Dienstag, 10. November 1025 Nr. 264 Erstes Blatt oo 115. Jahrgang metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drutf und Verlag: vrühl'fche Univerfiläts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monat$«Bejug$pteU: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Stanffnrtam Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Togesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20’,., mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wich. Lange, für den übrigen Teil Ernst Blumschein,- für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Der Kampf um die Rückwirkungen. Die vergangene Woche hat die Auseinandersetzungen um die innerpolitische Basis des Locarnovertrags bei uns zum Abschluß gebracht. Sie hat die Gefahr beseitigt, daß aus der Opposition heraus zur höheren Ehre parteipolitischer Ziele eine Krise inszeniert wurde, die mit dem Kabinett auch die Führer der deutschen Delegation in Locarno verschlang und uns dadurch den Verhandlungspartner nahm, der überhaupt die diplomatische Unterhaltung um die Rückwirkungen mit Poris und London aufnehmen konnte. Für die Dauer des Kabinetts Luther ist damit allerdings noch gar nichts gesagt, die Reaterung kann über jeden Strohhalm stolpern, aber ihr Bestand ist doch wenigstens so lange gesichert, bis sich die außenpolitische Neugruppierung überl-ben läM. Und die kommende Wo ie bringt jetzt den E n d - kampf um die Rückwirkungen. Eigentlich müssen schon die allernächsten Tage die Entscheidung bringen, denn wenn nicht eine neue Krise in Frankreich einen Strich durch die Rechnung macht, hat Herr B r i a n d die Absicht, Mitte der Woche v o r der Kammer und vor dem Senat zu sprechen und hier in einem einheitlichen Bild klarzulegen, wie Frankreich sich den neuen europäischen Geist vorstellt, d. h. welcheZugeständnisse Frankreich uns im Westen machen will, um zu zeigen, da' es ihm ernst ist mit einer Aenderung seiner bisherigen Methoden. Auf deutscher Seite hat es an Vorstellungen nicht gefehlt, um der französischen '•Regierung begreiflich zu machen, daß ohne solche sehr weitgehenden Zugeständnisse eine Mehrheit für den Vertrag von Locarno im Reichstag nicht zu finden wäre. Was wir verlangen — gerade weil Briand demnächst sagen wird, was er geben will, ist es notwendig, das noch einmal herauszuarbeiten —, läßt sich in zwei Gruppen zusammensassen. Zunächst die Räumung der ersten Zone. Von unserer Seite ist immer betont worden, daß diese Räumung nicht mit dem Vertrag von Locarno irgendwie in Zusammenhang stände, sondern unabhängig davon zu erledigen sei, daß sie aber die erste Vorbedingung dafür ist, wenn wir an den guten Willen der Gegenseite glauben sollen. Niemand kann uns verübeln, wenn wir in der Beziehung sehr skeptisch sind: wir haben zu viele trübe Erfahrungen gemacht. Eigentlich doch bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Denn ähnliche Redewendungen, wie die von dem Geist von Locarno wurden auch nach der Londoner Konferenz schon laut: auch damals herrschte in Deutschland die Geneigtheit, an eine Kursänderung der Entente au glauben. Aber die erste Gelegenheit, die uns diesen Glauben bestätigen sollte, war die Jahreswende, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages die Räumung der ersten Zone hätte bringen sollen. Statt dessen wurde unter allerhand fadenscheinigen Vorwänden eine Gelegenheit geschaffen, die ohne jeden Nechtsboden die Verewigung der Besetzung bedeuten konnte. Wenn die Botschafterkonferenz und die Kontrollkommission, um das Gesicht zu wahren, jetzt noch einen Notenwechsel mit Deutschland führen, so wollen wir ihnen das nicht verdenken, wenn sie tatsächlich mit der Räumung ernst machen. Der Inhalt der Noten wird sorgfältig geheim gehalten, die Oef- fentlichkeit lappt also im Dunkeln darüber, welches Spiel eigentlich gespielt wird. Für diplomatische Taktik interessiert sie sich auch nicht allzu sehr, sie würde befriedigt sein, wenn sie die a k t e n m ä ß i g e Gewißheit hätte, daß die Räumung der ersten Zone am 1. Dez. beginnt und zum Jahreswechsel beendet ist. Allerdings mit der Einschränkung, daß wir dafür nicht einen Preis zahlen müssen, der auf organisatorischem oder disziplinärem Umwege die Grundlage des Minimums an Selbstschutz zerstört, das wir noch in unserer Reichswehr besitzen. Die andere Gruppe an Forderungen, die wir zu stellen haben, laßt sich auf die ganz einfache Formel bringen, daß künftighin auch d i e Bewohner des weiterhin noch besetzten Gebietes nicht als Objekt des Kriegsrechts. sondern wieder als freie Menschen sich fühlen. Dazu ist zunächst eine wesentliche Verminderung deö Be- satzungsheeres erforderlich. Es hat doch in Locarno einen starken Eindruck gemacht, als der Außenminister Dr. Stresemann den Herren der Entente vorwarf, daß sie den Kampf gegen uns immer geführt hätten unter der Parole, wir übersteigerten den Militarismus, daß sie aber trotzdem in dem besetzten Gebiet mehr als die doppelte Anzahl von Truppen haben, als das waffengerüstete Deutschland vor 1914, das damals doch Grenzwacht gegen Frankreich halten muhte. Beschränkten die Franzosen, einschl. der Engländer und Belgier ihre Heere auf das Mah dessen, was wir im Frieden dort stehen hatten, dann ist das immer noch reichlich, das mühten wir aber vor der Hand wohl noch tragen. Jedes Mehr ist dagegen der Beweis, daß auf ihrer Seite der Geist von Locarno nur als Lockmittel benutzt werden soll. Und ein anderes ist ebenso wichtig: Die Rheinlandkvmmission hat ihre eigene Polittk getrieben: sie hat die deutsche Staats« Hoheit so gut wie ausgeschaltet, sie hat das ganze Land mit einem Retz von Delegierten überzogen, die sich als Diktatoren fühlen, sie hat ihre eigene Gesetzgebung geschaffen, sie hat Bürgerfrecheit ebenso wie Pressefreiheit mit Füßen getreten. Zeigt sie durch die Tat, durch Abbau der Delegierten und durch Abbau der Ordonanzen, daß m i t d i e s e m S Y st e m k ü n f- tig Schluß gemacht werden soll, dann gibt auch sie damit den besten und einzig möglichen Beweis für die Ehrlichkeit ihres Willens zum Frieden. Chamberlain über Locarno. Das (Suildhallbankett. L o n d o n , 9. Rov. (WB.) Das heule abend in der Guildhall von dem neuen Lord-Mayor (dem Bürgermeister von London) gegebene Bankett fand unter den gewohnten Zeremonien statt. An dem Bankett nahmen teil die Botschafter und Gesandten der auswärtigen Mächte, darunter der deutsche Botschafter Dr. Sthamer, dem eine besonders warme Begrüßung zuteil wurde und dem der neue Lord-Mayor mit ganz besonderer Herzlichkeit und lange die Hand schüttelte. Außerdem waren anwesend die Mitglieder der Regierung, die Chefs der Land-, See- und Luftstreitkräfte und eine große, auserlesene Gesellschaft mit ihren Damen. Chamberlains Eintreffen war das Signal für laute Hochrufe von feiten aller Anwesenden, die sich erhoben hatten und ihm einen begeisterten Empfang bereiteten. Während des Banketts saß der deutsche Botschafter Dr. Sthamer zur Linken Cham- berlains. Bei der Zeremonie der Rundrei - chung deS Trinkpokals reichte der deutsche Botschafter Chamberlain den Pokal, der den Deckel hob und sich in gewohnter Weise verbeugte. während der deutsche Botschafter tränt Hierauf übergab Dr. Sthamer den Pokal nach altem Brauch an Chamberlain. Rach den üblichen Zeremonien und formellen Ansprachen brachte dann Chamberlain einen Trinkspruchausdieausländischen Botschafter und Gesandten aus. Er sagte: Ich bringe diesen Trinkspruch mit Vergnügen aus, denn es ist ein Trinkspruch des guten Einvernehmens und des Wohlwollens. Indem wir ihn ausbringen, drücken wir die gute Absicht unseres Volkes aus und den Wunsch, in freundschaftlichen Beziehungen mit allen Nationen zu leben, deren Gesandten bei unserem Volke vertreten sind. Ich glaube, wir können diesen Trinkspruch mit um so größerer Befriedigung ausbringen, weil wir derMnsicht sein dürfen, daß, seitdem er zur Zeit Ihres Vorgängers. Herr Lord Mayor, ausgebracht wurde, etwas getan worden ist, um dieses gute Einvernehmen und Wohlwollen zu s ö r d e r n. Ich hatte die Ehre, mein Land auf der Konferenz von Locarno zu ver» treten und zum erstenmal in der Oeffentlichkeit zu sprechen. Was mich so dankbar für die Aufnahme von Locarno bei meinen Landsleuten macht, ist, daß ich weiß, daß ich auf dieser Konferenz der Wortführer einer Nation und nicht nur einer Partei war, daß die Politik des Friedens und der Versöhnung, die ich dort verfolgt habe, Politik aller meiner Landsleute ist, und daß bei dem, was weiterhin getan werden muß, die Minister dieser oder jeder anderen Regierung eine nationale Unterstützung genießen werden, solange wir uns über unsere Ziele mit denselben freundschaftlichen Mitteln verständigen. Was von England gelt, gift, w'.e ich glaube, in seiner Weise von jebem anderen Lande, das in dieser historischen Versammlung vertreten war. Wenn das Ergebnis so schnell und so allgemein mit einem solchen Maß der Zustimmung ausgenommen wurde, so war dies der Fall, weil das, was dort geleistet wurde, einem bewußten Bedürfnis der ganzen Welt entsprach, und weil die Staatsmänner, die dort zusammen- kamen, nur die Wortführer der nationalen Gefühle ihrer eigenen Landsleute waren. Welche Schwierigkeiten — und es w i r d Schwierigkeiten geben — auch weiterhin auf unserem Wege liegen, ich vertraue zuversichtlich darauf, daß die Vereinbarungen von Locarno von jedem Lande, das dort vertreten war, ratifiziert wev- fcen; denn kein Staatsmann wagt es, die Verantwortung von der Geschichte zu übernehmen, von unseren Lippen den Decher der Hoffnung zu reißen, den Locarno geboten hat, und feine Ration wagt, die Last des Vergebens auf_ sich zu nehmen, die auf jeder Ration ruhen wurde, die der Welt ihr größtes Bedürfnis und ihre tiefste und stärkste Hoffnung vorenthält. Es sind nicht die Verträge von Locarno, die allein die Veränderungen bewirken werden, die wir erwarten. Es ist der Geist von Locarno, den die Welt braucht, und den sie hochhalten muh. Locarno war nicht das Ende, sondern e i n Beginn. Ich bin der Ansicht, daß jeder Vertreter, der dort anwesend war, das so ansieht, daß wir auf den neuen bei dieser Zusammenkunft geschlossenen Verträgen weiter arbeiten werden in dem neuen Geist des dort gewonnenen Wohlwollens, um wieder das Gefüge unserer Zivilisation äufzubauen und die Familie der Rationen neu zu errichten. Es klang geradezu dramatisch, als Chamberlain sich mit folgenden Worten an den Lordmayor wandte: „Mein Lordmahor, dank Ihrer Gastfreundschaft konnte ich heute abend aus Ihrem Liebesbecher dem deutschen Botschafter zutrinken. Mögen die andern Völker morgen tun, was er und ich heute getan haben!" Diese Wendung des Außenministers rief lauten Beifall hervor. „Bevor ich mich sehe," schloß Chamberlain, „will ich meinen Blick weiter richten und die Hoffnung ausdrücken, daß der gleiche freundliche Geist und gute Wille, bec unter den in Locarno vertretenen Mächten herrscht, auch unter den Mächten herrschen möge, die gegenwärtig im fernen Osten mit den Vertretern Chinas verhandeln. Möge aus dieser Konferenz eine neue Freundschaft zwischen dem Osten und dem Westen entspringen." Der Premierminister Baldwin gab bann einen allgemeinen Ueberblitf über die gegenwärtige politische Lage. Er erklärte, daß alle seine Kollegen mit Stolz auf den Außenminister und seine Erfolge in Locarno blickten. Die günstigen Ergebnisse der britischen Reichsausstellung hätten sich noch nicht recht auswirken können. Die Ausblicke auf die Entwicklung des Handelslebens seien für die nächste Zukunft äußerst hoffnungsvoll. Die ständige Abnahme der Arbeitslosigkeit tue das ihre zur Verbesserung dieser Aus- ichien. Während des letzten Jahres habe sich i n Indien eine wesentliche Besserung der Lage bemerkbar gemacht. Es käme heute vor allem darauf an, guten Willen durch Bezeugung guten Willens heroorzurufen. Sir Samuel Hoare, der Staatssekretär für Luftfahrtwesen, wies in seinem Funlspruch darauf hin, daß das Fliegen bisher der Welt wenig mehr gebracht habe als die Luft den furchtbarsten Formen der modernen Kriegführung zu eröffnen. Er habe aber die Hoffnung, daß mit dem neuen Abkommen von Locarno über Europa neue atmosphärische Bedingungen sch ausbreiten mögen, die die Wolken des Krieges verdrängt und einen heiteren und klaren Himmel erscheinen lassen würden, so daß das Luftfahrwesen zum Segen für die Menschheit werde. Der erste Seelorb, Earl Beatth, erklärte in seiner Antwort auf den Trinkspruch auf d'e Flotte u. a., man brauche in der Gesch-chte nicht weit nachzuforschen, um zu erkennen, daß es auch nach allen großen englischen Siegen Gefahren gegeben habe. Es sei daher gut, sich an die Tatsachen zu erinnern, die den Bestand einer angesehenen britischen Flotte heute fordern. Die Flotte bestehe, um den Stieben der Welt zu erhalten und das britische Reich zu sichern. Die Ueber^eblung der englischen Besatzung Wiesbaden, 10. Roo. Die englische Offizierskommission, die die ersten Vorbereitungen für die Heberfieblung der britischen Truppen gemacht hat, hat die Stadt wieder verlassen. Anfang dieser Woche wird die englische Eisenbahn- unterkommissivn bei der Reichsbahndirektion in Mainz ihre Tätigkeit aufnehmen. Der älnterkvmmission obliegt die Vorbereitung zur Durchführung bet Verlegung der englischen Truppenverbände. Amerika und Locarno. Erklärungen des Reichstagspräsidenten Löbe. Hamburg, 9. Rov. (LU.) Während eines kurzen Ausentha'tes auf dem Hamburger Hauptbahnhof hat der Reichstagspräsident Löbe auf die Frage eines Mitarbeiters des „Hamburger Fremdenblattes" erklärt, bah man in Amerika den Pakt von Locarno als den Sieg den wirtschaftlichen Vernunft und den Beginn der europäischen Kreditwürdigkeit betrachte. Auf die Frage, wie die diplomatischen und wirtschaftlichen Kreise in Amerika auf die antiamerikanische Tendenz reagierten, die manche in das Locarno-Abkommen hinein'ecen, erwiderte Lobe, daß einsichtige Leute einen engen politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß von Europa keineswegs fürchteten. Im Gegenteil seien sie in ihrem, Europa gegenübet außerordentlich stark entwickelten Ueberlegenheits- gesühl der Ansicht, daß z. D. eine europäische Zollunion für sie eine vorteilhafte Erleichterung ihrer Geschäfte mit Europa in technischem Sinne bedeuten würde. Daß Europa gegenüber Amerika nicht zuletzt durch den Weltkrieg stark ins Hintertreffen geraten sei, sei die allgemeine Ueberzeugung der deutschen parlamentarischen Delegation, die sich bekanntlich aus Abgeordneten der Parteien der Deutschen Volkspartei bis zu den Sozialdemokraten zusammensetzt. Die deutsche Delegation habe von allen Delegationen der Interparlamentarischen Union den größten moralischen Erfolg erzielt. Das sei auch von dem deutschen Botschafter in Amerika, Frhrn. v. Malhan, anerkannt worden. Der Zusammentritt des Reichstages. Berlin, 9. Rov. (WB.) Der Reichstag s p r ä f i ö c n t Lobe hat sich entschlossen, den Aeltestenrat des Reichstages auf Donnerstag dieser Woche nachmittags 5 Uhr zu berufen, um über den Termin des Wiederzusammentrittes des Reichstages zu entscheiden. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, erscheint eine Berufung des Reichstage- vor dem 19. Rvvember, dem ursprünglich bei der Vertagung in Aussicht genommenen Termin, um deswillen nicht möglich, weil in den Tagen vorher die Parteitags des Zentrums und der Deutschnationalen stattfinden. Es kommt nunmehr in Frage, ob der Reichstag zum 19. Rovem- ber ober zum Montag, den 23. Rovember berufen werden soll. In den Kreisen der Regierung wird der 23. Rovember als Tagungsbeginn vorgezvgen, weil bis dahin alle Ma. terialien zur Beurteilung der zu entscheidenden Fragen vorliegen können, während einige Parteien den Zusammentritt schon am 19. Rovember wünschen. Als eiliger Dera« tungsfloff liegen zunächst der italienische und der russische Handelsvertrag dein ReickOtage vor. Reichstagspräsident Löbe wurde heute nachmittag 4 Uhr vom Reichskanzler empfangen. Er begab sich darauf zum Reichspräsidenten o. Hindenburg. Einem Journalisten erklärt« Löbe, die Annahme des Paktes könne auch ohne Reichstagsauflösung gesichert werden. Die Demokraten zu Locarno. Berlin, 9. Noo. (WTB.) Die Deutsch dcrno- Irakische Rcichstagsfraktion, die ihre Fraktionstatzung in Würzburg beendet hat, nahm nach ausführlicher Erörterung, die sich an ein Referat des Parteivorsitzenden, Reichsminister a. D. Koch, anschloß, einstimmig folgende Entschließung an: „Die Deutfd) nationale DolkSpartei hat die Außenpolitik ihres Kabinetts Luther, für deren Einleitung und Durchführung sie verantwortlich ist, iin entscheidenden Augenblick im Stiche gelassen und gefährdet, die Stellung der Relchsrcgierung geschwächt und damit auch innerpolitisch neue Wirrnisse heraufbeschworen. Die Demokratische Reichs- tagsfraktion hat im Januar s i ch einer Regierungsbildung mit den Deutschnatio- nalen widersetzt, weil sie schon damals der Ueberzeugung war, daß eine klare, den harten Staatsnotwendigkeiten entsprechende Außenpolitik mit der Deutschnationalen Volkspartei nicht zu fuhren ist. Die Entwicklung hat uns recht gegeben. Die Reichstagsfrattion der Deutfd)en Demokratischen Partei erklärt in voller Ucbereinftimmung mit der Stellungnahme des Parteivorsitzenden zu Locarno, daß sie 1. ihre Zustimmung zu dem Vertrag davon abhängig macht, daß die als „Rückwirkungen" in Aussicht gestellte (Entlaftung des besetzten Gebietes verwirklicht wird. 2. Die von Deutschland für das Zustandekommen des Vertrages gebrachten Opfer nur für gerechtfertigt hält unter dem Gesichtspunkt, daß der Vertrag die unerläßlichen neuen Grundlagen des e u r o p ä i sch en Friedens und damit der politischen und wirtschaftlichen Wiedererstarkung Europas zu schaffen bestimmt ist und Deutschland die Möglichkeit gibt, auf dem Boden internationaler Gleichberechtigung und neuen vertrauens in die deutsche Wirtschaft 7-llch an seiner Wiedererstarkung zu arbeiten. 3. Zur Weiterführung der Polittk von Locarno nur eine Regierungsbildung unterstützen wird, die eine konsequente und aufrichtige Außenpolitik im Geiste des Vertrages verbürgt." 8i ankreich und Elfatz-LoLhringen Paris, 9.Rov. (TLI.) Das sozialistische „Oeuvre" veröffentlicht einen Artikel übe. ? ie clsahlothrmgische Frage. Das Blatt verweist auf tu Befriedigung, die der Pakt von Locarno in Elsah-Lotl) ringen ausgelost hat. Wenn auch der formelle Verzicht Deutschlands auf diese beiden Provinzen darin zum Ausdruck komme, so sei die lebhafte Agitation nicht zu leugnen, die im Reiche für die Wiedergewinnung ober für eine Autonomie dieser Länder geführt wird. Man müffc annehmen, daß zirka 40 000 ehern. Elsaß-Lothringer in Deutschland daran arbeiten, diese beiden Provinzen Frankreich wiederzuentreißen. Jedoch wäre dieser Bewegung keine besondere Bedeutung beizumessen, wenn nicht im Lande selbst Strömungen vorhanden wären, die auf eine Loslösung der beiden Provinzen von Frankreich hinzielten, Diese Strömungen bestünden namentlich in klerikalen Kreisen, die merkwürdiger Weise mit den Kommunisten in ihren Bestrebungen vollkommen übereinstimmten. Die Kmnzknsis in Frankreich. Die Schwierigkeiten für das Kabinett Pain- Icdc können noch keineswegs als überwunden gelten, obwohl ihm die Kammer bei der Vertagung der Debatte über Syrien mit überwältigender Stimmenmehrheit das Vertrauen ausgesprochen hat. Reue Differenzen waren von vornherein bei der Einbringung des neuen Finanzplanes zu erwarten, da ja überhaupt die Sanierung der französischen Finanzen solange ein Ding der älnmöglichkeit bleiben muh, als sich eine Regierung nicht zu kategorischen Abstrichen bei allen Posten verstehen kann, die sich auf die imperialistische Polittk Frankreichs stützt. Die ungeheueren Ausgaben für die Aufrechterhaltung eines großen Heeres stehen in keinem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Lage des Landes. Painleve und Bonnet haben in aller Eile einen Sanierungsplan ausgearbeitet, der auch die volle Billigung des Kabinetts gefunden hat. ilm so weniger hat er die Kammerkommifsion befriedigt, die sich am Samstag mit dem Regierungsentwurf beschäftigt hat. Fast einstimmig wurde er von den Mitgliedern dieser Kommission als unbrauchbar und ungenügend bezeichnet, so daß, wenn kein anderer Ausweg gefunden wird, natürlich auch in der Kammer mit einer Annahme nicht au rechnen ist. Damit wäre aber das Schicksal des neuen Kabinetts besiegelt. Aus der Kritik, die an dem Entwurf geübt wurde, ging besonders hervor, daß einerseits die Sozialisten die ehemalige Abgabe von dem beweglichen und unbeweglichen Besitz für viel zu niedrig erachten und außerdem bemängeln, daß im Grunde genommen nur ein Aufschlag auf die (^nkommensteuer, nicht aber auf bie Kapitalsteuer geplant fei. Andererseits wurde von dem Vertreter der Dank von Frankreich darauf hingewiesen, daß das geplante Abkommen über die Erhöhung der Vorschüsse an den Staat die flüssigen Mittel der Dank erschöpfen. Die In- f l a t i o n wird also durch den Sanierungsplan nicht auf-gehalten. im Gegenteil, die Währung würde bei ferner Durchführung einen weiteren recht erheblichen Schritt in den Mgrund tun. Der Samötag abend und der Sonntag morgen waren mit der Einreichung von Gegenentwürfen aus gefüllt und in der Sonntagssitzung der Kommission mußte Painleve seinen Entwurf endgültig -urückziehen. Die Regierung hat es natürlich eilig, ein Finanzgeseh unter Dach und Fach zu bangen, und so hat sich Painleve entschlossen, schon zum Montag ein neues Projekt auszuarbÄ- tcn. Man konnte sich eigentlich denken, daß bei solcher Schnellarbeit nicht allzuviel herauskommen konnte, zumal es schließlich der Regierung ja auch mehr darauf ankommt, einen politischen Erfolg zu erzielen und eine neue Krise zu vermeiden. Aber auch mit seinen neuen Plänen Halle Painleve in der Finanzkommission kein Glück. Sie hat seinen Vorschlag, von allen französischen Bürgern über 21 (Zähren eine jährliche K op f st eu er von 20 Franken zu erheben, mit großer Stimmenmehrheit abgclehnt, allerdings auch den Antrag der Sozialisten auf eine Kapitalabgabe in Form einer Beteiligung des Staats an allen Bermögensquellen des Landes mit 15 gegen 15 Stimmen. Rach dieser Stellungnahme der Finanzkommission ist man in politischen Kreisen allgemein der Auffassung, daß Painleve in allernächster Zeit zurück- treten werde. Auch in den Wandelgängen der Kammer wurde Montagabend erneut lebhaft über den Rücktritt des Kabinetts gesprochen. „Paris Soir" weist darauf hin, daß Finanz- kommission und Regierung sich nach zweitägigen mühsamen Verhandlungen nur über das Prinzip der Amortisationskasse geeinigt haben. Es sei dies kein großer Erfolg, da dieser Vorschlag bereits in dem Projekt Eaillaux' enthalten gewesen sei. Eine Verständigung in der Frage der Inflation erscheine unmöglich. Das Blatt pflichtet Auriol bei, der der Führer der Gruppe ist, die die Inflation unter allen Umständen verwirft. Die aus* ländischen Devisen, sagt das Blatt, steigen unaufhörlich, und die Entwertung des Franken nehme in bedauerlicher Weise zu. Das Beispiel Deutschlands, das zur Inflation feine Zuflucht ergriff, zeige, daß Frankreich, wenn es sich demselben Vorgehen anschließe, der furchtbar st en Krise entgegengehe. Die Lage war seit fünf Jahren noch nie s o verzweifelt, wie im gegenwärtigen Augenblick. Neue Kämpfe in Damaskus. London, 9. Rav. CSU.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Damaskus haben die Aufständischen die Stadt wieder angegriffen. Sie versuchten, die französischen Ma- schinengewchrposten zu stürmen. Das Gefecht dauerte über eine Stunde. Der mohammedanischen Bevölkerung der Stadt bemächt^te sich große Erregung. Die christliche Bevölkerung begann unter Zurücklassung von Hab unb Gut zu fliehen. Tausende versuchten, den einzigen abfahrenden Zug zu sturmen, um sich einen Platz zu sichern. Zirka 25 000 Bewohner sollen Damaskus verlassen haben. 15 000 Flüchtlinge befinden sich in Beirut. Die „Chicago Tribüne" meldet weiter, daß die Franzosen mit zwei heute erwarteten Kavallerieregimentern einen neuen Angriff für morgen planen mit dem Ziel, die Hauptkräfte der Aufständischen einzukreisen. Die Ernennung de Iouvenels zum Oberkommissar Syriens hat überall große Befriedigung hervorgerufen. Trotz der erneuten Angriffe zeigte sich in Damaskus das Bestreben, das geschäftliche Leben wieder aufzunehmen. Der neue Vizekönig von Indien. An Stelle Lord Readings, dessen Amtszeit als Bizekvnig von Indien im April nächsten Jahres abläuft, ist der Landwirtschaftsminister E. F. L. W o o d. einziger Sohn und Erbe des Wiscount Halifax, zum Dicekönig ernannt worden. Die Entscheidung ist eine Ueberraschung, da andere Kandidaten im Vordergrund standen, in erster Linie Lord Birkenhead, der Staats- s^retär für Indien. Der „Manchester Guardian" meint etwas lebhaft, der Erstminister Baldwin sei wohl davon ausgegangen, daß, wie seinen eigenen, so auch den höchsten Außenposten im britischen Reich ehre Persönlichkeit von nur durchschnittlicher Begabung, begrenzter politischer Erfahrung und einer durch keinerlei Sachkenntnis getrübten Unbefangenheit ausfüllen könne. Die Times bemerkt dagegen, daß der Großvater des neuen Dizekönigs Staatssekretär für Indien gewesen sei und er selber als Hnter- staatssekretär im Kolonialamt eine Informationsreise nach Westindien gemacht habe; auch entspreche es einer englischen Gepflogenheit, gelegentlich auf neue Männer zurückzugreifen. In Indien herrscht augenblicklich verhältnismäßig Ruhe, doch ist die Lage nichts weniger als sicher. Die indischen Liberalen, die mit einer englischen Regierung gehen wollen, haben keinen Halt in den Massen und die Swara-- jisten, die noch im Banne der Ron-Cooperation stehen, haben nach dem Tode von C. R. D a s bisher keinen Führer gesunden, der ihn ersehen könnte. Der neue Vizekönig wird daher vermutlich die vielfach verwickelten Aufgaben, die das Riesenreich der englischen Regierungskunst stellt, ungefähr in dem gleichen Zustande vorsinüen, ' wie sein Amtsvorgänger. Italien. Mussolinis Kamps gegen die Linke. Rom, 9. Roo. (Agenzia Stesani.) In allen Kirchen Italiens wurden gestern aus Anlaß der Errettung Mussolinis Dankgottesdienste abgehalten. Verschiedene liberale Abgeordnete suchten um Einschreibng in d i e faszistische Partei nach, unter ihnen der frühere Minister Marquis C a p i t a n i, dessen Antrag genehmigt wurde. Einige Führer der V o l k s p ar t e i traten aus ihrer Partei aus und erhoben dagegen Einspruch, daß die Volkspartei das Attentat nicht stärker bedauerte. Unter ihnen befindet sich der Advokat M u r a t o r i vom Provinzialrat von Ferrarra. Der Nationalrat der italienischen Dolkspartei erklärt, daß der programmatische Gegensatz zwischen dem Faszismus und der Popolaripolitik nicht aus Gründen politischer Art, sondern aus dem Ursprung der Parte i s e l b st herrühre, und daß daher die Partei in ihrer oppositionellen Haltung weiter verbleiben werde. Die Popolari würden in die Kammer zurückkehren, um dort ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Die j Republikaner kehren nicht in die Kammer zurück. Heute nachmittag hat die Polizei die Direktionen des „A v a n t i" und der kommunistischen „U n i t a" in Mailand besetzt und Durchsuchungen, die allerdings erfolglos geblieben sein sollen, vorgenommen. Sodann wurden die Räumlichkeiten versiegelt. Den beiden Chefredakteuren wurde ein Präfekturdekret übergeben, das die Einstellung der beiden Blätter verfügt wegen des Kampfes gegen das faszistische Regime, weil die Blätter trotz wiederholter Verwarnungen auch nach dem Attentat ihre aufreizende Haltung nicht geändert hätten. Durch Dekret des Präfekten von Mailand sind die Arbeiterkammern von Mailand und Monza a u f g e l ö ft und dem Kommissar der Präfektur zur Verwaltung übergeben worden. In der Begründung dazu wird erklärt,^ daß die beiden Arbeiterkammern fast ausschließlich p o l i t i sch e n Zwecken dienten imd sich der aufwieglerischen Tätigkeit der aufgelösten Uni- tarisch-sozialistischen Partei angeschlossen hätten. Die Vernichtung der Deutschen Presse in Südtirol. Bozen, 9. Nov. (TTl.) Rachdem die Italiener den rücksichtslosen Ausrottungskrieg gegen die deutsche Presse in Südtirol geführt haben, wird jetzt angekündigt, daß demnächst ein deutschgeschriebenes Tageblatt herauskommen wird, das selbstverständlich i n f o f eß i ft i f dj e m Sinne gehalten fein soll. Um für die faschistische Gründung auch Abnehmer zu erhalten, haben sich also ihre Urheber zunächst einmal durch die Regierung jede deutsche Konkurrenz vom Hals zu schaffen gesucht. Herausgeber dieses neuen „deutschen" Mattes wird der berüchtigte Faschist Reri- L e o n a d i sein, der bisherige Inhaber der amtlichen Presseagentur Drennero. Die Faschisten künden an, daß sie für ihr neues Blatt einen ausgezeichneten Stab von reichsdeutschen Redakteuren erhalten würden (??). Um die deutsche Bevöllerung zu täuschen, sollen das Format, Titel und Ausmachung vollständig mit dem derzeitig behördlich eingestellten „Deutschen Landsmann" übereinstimmend gemacht werden. Eine Verschwörung gegen Das spanische Direktorium. Paris, 10. Rov. (TU.) Aach einem Telegramm des „Petit Parisien" aus Pau wird die Meldung von einer Verschwörung gegen das Direktorium bestätigt. Es stellt sich heraus, daß zahlreiche Offiziere der Garnison von Madrid verhaftet worden sind. Die Rachricht von der Verhaftung hat in Barcelona große Erregung hervorgerufen. General Lopec Ochoa reifte vor einigen Tagen aus Barcelona ab und wird feitdem vermißt. Es ist möglich, daß er zu den Verhafteten zählt. Der Reichspräsidentenbesuch in Darmstadt. Vorbereitungen zum Empfang Hindenburgs. Darmstadt, 9. Rov. In 'Darmstadt werden zur Zeit die Vorbereitungen für den Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg getroffen. Da der Reichspräsident Donnerstag abends 8.10 Uhr hier eintrifft, so wollten die hessischen Regimentsvereine sowie andere Verbände sich mit Fackeln an der Spalierbildung beteiligen. Zuerst verhielten sich die Behörden ablehnend, doch find sie erneut in die Prüfung des Wunsches eingetreten und werden morgen die Entscheidung bekannt geben. Für die Spalierbildung ist das Mitbringen von Spazierstöcken, Hakenkreuzen, Wehrwolfabzeichen, Sowjetsternen usw. untersagt. Das Abendessen im Hotel zur Traube, wo der Reichspräsident ab- steigt, wird im engsten Kreise stattfinden. Um 9.30 Uhr am Freitag wird der Reichspräsident von der Hess. Regierung im Staatsministerium empfangen werden, daran schließt sich eine Rundfahrt durch die Hauptstraßen der Stadt, die im Alten Palais endet, wo um 10.45 Uhr der große Empfang von Behörden und Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Presse stattfindet. Staatspräsident Ulrich, Landtagspräsident Adelung und der Oberbürgermeister von Darmstadt Dr. G l ä s - sing werden Ansprachen halten. Um 12.24 Uhr reift der Reichspräsident nach Frankfurt Weller. Der Reichspräsident zur Siedlungsfrage. EineBauernaborduungbeiHindeuburg Berlin, 10. Nov. (TU.) Der Reichspräsident empfing gestern eine Abordnung der Bauern- und Kleinbauernverbände, die von dem Hauptgeschäftsführer des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe, Lücke, und dem Vorstand des Schlesischen Bauernbundes, H i l t m a n n , geführt war. Die erschienenen Vertreter legten dem Reichspräsidenten die Notlage der existenz- losen Landwirte, der nachgeborenen Bauernsöhne, der verdrängten Pächter usw. dar, denen durch beschleunigte und großzügige Fortführung der landwirtschaftlichen Siedlung eine landwirtschaftliche Existenz gegeben werden müßte, und wiesen auf die wirtschaftliche und nationale Bedeutung dieser Ausgabe hin. Der Reichspräsident betonte in seiner Erwiderung, daß er von der Bedeutung des Siedlungswerks überzeugt sei und der Notlage der gesamten bäuerlichen Schichten volles Verständnis entgegenbringe. Ebenso hoffe er, daß die mit diesen Fragen befaßten Stellen im Reich und in den Landern, ferner die Landlieserungsverbände und die ländlichen Genossenschaften in gleicher Weise den Sieh- lungsausgaben persönliches Interesse und tatkräftige Förderung entgegenbrächten. Anderseits machte der Reichspräsident aber auch auf d i e schwierige finanzielle Lage des Reichs wie der Länder aufmerksam. Der Reichspräsident erklärt sich am Schluß der Aussprache bereit, dahin mitzuwirken, daß in Zusammenarbeit von Reich und Ländern und unter gerechtem Ausgleich der hier oft widerstrebenden Interessen das Werk der landwirtschaftlichen Siedlung nachdrücklich fortgesetzt werde. Bundestag des Reichsbundes der höheren Beamten. Köln, 9. Nov. (WB.) Bei den Verhandlungen des Bundestages des Reichsbundes der höheren Beamten bildete die Frage der Besoldung das Hauptthema. Präsident Spiegelthal undinsbe» * sondere Oberstudiendirektor Dr. Bolle wandten sich in ernsten Worten gegen die in der Regierung vertretene Beamtenpolitik. Dr. Bohlen sprach über die Frage der G l e i ch st e l l u n g der höheren Beamten in der Besoldung und beklagte die Bestrebungen, durch Zulagen usw. einzelne Gruppen herauszuheben. Er verlangt die gleiche auskömmliche Besoldung für alle Beamten mit gleicher Vorbildung. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurden diese Forderungen zusammengefaßt. Geheimrat Dr. v. Strempel trat aufs wärmste für die Weiterbildung der Beamtenschaft ein. PuLfchgerüchtecmsBayern Zur Zeit scheint es kein besseres Gesprächsthema als das eines unmittelbar bevorstehenden Putsches in Bayern zu geben. In der Tat, es mangelt gewissen Zeitungen an Sensationen: die Räumung Kölns macht keine Fortschritte. der bulgarisch-cwiechische Krieg ist wieder eingeschlafen, auch in Marokko und Syrien ist zur Zeit nichts los. Also richtet man sein Augenmerk auf die bayerischen Verhältnis se, die gerade deswegen in den Mittelpunkt der Erörterungen gerichtet werden können, weil der Jahrestag der Hitler-Revolution wieder einmal angebrochen ist. Lind was für interessante Sachen gibt's aus München und Tlmgegend zu berichten. TIeberall sind monarchistische "Verschwörungen im Gange, ja, die Verschwörer sind sogar schon bei der Regierung gewesen und haben angefragt, ob sie jetzt revoltieren konnten. Diese hat aber abgsswinkt, worauf der Tlmsturz um einiges zurückgestellt wurde. — Spaß beiseite: wer glaubt denn, daß Kronprinz Rupprecht von Bayern seine Berater zum Ministerpräsidenten schicken wird, um diesen auf Dinge, die sich angeblich im Verborgenen ab- spielen, aufmerksam zu machen? Wir haben doch wirklich andere Sorgen, als derartiges Geschwätz überängstlicher Republikaner ernst zu nehmen, zumal im Ausland hinter jeder monarchistischen Bewegung militärische Absichten gewittert werden. Gerade im gegenwärtigen Augenblick sollte man die Auftischung und Verbreitung eines der- arttgen Tlnsrnns unterlassen. Die Partellorrefpondenz der Bayrischen Volkspartei schreibt zu den Putschgerüchten: „Es ist wieder einmal ein bevorstehender monarchistischer Putsch an die Wand gemalt worden. Es müßte nicht Rovember fein. Daß das natürlich alles ein TI nsinn ist, das braucht nicht für die Leute in Bayern gesagt zu werden. So richtig es ist, daß ein großer Teil des bayrischen Dolles sich innerlich mit der neuen republikanischen Staatsform nicht abgefunden hat, so richtig ist auch, daß das bayerische Doll in seiner Gesamtheit nichts von gewaltsamen Derfassungsexperi menten wissen will, die nach der Tlebrrzeugung aller einsichtigen Patrioten zu einem vollkommenen Zusammen- druch der bayerischen Stellung und damit des Königsgedankens selbst führen müßten. Darüber herrscht auch bei allen Parteien, die für eine positive Behandlung des Derfassungsproblems überhaupt in Frage kommen, vollständige ileber- einffimmung.“ Aus aller Welt. Line (Eberf-Büffe im Heidelberger Rathaus. Auf Veranlassung des Stadtrats hat der in Stuttgart ansässige Bildhauer Kerzinger eine überlebensgroße Büste des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert in bayerischem Iuramarmor ausgeführt. Die Büste wird in der Treppenhalle des Rathauses zur Aufstellung gelangen. Uraufführungen im Frankfurter Schauspielhaus. Als nächste Uraufführungen im Schauspielhaus sind vorgesehen: Maughams Schauspiel „Rege n“, im Dezember Emil Bernhardts Drama „Die Jagd Gottes" und im Januar Zuck- mahers Lustspiel „Der fröhliche Weinberg", das soeben mit dem Kleistpreise ausgezeichnet wurde. Ferner sind in Dorbereitung als nächste Klafsikervorstellung Shakespeares bisher in Frankfurt ungespielter „S u r m“ und als Erstaufführung Lahusens Tanzspiel „Der Wald". Antergrundbahn Nürnberg—Fürth. In Nürnberg wird der Plan des Baurs einer Tlntergrund-Schnellbahn Nürnberg—Fürth- Zirndorf ernsthaft erwogen. Die Kosten, die sich auf 1 bis 1,5 Millionen Mark pro Kilometer berechnen würden, sollen durch kleine Anteilscheine aufgebracht werden. Schweres Eisenbahnunglück bei Aachen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Sonntag nachmittag im Ronheider Eisenbahntunnel im Aachener Wald. Als ein von Aachen kommender Schnellzug nach Herbesthal den Tunnel durchfuhr, traten die in dem Tunnel arbeitenden Rottenarbeiter statt in die Nische auf das Nebengleis. Durch den starken Qualm der Lokomotive gewahrten sie nicht, daß auf dem Nebengleis aus entgegengesetzter Dichtung ein Güterzug herankam. Von diesem wurden zwer Arbeiter getötet, einem Arbeiter wurden beide Deine abgefahren. Sein Befinden ist besorgniserregend. Ein verhängnisvolles Akropin-Rezept. Vor dem Schöffengericht tzharlottenburg wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen einen Apothekergehilsen verhandelt, der Atropinpillen in 60facher Stärke des Rezeptps verabfolgte, die bei dem Patienten Wahnsinnsanfälle hervorriefen. Das Gericht kam zu einem Freispruch, da nichr festgestellt werden konnte, welcher Apotheker- gehilfc die Pillen anfertigte, während der andere das Etikett ausschrieb. Der Vorsitzende legte in der Urteilsbegründung dem Apothekerstand nahe, die gebräuchliche Arbeitsteilung beim Rezepticren aus Sicherheitsgründen abzuschaffen. Schwere Bluttat. Der bei einer Frau Brandes in Gaarden bei Kiel möbliert wohnende Wilhelm Iohnk gab im Laufe eines Wortwechsels nach erfolgter Kündigung auf seine Wirtin und ihre Kinder mehrere Schüsse ab, wodurch eine zehnjährige Tochter getötet, Frau Brandes selbst, ihre 13jährige Tochter und ihr 22jähriger Sohn schwer verletzt wurden. Der Täter tötete sich darauf selbst durch einen Schuß in den Kopf. Ein Amokläufer. In Alexandria schoß ein geisteskranker Laienbruder auf zwei Priester der Franziskanerkirche und lief hierauf als Amokläufer durch die Straßen der Stadt. Er wurde schließlich gefangen genommen. Die beiden Priester wurden lebensgefährlich verletzt. Raubüberfall. Ein pensionierter Lehrer aus Sangen- schied a. d. Lahn wurde abends gegen 11 Tlhr aus einer Koblenzer Wirtschaft von zwei Frauenspersonen nach einem dunklen Platze gelockt. Dort sprang ein Genosse der beiden Frauenzimmer, der vorausgeellt war, aus einem Gebüsch, schlug den Lehrer nieder und b e- raubte ihn seiner Barschaft, die das Kleeblatt unter sich verteilte. Der Äeberfallene blieb schwer verletzt bewußtlos liegen. Die Banditen konnten im Laufe des Tages fest genommen werden. Auch eine „Weltmeisterschaft". Die „Weltmeisterschaft" in der Körperkorpulenz besitzt ein Deutscher, und zwar ist es ein Stuttgarter Bürger namens Hohne, der als der dickste Mann der Welt bezeichnet werden kann. Er wiegt nicht weniger als 594 Pfund. Verhaftung von Scheckschwinblern. In Berlin wurden Sie Kaufleute Ludwig ©rauer und Gustav Mühlhaus auS Hamburg verhaftet, die mit einem hiesigen Bankbeamten gefälschte Bankschecks in Umlauf bringen wollten. In ihrem Hotelzimmer wurden eine große Perforierungsmaschine gefunden, um Auslandsschecks mit Summen in englischen Pfunden und Geheimzeichen zu versehen. außerdem Stempel von fast allen deutschen und ausländischen Großbanken und 'Behörden. Faksimilierte Unterschriften vieler Dank- bireftoren Deutschlands und des Auslandes, sowie gefälschte Empf ehlungsschreiben in- und ausländischer Behörden. Der kaufmännische Angestellte Harry Wolf in Hamburg wurde unter dem Verdacht der Mithilfe verhaftet. Die Bande hat hier bereits versucht, Schecks über mehrere Tausend Pfund unterzubringen. Grubeuunglück. Aus der Zeche Alstaden bei Oberhausen ereignete sich ein schwerer ^Inglücksfall. Zwei Bergleute waren mit Schießen im Gestein beschäftigt. Als ein Schuß nach längerem Warten noch nicht losgegangen war, begaben sich die beiden Bergleute nach der Schußstelle, um nach der Tlrsache zu sehen .In diesem Augenblick ging der Schuß plötzlich los. Die Bergleute wurden durch herabfallendes Gestein so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Ungetreuer Kassenverwalter. Der in Oftersheim bei Schwetzingen (Bad.) wohnhafte Leiter der Detriebskranken- taffe der Zündholzfabrik Mannheim-Rheinau, Jacob Zimmermann, wurde wegen Urfun- denfälschungundTInterschlagung zum Nachteil der Kassenmitglieder verhaftet und ins Mannheimer TlntersuchungsgefängniS eingeliefert. Wettervoraussage. Meist heiter, nördliche Winde, kälter-, nachts Frostgefahr, meist trocken, doch vielfach noch Re- belbildung. Das mitteleuropäische Tiefdruckgebiet hat sich nordöstlich verlagert und ist im Begriff, sich aufzufüllen. Wir kommen immer mehr in den Bereich des heranrückenden Hochs. Ob die zu erwartende Schonwetterlage allerdings von Bestand sein wird, bleibt abzuwarten. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 7,0 Grad C., Minimum 2,5 Grgd C.» Niederschläge 0,7 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 3,3 Grad. C. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. November 1925. Die Dorzugsrente. Don Steuersyndikus Paul Pechau, Kassel. Bekanntlich hat der bedürftige Anleihealtbesitzer dem Reich gegenüber einen Anspruch auf Gewährung einer Altersrente. Dem Altbesitzer steht fein Rechtsnachfolger gleich, wenn es sich um den überlebenden Ehegatten oder Verwandte ersten Grades handelt. Kinder erhalten die Vorzugsrente nur bis zum Eintritt der Volljährigkeit, es fei denn, daß sie durch körperliche oder geistige Gebrechen dauernd erwerbsunfähig find. Bedürftig ist jeder, der im vergangenen Jahr ein Einkommen von nicht mehr als 800 Mk. gehabt hat. Kein Einkommen find: Bezüge auf Grund gesetzlicher Unterhaltsberechtigung, Versorgungs- bezüge der Kriegsinoaliden und Kriegerhinterblie- denen, Renten der Reichsversicherung und Vorzugs- renten auf Grund des Anleiheablöfungsgesetzes. Die Vorzuasrente beträgt 80 Proz. des Nennbetrages des Auslosungsrechts, auf Grund dessen sie gewährt wird, jedoch höchstens 800 Mk. jährlich. Sie erhöht sich um 25 Proz. bis höchstens 1000 Mk.. wenn auf das Auslosungsrecht verzichtet wird: sie erhöht sich um 50 Proz. bis höchstens 1200 Mk., wenn der Verzichtende über 60 Jahre alt ist. Der Antrag auf Gewährung einer Dorzugsrente tft bei der Bezirksfürsorgestelle zu stellen, in deren Bezirk der Anleihegläubiger wohnt. Er muß enthalten: Tag und Ort der Geburt, Staatsangehörigkeit sowie die Höhe und Quellen des Einkommens, daß der Antragsteller im vergangenen Jahre gehabt hat. Ueberfteigt das Einkommen 800 Mk., so ist anzugeben, weshalb einzelne Teile außer Ansatz bleiben können. Vorzugsrenten, die der Gläubiger bei einem Bundesstaat beantragt tjat ober bereits bezieht, sind gleichfalls aufzuführen. Die Auslosungsrechte, auf Grund deren die Vorzugsrente beantragt wird, find anzugeben. Im Falle bereits ein Auslosungsschein ausgegeben ist, soll feine Nummer mitgeteilt werden. Ist der Umtausch der Reichsanleihen noch nicht vorgenommen unb über ben Erhalt bes Auslosungsscheines noch nicht entschieden worden, so genügt es, wenn der Betrag der umzutauschenden Anleihen, sowie die zuständigen Anmelde- unb Altbesitzstellen genannt werden (Reichsbankstelle bzw. Finanzamt). Der Altbesitzer braucht also jedenfalls nicht bis zur Durchführung des Umtauschverfahrens zu warten, bevor er die Vorzugsrente beantragt. Zn dem Antrag auf Gewährung einer Vorzugsrente muß ferner gegebenenfalls der Verzicht auf das Auslosungsrecht im Falle der Gewährung einer erhöhten Rente ausgesprochen fein. Des weiteren hat sich der Anleihegläubiger zu verpflichten, die An- leiheablöfungsfchuld in Höhe des Nennbetrages feines Auslosungsrechts an das Reich zu übertragen. Die Bezirksfürsorgeftelle prüft die Angaben bes Antragstellers und übergibt feine Eingabe dem Ausschuß für Dorzugsrenten. Dieser trifft die endgültige Entscheidung darüber, ob der Altbesitzer den Anforderungen des Gesetzes entspricht. Im Falle einer Ablehnung bes Antrages kann der Gläubiger binnen zwei Wochen nach Erhalt des Ablehnungsbefcheibes Beschwerbe bei der Fürsorge« stelle einlegen. Die Urkunde über die gewährte Dorzugsrente wird von der Reichsschulücnoerwaltung ausgestellt, die auch die Rente selbst zu zahlen hat. Aushändigung der Urkunde und Zahlung erfolgen erst, wenn der Gläubiger seinen Eventualverpflichtungen nach- gekommen ist. Die Rente ist unveräußerlich, unvererblich und unpfändbar. Soweit die Anleihenennbeträge 1000 Mk. nicht erreichen, findet bekanntlich kein Umtausch statt. Dagegen wird den Altbesitzern eine Barabfindung von 8—15 Proz. gewährt. Die näheren Bestimmungen hierüber stehen noch aus. •* Zum Weihnachtspaketverkehr nach überseeischen Ländern. Es empfiehlt sich. Weihnachtspakete nach überseeischen Ländern schon Anfang November bei der Post cinzulicsern. damit die rechtzeitige Aushändigung an die Empfänger gesichert ist. *• Falsche bayrische 50-Mark- Banknoten im Umlauf. Seit einiger Zeit sind in Bayern, hauptsächlich in den größeren Städten, falsche bayrische Banknoten über 50 Am. im Umlauf. Die Fälschung ist sehr plump und leicht erkenntlich. Trotzdem sind bisher schon 20 solcher falschen Noten eingeliefert worden. Vorsicht ist daher geboten. " Zur Richtigstellung. 3n unserem gestrigen Artikel ,Wilhelm Michel: Goethe und das rechte Leben" muß es richtig heißen: Das luziserische Sinnen der naturalistischen Rebellen ist gewichen einem franziskanischen Mit- klingenwollen in der großen Symphonie des Weltorchesters. •* Erben gesucht. 3n Durham (Nord- Carolina, U. S. A.) ist im Alter von 80 Jahren ein gewisser 3. G. Löffler, der ein Vermögen von etwa 10 000 Dollar hinterlassen hat, gestorben. Löffler, der im badischen Schwarzwald geboren ist. war Uhrmacher. Da der Verstorbene noch vor 20 Jahren Briefe von Verwandten aus Deutschland erhalten hat, ist damit zu rechnen, daß jetzt noch Verwandte von ihm in Deutschland leben. Auskunft über die Erbschaft erteilt Rudolf Küffner in Durham (U. S. QL). * Allerlei Diebstähle. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 3. November wurde in eine hiesige Apotheke eingebrochen. Der oder die Täter drangen vom Hinteren Hofe aus in das Gebäude ein. Nachdem sie die unteren Bureauräume durchstöbert hatten und hier kein Geld vorsanden, begaben sie sich in die Privatwohnung im 1. Stockwerk. Hier wurden sie durch einen kleinen Hund, der anschlug, verscheucht und konnten unerkannt entkommen. — Am 5. Novbr., nachmittags gegen l1/. Uhr, wurden einem Dienstmädchen au8 einem Mansardenzimmer in der Neustadt 6 ML Bargeld und eine blaugraue Strickjacke entwendet. In der Nacht zum 7. November wurden aus einem Lager in der Ditter- gasse einige Liter Branntwein und der Abfüll- schlauch entwendet. — Am 2 November vorm. wurde in den: Gäßchen zwischen Hamm- und Bahnhofstraße an der Wieseck entlang eine erbrochene Kiste gefunden, deren Inhalt entwendet war. Sachdienliche Mitteilungen, die zur Aufklärung der Vorgänge dienlich sind, nimmt die Kriminalpolizei entgegen. •• Fe st genommen wurde ein junger Mann aus Köln, der in Bad-Nauheim ein Fahrrad entwendet hatte. Das Rad konnte dem Eigentümer wieder zugestellt werden. — Am 7. Novenrber wurde ein Handwerksbursche festgenommen, der hier aus einem Laden 50 Mark entwendet hatte. — Wegen des am 10. Oktober 1924 gemeldeten Detrugsversuchs in einem hiesigen Hotel, wo ein Fremder in betrügerischer Absicht den Portier um 27.50 Mk. prellen wollte, wurde als Täter der Reisende Eduard L o h m ü l l e r aus Hamburg ermittelt und in München festgenommen. •• Dec Goethe-Bund veranstaltete am Sonntag einen wohlgelungenen musikalischen Olbend. Aus den Mitgliedern heraus hatte sich ein neues Klaviertrio zusammengefunden, das neben einer Probe aus der hoheitsvollen und ausdrucksstarken Kammermusik des Veronesers Abaco einige der schönsten Werke Beethovens in sicherem uiti> einfühlendem Ensenrblespiel zu Gehör brachte. Ein weiteres Mitglied trug mit glockenreiner Sopranstimme, die das feinste Empfinden auszudrücken sich fähig zeigte. Kavatinen und Lieder von Mozart, Weber, Schubert und d'Qllbert vor. —Das Konzert des Gesangvereins „Heiterkeit", unter Leitung des Musiklehrers W. Schüttler fand am Sonntagnachmittag in der neuen Aula der Landesuniversität statt und war trotz des regnerischen Wetters gut besucht. Die Darbietungen des Vereins bereiteten den Zuhörern einige Stunden angenehmsten Genusses, und fanden verdientermaßen lebhaften Beifall. Der im Jahre 1878 aus kleinen Anfängen entstandene Verein hat sich dank der Hingabe des Dirigenten und der Sänger zu einem der angesehensten und leistungsfähigsten Männerchöre unserer Stadt entwickelt. Ein großes Verdienst fällt dem jetzigen Dirigenten zu, der neben außerordentlicher musikalischer Begabung großes Verständnis für den Gesang, insbesondere für das Volkslied zeigt. Die künstlerische Begabung der etwas 90 Sänger kann als vortrefflich bezeichnet werden. Das Programm bot eine Reihe köstlicher Proben des Volksliedes und des volkstümlichen Liedes. Wir erwähnen hier besonders „Lebewohl" von Silcher, „Still" von Ayßinger, ..Jägerchor" von C. M. von Weber, „Die Nacht" von Fr. Schubert und „Jäger- grühen" von Sonnet. Den Höhepunkt erreichte der Deifallstunn. als das humorvolle „Vergebliche Warnung" von M Neumann zum Vortrag kam. Die dankbare Zuhörerschaft nötigte dem Chor eine Zugabe ab. Daß die „Heiterkeit" in ihrem gesanglichen Können auch den schwierigen Kunstchören gewachsen ist, zeigte der mustergültige Vortrag des Shores „Rudolf von Werdenberg" von Fr. Hegar. Die mitwirkenden Solisten Fräulein Emmy Marx aus Hanau (Sopran), Herr Br. Hermann -Gießen (Cello) und Frl. Hella Maternus-Gießen (am Flügel) taten ihr 'Bestes zum guten Gelingen des Konzertes. Das wunderbare weiche Spiel des Cellisten Hermann fand dankbare Zuhörer. Nach seinem „Scherzo" war der Beifall so groß, daß sich der Künstler zu einer Zugabe verstehen mußte. Nicht weniger als 7 Lieder zeigte das Programm für die Sängerin Emmy Marx. Ihr weiches Organ und die schöne Vortragsweise begeisterte die Zuhörerschaft außerordentlich. Besonders hervorgehvben zu werden verdienen „Re- genwctterlied" von Haas. „Zueignung" von Richard Strauß und „Der Gärtner" von H. Wolf. Auch Fräulein Marx fügte ihren Liedern noch eine nette Zugabe bei. Hella MatemuS beherrschte den Flügel mit großer Geschicklichkeit, so daß auch ihr Spiel rühmend hervorgehoben werden muß. Zum Schlüsse darf zusammenfassend gesagt werden, daß der Gesangverein „Heiterkeit" mit diesem Konzert seinen Besuchern einen erlesenen Genuß bereitet hat, an den man sich gern und dankbar erinnern wird. Bornotizcrr. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7V2 Uhr: „Die blaue Stunde". (Ende gegen 9V2 Uhr.) — Elsaß-Lothringer, 81/* Uhr: „Hotel Köhler", MonatSversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Karawane". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ueber die Darbietungen des russisch-deutschen Künstlertheaters „Der goldene Hahn", das am Donnerstag, 12.November, ein einmaliges Gastspiel hier absolviert, liegen ganz ausgezeichnete Besprechungen vor. Ein vortreffliches Künstlerensemble unter Leitung von Leonid Zelinsky, unterstützt durch eigenartige, hochkünstlerische Dekorationen und aparte Musik, bringt eine Inszenierung von Liedern, Romanzen, Parodien, Grotesken und Tänzen, die überall außerordentlichen, ja begeisterten Beifall gefunden hat. Das Gastspiel verdient die Teilnahme weiterer Kreise. — Eine Wahlversammlung der Mittelstands-Vereinigung, der anläßlich der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl neugegründeten Gruppe, findet morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr, in der Turnhalle (Oswalds- garten) statt. Näheres im gestrigen Anzeigenteil. — Reichszentrale für Heimatdienst. Morgen, Mittwoch, abends 7.30 Uhr, in der Universitäts-Aula Vortrag von Prof. Dr. K ü n h e l - Frankfurt über „Die Verträge von Locarno in historischer Betrachtung". (Siehe heutige Anzeige.) Kirche und Schule. Oberhessischer Verein für Innere Mission. t Gießen, 9. Nov. Das Jahresfest des Oberhessischen Vereins für Innere Mission wurde mit einem am Abend des 8. November von Pfarrer Dr. Ritter- Marburg gehaltenen, zahlreich besuchten Fest- g o 11 e s d i e n st in der Stadtkirche eröffnet, den dec hiesige Kirchengesangverein durch gesangliche Vortrage verschönte. Am heutigen 9. November vormittags begannen die Verhandlungen mit einem gemeinsamen Gesang und einem von Pfarrer Lenz-Lich gesprochenen Gebet. Sodann erstattete der Vorsitzende, Oberstudienrat Dr. Weimer den Jahresbericht über 1924. An Stelle des seitherigen Vorsitzenden Prof. Dr. Mayer, hier, der aus Gesundheitsrücksichten den Vorsitz niederlegen mußte, wurde Prof. Dr. Weimer hier ernannt. Für das gleichfalls zurückgetretene Vorstandsmitglied Kaufmann wurde Herr Horst und für den seitherigen Schriftführer Pfarrer Adolf Staatsanwalt Knaus gewählt. Die Mitgliederzahl des Vereins hat infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse bedeutend abgenommen, dagegen sind die Ansprüche an den Verein gewachsen, besonders die Qlrbeit für die Herberge zur Heimat, bei der viel Verbesserungen eingeführt wurden. Das Eleonoren-Hospiz in Bad-Nauheim macht gleichfalls gute Fortschritte. In verschiedenen Dekanaten sind Feste für Innere Mission abgehalten worden. Die Volksmission in Oberhessen steht auf dem Grunde der Inneren Mission. Missionar Waller hielt 13, Missionar Schuster 12, Pfarrer Horst 6 Missionswochen ab, die alle gut besucht waren. Der Verein nimmt sich auch der sog. freien Krankenschwestern an, die er zu einer Vereinigung gesammelt hat. Das Voll für die Innere Mission zu gewinnen, ist Aufgabe der Vorführung des Dethelfilms, der in vielen Gemeinden gezeigt wurde. Die Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein, einer Gründung des südwestdeutschen Vereins für Innere Mission, durfte am 1. Juli d. Js. auf ein 40- jähriges Bestehen zurückblicken. Die von Kirchenrat (51 r a d, hier, erstattete Rechnungsablage ergab eine Einnahme und Ausgabe von 4227 WarL Der Reingewinn deS Vereins beträgt 4800 Mk. Die Rechnung der Herberge zur Heimat brachte einen Uebcrschuh von etwa 300 Mk. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. § 6 der Satzung wurde dahin geändert, daß die Wahl der Vorstandsmitglieder nicht mehr für 3, sondern für 6 Jahre vorgenommen werden soll. Darnach hielt Universitätsprosessor D. Nieder- gall-Marburg einen tiefgehenden Dorttag über: „Der Unglaube und die Degenerationserscheinung in unserem Volk". Einleitend zog der Redner einen treffenden Vergleich zwischen der Revolution des 9. November 1918 und der Reformation Luthers, der am 10. November seinen Geburtstag hat. Luther hat es allein mit dem „Glauben" zu tun, d. h. mit der Verantwortung des Menschen für sein ganzes Denken. Fühlen und Handeln Gott gegenüber. Wo dieser Glaube schwach geworden ist, da treten Degenerationserscheinungen ein, Nervosität, Qlr- beitshetze, Mammonismus, Mangel an Autorität, AlkoholiSmus. Chenöte, Selbstmord, alles Symptome der nachlassenden, erschlaffenden Verbindung mit dem Glauben. Was ist dagegen zu tun? Glauben verkündigen! Das ist die Größe der Inneren Mission. Das heißt: Gott verkündigen als den Gott, der Sinn in die Welt bringt Der Vorsitzende machte zum Schluß auf das in der nächsten Woche stattsindende Jahres- f e ft des Landesvereins für Innere Mission in Darmstadt aufmerksam und lud zum Besuch desselben ein. Turnen, Sport und Spiet Siegreicher Fechlklub. WSN. D a r m ft a b t, 9. Noo. Der Darmstädter F e ch t f l u b hat gestern ein I l o r e 11 - fechten gegen den Stuttgarter Fechtklub in Stuttgart mit 7:4 und das Säbelfechten mit 11:5 überlegen gewonnen. Das große Berliner HerbstLurnier Die Ergebnisse des Samstags. Eignungsprüfung für Offizierspferde (o. 2)1.). Leichte Pferde. 1. Major Seu- nigs „Koheil", Bef.: 2. Moritz „Almenrausch", Bei.: 3. Frhr. v. Waldenfels' „Dengel", Des.; 4. Oblt. Erdmanns „Alvo", Bef. Iuniorenpreis: a) vom 7. bis 11. Jahren 1. Frau Dollmanns „Elfen", Dera Wolff; 2. Frau Hausmanns „Blitz", Römming; 3. Hantkes „Delila", Ruth Hantle; 4. Ursula Kraskas „Lord", Des.; b) von 12 bis 15 Jahren: 1. Reichmanns „Char- das", Mignon Reichmann; 2. Dr. Halles Pollux, Hans Dernftein; 3. Sklarz' '„Tipp", Wolfgang Sklarz; 4. Tetelmanns „Revolte", E. Schwarz. Damenpferde -Reitprüfung (Kl. M). 1. Frhr. v. Schierftedts .Herzbube", Frau v. Gottberg; 2. Frau Jhnens „Accord", Bes., und Frau Theunes „Schwabenmädel", Bef.; 3. Tattersall Beermanns „Bolt", Frau Potthost, und Leidloffs „Sul- tan", Frau Franke; 4. Oppenheimers „Schwaben- möbel", Bef., und Frl. v. Opels „Aristokrat", Des. Zweispänner-Siegerpreis (Eignungsprüfung für Gespanne, o.M.). 1. Baron v. Deckens „Queen Mary" und „Beatrice", Baronin o. Decken. Preis der Nationen (Jagdspringen Kl. S). 8 Hindernisse. 1. Deutschland: W. Spill- ner auf „Baron III", 0 Fehler; Lt. Momm auf „Spanier"? 10 Fehler, 10 F.; 2. Holland: Rittmeister Labouchere auf „Eopain", 11 F., auf „Gamin" 0 F., HF.; 3. Schweiz: Hauptmann Ruhe auf „Boy", 11 F., auf „Royal Gries", 5 F., 16 F.; 4. Ungarn: Hauptmann v. Cseh auf „Beni", 15 F.; Rittmeister Binder auf „Emden II", 5 F., 20 F. Championat der Schwergewichte (Eignungsprüfung für Reitpferde): 1. Frhr. v. Lüdinghausens „Herold", Frhr. v. Langen; 2. Tattersall Beermanns „Austerlitz", Major Bürkner; 3. Oetkers „Nomade", Telzerow. (Eignungsprüfung für Offizierpferde (o. M.), schwere Pferde: 1. Major v. Lö- wenichs „Beweis", Bef.; 2. Major v. Aliens „Arthur", Bef.; 3. Graf v. Scherr-Thoß' „Christian", Oblt. v. Lewinski; 4. Major Neumanns „Apache II", Besitzer. Amtsgericht Wetzlar. £2 Wetzlar, 7. Nov. Wegen gemeinsam e r gefährlicher Körperverletzung und gemeinsanien Hausfriedensbruchs sind der Arbeiter Heinrich M., der Installateur Willi E., der Arbeiter Heirrrich W. und der Arbeiter Ludwig P., alle von Wetzlar, auf der Anklagebank. Ihnen ist zur Last gelegt, gemeinsam und widerrechtlich in das Haus des Zeugen R. rn Büblingshausen eingedrungen und den in diesem Hause wohnenden 3eugen K. mittels Stoffen körperlich mißhandelt zu haben, wodurch dieser mehrere Verletzungen davontrug, durch bte er mehrere Sage arbeitsunfähig war. Wie kne Beweisaufnahme ergibt, traf der Angeklagte M, der kurz vorher nach Derbüßung enter 20mona- tigen Gefängnisstrafe aus der Strafanstalt ent- lassen worden war, die übrigen Angeklagten aus der Kirmes in Niedergirmes, von wo sie dann nachts gemeinsam nach Büblingshausen gingen, um in der angeblichen Wohnung des M ein paar Flaschen Bier zu trinken. In das Haus des Zeugen R., bei dem als Untermieter der Zeuge K. wohnt, versuchte der Angeklagte M. einzudringen, angeblich aus Zorn darüber, daß seine Frau, die dem Zeugen K. den Haushalt führt, bei diesem wohnt. Nachdem er (M.) die Haustür geöffnet hatte, will er von dem Zeugen K. mit einem harten Gegenstand einen Schlag über den Kopf erhalten und erst dann auf diesen und nur mit der Faust eingeschlagen haben, während die Angeklagten W. und P. ihm zu Hilf« gekommen seien. Alle Angeklagten bestreiten, etwas davon gehört zu haben, daß sie zum Verlassen des Hauses auf gefordert worden seien. Durch die eidlichen Aussagen der Zmgen wurden die Angeklagten M., W. und P. belastet. Da« Gericht erkennt gegen die Angeklagten M. W. und P., indem es ihnen in weitestem Maße mildernde Umstände zubilligt, wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs auf 10 Mark und wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung auf 20 Mark Geldstrafe hilfswc.se für je 5 Mark 1 Sag Gefängnis. Der Angeklagte E. wird freigesprochen. Gerichtssaal. Karlsruhe, 9. 9koo. Der Oberpoftschaffner Belikan hatte eine Quittung über 2000 Mark mit dem Namen einer Adressatin g c - fälscht, die inzwischen gestorben war, und das Geld für sich verwendet. Er wurde unter Zubilligung mildernder Umstände angesichts seiner bisherige guten Führung zu li Jahren Oe» f ä n g n i s verurteilt. Landwirtschaft. Der Saatenstand in Preußen Anfang November. Die diesjährige Ernte ist mit Ausnahme von Resten an Rüben und Kobl überall eingebracht. Die Gutachten der landwirtschaftlichen Vertrauensmänner erstrecken sich demnach im vorliegenden Bericht bereits auf den Stand der jungen Wintersaaten und des Stoppelklecs. Für die Bestellung der Wintersaaten ist die Oktoberwitterung außer an den nassen Tagen um Mitte des Monats recht günstig gewesen, nachdem die Arbeiten im September roegen des anhaltenden Regens sehr im Rückstände geblieben waren. Zn den östlichen Provinzen einschl. Schlesiens ist die Bestellung fast durchweg beendet, im mittleren und westlichen Teil des Landes wird Roggen und besonders Weizen überall dort noch bestellt, wo diese Wintersaaten als Fruchtfolge nach Kartoffeln und Rüben vorgesehen sind. Auch für das Keimen und das Wachstum der jungen Saaten war die milde Herbstluft und der gut durchfeuchtete Boden recht förderlich, so daß die früh bestellten Felder gut eingegrünt und dicht bezogen sind. Da aber die Einsaat wegen der anhaltenden Nässe im September im ganzen ziemlich spät in Gang Farn, so ist erst spärlich aufgelaufen, und die eingesandten 3607 Berichte der landwirtschaftlichen Vertrauensmänner enthalten vielfach noch feine Begutachtungen über den Stand der Saaten. Die Kartoffelernte kann mit Ausnahme von Resten auf großen (Sütem als beendet angesehen werden. Auch die Rüben- und Kohlernte ist oielfad) schon vollständig erledigt und der noch rückständige Teil wird nach den Meldungen etwa 8—10 Tage in Anspruch nehmen. Für ganz Preußen ergeben sich für den Stand der Wintersaaten folgende Begutachtungsziffern: Weizen 2,7, Spelz (Dinkel) 2,9, Roggen 2,7, Gerste 2,5, Gemenge aus vorstehenden Oetreibearten 2,9, Raps und Rübsen 2,7, für jungen Klee 3,1. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio--Umschau".) Mittwoch, 11. November. 4,30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Gilbert-Operetten. 6 bis 7 Uhr: Die Stunde der Jugend: Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan. Die Germanen im Sklavenjoche oder Sintturn als römischer Soldat (für Kinder vom 10. Jahre ab). 7 bis 7,30 Uhr: Stunde des Süd- westdeutschen Radioklubs: C. Decker: „Der Selbst- bau eines Detektorempfängers". 7,30 bis 8 Uhr: Stenographischer Fortblldungskursus für alle Systeme (Diktat von 150 Silben ab aufwärts). 8 bis 8,30 Uhr: Schachstunde. 8,30 Uhr: „Der Richter von Zalamea". Schauspiel in drei Aufzügen von Don Pedro Calderon de la Darca. Geschäftliches. Für die Küche ist das Beste gerade gut genug. Deshalb sieht die erfahrene Hausfrau überall auf Qualität und hält ihre Vorratskammer frei von minderwertigen Nahrungs- und Genuhmitteln. Sie bevorzugt als bewährtes und in jeder Beziehung erstklassiges Küchenhtlfsmittel Maggis Würze. Etwas für Raucher. 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Das damalige Wahlrecht gab dem Adel, dem Grundbesitz und den Magistraten eine Repräsentation in den provinziellen Landtagen. Im Iahre 1847 wurden die Provinzialstände zum „Vereinigten Landtag" zusammengeschlossen, der der Vorläufer des im Iahre 1848 erstmals durch das Volk gewählten Parlaments gewesen ist. Die heutigen Provinziallandtage werden durch das direkte Wahlrecht auf tem Wege der Verhältniswahl gewählt. Die Zahl b er Abgeordneten ist verschieden nach der Bevölkerung in den einzelnen Provinzen festgesetzt. In Provinzen unter 2 Millionen Einwohnern entfällt auf je 25 000 ein Abgeordneter: die Grundziffer ändert sich für die größeren Provinzen, so dah bei 5 Millionen Einwohnern erst auf 75 000 Einwohner ein Abgeordneter zu wählen ist. Wahlbezirke sind die SZadt- und Landkreise. Falls ein solcher Wahlbezirk nicht die nötige Einwohnerzahl besitzt, wird er mit einem benachbarten Wahlbezirk vereinigt. Wenn z. D. eine Provinz 150 Abgeordnete zu wählen hat und 3 Millionen Stimmen aufbringt, so sind für ein Mandat 20 000 Stimmen erforderlich. Wenn eine Partei in d.cser Provinz 750 000 Stimmen erreichte, so erhält sie 37 Sitze. Die Verteilung derselben erfolgt aber nicht ohne weiteres auf die höchste Stimmenzahl in den einzelnen Wahlbezirken, sondern zunächst wird der einzelne Regierungsbezirk bei der Verrechnung eingeschaltet. Der Wahlkommissar stellt fest, wieviel von den erwähnten 150 Sitzen auf die verschiedenen Regierungsbezirke (ihrer Einwohnerzahl entsprechend) entfallen. Diese Zahl wird nun auf die Parteien, die sich auf ein gemeinsames Kennwort geeinigt haben, verteilt. Durch die Einführung der „Regierungsbezirks- Derteilungszahl" soll verhindert werden, daß ganze Teile einer Provinz ohne Vertretung im Prvvinziallandtag bleiben. Ebenso kompliziert sind find die Vorschriften Über die Listenverbindungen. Zum Provinzialtag find solche zugelassen, zum Kreistag auch jetzt noch nicht. Der Sinn der Vorschriften für die Provinz ist her, daß Wahlvorfch äge mit verschobenen Parteikennworten unter einem gemeinsamen Kennwort (Gruppenkennwort) miteinander verbunden werden tonnen. Damit wird verhindert, daß starke Reststimmen einfach unter den Tisch fallen. Andererseits wird der allzu großen Zersplitterung ein Riegel vorgeschoben durch die Vorschrift, daß nur solche Gruppen bei der Verteilung der Sitze berücksichtigt werden, die entweder in einem Wahlbezirk die Provin'verteilungszahl erhalten oder aber in der ganzen Provinz mindestens die doppelte Derteilungszahl