Ur. 185 Erster Blatt U5. Jahrgang Montag, 10. August 1925 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlck unö verlag^vrühl'sche UniverfitätL-vuch. unO Stetnöniderci R. Lange in Sietzen. Schriftleilung und Seschästzftelle: Lchulftrahe r. Annaqme von Anzeigen fürbit lagosnnmmer dis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbmdlichkeit. Preis jur l mm l für Anzeigen von 27 mm Breite drilichs, auswärts 10 ©olbpfennig; für Re» Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzoorschrist 20°,Auf» schlag - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Mlh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchem; für den Anzeigenteil: Hans Deck, fämtlich in Gießen Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags Beilagen: GiebenerFamilienblütter Heimat im Aid. Monat»-vezHgrprel». 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlüsse: schriftleilung 112, Der» lagundGeschafi-stelle5l. Anschrift für Drahlrad). lichjenAnzeigerGiehen. psstschecklonto: Zrantfurl a. M. 11686. Dor Briands Ankunft in London. Der englische Standpunkt. - Die französischen Wünsche. London, 10. Aug. (TU.) Briand wird heute abend in London antommen und Voraussicht» l'ch zwei Tage hier bleiben. Die Mitglieder des Nahmen» befinden sich trotz der Vertagung des Unter» Hauses wahrend der Dauer der Berhandlungen in London. Der „Obferocr" befaßt sich kurz vor der Ankunft Briands noch einmal mit dem Verhandlungsthema und meint, Berlin dürfe nicht wieder einem diplomatischen Druck durch die Alliierten ausgesetzt werden, wenn nicht die Schönheit und her moralische Wert der ganzen Bemühung um den Pakt zerstört werden sollen. Es gebe nur eine richtige Art und Weise, den Pakt sertigzustellen, das sei eine Konferenz, an der Deutschland gleichberechtigt tcilnehme. Wenn Briand die politischen Realitäten nicht akzeptiere, wie sie sind, dann werde der Pakt das gleiche Schicksal haben wie das Genfer Protokoll. Der diplomatische Starre» spondent der „Sunday Times" schreibt: Vas Kabinett ist sich klar darüber, daß die erste Anregung von Berlin kam und daß die deutsche Regierung sich wahrscheinlich auf einen neuen diktierten Vertrag nicht einlassen wird. Es bat daher beschlossen, keinem Vertrage seine endgültige Zustimmung zu geben, der nicht m i t Berlin erörtert worden ist, und der Berlin verhindern würde, Gegenvorschläge zur 'reien Erörterung zu unterbreiten. Der Londoner Berichterstatter des „Temps" Gibt eine ausführliche Darstellung des britischen Standpunktes. Baldwin habe die Kabinettsmit» ^lieber, die Samstag abreifen wollten, gebeten, mährend der nächsten Woche in London zu bleiben, damit sie über dem Fortgang der Be- iprechungen zwischen Briand und Ehamberlain auf dem Laufenden gehalten wurden. Er hoffe, daß bis itnbc der Woche ein Einvernehmen zwischen ben beiden Staatsmännern herbeigeführt werden könne. Per vorherrschende Eindruck ist der, daß die Abneigung des britischen Kabinetts gegen weitgehende kontinentale Verpflichtungen sich unter dem Druck der Dominions in der letzten Zeit erheblich verstärkt hat. Die britische Regierung, so glaubt der Vertreter des „Temps" mit Bestimmtheit Voraussagen zu können, werde in durchaus lokaler Form ihre Absicht verwirklichen, an der Aufrechterhaltung des europäischen Friedens bei Wahrung der Handlungsfreiheit im Ausmaß d:s Jahres 1914 mitzuarbeiten. England werde dementsprechend in einem .Kriege nur nach Fällung eines Schieds- lpruchs durch den Völkerbund oder eine andere Körperschaft intervenieren. Was das Recht Frankreichs auf Sanktionen anbelangt, lo stehe die englische Regierung nach wie vor auf dem Standpunkt von 1919 und 1923 (gelegentlich der Besetzung von Frankfurt und des Ruhrge- liets), daß Sanktionen nur nach vorausgegangener Entscheidung eines Schiedsgerichts ergriffen werden dürften. Eine Havasmeldung aus London besagt, daß man im englischen Auswärtigen Amt folgende drei Programmpunkte angebe: 1 Die französische Antwort an Deutschland; 2. der Sicherheitspakt und 3. die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund. Cs heißt dann in der offiziellen, mehr die französischen Wünsche als die britische Auffassung loiedergebenden Meldung weiter: Die Aniwortnole fciirb sehr kurz fein und sich darauf befchränken, rewifse Punkte der deutschen Note vom 20. Juli zu berichtigen und im übrigen die Reichsregierung oon in Kenntnis zu fetzen, daß die Ausfptache auf tiplomalischen Wege durch die Kanzleien beendet '•i und direkte Verhandlungen beginnen nerben. Dementsprechend wird Deutschland ein» ■■Haben werden, zu einem bestimmten Datum Verhandlungen mit den Alliierten oufzunehmen. Sicherheitspakt: Von französischer und englischer Seite wird etzt ein Projekt des Sicherheitspaktes ausgear- leitet und miteinander verglichen. Der französische Entwurf befindet sich zur Zeit in London: doch besteht Grund zu der Annahme, daß Briand ein umgearbeitetes Projekt iad? London mitbringen wird, das dann Segenstand der Besprechungen neben dem eng- ifd)cn Gegenentwurf werden dürfte. Beide Pro- Ate sollen zu einem einzigenDokument . m g e a r b e i t e t werden, das den Verhandlungen mit Deutschland zugrundegelegt wird. Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund: Das Zoreign Office pflichtet noch immer Toll und ganz der französischen Rote vom 16 Juli bei. in der festgestellt wurde, daß Deutschland nur auf dem rorgcschrie- lenen Wege in den Völkerbund eintreten iarf, und daß namentlich eine Befreiung ton den militärischen Verpflichtungen des Art. 16 nicht in Frage kommt. Ferner wurde behauptet, heißt es in der chavasnote weiter, daß die Frage der Garan» rerung der deutschen SchiedsgerichtSderträge mit Polen und der Tschechoslowakei Lurch Frankreich zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß gegeben hätte. Aach der Havas- rtelbung handelt es sich nur um redaktionelle Differenzen. England hat erklärt, 2ah rs Frankreich völlig freie Hand Zn den Garantien der Schicdsgerichtsver- Der Kampf um die gollvorlage. Der Reichskanzler spricht. — Kommunistische Störungsversuche. Stürmische Debatte. Berlin, 8. Aug. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Zolloorlaae. Bon den Regierungsparteien ist dazu ein Geschäftsordnungs» antrag eingegangen, der die Redezeit zur Zoll» Vorlage insgesamt für jede Fraktion auf vier Stunden beschränkt. Die Verlesung dieses Antrages wird von ben Sozialdemokraten und Kommunisten mit stürmischen Entrüstungsrufen aufgenommen. Abg. Müller» Franken (Soz.) erklärt, es fei bezeichnend, daß niemand den Mut habe, diesen Antrag zu begründen. Abg. Stöcker (Komm.) bezeichnet ben Antrag als eine Verhöhnung der Arbeiter. (Beifall bei ben Kommunisten. Abg. Dr. Scholz (D. Bp.) erklärt unter leb» Haftern Widerspruch ben Linken, baß der Antrag durchaus keine Verletzung der Geschäftsordnung bedeute. Es entspreche nicht der Würde des Parlaments, das im Ausschuß Beratene im Plenum toieberÄutäuen. Abg. Koch (Dem.): Wir haben bei der Steuerberatung keine Obstruktion betrieben. Um so emp» findlicher muß es uns berühren, wenn durch den vorliegenden Antrag eine fachliche Beratung unmöglich gemacht wird. Abg. Fehrenbach (Ztr.) erklärt, die Mehrheit Hobe sich bei diesem Antrag von rein fad)- lidjen Gründen leiten lassen. Die dringende Verabschiedung der Zollvorlage sei unbedingt notwendig. Außerdem stehe fest, daß auch bei einer längeren Beratung an der Vorlage doch nichts geändert würde. Die allgemeine Aussprache wird eingeleitet durch eine Rede des Reichskanzlers. Als Reichskanzler Dr. Luther beginnen will, wird ihm minutenlang von verschiedenen Kommunisten zugerufen: „Jetzt kommt der Oberräuber'" Präsident L ö b c erteilt diesen Zwischenrufern mehrere Ordnungsrufe und droht bei Wieder- holung schärfere Maßnahmen an. Der Reichskanzler führt dann — wiederholt durch laute Zuruse der Kommunisten unter» brachen — aus, die schleunige Schaffung eines Zolltarifs als Instrument für b i e Han» delsvertragsverhandlungen fei eine Lebensfrage bes beutfchen Volkes. Deutschlands Wirtschaft brauche, um den Dawesverpflichtungen nachkommen zu können, dringend normale Handelsverträge. Man habe nicht den Wunsch, die. europäische Wirtschaft auf der Grundlage hoher Teuerungen aufzubauen. Wir müßten eine weitgehende Ermäßigung ober Beseitigung der Zollschranken mitmachen. Das sei aber nicht möglich, solange bie Länder um uns immer neue Teuerungen aufrichten. Würden wir uns dem nicht an» Sassen, so würden wir ja ohne Geld deutsche Arbeit und Produktionskraft ins Ausland bringen. Wir müßten die Pafsivi» tät unserer Handelsbilanz beseitigen. Als der Reichskanzler dann ausführl, die Regierung nehme bei ihrer Gesetzgebung Rücksicht auf die Lebenslage der arbeitenden Massen, wurden von den Kommunisten Rufe laut: „Der verhöhnt die Hungernden noch!" Andere laute Zurufe werden vom Präsidenten Löbe durch Ordnungsrufe an die kommunistischen Zwischenrufer gerügt. In dem allgemeinen Lärm unterbricht der Reichskanzler seine Rede mit der an bie Kommunisten gerichteten Wendung: „Das deutsche Volk ist wirklich beklagenswert!" Die Kommunisten ergänzen diese Worte lärmend und erregt gestikulierend mit dem Ruf: ^dah so einer Reichskanzler ist!" Die Kommunisten stürmen die Treppe zum Rednerpult heran und rufen dem Redner laut in gleichmäßigem Rhythmus zu: Abtreten! Abtreten! Weg mit ihm! Präsident Löbe, der fortwährend die Glocke schwingt, kann sich erst nach einigen Minuten verständlich machen. Er droht den Kommunisten Ausweisung aus dem Saal an, wenn sie nicht sofort die Plätze wieder einnäy- men. Darauf tritt einigermaßen Ruhe ein und der Reichskanzler fährt fort. Er weist auf die Schwierigkeiten hin, die die allgemeine Verarmung der breiten Masse der träge lasse. Es besteht kein Grund,, anzunehmen, daß England von seinem Standpunkt ab- gekommen ist Zum Schlüsse heißt es: Man verschließt sich in den zuständigen englischen Kreisen nicht der Erkenntnis, daß stoch gewisse Schwierigkeiten und Meinungsverschi^enheiten zu beheben sind: doch erblickt man in dem Um- stand, daß Briand jetzt noch London geht, einen Beweis dafür, daß sich die beiderseitigen Standpunkte beträchtlich genähert haben. Streikabbruch in Schanghai. Einlenkeu der japanischen Arbeitgeber London. 9. Aug. (211.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß der Streik in den japanischen Wollspinnereien kurz vor dem Abbruch steht. Zwischen den japanischen Unternehmen, dem javanischen Konsulat und dem chinesischen Frem- denkomnnssar in Schanghai haben Verhandlungen stattgefunden, die zu einem neuen Ar- beitszeitabkvmmen geführt haben. Rur der chinesische Prvvrnzgouverneur muh hierzu noch seine Zustimmung geben Die seit vielen Wochen im Streck befindlichen 50 000 Arbeiter werden dann die Arbeit sofort wieder aufneh- Käufcr für die Wirtschaft gebracht habe. Er betont die Rvtwendigkeit. die Kaufkraft zu stärken und die Preise zu senken Um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, habe sich die Reichs- regierung jetzt entschlossen, in die Herabsetzung der Umsatzsteuer Don ll/< auf 1 Prozent am 1. Oktober zu willigen. Bisher konnte man eine entsprechende Preissenkung nicht beobachten. Jetzt könne sie aber erwartet werden, denn durch die gestern verabschiedeten neuen Steuergesetze seien die Voraussetzungen dafür geschaffen. Die Reichsregierung werde allen in Betracht kommenden Verbänden der Wirtschaft gegenüber eine einheitliche Preissenkung für den 1. Oktober nachdrücklichst betreiben ustd nötigenfalls von ihrer gesetzlichen Handhabe zur Preissenkung Gebrauch machen. Man könne jetzt nicht mehr sagen, daß die Einkommensteuer aus der Substanz bezahlt würde. Darum lege er auch so großen Wert darauf, daß die Zollvorlage im Anschluß dn die Steuervorlage verabschiedet werde. Der Reichskanzler geht dann kurz auf den Zolltarif ein und betont, daß die meisten Positionen autonom seien, also bei den Handelsvertrggsverhandlungen verändert würden. Es habe darum gar keinen Sinn, an der Höhe dieser Positionen Kritik zu üben. 3m übrigen handele es sich auch nur um eine vorläufige Regelung bis zum 31. 3u(i 1927. Der Reichskanzler schließt unter tobendem ßärm der Kommunisten mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die schleunige Verabschiedung des Zolltarifs zur Gesundung dar deutschen Wirtschaft und zur Herbeiführung normaler Handelsbeziehungen mit der Welt beitragen möge. (Die Kommunisten begleiten den Schluß mit lauten anhaltenden Pfuirufen. Die Sozialdemokraten zischen.) Abg. Dr. Hilferdiug (Soz.) Die Krise kann überhaupt von uns nur überstanden werden, wenn Deutschland es versteht, gegenüber den anderen seine Veredelungs- Produktion zu vermehren. Und daß ist der erste grundsätzliche Fehler der Handelspolitik der gegenwärtigen Regierung, daß diese Politik nicht hinausgeht auf die Förderung der Veredelungs- Produktion, sondern wiederum die Produktion der Rohstoffe fördert, obwohl seit 1902 die weltwirtschaftlichen Verhältnisse einen grundlegenden Wandel erfahren haben. Es ist ein Unglück für die deutsche Produktion, daß Sie (nach rechts) durch eine Einführung der Getreidezölle die Kosten der Produktion