine allgemeine Aussprache von großer Lebhaftigkeit, die jedoch auf Donnerstag oertagt werden mußte. Zunehmende Erwerbslosigkeit. Es vergeht kaum ein Tag, der nicht das Heer der Arbeitslosen in Deutschland um einige Tausend vermehrt. Schon jetzt ist die Zahl der Erwerbslosen so groß, daß sich Reich, Länder und Gemeinden ernstlich mit der Frage zu beschäftigen beginnen, wie es möglich-sein wird, die Not der entlassenen Arbeiter zu lindern, sie durch den Winter hindurch zu bringen und ihnen wieder Lohn und Brot zu geben. Den einzelnen Parlamenten liegen bereits die verschiedensten Anträge vor, die aber nicht nur Notstandsarbeiten verlangen, sondern das Uebel bei der Wurzel gepackt wißen und die Wirtschaft aus ihrer Notlage befreit sehen wollen, damit sie wieder in die Lage kommt, das Arbeitslosenheer aufzunehmen und die öffenllichen Körperschaften zu entlasten. 2ün Dienstagabend haben sich auch die Parteiführer der Reichstagsfraktionen sehr eingehend mit diesem Thema beschäftigt: zu irgendwelchen Beschlüssen sind sie aber nicht gekommen. Sie wollen erst einmal abwarten, bis die neue Regierung gebildet ist, um sich dann der Frage der Erwerbslosen wieder zuwenden zu können. Inzwischen hat aber unter den Parteien selbst ein Kampf über die Aufbesserung der Erwerbslosenfürsorge begonnen, aus dem eine Zentrumsstimme heroorgehoden zu werden verdient, nämlich die der linksgerichteten „Ger- mani a", die nicht nur scharfe Kritik an den sozial- demokratischen Anträgen zur Fürsorge, sondern auch zur Gehaltserhöhung der Beamten und zum Steuerabbau übt und daraus hinweist, daß Mehr- ausgaben nur bewilligt werden können, wenn auch gezeigt wird, wo die Deckungen hergenommen werden sollen. Vie Hot der Landwirtschaft. Reichsernährnriqsminister tAras Kanitz im Reichstag. Berlin, 9. Dez. Der Gesetzentwurf über die Aenderung der Lohnsteuer wird ohne Aussprache dem Steuerausschuß überwiesen. — Die dritte Beratung des Haushalts des R e i ch s m i n i> steriums für Ernährung und Landwirtschaft wird fortgesetzt. Reichsernährungsminister Graf Kanitz: Es steht fest, daß die Landwirtschaft in den letzten beiden Jahren ohne wesentlichen Gewinn gearbeitet hat, daß sie große Kredite aufnehmen mußte, und daß sie sich in schwerer Notlage befindet. Die gegenwärtige Agrarkrise ist aber n-u r ein Teilgebiet der allgemeinen Absa tz k r i s e der Wirtschaft, die sich nicht nur auf Deutschland beschränkt. Wir werden dieser Krise nicht dadurch Herr werden, daß wir bei einem Erwerbszweig allein anfangen. Dazu sind die einzelnen Zweige der Wirtschaft zu eng miteinander verknüpft. Die 5infenbelaifung der Landwirtschaft ist heute wesentlich größer als In der Vorkriegszeit. Für die Rückzahlung der Kredite sind Erleichterungen erzielt worden, die aber noch nicht aus- reichend sind. Es muß erstrebt werden, die landwirtschaftlichen Verpflichtungen, die bis zum Frühjahr nicht in Realkredite übergeführt werden können, bis nach der (Ernte z u prolongieren. Die Reichsbank ist bereit, Erleichterungen zu gewähren, denn sie hat kein Interesse daran, daß es der Landwirtschaft schlecht geht. Der (Ertrag der (Ernte reicht nicht aus, um die jetzigen Verpflichtungen der Landwirtschaft abzutragen. Die Hof der Landwirtschaft wird dadurch verschärft, daß der Getreidepreis unter dem Weltmarktpreis liegt. Rein theoretisch zahlenmäßig hat die Landwirtschaft in der letzten (Ernte die Aufgabe gelost, Len deutschen Getreidebedarf in Deutschland zu decken. Es wäre tragisch, wenn in diesem Augenblick die Landwirtschaft zur extensiven Wirtschaftsweise übergehen würde. Es muß sehr bedauert werden, wenn einzelne Kreis-Landbünde Beschlüsse veröffentlicht haben, wonach in diesem Jahr kein Kunstdünger verwendet werden soll. Solche Beschlüsse liegen nicht im Interesse der Landwirtschaft. Wenn die Reichsgetreide st eile wieder neu aufgezogen werden sollte, so wird sie nicht als In st rum ent zur Preissteigerung dienen. (Eine mäßige Steigung der Getreidepreise braucht nicht zu einer Brotverteuerung zu führen. Die jetzige Spanne zwischen Getreide- und Brot- preis ist zu groß. Die in der deutschnationalen Interpellation geforderte Schaffung von mündel- sicheren ersten Stellen im Grundbuch ist wegen des von den Deutschnationalen selbst mitgeschaffenen Hypothekenaufwertungsgesetzes kaum möglich. Das Reichsfinanzministerium hat bereits alle verfügbaren Mittel der Landwirtschaft in kurzfristigen Krediten überwiesen. Langfristige Kredite können aus dieser Quelle nicht gewähr! werden. Mit Krediten allein kann der deutschen Wirtschaft nicht geholfen werden. Eine nachhaltige Besserung der landwirtschaftlichen Lage ist in der nächsten Zeit nicht zu erwarten. Die jetzige Wirtschaftskrise wird noch lange anhalt e n. Die Regierung wird alles tun, was an — ■' - ' . ---------- Hilfsmaßnahmen möglich ist, aber auf die Regierung allein darf sich die Wirtschaft nicht verlassen. Kein Kreditinstitut hat ein Interesse an Zwangsversteigerungen in der Landwirtschaft. Vor der Illusion einer schnellen Besserung muß gewarnt werden, aber andererseits darf man auch in dec Landwirtschaft nicht Schwarz in Schwarz malen. Pessimismus ist in dieser Frage geradezu ein vaterländisches Verbrechen. Ich bin überzeugt, daß die Landwirtschaft mit einem blauen Auge auch über die jetzige Krise hinwegkommen wird. Die ganze Wirtschaft bildet heute eine Notgemeinschaft, und Hilfe kann ihr nur im ganzen gebracht werden. Weiterberatung am Donnerstag. Die Reichsgeireidestelle. Beratnuqen im Reichsrat. Berlin, 9. 12. Der Reichsrat hielt heute abend eine > öffentliche Vollsitzung ab. um den Gesetzentwurf zur Sicherung der Getreidebewegung im Geschäftsjahr 1925'26 zu erledigen. Die Vorlage sieht vor, die Tätigkeit der in Liquidation b.findlichen Rcichsgetr-idestelle um ein weiteres Ja h r zu verlängern. Die Reichsregürung s ll ermächtigt wo dm, im Geschäftsjahr 1925 durch die ReichsgetreidestKle Getreideankäufe vornehmen zu lassen, Die den Umfang von 200 000 Tonnen nicht übersteigen. da die Landwirtschaft für Brotgetreide, namentlich für Roggen heute v'e fach keine Abnehmer findet und die Preise auf einen unverhältnismäßig niedrigen Stand getunten sind. Die Reichsgetreidesteile soll den freien Handel in keiner Reise beschränken und überhaupt nicht dauernd im Geschäft bleiben, sondern nur ein- greifen, wenn die Marktlage es erfordert. Die Mehrheit der Länder war der llrbrrzeugung, daß auch die Verbraucher kreise an der Durchführung der geplanten Maßnahme nicht un^ interessiert sind. 3n der D. llre f mmlung tou de in namentlicher Abstimmung die Verlage mit 34 gegen 28 Stimmen angenommen. Auf Antrag der preußischen Regierung wurde in das Protokoll ein Ersuchen der preußischen Staatsregierung an dis ReichZregierung dahin aufgenommen, daß die Reichsregierung ber Reichsgetreidestelle folgende Anweisungen geben soll: 1. sich nicht der Form des handelsrechtlichen Lieferungsgeschäftes zu bedienen, 2. die Geschäfte nach solchrn Gesichtspunkten abzuschließen, daß eine Steigerung der Roggenpreise möglich st vermieden wird. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates hat dagegen den von der Reichsregierung zur Begut« achtung borgclegten Entwurf mit großer Sftm- rnenmehrheit abgclehnt. Die Senhtng der Lohnsteuer. Berlin, 9. Dez. CSU.) Der Entwurf eines Gesetzes über die Senkung der Lohnsteuer ist dem Reichstag zugegangen. Der Entwurf bringt entsprechend den seinerzeit im Steuerausschuß geäußerten Wünschen eine Abänderung des bisherigen Gesetzes. Danach sollen für Dienstleistungen nach dem 31. Dezember 1925 vom Arbeitslohn für den Arbeitnehmer 1200 Mark jährlich vom Steuerabzug freibleiben und zwar 720 Mark als steuerfreier Lohnbetrag, 240 Mark zur Abgeltung der Werbungslosten und 240 Mark zur Abgeltung der Danderlcistungen. Die Bestimmungen über die Veranlagung zur Einkommensteuer für das Kalenderjahr 1926 werden durch entsprechende Erhöhungen der abzugs- freien Summen der Senkung der Lohnsteuer an- geglichen. Die zu erwartende Senkung beträgt nach der Aufk^mmenberechnunz 237 Millionen Reichsmark, so dah, wenn man von i,em bisherigen jährlichen Auskommen aus der Lohnsteuer von 1440 Millionen Reichsmark aus geht, etwa 1203 Millionen Reichsmark künftig zu erwarten sind. Damit ist die von der Reichsregierung seinerzeit gestellte Bedingung erfüllt, daß durch eine S:n- rung der Lehnsteuer das Aufiommen auS dieser Steuer jährlich 1120 M llionen Re'chsmark nicht unterschreiten dürfe, weil sonst die Etats von Reich, Ländern und Gemeinden iricht balancieren; könnten. und zwar einen Handarbeitsunterricht vom zweiten Schuljahr ab, wie er früher schon bestand. Der Ausschuß hat beschlossen, den Antrag durch die Regierungsantwort für erledigt zu erklären. Die Antragstellerinnen widersprechen dem, indessen tritt das Haus dem AuSschuhantrag bei. Ein Antrag der Abg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) verlangt eine Entschädigung an Lehrer naen, die wegen Verheiratung freiwillig aus dem Schuldienst ausschelden. Dw Ausschuß hat beschlossen, den Antrag abzulehnen und dafür einen weitergehenden Antrag Kaul (Soz.), der sich auf alle Beamtinnen bezieht, anzunehmen. Abg. Frl. Birnbaum (D. VP.) bemerkt, daß sie bereits das Wort Lehrerin durch Beamtin ersetzt habe. Es handle sich hier nicht um eine Versorgung, sondern um ein Rech t. Ministerialdirektor 11 r st a d t legt die neuen reichsgesetzlichen Bestimmungen über das Ausscheiden der Lehrerinnen bei ihrer Verheiratung dar. Der Antrag Birnbaum wird abgelehnt, der Antrag Kaul angenommen. Ein Antrag der Abg. Hattemer (Ztr.) wegen Gewährung eines Ruhegehaltes an nebenamtlich beschäftigte Handarbeits- lehrerinnnen wird vom Ausschuß abgelehnt. Rach längerer Aussprache beschließt das Plenum im gleichen Sinn. Dem Hause liegt ferner vor ein Antrag der Abgg. Dr. Greiner (Komm.) u. Gen. Dr. Werner (Dntl.) und Reiber (Dem.) betr. die Impstlausel. Cs wird beantragt: a) daß die Gewissensklausel zum Impfgesetz eingeführt wird, b) dah eine paritätische Kommission, bestehend aus Impf- gegnem und Impf reunden. einberu'en wird, zur Prüfung der wissenschaftlichen und rechtlichen Grundlagen des Impfgesetzes, c) daß das Reich die volle Haftpflicht für alle Impfschäden übernimmt. Der Ausschuß beantragt zu a Ablehnung. zu b und c Zustimmung. Abg Dr. Greiner (Komm.) wendet sich in längeren Ausführungen gegen den Impfzwang : er verweist auf @nglanb und die Schweiz, die den Impfzwang ' Ministerialrat Dr. Groh tritt den Ausführungen deS Vorredners entgegen, ü den er auf die Dlatternschäden aufmerksam macht, die vor der Einführung der Impfung unter der Bevölkerung entstanden waren: cs waren oies zahlreiche Todesfälle und große wirtschaftliche Schäden. In Hessen fei fein Todesfall durch Impfen eingetreten. In England wären feit 1922 etwa 10 000 Menschen als pockenkrank gemeldet worden. In der Schweiz zeigten sich in den Kantonen, in denen der Impfzwang abgeschafft sei, die Pockenepidemien Die Ausschuh- anträge lverden angenommen. Hierauf werden noch zahlreiche Anträge und Vorstellungen von geringerer Bedeutung, zumeist in ilebereinftimmung mit den Ausschußanträgen erledigt. Entgegen einem Beschluß deS Ausschusses wird jedoch ein Antrag Jost (Bbd.) und Genossen betreffend Herabsetzung des Weidegeldes für staatliche Waldungen angenommen. Schwierige Lage der deutschen Eisen- nnd 5:ahlwarenindustrie. Elberfeld, 9. Dez. (WTD.) Die Lage der deutschen Eisen- und Stahlwarenindustrie hat sich nach dein Monatsbericht des Eisen- und Stahlwarenindustriebundes im November 1925 noch mehr verschlechtert. Durch die katastrophale Entwicklung wurden die meisten De° triebe gezwungen. Detriebseinschrän- kungen und Entlassungen vorzunehmen. Die Hauptursache ist die fortschrei- tende Kapitalnot, verschärft durch die öffentlichen finanziellen La st en. Aus einigen Bezirken und Fabrikationszweigen wird im einzelnen wie folgt berichtet: Die Lage der Eisen- und Stahlwarenindustrie des märkischen Landes hat weiterhin im letzten Monat eine Verschlechterung erfahren. Das Exportgeschäft steht gleichfalls im -Zeichen eines weiteren Rückganges. Es macht sich unangenehm bemerkbar, daß die Han- delSvertragsverhandlungen mit den verschiedensten Landern mit dem Ziel der Ermäßigung der hohen Zölle nur sehr schlevpend weitergeführt werden und iirfolgedessen Erleichterungen bei der Einfuhr deutscher Daren in diese Länder noch immer nicht eingetreten sind. Eine Aussicht auf Besserung der allgemeinen Lage in der märkischen Kleineisenindustrie besteht vorläufig nicht. Die Nachfrage nach Baubeschlägen hat im vergangenen Monat ganz gewaltig nachgelassen, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß die meisten Bauten am Schlüsse des Jahres fertiggestellt worden sind. Die Zahlungen haben sich in den letzten Wochen noch weiter verschlech- tert. Eine allgemeine Krise prägt sich auch in der Werkzeugindustrie von Nemscheib und ilmgbung, der Schraubenindustrie und der Velberter und Radevormwalder Schloß- und De- schlagindustrie scharf aus. Die Betriebseinschränkungen und Entlassungen mehren sich. Die Ge- schäftsaufsichten und Konkurse haben sich gegenüber den Vormonaten verfielfacht. Der Eingang von Aufträgen ist gering. Auch das Auslandsgeschäft liegt still. Geringe Belebung zeigt der Absatz nach Belgien. Die Schloß- und Besch lag industr re ist in gleich schwieriger Lage. Hier treten die Wirkungen der stillen Saison noch verschärfend hinzu. Die Lage der Eisen- und Stahlindustrie im Bezirk und Kreis Schmalkalden hat sich noch weiter verschlechtert. Auch in der süddeutschen Eisen« und Stahlwarenindustrie hat sich die Lage wesentlich verschärst. Der Auftragseingang hat sich im November entsprechend der allgemeinen Lage vermindert, sodaß es auch hie: zu Kurzarbeit und Stillegungen von Be- tri.bsabteilurgen grk.mmen ist. Die Reparationszahlungen. Berlin, 9. Dez. (£H.) Das Büro des Generalagenten für Reparationszahlungen veröffentlicht eine Llebersicht über die Einnahmen und Auszahlungen im zweiten Annuitätsjahr bis zum 30. November. (Die Zahlen in Klammern bedeuten die Gesamtsumme der Zahlungen bzw. Einnahmen vom l. September bis 30. November 1925.) 3m November betrugen die Einnahmen 96 Will. Goldmark (250 Mill.), der Barbe st and am 31. August 192-5 betrug: 107 Mill Gold- .mark, so daß die bisherige Gesamteinnahme im zweiten Annuitätsjahr 357 Mill. Goldmark i ausmachte. Gezahlt wurden im November an die Mächte 76 Mill. Goldmark (224 Mill. Goldmark), ? davon wurden für Desatzungskosten verauslagt 8 Mill. Goldmark (19 Mill. Goldmark), ‘ für Sachlieferungen 48 Mill. Goldmart (148 Mill. Goldmark), für Reparations-Recoveryact 19 Mill. Gvldmarl (56 Mill. Goldmark). Ferner wurden bezahlt: für den Zinsendirnst der deutschen Ausländsanleihe von 1924 6,7 Mill. Goldmark (25,9 Mill. Goldmark». für die Aufwendungen der Reparation s-K o m m i f f i o n 240 000 Goldmark (968 700 Goldmark). für die Rheinlandkommission 763 000 Goldmark (2 330 000 Goldmark), für die Militärkoutroll-Komimssion 600 000 Goldmark (1,7 Mill. Goldmark). Die Gesamtzahlungen hn November betrugen 85 654 581 Goldmark (253 335 484 Goldmark). An Barbestand war am 30. November 1925 die Summe von 99 340 425 Goldmark vorhanden, so das» an Gesamtzahlungen in der Zeit vom 1. September bis 30. November 25 357 675 909 Goldmark in Frage kommen. Dar Urteil im Dolchstohprozeh. Das Schöffengericht beim Amtsgericht München hat den Redakteur der sozialistischen ^Münchener Post", Gruber, wegen fortgesetzten Vergehens, teils der Beleidigung, teils der üblen Nachrede zu einer Geldstrafe von 3000 Mk. eventuell 30 Togen Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Der Beleidigte und Kläger war der Herausgeber der bekannten „Süddeutschen Monatshefte", Prof. Nikolaus C o ß m a n n, der in einigen Aufsätzen seiner Zeitschrift den Beweis anzutreten versucht hatte, daß der sog. „Dolchstoß" der von linkssozialistischen Gruppen verseuchten Heimat in den Rucken des schwerringenden Feldheeres 1917—1918 feine Legende, fonbern eine geschichtliche Tatsache fei. 3n der Begründung des Urteils heißt eS, die in der Münchener Post" behauptete Geschichtsfälschung der Dolch- stohhefte sei nicht als wahr erwiesen worden. Der M e h r h e i t s svzialdemokratie habe Cohmann nicht den Vorwurf des Dolchstoßes gemacht. Bewußt und absichllich auf die Zertrümmerung der deutschen Wehrmacht gerichtete Hand- lungen hinter der Front seien in den späteren Kricgsjähren erfolgt. Dazu zählten insbesondere revolutionäre Propaganda in Wort und Schrift, Meuterei in Heer und Marine, auch einzelne Streiks. Solche Handlungen feien auch von Angehörigen der U.S.P. und noch weiter lrnksstehenden Gruppen vorgenommen worden Der Kampfgeist des Frontheeres sei, wenn überhaupt, nur in einzelnen Fällen durch solche Handlungen beeinträchtigt worden. Der Geist in der Etappe fei aber erheblich geschädigt worden. Der Kampfgeist der in Berührung mit dem Feinde stehenden Marine, besonders der A-Bvote, sei bis zuletzt vortrefflich geblleben, nicht dagegen der der in den Häfen liegenden Schisse. Als die Flotte Ende Oktober 1918 zu einem letzten Vorstoß aus lausen sollte, der nach Ansicht der Marinefachleute die Lage des Frontheeres entlasten und damtt bessere Friederrsbedingungen hätte schaffen können, fei das durch die Meuterei verhindert worden. Es habe vielleicht ein verhetzter Teil der Industricarbeiterschaft und anderer Dolkskreise den Sieg aus innenpolitischen Gründen nicht gewollt, die Masse der Arbeiterschaft und der anderen Volksgenossen habe ihn aber gewollt. Welche Bedeutung der in den Dolch- stohheften wiedergegebenen Eisners 6) en Liste zukomme, sei zur Zeit mit Sicherheit nicht erkennbar. Anhaltspunile dafür, dast die dort genannten Beträge aus dem feindlichen Auslande stammten, fehlten. Der Inhalt der Hefte gehe teilweise über die hier gemachten Feststellungen hinaus: es fänden sich Verallgemeinerungen, die nicht berechtigt seien, das hätte deutlicher zum Ausdruck kommen müfsen. Die Darstellung Coßmanns sei teilweise irrig und unrichtig. Solche Irrtümer fänden sich aber auch in anderen historischen Darstellungen, besonders in der Memoiren.iteratur des Weltkrieges. Die geschichtlichen Ereignisse des Weltkrieges lägen noch nicht weit genug zurück. Die Mängel der Hefte könnten noch