ar. iss irrstes Blatt 175. Jahrgang Mittwoch, 10. Juni <025 Erscheim täglich, augci Sonn; und Feiertags Beilagen: Gießen erFamilienblätter Heimat im Bild. monatsiBejugsprels: 2®olbmarh u 20 Gold- psennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ferns prech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undGeschäftsslelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Pollscheckkonto. Frankfurt a. M. 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Drud und Verlag: vrühl'jche Universitüts Such und Stcinörudcrci R. Lange in Sietzen. Sdfriftkitnng und Sefchäftrttelle: Zchulfttahe 7. Annahme von Anzetgen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne icdeDerdindlichbeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite ortUchst, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v 70di m Breite 35 Goldpfennig, Platzoorschnft 20" , Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r. Friede. Wilh Lange; für den übrigen Icd: Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil: Hans Vcckt, färntlich in Bietzen Was wir brauchen. ES herrscht sommerliche Stille in dem Kampf der Parteien, aespannt nur bilden aller Augen nach außen, auf die Ungeheuerlichkeiten der Cnt- waffnungSnote, die den Unfrieden in der Welt für Jahre hinaus festzuhalten bestimmt ist. Es wird wieder ein fester Halt vonnöten sein, mit Würde den übertriebenen Forderungen der Gegner entgegenzutreten -- nicht mit einer Geste, sondern mit einer Tat. Die Verantwortlichkeit ist groß, sie muß jedem Einzelnen von uns bewußt werden, sind wir doch teilhaftig an den Geschicken des Reiches nach innen und außen durch das Recht, unsere Stimme den Männern unseres Vertrauens zu geben, die die Geschicke Deutschlands führen und leiten sollen. Deshalb ist eine verantwortungsbewußte staatsbürgerliche Erziehung not, die wir an uns selbst zu üben haben. Es wird weniger darauf zu sehen sein, daß wir neue Programme finden oder alte abändern, es wird nicht darauf an- kommen, in dem System deS politischen Gegners irgendeine Unstimmigkeit nachzuweisen, wesentlich wird fein, das nüchtern geschaute und von allen gefühlsmäßigen Beeinträchtigungen freie Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu dem großen Volksganzen. Dieses Bewußtsein zu stärken schon in der Heranwachsenden Jugend ist eine der wichtigste« Gegenwartsausgaben; wichtig deshalb, weil die kommende Generation noch weit schwerer an den Lasten des Riederbruches zu tragen haben wird als wir, die wir ihn erlebt und durchlitten haben. UnS erscheint jede geringe Erleichterung schon ein Fortschritt, ein Stück Ausstieg - die neue Generation aber, die mit anderen Maßstäben, denen von draußen, messen wird, wird die Fesseln des Siegers weit schärfer in das junge Fleisch einschneiden fühlen. Von rechts und Unis und aus der Mitte sucht man die Jugend an sich heranzuziehen. Eine jede Partei arbeitet fieberhaft an Programmen und rührt die Werbetrommel, daß ja nur recht viele neue Anhänger aus der Heranwachsenden Jugend ihrem Banner folgen. Ob eS vom verantwortungsbewußten Erzieherstand- punkt richtig ist. die Jugend für die Dinge der Politik zu interesiieren, ist bejaht, ist oerneini worden. EinS steht fest: Die in immer schnellerem Tempo fortschreitende Zeit verlangt eine immer ausgedehntere Wappirung mit Kenntnissen und Fertigkeiten, die noch vor zwanzig Jahren als unnützer Ballast und ileberbürbc erschienen wären. Also ist auch eine Vorbereitung der Heranwachsenden Jugend auf die Dinge des Staatslebens eine nicht zu widerlegende Rotwendigkeit geworden. Zu diskutieren bliebe lediglich der Umfang und die Form dieser Erziehung. Gewißlich falsch ist es und ganz im Widerspruch mit der gesamten Seelenlage der Jugend, sie zu Massenkundgebung.m und Demonstrationen zu mißbrauchen. Das ist eine krankhafte Zeiterscheinung. die fi parvum licet com- pvnere magno an den Kinderkreuzzügen ein Gegenbeispiel hat und die sich mit der Minderung der Erregung der Volkspsyche legen wird. Die Jugend demonstriert nicht. Ihr ist der Begriff „Masse Mensch" noch fremd. Sie lebt im Eta- dium des absoluten Jndividualtsmus. Wohin aber die Jugend gewiesen werden kann, das ist der Gedanke an den Führer. Hier hat verantwortliche Arbeit einzusehen. Die ideale Veranlagung des jugendlichen ©ßa* rakters folgt mit Begeisterung dem Vorbild, das es sich seht. Deshalb ist e5 zunächst notwendig. Führer zu suchen und aufzustellen. Menschen, die nicht durch ein Programm oder einen Beschluß an die Spitze gestellt werden, sondern die herauswachsen aus der Gruppe und. vom Vertrauen und Zutrauen der andern getragen, der Gefolgschaft Führer werden. Das geschieht ganz von selbst ic schneller, je klarer und selbstbewußter ter zum Führer Berufene ist. Die Persönlichkeit des Führers ist entscheidend für die Haltung seiner Gefolgschaft, sre »st also auch von Bedeutung in weiterem Sinne für die größere Bolksgemeinfch.llt. die unser Ziel sein muß. Sie ist selten, aber wo sie vorhanden ist, ist sie überall gleich So bringt bie fd)cm- bare Dezentralisierung in der Erziehungsarbeit doch eine innerliche Einheit, die allerdings r on höchster Wichtigkeit ist die gemeinsame Ern'tel- lung auf gemeinsame Ideale, eine Zusammen sung vieler Ei'zelwillcn zum Ausdruck crnes neuen Gesamtwillens, der. in seiner Ballung diktatorisch eine Erneuerung von innen heraus bringe i tann and muß Denn eine innere UeberWindung ter Sabre des Riederbruchs durch rücksichtslose Ao- iccbnung mit uns selbst ist notwendig Das Zett- dter der Technik und des Wilsens hat in überschnellem Tempo seine Dellen gegen uns geworfen, und wir sind nicht Herr unserer Zett geblieben, sondern die Zeit hat uns beherrscht. 1 cd sind die grotesken Xleberftcigerungen in unserem Geistesleben zu erklären und zu verstehen. Wir sind einem geistigen Materialismus verfallen, der mit dem Intellekt alles verstehen. . erklären und lösen ztr können glaubte. Die bestehenden unpolitischen Jugendbewegungen sind zum Teil in den entgegengesetzten Fehler des Schwärmens und des Gefühlsübmschwanges ver- fallen Wenn sich politisch: Parteien finden, die die staatsbürgerliche Erziehung in einem großen und umfassenden Sinne als Dienst am Volke ansehen dann kann es für sie nur einen Weg I geben, unfern Rachwuchs aus den Kamps mit dem Leben vorzubereiten: Hinweis auf den Fühper, der gesucht werden I muß Selbsterziehung zur v-»rbtldl'L:n Versen- Der Genfer Garanliepakt. London, 9.Juni. (WTB.) Die Preß Associa- tion verbreitet folgende Mitteilung: In britischen diplomatischen Kreisen herrscht rückhaltlose Besrie- digung über die Nachricht aus Gens, daß zwischen Großbritannien und Frankreich eine v o 11 st ä n • dige Einigung über die Grundlage, auf der die Verhandlungen über den geplanten Sicher- ßeitspa f t weiterzuführen sind, zustande gekom- men ist. Es wurde betont, daß es seit der ersten Anregung der deutschen Regierung zweifellos war, daß der Pakt bei etwaiger Verwirklichung streng g e ge n f e i t i g sein würde, und daß die Derpslich- tungen Englands sich auf die Garantien der Grenzen zwischen Frankreich und Belgien einerseits und Deutschland andererseits beschranken würden. Dom britischen Standpunkte aus war nicht in Aussicht gestellt, in einen etwaigen Konflikt, an dem England kein tatsächliches Interesse hatte, einzugreifen, sondern durch gegenseitige Verständigung und zweifelsfreie Festlegung der englischen Derpslichtun- gen jede'Möglichkeit eines die englischen Interessen in Mitleidenschaft ziehenden Krieges an der genannten Grenze auszuschließen. Alle Unterzeichner des Paktes, zu dem hoffentlich auch Belgien und Italien gehören werden, sollten alle den Völkerbundsmitglie- dern zukommenden Rechte und Pflichten übernehmen, ebenso auch wie Deutschland, da der Pakt erst in Kraft treten könne, wenn Deutschland selbst vollberechtigtes Mitglied des Völkerbundes geworden fei — Bezüglich der anderenGrenzen Deutschlands verlautet, daß der Pakt in keiner Hinsicht die diesbezüglichen Bestimmungen des Friedensvertrages abschwächen werde, daß etwaige Streitig- feiten unter die Bestimmungen des Völkerbundes fallen. Die Wirkung des neuen Paktes wurde von gutunterrichteter Seite dahin zusammengefaßt, daß Großbritannien sich hinsichtlich der französischen Grenze in genau der gleichen Lage befinden werde wie 1914 hinsichtlich der belgischen. Englische Kommentare. London. 9. Juni. (211.) Die Berichte der englischen Blätter über dir Verständigung zwischen Chamberlain und Driand in Genf sind unklar und widerspruchsvoll. Die Gruppe englischer Politiker, die van als Isolations- Politiker bezeichne., greift die Regier ung scharf an. Von feiten der Regierung wird dagegen darauf hingewiesen, daß die Verständt- gung ohne Aufgabe der bisherigen englischen Grundsätze erfolgt sei. Die neuen Abmachungen seien unter keinen Umständen als eine Wiederbelebung der Grundgedanken des Genfer Protokolls zu bezeichnen. Die englischen Verpflichtungen hielten sich auch nach der neuen Verständigung zwischen Chamberlain und Driand im Rahmen der Bestimmungen des Völkerbundpaktes. Demzufolge bedeute eine Zustimmung Englands zum französischen Vorschlag nicht die Uebernahme von unerträglichen Verpflichtungen, da aber Scküedsgerichtsverträge zwischen Deutschland und den ihm angrenzenden Staaten abgeschlossen würden, so könne ein Fall, der für England weitergehende Verpflichtungen in sich schließe, nur dann eintreten, wenn Deutschland ein Schiedsgerichtsverfahren ablehne und Polen z. B., ohne herausgefordert zu sein, angreife. In diesem Falle würde der französische Bündnisvertrag wirksam werden. Da man aber ein von Angriffsabfichten erfülltes Deutschland nicht als Voraussetzung für die gegenwärtigen Abmachungen betrachte, so wäre für Deutschlands Lage und auch Englands in keiner Weise verschlechtert. (Optimismus in Aankreich. Die französische Presse über die austcnpolitischc Lage Frankreichs. Paris. 10. Juni. (TU.) Tie Blätter halten das französisch-englische Einvernehmen in der Eicherungsfrage für das größte Ereignis seit dem Friedensschluß. Der „T e m p s" feiert das persönliche Verdienst Driands um das Zustandekommen des Hebereinkommens mit Großbritannien und meint, daß sich eine bedeutende Verbesserung der Situation zugunsten Frankreichs vollzogen habe. Als wichtigsten Punkt des geschloffenen Uebereinlommcnä stellt der „^emps" die Tatsache fest, daß Großbritannien sich im Falle eines deutschen Angriffs mit allen Streitkräften auf die Seite Frankreichs strikt. Was die Sicherung d-er O st g r e n z e angelange. so verstehe sich von selbst, daß die Be- lichkeit im Sinne der Verantwortlichkeit vor dem Tribunal der Geschichte, Wesentlichkeit im Denken und Handeln, nicht breit angelegte, zu Diel- wislerei neigende Verflachung, sondern in die Tiefe gehende, in sich begrenzte, aber gefestigte Bildung: sind wir doch in höherem Sinne niemals auf Dissen verpflichtet, sondern auf Wert. Das sranzösi che Budget für 1925. Paris, 9. Juni. (DB.) Finanzminister Eaillaur hat heute nachmittag mit den Mitgliedern des Finanzausschusses über die Weiterbehandlung des Budgets für 1 925, das noch Ende dieses Monats verabschiedet werden soll, verhandelt. Rachdem man über die Diskussrons- methode innerhalb des Finanzausschusses verbandelt hatte, hat Fincmzmintster Caittaux sich schlüsse eines Schiedsgerichts sich nicht auf territoriale Fragen beziehen könnten. Der ,3ntran- figeant“ stellt fest. Chamberlain und Br.and hätten eine Großtat vollbracht. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages seien nicht nur ausdrücklich beglaubigt worden, sondern auch die Rückkehr Elfaß-Lothsting.ns zu Frankreich habe durch das ilcbereinlommcn aufs neue eine Bestätigung erhalten. Das „Journal des Debats" meint, der Umschwung der Situation zugunsten Frankreichs fei offenkundig. Man könne sagen, daß die Zeit günstiger sei als 1914. Damals stand Frankreich xtoci verbündeten Kaiserreichen mit insgesamt 120 Millionen Einwohnern gegenüber. Heute sei nur noch Deutschland mit 65 Millionen übrig geblieben. Als Ersatz für Rußland zählten für Frankreich die verbündeten Staaten im Osten von 70 Millionen Einwohnern ohne die baltischen Staaten. die auch an der Aufrechterhaltung des Friedens interessiert seien. Die früheren Verbündeten Deutschlands. Bulgarien und die Türkei, tonnten keinen ernsthaften Schaden anrichten. Es bestehe also aller Grund zum Optimismus. Die „Cibert6 hält die Ergänzung des Rheinpaktes durch einen besonderen Schiedsgerichtsvertrag zwischen Deutschland, Polen, und der Tschechoslowakei, den Frankreich garantieren würde, zur Durchführung der allgemeinen Entspannung für unerläßlich Vie französische Antwortnote. Ncbersendnnq am Donnerstag. Paris, 9. Juni. (TU.) Nach Genfer Meldungen wird die französische Antwortnote auf das deutsche Sicherheitsangebot Donnerstag nach Berlin abgesandt werden. B r i a n d kehrt am Mittwochabend nach Pans zurück. Chamberlain bleibt dagegen noch bis 11. Juni in Genf, da bis dahin die Arbeiten des Dölkerbundsrates wahrscheinlich beendet sein werden. Es wird bestätigt, daß die Note an Deutschland, deren Wortlaut soeben erst endgültig festge- legt wurde, eine knappe Darstellung der Grundsätze enthält, die für den Sicherheitspakt mit Deutsch- land maßgebend sein werden. Die deutsche Negier- hmg wird an Hand desSchriftstückes die Bedingungen, unter denen der Sicherheitspakt Zustandekommen kann, auf das Genaueste kennenlernen. Italienische Kommentare zum Garantiepakt. Rom, 10. Juni. (511.) Die Havasnote über die französisch-englische Verständigung zum Garantievertrag wird in der römischen Presse sehr skeptisch kommentiert. Die „Tribuna" meint, damit werde der europäische Friede nicht besiegelt. Es blieben zu viele Fragen offen. England, das nach der Zerstörung der deutschen Flotte und des deutschen Kolonialbesitzes fein großes Ziel erreicht habe, zeige wieder sein Interesse für kontinentale Verhältnisse, wenn es die am wenigsten gefährdete Westgrenze Deutschlands garantiere und die Garantie für die gefährdete O st grenze ablehne. Anders urteilt Coppola in der ,Jdea Ra- zionale". 3m Grunde genommen, schreibt Coppola. garantiere England auch die Ostgrenze, wenn es deren Ilnverlehbarkeit dem Völkerbund zu schützen überträgt. Die im Garantieabkommen enthaltene Unsicherheit nehme demselben jeden realen Wert für eine europäische Sicherung. Zu demselben Entschluß kommt die„Epoca". die die Havasnote als ungewöhnlich verlogen charakterisiert, deren Zweck es sei, die öffentliche Meinung über die Tragweite der englisch-französischen Verständigung, die weit über den Versailler Vertrag hinausgehe, irre zu führen. Ämerika und der Sicherheilspakl. Paris, 9. Juni. (TU.) Nach einer Washingtoner Meldung ist man in politischen Kreisen nicht sehr optimistisch über die Verwirklichung des Sichcrheitspaktes. Man meint, Deutschland werde, falls das Abkommen wirklich Frankreich einen Durchzug durch das Rheinland einräume, nicht gleich einen so einseitigen Pakt annehmen. Wa- shinglon erwartet von Großbritannien eine starke Opposition gegen die Verpflichtung Chamberlains. Amerika, so wird erklärt, sei im einzelnen nicht interessiert, so lange der Pakt die Befriedung Europas fördere. bereit erklärt, die Ernnahmeabschätzun« gen der Regierung Herr iot sich zu eigen zu machen. Cs wurde ferner ein Abkommen erzielt über die Abschätzung der neuen Einnahmequellen. die Kammer und Senat bereits festgelegt haben. Rach Ansicht des Vorsitzenden des Finanzausschusses weist das Budget für 1925, so wie es der Senat der Kammer wieder übermittelt hat. ein Defizit von 600 bis 700 Millionen Franken auf. wozu noch die etwa 900 Millionen Steuern hinzukommen, die der Senat nicht angenommen hat. Finanzminister Caillaux Hal Dorbehalle hin- jedoch beschlossen, hierüber morgen weiter zu sichtlich dieser Abschätzung gemacht. Es wurde verhandeln, da im Laufe der Sitzung die Absicht bekund-et wurde, eine Einigung zu suchen, um die Pläne des Finanzmznisters mit den bereits getroffenen Einnahmedispositionen der Kammer in Einklang zu bringen. Der Marineetat im Reichstag. Reichswehrnitnister «kfder spricht. Berlin, 9. Juni. Präsident Löbe eröffnet die erste Sitzung nach den Pfingsllerren mit der Mitteilung, daß der Reichsminister des Innern, Schiele, die Genehmigung nachsucht zur Strafverfolgung des fo ia ?e 'Vrali* schen Abg Schöpflin irc e.i Beleidigung. Das Ersuchen des Ministers wird dem Geschäftsordnungsausschuß überwie en. Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Henning 1D schvölk. F eii'eilsvt > die auf der Tagesordnung stehende Beratung des Re - wehre, als vorläufig auSzuse'en und zunächst die Militärkontrollnote der Entente zu besprechen, die tief in die Organisation der deutschen W.chr- macht eingreife. Abg. Stöcker (Komm.) unterstützt den völkischen Antrag und bezweifelt, daß die deutschnationale Regierung Luther der unerhörten Ro e dec Entente auch nur den geringsten W dcrfpruch entgegensetzen werde. Der Redner beantragt weiter unter heftigen Augi i fen gegen eie Innenminister des Reiches und Preußens die sofortige Beratung einer kommunistis. en Interpellation über die Zusa mmen ß ö ß c der Polizei mit Kommunisten in Teltow. Die von den Völkischen und Kommunisten beantragte Aenderung der Tage ordnung wurde abgelehnt. Das Haus tritt dann in die zweite Beratung des Haushalts der Marine im Rahmen Haushalts des Reichswehrministeriums ein. Abg. Treviranus (Dntl.) spricht die Hoffnung aus. daß die airgekündigte Aufbesserung der Bezüge der Offiziere und Mannschaften in ausreichendem Maße erfolgen werde. Für die Unterbringung b:r Versorgungsberechtigten müsse besonders in den Gemeindeverwaltungen besser gesorgt werden. )n den maßgebenden Parteien bestehe jetzt E.nmütig- feit darüber, daß die Marine d e in R e i .<> erhalten bleiben müsse. Der Auslanodi.>.,st der Reichsmarine sei geeignet, das Ansehen des wieder genesenen deutschen Volkes in der Delk neu zu beleben. Den neuen Forderungen der Marine müsse deshalb zugestimmt toerbcii. Abg DrüninghauS iD. Vpt.) b. , ichnet eS als eine Inkonsequenz, wenn die Sozialt- no- kraten die notwendigen Ergänzungsbaui. . für die überalterten Schiffe ablehnen würden. D?S könnte man nur bann tun. wenn man, w eS die Äommimiften tun, die Marine überhaupt ab- fchaffen Wil. Die Deutschland auf gezwungene Entwaffnung sollte zwar nur die Einleitung gut allgemeinen Abrüstung sein. Tatsächlich verstärken die übrigen Rationen aber ihre Rüstungen zu Wasser und zu Lande immer mehr. Daran wird auch nichts durch die vielen Friedenskonferenzen geändert. Die in ihrer Quantität so geschwächte deutsche Marine sollte wenigstens in der Qualität auf der Höhe fein. Der Redner dankt unter allgemeiner Zustimmung den fremden Staaten, vor allem Mexiko, für die freundliche und ritterliche Aufnahme, hi. sie den deutschen Schiffen gewährt haben. Gr begrüßt es, daß der verstorbene Reichspräsident Ebert den neuen Kleinen Kreuzer auf den (Hamen „(8 m b en" getauft unb damit bie Erinnerung an bie unvergeßlichen ruhmreichen Kriegstaten der alten „Emden" unb ihres tapferen Kommandanten von Müller neu belebt habe. (Lebhafter Beifall.) Abg. Creuhburg (Korn.) lehnt alle Ma- rineforterungen ab. Abg. Dr. Moses (Soz.) erörtert die Selbstmorbfälle in der Marine und in der Reichswehr. Seit 1920 sei in dieser Beziehung statt der erhofften Besserung eine Zunahme der Selbstmorde um mehr als 50 Prozent zu verzeichnen. Abg. Dr. Schreiber (Zentr.) begrüßt bie Mitwirkung der Reichsmarine an den Ausgaben der wissenschaftlichen Forschung, besonders bei der Tiefseeforschung. Die Auslandfahrten der Marine hätten dem Ansehen des deutschen Ra- mens in der Welt sehr genützt. Das Bildungs- Wesen in Heer und Marine müsse weiter ausgestaltet werden. Dazu gehöre auch eine Seelsorge im besten Sinne des Wortes. Die jetzigen Wohnungsverhältnisse der verheirateten Mannschaften müssen unbedingt verbessert werden. Reichswehrministsr Dr. Getzler: Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in der Reichswehr und der Marine werden in jedem Jahr ein neues Gesicht bekommen. Wir werden das ganze sittliche und seelische Riveau der Marine heben müssen. Dazu müsse aber auch den Offizieren und Mannschaften ein Mindest - maß wirtschaftlicher Sicherheit gegeben werden. Bei der Vslege des Bildungs- wesens macht uns die Lehrerfrage noch Schwierigkeiten. Das überaus traurige Kapitel bei Selbstmorde empfinben wir auf unserem Schild als einen schwarzen Fleck, der möglichst bald verschwinden muß. Der Hauptgrund für die steigende Zahl der Selbstmorde liegt besonders in der zwangsläufigen Verpflichtung auf 12 Jahre. Wir wollen möglichst Waiwel schaffen, vor allem durch eine, Verbesserung des gerichtlichen und disziplinarischen Verfahrens. Zu den Ilrfachen der Selbstmorde gehört in vielen Fällen der Alkoholismus, diese große deutsche Dolkskrankheit. Wir wollen alles tun. um in der Selbstmordfrage Wandel & schaffen und wir werden alle im Reichstag a gegebenen Anregungen allen Kommando- len übermitteln. (Beifall.) Damit schließt die allgemeine Aussprache. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten werden die geforderten Neubau- ten eines kleinen Kreuzers und fünf großer Torpedoboote bewilligt, eben- so • der gesamte Haushalt in zweiter Beratung. Der Antrag auf Streichung des Ministergehalts wird gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt und das Gehalt des Reichswehrministers bewilligt Mil demselben Stimmenverhältnis wird der kommunistische Antrag abgelehnt: Der Reichswehrminister Dr. Getzler besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags. Cs folgt hierauf die e r st e Beratung der Gesetzentwürfe zur Vereinfachung des Militär- strafrechtes und über die Militärgerichte. Der Gesetzentwurf ändert das bisherige militär- gerichtliche Verfahren dahin, daß in jedem Gericht mindestens ein Offizier mitwirken muh, während bisher die Richter dem Dienstgrad des Angeklagten angehörten. Abg. Rosenfeld (Soz.) bekämpft die Vorlage als einen Rückschritt, als eine Wieder- aufrichtung des militärischen Kastengeistes und ein Ändringen des Systems Emminger in die Militärgerichtsbarkeit. Abg. Schulz- Drom- berg (Sn.) tritt für die Vorlage ein. Das bisherige Verfahren sei höchst ungerecht gewesen, weil in Strafsachen gegen Offiziere auch Unteroffiziere oder Mannschaften als Richter mitwirken konnten und im umgekehrten Falle ausgeschaltet waren. Abg. Dierath (K.) lehnt die Vorlage als eine elende reaktionäre Stümperei ab. Abg. Drüninghaus (D. Vp.) findet in dem Gesetzentwurf eine Verbesserung des bisherigen Verfahrens. Den Mannschaften würden viele Härten erspart, die bei dem jetzigen System unvermeidlich seien. Abg. Dr. Haas (Dem.) begrüßt es, daß nach den Vorlagen unbedeutende militärische Delikte nicht mehr dem umständlichen Verfahren der ordentlichen Gerichte überlassen werden sollen. Dieser Grundgedanke über die Vereinfachung des Militärstrafrechts sei richtig. Abg. Br. Bell (3.) behält die Stellungnahme seiner Fraktion zu den Entwürfen für die Ausschuhberatung vor. Die Vorlagen werden hierauf dem Rechtsausschuh überwiesen. Um 6.30 Uhr abends vertagt sich das Haus auf Mittwoch 2 Uhr nachmittags. Fortdauer der Osfeufive Abd el Krims. Paris, 10. Juni. (TU.) Rach einer Radiomeldung aus Rabat dauern die Angriffe der Truppen Abd el Krims mit unverminderter Heftigkeit a n. Die Rifleute sind in der Richtung auf Uezzan weiter vorgedrungen. Die Stadt gilt als bedroht. Reise des französischen Ministerpräsidenten nach Marokko. Paris, 9. Juni. (TU.) Painleve ist haute Rachmittag kurz . nach Ausgang des Ministerrates mit dem Generalstabschef General De- bene und dem Unterstaatssekretär für Flugwesen, Laurent-Ehnac. nach Torllouse abgereist, von wo er morgen früh mit seinen Begleitern in drei Flugzeugen die Reise nach Marokko fort- sehen wird. Der unerwartete Aufbruch des Ministerpräsidenten nach Marokko erregt großes Au f seh en .und wird als Beweis dafür angesehen, dah die Lage der französischen Truppen sich in den letzten t Tagen außerordentlich verschlechtert hat. Pain- leve erklärte gegenüber Pressevertretern, daß er F bereits seit einigen Tagen die Absicht hatte, sich nach Marokko zu begeben, daß aber die * letzten Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz ihn veranlaßt hätten, sofort nach Marokko aufzubrechen. Der Ministerpräsident wird ungefähr 3 bis 4 Tage abwesend sein, und mit Marschall Liau» t e Y entweder in Fez oder in Rabat Besprechungen haben. Außerdem dürfte ein Besuch der Kampffront in Aussicht genommen werden. Auf alle Fälle wird Painleve aber am nächsten Dienstag wieder in Paris sein, um dem Präsidenten der Republik und dem Ministerrat über seine Eindrücke Bericht zu erstatten. Beginn derfranzöfisch-spanischen Konferenz. Paris, 9. Juni. (TU.) Die spanische und die französische Regierung haben sich dahin geeinigt, daß die Marokkokonferenz am kommenden Montag in Madrid zusammentriit, die eine Zusammenarbeit der beiden Länder zur Unterdrückung des Waffen- und Munitionsschmuggels erreichen soll. Die Schlacht bei Kanton. Paris, 9. Juni. (TU.) Nach Siner Reutermeldung aus Kanton dauert das Gefecht zwischen den Jünnan und den Regierungstruppen noch an. Beide Parteie" haben starke Stellungen bezogen. Die chinesis^'u Freiwilligen versuchten, die Arbeiter einer jap 'ichen Mine zum Streit' zu verleiten. Als sich die Arbeiter weigerten, schossen die Freiwilligen auf die Arbeiter. Der Streik in China. Schanghai, 9. Juni. (WTB.) Eine aus chinesischen Stauflcutcn zusammengesetzte Freiwilligenabteilung versuchte heute nachmittag, chinesische Arbeiter einer im chinesischen Stadtteil gelegenen belgischen Fabrik zum Streik a u f z u wiegeln. Da die Arbeiter es ablehnten, der Aufforderung zum Streik Folge zu leisten, tarn es zu Streitigkeiten, in deren Verlauf die chinesischen Freiwilligen auf die Arbeiter Schüsse ab- gabeu. Ein Arbeiter wurde getötet, einer schwer und mehrere leicht verwundet. Dreitausend Matrosen von sechs verschiedcney Küsten- und Flußdampfergesellschaften sind in den Streik getreten. Die japanischen Schiffahrtsgesellschaften bekommen große Schwierigkeiten und denken daran, ihre chinesischen Mannschaften durch japanische zu ersetzen. Der Streik der Dockarbeiter hat die Arbeit in den Docks lahmgelegt. In den Häfen herrscht deshalb sehr wenig Verkehr. Mac Neiü berichler im Unterhaus London, 9 Juni. (WTB.) Ronald Mac Reill antworte!« im Unterlaufe auf eine Anfrage über dis Lage in China, nach den britischen, ameritanifa;cn, französischen, italienischen und japanischen Konsulatsberichten habe die Poli» zei den Ruhestörern gegenüber die größte Geduld bewiesen. Sie könnt? nicht anders handeln, als sie es tat. Die britische Regierung vertraut darauf, daß die chinesische Regierung mit den anderen beteiligten Regierungen »usammenzuarbelten wünscht, um eine gerechte und befriedigende Lösung für diese bedauerliche Angelegenheit zu finden. In erster Linie mühten Gesetz und Ordnung in den Fremdenvierteln w'.eder- hergestellt werden. 3n zweiter Linie wünsche die britische Regierung dem chinesischen Volk ihre Sympathie und ihr Bedauern wegen der Verluste an Menschenleben auszudrücken. Die Ausländer sehen als einen ernsten Fehler die Beschlüsse an, die zur Aufhebung der exterritorialen Rechte der Deutschen, Oesterreicher und anderer führten, da diese Aufhebung einen großen Prestigeverlust zur Folge hatte. Aus dem .Haushaltsausschuß des Reichstags. Der 18. Januar Nationalfeiertag. Berlin, 9. Juni. Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschäftigte sich bei der weiteren Beratung des Reichsinnenetats mit Drrfassungs- fragen. Reichsrnnenminister Schiele erklärte, die Reichsregierung habe sich für den Verfassungsausschuß nur auf Initiative aus dem Hanse, nicht aus eigener, erklärt, auch nicht selbst Aufträge auf Verfassungsänderungen vorbereitet. Der Deutschnationale Schlange - Schöningen bemerkte, seine Partei habe ebenfalls zur Zeit Wichtigeres zu tun, als eine grundlegende Aenderung der Weimarer Verfassung vorzubereiten. Damit war die allgemeine Erörterung abgeschlossen. In der Abstimmung wurden eine große Reihe von Entschließungen angenommen, darunter ein Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Verleihung vonTiteln von Reichs wegen neu regelt. Abgelehnt wurde mit nur 14 gegen 12 Stimmen eine deutschnationale Entschließung. wonach die Reichsregierung ersucht werden sollte, einen verfassungsägndernden Gesetzentwurf vorzulegen, der schwarz-weiß-rot für d i e Reichsfarben erklärt. Angenommen wurden deutschnationale Anträge, die wirksame Schutzmahregeln zugunsten der gefährdeten und mißhandelten deutschen Minderheiten in fremden Staaten verlangt, eine Statistik über den Umfang der ostjüdi - scheu Einwanderung seit 1914 und ein Gesetzentwurf zur Einführung eines allgemeinen Dolkstrauertages zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen. Außerdem wurde angenommen ein deutschnationaler Antrag auf Aufhebung des Republikschuhgesetzes und ein weiterer Antrag, wonach der 18. Januar zum Nationalfeiertag erklärt wird. Fraktionsneubildung. Berlin, 9. Juni. (WTB.) Nachdem durch den Uebertritt des bisherigen deutschnationalen Reichstagsabgeordnelen B e st als Gast zur Deutschvölkischen Freibeitspartei die Zahl der völkischen Vertreter im Reichstage sich auf insgesamt 15 erhöhte, haben sich die Reichtagsabgeordneten der Deutschoölkischen Freiheitspartei und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei unter Wahrung ihrer organisatorischen Selbständigkeit zu einer gemeinsamen Fraktion der Deutschvölkischen Freiheitspartet und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Völkische Arbeitsgemeinschaft) z u s a m m e n g e s ch (offen. Auch Ludendorss gehört dieser neuen Fraktion an. Hessischer Landtag. Darmstadt, 9. Juni. (Eigew Bericht.) Heute vormittag trat der Hessische Landtag zu seiner Sommertagung zusammen. Auf der Tagesordnung steht eine Reihe von Deratungsgegen- ständen, die erst erledigt werden sollen, bevor die Dudgetberatungen beginnen. Es ist hierfür der Dienstag und der Mittwoch vorgesehen. Der Donnerstag (Frohnleichnamstag) ist sihungsfrei. Der Freitag wird zur Abhaltung von Fraktions- sitzungen freigehalten. Montag, den 15. Juni, wird mit der Generaldebatte zum Budget begonnen. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10' i Uhr und teilt den oben erwähnten Arbeitsplan des Landtags mit. Er meint, dah in spätestens vier Wochen dieser Tagungsabschnitt des Landtags beendet sei. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält Frhr. Max von Hey l (D. Dpt.) das Wort zu zwei lleinen Anfragen. In der ersten werden Wünsche zu einer verbesserten Postzustel - lung im Kreise Worms ausgesprochen. In der zweiten wird eine bessere Bahnverbindung nach Rord- und Ostdeutschland über Frankfurt gewünscht. Die Regierungsantworten besagen im ersten Falle, daß eine Entscheidung des Postministeriums noch nicht ergangen ist. Im zweiten Falle hat sich die Reichs» vahnverwaltmrg ablehnend verhalten. Die Regierung versichert, die Angelegenheiten weiter zu verfolgen. Das Haus stimmt hierauf ohne Debatte folgenden Regierungsvorlagen zu. Einstweilige Zurverfügungstellung der im Entwurf des Staatsvoranschlags für 1925 vorgesehenen Bankkredite. Aufbau eines weiteren Stockwerkes und eines Mansardenstockes auf das Hochbau- amt Gießen, Erneuerung der N.LnvIatoren- batterie in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Pbi ippöhospiial, Zuschuß zum Römisch Germanischen Zentralmuseum in Mainz, Unterricht in der Mineralogie a.t der Landesuniversität Gießen, Ausbau der Wölfersheimer Betriebe und Wasserversorgung des Forsthauses Glaubzahl, Ridda. Zu einem Anträge des Abg. Dr. D e h - linger über die Verbesserung der Wasser- und Boden-Verhältnisse im Ried der Provinz Slar- lenburg, macht Antragsteller zu seinem Projekt längere Ausführungen, worauf nacheinander Redner verschi d ner Parteien ihre Zustimmung zur Riedsntwäfserung tunbgeben. Ab7. Schreiber (Dem.) meint, da'S Reich müsse angegangen werden, ebenfalls Mittel für dieses Kulturwerk bereitzustellen. Abg. Frhr von Heyl (D. V. P.) erklärt im Namen der Deutschen Volkspa t .l die Zust i m m u n g z i dem Projekt. Jede'AusgabefürdieRiedentwüsse- r ung fei eine W ertv er mehrung. Die Hess. Regierung möchte bei der Durchführung der Regulierungsarbeiten auch das linke Ahetn- ufer, die Gegend bei Eich und benachbarte Gebiete, berücktichligen und Mittel h erfur bereit stellen, gemäß dem Anträge, den die Deutsche Dollspartei unter Führung bed Frhr. von Heyl bereits im Landtag gestelli hat. Minisieriald rektor liebel erwidert u. a., daß Aussicht bestehe, die R ichsreg.eran.g zu veranlassen, Mittel für die Riedentwässerung bereit zu stellen. I Es sprechen hierzu noch mehrere Redner verschiedener Parteien: sie rühmen die Derdienste des Abg. Dr. D e h l i n g e r um die Dorarbeiten zur Riedentwässerung. Der Antrag Dr. Dehlingers wird sodann einstimmig angenommen. Bei dem Antrag Dr. von Helmolt und Gen. über den Arbeitsbeginn im Bäckereigewerbe entspinnt sich eine längere Debatte. In dem Antrag wird ersucht, die Verfügung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 20. Februar 1925 dahin zu ändern, daß der Arbeitsbeginn für alle im Bäckereigewerbe Beschäftigten (Meister, Gesellen und Lehrlinge) von 5 Tlhr morgens ab gestattet ist. Die Mehrzahl der Redner der Linken spricht von einer Arbeitsverlängerung oder verquickt die Frage mit dem Rachtbackverbot. Abg. Haury (D. Vpt.) weist auf die Schädigung des Bäckereigewerbes hin, die mit dem späteren Backen verbunden ist. Es handle sich nicht um eine Verlängerung der Arbeitszeit, sondern nur um eine Vers chie- bung. Abg. Frhr. von Heyl (D. Vpt.) erklärt, das Frühaufstehen habe der Jugend noch nie geschadet. Namentlich die Jugend in den Städten treibe sich oft noch spät abends herum. Von einer Nachtarbeit könne keine Rede sein. Es sprechen noch weitere Redner zu dieser Angelegenheit: die Abgeordneten der Linken sind gegen die Vorlage, die der Rechten dafür. In der Abstimmung wird ein Antrag, den Antrag von Helmolt durch eine Regierungserklärung für erledigt zu erklären, von den Sozialdemokraten, den Demokraten und dem Zentrum angenommen, damit ist der Antrag von Helmolt abgelehnt. Zu einem Antrag der Abgg. Dr. Werner und Gen. über das Änwesen „wilder" Hausierer weist Aba. Schott (D. Vp.) auf die Schädigung des reellen Handels durch das Hausiergewerbe, das geringwertige Warenqualitäten vertreibe, hin und verlangt, daß die Kreisämter angewiesen werden, den Hausierhandel schärfer zu kontrollieren. Abg. Dr. Werner (Dull.) stimmt dem Vorredner zu: er verlangt auch eine schärfere Besteuerung der W a n d erlag e r, Der Antrag des Ausschusses, Yen Antrag Dr. Werner für erledigt zu erklären, wird angenommen. Ein Antrag der Abgg. Eberle und Gen. auf Verlängerung der Zuckerungsfrist für Wein wird nach längerer Debatte durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Nachdem noch eine Reihe von Anträgen in älebereinstimmung mit den Ausschuhanträgen verabschiedet war, sollte über den Antrag der Abg. Dr. von Helmolt und Gen. zum Volksschulgesetz vom 25. 