erreichen. Die Aufgaben der Provinziallandtage sind nicht zu unterschätzen. Ihnen obliegt vor allem die ländliche Wohlfahrtspflege, der Bau von Kleinbahnen, die Errichtung von Heil- und Pflegeanstalten, das landwirtschaftliche Unter» richtswesen, auch die Unterhaltung der Chausseen, soweit diese Ausgabe nicht den Kreistagen übertragen worden ist. Zur Durchführung dieser Aufgaben und zur ständigen Ueberwachung seiner Aufgaben wählt der Provinzialtag den Provinzialausschuß, der eine große und verantwortungsvolle Tätigkeit zu entfalten hat. Im Iahre 1921 betrug der Haushalt von Brandenburg (ohne Berlin) etwa 19 Millionen, Sachsen und Westfalen wiesen einen solchen von über 50 Millionen, die Rheinprovinz von 85 Millionen auf. Die besondere Bedeutung der Provinziallandtage beruht noch darin, daß sie Mitglieder des Preußischen Staatsrats wählen, der als eine in vielen Dingen dem Landtag gleichgeordnete Vertretung von großem Einflüsse ist. Ferner wählt der Provinziallandtag die Hälfte der preußischen Mitglieder zum Reichs- rat, in dem bekanntlich die Regierungen der ßanber ihre Vertretung besitzen und die Funktion Wozu und für wen also soll ich heute schreiben? Bleiben wir unter uns, zwischen denen die Vermittelung der Kulturgüter trotz aller Widerstände die Drücken gemeinsamer Arbeit schlägt: Theater und Kritik. Und laßt Euch sagen: Ihr habt's gut gemacht! Zum ersten Male soll das hier in diesen Spalten, die so oft aus bitterem Müssen Geißel waren, gesagt sein. Denn es ist viel erreicht. Eine Szene wie die im 4. Akt nach der Ermordung Don Manuels ist selten hier in solcher Geschlossenheit der Form und solcher Intensität der inneren Derspannung gesehen worden. Zum großem Teil lag das, neben der Regiearbeit, die voll Achtung anerkannt werden muß, an dem lebendigen schauspielerischen Können von Willy Hanke als Don Cesar. Hanke weih um die Wichtigkeit der Pause im Wort und in der Bewegung, er kennt den Ausbruch und seine Bändigung, er weiß um die Lyrik eines Bildes, kurz, er hat Möglichkeiten und bietet, bei strenger Arbeit und Selbstbeherrschung, Sicherheit. Susanne H e h m als Beatrice war von jener spröden Süße, die den Schillerschen Frauen so oft eignet, Friedrich Geffers (Don Manuel) als dritter im Bunde der unseligen Geschwister am belastet« sten, von Ders und Rhythmus am wenigstem durchdrungen. Auguste Marcks setzte sich mit Wärme für ihre Fürstin Isabella ein. Paul Gehre lieh dem Diego sympatische Züge. Bei der Behandlung der Chore muh mit besonderem Bedacht von der Regie gesprochen werden, die sich diesmal der Intendant Steingoetter Vorbehalten hatte. Hier war erfreuliche und glückliche Arbeit geleistet worden. Durch zahlenmäßige Beschränkung der Sprecher war Mussolinis Eselswappen. Von unserem römischen ^-Korrespondenten. Der Ursprung der Familie Mussolini hat die Genealogen natürlich nicht schlafen lassen. Je höher der Duce stieg, desto mehr (Stammbäume stritten sich um den interessanten Zweig, wenn nicht gar die Hauptwurzel. Die italienische Namensforschung steckt ja, gemessen etwa an der schweizerischen, noch in den Kinderschuhen, aber als Serben und Slowaken Mussolini für sich reklamierten und den Stand feiner Wiege in Jugoslawien fixierten, da erhob sich am anderen Ufer der blauen Adria ein einziger patriotischer Schrei: Sie sollen ihn nicht haben! Und die Familienforscher zogen in Scharen aus, die heilige Wurzelreliquie zu entdecken ... Es würde zu weit führen, den Kreuzzug in allen seinen Entwicklungsstufen zu schildern. Man fand so viele mussolinische Wurzeln, daß man ein gutes Dutzend echter (Stammbäume daraus bauen könnte. Nur leider keine einzige einwandfreie. Zwei Hauptgruppen stehen sich feindlich gegenüber: die eine stützt sich auf den Namen Mussolini, der in annähernd moderner Form schon auf Sarkophagen der Renaissance und dementsprechend auch in ver- gilbten Urkunden zu finden ist: die andere weist die einfache Namensgleichheit als unwesentlich ab, des früheren Bundesrats bis zu einem gewissen Grade fortführen. Wie bedeutungsvoll die Stellung des Staatsrats und des Reichsrats ist, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. In gleichem Maße, wie die sonstigen Parlamente in ihrem Ansehen gefährdet sind — durch den Mißbrauch, den die; radikalen Parteien mit ihnen treiben —, wirb der Reichsra! und ein Staatsrat als Stätte sachlicher politischer Arbeit an Beacytung gewinnen. , , , , , n Die Provinziallandtage haben ater aua) sonst eine hervorragende politische Rolle spielen können. Als "z. B. während des passiven Widerstandes das Rheinland in höchster Gefahr stand, war sein Provinziallandtag unter dem Vorsitzenden Dr. Iarres das Sprachrohr des rheinischen Volkes im Kampfe gegen Separatisten und gegen Be'atzungswillkür, aber auch im Bekenntnis zum preußischen Staate und zum Reiche. Als Ostpreußen und Schlesien durch das Versailler Diktat und seine Folgen verstümmelt wurden, erhoben seine Provinziallandtage den lauten Protest der betroffenen Bevölkerung, die sich dagegen wandte, alte deutsche Gebiete preisgeben zu müssen. . . . > Die hohe Bedeutung, die die Provinzial- landtage als Träger eines großen Teil der Selbstverwaltung und als Wahlkörperschaften für bedeutsame politische Gremien besitzen, hat auch dazu geführt, den Ruf nach „provinzieller Autonomie" zu erheben. Soweit es sich darum handelt, dem gesunden Gedanken der Dezentralisation zu dienen, ist nichts dagegen zu sagen. Sobald aber der Verdacht besteht, dah -sich hinter dem Gedanken der provinziellen Selbstverwaltung partikularistische Bestrebungen versteckten, muhte ihm mit Mißtrauen begegnet werden. Das gilt besonders gegenüber manchen Erscheinungen im Rheinlande wie gegenüber dem Treiben der Welfen in Hanno- ver. Die Selbstverwaltung der Provinzen darf nicht dazu führen, den preußischen Staat in seinem Gesamtgefüge zu lockern, oder den Einheitsgedanken des Reiches zu unterhöhlen. Auch daraus geht die politische Bedeutung der Wahlen vom 29. Rovember hervor. Das Berussausbildungsgesetz. Die unzureichende gesetzliche Regelung des Lehrlingswesens hat den Zentralverband der Angestellten veranlaßt, immer wieder die baldige Verabschiedung des geplanten Derussausblt- dungsgesches zu fordern. Auf eine Eingabe vom 7. Februar d. I. an wertste das Reichswwtfchafts- minifterium, daß die Vorarbeiten an dem neuen Entwürfe eines Derufsausbildungsgesetzes vor der Vollendung steheir. Diesen Worten ist die Tat leider nicht gefolgt. In einer weiteren Eingabe vom 25. März d. I. hatte der Zentralver- band der Angestellten insbesondere auch auf die Stellungnahme der württembergischen und hessischen Landesregierung hingewiesen, die ebenfalls die Rotwcndigkeit einer baldigen gesetzlichen Reuregelung des Lehrlingswesens betonten. Die neu erschienenen Jahresberichte der Gewerbeaufsichtsbeamten zeigen ein erschreckendes Bild. Der Zentralverband der Angestellten ist daher erneut am 4. September d. I. an das Reichswirtschaftsministerium herangetreten und hat gefordert, endlich die wiederholt abgegebenen Versprechen zu erfüllen und das Derufsausbildungsgesetz herauszubringen. eine tiefgreifende Durcharbeitung erreicht worden. ein qualitatives Plus, das gern festgestellt und auf dessen Beziehungen zu vielen Dingen der Arbeit an der Bühne hingewiesen sei. (Ron multa, sed multum!) Paul Schubert (Cajetan) als Führer des älteten Chors sprach tlug und gut den Vers, seine Leistung gehört «unmittelbar zu der Hankes. Karl V o l ck s Berengar erinnerte in seiner pastoralen Ge- tragenheit oftmals zu deutlich an die „moralische Anstalt". Hans Wehrl wieder als Manfted fiel angenehm auf. Don den Sprechern des jüngeren Chors tritt nur Bohemund stärker hervor. Karl Juhnke füllte die Rolle mit Gehalt. Das Spielfeld war durch den bequemen Bühnenrahmen festgelegt und zusammengehalten, ein durchgehender Grundaufbau ermöglichte raschen Szenenwechsel und brachte Geschlossenheit in Architektur des Bildes. Die Sachlichkeit der übrigen Seforationcn entsprach der Strenge der Dichtung. Und so sei zum Schluß noch einmal allen Beteiligten die Hand gedrückt: denn nichts war mißlungen. Wer diesmal versagte, war — das Duca, der sich bisher immer als ein geschickter Taktiker erwiesen hat, die Vorteile auszunüken versteht. Nur darf man keine Ueberraschung schon in den nächsten Tagen erwarten, wenn auch eine ernste Möglichkeit der Lösung der bessarabischen. Frage gegeben Ist. Oberhessen. Landkreis Gietzen. V Klein-.Linden, 9. Rov. Die Obst- baumzucht erscheint durch das zahlreiche kommen des Frostspanners in unserer Gemeinde sehr gefährdet. Man Zählte ötefer Tage an einem einzigen Baume ungefähr 120 solcher Schädlinge, wovon über 40 Weibchen des Schmetterlings und der Rest Raupen waren. Der schlechte Ausfall der diesjährigen Obsternte ist größtenteils auf das scharenweise Auftreten des Frostspanners und des Apfelwicklers zurückzuführen. Die Obstbaumzüchter tragen an dem ^leberhandnehmen dieses überaus schädlichen 3n= fettes zum Teil selber Schuld. Rur wenige von ihnen waren vorausschauend genug, durch Kleb- ringe die Schädlinge wegzufangen. f. Klein-Linden, 10. Nov. Die Wohnungsbautätigkeit am hiesigen Orte geht ihrem Ende entgegen. Außer der Innenfertigstellung der vier Doppelhäuser der Daugenostenschaft, wovon schon drei Doppelhäuser bezogen wurden, sind wei- lerc acht Wohnhäuser von privater Seite erstanden. Legiere sollen teilweise noch diesen Winter bezogen werden. Soweit die Häuser an neuerschlossenen Straßen liegen, wurde seitens des Gemeinderats bei Erteilung der Bauerlaubnis auf die Herstellung von Vorgärten Gewicht gelegt, um dadurch das Straßenbild zu verschönern und für die Wohnungen mehr Luft und Licht zu schaffen. Mit der Fertigstellung der Häuser ist hier ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Wohnungsnot getan. X Lang-Göns, 10. Nov. Am morgigen 11. November feiert Altbeigeordneter Henrich feinen 81. Geburtstag. Neben feinem Hauptberuf als Landwirt hat der mit hohem Alter gesegnete Greis eine ganze Reihe öffentlicher Aemter der Gemeinde in uneigennütziger Weife bekleidet. Seine peinliche Gewissenhaftigkeit, sein treues Gemüt und offenes Wesen, dem öffentliches Schönreden nicht gegeben war, machte ihn zum Vorbild. Der Bruder des Altbeigeordneten Henrich, Johannes H., ist Begründer und erster Nationalpräsident der Hestenvereinigung in Amerika gewesen. > Grüningen, 9. Nov. Für die bevorstehende Gemeinderatswahl sind zwei Wahlvorschläge eingcreicht worden. Da durch Beschluß des Kreisausschusses unsere erste B ü r g e r m e i st e r w a h l für ungültig erklärt wurde, haben wir das Vergnügen, zum zweitenmal unser Ortsoberhaupt zu küren. Der Termin ist bis jetzt nicht bekannt. y. Lollar, 9. Nov. Am Samstag feierten der Landwirt Friedrich Schön II. und seine Ehefrau Elisabeth geb. Frank in körperlicher und geistiger Rüstigkeit das Fest der g o l'b e n e n Hochzeit. : Beuern, 9. Rov. 3m Saale des Karl Dietrich fand am Sonntagnachmittag unter dem Borsitz des Konrad Wilhelm W i ß n e r eine öffentliche Bürgerversammlung statt, die sich mit der am nächsten Sonntag stattfindenden Gemeinderatswahl beschäftigte. Man hatte, um dem Dorfe den Frieden zu erhalten, eine Vorwahl vorgenommen und die Rainen der Gewählten auf der „Einheitsliste" untergebracht. Damit wäre unser Dorf von einem Wahlkampf verschont geblieben, wenn nicht 10 Minuten vor Schlußtermin eine zweite Liste eingereicht worden wäre, die das Kennwort trägt .„Vereinigte Arbeiter. Handwerker unLLandwirte". Die drei ersten Kandidaten sind Landwirt Karl z Phi.ivp Damm, Heinrich Krämer und Johann Heinrich Funk. Allgemein wurde bedauert, daß ff dieser Schritt unternommen worden ist. — Anschließend an diesen Vortrag sand unter dem Vorsitz des Gemeinderatsmitgliedes Phil. Wilh. S o m m e r l a d die erste politische Versammlung für die am kommenden Sonntag stattfindenden Wahlen zum Provinzialtag, Kreistag und zur Gemeindevertretung statt. Die sozialdemokratische Partei hatte die Versammlung einberufen. Kreistags- und Gemeinderatsmitglied Jenner von Wie'eck sprach über die allgemeine politische Lage in Deutschland und anschließend daran über die Aufgaben des Provinzial- und des Kreistages. Auch ter Reichsschulge'e.^entwurf wurde berührt. Besonders eingehend wurde gesprochen über die notwendige Autoverbin- Der gefesselte Strom. Romain von Hermann Stegemann. 59 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Hermann lief ans Fenster und lehnte sich über den Balkon. Es war im dritten Stock, und der Blick ging weit hinaus über die Au, den Rhein und das Dächerhäuflein von Rheinau. Ein roter Brand- fchein im Hintergrund des Tales fiel eben in sich zusammen und ließ die Dächer des Städtchens noch einmal als schwarze spitze Schattenrisse auftauchen, ehe die Nacht wieder alles verschlang. Am Morgen hieß es, die Hütte sei angezündet worden. Und Hanns Ingold sagte mitten aus feiner Arbeit heraus, die schon am Frühstückstisch mit Korrespondenzen begann: „Wir hatten sie selbst niederbrennen sollen, als der Vater tot war, damit das Volk nicht darin haust." Tief bückte sich Hermann über den Tisch und verbarg feine Blässe. „3a," stieß er nach einer Weile hart heraus. Ilm elf Uhr legten die Erdarbeiter und die Maurer die Arbeit nieder, nachdem die Bauleitting ihre Lohnforderung abgelehnt hatte. Um zwölf Uhr erklärten die Maschinisten und Monteure sich mit ihnen solidarisch. .Die große Baggermaschine, die ohne Unterbrechung im Betriebe war, blieb um ein Uhr stehen und ließ den Dampf ab, ihr Stillstand mar durch Drohungen erzwungen worden, vor denen der Ingenieur hatte weichen müssen. Totenstille lag auf dem Werk. Als Hanns Ingold über dem * Bauplatz ging, wurde ihm zum erstenmal bewußt, daß auch der Lauffen nicht mehr rauschte. In glattem Schwall fuhr der Rhein die anfgcfprengte Enge herab, in der die Felsenriffe ver- ichwunden waren. Nur an den Gerüstpfellern und Betonmauern des Werkes gurgelte die Flut. Am Nachmittag fanden Verhandlungen statt, die zu keinem Ergebnis führten. Wie aus dem Boden geroarhfen war ein Vertrauensmann der Arbeiter aus Freiburg erschienen, der den Sprecher machte. Hanns Ingold wollte jedoch mit den Leuten selbst verhandeln. Er ließ es ihnen sagen. düng Gieße n—W i e s e d—QI lten-Dused —G roßen-Bus'e ck—B ir? u.e r n—B ersrod. Alle Anwesenden, es waren alle Parteien vertreten, sind s,ch darin einig, daß unbedingt etwas geschehen muß, um die nicht an der Eisenbahn liegenden Orte des Dusecker Tales durch eine Autolinie mit Gießen zu verbinden. Zählen doch die Orte, die von der Aütolinie zu berühren wären, mehr als 6000 Einwohner (Großen-Bused ausgenommen). Man erwartet nun von den interessierten Gemeinden, daß, wenn die Teilstrecke Gießen—Wieseck eröffnet ist, was jeden Tag geschehen kann, diese sich zusammenschließen, um den weiteren Ausbau der Linie durchzusühren. : —: Bersrod, 9. Rov. 3n unserem kleinen 437 Einwohner zählenden Dörfchen ist die Bautätigkeitsehrrege. So sind allein in diesem 3ahre drei Einfamilienhäuser, zwei an dem alten Weg nach Reiskirchen und eins an der Beuerner Straße, in Angriff genommen worden. Eines davon konnte bereits vor einigen Wochen bezogen werden, das zweite steht unter Dach, und das dritte wird ebenfalls noch vor Winter mit dem Dache versehen werden. 