Samstag, <). Mai 1925 U5. Jahrgang Nr. 108 Erster Blatt Annahme von KiijCigm fürbielagesnumnur btt- zum Nachmittag vorher ohnejcLePerdindllchktil. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtliche, auswärts 10 (Bolbpfcnniij; für Rc> Klame-Anzeigen v 70mm Breit« 35 Doldpfenniq, Platzvorschrift 20 ,'.'ius- schlag. - 'Bcrantroortlid) für Politik u. Feuilleton Vr. Friede, wilh Lange: für den Übrigen Teil Ernst Blumschein: für dcn Anzeigentcrit^hansBcch, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Beilagen: GiebenerFomilienblätter Heimat im Bild. MonatL'vezAgspreir: 2BoldmarK u. 20 Goldpfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ferns prech-Anschlüsse: bd)riftlcitunq 112, Der» lagundGeschäftsstelledl. Anschrift für Drahtnachrichten AnzeiaerSlesten. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drud und Verlag , vrühl'sche Univerfilälr-Vuch und Stcinöriiderci B. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulffraße 7. Die Waffen nieder! Man folllc meinen, daß alle Preise des deutschen Dolles, namentlich die sich politisch verantwortlich Fühlenden, nach einem Wahl- fampf. wie wir ihn aufwühlender und _ er- biiterter noch nicht erlebten, in dem Bemühen einig seien, die Spuren dieses Kampfes zu tilgen, das Doll wieder zu gemeütfamer Arbeit z u- sam men zuführen, was um so dringender -nottut, als schon kostbare Monate unser politisches Leben durch Wahlpropaganda und Agitationsreisen lahmgelcgt und die Lösung hrtngcnbcr innenpolitischer Aufgaben immer wieder vertagt war. Erfreuliche Ansätze in dieser Dichtung einer schnellen Beruhigung der erhitzt«, Gemüter zeitigten die ersten Tage nach Bekanntgabe des Dahlergebnisse«. Der demokratische Präsident- schastslandidat des ersten Dahlgangs. Staatspräsident Dr. Heilvach. erklärte in einer bemerkenswert cn Kundgebung e« für die vornehmste Pflicht eines jeden Demokraten, sich rückhaltlos hinter den neugewählten Deichspräsidenten zu stellen. „Als Der- iTcter der Demokratie", so sagte Dr. Hellpach, bekenne ich mich zu dem Grundsatz, daß. nachdem die Dation gesprochen Hal und die Wahlkampagne beendet ist. die Dogen des politischen Kampfes zu dem Oberhaupt des Deutschen Deiches nicht mehr herausschlagen dürfen. Es gibt nur noch eine zulässige Haltung, die Ehrerbie- tung Dir grüßen in dieser Stunde das neue Deichsoberhaupt in gemeinsamer Derehrung". Und der im Wahlkampf unterlegene Kandidat des Volks- block«, Dr. Marx, erklärte in seinem Glückwunschschreiben an den Deichspräsidenten. es ent- spreche dem Geiste wahrer Demokratie, das» nunmehr jeder, der sich zu ihr bekenne, zur Ent- scheidung der verfassungsmäßigen Ulebrbcit des Volkes stehe: und an seine Wähler richtete Dr. Marr gleichzeitig folgenden Appell ..Wir als die Schützer der Derfassung haben die heilige Pflicht, in dem verfassungsmäßig gewählten Deichspräsidenten den Depräsentanten des deutschen Dolkes und der deutschen Republik zu achten." Während also die beiden bürgerlichen Parteien der unterlegenen Weimarer Koalition aus dem Wahlergebnis die staatspolitisch für sie eni-ia denkbaren Folgen ziehen, gibt sich dritte, die Sozialdemokratische Partei, einer schrankenlosen Derärgerung über die Wahl- niederl ige hin. Der sozialdenrokratische Parteivorstand hat die Gültigkeit der Reichs prä- sidcntenwahl vom 26. April angefoch- t e n mit der Begründung, daß in zahlreichen Fällen Wahlunregelmäßigkeiten vorgekmnmen feien, die in ihrer Gesamtheit geeignet seien, die für den Kandidaten des Deichsblocks festgestellte relative Mehrheit von 904 151 Stimmen zu cr- schüttern. Die in dem umsangreichen Protestschreiben aufgeführten Einzelheiten sind nun allerdings so „erschütternd", daß sich das Wahl- prüfungsgericht wohl schwerlich zu diesem sozialistischen Derfchleppungsmanöver - darauf läuft ja doch die Taktik des Parteivorstandes lediglich hinaus - . hergeben wird. Das Wahlresultal des Kreises Gardelegen soll z. D. angefochten werden, weil ein Wahlaufruf des Reichsblocks in drastischen Worten erklärt, daß Wahlrecht Wahlpflicht bebaute und Fernbleiben von der Wahlurne Vaterlandsverrat gleichkomme. Das fei, so sagt der Protest, eine strafbare Derrufs- erklärung und Vergewaltigung der Wahlfreiheit, die hier zur Wahlpflicht gestempelt werde, wah- rend der Reichstag ausdrücklich die Einführung der Wahlpflicht abgelehnt habe. Es wirkt in höchstem Grade erheiternd, diese Auffassung aus dem Munde gerade der Partei zu hören, dis durch ihre eiserne Wahldisziplin mit Hilfe der angeblich unpolitischen Gewerkschaften alles an die time bringt, von dem sie eine Stimmabgabe für ihren Kandidaten erwartet. Daß ihr dies bei dieser Wahl nicht in dem Maße gelang wie früher, ninr t sie nun zum Anlaß, ihre eigenen, früher stets mit Ruhen angewandten Methoden als verbrecherisch und sündhaft zu verdammen. Richt besser sind die anderen Fälle zu werten, die eine Stimmenmehrheit von fast einer Million in ihr Gegenteil verdrehen soll: Fälle von angeblich durchsichtigen Llmtchlägen. von unzulässigen Dahl- beeinslussungen durch Gemeinde» oder Wahlvor- ftanb und ähnlichem Die Protestler werden sich selbst darüber fiat fein, daß sie mit ihrer Ansech- tungsllage das für sie ungünstige Wahlergebnis nicht wegdisputieren können. Aber das wollen sie auch gar nicht Sie wollen nur die Anerkennung der Dahl hinauszögern, neue iln- ruhe in die Wählermassen tragen und dem ihnen nicht genehmen Reichspräsidenten das Odium einer nicht rechtmäßig vor sich gegangenen Wahl anhängen. Man könnte über diese zwecklose und rein demagogischen Bedürfnissen dienende Afäre zur Tagesordnung übergehen, wenn sie nicht cin grelles Schlaglicht auf die Führerkrisi s würfe, in der die Sozialdemokratisch: Partei feit Zähren laboriert. Die fähigsten Köpfe der Sozialdemokratischen Partei sind verbraucht oder kalt- gestellt. Der verstorbene Reichspräsident Ebert, der als staatsmännische Persönlichkeit zweifellos die andern sozialistischen Führer weit überragte, hatte lange vor seinem Hinscheiden in seiner Partei stark an Einfluß verloren. Seine eigene innere Wandlung vom staatsregierenden Parteiführer zum aufbauenden Staatsmann mag ihn zu der geistig wie politisch gleich sterilen Parteibureaukratie in stetig wachsenden Gegensatz gebracht haben. Andere Männer aus Cärts Kreis sind seit Jahren in leitenden Stellen des Die Präsidentenwahl für gültig erklärt. Der Spruch des Wahlprüfungsgerichts. Berlin, 9. Mai. (TU.) Das Wahlprii- fungsgericht zur Prüfung der Reichspräsidenten- wähl hat gestern nach 10 Uhr abends beschlossen, die am 26. April erfolgte Wahl deS General* seldmarschalls von Hindenburg zum Reichspräsidenten für gültig zu erklären. Die vor- gebrachten Beschwerden hätten, auch wenn ihre Richtigkeit bewiesen würde, da« ErwwniS der auf den Feldmarschall von Hindenourg entfallenden Stimmenmehrheit nicht ändern können. Infolgedessen ist die Wahl f ü r gültig erklärt worden. lieber die Sitzung des DahlprüsungSgerichts, das auS den Abg. Dr. Spahn (3-). Dr Kahl lD. Dpt.s, D i 11 m a n n (Soz.) und den Reichs- gerichtsrätcn Katluhn und Dr. Duff bestand, wird uns folgendes berichtet: Das Gericht nahm zunächst den Bericht des ReichSgerichts- rat« Katluhn über die eingegangenen Beschwerden entgegen. Der Reichswahlleiter habe eine rechnerische Rachprüfung der zuerst mitgeteilten Stimmenzahlen wegen des ungeheuren Aufwandes, den ein gründlicheres Verfahren verursacht hätte, nur für den Wahlkreis Leipzig vorgenommen. Diese Stichprobe habe erkennen lassen, daß die rechnerischen Feststellungen des Kreis- wahlausschusses im allgemeinen alsordnu n gern ä fj i g und richtig zu betrachten wären. Von Reichsgerichtsrat Katluhn werden dann eine Reihe von Beschwerden Wahlberechtigter aufgeführt, die sich auf rechtswidrigen Ausschluß von der Wahl oder rechtswidrige Zulassung zur Wahl. Beeinflussung von Wählen» durch den Wahlvorsteher, ordnungswidrige Stimmzettel, un- vorschriftsmäßige Wahllokale, Bruch des Wahlgeheimnisses usw. beziehen Eine umfangreiche Beschwerde ging von dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei ein. Es wird darin zunächst dagegen protestiert, daß die Vereidigung Hindenburgs bereits auf den 12. Mai angeseht worden fei. ohne daß es abgekartet wurde, ob das Wahlprüfungsgericht feine Dahl für gültig erklärt Die Deschwerde- chrift führt dann zahlreiche im allgemeinen bereits bekannte Fälle an. Der Berichterstatter Reichsgerichtsrat Kalluhn erklärte nach Verlesung des Wahlprotestes, daß eingehende Ermittlungen stattgefunden hätten. Es habe sich ergeben, daß tatsächlich viele Stimm- zettelumschläge von verschiedener Farbe benutzt worden seien, die die Ankreuzung durchscheinen ließen. Zn keinem Falle sei aber nachzuweisen, daß die Wahlvorsteher diese Umschläge dazu benutzt hätten, um das Wahlgeheimnis illusorisch zu machen. Als Vertreter des sozialdemokratischen Parteivorstandes ergänzt hierauf Reichstagsabgeordneter Stelling den Reiches und der Länder. So kamen in Fraktion wie Parteivorstand die zweite und dritte Garnitur an die Macht, ein recht dürftiger Ersatz für die ausgeschiedenen Führer. Leute wie Ebert hätten schwerlich zu solch taktischen und dabei gänzlich sinnlosen Mätzchen gegriffen, wie diese Anfechtungsklage, ki) gllch uni eine Wahlniederlage zu beschönigen. Dazu bedurfte es kleinerer Geister, die unbeschwert von Derantwortlichkeits- gefühl für da« Volksganze und leider uliberalen oder unbelehrbar durch ihre bürgerlichen Freunde an der Zwietracht des Dolkes ihr Parteisüppchen brodeln lassen. Einer von diesen Unenttoegtcn ist offenbar auch der Oberpräsident Hörsing, der als Präsident des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold, diese sich bislang immer über- parteiisch gerierende republikanische Organisation vor den sozialdemokratischen Parteikarren zu spannen sucht. Die Einholung des neuen Reichspräsidenten in der Reichshauptstadt sollte nah dem Wunsch der Reichsregierung Vertretern des ganzen Volles Gelegenheit geben, dem neuen Staatsoberhaupt ihre Ehrerbietung zu be,eigen. Wan hatte daher den von der Wilhelmstrahe mehrere Kilometer entfernt liegenden Bahnhof Heerstraße gewählt und damtt gerechnet, daß fick auch das Reichsbanner an den Einholungsfe erlichkeiien beteiligen werde, wie es bürgerliche Elemente dieser Organisation dringend gewünscht hatten. Der Führer des Reichsbanners jedoch, der Herr Oberpräsident Hörsing in Magdeburg hat es anders beschlossen. 3n einem Artikel im „Berliner Tageblatt", der mit den abgegriffenen Argumenten des verflossenen Wahllampses overiert, dekretiert Herr Hörsing, daß das Reichsbanner dem Einzug des Reichspräsidenten sernzubleiben habe. Wie weit dieser Artikel mit seinen zahllosen Verdächtigungen und Anpöbelungen sich mit dem Amt eines Oberpräsidenten vereinbaren läßt, mag der Entscheidung des preußischen Zn- nenministers überlassen bleiben, politisch ist der Artllel von einer Angeschicklichleit, die dis bürgerlichen Kreise des Reichsbanners mit Recht in Harnisch gebracht hat. Hört man doch auch noch, daß Herr Hörsing seinen Ukas o h n e Fühlungnahme mit den anderen beiden Parteien der Weimarer Koalition erlassen hat, und zwar deshalb, weil er wußte, daß diese feiner Auffassung nicht zustimmen würden. Das „Berliner Tageblatt" ist in einer Vorbemerkung zu dem Artllel Hörsings von dem Schreiber merllich abgerückt, indem es die Rotwendigkeit des Flaggens betont. In der nächsten Rümmer gab es dann einem Artllel des bekannten Vizepräsidenten Dr. Friedens- • bura vom Berliner Polizeipräsidium Raum. sozialdemokratischen Protest. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei wünsche, daß das Gericht die Frage prüfe, ob es richtig sei, daß vor der endgültigen Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl bereits die Proklamation erfolgte und der Derteidigungsterinin festgesetzt wurde. Er führte bann eine Reihe unzulässiger Dahlbeeinflussungen aus dem Lande an. Zn Ostpreußen seien sämtliche Gemeindevorsteher mit Ausnahme der sozialdemokratischen zu Wahlvorstehern gemacht worden. Auf die Frage des Vorsitzenden Abg. Dr. Spahn, ob Stelling behaupten wolle, daß das Wahlergebnis selbst durch die Wahlvorsteher gefälscht worden sei. erflärt Stelling, er könne dieS jetzt nicht beweisen. Die sozialdemokratische Parte» wolle durch ihre Beschwerde die AmtSem- sührung des Reichspräsidenten- zwar nicht verschleppen, es liege ihr aber daran, die Reinheit des öffentlichen Lebens zu gewährleisten und die Verfassung zu sichern. Reichsbeauftragter Ministerialrat Dr. Kaisen- berg teilte mit, daß insgesamt 23 Einzelbeschwerden und eine Hauptbefchwrrde deö Vorstandes der Sozialdemokrat sehen Partei eingelaufen seien. Die Zahl der Beschwerden für die Reichstagswahlen vom 4. Mai und 7. Dezember sei erheblich höher gewesen. Don den 23 Einzelbeschwerden seien eine ganze Reihe als unzutreffend und unbegründet erwiesen. ilebrig bleibe das Vergehen des ReichZ- blocks in Gardelegen. Hierüber hätten vielleicht die Strafbehörden zu entscheiden. Maßgebenden Einfluß habe aber auch dieses Vorgehen nicht gehabt. Die beanstandeten Wahlumschläge seien dauernd in den letzten Zähren benutzt worden, ohne daß Beschwerden ctngc- laufcn seien. Selbst wem» alle Fälle, die vorgebracht worden seien, begründet wären, so ä n - bete das nichts an dem Wahlergeb- n i s. Ebenso ändere nichts daran die Zahl der Wähler, die wegen der Stimmscheine auf weißem Papier zurück gewiesen worden seien und die Orb- nungSwidrigkeitcn außerhalb des Wahlraumes. Keine Wahl sei bisher organisatorisch so gut durchgeführt worben wie die letzte Präsidentenwahl. Das Probebeispiel von Leipzig zeige, daß Hindenburg verhältnismäßig noch mehr Stimmen zugezählt bekomme als Marx. Dasselbe ergebe sich für Hamburg und Oppeln. Es forme für alle Wahl- keife vielleicht eine Verschiebung von 2000 Stimmen eintreten. Kaisenberg beantragte bann, ohne we'tere Beweiserhebung bie Wahl ber Reichspräsidenten im zweiten Wahlgange für gültig zu erklären. Der Gerichtshof zog sich daraus zur Beratung zurück und verkündete grgen 10 Uhr abends den oben mitgeteilten Spruch. der, Demokrat seines Zeichens, scharf mit Hörsing ins Gericht geht. Er betont wie Hellpach und Marx die Pflicht gerade der überzeugten Anhänger der demokratischen Grundsätze zur An- fennung des Willens der Volksmehrheit, auch wenn damit eine unerwünschte Entscheidung Eingenommen werde — und sagt bann: „Es muß einmal ausgesprochen werden, baß zur Verwirklichung ber schweren Ausgaben unseres Volles nicht nur sreunbliche Sympathie einiger Teile bes Auslandes, sondern wohl noch mehr ein wenig allgemeine Achtung jenseits der Grenzen notwendig ist, wie sie nur ein Volk erringt, das nicht dauernd den beschämenden Ausdruck ber haßerfüllten Zänkerei bietet unb sich nicht in endlosen Krisen schwächt und lähmt." Dr. Friedensburg knüpft daran die Erwartung, daß das Reichsbanner seinen Entschluß, den Feierlichkeiken zu Ehren des Reichspräsidenten fernzubleiben, revidiere. Wenn er schließlich die Frage aufrollt, ob das Reichsbanner nicht anfang:, feine Daseinsberechtigung zu verlieren, so ist die Beantwortung dieser Frage eine interne Angelegenheit dieser Organisation, die die drei Parteien ber Linken unter sich auszumachen haben. Die Oeffentlichkeit hat lediglich baran Znteresse, zu erfahren, ob Zentrum unb Demokraten. ber Parole ihrer Führer folgenb, des Reichspräsidenten Rus zur Sammlung aller aufbaubereiten Volkskräfte Gehör geben oder sich wiederum von Herrn Hörsing düpieren lassen. Bei der Presse zu Gast. Berlin, 8. Mai. 3m Pressehause, Matthäikirchstraß?. in bnn ber Verein deutscher Zeitungsverleger seine beruflichen Arbeitsräume mit einem künstlerisch kultivierten Heim zu geselligen Zwecken vereinigt hat. empfingen heute abend Mitglieder des Vorstandes den Reichskanzler unb Die Reichs- Minister zu einer kleinen intimen Feier. Der 1. Vorsitzende Dr. Krumbhaar- Liegniy begrüßte den Reichska zier und die Minister und gab bab:i dm» Wunsche Ausdruck, daß derDrauch, in politicis gesellschaftliche Kultur zu pflegen, auch in Deutschland gedeihlich: Fortschritte machen möge. Auf diese Wünsch: erwiderte der Reichskanzler Dr. L u t h e r mit feinem Humor, indem er die gesellige Kultur als Förderung auch der politischen Sitten und einer in Deutschland bisher noch zu wenig b-folgten Hebung willkommen hieß. Der 2Tbenb verlief ganz in diesem Sinn? bei geselligem Gcdanken'austausch über Fragen, bi? nicht zuletzt auch die Presse als Sprachrohr der öffentlichen Meinung bewegen. Der Kampf um Köln. Bvii der Liffui«;; der Botschafterkonferenz. Am Montag und Dienstag wirb |ld) nun ent lich die B o t s ch a s t e r k o n s e r e n z m Paris n ber Kölner Frage beschäftigen. Vorher wirb atu noch bie französische Negierung zu cinlm M i nt ft er rat zusammentreten, um in ihm die Zn truktionen für ihren Vertreter festzulegen. Zn den letzten vierunbzwanzig Stunden hat die Situation insofern eine-Klärung erfahren, als sowohl bi? Londoner wie auch bie Pariser Negierung kein Wc- hcimnis mehr aus den Bebingungen machen, Unter denen die nördliche N h e i n l o n b z o n e geräumt werben soll. Englanb soll angeblich V r • ü U u ii g ber (In t m a f f n u n g ß f o t b e r uti • gen biszu m 18. A u gust, dem Termin für bie Nuhrräumnng, vorgeschlagen hoben, während Frankreich zwar den gleichen Wunsch hat wie die englische Regierung, dagegen aber eine zeitliche Begrenzung a b l e h n t. Es will un > also mit anderen Worten reichlich Zeit lassen, spekuliert jedoch auf nichts anderes als auf eine Verlängerung der Besatzungsbauer, da es sehr gut weiß, daß die Forderungen der Botschafterkonfereni em weder gar nicht zu erfüllen sind oder aber vorn Deutschen Reich nicht angenommen werden können. Der Minifterrat wird sich aber nicht nur mit dem Sicherheitsvertrag zu beschäftigen haben, schon deswegen wird feine Stellungnahme Überaus mtcreffant werden, da man Herrn Briand nachfagl, daß er noch immer zäh an den Gebankengöngen des Genfer Sicherheitsprotokolls fest halt, das bei der letzten Tagung des Völkerbunbes von Englanb glatt abgelehnt wurde. Seitdem feststeht, daß bie Bolschafterlonsereni sich am Dienstag mit bem Bericht der interalliierten Militärkontrollkonunission beschäftigen will, beginnt ein Teil ber Pariser Presse mit einer Stimmungsmache, bie recht bezeichnend tfl. Wie das Journal und das Echo de P a • r i s wendet sich auch der T e m u s gegen die Ab sicht der englischen Regierung, für bie Räumung ber Kölner Zone ein b e st i in m t e s D a t u m sest- zusetzen. Ma» wurde, so schreibt der Telnps, einen schweren Fehler begehen, wenn man jetzt einen be stimmten Zeitpunkt für die Räumung fest sc ui würde, unter dem Vorwand, daß ernste polCijii;? Gründe vorhanden feien, diese Räumung zugleich mit der des Ruhrgebiets, bie für ben 15. 