lange nicht als bewußt falsche Darstellungen bezeichnet werden. Es sei unzulässig, daraus, dast Tatsachen, die als besonders ausschlaggebende ür- sachen des Zusammenbruchs gewertet werden mühten, nicht erwähnt feien, den Schluß zu ziehen, der Privatkläger habe bewußt die Geschichte verfälscht. Die Vertreter der Presse hätten in der Frage der Wahrnehmung berechtigter Interessen nicht mehr Rechte als jeder andere Mensch. Die beleidigenden Aeußerungen seien gesucht, gehässig und bewußt grob, das sei straferschwerend. Strafmildernd fei. daß die Polemik und die Beleidigungen in die Zeit eines scharfen Wahlkampfes gefallen seien. Die Llrteilsverkündung verlief ohne Kundgebungen. Das Gericht hat dem Privatkläger auch die Befugnis zugesprochen, das Urteil auch im „Vorwärts" und in der „Münchener Post" zu veröffentlichen. Der Bellagte hat auch die dem Privattläger erwachsenen notwendigen Auslagen zu tragen. Voraussichtlich wird der Angeklagte Berufung gegen das Urteil einlegen. Jur Regierungsbildung. Nachdem in der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Entscheidung über die Haltung der Sozialdemokraten zur Frage der Bildung der großen Koalition nicht gefallen ist, halten es die Blätter nunmehr für das Gegebene, daß der Reichspräsident H ute nach Empfang der erbetenen schriftlichen Mittoilu g:n der einz l:e.r Fraktionen eine Persönlichkeit und zwar aller W hr» schein! chleit noch Dr. Luther m'.t t er Re^ierungs- bildurg beauftragt. Dcr Beauftragte würde, dann die Möglichkeit H b en. durch Verhandlungen mit den Vertretern der. Fraktionen die Lage zu flären. Belgische Truppen räumen das linksrheinische Düsseldorf. Düsseldorf, 9. Dez. (WB) Der belgische Ortskommandant in Düsseldorf und Oberkassel teilte dem Beigeordneten Knopp mit, daß ein Teil der belgischen Truppen am 15. Dez. den linksrheinischen Stadtteil verlas- s e n werde. Wann der dort noch verbleibende Tell der Besatzung abrücken wird, steht noch nicht fest. Die Besatzung glaubt, daß dies bis Mitte Januar 1926 der Fall sein wird. Die Tagung des Vöiksrdundsrats. D e Danziger Beschwerden abgcwiesen Gens, 9. Dez. (WD.) Der Döllerbundsrat hat sich heute den Schlußfolgerungen seines Berichterstatters Quino-nes de LLon-Dpanien hinsichtlich der polnischen Militärwache auf der Westernplatte angeschlossen und die vom Völkerbundsratskommissar Macdonell und dem Danziger Senatpräsident Scchm vorgebrachten Einwände abgewiesen. Das Polen zugesprochene Gebiet der Wrsternplatte darf jedoch ausschließlich der Verladung. Lagerung) und Weiterbeförderung von Kriegsmaterial und Sprengstoffen als Transitgut dienen. Außerdem bleibt nach wie vor ausgeschlossen, daß d',e polnische Kriegsflotte im Hafen ter Westernplatte stationiert wird. Ferner darf das polnische Wach- personal außerhalb deS Munittonslagers eine polnische Uniform nicht tragen und die Art der Bewaffnung must stritt auf die Ausgabe der Ueberwachung beschränkt bleiben. Die von Danzig aufgeworfene Frage, ob Danzig von der polnischen Flotte als Anlegehafen benutzt werden kann, bleibt offen. Hüben- Schweden regte an. die polnische Wache mit ihrem rnllitärischen Charakter abzu- schaffen und eine zivile Wache einzurichten. Senatspräsident Sahm begrüßte die Anregung des schwedischen Außenministers aufs l^hasteste und erklärte, es würde sicherlich durch ein derartiges Arrangement vermieden werden, daß die Gefühle der Danziger Bevölkerung verletzt werden. Aus einen Vorschlag Chamberlains sieht der Rat davon ab, auf diese Anregung einzugehen. da sie eine Angelegenheit sei, die zwischen dem Oberkommissar und den beiden Regierungen geregelt werden könne. (Senf, 9. Dez. (WTB.) Außex der Danziger Angelegenheit erledigte der Rat heule nachmittag eine Reihe anderer Punkte der lagesorbnung, darunter als wichtigste die Beratung übet die finanzielle Sanierung Oesterreichs und Ungarns, einige Mandatsfragen und eventuelle Revision in der Behandlung der Minderheitsbefchwerden. Chamberlain, der Berichterstatter für Oesterreich, teilte das Ergebnis der Verhandlungen über den endgültigen Abbau der Finanzkontrolle mit. Mit der Aufhebung der Finanzkontrolle werde Oesterreich auch die volle Souveränität über feinen Staatshaushalt wieder erhalten. Chamberlain betonte die dringende Notwendigkeit, daß Oesterreich feine alten 21 b • f a R mä r 11 e in den Nachfolgestaaten wieder geöffnet werden, weshalb der Rat diese Staaten auffordert, unter Berücksichtigung der gegenseitigen Bedürfnisse und unter Wahrung der Rechte dritter Staaten Abkommen zur Erleichterung der Handelsbeziehungen zu treffen und auch bei der Sanierung der bestehenden Handelsverträge auf die Bedürfnisse des österreichiscken Absatzes weitgehend Rücksicht zu nehmen. Der Bericht über Ungarn verzeichnet die Fortschritte Ungarns in seinem finanziellen und wirtschaftlichen 2(ufbau und betont auch für Ungarn d i e Notwendigkeit der Oeffnung der Absatzmärkte und Nachbar st a a t c n. Zur Behandlung der Minderheitenfrage bemerkte Chamberlain, daß die Minderheitenfragen bisher stets nach Recht und Gerechtigkeit vom Rat geprüft und entschieden worden seien. Es sei undenkbar, daß Minderheitenverbänden dieselben Rechte bei der Vertretung ihrer Klagen vor dem Rat eingeräumt würden wie den beklagten Staaten. Das Recht der Vertretung der Minderheitenklagen müsse allgemein den Staaten Vorbehalten bleiben. Es sei sicherlich nicht die Absicht der älrheber der Minderheitenverträge gewesen, innerhalb der Staaten eine Bevölkerungsgruppe zu schaffen und zu erhalten, die sich dem Gefamtkörper des Staats gegenüber fremd fühle. Sie wollten vielmehr die notwendigen Voraussetzungen für eine langsam anzustrebende nationale Einheit schaffen. Benesch warnte davor, die Behandlung der Minderheitenklagen auf die Spitze zu treiben. Hierdurch würden die Minderheiten selbst geschädigt, ohne die geringsten Vorteile davon zu haben. Aus aller Wett. Die Zrppelin-Eckenerspende. In einer Sitzung des Kuratoriums des Vorstandes der Zeppelin-Eckener-Spende des deutschen Volkes wurde unter Vorsitz Eckeners festgestellt, daß das bisherige Ergebnis der Sammlung durchaus befriedigt, da es für den verhältnismäßig kleinen Teil des Deutschen Reiches, der das Ergebnis der Sammlung bisher gemeldet hat, bereits über eine Million beträgt. Es darf daher mit Bestimmtheit damit gerechnet werden, daß das Ziel der Sammlung erreicht wird, wenn in den übrigen Landesteilen das Ergebnis ähnlich ausfällt. Beim Rodeln in die Desec. Beim Rodeln hat sich in Daa ke an der Weser ein trauriger llnglückssall ereignet. Zwei Kinder des Schwellenhauers Salomon, ein Junge und ein Mädchen soerloren die Gewalt über ihren Schlitten und fuhren in die Weser. Das Mädchen konnte gerettet werden, während der Junge nur a l s Leiche geborgen werden konnte. Ein weiterer Fememord in Mecklenburg? In einem Roggenfeld bei dem Dorfe L e h st e n unweit Waren in Mecklenburg war im Juli 1923 die Leiche eines mit feldgrauen Uniformstücken bekleideten jüngeren Mannes gefunden worden. Der Tote hatte zwei Schüsse aus einer Mauserpistole in den Hinterkopf erhalten. Nach der von der Staatsanwaltschaft Güstrow erfolgten Ausschreibung des Falles im Deutschen Fahndungsblatte wird das Vorliegen eines politischen Mordes vermutet. Als Täter konunt der frühere Feldwebel B ü s ch i n g in Frage, der feine Opfer regelmäßig durch zwei Schüsse in den Hinterkopf getötet hatte. Wettervoraussage. Noch Niederschläge (in Form von Schauern), zunächst milder, später mäßiger Temperatur-Rückgang, wechselnd bewölkt, meist westliche Winde. Das Temperatur-Minimum für Gießen ist gegenüber dem Vortage um 14 Grad Eelsius gestiegen. Wtt Ausnahme des Nordostens und Südostens liegen in Deutschland die Morgentemperaturen wenig über oder unmittelbar um den Gefrierpunkt. Durch die südöstliche Verlagerung deS nordwestlichen Fallgebietes verstärkt sich vorerst der trübe, regnerische Witterungscharakter. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum plus 2,2 Grad Celsius. Minimum minus 4,2 Grad Celsius. Niederschläge: 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: plus 2,2 Grad Celsius. Aus der provinzialhauMadt. Gießen, den 10. Dezember 1925. Ein Protest gegen das Stadlparlament. Die Mittelstandsvereinigung und der Haus- besitzerverLin hatten auf Dienstag abend in das Kathol. Vereinshaus zu einer Protest-Kundgebung gegen Beschlüsse des Stadtparlaments in seiner letzten Sitzung (Erhöhung der Sondersteuer, Llmstellung des Stra- henreinigungswesens auf Motorbetrieb, Clektri- zitätspreis) eingeladen. Die Versammlung war außerordentlich stark besucht. Der Vorsitzende deS HausbesitzervereinS, Malermeister L a u n s p a ch. eröffnete die Versammlung im Namen des Hausbesihervereins und der Mittelstandsvereinigung mit der Erklärung, daß sich in dem vollbesetzten Saale die Empörung widerspiegele, die durch die obengenannten Beschlüsse der Stadtverordneten-Ver- sammlung in die Bürgerschaft hineingetragen worden fei. Nach einer kurzen, scharfen Kritik an diesen Beschlüssen betonte der Redner, sie würden von den Einberufern für nichtig gehalten. Beide Organisationen wollten beweisen, daß die ihnen angedichtete einseitige Interessen- pvlitik nicht wahr sei. Beide kämpften nur für das Wohl des Ganzen und für das Wohl der Stadt und damtt der Allgemeinheit. Hierauf sprach der Hauptredner des Llbends. Architekt Nicolaus. Der Redner ging von dem Ergebnis der Stadtverordnetenwahl aus, die der Mittelstandsvereinigung einen Erfolg gebracht habe, der für jeden, der klar sehen könne irnb wolle, auf der Hand liege. Nur die Sozial- demokrarie könne das nicht, denn sie spreche von einem „Deinfall der Mittelstandspartei". Da man der Mittelstandsvereinigung vor der Wahl 2 oder höchstens 3 Sitze zurechnete, sie aber Z erhalten habe, könne im Ernst niemand von einem „Rein- fall" sprechen. Der Redner beanstandete bann, daß das jetzige Stadtparlament trotz der Neuwahl noch in der alten Zusammensetzung bis zum Iahresschluh amtieren könne. Dis dahin müsse cs In seiner Arbeit scharf überwacht werden. und daß diese strenge Pkeberwachung notwendig sei, werde durch die jüngsten Beschlüsse zur Genüge bewiesen. Diese Beschlüsse, die den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ins Gesicht schlügen, hatten einen Sturm der Entrüstung und Empörung in der Bürgerschaft hervorgerufen. Man protestiere gegen die Stadtverwaltung, daß sie dem allen Stadtparlament in seinen letzten paar Wochen diese Vorlagen noch unterbreitete, man protestierte aber auch gegen die Stadtverordneten-Versammlung, die doch „im Ötetfcäft liege", daß sie über die Vorlagen beschlossen habe. 1 Vom Standpunkt des Taktes aus hätte man die Entscheidung darüber dem neuen Parlament Vorbehalten müssen. Man gewinne den Eindruck, als ob die Verwaltung jetzt noch schnell alles mögliche unter Dach und Fach habe bringen wollen. Der Redner zog hierauf dis im .,G i e ß. A nz." Nr. 276 und 277 erschienenen Artibel „©ie&cner Finanzfragen" zur Besprechung und als Ausgangspunkt weiterer Betrachtungen im Rahmen seines Referats heran. Man werd? nicht fehlgehen, wenn man behaupte, daß der Verfasser dieser Artikel in den Kreisen der höchsten Verwaltungsbeamten unserer Stadt zu suchen sei. (Hierin irrt sich der Redner. Es handelt sich um eine Arbeit der Redaktion. D. Red.) Nach der Zitterung der Hauptstellen der Artikel kam der Redner zu der Schlußfolgerung, aus der Sprache der dort angeführten Zahlen gehe die unabweisbare Notwendigkeit hervor, im städtischen Haushalt strengste Sparsamkeit walten zu lassen. In striktem Gegensatz zu die- ■ fern Gebot stehe aber der Beschluß hinsichtlich der Umstellung des Straßenreinigurltzsbetriebs. Das Geld für diese Sache sei anscheinend auch schon ausgemacht. Nach den angelegenen Artikeln im „Gießener Anzeiger" und nach dem Bericht des „Anzeigers" über die Stadtverord- neten-Sitzung bringe die Erhöhung der Sonder- steuer rund 90 000 Mk.. die zur Deckung der Polizeilasten draufgingen. Die Sonbersteuer werde von 60 auf 80 Pf. erhöht, mithin um 331/3 Proz. Nun seien im Haushaltsplan als Aufkommen aus der Sondersteuer für dieses Rechnungsjahr 600 000 Mk. eingesetzt. Danach bedeute die jetzt beschlossene Erhöhung um 33Vs Proz. eine Mehrbelastung der Steuerzahler u m 2 0 0 0 0 0 M k., aber nicht um nur 90000 Mark, wie zu lesen war. Da 90 000 Mk. für die Polizeilasten notwendig seien, verblieben 110 000 Mk., worin die Stadtverwaltung Wohl schon die Mittel bereit habe für die Strasien- reinigungsvorlage, deren Beschliehung vom jetzigen Stadtparlament ein Eingriff in das Recht des neuen Hauses sei. Daß man von dieser Verwendung des Geldes nichts gesagt habe,' sei eine Irreführung der Öffentlichkeit. (Anmerkung der Redaktion: Da Herr Nicolaus die Richttgkeit der in unseren Spalten genannten Zahlen in Zweifel gezogen und von einer Irre- ; führung der Oeffentlichkeit gesprochen hat, sehen wir uns zu einer Richtigstellung der Behauptungen des Redners veranlaßt.Die Rech- j nung, die Herr Nicolaus in diesem Zusam- i menhang aufgemacht hat, beruht auf einem Irrtum, sie stimmt also nicht. Herr NicolauS ) berechnet den 33'/z-Prozent-Auffchlag für das ganze Ctatsjähr, d. h. für die Zeit vom 1. April ds. Is. bis zum 31. März 1926. Das ist unrichtig: soweit erstreckt sich die Rückwirkung nicht. Die Erhöhung der Sonder- steuer um 33Vs Proz. gilt vielmehr nur mit Wirkung vom 1. November d. I. ab bis zum Schluß des Etatsjahres, 31. März n. I. Derart lautete der Beschluß der Stadtverordneten, derart wurde er von uns berichtet, und übrigens wurde er so auch öffentlich bekannt gemacht. ES kommen also nur fünf Monate der Erhöhung in Betracht, aber nicht zwölf, und für 1 fünf Monate berechnet stimmt der Betrag von 90 000 Mk. — übrigens wird er durch notwendige Steuererlässe noch erheblich geringer werden — der in unseren Spalten zu lesen war. Der Vorwurf einer Irreführung der Oeffentlichkeit kann mtthin nicht den Personen gemacht werden, die vor Herrn NicolauS mit dieser Angelegenheit sich befaßt haben.) Der RÄmer wies weiterhin die im Stadtparlament gefallene Aeußerung von dem „Geschenk an die Hausbesitzer" durch die Mieterhöhung von 84 auf 88 Prozent zurück, eine Aeußerung von sozialdemokratischer Seite, die hiermit ihre Hausoesitzerfeindschaft erneut bekundet habe. Weiter mahnte et zur ernsten Beachtung der überaus schwierigen Lage der Ge° schaftswett, die aus den Geschäftsauffichten und Konkursen genügend hervorgehe. Aus dieser Lage der heimischen Wirtschaft ergebe sich die zwingende Forderung, in der gesamten Verwaltung der Stadt die allergrößte Sparsamkeit walten zu lassen, damit die Wirtschaft nicht zu- fammenbreche. wodurch die Stadt dann auch schwer geschädigt würde. Der Sprecher der Deutschen Dolkspartei habe in der letzten Stadtvervrd- neten-Sitzung zwar in anerkennenswerter Weise zur Ausgleichung und Ermäßigung des Etats durch Sparsamkeit gemahnt, er habe da aber nur den Staat gemeint; dieselbe Ermahnung habe er auch an die Stadtverwaltung richten sollen. Die vorgeschlagene Ermäßigung des Elektrizttätsprei- ses für Licht um 1 Pfg. sei derart, daß man nur Staunen empfinden könne über die Naivttät, die sich in diesem Beschluß des Ausschusses ausdrücke. Auch dem gewerblichen Mittelstand werde hier nicht genügend Rechnung getragen. Die Mittelstandsvereinigung fordere strengste Sparsamkett. denn nur dadurch könne man wieder zur Gesundung kommen, und nur dadurch könne auch die Lebensfähigkeit der Wirtschaft gewährleistet werden. Da die obenbezeichneten Beschlüsse mit dem Grundsatz der Sparsamkeit in der jetzigen schweren Zeit nicht im Einllang ständen, müsse entschiedener Protest dagegen eingelegt werden. Man müsse Protest erheben gegen das jetzige Stadtparlament, das in der Zeit seines Sterbens noch Beschlüsse von so einschneidender Bedeutung für bic Steuerzahler fasse, man müsse auch protestieren gegen die Stadtverwaltung, die dem abtretenden Parlament in seinen letzten Wochen noch derartig« Vorlagen unterbreite. Man müsse zum äußersten Kampf gegen diese Lasten entschlossen fein im Interesse der Wohlfahrt unserer Stadt. (Lebhafter Beifall.) Die Aussprache war sehr rege. Zahlreiche Redner ergriffen das Wort und brachten Klagen aus den verschiedensten kommunalpolitischen Gebieten vor. vornehmlich natürlich aus dem Steuergebiet. Dabei wurde die Stellungnahme des Redners gegen die beanstandeten Vorlagen deullich unterstrichen; nur einer von zwei Stadtverordneten, die das Wort ergriffen, der Stadtv. Loh. hob bei einer kurzen Beleuchtung der Schwierigkeiten der heutigen Kommunalpolitik hervor, daß auch die Mittelstandsvereinigung angesichts der Verhältniffe im großen und ganzen die bisher vom alten Parlament befolgte Sleuer- Politik werde treiben müssen; Sonderst euer- Herabsetzungen und ähnliches könnten doch nur durch schärfere Anspannung der Gewerbesteuer ausgeglichen werden. Oberingenieur Kurz machte Vorschläge zur Neuordnung der Elektrizitatspreise, die wohl im neuen Parlament noch eine Rolle spielen werden. Schließlich ermächtigte die Versammlung fast einstimmig den Vorstand, eine Entschließung im Sinne der Ausführungen des Hauptredners an Der entscheidende Zug, der den Gewinn Ehrend 6 MkMMhWMkllMi! 5 wertsaus st ellunj den Vorzug: das System, Kf8 12. c5xd4 12. Thl-h3 13. c3xd4 14. Sgl-e2 15. Tal-bl 16. Tn3-f3 17. Tf3-f6 18. Dß4-f3 19. Se2 —c3 20. Sc3-b5 25. Lc6xb5 26. Th8-d8 27. Td7xd4+ 28. Da2 - bl 29. KcS-c7 30. Kc7 - b6 klarstellt. 27..... 28 Kd2-e3 29. Ta5-a8-i 30. Tf6xf7+ Die zehnten turniers 1. e7-e6 2. d7-d5 3. Sg8-f6 4. Lf8-b4 5. h7-h5 6. Lb4Xc3 7. Sf6-e4 8. g7-g6 tuation und kann mehr abwenden. 21. 5b.xa7+ 22. Sa7-b54- 23. Tbl —b4! 24. Ld3xc4 1. e2-e4 2. d2-d4 3 Sbl —c3 4. Lcl-g5 5. e4-e5 6. Lg5-d2 7. b2xc3 8. Ddl -g4 25. Df3-c3 26. Tb4Xb5 27. Tb5-a5! 14. Dd8-e7 15. Sc6-a5 16 0-0-0 17. Ld7-c6 18. Td8-d7 19. De7-a3 20. Da3Xa2 21. Kc8-c7 22. Kc7~c8 23. Sa5-c44- 24. d5Xc4 eingetreten. — -—„ ö . - das; diese Frage einer gründlichen, sachlichen Behandlung angesichts der schwierigen Wirt- schaftsverhältnisse b dürfe, wurde allerseits zuge- stimmt. Ein Ausschuß unter Leitung des Ge- werbcschuldirektors Dr. Bünnings, bestehend aus den Vorsitzenden der Innungen und Vereinigungen, unterstützt dnrch Architekt E. Schmidt, soll vorläufig verschiedene wichtige Fragen klären. Dann erst kann im Verein darüber weiteres be- Partie Nr. 31. nachfolgende Partie wurde in der füns- Runde des internationalen Meister- zu Moskau am 29. November gespielt. Französische Partie. Weih: 2ates (England). Schwarz: Torre (Mexiko). Problem Nr. 40. Don Ä. Kondelik. erwähnt „Görlitzer Schachverein" 1886. Schwarz. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Jsr.ReliglonSgemelnde. Gotte Sd. t. d. Synagoge lSüdanlage). Samstag. 12. Dezember 1925. Vorabd. 4.30, morg. 9.00, Predigt, abds. 4.35 u. 5.15. Gottesdienst der tsr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 12. Dezember 1925. Freitag abds. 4.00, Samstag vorm. 8.00, Predigt, nachm. 3.30, Sabbatausgang 5.15. Wochengottesdienst morg. 7.00 und abds. 4.00. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaition des «Gießener Anzeigers". wird von Jates glänzend widerlegt. 9 Lfl-d3 9. Se4xd2 10. KelXd2 10. c7-c5 11. h2-h4! Um den Tbl mobil zu machen: genau so wurde diese Partie von Dogoljubow gegen Rett im Dreslauer Turnier behandelt. 11. . .. 11. Sb8-c6 Schach-Ecke. Dearbeltet von W Orbach Ehrenpreis und große silberne Medaille. *• Der Ortsgewerbeverein hielt am Dienstag ab^nd eine gut besuchte Mitgliederversammlung ob. in der Stadtobersekretär Frees einen eingehenden Vortrag über die Vermögens- steuererklärung hielt. An die klaren Ausführungen schloß sich eine eingehende Aussprache. Aach Regelung kleinerer geschäftlicher Fragen wurde in die Besprechung über eine Hand- rsstellung im lommenden Jahr Den Darlegungen des Vorsitzenden, Weih. Weih zieht und setzt in zwei Zügen matt. Weih: 9 Steine. Ka5, Dh8, Th4, Sd7, Se6, Bc2, Bc5, Bc6, Bd2. Schwarz: 4 Steine. Kd5, Sf4, Be7, Bf5. Hier verdient — — „ das Torre hier entwickelt mit der Rochade nach der Damenseite ist nicht gut anwendbar, und für die Samstagsnummer können nur bis Freitag vormittags verbindlich angenommen werden. Zwecks wirksamer Satzausstattung erfolgen Bestellungen zweckmäßig bereits im Lause des Donnerstags Bering Oes «em Anzeigers 9R18D Schwarz befindet sich in einer prekären Si- das drohende Unheil nicht die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten- Versammlung abzusenden. Wie man uns berichtet, hat diese Ent- schliehung folgenden Wortlaute „Die von der Gießener Bürgerschaft der Mittel- standsoereinigung und des chausdefitzes überaus stark besuchte heutige Versammlung ini Katholischen Vereinshause erhebt energischen Protest 1. gegen die von der Stadtverordnetenversammlung am 27. November beschlossene Erhöhung der chauszinssteuer um ein volles Drittel des bisherigen Satzes, ohne den Versuch gemacht ux haben, durch Sparsamkeit die Mittel für den Beitrag zu den Polizeilasten ganz oder teilweise aufzubringen,: 2. gegen die unzeitgemage, geplante Einführung des maschinellen Betriebes für die Straßen- reinigung. ... r ai weil die Bewilligung der hierzu erforderlichen Mittel von über 100 000 Mark eine weitere steuerliche Belastung der Erwerbsstände mit sich bringen muß: b) weil dadurch einer größeren Zabl städtischer Arbeiter und Arbeitsloser die Arbeitsgelegenheit entzogen wird und eine weiter? Belastung der Erwerbslosenfürsorge zur Folge haben muß: c) weil maschineller Betrieb in geplantem Ausmaß im Vergleich zu dem Umfang des Straßennetzes keine genügende Wirtschaft- | lichkeit verbürgt: d) weil die Bewilligung des Kredits auf das Rechnungsjahr 1026 eine lieber schrei tung der Befugnisse des alten und einen Eingriff in das Budgetrecht des neuen Stadtparlaments bedeutet: 3. gegen eine unzureichende Neuregelung der elektrischen Strompreise. Die Versammlung fordert nach dem Vorbild । anderer Städte einen Stromtarif (Grundgebühren- taris), der den Bedürfnissen der Geschäftswelt und der Haushaltungen weitestgehend Rechnung trägt, ohne daß die Einnahme der Stadt dadurch eine Schmälerung erleidet." Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: das Pfund: Butter 200 bis 230, Matte 40, Käse 65 bis 75, Wirsing 12 bis 15. Weihkraut 7 bi8 10. Rotkraut 15 bis 20. gelbe Rüben 15, rote Rüben 12, Spinat 40, Unter-Ko^ lrabr 7 bis 10, Grünkohl 25. Rosenkohl 50. Feldsalat 120, Tomaten 120, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 50, Kartof eln 4. Aepfel 15 bis 18, Birnen 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 80 bis 120, Rüsse 60 bis 90; das Stück: Gier 19 bis 20, Blumenkohl 60 bis 120, Endivien 10 bis 20. Ober'Kohlrabi 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 40. Bornotizen , — Tageskalender für Donnerstag. D. u. Oe. Alpenvcrein. Oberhess. Gesellschaft für Aatur- und Heilkunde, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 8'Uhr, Reue Aula der Universität, Lichtblldervorttag von Prof. Dr. Funk. — Verein für das Deutschtum im Auslände (D. D. A.) 8 Uhr, Katholisches VereinshauS, Mitgliederversammlung. — Ehemalige 118er. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, hält die kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger 118er morgen (Freitag) abend im „Postkeller" einen Vereins-Abend ab. Die Zusammenkunft soll gleichzeitig die sahungsmähige Jahres-Hauptversammlung bedeuten. raten werden. FZeischerobermeistertag rür beide Hessen und Nassau. ][ Marburg. 6. Dez. Heute nachmittag fand im Hotel „Ritter" eine Tagung der Fleischerobermeister des Bezirlsvcrems „Beide Hessen und Rassau im Deutschen Fleischerverbande" statt, die von etwa 60 Vertretern aus allen Teilen dieser Gebiete besucht war. Rach Begrüßung durch den Bezirksvorsitzcn- den, Obermeister Schnell- Kassel, sowie Obermeister Brauer- Marburg im Ramen der Fleischer-Jnnnung Marburg kam Herr Schnell auf die heuttge schwierige wirtschaftliche Lage zu sprechen, die als eine Folge des verlorenen Krieges und der damit zusammenhängenden Verträge angesprochen werden müsse. Besonders schwer liege auf Handwerk und Gewerbe die ungeheuere steuerliche Belastung, die sich auf die Preise auswirle. Das Fleischer- gewerbe sei in letzter Zeit fortwährenden Angriffen gewisser Kreise wegen eines bisher nicht erfolgten Anpassens der Fleischpreise im Klein- verkauf zu den angeblich sehr herabgesetzten Schlachtviehpreisen ausgesetzt gewesen. Diese Anschuldigungen müßten von den Fleischern als gänzlich unberechtigt zurückgewiesen werden. Es sei nicht von der Hand zu weisen, daß die neuen Zölle wesentlich zur Verteuerung beitrügen. Bezüglich der Preissenkungsaltion der Regierung sei es für die Fleischermeister unumgänglich notwendig, genau Buch zu führen, um jederzeit die Richtigkeit ihrer Berechnungen nachweisen zu können. Der Dertteter der Handwerkskammer in Kassel. Dr. Hartmann, betonte, daß sich die Handwerker durch die schwierige Wirtschaftslage nicht entmutigen lassen dürsten. Es gelte den Bestrebungen gegenüber, gan^e Handwerkszweige zu kommunalisieren, auf der Hut zu fein. Bezüglich der Kreditaufnahme empfehle er । den Handwerkern, zu versuchen, möglichst ohne solche durchzucommen, denn diese seien meist kurzfristig und sührten zu Unannchmlichkeiten. Die von der Regierung angebahnte Preissenkung könne sich nicht von heute auf morgen auStoir- ken. Es werde noch längere Zeit dauern, bis der Absatz deutscher Ware im Ausland wieder festen Fuß fasse, das sich vielfach während des Krieges von dieser unabhängig gemacht habe. Eine eingehende Aussprache zeitigte die Frage der Richtpreise. Während verschiedene Handwerkskammern empfohlen hao:n, von solchen abzusehen, war man der Ansicht, daran festzuh allen, man müsse jedoch in der Handhabung derselben sehr vorsichtig fein. Sie stellten immer die Grenze nach oben dar. Ohne Richtpreise dürfte eine gewisse Unsicherheit m Handwerlerkreisen Platz greifen. | Dr. Hartmann von der Handwerkskammer in Kassel behandelte dann in längeren Ausführungen die Steuerfragen. Die Steuern bildeten einen wesentlichen Bestandteil der Preise. Es müsse im Interesse der Kapitalsumbildung und der Preissenkung unbedingt auf Steuerherabsetzung hingewirkt werden, Rkim Umsatz- und Einkommensteuer schon ennaßigt seien, so wären diese Vorteile durch erhöhte andere Steuern wieder hinfällig geworden. Der Redner wies auch bei dieser Gelegenheit wieder auf die Wichtigkeit einer guten Buchführung hm und gab Ratschläge bezüglich der Steuer. Don verschiedenen Rednern wurde die Rotwendigkeit I betont, mehr wie bisher Vertreter des Handwerks in die Parlamente zu senden. Eingehende Behandlung fand dann die sog. Federsche Zahl, die den Prozentsatz des Wasserzusahes zur Kochwurst gesetzlich vorschreiben tot.L Hier war man übereinstimmend der Ansicht, daß Theorie und Praxis recht verschiedene Dinge seien. Jeder Fleischer habe ja ureigenes Interesse daran, nur beste Ware her- ^Schließlich bekräftigte man sich noch mit Fragen der Häuteverwertung, Anftagen usw. Rack vierstündiger Dauer wurde die Tagung geschlossen. Reti spielte hier c4, waS noch schwächer ist, da es den weißen König sicher stellt. Do hat Schwarz wenigstens noch eine Chance später evtl, in der c-Reihe angreifen zu können. 13. Lc8-d7 Rundftmll-Programm des Frarrkttirtrr SenderS. (Aus der »Radio-Umschau-.) Jrelfag, 11. Dezember: 3.30 dis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Hausfrauen-Nachmittag. Programm u.a.: „Die Bedeutung der Freude in der Erziehung", Vortrag von Frl. Ella Schwarz, Leiterin des stöbt. Kindergärtnerinnenseminars. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Briefliteratur): Aus dem Briefwechsel zwischen Goeche und Zelter. 6.30 bis 6.45 Uhr: Die Besprechung. 6.45 bis 7 Uhr. Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde: „Unser Stadtwald im Winterkleid", Vortrag von Schulrat H. Enze. 7 bis 7.30 Uhr: Rätselfunk-Wettbewerb. 7.30 bis 8 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8 bis 8.30 Uhr: Funkhochschule Frankfurt a. M.: „Dom Wesen des Dramas", Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 8.30 Uhr: Heiterer Abend. ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verhältnismäßig häustg verschieben sich die Briefe usw. in Zeitungen, die unter Streifband verschickt werden. Es ist dringend zu raten, die Zeitungen zunächst zu umschnücen und dann die Streifbänder so fest wie möglich darum zu legen. ** Hohe A u s z e i ch n u n g. Die Samenhandlung L. Robert 2) ö II, Neustadt, errang auf der Landesausstellung der Kanarienzuchtoereine Oesterreichs, die vom 5. bis 8. Dezember in I n n s« druck stattfand, verbunden mit einem internationalen Vogelfuttersaatenwettbewerb, deck ersten Büchertisch. — Norbert Jacques, „Mensch gegen Mensch", Roman. (August Scherl G.m.b.H. m Berlin.) Geheftet 3,50 Mt., Ganzleinen geb.5 Mk.— Packende Bilder zeichnet der Verfasser von der hastenden Gegenwart. Wilde Geldgier nagt am Leben der Völker. Eine internationale Geheimorga- nisatton greift mit Mörderhand in das eiaennützlye Treiben der Wirtschaftsmächte ein und beseitigt die leitenden Männer. Keines der Mitglieder weiß von den andern. Ein Verhängnis lastet drohend über allen. Der Tod des unbekannten Führers löst schließlich das bunflc Rätsel. Aus Menschendaß hetzte er Mensch gegen Mensch. Aus allen Gesell- schastsschichten entnimmt Jacques seine fesselnden Menschentypen, aus deutscher und amerikanischer Geschäftswelt, aus Gericht und Geheimpolizei, aus Lebewelt und Derbrecherkreisen. Wundervolle Szenen entwickelt er vom Leben auf einem Amerika- ** W i 11 e r u n g s u m s ch l a g. D'.e Wetterpropheten, die ein Rachlaifen des Frostes angekündigt hatten, haben diesmal wirklich Recht behalten. Seit gestern ist der Umschlag des Wetters deutlich in Erscheinung getreten, die Kältetempe» ratur wesentlich gemindert und eme gettnne | Schneeschmelze eingetreten. Gestern abend und in der Rächt kam es sogar zu Regenfällcn. Heute früh herrschte in den Straßen reichlich Glatteis, das den zu ihrer Arbeitsstelle eilenden Personen gar beschwerlich war. Zahlreiche Hausbesitzer hatten in anerkennenswerter Weise schon früh Asche usw. auf den Bürgersteig gestreut, andere aber waren sogar gegen 8 älhr mit dieser Maß- nähme noch im Rückstand. Diesen Mitbürgttn | mähten wir etwas mehr Sorgfalt in der Er- lüllung ihrer Hausherrnpflichten anempsehlen. im öffentlichen Interesse sowohl wie auch im Interesse ihrer eigenen Sicherung vor Haftpflichtinanspruchnahme. 2n der elften Morgenstunde heute vormittag setzten erneut R-gmfälle ein. »* Oberhessischer Kun st verein. Die diesjährige Jahresverlosung von Anrechtscheinen und Kunstblättern unter die Mitglieder des Kunstoereins ist bestimmt für Montag, 14. Dezember. Vorerst werden 13 Anrechlscheme im Grs am - werte von 700 Mark und 19 verschiedene Kunst, blätter, welche zu diesem Zwecke im Laufe des Iah. res, insbesondere in der derzeitigen Ausstellung: „K ü n st l e r h i l f e 19 2 5" angekauft worden sind, Die zur Verlosung kommenden A n r e ch t s ch e l n e bieten den Gewinnern Gelegenheit zu weiteren Anläufen in dieser Ausstellung. Die zur Unterstützung der letzteren unternommene allgemeine Verlosung angekaufter Ausstellungswerke erfolgt eqt eine Woche später. Es sind noch immer Lose erhältlich, beten Absatz im Interesse der ausstellenden Künstler recht zu wünschen wäre und welche dem Publikum schöne Gewinne in Aussicht stellen. •• Das Verschieben von Briefen und Postkarten in D r u ck s a ch e n se n- bungen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Briefverschleppungen und Driefverluste. Ungeachtet wiederholler Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Druckfachensendungen leider immer noch in so mangelhafter Verpackung zur Post eingeliefert, daß sie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährlich tn dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Feststellungen 31. Dc3-a5+ nebst Matt im nächsten Zuge. Die Partie ist von dem englischen Meister hervorragend behandelt worden. Lösung deS Problems Sr. 39. Don H. Denecke. 1. Del-cl, b4 2. Ta3+ + usw. 1......Kd4 2. Kd3 usw. 1...... Kb3 2. Ta3-t- + usw. Aus der Schachwelt. Dogoljubow führt vor Lasker nach der 18. Runde mit 2 Punkten. Durch feinen zweiten Verlust punkt gegen den russischen Meister Löwensiich wurde der Er- Weltmeister entscheidend zurückgewor^en: er wird den siegreich voranstürmenden Russen kaum noch einholen können. Lasker, der gegenüber Bogol- jubow um 2 Punkte im Rückstand ist, kann, trenn der Fall ein tritt, daß Dogoljubow seine beiden letzten Partien, welche er unglücklicherweise noch mit La.ker und Capablanca zu spielen Hal, verliert, mit demselben den 1. und 2. Preis teilen. Dagegen braucht Bogoljubow nur noch i/, Zähler, um den 1. Preis sicher in der Tasche zu haben. Der Stand des Turniers nach der 18. Runde war: Bogoljubow 14'/2 Punkte, Lasker 12'/» Punkte, Capablanca ll1 g Punl.e, Marshall IO1/3 Punkte, Torre 10 Punkte (1 Hängepartie), Reti. Rornanowsktz 9*/2 Punkte (1 Hängepartie), Grünfeld, Tartakower 9 Punfte, Dogathrtfchuk 8'/s Punkte (1 Hängepartie), Raoinowitsch und Rubinstein 8V2 Punkte, Jljin-Genevsky 8 Punkte (1 Hängepartie), Wertin t) 8 Punkte. Spielmann 6'/r Punkte (1 Hängepartie), Gotthilf und Löwen- fisch 6 Punk e, Dus-Ehotimirlly und Lates 51/- Punkte, Särnisch 5 Punkte, Subarew 4 Punkte. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redakttonstisch. Ford-Witze. Die Popularität Fords und seiner weltbekannten Auiofabriken zeigt sich auch in den zahlreichen Witzen, die über ihn und feine Sa* bruate verbreitet sind und deren Reklamewlrlung von ihm selbst ausgenutzt wird. Auf einer Autofahrt in Kanada begegnete Ford einem anderen Automobil, das eine Panne hatte und dessen Besitzer den einfach gekleideten Ford um Beistand bat. Dieser zog sich sofort den Rock aus und reparierte den Schaden, worauf chm der andere einen Dollar in die Hanü drücken wollte. Ford lehnte mit dem Bemerken ab: „Ich brauche Ihren Dollar nicht, ich habe selbst eine "Unmenge Geld." „Was," fragte der andere erstaunt, „Sie haben viel Geld und fahren einen Ford-Wagen?" Ein Farmer kaufte einmal in der Stadt einen Ford, und da er ihn gleich nach Hause fahren wollte, fuhr der Händler mit, um ihm die Handhabung des Wagens zu zeigen. Rach- dem sie den halben Weg zurückgelegt hatten, blieb das Auto plötzlich stehen. Der Händler suchte die Ursache des freiwilligen Aufenthaltes festzustellen, fand aber genügend Vcnftn in der Maschine und meinte schließlich: „Ich will verdammt fein, wenn die Fabrik nicht den Motor einzubauen vergessen Hai." „Aber wie um alles in der Welt konnte er denn so weit fahren?" fragte der Käufer. „Oh," erwiderte der Händler, „ein Ford fährt den halben Weg schon allein wegen seines guten Rufes." bestätigen, die häuftg zur Versendung von Drucksachen benutzten offenen Briefumschläge, bei denen die Absender die am oberen Ran) oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen ein- fchlagen. In den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briese, Postkarten usw.. die dann in der Drucksache oft weite Irrfahrten machen. Im eigensten Interesse des Publikums muh eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen einiuschla- gen; viel besser i st es. die Klappe über die Rückseite lose Überhängen zu lassen. Aber recht zweckmäßig haben sich Umschläge bewährt, die an der Verschlußklappe einen zungenartigen Ansatz haben, der in einem äußeren Schlitz des Umschlages gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem Heraussallen und verhindern das Einschieben anderer Sendungen: ihre möglichst ausgedehnte Verwendung ™ Steil,, Lk' ■ $1 .Mt, Ä strengste g" ktem 0eiTcn[n?'anito btn ®Wutenö auch d'e tot yDnb^‘ en. g Ä8 b« U eSt6yMtutt L Seht. Danach Aung um 33’/. um nur 90 ofin ,arv 90000 Ä ; ' 2^^ltung tooM die Streben- Wrtung tmm j^j. 6« in Ä dvn bitte-Btt. ? ä A?nmtlIung ° 4m AicvlauS Lii eten Tpalten genannten 9en unb von einer Irre- 7. gerochen hat, sehen ltigstellung der 2e> ersveranlahtDie Lechaus in diesem Zusam-' i, beruht auf einem Irr- 0 nicht. Hen Olicolaul 1 Dzent-Ausschlag für das , h- für die Zeit vom rs zum 31. My M soweit erftmtt sich bit e Erhöhung bet 6onbn« ilt vielmehr mir mit Dir- ber b. 3. ab bis zum 31. Mrz n. 3. Derart tr Stadtverordneten, btt» 1 dmchtet, und übrigens Mich bdarart gemacht, uns Monate der : nicht zwölf, und für 1 stimmt der $:lrag von wird er durch notwendige W geringer werden - zu Ulen Mt Ser Dor. der Orffentlichkeil kann tvrn -Macht Mrdrn, die i mit biete Antzelegen- Der Äcknrr wies titelet« ment gefallene Aeuherung 1 die Hausbesitzer' durch 84 auf 85 Prozent zurück, soziaVemokratischer Seite, us^siherseindschafl erneut ir mahnte er zur ernsten \ schwierigen Lage der Tc- GeschMMchien mch hervorgehe. Aus dieser Mtschast ergchr stch^ S'.'SS Zer Sprecher drr^vi ^^^klÄÄitätsprei- S- K ft Wät, bit l«*1! tNg efi sparsumstit. ne man bie ix Seiftet wer- Siri^^Äüflc mit dem "kttt^Äeentschiebo'.f, ständen, musst ictzfli ^^gtadlparlamt^ ■ Bedeutung ]“ gegen blt dem ^Ä derartlge _ anhlreicht hvrr sehr refll.