3m Vorjahr wurden ein Einfamilienhaus und ein Doppelhaus, beide an der Beuerner Straße gelegen, beendet. Letzteres, welches mit lebhaften Farben gestrichen ist, gereicht unserem Dorfe zur Zierde. Die eine Hälfte, die nach der Wetterseite zu liegt, ist mit einem recht geschmackvollen über dem Haus- eingang befindlichen Schutzdachs versehen, welches das ganze Häuschen sehr freundlich erscheinen läßt. t Treis a. 2ha., 9. Rov. Der hiesige Zweigverein des Evangelischen Bundes hielt gestern abend seinen ersten Familienabend für diesen Winter in Lemps Saal hier ab, der die Menge der Tellnehmer kaum fassen konnte, die den Hauptredner des Qlbends, den Schriftsteller Haumann -Ranzhausen gern hören wollte. Dieser sprach in bekannter Frische und mit heiligem Ernst über die große Rot unserer Zeit in Anschluß an Luthers Dort: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir!" Er forderte Rückkehr jedes Einzelnen zum evangelischen Glauben als einzigen Weg zur Rettung unseres Volkes. Der Vortrag wurde von sehr schön vorgetragenen Chören des hiesigen Kirchen-Gesangvereins unter Leitung von Lehrer Walter und einigen gemeinsamen Liedern der Versammelten umrahmt. =£ Lich, 8. Rov. Unter Beteiligung aller Bevölkerungskreise fand heute nachmittag die Weihe unserer erweiterten Turnhalle statt. Tiefgehendes Verständnis für Zweck und Bedeutung geregelter Leibesübungen, opferfreudiger Bürgersinn vom Schlosse bis zur Hütte und tatkräftige Schaffensfreude vom Bauleiter über den Vorstand des Turnvereins hinaus bis zum letzten Arbeiter haben ein Werk zustande gebracht, auf das Verein und Bürgerschaft mit Stolz blicken können. Rach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden des Turnvereins, der allen, die am Zustandekommen des Baues mit* geholfen haben, den Dank des Vereins aussprach, folgte ein Weihechvr des Gesangvereins „Cäcilia" unter Leitung seines bewährten Dirigenten Stein. Lehrer O h w a l d, Dad- Rauheim, ein Licher Kind, Mitglied unseres Vereins und in führender Stellung in der Deutschen Turnerschaft tätig, hielt bic formvollendete Weiherede und gedachte darin auch der Männer, die, schon vor einem Menschenalter die hohe Bedeutung des Turnens erkennend, zum Bau der früheren, allmählich zu eng gewordenen Halle angeregt hatten, vor allem aber derer, die mit ihrem Herzblut ihre Liebe zu Volk und Vaterland besiegelt haben, und forderte zu regerer Teilnahme am Turnen und dadurch zur Bildung einer großen Volksgemeinschaft als der Grundlage zum Wiederaufstieg unseres Volkes auf. Freiübungen und Barrenturnen der Altersriege (mit einem 69jährigen in ihren Reihen), Reckturnen der 1. Riege des als Gast anwesenden Turnvereins 1846 Gießen und Reigen der Butzbacher Turnerinnenableilung wechselten mit weiteren Gesangsvorträgen der hiesigen vier Vereine, die sämtlich ohne Unterschied ihrer politischen Richtung ihre musikalischen Kräfte in den Dienst der Feier stellten und chr Bestes gaben. Am Abend erfüllte der Verein eine Ehrenpflicht, indem er mehrere bewährte langjährige Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannte. Die Ausgezeichneten sind: 3ohs. Bender, Hch. Schmidt IX., Hch. Schmidt II. und Hch. Schmidt VIII. Für die Geehrten dankte der In dem Konferenzzimmer herrschte nervöses Schweigen. Doktor Alisch, der kaufmännische Direktor, rechnete die Differenzen aus, der Bürgermeister kaute an der ungewohnt schweren Zigarre, die Ingenieure standen im Erker und schauten durch die Rolläden auf den Platz hinunter. Ingold schrieb. Als er die Bedingungen formuliert halle ,ging er in lein Kontor und diktierte sie in die Maschine. Seine Stimme klang hart, die Tasten schlugen die Sätze wie mit kleinen raschen Hammerschlägen ins Papier. Der Polizeiamtmann kam, auf dem Platz erschienen die Helme der Gendarmen. Telegraph und Telephon spielten nach allen Seiten. Es wurde Abend, und noch war keine Einigung erzielt. Der Maschineningenieur kam und meldete, daß die Kesselfeuerungen erloschen seien. An einer ungesicherten Mauerkante, wo der Strom wühlte, begann sich der feuchte Verputz zu lösen. Eine Stunde später stürzte eine Mauerecke ein. „Wie können die Arbeitszeit nicht kürzen und zugleich den Nachtlohn erhöhen," sagte Ingold. ..Die Lohnerhöhung will ich gelten lassen, so gefährlich die Konsequenzen auch sind. Aber wir dürfen dem Wasser keine Ruhe lassen. Bis jetzt ist alles gut gegangen, denn der Rhein war ein Lamm. Wenn er Hochwasser führt, und wir sind nicht auf der Hut, zerreißt er uns das Werk. Wir müssen in diesem Jahr mit allen Flußkorrektionen fertig werden und mit den Hochbauten unter Dach kommen. Wir müssen!" Farbige Dämmerung schien zu bjm Fenstern des Konferenzsaales herein. Die Kontore waren leer. Hotz schloß das Gittertor und harkte die Wege. Das Scharren seines Rechens rief Hanns Ingold ans Fenster. Da schrie in der Ferne das Signalhorn. Unwillkürlich traten alle an die Fenster. Hotz hielt inne mit Rechen. Hermann Ingold kam mit Doktor Engelhardt aus dem Kloster, und auch sie stutzten. Alle meinten im nächsten Augenblick das Krachen der Sprengladungen hören zu müssen, obwohl sie genau wußten, daß gar nicht gearbeitet wurde. "Also, Sie wollen übermorgen schon abreifen. Hermann?" wiederholte Engelhardt feine Frage, als das Signal sich ohne Echo verloren halle. letztere in launiger Weise., Eine kombinierte Turnerinnenabieilung auS Lich und Langsdorf, sowie eine Barrenriege des festgebenden Vereins erfreute durch Geräteübungen und Reigen. Don den verschiedenen Reden, in denen dem Turnverein Glückwünsche für weiteres Wachsen und Gedeihen ausgesprochen wurden, seien die des Bürgermeisters Völker und des Gau-Oberturn- wartes Will, Gießen, hervorgehoben; an letztere schloß sich das mit Begeisterung gesungene Deutschlandlied als ein Gelöbnis zu alter deutscher Treue. Das obligate Tänzchen hielt die zahlreichen Gäste, die den Raum bis zum letzten Platz füllten, noch lange beisammen und beschloß die zu allseitiger Befriedigung verlaufene Feier. ri. Lich, 9. Rov. Unter allseitiger Beteiligung der ganzen Gemeinde wurde gestern hier das Erntedankfest gehalten. 3n den beiden Festgottesdiensten wirkte die Chorschule unter Leitung von Lehrer Stein mit. Eine Sammlung für das Rettungshaus in Kloster Arnsburg brachte 57 Mark. Eine weitere Erntedanksammlung von Geldspenden und Lebensmitteln, die für das Diakonissenhaus Elisabethen- stist in Darmstadt bestimmt ist, ist im Gang: Die hiesigen Konfirmanden haben ihre Zeit und Kraft mit Eifer hierfür zur Verfügung gestellt. — Auch in der benachbarten, von hier aus kirchlich versorgten Pfarrei Riederbesfingen beging man in der festlich geschmückten Kirche das Erntedankfest, dessen Schlußliturgie unter Mitwirkung der Schullinder als feierliches Chorgebet gestattet wurde. Riederbessingen ist zur Zeit durch den Tod des langjährigen Lehrers» Graulich in die allgemein beklagte Lage gekommen, keinen Organisten zu haben; doch hatte gestern Schulverwalter M o r i aus Lich, der zur Zeit die hiesige Schule betraut, den Organistendienst übernommen. Die Erntedankfestsammlung im Betrag von 26 Mark ist für die Leipziger evangelisch-lutherische Mission bestimmt. ri. Rieder Hessin gen, 10. Rov. Durch die reichlichen und starken Regensälle der letzten Tage hat die Wetter Hochwasser, und die Wiesen, die sich von Kwster Arnsburg aus weithin bis Laubach im Wettertal ausdehnen, sind überschwemmt. Allgemein wird von den Landwirten sehr darüber geklagt, daß die nasse Witterung das Ueberhandnehmen der Schnecken begünstigt. Die gefräßigen Gäste haben auf den Aeckern bereits großen Schaden angerichtet. Kreis Friedberg. Friedberg, 9. Rov. 3n Turnerkreisen sind starke Bestrebungen im Gange, eine neuzeitliche Turnhalle zu errichten. Die seit, beuge Turnhalle der Turngemeinde reicht für den äußerst regen Turnbetrieb des aufstrebenden Q3er» eins nicht mehr aus, trotzdem im Vorjahre ein Anbau ausgeführt wurde. Größere turnerische Veranstaltungen und Familienabende mußte die Turngemeinde seither immer schon in anderen Sälen abhalten. Da solche in unserer Stadt aber kaum noch zur Verfügung stehen, ist der Verein geradezu dazu gezwungen, sich ein neues zeitgemäßes Heim zu schaffen, wenn er seine vielseitigen Aufgaben losen und lebeirsfähig bleiben will. Eine große Turnhalle würde auch dem Saalmangel abhelfen, über den in unserer Kreisstadt lebhaft geklagt wird. <£ Bad-Nauheim, 9. Nov. Durch Verfügung des Kreisamts Friedberg wurde die Zahl der hier zu wählenden Stadtverordneten auf 21 festgesetzt. Es hängt das damit zusammen, daß amt» lich eine Einwohnerzahl von weniger als 10 000 angenommen wird. Seither betrug die Zahl der Stadtverordneten 24. Bad-Nauheim, 9. Nov. Am Samstag und Sonntag tagte hier im Hotelrestaurant „Malepartus" die ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes zur Wahrung der Interessen der Krankenkassen im Volks- st a a t Hessen mit dem Sitz in Darmstadt, dessen Vorsitzender, Rechnungsdirektor Harth ist. Während die Sitzung am Samstagnachmittag mehr der geschäftsordnungsmäßigen Erledigung der alljährlichen Geschäfte des Verbandes, Rechnung und Voranschlag, Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr usw. galt, fanden in der Mitgliederversammlung am Sonntag zwei lehrreiche Vorträge statt, die 'allgemeines Interesse hatten. Direktor Oster- mayer von der Allgemeinen Ortskrankenkasse Freiburg i. Br. erstattete einen Vortrag über „Das zweite Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung vom 14. Juli 1925 und der Neuregelungen der Beziehungen zwischen Krankenkassen und Be- Sie standen tm Hofraum des Direktionshauses vor dem runden Hyazinthenbeet, das zwischen dem Gitterwr und dem Eingang feine bunten Kerzen reckte. Berauschend dufteten die Blumenfackeln in der warmen Frühlingsluft. Da stieß das Horn noch einmal seinen kläglichen und doch so drohenden Schrei aus, und dann sahen sie zwischen den Baracken von Napoli hervor im fahlen Zwielicht die dunklen Arbeiterkolonnen herankommen. „Hermann, siehst du vielleicht, was das Signal bedeuten soll?" klang Hanns Ingolds Stimme aus der Höhe. „Sie kommen," rief Hermann zurück, und oben wurde es still. Hanns Ingold trat auf den Balkon hinaus. Er blickte hinunter. Der Himmel wölbte sich als klare Kuppel, wie aus gehämmerten Goldblech, über dem Stromtal. Der Rhein fchoß in einem mächtigen Strahl durch den aufgesprengten Lausten der Aue zu. Die Wälder standen schwarz als starre Silhouetten im Licht. Und schwarz ragten die Gerüste, die Maschinen, die Türme und Seilwerke aus der Tiefe der Aue, in der alle Umrisse zu verschwimmen begannen. Hanns Ingold sah sie kommen. Unter den Schattenstrichen der Schwebebahn hindurch, an deren Drahtseilen die mitten im Lauf ftiUgelegten Förderkörve wie kleine schwarze Särge in der Luft hingen, kamen sie gezogen. Engaufge- schlossen, ohne Lärm, nur von einem leisen Murmeln und dem dumpfen schweren Tritt ihrer Marschkolonnen begleitet. Ein Amtsbote erreichte noch vor ihnen das Tor und reichte ein Schreiben des Bezirksamt herein. „Aufmachen und vorlesen!" rief Hanns hinunter. Engelhardt schlug es auf, und Hermann rief hinauf, daß der Dezirksamtmann die Parteien zur Einigungskonferenz aufs Amtshaus lade, Militär aus Freiburg fei unterwegs. Es war zu spät. In den Männern, die da in breitem, immer breiter werdendem Zug auf den freien Platz drängten, saß oerhallener Zorn. Ihre Gesichter glänzten fahl in der gelben Dämmerung, die bunten Schärpen der Mineure und die blauen Blusen der Maschinenarbeiter stachen aus der dunklen Masse. rufsgenossenschasten". Alsdann erfolgte ein Vortrag des Verwaltungsdirektors Schröder vom Reichsverband der Deutschen Landkrankenkassen in Perleburg über „Arztfragen". Beide Vorträge fanden reiche Zustimmung. An die Tagung schloß sich unter fachkundiger Führung eine Besichtigung der Heil- anlagen und technischen Einrichtungen des Bades, die für die Krankenkassen von Bedeutung sind. Den Verhandlungen am Sonntag wohnten der Präsident des Oberversicherungamts, v. Krug, Vertreter der Landesversicherungsanstalt, der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenosienschaft, sowie mehrerer Versicherungsämter bei. Als Ort für die nächstjährige Tagung der Mitgliederversammlung wurdtz Alsfeld bestimmt. Ober-Mörlen, 8. Nov. Einen in jeder Beziehung überraschenden Ausgang nahm heute die Bürgermeister-Stichwahl, der ein ungewöhnlich reger und heftiger Wahlkampf vorausgegangen war. Wie lebhaft die Bevölkerung an dem Ausgang des feit Monaten währenden Kampfes um das Amt des Ortsoberhauptes interessiert war, geht daraus hervor, daß 95 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Es wurden insgesamt 1368 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den seitherigen Bürgermeister G e i b e 1 640, auf befi Gegenkandidaten Anton Eduard Schmidt 728 Stimmen. Der letztere ist somit gewählt. Obwohl bei der Hauptwahl vor 14 Tagen (Seibel nur noch 49 Stimmen an der absoluten Majorität gefehlt haben, ist ihm der Sieg nicht gelungen, weil die Partei des Arbeitervertreters Th. M o r f ch e l sich mit aller Entschiedenheit für Schmidt eingesetzt hatte. Bei der ersten Wahl vor 14 Tagen waren die Stimmen wie folgt verteilt: (Seibel 613, Schmidt 463, Morschel 247. Die heutige Wahl war die vierte Bürgermeisterwahl in diesem Jahre. Im Juli bereits ging der seitherige Bürgermeister Geibel aus der Stichwahl als Sieger hervor. Die Wahl wurde aber, wie wir seinerzeit berichteten, vom Kreisausschutz Friedberg verworfen. Kreis Büdingen. Aus dem Riddatal, 9. Rov. Aus manchem, der es in diesen Fahren unternommen, mit nur geringen oder ungenügenden eigenen Mitteln sich ein Haus zu bauen, lastet schon heute schwere finanzielle Sorge. Er sieht sich außerstande, seinen geldlichen Verpflichtungen nachzukommen, weil leine Einkünfte nicht ausreichen, das Leden zu fristen und dabei gleichzeitig Abzahlungen zu machen und schwere Zinsenlast abzuwälzen. ilnter diesen Verhältnissen wird es manchem unmöglich fein, das neuerbaute Haus auf die Dauer zu hatten. Bei einem Verkauf aber muh mit starken Verlusten gerechnet werden, die Gestehungskosten werden nie erreicht werden. Erspartes oder Ererbtes ist 6ami hin und all die schwere, selbflgeleistete Arbeit war umsonst. Das mag manchem Baulustigen zur Warnung dienen. So verlockend der Gedanke ist, aus äußerst engen Wohnverhältnissen herauszulommen und sich am eigenen Herde wärmen zu können, das Unternehmen wird, so nicht genügend eigene Mittel vorhanden, Sorge und Verbitterung bringen. Solange die von Reich und Gemeinde gewährten Zuschüsse im Verhältnis zum DauvbjM recht bescheiden sind, die Gestehungskosten sich auf fast dreifacher Friedenshöhe bewegen und die Dankzinsen für den ehrlich strebenden Arbeiter unerschwinglich sind, sollte jeder, den die Hoffnung auf ein neues, eigenes Heim erwärmt, sich ernstlich prüfen, ob es unter den obwaltenden Umständen nicht geraten ist, für die Ausführung des Planes einen besseren Zeitpunkt abzuwarten. Kreis Schotten. Eichelsdorf, 9. Rov. Die ersten evangelischen Gemeindeabende in diesem Winter wurden jetzt in den zum Kirchspiel gehörenden Gemeinden Ober-Schmitten und E i ch e l s d o r f abgehalten. 3n beiden Veranstaltungen, die sich mit der Ostasien-Mission befaßten, hatte Pfarrer Hoch, Setters, den Licht- bildervortrag übernommen. Rach einleitenden Grußworten des Ortsgeistlichen, Dekan Seriba, entrollte der Redner ein überaus anschauliches und fesse.ndes Bild von dem 3nselreich 3 ab an. Unterstützt durch eine große Zahl prächtiger- mehrfarbiger Lichtbilder zeigte er die Schönheit, des Landes, das Leben und Treiben seiner Be< wohner in Stadt und Land, die verschiedenen Religionsarten und deren Einwirkung auf Staat und Familie. Der Tätigkeit^ der evangelischen Mission in 3apan, die auch während des Krieges Sie waren angekommen, und plötzlich standen zweitausend nackte Fäuste steil in die Lust und drohten zu dem Balkon hinauf, wo Hanns Ingold den Zug erwartete. Ein einziger rauher, brüllender Schrei zerriß die Schwüle und wälzte sich in erschauernde Ferne fort. „Schickt die Sprecher herauf!" Hell urb scharf klang Ingolds Stimme aus der Höhe. Unwillkürlich trat Engelhardt in die Gärtnerloge zurück, die in dem Winkel des Vorhofs lag. Joseph hantierte schon darin und suchte das Vorlegeschloß für das Tor. Hermann Ingold war auf dem Hof stehen geblieben, gebannt von dem gewaltigen Anblick der wogenden Menge, aus der jetzt die wilden Rufe: „Nein, genug verhandelt! Wir wollen die Antwort holen", wie Raketen aufftiegen. Sie standen vor dem Gitter, und dieses Gitter reizte sie. Schon griffen nervige Fäuste in die Stangen und rüttelten daran. 5)eUe Frauenstimmen kreischten auf und peitschten die Erregung noch höher. Mit verbissenen Zähnen stand Hanns Ingold auf dem Balkon und blickte in die quirlende Menschenflut, die fessellos tobte, eine im Zwielicht kaum noch erkennbare Masie, aus der nur ein blasser Schein emporschlug und der Schweiß der erhitzten Natur mit ben rauhen Stimmen zugleich heraufftieg. Er hätte gern hinuntergerufen, daß er nicht um Lohn markte, wenn sie nur die Krane drehten und die Mauern bauten, denn ihm galt das Werk alles, und sie waren nur Helfer zum Werke, aber er glaubte, daß er sich nichts abtrotzen lasten durfte, ohne des fessellosen Stromes Beute zu werden. Er rief nicht, er wartete. Nur stehenbleiben, nicht den Kopf wegwenden. Da klang das Horn noch einmal, und ein Teil der Menge fetzte sich mechanisch wieder in Marsch. Die Spitze des Demonstrationszuges schwenkte nach der Stadt ab. In diesem Augenblick flog ein Stein. Klirrend schlug er durch eine Scheibe des ersten Stocks. Und dann war auf einmal alles ein wilder Taumel, und während der Zug schon in Fluß geraten war, prasselte, von unbändigen Elementen, Pflasterbuben und Weibern geworfen, ein Steinregen und zerschmet- terte jedes Fenster im Haus. (Fortsetzung folgt.) Frankfurt a.M. Berlin 7. 