8. vorgesehen fei, vorzunehmen, wenn Deutsch land ben Dawesplan loyal ausführe. Es beftebe keine Garantie bafür, daß das Deutsche Reid», das bis fetzt nicht freiwillig erfüllt habe, in einem bestimmten Zeitraum erfüllen würde, noch dies in einer allzu kurzen Frist materiell tun könne. Die Kölner Frage, wie fle gegenwärtig gestellt sei, könne in gerechter Weise e r ft an bem Tage gelöst werden, an bem die Kontrollkommission fest- gestellt habe, daß Deutschland effektiv unb gemäß d-m Bestimmungen des Versailler Vertrages e n t m a f f« n e t habe. Von Deutschland selbst hänge es also ob, ob die Besetzung der ersten Zone ansgegeben wer den könne ober aufrecht erhalten werden müsse. Die Alliierten könnten schwerlich über die strenge Beachtung der Vertragsterte mit sich red'» lassen ohne auf wesentliche Garantien zu verzichten, hie ihnen der Versailler Vertrag gegeben habe. Der Geisteszustand, der fenseits des Rheins nach ber Wahl Hindenburgs bestehe, sei nicht geeignet, die Alliierten dazu zu bringen, einen Beweis von Ent qegen'ommen zu geben, indem sie ihre Sicherheit ber Illusion einer spontanen Wiedervers! Imu g durch den Feind von gestern opferten, ber nicht ein mal moralisch entwaffnet habe. Amerika zum europäischen Problem. ßonbon, 9. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die „Times" erfährt aus Washington, daß bie Entwick lung ber europäischen Meinung nach ber Rebe Houghtons auf bem Pilgrimsesten in Vonbon vom Weißen Hause unb bem Staatsdepartement mit Interesse verfolgt würbe. Es fei seit langem bie Ansicht ber Regierung Eoolibge gewesen, baß eine aufrichtig geführte (Erörterung in ber Richtung ber beutschen Dorschläge zu einer Vereinbarung führen müßte, ba nicht zu erkennen fei, wie ohne eine solche Vereinbarung (£ a i 11 a u jr einen Ausweg aus ben französischen Finanzschwierigkeiten finben ober Deustchlanb ohne ernste Besorgnisse seiner wirtschaftlichen Zukunft entgegenfehen könnte. Das Kabinett Braun. Der Mitztrauensantrag mit sechs LtimmcnMehrheit abgelchut. Berlin. 9. Mai.-(WTB, 3m preußischen Landtag steht auf der Tagesordnung ais erster Gegenstand der Mißtrauens antrag der deutschnationalen Fraktion. Das Ergebnis der Abstimmung ist folgendes: Es wurden abgegeben 438 Stimmen. Enthalten hat sich niemand: ungültig war keine Stimme. Es haben gestimmt mit ja 216. mit nein 222 Der Antrag auf Entziehung des Vertrauens ist somit a b g e l e h n l. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet. ist mit der Ablehnung b ~ Entziehung des Vertrauens nach An ii)t der preußischen Staatsregierring d e V e r i v a u c n c frage erledigt Ein b-sondere- D-rt-eucus antrag komme nicht mehr In Frage, da dir Ablehnung des Mißtrauensvotums d'.e Bejahung des Vertrauens in sich schließe. Zu der Abstimmung teilt btc .,e t i" nut. daß auf der Ol)v v I it io nss-i»o Wo nationalen vollzählig waren und bei der Wirtschaftlichen Vereinigung 2, bei der Deutschen Volkspartei 5 und bei den Kommunisten 2 Ab- geordnete fehlten, während auf Seiten der Wei- m a r er Koalition ein Sozialdemokrat, der infolge einer Erkrankung vor der Abstimmung den Sitzungssaal verlieh, und die beiden Zen- trumsabgeordneten von Papen und Baumann, die ärzllich entschuldigt fehlten, an der Abstimmung nicht teilnahmen, und während einer der fünf fehlenden Abgeordneten der Deutschen Volkspartei sich wegen einer Familienangelegenheit entschuldigt hatte, hängt das Fehlen der vier anderen Abgeordneten Becker, von Eynern. Dr, Kriebel und Schmidt-Düsseldorf mit der gestern gegebenen politischen Situation zu- Tammen. Die Bildung eines Kabinetts der Volksgemeinschaft war bereits sehr weit gediehen, und so glaubten sich unter diesen Umständen die vier Abgeordneten zur Stimmenthaltung verpflichtet. Wie das Blatt betont, handelt es sich dabei nur um eine taktische Haltung. Die volksparteiliche Fraktion besteht ferner auf ihrer bisherigen Haltung, wonach eine Regierungsbildung mit Einschluß der Deutschnationalen angestrebt werden muß. Die Berliner Presse zur Abstimmung. Berlin. 9. Wai. lLckl.) Der ..Lokalanzeiger 'Bezeichnet das Abstimmungsergbnis als einen Zufallssieg der Regierungsparteien. der sich jeden Lag in das Gegenteil umkehren könne. Er nimmt an, dah dieDer- handlungen über die Kabinettserweiterung schon heute weitergehen werden. Dre „Tägliche Rundschau" tagt: D i e Regierungskrise besteht fort und das 'Be- breden der Weimarer, sie zu einer dauernden preußischen Institution zu machen, wird vergeblich bleiben. Die „Deutsche Zeitung' spricht von einem technischen Zufall. Die Regierungskvalition werde Lei allen künftigen Abstimmungen hoffnungslos in der Minderheit bleiben. Auch die „Zeit" ift der Auffassung, daß die Eristenz des Kabinetts Braun weiterhin im Ungewissen schwebt mtd daß die Bemühungen um die Kabinettsbildung weitergehen werden. Die „Vossische Zeitung" nennt das Ergebnis einen überraschenden Erfolg für das preußische Kabinett, der nur ermöglicht worden fei durch die Abwesenheit von 10 Abgeordneten der oppositionellen Parteien. Das „Berliner Lageblatt" meint, für das erste liege keinerlei 'Veranlassung vor. irgendwelche Aenderung in der Zusammensehimg der Regierung Braun vorzunehmen. < । । ....... Auftvertungsdebatte im Reichstag. 'Berlin, 8. Mai. Las Haus jetzt die 'Beratung über den Entwurf eines Gesetzes über die A b= lofnng öffentlicher Anleihen und über die Aufwertung der Hypotheken und aiv . deren Ansprüchen fort. Abg. Keil (So,3.) bedauert, daß die Regierung 1 entgegen ihrer seinerzeit bereits gegebenen Zusage ' eines Gesetzentwurfes für die Aufwertung so lange , hat warten lassen. Das neue Aufwertungsgesetz, das t die unzulängliche Regelung der dritten Stcuemob j. Verordnung erweitern solle, muss noch ncr dem * 30. Juni erlassen werden. Sollte cs bei der schemati- schen Aufwertungsmechode bleiben, dann müßte der Höchstsatz der Auswertung erheblich über 25 Proz. hinausgeben. Die Mittel für eine erhöhte Auswertung tonnten ausgebracht werden durch eine steuerliche Erfassung der Jnflations- gewinne, wie sie von den Sozialdemokraten beantragt worden sei. Abg. H e r g t (Dschnl.) verlieft eine Erklärung der deutschnationalen Fraktion, in der es begrüßt wird, daß die Negierung mit vorliegendem Entwurf endlich die Initiative einer gerechten Regelung der Auswertungsstage ergriffen habe. Diese Vorlage tönnte die Grundlage einer befriedigenden Regelung bilden. Sie fei aber in verschiedenen punkten verbesserungsbedürftig. Besonders hinsichtlich der Höhe der Sätze und der Ausdehnung in der Aufwertung der öffentlichen Anleihen müßten die Gemeindeanleihen anders d' handell werden als die des Reiches. 2lbg. Schotter (Z.) gibt für feil? Fraktion eine Erklärung ab, die dem vom Iustizminister dar- gelegten Grundgedanken der Vorlage zustimmt, aber Verbesserungen für notwendig erklärt, die der Aufwertungsausschuß vornehmen müßte. Die Äuswertungsfrage sei nicht allein von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus zu betrachten, sondern bei ihrer Lösung müßten die Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit berücksichtigt werden. Das Zentrum werde in diesem Sinne im Auswertungsausschuß wirken. Abg. Dr. Wunderlich (D. Vpk.) verliest eine in ähnlichem Sinne gehaltene Erklärung der Deutschen Volkspartei. Eine alle Teile befriedigende Lösung werde sich kaum erreichen lasten, denn bei aller Anerkennung der berechtigten Forderungen der durch die Inflation Geschädigten müsse auch daran gedacht werden, daß die Stabilität dec Währung nicht von neuem gefährdet wird. Abg. Korsch (Komm.) führt aus, die betrogenen Gläubiger und Sparer dürsten von diesem Reichstage keine Hilfe erwarten, denn mit der Annahme des Dawesabkommens seien alle Mittel des Reiches dem internationalen Kapital ausgeliefert worden. Abg. Dietrich- Vaden (Dem.) fordert eine Aufwertung der Spareinlagen in angemessenen Grenzen. Die Kkiegsanleihezeichner dürie man nicht schlechter behandeln als andere Anleihe- zeichn er. Die Spekulanten, die in gewinnsüchtiger Absicht Reichsanleihen erworben haben, dürfen unter keinen Umständen in gleicher Weise berücksichtigt werden wie die Altbesitzer. Wenn der Staat nicht die Schulden bezahlt, die er bei seinen Bürgern hat, so uerbeffert er dadurch, volkswirtschaftlich gesehen, seine Finanzlage in keiner Weise. Die Deckung der von uns geforderten weitergehenden Auswertung muß in erster Linie durch die 00m Ausschuß 'beschlossene Vermögens zuwachs und Erhaltungssteuer erfolgen. Abg. Dr Emminger (Bayer 6p.) sieht in den Vorlagen einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem bisher von der Regierung eingenommenen Standpunkt. Die Auswertung- siane fei in erster £ir. c eine Frage des Rechts tmb der Rloeal Im Auswertungsausschuß werde an der Verbesserung der Vorlagen zu arbeiten sein. Abg. Seiffert (Völk.): Unter keinen Umständen dürfe die ungerechte Hauszins st euer verewigt werden. Zufassen könne man dagegen bei der Industrie, die in zahlreichen Beispielen, bei Umstellungen, Goldmarkbilanzen usw. zeige, daß sie über reichliche Geldmittel verfüge, so daß sie die Gewinnsteuer sehr wohl zahlen könne. Von einer ehrlichen Regelung der Ülufwectung hänge auch unser Ansehen im Auslande ab, denn dort warteten die entrechteten Auslanddeutschen darauf, daß man ihnen ein deutsches Recht gebe. Abg. Feder (Nat.-Soz.) vertritt die Theorie einer soweit wie möglich gehenden Vermögens- r e g u l i e r u n g , die etwa dazu führen könne, daß jedermann 80 Proz. des Vorkriegsoermögens wieder hätte. Geld genua wäre hierfür bei den einzelnen Ländern wie bei der Industrie vorhanden. In der Landwirtschaft und beim Grundbesitz sei die Substanz erhallen geblieben. Das Haus verweist die Aufwertungsgesetze an den Auf wer tungsausschuß. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. D a r m stadt, 8. Mai. Abg. Dr. Werner (Dntll) richtete eine Anfrage an die Regierung, welche Maßnahmen sie am Lage des Amtsantritts des neuen Reichspräsidenten als Feier bei dessen Einführung plane. Der Ausschuß setzte bann seine Beratungen bei Kap. 34 (Arbeitshaus Dieburg) fort, das an= genommen wurde. Zu Kap. 35 (Zentralstelle für Landesstatistik) lag ein Antrag Dr. Leuchtgens und Glaser vor. die Kosten für die Hilfskräfte zur Volkszählung zu streichen und dafür Beamte der Zentralverwaltung heranzu- ziehen. die entbehrlich sind. Der Antrag wurde gegen 4 Stimmen abgelehnt. Das Kapitel wurde genehmigt. Die Kapitel 36 bis 38 wurden zu- rückgestelll. Die Kapitel 39 (Aerztlichrr Dienst) und 40 (Tierärztlicher Dienst) wurden bewllligü Zu Kapitel 41 (Hebammenlehranstall) erklärte die Regierung auf eine Anfrage hin, daß das Hebcunmengesey dem Landtag bald vorgüegt werden kann. Das Kapitel wurde angenommen, ebenso das Kapitel 42 (Landes-Heil- und Pflegeanstall) und das Kapitel 43 (Aliceftifk) Zu Kapitel 44 (Dolksgesundheitspslege), das genehmigt wurde, lagen zwei Anträge Dr. 'Werner vor. daß alle Vereinigungen und Körperschaften, die aus laufenden Mitteln des Staates Dri- hilfen empfangen, Vertreter der Regierung oder des Landtags in ihren Vorstand oder Auffichts- rat aufzunehmen haben. Rach dem anderen Antrag soll der Zuschuß an den Heilstättenverein (Tuberkulosebekämpfung) von 30 000 auf 40 000 Mk. erhöht werden. Die Anträge wurden cüiftimmig angenommen, ebenfalls 'die Kapitel 46 (Staatsunterstützungskaste). 49 (Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke), 53 (Kunst strahenverwaltung). Ein zu diesem SXa= pitel vvrlicgeirder Antrag Hauck soll besonders behandelt werden. Die deutsch-österreichische Patzsrage. München, 8. Mai. (WB.) Heute vormittag traten in München im Staatsmini- sterium die Vertreter der Reichsregierung und der österreichischen Regierung zu Verhandlungen über die gegenseitige Aufhebung des Sichtvermerkzwanges im Reiseverkehr zwischen den beiden Ländern zusammen. Die deutschen Vertreter erklärten sich zur vollständigen gegenseitigen Aufhebung des Eichtvcrmerkzwanges und der Gebühren bereit. Die österreichischen Vertreter erklärten demgegenüber, daß sie ebenfalls ein weitgehendes Entgegenkommen wollten, daß sie aber zur Zeit nicht ermächtigt seien, auch die Gebühren für den Sichtvermerk fallen zu lassen. Deutscherseits wird die Beibehaltung der Gebühren bei Aufhebung des Sichtvermerks nicht für tragbar gehalten. Die Verhandlungen gehen weiter. Ein Kabinett Dyvere in Veigien, Brüssel, 9. Mai. (SU.) Ein offizielles Communiquc- bestätigt, dah Van de Dyvere die Kabinettsbildung übernommen hat. 3n politischen Kreisen wird erklärt, Van de Vyvere habe die Absicht, folgende Persönlichkeiten des allen Kabinetts wieder zu übernehmen: Poullet. Tschoffen, ©arten, Ruzette und Mohersoen. Dagegen werden Hymans, Rolf. Reufjean und Forthvmme nicht in das neue Kabinett eintreten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Van de Dyvere einen sozialistischen Führer zum Eintritt in das Kabinett auffordern wird Er selbst wird außer der Ministerpräsidentschast auch das Portefeuille des Finanzministers übernehmen. Die Kämpfe in Französisch-Marokko. Unruhe in Paris. Paris, 9. Mai. (WTD. Funlspruch.) Heber die Operationen in Französisch-Marokko wird das folgende offizielle Kommunique verbreitet: Die tm Zentrum stehenden Truppen rücken Weller vor. In der Gegend von Saunat haben die Rif-Leute eine Rückzugsbewegung begonnen, nachdem sie starke Verluste erlitten hatten. 3n Susi und Safilet ließ Abd e 1 Krim bekanntgeben. daß er auf Fez marschieren wolle. Die Ankunft französischer' Verstattungen habe auf die in ihrer Haltung schwankenden Stämme günstig erngewirll. Lieber d e nach Französisch- Marokko abgehenden Verstärkungen berichtet „Journal", es werden 2 Geschwader Domben-Flugzeuge, bestehend aus 8 Offizieren, 19 Llnteroffizieren und 60 Mcuru abgehen. Die Presse verfolgt die Er eigenste in Marokko mit gesteigerter Nervosität. Die Dürftigkeit der amtlichen Berichte wirb von den Blättern mit der Notwendigkeit begründet, den Gegner über die wahren Absichten des französische Oberkommandos im unllaren zu lcsisen. Das „Journal des Debats" schreibt: ($:n besonderer Grund zur Beunruhigung l ege nicht vor, wenn auch die Lage als ernst anzusehen sei. Die Llergha sei I über ihre Llfer getreten, wodurch der Fort- I gang der Operationen erheblich er» I lchwert werde. Gewiss- sranzös fche Posten seien noch von den feindlichen Harkas eingeschlossen und werde t durch Flugzeug7 ter» ! prrv'anliert. Die Truppenansammlungen, die feit mehreren Lagen bet 5d}2|d)auen. beobachtet werden, rufen große Beunruhigung hervor. Man rechnet mit einem neuen Vorstoß Abd cl Krims bei Ghavul, nordwestlich von Fez, das das Ziel des marokkanischen (Gegenangriffs bilden wird. Die opposllionellen Blätter greifen die Regierung wegen der ungenügenden Vorbereitung in Marokko scharf an. „Liberte" veröffentlicht an leitender Stelle die Behauptung einer namhaften Persönlichkeit, daß die Angriffe Abd el Krims seit dem Verzicht auf das Ruhrgebiet und der älmbildung des Kabinetts § erriet datieren. Aus aller Welt. Revo8ver?chüsse im Theater. Wien, 9. Mai. (T.U.) Bei der gestrigen „Peer. Gynt-Aufführung im Burgtheater ereignete sich ein aufregender Zwischenfall. In einer Loge saß die Mazedonierin K a r l i n c i u in Gesellschaft dreier Mazedonier, darunter einer namens A r - n a u t 0 v i c. Sie führten während der Bor- stellung ein politisches Gespräch, das teilweise so laut wurde, daß Nachbarn zur Ruhe mahnten. Während des dritten Aktes fielen plötzlich 3 Schüsse. In der Loge fand man den Mazedonier Arnau- t 0 v i c tot vor, währcrtd die beiden anderen Verletzungen erlitten hatten. Frau Karlinciu wurde verhaftet und auf die Polizei gebracht. Sie gab an, daß der von ihr Erschossene ein Polizeispitzel gewesen sei, bet einige ihr nahestehende Personen des Mazedonischen Komitees verraten hätte. Im Vheater herrschte begreiflicherweise große Aufregung, erst nach einer halben Stunde konnte die Vorstellung fortgesetzt werben. Das Baden-Badener Schachturnier. Ergebnis der 17. Runde des internationalen Schachmeisterturniers: Reti (Oesterreich) gewann eine englische Partie gegen Carl (Deutschland) in 35 Zügen. Lrejbal (Tschechoslowakei) gewann eine sizilianische Partie gegen Mieses (Deutschland) in 50 Zügen. Riemzowitsch (Dänemark) verlor eine Partie gegen Bogoljubow (UEratne) in 40 Zügen. Colle (Belgien) gewann ein Damen» bauernspiel gegen Grünseld (Oesterreich) in 57 Zügen. Aljechin (Frankreich) gewarnt ein Damengambit gegen Marshall (Amerika) in 30 Zügen. Sämisch (Deutschland) gewann eine sizilianische Partie gegen Spielmann (Oesterreich) in 32 Zügen. Vates (England) verlor eine spanische Partie gegen Rubinstein (Polen) in 51 Zügen. Remis wurden die Partien Le Kolste (Holland) gegen Roselli (Italien) und Tarrasch (Deutschland) gegen Tartakower (Oesterreich). Abgebrochen wurde die Partie Thomas (Englatrd) gegen Ra» bllwwitsch (Rußland). Torre (Mexiko) war spielfrei. 