steigern. Die Getreidezölle sind eine Lüge gegen die volkswirtschaftliche Entwicklung. Die heutige Technik steht im Widerspruch mit den politischen Grenzen der europäischen Staaten. Deshalb ist eine auswärtige Politik notwendig, die auch diese wirtschaftliche Politik in den Kreis ihrer Berechnungen stellt, das heißt, die eine Befriedung Europas schafft und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Weiter ist erforderlich, daß wir uns nicht selbst durch eine Schutzzollpolitik die Grenze für unsere Wirtschaft noch mehr verengen und uns vom Weltmärkte absperren. Der vorliegende Zolltarif bedeutet eine lückenlose Erhöhung aller Preise. (Sehr richtig! links.) Es ist notwendig, die Veredelungsprodukte, sowohl der Industrie wie auch der Landwirtschaft, gegenüber den Rohstoffprodukten zu fördern. Grade das Gegenteil tut der vorliegende Zollentwurf, der nichts anderes ist, als eine Addition der einzelnen Interessen. Die Belastung der Konsumenten durch den vorliegenden Zollentwurf schätze ich auf 1,25 Milliarden Mark. Der einzige Preisabbau, der dieser Regierung gelungen ist und ihr weiter gelingen will, ist der der wahren Arbeitskräfte. Das ist eine Folge des Sieges der Rechten bei den letzten Reichstagswahlen. Der Reichskanzler hat gesagt „Handelspolitik läßt sich mit der Sozialdemokratie nicht machen", und das Zentrum hat sich dem einfach gefügt. Rein! Handelspolitik, die nicht ein Verrat an der Sozialpolitik sein soll, kann nur mit der Sozialdemokratie gemacht werden. men. Auch der Spinnereiarbeiterverband wird zu dem neuen Abkommen seine Zustimmung geben, nachdem er von der chinesischen Regierung als Gewerkschaft und berechtigte Vertretung der Arbeiterschaft anerkannt worden ist. Rach dem Abkommen sollen bie Löhne um 10 Prozent höher werden. Die Unternehmer wollen 100 000 Dollars an die Gewerkschaft zahlen, wenn sie sich zur Aufrechterhaltung des Aicheitsabkommens und zur Unterdrückung jedes wilden Streikes bereit erklärt. 20 000 Dollars dieses Betrages sollen sofort an die Fannilen der wahrend des Streikes getöteten Arbeiter verteilt werden Durch dieses Abkommen werden nur bie japanifchen Spinnereien berührt, während die Arbeiter der britischen Spinnereibetriebe weiter im Streik bleiben. Der Haß bet chinesischen Arbeiter richtet sich jetzt nur noch gegen die englischen Arbeitgeber. Durch diese Verständigung hat Japan erreicht, daß sich der Fremdenhaß nur noch gegen bie Engländer richtet Der lediglich aus Europäern bestehende Stadt rat von Schanghai ist jetzt gezwungen, mit den streikenden Arbeitern ein ähnliches Abkommen zu treffen, wenn er nicht Abg. Dr. PcrlitiuS (3-) gibt hierauf im Rainen der Regierungsparteien und der Wirtschaftlichen Vereinigung eine längere Erklärung ab. Darin wird gcfagi, die jenige Vorlage sei das Ergebnis gründlicher Zusam- menarbeit zwischen der Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien Die Richtschnur für diese Arbeit war das Bestreben, einen Ausgleich zwischen den notwendigen Bedürfnissen der S r - zeug er und den Lebensinteressen der Der» 'brauchet zu finden. Vor allem mußte die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion erstrebt werden Da ließ sich bie Gefahr einer gewissen Preissteigerung bestimmter Derbrauchsartikel nicht ganz vermeiden. Die Regierungsparteien glauben aber, daß durch die von ihnen erreichte Herabsetzung der 11 m lauft e u e r diese Steigerung wieder ausgeglicheii wird. Wenn sich aber später Schwierigkeiten für ben Verbrauch ergeben sollten, so wollen die Regierungsparteien bem dadurch begegnen, daß die Regierung im Einvernehmen mit ReichSrat und Reichstagsausschuh zu Aenderungen ermächtigt ist. Angesichts der Elle, mit bei- im Interesse baldiger Handelsvertragsabschlüsse her Zolltarif verabschiedet werben muß, wird sich vielleicht in manchen Punkten seine Verbesserungsbedürftigkeit zeigen. Er ist deshalb auch nur auf zwei Jahre fest gelegt worden. Wir hoffen, daß wir mit diesem Zolltarif eine erfolgreiche Bresche in die SchuhzoUmauern der Deriragsgegner legen können Der Wille, eine Verbesserung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse zu erreichen, hat unS veranlaßt, zu einem Schritt, zwar ins Ungewisse, der aber getan werden muß, in der Hoffnung, daß er gelingt. (Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Dietrich (Dem.): Die Demokratische Partei sei keineswegs eine grundsätzliche Gegnerin des Zollschutzes. Sie habe sich auch eifrig im Ausschuß um den Zollschuh bemüht. Durch bie Vorlage der Regierungsparteien sei aber un wirksamer Schutz besonders der kleineren und mittleren Landwirte nicht erreicht. Ihnen werbe vielmehr das notwendigste Werkzeug zur Hebung der Produktion durch die Zollvorlage verteuert. Die Demokratische Fraktion könne daher der Vorlage nicht zustimmen. Abg. v. Graefe (Völk.) bezeichnet die Zollvorlage und die Agrarzolle als notwendig. Es fei aber eia trübes und abstoßendes Bild gewesen, wie bei der Beratung der Vorlage versucht worden sei, zu markten. Wir wollen bie Zollvorlage annehmen. aber nur, wenn bie Mindestzölle für (betreibe wieder eingesetzt werden und wenn die Konsumenten vor der Belastung durch die daraus entstehende Preissteigerung bewahrt werden durch die Aushebung der Umsatzsteuer für inländische Lebensrnittel. 2lbg. Rippel (Dntl.) erklärt, als deutsch- nationaler Vertreter einer städtischen Arbeiterbevölkerung betrachte er die Frage Schutzzoll ober Freihandel nicht als Prinzipien-, sondern als Zweckmätzigkeitssrage. Es sei ein ganz verhängnisvoller Illusionismus, wenn ein Sozialdemokrat heute ohne Rücksicht auf bie ganze weltwirtschaftliche Situation für den Freihandel eintrete Wenn man dieser Mahnung folge, so würde nach einem Jahr ein ungeheures industrielles Arbeitslosenheer stürmisch den Schutz der nationalen Arbeit verlangen. (Unruhe und Gelächter bei ben Soz ) Wenn Deutschlands Rachbarländer. Frankreich, Belgien und Holland sich mit Hochschutzzollmauern umgeben «Lachen ilnks). dann könne Deutschland nicht den Freihandel proklamieren. Von keiner Seite werde die Rotwendig- keit bestritten, der notleidenden Landwirtschaft zu helfen. Denn eine not leiden de Landwirtschaft habe zur Folge eine notleidende Konsumentcn- fchaft. Es sei doch nicht zu bestreiten, daß unter der Schutzzollpolitik der Vorkriegszeit die Lebenslage der deutschen Arbeiterschast sich ständig gehoben habe. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die Kommunisten rufen fortwährend im Takt: Schluß!! Schluß!!. Dizepräsi- böllig ausgeschaltet werden will. Auch die S e i- denarbeiter haben nach einer Lohnaufbesserung von zwei Cents die Arbeit wieder auf genommen. Die englische Regierung gegen den Mossulbericht. London. 