^ftlogen 11t grvhcn^. 6:cVer ®1’nS nur zur bampfer und von norwegischem Wintersport. Man liest das Buch mit seltener Spannung. 127 — Julius Berstl, Das Bild im Spiegel. Geschichte einer Leidenschaft. In Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Georg Westermann, Braunschweig. Wie in seinem Gottfried August-Dürger-Roman „UeberaÜ Molly und Liebe" schlägt Julius Berstl auch in seinem neuesten Werk ein erotisches Thema an. Freilich dürfen wir von ihm kein sinnlich- schwüles Buch erwarten, das auf die Sensationslust des Lesers spekuliert. Sein „Bild im Spiegel" leuchtet mit sachlichem Ernst in die liefen und Untiefen der Beziehungen der Geschlechter hinein, es bringt psychoanalytisch in bie bämmerigen Gründe seelischer Zwischenreiche, und es rührt an das Unbegreifliche im Leben, „das nicht zu umgehen, nicht beiseite zu räumen ist, jenen ungeklärten Rest des unerrechenbaren Rechenerempels". Der Roman, in seiner stofflichen wie geistigen Gespanntheit, ist eine starke dichterische Kraftprobe. 787 — Paula Busch, Aus dem Tagebuch der kleinen Lisinka vom Zirkus. Engel- Horns Romanbibliochek. 38. Reihe, 3. Broschiett 0,75 Mk„ Ganzleinen 1,25 Mk. — Ein prachtvolles Büchlein, das sich durch Eigenart und Lebendigkeit heraushebt aus der Fülle der Romane. Die kleine Lisinka vom Zirkus, die späterhin berühmte Kunstreiterin, schildert in Tagebuchsorm ihren Werdegang, die schweren Jahre ber Ausbilbung, bie Freu« ben eines abwechslungsreichen Lebens, bie Erfüllung ihrer ehrgeizigsten Wünsche. Sie läßt uns hinter bie Kulissen sehen und teilhaben an den wechselvollen Schicksalen von Mensch und Tier, die in gemeinsamer Arbeit innig miteinander verwachsen sind, chier ist aus unmittelbarem Erleben geschöpft. 788 — „1926 Kunst und Leben", bei Fritz Heyder. Berlin-Zehlendorf. Der neue Jahrgang dieses bekannten Kalenders enthalt wieder eine große Anzahl ausgezeichneter Beiträge von mehr als 50 namhaften zeitgenössischen deutschen Künstlern. Der Kalender will der Kunst und dem Leben dienen, im besonderen zu "bem Schaffen der Künstler unserer Zeit Brücke sein, lieber der Werkwoche stehen Dichterworte: oben Aussprüche oder Verse der großen Toten, unten ^Beiträge der Lebenden — zumeist Gedichte — von denen Die?e hier an erster Stelle veröffentlicht werden. Preis des auf schönen holzfreien Papiers gedruckten Werkes 3 Mk. 711 — Unser Garten. Don ©artenbaubirettoc F. Zahn. (Wissenschaft und Bildung Rr. 93.) Zweite verbesserte und ergänzte Auflage. Mit 25 Abbildungen. 149 Seiten. Preis gebunden 1,80 Mk, 828 b 8 k 5 3 2____h Ein Weihnachtsgeschenk Ihre Vermählung geben bekannt r r Gründlicher [Verschiedenes] ohne Dosen T ess EmmericherWaren-Exnetülion Gießen, Lindenplatz 1 8618D im eben vollendeten 14. Lebensjahre. 09856 statt. Gießen Salzböden, den 9. Dezember 1925. Die Beerdigung findet Samstag, den 12. Dezember, nachmittags 09864 2 Uhr, statt. «SIS OrtS? ruvve Gtetzcv. öQÖlretdjen Zuspruch bittet Der Vorstand. 63 Schablonen. 11623D 11316a Fernruf 1297 Gegr. 1879 Hammstraße 7 Hammstraße 7 j Verkäufe ) TaveLenhaus Emil Sieck, 09848 Schade&Füllgrabe empfehlen: 11624c Backartikel .. 953 Vertreter Schmalz, rein ameriban., Pfd. 883 Psd. 323 Kristallzucker Zucker» fein gemahlen.. Pfd. 343 Bahnhofftratze 26 Ludwiastratze 20 Walltorstratze 24 Frankfurter Straße 89 MSusburg 1 unter 09844 an den I fchastSstelle d. Gtetz Gteh. An,, erbeten. > Anzeigers. 09861 Reichs-Verband der Berufs - Kraftfahrer Täglich geöffnetbis12Uhr nachts: Drei getrennte Räume Jcnsd.’Orden, WeibnachtS-Feicr Samstaq. 8 Uür, Karlürubc. Wetzlar Lahnstrahe 28 Pfd. 223 Pfd. 263 Pfd. 723 Pfd. 603 Pfd. 803 Pfd. 863 t r I | r t mit Motor- und Fußbetneb für Haushalt und Gewerbe in altbekannter Güte Alleinverkauf für Gießen u. Umgebung H. Kraft,Neuenweg 46 Heinr. Hochstätter Brandplatz 1, Ecke Schlossgasse 11605 . 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Doch bie Aber, aus der er geflosse, Is o w w e r h e s s i s ch e r Art! Er fließ weiter u'verbrosse So fort, so sonnig unn zart Steppen bildend, die bei langen Reisen stark mü dend wirkt. Die Gegend zu beiden Seiten Elastizität zu bauten, die er sich bis in sein hohes Alter hinein erhalten hat. Eine eingehende Würdigung des Kunsthistorikers Dode aus berufener Feder werden wir diesen kurzen Gedenk« Worten noch folgen lassen. Sieg erringen wird. Und einen Grus; der Treue zurück an die stade des Schwarzen Meeres. Um den vielgefeierten Kunstgelehrten und Sammler, dein hochverdienten Mitfchöpfer der preußischen Museen, zu seinem 80. Geburtstag eine besondere Ehrung zu erweisen, beab« sichtigt der preußische Kultusminister Professor D. Dr. Becker namens der Staatsregierung, die Büste Wilhelm von Bodes an bevorzugter Stelle im Kaiser-Friedrich-Museum aufftellen zu lassen. Die Wahl des mit der Arbeit zu betrauen- den Künstlers, das Material der Büste und bie Art ihrer Aufstellung soll sich nach den Wünschen Wil» Helm von Bodes selbst richten. (Ein Besuch in den deutschen Kolonien Rußlands. Der preußische Ministerpräsident Braun hat an den Wirklichen Geh. Rat Generaldirektor a. D. Dr. von Bode folgendes Schreiben gerichtet: „Euer Exzellenz spreche ich zum 80. Geburtstage meine aufrichtigen Glückwünsche aus. Sie begehen ihn inmitten eines für die jüngere Generation noch heute vorbildlichen kunstwissenschaftlichen Schaffens unh Forschens und umgeben von der Dankbarkeit und Sympathie weiter Kreise des deutschen Volkes und ber übrigen Kulturwelt, denen Sie durch Ihre Arbeit eine reiche und schöne Welt der Kunst vergangener Epochen wieder erschlossen Haden. Möge Ihnen selbst noch ein schöner und heiterer Lebensabend beschieden fein in Ihrem Reiche der Kunst, von der — und, wie an Ihnen ersichtlich, mit Recht — das Wort gilt, daß sie den, ber ganz an ihr hängt, jung unb frisch dis ins höchste Greisenalter erhält." Vielleicht wohl net aus — Lich? Aha! Gelt, alleweilche, Da duckt der Heiner sich! Das will er net gern wisse, Wo manche Wiege stand, . Doch heute soll er ’s wisse. Der Heiner — unn 's ganze Land: Was iwes e Kerl gewefe, „Das woar e Owwerheß", Das steht ja schänd zu lese In ahlde Hesseschbäß. Bedelle unn Minisder Jnschbekdern unn Revisor« Beamte in alle Stelle In Owwerhesse! — sinn se gebom. Aach Du, mei' Robert Schneider, Ich sag' es grab eraus 21 us Zufall schdammst D e — leider — Ret direkt aus unserm Haus. Del Dadder, Sei Mutter, weißt De, oinn net vom „Heinerschdamm" Unn alleweil! Gell, da schweisde Schdill wie e Osterlamm. „Du bist ein Schwanensträßer!" Ach, wie das fiernehm klingt, Unn host viel Laufend Leser Wann 's Herz aus Dir erklingt. Doch bist De do' Fleisch unn Blude E richtiger Owwerheß, Das is an Dir das Gude, Was niemals net vergeß! Ich will Dich net verkleinern. Da denk ich gar net dran, Ihu Du nur weiter „Heinern", Du tannffs, wie's taner kann! Unn wenn der Zahl nach hunnert Deiner Jahr oergange fein, Unn Dich noch mancher bemunnert An Dei'm Denkmal aus Erz oder Stein — feste Wille, wieder die alte Blüte zu erreichen, bei ben Kolonisten vorhanben ist, hat mir ber Besuch *..... ein- Wilhelm von Bode. Wilhelm von Dode wird am 10. Dezember 80 Jahre alt. Unter seiner Leitung hat das Berliner Museumswesen einen ungeahnten Aufschwung genommen. Seit 1812. von der Zeit an, da Dode die Leitung der Berliner OKufren übernommen hat, setzt zum ersten Male in Berlin ein systematisches, bewußtes und ziel- volles Sammeln von Kunstwerken ein. Als Ende 1904 das oeaiser - Friedrich - Museum eröffnet wu.de, das vollständig das Wert Wilhelm von Bades ist, war durch feine ausdauernde und entschlossene Tätigkeit bereits eine Reihe von Bildern und Bildwerken zusammengestellt worden, wie sie kein Museum der Welt besah. Seitdem hat Dode die Berliner Sammlungen ständig durch die wertvollsten Erwerbungen bereichert, er wußte die Kreise der Freunde und Sammler an sich zu ziehen und zu begeistern, er hat es du chgeseht, daß seinem Mus.um die großartig- st en Schenkungen zugewendet wurden: 1904 wurde von James Simon die bedeutende Kollektion italienischer Renaissancetunst überwiesen, 1918 folgte der ersten eine zweite Sammlung, deren deutsche Werte im künftigen Deutschen Museum aufgcflelU worden f.Len. Dode hat weite kunsthistorische Gebiete der Wissenschaft erschossen; wenn heute die Berliner Museen zu den bedeutendsten der Welt zählen, ist das seinem Organi- fationStalent, seinem Forschergeist und feiner gemäß unsere Felber zu bestellen unb bie völlig auegeplünberien unb auigezchrten Vorräte zu ergänzen" berichtet mir ein Kolonist, ber im Jahr» 1918, als bie Deutschen bas Land besetzt hatten, wie viele seiner Lanbsleute ins deutsche Heer cingetreten war. „Uederhaupf", so höre ich allgemein lagen, als wir aui bie deutsche Besetzung Sübruhlanbs im Jahre 1918 zu sprechen kommen, „war bics die beste Zeit, bie wir bisher in südrußlanb erlebt haben". „Niemals werde ich", sagte bie Wirtin, ein alles Mütterchen, „bie Stunde vergessen, wo die ersten beutschcn Soldaten ins Dors einrückten, jubelnd begrüßt von der ganzen Bevölkerung. Aber nur zu bald folgte die traurige Stunde, in der sie uns verlassen mußten und uns dem wilden Bürgerkrieg überließen." — In allen .Kolonien, die ich zu besuchen Gelegenheit habe, finde ich überall dasselbe Bild. Furchtbare Schäden des Bürgerkrieges unb der Hungersnot, trotzdem aber deutliche Zeichen des beginnenden Wiederaufbaus, den die russische Negierung jetzt durch eine klügere Politik gegenüber den nationalen Minderheiten nach Kräften zu unterstützen sucht. Man hat sich besonnen, welche Werte der deutsche Bauer zu schaffen vermag, wenn er sich frei entwickeln kann. Deswegen hat die Regierung auch mehr und mehr alle Sozialisierungsversuche in den deutschen Kolonien fallengelassen, mit denen sie in den ersten Zeiten des Kommunismus die deutschen Bauern zu beglücken gedachte, und die zu folgenschweren Kämpfen geführt haben. Allmählich ist Ruhe und Sicherheit wieder in den Kolonien eingekehrt, man kann seiner Arbeit wieder nachgehen, ohne jeden Augenblick für sein Leben fürchten zu müssen. Trotzdem ist aber die Armut allgemein. Es fehlt am Nötigsten, besonders an landwirtschaftlichen Maschinen, die während ber letzten zehn Jahre nicht haben erneuert werden können und häufig durch die Plünderungen unb sinnlosen Brandschatzungen der Revolutionszeit zerstört worden sind. Der Ausbau und der Fortschritt gehen daher nur langsam voran, und es wird noch eines vollen Jahrzehntes angestrengtester Arbeit unb ausbauernben Fleißes unserer beutschen Landsleute in Südrußland bedürfen, ehe man wieder von geordneten unb wirtschaftlich gefunbeten Verhältnissen an ben Gestoben des schwarzen Meeres wird sprechen können. Daß aber die Kräfte unb ber Von unserem p.-Mitarbeiter*). II. An den Gestaden des Schwarzen Meeres. Mein jetziges Reiseziel find die deutschen Kolonien am Ufer des Schwarzen Meeres, wo deutsche Bauern schon feit fast 150 Jahren wohnen unb ein gewaltiges Kulturwerk geschaffen haben, das ganz Südrußlanb seinen Stempel aufgebrürft hat. Hier in Südruhland finden wir fast alle deutschen Stämme friedlich zu gemeinsamer Arbeit vereint, so Hessen, Württemberger, Elsässer, Mennoniten aus Norddeutschland und viele andere. Auch sie sind der Aufforderung Katharinas II., in Südrußland Kolonien zu gründen unb ber einheimischen Bevölkerung in Landwirtschaft und Handwerk ein Beispiel zu geben, gefolgt und aus ihrer alten,' zu eng geworbenen Heimat in biefes damals so wilde und unwirtliche Steppenelcnb gewandert. Diesen fleißigen deutschen .Kolomflen verdankt Rußland im wesentlichen seine vor dem Kriege so geroaltiae Menge an Ueberfchußgetreide, die es jährlich auf Den Weltmarkt "bringen konnte. Diese deutschen Kolonisten bildeten das Rückgrat der Ukraine, der Kornkammer Rußlands. Von allen deutschen Dauern in Rußland haben sie die wirtschaftlich machtvollste und kulturell höchste Stellung erreicht, bis der Krieg mit seinem blinden Haß gegen alles Deutsche die Entwicklung jäh unterbrach und auch diese Kolonien hat verarmen lassen. — Der Nachtschnellzug von Charkow, der neuen Hauptstadt der Ukraine, nach Odessa am Schwarzen Meer ist bis zum Bersten überfüllt. Nur die Hälfte aller Reisenden hat einen Platz finden können, sonst ftebt man in den Gängen ober hat sich nach echt russischer Art in malerischen Gruppen inmitten bes gewaltigen Gepäcks, bas bie Russen selbst auf klei- ren Reisen mitzuschleppen pflegen auf dem Fußboden niedergelassen. Der Zug braust durch bie tief- buntle russische Steppennacht und mit aufbämmern- bem Morgen geht es bei Krementschug über den breiten Dnjeprstrom, der im fahlen Morgenlicht mit den eben verlöschenden Nachtlichtern einen ge- spenfterhasten Eindruck macht. Der Nebel zieht langsam über die Flußniederung; es ist bitterkalt im Zuge. Allmählich zerteilt sich der Morgennebel und wir befinden uns auf schneller Fahrt durch bie weite baumlose Steppe, aus ber nur hin und wieder ein kleines Russendorf am Horizont auftaucht. Das Land ist weit unb breit flach wie ein Tisch unb wird nur gelegentlich von tiefen Regenschluchten unterbrochen. Der blaue wolkenlose Himmel läßt bie Landschaft in freundlicher Morgenstimmung da- liegen. Plötzlich verlangsamt ber Zug sein Tempo, es geht offenbar einen ber hier sehr seltenen und nur sehr sanft aus ber Ebene aufragenben Hügel hinauf. Ich sehe allgemein gespannte Gesichter unb aufgeregte Gruppen unter ben Reisenben sich lebhaft unterhalten. Als ber Zug bie Höhe erklommen unb sein Tempo sich wieber stark beschleunigt, geht sichtlich ein Aufatmen burck meine recht bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft. Die berühmte „Banditenecke", wie dieser Teil der Strecke heißt, ist glücklich überstanden! Hier an dieser Stelle, ber einzigen auf ber weiten Strecke von Charkow nach Dbeffa, wo ber Schnellzug fein Tempo so stark verlangsamen muß, haben bie berüchtigten Rauban- schlage auf die Züge ftattgefunben, inbem bie Ban- blten auf ben fahrenben Zug sprangen, bie Begleitmannschaften mit Erschießen bedrohten, die Reisen» ben, besonbers bie ber besseren Wagenklasse aus» raubten und ebenso schnell wie sie gekommen waren, auch wieber oerschwanben. Noch ber vorletzte Zug — so erzählen meine Mitreisenben — ist hier überfallen worben, ba bie Polizei diesem Banditenwesen, übrigens ein Ueberbleibfel aus der sehr unsicheren Revolutionszeit noch nicht völlig hat Herr werden können. Die weite Ebene mit ihren Regenschluchten bietet zu viele unb schwer auffinbbare Verstecke. Solche Bahnüberfälle, bie währenb ber Zeit bes russischen Bürgerkrieges an ber lagesorbnung waren, werben jetzt immer seltener, bie Polizei schasst mehr und mehr Ordnung. Trotzdem atmet aber alles sichtlich auf als diese gefährliche Ecke glücklich überwunden ist und nunmehr der Rest ber Reife an bas sonnige Gestabe bes Schwarzen Meeres, ber russischen Riviera, sorgenlos vor uns liegt. Unser Reiseweg nähert sich beni Enbe zu, um bie Mittagszeit erscheint hinter einer Zugbiegung plötzlich das dunkelblaue, ruhig baliegenbe Schwarze Meer, einen tiefen und freudig empfundenen Gegensatz zu der weiten Eintönigkeit der südrusfischen •) Berg!. Är. 273 des „G. A." vom 21. November. An Robert Schneider in Darmschdadt. En Glickwunsch zum Geburdsdag, nachdräglich unn net nachdräglich von eme ahle Owwerheß. Gegrießt fei, Robert Schneider, Der Du in Darmschdadt wohnst Unb bort im schenr.ste Himmel. Dem Dichterhimmel, chronst. Du host die große Gawe, Zu sage, was De denkst! Dei' Mitmensche ze lawe Un se dabei net kränkst. Ich hab im Blatt gelese, Daß De wardst fufszig Iohr! — Die schennste Zeit is — gewese Das mach Dr nor jetzt kloar. Vielleicht haft De noch Locke, Vielleicht nur noch ne’ Glotz — Halt Dein' Humor nor trocke, Dein' allerschennste Schatz. Was sein dann fuffzia Iährcher, Robert, De bist noch jung! Hast froh Dich — ohne Aerger Unn bleib im ahle Schwung. Geb' immer jedem Heiner, Was Deinem Kopp entspringt. Bald grower unn bald feiner, Grad so, wie 's aus Dir klingt. Mir arme Owwerhesse, — Mir sinn noch lang net arm! Das sollte net vergesse Die Heiner an dem Samt Wer wisse — wie se denke. Dort bribb am große Woog, Mer wolle sich net zänke — Bon wege ’m Großherzog. Doch schdammt sei besser Deilche heutigen Tag geblieben. Einen Gemeindebesitz an Land haben sie nie gekannt unb seine Einführung auch immer auf schärfste bekämpft. So finden wir hier im eigentlichen Südrußlanb ejne große Zahl blühender deutscher Dörfer unb Siedlungen, in ben die Bauern vor dem Kriege durchschnittlich 250—40" Morgen Land besaßen, viele sogar noch wesentlich mehr. Die großen Win- schaften zeigten einen reichen unb schönen Viehbestand sowie erstklassig bestellte Felder. In hoher Blüte stand das kulturelle und kirchliche Leben. Der einzelne Bauer wie auch bie ganze Gemeinbe erfreute sich eines recht gesicherten Wohlstandes. Es bestanden deutsche Zeitungen, so z. B. eine in Odessa, die ben sprachlichen unb kulturellen Zusammenhang förderten. Der deutsche Handwerker, Bauer und Gewerbetreibende stellte einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Südrußland bar unb war in hohem Grabe ein Musterbeispiel für bie einheimische Bevölkerung geworben, der es auf allen Zweigen ber Wirtschaft führenb voranging. Besonbers ber deutsche Kolonist auf dem flachen Lande mit seinem ausgedehnten Getreideanbau war für ben vor dem Kriege gewaltigen Export von Weizen unb Gerste aus Sübrufjlanb von großer Bebeutung. Er lieferte bas beste (betreibe und hatte zugleich auf feinen Feldern durch seinen Fleiß und seine Kenntnisse die größten Ernten zu verzeichnen. Der bedeutende Wohlstand, dessen sich Südrußlanb vor bem Kriege rühmen konnte, beruhte nicht zuletzt auf bem Fleiß unb der Tüchtigkeit seiner deutschen Kolonisten. Der Ausbruch des Weltkrieges mit feiner maß- losen Hetze gegen