2m Streit erschossen. Rach einer Meldung aus Halte entstand in Teuchern zwischen einem Hauswirt und seinem Mieter wegen eines Wohnungsstreites eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Hauswirt den Mieter durch zwei Schüsse tötete. Dergunglück in Aiederschlefien. Aus Waldenburg wird gemeldete 3n der 28. Abteilung des Iuliusschachtes wurden in der Mittagsschicht zwei Bergleute durch hereinbrechende Gesteinsmassen verschüttet. Die Bergarbeiter, die sofort zu Hilfe eilten, mußten, die Bergungsarbeiten aufgeben, da neue ungeheure Gesteinsmassen hereinbrachen. Es besteht keine Hoffnung, die beiden Leute zu retten. Zwei Kinder verbrannt. Rach einer Meldung aus Döbeln find gestern die beiden fünf und drei Jahre alten Söhnchen des Schlosserehepaares Grunert in ihren Betten verbrannt. Die Wohnung war voller Rauch. Wahrscheinlich hatten die beiden Kinder im Bett mit Streichhölzern gespielt. Möhlrnbrand. Die Holla,rdmühle in Waldenburg im Kreise Schlochau ist bis auf den Grund nledergebranill. Das Feuer, das in dem vorhandenen Fachwerk reiche Rahrung fand, breitete sich in kurzer Zell über das ganze Gebäude aus. 40 bis 50 Zentner Roggen wurde ein Raub der Flammen. Eine neue Duderdootwette des Kapitäns Smith. Der kanadische Leutnant Smith, der mit einem kleinen Ruderkahn von Amerika nach Rom gekommen war und in diesen Tagen von der hiesigen Sportwelt stark gefeiert wurde, ist eine neue Wette eingegangen. Der Großgrundbesitzer Martin Guglielmo setzte Smith 10000 Lire aus, wenn er mit seinem kleinen Kahn an der Küste des Tyrrhonischen Meeres entlang in einer bestimmten Zeit die Strecke Rom— Reapel zurücklegen würde. Stemroürfc auf polizeibeamte. Drei Irrsinnige, die aus dem Irrenhaus von Bergamo entsprungen waren, v e r s ch a^n z - t e n sich auf einem Hügel in ber Nähe der Stabt und bewarfen bie heranrückenbe Polizei mit Steinen. Trotz aller Bemühungen ber Polizei kennten die drei Irrsinnigen entkommen. Sie sind bis jetzt noch nicht wieder festgenommen worben. Hungersnot in China. Der „Malin" meldet aus Schanghai, daß die Provinz K w e i ch a u von einer Hunger- epidemie heimgesucht werde. Millionen von Menschen sind dem Huitgertode ausgesetzt. In mehr als sechzig D-zirten sterben die Unglücklichen vor Entkräftung auf der Straße. Tie Straßen sind mit Leichen übersät. Seit Auszehrung der Ernte des vergangenen Jahres ernähren sich die Bauern von Gras und Baumrinden. Die Blätter sämtlicher Bäume sind bereits ausgegessen. In den Dörfern lind zahlreiche Menschenfresser aufgetreten. Väter verkaufen ihre Kinder um eine Handvoll Reis. Lebensrnittel aufzutrecben ist unmöglich. Man befürchtet, dah keine Ab-- Hilfsmaßnahmen vor ber nächsten Aeis- ernte, die nicht vor fünf Monaten zu erwarten ist, getroffen werden können. siLcttcrvoraussagc. Heller dis tor-liig. Temperaturen wring orr- äirdcrt. strich,: ' leichte Regenfälle westliche Cßinbe. Die .übliche _ s westliche Luftströmung un|c- res Bezirkes bedingt noch wechselnd wolkiges Wetter mit . einzelnen Regenfällen. Das die Wetterlage bedingend^ Hnupttief hat feine stationäre Lage über ten britischen Inseln aus gegeben und bewegt sich unter Abflachung ostwärts nach Skandinavien. Aus Stadt und Land. Gießen, den 9. Mai 1925. Den Müttern! (3 um 1 0. Ma i.) Ein Tag im Jahre ist den Muttern geweiht: einmal sollen auch sie zu ihrem Rechte lammen, sollen spüren, daß sie getragen werden vom dankbaren Bewußtsein des Dolles, das in ihnen den Hort seiner Kraft, den Ouell feiner Gesundheit. die Wahrung edler Uebcrliefcrung sieht. So wäre es schön, wenn an diesem 10. Mai wiederum, wie im vorigen Jahre, überall da, wo eine Mutter ift, Blumen auf dem Tische stünden, ober das Bild an der Wand bekränzt wäre, wenn sie schon heimgegangen ist. In der Mutter verehrt jeder feine Iugeird und die schönen Erinnerungen an die Zeit, wo er restlos glücklich war, weil er noch keine Sorgen batte und das Leben mit seinen grausamen Widerhaken noch nicht kannte. Ja, damals war noch feder Tag wie ein blitzender Sttrntaler, der dem suchenden Kind in den Schoß fällt. Man dachte noch nicht daran, daß die Tage auch einmal eine Last werden konnten, wo sich die Stunden träge hind'hnen wie graue Ungetüme. Denkst du der Zeit, wo du abends vom lind- lichen Spiel heirnkamst und nach der Mutter riefst wo du sie in der Stube am Fenster sitzen fandest und sie dann deinen Kovf in ihre Hände bettete, die so warnt waren und so weich? Wo sie dir zu erzählen begann, als es dämmerte, und immer wieder die Märchen von vorn beginnen mußte, die so schön sind, daß sie einfach nicht zu Ende gehen durften? Denkst du daran? Oder hast du vergessen, wie wundersam sie zu trösten verstand, als dir später bllteres. schwerstes Ungemach widerfuhr. Immer am schwersten sind die ersten Wunden, die uns hei- gebracht werden: und so frühe müssen viele diese Wunden fpuren. Niemand wolltest du da wohl etwas davon sagen: der Freundin nicht, nicht den Geschwistern und dem Vater auch nicht, aber vor der Mutter löste sich wie von selbst die Zunge, als wenn sie dir tragen helfen wollte, wo du doch selbst tragen mußtest. Schon der Gedanke der herzlichen Teilnahme tat so wohl. Laßt uns denn am morgigen Tage wieder mal die Mütter und das Muttertum verherrlichen. Hm die Treuesten der Treuen und Liebens- wertesten aller Lieben muh es morgen froh und sonnig sein, und unsere Dankbarkeit für die Mutter mögen einige zarte Blumenkinder aus dem Mai zum Ausdruck bringen, die wir ihr in die Hand drücken. Die Vorbereitung des 32. Mittel- rheinischen Kreisturnsestes schrettet in sämtlichen Ausschüssen rüstig vorwärts. Je mehr das Fest heranrückt, desto häufiger werden für alle Ausschüsse die Sitzungen, in denen die Mitglieder mit begeisterter Hingabe an die edle deutsche Turnsache eifrig tätig sind. In den Ehrenausschuh sind die Herren Provinzialdirektor Graes, Se. Magnifizenz Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Krüger, Landgerichtspräsident Qlcucnljagcn, der Kommandeur des Inf.-Rgts. Ar. 15 Oberst Fett, Oberbürgermeister Keller und Prof. Dr. Berge r-Berlin, 1. Vorsitzender der Deutschen Tumcrschaft, ein- getreten. Dem Festausschuß gehören viele Bürger unserer Stadt an. Die große Fülle dieser ‘Hamen an dieser Stelle aufzuführen, würde für unfern Raum zu weit führen. Die (Rainen dieser Ausschußmitglieder weroen selbstverständlich in dem Festbuch zu ersehen fein. Bei der Herrichtung der Turnplätze geht alles progranrmähig vor sich Die Erdbewegungsarbeiten auf dem Trieb sind zum größten Tell bereits bewältigt, der Rest dieser Arbeit dürfte wohl auch in etlichen Tagen erledigt fein. Die Plätze haben eine ganz ausgezeichnete Verfassung gewonnen und werden zweifellos den vollen Beifall aller Turngäste finden. In ihren Größenverhältnissen können die Plätze jede Kon- turrenz mit grohstädtifchLn Einrichtungen dieser Art aufnehmen, ja man behauptet nicht zu viel, wenn man sagt, daß manche Großstadt hinter der hiesigen Tum- und Sportplatzanlage zurück- bleiben wird. Aus dem Turnplatz an der Grimberg er Straße ist mittlerweile auch das große Festpodium erstanden, das einen weiten Raum für die Ehrengäste enthüll, weiterhin Arbeitsräume für die hiesige und die auswärtige Presse mit mehreren Lelephonzellen umfaßt, ganz oben die Stände für den Turnleiter, die Vorturner und die kritisch wertenden Lurnsachverständige'r trägt. Unmittelbar vor diesem Bau ist das Musikpodium errichtet, auf dem zwei Kapellen in Stärke von etwa 100 Musikern Platz finden In der sog. Kirschenallee werden Räume für die Sanitätswache. Feuerwehr, Polizei, sonstige Ar- bettsstellen und älmfleiberäumc für Turner und Turnerinnen eingerichtet Lieber die weiteren Bauarbeiten wird demnächst noch zu berichten sein. Der Presseausschuh hat von seinen Obliegenheiten das Fe st buch bereits weit gefördert, ebenfo ist das Festabzeichen in Arbett. Der Plakat-Wettbewerb, den dieser Ausschuß zur Erlangung guter Werbeplakate unter alle hier in Dettacht kommenden Künstler Deutschlands ausgeschrieben hat, brachte 110 Entwürfe. Ein Preisgericht ist zrrr Bewertuirg der Arbeiten eingesetzt und gegenwärtig in Tätigkeit. Säm11 i che Entwürfe sind von morgen, Sonntag, nachmittag 2 älhr an in der Turnhalle am Oswaldsgarten bei freiem Eintritt auf einige Rachmittage, jeweils bis 6 älhr, zur allgemeinen Besichtigung durch unsere Mitbürger ausgestellt. Im 3ntereffe der Künstler muß natürlich gefordert werden, daß die Besucher iede Berührung der Plakate unterlassen: den Weisungen der Aufsichtspersonen ist unbedingt Folge zu leisten. Eine schwierige Aufgalx: bat der Woh- nungs - Aus^' chuß zu bcwälttgen. Er ntuh etwa 20 000 Turner und Turnerinnen unterbringen. Hierfür sind zwar viele öffentliche Gebäude in anerkennenswerter Weise bereits zur Verfügung gestelll worden, aber damit ist natürlich noch nicht alles geschasst. Cs müffen vielmehr ircch in großem Umfange Privatquar- ticrc in Anspruch genommen werden. Hoffentlich findet _öer Ausschuß, wenn er sich demnächst an die Bürgerschosi wendet, überall volle und bereitwillige Alntcrftütjung., die jedermann um n leichter gewähren kann als die Turner bei solchen Festen ja außerordentlich bescheiden und 1 mir einer einfachen Gelcgenhttt zum Langstrxken, W wird K Ao [hci^rC LE einpt gcscha't 3t. Sie nach nach 2l der iln1 wurde ( logie un ernannt 12, Mai 11* ininiste Lrrcw 12. M im ? Schulen sahnen LL Oiff1 SrM fildt. 5 nn 'Sn1 Gieß/ schaftlu rinärw Ehrend Trieb g* heran, die D- für die Arbeite vchini Eisenbei schäft in Gieß mer a vereinis aus de lenst Deh der 2 gefchr ftemn wiß z Halle bat A morgen am Os frei ® turnfest auch auf bem Fußboden mit einem Strohsack als Urtier läge, schon vollkommen jufricben finb Von den Arbeiten her anderen Ausschüsse wird in den nächsten Lagen zu berichten sein. Morgen wird der KreiSauSfchuß des Mittel- rheinkreife« zur Ueberprüfung der dreherrgen Arbeiten und zu weiteren Beschlußfassungen hver eintrefsen Er wird in Gemeinschaft mit dem geschästsführenden Ausschuß tagen. •• Flaggen und Schulausfall am 12. Mai in Hessen. Da« hessische Gesamt- Ministerium hat beschlossen, daß am Tage der Tercib-gung bc« neuen Leichsvräsidentcn, am 12 Mai, die Staats- und Kommunalbehörden im Dolksstaat Helsen flaggen. In fämtlichen Schulen fällt der Unterricht au«. Die Reichsfahnen lind aufzuziehcn LU. Don der LandeSuniversität Gießen. Der ordentliche Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an unserer Universität. Dr. Hermann August Korfs, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Untversität Leipzig angenommen. — Der ordentliche Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie, Dr. Siegfried Becher, der kürzlich einen Ruf nach Tübingen ablehnte, hat nunmehr einen Ruf noch Breslau erhalten. — Der Privatdozent an der Universität ^tpzig, Dr. Scheuermann, wurde zum ordentlichen Professor der Mineralogie und Petrographie an der Universität Gießen ernannt. Er wird feine Dorlesungen am DienStag, 12. Mai, aufnehmen * * Ehrendoktor der Universität Gießen. In Anerkennung der großen wissenschaftlichen Derdienste aus dem Gebiete de« Dele- rinärttxfcn« wurde Prof Hubeli (Bern) zum Ehrendoktor bet Universität Gießen ernannt. '• Der Dolk«halle-Dau auf dem Trieb kommt setzt immer flotter in Gang. In großer Zahl rollen die Wagen mit Material heran, daneben wird tüchtig auSgeschachtet und die Wasserzufuhr au« der städtischen Leitung für die Bau arbeiten her gestellt. Die technischen Arbeiten haben die Architekten R i c o l a u s, Schmidt urrd Hamann übernommen, die Eisenbetonarbeiten werden von der Gesellschaft für Beton» und Eisenbetonbau tn Gießen und von der hiesigen Firma H. Weimer ausgefichrt. die Marü^rarbeiten sind den vereinigten Gießener Bauunternehmern, bestehend aus den Firmen Abermann, Becker, Dirken stock u. Schneider, H. W. Rinn und W e h r u m, übertragen. Sämtlichen Firmen ist der Termin der Fertigstellung vertraglich vvr- gefchrieben worden Mit der rechtzeitigen Fertigstellung der DolkShalle zum Kreisturnfest ist gewiß zu rechnen. Bon Mitte Iuli ab dürfte die Halle der Turnfestleitung ^ur Ausschmückung für den Fest gebrauch zur Derfugung stehen. ' Sine Plakatausstellung ist von morgen, Sonntag nachmittag an in der Turnhalle am OswaldSgarten hergerichtet. Der Eintritt ist frei. Die Deranstaltung hängt mit dem Kreisturnfest in Gießen zusammen. Man beachte zur Orientierung die heutigen Mitteilungen über die Dorbercitung des 32. Mittelrheini'chen KreiS- turn feste«. * • Spielbeginn im Sommer im Stadttheater. Die Intendanz des Stadt- theaicr« hat den Spielbeginn während der Sommermonate auf 8 Uhr abends teil gefegt. ” Eine Fahrt nach der Wartburg wird von den evangelischer! Gemeinden in Gießen und Oberhessen für Sonntag. 5 Juli, geplant. Die Einladung hierzu ist im heutigen Anzeigenteil enthalten, in dem Rohere« mtigeteilt wird. '*DerBethel-Zilm. Im Derordnung«- blatt für die Svang. Landeskirche in Helsen Nr. 7 wirb tnitgeldlt: Da d.e Borführungen des Dcthelfilms großen Anllang gefunden haben und nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden fonnten. Hal sich der LanbeSverein für Innere Mission entflossen, im Herbst d. 3. wieder eine Dorführungsreise desselben durch Hellen zu veranstalten. Der Film steht für die Zeit vom I. Oktober bi« 15. November zur Verfügung ' Wichtig für S ch u l e r - E l t e r n in Preußen. Nachdem Reichstag und Reichsrat beschlossen haben, daß besonders leistungsfähige Schüler schon nach 3 Iahten Grundschule in btc Serta der mittleren ober höheren Schule übergehen können, hat nun auch Preußen Aus- sührungsbestimmungen dazu erlassen. Während Württemberg. Baden und andere Länder in klaren Dorschriften daS Gelest sinngemäß zur Anwendung bringen, sieht man dem preußischen Erlaß das Bestreben an. die wohltätigen Wirkungen de« Gesetzes nach Möglichkeit auszuheben. Dennoch bestehl auch in Preußen für die Ellern, deren Kinder besonders begabt find, eine schwache Hoffnuna, ihre Kinder nach drei 3ahrcn Grundschule zur höheren Schule zu bringen. Dazu ist folgender Weg nötig: Die Eltern welche glauben, daß ihre Kinder besonder« leistungsfähig find, wenden sich an den Grundschullehrer, der das Kind unterrichtet. Dieser gibt seine „Anregung" an den Kreisschulrat und der Äreid- schulrat an die Regierung (Provinzialschulkollegium) wellet. Die Regierung (da« Provinzialschulkollegium) entscheidet, ob der Schüler zur Aufnahme zuzulassen ist. Er muß dann geprüft werden wie Äinbet, die nach vier Iahren Grundschule übergehen. 