10. 21 beraten werden. Es handelt sich hier um den ländlichen Fortbildungsschulunterricht. Der Antrag ist un Aussuß noch nicht beraten und wird daher nach längerer Geschäftsordnungsdebatte von der Tagesordnung abgeseht. Bei einem Antrag der Abg. Dr. Keller, D i n g e 1 d e y und Gen. über Abänderung des Volksschulgesehes (hier Fortbildungsschulunterricht) handelt es sich um die Behandlung von Fortbildungsschülern, die früher höhere Schulen, bis Obersekunda, besucht haben. Im ganzen find es 148 Schüler in Hessen. Die Regierung hat in einer Antwort erklärt, daß diese Schüler vom Besuch des Fortbildungsschulunterrichts befreit werden konnten. Abg. Dr. Keller (D. V. P.) vertritt den Standpunkt der Minderheit des Ausschusses und verlangt, daß die Kann-Vorschrift in eine Muh-Vorschrift umgewandelt wird. Nach weiterer Aussprache wird ein Antrag angenommen, die Abstimmung auf morgen zu vertagen. Schluß der Beratungen IV* Tlhr.: nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Preußischer Landtag. Schutzder Minderheiten irnSchultvesen Berlin. 9. Juni. Als erster Punkt wird verhandelt die zweite Beratung des Notetats von 1925. Der Berichterstatter, Abg. E b er s b a ch (Dschntl.), berichtete, der Etat für 1925 habe infolge der politischen Vorgänge in Preußen erst Ende März dem Landtag vorgelegt werden können, und werde daher in diesem Jahre erst sehr spät zur Verabschiedung kommen. Aus diesem Grunde sei die Vorlage eines besonderen Notetats erforderlich gewesen, durch den eine Reihe von Etatposten, insbesondere für Neubauten, vorweg bereitgestellt werden sollen. Ferner sei zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebsmittel der Generalstaatskasse ein Kredit von 200 Millionen Mark erforderlich. Der Ausschuß habe sich für die Annahme des Notetats ausgesprochen. Eine allgemeine Aussprache zum Notetat fand nicht statt. In der Einzelbesprechund wurden einige Einwände erhoben. Schließlich wurde der Nothaushalt nach den Vorschlägen des Ausschusses in zweiter Lesung angenommen und im Anschluß daran in dritter Lesung endgültig verabschiedet. Zu dem Urantrag der Sozialdemokraten über den Schutz der Minderheiten auf dem Gebiete des Schulwesens empfiehlt der Unterrichtsausschuß, das Staatsministerium zu er» suchen, sich aus dem Gebiete des Schulwesens den Schutz der Minderheiten im Sinne des Erlasses vom 31. Dezember 1918 auch weiterhin, und zwar in vollster Loyalität, angelegen sein zu lassen. Abg. Baczewski (Pole): Der Schutz der polnischen Minderheit ist in Ostpreußen bisher vergeblich erstrebt worden. Die Landräte machen sich nach wie vor der ärgsten Willkür schuldig. Im Widerspruch mit den Tatsachen wird in der Presse die Behandlung der deutschen Minderheit in Polnisch-Oberschlesien als eine schlechte und ungerechte angeklagt, nur um die in Preußen geübte Willkür zu bemänteln. Abg. Stefens (D.Vp.) setzt sich mit dem Abg. Baczewski auseinander. Die Erlasse der preußischen Regierung seien durchaus loyal ausgeführt worden und es bestehe keinerlei Grund, die Regierung noch zur besonderen Einhaltung der Erlasse zum Schutze der Minderheiten aufzufordern. Abg. Frau Voigt (D.Vp) widerspricht entschieden der Aeußernng des Abg. Baczewski von einer friesischen Minderheit. Die Friesen seien Deutsche. Der dänischen Minderheit in Schleswig werde ihr volles Recht zuteil. Abg. Frau Wronke (Z.): Das Zentrum steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß den berechtigten Ansprüchen der nationalen Minderheiten im Schulwesen genügt werden muß. Wir müssen aber andererseits von diesen Minderheiten alle Loyalität verlangen. Die Respektierung der Minderheitsrechte ist nicht gleichbedeutend mit einer Bevorzugung dieser Minderheiten. Sodann gelangt der Ausschußantrag zur Annahme. kleine politische Nachrichte-r, Genf, 10. Juni. (TA.) Der frühere öftcr- rcichische Bundeskanzler Seipel, dec zur Zeit eine Dortragsreise durch die Schwe'z macht, svrnch gestern in Zürich vor deutsch-schweizerischen: Pressevertretern u. a. auch über die A n sch 1 u h* frage und erklärte, das Anschlußverbot setz eine der größten Inkonsequenzen des Friedens». Vertrags. Zweifellos ergebe sich, trenn heute eine entscheidende Abstimmung stattfinden würde, eine ungeheure Mehrheit für den Anschluß an Deutschland. * Der Hauptausschuh der internationalen Waffenhandelskonferenz hat das Verbot der Verwendung bakteriologischer Kriegsmittel angenommen. Rom, 9. Juni. (TU.) Zum Nuntius tn München wurde Msgr. Alberto V a s a l l o di Torregros s a ernannt. Msgr. Vasallo ist 1865 in Cataldo geboren und ist Nuntius.. in Argentinien gewesen. London. 9. Juni. (WB.) Auf eine Anfrage im Unterhaus teilte der Regierungsvertreter mit, die Gesamtstärke der Landstreitkräfte Sowjetruhlands werde auf 1 058 000 Mann geschäht. In die Zahl seien die Reservestreitkräfte nicht einbegriffen. Reichskanzler Dr. Luther empfing gestern nachmittag 6 Uhr die Führer der Reichstagsfrak- tionen, von den Deutschnatioralen bis zu den Sozialdemokraten, um mit ihnen die Entwaffn nunysnote, die heute Gegenstand einer Beratung irn Auswärtigen Ausschuß sein wird, zu be» sprechen. Aus aller Welt. Mißglückter Flug der Los Angeles. Wie die Blätter berichten, hat das Zeppelinluftschiff „Los Angeles" auf feinem Flug nach Minnesota über 9)oungtomn (Ohio) einen Motor- d e fett erlitten, der es zwang, nach Lakehurst zurückzukehren. Das Helium hatte sich infolge der Hitze derart ausgedehnt, daß nach 24 vergeblichen Landungsversuchen, die das Schiff nur bis 100 Fuß über den Erdboden brachten, 150 000 Kubikfuß Helium ausgelassen werden mußten. Zwölf Stunden dauerten die Landungsoersuche, die zeitweise 500 Mann in Atem hielten. Wahrscheinlich tritt das Schiff schon in zwei Tagen den zweiten Flug nach Minnesota an. Eine kanadische Polexpedition. Nach einer Meldung aus O 11 a v a wird die kanadische Regierung unter Leitung Macken- ziens eine Polexpedition nach den in der Eisregion liegenden kanadischen Inseln entsenden, um von allen, die gefunden werden. Besitz zu ergreifen. Zur Hinterlassung von Mannschaften sollen dort Polizeistationen errichtet werden. In Washington hat man vorstehende Nachricht mit größtem Interesse aufgenommen. Erdbeben. In Looben und mehreren anderen Orten der Obersteiermark wurde Dienstag früh 1 Ahr 37 Minuten ein zwei Sekunden lang andauerndes Erdbeben verspürt, das so heftig war. daß die Bewohner aus dem Schlafe geweckt wurden. Kältewelle in Amerika. Die Hitzewelle ist längs der östlichen Meeresküste plötzlich ab geflaut. Die Temperatur fiel innerhalb weniger Stunden um 20 bis 50 Grad Fahrenheit. Die Bevölkerung, die vor der Hitze in den Parks Zuflucht gesucht hatte, mußte sich nun gegen die Kälte schützen. Tvrnadoderherrungen in Colorado. Nach einer Nachricht aus Wray (Colorado) wurde durch einen tornadoartigen Sturm über 100 Gebäude vernichtet und 20 Personen in einem Gebiet von 20 Quadratmeilen getötet. Schwere Aeberschwemmungskalastrophe in Mexiko. Nach einer Meldung aus Washington ist die Halbinsel Tehuantepec von einer schweren TIeberschwemmung heimgesucht worden. Sämtliche Flüsse sind über die Ufer getreten. Hunderte von Personen sind ertrunken und mehrere Dörfer wurden völlig zerstört. Explosionsr „glück. Sturqis (Kentucky). 9. Juni. (WB.) In einem Schacht bei Sturqis (Kentucky) wurden durch eine Explosion 17 Bergleute verschüttet. Es besteht keine Hoffnung auf Rettung. Beisetzung der Opfer des Koburger Massenmörders. Unter gewaltigem Andrang der Bevölkerung des Steinachtales fand auf dem Friedhof ©er- stungshausen die Beerdigung der Opfer des Hassenberger Massenmörders in einem gemeinsamen Grabe statt. Der Mörder wurde bei Sonnenuntergang dem alten Brauch der Gegend gemäß ohne Sarg in der Friedhofsecke begraben. Unfall eines Fallfchirmpilolen. Aus Naumburg an der Saale wird gemeldet: Der Fallschirm pilot Staltner aus München, der Chefkonstrukteur der Stromlinien- und Fallschirmgesellschaft, war am Samstagabend bei einem Sprung aus tausend Meter Höhe von Böen fortgetrieben worden und mußte in Bäumen landen. Dort hing er eine Stunde zwischen Himmel und Erde, bis ihn die Feuerwehr aus der Lage befreite. Nach der Reparatur des beschädigten Fallschirmes sprang Staliner am Sonntag wieder aus der gleichen Höhe aus dem Flugzeug. Der Fallschirm entfaltete sich jedoch nicht. Der Pilot stürzte zu Boden und erlitt lebensgefährliche Rückgratsoerletzungen. Beim Ein machen verbrannt. In Lichterfelde hat sich ein schweres Unglück ereignet. Die Ehefrau des Beamten Zwink war mit dem Einfchwefe 1 n von Einmachgläsern beschäftigt, als sich plötzlich der Schwefel entzünde i e und die Kleidung der Frau Feuer fing. Her» beieilende Hausbewohner versuchten durch Decken die Flammen zu ersticken. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Wettervoraussage. Meist heiter, trocken, warm. Die Huchdruckwetterlage dauert unverändert fort. Allerdings ist das Fallgebiet in Osteuropa etwas westlich Dorgebrungen und könnte vorübergehend Abkühlung und Gewitterstörung Hervorrufen. ritt! ober i|t "V E, beMy* am^r gesunde' Zeichen Dahrc i meister Ende J vervau unter s u. n. f£ nalif an reiche c theater? rung^ aui mcisler 2 Kesberg c wo er in lern tätig MM tr Hilssarbe ■Der Cnls jenslrast gemeinte 1 Aörpe Je n |onen i ober Die zeii zu nwnatlid gen auf schastsste leitungsi merbeire ßinfomn nur noch auch (d 10. Jun bisher Achtet den h erst an Mai i spreche, jeitpur schon b langen die Do am 17. entricht, den bis zu mi verpflich lang an entrichte. Es das Pf Mse 65 Spargel gemüfe barber 120, Ku beeren 1 Hühner bis 150 100, Obi das Di Sch. •en Heu, Triebes Han Siloti beide au ler an Wim ein Bern nehmen der bei t We unfe über ühr berichten 4 % Hile r* etht u h. 2h* ** S®‘4V! I!?S! ÄÄ *S E*ä ? ”“”1111!» 0 ®Q|0lln L *u*a -L S* 2kfr«gi Ä eotD. ü /“m Muh» L;*9 fieftem 'r Mälaosfro!. "b'S ju btn 6ö. d>e (tntoafi, 1‘Qnb ein« 5tra. Hin wird, zu bt. Welt. 8os Angele-, hat bas Zeppelin. C|nem olug nach o) einen Molar. n°4 Lokehurs, zu. le sich infolge btr ch 24 vergeblichen nur bis 100 Fuß W) Kubikfuß f)t‘ 1 3möli Stunben oie Mwch 500 peinlich tritt bas Zweiten ^lug nach lexpeditiou. Ottaba wirb ht Leitung Macken- . on nach btn in iil(6en Inseln ent- gesunden werden, assung dvn Mann- vnen errichtet wer- vorstebende Dach- lufgenommtn. anderen Orten btt itag früh 1 Uhr lang anbautnM heftig mar, M geweckt wurden. itüa. ngi bei vKchw laut. Dir Trw- ;t ötunben um 20 c Devöllerung. die islucht gesucht hatte. Ute schützen. n Lvlvrado. ; Dray (Solotabo) igen Sturm über Prrsontn In einem getötet. astrvpht in Metiko. rs Washington ist c von einer s chw c- j heimaesucht toDt* über die User ge- tofonen M er* isrr wurden völltg lüd. . Juni. 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Don den gröberen Arbeiten, die unter seiner Amtsführung erledigt wurden, sind u. a. folgende zu nennen: Durchführung der Kanalisation und Kläranlage, anschliehend umfangreiche 6trabenbefeftigungc)i, Erbauung deS Stabt- 1Heaters, der Ueberlandzentrale und der Stratzen- bahn, Errichtung deS Reuen Friedhofes, Erweiterung deS Schlachthauses durch die Einrichtung her Kühlanlage und di e Erbauung einer neuen Lchweinefchlachthallc. Aach feinem Ausichetden aus der hiesigen Verwaltung war Oberbürgermeister Mecum zunächst im Ruhestand in ®o- deSberg ansässig, von hier verzog er nach Berlin, wo er in den KriegSjahren in öffentlichen Aem- tem tätig war, später übersiedelte er nach Wiesbaden. wo er bis Februar 1924 als technischer Hilfsarbeiter deS Wiesbadener Magistrats wirkte. Der Entschlafene zeichnete sich durch grobe Schas- senSkrast aus und hat sich Verdienste um unser Gemeinwesen erworben. Die (Einkommensteuer- und KörperschaftSfteucrvorauszahlungen. Je nachdem gewerbetreibende Einzelpersonen oder Erwerbsgesellschaften monatlich oder vierteljährlich Umsatzsteuervorauszahlun» gen zu leisten haben, hatten sie bisher auch monatlich oder vierteljährlich Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer und Körper- schastssteuer zu leisten. Noch dem Steuerüberleitungsgesetz vom 29. Mai haben alle Gewerbetreibenden die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer und die Körpcrschaftssteuer nur noch vierteljährlich zu entrichten. Es fällt auch schon die Monatszahlung, die zum 10. Juni zu zahlen gewesen wäre, fort. Die bisher zu monatlichen Vorauszahlungen verpflichtet gewesenen Gewerbetreibenden haben daher die nächste Vorauszahlung erst am 10. Juli (Schonfrist 17. Juli) für Mai und Juni zu leisten. Auch die entsprechende Dorenthaltung ist erst zu diesem Zeitpunkt gegeben. Gewerbetreibende, die schon bisher zu vierteljährlichen Vorauszahlungen verpflichtet waren, haben, wie bisher, die Vorauszahlung am 10. Juli (Schonfrist am 17. Juli) für April, Mai und Juni zu entrichten. Für die Umsatzsteuer bleibt es bei den bisherigen Vorschriften. Wer also bisher zu monatlichen Umsatzsteueroorauszahlung verpflichtet war. hat die nächste Vorauszahlung am 10. Juni (Schonfrist 17. Juli) zu entrichten. Gictzencr Wochcnmarktp reise, am 9. Juni (Händlerpreife). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarlt das Pfund. Butter 160 bis 170. Matte 35, Käse 65, Wirsing 35, Spinat 25, Romischkohl 10, Spargel 60 biS 100, Erbsen 60 bis 70. Misch- flcmüfc 15, Tomaten 200, Zwiebeln 20, Rhabarber 25, Kartoffeln 5, Aepsel (ausländische) 120, Kirschen 40 bis 90, Stachelbeeren 40, Erdbeeren 160, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120; daS Stück: Sier 12, Blumenkohl 80 bis 150, Salat 10 bis 20, Salatgurken 80 bis 100, Oberkohlrabi 30, Lauch 5 bi- 10, Rettich 30; das Bund: Radieschen 15, gelbe Rüben 30. Sine seltene Feier. Bei der Firma H. Schass st aebt ©. m. b. H.. hierselbst, tonnten heute wiederum vier Angestellte des Betriebes ihr 40jähriges Arbeitsjublläum feiern. Es handelt sich um den Platzmeister Julius Dikorö. den Werkmeister Emil Schütz le r, beide aus Dietzen, den Metalldreher Karl Müller aus Klein-Linden, und den Hofarbeiter Wilhelm D e b I i n g aus Heuchelheim. Dewitz ein Beweis treuer Anhänglichkeit an das Unternehmen und ein neues Dokument für den Deist, der bet der genannten Firma herrscht. Wir waren, wie unsere Leser willen, schon häufig in der Lage, über ähnliche Feiern bei der Firma Schafsstaedt berichten zu können. Die Iubtiare wurden auch diesmal wieder von der Deschäftsleitung sowt: I von dcn Angestellten her Firma durch zweckmäßige Geschenke und aufrichtige Glückwünsche erfreut, und außerdem wurde jedem einzelnen durch eben Vertreter des KreiSamtes im Auftrage der Hessischen etaalÄregicrung unter anerkennenden Worten für ihre langjährigen treuen Dienste ein Dekret überreicht. Die beiden erstgenannten Jubi- lare sind sogar schon länger als 40 Jahre bei der Firma Schasfstaedt tätig. Julius Dikor 4 nämlich 4-t 3obre und Emil Schützler 43 Jahre. Mit Rücksicht auf die allgemeinen Behältnisse her Rachkriegszeit hat man aber die vier Jubiläumsfeiern auf heute zusammengelegt •b. Städtische Ruyholzversteige- r u n g Bei der gestrigen Rutzholzversteiaerung der Stadt Dietzen wurden folgende Durchschnitts- preifc bezahlt: Ficht en schnittholz 1. Kl. 57 Mk.. 2.Kl. 51 Mk., 3. Kl. 44 Mk.; Fichtenbauholz 2. Kl. 35 Mk., 3. Kl. 34,50 Ml.. 4. Kl. 30 Mk. 5a-Kl. 29 Wk.. 5d-Kl. 29 Mk; Kiefembauhvlz 3. bis 5. Kl. 26,50 Wk.; Birkenstammholz 6. Kl. 18 Mk. je Festmeter. •• Landesverband israelitischer Lehrer im Volks st aate Hessen. Die jüdi» fchcn Lehrer in Hessen schlossen sich zu einem Landesverband israelitischer Lehrer im Lolksstaate Hessen zusammen. Vorsitzender ist Lehrer Kahn- Alsfeld; dem Vorstand gehören noch an die Lehrer S e e 11 g Friedberg, Simon - Darmstadt, Stern- Alzey, Marz» Gießen, Sulzbache r- Groß-Bieberau und Kahn- Höchst. " Die Hausschlachtungen in Hessen. In den nichtbeschaupflichtigen Hausfchlach- tungen wurden in Hessen in der Zeit vorn 1. Dezember 1923 biS zum 30. Rovember 1924 geschlachtet: 47 Ochsen über 2 Jahre alt, 40 Bullen über 2 Jahre alt. 338 Kühe über 2 Jahre alt 638 Jungrinder über 3 Monate bis 2 Jahre alt, 274 Kälber unter 3 Monaten alt, 141635 Schweine einschl. Ferkel. 