alles Deutsche unterbrach jäh diese günstige wirtschaftliche Entwicklung. Die deutsche Sprache wurde verboten unb bie Kolonien auf jebe Art unb Weise bedrückt unb schikaniert. Die Revolution unb bie sich anschließenden Hungerjahre zerstörten vollständig, was deutscher Bauernfleiß hier im Laufe von 150 Jahren durch zähe Arbeit unb ausbauernben Willen geschaffen hatte. Der Bürgerkrieg mit bem Hin- unb Herfluten von Roten und Weißen Armeen verwandelten Südrußlanb in einen wilden unb formlosen Kriegsschauplatz, auf dem nach Gutdünken gemordet und gedrandschatzt wurde. Als die Erbitterung ber deutschen Kolonisten sich im Jahre 1919 in dem sog. Großliebentaler Ausstand gegen die Bolschewisten Lust machte, hatten bie deutschen Bauen» vollends die Wut ber neuen Machthaber Rußlanbs auf sich geloben, so baß sich gegen sie jetzt ein planmäßiger Dernichtungsfelbzug ber neuen Herren Rußlanbs richtete. Hierbei war es aber nicht nur die Erbitterung über bie Teilnahme an dem Koloniftenaufftanb, sondern größtenteils auch die Habgier unb Reib auf ben wohlgefügten, burch lange Arbeit erworbenen Wohlftanb ber beutschen Dörfer, welche bie furchtbare Unter- brückung und bas außerorbentlich scharfe unb brutale Vorgehen ber Bolschewisten in ben beutschen Kolonien in ben ersten Jahren nach ber Revolution erklären lassen. „Wir haben," so lautet bas übereinstimmende Urteil aller Kolonisten, die ich zu sprechen Gelegenheit hatte, „furchtbare Zeiten durchgemacht, in denen wir ständig zwischen Verhungern unb Derhaftetwer- ben hin unb herschwankten, ohne je unseres Lebens sicher zu fein. Manch beutscher Kolonist ist hier über Nacht ver- haftet worben, ins Gefängnis aeroanbert, ohne baß wir ihn je wieder gesehen haben." Ueberall sahen bie Bolschewisten in ben beutschen Kolonisten die Gegenrevolutionäre und Feinde des neuen Systems, ohne an die gewaltigen kulturellen unb wirtschaftlichen Leistungen zu denken, die diese deutschen Bauern durch ihre Arbeit dem russischen Reiche ge- leistet hatten unb weiterhin unter erträglichen Zu- ftänben zu leisten bereit sind. Erst seit 2 Jahren, mit ber Milberung bes politischen Snftems, wich allmählich ber ungeheure politische unb kulturelle Druck, unter bem hier jeber Deutsche feit Jahren geftanben hatte. Der Bolschewismus erkannte, welch starke Kräfte im Deutschtum Sübruhlanbs liegen unb war von nun an bestrebt, sie bem beginnenben Wiederaufbau des Landes nutzbar zu machen. Aber welch gewaltige Schäden hatten die letzten Jahre verursacht: Die Bevölkerung betrug vielerorts kaum noch die Hälfte der Vorkriegszeit, der Viehbestand war auf einen geringen Bruchteil feines früheren Standes zurückgegangen unb bie Felber zum großen Teil unbebaut. Wie sehr langsam unb stückweise ist es in ben letzten Jahren gelungen, ben Wieberaufbau in ben Kolonien einzuleiten; es zeigte sich hier wieber allzu deutlich die alte Wahrheit, baß Zerstören leichter ist wie Aufbauen! Ueberall fehlte es am nötigsten und vor allem war bei ber völligen Verarmung burch bie enblofen Plünberungen ein voll- flänbiger Mangel an Bargelb eingetreten, ber bem Wieberaufbau bie schwersten Hinbernisse in den Weg legte. „Die gute Ernte des Jahres 1923 ermöglichte es uns zum erstenmal wieder orbnungs» Bahn erscheint bichter besiedelt, man bemerkt eng bei- einander liegende Dörfer sowie in ber Ferne saubere und freundliche deutsche Kolonistensiedlungen, die das Ziel meiner Reise an bie Gestade des Schwarzen Meeres sind und denen ich bald einen Besuch abzustatten gedenke. Währenddessen nähert sich der Zug in schnellem Tempo Odessa, dessen Vorstädte noch heute nach fast 5 Frzedensjahren starke Spuren des Weltkrieges, der Revolutionskämpfe und des Bürgerkrieges zeigen. Zerschossene Hauser, verbrannte Mguer»», sodann altes Kriegsmaterial der verschiedensten Nationen liegt in riesigen Mengen, notdürftig auf Haufen geschleppt, allenthalben herum. Weiter geht cs in die Stadt hinein, wo schon mehr Ordnung unb Sauberkeit herrscht und deutliche Spuren des Wiederaufbaus vorhanden sind. Am Ausgang des Bahnhofs wartet mit echt beutfdjer Pünktlichkeit, die man auf Reisen in Rußland sonst so sehr vermißt, mein freundlicher Kolonist, der mich verabredungsgemäß von hier abholen wollte, um mich mit seinem Gespann in deutschen Kolonien in der näheren und weiteren Umgebung von Odessa zu führen. In scharfem Traben geht es durch die schönen breiten Straßen Odessas, das man nicht mit Unrecht einmal das „russische Genua" genannt hat, an den Vorstädten vorbei, die nur zu deutlich noch die rauhen Spuren bes Weltkrieges unb der Kämpfe zeigen, die in ber Nachkriegszeit hier getobt haben. Heruntergebrannte Häuser, verlassene Höfe unb tote Fabriken reben eine zu deutliche Sprache von ben Folgen des vergangenen Jahrzehnts. Ich spreche mit meinem braven Kolonisten über alle biese Zeichen der Zerstörung unb die teilweise hoffnungslos schlechte Fahrstraße, über die unser Wagen schwer ächzend dahinhumpelt. Aber er winkt lächelnd ab „das kennen wir hier schon zur Genüge und sind diese Bilder schon zu sehr gewöhnt, um sie noch zu empfinden". Hinter uns lassen wir bie letzten Häuser von Dbeffa zurück unb hinaus geht es ins freie Lanb, ben ersten deutschen Schwarzmeerkolonien entgegen, bie uns schon von weitem grüßenb entgegenwinken. Nach kurzer Rast in einem kleinen Wirtshause an ber Lcmb- straße geht bie Fahrt weiter und bald erreichen wir das vorläufige Ziel unserer Reise: Großliebental, wohl die bedeutendste deutsche Kolonie um Odessa, wo mein gütiger Gastgeber wohnt und ich mein Standquartier aufschlage, um in den folgenden Tagen unb Wochen von hier aus die zahlreichen umliegenben Dörfer unb Sieblungen zu besuchen. Als im am späten Abenb inmitten meiner Lanbs- leute um ben runben Wirtshaustisch sitze, fühle ich mich balb heimisch in biesem fremben Lonbe unb höre gerne bie schlichten, boch so inhaltsschweren Berichte biefer beutschen Bauern. Hier unb auf den ausgedehnten Besuchen in den weiter entfernt liegenden Kolonien konnte ich ein Bild von der hervorragenden Kulturarbeit und bem echt beutschen Wesen dieser südrussischen Kolonisten gewinnen, das besonders durch seinen ausdauernden Fleiß auch unter ben schwersten Begmgungen von jedem Deutschen ber Heimat in ber heutigen Zeit als Vorbild genommen zu werden verdient. — Die deutschen Bauern hier am Ufer bes Schwarzen Meeres sind ein anderer derberer Schlag wie die an ber Wolga, bie wir kürzlich besuchten: kräftiger, selbstbewußter und auch wohlhabender. Das heißt letzteres waren sie nur bis zum Ausbruch des Weltkrieges, wo man fast von Reichtum in den Kolonien sprechen konnte. Aus fast allen deutschen Gauen besonders aus Baden, Württemberg, Hessen unb Norbbeutschlanb finb die Kolonisten vor fast 150 Jahren auf die Einladung Katharinas II. nach Südrußland gezogen unb haben hier ben ganzen Norbranb des Schwarzen Meeres von ber rumänischen Grenze bis zum Kaukasus in einem über 100 Kilometer breiten Streifen mit ihren Kolonien be- fiebelt. Durch biese größere Geschlossenheit gegenüber anderen deutschen Kolonien in Rußland haben sie im Zusammenhang mit ihrer recht ansehnlichen Zahl — leben doch in ben Schwarzmeerkolonien fast - Millionen Deutsche — eine größere Machtstellung im Lande erreicht als es den einsam inmitten der slawischen Umwelt lebenden Wolgabauern möglich war. Den besonders vor dem Kriege im ganzen Lande sprichtwörtttch gewesenen Reichtum haben die deutschen Kolonisten nächst ihrem ausdauernden Fleiß vornehmlich dem glücklichen Umstande zu verdanken, daß sie von der Einführung der verderblichen Feldgemeinschaft, des russischen Mir, befreit blieben. Diese deutschen Bauern hier am Schwarzen Meer waren von 2Inbeginn an freie Bauern auf freiem Grund unb Boben unb finb es bis auf ben Die freie Schule der christlichen Weltanschauung. Zu dem unter diesem Titel am 1. Dezember im „Gießener Anzeiger" erschienenen Aussatz erhalten wir folgenden „offenen Brief' an den Verfasser, Herrn Pfarrer Weck, Steinfurth, mit der Bitte um Veröffentlichung. Sehr geehrter Herr Pfarrer! 'Nicht Ihre Stellung zum Reichsichulgesetzent- wurf („Gießener Anzeiger vom 1. o.M.), sondern Ihre Einstellung gegenüber den Kreisen, die Sie, fxrr Pfarrer, als religionslos bezeichnen und Ihre Aeußerungen zu dem gegenwärtigen Geiste der Erziehung geben den Anlaß, mich über diese Dinge mit Ihnen auseinanderzusetzen. So will ich auch nur Ihre Ausführungen dieser Art berühren. Zuerst sagen Sie: „Nur wenn man zuweilen die Jugend betrachtet usw." Ja, bedenken Sie denn nicht, daß zwischen dieser Zeitspanne ber alles demoralisierende Krieg liegt, der alle Triebe menschlicher Leidenschaften entfesselte, die Zeit, in der man ben Menschen es als heilige, gottgewollte Aufgabe hinstellte, nicht zuletzt von ber Kirche, zu morden und zu zerstören? „Was ber Mensch säet, bas wird er ernten!" Ja, erwartet man vielleicht, baß als Reflex biefer furchtbaren Greuel nun eine Zeit sittlicher Höhe ein träte? Dies ginge bock gegen alle Naturgesetze. Alle Kinder, die in dieser Zeit von Müttern geboren wurden, von Müttern, denen sich all das Grauen tief in die Seele ein prägte, werben diese vorgeburtlichen Einflüsse als schwere Last unb Hemmung durchs Leben tragen müssen. Dann werfen Sie ber Form ber heutigen Erziehung vor, sie würde sich in unnützen Experimenten unb Spielereien verlieren. Demgegenüber möchte ich sagen, baß wir wohl heute in einem ganz befonberen Abschnitt ber Entwicklungsgeschichte ber Menschheit stehen, in bem noch vieles sich wird klären und feste Form annehmen müssen. Auf jeden in ben beutschen Kolonien um Obcssa auf bas bringlichste bewiesen. Es ist treuer deutscher Arbeitswille, der hier wie überall in ber Welt ben Fall ist es eine herzerquickende Freude, wenn man in so mancher Schule sieht, wie da alles lebt und quillt, wo dem Kinde erlaubt ist, selbst schöpferisch zu sein, ganz aus seinem eigenen Erleben heraus, wie das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler ein so ganz anderes wie früher ist. Wenn man da jo manch strahlendes Kinderauge sieht, muß man sich sagen, daß hier Lichter angczündet worden sind, deren Flammen man früher erstickte. Wenn man sich noch so sehr dagegen wehrt — man muß sich damit abfinden —, die heutige Zeit fordert etwas anderes, ihrer Eigenentwicklung angepaßt. Alles -schimpfen über Religions«, über Gottlosigkeit wird da nichts nützen, sondern eher das Gegenteil dessen Hervorrufen, was man erreichen möchte. Sie stellen fest, daß sich Tausende und Abertausende von der Chriftusreligion abgewendet hatten. Herr Pfarrer Weck, haben wir als Christen das Recht, andern die Religion abzusprechen? Wissen wir, wie mancher Gottsucher vielleicht um seine Religion kämpft? Biele tragen mehr Lichtesjehn- sucht in sich als so mancher Kirchenchrist, der manch, mal nur aus reiner Gewohnheit und nicht aus innerem Bedürfnis heraus zur Kirche geht. Es gab noch keine Zeit, in der man so sehr nach Licht, noch mehr Religion verlangte als gerade jetzt. Was ist Religion? Der Inbegriff der höchsten, selbstlosesten Liebe. Religion ist nicht Schimpfen und Eifern, wie man dies heute leider in inancher Kirche hören muß. 6a, warum flüchten jetzt so viele aus der Kirche und suchen anderswo ihren Gott? Ist man sich denn immer noch nldit des (auch göttlichen) Gesetzes von Ursache und Wirkung bewußt? Richt von der Chriftusreligion wendet man sich ab, son- dern von der Kirche. Was sucht man denn uro an« ders? Es ist doch das inbrünstige Suchen, die Sehn« sucht nach Gott. Fragt man sich denn nicht einmal: Tragen wir nicht selbst Schuld daran? Unser Hei« land ging, als er bei dem „aueermählten" Volke kein Verständnis fand, zu den „Heiden" und fand dort mehr Glauben als hier. Ist es denn nicht Pharisäerhochmut, wenn man behauptet, die andern hätten keinen Gott? Erkenne dich selbst und deinen Gott in dir, das ist der Schlüssel zu der höchsten Form der Liebe, zur Güte, zum Dulden, zur Demut. Ist der ein Christ, der lieblos von andern denkt? In manchem Herzen derjenigen, die man so gern als religionslos hinstellt, steht die Christus- gestalt als leuchtendes Vorbild all ihrer Handlungen. Hochmut, Verachtung säen so viel bösen Samen. Dieser geht nur zu üppig auf und zeitigt die entsprechende Frucht. Darum: Wahre Religion ist Liebe, Duldung, liebevolles Verstehen. Unser Erlöser war die Verkörperung wahrer Religion. Diel wird in der Gemeinschaftsschule erreicht, im Sinne des gegenseitigen Verstehens und Duldens. Wenn man dem Kinde, das doch von sich selbst aus nie einen Unterschied macht, solche krasse Kluft von Mensch zu Mensch schon in allerfrühester Jugend beibringt, was soll das erst im späteren Leben werden? Und es füll doch mal ein Hirt und Herde werden, nach unseres Heilandes Ausspruch. Wie denkt man sich die Verwirklichung dieses Chri- stusgedankens? Wir sind alle eines göttlichen Ursprunges. Der Mensch schuf sich selbst die verschiedenen Formen. Run reibt er sich wund daran. Sollte das in Gottes Willen liegen? Das will mir nicht einleuchten. Wieviel kostbares Blut floß schon um dieser Formen willen, wie reißen sie Schichten eines Volkes auseinander! Welche Quelle von Hetzerei, Haß, Gewalttätigkeit sind sie! Ist das christlich, göttlich? Dies ift ein unlösbarer Widerspruch. Man sollte doch das Wort christlich nicht so oft gedankenlos im Munde führen, ohne einmal ernstlich darüber .nachzudenken, was es in sich birgt. Ich traue Ihnen zu, Herr Pfarrer, daß Sie auf l dem von Ihnen vorgeschlagenen Wege das Gute , wollen. Aber wir Menschen denken und urteilen * eben aus dem Maße unserer Erkenntnis heraus. , Wir müsien aber dabei ein gegenseitiges Dulden üben und nicht andern ein böses Wollen unterschie« den, die anders denken. Bereitschaft zum Verstehen Andersdenkender und Liebe sind Kriterien wahrer Religion, die allerdings nicht identisch mit Kirche sein kann, weil sie zu universell ist. Don vornherein muß ich es ablehnen, auf cheo- logische Auseinandersetzungen, die mir nicht liegen, einzugehen, glaubte aber. Ihnen das ausführen zu müssen, was manche Frau beim Durchlesen Ihrer Darlegungen empfand. Mit vorzüglicher Hochachtung! Hedwig Welter. Ronnenroth, den 3. Dezember 1925. Oberhessen. Lanvtreis GLesren. : Aus dem Dusecker Tal. 9. Dez. Der hohe Schnee und der starke Frost der letzten Tage lassen unsere Wald - und Feldbewohner große Not leiden. Der gefrorene Schnee kann von den Tieren und Dögeln nicht weggekraht werden, und nun leiden drese bitte r e n H u n g e r. So kommen bis in die Hofreiten hinein die Raben geflogen, um die Lleberreste von der Hausschlacht auszuzehren. Goldammern, vereinzett auch Haubenlerchen, Amseln und viele Meisen suchen das Dorf auf, um durch mitleidige Menschen gegen den bittersten Hunger geschützt zu werden. Selbst der scheue Eichelhäher, in unserer Gegend „M o r i g ä k e r" genannt, wagt sich bereits in die Gehöfte, und Grünspechte picken an dem Mörtel der Häuser, vergeblich nach Ungeziefer suchend. Rebhühner, sonst so scheu und ängstlich, wagen sich bis in die Dorfstrahen hinein und können von den Kindern eingesangen werden. Freund Langohr, unser Feldhase, sucht die Hausgärten auf, um nach Kohlstrünken und liegengebliebcnem Gemüse zu suchen. Rur ein Bewohner des Waldes hat jetzt noch reiche Tafel. Es ist der Fuchs. Rie ist es ihm leichter gewesen, seine Opfer, die jetzt auf der Nahrungssuche alle Borsicht außer acht lassen, zu fangen. Ungeniert kommt er bis in die Ob Igärten dicht am Dorfrand. So konnte der Schreiber dieser Zeilen vor einigen Tagen 2 Füchse beobachten, die kaum 100 Meter von ihm seitwärts von der belebten Landstraße sich damit beschäfttgten, unter dem aufgewühlten Schnee die hartgeForcne Erde nach Mäusen zu durchsuchen. Und n -r ganz wenige Meter davon trollten unbeda . 2 Feldhasen, gar nicht der Gefahr achtend, die so nahe bei ihnen war. (.) Bersrod, 9. Dez. Der Verbindungsweg von Bersrod nach der Kreisstraße Winnerod — R e i n hv r d s h a i n war längs des „Buchwaldes" in einer undenkbar schlechten Verfassung. Kam es doch bei schlechtem Wetter vor, daß selbst leere Wagen stecken blieben. Mit einem geladenen Wagen hier durchzukommen, war ein Ding der Unmöglichkeit, und man mußte den weiten Umweg über Winnerod machen. Daß dieser Zustand sich jahrelang halten konnte, hatte seinen Grund darin, daß hier zwei Interessenten in Betracht kommen, daß nämlich an dem Wege nicht nur die Gemeinde, sondern auch der Staat als Eigentürner des „Buchwaldes" interessiert ist. Run ist endlich eine Einigung erzielt worden. Die Gemeinde liefert die zum Bau des Weges nötigen Steine und läßt sie anfahren, während der Staat die Arbeit ausführen läßt. Zu diesem Zwecke hat die Gemeinde unweit der herzustellenden Straße ein Grundstück erworben, wo die Steine gebrochen werden. Die Arbeiten haben bereits begonnen, können aber des hohen Schneefalles wegen nur schlecht gefördert werden, und mancher Arbeiter, der bis Weihnachten ein Stück Geld zu verdienen hoffte, sieht sich nun leider in seiner Hoffnung aetäuscht. — Wie alljährlich, so sieht man auch in diesem Jahre wieder hie und da junge Bäume, deren Stämme mit Stroh gegen Hasenfraß umwunden find. Bei dem hohen Schneefall vor 2 Jahren konnte hiebei des öftern die Beobachtung gemacht werden, daß die Stämmchen unter dem Stroh vollständig geschält waren. Die Misietäter waren in diesem Falle Mäuse. Da wir gegenwärtig wieder hohen Schnee haben, so ist sicher anzunehmen, daß manchem Bäumchen das gleiche Schicksal droht, wenn es nicht gar schon davon ereilt worden ist. Wer also seine jungen Obstpflanzungen durch Stroh geschützt hat, wird gut tun, dieselben nachzusehen und das Stroh durch Dornen, Reisig oder Draht au ersetzen. — Da der Schnee den Meisen uno Spechten einen Teil ihrer Nahrung entzogen hat, so suchen sie die Bienen- ft ä n b e auf, und manches Volk kann durch ihr Klopfen zugrunde gerichtet werden. Namentlich ist dies bei abseits stehenden Ständen der Fall. Ans Merger darüber greifen nun die Imker hier und da zu dem F l o b e r t, und mancher dieser Vögel muß auf der Suche nach Nahrung, sein Leben lassen. Das ist schade, und und brauchte nicht zu fein. Ein geräuschlos gehendes, aus Holz oder l'-'chtem Blech hergestelltes Windrädchen, das vor dem Bienenstand angebracht wird, genügt, durch feine Bewegung die Störenfriede zu vertreiben. 