5>ic Eltern können sich aber auch direkt an den Kreisschulrat wenden und ihm ihre Wünsche mitteilen. Die Sache geht bann, nach Anhörung des Grundschullehrers, denselben Weg. Auch für das schon begonnene Schuljahr können solche Schüler noch nachträglich geprüft werden. Da aber die Sache bis zum 31. Mai entschieden werden muh. werden die Ellern gut tun, sofort ihre Wünsche an den obenbezeichneten Stellen vorzutragen. Was für die Grundschüler gilt, gilt auch für die Schüler von Privatschulen. Ausgeschlossen sind aber die Schüler, welche wegen Krankhell auf ärztliches Attest hin sog. Familicnzirkel besucht haben. • • Marine- De rein Gießen. In der UniversllätSaula sprach am Freitagabend Kapitän Schm e hl über die Fahrt de« Kriegsschiffes .Wo If“. das er durch 15 Monate um den halben Erdball gesteuert hatte. Flotte Märicht eröffneten die Veranstaltung. Darauf schilderte der Redner, durch zahlreiche Lichtbilder unter- stützt, 'eine Erlebnisse auf und nvt bem .Wolf" Del Handelsdampfer. der .Dolf ursprünglich mai. mürbe für Kriegszwecke umgebaut Schornsteine und Takelage neränbert und zur Täuschung des Feindes ein falscher Schornstein er« richtet. In Begleit una von .Wölfchen". dem fleinen Flugzeug und einem U-Boot verließ das Schiff Bremen und dampfte hinaus in« Meer, durchbrach feindliche Postenkette.....mfd Kap der guten Hoffnung, war oft ohne Kohle und Pi cviant. bie es fich aber durch ..Wölfchens ' .Aufklärung" und mit Hilfe feiner tapferen Br» fatzung immer wieder verschaffen konnte. Ein schöner Engländer erschien zu schabe zum Der- senken: so ging ein Teil der Besatzung aus das gekaperte Schiff und bediente sich seiner zu Spionagezweaen — bis .Wolf" durch Funk- spluch hörte, daß es. von den Engländern^ ab- gefangen worden sei Nach ISmonatiget Fahrt kehrte .Wolf in die Heimat zurück, mit 750 Gefangenen aus aller Well an Bord, mit dem Erfolg 30 englische Schiffe versenkt zu haben, julelnd begrübt von der Heimat. — Diese und iene Episode aus der kühnen Fahrt war ja schon hier und da bekannt durch die Deröffent- lichungen während des Krieges, doch durch die Wärme des Dortrags aus persönlichem Erleben gewann ftc immer wieder neue Farbe und frische Wärme. Unter den Klängen der .Wacht am Rhein" verließ die frohgestimmte Menge unter reichem Beifall den Saal. Vornotizcn. TagcSkalender für Samstag. Gesangverein .Konkordia": 8 Uhr Saalbau Sauer 61. Stiftin'gssest. — Lichtspielhaus.Dahn- Hof st raß?: ..Hochstapler wider Willen". — Alto- ria-Lichtspiele: .Die Geheimnisse des Zirkus Darrte". -- Hindenburg-Ehrung. Man schreibt uns: Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen darf mll einer außerordentlich starken Beteiligung gerechnet werden Sie Ausstellung des Fackelzuges am Montagabend erfolgt von 7.30 Uhr ab in der Marburger Straße. (Siehe heurige Anzeige.) Kunst und Religion. Uns wird geschrieben: Der Gießener Theo- logenschast ist es gelungen, Professor Lütlge, den bekannten Gelehrten, für einen Bortrag in Gießen zu gewinnen. Professor Lüttge, der als Nachfolger von Wobdermin und Troeltsch von Berlin nach Heidelberg berufen ward, wird am Dienstagabend 84 Uhr im Großen Hörsaal der Universität über .Kunst und Religion" sprechen in ihrem Zusammenhang und Gegensatz, aufzeigend, wie hierin das Problem der Kultur sich ipiegelt in feiner lebendigen Tiefe und schöpferischen Bewegung, sichtbar in Mystik und Tragik, auch als Naturalismus und Impressionismus, verhüllt, gestaltet in Snm Polen und Lillomn. So brechen in der Kunst prophetische Kräfte durch, die Religion aber rede die Sprache der Snmbole, doch fic stellt zugleich die Soureränllät der Wahrheit wider alles Spiel der Phantasie Verschwitzen und feindlich fremd zwischen diesen Polen schwingt der Rbnthmus des Lebens, wie er in Kuntz und Religion spürbar wird. Professor Lüttge hai seinen bedeutsamen Vortrag in einer Reihe großer Städte vor ergriffener Zuhörerschaft ge halten. Ein sehr interetzanter Abend, der die Teilnahme weitester Streife für sich in Anspruch nehmen darf, steht bevor. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dreßen. Sonntag, ben 10. Mai. Kantate Stadt- ktrche. 3: Pfr. Decker. Zugl- Christenlehre für die Aeukonstrmierten aus Der Markusgemeinde. 9’: Pfarrast. Hertel. 11: Kinderkirch« für die Matthäus- gem. Pfarrast. Hertc. Iohan aeskirche. 8 arr astistent Schultheis. Zug^ Christenlehre für die )lcu- lonsirmierlen a. b. Iobanncsgem. 9'Missionar Walther. 11: Kinvcrllrcbc für die Lukasgemefnde Pfr. BcchtolSbeimer 6 Bibelbesprechung im Jo» danncssaal P' rast. Schultheis. Kirchberg. 10. 11: Hl. Ab dm.' d. Igd o Mainzlar. Maiirzlar l' Wa:;enborn-Garbenteich. Wa N onborn-Stein berg. 1. Garbenteich ?: Beichte anschl. GotteSdicust u. Heiliges Abendmahl d. Iugcnd. - Wieseck. im Anschluß Sitzung der Z^irchengemeindevertretung. K-lholisch« Gemeinden. Gießen. Sa-u Stag, den 9. Mai. 4 u. 7 Beichte. Sonntag, den 10. Mai. 4. Sonntag nach Ostern. 6 Beichte, 7 Messe, Kom. ::t 3üngl.. 8 Kom-. 9 Hochamt m- Predig:. 11 Meße m. Predigt, 2 Lstristen- lehre u. Andacht. 8 Derfammlung der Gemeinde im Dereinshause. Dienstag u. Freitag abends 8 Maiandach:. — Grünberg. 9‘ Meste mit Predigt Hungen. . Hochamt m. Prcd. — Lich. 7‘ Meste mit Preiigi.________________ Lo mlrt i ei d.Acczte u.Avotbeke«am 10.5.25. Dr.'l’icnerboft. R.Dt.R. Dr-LzubinSÜ. Htrschavatbeke. Zadnarzt: Dr. Slo.U üudaulage. Der Frühling ist dal 9lun qibt es wieder die beliebte« Rhabarberspeisen mit MAIZENA Verlangen Sie umgehend «nser Kochbüchlrin? Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. j Vermietungen | 47OHh WteBen. Lang-Göns, den 8. Mai 192d. Darmstadt, Melsungen, Schlitz, den 8. Mai 1925 4779D Gießen, den 9. Mai 1923. 04130 Leihgestern, den 8. Mai 1925. Heuchelheim, den 9. Mai 1925. 4823D Gießen. 4S06h Richard Habicht und Frau, i ÜW6M Persil Frau Berta Windisch geb. Schlenke Otto Schlenke Frau Lisel Seeger geb. Schlenke Ministerialrat Windisch Frau Luise Schlenke geb. Kruhm Oberforstmeister Seeger. Für btt uns onläiilidj unterer iü» bernen Hochzeit erwiesenen ?lufmerL ’omteiten, tnbbefonbere der Gefangs- abiettuno bet Gewerkschaft deutscher Lokomoilv führen OrtSgrvooe Gießen danken herzlichst Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Frau Sophie Schneidmüller geb. Jung und Angehörige. (ünjodi Ml. 3 immer qeiadjt Schriftliche tMnpeb. un«er 4797D ftn den Greß. Än^ "fc Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Familie Philipp Seipp Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. Mai, nachm. i1/, Uhr, statt 04082 Befchlatznahmcireie 5-gimmer- Wohnung Oktober behebbar, argen Mk. 6000 — Baudarkedcn ab- •,ugeben. Offerten unter 3*) anHcrio, ’iutelb. 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Deutschland ist ferner bereit, die Sicher- heitSdiskussion fortzusetzen — mehr nicht! — vorausgesetzt, daß die Sache überhaupt bei dem gegenwärtigen Verhältnis zwischen England und Frankreich weilerkommt. Deutschland steht in Reserve. Sein Standpuntt ist klar: Teilnahme an der Diskussion, aber nur, wenn es gleichberechtigt mitbe stimmen kann für eine Lösung, die den deutschen Lebensinteressen gerecht wird. Dr. Luther legt keineswegs Deutschland in der Sicherheitssrage stärker als bisher oder unzulässig fest. Auch er protesttert scharf gegen die Richtlösung der R ä u m u n g s f ra g e, die er als einen Widerspruch in sich selbst neben der Erörterung der Sicherheitsfrage empfindet. Wie gesagt, so ist für die englische Politik, der es daraus ankommt, Europa in Ruhe und Ordnung zu bekommen, heute Deutschland auch nach dem Siege des Feldmarschalls und durch ihn ein sicherer Faktor als Frankreich. 3n der Londoner Zeitschrift „Observer" wird auch übereinstimmend damit gesagt, daß die Reihe nun an Frankreich sei. Läßt aber Driand den Willen zur Zusammenarbeit mit Deutschland, auch mit England, in der bisherigen Dahn erkennen? Hat er nicht den Artikel 44 des Vertrages wieder ausgegriffen, den Chamberlain gerade als unmöglich ablehnte? Man hat nach den Rachrichten aus Paris nicht den Eindruck, als wenn Vriand die Gelegenheit suche, sich mit England zu verständigen. 3m Gegenteil! sieht es aus. als sollte die Sache in die Länge gezogen werden. 11 nö es ist ein großer Unfug, diese Verschiebung als Folge des Hindenburgsieges darzu- steilen, während sie eine Wirkung des Umschwunges in Frankreich ist, des Ersatzes von Herriot durch Driand. 3m Innern wünscht Driand gewiß die stärkere Dindung Englands an Frankreich, als Chamberlain beabsichtigt. 3m 3nnem wünscht er den Garantiepakt mit England und Belgien gegen Deutschland und mit der Spitze gegen Deutschland. Wir nehmen auch an, daß er die Auffassung vertritt, erst müsse Deutschland in den Völkerbund ein treten, und dann würde man sehen, ob die Sicherheitsfrage weiterzu- sühren sei. Das aber ist eine Auffassung und ein Zusammenhang, die das ganze Projekt zerschlagen, weil das für Deutschland unannehmbar ist. Jetzt heißt es, die Verständigung zwischen London und Paris würde im 3uni erst erfolgen. Dafür spricht wohl, daß erst einmal der Ausgang der französischen Gemeinderats- wahlen ganz endgültig fein muß. Die Wahlen waren am 3. Mai, aber fest steht das Ergebnis erst nach den Stichwahlen am 10. Mai. Diese Wahlen sind nicht viel weniger Wahlen der Selbstverwaltung, sondern über ganz Frankreich hin über 400 000 Kandidaten mußten gewählt werden — ausgesprochen politische Wahlen, deren Ergebnis auf die Zusammensetzung des Senates unmittelbar wirkt Vorläufig sieht es aus, als wenn diese Wahlen den 11. Mai des vorigen Jahres bestätigt hätten und die Hoffnung des nationalen Blockes sich nicht erfüllt haben, hierbei den Sieg des Kartells der Linken vom 11. Mac 1924 wieder auszuwetzen. Steht das erst einmal fest, so ist die Frage, wie das nun wirkt aus die Außenpolitik, das heißt auf die Entschlüsse Driands. auf den es ankommt. Der Juni hat aber noch eine andere Bedeutung. Da findet die nächste Tagung des Völkerbundsrates statt, auf die von der letzten viel Arbeitsstoff verschoben worden ist. Will Driand erst da. wo er erscheint und Chamberlain auch, mit England sich verständigen? In Genf werden dann auch große Diffevrnzpunkte noch hervortreten: In der Völkerbunds-Militär- fontrotie, der Frage der sogenannten „ständigen Kontrollelernente", die Frankreich will und England ablehnt, und der Frage, ob in der ganzen Kontrollsache Mehrheit oder Einstimmigkeit bet Beschlüsse gelten soll. 100 Iahre Börsenverein der Deutschen Buchhändler. ' Durch eine Reihe festlicher Veranstaltungen in Leipzig wird in diesem Jahre während der San« tatemesse "(8—11. Mai) das 100jährige Jubiläum des am 30. April 1825 gegründeten „Börsenvereins der deutschen Buchhändler gefeiert. Es war ebenfalls während der Kantatemesse, als im Jahre 1825 unter Führung des Potsdamer Buchhändlers G. Christian Horvath, mit Unterstützung der Buchhändler Dr. Friedrich Campe aus Nürnberg und Bernhard Friedrich Voigt aus Weimar, die noch heute maßgebende Organisation des gesamten deutschen Buchhandels ins Leben gerufen wurde. Frühere Bestrebungen ähnlicher Art hatten nicht zum Ziele geführt. Der neugegründete „Börsenverein", wie er von den Buchhändlern kurz genannt wird, übernahm zunächst die Aufgabe, der dem Buchhandel eigen- tümlichen Abrechnungsart, der sogenannten Öfter- meffe, ein eigenes Heim zu schaffen an Stelle der für die Messeabrechnung bis dahin benutzten Mietsräume, die sich damals in einem Kaffeehaus, später in einem Auditorium der Universität in Leipzig, befanden. Bald aber erweiterte der neugegründete Verein seinen Aufgabenkreis und verfolgte auch solche Ziele, die nicht rein buchhändlerischer Art, sondern für die ganze gebildete Welt von Interesse waren. Er begann den Kampf gegen den unberechtigten Nachdruck und für den Schutz des Eigentums an Werken für Wissenschaft und Kunst der damals bei den vielgestaltigen deutschen Staatsgebilden sehr im argen lag. Bald konnte der „Börsenverein" als ersten Erfolg verzeichnen, daß dank seinen Be- mühungen durch Abschluß von Literaturoerträgen zwischen den einzelnen deutschen Staaten den ge» jährlichen Nachdruckern, die eine schlimme Schädigung sowohl der Schriftsteller wie auch der Verleger darstellten, das Handwerk gelegt wurde. Die Im 2ahre 1837 geschaffenen „Verordnungen zum Schutze des literarischen Eigentums" bildeten später die Grundlage für das im Jahre 1869 vorbereitete Ist daS wirklich Driands Berechnung. so sicht eS nicht aus, als wenn die Sicherhcitsfragr sehr bald wciterkäme. in der ja Immer wieder betont werden muh: Es harrdelt sich gar nicht um einen ausgearbeiteten Plan, der so, wie voriges Jahr der Dawesplan vorläge, unb im einzelnen zu kritisieren wäre, ber etwa schon durch eine vorschnelle deutsche Politik angenommen sei. Es handelt sich lediglich um eine Diskussion, um eine Anregung, die über eine allgemeine Idee, einen sehr allgemein gefaßten Wunsch der englischen Politik noch gar nicht herausgeht. Rirgends gibt es für die Sicherheitsfrage einen aus gearbeiteten Plan. Auch die deutschen sogen. Vorschläge sind nichts mehr als Anregungen, dürfen auch schlechterdings nicht mehr fein als der Ausdruck der Bereitwilligkeit, in dieser Erörterung mitzureden, falls damit etwas für die Herstellung eines wirklich dauerhaften FrieDens in Europa geschehen kann. So ist ein großer Unterschied zwischen heut und der Lage gegenüber dem Dawes-Gutacht cn. Damals bas klar ins einzelne durchgearbeitete Programm Rord- amerikas, hinter dem England und andere Mächte standen, heute die allgemeine Anregung Englands, der dabei Amerika zustimmt, ohne England aktiv zu unterstützen, unb die Rotwendigkeit, über diese allgemeine Anregung hinaus zunächst einmal im schwierigsten Verhältnis, bas es gibt, zu einer Einigung zu gelangen. Denn trotz aller schönen Reden, wie Chamberlain neulich wieder eine gehalten hat, ist das schwierigste weltpolitische Verhältnis heute im Grund das zwischen England und Frankreich, in dem die Tendenzen, die Wünsche, die Möglichkeiten immer stärker und stärker auseinandergehen, freilich ohne daß England heute die militärische und politische Kraft hätte, die aus reichte, um sich wirklich von Frankreich zu trennen. Mr. Houghton, bisher Botschafter Rord- amerikas in Berlin, jetzt in London, hat am 4. Mai bei einer Gelegenheit, die gern zum Ausdruck englisch-amerikanischer Gemeinschaft unb brüderlicher Gefühle benutzt wird, eine Rede, die großen Eindruck gemacht hat, gehalten. Vkit sittlichem Pathos hat der neue Botschafter Amerikas Wünsche für eine baldige Befriedung Europas ausgesprochen. Amerika will nicht Ratschläge erteilen, aber es hofft auf einen Frieden von Dauer und würde dann seine Hilfsbereitschaft bis zum äußerst Möglichen ausdehnen. Das ist eine Kundgebung gerade in diesem Augenblick von großer Bedeutung und von großer Klarheit. Da ber Botschafter eben aus Amerika gekommen ist. nach engster Fühlung mit ben leitenden Staatsmännern der Union sprach, so drückte er damit den politischen Willen Rordamerikas aus. Aber Rord- amerila muß zugeben, daß, wenn es mit solchen Mahnungen das Deutsch-französische Verhältnis im Auge hat, Deutschland das seine getan hat. Zuletzt gerade eben in dem großen Programm der Steuerreform, das der Reichsfinanzminister entwickelt hat. Die deutsche Währung ist gesichert. Das Gleichgewicht im Staatshaushalt ist hergestellt. Jetzt geht DeHtschland mit Energie daran, in großem Zuge fein ganzes Steuersystem neu aufzubauen und zu ordnen. Es zeigt ben bestimmten Willen zur Festigung der Verhältnisse und friedlich-sachlicher Arbeit und Betätigung. Wenn also die Mahnung aus Rordamerika an Europa sich an einen Staat mit Recht wendet, so ist das Frankreich. Roch ist Frankreich in seiner unsicheren Inneren Lage und dem Gegeneinander, sagen wir einmal der Richtungen Herriot und Poincarv, ein Faktor der Unsicherheit, der Unruhe, der Störung in Europa. D i e Reihe ist an Frankreich! Wort -und Entschluß sind an Frankreich, wenn Europa jetzt im Sinn ber englischen Politik unb ber amerikanischen Wünsch: weiter kommen soll! Kunst und Wissenschaft. Die Einheitsftenographie wird durchgeführt. Amtlich wird zu dem Beschluß des Dildungs- ausschusscs des Reichstages, der am 3. April die Reichsregierung ersuchte, die zur Einführung ber Einheitskurzschrift getroffenen Maßnahmen so lange auszusetzen, bis ber für bie Prüfung des Systems eingesetzt: Länderausschuß das Einheitssystem überprüft hat, mitgeteilt: und im Jahre 1871 angenommene „Gesetz zum Schutze des Urheberrechts an Werken der Literatur und Kunst gegen Nachdruck". Ein weiterer Erfolg war dem „Börsenverein" beschieden in seinen Bestrebungen für die Herbeiführung der Pressefreiheit, die in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in einer geradezu.unerträglichen Weise beschränkt war. Den wiederholten Eingaben und nachdrücklichen Vorstellungen des Vereins über die häufig geradezu in grotesker Weise angewandte Zensur und Knebelung der öffentlichen Meinung war es schließlich mit zu verdanken, daß die Verhältnisse der Presse endlich im Jahre 1874 durch das „Gesetz über die Presse" geregelt wurden. Ganz besonders ließ sich der „Börsenoerein" naturgemäß auch die Regelung des „Verlagsrechts", d. h. die Kodifizierung bindender Bestimmungen über die zwischen den Schriftstellern und Verlegern abgeschlossenen Verlagsoerträge angelegen sein, und wir verdanken seiner gründlichen Vorarbeit auf diesem Gebiete auch die verschiedenen gesetzgeberischen Maßnahmen, die schließlich in der „Verlagsordnung vom Jahre 1893" und in dem „Gesetz über das .Verlagsrecht vom 19. Juli 1901" ihre gesetzliche Krönung fanden. Neben diesen Fragen, welche die Allgemeinheit berührten, ließ es sich der ..Börsenverein der Deutschen Buchhändler" begreiflicherweise besonders angelegen sein, die internen Verhältnisse des deutschen Buchhandels zu regeln, bindende Normen für den Verkehr der Buchhändler untereinander zu schaffen und namentlich den Verkehr zwischen dem Verlag und dem Sortiment zu regeln. Es war dies keine leichte Aufgabe, da die Interessen des Verlags, d. h. desjenigen Teiles des Buchhandels, der die Bücher herstellt, mit den Interessen des vertreibenden Buchhandels. dH. buchhändlerisch ausgedrückt des Sortiments, häufig kollidierten, und es gehörte in früheren Zeiten und auch noch jetzt ein nicht geringes Maß von Sachkenntnis und taktischer Geschicklichkeit dazu, um in diesem Interessenstreit die mittlere Linie zu finden. Als eine wahre Großtat des „Börsenvereins" kann auch die Gründung der „Deutschen „Dieser Beschluß steht mit ben tatsächlichen Verhältnissen im Widerspruch, weil aus der Regierungskonfevenz am 17. Oktober 1924 beschlossen wurde, daß an dem von den Reichs- rcssorts und sämtlichen Länderregierungen einstimmig angenommenen Juli-Entwurf von 1922 zur Zeit sachliche Aendcrungen nicht vorgenommen werden dürfen, und weil ferner der als Organ der Länder und des Reiches vorgesehene Ausschuß für die deutsche Kurzschrist, ber bisher überhaupt noch nicht gebildet ist, lediglich die Frage zu prüfen gehabt hatte, in- toktocit auf Grund praktischer Erfahrungen oder wissenschaftlicher Forschungsergebnisse — also erst in der Zukunft — eine Aenberung der Systemurkunde im Interesse einer organischen Fortentwicklung der deutschen Kurzschrift sich als notwendig erweist. Derzeit ist also eine Aendc- rung des Einheitssystems nicht angängig, und es könnte daher der Beschluß des Dildungs- ausschusfes, selbst wenn er im Plenum des Reichstages angenommen würde, gemäß der 'Vereinbarung vom 17. Oktober 1924 gar nicht durch- geführt werden. Es ist auch mit Sicherheit anzunehmen, daß die Länder, insbesondere Bayern, sich jeder Aenderung des Systems b>r Einheitskurzschrift im jetzigen Zeitpunkt widersehen werden: namentlich hat es bei den für die Bayerischen Antcrrichtsanstalten gctroffci?n Maßnahmen wegen Einführung der Einheitskurzschrift in ben Schulbetrieb sein Bewenden. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat diese Meinung in einem Schreiben an das Reichsministerium des Innern, die übrigen Reichsressorts und sämtliche Länder zum Ausdruck gebracht." Aus der Provinz. Landkreis Äicsicn. * Klein-Linden, 8. Mai. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Kreisst raße Klein-Lind en—Dutenhofe n vom Montag, 11. Mai, ab bis auf weiteres für jeden Verkehr gefperrt. Der Durchgangsverkehr wird über Heuchelheim geleitet. cf Lollar, 8. Mai. Aus der jüngsten G e ° meinderatssitzung ist zu berichten: Das Stammholz vom Holzschlag des vergangenen Winters wird der Firma B. Ru h n zu den von ihr eingereichten Preisen überlassen. 160 Fstm. werden für acht im Vorjahre bereits erbaute Wohnhäuser überwiesen. Der Preis für dieses Holz ist 20 Proz. niedriger als der von der Firma Ruhn gebotene. — Der Radfahrerverein Lollar ersucht um Tleberlassung der Festwiese zu seinem am 11., 12. und 13. Juli statt findenden Radfahrerfest. Dem Antrag wird stattgegeben und als Anerkennungsgebühr 10 Ml. festgesetzt. — Ein Antrag der Dasaltwerke Dau st er, ihr den Lollarer Kopf zur Dasaltausbeute zu überlassen, wird, da schwerwiegende Bedenken dagegen bestehen, vorerst vertagt. Mit der Antragstellerin soll in Verbindung getreten werden, um nähere Einzelheiten zu erfahren. — In nichtöffentlicher Sitzung wird beschlossen, den vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassenen Schuldiener zu pensionieren und die Besetzung dieser Stelle auszuschreiben. — 3n der letzten Zeit wird von verschiedenen Seiten darüber Klage geführt, daß Schi eh Übungen gewisser Personen auf Vögel zu einem unerhörten Unfug ausarten. So würden u. a. Singvögel, an einem ber letzten Tage zwei erschossene Drosseln, bei einem Raturfreunde abgegeben. Es wäre sehr zu wünschen, wenn durch energisches Eingreifen diesem ruchlosen Treiben ein baldiges Ende bereitet würde. * ® a r b e n t e i d). 9. Mai. Am morgigen Sonntag feiern Heinrich Kullbach unb Ehefrau Susanne, geb. Wallbott, das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich noch seltener Rüstigkeit und Frische. Kreis Büdingen. — t. Ridda, 8. Mai. Der Krankenpflegeverein hielt in der „Krone" feine Hauptversammlung ab. Der Verein besteht nun 29 Jahre. Rektor Gahert begrüßte als Vorsitzender die Mitglieder und gedachte in ehrenden Worten der im vorigen Jahr verstorbenen langjährigen Mitglieder des Vorstandes, Mehger- meisters Heinrich R u l l m a n n und Bürgermeisters Erk. Dank gebührt auch der Unterstützung des Vereins seitens der Stadt, der Riddaer Bank, der Krankenkassen, der Eisen- bahndirektion Frankfurt und der Erben der verstorbenen Eheleute RIoll. Rach einem Bericht über die Tätigkeit der Krankenschwester wurde die Anstellung einer zweiten Schwester besprochen. Aus der Rechnung des Uereinß ist zu entnehmen, bafj die Einnahmen 2473 Mark unb bie Ausgaben 2247,22 Mk betrugen. Somit verbleibt ein Vorrat von 225,78 Mk. In den Vorstand wurden neu gewählt Metzgermeister Rull- man n unb Pfarrer Laut. — Mit Beginn ber Frühjahrsarbett sind die Frauenabende bes Evangelischen FrauenvereinS bis zum nächsten Herbst eingestellt worden. Sie sind ein zwangloser Zusammenschluß von Frauen auS Ridba unb Kohden. Sie finden statt alle 14 Tage am Montagabend in ber Kleinkinderschule und werden abwechselnd von den beiden Psarvern geleitet. Sie bilden einen Kreis, ber nicht zusammengesetzt wird nach irgendwelchen Standes-. Verwandtschafts-, Freundes- oder sonstigen Interessen, sondern dcw jedem offen steht und in dem jeder gleichermaßen willkommen ist, wenn er sich innerlich hineingezogen fühlt. Es eint diesen Kreis lediglich das Interesse an der Kirche, bad lebendige Bewußtsein der Zugehörigkeit zur Gemeinde. An dem einzelnen Abenden wurden von den Frauen Handarbeiten angefertigt und von den Pfarrern wurden vorgelesen: Marie 3ofcn- hans: Meine alten Weiblein: Heinrich Raumann: Das ist der Sag des Herrn, Jeremias Gotthels: Der Erbvetter. An Vorträgen wurden gehalten: Das Eheleben: DaS Los der Mädchen und Frauen in Oftafifti und die Arbeit des Allgem. Evang Protest. Missionsvereins in China und Japan: Was soll eine Mutter ihre Kinder lehren? An einem Abend nahm auch die Mädchen- Vereinigung teil mit Vorträgen und Liedern über das christliche Haus, die Familie und den Segen deS Elternhauses. Zur Einleitung des Abends wurde ein Lied aus dem Gesangbuch gesungen, am Schluß eine kurze Andacht gehalten. Mr eia Schotten. +- Schotten, 8 Mai. In den im Bannkreis des Waldes liegenden Gemeinden fällt alljährlich ein nicht unbedeutender Teil unseres Geflügels den Raubvögeln zum Opfer. Ramentlich die am Dorfrand Wohnenden werden dadurch stark geschädigt. Um sich vor Schaden zu bewahren unb der- Raubvogelplage entgegenzuwirken, hat sich ber hiesige Geflügelzuchtverein entschlossen, den Iagdberechtigten unb dem Forst schütz personal ber Stadt Schußprämien für Hü hnerhabichte, Wanderfalken und Sperber zu gewähren. Für Sperberweibchen werden 2 Mark, für alle anderen Raubvögel je 1 Mark bezahlt. Starkenburg und Rhcinhcsfcn. !-! Offenbach, 8. Mai. Das hessische Ministerium hat bis zur Verabschiedung des Voranschlags durch die Stadtverordnetenversammlung und Der endgültigen Beschlußfassung über die Höhe des Gewerbesteueraufkommens, namentlich aber mit Rücksicht auf die Damit zu verbindende Beschlußfassung über den anteiligen Ausschlag dieser Summe auf das bereits mit rund 90 000 000 ermittelte gewerbliche Anlage- und Betriebskapital, Die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene vorläufige Gewerbesteuer nur als vorläufige Besteuerung des Ertrags mit 40 Prozent Der Vorauszahlungen auf Die Reichs einkommen- unD Körperschastssteuer genehmigt. Die Stadtverord- netenoerfammlung hatte als vorläufige Desteue- rung von Ertrag und Kapital Die Erhebung von 60 Prozent beschlossen. Rach der Entscheidung des Ministeriums soll das Anlage- und Betriebskapital aber erst durch den noch zu beschließenden Ausschlag belastet werden. Hefsen-Nafsau. spd. Frankfurt a. M., 8. Mai. 3m Monat April wurden in Grobfrankfurt wegen krimineller Straftaten insgesamt 1347 Personen verhaftet bzw. verhört. Es handeltet sich dabei in je einem Fall um Mord, Mordversuch, Raub und Hehlerei. Diebstähle wurden im Derichtsmonat 108, Cinbruchsdiebstähle 103, kleinere Eigentumsvergehen 216, Betrugssätte 157 gemeldet. In 117 Fällen hatte sich die Polizei mit Unterschlagungen und in 60 Fällen mit Münzverbrechen zu beschäftigen. Die Zahl den Sittlichkeitsverbrechen und -Übertretungen wuchs Bücherei" bezeichnet werden, die eine Reichs- biblrothek in Leipzig darstellt von einer Vielseitigkeit und einem Umfange, wie sie von wenigen anderen staatlichen und städtischen Bibliotheken erreicht wird. Dieses Institut hat nicht nur für den Buchhandel, sondern für die gesamte deutsche Wissen- schäft eine außerordentliche Bedeutung. Es ist ein Archiv des deutschen Schrifttums, eine öffentliche, unentgeltliche, in Leipzig zur Benutzung freistehende Bibliothek, welche die Aufgabe hat, die gesamte vom 1. Januar 1913 an erschienene deutsche und fremdsprachliche Literatur und die deutsche Literatur des Auslandes zu sammeln, aufzubewahren und nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu ordnen. Die Anzahl der Mitglieder des „Börsenoereins", gliede«. aufwies, beträgt jetzt rund 5000. Die „Sat- die bei feiner Gründung im Jahre 1825 108 Mitzungen" des Vereins enchalten im wesentlichen die Bestimmungen über die Pflichten und Rechte der Mitglieder untereinander, während in einer „Verkaufsordnung" die für den Verkehr zwischen Buchhandel und dem bücherkaufenden Publikum rechtsgültigen Normen und in der „Buchhändlerischen Verkehrsordnung" das für den deutschen Gesamtbuchhandel verbindliche buchhändlerische Gewohnheitsrecht feftgelegt ist. Der Vorstand des „Börsenoereins" setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen, die ihre Tätigfeit ehrenamtlich ausüben. Der Vorstand wird in seiner Tätigkeit unterstützt durch die „Geschäftsstelle", die durch zwei Syndici geleitet wird, und in der zur Zeit 128 Angestellte beschäftigt sind. Das offizielle Organ des „Börsenoereins" ist das täglich erschei- nende „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", ein Fachblatt, wie es in keinem anderen Lande von einer buchhändlerischen Zeitschrift ähnlicher Art übertroffen oder auch nur erreicht wird. Ferner wird jährlich vom „Börsenoerein" auch das im Jahre 1839 gegründete „Adreßbuch des Deutschen Buchhandels" herausgegeben, und seit dein Jahre 1922 das früher im Verlage Sperling erschienene „Zeit schritten-Adreßbuch". Die Herausgabe der bibliographischen Derzetchnisie, die ftüher in anderen Verlagen erschienen, ist jetzt auch vom „Börsenverein" übernomemn worden, und ein wöchentliches Perzeichnis bringt die erschienenen bzw. sich in Vorbereitung befindlichen „Neuigkeiten des deutschen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels" nach Wissenschaften geordnet und mit Registern, Versassssern, Verlegern und Stichworten versehen. Ein „Halbjahr-Verzeichnis" bringt dann eine für diesen Zeit- raum entsprechende Zusammenstellung und einen weiteren Katalog bringen die umfangreichen „Mehrjahrs-Verzeichnisse". Das seit Beginn dieses Jahres ebenfalls in den Verlag des „Börsenoereins" übergegangene „Literarische Zentralblatt für Deutschland" unterrichtet den Leser über die wichtigsten wissenschaftlichen Bücher- und Zeitschriftenaussätze und bringt auch Besprechungen ausländischer wissenschaftlicher Neuerscheinungen. Für Werbezwecke gibt der „Börsenverein" die monattich erscheinenden Blätter „Nimm und lies" für den Buchhandel, für den Musikalienhandel „Neue Noten" und für den Kunsthandel „Du — und die Kunst" heraus. So darf der „Börsenoerein der Deutschen Buchhändler" mit Stolz auf seine Leistungen in den verflossenen 100 Jahren zurückblicken. Was ihm, gegenüber ähnlich gearteten Vereinigungen, eine besondere Eigenart verleiht, ist die Zusammensetzung feines Vorstandes aus den angesehensten Vertretern des deutschen Buchhandels. Wenn man die lange Reihe der Vorstandsmitglieder, die in den vergangenen 100 Jahren ihres Amtes gewaltet haben, an sich vorüb erziehen läßt, so sind es Namen von Klang, die nicht nur den Buchhändlern, sondern jedem gebildeten Deutschen geläufig sind. Es seien nur genannt Friedrich Campe, Carl Sünder, I. C. B. Mohr, Georg Reimer, Paul Parey, Eduard Brock- haus, Julius Springer, Karl Engelhorn u. a. Im Jubiläumjahre vereinigen sich deshalb wohl nicht nur alle Angehörigen des deutschen Buchhandels, sondern auch alle jene Kreise, die mit dem Buchhandel in Beziehungen stehen, in dem Wunsch, daß dem „Börsenverein der Deutschen Buchhändler", der mehr als mancher andere Verein seine Daseinsberechtigung erwiesen hat, ein weiteres Wachsen, Blühen unb Gedeihen beschieden fein möge. auf 421 Fälle an. Wegen Wuchers muhte die Polizei 127mal einschreiten. Selbstmorde wurden 13 zur Anzeige gebracht. 3n Haft genommen wurden wegen krimineller Vergehen und Verbrechen 499 Personen. — Seit Wochen wurden, wie wir meldeten, hiesige Familien, die Angehörige in Amerika besitzen, durch einen falschen Steuerbeamten um erhebliche Summen geprellt. Der Schwindler konnte jetzt in der Person des 28jährigen Josef Würzburger aus Frankfurt ermittelt und fest genommen werden. In der Hauptsache fielen ihm auch Gastwirte zum Opfer, denen er nebenbei auch teilweise erhebliche Summen für Getränke- und Vergnügungssteuern abnahm. — Ein nicht alltägliches Versehen passierte bei der Ausräumung der letzten Messe. Ein hiesiges Fuhrgeschäft, das aber noch nicht ermittelt werden konnte, transportierte versehentlich ein ganzes Speisezimmer mit fort. Erst jetzt merkte der rechtmähige Besitzer, Laß ihm ein solches Zimmer „abhanden" kam und zeigte den Verlust bei der Polizei an. Run sucht man den Rollkutscher, der das ganze Zimmer mit fortnahm. Slenograyhen-Tagung in Laubach. Am Sonntag sand, wie schon kurz berichtet, in Laubach die Frühjahrs-Tagung des BezirksGiehenGabelsbergerSte no- graphen statt, welche eine große Anzahl Stenographen nach dort gelockt hatte. Mit der Tagung war ein Wettschreiben verbunden, das bereits zum größten Teil unter dem Zeichen der Reichsturzschrist stand. Es wurden recht schöne Erfolge erzielt. Auch die R e i ch s k u r z s ch r i f t, die immer noch angefeindet wird, hat sich glänzend bewährt, wurden doch in derselben bereits mit der Schulschrift Geschwindigkeiten bis zu 140 Silben in der Minute geschrieben und sehr preiswürdige Arbeiten geliefert. Graf Georg Friedrich zu Solrns-Laubach, die Stadt, i^r Bürgermeister, Firmen und Bürger Laubachs hatten wertvolle Ehrenpreise gestiftet, so dah einige sehr gute Arbeiten besonders ausgezeichnet werden konnten. Die nächste Herbstbezirkstagung findet in Bad-Rauheim statt. Beim Wett- schreiben konnten folgende Arbeiten ausgezeichnet werden. System: Gabelsberger. 220 Silben: Frl. Ottilie Treser (Gesellschaft Giehen) 3. Preis. 180 Silben. 1. und Ehrenpreis: Albrecht Osterheld (Verein 1861, Giehen): 2. Preis: Hrch Ioedt (Gesellschaft Giehen). 160 Silben. 1. und Ehrenpreise: Emilie Kinzenbach, Elisabeth Scharmann (Vereinigung Friedberg), 1. Preise: Karl Schneider (Verein 1861, Giehen), Karl Hennige (Verein Laubach): 2. Preis: Wilh. Jung (Verein Lang-Gons). 14 0 Silben. 1. und Ehrenpreis: Rud. Ewald (Vereinig. Friedberg): 1. Preis: Willi Gofselmeyer (Verein 1861, Giehen). 12 0 Silben. 1. und Ehrenpreise: Gertrud Reich, Elisabeth Klingelhofer (Gesellsch. Giehen): Hrch. Schäfer (Vereinig. Friedberg): 1, Preise: Dora Heh, Minna Frutig, Else Stinn, Hrch. Minke, Ludwig Ilgner, Adolf Schmitz (Gesell- Giehen): Emilie Prang, Hilde Volkmann (Damenverein Giehen): Luise Buchholz (Verein Laubach): Karl Ganb, Georg Wittmann (Vereinig. Friedberg): Hrch. Wipner (Verein Grohen-Linden): , 2 Preise: Marie Ritz, Friedrich Kopp (Gesell- schast Giehen): 3. Preise: Kläre Müller (Gesell- f schäft Giehen). 1 00 Silben. 1. und Ehrenpreise: Aenne ; Denzler, Erna Eckhardt (Damenverein Giehen): 1. Preise: Gretel Walter, Robert Kroner (Vereinigung Friedberg): 2. Preise: Wilhelm Luh, Fritz Stern (Verein Grohen-Linden): Maria Müller (Damenverein Giehen), Karl Richter (Vereinigung Friedberg). 8 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Fritz Möller, Gesellschaft Giehen, Erna Velten, Verein Grohen-Linden: 1. Preise: Lina Röhm, Edith Birnbaum, Gesellschaft Giehen, Thea Fischer, Hch. Zammert, Verein Grohen-Linden, Alice Abert, Damenverein Giehen, Frieda Kinzebach, Vereinigung Friedberg. Karl Becker, Verein Grohen- Linden: 2. Preise: Hugo Bodenroder, Bereinigung Friedberg, Ludwig Blum, Gesellschast Giehen, Lucie Heynemann, Verein Laubach, Martha Rau, Damenverein Giehen: 3. Preis: Marre Buchholz, Verein Laubach. 6 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Herbert Justus, Verein Laubach, Bertha Cisenbach, Gesellschaft Gießen, Elfriede Desch, Verein Gau» bacy, 2. Preise: August Braun, Verein Laubach, Karl Repp, Gesellschaft Giehen, Wilhelm Rach- tigall, Verein 1861 Giehen. Preis-Schö n- und Richtigschrei- b e n: 1. und Ehrenpreis: Rudolf Ewald, Vereinigung Friedberg: 1. Preise: Fidel Dalken, Dora Rickel, Gesellschaft Giehen, Wilh. Jung, Verein Lang-Göns, Luise Buchholz, Verein Laubach, Hch. Schäfer, Bereinigung Friedberg, Karl Hennige, Beiein Laubach. System Reichskurzschrift. 140 Silben. 1. und Ehrenpreis: Fidel Dalken (Gesellschaft Gießen). 120 Silben. 1. und Ehrenpreise: Willi Dock, Karl Schwender (Gesellschaft Gießen: 1. Preis: Louis Rullmann (Berein Schotten). 100 Silben. 1. und Ehrenpreis: Georg Wahl (Gesellschaft Gießen): L Preis: Johanna Hamm (Bereinigung Friedberg). 8 0 Silben. 1. und Ehrenpreise: Emilie Dellof, Kurt Moosdorf (Gesellschaft Gießen): Elisabeth Gladigow (Damenverein Gießen): Ottilie Luh (Berein Grohen-Linden): 1. Preise: Peter Jockel, Heinrich Geisler, Emmy Schüler, Ludwig Friedrich, Mathilde Hamel (Gesellschaft Gießen): Reinhardt Reeb, Wilhelm Gebhardt, Adolf Diehl (Berein Schotten): Jakob Steiger (Berein Marburg): Adolf Kling (Bereinigung Wieseck): 2. Preise: Marie Braun (Gesellschaft Gießen): Karl Spies (Berein Lang-Göns) 60 Silben. 