3131 Schafe einschliehlich Stimmer und 7917 Ziegen einschl. Lämmer RDV. Werbe -Briefmarken. Zur Tausendjahrfeier des Rheinlandes gibt die Deutsche Reichspost Freimarken zu 5. 10 und 20 Pf. sowie Postkarten zu 5 Pf. heraus. Der Entwurf der Marke rührt von dem aus Bonn gebürtigen Berliner Architekten Otto Firle her. Ferner ist anläßlich der Deut- schen Verkehrsausstellung München 1925 eine besondere Briefmarke ausgegeben worden. Der Zehnpfennigwert ist in Rot, der Fünfpsennigwert in Grün gehalten. Der Entwurf dieser Marke stammt von dem Münchener Kunstmaler Sigmund v. Weech. RDV. Billigere Reisegepäckoer- ficherung. Am 1. Juni ist, wie die „Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung- mitteilt, eine erhebliche Ermäßigung der Gebühren für die Reisegepäckversicherung durch Dersicherungsmarken in Kraft getreten. Für je 1000 Mk. Versicherungs- summe werden erhoben bis 150 Kilometer 1 Mk., bis 400 Kilometer 1,50 M., bis 700 Kilometer 3 Mk., bis 1200 Kilometer 4,50 Mk. und auf größere Ent- femungen o Mk. Es kommen jetzt auch Versiehe» rungspolizen mit 30tägiger Geltungsdauer zum Preise von 10 Mk. für je 1000 Kilometer zur Ausgabe. Die GOtägigen Poitzen sind beibehalten. " Zum Reiseverkehr mit dem Auslande. Die Handelskammer Zittau bat soeben auf Grund von amtlichen Quellen eine Zusammenstellung über die „Vorschriften für den Reiseverkehr mit dem Auslande" veröffentlicht. Diese Schrift enthält eine llebersicht über die deutschen Pahbestim- mungen sowie eine Zusammenstellung der Förmlich- feiten, die bei der Erlangung von Sichtvermerken für die einzelnen Länder im Verkehr mit den zu ständigen Konfularbehörden zu beachten sind. Sie gibt auch Aufschluß über die im einzelnen Falle für den Sichtvermerk zu entrichtenden Gebühren. Der Inhalt dieser Veröffentlichung wird weiten Kreisen, die am Reiseverkehr mit dem Ausland interessiert sind, willkommen sein. Sie kann zum Preise von 1,50 Mark bet xostsreier Zustellung von der Zittauer Handelskammer (Postscheckkonto Dresde" Nr. 14850) bezogen werden. Pornotizen. — Taaeskalender für Mittwoch. Bienenkorb-Ausstellung 3 bis 6 Uhr im Laden von Heinrich Hettler. — Deutsche Bolkspartei: 8'. Uhr im Dewerbehaus Saal 1 a Mitgliederversammlung. — Bayern-Verein: 81 ■> Ubr im Bayerischen Löwen Versammlung sämtlicher Bayern. — Orchester-Verein: 8' _> Uhr Srarrffur- ter Hof Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Jagdrus der Liebe". — Astoria- Lichtspiele: .Höher als die Wolken". — D i e Ausführung der Wald- bühne ist bis auf weiteres verschoben worden. — S) au» und Schule. Morgen, Donnerstag, abend Vortrag von Prof. Brüning über „Krüppelfürsorge". (Siehe Anzeige.) — Südwe st deutscher Radioflub. Morgen, Donnerstag, abend Vortrag über „Reslex- schaltungen". Näheres im Anzeigenteil. Kirche und Schule. Amtseinführung desLnperintevdenten von Rheinhessen. y. Mainz, 9. Juni. Heute sand am 11 Ubr in der Ehristuskirche die feierliche Verpflichtung und Einführung des zum Superintendenten von Rheinhessen ernannten seitherigen Landes-Jugendpsarrers RudolfZent- g r a f statt. An der Spitze des Zuges, der um 11 Ubr in das grobe Gotteshaus ein\og. schritten alle rheinhessischen evangelischen Geistliche.! Im geistlichen Ornate, es folgten die Dekane, her Prälat und die 3 Superintendenten. Die Deist- lichen begaben sich zu beiden Seiten des reich- geschmückten Altars vor dem bereits vorher die eingeladenen Ehrengäste, wie die Herren der Kirchenregierung, der Provinzialdirektor. Oberbürgermeister usw. Platz genommen batten. Die Ordinariatsrehe hielt Prälat Dr. O. Diehl über Offenbarung 9. er gedachte des fo früh heim- gezogenen seitherigen Oberhirten Euler in dankbaren Worten, und sprach von der evgl. Kirche unter dem Kreuz, besonders aus der Vergangenheit Rheinhellens geschichtliche Dllder herbeiholend. Bei bet Einsegnung assistierten die Superintendenten Geheimrat D. Flöring und Oberkirchenrat Wagner. In seiner Predigt redete Superintendent Zentgraf auf Grund von Epheser 6 vom geistigen Kampfe unserer Zeit, der Stärke und ben Waffen, womit et zu führen ist. Sämtliche evangelischen Schüler der oberen Schulllassen von Mainz hatten auf Veranlassung des LandesbildungSamtes von 10 Uhr ab schulfrei und füllten in Masten die Emporen, während das Schiss der Kirche von der evgl. Gemeinde überfüllt war. so dah viele stehen mutzten. Ein einfaches Mahl hielt Geistliche mit der Kirchenregierung und den eingeladenen Ehrengästen im Evgl. DereinShaus noch eine Stunde zusammen. Turnen, Sport und Spiel. Der deutsche Rundflug. Berlin. 9. Juni. (WT2.) Der deutsche Rundslug 1925 hat nach Zurücklegung der 5. Schleife sein Ende erreicht. Die Greifmaschine mit dem Flieger Günther landete bei Glogau infolge MotvrdefektcS und muhte aufgeben. Dvn der Mercedes-Mafchine des Flieger- Jakobs liegt noch keine Meldung vor. Mit Ausnahme der beiden Maschinen sind sämtliche Flugzeuge in Berlin glatt gelandet. Als Preisanwtir- te r find au bezeichnen die Flieger Ungeteilter, Polte und Bäumer und für den Hamburger Flug von Freyberg. Die definitive Entscheidung fällt erst am Donnerstagnachmittag in der Sitzung des Preisgerichts im Deutschen Flughaus. Landwirtschaft. Hessisches Vieh auf der Deutschen Allgemeinen landwirtschaftlichen Ausstellung in Stuttgart. !'! Die Oberhesfische Herdbuch-Gesellschaft für Vogelsberger Rotvieh (Dietzen) sendet zur Ausstellung drei _ Dullen (darunter zwei Gemeindebullen), drei Kühe und drei Färsen. Die Absendung von Schafen muhte unterbleiben. Die Provinz Rheinhessen wird eine Gruppe von acht rehbraunen Schwei- zerziegen senden, während Starkenburg 10 bis 12 Exemplare des Odenwälder Rotviehs und eine Sammlung von 60 bis 70 Saanenziegen ausstellt. Die Viehzählung in Hessen von« 1. Dezember 1924. In ben „Mitteilungen der Zentralstelle für die Lanbesstatistik" werben bie Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1924 veröffentlicht. Hiernach gab es in Hessen 165 974 oieh- bcsitzende Haushaltungen, im Vorjahre 149 461; da- von waren 72 844 in Starkenburg, 50 293 in Oberhessen und 42 837 in Rheinhessen. Es wurden ge- zählt 63 194 Pferde (1922- 58 201), 292827 Stück Rindvieh (im Vorjahr 281 650), 67 891 Schafe (einschließlich Böcke), im Vorjahr 76 368, 167 381 Ziegen uno Böcke, im Vorjahr 173 368, 329 997 Schweine, im Vorjahr 368 728, 1 751 460 Stück Federvieh, im Jahre 1922: 1 520 139. Frankfurter Oper. Die von dem jungen Kapellmeister Clemens Kraust ausgehende musikalische Auffrischung der Oper macht sich auf verschiedenen Gebieten bemerkbar. Die innere Qualität der Vorstellungen erlebt eine musikalische Steigerung, die Durchdringung der Partitur ist eine vollkommen künstlerische; nicht um Rotenwerte In dynamischer Beziehung und um Klangreize geht es es geht um oie Totalität des musikalischen Äunfttocne, dem der junge, von Wien gewonnene Dirigent ein bei allem Temperament geistig disziplinierter und seelisch reifer Vermittler ist. Das bewies aufs deutlichste wieder die nach dem ..Rhemgold' folgende Reueinstudierung her ,.W alkür e". Der Abend gehört zu den musikalischen Grotzlaten der Frankfurter Oper, er ward zu einem tiefen Erlebnis, au» dem vermöge der prachtvollen Einfühlungsfähigkeit und Konzentration Kraust' einer neuen Epoche, die das Werk des Bayreuther Meister» schon al» historische» Ucbcr» kommen auf eine anders eingestellte Gegenwart betrachtet, gerade diese- schwierigste und problematischste Stück der Tetralogie zu einer hin- reihenden Offenbarung wurde. In wundervoller innerer Geschlossenheit türmte sich Akt auf Akt, das Melo» blüht im Glanze einer natur haften unbraurgeaa i ci Farl envracht, die W >knerscl e Tonsprache sand im Lyrischen wie im Heroisch- Tragischen in Orchester und Sängern eine em- hruckSvoll-grotzartige Vermittlung, vor allem boten die drei Akte, die in die schicksalshast-schuldige Welt der Götter das Menschlich-Begreisliche und hier zugleich Erhabene tragen, und die für da» Gesamtwert von mabgebenber Bedeutung sind, in ihrer von dem Maler Ludwig Sievert geschaffenen szenischen und dekorativen Gestaltung einen künstlertsch geformten Lchaureiz, der dce starke musikalifche Wirkung der Reuaufsührung wesentlich unterstützte. Man weih ntcht nur itt Frankfurt, dah Sievert heute einer her stärksten Gestalter des Bühnenbildes ist; nicht umsonst hat sich Berlin mehrfach um den Künstler beworben. Regisseur Dr. Waller st ein hat in ihm feinen phantasiereichsten Mitarbeiter, btit! es auch gelungen ist, die Szenenbilder der „Walküre" von allen Unzulänglichkeiten befreit in die Stimmungswelt der gewaltigen Musik zu kleiden und zugleich nachhaltige Bildwirkungen zu erzielen. Zu einer herrlichen Wirkung ist durch technische Künste jetzt die wabernde Lohe des Feuer^aubers gebracht. Auch die gesanglich- darstellerische Leistung der Reuaufführung steht auf künstlerischer Höhe, vom Scheidt ist trotz seiner Indisposition ein Wotan von menschlich- ergreifender Gröhe. Emma Holl eine treffliche Drünhilde, Hans Erl ein finster-dämonischer Hunding und Otto Zanger ein Siegmund von markiger Kraft, dem auch das Zarte in den Liebesszenen mit der Sieglinde Glse Gentner- Fischers überraschend gelingt. Die Frika Spiegels mag gesanglich heute wohl hie glänzendste Repräsentantin des Wotanschen Ehe- gemahls sein. Die ganze Ausführung wirkte hinreihend, nach den Aktschlüssen gab eS Begeisterungsausbrüche, mit denen die unendliche Mühe der Reubelebung des Werke- gelohnt wurde. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (AuS der .Radio-Umschau".) Donnerstag, 11. Juni. 12 Uhr: Rachrichtendienst. 3 und 4 Ubr Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Uhr: Rachrichtendienst. 4.30 bis 6 Ubr: Rachmittags-Konzert des HauS- Orchesters: .Alles um Liebe". 6 Uhr: Wirt- schaftsmeldunaen. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Aus fernen Ländern): AuS dem Buch.Mil den. Zugvögeln nach Afrika" von Bengi Berg. 6 30 bis 7 Uhr: Sprachliche und praktische Hinweise für Jtalienreiferrde. 7 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7.30 Uhr. Stunde des Südwestdeut- schen Radio-Klubs. Herr G. Decker: „Vom Süd- westdeutschen Radio-Klub". 7.30 bis 8 Uhr: Funkhochschulc. Vortrag von Pros. Raumann: ^Früheste deutsche Dorfpoesie". 8.30 Uhr: Musikalische Stilgedichte in praktischer Darstellung; zweiter Abend. Anschliehend Rachrichtendienst. Wettermeldung, Sportbericht. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Giehen. Mittwoch, den 10. Juni. 41 , u. 7 Beichte. Donnerstag, 11.Juni. Fronleichnamsfest. 6V,Veichte. 7 Messe, 8Kom., 9 Hochamt, 9'/,Prozession, 11 x(. Messe, 2l/i Andacht m. Segen Freitag u Samstag abends 8 Sakramentalische Andacht. — Hungen. 8 Hochamt mit Predigt. - Sich. 10 Hochamt mit Predigt. Plagt Sie Rheuma oder Gicht, so ist Ihnen der Gebrauch von Uroga-Sjtratt anzuraten, der die Schmerzen lindert und die harn- sauren Salze aus dem Körper schafft. Der echte Uroga-Srtrakt ist in Flaschen zu 60 Gramm nur in Apotheken zu haben Sicher: Universitäts- Apotheke zum goldenen Engel. 4860A ' U> kW» Nwo e** y. im im« u. t*v ,e* UMi*- ■■■*.• «WHCAwNm R. n* MW oV L». Uok Ellis Eli»? 9 Moll . Frankfurt a. M. Ä 5836D Sehr tüchtiger tüchtige, zuv^rlüsfige erste Verkäuferin Wü öMS! 3 i m mer an rau lein zu o er- mieten 05024 Riegelpfad 2 II. bTc als Stadtbeamter evtl. Bezirk bei an^emess. 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Sonntag: Oie vier Ehen des Mathias Merenus Ein Spiel von Liebe und Ehe. Nach dem gleichnamigen Roman von Karl Hanns Strobl. In den Hauptrollen: Grete Reinwald, Karg. Kupfer, Ernst Hof- 5849D Gießen, Bad-Homburg, den 10. Juni 1925. Hermann Groos Familie Maternus Familie Setzepfandt. Danksagung. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme, sowie für die reichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden und der Beerdigung unserer teuren Entschlafenen sagen wir allen lieban Freunden, Bekannten und Nachbarn unseren herzlichsten Dank. Nr. 133 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejjen)Mittwoch, (0. Juni (925 Der Kamps um China. Don Otto Corbach. Wenn man die Tatsachen-tterne aus den bom- bastischen Hutten politis«1)er Propaganda heraus- ichalt, jo bleibt von allen Meldungen und Berichten uber die lungfitn Vorgänge in Schanghai und an- deren chinesischen „Vertragshäfen" kaum etwas übrig, worüber man sich groß aufzuregen brauchte. Die modernen industriellen 'Betriebe an diesen Plätzen, die fast durchweg ausländischen Unternehmern gehören, beschäftigen hundeNtaujende chinesischer Arbeiter, die sich vor allem während der Jahre des Weltkrieges, als viele von ihnen in den Landern der Ententemächte zu hohen Löhnen ein- gezogene weiße Arbeiter ersetzten, mit den Me- ihoden moderner Gewerkschaften vertraut gemacht haben und diese nun zur Erringung menschenwürdiger Daseinsbedingungen anwenden. Sie begegnen .dabei dem hartnäckigsten Widerstand aus Seiten einer Unternehmerschaft, die in großem Umfange noch eine Art Sklavenhaltertum begünstigt, indem sie ihren „Kompradoren" Pauschalsummen für bestimmte Mengen in ihren Fabriken herzustellender Ware bezahlt und es diesen überläßt, durch maßlose Ausbeutung besonders von Frauen und Kindern, noch möglichst viel für die eigene Tasche aus menschlicher Arbeit herauszupressen. Daß es unter solchen Verhältnissen wieder einmal zu einem Ausstand kam, ist gewiß nicht raun- derzunehmen. Ebensowenig, daß dieser größeren Umfang annahm, nachdem ein streikender Arbeiter von einem fremden Polizisten getötet worden war, noch daß fremdenseindliche Demonstrationen unter 'Beteiligung von Studenten daraus entsprangen. Und als die Polizei der vorwiegend englischen Verwaltung der Fremdenniederlassung in Schanghai auf einen Zug unbewaffneter Demonstranten schoß, konnte natürlich nur eine Woge fremdenfeindlicher Erregung durch ganz China gehen. In keinem anderen Lande der Welt hätte sich etwas anderes nach solchem Verhalten Fremder ermatten lassen. Es bedürfte dagewiß keiner „bolschewistischen Propaganda" mehr. Wenn man der angelsächsischen Pressepropaganda trauen wollte, so müßten der Sowjetregierung geradezu märchen- haste Schätze allein 3um Unterhalt und für die Dienste ihm Agenten in China zur Verfügung flehen. „Bolschewiftijche Gelder" mystischen Ur- Iprungs sollen sowohl die Taschen revolutionärer Studenten wie die Fonds ausständiger Arbeiter, mögen sie auch nach Hunderttaufenden zahlen, nicht minder die Kassen gewisser Iruppenfommanbeure immer wieder füllen, aber die englischen Pfunde und amerikanischen Dollar, die in China rollen, tollen natürlich legitimsten Ursprungs und legitimster Bestimmung sein. Das asiatische „Volk der Mitte" hat wie das europäiiche eine republikanische Staatsform, an der alle Kriege und Sunden des Kaiserreiches, aus der he entsprang, noch auf viele Generationen hinaus heimgesucht werden sollen. Die Zeil aber scheint hen Weltlenkern in London und Washington erfüllt, um nach dem Dawesprinzip auch in die chinesische Erfullungspolitik Plan und Methode zu bringen und für sie die Grenzen des äußerst Möglichen zu beftimemn. Man hat Deutschland politisch und wirtschaftlich für absehbare Zeit peinigen h geknebelt und gedrosselt, Frankreich teils durch Anforderungen zur Schuldenzahlung eingeschüchtert, teils durch Zugeständnisse in der „Sicherheitsfrage" besänftigt. Was hindert England, seine fernöstlichen Interesien nachdrücklich wahrzunehmen? Japan ist von einem neuen Erdbeben heimgefucht worden, bevor das furchtbrae vom Jahre 1923 überwunden war, es macht nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische innere Krise gefährlichster Art durch und seine Verständi- Alte Kunst in Köln — Neue Kunst in Münster. Don unserem Berichterstatter bei der 6. Deutschen Schutzbundtagung. (Nachdruck auch mit Quellenangabe verboten.) H-r Münster, im Juni 1925. Die diesjährige Schuhbundtagung zu Pfingsten gab Gelegenheit nicht nur zu dem immer erneuten