1L Datum: I 7,9 I 43.5 131 94,25 94.25' 6,9 72,5 44,25 91.75*190,75' Frankfun Zellstoff IBnlbbof.... Snrferfabrif Frankenthal KuSenabrik Waghäusel in Untersuchungshaft abgeführt. den der An fest jchmaus Zum Frankfurter Abenbbörse. heutigen M udeln Man verlange ausdrücklich mAGGIs Würze. 85 64.5* 59,5 43,5 103, i" 104.2' ioi,r >03* 101* 101,5* 73 25 6,90 0,03 26 28,5 43,5 77 118* 57,6 117* 57.9* «8* 1.75 64,5' 72 75' 116* E7 115,5- 115.7* 58* Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 0.835 U.&5 0,225 0,225 110* 55 115* 115.2* 41.4 55.25* 76 90,4* 67,5 26.6 24 20 0 198 0.22 0.23 0,34 0,23 I 67' 73,75' 70' 61 75' 78,25' 24 90 Ji 55 22 2.5 79,13 51 44 55 23 1.5 79 13 50,5 45 5 20,6 1,5 79,4 SO 5 Wirtschaft. Don den deutschen SchlachlviehmarKten. den deutschen Schlachtviehmärkten 97,1 7.7 43 25 130* 56,5 44,25 24 90,5 55 20,5 2.5 79,1 51 41.62 28 25 20 26 57.5 116* 41,5 57* 76,75 * Einigungsverhandlungen im Konflikt in der chemischen 3 n b u ft r i e. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, bnt der ReickBarbettSminister im Lohnstreit in der chemischen Industrie der Provinz Heften- Aassau und des Freistaats Hessen zur Durchführung eines amtlichen Schlichtungsverfahrens den Oberregierungsrat Albrecht vomReichS- arbeitSminister zum Schlichter bestellt. Der Schlichter hat di« Parteien zu Verhandlungen auf Donnerstag. 12. Aovember. nach Berlin in daö Reichsarbeitsministerium beordert. D-rfenkurse. Frankfurt a. M., 9. Nov. Im , Abendoerkehr, der wieder sehr kleine Geschäfte hatte, waren die wenigen amtlichen Kurse im Vergleich au den besseren Nachbörsennotierungen gehalten. 3m freien Verkehr gingen Sproz. Reichsanleihe zu 0,205 um. Die Abendbörse schloß still, aber mit Nei- 85.25 66^5* 10i* 106 106 .14 41* 65.5* >3.25* 65,25 44 65.9* Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Düsseldorf Elberfeld Essen Frankfurt Hamburg Hannover Husum Karlsruhe Kassel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin । Stuttgart I Zwickau vorigen Woche war der Handel in ollen Gattungen in der Hauptsache mittelmäßig. Bei Rindern war verschiedentlich auch etwas schleppender Geschäftsgang zu verzeichnen, während Schafe und Schweine an einzelnen Plätzen gutes Geschäft aufwicsen. Die Preise waren 94 25* 103.5* 105* 101,5* 90 in großen Originalflaschen zu RM.6.50 besonders vorteilhaft. Man füllt daraus das kleine Maggi-Fläschchen selbst nach und hat außer Geldersparnis noch die Garantie der Echtheit 10714c --------- Achtung auf unversehrten PlombenversehloO. = 66.n 62,75* 91,25* 70* i 03.5* :80 75* 26.8 24,25 26 27,5 65 75* 35 32.»ö* '5,25* '2.5* 98 9* 104 (05.25 34,4 42* 65* 53.4* 67 90.25 । 97,1 ! 7.65 | 42.5 | 128* 94 5* 103.2* 132,7* 101,2* 73,23 6,85 0.03 Frankfurter Armaturen ■ Konservenfabrik Braun . Metallaescll'chaft Set. Union Ä-G chuh'abrik Herz Sichel 5»/, Deutsche RcichSmcketye 4% Deutsche Reichsanseibe . BVa°/n Deutsche Nrichkanleihe 3% Deutsche Reich-anleide . Deutsche Svarprämicuanleihe 4°/o Prcuhische fionfctS . . • 4% Hessen..... ..... 31///. Hessen 3% Hessen Deutsche Dertb. Tollar-Anl. bto. Doll.-Schay-Anrrcisna-') 4°/, Zolltürken .... 5% Goldmerikaner .... Dcrlioer HandelSaesellschaft. Commer;, und Privat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche DereinSbank .... DiLconto Conunanbit Meiallbauk.......... Mitteldeutsche Treditbank. . Oesterreichische Grcbitanftalt Westbank ..... Lochumer Guh ....... BuderuS • . . Caro a Luxemburg irchcner Bergwerke. . Harpencr Bergbau...... Kaliwerke SlscherSleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurabütte Obcrbcdars....... Phönix Bergbau . Rheinstabl .......... Riebcck Montan ....... Tcllus Bergbau ....... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd Theramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holjmann Anglt'.Cont.-Guano .... Badische Anilin........ Chemische Master Alavin . . Goldschmidt . Griesheimer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung . . RütgcrSwerkc Lcheideanstalr Mg. Eleltriritätr-Tesellschaft Bergmann Aiainkraftwerke Schlickert Siemens & Halske Ädlrrwcrke Kieper Daimler Motoren. ..... Henliaenstaedt......... Mesum......... . . . Motorenwerke Mannbeivr . I v 11| » 11. Ü 200 0.235 0,3173 0 125 | 0 215 0 21 0.23 O.Y 91 75 97,35 Schlechte Verdauung bebt sich durch den Genuß von Simons- Brot, Zu haben im *** Reformhaus, Krevzplatz 5. Igung zum Nachgeben. Deutsche Stenten: Schutzgebietsanleihe 4,40. Ausländische Renten: 4zproz. österreichische Staatsrente 3, 4öproz. Oesterreichische Schatzrente von 1914 11, Ungarische Goldrente 12,65, 4iproz. Ungarn von 1924 11,1. Bankaktien: Com« i I merzbank 93,75, Darmstädter Bank 103,50, Deutsche I 174.62* 1101.7* 103,5 IW 34.13 42* 66 5* 54.75* 65,5 nicht eingesteUt wurde, widmete er OBotic besonderer Anerkennung. Die Versammelten folgten mit regstem Interesse dem zweistündigen ^vertrage und konnten ein, recht anschauliches ^tlo des fernen Landes in sich aufnehm en. § Dom Vogelsberg, 9. Aov. Bor we- nigen Tagen hat das Schliherland wieder 2 Waggons mit Kartoffeln und anderen seld* früchten an das Elisabethen st ist in in Darmstadt gesandt. Auch der n o r d o st - liche Vogelsberg, der dieses >aahr eine reichliche Kartoffelernte hatte, stand nicht an Opferfreudigkeit zurück, sondern brachte Mitte voriger Woche ebenfalls Kartoffeln und Gemüse, einen Waggon, zur Verladung. Es war etwas Prachtvolles. in Ehringshausen und Mticke alle die schwerbeladenen Wagen zu sehen auch ein Lastauto, die ihre Qaft der Eisenbahn' anücrtrantcn, um ein Liebeswerk zu tun. Sie Aamen der beteiligten Gemeinden seien verschwiegen: möchten es im nächsten Jahre noch mehr fein, falls die Ernte an Hackfrüchten wieder gut werden sollte. Vesser als ein Erntedank in Worten ist ein Erntedank der Tat! Kreis "Alsfeld. l. Drauerschwend, 8. Aov. Untere Gemeindemitglieder versammelten sich hntte vollzählig im neu hergerichteten Go t t es - Haus. Das Innere der Kirche hat ein festliches Aussehen erhalten. Die gewählten Farben sind für das Auge wohltuend, und die künstlerische Ausschmückung. die sich dem eindrucksvollen Gesamtbild in recht geschmackvoller OBeiJe emfugt, zeugt von feinem Empfinden. An der Decke sehen wir in bildlicher Darstellung das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, und aus den Füllungen der Empore sprechen die Seligpreisungen aus der Bergpredigt zu uns. Aach dem Lied der Gemeinde „Tut mit auf die schöne Pforte brachte der hiesige Kirchenchor „Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses" in vollendetem Vortrag zu Gehör. Der Ortsaei st liche verlas hierauf den Text aus Offenb. Foh. 21. 1 J. Seiner Predigt legte er Worte aus dem Ps. 84 zugrunde: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!" Pfarrer Aheinfurt zeichnete in packender Darstellung ein Bild von der Entstehung der ersten Gotteshäuser auf heiligen Orten und verglich die mit Opferung verbundene Anbetungsformen früherer Zeit mit dem Gottesdienst unserer Tage. Er wies dami darauf hin, wie engverknüpft das Geben des Einzelnen mit seiner Heimatkirche sei und lieh seine Predigt ausllingen mit dem Mahnruf, das Haus des Herrn nicht nur bei besonderem Anlaß aufzusuchen, sondern oft einzukehren und der durstigen Seele von dem Brunnen des lebendigen Wassers zu geben. Hierauf fang der Kirchenchor: „Herr, deine Güte reicht so weit". Am Schluß der Feier dankte Pfarrer Aheinfurt allen an der Herstellung 6er Kirche Beteiligten. (!) Groß-Felda, 9. Nov. Hier herrschte im vergangenen Sommer eine verhältnismäßig rege Bautätigkeit. Verschiedene private Bauten entstanden ober wurden wesentlich vergrößert. Durch die Errichtgung eines Zweifamilienhauses fettens der Gemeinde für die Familien der beiden Chauffeure der Postautolinien wurde die Wohnungsnot erheblich behoben. Zur Zeit finden die hiesigen Maurer noch lohnende Beschäftigung an dem Neubau einer komplette Hofreite, die Bauunternehmer Karl V ö l z i u g erstehen läßt. (i) Kestrich, 9. Nov. Bei einer Treibjagd im hiesigen Jagdbezirk, der von Fabrikant D ö l- zing und Postmeister Usinger gepachtet ist, wurden 2 4 Hasen und 10 Rehe erlegt. Starkenburg. WER. Babenhausen, 9. Nov. Heute vormittag gegen 4 Uhr ist in der hiesigen Zelluloid warenfabrik Grotzfeuer ausgebrodjen, das beträchtliche Warenvorräte völlig zerstörte. Die Fabrik war bereits im Frühjahr durch Großfeuer zerstört und inzwischen wieder ganz neu aufgebaut worden. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Rheinhessen. Mainz, 9. Aov. (WSA.) Die bisherige Annahme, daß die mangelhaften Fundamente des Domes, die seit seiner Errichtung eine beständige Gefahr für den Bestand des Bauwerkes darstellen, die Tlrsache der seit Fahren schon beobachteten Absplitterung bllden, trifft nicht zu. Es hat sich herausgestellt, daß hier für die Tragbögen des Turmes eine weit größere Gefahr hinzutritt, die in der üleber- lastung des Turmunterbaues und besonders der Sragbögen des Turmes basiert. Es ist die Aufgabe entstanden, die durch zweifache Dlrsachen herbeigeführten Schäden dauernd zu beseitigen und baf) die Sicherung des Kuppelturmes selbst seiner Fundamentsicherung vorangehen muß. Diese Frage ist z. Zt. Gegenstand eifriger Beratungen der zuständigen Stellen. — Gesteml abend 6 Uhr stießen im Vorort Weisenau« zwei Wagen der elektrischen Straßen^ bahnen an der Endstation in Weisenau ju< fammen. Der Sachschaden ist sehr bedeutend, Personen wurden nicht verletzt. — 3n Aiedersaulheim ist unter den noch nicht schulpflichtigen Kindern der Keuchhusten in epidemischer Art aufgetreten. Alzey, 9. Aov. (WSA.) Die Oberpostdirektion hat der Errichtung einer Kraftpost- linie Alzey — Aieberwiesen zugeftimmt. Weitere Linien sind in Aussicht genommen von Alzey nach Kriegsfeld, von Alzey nach Wöllstein, sowie von Alzey nach Waldülbersheim und Guntersblum. Die Verhandlungen darüber schweben noch. WSN. Bingen, 9. Nov. Dor einigen Tagen versuchten in den Abendstunden mehrere Diebe in die hiesige katholi sch e Kirche einzubrechen. Anscheinend hatten sie es auf den Opferstock abgesehen. Zufällig wurden die Diebe vom Pfarrhaus aus bemerkt. Es wurde Hilfe herbeigerufen, was die Einbrecher veranlaßte, die Flucht zur ergreifen, Lank 105, Discontogejellschast Medio 101,50, Dresdner Bank Medio 100, Mitteldeutsche Creditbank 90, Oesterreichische Kreditaktien 6,90. Montanaktien: Kali Aschersleben 106, Kali Westeregeln 106. Chemische Aktien: Elberfelder Farben 116,12, Goldschmidt 57,50, Höchster Farbwerke 116, Holzverkohlung 41,50, Scheideanstalt 76,75. Schisfahrtsaktien: Hapag Medio 66,87. Nordd. Lloyd 73,50. Zndustrieaktien: Adlerwerke Kleyer 28, AEG. Medio 91,75, Elektrisch Licht und Kraft Medio 90,5, Holzmann 44,25, Loh- meyer 76,50, Wayß und Frey tag 61, Zucker Offstein 44,25. Berliner Börse. Berlin, 9. Aov. 3n der neuen Woche herrschte die gleiche Lustlosigkeit wie bisher. Die Ilmsatztätigkeit war so gering, daß am Montanmarkte selbst führende Kurle wie Ahein- stahl. Harpener usw. nicht notiert werden konnten. Die angeblich am Samstag beabsichtigten Interventionen der Großbanken hatten heute nicht die Bedeutung, die man ihnen vorgestern bei Börsenschluß beirnah. Obwohl die Aachrichten über die Trustverhandlungen in der westdeutschen Eisenindustrie wieder optimistischer lauten, hob die Spekulation heute die ungünstigen Tatsachen wieder stärker hervor, so vor allem die an* haltenden Betriebsstillegungen bei großen Industrie-Konzernen. Außerdem wurde die Verstimmung dadurch gefördert, daß der französische Franken eine neue Verschlechterung erfahren hat. Paris wurde heute mittag gegen London mit 122 genannt. Einige Aufmerksamkeit lenkte sich bei Beginn der Börse auf die unnotierten Werte, wo Äfa - Aktien reger umgesetzt werden. Daneben wurden heimische Renten etwa- reger gebandelt Am Geldmärkte ist die Lage flüssig. Tägliches Geld 8 bis 10 Prozent, Monatsgeld 10 bis 12 Prozent. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,36, Amsterdam 59,15'/.. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 9. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23, Roggen, inländischer 17,25, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 23,50, Hafer, inländischer 18,50 bis 21, Mais, gelb 18,25 bis 18L0,Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 38 bis 38,50, Roggenmehl 24,50 bis 24,75, Weizenkleie 10, Roggenlleie 10 bis 10,25, Erbsen 30 bis 36, Linsen 40 bis 70, Heu, süddeutsches, gut, trocken 9,50, Weizen- und Roggenstroh 5, Treber, getrocknet 18 bis 18,50. Tendenz: Matt. — Amtliche Notierungen für Speisekartoffeln: Industrie aus hiesiger Gegend 2,60 bis 2,70, weißschalige 2,20. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarlt. Frankfurt a. M.. 9. Aov. Auftrieb: 1637 Rinder, darunter 352 Ochsen 41 Bullen. 1244 Färsen und Kühe: ferner 448 Kälber, 503 Schafe, 4206 Schafe. Ochsen: vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 56 bis 63, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere auszemästete 46 bis 55, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 38 bis 45. Dullen-, vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Echlachtwerts 51 bis 56, vollfleischige jüngere 43 bis 50. mäßig genährte junge unb gut genährte ältere 25 bis 35. F ä r s e n und Kühe: vollfleischige auSgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 60, vollsleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu sieben Jahren 48 bis 55, weni^ gut entwickelte Färsen 42 bis 52, ältere audgcmXitcte Kühe und wenig gut entwickelte Jüngere Küche 37 bis 47, mäßig genährte Kühe und Färsen 26 bis 36. gering genährte Kühe ijnb Färsen 15 bis 25, Kälber: Feinste MastkälAer 70 bis 78, mittlere Mast- und beste ©augfälber 60 bis 68, geringere Mast- und gute Saugkälbfr 50 bis 58, geringe Saugkälber 45 bis 48. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 46 bis 50, geringere Mast- hämmel und Schafe 36 bis 44, mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 26 bis 34a Schweine: Dollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 87 bis 90, vollfleischige unter 80 Kilogramm 80 bis 86, vollsleischige von 100 bis 120 Kilogramm 90 bis 92, vollsleischige von 120 bis 150 Kilogramm 90 bis 92, Fettschweine über 150 Kilogramm 90 bis 92, unreine Sauen un- geschnittene Eber 75 bis 85. Marktverlauf: Langsamer Handel, äleberftand. Berliner Produktenbörse. Berlin. 9. Aov. Der Produktenmarlt hatte zu Beginn der neuen QMe rutyi^c Haltung und das Geschäft war schleppend. Weizen und Roggen weiter gedrückt. 3n Gerste besteht große Zurückhaltung. Hafer stark am Markte, aber wenig gefragt. Futterartikel unverändert. Es kosteten 1000 Kilo: Weizen, märt. 218 bis 221. Bto. Dezember 232V? bis 233V?. dto. März 235 bis 236, Roggen, märt 132 bis 135, dto. Dezember 1531/2 bis 154V>, dto. März 164 bis 163V2 bis 165, Bto. Mai 163 bis 169, Gerste, märt 184 bis 208. Futtergerste 148 bis 160, Hafer, märt 157 bis 166, dto. Dezember 173 bis 171 bis 172, dto. März 178; es kosteten: 100 Kilo: Weizenmehl 27 bis 3125, Roggenmehl 20 bis 22,25, Weizenkleie 11,20 bis 11,30. Roggenlleie 9 bis 9,20, Diktvriaerbsen 24,50 bis 31,50, Kleine Speiseerbsen 23,50 bis 25,50. 101 1*6 >25 33.5 64,5* 67 45 ohne daß sie ihr Vorhaben ausführen konnten. — Bei einem hiesigen Spediteur ist eine größere Menge Salva rsan beschlagnahmt worben. Er will die Ware von einem Unbekannten erhalten haben. Nachforschungen sind eingeleitet. WSN. Oppenheim a. Rh., 9. Nov. Das durch seine guten Weine bekannte Rheinstädtchen Op- penheim in Rheinhessen hat dieser Tage feine 700-Jahrfeier begangen. Aus diesem Anlaß hatte die französische Besatzungsbehörde jede öffentliche Kundgebung untersagt: der geplante historische Festzug und jede Beflog- g u n g mußte unterbleiben. Das einzige, was geduldet wurde, war eine Festsitzung des G e - m e i n d e r a t s , in der der Stadt aus Anlaß ihres 700jährigen Städtejubiläums eine Ehrenurkunde durch einen Vertreter des Staatsministeriums überreicht wurde. Preußen. Dillkreis. bl. Dillenburg. 9. Aov. Am Donnerstag. 