7 Grünberg. 8. Dez. Die Deutsche L o l k s p a r t e i hielt am Sonntag im -Hotel Hirsch" einen Familien ab end ab, der bei gutem Besuch einen vortrefflichen Verlauf nahm. Ein Vortrag des Provinzialgeschäftsführers Weißer von Gießen über Deutschlands Geschicke m der Vergangenheit und Gegenwart mit einem Ausblick in die Zukunft fand lebhaften Beifall. Die übrigen Stunden der Veranstaltung brachten beste Geselligkeit. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes klang der Abend aus. — Der hiesige Vogelsberger Geflügelzucht verein brachte in feiner Ausstellung nur erstklassiges Material heraus. Zahlreiche Orte aus der Umgebung waren auf der Schau vertreten. Es erhielten Ehrenpreise: Karl Rühl- Grünbertz (gestreifte Ptymouth-Rocks-Hühner) 2 Ehrenpreise: Reitz- Stockhausen (Houdan-Hühner) 2 Ehrenpreise, H o - g i) ° Klein-Eichen (schwarze Hamburger), Theiß- Stockhausen (rebhuhnfarbige Italiener), Maus- Ruppertenrod (Silberbrackel) je einen Ehrenpreis. Für Tauben erhielten Fr. I ö ck e l I.-Grünberg (blaue Straffer), Ohlemotz - Keffelbgck) (hessische Kröpper), S p r a n k e l - Lauter (Schönheits-Brieftauben) und Biedenkapp-Münfter (Koburger Lerche) je einen Ehrenpreis. Hch. Schmidt aus Saasen erhielt für weiße Enten einen Ehrenpreis. Außerdem wurden noch zehn erste, zweite und dritte Preise vergeben. In der Ausstellung von Futterartikeln erhielten Diplome: Franz Sarx und August Röhm von hier. — In einer öffentlichen Handwerkerversammlung unter dem Vorsitz von Herrn Don-Eiff fprach Architekt Jäger über den Stand des Handwerks in der heutigen Zeit. Es kamen dabei zahlreiche Silagen des Handwerks zum Ausdruck, wie Fortbil« dungsick'ule, Bezahlung der Geschäftsleute, Ans« ftellüng von Wechseln, Geschäftsaufsicht, die Preisabbaufrage, Gewerbeabgabe usw., wobei auch Dor« würfe gegen die Handwerkskammer gerichtet mürben. Zu deren Verteidigung sprachen der Hand- Werkskammerpräsident No hl von Darmstadt, der sich auch darüber beklagte, daß die Handwerkskammer zu dieser Versammlung nicht eingeladen worden sei, sondern erst über Alsfeld von ihr gehört habe, ferner Adg. Haury-Darmstadt und Handwerkskammerdirektor S ch ü 11 le r - Darmstadt. Trotz längerer Aussprache mit den Darmstädter Herren konnte keine Uebereinftimmung erzielt werden. Es wurde beschlossen, demnächst eine weitere Versammlung abzphalten. — Auch in unserer Gegend kommt das hungernde Wild immer nä"er an die menschlichen Siedlungen heran, um dort Hilfe zu suchen, da es in Feld und Wald bei dem hohen Schnee keine Nahrung mehr findet. Hoffentlich wird den armen Tieren überall tatkräftig geholfen. Auch die darbenden Vögel vergesse man nicht! - Steinbach, 9. Dez. Eine recht rührige Tätigkeit entfaltete seit einiger Zeit wieder der älteste der beiden hiesigen Turnvereine, der „Turnverein Steinbach". Nicht allein auf turnerischem Gebiete ist der Verein auf der Höhe, sondern er ist seit einigen Wochen auch dazu übergegangen, innerhalb seiner Reihen eine Gesangsabteilung zu bilden. Dieser gehört eine stattliche Zahl guter Stimmen an, ihre Ausbildung liegt dem altbewährten hiesigen Dirigenten L. Horn ob. Der Verein wirb in diesem Winter der hiesigen Einwohnerschaft eine Abendunterhaltung bieten, in der neben guten turnerischen und theatralischen Vorführungen auch das erste Auftreten der Gesangsabteilung zu er- warten ist. T) Lich, 9. Dez. Zur Zeit sind in unserer Stabt 30 Erwerbslose mit 24 Frauen und 37 Kindern vorhanden. Taatäglich wächst diese Zahl. Eine ganze Anzahl entlassener Arbeiter ist z. Z. beim Eismachen hiesiger Gewerbebetriebe, rote Brauereien und Metzgereien beschäftigt. Ist diese Arbeit beendet, dann muß die Erwerbslosenfürsorge wieder in Anspruch genommen werden. Dem Vernehmen nach hat die Stadtverwaltung den Aitsbau verschiedener Straßen ins Auge gefaßt und die Genehmigung zur Förderung dieser Arbeiten aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge bereits an zuständiger Stelle erwirkt. — Bei der am 1. Dezember d. I. oorgnommenen Vieh- Zahlung wurde in der Stadt Lich, einschließlich der Gemarkungen Hof-Albach, Mühlsachsen und Kolnhausen, gezählt: 178 (164) Pferde, 625 (686) Stück Rindvieh, 499 (542) Schafe, 616 (715) Schweine, 280 (332) Ziegen, 3617 (3945) Stück Federvieh, 77 Kaninchen und 13 Bienenstöcke. Die in Klammern gesetzten Zahlen stellen das vorjährige Ergebnis dar. df. Langsdorf, 9. Dez. Sn her vav- gangenen Woche war bei dem Viehstand einer hiesigen Viehhändlers die Maul« und Klauenseuche sestgestelli worden. Daraufhin wurde das Vieh abgeschlachtet, und man glaubte, somit die Seuche unterbunden zu haben. Doch nun ist auch bei dem Vieh des Nachbars des Händlers dieselbe Kranlhrit festgestellt worden. — Gestern fand hier Treibjagd statt. Der Be- stand an Wild ist, wie vielerorts, gering, so daß nur 32 Hasen zur Strecke kamen. Kreis Bnvingen. "Büdingen, 9. Dez. Die am Freitagabend im Hotel Stern stattgesundene Versammlung der Deutschen Dolkspartei war recht gut besucht. Der Geschäftsführer der Partei, Herr- Weißer aus Gießen, verstand es, durch seine Haren, tiefschürfenden Ausführungen die Auf- mertfamleit der Anwesenden zu fesseln. DieUnterzeichnung der Locarnoverträge mußte erfolgen, um die wirtschaftliche Lage be8 deutschen Volkes zu erleichtern und um zu verhindern, bau ein neuer Feindbund gegen Deutschland geschaffen wurde. Frankreich, England und Belgien hätten sich auch ohne Deutschland verständigt. Deutschland hatte bann aber keinen Vorteil aus dieser Verständigung ziehen können, sondern den Nachteil der Isolierung gehabt. Als Teilhaber der Partie war es ihm aber immerhin möglich, gewisse Vorteile zu erlangen. Diese Vorteile, die wir als Rückwirkungen der ßoearnooerträge bezeichnen, wären sicher aber größer, wenn nicht die Deutsch- nationale Dolkspartei die Stoßkraft der deutschen Negierung durch ihren, im allerungünstigsten Zeitpunkt erfolgten Austritt aus der Neaierung gelähmt häckde. Prof. Dr. Dingel de in versuchte. in der sich anschließenden Diskussion die Haltung der Deutschnationalen Volkspartei zu rechtfertigen. Sowohl der Redner des Abends, als auch Oberstudiendirektor Dr. Keller, der In ganz besonders feiner Weise das Verhältnis der Deutschen Dolkspartei zur Deutschnationalen Volkspartei, der früheren konservativen Partei Deutschlands, kennzeichnete, vermochten seine Ausführungen zu widerlegen. y. Nidda, 9. Dez. Als Nachfolger des in den Ruhestand versetzten Oberamtsrichters Iustizrat Röm Held dahier ist Amtsrichter Krug von Gernsheim in diesen Tagen hieher gezogen und wird seinen Dienst in den ersten Tagen antreten. Gerichts« assessor Herber, der bisher hier eine Richterstelle versah, ist nach Büdingen versetzt worden. △ Nidda, 9. Dez. Heute würde hier der C h r i ft m a r k t abgehalten. Da noch gestern starke Kälte herrschte, wagten es viele Schweinezüchter nicht, ihre Ferkel hier zu Markte zu bringen, obgleich heute morgen schon mildes Wetter eingetreten war. Demzufolge war der Auftrieb von Ferkeln nur mäßig. Sie behielten die seitherigen Preise. Das Paar 7—8 Wochen alte Ferkel kostete durchschnittlich 50—56 Mark. Auf dem Krämermarkt waren mehrere Verkaufsstände aufgefchlagen. Der Fremdenverkehr war aber nicht bedeutend, hauptsächlich wegen der herrschenden Geldknappheit. △ Echzell, 9. Dez. In körperlicher und gci« ftiger Frische feiern heute die Hrch. Wilh. Wagner Eheleute das Fest der goldenen Hochzeit. — Vom Kreisausschuh wurde die angefochtene hiesige Gemeinderatswahl für ungültig erklärt, io daß in Kürze eine nochmalige Wahl ftattfmbet. △ Blofeld, 9. Dez. Die Annahme der Forst- beamten, daß sich Wildschweine in dem zwi- schen Horloff« und Niddatal hinziehenden „Mark- roald" aufhalten und an jungen Fichtenbeständen schon erheblichen Schaden verursacht haben, hat sich b e ft 8 t ig t. Dieser Tage sah der Iagdaufseber Kart Siebe L ein Tier aus dem Walbe auf das an- grenzenbe Felb kommen. Leiber konnte ber Schwarzkittel nicht geschossen werden, da er plötzlich Kehrt machte und dem Walde zueilte. Jedenfalls treibt der Hunger die Tiere auf das Feld, da auch in hiesigen Wäldern eine ziemlich hohe Schneedecke liegt. ' KreiH Schotten. ld. Schotten, 9. Dez. Schon das Jahr 1924, aber besonders der Sommer 1925 hatte ein wahres „Basaltfieber" ins obere Niddatal gebracht. Von morgens früh bis abends spät hallten die Sprengschüsie durchs Tal. Auswärtige Unternehmer übernahmen bereits erschlossene Brüche, legten auch noch neue an. Auch Einheimische wurden vom „Basaltfieber" ergriffen und versuchten^ ihr Glück: Der Pflasterstein beunruhigte die Gemüter! Die neue Industrie blühte, bis nunmehr die allgemeine schlechte Wirtschastslage nach und nach alle Franziska. Roman von LieSbet Dill. 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Franziska atmete schwer Seine eindringlichen Worte drangen ihr ins Herz; so hatte lange niemand mehr zu ihr gesprochen, so warm, so unegoistisch, so anständig und so vornehm! .Was braucht eS Schwüre?" sagte sie. „3d) hab dich lieb, und wir gehören unS wieder." Er ergriff ihre Hand und preßte sie leicht. „Ich verlange keinen Schwur, was unsere Zukunft betrifft. Es gehen Ehen auseinander, und es werden Schwüre gebrochen... ich will nur eines wissen, Franziska, warst du mir treu?" Er sah sie fest, durchbohrend an, feine Stimme hatte sich gesenkt, als ob er sich schäme, das zu fragen, llnb er wartete mit einem Hämmern feines Herzens. Die Entscheidung seines Lebens hing von ihrer Antworrl ab: davon, daß sie die Wahrheit sprach. Franziska antwortete nicht gleich Wenn er später in feinem Leben an diesen Augenblick zurückdachte, der für sie beide entscheidend war, und sich mit Bitterkeit ihres Zögerns erinnerte, zuckte er die Achseln und nannte sich einen Toren. Aber daran tat er unrecht, denn was in Franziska in diesem Moment kämpfte, war echt, tief, wahr. Es war etwas von ihrer Kindheit in ihr erwacht, wenn sie der Vater- mit ernsten Augen gemahnt, die Wahrheit zu sprechen, einen Augenblick schwankte sie. Aber sogleich verwarf sie ihre Antwort wieder. Sie ergriff seine Hand, die heiß war m der Innenfläche, und sagte, während es ihr rot über die Wangen flammte: „GS hat dich niemand verdrängt, ich war dir treu.“ „ Franziska I" — Er zog ihre Hand an seine Augen. Es war eine Weile still m dem halbdunklen Zimmer. Ihre 'Brust hob sich unter heftigen Atemzügen. Don ferne tarn das dumpfe Fahren eines Wagens, der aus dem Tor des Krankenhauses herausrollte, er fuhr langsam an dem Hause oorüber, wie die Wagen mit Schwer- kranken fahren und daS Licht der Laterne an dem Eckfenster warf dunkle Schatten über Hasses schmales, rassiges Gesicht. „3d? bin bereit, London aufzugeben." sagte er, „auf eine Tlniversitätskarriere muh ich freilich verzichten, weil ich mich selbständig machen muß, damit ich dich sobald wie möglich zu mir nehmen kaum ganz, als meine geliebte schöne Frau, auf die ich stolz fein darf. Diese Zwischenzeit war eine Feuerprobe, du hast sie bestanden." Er strich ihr über die Hände, in Gedanken an die Zukunft versunken, sprach er weiter: „Nicht mehr das alte Leben, das Zusammensein von heute auf morgen, daß der eine nicht weiß, wird der andere auch am Morgen noch dasein ober abends wiederkommen." Sie sollte eine schöne Wohnung nehmen, diese Jnterimsboheme wollte er gar nicht sehen — Damit war Franziska sogleich freudig einverstanden. „Ich bin empfindlich, Franziska, in Farben, Gerüchen, Berührungen mit mir unsympathischen Menschen. Halt mir die neue Wohnung rein, laß sie für uns, wie wir uns beide füreinander erhalten wollen. Du wirst arbeiten, und das hab' ich gestern gesehen, du wirst noch etwas Großes werden, viel mehr, als ich gedacht." „Ach, wirklich?" sagte Franziska beglückt. Dieses Lob bedeutete ihr mehr als das aller Zeitungen. „21ber bann mußt du dich entscheiden: Bühne ober Che, und du weißt wohl, daß du dich jetzt entscheiden mußt...“ „Heute?" fragte Franziska fast erschrocken. „Heute", sagte Hasse. „Wenn du dich heute bindest, Franziska." er sah sie an, „sag' ich dir: aus diesem DündniS kommst du lebend nicht mehr heraus." Franziskas Herz pochte, sie war wie benommen, aber über ihre plötzlich aufsteigende Angst siegte das Bewußtsein, ihn wieder gewonnen zu haben. Nach einer Stunde erst brach sie auf. Sie stand auf, knüpfte ihren leichten Taft- mantel zu und sah sich nach dem Spiegel um, um sich den Hut aufzusetzen. Er reichte ihr die Hutnadeln, die Handschuhe und den Schirm, nahm Hut unb Stock und öffnete die Tür. Sie brauchten nicht durch das Vorderhaus zu gehen. von seiner Tür führte eine dunkle Wendeltreppe direkt in den Garten, und sie verließen daS Haus durchs diese dunkle Heine Pforte, zu der nut er den Schlüssel besaß. Es war dieselbe Türe, durch die er Elisabeth geführt, ohne von jemand gesehen zu werden. Franziska atmete auf, als sich die Gartentür hinter ihnen schloß und sie wieder auf dem Bütgersteig nebeneinander her schritten. ^,Wann sehen wir uns, Franziska?" Sie streifte die Handschuhe über. „Heut nicht mehr, ich will mich etwas hinlegen, ich habe Kopfschmerzen. „Ich möchte nicht," setzte sie zögernd hinzu, ..daß du meine Wohnung kennen lernst in der Parkstrahe. “ „Das ist allerdings keine gute Gegend", sagte Hasse. „Dort kannst du nicht bleiben.“ „Also morgen um sechs an dem Weiher im Schloßgarten, nach ber Probe, ich bin an der alten Dank, wie damals." „3a, wie damals", sagte er und zog ihren Arm an sich „unb es soll mir ein gutes Zeichen sein, daß wir uns bei den Schwänen treffen.“ Es kam gerade ein Wagen heran, Hasse winkte ihn heran und ließ Franziska einsteigen. Gr hatte eine so ritterliche Art, zu grüßen. daS enlpsand sie jetzt wieder, er grüßte vielleicht eine Idee zu tief, aber es war so viel Achtung in diesem Gruß... Stephansberger nahm nie den Hut vom Kopf, wenn sie auseinander gingen. Den Stock in der Tasche seines Mantels, ging er mit einem vertraulichen Nicken seines Lockenkopfes von bannen, llnb ihn hatte sie hergegeben um ber anderen willen, die es nicht wert waren, baß man ihretwegen auch nur im Regen einmal naß wurde, ihn, der für sie arbeiten wollte, um ihr ein sorgloses Leben zu schäften, das Leben einer geachteten, vornehmen Frau Ihr eigenes Leben kam ihr auf einmal vor wie ein dunkler Strom, ber sich vorüber- wälzte unb sie mitrih, und ihre Zukunft erschien ihr hell unb glänzend und begehrenswert. Der Regen hatte aufgehört. Hasse ging durch die Straßen wie befreit, das Leben schien ihm auf einmal wieder lebenswert. Er tarn an einem Safe vorbei, in dem Licht brannte, unb er trat ein. Die kleinen Tische standen von Efeuwänden voneinander getrennt, sie waren alle beseht, in einet Ecke fand er den inneren Worth allein bei einem Cocktail. Er nahm Platz, und sie schwiegen eine Weile. Die Straßen waren noch belebt, die Menschen kamen von ihren» verregneten Ausflügen zurück unb strömten ihren Wohnungen zu. Es lag eine eigentümliche Schwüle in ber Luft, es war noch warm brauhen. ber Himmel spannte sich wolkig über ber Stadt. Plötzlich sagte Worth mit einem Blick auf eine Dame, die raschen Schrittes mit einem sehr großen Herrn vorüberging: „Dort geht Franziska mit ihrem neuesten Galan." Hasse fühlte, wie er bleich wurde. Er sagte sehr ruhig: „Wen meinen Sie mit »Franziska" ? „Run, die Giulietta. Ich farm mir die Namen von denen nicht merken." „Hnb wen meinen Sie mit dem Galan?" fragte Hasse weiter. „Nun, den langen Stephansberger, der neulich abenbä den Don 3uan fang. Hat der eine Stimme, ein prachtvolles Material, aber von Don Juan keine Spur. Er hat feine Rolle heruntergesungen, als wenn er Lust hätt, bald ein großes Glas Bier zu trinken, aber die Zer° line war gut, die Franziska. Die hat sich überhaupt gemacht." — Hasse hatte sich erhoben unb einen Blick auf die Straße geworfen, aber die beiden waren unter ber vorüberflutenden Menge, die eben vom Bahnhof kam, unter» getaucht. Dann setzte er sich wieder, und während ihm das Herz schlug, sagte er ruhig, sich ein Streichholz anzündend unb es ausblasend: „Lieber Worth, es wäre mir angenehm, wenn Sie sich in Zukunft etwas vorsichtig auSbrüdten; diese Dame, die Sie Franziska nennen, ist meine Braut.. “ „Ihre — was?" „Meine Verlobte." „Seit wann?" „Seit — nun, sie ist es jetzt rebenfalte. „Unb Sie werden Sie heiraten?" „Sobald ich selbständig bin — vorher darf ich mich Ihres Schweigens versichern?" „Aber, lieber Hasse, davon hab' ich nichts gewußt, ich dachte —" „Was dachten Sie?" „Nun, ich dachte, die Franziska, entschuldigen Sie, bah ich ihren anderen Namen nicht behalte, sei erledigt bei Ihnen.. (Fortsetzung folgt.) Ätei|lt’r ZteinrE nur eins« " .'lrbe'tsl^ strömten, l sehr « venmnder ut Arb"tl dazu unge ktzsehnd die eh-d-; im den mit <- lidjC w F \ ick insgesamt gekommen der -2lrbeileq idjioeren igjUJCtDC^« m Leben vernehmun mchung. m betannt c hastete gehand 'Raum, in den durfte gebracht ha imBorr auf dem machten ui raum nahn Luch habe änberur laubnis bei fachen, die damit DÖÜ: DS7 strafft zv zwei 5 aufgesund schen ha Chaussee: Sabel sch ase: in Hvh rötete 2 bine in 1 Der um Der Tur Se/rieöe, ; einttai. 2 mündige K h. 2 brunst c der ginn, gangenen Viertels. ! .iium Der idjnefl aus Vorräte in mit dec 2 die Hhdr erst aufge: flammen den könnt, ] W des „Tief Etndtverv: 'bürget aus eine MBüi getväh' Juli k , xx talisch 6chneefa! Marsch, armen $ Ci 2ach dem Tophright & Fortsetz „ -Wohl Ae Frag« deren ®ebi "'«.rund-wc an! 