Erlebnis des Dolksgerneinschaftsgeban- kens weit über die heutigen deutschen Staatsgrenzen hinaus, sondern auch zu einem Erkennen tiefster künstlerischer kultureller Zusammenhänge. Sicherlich 'st der ursprüngliche Gedanke der Jahrtausendausstellung in Köln ein ganz anderer als ein künstlerischer gewesen, und man hat ja auch vielfach diese Ausstellung stark unter wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten betrachtet und kritisiert. Vieles an der Kritik mag über dis Ziel Hinausschiehen, eines aber ist bestimmt richtig. das Gewicht der ersten neunhundert Jahre ist bewußt oder unbewußt in dieser Ausstellung stärker in den Vordergrund geschoben als die letzten hundert Jahre preußisches Rheinland. Das muß aber auf den unpolitischen und nicht besonders aufmerksamen Beschauer seinen Einfluß nicht ganz verfehlen. Gewiß, ohne die ersten neunhundert Jahre wären die letzten hundert in ihrer ungeheuren Entwicklung nicht möglich, aber Professor Schulte hat in Münster in feinem groß angelegten Vortrag mit Recht darauf hin- gewiesen, daß schon allein aus strategischen und raumpolitischen Gründen die Entwicklung des Rheinlands abgeschlossen gewesen wäre, hätte sich seine politische Entwicklung in den letzten hundert Jahren nicht im Raum des Großstaates vollzogen. Das soll uns aber nicht daran hindern, mit unbedingtem Ja dem starken künstlerischen Eindruck gegenüber zu stehen, den die Jahrtausendausstellung auf jeden machen muß, der Sinn für Kunstentwicklung besitzt. Es mag sein, daß Kaiserkrone, Szepter und Krönungsgewand der deutschen Könige stärker historisch als künstlerisch gewertet zu werden verdienen. Aber auch künstlerisch haben sie nicht nur damals eine Formvollendung dargestellt, sondern sind auch heute noch als wertvollste künstlerische Einheit zu betrachten. Roch stärker ist dies bei den 25 goldenen Reltqutenschreinen der Fall, die man aus dem ganzen Rheinland zu einer einheitlichen Darstellung nach Köln gebracht hat. So verschieden sie im einzelnen Aufbau sind, jeder einzelne ist eine in sich künstlerisch geschlossene Einheit und geeignet, in dem Beschauer nicht nur historische, religiöse und politische, sondern auch tiefste geschmackliche Eindrücke zu hinterlassen. Der späteste, ein Schrank in zartestem Barock, ist uns. vielleicht rein kunstgewerblich gesehen, am nächsten. Um so wertvoller erscheinen auf der flung mit Sowjetrußland ist erst ein zartes, scho nimgsbedürstiges Gewächs. Jetzt ober nie scheint für die angelsächsischen Mächte die Zeit gekommen, das chinesische Problem machtpolitisch in Angriss zu nehmen. Cs war die etimmung, die die Erwartung eines solchen operativen Eingriffes in dem kranken Organismus Chinas in Schanghai er zeugte, die die Schüße gewissermaßen von selbst auslöste, deren Opfer die chinesische Volksseele so ins Kochen brachte, daß die meist interessierten Mächte die Kriegsschiffe zusammenzuziehen und Truppen landen zu müßen glaubten. Die Geschichte der Beziehungen Chinas zu den „fremden Mächten" bildet eine ununterbrocher.e Kette von Enttäuschungen für den fortschrittlich gesinnten Teil des chinesischen Volkes. Der für denTaipingaufstand, der China jahrzehntelang verheerte, war nicht viel mehr als eine Auswirkung der Propaganda christlicher Missionare. Zweimal überzog England China mit Krieg, um es zur Duldung der Opiumeinfuhr aus Indien zu ,3min- gen, die durch einen fortwährenden Abfluß riesiger Mengen von Barmitteln die Finanzkraft Chinas erschöpften. Heute wird auch kaum ein Europäer mehr ohne Beschämung an den Boxerfeldzug zurückdenken können, durch den die Völker Europas „heiligste Güter" zu verteidigen vorgaben. Freilich machte Amerika diesen Rummel nur zu Anfang und auch da nur zum Schein mit; es zog sich beizeiten aus der Affäre und verzichtete großmütig auf feinen Anteil aus der „Borerentschädi- gung". Seitdem standen die Ameirkaner bei allen fortschrittlichen Chinesen hoch in Ansehen. Als die Revolution von 19 11 die Mandjchudynastie hinweggefegt halte, bedeuteten die Vereinigten Staaten das leuchtende Vorbild, nach dem Jung- china feine Repeublik gestalten wollte. Es ist aber leichter, ein altes Reich zu stürzen, als ein neues auf dessen Trümmern aufzurichten. Frankreich war beinahe hundert Jahre lang nach der großen Revolution von Aufruhr und politischen Wirren erschüttert. In der norbameritani- scheu Union vergingen nach dem Unabhängigkeitskriege Jahre, ehe es zur Einsetzung einer Bundesregierung kam, und erst nach jahrzehntelangen gewaltigen Anstrengungen konnte die Einigkeit im Bunde als gesichert gelten. Vergleicht man die gegenwärtigen Verhältnisse in China mit denen in Rußland, so kann man nur darüber staunen, wie wenig sich die Chinesen in ihrem Wirtschaftsleben durch politische Umwälzungen außer Fassung bringen ließen. Wenn nun die chinesischen Fortschrittler mit einer nachdrücklichen Unterstützung durch die Amerikaner gerechnet haben, so wurden sie enttäuscht. Auch Amerika konnte sich zu keiner herzhaften Anstrengung aufraffen. Solange China keine Zölle erheben darf, die nach irgend einem Tarif einen Durchschniltssalz von fünf Proz. überschreiten, solange seine hauptsächlichsten Bahnen und Bergwerke Ausbeutungsobjekte fremden Kapitals find und solange die jeweiligen Pekinger „Machthaber" ihre Kräfte in einem Kampfe gegen die mit politischen Druckmiteln unterstützten Pläne für weitere Ausbeutung, Konzessionen, „Einflußsphären" usw. aufreiben müssen, solange kann sich aus der Republik der Mille kein lebensfähiges Gebilde entwickeln und solange ist es nicht zu verwundern, daß die Bevölkerung in den einzelnen Provinzen solche Militärgouverneure unterstützt, die die Zivilgouverneure hindern, die jeweils fälligen 2lbgaben nach Peking weiterzu^iten. Eine besondere Konferenz, die schon auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz geplant wurde, fotll nun demnächst alle diese Probleme erörtern, und durch eine Ar! „D a ro c s p l a n für China" möglichst lösen. Darüber können sich die beteiligten Mächte aber selbst in die Haare geraten und darum möchte jede Gruppe die Pfandobjekte, anderen Seite die stilmäßigen Dokumente der früheren und besonders der allerfrühesten Zeit, wo in rein romanischem Stil Schreine durch Kölner Meister geschaffen worden sind, die zum Teil Techniken aufweisen, die wir heute noch kaum haben verbessern können. Was hier an Darstellung in getriebenem Metall und ins- besonders an einzig dastehenden Emailleausführungen gezeigt wird, wirkt selbst auf den Fachmann bestechend und erst' die Erklärung, daß die Emaillekunst kurz vorher aus Byzanz, der damaligen Hochburg kunstgewerblicher Entwicklung, eingeführt wurde, bringt zum Teil wenigstens des Rätsels Lösung. Daß auch Buchkunst in schönsten Dokumenten vorhanden ist. darf bei dem Reichtum an Klöstern, die das Rheinland aufweist, nicht Wunder nehmen. Doch sei zugleich erwähnt, daß auch die Darstellung des jüdischen Kultes Thoraschriften und handgeschriebene Talmudbände aufweist, die mit ihren hebräischen Zeichen künstlerisch nicht hinter der besten Klosterschreibkunst des 12 und 13. Jahrhunderts zurückstehen. Das alles klang nach, als wir kurz vor der Abreife nochmals durch die kühlen dunklen Hallen des Kölner Doms wanderten und einen letzten Vlick auf die wunderbaren bunten Fenster warfen, die aus dem alten Teil des Doms hervorleuchten. Cs wirkte noch nach, als wir am späten Rachmittag in Münster einzogen. Deutsche aus aller Herren Länder, im Augenblick tiefst beeinflußt von der Ruhe und Schönheit dieser alten deutschen Stadt mit ihren Laubengängen, ihren RcnaiLssance-Giebeln, ihrer Lamberti-Kirche und ihrem in tiefstes Dunkelrot getauchten Dom. Hier hat man so recht das Gefühl bewußter und wohlabgeglichener Tradition, aus der man in Erkenntnis deS Heute gemacht hat, was sich daraus machen ließ. Wall und Stadtgraben sind längst in Anlagen und Grünflächen verwandelt, über eine Stunde kann man in Beschaulichkeit und 2kuhe um den Kern der Altstadt wandern, ohne aus dunllen Daumalleen ins Freie treten zu muffen und dieser Kern des alten Münster ist rein äußerlich fast lückenlos erhalten. Der Prinzipalmarkt gehört wohl zu den schönsten geschlossenen alten deutschen Stadtbildern, die wir haben und ist in seiner schmalen Länge vielleicht sogar noch vor die Helligkeit und Offenheit des Danziger Langmarktes zu sehen. ^Ind dieses alte, fest auf seiner Tradition stehende Münster besitzt heute eines der voraus- bllckendsten und anziehendsten Theater des deutschen' Sprachgebietes. Mit bewußter Kühnheit hat man hier scheinbar alle Tradition abreißen lassen, um künstlerisch Reuestes aufzubauen. Wan hat dies getan, obwohl das katholische Münster scheinbar nur wenig Voraussetzungen für die verantwortungsfrohe Tat aufwies und cs hat sich erwiesen, daß die Stadtbevöllerung und darüber hinaus die durch ihre Adelssitze bedeutsame Umgebung viel williger darauf einging, auf die sic Anspruch erhebt, verher fest in die Hand bekomemn. Die Schanghaier Slrcikunruhen maren ein willkommener Anlaß für England, im Einvernehmen nut Amerika, seine Stellungen im Pangtselal zu festigen. China soll babei eine Warnung erhallen, baß bic Freundschaft Sowjetruß. lanbs ein wenig realpolitische Vorteile für es bietet und Japan möglichst wieder mit den Weltmächten in Reih und Glied gebracht werden. Richt die Entwicklung seiner innerpolilischcn Lage, sondern das gegenseitige Verhältnis zwischen den „fremden Mächten" ist für die Gestaltung der Dinge im Fernen Osten in nächster Zukunft ausschlaggebend. Koloniale Gewißensbiße der Anderen. Don Dr. Paul Rohrbach. Es hat in der Geschichte viele bekannte koloniale Eroberungen gegeben, hauptsächlich zugunsten Englands auf Kosten der Franzosen. Holländer. Spanier usw. Die Friedensschlüsse des 18. Jahrhunderts und der Wiener Kongreß bedeuteten große koloniale Reuverteilungen. Sie unterscheiden sich aber alle von dem kolonialen Verlust Deutschlands im Versailler Frieden durch die Ehrlosigkeit des Vorganges. Der Sieger nahm die Beute. Deutschland dagegen wurde hinterlistig betrogen, in Wilsons 14 Punkten erhielt es eine unparteiische Regelung aller kolonialen Fragen und Ansprüche zugefagt. Unterbeffen aber waren schon die Lügen-Dlau- bücher in Arbeit, die beweisen sollten, daß Deutschland ..moralisch unwürdig" sei. Kolonien zu besitzen. Die Leute, die sich diese Blaubücher bestellt hatten und die anderen, die sie ausarbeitelen, wußten sehr gut. daß Lügen gesammelt werden sollten. Ein letzter schwacher Rest von ungern geübter Rücksicht auf die öffentliche Meinung in Amerika veranlaßte die Entente dazu, den Raub in die Form der sogenannten Mandate zu kleiden. Lloyd George indes hatte Bedenken wegen der Härte des Friedens im allgemeinen. Er hielt es für möglich, daß die Deutschen ihre Unterschrift verweigern würden und wollte in diesem Falle den Krieg nicht von neuem entfesseln. Rament!ich wellte er den Deutschen gewisse koloniale Hoffnungen übrig lassen. Clemeneeau widersprach: „Jls signeront". sie werden unterzeichnen, sagte er falt und höhnisch und behielt Recht! Heute zeigt sich auch dem Blinden, daß der Friede kein Friede ist. Ein Gefühl dafür, daß die Revision unvermeidlich ist. nimmt überall in der Welt zu und verdichtet sich dahin, den Deutschen einen Brocken ihrer Kolonien wieder hinzuwerfen, um sie zur Ruhe zu bringen. Im übrigen ist auch die Freude an dem ehrlos erworbenen Mandatbesitz nicht allzugroß, weil es nicht gelingen will, die Wirtschaft in den geraubten Kolonien wieder so hoch zu bringen, wie die Deutschen von elf Jahren. Die englische koloniale Zeitschrift „African World" schrieb neulich über d i e Franzosen in Kamerun: „Der französische Beamte überträgt die bureaukratischen Methoden des Mutterlandes in starrer Handhabung auf die Verhältnisse in Kamerum. Die Folge ist eine Lähmung des Handels und Verkehrs. Dafür können zahlreiche konkrete Beispiele angeführt werden. Kamerun ist ein reiches Land und einer großen Entwicklung fähig. Aber diese Entwicklung wird auf- gehalten durch den Mangel an Sachkenntnis der maßgebenden «Stellen in Paris." Ein englisches Blatt kritisiert hier die Franzosen. aber den Engländern selbst gelingt es nicht als man von vornherein erwarten konnte. Was war geschehen? Aus einem mittelmäßigen Stadttheater war seit Jahren nicht viel zu machen gewesen, bis sich eines Tages in Zusammenarbeit mit anderen der Oberbürgermeister Dr. Sperlich entschloß, einen einheitlichen Versuch zur Reugestaltung der Kunstverhältnisse Münsters zu machen. Er bestellte Hans Hie« decken-Gebhard zum Intendanten und gab ihm als Generalmusikdirektor den in den letzten Jahren stark beachteten Bochumer Kapellmeister Schulz-Dornburg bei. der seinerzeit bei dem Gastspiel der Orchester des besetzten Gebietes auch in Berlin allgemein ausgefallen war. ilnb siehe da! Diese Mischung hat sich außerordentlich bewährt, zumal beide Herren gemeinsam sich sehr geschickte Mitarbeiter zu gewinnen vermochten. Da sind zu nennen für die Gestaltung der Bühnenbilder Heinrich Heckroth, für die Gestaltung der Tänze Kurt Jooh, als seine Mitarbeiterin Fräulein Wedekind, eine Richte des Dichters. Lieberhaupt die Tanzbühne spielt als dritte neben Sprechbühne und Musik gleichberechtigt gesetzte Organisation in Münster eine große Rolle und ohne sie wären Aufführungen wie die Händelsche Oper „Julius Cäsar" im Theater oder die Händelsche Oper „Herackes" in der Weiträumigkeit der neuen Stadthalle gar nicht zu denken. Während der eochutzbundtagr wurden drei Abende uns als besonders eigenartigem Publikum vorgeführt. Auftakt war cas letzte winterliche Symphoniekonzert. Es brachte als Einleitung das große, ganz in Barockform sich abspielende Orgelkonzert von Händel, dann das gedankentiefe Schicksalslied für Chor und Orchester von Brahms, das seiner geringen äußerlichen Publikumswirkung wegen viel zu selten aufgeführt wird. Daran schloß sich eine hervorragende Aufführung der 5. «Choral) Symphonie von Anton Bruckner. Hölderlins Worte im Brahmschen Schickfalslied und die ganze Art der Chorbehandlung zeigte schon, wohinaus Schulz-Dornburg will. Roch stärker war dies bei der tags darauf bargebotenen Ausführung des Händelschen „Herakles", der ebenfalls im Saale und nicht im Theater im Stile eines szenischen Oratoriums dramaturgisch bearbeitet vorgeführt wurde. Es war keineswegs eine Erstaufführung. die wir sahen, sondern die 16. dieses Winters und was das für einen gar nicht auf dramatische Effekte abgestellten Abend wie diesen bedeutet, braucht kaum betont zu werden. Dem Musikfreund werden für lange die großzügige Führung des (übrigens aus Dilettanten bestehenden) Chores und das herb und schön zusammenklingen ke Schluhensemble in Erinnerung bleiben, der künstlerische Beurteiler, der mehr auf den Gesamteindruck, vor allem auf die Wirkung für die Augen Wert legt, wird mehr von den Tanzchören sprechen, die vorsichtig und ohne jede Liebertreibung zum Teil zu gesungenen Mu- sikchören eingestreut waren. Unvergeßlich wiro besser. In der Südsec gibt eS mir noch Trümmer der deutschen Arbeit. In Ostafr.ka sehnen sich di« Eingeborenen nach dem alten Zustand von Blüte und Verdienst zurück. In Südwest-Afrika ist auf den Bondclausstand der Bastardaufstand gefolgt. Im englischen Anteil von Kamerun endlich kann die Wirtschaft nur dadurch wiede in Gang gebracht werden, daß man den deutschen Pflanzern erlaubt, ihre Planlagen zurückzulansen Jetzt taucht die Idee auf. ein politifches Handelsgeschäft mit Deutschland auf Grund seiner kolonialen Ansprüche zu machen. ..Sollen wir." so fragt die »DöpHch* Coloniale et Maritime' in Paris ^Kamerun und Togo zurückgeben, damit Deutschland sich zu einer Garantie der heutigen Grenzen Polens versteht?" Das Blatt vernein« die Frage, aber auf feine zuversichtliche Art. Einen Schlitt weiter gebt Professor 6oelle. der Kabinettches im sranzöstschen Arbeitsministerium ist Er meint: Hinsichtlich der Kolonien wäre es vielleicht geschickter gewesen Deutschland außerhalb Europas ein wirtschaftliches Betätigungsfeld zu lassen". Diese Blei- nung will er nicht mit der Frage des Garantie- Paktes verbunden haben. Die interessanteste dieser Stimmen aber ist ein Zitat, das die italienische Zeitung „©creno" in einer Londoner Korrespondenz bringt. Darin wird ein Artikel des Blattes der Südafrikanischen Regierung „Vollstem" wiedergegeben. Cs lautet: ..Bekanntk-ch wurden die Kolonien Deutschlands seilens der Alliierten mit der Degrünbrng abgenommen, daß e3 sie schlecht verwalte und demnach die Rotwendigkeit bestände, die Eingeborenen aus den Kellen der brutalen deutschen Sklaverei zu befreien Heute jedoch weiß man genau. daß jene Anklagen falsch waren. Die deutschen Kolonien wurden nicht schlechter verwaltet, als die der Alliierten. Vielmehr must anerkannt werden, daß