10 Aug. 2» den. W «kl!? ,**• J «ngtnMbm ür.-tr t ®'nifteriolbitetiot iff Ü?k rüd,fn * W^n N uni Atllung. Teig. Bt M. Sportplatzes BAeiitang. Der $. ra'it. Er bantle der 'al den Verein unter- Mitgliedern Dont au: reubigc Mitarden. Igele der Mitglieder Rar! (ftbautK hervor, c t ein Denkmal gefef dreifachen typp hip verland, wvnard bc, Ltbc. Schäften jum ernste? tritt Spiel der 3ugr.‘ mürbe geaen ÜRarwr# igen Wettspiele tat» eberlagen und Git»' ,esagt werden, ba» 1 einer der kfc r/e sich anfangs r;; er litt fine PliebtN j ebenMs hoch ner- hungsbal/ «r- lglieder im Saale zur lind zu nennen der die Sapelle Topp, icr lprzen Mlprache Kameraden hervor es Sportplätze» grch den Dochtzenden A l- iicler, DeretnsdM' eiten Sinti P >°^ te er eine W. « Unlieb ernannt, erpi« über Sport und ein StfJ-X An za kMen. H »ussagc. gevil-M u"d 3« tu«". SS”s“' fJSSft ,ns®lc.'c»ffi eant" ct 2lnM0^ yjcnjt« [uguft Sj.ffioJ" -rzug ^. Vorteile b» ■ be’Ä aenietzkN J eier W Lm "NS A $ug Iftjr 1H0'. Ljt in Ö‘|L, in aeledf”^ <;£’ !ASs Z-M pt«*1" firtcbfccrg 10.46 Uhr, in Vilbel 11.05 Uhr, in (xrantfun West 11.21 Uhr unb in Srantfurt (5)aupt- bahnhos, 11.30 Uhr nachmittags. Die ermäßig» len Fahrpreise für biesen Gonberwg betragen ab Frankfurt (Hauptbahnhof) unb Frankfurt- West 8,8o Tlk., ob Ditbel 8,20 Mk., Friedberg 7 40 Mark. ’Z5ob .'lauheim 7,20 Mk., Lümbach 6>0 Mk und ab (Stefan 6 Mk. Die Fahrkarten für b?n conDcrjug sind nur bei den Jahrkartenaiis- aalen der Ein steige stationen erhaiNich. iceber Teilnehmer hat Anspruch aus einen Sitzplatz. !’l Die ©trabe (Sichen — Äletn • Linden befindet sich in einem sehr schlechten juftnnb. Es reiht sich ein Loch an das andere, die Deckschich der ©trabe ist vollständig ruiniert, an manchen ©tollen ist die Straße bis aus den Unterbau aufgewühlt Die Schuld hieran hat der überaus starke Kraftwagenverkehr, da hier die beiden ©traben Frankfurt—Dieben unb Wetzlar Dieben zusamrnenlausen. Die regnerischen Tage während des ÄreiÄtumfeftcä mit ihrem enormen Autoverkehr haben der ©trabe den lebten Rest gegeben. Eine baldige gründliche Erneuerung der ©trabe ist dringend erforderlich. •• Der ©aaroerein Ortsgruppe Dietzen hält am 12. ds. Mts. im Dereinslokal — Hotel Kohler - eine auberordentliche QHit- glleocmrfammlunq ab. SS sei nochmals daraus verwiesen, hab auch .Richtsaarländer" dem 2er- cin als Mitglieder beitreten können Gerade die Feststellungen gelegentlich deS Mittelrheini- schrn Kreiö'urnsesteS haben gezeigt, daß die ©aartumer das Bestehen einer Ortsgruppe deS ©aarlandvereinS sehr begrübt und den Wunsch ausgesprochen haben, daß er sich alS festes Bindeglied zwilchen dem befehlen und unbesetzten Gebiet erweisen möge, (Siehe Anzeige.) Logische Handelsschule, Dießen. Die Logische Handelsschule beging am vergangenen Samstag die Einweihung ihres neuen Schulhauses. In würdiger Weise wurde während der akademischen Morgenfeier in der Festrede des Herrn Dr. R e u k a u f der Bedeutung der Schule im Bildungswesen und ihre» Ausgaben- kreise» gedacht. Unter den geladenen Ehrengästen befanden sich außer den Vertretern der Elternschaft u. Berlin, 8. Aug. Der Probuktenmarkt verkehrte bei sehr stillem Geschäft in unveränderter Haltung. Es würben notiert für 1000 Kilogramm Weizen, märt. 255—258, Weizen, September 266, Oktober 268—269, Roggen, märt. 190—196, Roggen, September 206,50, Roggen, Dftober 211,50 bis 211, neue Wintergerste 192—200, Hafer, märt, 224—232, Hafer, September 196, Hafer, Dttober 201, Mais (loko Berlin) 214—216, Raps 355—360; für 100 Kilogramm würben notiert: Weizenmehl 33,50—35,50, Roggenmehl 27,50—29,25, Weizen- kitte 14, Roggenkleie 13,75, Diktoriaerbsen 27—34, kleine Erbsen 25—27, Futtererbsen 23—25. Ort: männL werbt. zus- Zisdorf (SolmS) 34 64 Kaulstotz 103 108 211 Klein-Eichen 87 92 179 Köddingen 242 246 488 Kölzenhain Larvenbach 103 . 206 101 210 204 416 Laubach 935 1068 2003 Wald gern. Laubach 24 24 48 Meiches 205 241 446 Michelbach 155 174 329 Mittel-Seemen 140 132 272 Ricber-Scemen 122 116 238 Oberlais m Untcr-GaiS 316 288 604 Ober-Schmitten 257 263 520 Ober-Seemen 514 479 993 Obrr-Seibertenrod 145 153 293 Rainrod 317 351 668 Rebgeshain 169 183 352 Rudingsh.->in 283 293 576 Ruppertsburg 323 371 694 Schmitten 16 12 28 Schotten 1164 1231 2395 Sellnrod 233 315 598 Sichenhausen 133 139 272 Steinberg 199 179 378 Stornfels 113 111 224 Stumpertenrod 261 262 523 Alfa 536 543 1079 Ulrichstein 396 440 836 Anter-Seib rtenrod 152 160 312 Voltartsharn 107 94 201 Wetterfeld 229 264 493 Wingershausen 128 143 271 Wohnfeld 157 159 316 Rhön egelflug - Dorwetlbewerb. Ort: männL weibL Assenhettn 625 622 Dad-Rauheim 6294 8319 Bauernheim 120 110 Bei en Herrn 263 274 Boden rod 82 84 Bönstadt 361 326 Bruchenbrücken 389 412 Büdesheim 676 646 Durg-Gräsenrode Butzbach 271 238 2834 2419 Dorheim 595 637 Dorn-Assenheim 309 316 Dortelwell 430 461 Fauerbach v. d. H. 284 289 Friedberg-Fauerbach 5728 5433 Gambach 795 756 Griedel 470 467 Groß-Karben 748 783 Harheim 597 632 Hausen mit Oes 55 54 Heldenbergen 832 888 Hoch-Weisel 377 367 Holz hausen 507 503 Ilbenstadt 536 528 Katchen 346 313 Kirch-Göns 376 413 Klein» Karben 566 555 Kloppenheim 163 158 Ort: männL tveibl. Ms. Altenharn 159 151 310 Betzenrod 193 166 359 Dobenhausen II 251 294 545 Breungeshain 170 180 350 Burkhards 253 234 487 Buscnborn 113 125 238 Eichelsachsen 294 234 578 Eichelsdott 458 451 909 Einartshausen 161 148 309 Eschenrod 278 269 547 Feldkrücken 160 178 338 Freienseen 312 346 658 Gedern 1025 1023 2048 Glashütten 247 220 467 Götzen 112 121 233 Gonterskirchen 269 276 545 Groß-Eichen 357 341 698 Hartmannshain 121 111 232 Helpershain 239 264 503 Herchenhain , 167 161 323 Höckers dott HO 129 239 Ht. (85 Zweites Blatt Neues vom Separatistenführer Matthes. Roch heute denkt die rheinische Bevölkerung mit Schaudern an jene Tage zurück, da die Eepa- ratlftenfrorben, von den Franzosen geduldet, bc- wafsnel unb bezahlt. Städte und Dotter terrorisierten, die Bürger mißhandelten, verschleppten oder ermordeten, raubten und plünderten und eine Schreckensherrschaft aus- ttchteten, die vielfach die Oer Franzosen und Belgier im Ruhrgebiet während des passiven Widerstandes an Grausamkeit, Rieder- tracht und Gemeinheit übertraf. Jeder erinnert sich noch deS blutigen Totensonntags von Düssel- dott. an dem der Separatistenführer Matches einzig und allein die Schuld trug, und der mit einem gemeinsamen Liebersall der bewasfnetn Separatisten