12. d. Mts., tritt der Kreistag des Dillkreises zu einer Sitzung zusammen. Aus der Tagesordnung steht unter anderem die Errich - einer Kreissparkasse. WSN. Haiger, 9. Nov. Gestern ging das Personenauto eines Siegener Fabrikanten am Allendorfer Wege während der Fahrt i n Flammen auf. Der Giegentümer des Kraftwagens, der sich allein im Fahrzeug befand, konnte sich durch rechtzeitiges Abspringen in Sicherheit bringen und durch energische Selbsthilfe die Ausdehnung des explosiven Feuers verhindern. Die Ursache des Brandes dürfte in einer Explosion des Vergasers liegen. EI. Aiederscheld, 9. Aov. Die in den Aachkriegsjahren zum größten Teil auch in unserer Gemeinde darniederliegende Bautätigkeit hat in diesem Jahre einen erfreulichen Aufschwung genommen. Eine ganze Anzahl von Privatbauten sind entstanden bezw. gehen der Vollendung entgegen. Links der Dillenburger Landstraße gegenüber den Frankschen Eisenwerken hat sich eine kleine Kolonie gebildet. Frankfurt a. M. und Umgehend. Frankfurt a. M., 9. Aov. (WSA.) Eine auffallend starke Benutzung des städtischen Pfandhauses und der Pfänder- s a m m e l st e l l e ist zur Zeit hier festzustellen. 3n zahlreichen Fällen verfallen die Pfandscheine, da die Benutzer des Pfandhauses keine Verlängerung der Pfandscheine beantragen, weshalb die Sachen zur Versteigerung gelangen und dabei zu ganz geringen Preisen veräußert werden. — Der aus Kassel stammende 44jährige Kaufmann Fritz Deck ist wegen Betrugs, Urfunben- fälschung und Unterschlagung verhaftet worden. Beck, der erst vor kurzem aus dem Zuchthaus entlassen worden war, wo er sechs Jahre gesessen hatte, „verdiente" sich in letzter Zeit seinen Lebensunterhalt dadurch, daß er Heiratsannoncen aufgab und den sich meldenden Frauen ihren Schmuck stahl. Evtl, sachdienliche Aachrichten werden nach Zimmer 414 des Polizeipräsidiums erbeten. Höchst a. M., 8. Aov. (WSA.) Für die Stelle des Bürgermeisters in Höchst haben sich 118 Bewerber gemeldet. Don diesen sind 47 noch amtierende Bürgermeister, 33 Beigeordnete und Stadträte, 11 Volkswirtfchaftler. 4 Bankbeamte, 5 Regierungsbeamte und 13 Kommunalbeamte in weiterem Sinne. Bewerbungen aus Stadt und Kreis Höchst liegen nicht vor. Es ist noch nicht entschieden, welche von den Bewerbern in die engere Wahl fallen. WSN. Fechenheim, 9. Nov. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, zwei hiesige Fabrikarbeiter dabei zu überraschen, als sie gerade in einer geheimen Werkstatt mit der Herstellung von Fünfzigpfennigstücken beschäftigt waren. Ungefähr 3500 Stück halbfertiger Geldstücke, Matrizen, Tiegel, Metall und anderes Material konnten beschlagnahmt werden. Zahlreiche Falsifikate sollen sich bereits in Frankfurt und Umgebung im Umlauf befinden. Die beiden Münzverbrecher wur- 7. II. 0.2 0.2425 0,234 0,34 0.117 ,z2 0,24 0,23 0 195 91.75 97,4 7 Novbr. 9. Nov^r. Amtliche No'ti'rung (Selb 1 Brief Amtliche Notierung toelb 1 Pries Buen.-Aires Brss.-Äniw. Cprisiiania. Kopenhagen Stockholm . HelsingsorZ- «talien. . . London. . Ncuyork . - Pori4. . . Schweiz . . Spanien . Japan . . . Rio de Jan Wien in D-» Ccft. abgcst Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon Danzig. . . .(lenftentin. Athen. . Canada. . . Uruguay . . 1K8.84 1.739 10,03 85,21 101,41 112,17 10,53 16 63 20,$33 4,195 16.94 80,84 59,93 1,773 0.626 69,1- 12.415 7,43 5,8 5 3.035 21.225 80,03 2,39 5.84 4.197 4.215 B 169,26 1.143 19,07 85,43 104,70 113,45 10,59 16,67 20,3h3 4,2)5 16,98 81.04 60,07 1,777 0.628 59,27 12.455 7,45 5,895 1,045 .0,275 80.83 2,40 5.86 4.207 4.225 anfnote 168,84 1.738 19 03 85,24 104.49 112,22 10.55 16,59 =10,33 4.105 16,64 80.84 59 J9 1.776 .) 634 □9,1? 12,42 7.43 5,875 3,04 21 225 80 65 r,'v 5 59 4,197 4,315 n. 1W.24 1.7« 19,07 8.5.4Ü 104,75 112,50 10,59 16,63 20,38 4,201 16,68 81,04 60,03 1,780 1,636 59,26 12,4 1 7,45 5,895 3.05 21,275 80,85 2,40 6.71 4,21'7 4.325 Berlin, 9 Novbr Geld Briet Amerikanische Nölen ..... Belgische Noten........ Dänische Noten . ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländisch: Noten...... Ukalienischr Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr-, 3100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweiler Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten...... *,195 18 r| 104.'7 20,287 16,Gl 168,50 16,58 85,04 68,94 111.94 80,70 59.69 12.280 5.84 4.215 19,0 > 101.79 20,387 16 70 169.81 1 i,65 85,4*. 59,24 112,50 81,10 59 99 12.540 5.88 die folgenden: Rinder Kälber Schafe Schweine 18—55 45—105 28—56 84—100 25—53 40—95 30—55 78—94 16—53 50—75 25—51 74—93 20—57 60—92 25—50 80—100 20—59 50—100 27—50 75-89 20—58 60—87 30—57 70—105 20—61 50—93 1 ■■ » - 77—93 20—59 50—95 30-55 80—94 25—58 48—110 20—50 78—92 16—65 50—84 25—52 76—95 14—56 30—99 25-55 80—96 15—60 30—90 20—45 80—92 22—57 — — 38—48 — — 20—58 80-85 — — 82—94 20—56 50—68 ——» —— 80—90 14—54 27—82 24—52 56—90 20—63 56—95 30—48 78—95 20—56 35—85 20—56 80—100 15—56 30—70 20—47 83—100 14—58 50—88 26—38 74—94 18—63 60—90 ■ ■■ - — 64—92 12-53 35—90 15—45 80—98 13—56 61—81 - — 73—96 15—54 45—84 30—50 78—98 land benötigt. 582 Henke!’s Bleich- u. Waschmittel nuinqm'miA/ahnUdv VXw L-, Einzelvortrag Rmk. 1.- den Abendkassen. Karten 10426£) für Studierende in der Llniversität. d&ß= stellt! Bernhard Wichter und Frau Gießen, den 9. November 1925 09083 Fritz Kling und Frau 28 Jahre Utz ich an Wieseck, 9. November 1925 09088 - Möbel Tatkraft und Freihtitsliebe. 10722c 10U8a Eugen J.Jtimann Bahnh GintrittSkarten: GesamÜurs Rmk. 3. bei G. Challier, Reuenweg 9, und an = E 1 Für die uns anläßlich unserer Vermählung in überaus reichem Maße zuteil gewordenen Aufmerksamkeiten danken hierdurch recht herzlich Betten, Matratzen Deckbetten, Kissen Jugendliche haben zur 4-Uhr- Vorstellung Ermäßigung. Nur noch heute und morgen Die glückliche Geburt eines kräftigen Sonntags jungen zeigen hocherfreut an Bekanntmachung. Die Gemeinde Lollar beabsichtigt auf dem Wege schriftlichen Angebots einen Vogelsberger Dullen zu verkaufen. Angebote auf pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Montag, dem 16. Aovember 1925, nachmittags um 7 L!hr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Bedingungen bekanntgegeben werden. Zuschlagsfrist 2 Tage. Lollar, den 9. November 1925. Hessische Bürgermeisterei Lollar. Schmidt. 10721V Schlafzimmer,Herrenzimmer Speisezimmer in guter Arbeit — extrablllige Preise Teppiche, Gardinen, Steppdecken Teilzahlung gestattet 10730a Reichszentrale für heimat-ienst Landes-Abteilung Hessen Mittwoch, den 11. November, 7.30 Uhr abends Professor Vr. G. Mntzel, Frankfurt am Main Die Verträge von Locarno in historischer Betrachtung Der Dortrag findet in der Neuen Aula der Universität statt. Äfiff tjerba-Seife Erz Ette ttu rasche Heilung. Frau Hacbmann in W. Der St. M. -.sv, eo°/° verstärkt M. i.— Zur Mchbehandiuna ist Herba-Creme be« Ein Fuß-Spezialist der Peseura-Fußhilfe steht Ihnen S. 10. 11. November bei uns zur Verfügung ^oltrun,-ruir echfc, •YiMznn/ auj} dem/ ^JcLkzitdcr Lichtspielhaus Bahnhofstraße Einen der schönsten Filme der letzten Zeit Die Karawane sollten Sie nicht versäumen. Der Zug der ersten Pioniere, größtenteils deutscher Bauern, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der unbegrenzten Gefahren, aber auch der unbegrenzten Schönheiten rollt in fesselnden Bildern ab. Auch der Jugend sei der Film warm empfohlen; es ist keine billige Indianergeschichte, sondern ein hohes Lied von deutschem Mut, Cafe Amend Morgen abend 8 Uhr: 7. Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn CLAUS MAY NB. Sonder-Konzerte finden jeden Mittwoch statt 9771c Der Ruf unserer Firma bürgt dafür, daß wir Ihnen zur Behandlung Ihres Fußleidens nur das empfehlen, was wir nach genauester Prüfung als das Beste und Richtigste erkannt haben. Verlangen Sie unsere Gratis-Broschüre Die Fußhilfe und kommen Sie vertrauensvoll zur kostenlosen Fußuntersuchung und Beratung zu uns. llr. rö- Die! 0 Atichsn" Hl«. ssernl?" Ms lag un»® Anschnl' über Zeit, Dichtung, Theater. Fritz Landsberger umreiht kurz und klar die gegenwärtige Situation der Dichtung. Berthold Viertel schildert den Regisseur als den lebendigen Interpreten des Dramas, Bernhard Diebold sieht das Wesen des Films als Kunstwerk in der Lieberwindung des von Lessing geprägten, erstarrten „furchtbaren Momentes", und dann geht es „Rundum" durch das Theater in Amerika, Italien, Rußland, und wieder zurück nach Deutschland, in dein Bayreuth, Donaueschingen, Salzburg mit klugen Augen gesehen wird. Berliner und Stuttgarter Theater erscheint mit Wichtigstem. Der „Fall Gärtner", ein Schandfleck in der deutschen Kulturgeschichte der Gegenwart, fehlt nicht. — Das „Werk" bringt Bruchstücke lebendiger Dichtung der Gegenwart, in den „Arabesken" ist ein toller Einfall durch Bert Brecht, Karl Kernheim und Georg Kaiser Wirklichkeit geworden. Wir sehen den folgenden Heften mit Spannung entgegen. — „D i e Kunst", Monatshefte für freie und angewandte Kunst, F. Bruckmann 01.=®., München, gibt soeben ihr reich ausgestattetes Rovemberheft heraus. Die Mannigfaltigkeit der vortrefflich illustrierten Aufsätze führt zu den verschiedensten Bezirken der freien wie der angewandten Kunst. Der kürzlich verstorbene Russe Leon Bakst erscheint in seinen Beziehungen zur Kunst der Szene mit den Figurinen und Dekorationen, die er für das Russische Ballett geschaffen. Der Münchener Maler Karl Schwalbach erfährt eine feinsinnige Würdigung. Der Stuttgarter Bildhauer Alfred Lörcher äußert sich über die Absichten, die ihn bei seinem Schaffen leiten. Waldmann-Bremen berichtet über ein un- /öor$Uht beim Ankauf Don fänun! Gießen hat aus Roheit und Rauflust am 29. März 1925, abends gegen 10.30 Uhr, einem hiesigen jungen Mann in der dunklen Kaiserallee zunächst, von hinten her kommend, eine Ohrfeige gegeben. Dies war die Veranlassung, daß seine Schwester K. P. und deren „Freund" H. L. B. hinzueilten und mit dem Geschlagenen und seinen Bekannten einen w ü st e n Streit vom Zaun brachen. K. G. P. hat sich vor dem Jugendgericht, seine Schwester und H. L. B. haben sich vor dem Einzelrichter zu verantworten. Die beiden Burschen erhielten wegen schwerer gemeinschaftlicher Körperverletzung j e sechs Wochen Gefängnis, das Mädchen 30 Mark Geldstrafe, vier Zeugen widerlegten die Angabe der Angeklagten, daß einer der Zeugen mit einem Stein nach den Baracken geworfen und die K. P. dabei getroffen habe. Der jugendliche K. G. P. wurde der Strafaussetzung nicht für würdig erachtet und muß deshalb auch die früher verwirkten Strafen verbüßen. Der Fall möge anderen jugendlichen Rohlingen zur Warnung dienen. Vüchertisch — „Die Premiere", Blätter für wesentliches Theater. Gustav Kiepenhauer-Verlag, Potsdam. Hanns Horkheimer gibt hier eine neue Zeitschrift heraus, die. wenn sie hält, was in der ersten Aummer durch die Tat versprochen ist, wirklich die Zeitschrift für das Theater zu werden verspricht. Zuerst und zumeist wegen ihres weltumfassenden Horizontes, der das gesamte europäische Theater einschließt, zum anderen durch die Gewinnung der dem Theater am innigsten verbundenen Köpfe zu tätiger Mitarbeit. Hans I. R e h f i s ch schreibt grundlegend • Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Hühneraugen-Lebewohl für die Zehen und Lebewohl-Bailenschciben für die Fußsohle, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohl- Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf. erhältlich in Apotheken und Drogerien Sicher zu haben bei: H. Noll, Ludwigsplatz - Drogerie und Neustadt • Drogerie, O Winterhoff, Drogerie, Kreuzplatz 9/10. 3785A Md 2Jon u nf e Ion D wird in der y weilen; Regierung Empfang/ faches D)it Freitag l Mumen J allein in 5 ten Ümsar fach Seleg» sehen. Don M im 21 dem 2«en Spalier bi bart die schlossen^' vergeblich sich Verein sählichem - verbände Gold. Die werden da; Es ist in Hessen heute vhn wird. „D den hellste bereit, uns damals all richtet, hab politischen ( schalt hinde Deutung gti in eine Ze schastlichen nicht ohne Mchspräsi Zuversi tzindenbur, mann ist; Staat, er i| anttoort vtaatsgesinn bürg überall seine ossiziel bößeiung mi den ist. Dasein. @ewii Hindenburg, freier Ostpo mehr ein A ft a a t ä m a Mannes, de Einheit 1 bild reinste seins ist. Aus d zeit zu seit den; die I eines Dec Alle, die von der ; Frieden de berichtet vo lll, da uma Ne und i der Unlätic landein er i es ist die nnw.er in t ®e't>Qnnt|eii N inöglid Kahren, lid iu geben ’u Io man deutschen^ Der Q Helsen unn «altrahlen meröomleil kößen, Es Künsten * io aust A^e'senk QUj au hinaus. U( h ^er I tzralide ^uddeulsch L°nDür a6| Ä® rla,'“«fett’ "nll<6e Ad $orbet liebem den fi* &u 9**11 Mge ®iebe^ ,,Sie lachen trotz des eingeklemmten Fußes?“ „KunststücklWenn man seine Hühneraugen durch „Lebewohl“ losgeworden ist, macht einem so etwas direkt Spaß.“ Gießener Jugendgericht. In der letzten Sitzung wirkten als Jugendschöffen mit Frau Karoline Pfeiff und Karl Voigt, beide von Wieseck. Ein 17jähriaer Angeklagter ist beschuldigt, an der Straße Allendorf—Climbach mehrere Obst- bäume durch Behauen beschädigt zu haben. Er hat früher die Tat einem Wachtmeister, der ihn zur Rede stellte, zugegeben. Bei seiner richterlichen Vernehmung widerrief er das Geständnis, das er auch in einer früheren Hauptverhandlung nur aus Furcht abgegeben haben wollte. Gleichzeitig wurde eine neue Zeugin namhaft gemacht, die gesehen haben sollte, daß ein kleiner Junge aus Allendorf un Unverstand die fraglichen Bäume angehauen habe. (Es handelte sich nur um ganz leichte Beschädigungen.) In der zweiten Verhandlung bestätigte die Zeugin unter Eid diese von ihr gemachte Wahrnehmung. Der Angeklagte wurde deshalb freigesprochen. Ein diebisches Hausmädchen, das bei feiner Herrschaft wertvolle Gegenstände (Armbanduhr, Armband, Ring, Brillantnadel) gestohlen hatte, obwohl es keineswegs in Not handelte — es ist die Tochter wohlsituierter auswärts wohnender Leute—, wurde wegen fortgesetzten Diebstahls unter vorläufiger Strafaussetzung in eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen verurteilt bei vierjähriger B e w ä h r u n g s f r i st. Der Vormundschaftsrichter wird Erziehungsmaßregeln anordnen. Es handelt sich um eine erste Bestrafung, und es wurde zugunsten der Angeklagten angenommen, daß sie den wahren Wert der entwendeten Sachen nicht gekannt hat. Der bereits mehrmals vorbestrafte K. G. P. von bekanntes Frauenbildnis Leibls. Die intime Raumkunst des Berliner Meisters Hermann Mu- thesius wird an zwei neu entstandenen Billen in Berliner Bororten aufgewiesen. — Das Rovemberheft der „Zeitwende" (C. H. Decksche Berlagsbuchhandlung, München) gibt dem so überaus reichen Oktoberheft an Qualität nichts nach. Hohe Gegenwartsbedeutung im Jahre der Stockholmer Konferenz hat Hans von Schuberts Aufsatz über „Deutsches Volkstum und christliche Weltreligion", der Eigenart, Wert und Aufgabe der deutschen Ausprägung des Christentums mit feiner Kunst Herausarbeitei. Was Wilhelm Stählin über „Stockholm" berichtet, dringt über das rein Politische hinaus zum eigentlichen Kern der Probleme vor. 3n dem Aufsatz über Wilhelm Steinhaufen sagt der Maler Adolf Schinnerer zugleich Grundsätzliches über religiöse Kunst und ihre Entwicklung im letzten Menschenalter. Tim Kleins Tragödie „Thomas Münzer ist eine starke Dichtung, trotz historischer Treue vom unmittelbaren Leben der Gegenwart getragen. Bier schöne Bilder Steinhausens illustrieren Schinnerers Aufsatz und schmücken zugleich das stofflich so abwechslungsreiche Heft. — Sixtus-Wilm, 3 m Heinzelmännchenreiche. Bilderbuch. Derls^Lnstalt Gorlitzer Rachrichten und Anzeiger, Görlitz. Die Idee, einen ganzen Tag im Reiche der Heinzelmännchen zu schildern, ihr Leben und Treiben im Bilde festzuhalten und mit schönen Versen zu erläutern, ist ganz originell. Abgesehen von den inneren Vorzügen, ist das Buch auch in der Ausstattung ganz vorzüglich und besitzt somit alles, was es für seine Aufgabe und Reise ins Kinder- MWMO. Morgen Mittwoch, II.Nov.: wrn. Morgens um 10 Uhr: 10709D Schweinskopf mit Kraut. Abends von 6 Uhr ab: Metzelsuppe. NMANMM "Hfi Ausstattung stilrein ».preiswert OleBtilljlW I Ulliv.'Driiaerel.«. tauge. Wen. Srüulstr.7 M 8MW-M, 8W.21 Morgen Mittwoch: Großes Schlachtfest Ich habe heute gemördert, eine fette Sau ins Jenseits befördert, doch lieh sie allerlei Dinge zurück, ein Leckerbissen ist jedes Stück! Hei, was bekommt Ihr alles bei mir: Wellfleisch mit Kraut und Jhring-Bier 10731D und Rippchen mit echtem Weizenbrot, dazu ein Weinchen, weiß oder rot und Würste mit oder ohne „Hoi, Hoi!" dazu echt Münchener Hackerbräu. Run kommt alle zu Greilichs Fritz hinaus in das bekannte „Gambrtnushaus" l I Fußleidende! j»ibt schneeweiße Wäsche spart Seile und ersetzt die Rasenbleiche Völlig unschädlich. — OHNE CHLOR am M