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Der btt nicht bedeutend, Haupt- -enden Geldknappheit, z. In körperlicher unb gei- : bie ßrch. Wilh.Woaner lolbenen Hochzeit. - rde die angesochtene hiesige l sür ungültig erllatt, nochmalige Wahl sloltfindei. »i. Die Annahme der Forst- d s ch w e i n e bi dem Zwi- total hinziehmdm „Markin W" Mmbeftcmden m veri/M haben, hat sich ne hj der Sogdaulfedtt statt L, dem Walde aus )a. an- l Seiber tonnte der Lchworz- erben, da er plodl'ch M x zueilte. Fedensallr tteibt auf da, Feld, da auch m ziemlich hohe 6dineebttk Schotten. Dez Schon bas Fahr 1924, ife« M bis abends spät Mn Auswarttge unter räsS?, !t0n? n£te bl Gemüter! in beunruhigte o ß mi.slage noch naaL—- SS« Ä-g *Ä5F«s** eic Ä - *”• -nen her ncu' ' „ Slephansber^ eine ’n £ Vaten-U'Me ,tüC 1r^fcS 6aß>cin ve"".5M sich Ü^ ef»M' "*5» i^.0 mir ^feiten. ÄjJ«"* FrarrzE I« J 6eir«‘0,Tl)or6«r t"”t s><; rtlS«"1 ' Betriebe zum Stillstand gebracht hat. Die S t e i n b r ü ch e sind verlassen: der auswärtige Steinrichter, der Niesenlöhne einsteckte und ein Herrenleben führte, ist in seine Heimat zurückgckehrt: nur einzelne einheimische Arbeiter werden noch nlc- Steinklopfer beschäftigt. Diele Arbeiter, die ihre alte Arbeitsstätte verließen und der neuen Industrie zuströmten, sind nun arbeitslos und können jetzt nur sehr schwer Arbeit finden, da die Holzhauerei bei vermindertem Holzschlag und bereits stark vermehrter Arbetterzahl nid t in der Lage ist, noch weitere dazu ungeübte Kräfte einzustellen. Auch die Bahnhöfe find ve r ö d e t. Sleinauto und Steinfuhrwert, die ehedem Fuhre auf Fuhre heranschafslen, fehlen nn Derladeoerkehr, und nur noch Mopssteine werden mit Schlitten angefahren. Starkenburg. WSN. Neu-Isenburg, 9. Dez. Das schreckliche Explosionsunglück in der Neu- Fs enbura er Feuerwerksfabrik, dem bisher fünf Personen zum Opfer gefallen sind, hat j.-tzt ein weiteres Opfer gefordert, so daß insgesamt sechs Personen ums Leben iielöinmen sind. Im Ofsenbacher Krankenhaus ist der Arbeiter Karl Nees aus Neu-Isenburg seinen schweren Brandwunden erlegen. Zwei weitere schwerverletzte Personen befinden sich immer noch in Lebensgefahr und sind bis jetzt nicht vernehmungsfähig, lieber den Gang der Untersuchung. die weiter fortgeführt wird, ist noch nichts bekannt. Bis jetzt steht fest, daß die beiden verhafteten Fabrikbesitzer fahrlässig gehandelt hoben dadurch, daß sie in einem Raum, in dem nur drei Personen beschäftigt werden dursten, 13 Arbeiter und Arbeiterinnen untergebracht hatten. Ferner haben sie v e rb o t s w i d ri g ।m Borraum einen Ofen Heizen lassen, auf dem die Arbeiterinnen sich Ziegelsteine heiß machten und mit in den eigentlichen Fabrikationsraum nahmen, wodurch dann die Explosion entstand Auch haben die Fabrikinhaber bauliche Veränderungen vornehmen lassen, ohne die Erlaubnis der zuständigen Stellen einzuholen. Die Ursachen, die zu dem schrecklichen Unglück führten, sind damit völlig geklärt. 05601. Darmstadt. 9. Dez. 2ln der Landstraße zwischen Eberstadt und Darmstadt sind zwei Handwerksburschen erfroren aufgefunDcn worden. Die bedauern Zweiten Menschen hatten sich in dem hohen Schnee am Chausseerande niedergeseht. um sich auszuruhen. Dabei scheinen sie eingeschlafen zu sein. 05601. Weinheim, 9. Dez. Als gestern in Hohensachsen (Berg"traße) der verheiratete Müller Georg Reibold feine Turbine in Ordnung bringen wollte, verstrickte sich der um seinen Hals geschlungene Schal in der Turbinenwelle und zog ihn in das Getriebe, so daß der Tod durch Ersticken eintrat. Reibold hinterläßt Frau und zwei unmündige Kinder. Preußen. Streid Wetzlar. kz. Wetzlar, 9. Dez. Eine Feuersbrunst auf dem Holz - und Kohlenlager der Firma 2 n d e r t h a l erschreckte in der vergangenen Rächt die Bewohner des Dahnhofs- viertels. Der Brand war in einem Aufenthalts- .aum der Arbeiter entstanden und breitete sich schnell aus. Da die großen Holz- und Kohlenvorräte in Gelahr standen, eilte die Feuerwehr mit dec Motorseuersprihe herbei. Doch waren die Hydranten zugefroren unb mußten erst aufgetaut werden. Dann brachte man die Flammen schnell zum Ersticken. Größerer Schaden konnte verhütet werden. 3 Wetzlar, 9. Dez. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz.") 3n der heutigen geheimen Stadtvervrdneten-Sihung wurde der bisherige Bürgermeister unserer Stabt Dr. Kühn auf eine weitere Amtsdauer von 12 Jahren zum Bürgermeister unserer Stadt wiedergewählt. Die neue Amtszeit läuft ab Anfang 3uli n. 3. XX Dorlar. 9. Dez. Eine große westfälische Schafherde wird durch den starken Schneefall und die grimmige Kälte auf ihrem Marsch nach Süden hier feftgehalten. Die armen Tiere fristen ein kümmerliches Dasein. Pelzmärtel. Ein Nürnberger Spielzeugroman. Dach dem 3!alienisch«n der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein. Eoptzright 1925 by A. Scherl G. m. b. H., Berlin. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wohiy reisen wir? Zum Dater?" war ihre erste Frage. Wie hätten sie auch auf einen anderen Gedanken kommen sollen, nachdem sie feit vierundzwanzig Stunden auf ihn warteten, der auf fo unerklärliche Weise verschwunden war? Nachdem drei Störche sich die Mühe nahmen, sie auszusuchen, um sie durch bie ßüfte zu tragen? Das war nicht mehr als natürlich. Die Störche aber gerieten dadurch in große Verlegenheit. Was sollten sie diesen armen Kleinen antworten, die vor Freude im Zimmer herumsprangen und tanzten und riefen: „Vater, lieber Vater, wir kommen, wir kommen!" Die Störche traten beiseite und hielten Rat. Wiesenstelz erfaßte sofort die Lage. „3ch bin sicher," sagte sie, „daß sich die Kruder weigern werden, eine Deise zu unternehmen. wenn wir ihnen nicht versprechen rönnen, daß sie am Ende ihren Vater finden werden. Lind da haben sie ja auch recht!" Bringglück sah Wiesenstelz zärtlich an: „Du bist die anhänglichste und verständigste aller Enkelinnen und beurteilst alle nach dir selber. Du wirst wohl das Richtige getroffen haben." „Mit dem Versprechen ist das so eine Sache", wendete Luginsland ein. „05enn die Kinder Daran glauben und, am Reiseziel angekommen, merken, daß nichts Wahres daran ist. fo wird ihre Enttäuschung um so schrecklicher sein." „Auch das ist zutreffend", sagte Dringglück. ODährend die Störche so überlegten, tollten Otto und Liesel immer vergnügter durch das Zimmer. Sie nahmen sich bei den Händen und nun ging's mit Singen und Springen im Kreise herum: „Einmal hin, einmal her, Hast du's nicht vernommen? • Ringelreihen, kreuz und quer, Väterchen wir kommen! Wir kommen, Wir kooom — men!" Alles zu Ehren der Störche und des Pelz- märtels. Immer lauter ging ihr Singsang, immer zumal sie auch über Dacht im Freien bleiben. Die Herde kommt von Meschede, sie zählt 700 Jungtiere und ist von 2 Hirten und mehreren Hunden begleitet. Kreis 9)Zavbntfl. Marburg, 8. D:z. Gestern wurde auf dem Bahnhof im nahen Eolbe die 64jährige frühere Gasthofsbesitzerin Marie Reh aus Frankenberg vom Zuge überfahren unb getötet. Die Frau hatte den besch.eun'.gten Personenzug nach Kassel versäumt unb wollte wieder zurück nach Frankenberg fahren. Dabei rutschte lie aus unb fiel unter die Räder des Zuges. Mainoan. Weihnachtsbeihilfen für Erwerbslose. WSD. Frankfurt a. OH., 9. Dez. Der Magistrat ist dem Beschluß brr Stadtverordnetenversammlung auf Gewährung einer einmaligen Weihnachtsbeihilfe an bic Erwerbslosen, Ausgesteuerten. Sozial- unb Kleinrentner, fctoie Pfleglinge des Wohlfahrtsamts b igetr ten unb b’t beschlossen, die erforderliche Summe von 400 000 Mk. zur Beifügung zu stellen. Die Erwerbslosen werden 20—60 Mk, Cie Pfleglinge des Wohlfahrtsamtes 10—30 Mk. erhalten. — Mit Rücksicht auf die ungünstige Lage hat der Magistrat das ursprüngliche Pr gramm von Rotstandsarbei- ten wesentlich erweitert, um Gelegenheit zur Beschäftigung einer möglichst großen Anzahl von Erwerbslosen zu schaffen. Es handelt sich im wesentli^en um StrcEenbauten. Wiederherstellung trn F ldwäben, H.fen- und Drückenbauten, Kanalarbeiten, die sofort in Angriff genommen toer'en können. Die Ausführung der Arbeiten erfordert insg samt rund 21 2 Mill. Mk. — Zur Frage bet Gewährung zinsfreier Darlehen an die städtischen Beamten, Angestellten und 01 r bei ter ift der Magistrat b:m Besch'n > der Stadtverordnetenversammlung b?igetr:ten und hat die Finanz- beput tion beauftragt, einen Kredit von 200000 Mk. zur Verfügung zu stellen. Kreis Hersfeld. O56OL Burghaun bei Hünfeld. 8. Dez. 3n Der vergangenen Dacht brach in der Scheune des Landwirts Rudolph Feuer aus. bas rasch um sich griff, Scheune unb Stallungen einäscherte unb auch auf das Da ch - bargebä u be Übergriff. Ser Grund für bie große Ausbehnung des Brandes lag darin, daß bie Ortsfeuerwehr infolge eines Defektes an der Feuerspritze nicht rasch genug in Tätigkeit treten konnte. Außcrbem waren die Hydranten Der Wasserleitung durch bie gr'.mmige Kälte eingefroren. Erst als die 05ehren aus den Dachbardörsern eingetroffen und die Hydranten aufgetaut waren, gelang es, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern unb die start gefährdeten Dachbargebäude zu retten. Der Schaben ist nur zum Teil durch Versicherung gebeckt. Auch eine völlig neue Dreschmaschine mit Motor wurde vernichtet. Man vermutet Brand st iftung. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 9. Dez. Unter Ausschluß der Oes- fentlichkeit wurde heute gegen die Minna St. von Gelnhaar wegen Kindestötung verhandelt. Sie hatte am 18. Februar 1.3. ihr unehelich geborenes Kind unmittelbar nach der Geburt durch Erwürgen vorsätzlich getötet. Das Schwurgericht sprach sie trotz ihres Leugnens schuldig und verurteilte sie, dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, zu zwei Jahren Gefängnis. llsurnen, Sport und Spiel SporfpiegeL 3m internationalen Amateurboxturnier in Stockholm errangen die Schweden den Sieg in vier Klaffen. Deutschland war durch Volkmar im Federgewicht (im Endkampf gegen den Schweden Haglund) und durch Sievert im Schwergewicht (in der Entscheidung gegen den Schweden Levin) siegreich, Italien und Norwegen gewannen je den Sieg in einer Gewichtsklasse. schneller drehten sie sich. Sie verloren das Gleichgewicht, sie kollerten übereinander, und wenn sie sich auch Ellenbogen und Knie wund stießen, so kümmerten sie sich nicht darum. Sie waren zu glücklich. Der Anblick dieser unschuldigen Ausgelassenheit griff den Störchen ans Herz. „Glaubt mir," sagte Wiesenstelz, „wenn wir ihnen jetzt, wo sie sich in den Kopf gesetzt haben, ihren Vater aufzusuchen, die Wahrheit sagen, wird ihre Enttäuschung nicht minder groß fein." Der ehrliche Luginsland jedoch, dem das Lugen widerstrebte, begann zögernd: „Meine lieben Kleinen! Ein Storch fügt niemals die Unwahrheit. 3ch, Luginsland, Bringglück und Wiesenstelz glauben sicher zu fein, daß euer Vater--—“ Aber er brach gleich wieder ab. Wenn auch Otto und Liesel wenig von seiner Rede begriffen hatten, so merkten sie doch an dem schüchternen, unsicheren Ton, daß Luginsland nichts Angenehmes vorzubringen hatte. Zwei Paar große Augen, auf deren Grund schon eine Träne zitterte, betrachteten den guten Storch mit sichtbarer Bestürzung. „Aber nein, aber nein!" griff Da Wiesenstelz geistesgegenwärtig ein. ..Die Botschaft, die uns Pelzmärlel aufgegeben hat, ist ja viel einfacher. Sie lautet: Otto und Liesel sollen sich für eine lustige Reise bereitmachen. Sie sollen ifjre Sonntagskleider anziehen und den Pelzkragen, den Wollschal und die Gamaschen nicht vergessen. Dann sollen sie in einem Körbchen etwas zu essen rnitnehmen, zum Beispiel Brot und Wurst, und Darauf nehmen sie ohne weiteres in diesem schönen Landauer Platz. 0lm Schluß der Reise werden sie dann schon den Zweck erfahren und Dem Pelzmärtel dafür danken, daß er an sie gedacht hat." Sofort beruhigt, hörten bie Kinder schweigend zu. Otto entnahm der Botschaft, daß der Pelz- märtet ihm verziehen hatte, und fein Herz war voll Danklarleit. Die beiden Reifenden fragten nicht einmal,: Welchen schönen Landauer?", wie es ihr gemacht hättet und ich auch, wenn wir keine Reisekutsche gesehen hätten. Sie fanden alles selbstverständlich. Sie machten sich gar keine Gedanken darüber, als Wiesenstelz ihnen eine Ruß zeigte und sie einlud. fich's Darin für eine zehntägige Reise Einen neuen deutschen Dam en - s ch w i m m r e k o r d im 400-Meter-Rückenichwim men hat Frl. Simon- Hamburg mit 7:10 ausgestellt. Deutsche Turner-Handdallmelsterschaft. do. Die Handballmeisterjchgft 1926 der Deutschen Turnerschaft wird am 6. 3uni in Ulm oder Dresden ausgetragen. Die Vor- und Zwischenspiele sind der Ersparnis halber lufammcn^legt worden und steigen am 15. und 16. Mai in Berlin und Frankfurt a. M. 3n der Reich-Hauptstadt treffen die Meister von Mittel-, Nord-, Ost- und Südostdeutschland aufeinander, während in Frankfurt diejenigen von Süd-, Südwest-, West- unb Nordwest- Deutschland um die Teilnahmeberechtigung am Endspiel kämpfen. Zur selben Zeit und am selben Ort steigen auch die Meisterschaftskämpfe im Fußball der D. T. Buntes Allerlei. Phonotunft. Wer die Entwicklung Der Schallplatteuindu- ftri? während Der letzten Jahre aufmerksam unb sachkundig beobachtet hat. Der wird immer deutlicher bei den llntemcbmcrn dieser 3nbuitrie das Bestreben festgestellt haben, nach künstlerischen Gesichtspunkten zu arbeiten. Das Hauptverdienst an dieser Olenberung Der Richtung hat zweifellos die „Deutsche Grammophon-Aktiengesellschaft". Durch das neue elektrische Auf- nahmeverfahren dieser Gesellfcha't sind Die Künstler nicht mehr gelungen, direkt vor Dem engen Trichter zu spielen. Alle im Aufnahmeraum erzeugten Schallplatten werden dort von dem neuen Aufnahmemikrophon auf eleltrischem Wege zu dem Aufnahmeapparat weitergeleitet und glerchzeitig verstärkt. Durch dieses neue Oluf- nabmeverfahren werden Platten von fünfter Plastik Der Töne hergestellt. An Vielseitigkeit, Umfang unb Qualität ist das Repertoir der Gesellschaft außerordentlich hoch entwickelt, es umfaßt sämtliche Zweige musikalischer KunftauLübung tn staunenswerter D'llständigkeit. 3ebe Oper, jede Symphonie, jede Kammermusikart, das im Theater ober Konzertsaal entzückte, kann man sich durch Grammophon daheim vorspielen lassen, so oft man will. Man kann auch alle Sänger und Sängerinnen der Gegenwart und Vergangenheit zu Gaste laben. Caruso. Schaljapin, Bohnen, Schlußnuß. bie Hempel und Maria 3oogin, ober wen man sich immer wünschen mag. 3hre Stimmen leben fort und sind unsterblich gemacht burch die Schallplatte und Sprechmaschine. Beide sinb im Leben der deutschen Familie gerade in letzter Zeit ein bedeutender Faktor geworden. Man ist überrascht, mit welch vollendeter Olaturtreue Die Stimmen Der Sänger, Die Vielseitigkeit des Orchesters toiebetgegeben werden. Keine Feinheit gebt verloren, glockenrein entströmen in abgerun- beter Fülle und Klangfarbe die Töne dem 3n- ftrumente. Wirtschaft. Das erste Geschäftsjahr der selbständigen Neichspoft. Die Deutsche Reichspost veröffentlicht jetzt ihren Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1924. Die günstige Entwicklung des Verkehrs habe sich im großen und ganzen auch während des Berichtsjahres fortgesetzt. Die Deutsche Reichspost habe nach Einstellung des Personalabbaus nicht ausgehört, durch Vereinfachungsmaßnahmen aller Art die Zahl der Dienstposten nach Möglichkeit einzuschränken. Ferner seien Vorkehrungen getroffen worden, die zu einer fühlbaren Vereinfachung in Verwaltung und Betrieb geführt haben, wozu eine Verein,achung im Kassen- und Rechnungswesen, Ersparnis an Schreibwerk und Wegfall zahlreicher Vordrucke und Nachweisungen gehören. Schließlich sind auch im letzten Geschäftsjahr die mechanischen Einrichttingen wieder vermehrt worden. Namentlich hat der Betrieb^bei den Postscheckämtenr durch Einstellung von Schneidemaschinen, Druckpressen, Heftmaschinen, Durchleuchtungstischen, elektrisch betriebenen Bohrern u. dgl. eine zeitgemäße Verbesserung erfahren. Hinsichtlich der übrigen Betriebszweige sind noch erwähnenswert die Nutzbarbequem zu machen. Alle anderen Kinder und, ich muh sagen, ich auch, hätten an einen schlechten Scherz geglaubt. Otto unb Liesel Dagegen begannen infolge Der Zauberei, Die Der Pelzmärtel hinter ihrem Rücken vornahm, kleiner und kleiner zu toerDen, ohne es zu merken. unD mit ihnen schrumpfte Das Zimmer ein, schrumpften Die Möbel, Betten. Teller unD Töpfe ein. Schrumpfte Das Fenster ein, Das Dach und ganz Oiürnberg, das weiß und schläfrig aus der Dämmerung des kalten Weibnachtsmorgens durch Die Scheiben schimmerte: bis schließlich nur noch zwei winzige KinDerchen Da Haren in einem winzigen Häuschen eines winzigen StäDtchens. Das einzige, was nicht einschrwnpfte, war Die Ruß. Mit ihren zwei offenen Schalen, aus Denen Der Kern hcrausgenommen war, nahm sie fast das ganze Fenster ein. Die war ganz mit feinem Storchenslaum ausgepolstert, eine wahre Königsequipage. Otto und Liesel stiegen ein, nicht ohne vorher eine Unmenge Gepäck hineinverstaut zu haben. Bloß ein Körbchen mit etwas zu essen Dann, nein, das war es nicht. Es war die halbe Wrhnung. Zuerst wollten sie nur Die alte Stoffpuppe unD Das lahme Pferdchen, die Schulbücher, Die Hefte, Die Federn unD ein Tintenfaß mitnehmen, a3er beim Koffer- Packen erschienen ihnen immer mehr Sachen als unentbehrlich. Va er muhte doch seine Pantoffeln haben und seine Schlafmühe. Man brauchte ein Mesferchen, um Olepsel zu schälen, eine 'Därmeflasche, einen Trinlöschet, ein Cimerchen, und überhaupt alle Taschentücher und Stiefel, Die Da waren. Bei einer Winterreife, überlegten sie, war Das Wichtigste, so oft wie nötig sich Die Olafe putzen und Die Schuhe wechseln zu können, Denn man toürDe Doch nasse Führ kriegen. Dem Vater seine Strümpfe unD Taschentücher Dürfen wir auch nicht vergessen, sagte sich ßiefel als vorsorgliche Hausfrau. So kam es, Dah ein wahrer Berg von allerhand Zeug sich auftürmte, als es ans Aufladen ging. Da galt es zwei- unD Dreunal urnzulaDen, bts alles in Der einen Ruh'chale Platz gefunden hatte, wahrend Otto und Liefet sich mit der anderen zufriedengaben, wo es zwar ein bißchen eng, aber um so wärmer unD molliger war. Als sie schon DaS OlbsahrtS- zeichen geben wollten, dachten sie an Die Gevatterin Cornelia unD schrieben ihr noch schnell einen schönen Abschiedsbrief, in Dem sie ausführlich von Der wichtigen Reise erzählten, Di« machung weiterer maschinenmäßiger Beförderungtanlagen im Postbetrieb, die vermehrte Verwendung von Zählkaflcn bei den Paketannahmestellen, die Wiederaufstellung zahlreicher Postwertzeichengeber, die Einführung selbsttätiger Ladeschalter für Sammlerladestellen im elektrischen Postkraftwagenbetrieb usw. Dem Geschäftbericht find lunfangreiche Stasi- ftiten über den Brief-, Paket- und Wertoerkehr. Postanweisungs. Postaustrags-. Postnachnahmeverkehr- und Zeitungsoerkehr beigegeben. In dem Wirtschaiksjahr vom 1. April 1924 bis 31. März 1925 find innerhalb des Deutschen Reiches insgesamt 3937,8 Millionen Briefe, aus dem Auslande nach dem Deutschen Reich 191,5 Millionen Briefe, nach dem Ausland aus dem Detttschen Reich 1256,6 Millionen Briefe befördert worden, was gegen 1923 eine Ztrnahme von 1170 Millionen bedeutet. Auch dtc Zahlen des Paketoerkehrs weisen eine erhebliche Steigerung auf. Die Zahl der durch die Post insgesamt beförderten Zeitungsnummern ist von 1931,1 Millionen im Jahre 1923 auf 1992,4 Tiit« lionen im Jahre 1924, mithin um 3,2 Proz. gestiegen. Im Postscheckverkehr wurden im Berichtsjahr 78 501,3 Millionen Mark gegen 44 092,8 Mill. 1914 umgesetzt. Ferner wurden im Jahre 1924 45,6 Millionen Telegramme befördert, was eine Abnahme gegen das Vorjahr um 23,1 Prozent beträgt. Im Funkverkehr wurden im ganzen 915 400 Telegramme befördert. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer Ende März 1925 betrug rund 800 000. Einen besonderen Abschnitt widmet der Geschäftsbericht dem Personalwesen, in dem die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Angestellten und der Bcapiten dargelegt werden. Einem veranschlagten Ueberschuh von 25,2 Mill. Rm. gegenüber wird bei 1654 Mill. Rm. Gesamteinnahmen unb 1585,2 Mill. Rm. Gesamtausgaben ein Ueberschuß von 68,8 Million en Rm. ausgewiesen. * Bamag-Meguin A. G.. Berlin. In der o. H. V. wurde der bekannte Abschluß genehmigt. Der Reingewinn von 30 309 Rm. wird auf neue Rechnung vorgetragen. Nach den Ausführungen, die Generaldirektor P e i s e r in der Versammlung machte, sind die wirtschaftlichen Berhält- nisfe bei der Gesellschaft etwas schwieriger geworden. Insbesondere sei die Geschäftslage bei den westdeutschen Werken ungünstig. Der Auftragseingang aus dem westfälischen Bergbau, der für den Absatz der Gcsellschast von erheblicher Bedeutung ist. hat infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Steinkohlenbergbaues in letzter Zeit ganz erheblich nachgelassen. In den Gebieten westlich des Rheins sei die Geschäftslage bei weitem günstiger. Bei der Dessauer Abteilung sei die Verminderung der Geschäftstätigkeit nicht stärker als sonst im Herbst und Winter. In der Abteilung für Gas- unb Wasserwerke schweben bedeutende Projekte und liege ein großer Auftragsbestand vor. Schwierig' feiten bei Der Durchführung der Projekte maajt aber die finanzielle Notlage vieler Gemeinden, ebenso die allgemeine Kreditknappheit, von der besonders die Gemeinden betroffen werden. Da Die Anlagen der Gesellschaft bei den Gemeinden jedoch als produktiv zu bezeichnen sind und vielfach schon in wenigen Jahren amortisiert werden, hoftt die Gesellschaft, daß die Regierung auf diese besonderen Verhältnisse entsprechend Rücksicht nimmt Besonders zu erwähnen ist die ständige Besierung im Auslandgeschäst, vor allem auf dem Gebiete der chemischen Industrie. Die hier vorliegenden Projekte sind außerordentlich groß: inwieweit sie tn diesem Jahre au verwirklichen sind, kann im Äugen- blick noch nicht gesagt werden. * Hansa-Llovd-Werke M. G. m vre« men. Zur Geschäftslage der Gesellschaft wird mit- geteilt, dah genügend Aufträge für den ßofttraft- wagenbau vorliegen. Allerdings ist die Lage der Personenwagenfaorikation infolge Mangels an Auftrag so wenig befriedigend, daß für das Geschäfts,ahr 1924/25 die Verteilung einer Dividende kaum in Frage kommen wird. "Phönix A. (9. für Bergbau unb i^üh tenbetrieb-Trust Maatfchappij. Wie der bei Husten, Heiserkeit, Katarrh sie jetzt unternehmen wollten. Das Briefpapier aber war ein Blatt, unD so winzig. Daß Gevatterin Cornelia, als sie es in Der wieder groß getoorDenen Wohnung sank), mit Dem Staublappen wegwischte, gerade so wie man von Der Fensterscheibe ein Mückenflügelchen wegwischt. O Gevatterin Cornelia, wenn Du gewußt hättest--! Die KinDer batten inzwischen ibre abenteuerliche Reise begonnen. Die Abfahrt war ohne Zwischenfall verlaufen. Aus Das Kommando des Zugführers „Fertig!" tat eS einen Schnapp, und bie Ruß war zu. Krachaus, Der bis zu Die'em Augenblick in Dem weichen Storchengefieder geschlafen hatte, sprang vor und packte sie mit Den Zähnen. Aus ein zweites KommanDo „Fertig!". Das Diesmal vom Pelz- märiel kam, erhoben sich Luginsland, Bringglück unb Wiesenstelz zu majestätischem Flug. Ihre großen gewölbten Schwingen Durchschnitten Die Luft mit sicherem und regelmäßigem Schlag. Hinter ihnen schloß sich DaS Fenster von selbst. auS Der winzigen AbslugShalle tourDe wieder Die einsame Wohnung Peter Tands. Als ob sie Den KinDern zunächst einmal Nürnberg aus Der Vogelschau zeigen wollten, waren Die Störche zu großer Höhe empor- gestiegen. Durch ein Fensterchen, Das in Die RußwanD eingebaut war. konnten die kleinen Reisenden Die weite, weite schneebedeckte Ebene überblicken, aus Der sich auf einem einsamen Felsen Die alte Burg erhob und etwas spöttisch auf Die in Aufregung befindliche Stadt herabschaute. Zu Den steinernen Wächtern gewandt, den spitzen Giebeldächern. Den Dicken Festungs- unD Den schlanken Glockentürmen, tagte-Die Burg über Dem unterirdischen Gang, wo die Spielsachen versammelt waren: „Schau einer an. Du schläfst, altes Nürnbergs Törichtes Rürnberg, faules Nürnberg! Siehst Du nicht, was am Himmel vorgeht? Sie ziehen fort! Sie machen sich auf und davon, Die Spielsachen, Die besten Freunde der Kinder! Warum rufst du sie nicht, warum hülst du sie nicht Mirüd? Zu was hast du Denn eigentlich deine Wachttürme. wenn du nicht einmal solche Ausreißer aufzuhalten verstehst? Begreftst du denn nicht, was das heißt, denkst du Denn nicht an Dai Rachher? He, und dann? Lnd daun, und Dann, und Dann —T (Fortsetzung felgt) i Tel. 240 auch nachts PnZOlDOULHORH rung ionft bri b( teten Drr hopl rotoriu Stanbp Ser fo, föflft ( liatöen, 2ahre 32 Mi! Be ha taub e handel- ein Jja des hem mtr Sir Sinsuhrl ein einb die Ut iibem Rach eil ' eine E burd)i wird, d voraus^ trägt. ' tzchen durch ( lidjen in Ein dukti Lorrn, eine & 3C. Landtag Halts; QÜk Minister das bei wend Steiir 'ein ft »och dx "bring, Here Lö dirffcha 'Melle . Abx dem 9, •Beifall M erre k daß >er » t ^rden pen fei die °Uch fr Viel frj stehend tnufie a»s bä Ab «art, । Putzer Werden, »en 2? Seiten i ,r Ffe ?C(fUr äffe Cßi t^riu fach» Hotel tretet Mpe Prelle minist niy, dl fchen: oatooz über spar« tikifche schwelle Äachkri lchaster lastung Prelle teil ost ten au lande deöhal igen dagegen mir gering. Stabil lagen die amerikanischen Freigabe- Frankfurter Börse. Frankfurt a. M. 10. Dez. Berliner Börse. änberuip weiter i^ahres beurlaubt worden. Mich einer Mitteilung -der Direltion des Werkes handelt es sich um Leute, die bisher schon wechselweise von 14 Tagen zu 14 Tagen beurlaubt waren. Aach der Wiedereinstellung der Arbeiter, die auf Grund einer Vereinbarung zwischen der Direktion und dem Arbeiter rat beurlaubt wurden, soll «tn anderer TurnuS Platz greifen. DSrsevkurse. werte und einige ausländische Renten. 3m übrigen waren die Abschlüsse an den Kali- märtten vielfach so gering, baß für eine Reihe von Werten keine Aotiz zuslandekommen konnte. Zu einer Tendenzbildung oder zu nennenswerten Kursveräirderungen kam es somit an den Rebenmärkten nicht. 3m Devisenverkehr lag Paris gegen London eine Kleinigkeit gebessert. Warschau notierte gegen Kabel 9,50. Die deutsche Reichsmark notierte in London 20,36, Amsterdam 59,25, Zürich 123.471 /,. Am Geldmarkt war die Lage weiter flüssig, Tagesgeld ist weiter reichlich angeboten. Die Sätze sind unverändert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung (Eigener Drahtbericht des „Giehener Anzeiger»".) Berlin, 10. Dez. 3m Mittelpunkt des Börsenverkehrs stand heute wiederum der Schiffahrtsmarkt, der mit einer hausse- artigen Bewegung das amtliche Börsengeschäft eröffnete. Die Kurse der Schiffahrtswerte lagen schon vormittags recht fest und zogen bei Beginn der Börse durchweg weiter prozentweise an. Die Spekulation wendet ihr Hauptinteresse immer mehr dem Schiftahrtsmarkte zu und vernachlässigt dabei alle übrigen Gebiete, die mangels anderer Interessenten völlig geschastslos lagen. Man rechnet bekanntlich mit weiteren ■Umgruppierungen im deutschen Reede- retgewerbe, obwohl die Derwaltung der Hapag dies vorläufig noch abstreitet. Kali- aktien lagen im Hinblick auf den Erfolg der Deutschen Kalianleihe ebenfalls recht fest. Anr unnotierten Kalimarkte waren die Kursverbot heute fast das gleiche Bild wie gestern. Der Markt war wieder vollständig beherrscht von der lebhaften Kauf - und Auswärtsbewegung der Schiffahrtsaktien, für die weiterhin beste Meinung bestand. Rordd. Lloyd und Hapag hatten erneut größere Gewinne Banknoten. ____ Tendenz: Schiffahrtswerte fest, sonst still. — Die Börse DHD. von Verwaltungsseite erfährt, entspricht die ron der „Köln. Ztg." gebrachte Version über einfachen Austausch der Trust Maatschappij-Aktien, die sich im Besitze der Phönix 21. G. befinden, gegen die 95 Mill. nm. der Trust Maatschappij gehörenden Phönixaklien ohne größeren Kostenaufwand nicht den Tatsachen. Da die Phönix 21. G. nicht gewillt ist, ihren Besitz an Trust Maatschappij-Aktien autzu- geben, schon weil sich die Achtziowrozent-Majorltät der Vereinigten van der Zypen-Wissen im Porte- feuille der Trust Maatschappij befinden, es ist notwendig, die 95 Mill. Phönix-Aktien von der Trust Maatschappij durch effektiven Kauf regelrecht zurückzuerwerben, wozu größere Mittel aufgewendet narben müssen. * Hannoversche Maschinenbau A.-G. norm. Georg Egestorfs lHunomag). Der 2lbfd)luß der „Hanomag" für 1924/25 weist nach Abschreibungen in Höhe von 1,1 Mill. Rm. einen Gewinn von 182 901 Rm. auf. Die 6 Proz. Zwangsdividende auf die Vorzugsaktien erfordern 27 996 Rm. Der Rest von 154 905 Rm. wird auf neue Rechnung vorgetragen. Wie mitgeteilt wird, sind die im verflossenen Geschäftsjahr zwecks Ein- fiihnmg des Serienbaues (Motorschlepper und Kleinautos) gemachten Neuaufwendungen im Betrage von ungefähr 31 Mill. Rm. durch einen auf mehrere Jahre festgelegten Auslandkredit finanziert worden. Der normale Jnlandbankkredit sei nur ganz mäßig in Anspruch genommen. Das Werk ist fast ganz unbelastet. Der Umsatz im verflogenen Geschäftsjahr betrug 28 Mill. Rm., in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres belief er sich auf 14 Mill. Rm. • Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf. Bei Rheinmetall in Düsseldorf sind die Umstellungsarbeiten auf Grund des neuen technischen und finanziellen Sanierungsprogramms bereits im Gange. Die nach dem Kriege aufgenommenen verschiedenen Fabrikationszweige für die Herstellung von Friebensrnaterial werden größtenteils sofort ■aufgegeben bzw. zu langsamer Abwicklung gebracht. Das Unternehmen wirb künftighin nur noch die Fabrikation von Geschützen, Röhren und ähnlichen Erzeugnissen unb daneben bas Walzwerk in Rath betreiben. Die finanzielle Reorganisation in der bekannten Form ist gesichert. Die neuen 6-Millionen- Rm.-Aktien werden nicht durch die deutschen Großaktionäre, sondern in der Hauptsache durch holländisches Kapital aufgebracht werden. * D i e Kalianleihe in London stark Überzeichnet. Die Kalianleihe ist, wie der Vertreter der „Telegraphen-Tlnion" von gut unterrichteter Seite hört, in London kaum nachdem sie aufgelegt worden war, schon stark überzeichnet worden. Die Listen wurden demzufolge sofort wieder geschlossen. Man sieht in diesem Erfolg ein günstiges Zeichen für die englische Beurteilung der deutschen Kreditwürdigkeit. • Stillegung in Duisburg. Das Werk 3 in Duisburg-Hochfeld der Rheinischen Stahlwerke ist wegen Auftragsmangel stillgelegt worden. Die Stillegung geht vorläufig bis zum 4. 3anuar. Dann soll der Betrieb beschränkt wieder ausgenommen werden, doch hängt auch Dies noch von der Entwicklung der nächsten Wochen, vor allen Dingen aber von den Auftragseingängen ab. Alle Arbeiter des Werkes, von denen einem großen Teile schon am 1. Dezember zum 14. Dezember gekündigt worden war, wurden bis zum 4. 3anuar vorläufig beurlaubt und der Srwerbslosenfürsorge überwiesen. 3n dem Werke werden jetzt nur noch Reparaturarbeiten au-geführt. • Betriebseinschränkungeu bei Üanz. Del der Firma Heinrich Lanz in Mann- t heim sind etwa 1000 Mann bis zum 4. 3an. k. zu verzeichnen. Die amerikanische» 5rtle gabewerte folgten dieser Bewegung nur zögernd. Baltimore stellten sich auf 82 Prozent» Canada auf 48 Prozent. Die feste Haltung bei Schiffahrtsmärkte beeinflußte zwar auch die an* deren Märkte, im allgemeinen aber nur in gc* tingem Umfange. Das Geschäft verlief hier ziemlich ruhig bei geringer Kaufneigung. Ein« Ausnahme bildeten noch K a l i w e r t e, di- scharfe Steigerungen zu verzeichnen hatten. Westeregeln plus 2,5 Prozent, Rordd. Lloyd plus 2 Prozent. Montan werte waren überwiegend freundlich gestimmt, wahrend Chemiewerte ziemlich vernachlässigt blieben. Vielfach hörte man, daß Chemiewerte gegen Schiffahrtsaktien umgetauscht wurden. Auch am Elektro- und Banken- markt kam es zunächst zu keinen nennenswerten älmsähen. Gut gehalten blieben Zellstoff- Aktien, während Motorenwerke abbröckelten. Zuckeraktien lagen nicht einheitlich. Deutsche Anleihen verkehrten ohne jedes 3nteresse. Der ausländische Renten markt war ziemlich lebhaft, die Kurse hielten sich aus dem gestrigen Stande. 2m Freiverkeh-r-hielt sich das Geschäft in kleinstem Rahmen bei unveränderten Kursen. Api 0,38, Benz 23,5 Prozent, Drown-Boveri 53 Prozent, Entreprise 8 Prozent, Growag 35 Prozent, Krügers')all 60,5 Prozent, Ufa 44,25 Prozent, Unterfranken 50,50 Prozent. 3m weiteren Verlause erlahmte das 3nteresse auf den meisten Märkten. Schiffahrtswerte unterlagen Schwankungen und mußten sich infolge geringen Angebotes leichte Abschwächungen gefallen lassen. Auf den anderen Märkten bewirkte Angebot eine allgemeine Senkung des Kursniveaus. Am Geldmarkt hält die Flüssigkeit an. Tagesgeld ist weiter in großen Posten angeboten und bei 7,5 Prozent leicht erhältlich. Monatsgeld stellt sich für erste Adressen auf 9,5 Prozent. 3ndustrie-Accepte 9 Prozent, Bankdiskont 7 Prozent. 3m De - vi senverkehr hatte Paris eine leichte Erholung gegen London auf 128,05 zu verzeichnen. Die übrigen Valuten sind unverändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 26 bü8 26,25, Roggen, inländ. 18,25 bis 18,50, Sommergerste für Brau-wecke 24 bis 26,50, Hafer, inländ. 18,75 bis 21, Mais, gelb 21 bis 21,25, Weizenm^l, inländ., Spezial 0 41,50 bis 42,75, RoggenmeA 27,75 bis 28,25, Weizenkleie 11,50 bis 11,75 Roggenkleie 11,50 bis 11,75. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtviehmartt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 10. Dez. Auftrieb: 2 Färsen unb Kühe, 802 Kälber, 775 Schafe, 260 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd, Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 65 bis 72, mittlere Mast- und beste Saugkälber 55 bis 64, geringere Mast- und gute Saugkälber 45 bis 54, geringe Saugkälber 36 bis 42. Scha f e: Mastlämmer und Masthämmel 40 bis 45, geringere Masthämmel und Schafe 32 bis 38, mäßig genährte Hümmel unb Schafe (Merzschafe) 23 bis 30. Schweine: Dollfl. von 80 bis 100 Kg. 86 bis 88, unter 80 Kg. 82 bis 85, von 100 bis 120 Kg. und von 120 bis 150 Kg. 87 bis 89. Marktverkauf: Lebhafter Handel, geräumt. M An der SpOre stehen «lieereHÄ WmitdCT^nfteeßfedi wirtenden Zusatz Frankfurt a M. Berlin Schlug flur» 1-UDt. Aur» Schtuh. Silit» Anfang «turr. Datum: | 9. 12 10.12 9. 12. 10 12. 5% Deutsche Reich 4% Deutsche Reich SV,°.5> Deutsche Re 3% Deutsche Reich Deutsche Svarprätr 4% Preußische Jto 4°'o Hessen . . . 3'/,°/o Hessen . . . 3% Hessen .... Deutsche Wertb. 2 dto-Doll-Schatz-A 4% Zolltürkcn. . 5°/o Goldmerikaner Berliner Handelst Commerz- und Pr Darmst. und Nati Deutsche Bank. . Deutsche BereinSln Tisconto Commar Metallbank. . . Mitteldeutsche Tre Teste rreichtsche Crc Westbank Bochumer (9a6 . BuderuS.... Taro ...... Deutsch-Luxemburt Gelsenkirchener Be Harpener Bergbau Kaliwerke AscherSl Kaliwerk Westereg 2aurahüttr.... Oberbedars.... Pbönir Bergbau Rbeinslahl .... Rrebeck Montan. Tellns Bergbau. Hamburg-Amerika Norddeutscher Slot Cheramtsche Werke Zementwerk Heide Philipp Holzmann Änglo-Tont-Tuan Badische Anilin • Rheinische Mayer Goldschmidt . Gries: eimer Elccti Höchster Farbwerk Holzverkohlung . RütgerSwerkc - . Scheideanstalt . Llllg. Elektrizitäts- Bergmann . . Matnkraftwerke . Schuckert Siemens >25 : 12,75 - 70 88.5* ".4 0,03 29 I 96 99,75 26 61,75* 88* 95 j* 50,75 40.62 — 107,1* — 64,25 107.9* L6 7* 40 73 92* 22 84 51 79?5 42 36,75 0.185 0 1925 0 1976 0 2J 0 1025 0.18 0.185 91 75 97 9 7,9 137,7* 93 5* 103.7* 104,5* 103,5* 88.75* 0,5 60* 29 34 75* 57.62* 63.5* 93.25* 95.25 ''8 25 25.5 38.5* 60.75* 47,02* 62 81.75* 90,4* 41 61.25 107,7* 55.25 106,9* 107,1* 47 82* 56* 70* 22 5 20.62 2H.75 33 5 S1 20,5 * ro m 8S $ Ü 5 S8S Ä 8 £8iS- in in i 11 «s5? i i »i i i i i 111 i xi i i i s 9 Dezbr. 10. Dez r. Amtliche Roti rung Amtliche Notierung Geld Dries Geld i Brief Amst-Roti 168.54 168,96 168,61 168.93 Buen.-AirrL 1.738 1,742 19,05 1.740 1.714 Brss.AMW 19,01 19 dl 19,05 Christiania. 85.10 85,41 85,44 85.66 Kopenhagen 104,5/ 104,83 104,7, 105,03 Stockholm . 112.24 112,52 112,24 112,62 Helstngfor? 10.545 10,585 10.545 10.585 Ätalien. . 16,88 16.92 16.88 16.92 London. . 20,339 20,389 20,345 20.315 Rruyork . . 4,195 4,2)5 4,195 4,20> Paris. . . 15,76 15,80 15.865 15.905 Schweiz . . 80,85 81,05 80 85 81.05 Spanien . 59,73 59.87 . 59.73 69,87 Japan . . . Rio de Jan Wien tn D-- 1,803 1.807 1,798 1,802 0.587 1.589 0 696 >.598 Ceft. abgest 59,12 69.26 59.12 69,25 Prag .... 12,418 12.458 12,418 12,45' Belgrad . . 7,43 7,45 7,44 7,46 Budapest. . 5,87 6,89 5.87 6.89 Bulgarien 3,055 1.065 3,0 5 3,065 Lissabon 21.245 1,325 21,275 21,326 Danzig. . . Konstantin. 80.62 80.82 80 63 80.83 .'.215 2,225 2,215 2,225 Athen. . 5 54 5.66 5 54 5-56 Canada. . . 4.195 1,205 4 195 4,2 5 Uruguay 4.235 4,245 4,235 4,245 Berlin, 9 Dezbr Geld Bries Amerikanische Rote« ..... 1,217 4.237 Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... 18,96 104.31 19,06 104,83 Englische Noten. ....... 20,812 20,412 Französtsche Note« ...... 15,76 15 81 Holländische Noten...... 168,15 168.99 Italienische Noten ...... 16.86 16,94 Norwegische Noten...... 84,94 85 33 Deutsch ^estcrr-, ä 100 Kronen 58.95 69,25 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... 111,97 112,5? Schweizer Noten . ...... 80,72 81,22 Spanische Noten ....... 59,50 59,S(i Tschechoslowakische Noten . . 12,38 12.44 Ungarische Noten ... 5.82 5.86 15% Rabatt gewähre bis Weihnachten für meine erstklassigen WIM-Mmm Benutzen Sie diese sehr günstige Kaufgelegenheit! UMMM.SW Sellersweg 79 new [Heilte? prüfung 1926. 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