und Frcmzosen auf die Schutzpolizei, mit ganz unglaublichen Brutalitäten gegen bie wehrlosen Polizetbeamten und einem riesigen Prozeß endete, in dem die Beamten zu Zucht- hauSstrvfen oder langjähriger Zwangsarbeit in ben französischen Strafkolonien verurteilt wurden. Aber auch jeder vntfinnt sich noch des jäh auslodernden Rachefeldzuges rheinischer Bauern gegen das Separatistengesindel, das eine- Tages von der erbitterten Bevölkerung mit Sensen. Dreschflegeln und Aexten trotz des französischen Schuhes in heftigem Kampf zusammen geschlagen wurde. Seither sind die Heiser der Dorten, «LmeetS und MattheS verschwunden. Entweder haben sie sich in die dunklen Löcher, aus denen sie hervor tarnen, wieder zurückgezogen oder sie sind eine Deute der Werber der Fremdenlegion geworden. WaS machen aber ihre Führer, was macht z. B. 5>err Matthes, der seinerzeit in Düsseldott Handgranaten an die Separatisten verteilte? Er betätigt sich neuerdings als elsässischer Berichterstatter reichsdeutscher Presseunternehmungen. Vor einiger Zeit bereits formte die „Kölnische Zeitung" auf ein geheimnisvolles Institut, daS „Bureau Eosmopolite" in Straßburg aufmerksam machen und mitteilen, daß cs von dem Separatistenhäuptling Matthes unterhalten werde und die deutsche Presse mit Berichten aus Elsaß-Lothttngen und Frankreich vettorgen solle. Unter dem Ramen Dr. German Mayer hat er sich bei einer Reihe führenber deutscher Prefse- unterneInnungen alts Straßburger Korrespondent angeboten. Aus einem Angebot an eine große bekannte deutsche Zeitung sind besonders folgende Sätze von Interesse. Matthes gibt die ehrenwörtliche 23ersicherung. daß er „ein Mayer vollständig „aischer" Abstammung fei", „ber freie deutsche Journalist in Frankreich sagt er ferner,“ kommt von hüben unb brüben in starke Versuchungen, bestellte Tenbenzarbttt zu leisten, was ich — wie meine Berichte beweisen — ablehne." Matthe« unterstreicht auch gern, daß er ausge- S" ' nete Beziehungen zu elsaß-lothringischen amentariern unb hohen Pariser Amtsstellen Er bot Interviews mit führenben Per- sönlichkeitetn an. Sämtliche Berichte haben vor der Absendung der Zensutttclle des französischen General-Kommissariats in Straßburg Vorgelegen. Trotzdem ist er zynisch genug, seine Briefe „mit treudeutschern Gruß" zu untettchreiben. Reformvorschläge für den weiblichen gewerblichen Unterricht in Hessen. 3m Gewerbcmuseum in Darmstadt ist aegenroärtig eine A u s st e 11 u n g bes Gewerbe- lehrerinnen-Seminars in Potsdam zu sehen, die in den Kreisen, die sich für den gewerblichen Unterricht interessieren, Aufsehen erregt. Es ist nicht allein die Methode des Unterrichts, die hier veranschaulicht wird und bie völlig neue Wege beschreitet, sondern auch die fertiggestellten Arbeiten offenbaren ein so außerordentliches Können und einen so sicheren Geschmack, daß sie geradezu Bewunderung erregen müssen. Der Leiter des Museums, Professor Dr. Haupt, nahm Veranlassung in einem Vortrage Reformen für den g e • werblichen Unterricht in Hessen oorzu- schlagen. Er ging bei seinen Darlegungen davon aus, daß unsere Gegenwart, unser ganzes öffentliches Leben nach einer stärkeren Betonung der Farbe drängt. Die Erziehung zu einer Fckr- benfultur erwartet Professor Haupt weder von der Malerei, denn diese setzt sie eigentlich schon voraus und schafft sie nicht, noch auch von den Architekten, bie selbst erst in dieser Richtung erzogen werden müssen, sondern allein von dem gewerblichen Unterricht, dem Unterricht für weibliche Handarbeiten. Der Unterschied des Potsdamer Gewerbelehre- rtnnen-Seminars bietet vor anderen Methoden gerade die Möglichkeit, die Augen zu schulen und den Farbensinn zu wecken. Bei diesem Unterricht kommt es zuerst darauf an, das Farbenproblem zu losen, bann erst setzt die Unterweisung in der Technik der Handarbeiten ein. Die Ideen des Deutschen Werkbundes von der zweckmäßigen Gestaltung der Form haben in diesem Unterricht Eingang gefunden. Das D r - n a m e n t ist keineswegs in dieser Kunstübung verbannt, wohl aber das überflüssige Ornament; ganz daraus verzichten kann das Kunstgewerbe überhaupt picht, namentlich nicht die T e r t i l k u n st. Die Forderung, daß Ornament und Form ineinanberüber- gehen, ist hier erfüllt; immerhin ist das Ornament nicht Selbstzweck, sondern im Vordergrund dieses weiblichen Unterrichts steht die Erziehung zu einer farbigen Kultur unb Acren Pflege. Unter biefem Gesichtspunkt betrachtet, kommt der Textilkunst noch eine große Bedeutung zu. Es ist nicht zu befürchten, daß die Maschinenarbeit auf diesem Gebiete die Handarbeit verdrängen wird, wenn sich diese bar- auf beschrankt, das zu geben, was die Maschine nicht leisten kann. Die neue Unterrichtsmethode nimmt darauf Rücksicht, indem sie nur zu persönlicher künstlerischer Leistung erziehen will. Daher werden bei diesen Handarbeiten nicht Vorlagen aus- geführt, die andere entworfen haben, sondern technische und künstlerische Leistungen müssen eins fein; sie müßen daher von ein und derselben Persönlichkeit entroorfen und ausgeführt sein. Die Tagung der Berufsschulen in Stuttgart, auf der Hessen nicht vertreten war, hat gezeigt, daß in Süddeutschland ber Geschmack in weiblichen Handarbeiten auf dem Standpunkt ber Zett vor 30 Jahren stehen geblieben ist. Die aorb- beuffchen Schulen sind wohl moderner gerichtet, aber in der Ausbildung ist das Potsdamer Seminar allen voraus. Hier Ht wirtlich ttn Gefühl der Ht Villa, öcrtn > v empW"' sifL .üeKakial-UA L entfernt a in wenigen ^3 ^angenehm-" * »*■*•’ gibt ts E *8* an6 geidch,. Mttutit DMU Äf T'™- r»c Uangvenillk.8. KeoStag, 11.8., ibbg. 8 /« Uhr: Zu, ammenkunit l$oii. eUer. Mr. Ct idiemen erwunA Wem MMM Will Mittwoch.12.Ans, nacöm.4Ubr,aui bet Karlsruhe. 06619 Zoar-Verein Siehrn. Mwoch,l2.Alla. 1925, abends 8 Uhr. hoielAvtzler.Wrii' anlage: acherordentl. Verjammlunz. VollikihliseS Cm ! scheinen notroert; Gaste roitiommr. Ter Voriuid. Für den Büchertisch. (Ein neues Buch von Rhein und Reich. — Paul Wentzcke, Rheinkampf, 2 Bde Kurt Vowinckel, Berlin-Grunewald. 1925. (Bd. 1 387 S., Ld. 2 267 S. Mit Karten.) Die gewaltige Schicksalswende, die das Ende des Weltkriegs für uns Deutsche brachte, hat das eine Gute, uns zu vertiefter Auffassung von unserem Volksheil und unserem Lebensraum, von unserer Geschichte und unserer geistigen Wesensart zu zwingen. Wir steigpn zu den Ursprüngen und schöpfen aus ihnen die Kraft zu gesammelter Schau und zu begründetem Wollen. 