1. und Ehrenpreise: Ferdinand Vetter (Berein Laubach), Karl Jung (Berein Lang-Gons): Hildegard Kuhl, Otto Wahl (Gesellschaft Gießen): Marie Schmidt (Bereinigung Wieseck): 1. Preise: Otto Gerhardt, Hans Honig, Marie Bolkmann (Gesellschaft Gießen): Ernst Scheider, Anna Lotz, Lina Rau, Minna Deibel (Bereinigung Wieseck): Emmi Moser. Gretel 'Hßner (Berein Schotten): Hermann Krombach (Verein 1861 Gießen): Else Peter, Peter Kuoch (Verein Marburg): Karl Stotz (Verein Laubach): Minna Eise (Damenverein Gießen): Otto Häuser, Heinrich Gümbel (Verein Grohen-Linden): 2. Preise: Konrad Ohwald. Konrad Otto (Verein Marburg): Walter Schorge, Alfred Dauer, Albert Volk (Verein Grohen-Linden): Willi Vogel (Berein 1861 Gießen): Hermann Mander (Verein Heuchelheim): Ernst Hock (Verein Lang- Gons): Wilhelm Konrad (Verein Schotten): 3. Preise: Otto Roll (Verein Laubach): Anna Pirr (Verein Grohen-Linden): Lobende Erwähnungen: Erich Dender (Verein 1861 Gießen): Anna Deuker (Verein Marburg). Preis-Schon- und - Richtigschreiben. 1. und Ehrenpreis: Fidel Balken (Gesellschaft Gießen): 1. Preis: Louis Rullmann (Verein Schotten): 2. Preise: Ferdinand Vetter (Verein Laubach): Lina Rau (Vereinigung Wieseck): Georg Wahl. Peter Jockel (Gesellschaft Gießen): 3. Preise: Jakob Steiger (Verein Marburg): Heinrich Geisler, Kurt Moosdorf (Gesellschaft Gießen): Karl Spies (Verein Lang-Gons). 42. Verbandstag des Rhein- Main-Gastrvirteverbandes. —!— Offenbach, 7. Mai. Im Rahmen der G a st w i r t e a u s st e l l u n g fand gestern der Verbandstag des Rhein-Main- Gast Wirteverbands statt, zu dem wieder die Behörden Vertreter entsandt hatten. Ge- chästsführer Jaskowsky erstattete den Jahresbericht. Heber „die Bedeutung des Gastwirte- gewerbes für die Wirtschaft und Kultur des deutschen Volkes" sprach der Präsident des Deut- chen Gastwirtsverbandes C. Koster- Berlin. Sr behandelte insbesondere das neue Schank- lättengeseh, forderte Beseitigung der Feierabend- tunde, besprach Steuerfragen und verlangte Ab- chafsung des 'Deinsteuerbuchs Inzwischen war Staatspräsident Hlrich von Darmstadt erschienen, der die Ausstellung eingehend besichtigte und beim Frühstück eine Ansprache hielt. Heber die Selterswasser-Gesellschaft „Auguste Viktoria", eine Einrichtung des Verbandes, woran die Gastwirte ganz erheblich finanziell interessiert sind, berichtete Aufsichtsrat Fröhlich, über die Haftpflichtversicherung des Deutschen Gastwirteverbandes Direktor Schmitt. Im Anschluß an ein Referat des Gastwirts Heiß-Darmstadt prach man sich gegen den Ausschank von offenen Weinen in Kolonialwarengeschästen aus. Gastwirt Schmitz- Darmstadt stellte den Antrag, ämtlichen Angestellten im Gastwirtsgewerbe in den Tarif für dieses Gewerbe einzubeziehen. Mit dem Verband zum Schutze der Tonsetzer ollen Vertrage getätigt werden, nach denen es elbst dem lleinsten Wirt ermöglicht wird, musikalische Aufführungen veranstalten zu können. Referent zu dieser Frage war Gastwirt W. Dö - ring in Darmstadt. Präsident Köster empfahl Pauschalablösungen. Heber die sog. Straußwirt- chasten entspann sich eine Aussprache (Referent Gastwirt Kühn- Bingen), wobei angeregt wurde, Don diesen die algemein geforderten sanitären, Vorschriften zu verlangen. Auch der Landtag oli dagegen mobil gemacht werden. Vom Gastwirteverein Bad-Rau heim lag ein Antrag vor, Hebertretungen der Feierabendstunde nur als Hebertretung und nicht als Vergehen zu bestrafen, wozu man sich zustimmend äußerte (Ref. Gastwirt Engel- Dad-Rauheim). Rechtsanwalt Dr. Mattern, Syndikus des Verbandes, legte dar, daß in den städt. Getränke- tcuern das Maß des Zulässigen längst überschritten fei. Die ländlichen Mitglieder sollen nach einem Antrag des Vereins Ingelheim (Ref. Gastwirt Hillesheimer -Ingelheim) einen geringeren Beitrag zum Deutschen Verband bezahlen. Der Verein Rauheim verlangte, daß einer der beiden neugeschaffenen Sitze im ge- chäftsführenden Ausschuß des Verbandes von Oberhessen zu besetzen sei, und zwar durch den Vorsitzenden des Rauheimer Gastwirtevereins. Schließlich beschloß man noch, den 43. Verbandstag in Ding en abzuhalten und beim Deutschen Gastwirtetag in Dreslau zu beantragen, dah der nächstjährige Deutsche Gastwirtetag in Mainz stattfindet. Allerlei Festlichkeiten umrahmten die Tagung. Langjährige Mitglieder und Angestellte wurden ausgezeichnet. Der Verbandsvorsitzende Schnauder -Darmstadt erhielt vom Deutschen Gastwirteverband die goldene Ehrennadel. Heute abend schloß die Tagung mit der Verteilung zahlreicher Ehrenpreise und Medaillen an hervorragende Aussteller. Hochschulnachrichten. Eckener Ehrendoktor der Grazer Technischen Hochschule. Dr. Hugo Eckener wird am 25. Mai in Graz einen Vortrag über die Heberquerung des Ozeans mit „Z. R. 3" halten. Bei dieser Gelegenheit wird er von der Grazer Technischen Hochschule in feierlicher Weise zum Ehrendoktor der technischen Wissenschaften ernannt werden. Gelehrtenehrung. Am ersten Tage der Jahresversammlung der ungarischen Akademie der Wissenschaften sind zu externen Mitgliedern gewählt worden: der preußische Kultusminister Becker, der Berliner Geschichtsgelehrte Eduard Meyer und der Münchener Unioersitätsprofessor Emil R a m a n n. Hamburger Studenten in Island. Eine wissenschaftliche Island-Expedition der Hamburger Universität unter Leitung von Fräulein Stoppel ist in Reykjavik eingetroffen. Die Expedition will die Einwirkung der Mitternachtssonne auf Menschen und Pflanzen studieren. Hm die Erhaltung der deutschen Sprache. Gegen das litauische Sprachengesetz, durch das in allen Grundschulen die litauische Sprache als die einzige Unterrichtssprache eingeführt werden soll, wenden sich die nationalen Minderheiten Litauens mit aller Schärfe. Die jüdische Fraktion des Sejm beschloß, die Minderheiten zu einer gemeinsamen Abwehraktion aufzufordern. Man rechnet mit einem gemeinsamen Vorgehen der Deutschen, Polen und Juden. Die Haltung der liberalen litauischen Parteien ist noch unentschieden. Ein Esperantotongreh. In der Zeit vom 14. bis zum 17. Mai wird in Paris eine internationale Konferenz zur Anwendung der Esperantofrage in Handel, Industrie und Wissenschaft abgehalten werden. Aus dieser Konferenz werden über 120 Handelskammern und Messen aus 31 verschiedenen Ländern sowie zahlreiche wirtschaftliche und wissenschaftliche Bereinigungen vertreten sein. U. a. werden oie Messen von Frankfurt a. M., Leipzig, Königsberg, Danzig und Berlin, die Handelskammern von Solingen, Stuttgart, Freiburg i. Br. und Villingen i. Schwarzwald sowie der Derkehrsverein Düsseldorf und der Außenhandelsoerband in Berlin Delegierte entsenden. Turnen, Sport und Spiel. Der Aufschwung der deutschen Tnrn- und Sportbewegung. Wie in dem Tätigkeitsbericht des Deutschen Reichsausschusfes für Leibesübungen 1924/25 mitgeteilt wird, sind dem Ausschuß zur Zeit 46 Verbände mit 41751 Vereinen und zusammen 5 619 532 Mitgliedern angeschlossen. Starke Zunahme des Studinms der Leibesübungen. D.ie Zahl der Studierenden der Deutschen Hochschule für Leibesübungen hat sich mit dem Beginn des Sommersemesters, des elften seit Be» tehen der Hochschule, stark vermehrt. Zu den bisher e ingeschriebenen 67 Studenten und 49 Studentinnen sind 38 Reueinschreibungen hinzu- gekommen, darunter 27 weibliche Studierende. Die Zahl der Teilnehmer am staatlichen Lehrgang, den die Hochschule in Gemeinschaft mit dem Lehrkörper der Preußischen Hochschule im Stadion zur Durchführung bringt, hat sich Der* ünffacht. Zu dem Dom Ministerialrat Dr. Ottendorf eröffneten Lehrgang sind 150 Einschreibungen erfolgt, die in vier Semestern die staatliche Prüfung ablegen werden. Die Lehrgänge der Hochschule für auswärtige Teilnehmer sind chon jetzt zum größten Teil überzeichnet. Eine Erweiterung der Anlagen und Räume der Hoch- chule wird immer dringender. In der letzten Senatssitzung wurde beschlossen, das Studium von sechs auf acht Semester zu Derlängern. An der bisherigen Form wird nichts geändert: es wird lediglich noch ein praktisches Jahr von den Studierenden verlangt, bevor sie das Diplom erhalten. Amtsgericht Gießen. * G i e ß e n, 8. Mai. EinLandwirt von Burkhardsfelden hat einen Weißbinder von da wegen Beleidigung verklagt. Letzterer harte behauptet, der Landwirt habe ihm einmal erzählt, er habe sich zur Schadloshaltung zwei Wagen Stangen aus dem Walde geholt, der Forstwart sei damit einverstanden gewesen. Der Weißbinder hatte, da er angeblich krank war, einen Schreinermeister beauftragt, dem in Betracht kommenden Forstwart hiervon Anzeige zu erstatten. Der Landwirt betritt, den Angeklagten, mit dem er in der Zwi- chenzeit streitig geworden ist, jemals derartiges gesagt zu haben. In der heutigen Verhandlung wurde festgestellt, daß die Stangen, um die es sich hier handelt, tatsächlich nicht gestohlen, sondern in dem Licher Stadtwald ornungsmäßig gekauft worden sind, und daß der Privatkläger mit dem Förster, in dessen Bezirk die Stangen gestohlen worden sein sollten, überhaupt nicht gesprochen hat. Es wurde weiter festgestellt, daß der Angeklagte von dem Sohn des Privatklqgers auf Befragen ganz genau erfahren hat, daß die Stangen im Licher Stadtwald gekauft worden waren, und daß es ihm deshalb ein Leichtes wäre, sich bei dem dortigen Förster über die Herkunft der Stangen zu unterrichten. Endlich wurde festgestellt, dah der Angeklagte erst 8—9 Monate nach der angeblichen Er- zählung»des Privatklägers über die Entwendung der Stangen die Anzeige durch den Schreinermeister in dem Augenblick hat erstatten lassen, in dem dieser von dem Privatkläger wegen einer Beleidigung zum Sühneversuch vorgeladen worden war. Das Gericht gewann eher die Ueberzeugung, daß der Privatkläger die von dem Angeklagten behauptete Aeußerung nicht getan, und daß der Angeklagte bei der Erstattung der Anzeige nicht ausschließlich in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat, sondern daß es ihm zugleich auch darum zu tun war, der Familie des Privatklägers etwas anzuhängen, ihn in seiner Ehre zu kränken und seine Rachsucht zu befriedigen. Er wurde daher zu einer Geldstrafe von 60 Mk-, Hilfsweise 10 Tagen Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt. Schöffengericht Gießen. - Giehen, 6. Mai. Dritter Ber- handlungstag gegen die Eheleute Sch. und Genossen wegen Berbrechens gegen das keimende Leben (§ 218, 219 St.G.D). 8. Fall. Eine Frau aus G. wird wegen eines vollendeten und zweier versuchten Fälle der Abtreibung unter Annahme mildernder Hm* stände zu einer Gesamtstrafe von 7 M o n a t en und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Ihr Ehemann und eine Frau, die Beihilfe geleistet haben, erhalten je 1 Monat 2 Wochen Gefängnis. , 9. Fall. Zwei Fräulein und eine Ehefrau erhalten wegen je einer vollendeten Abtreibung je 6 Mon a t e Gefängnis. Der Ehemann der letzteren wird freigefprvchen. Eine Frau wird wegen Beihilfe in den vorstehenden drei Fällen mit zusammen 5 Monaten Gefängnis bestraft: sie hat ihre Dienste gegen Entgelt geleistet. Der Liebhaber des einen verurteilten Mädchens, der dasselbe zur Tat gedrängt und es dazu angestiftet hat, wird mit Rücksicht auf seine verwerfliche Handlungsweise zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei diesem Fall wird noch über die Straftaten der Hauptangeklagten Eheleute Sch. verhandelt. Der Staatsanwalt hält bei dem Che- mann Sch. zwölf Fälle der Lohnabtreibung im Sinne des § 219 St.G.B. und 5 Fälle der Beihilfe zum Äbtreibungsversuch für erwiesen und beantragt eine Gesamtzuchthausstrafe von sieben Jahren und 10 Monaten. Die Ehefrau Sch. sei überführt einer Lohnabtreibung, einer Abtreibung ohne Entgelt und in drei Fällen der Beihilfe zum Abtreibungsversuch: gegen sie werden 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus beantragt. Das Gerücht verurteilt den Ehemann Sch. zu zusammen sieben Jahre Zuchthaus, die Ehefrau zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus: gegen beide werden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. Bel beiden Angeklagten wird je ein Jahr Hüter» suchungshaft auf die Strafen angerechnet. Es tritt nun ein Wechsel im Borsitz ein. 10, Fall. Eine Ehefrau aus K. wird wegen Abtreibungsversuchs zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt; die Strafe wird als durch die früher erlittene Hntersuchungshaft für verbüßt erklärt. Ihr der Beihilfe angeklagter Ehemann wird freigesprochen. Dagegen wird ein Verwalter wegen Beihilfe mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Die Ehefrau Sch. erhält wegen Beihilfe zum Abtreibungsversuch — sie hat den Eingriff vorgenommen — sechs Monate Zuchthaus. 11. Fall. Ein Mädchen aus E. wird wegen vollendeter Abtreibung zu sechs Monaten Gefängnis und ihr früherer Liebhaber wegen Beihilfe hierzu zu vier Monaten Gesang- n i s verurteilt. Hier wurden die Manipulationen von beiden Eheleuten Sch. als Mittäter Dor» genommen. Strafe für die Chclc.: - Th. je ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. Die Bildung einer neuen Gesamtstrafe bleibt Dorbebalten. Wegen vorgerückter Stunde mußte ein weiterer Fall mit fünf Angeklagten ausgesetzt werden. An den drei Verhandlungstagen arbeitete das Gericht, um die Arbeitslast zu bewältigen, in ununterbrochenen elf- bis dreizehnstündigen Sitzungen durch. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Küchler in den Fällen 1—9, Landgerichtsrat TrümPert in den beiden letzten Fällen. Als Anklagevertreter in allen Sachen fungierte Staatsanwalt Justizrat Weidemann. Den Angeklagten stand eine ganze Anzahl von Verteidigern aus Gießen, Alsfeld, Grünberg und Friedberg zur Seite. Als medizinischer Sachverständiger in allen Fällen war Kreisarzt Me- dizinalrat Dr. W a l g e r zugezogenT'Die Verhandlung des letzten Falles dürfte in etwa vierzehn Tagen erfolgen. PIANOHAUS AUGUST FÖRSTER Bahnhofstr.65b GIESSEN Fernruf 1367 Günstige Zahlungsbedingungen Langjährige Garantie 44c Amtsgericht Wetzlar. ü Wetzlar, 7. Mai. Die Lagerhalterin; Marie H. von Garbenheim war wegen Hebertretung von der Polizeiverwaltung Krofdorf mit einer Geldstrafe von 2 Mk. belegt woxden, weil gelegentlich einer Mab- und Gewichtsrevision ein vorschriftswidriges i/Z-Liter- Blech bei ihr Dorgefunben wurde. Sie beantragte dieserhalb gerichtliche Entscheidung und wurde einerzeit vorn Amtsgericht Wetzlar frelge» prochen, weil sie behauptete, das Maß überhaupt nicht zum Messen benutzt zu haben, Diel* mehr habe es nur zum Auffangen des vom Oelbehälter abtropfenden Oels gedient. Auf die Revision des Amtsanwalts gegen dies frei- sprechende Hrteil erkannte das Revisionsgericht auf Aufhebung des Hrteils und Zurückverweisung an die Vorinstanz. Heute erkannte das Gericht wiederum auf Freisprechung. Weil sie gegen das Gesetz betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben verstoßen hatten — sie hatten Kinder unter 12 Jahren beschäftigt — waren der Metzgermeister Karl R. und die Witwe Susanne Sch. von Wetzlar durch das Amtsgericht Wetzlar mit Geldstrafen von je20Mk. belegt worden, wogegen sie die Berufung verfolgten. Sie gaben zu, Kinder mit Botengängen beschäftigt und ihnen dafür Essen und Kleidungsstücke gegeben zu haben, bestritten aber, sich einer strafbaren Handlung bewußt gewesen zu sein. Das Gericht kam zur Freisprechung. Der Maurer Wilhelm H. von Schwalbach war wegen Widerstands und Beleidigung angeklagt, weil er einem Polizeibeamten, als dieser ihn wegen lauten Johlens auf der Straße zur Ruhe mahnte, ihn bann aber, nachdem dies erfolglos und der Angeklagte die Angabe seines Ramens verweigerte, festnehmen wollte, tätlichen Widerstand entgegensetzte. Heute behauptete et, an dem betr. Tage total betrunken gewesen zu fein und sich auf nichts mehr besinnen zu können. Das -Urteil lautete auf 30 Mark Geldstrafe und sprach dem Beleidigten das Recht zur Veröffentlichung des Urteils in der Zeitung zu. Der Former Albert K. von Bellersdorf hatte sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Gelegentlich einer Schlägere.' mit anderen Burschen in Altenkirchen ha er den Zeugen Heinrich K. aus Altenkirchen mit einem Bierglas bearbeitet und ihm mehren Wunden hierdurch beigebracht, wodurch dieser längere Zeit arbeitsunfähig war. Das Gericht erkannte, dem Antrag her Staatsanwaltschaft entsprechend, auf drei Monate Gefängnis. Wegen Jagdvergehens waren der Dreher Heinrich R. und der Maurer 3i?’ob H. von Wetzlar angeklagt. Ersterer war im März 1925 vom Jagdaufseher dabei betroffen worden, wie er im Jagdbezirk Wetzlar-Riedergirmes mit einem mit Schrot geladenen Revolver in der Hand die Hecken absuchte, während der andere Angeklagte sich in des ersteren Begleitung befand. Beide bestritten, die Absicht zum Wildern gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft beantragte bezüglich R. Verurteilung zu 70 Mark evtl. 14 Tagen Gefängnis und bezüglich H. Freisprechung. Das Gericht ging jedoch bezüglich des Angeklagten R. über diesen Antrag hinaus und er farmte auf 2 00 Mark Geldstrafe evtl. 40 Tage Gefängnis und gegen H. auf Freisprechung. Die Fuhrleute Gustav G. aus Offenbach und Heinrich R. aus Bischoffen hatten, als sie für den Holzhändler W. von Aßlar Holz- stämme aus dem Walde absuhren, einen Gichen- stamm im Werte von 50 Mark entwendet und erhielten heute wegen Diebstahls jeder an Stelle von 10 Tagen Gefängnis 5 0 OK f, Geldstrafe. ----------------- 1 Ans -em Amtsverkün-iffungsblatt. ♦ Das Amtsverkündigungsblatt Br. 37 vom 8. OKai enthält: Festsetzung der QKaimiete. — Sperrung der Kreisstrahe Klein- Linden—Dutenhofen. — Maul» und Klauenseuche in Lich. — Schafräude in Grohen-Buseck. — Viehmarkt zu Grünberg. — Kurtaxe und Babe» gelber zu Bad-Rauheim. — Polizeiverordnung — Gefunden, verloren. — Straßensperre in Gießen. — Schuh der Vogel. — Dienstnachrichten. Fe w 2 37. 