heutigen Tages einige Kolonien, die einst den Deutschen gehörten. bedeutend schlechter verwaltet und inslandgehalten werde«« als sie es unter deutscher Herrschaft waren. Und da der Beweis erbracht ist, daß Deutschland seine Kolonien nicht schlecht verwaltete hat, so sind auch die Grüyde hinfällig, denen zufolge ihm die Kolonien entrissen wurden, und sein auf ein Mandat gerichtetes Streben ist berechtig t." Rolkreuztag 1925. An großen humanitären Ideen ist der Zeitraum der letzten 100 Jahre nicht arm. Keine von ihnen ist aber so in das Bewußtsein der ganzen Kulturwelt übergegangen, so ihr Gemeingut geworden, wie die des Roten Kreuzes. Wo in der Welt Gegensätze kriegerisch ausgetragen werden, wo Ralurkataslrophen Menschenwerl und Rienschenleben gefährden oder zerstören, wo Massen- und Einzelunglücksfälle. Epidemien, Seuchen. Vvlkskrankheiten und Rotslände jeglicher Art Völker. Familien oder Eiirzelmenschen bedrohen, immer wird das Rote Kreuz als einer der tätigsten Helfer am Platze fein. Der unbeteiligte Zeuge empfindet bann gewiß eine Genügtung über da« Vorhandensein einer solchen schönen, heilbringenden, menschenfreundlichen Einrichtung und über die Hilfsbereitschaft ihrer Jünger und Jüngerinnen und freut sich in dem Bewußtsein, daß ihm im Rolfalle biefe Hilfe auch zuteil wird Aber ber Gebanke kommt ihm nicht, daß er selbst« mithelfen könnte, er ist zu sehr mit seinen eignen Angelegenheiten beschäftigt Der diesjährige R o t e-K r e u z-T a g toll den Sinn des Deutschen darauf lenken, daß alles Guten und Edlen Anfang bas lieberwinden des krassen Jchs. da« Sichhinneigen zum anderen, das Mitgefühl mit allen die Ausgestaltung des Eifersuchtschore« bleiben. Hier war ein Zusammen klang zwischen Bühne, Gestaltung, tänzerischer Bewegung und Stimmführung des Chores und Orchesters erreicht, wie er einheitlicher nicht gedacht werden kann. Das ganze Stück eingekleidet in eine expressionistische Dekoration in schwarz und rot. Hauptkennzeichen der Bühne eine über ihre ganze Dreite gehende Dielftufige Treppe, die vorn am Proszeniumsrand nur eine in der Tiefe schmale, über die ganze Saalbrcite gehende, an den ©eiten unregelmäßig überhöhte Vorbühne läßt. Al« Hintergrund drei im Profil zu sehende steile Treppen, die zum Teil zu starken figürlich architektonischen Wirtunge.i verwandt werden. War hier das Tänzerische in der Musik stark in den Vordergrund geschoben und die Händelsche Opernmusik bei aller Breite der Darstellung rücksichtslos dem Gesamteindruck des Abends untergeordnet, so brachte der am Montag zur Aufführung kommende Sprechchor von Bruno Götz unter dem Titel ..Lobgesang" Tanz- und Chorbewegung in engstem Zusammetchang mit gesprochenen und ekstatisch wiederhollen Worten. Götz selbst sagt von seinem ..Lobgesang", daß er kein Drama, sondern ein kultisches Spiel in literarischem Charakter sei Hauptspieler de« Stücks (eine kommende Größe. Karl Johanne«) ist ber Ruser, dem in regelmäßigen Abständen ein vierstimmiger Chor, bestehend aus jugendlichen und älteren Frauenstimmen und jugendlichen und älteren Männerstimmen teils gemeinsam, teil« getrennt antwortet Wie ein Trio mit überlegender Abgeglichenheit, ist in diese Vielheit von Frage und Kündung und Antwort ein Mittelstück eingereiht, das u. a. Zwiegespräche zwischen Mann und Frau im Frühling, im «Sommer und im Herbst des Lebens bringt. Hier wieder llnd die Worte des Sommers von einer Tiefe und Cmpfundenheit ber Gedanken, wie sie in ber Moderne vor Bruno Götz kaum einer gefunden hat. Man kann über den literarischer CSert des .,Lobgesangs" vielleicht streiten. Er hat aber in Münster bei Riedecken-Gebhard al« Regisseur und Kurt Jooß als Chorführer eine Ausgestaltung erfahren, die unbestreitbar einen einheitlichen künstlerischen Eindruck hervorrief. Gerade die Wucht und Einmalig- ke-.t dieser Ausführung hat erwiesen, daß solche kultischen Aufführungen auch heute möglich sind, zumal wenn sie, wie Bruno Götz überzeugendste Gedanken verwertet. Tritt doch z. B- die Technik in Gestalt eines monumentalen „Werkver- mählers" auf und wurden doch Forderungen von Vollsgemcinschaft. S.edlung und Gerechtigkeit in dithyambrischer Form in symbolischen Worten als Schluß-Symphonie gegeben, so daß fast bet Eindruck entstehen konnte, als sei dieses Scück ein« für den tiefen innersten Grund der Schutzbundibee eigens gesehene und erlebte Dichtung, geeignet, die starken zusammenklingenden Sinbrüae dieser sechsten Schuybuvdtagung abzuschliehen. » • HUR DENTADE Der Gietzener Flughaut 'Jlndj dein übereinstimmenden Urteil aller Sachverständigen eignen sich die „O ch se n w i e s e n" ganz ausgezeichnet zur Anlage eines Flughafens. Sie sind demnach auch von der Stadt Gisßen für den gedachten Zweck zur Verfügung gestellt worden, und es bedarf nur verhältnismäßig geringer Umänderungen, Beseitigung einer kleinen Waldparzelle hinter dem Häuschen des Wiesenwärters, Abstellen der Bewässerungsanlage und Ginebnen der Gräben, um den Platz gebrauchsfähig zu machen. 2er Platz beginnt etwa 300 Meter nördlich der Straße ließen—Rödgen und liegt 2- Kilometer inten Verbesserungen der Bodenverhältnisse wird eine Unterkunft für den Monteur, ein Warteraum für die Fluggäste, eine Werkstätte und eine Tankstelle eingerichtet werden, ebenso werden eine Fernsprechstelle und die Zufuhr von Wasser und elektrischem Licht und Kraft geschaffen. Da zu hoffen ist, daß der landschaftlich so wundervoll gelegene Platz sich zu einem beliebten Stelldichein der Gießener entwickeln wird — Gießen leidet ja nicht an lieber^ sluß hübscher nahe gelegener Ausflugsplätze —, so besteht die Absicht, dort draußen ein nettes kleines Cafä zu errichten, um den Besuchern neben den 4 4 GfMARKUNGS GRENZE — —- ** ^1*1 A A • Blockhaus p* 4 ia E> • PRov 6E(5auW ** * * * 4L wyi/5 dem Leidenden, das Streben aus dem Eigen! in u zum Gemeinsinn ist. Nur aus dieser Strebensrichtung kann die Kraft keimen, zu überwinden und wieder emporzuklimmen. Sie ist allein die Drucke zu deutscher Genesung. Zu ihr zu gelangen und sie in die Lat umzusetzen im tätigen individuellen Leben, ist Sache des einzelnen, seine sittliche, nationale und menschliche Pflicht. Die Betätigung der Nächstenliebe ist vielen, besonders unseren Frauen, Herzensbedürfnis, aber die Ein- zeldetätigung reicht nicht aus, sie zersplittert sich und bleibt deshalb wirkungslos. Großes kann nur geleistet werden in einer großen Organisation mit bestimmten, wenn auch, den Zeitumständen entsprechend, wandelbaren Zielen. Die Grundlage des Roten Kreuzes ist die caritas, und alle seine in 60jähriger Arbeit getroffenen Einrichtungen beruhen auf ihr. Der weites Ausbau schließt sich der jeweils hervor- tretenden Notlage des Volkes oder einzelner Devölkerungsschichten an. Da diese zur Zeit sehr groß ist, haben auch die Aufgaben des Roten Kreuzes einen größeren Umfang angenommen. Reben der früheren Betätigung in der Krankenpflege. Krankentransport, Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Unterstützung des amtlichen Sanitätsdienstes und Seuchenbekämpfung stehen heule im Vordergrund die Unterstützung der Kriegsopfer, der Sozial- und Kleinrentner, der Flüchtlinge, Schutz der Kinder. Förderung der Gesundheitspflege durch Belehrung weiterer Dolks- kreise. durch Einrichtung von Erholungsheimen, Tuberkulosen- Fürsorgestellen, Bekämvfung der Geschlechtskrankheiten und des Alkoholismus. Tag für Tag sind Männer und Frauen vom Roten Kreuz unabläflig am Werke, von den Mitmenschen körperliche und sittlich.' Gefahren abzuhalten, sie bei eintretenden Unfällen per dauernden Schäden zu bewahren, sie durch Belehrung zu einer systematischen Gesundheitspflege zu erziehen. Der Erfolg der damit verbundenen Arbeit kommt restlos dem Deutschen Volke und seiner Volkswirtschaft zugute und trägt zur Wiedererstarkung der Dolks- kraft bei. Zeder Leser wird die Ueberzeugung gewinnen. daß das Deutsche Volk seinem Roten Kreuz zu Dank verpflichtet ist. Dank in der Form der tatlrästigen. vermehrten Unterstützung seiner im wahren Sinne vaterländischen Arbeit. Zeder einzelne Deutsche wird, wenn er sich die Bedeutung des großen Humanitären Werkes Flor macht, es als seine Ehrenpflicht erkennen, dieses Werk zu seinem Teile nach Kräften zu fördern. Der Wege dazu gibt es genug: Jeder Männer- und Frauenverein nimmt mit Freuden neue Mitglieder auf. Wer zur persönlichen Mitarbeit nicht in der Lage ist, steuere sein Scherflein in der Form von Mitgliederbeiträgen zu. Wer sich körperlich rüstig genug fühlt, trete den Männer- oder Frauenvereinen, den Sanitätskolonnen als aktive Mitglieder bei und erwerbe in h:n Ausbst^ungslehrgängen die Fähigkeit, den leidenden Mitmenschen bei Unglücksfällen sachgemäße erste Hilfe zu bringen. Stell' Dich in Reih' und Glied, Das Ganze zu verstärken, Mag auch, w^r's Ganze sieht, Dich nicht darin bemerken. Aus der Provinz. , Landkreis Gießen. L i ch, 9. Juni. Der Waldreichtum unserer Gemeinde und der nach dem Vogelsberg hin gelegenen Ortschaften bringt es mit sich, daß jcchraus, jahrein viel Holz durch unsere S.tadt gefahren wird. Dies betrifft sowohl Ähnittholz (Brennholz für die waldärmeren Gemeinden oer Wetterau und Grubenholz für die Bergwerke des Ruhrgebietes), als auch besonders Langholz. Letzteres bereitete den Fuhrleuten oft beträchtliche Sorgen und mehreren Eckhäusern der Draugasse und Unterstadt manchen Schaden. Denn die prächtigen Fichtenstämme unserer Wälder tfinb mitunter von solcher Länge, daß ihre Schwanzenden schon Erkerscheiben beschädigt oder eingedruckt haben. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, ist die Ziegelgasse an ihrer E i n° mündung in die Laubacher Straße für die aus dem Stadtwald kommenden Ladungen durch Abrundung eines vorspringenden Hausgartens bedeutend verbreitert worden, so daß man jetzt säst fein Stammholz mehr, das für den Versand mit der Eisenbahn bestimmt ist. durch die Stadt fahren sieht. 3n Verbindung damit wurde auch die seither in der Stadt, unmittelbar neben dem Bahnübergang der Langsdorfer Straße gelegene Verladeraistpe weit hinaus verlegt, der Schiefersteinschen Maschinen- und Gerätefabrit gegenüber an der sog. Vogels- Hütte. Diese Rampe hat bedeutende Verbesserungen erfahren. Während die alte recht kurz — viel zu kurz für den recht erheblichen Verkehr — war und eine ziemlich steile und deshalb schwierige Ausfahrt hatte, ist die neue jetzt zirka 200 Meter lang und vollständig eben gelegen, was der Schonung der Zugtiere und damit der Beseitigung manches dem Tierfreunde ärgerlichen Auftrittes sehr zustatten kommt. Sicherlich sind bei ter Verlegung und Erweiterung der Einladestelle auch noch andere Gründe maßgebeird gewesen, die indes hier nicht näher erörtert werden sollen. !*! Trais-Horloff, 9. Juni. Der R e u - bau eines Pfarrhauses wurdy von der Gemeinde beschlossen. Die Rohbauarbeiten sollen sofort in Angriff genommen werden, doch dürste die Fertigstellung kaum noch in diesem Jahr zu erwarten fein. Kreis Friedberg. \ Bad-Nauheim, 9. Juni. Die Festveranstaltung Bad-Nauheimer Derek n e zu Gunsten eines Ehrenmals für Sie im Weltkriege gefallenen Söhne unserer Stadl fand nach gründlicher Vorbereitung, um die sich vor allem Oberstleutnant a. 'S), v. Strzemiec- zn y anzuerkennende Verdienste erworben hat, vom Schützenhaus (Endpunkt der Trambahnhalte- stelle) entfernt. Er bietet für Start und Landung die denkbar besten Möglichkeiten, ist vollkommen eben, mit einer guten Grasnarbe versehen und von oben leicht erkennbar. Seine Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt ca. 500 Meter, von Osten nach Westen ca. 600 Meter. Der Zubringerdienft für Fluggäste wird durch Autoverkehr geregelt, die Kosten für diesen Dienst sind für Inhaber von Flugkarten in den Flugpreis einbegriffen. Jedenfalls liegt der Platz, was die Entfernung vom Zentrum der Stadt anlangt, viel günstiger als viele andere Flughäfen, z. B. Frankfurt a.M., Hannover, Kassel, Wien, Croydon von London, Le Bourget von Paris usw. Der Flughafen wird vorerst nur ganz bescheiden vor die Oeffentlichkeit treten. Neben den bezeich- gestern abend im Großen Konzerthause statt. Alle Kreise der hiesigen Bevölkerung nahmen regen Anteil daran. Weniger zahlreich waren leider die Kurgäste vertreten. Das reichhaltige Programm gab ein erfreuliches Bild von der Leistungsfähigkeit der hiesigen Vereine. Außer der Kurkapelle wirkten mit die beiden Turnvereine, der Sportverein, die Radfahr-Veretni- gung 1892/96, der Gesangverein „Frohsinn". Die Verschiedenartigkeit der Darbietungen lieh Langeweile nicht aufkommen. Besonderen Anklang fanden die von den Mitgliedern aller Vereine gestellten lebenden Bilder. Ein Vorspruch von Oberstleutnant a. D. W. Schrobsdorf, von Schauspieler Juhnke (Gießen) packend vorgetragen, führte in gedankenreicher Sprache in den Zweck des Abends ein, dessen Reinertrag, wie wir schon mitteilten, als Grundstock für das hier noch zu errichtende Kriegerdenkmal angelegt werden soll. 4- Bad-Nauheim, 8. Juni. (Das neue Schwimmbad.) Vor vielen Jähren schon ertönte hier der Ruf nach einem Schwimmbad. Nachdem die einzige, an sich vortreffliche Schwimmgelegenheit im Großen Teich, die von den Badelustigen ab und zu benutzt wurde, durch das im Interesse der Kur liegende V e r - b o t der Bad- und Kurverwaltung ein für allemal genommen war, nahm sich unsere weitblickende Stadtverwaltung der Sache an. Sie trug den immer deutlicher vernehmbaren Wünschen der gesamten Bevölkerung Rechnung: im Spätsommer vorigen Jahres lagen die Pläne zu einem Schwimmbad den Stadtverordneten zur Beschlußfassung vor; im Herbst gingen hundert Hände fleißig an die Arbeit, und heute ist unsere Badestadt um eine weitere Badegelegenheit reicher, zugleich um eine Anlage, die Dem städtischen Tiefbauamt, das die Pläne entworfen und ausgeführt hat, alle Ehre macht. Seit einigen Tagen tummelt sich von früh bis spät jung und alt in Dem frischen Naß ober auf Dem Sandstrande, Der für Luft- und Sonnenbäder Dient. Heute staunen voll Verwunderung auch die, Die zu Fastnacht noch das „Strandbad" als Hauptzielpunkt ihrer Satire gewählt hatten. Bei Der für jedermann sehenswerten Anlage handelt es sich nicht um ein Hallenbad, wie es unsere Nachbarstadt Friedberg besitzt, sondern um ein nur im Sommer zu benutzendes interessanten Flugbetrieb auch Gelegenheit zu Erfrischungen zu bieten. Eine Flugzeughalle wird wohl erst im kommenden Jahr erstellt werden müssen. Wenn man aus diesen bescheidenen Anfängen Schlüsse auf die spätere Bedeutung des Gießener Flughafens ziehen wollte, würde man sich irren. Wer hat seinerzeit, als die primitiven Stationshäuschen an den ersten Bahnlinien entstanden geahnt, zu welch gewaltigen Zentralpunkten sich die Hauptbahnhöfe der Jetztzeit ausgebildet haben? Wenn der Flugverkehr auch auf die Wintermonate und auch auf die Nachtzeit ausgedehnt wird, wenn Radio-Funkendienst und Nachtbeleuchtung eingeführt werden, wenn die Flugplätze zu meteorologischen Stationen ausgebild^ werden, dann erst wird es sich zeigen, welch idealen ausbaufähigen Flugplatz die Stadt Gießen sich geschaffen hat. offenes Schwimm-, Luft-, Licht- und Sonnenbad. 