2lus diesem Drange ward die Jahrtausendseier geboren, die uns in diesem Jahre vom Rhein her die tausendjährige Reichsgeschichte aufleuchten laßt; aus diesem Drange heraus entsteht die ^ulle der Werke, in denen die deutsche Geistigkeit sich heute der Probleme von Volk, Nation und Staat zu bemächtigen sucht. Sy Stegemann hat in seinem großen Buche vom „Kampf um den Rhein" „in Uebereinstimmung mit geographischen Verhältnissen und strategischen Gesetzen" den Kampf um den Rhein als den gewaltigen Schicksalskampf der Deutschen geschildert, der nunmehr in eine neue Phase getreten ist. Paul Wentzcke läßt auf dem Hintergrund dieser Gegebenheiten die Geschicke von Rhein und Reich in den „1000 Jahren deutscher Schicksalsgemeinschaft" vor uns abrollen, die seit der Reichsgründung Heinrichs 1. zu Anfang des 10. Jahrhunderts verflossen find. Welch unendliche Fülle: Die Mannigfaltigkeit der Gebilde, in die das Leben der deutschen Lande am Rhein sich nach den Zeiten der Kaiserherrlichkeit im alten Reiche auseinander legte, so daß das Land am Strom auch heute noch in eine verwirrende Vielheit von politischen Einzelindividuen zerfällt! Sie alle aber doch, von der Quelle bis zur Mündung, eine verborgene Einheit, von der aus das Leben gar gewaltig über die deutschen Lande ausströmt: sie alle, ob im Norden oder im Süden gelegen, schicksalhaft verbunden, ob sie es wissen oder nicht, durch den Kampf um den Strom, der seit 2000 Jahren nunmehr zwischen Römern und Germanen, zwischen Franzosen und Deutschen ausgefochten wird, ohne zu einem Ende zu kommen. In den acht Abschnitten des ersten Bandes entfaltet sich das gewaltige Epos: von den „Anfängen" zur „Deutschen Kaiserzeit am Rhein" (925—1275), und zur Schilderung ihres „Erbes" (1275—1437). Das „Zwischenspiel" des vierten Abschnitts ist dem „Aufbau der deutschen Landesstaaten am Rhein" gewidmet. Der fünfte führt „vom Mittelalter zur Neuzeit" (1438—1556). Im sechsten Abschnitt entfaltet sich das gewaltige Drama des Zusammen- stoßes der großen Mächte „im Kamps um den Rhein" (1556—1807), das zum Zusammenbruch des alten Reiches führt. Aus den Trümmern aber ringt sich das neue Leben zu „Befreiung und Aufttieg" auf (1807—1914). „Rückschau und Ausblick" fasien Vergangenheit und Gegenwart zu eindrucksvoller Ueberschau zusammen und zeigen, daß sich auch heute wieder neues Leben am Strome zu entfalten beginnt. „3n einer einzigen großen Schicksalsgemeinschaft reckt sich das Großdeutschland unserer nationalen Sehnsucht aus tausend Jahren rheini- scher Geschichte und Kultur als Hoffnung und Aufgabe unseres staatspolitischen Wollens empor". Tausend Jahre deutscher Geschichte, vom Rhein und von den Schicksalen der Menschen und Staaten am Rhein aus geseyen, das ist der Inhalt des außerordentlichen Buches, in dem die Weite und Tiefe des - geschulten politischen Historikers sich mit dem leidenschaftlichen Temperament des deutschen Politikers und Patrioten zu prachtvollem Zusammenklang verbindet. - Der zweite Band ist der Gegenwart gewidmet. . Er trägt den Untertitel: Im Kampf um Rhein F und Ruhr (1919—1924). Neun Aufsätze des Ver- ' fasiers sind aneinandergereiht und runden sich zum r großen Bilde von der Not, der. Gefahr und der Gegenwehr der fünf Jahre, vom Verlust Elsaß-Loth- ringens bis zum „stillen Kampf um Rhein und Ruhr", bis zum „Wiederbeginn des nationalen Selbstvertrauens, das die Nation fünf volle Jahre , hindurch verloren hatte". Das Ganze ist in einer Sprache geschrieben, die dahinbraust wie die Wogen des Stroms, besten Geschichte sie kündet: voll und kräftig, von dem starken Rhychmus glutvollen Erlebens getragen und doch maßvoll und gebändigt. Fr. König. Politik und Geschichte. — Unsere Generation, die in wenigen Jahren Höhen und Tiefen des nationalen Lebens kennen- gelern hat, die nach einem politisch und wirtschafllich beispiellos schnellen Aufschwung nun auf einem Trümmerfeld steht, aus dem sich erst langsam neue politische Formen gestalten, hat besonderes Interesse, über die Ereignisse der letzten Jahre Authentisches zu erfahren. Es wird ihr das nicht gerade leicht gemacht durch die Unsumme von Publikationen mehr oder weniger Berufener, die „mit dabei waren" und glauben, „etwas zu sagen zu haben". Dies trifft sicherlich zu für den langjährigen Pressechef der • Reichsregierung Exzellenz Hammann, der nach einer Reihe tagebuchartiger Veröffentlichungen jetzt in einem starken Band „Deutsche Weltpolitik 1 8 90 — 1 9 1 2" (bei Reimar Hobbing, Berlin SW. 61) zusammenfassend schildert, wie sich ihm die deutsche Vorkriegspolitik seit dem „Neuen Kurs" darstellt. Das Buch ist ungemein anschaulich, fast spannend geschrieben, bietet des Neuen und Jnter- estanten übergenug und läßt doch nicht die klare Linie vermisten, was bei der Fülle des Materials nahe läge. Hammann charakterisiert scharf die durch die Persönlichkeit Kaiser Wilhelms II. in die Außenpolitik hineingetragenen Eigenarten: den Hang zum lauten Mitspielen, Ungeduld und Unbeständigkeit, ■ Unkenntnis des Wirklichen zugunsten des ’ Wünschenswerten. Für Haymiann liegt der Hauptfehler der kaiserlichen Außenpolitik in der falschen Behandlung Englands. Dem Bau der Schlachtflotte, der zunehmenden deutsch-englischen Entfremdung nach dem Ausschlagen britischer Bündnisangebote, folgte eine Abschwächung des englisch-französischen und englisch-russischen Gegensatzes, folgte der Versuch des Kaisers zur Bildung eines Kontinentalbundes, folgte die Isolierung Deutschlands. — Eine in den Grundzügen nicht wesentlich andere Darstellung der politischen Entwicklung gibt der Chefredakteur des „Berliner Tageblattes" Theodor Wolff in seinem Buch „Das Vorspiel (Verlag für Kulturpolitik, München), das allerdings nur bis zür bosnischen Krisis und dem Sturz des Fürsten Bülow reicht. Wolff hat als langjähriger Pariser Korre- pondent seines Blattes diese Jahre intensiv miterlebt und weiß manches Neue zu berichten, manches in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. 256 — Auch auf der Gegenseite schwillt die politische Memoirenliteratur an. Der britische Premierminister während des Kriegsausbruchs H. H. A s q u i t h (jetzt Lord Asquith and Oxford), Jahrzehnte hindurch Führer der Liberalen im Parlament, gibt eine interessante Darstellung der Vorgeschichte des Weltkrieges in seinem Buche „Ser Ursprung des Krieges" (Verlag für Kulturpolitik, München). Naturgemäß ist sie eine Darlegung und Verteidigung des britischen Standpunktes, in vielen Punkten sehr aigreifbar und wenig überzeugend, aber interessant durch die beigegebenen Dokumente. 