2h eins fromm einer fromm kineir Abend sich ni ollen M besM Mit § eb W 1 warft v (d)* ES baten. „3t lichte । Aorgej' ,?2' Gerech Henri. Armee lind ei war." Da seufzte „3> gltirle Ugneter bir. W und Kc und Men H.« Venj Nervi □ erhätl. Drog Trotz gi Miim Se 4S16D Bierc i von den c Änmelb M bei Vorsitze "tau 'X wau « ptnu 4 U:», Der i M den iUM 15,, »fiel «’annt, . Kinde! “Wei Hotel Sohlt Si I Vl Din für 1 E Dir. Se»6on P Kiic 'Nen । Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Nomon aus der Gegenwart. Don Karl-August von Laffert. 37. jZonletzung. (Nachdruck verboten.! 13. Auf einem schönen Plage der Stabt Dijon steht eine Lronzestatue bei heiligen Bern Harb, ber mit frommoerklärten Blicken in die niedrigen Fenster einer kleinen Bar hineinschaut, in der es weniger fromm herzugehen pflegt. Hier war ber Gefängnisaufseher Duprct oon seinem alten Freunbe Henri zu einem solennen Abendessen gelaben worben. Seit Jahren hatten sie sich nicht gesehen, so bafo sie die Erneuerung ihrer alten Freunbjchaft mit vielen Aperitifs unb einigen Flaschen des feurigen Weines ber (töte b'Dr feierten, besonders da Henri zahlte. „Du bist etwas heruntergekommen, mein Alter", sagte Henri. „Wo find die schönen Zeilen geblieben, als du noch Sergeantmajor bei den Bierten Spahis warst und ich dein erster Gehilfe und ftompagnie* chreiber? Jetzt hat man dich zum Wärter der Ge- angenen gewacht, nach meiner Ansicht eine immun Hfl« Beschastigung für einen alten, ruhmreichen Soldaten." „Ja, was soll man tun?" seufzte Duprct. „Ich mußte leider den aktiven Dienst quittieren.“ „(Befiel es dir nicht mehr unter ber Fuchtel ber Vorgesetzten?" „Ach, bas war nicht so schlimm wenn es nur Gerechtigkeit gegeben hätte'“ „Die war nie sehr stark bei uns", bestätigte Henri. „Immer gab es zweierlei Moral in ber Armee, eine für bie Offiziere, benen alles erlaubt, unb eine für bie Solbaten, benen alles verboten war.“ Das ist nun mal nicht anbers in ber Welt!" seufzte Duprct. „3n Frankreich wohl, aber nicht in Rußlanb", erklärte Henri. „Zwei Jahre war ich in biesern gesegnetem Lande. Da hat unsereiner es gut, sage ich Dir. Wir sind dort bie Herren unb nicht bie Offiziere unb Kapitalisten. Wer nur ein bißchen geschickt ist unb sich umzusehen weiß, ber ist halb ein gemachter Mann. Sieh mich an! Als armer cdjludcr mit einer jammervollen Kriegspension kam ich vor zwei Jahren dorthin, unb jetzt besitze ich ein Bankkonto oon mehreren hunberttausenb Frank." „Ich mag nicht in ein fremdes Land gehen, wo man kein Französisch versteht.“ „Dann geh in die Schweiz zu deiner Braut, von ber bu mir erzählt hast. Auch dort kannst bu den Sowjets bienen." „ Wie wäre das möglich?" „Es ist möglich. Ich will dir einen Weg zeigen, auf dem du nichl nur hhi Frank, die dir zur Verheiratung noch schien, sondern das Sechsfache ver- bienen kannst. Aber eine Bebingung ist babei. „Welche?" fragte Dupret zitternd vor Erregung. „Du mußt vorher unserer Partei beitreten." „Unb wozu verpflichte ich mich damit?“ „Zunächst nur zum unverbrüchlichen Stillschweigen. Alles Ucbrigc, das man dir vorschlagen wird, brauchst bu nicht zu tun, wenn es gegen bein Gewissen gehl." „Wie kann ich in bie Partei ausgenommen werben?“ „Durch mich", sagte Henri bebeulungsooll. „Ich bin einer ber geheimen Delegierten für Frankreich.“ „Wenn cs wirklich zutrjfft, baß ich mir, ohne Unrecht zu tun, 30 000 Frank verbienen kann, bann nimm mich, bitte, an", sagte Dupret eifrig. „Gut. Auf beinen ausbrücklichen Wunsch soll es geschehen. Dann sprich mir bie Eibessormel nach.“ Er erhob sich unb zog einen Sowjetstern aus seiner Tasche. Auch Dupret ftanb auf unb legte (eine Hanb auf bas ihm vorgehaltene Wahrzeichen ber Kommunisten. Henri sprach bie Eibesformel in kurzen Absätzen, bie Dupret langsam wieberholte. „Jetzt gehörst bu zu uns, Genosse. Ich mache dich barauf aufmerksam, daß ein Verfloß gegen deinen Eid den sicheren Tod bedeutet. Unb wenn bu bich in bie äußerste Wüste begäbest ober in bie eisigen ©efilbe bes Norbpols, wenn bu dich mit den stärksten Mauern umschlössest ober von den tapfersten Soldaten verteidigen ließest — keine Macht ber Welt würbe bich schützen gegen bie un« abroenbbare Rache. Kommst bu anbererfeits in Ge- fahr, in ber bir sonst kein Mensch helfen würbe, so werden wir, deine Genossen, dich nie im Stich lassen, sondern dich früher ober später befreien." »Habt ihr solche Macht?" „Das will ich bir sofort praktisch beweisen", sagte Henri. „Einer ber Unseren sitzt hier aus ber Zi- tabelle in deinem Gewahrsam. Ihn zu befreien, bin ich ausgeschickt. Mein erster Versuch gilt bir. Gelingt er nicht, weil bu bich weigerst, bann werden meine Freunbe anbcrc Heiser finden. Du aber kannst uns nicht verraten, denn dein Eid bindet dich." „Wer ist ber Gefangene?" fragte Dupret. „Hin Deutscher namens Martens." „Das soll ein Bolschewist sein?" fragte Duprct erstaunt. „Da irrst bu bich. Es ist ein reicher In- buftrieUer, ber in seiner Fabrik verbotene Flug- zeuge für bie Deutschen baute." „Er hat biefe Flugzeuge für Rußland gebaut", sagte Henri bestimmt, „daher werden wir ihn befreien." „Aber wenn cs hcrauskommt, bin ich verloren", klagte Dupret. „Als Mitglied ber mächtigen bolschewistischen Organisation bist bu niemals verloren, map ba kommen, was will. Außerbcm sinb alle Vorbereitungen getroffen, baß eine Entbcckung unmöglich ist. Zwei Autos stehen bereit, bie uns in wenigen Stauben über bie Grenze nach Lausanne bringen. Falsche Pässe für alle sinb vorhanben. Jetzt mußt bu uns nur noch ben Weg angeben, wie wir bes Gefangenen habhaft werden " „Unb wer verbürgt mir, baß ich auch bas versprochene Geld erhalte?" „Zunächst biefe Anzahlung", sagte Henri unb zog ein Paket Banknoten aus der Tasche. „Hier sind 5000 Frank, bie bu behalten kannst, ganz gleich, ob unser Anschlag gelingt ober nicht. Den Rest er* hältst du in Lausanne ausbezahlt." Immer noch ungläubig, griff Dupret nach dem Gelbe. Es stimmte genau. Fünf schöne, neue 1000* Frank-Scheine ber Bank von Frankreich. Unent* chlossen ließ er sie wieber los. Aber Henri steckte ie ihm ohne weiteres in bie Rocktasche unb befahl ategorisch: „Jetzt mach keine Umftänbe mehr, fonbern sage, wie mir ben Martens befreien können." „Das ist nicht fo schwierig“, seufzte Dupret. „Die politischen Gefangenen werben nicht sehr streng be= mach,, weil sie ja kaum aus Frankreich entfliehen können. Wir müssen für ben Deutschen nur irgend eine Berkleibung beioraen, bann kann sch ihn ohne weiterens aus feiner Zelle mit mir herausnehmen. Der Posten am Tor ber Zitabelle wirb es nicht wagen, mich anzuhaiten, bu er mich genau kennt " „Eine passende Berlleibung haben wir bereits im Auto", jagte Henri „Können mir nicht heute abend noch bie cadje unternehmen? Man wirb Dann frühestens am morgigen Tage Deine Abwesenheit unb die Flucht von Martens bemerken." „An unb für sich ginge cs schon heute. Ich möchte aber zunächst noch in meine Wohnung, um die nötigen Zachen zu packen. Rach Frankreich kann ich ja doch fürs erste nicht wieber zurück." „Damit bu durch ungeschicktes Benehmen die Leute noch aufmerksam machst! Daraus wird nichts", sagte Henri brutal. „Deine paar plunbrigen Sachen läßt bu gefälligst hier. Die werden dir ersetzt ' „Ader ich habe noch Gelb zu Hause unb wichtige Briese", jammerte Duprct. „Laß sie schießen, lieber Freund. — Garton, en rief et dem eintretenben Kellner pt, „ich muß mit bem Nachtzug nach Lyon!" 14. Nach lleberminbung bes manbschurischen Erzgebirges gelangte ber Ekpreßzug in ba» Tal ber reifjenben Jngoba und näherte sich Tschita, der Hauptstabt bes Amurgebietes, wo ein Aufenthalt von sechs Stunben vorgesehen mar. Vor bem großen, weißen Bahnhofsgebäude fanb feierlicher Empfang burch bie Behörbcn statt, der auf ausbrücklichen Befehl aus Moskau erfolgte. Die Sowjetregierung benutzte bie Gelegenheit, um ber Weit zu zeigen wie hoch sie bie Ergebnisse der von ihr ins Werk gesetzten Polare^pebition ein- schätzte. Jeder ber Reisenben erhielt im großen, neu eingerichteten Astoriahotel, bem Bahnhof birckt gegenüber, ein Zimmer mit Baberaum zugewiesen, um,-sich vom Schmutz ber langen Fahrt zu säubern. Im prunkvollen Speisesaal lud ber Regierungskom missar zu einem feierlichen unb opulenten Frühstück ein. wobei er in schwungvoller Bebe, bie alsbald durch Funkspruch ber übrigen Welt verkündet wurde, bie Bcrbienfte aller Teilnehmer tiefer wissenschaftlichen Expedition gebührenb hervorhob. (Fortsetzung folgt.) Carmol tut wohl Lindert Schmerzen! Men verwendet Cennol (Kanneliteroeist) bei Erkiitungikrenkbeiten: Rheuma, HeaeiiichuB, Genick*, Kreuz-, ein#. Kopf-, Zahnschmerzen, Husten u. Schnupfen. Vorzügliche» Einreibemittel sur Auffrischung und Anregung der Muskeln und Ä Nerven, für Sporttreibende bei Url.rrinilrcn/ung (Wadenkrampf). 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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats: Heinrich Winn. 4771D Bielefelder Wäsche-Fabrik liefert durch Vertreter auch an Private Leib- und Bettwäsche sowie ganze Ausstattungen beste Qualität und eleganteste Ausführung auf bequeme Teilzahlung. Auf Wunsch erfolgt Vertreter- Besuch mit Muster. Strengste Diskretion Schriftliche Angebote unter 4758 A (F. T. 2252) an den Gießener Anzeiger erbeten. Gewerkschaft Hess. Cem.-Beamten Kreisgruppe Gießen. SMiHl-MlWlM Sonntag, d. 17. Mai 1925, vor- mitt. SV- Uhrim„Schipkapatz" Jur Tagesordnung stehen: Vertretertag Bad-Nauheim Rechnungsprüfung 1924 Rj. u. a. Vollzähliger Besuch wird erwartet. Der Vorsitzende: Pein, Gem.-R. 4821D UoMerHiinM Klnslerberg - EMiköre KlosterbergWeinbreDnereiÄ.-(i. Frankfurt am Main. 4767 D DKW Neues Modell 1925 2-Gang-Zahnradgetriebe, Leerlauf, Kupplung, Kickstarter, großerTank, 21,,"-Bereifung, langer Rahmen, neuer starker Motor, 2 Personen, erschwing!. Preis, Leistung verblüff. Vorbestellung empfohlen! Vertretung : F. 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Der Versicherungsbestand beträgt Ende des Iahres 1924 172 Millionen Mark; er ist inzwischen auf mehr als 200 Mill. Mk. gestiegen. Börsenkurse. Frank un a.M Berlin Sd)luf;» Rvr» Schlich Aben). IMc Schlui;, 9u 5 Schluhtz TUttaq '• tt* Tnhrttr. 7. 5. 8 5. | 7.5. 8 5 5$cnn®f NeichSantelhe 0.565 0.5825 0.575 i 0.5825 <°/o Deutsche RetchSanleche — — 0,60 0,595 B1/»0/« Deutsche RrichSanlcthr 0,58 0,58 0,595 0.185 S0/^ Deutsche NeichSanleihe Deutsche toparpramienanlei6t 0.74 0.72 — . — 0,342 0.34 0.35 0.335 4% Preußische ÄonfolS 0,64 0.645 u.635 0.62 4°'o Hessen ..... 0,75 0,75 0,75 — 3 ’/A Hessen ....... 3°/0 Hessen . . ....... 0.71 0,72 0,70 0,77 0,70 0,70 Deutsche SBettb. Dollar-Lnl. bto- Doll -Schair-AnLeilng.t - 94.75 94.7.5 94,75 92,3 92.4 92,5 92,5 4% Zolltürkeo......... 9,5 9.3.5 9,6 — 6°/e ©olbmeritanrt ... • 38,25 38 — —— Berliner HandclSgescllschaft 136 136 138.50 138 Commerz- und Privat-Bauk 102 25 102.50 102,25 102,25 Darmft- unb Naitonalbank 125,5 125,5 12.5,5 125.4 Deutsche Bank....... 124.5 124.62 125 124,5 Deutsche Bcretnsbouk .... 80 80 — — DiSconto Commandii 115.25 114,25 115 114.40 Metall bank ....... 104.5 103.75 e— — Mitteldeutsche Treditdank 99,91) 99,90 —» 100 Oefterreichische Crrditanttalt. 7,95 7,95 6 ■$ Westbank ....... 0,11 0,11 0,2 0,2 Bochumer Guß ........ w. — 71.25 70.13 BudcruS .......... Caro ........... •p n 73 70.50 70,5 Deutsch-Luxemburg ..... Q" 92,50 93,75 93 Gelsenkirchener Bergwerke. i - 'i2 72,75 Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . 125.25 15,7 124,5 15,62 125.80 15.4 124.50 15.40 Kaliwerk Westeregeln..... 19 19.62 19,25 19.5 llaurahütre ........ 67,5 67.5 68 68,25 Obrrdedari .......... 7,75 7.75 ;,6? 7,62 Phönix Lergbaa ....... Rheinstahl . ........ Rtebrck Montau........ 110 95 Ul SS 93.5 111..50 94,9 94,5 110.62 94.90 93.50 ZelüiS Bergbau. ...... 3.30 3,25 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeukfcher Llovd 67 70,5 66 69.5 67,75 70,25 67.40 69.25 Lhcramtschr Werte «lbw . . — — — —. Zementwerk Heidelberg .. . Pbilipv Holzmann ..... 76,75 74,25 74 75 73,25 Anglo-Loor.-Guano .... — 133 123 Badische Anilin ...... Chemische Maper Alavbr .. 136 0,45 136.45 0.44 136,5 135,75 GoldsLmIvi ...... 103.5 101.50 103,75 101,25 GrieS detmer (Electron .... 127,13 126,90 127.50 1'6,62 Höchster Farbwerte ...... 127,2.". 127.62 128 127,3 Holzverkohlung ........ 6.85 6.875 Nütgcrüwerk« ........ SchridernstaU ........ 13.75 123 13,5 120 13.13 13,13 Allg. Elettrizttätr-Gesellschaft 107,5 108 107.5 107,5 iSergmamt . . ....... Dcamkraftwerke........ 85,5 91,25 31,25 M 63.5 Sch ackert........... Siemens A Halske...... — — 80.25 79,25 65 66 65 65.25 Adlerwerke Kley« ...... 3,05 3.05 3,10 Daimler Motoren. ...... 5 4,95 5,1 4.00 Heyltgeastaedt. . ....... 'J-Heoirtn............ 2.6 7,25 50 7,2.5 7 b, 245 2.255 Alden- 7.89 7.91 7.89 7.91 Berlin, 8 Mai. Geld Brief Amerikanische Noten . , , , , 4,181 4.201 Belgische Noten 21,15 21,25 Dänische Noten ...... 78,95 19,34 Englische Noten........ 20.332 20,43? französische Noten ...... 21,8? 21,99 Holländische Noten ...... 168.20 169,06 Italienische Noten ...... 17,26 17,31 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen 70.72 70,59 59,01 59.31 Rumänische 4ioten...... — — Schwedische Noten ...... 111,97 112,93 Schweizer Noten....... 81,14 81,54 Spanische Noten....... 60,90 61,20 Tschechoslowakische Noten . ° 12.44 12.50 Ungarische Noten ■ .855 5.875 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".! Berlin. 8. Mai. Der Dörse_ hat sich nachgerade eine starke Rervosität bemächtigt, deren Folge ist, daß ungünstige Rachrichten umgehen und Gerüchte verbreitet werden, deren Rachprüfung schwer ist. Man spricht von Zahlungsschwierigkeiten auch am Effektenmarkt, wobei heben der Insolvenz einer kleinen Maklerfirma auch eine größere Dankfirma genannt wird. Angesichts der guten Fundierungen dieser Firma werden von gewisser Selle diese Rachrichten nicht skeptisch auf genommen. Die Lage am Getreidemarkte bleibt ungünstig und von dieser Selle kommt immer noch viel Material an den Markt. Dei dieser Gesamtlage bleiben günstige Rachrichten, tote diejenigen über die wellere Entwicklung des Shndikatsgedankens in der Eisenindustrie und Über die Verständigung mit der französischen Kaliindustrie ohne Wirkung. Die schwächere Haltung kam zunächst in den Anfangskulsen nicht überall zum Ausdruck, so am Montanmarkt, wo zunächst einzelne Rotierungen höher waren, als die gestrigen Schlußkurse. Sehr bald nahm das Verkaufsangebot zu und die Kurse kamen weiter ins Wanken. Lediglich am Danken- markt waren einzelne Erholungen zu verzeichnen. während Schiffahrtswerte weiterhin schwächer lagen. Auch der Renten- markt lag wieder schwächer Am Geldmärkte machte die Erleichterung weitere, wenn auch nur geringe Fortschritte. Tägliches Geld S17»—91/i- Prozent, Monatsgeld 91/j—ll1/» Proz. Am internationalen Devisenmarkt bat sich der französische Franken leicht erholt. Die übrigen Devisen hatten bei geringem Geschäft keine wesentliche Veränderung zu verzeichnen. Frankf'.'r'ct V&orfe. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. QU., 8. Mai. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 21,75 bis 24, Roggen, inländischer 20 bis 23,75, Sommergerste für Brau- zwecke 20 bis 25. Hafer, inländischer 17,90 bis 22,50. Mais (gelb) 20,25 bis 22,75, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 37,25 bis 38,75, Roggenmehl 31 bis 32,50, Weizenlleie 13,25 bis 13,75, Roggenkleie 14,50 bis 14,75 Mk. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin. 8. Mai. Der Produttenmarkt war schwacher auf niedrigere amerikanische Preise. Roggen vermehrt angeboten, für Weizen fehlte es an Unternehmungslust. Hafer ruhig, ebenso Futterartllel. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, inärf. 258 bis 262. do. Mai 262 bis 263, do. Iüli 259 bis 261, Roggen, mark. 224 bis 226. do. Mai 226 bis 226,50, do. Iuli 222,50 bis 224, Gerste, märt 227 bis 244, Futtergerste 200 bis 215, Hafer, märt. 214 bis 222, do. ponrm. 210 bis 216. do. Mai 200, Mais (fr. Hamburg) 200; für 100 Kilo: Weizenmehl 32,50 bis 36. Roggenmehl 30 bis 32.25, Weizenkleic 15.20 bis 15.30. Roggen- lleie 16,50. Vlltoriaerbsen 22 b.s 27. kleine Erbsen 20 bis 22. Futtererbsen 18 bis 20, Peluschken 18,50 bis 20, Ackcrbohnen 19 bis 20, Wicken 19 bis 21, Lupinen, blau 10 bis 11,50. do. gelb 11.25 bis 1350. Serradelle 14 bis 15.50. Rapskuchen 15.20 bis 15.60. Leinkuchen 22.40 bis 22,80, Trvckenschnitzel 10,40 bis 10 6?, Torfmelasse 9.50, Kartoffelstöcken 19.80 bis 20. Zucker 17,50 bis 18,50 Mk. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der ..Radio-Umschaus Sonntag, 10. Mai: 8 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt a. OIL, mit Ansprache von Pfarrer Schrenk von der Malthciusgemeinde. 4—5 Uhr: Kinderstunde. 5 bis 6 Uhr: Rach- mittagskonz^rt des Hausorchesters: Michael Iwanowitsch Glinka. 7 bis 8 Uhr: Stunde des Rhein- Marnischen Verbandes f. Volksbildung: 1. »Volkswirtschaft, Volksbildung und Alloholismus", Vortrag von Pfarrer Weidner (Frankfurt a .M.