2m Mittelpunkt liegt das betonierte Wasserbecken, das bei einer zwischen 0,50 und 2,70 Meter wechselnden Tiefe 60 Meter lang und 25 Meter breit ist. Die rund 2500 Kubikmeter betragende Wassermenge ist in einen Raum für Schwimmer und in einen solchen für Nichtschwimmer abgeteilt. Die letzteren sind zunächst noch in beträchtlicher lleberzahl, weil sich hier seither ja kaum eine Möglichkeit zur Erlernung Der Schwimmkunst bot. Gespeist wird das Becken vom Großen Teich durch eine Guhrohrleitung von 250 Millimeter lichter Weite, der ständige Abfluß geht nach der äl f a. In hygienischer Hinsicht Ist für das denkbar beste Dodenwasser gesorgt; Das ursprüngliche von der Ufa kommende Wasser hat auf seinem langen Wege durch den Großen Teich schon einen gründlichen Reinigungsprozeß durchgemacht. Dor seinem Eintritt in das Schwimmbad geht es nochmals durch ein feines Sieb, das eine etwaige "Verunreinigung durch unangenehme Wasser- tierchen völlig ausschließt. Am Rande des Beckens sind ein Hochsprung- und Niedersprung- gerüft, außerdem mehrere Einsteigeleitern wie zahlreiche Wasserspeier angebracht, welch letztere neben Dem großen Zuflußrohr auch für ständigen Zufluß sorgen. In unmittelbarer Verbindung mit Dem Becken ist ein Sonnenbad angelegt, das mit einer hohen Fluhsandschicht bedeckt ist. Zwei Kaltwasserduschen (Leitungswasser) stehen für solche, Die sich abhärten wollen, direkt am Becken zur Verfügung, während in einer gedeckten Halle für die Körperreinigung noch neun Brausen (Beckenwasser), zwei Unter- brausen, Fußbadewannen vorhanden sind; auch Klosettanlagen fehlen nicht: In einer massiven Halle sind der Kassenraum, die Aus- kleidezellen und die Aufbewahrungsschränke untergebracht. Die ganze Anlage, die über drei Morgen groß ist, ist mit Drahtgeflecht eingefriedigt und mit wildem Wein und Heckenrosen bepflanzt. Das Ganze ist geschmackvoll in die Umgebung eingefügt und ist in' künstlerischer Hinsicht von eindrucksvoller Wirkung. Der Verkehr ist bis jetzt weit großer gewesen, als man nur ahnen konnte. Das Bad ist abwechselnd für das weibliche und das männliche Geschlecht geöffnet. Der 'Bademeister, im blendendweißen Sommeranzug ist ein gedienter Pionier. Er über- .cj)t mit ilmfidjt das lebensfrohe Treiben, daS iid) von den frühesten Morgen- bis zu den späten Abendstunden im Bad - Nauheimer ..Strandbad" abfpielt. — Die Kosten der Gesamtanlage belaufen sich auf etwa 70 000 Mark. Kreis Schotten. ; Schotten, 9. Juni. In den letzten Monaten fieht sich die Landkrankenkasse des Kreises ständig wachsenden Ausgaben gegenüber, die bereits zu einer Erhöhung des Prozentsatzes Der Beiträge führten. Eben schweben Verhandlungen darüber, ob es nicht zweckmäßig sei, wieder einen K r an len f o n t rolle u r für Den Kreis anzustellen, um vielleicht auf diesem Wege die Ausgaben zurückdämmen zu können. Zu einem bindenden Entschlüsse ist es noch nicht gekommen. — Der Reichsbund Der Kri ; g s- beschädigten und Hinterbliebenen hat eine Sterbekasse ins Leben gerufen, an der sich jedes Mitglied beteiligen muh. Es werden 90 Mk. Sterbegeld gewährt, für die ein Moiratsbeitrag von 25 Pf. zu leisten ist. Ober-Schmitten, 9. Juni. In der Nacht zum Montag wurde in einem abseits vom Dorfrand stehenden Neubau zwei Messing- höhnen und ein Wasserbecken nbgeschraubt und mitgenommen. Der Dieb, der offenbar mit den Räumlichkeiten vertraut war. nahm seinen Weg durch den Keller, stellte dort die Wasserleitung ab, um Dann ungestört die angegebenen Gegenstände zu lösen und in Sicherheit zu bringen. Die Polizei stellte bereits Ermittlungen an, die nach auswärts führten, ohne Den Täter bis jetzt erfaßt zu haben. Kreis Alsfeld. !*! Ruppertenrod, 9. Juni. Die Eisenstein-Industrie beginnt sich allmählich wieder zu heben, denn es werden jetzt wieder etwa 500 Arbeiter in Den Gruben Luse und Luise beschäftigt. Dadurch ist den Arbeitern aus Den Dörfern Ruppertenrod, Weickartshain, Lardenbach, Atzenhain, Mücke, Flensungen, Ilsdorf, Nieder-Ohmen und Stockhausen Berdienstmöglichkeit geboten. Die Grube bei Lardenbach ist stillgelegt worden, da sie ausgebeutet ist. Der Verdienst entspricht allerdings nicht Der schweren Arbeit eines Bergmannes, Denn die Löhne schwanken zwischen 3,60 Mk. und 4,20 Mk. am Tage. Starkenburg und Rheinhessen. D a r m st a d t, 9. Juni. (Wolff.) Ueberall in deutschen Gauen rüstet man, um mit Den 9t 1) e t n - landen Deren tausendjährige Zugehörigkeit zum Deutschen Reich zu begehen. Auch die hessische Provinz Rheinhessen wird sich an dieser Jubelfeier beteiligen. Es werden in verschiedenen Städten der Provinz, insbesondere in Mainz, Veranstaltungen stattfinden. Am 28. Juni findet im Akademiesaal des nunmehr S wiederhergestellten Kurfürstlichen Schlosses in liz unter Teilnahme Der ooerften Reichs- und Landesbehörden die feierliche Eröffnung zweier Ausstellungen statt. In einer Kunstausstellung werden prachtvolle Stücke aus rheinhessischem Privatbesitz zum ersten Male in Der Oeffentlichkeit gezeigt. Im Rahmen Dieser Ausstellung roirD eine Sammlung von prachtvollem Höchster Porzellan aus Deutschen Museen unD privaten Sammlungen zu sehen sein. Zur Feier Des 525jährigen Geburtstages des großen Mainzer Meisters Gutenberg und zum 25jährigen Jubiläum Der (Sittenberg- gese11fchaft roirD am 28. Juni unter Beteiligung Der gesamten Kulturwest Die Buch» ausftellung: „Dos schöne Buch feit 1900" eröffnet roerDen. Im Rahmen Der Jahrtausendfeier findet ferner in Mainz anläßlich der Tagung des Vereins deutscher Rosenzüchter eine herrliche R o • senausstellung unter Leitung und Durchführung von Fachleuten statt. * Darmstadt, $un’- Der Gemeinderat von Groß-Gerau beschloß mit 11 gegen 10 Stimmen die Einführung Der Städteord- nung. fpd. Griesheim a. M., 9. Juni. Der Minister des Innern hat die Griesheimer Gemeinde- vertreterversammlung aufgelöst. Diese Maßnahme ist auf einen Streit zurückzuführen, der zwischen Den einzelnen Fraktionen über Die Frage, ob Das Dorfparlament aus 21 oder 18 Köpfen bestehen solle, entftanDen war unD bis zur Stunde nicht geschlichtet roerDen konnte. AußerDem war Die letzte Wahl angefochten roorDen und hatte bereits mehrere Instanzen beschäftigt. Als Die Verschleppung Der EntscheiDung über Diese Frage immer weiter getrieben ^wurDe, legten Demokraten, Zentrum und Sozialdemokraten ihre Aemter nieder. Jetzt hat nun Die Staatsregierung Die OemeinDeoertretung aufgelöst. Kreis Wetzlar. fpD. Wetzlar, 9. Juni. Die Belegschaft Der Sophienhütte bei Wetzlar mürbe heute vormittag von Der Verwaltung ausgesperrt. Durch Schiedsspruch war Den Arbeitern Die 53-Stun- Denwoche zugesprochen roorDen. Montag nachmittag 4 Uhr machten Die Arbeiter FeierabenD. Als sie heute früh an Die Arbeitsstätte kamen, rourDen Die Arbeiter ausgesperrt. Es hanDelt sich um 1600 Mann. Hessen-Nassau. spd. 5 r a n I fu r t a. M, 9. Juni. Die Stadt- verordnetenversammlung wählte zum Direktor des Hochbauamtes Prof. Elsässer- Köln und zum Städtebauer den Architekten Ernst M a y - Breslau auf die Dauer von 12 Jahren. — Der Polizeipräsident hat soeben außerordentlich strenge Maßnahmen gegen den zunehmenden Unfug des überschnellen Fahrens mit Motorrädern und Au- t o s erlassen. Besonders scharf sollen die Polizeibeamten gegen die schnellen Fahrer auf der Straße einschreiten, bei lebhaftem Verkehr sollen die Leute so langsam fahren, daß die Wagen auf kürzeste Entfernung zum Stehen gebracht werden können. Die Polizeibeamten felfen von ihren Stoppuhren recht reichlichen Gebrauch machen und gegen schnelle Fahrer sofort Strafanzeige erstatten, möglichst unter Zuziehung von einwandfreien Zeugen aus dem Publikum. Die Dr. med. A. Henschel & Co., G< m. b. II., Berlin NO 43. Niederlage bei: Hirsch-Apotheke, Fritz Bauer, Frankfurter Str. 4; Viktoria-Drogerie. E. Guth, Marktstr. 5: Univ.-Apotheke e. gold. Engel, A. Habrik, Marktplatz; Central-Drogerie, Emil Karn, Schulstr.: Kreuz-Drogerie, August Noll, Bahnhofstr. 51; Neustadt-Drogerie, Haus Noll, Neustadt 82. Hdfr Reviervorsteher erhielten Anweisung, gegen die schuldigen Führer und Fahrer mit den höchsten «Strafen vorzu^hen. Auch gegen wilde Radfahrer soll in gleichem Weife eingcfchritten werden. - Der Führer der Taxameter- droschk» I 15 293 fuhr in rafendem Tempo nach der Riederwaldkolomc und taufte in einer Wegbieaung auf den Bürger st ei g. Hier riß er die (Mrtncröfrau Elise Schlosser um und fügte ihr l c b e n s a c f a h r l ich e D erseh u n g e n zu. DaS zehnjährige Kind blieb wie durch ein Wunder unverletzt Der Menfch versuchte darauf mit feinem Wagen tu fliehen, wurde aber von Radfahrern gestellt und der inzwischen herbeigeeilten Polizei übergeben. Der rücksichtslose Fahrer entging nur mit großer Mühe einem Lynchgericht der empörten DolkSmenge — 3m Bahnhof Frankfurt-Ost wurden grobe (Küterbodenberaubungen aufgedeckt. die dem früher dort beschäftigt gewesenen Arbeiter Marl Schlag aus Dörnigheim zur Last fallen. Als Hehler kommen Derwandte des Schlag in Frage Sine Haussuchung bei Schlag förderte eine Unmenge gestohlenen Materials zu Tage. Wirtschaft. Dom Wettgetreidemarkt. 5)k fruchtbare Witterung bei letzten Woche hat den Saatenstand in Deutschland weiterhin durchaus günstig beeinflußt. Der preußische Öaa- tenstandöbcricht zeichnet durchweg bis auf geringe Ausnahmen die gleichen DegutachtungS- Ziffern. Infolgedessen hat sich die Hoffnung auf eine gute Ernte allgemein befestigt. Auch in den anderen europäischen Ländern werden die SrnteauSlichten durchweg gut beurteilt. Speziell aus Italien Hegen sehr günstige Saatenstandsberichte Dor; in verschiedenen Provinzen rechnet man sogar mit Rekordernten. Die im südlichen Europa heranrückende Ernte macht bereits ihren Einfluß auf die Kaufneigung geltend, die wesentlich geringer geworden ist Bemerkenswert ist auch, daß man diesmal mit einem eventuellen Export der früheren Getreideüb^rschußgebiete Rußlands und der Donauländer, die im letzten Jahre Getreide importieren mußten, rechnet. Wie groß allerdings die überschießenden Mengen der erwähnten Gebiete sein werden, läßt sich vor läufig noch nicht übersehen. Heber die amerikanischen ErnteauSsichten lauten die Urteile sehr verschieden ES wird teils über Schäden durch Frost, teils über ungewöhnliche Hitze berichtet. Hebet den Stand des FrühjahrSweizen? läßt sich ebenfalls fein einheitliches Urteil bilden. Rach den Snow'schen Ziffern soll für Winter- und Frühjahrswoizen ein Defizit von zirka 200 Millionen Bulhels bestehen Wie weit sich diele Ziffern als richtig erweisen, muß noch abgewartet werden. Ob der mutmasi'iche Ausfall bei der amerikanischen Ernte durch die kanadische Ernte ausgeglichen werden wird, ist ebenfalls noch nicht völlig zu übersehen Im allgemeinen lauten die Urteile über die kanadischen Ernteaussichten recht befriedigend. In letzter Zeit find allerdings Meldungen aufgetaucht, nach denen eine Zunahme des Weizen- anbauareals in Kanada nicht stattgefunden habe. An der Chicagoer Terminbörse sind die Getreidepreise nach kurzer Abschwächung wieder gestiegen. Die kräftig an der Arbeit befindliche amerikanische Haussespekulation rechnet trotz der guten europäischen Ernteaussichten doch mit großem Bedarf Europas und glaubt, daß man in Europa einem gesteigerten überseeischen Preisniveau auf die Dauer nicht wird widerstreben können. Am deutschen Getreidemarkt blieb es für Juli-Lieferung zu befestigten Kursen ziemlich still. Für die Herbstmonate haben zunächst noch feine Umsätze stattgesunden, da man erst bezüglich der Zollfrage klarsehen will' es ist infolgedessen möglich, daß eine gewisse Pause im Lieferungsmarkt eintreten wird. Der Saaten st and Preußens hält sich Anfang Juni im allgemeinen auf der gleichen Höhe wie Anfang Mai. Für Winterroggen hat sich der Saatenstand sogar um eine Kleinigkeit gebessert. Im allgemeinen hat die Witterung das Wachstum der Pflanzen durchaus gefördert. Allerdings wird der Stand der Sommerung durchschnittlich etwas schlechter als der der Winterung bezeichnet. Die Entwicklung der Hackfrüchte macht gute Fortschritte. • Die Spareinlagen der preußischen Sparkassen im Monat April. Ende April betrugen die Spareinlagen bei den preußischen Sparkassen 681 987 000 R.-M. gegen 621 410 000 R.-M. im Dormonat, was eine Zunahme von 9,7 Prozent bedeutet Das Anwachsen der Spareinlagen um 60.6 Mill. R.-M. im De- richtsmonat deutet auf eine erfreuliche Wiederbelebung der Spartätigkeft hin. besonders wenn man die allgemeine Geldknappheit und die starke Steuerbelastung in Betracht zieht. ’ Chemische Fabrik Griesheim Elektron in Frankfurt a. M. Die Gene- ralDcrfammlung genehmigte die vorgeschlagene Dividende von 8 Prozent. An Stelle des verstorbenen Herrn Jean Andreae wurde neu in heil Aussichtsrat Dr. Kurt Oppenheim von der Afga in Berlin gewählt. * Konkursnachrichten. Ueber das Vermögen der Firma Mineralöl-Vertriebs- gesellschast mit beschränkter Haftung in Mainz wurde das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 26. Juni beim Amtsgericht in Mainz anzumelden. — Ueber das Vermögen des Kaufmanns Johann Winkler in Friedberg ist gleichfalls das Konkursverfahren eröffnet worden Forderungen lind bis zum 20. Juni beim Amtsgericht Friedberg anzumelden. Dörlenhirle Frankfurt a.M- Berlin Schl.d- Nur» Sri« sutnl.. öch-utz» ÜU-? D'N°« bMt Tmum: 1.6. 0 6. 8. 6. 9 6 0.38 0.37 0.50 0.40 W.75 100,75 123.02 lto.4 110 100 Ul 59,5 «4,5 60 63 0,8 1 0 10,10 01 69 Banknoten. 0,39 0,60 95,75 77.10 46 76 71.3 64 49 60 6! 111 70,75 64 91.75 i.2.« 7,37 io 6,60 63 58 63,75 3,40 59,75 85 113 113.50 »4,75 66 62.75 60 HO 90,25 100 O.|O 58.25 -9 75 92.5 0,45 0 85 109 3,25 7.5 37,37 78,75 63 80 63.5 61 41 48 2.37 2.87 109.15 91.75 100 7.4 0.10 60 61 76.5 62.2.5 112.5 13,«2 104 55 6.7 93.5 n 123,75 0 49 '4.5 114.75 115 i.',5 124.13 100 123.25 124 ;r. 62 111 12 8 100 65,5 101 125 0.4o 0.40 0.39.5 0.2-5 0.405 78.75 0.4'15 0.51 0 26 0.395 0,60 64,60 84.50 65,25 61.62 124.5 101 .5 124 0.37 0,38 108 85/25 78 78.75 65 63.5 -.55 62.2.5 4t 49 15 50 6.2 91.75 75.25 74.5 63 101 114 58,1 63.5 5t 60,75 92 115,25 116.37 100 7.5 6.50 93 74,25 2,60 100 123.13 123,6? 56.13 45,5 61,5 114.25 55 6,13 96,25 80,5 76.5 0,40 91.75 92,5 7.62 0.475 0.905 110.5 3.325 TU Tarnte MelchSantetdr *1, Deu'sch« »letalenletlx . •'/,*/. I5.2 112.5 114.25 6.4 i-i 107,5 94.50 Eingreifen der Banken konnte an der heutigen Rachbörse die rückläufige Bewegung zum Stillstand gebracht werden, so daß eine kleine Erholung das Kursniveau etwas zu heben vermochte. Die Spekulation benutzte die freundlichere Stimmung, die sich auch auf den Abend- verkehr übertrug, Deckungen in geringem Umfange vorzunehmen, die bei kleinen Umsätzen weitere Besserungen zustandebrachten. Am besten schnitt der Montanmarkt ab. wo Deutsch- Luxemburger und Phönix etwa 1,5 Prozent gewannen. Der Bankaktienmarkt lag ruhig und unverändert. Auch für chemische Aktien stellten sich nur unwesentliche Besserungen ein. Don Schiffahrtsaktien schwächten sich Rorddeutfche ry, Qt'ien ........ Deutsche tfertb. Tollar-Snl. dm Doll -Schatz-Lmreilng.'l Zollkürlen......... $•/« »olbmeritann - - • Berliner HandrlKaelcllschasl Lommerz- und Pnvai-Bant tannft und Naitonaldaak Xcuticbt *onl . . . . Denischc vereinsdant . . . . Dtfrconto Lommandi« Metalldank ....... Mitteldeutsche Lreditdank Lcsterrrichiiwe ttnbitanftalt. Weltbank ....... Boedinner .. vuderu« .......... Caro . Deotsch.Luxembnrg Sitirchener vltrgmerti . . ner Bergbau . .. itrfe Aschcrilebeu. . . . Kaliwerk Westeregeln. . . .. Üourabuttt CbcrbcDarf ....... Pdünir Berg da» Niedeck Montan ....... Lellnö Bergbau. ..... eato-Ämcrita Paket. •. >eu kicher iUovd LdrramNLe Werke Albin . . Zemeanvert Heidelberg .. . vdilivv Hofmann ..... Vnglo-Lom -Guano . . ... VadiiLe Anilin . . Chemische Mover «laoüi . . Goldschmidt ..... Vri:S-eimer Electron .... Höchster Ü-nrbrotrtt...... Holzverkoolung .. RütgerSwerke ........ Scheideanstalt ........ «llg ElektrU1lät6.Geselllchakt Bergmann tUraiatraftnerCi ........ Schuckerl ....... . Siemen« 3t Hal«, . . • « • « ovierwerke Älepee ...... Daimler Motor«, ürolinc-.istardi......... 'ieguin. ......... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Unnaturen Konservenfabrik Braun . , . Mriaslgesell'chafi ftranfftnt. ^tt. Union A-.Ä Schvhtadrik Her, Sichel. ......... Htanoff valddos...... Zuckcr'abrik strankenttzal . . ductcrfnbrtf Wagdäuirl • . . ®e6i|:iimarft Berlin--FrcmfturL a. M. (In Billionen Mark ouSgedrückt. BuenoL-AireS, London, Neu. York. Japan. Rio dr flanetTO für eine Einheit, Wien und Budapest für ICO000 Einheiten, alle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 8 Juni U Jun« Amtliche Noti runa Änullchc Notierung Äcld Brick C4clb Brirf klmst.-Noll. 168.61 199,06 168.59 169,01 1,68.5 Vuen.-Aire« 1.690 1.691 1,681 Brn--Aniw. 19 81 19,90 20 .17 20.25 Christiania. .stopenhagen 70,51 70,6'J 70,46 70,64 78.95 79,15 78,92 79,12 Stockholm . fcelfingforß. 112,26 112,54 112.24 112,52 10.630 10.618 10.573 10,613 Italien. . . 16.76 16.80 16.71 16,75 London. . 20.889 20,441 20,387 20,439 '.Qeunort .. Paris.... 4.195 4,205 4.195 4,205 20,25 20,31 20,55 20.61 Schwei, . . Kl .85 81,55 81.315 81.515 Spanien . . 61.12 61,28 61.22 61.38 Japan . .. 1,723 1.727 1,720 1,721 0.46:1 >Hio be Jan. Wien in D>> 0 456 1.458 0.461 Lest, abgeft 59.057 59,197 59,057 59,197 Prag ... 12,422 12,447 12.425 12.46.5 Belgrad . . 7 7,02 7,05 7.07 Budapest. . 1.89 5.91 6,5'8 5,915 Bulgarien . d.03.5 .1,045 3,055 3,065 Llstadon 2U 475 20.525 20,475 20.525 Dan,ig. • - 80 9ll <1.10 80,87 81,07 Konstantin. 2 252 2,262 ',16 2,27 Athen. 7 19 7.21 7.14 7.16 Berlin, 9. Juni. Kcld Bries rimerlkanüLc Note» ..... Belgische Noten ....... Dünilche Noten ....... Englische Noten........ stranzonsche Noten ...... volländiswe Noten ...... italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch Oestcrr-, A100 JtroncQ Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noien....... Tschcchostowakische Rote» . . Ungarisch, Noten . . ... Frankfurter *21 Frankfurt a. M. 4.177 20,10 78,70 80.34« 188.10 70,47 59.12 111.94 61,00 12.41. 5.855 dendbvrse. 9. Juni. 4,197 79,10 20,44« 20,55 169,0-' 16,81 70,KJ 69,42 112,50 81,64 61,30 12,475 6,875 Auf das Schach-Ecke. Bear bettel von W. D r b a 4>. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaltion des »Gießener Anzeiger»". Problcin Nr. 15. 