268 — Während die militärische Geschichte des Weltkriegs durch Veröffentlichungen aus beiden Lagern heute im wesentlichen klar vor aller Augen liegt, ruht auf weiten Gebieten seiner politischen Ge- chichte noch schwer durchdringlicher Nebel. Die Schürzung des Knotens in der Vorgeschichte und die Katastrophe der Tragödie im Versailler Diktat harren heute noch der Aufklärung durch die Oeff- nung der Ententearchive. Dagegen kann man bezüglich des Umschwungs, der sich mit dem Namen. Kaiser Karl, Prinz Sixtus von Parma, Erzberger und Czernin verknüpft, heute, nachdem alle Beteiligten gesprochen haben, die reine geschichtliche Wahrheit feststellen. Der Hallesche Historiker F e st e r hat keine Mühe gescheut, aus den unmittelbaren Quellen ein festes Tatsachengerüst zu erbauen, das Ursachen und Wirkungen völlig überblicken läßt. Die Ergebnisse hat er in seinem eben erschienenen Buche „Die Politik Kaiser Karls lind der Wendepunkt des Weltkriegs" (I. F. Lehmanns Verlag, München, geh. 8 Mk., geb. 10 Mk.) niedergelegt. Die Pläne der Bourbonen auf den Thron von Frankreich, die Heiratspolitik der Häuser Parma und Braganza, die geheimen Reisen des Prinzen Sixtus, die Tätigkeit Erzbergers, alle diese bisher so geheimnisvollen Dinge werden unparteiisch durchleuchtet und aufgehellt. Die Friedensaktion Wilsons, das Friedensangebot vom 12. Dezember 1916, die Erklärung t)£S uneingeschränkten U-Boot-Kriegs, die Krisis im Ententelager, die Verhandlungen Oester- reicy-Ungarns mit der Entente, die Friedensresolution des Reichstags, die päpstliche Friedensaktion, die Vorgeschichte der großen Offensive und das Ende des Zweibundes, werden in den Zusammenhang gestellt, in den sie gehören und der sie erst verständlich macht. 424 — Wilhelm, Kronprinz, Ich suche d i e W a h r h e i t! Ein Buch zur Kriegsschuldfrage. (Ganzleinen 7,50 Mk. I. G. Eottasche Buchhandlung, Stuttgart.) Aus dem Willen, seinem Vaterlande nach besten Kräften zu nützen, hat der Kronprinz ein Werk geschaffen, das mutig den Kamps aufnimmt gegen die erdrückende Last von Liiaen, die böser Wille und Aberwitz auf das deutsche Volk und seine Führer gehäuft haben, um ihnen allein die Schuld an dem furchtbaren Kriege aufzubürden, durch den wir gehen mußten. Schritt für Schritt an- kämpfend gegen die Scheingründe und trügerischen Schlüsse, auf denen der Versailler Vertrag ruht, wird die ganze Hohlheit und Unhaltbarkeit seiner Voraussetzungen auf Grund aktenmäßiger Darlegungen nachgewiesen, und es wächst aus diesem Nachweis mit zwingender Gewalt die Erkenntnis, daß Deutschland nicht im Sinne des Vertrages von Versailles die Schuld am Kriege trägt, daß Deutschland weder systematisch den Krieg vorbereitet hat, noch daß es eine den Nachbarvölkern unerträaliche Hegemonie der Welt erringen wollte. Das Buch des Kronprinzen Wilhelm, das ohne Betonung irgendeines Parteistandpunktes zu jedem deutschen Manne sprechen will, ist eine Tat, mit der der Kronprinz erwiesen hat, daß er als Mitkämpfer werktätig neben allen deutschen Männern steht, die um die deutsche Freiheit ringen. — General Suat: Hindenburg. Von dem berühmten Buch des bekannten französischen Generalstäblers und Militärschriftstellers, einer objektiven Würdigung der Persönlichkeit und des Werke^ der deutschen Heerführers, die beide ehrt, ist in der Münchener Allgemeinen Verlagsanstalt nun auch eine deutsche Ausgabe erschienen, die gerade jetzt, wo Hindenburg erneut an die Spitze seines Volkes berufen ist, auf Interesse rechnen darf. 312 Generalleutnant Keim, der bekannte Führer des Wehrvereins, hat seine Erinnerungen unter dem Titel „Erlebtes und Erstrebtes bei Ernst Letsch. Hannover herausgegeben, em Buch das farbig und interessant geschrieben, em wichtiger Beitrag für die Geschichte der deutschen Militärpolitik in den letzten dreißig Jahren ist, voll interessanter Cinzelzüge und Erinnerungen an bedeutsame Persönlichkeiten, zugleich das Zeugnis für ein der Wehrhastmachung des deutschen Volkes rastlos gewidmetes Soldatenleben. 400 — Deutschland in d e n weltgeschichtlichen Wandlungen des letzten Jahrhunderts. Von Professor Dr. F. Schnabel. In Leinwand gebunden 8,— Mk. B. G., Teubner, Leipzig. — Das Buch gibt nach einem gedrängten Ueberblick über die die deutsche Geschichte beherrschenden Probleme eine kurz gefaßte und doch lebhaft und fesselnd geschriebene Darstellung der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, m den Zusammenhang des weltgeschichtlichen Verlaufs gestellt. Die Geschichte des deutschen Staates steht dabei im Mittelpunkt, sie erscheint aber aufs engste verknüpft mit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen Volkes, wie dies auch in den dem Buche beigegebenen 16 Bildnissen führender Männer des deutschen Volkes zum Ausdruck kommt. Das Buch ist geschrieben in weiser Beschränkung auf das Wesentliche, mit sicherem Gefühl für das, was aus der Vergangenheit lebendig und wirksam geblieben ist, ein Volksbuch im besten Sinne des Wortes. 236 — Gottlob Eghaaf, der durch seine unentbehrlichen Jahresübersichten bekannte Stuttgarter Historiker, rundet seine „Geschichte des 19. Jahrhunderts" nach rückwärts ab. Streng sachlich, zweckmäßig gegliedert, über den Einzelheiten nicht die große Linie einbüßend, das sind auch die wesentlichen Züge des neuen Werkes, das nun in seiner Gesamtheit sich bald viele Freunde gewinnen wird. (Verlag Carl Krabbe in Stuttgart) 327 Alfons Goldschmidt: Wie ich Mo s° kau wiederfand (bei Ernst Rowohlt, Berlin W. 35). Der Verfasser gibt die Bilanz der letzten fünf Jahre in Sowjetrußland und einen bemerkenswerten Ausblick in die Zukunft. — „D ie Schlacht bei Vpern 1914“, die der neueste Band der vom Reichsarchiv her- I ausgegebenen Schriftfolge „Schlachten des Weltkrieges" (Verlag Stalling. Oldenburg) behandelt. erweckt in uns die Erinnerung an das Heldentum des besten Teiles des deutschen Voltes, zugleich allerdings auch an den furchtbarsten Aderlaß der deutschen Jugend, die freiwillig bei Kriegsbeginn aus Universitäten und Werkstätten, aus Fabriken und Schulen zu den Fahnen geströmt war und bei Vpern mit einer in der Geschichte aller Zeiten kaum gesehenen Begeisterung unter dem Gesänge vaterländischer Lieder die im Begriff der Erstarrung stehende Front zu durchbrechen versuchte. Diese Schlacht, an der über 5 Korps beteiligt waren, so schildern zu wollen, daß sie sich klar vor dem Auge des Lesers aufbaut, und zugleich dem höchsten deutschen Heldentum gerecht wird, stellt eine Aufgabe dar, die zugleich einen Historiker und einen Dichter erforderte. Das Reichsarchiv hat dieses Mann in Werner Beumelburg gefunden, der bereits in dem Bande „Douau- mont" derselben Folge den Beweis seines hohen Könnens erbracht hatte. Die naturalistische Schilderung „Douaumont" ist besonders in den Kreisen der Frontkämpfer als eine Darstellung, von der man sagt, „so ist es gewesen und so haben wir es empfunden", begrüßt worden. Einen Begriff, welche gewaltigen Anforderungen der Krieg unserer Zeit an den Menschen stellt, übermittelt der neue Band Bstern 1914 in erschütternder Weise. Als ein Denkmal höchsten deutschen Heldentums wird die Arbeit Beu- melburgs in den ungezählten deutschen Familien, die bei Vpern ihr Bestes auf dem Altäre des Vaterlandes opferten, begrüßt werden. 412 — R. G. Binding:AusdemKriege (bei Rütten & ßoentng in Frankfurt a. M., geb. 7 Mk.). Weg einer Wandlung nennt der Dichter diese Briefe und Tagebuchblätter, die sein Erleben des Weltkrieges spielen, der Kampf eines wahrhaften, aufrechten Menschen mit dem Schicksal seiner Zeit. 253 Natur und Kunst. — Seinen beiden Jtalienbänden läßt Kurt Hieb s ch e r einen entzückenden Band, „D i e ewige Stadt" folgen (Verlag Ernst Wasmuth A.-G.) ein neues Wunder der Kamera, diese Wanderung durch die Jahrhunderte, die sich in den Trümmern, den Palästen, Kirchen und Gärten Roms ein Denkmal gesetzt haben. Ganz besonders schön erscheinen die Aufnahmen aus den Gärten Tivolis, dem Forum Romanum, den römischen Parks. (Preis gebt). 12,50 Mark.) 251 — Rudolf Schiestl, Fränkische Wanderungen. 40 Bleistiftzeichnungen. Mit einer Einführung von Dr. Heinrich Höhn. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. Sy, Berlin-Charlottenburg 2, Berliner Straße 42/43.— Alle Schiestlschen Werke, seien es nun Gemälde, Steinzeichnungen, Linoleum- oder Holzschnitte, haben ihren Nährboden in Naturstudien, die in der Werkstatt daheim, auf Schlendergängen durch.fränkische Städte und auf Wanderungen durch das hei- matliche Land eingeerntet wurden. Die meisten sind mit weichem Bleistift auf dünnes, weißes Papier klar und einfach hingezeichnet, man könnte sagen: fast mühelos hingeschrieben. Im vorliegenden Band vereinigen sich eine im Beisein des Künstlers getroffene Auswahl der nach vielen Hunderten zäb- lenden Studien aus feinen Skrizenbüchern. Da sie meist aus den Jahren 1913 bis 1920 herrühren, also der vollen Reife seiner künstlerischen Entwicklung angehören, geben sie eine sehr deutliche und einprägsame Vorstellung von dem Lebensgefühl, dem Wesen und den Mitteln der zeichnerischen Kunst dieses starken Gestalters. ö75 — Rothenburg o. d. Tauber. Ein Führer durch Geschichte und Kunst. Mit einem Stadtplan und über 100 Bildern von E. (Eger, G. Müller und I. Zeller. Mit Geleitwort von Prof. Dr. P. Bonatz. Verlag von Hans Kling, Bad Mergentheim. Preis 2 Mk. Rothenburg bietet eine Fülle von Schönheit und Anregung, gleicherweise für den, der kommt, sich in Vergangenes zu versenken und alte Kunst zu genießen, wie für den, der forschen und lernen will. Für jeden wird, das reichhaltige Büchlein ein willkommener Führer sein. 334 Schöne Literatur. — Die schön st en Erzählungen von S t e u b. Ausgewählt und eingeleitet von Josef Hofmiller. Mit einem Bilde des Dichters- (Langens Auswahlbände, Band 22), Preis gebunden 4 Goldmark. Verlag von Albert Langen in München. — Mit Spitzweg vergleicht Josef Hofmiller den Dichter Ludwig Steub in der kurzen Einführung, die er dem Auswahlbande von dessen schönsten Erzählungen ooranfteUt. Wahrhaftig, wie Spitzwegsche Gestalten muten die lieben Menschen an, die er darstellt: der Bauernmaler Duldenhofer — ein Prachtkerl! — Die frischen Mädel und Buben, die doch etwas Besinnliches haben in ihrem jungen Blute, die kernhaften Gesellen in den gemütlichen bayrischen und tiroler Wirtsstuben. Aus derselben Zeit stammend, wie Spitzwegsche Kunst, so altmodisch herzlich, in einem so kostbaren Humor und in leiser, gutmütiger Ironie gesehen, so fein und fbuber hingepinselt in alt- meisterlicher Beherrschung der Mittel; Schöpfungen eines feinen Künstlerherzens, das menschenkundig ist und doch von einer Liebenswürdigkeit und Liebesfähigkeit, als hätte es die Sonne all der Sommer in sich getrunken, die die Meisterhand malt. Der Humor allein, der aus den hellen Augen des Erzählers funkelt, der alles Muckerhafte und Allzumenschliche verspottet und doch in seiner Liebesfülle auch noch den „Schwarzen Gast" mit einem freundlichen Schimmer umgibt, dieser Humor allein muß schon alle Herzen gewinnen. 390 Rudolf Borchardt, dessen dichterische und kulturelle Sendung von Jahr zu Jahr sichtbarer wird, gibt in einem schmalen, vom Verlag Ernst Rowohlt, Berlin SW 35, liebevoll aus gestatteten Bande „Ausgewählte Werke" einen Querschnitt durch sein gesamtes Schaffen. 407 — Eine Gesamtausgabe des Angelus S i - l e f i u s veranstaltet die Allgemeine Derlagsanstalt, München, in drei buchkünstlerisch wohlgelungenen, von H. L. Held sehr sorgfältig durchgesehenen Bänden. Daß bereits die zweite Auflage nötig wurde, zeigt, wie sehr man das Fehlen einer umfassenden Ausgabe der Werke des großen Mystikers empfand. Bedeutsam ist auch die Einleitung des Herausgebers, ein guter Führer zu den Schönheiten des Dichters. 311 — ©eftalten und Probleme der rheinischen Dichtung der Gegenwart von Dr. Ernst Hengstenberg. Verlag von Franz Borgmeyer, Hildesheim. Don einem Rheinländer wird hier, nicht in trockener philologischer Abhandlung, auch nicht mit wissenschaftlicher Akribie, aber dichterisch geschaut und gefügt, plastisch gestaltet mit rheinischem Temperament, ein grotzangelegtes Bild der rheinischen Dichtung gegeben. Schars Umrissen Jetten WB tÄt rheinischen Gestalten, Künder rheinischen Geistech, und Seelenlebens einzeln hervor, gewinnen das ihnen eigentümliche Leven und stellen sich in Ihrer Kunst und in ihrem Charakter in geprägter Deuütche feit dar. Wie ein Dichtwerk lieft sich das Buch, aus- beste unterhaltend, unmerklich oelehrend, das Wißen erweiternd und in die Materie selbst zwanglos und aufschlußreich hineinführend. Selbst die umfang» reiche Bibliographie ist durch beigegebene Charakteristiken, die der betreffende Dichter teilweise selbst beigesteuert hat, dem Philologischen enthoben und dem Dichterischen nahegerückt. Eine Reihe namhafter rheinischer Dichter, wie Josef Ponten, Josef Winckler, Nikolaus Schwarzkopf, Adele Gerhard u. a. sind mit Originalbeiträgen vertreten, die ihre Selbstcharakteristik ausmachen. 369 Rüstig schreitet die monumentale Tolstoj- Ausgabe des Berliner Verlages Bruno Casst r e r voran. Als neuester Band erscheinen die „Vvlkserzählungen und Legenden", die vielleicht die bekanntesten Schöpfungen des groben Russen enthalten. Eine Durchsicht des stattli