8 6 5 4 3 2 1 3 b G 1 w 8 7 6 5 4 3 2 Weiß: — Schwarz, d e von R. Mannheimer in Heidelberg. u_____h 2Hatt in zwei Fügen. Weiß: 6 Steine. Kc8, Df4, Sa3, Lgl, Bd4, Bf5. Schwarz: 3 Steine. Kc6, Ba6, Bd6. Partie Nr. 7. Damenbauernfplcl. (gespielt in der siebenten Runde des 3nternalionalen tÖlarienbabener Schachmeisterturniers am 28. Mai 1925. Weiß: Torre-Meffiko. Schwarz Uates-Eng. land.) Diese Abtauschkombination dürfte sich nicht empfehlen, da die schwarze Position hierdurch im Senkung Schlecht wäre jedenfalls 12 .... Dc6, da hierdurch Schwarz den Halt im Zentrum vollständig verlieren würde. 13. Tfl-el 14. Ddl-h3 + 15. Le3-d2 16 Tel -e4 17. Tal -el 18. c3-c4 19. Ld2-c3 8. d6-d5 9. d5xe4 10. DdS- db 11. f7-f5 12. b7xc6 1. d2-d4 2 Sgl -f3 3. Sbl -c3 4. e2-e4 5. Lfl-c4 6. 0-0 7. Lei - e3 schwach wirb. 8. Sc3xel 9. Lc4-d3 10. Ld3xe4 11. c2-c3 12. Le4xc6 13. f5-f4 14. Kg8-h8 15. TfS-f5 16. g6-g5 17. Lg7-f6 18. a7-a5 19. Lc8-d7 1. SgS - f6 2. g7-g6 3. Lf8-g7 4. d7-d6 5. 0-0 6. SbS - c6 7. Sfgxe4 20. Sf3-e5 20. Ld7-e8 21. Se5-g4 22. Te4-e6 23. TeöXcö 24. Db3-a3 21. I.e8-g6 22. Dd6-d8 23. Ta8 - b8 24. Lf6xd4 25. Telxe7 26. Tc6xc7 27. Ix3xdl 25. Tb8-b4 26. Kh8-g8 27. Dd8xd4 28. Tc7 - c8-t- • Auf gegeben, denn auf TfS folgt Shö+ nebft auf f6. Eine von Torre gut, aber von TJaieÄ sehr schwach gespielte Partie. Lösung de» Problems Jlr. 14. 1. Db3, Kdö. 2. 14 etc. 1 Kd4. 2. Dd5 + etc. 1 Kf4. 2. Dg3+ etc. 1 , Kf6 oder g6-g5. 2. Dd5 etc. Lchachanckdotc. Vie Vorgabe Partie. x Äon dem Weltmeister S t e in i tz erzählt man sich folgendes: Er spielte mit jemand, dem er einen Turm vorgab und dem gewöhnlich ein guter Freund mit sichtlichem Eifer als jtiebiß sekundierte. Dieser Kiebitz glaubte, die seinem Freunde zugedachte Mithilfe dadurch vor oteiniß verbergen zu können, daß er jedesmal dem Freunde, wenn dieser sich anschickte, einen schlechten Zug zu machen, mit dem i^uß einen Stoß unter dem Tisch »ersetzte. Daraus hat der öegner von Steinitz natiirlid) von dem Zuge 21b- stand genommen und einen anderen gemacht. Der Meister tat so, als ob er dies nicht merkte. In einer Partie stand nun Steinitz miserabel, es bedurfte nur noch eines naheliegenden fräftiaen Zuges seitens feines Wegner?, worauf das Schicksal der Strinitzschen Stellung rettungslos besiegelt gewesen wäre. Und in der Tat machte sein Gegner Miene, diesen Zug auszuführen. Da verspürte er plötzlich einen Tritt aus den Fuß, — diesmal war der Tritt aber nicht von seinem Freunde, sondern non Steinitz — wird stutzig, macht einen anderen Zug . .,. und — verliert die Partie. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch Die Gasrechnung. Es ist im Leben häßlich eingerichtet, daß alle paar Wochen ein imstzmpathischer Mann mit einer Ledermappe an den Wohnungstüren erscheint und mit hämischen Bemerkungen die Gasrechnung präsentiert. Welchberegter auch bei Siepers klingelt. Frau Sieper nimmt ihm den Wisch aus der Borderflosse und lieft staunend „87 Mark." Während man sonst mit einigen 15 Mark zu rechnen pflegte. Plötzlich erhellt sich Frau Sievers Antlitz: „Richtich' Beinahe hott’ ick's vajesfen da w ja dem felijen Onkel Franz Iasvajiftung mit bei...!" Diener Anekdoten. Born alten Baron Todesco. (In Rizzos: „Jean, öffnen Sie da» Fenster und lassen das Klima ’erein!" „Bin ich denn ä Bogel, daß ich kann sein an zwei Orten zugleich?" Maler S ch ö d l. „Ich fag's Ihnen — das beste Getränk i» Sodawasser. Das kann man trinken oder stehn lassen." Sachkundige Auskunft. „Wie lange wird es noch dauern, bi- ich rasiett werden kann"? fragt der Jüngling, der noch sehr „grün'* ist, im Friseurladen. Der Barbier betrachtet ihn sachkundig und eingehend. „Bun, vielleicht wird es in einem Jahr so weit sein", erwiderte er. Lloyd um weitere 2 Prozent ab. Am Rentenmarkt blieben Kriegsanleihen unverändert mit 0,370, aber Schuhgebietsanleihe erfuhren eine neue ansehnliche Senkung. Der Pfandbriesmarkt, der anfangs unverändert war, schwächte sich schließlich wieder ab. Die Börse schloß bei stillem Geschäft mit Reigung zum Rachgeben. Deutsche Anleihen: Schutzgebietsanleihe 5,1. Bankaktien Commerzbank 100. Darmstädter Bank 123,12, Deutsche Bank 123,62, Discontogefellschaft 110, Dresdner Bank 103,50, Mitteldeutsche Creditbank 100, Reichsbanl 124,50, Rheinische Creditbank 95. Montanaktien Deutsch-Luxemburger 76, Geilenkirchen 62, Ilse Bergbau 95. Mannesmann 85,50, Phönix 93, Rombacher 20, Kali Westeregeln 100. Chemische Aktien: Badische Anilin 114,25, Th. Goldschmidt 85,20, Höchster Farben 114,25. Scheideanstalt 107,50, Elberfelder Farben 106, Schiffahrtsaktien: Norddeutscher Lloyd 59,50. Industriealtien AEG. 94,50, Aschaffenburger Zellstoff 75, Badischer Zucker 59,75, Frankenthalzucker 3,40. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 9. Juni. Die Tendenz der heutigen Börse neigte auf allen Gebieten leicht nach unten, da die Interventionsabsichten der Banken nach ihren gestrigen Beschlüssen kaum einen größeren Umfang annehmen dürfen. Für die Daissegruppe bestand daher trotz des angeblich am Montanmarkt vorhandenen De- couverts kein Grund zu Deckungskäufen. Man schritt vielmehr neuerlich zu Abgaben. Die Erörterungen der Börse behandelten heute vor allem die Ausführungen Dr. Schachts aus Anlaß der Veröffentlichung der Kontrollnote, in denen die Rotwendigkeit hervorgehoben wird, daß Deutschland statt des Verlangens neuer Zerstörungen jede Erleichterung geschaffen wird, die zur fpäteren Ausführung der großen Dawes- Lasten notwendig seien. Daneben wurden die Ausführungen in der gestrigen Sitzung des Aufwertungsausschusses beachtet, in denen sehr spät festgestellt wurde, daß für Pfandbriefaufwertung keine neuen Anträge vorliegen. Der Börsenvorstand hatte hierzu noch feine Stellung genommen, trotzdem war der Verkehr in Dorkrieg s- psandbriefen etwas lebhaster als bisher. Die Kurse neigten jedoch entsprechend der allgemeinen Dörsenlage nach unten. Deutsche Erd- ö l waren infolge her Stillegung der Mineral- öltoerlc Rossiy anfangs hart angeboten. Der Geldmarkt erfuhr mit 71 bis 9* .. Prozent eine Erleichterung. Monatsgeld 91 bis 11 Prozent. Zrankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt. 9. Juni. (5s wurden notiert: Welzen, Wettcrauer 22—24,25, Roggen, inländischer 20—22,5(1, Sommergerste für Brauzwecke 21 vis 25,50, Hafer, inländischer 19—23, Mais, gelb 21,25 bis 23,25, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 38,75—39,50, Rogenmehl 30,75— 32,25, Weizen- fiele 12,25, Roggen kleie 13—13,25. Tendenz: Ruhiger. Berliner Produktenbörse. Berlin, 9. Juni. Der Produttenmarkt neigte heute zur Schwäche infolge der AuSland- meibdnqen und auf weiter nachlassendes Weizenmehlgeschäft. De: Beginn des Roggenschnittes auf trockenen Böden sei schon anfangs Juli zu erwarten. Es notierten per 1000 Kilo Weizen, märl. 265 bis 268, do. Juli 270 bis 269,50. Roggen, märt 216 bis 220. do. Juli 215,50 bis 216 Gerste, märl. 226 bis 242. Hafer, märt. 236 bis 244 do. Juli 195,50 bis 195, Mais (La Plata) (lvko Berlin) 203 bis 211, do. Juli 193, per 100 Kilo: Weizenmehl 34 bis 36,50, Roggenmehl 29,75 biS 31.75. Weizentleie 13.30, Roggenkleie 14,10 biS 14,20, Viktvriaerbsen 23 bis 23, kleine Erbsen 22 bis 26, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 19 bis 20, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 20,50 bis 24 Lupinen, blau 10 bis 11 do. gelb 12,50 bis 14. Rapskuchen 15,20 bis 15,60, Leinkuchen 22,40 bis 22,30, Trockenschnihel 10, Dorfmelasse 9.75 bis 10, Kartoffelslocken 19,20 bis 19,50. Sie sollten „PNEUMETTE“ tragen, wenn Sie an G schmerzenden Füßen leiden. Machen Sie doch einen Versuch: 8 Tage zur Probe ohne Risiko. Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Von Karl-August von Laffert. 62 Sortierung (Nachdruck verboten.) „Und Sie werden ganz allein von hier aus den Kampf leiten?" fragte Linda. Das Telephon läutete an. Kersten ergriff den Hörer. „Hier Kommandozentrale." Aufmerksam lauschte er der Mitteilung, dann rief er: „Sofort Alarmbefehl geben und melden, ob alle Kommandostellen richtig ausgenommen haben." Er wandte sich an Sanders: „Flugaufklärung Staffel 31 meldet das Herannahen von sieben Fliegern aus Richtung Nordpol, die auf Funkanruf nicht antworten. Es handelt sich entweder um ein feindliches Aufklärungsgeschwader oder um die Spitze der ganzen französischen Luftflotte. Ich ließ daher Alarm ansagen." Sanders wandte sich erregt an Linda: „Sie müssen rasch fort von hier. Am besten bleiben Sie in Ihrer Wohnung im Hause der Zentralverwaltung. Dort kann ich Sie jederzeit anrufen und über alles orientieren." „Ist die Gefahr etwa für mich größer als für Sie? Ich gehöre zu den Gründern der Gesellschaft und verlange meinen Platz an Ihrer Seite." „Ich bitte Sie, Frau Linda, nehmen Sie Vernunft an. Hier beginnt bald das blutige Handwerk der Männer. JhreAnwesenheit würde stören." „Sie wissen genau, daß ich nicht stören werde, und sagen das nur, um mich, fortzubringen." Sie wandte sich an Kersten: „Herr Oberbefehlshaber, erlauben Sie mir, hier für alle Fälle einen kleinen Verbandplatz einzurichten? Ich bin als Krankenschwester geprüft und werde sofort das Nötige heranholen." Kersten blickte zögernd auf Sanders, und als er dessen Schwanken bemerkte, sagte er: „Hier über uns befindet sich noch ein kleinerer Raum, der bereits für diese Zwecke vorbereitet ist. Der Aufgang führt neben dem Lift nach oben. Die beim Alarm vorgesehene Schwester wird wohl sofort erscheinen." „Dann bleibe ich bestimmt!" rief Linda. „Zwei Schwestern sind besser als eine, und oben werden mir Sie in keiner Weise belästigen." Der List brachte zwei Offiziere der Schutztruppe herauf, die sich bei Kersten meldeten. Das Telephon rief an. Kersten schaltete den Lautsprecher ein, damit alle Anwesenden die Nachrichten hören sollten. „Hier Nachrichtenzentrale." „Hier Kommandant." „Alarmbefehl wurde von allen Seiten ausgenommen. Kommando der Transportschiffe fragt an, ob es mit allen überflüssigen Fahrzeugen abfliegen solle. Die dazu beftimtmen sechs Rapidflieger stellte es zur weiteren Aufklärung bereits den Kampffliegern zur Verfügung." „Ich erteile ihm später Befehl. Verbinden Sie mich zuvor mit Aufklärungsstaffel, falls Sprechverbindung möglich." „Staffel 31 befindet sich augenblicklich noch über 30 Kilometer nördlich Platinia. Sie funken gerade neue Meldung, die ich sofort geben werde." Nach kurzer Pause folgte die Meldung: „Die gesichteten Flieger, anscheinend Franzosen, kommen in breiter Linie heran. Flugzeug 31b versuchte, sie in der Flanke zu umfliegen, wurde aber stark beschossen. Wir gehen daher zurück. 3,47 nachmittags waren Franzosen 35 Kilometer nördlich Platinia." Kersten antwortete: „Befehl für Staffel 31: Kampfflieger werden Feind frontal aufhalten. Staffel 31 umgeht feindliche Flanke in weitem Bogen und versucht festzustellen, ob weitere Luftstreitkräfte folgen. — Verbinden Sie jetzt mit Kommando der Kampfflieger." Kersten wandte sich an seinen Ersten Offizier: .Sobald es feststeht, daß weitere feindliche Kräfte im Anfluge sind, lassen Sie die Transportschiffe nach Petrolea abfliegen." Dann befahl er dem Zweiten Offizier: „Nehmen Sie gleichzeitige Sprechverbindung mit den fünf Beobachtungsstellen auf, halten Sie sie über alle wichtigen Nachrichten auf dem Laufenden und verlangen Sie Meldung, sobald irgend etwas vom Feinde sichtbar wird." . Die beiden Offiziere stellten auf besonderen Leitungen die befohlenen Verbindungen her. Unterdessen hatte sich das Kommando der Kampfflieger gemeldet. „Sie sind durch Nachrichtenzentrale über feindliche Flieger unterrichtet?" fragte Kersten. „Wir erhalten, wie befohlen, alle Nachrichten durch Doppeloerbindung gleichzeitig mit Oberkommando." „Befehl für Kampfflieger: Aufsteigen und feindliche Vorhut zurückwerfen. Beim Erscheinen des feindlichen Gros allmähliches Zurückweichen bis ins Innere des Verteidigungsringes. Hier den Kampf aufnehmen, um möglichst viele der Gegner hineinzuziehen. Sobald das geschehen, gleichzeitiger Durchbruch nach entgegengesetzten Seiten, und zwar nur über Beobachtungsstände 2 und 5 weg. Die dort befindlichen Batterien werden dazu das Sperrfeuer einstellen. Der Beginn des Durchbruchs ist telephonisch zu melden. Gleichzeitig geben alle Kampfflieger Blinkzeichen für den Fall, daß die Antennen durchschossen sein sollten. Ist alles richtig verstanden, und wann steigen Sie auf?" „Kampfflieger sind bereits in der Luft. Alles war bereit, so daß bei den ersten Worten des Befehls abgeflogen wurde. Die Rapidflieger fetzte ich schon vor fünf Minuten in Marsch. Sie sollen feindliche Flanken umgehen, um dahinter aufzuklären. — Befehl über Kampftaktik und Durchbruch richtig verstanden." „Ich werde durch besondere Leitung ständig Verbindung mit Ihnen unterhalten!" rief Kersten. „Bitte jede auch geringfügige Beobachtung sofort melden. Schluß!" Linda stand während dieser überraschenden Vorgänge regungslos in einer Ecke dicht neben Sanders. Sie wagte es nicht, ihn um Aufklärungen zu bitten, sondern drückte nur immer wieder in heftiger Spannung seine Hand. Die Krankenschwester meldete sich beim Zweiten Offizier. Dieser mies sie nach oben zum kleinen Verbandraum. Da riß auch Linda sich los, um ihr zu folgen. „So, die Maschinerie ist aufgezogen, Herr Präsident, nun wollen wir die Ereignisse in Ruhe abwarten", sagte Kersten und begab sich mit Sanders an den Kontrolltisch. Eine große Zahl winziger Lämpchen leuchtete im grünen Licht, ein Zeichen, daß die Batterien schußbereit waren. Eins dagegen zeigte die rote Störungsfarbe. Der Erste Offizier rief bereits an und stellte fest, daß die Vorrichtung zum Nehmen der Seitenrichtung sich geklemmt hatte. Gleich darauf zeigte auch diese Batterie ihr grünes Licht. Fünf gelbe Lämpchen bewiesen die Bereitschaft der Beobachtungstürme, ein weißes die richtige Besetzung der Ersatzkommandostelle. Die Nachrichtenzentrale meldete: „Ich verbinde mit Staffel 31, die durch Sprechverbindung zu ererichen ist." Schwach und undeutlich nur ertönte der Anruf: „Hier Staffel 31." „Hier Kommandant. Erbitte Meldung." „Gegner trieb uns bis dicht nach Platinia zurück. 31b erhielt beim Versuch, die feindliche Flanke zu umfliegen, unerwartet aus großer Entfernung eine Anzahl von Schüssen, die seine Tragflächen beschädigten, so daß es landen mußte. 31a wird in größerem Abstande vom Feinde den Versuch wiederholen. Da wir schneller fliegen als die Gegner, wird es gelingen." „Wo sind die Kampfflieger?" -• „Sie schrauben sich noch über Platinia hoch, werden gleich 2500 Meter Höhe erreicht haben. Das feindliche Geschwader zieht sich nach der Mitte zusammen." „Sind weitere feindliche Streitkräfte gesichtet?" „Wir konnten noch —" Hier brach die weitere Verständigung ab. Die Nachrichtenabteilung teilte mit, daß 31a sich bereits über sechs Kilometer entfernt befände, wo die Grenzen der Sprechverbindung überschritten seien. Der Erste Offizier meldete: „Kampfflieger nehmen die Verfolgung des zu- rückweichenden Gegners auf. Entfernung zur Feuereröffnung war noch zu groß." Fünf Minuten vergingen, die nur die Nachricht brachten, daß das feindliche Geschwader weiter in Richtung Grönland zurückginge. Kersten meinte: „Der Alarm scheint wieder einmal unnötig gewesen zu sein." Dann befahl er: „Hälfte der Kampfflieger folgt dem weichenden Gegner, andere Hälfte macht weiteren Vorstoß in Richtung Island, aber nicht über fünfzig Kilometer Entfernung." (Fortsetzung folgt.) _i. ii im । ■ Gute Zähne- Gute Hesunüh eit öurch Mege der Zähne mit Solvolith ist in einschlägigen Geschäften zu haben. .Zollinger-Werke A.-G., Berlin AW 7. nach ör.ineö. Karl Hermann. Leibwäsche, Bettwäsche Gardinen, Handarbeiten aller Art werden angefertigt im Seltersweg 61 4887a EtulMchtrch Wiikelrohr billigst. 5M,D Robert Kobisch Robr-Import Frankfurt a/M., G/r Friedberg. Str. 2918. EIS EIS Den Verbrauchern von Gießen und Umgegend zur Kenntnis, daß ich ab heute meine Eisfabrikation begonnen habe, und bin in der Lage jedes Quantum Ia Kunsteis in Blöcken zu25psund und im Privat. 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Pfund 5(1 3 Pfund 50 <) 5845c Irisch eingetroffen: in strammer Eispackung. . 5WilielmaÄ Gaölifiu,m klWWW Die Hausfrau fagi: Jemand merkt- es, da(i> (hott reinen Bohnenkaffees der gute und billige Quido auf den Tifch kommt Trinke Quietal Züdwestdeutfcher Rabioflub Ortsgruppe Gießen. Am Donnerstag, dem 11. Juni, abends 8 Ubr, hält Herr Obering Nottmann aus Marburg in dem Phstf. Institut, Stephanstrahe 24, einen Vortrag über Reflexschaltungen 05022 Der Schriftführer. Franke. Allgem. Ortskrankenkasse Gießen Stadt. Die rückständigen Beiträge zurKranken- kaffe, Invaliden- und Erwerbslosenversicherung für den Monat April 1925 können noch bis zum 16. Juni ds. Js. ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung und Kostenberechnung. Die Einzahlung kann Dienstags von 8 bis 1 Uhr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Gießen, den 10. Juni 1925. Hinkler. 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