- Seckbach); 2. . Volksgesundheit und Alkoholis- mus". Vortrag von Pros. Dr. Raecke von der Psychiatrischen Univerfllätskllnik. 8.30 bis 9.30 Uhr: Die Kunst in der Erzählung. AnschließerM: Rachrichtendienst, Wettermeldung, Sportbericht. Montag, 11. Mai: 12 Uhr: Rachrichtendienst. 3 und 4 Uhr Wirlschostsmeldungem 4.20 Uhr: Rach richten- dienst. 4.30 bis 6 Uhr: Rochmittagskonzert des Hausorchesters: ..Aus alten Märchen". 6 Uhr: Wirtschas ismeldungen. 6 bis 6 30 Uhr: Die Lese- stunde (Die Rovelle): „Das unbekannte Mellter- toerf“ von H. Balzac. 6.30 bis 7 Uhr: Die Bücher- stunde. 7 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7 30 Uhr: Übertragung von Kassel: Stunde der Stadt Kassel. -- Vortrag von Wilhelm Ide: „Marksteine zur kulturellen Entwicklung Kassels". 7 30 bis 8 Uhr: Stunde des Südwestdeutsch. Radio- Klubs. Geheimrot Prof. Dr. Wachsnmth: „Don der Reibungselektrizität und verwandter Erscheinungen". 8.30 bis 9.30 Uhr: Sinfoniekonzert, Mendelssohn-Abend. 9.30 Uhr: Rachrichtendienst. Wettermeldung, Svortbericht. 10 bis 11 Uhr: Übertragung von Kassel: Alte preußische Armeemärsche. Geschäftliches. 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Unnachahmlich der Stolz, mit dem der Detektiv das ausrust. Mussolini hat die Maifeier abgeschasft und das Dest der Arbeit mit dem Geburtstag van Rom ver« Ichmolzen, dem 21. April, folglich ist an keiner Mauer Platz für eine Kalenderänderung. Und Italien arbeitete denn auch an diefern Tage mit der- jflben Arbeitsfreude, die nichts von einem behörd« Ldjen Ladenschluß und nichts von einer Sonntags« ruhe wissen will. Sie bauen an Sonntagen an den Baläften der Reichen und — singen dabei. Denn fe verdienen dabei. Verdienen, verdienen heißt heute die Losung in dem Lande des dolce far niente. Us ist für alte Italienfahrer unfaßbar. Wie erstaunte der neue Botschafter der Sowjetrepublik, als er am Weltseiertage in Rom nur eine einzige rote Fahne erblickt: die auf seinem eigenen Hause! Es wäre taktvoller ge« wesen, er hätte sie bei dem Anblick der Carabinieri, die deswegen zum Schutze der Botschaft aufgeboten werden mußten, eingezogen. Aber die hohen Herren haben eine äußerst empfindliche nationalistische Ader. Es gab eine diplomatische Aktion, als eines Tages ein faszistischer Milizsoldat, ein Provinzler, der es offenbar nicht begreifen konnte, daß zwischen einer Sowjetfahne und einer Sowjetsahne ein Unterschied ist, das rote Ding von einem Auto weg- Ujh. wie er es zu Haufe von einer verrufenen Osteria roeggeriffen haben würde. Dafür würde er gelobt worden fein, in Rom aber flog er dafür ins Gefängnis. Denn jenes Auto hielt gerade vor dem Palazzo Chigi, und fein Besitzer, der russische Botschafter, sprach gerade oben mit Mussolini, Exzellenz zu Exzellenz. Ja, Bauer . . .! Wer erinnert sich ilcht der Entrüstung der kommunistischen Welt, als in der Schweiz einer der Moskauer Herren einem Attentat erlog, derselben Welt, die Attentate aus bürgerliche Persönlichkeiten als Verdienst würdigt? Der neue bolschewistische Vertreter in der fofzistischen Hauptstadt gehört natürlich auch der oernichtenswerten Klasse der burschui an, ist Pro- fessor und erklärte mit der Gelassenheit der alt- diplomatischen Schule, die Hand Moskaus fei von den bolschewistischen Unruhen auf dem Balkan so weit entfernt wie die Sonne von der Erde. Und unter dem Lächeln der Auguren laden sich rote und schwarze Exzellen) gegenseitig zu Gast, unterschreibt Mussolini Verträge mit Rußland, fährt der Hammer- und Sichel-Mann zum König. Für die rauhe Wirklichkeit, die nüchterne Praxis ist ja Iarinacci da, der Kanzler des faszistischen Jm° ptro. Er hat wie Bismarck, der die Armut auf die Powerte zurückführte, erkannt, daß der Unfriede nur von der Unzufriedenheit der anderen herkommt, und daher beschlossen, die Quelle des Uebels ein für allemal zu verstopfen: Todesstrafe, Haussperre und tßcrbaniiung auf ferne Inseln für die 'Andersdenkenden, das heißt die Laut denkenden. Unvorsichtiger« meife verkündete er das einfache Programm zuerst uom Balkon seines Eremoneser Satrapenreiches, dann fuhr er damit nach Rom. Hier mußte er die Entdeckung machen, daß er umgekehrt besser gefahren wäre, denn Mussolini erklärte ihm ganz gemütlich, regieren könne nur einer, und er fühle sich wieder ganz gesund. Immerhin kehrte Farinacci mit einer für unsere Zeit erstaunlichen Machtfülle nach Hause zurück. Er zeigte dem Aventin die falte Schulter und versicherte, das saszistische Parlament fühle sich in seiner splendid Isolation so wohl, daß ei zwischen die Wahlreform, die kürzlict; angenommene, und die Neuwahlen eine größere Zeitspanne Segen wolle. Als im vergangenen Herbst Mussolini im Ge- fühl unbedingter Sicherheit auf dem Mailänder Domplatz seine Schwarzhemden zu einem Stelldich- ein an dem gleichen Orte zur gleichen Zeit in dieiem Jahre verpflichtete, da schüttelten viele über solche Äermessenheit den Kopf, und im Dezember war die läge so, daß die Opposition jedem, der es wissen wollte, garantierte, der Duce werde den Jahreswechsel nicht überleben. Wer heute mit unbefangenen Augen im Lande umhersieht, wird feststellen müssen: Mussolini sitzt f e st e r d e n n j e im Sattel. Gs müßte etwas ganz Unvorhergesehenes eintreten, etroa ein Matteottifall größten Ausmaßes, wenn •5 nicht zur Einhaltung seines Mailänder Ver- fpredjens käme. Gewiß, die Ruhe in Italien konnte nur auf Kosten der bedingungslosen Freiheit, durch lie Unterdrückung der Opposition er- wicht werden, cs läßt sich aber nicht leugnen, daß fe nun vorhanden ist, daß nicht mehr Dutzende von Leichen den Sonntag schänden, daß es mit Riesen- jhntten aufwärts geht, seit das Element der Stetigkeit in die innere Politik eingekehrt ist. Und die äußere und die europäische Politik? chier heißt das Element der Stetigkeit und Ernst- tajtigfeit — Hindenburg! So zu lesen in der würdevollen Huldigung des Senators Morelli ön den neuen Reichspräsidenten. In feinem Land, vielleicht nicht einmal in Deutschland selber, wurde ■iese Volkswahl mit einer so bewußt politischen Ge- rugtuung begrüßt wie in Italien. Es gibt Zeitungen, sie frisch von der Leber weg schreiben, der blanke Aielm Hindenburgs gefalle ihnen besser als die gucca, der Kürbisschädel Catllaux'. Die Zeit liegt noch nicht lange zurück, wo man ■i Italien das Schlagwort von der gemeinsamen Prenze mit Deutschland prägte. Die Sache wäre ja sehr einfach, wenn es nach dem famosen Selbstbestimmungsrecht der Volker ginge, aber für eine Sufroärmung des Vogelleims, der während des Dcltkrieges feine Schuldigkeit tat, kann ein Italien, das sich soeben wieder einen Generalstab gegeben I hat und draus und dran ist, Kriegswesen, Marine ? und Luftwaffe zu einem einzigen Ministerium der nationalen Verteidigung zusammenzufassen, nichts übrig haben. Es reichte schon unter Ni 11i die Hand über die Alpen hinüber, als aber Deutschland fort- fuhr, wie ein gebanntes Vögelchen nach der bösen Schlange am Rhein zu starren, wendete sich all- mählich das Blatt. Italien mußte um jeden Preis Rückenfreiheit gewinnen. Fand cs diese nicht sofort im Norden, jo mußte es eben nach Nordosten schauen. Unter langsamer Umgehung Oesterreichs wurden die Brücken nach Belgrad und Prag geschlagen, später nach Bern. Jetzt hing Wien in der Luft, jedenfalls hatte es sehr an Bedeutung eingebüßt. Das Interesse an einer gemeinsamen, durch den Zutritt Oesterreichs zum Reich erreichbaren Grenze ließ merklich nach. Es mußte ins Gegenteil Umschlägen, wenn Prag und Belgrad Einsprüche erhoben in Anwendung der Mussolini selber so sehr am Herzen liegenden Politik des Do ut des. So kam es, daß Rom nach dem Besuch Matajas und nach der Wahl Hindenburgs mit feinem Lächeln sagen konnte, es habe durch seine Haltung gezeigt, daß cs sich nicht in die innere Politik Deutschlands einmischen wolle, der Anschluß Oesterreichs aber würde seine vitalen Interessen verletzen. Achtung in der Welt, kann man jetzt lesen, verdient nur ein starkes Volk. In Berlin und Wien wird man sich auf einige Zeit hinaus damit trösten müssen, wenigstens in einem konsequent geblieben zu sein: in der Politik der versäumten Gelegenheiten. Vas Versailler Diktat und die Verwertung der Lustkräfte. Don Oberbürgermeister Dr. Glässing, Darmstadt. Unter der Last der drückenden Destimmungen des Vertrages von Versailles haben sich deutsche industrielle Unternehmungen, die der bürgerlichen Luftfahrt dienen, gezwungen gesehen, nach dem Auslande abzuwandern. Das Londoner Ultimatum vom 5. Mai 1921 verbietet geradezu Deutschland, nach eigenem Ermessen Flugzeuge zu bauen. Trotzdem Reichskanzler Dr. Luther in feinen Reden wiederholt versichert hat, daß im Falle eines überzeugenden Veweises einer Verfehlung gegen den Versailler Vertrag die Reichsregierung entschlossen sei, diese Verfehlung sofort zu beseitigen, ist die Kölner Zone bis heute noch nicht geräumt. Auch ist Deutschland die von ihm geforderte Aufklärung nicht zugegangen. Wenn Fabriken sich damit beschäftigen, bürgerliche Flugzeuge anzusertigen, in der Absicht, ihre Fabrikate im Auslande abzusehen, so kann gegen diese Absicht nicht das Geringste vom Standpunkt des Versailler Vertrages eingewendet werden. Hat doch das Versailler Diktat der friedlichen deutschen Luftfahrt keinerlei Fesseln angelegt. Man sollte glauben, daß schon die Teilnahme des ausländischen Kapitals genügte, um eine Kontrolle über die Produktion und ihren Absatz auszuüben. Als der Dotschafterrat am 14. April ö. 3. der deutschen Regierung mitgeteilt hatte, daß Deutschland seine Abrüstung in der Lust vollendet habe, erscheint es doch geradezu als eine selbstverständliche und internationale Forderung, den friedlichen Luftverkehr in Deutschland wieder aufzunehmen. Wenn jetzt harmlose Landungsplätze als verbotene Vorbereitungen zu einer Mobilmachung angesehen werden sollten, so kommt diese Auffassung nahezu gleich einer Lahmlegung eines bedeutenden wirtschaftlichen Fabrikationszweiges Deutschlands. Können solche Pläne Gestalt gewinnen, die Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung hemmen und, soweit möglich, vernichten sollen? Die Verwertung der Luftenergien und ihre große wirtschaftliche Bedeutung ist ein Problem, das bei den wissenschaftlichen Erfolgen deutscher Forscher eine über die nationale Bedeutung weithin hinausgehende Tragweite besitzt. Forscher, die in der Erkennung des Lustmeeres ihre Lebensaufgabe erblicken, haben im Verein mit den wissenschaftlichen Feststellungen, die u. a. auch durch das motorlose Luftfahrzeug und die Versuche der Technischen Hochschulen gegeben wurden, auf Wege hingewiesen, die zeigen, wie die Energie der Luftströmungen umgesetzl werden kann in neue Kräfte. Gesetze des Luftwiderstandes waren es, die" u. a. auch den gewaltigen Fortschritt des Rotorschiffes von Flettn er begründeten. Die Energie der Luftströmungen wird in so hohem Umfange in die vorwärtstreibende Kraft des Schiffes verwandelt, daß die Wirkungen der Segelflächen stark zurückstehen. Die in Deutschland in fortgesetzter Steigerung befindliche Radiotechnik beruht letzten Endes auf einer immer mehr vervollkommneten Verwendung des Wechselspiels der Energien und cleftro-magneti» scher Kräfte untereinander. Auch hier hat Frankreich eine ablehnende Haltung eingenommen. Rach Artikel 71 Absatz 3 der Verordnung der Rheinlandlommission ist der Gebrauch von Sende- und Empfangsanlagen für drahtlose Telegraphie ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Oberbefehlshabers der Besatzungszone verboten. Da die Genehmigung kaum zu erreichen ist, liegt in dieser Vorschrift ein Verbot. Kann Frankreich die nationale und internationale Entwicklung in der Verwertung der Luftenergien hindern? Der Rundfunk ist in Amerika, in England und in Deutschland bereits Gegenstand des Schulunterrichts und führt dazu, neue internationale Verbindungen zu schassen. Innerhalb der Ander wird der Rachrichtenverkehr durch drahtlose Telegraphie immer mehr gesichert gegen etwaige Störungen des Rundfunkbetriebes. Es sind auch internationale Besprechungen im Gange, welche die größtmöglichste Verringerung dieser Störungen im Interesse der Telegraphie und des Rundfunks bezwecken. Im Dezember 1924 fand auf Einladung der dänischen Regierung in Kopenhagen die internationale Luftverkehrskonferenz statt. Auch Deutschland, sowohl behördliche Luflvertreter, wie füh- Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den 19 Silben: a, a. di, eil, gram, heim. i. na. nau, nem, nie pho, rit, sa. schar, ce, sym, we, ze sind 7 Wörter zu bilden, die olgende Bedeutung haben: 1. See in Schweden. 2. Biblischer Personenname. 3. Zisch 4. Musikalische Form. 5. Stadt in Kroatien. 6. Bad in Hessen. 7. Göttin. Richtig gebildet, müssen die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vom einen Bibelspruch ergeben. Weinkarte. Avrlsberger, Dernkastler, Enkircher, Ingelheimer. Liebfrauenmilch, Marcobrunner, Ooer- cmmeler, Wachenheimer. Ein beliebtes und erfrischendes Getränk der gegenwärtigen Zeit erhält man, sofern man vorstehende Weine in eine bestimmte Reihenfolge bringt und die Anfangsbuchstaben bann aneinanderreiht. Arithmetische Tchcrzanfqabe. (b-a) + (c-f-d) — x b = Teil des Baumes c ----- Teil des Wagens d = weiblicher Vorname x ----- Oper von Flotow Verstcckrätscl. Wie heißt das schlimmste Tier mit ‘Hamen? So fragt’ ein König einen weisen Mann. Der Weise sprach: Don wilden heiht's Tyrann, Lind Schmeichler von den zahmen. Die hervorgehobenen Buchstaben nennen den Dichter obigen Spruchs. Vorfetzanfgabe. Aus nachstehenden Worten bilde man durch Versetzen eines Buchstabens neue Worte. Die eingesetzten Buchstaben, von links nach rechts abgelesen, nennen einen bekannteri-deutschen Landschaftsmaler. Gent, Eger, Assel, Ast, Strich, Horn, Turm, Bart, Elle, Alm, Wald, Orden, Ilse, Meise, Hose, Arm. Auflösungen. Silbenkreuz. de gen bet lin er ! le Degen, Bergen, Berlin, Linde, Lingen, Erde, Erle, Leber, Legende. Scharade. „W as dem Herzen widerstrebt, läßt der Kopf nicht ein.“ 1. Weizen. 2. Akelei. 3. Salome. 4. Damast, 5. Elisabeth. 6. Medoc. 7. Haggai. 8. Erdbeben, 9. Rixdorf, 10. Zuckersirup. 11 Esperanto, 12. Rationalpark. 13. Westminster. 14. Isolde, 15. David. 16. Euphrat. 17. Rebus, 18. SiinneS, 19. Tanne, 20. Ragusa. 21. Sichel, 22. Basalt. Silbenrätsel. warte — Saal, Wartesaal. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Also dach Bnbifopf. Ich bin durchaus dafür! Seit sich meine Frau a la Bubi frisiert, finde ich lange nicht mehr so viel Haare in der Suppe wie früher. Donnerwetter! „Haben Sie den Dieb gefaßt, her vorige Woche bei mir einbrach?", fragte Herr David den Polizeiinspektor. — ,3a," nickte biefer. „Wollen Sie ihn sehen?" - „Hm, ich hätte große Lust, ihn zu fragen, wie er es angestellt hat, hereinzukommen, ohne daß meine Frau wach wurde. Mir ist das in den 20 Jahren meiner Che noch nicht gelungen." Zwei Minuten zu früh. Scharsrichler zu dem angesichts des Richt» blockcs völlig zusammenbrechenden Delinquenten: „Mein Gott, nun verlieren Sie doch nicht im letzten Augenblick noch den Kopf!" Fleißiges Personal. „Wieviel Leute sind denn bei euch auf dem Bureau tätig?" „In der Frühstückspause zehn, sonst zwei bis drei!" Warum nicht! Herr Raffke will seiner Gattin ein Musik« zimmer einrichten lassen und hat sich einen Innenarchitekt kommen lassen, der ihm vor« schlagt: „In diese Ecke der Blüthner-Flügel und vielleicht darüber eine Büste von Beethoven . ." Unwillig entgegnet Herr Raffke: „Zu was mit verschiedenen Firmen anfangen? Nehmen wir von Blüthnern den Flügel, kann man auch die Büste von ihm nehmen!" Widerspruch. „Ein Widerspruch in sich selbst, meine Herren," sprach der würdige Herr Professor im philosophischen Kolleg, „ist ein Wort, das durch Hinzufügung eines zweiten feinen Sinn völlig verliert. Zum Beispiel: Stahlweich oder Greisenstärke. — Ich bitte um ähnliche Beispiele!" — Kräht ein frecher Fuchs: „23er- nunftheirat!" renöe Personen des Luftverkehrs, nahmen an der Konferenz teil. Die Vertreter Deutschlands und Frankreichs traten sich näher durch die objektive Behandlung der Luftprobleme. Rachdem die Leistungen deutscher Forscher und die Zeppelinfahrt unseres Dr. Eckener eine immer mehr überragende internationale Bedeutung gewonnen haben, ist zu hoffen, daß Deutschlands führende Stellung immer mehr anerkannt wird, so daß es nicht möglich ist, einen blühenden deutschen Fabrikationszweig zu vernichten. Es ist auch zu hofsen, daß demnächst Deutschlands korrektes Verhalten gegenüber dem Versailler Vertrag vor aller Welt klargestellt wird. Bei Deutschlands Lage im Herzen Europas ist für die Zukunft durch den Luftverkehr eine Steigerung seiner Verkehrsbedeutung zu erwarten. Buntes Allerlei. Archäologische Entdeckungen mit dem Flugzeug. Das Flugzeug hat sich als ein sehr wichtiges Hilfsmittel der Archäologie erwiesen. Nicht nur gestattet die Photographie aus der Höhe, die Ruinen untergegangenecr Städte in der übersichtlichsten Weise aufzunehmen, sondern der Archäologe kann auch vorn Flugzeug aus allerlei entdecken, was man uom Boden aus nicht mehr sieht. Aus größerer Höhe uennag man z. B. auf der Erdoberfläche Flecke sest- zustellen, die auf die Einebnung vorgeschichtlicher Grabhügel schließen lassen. Arn besten gelingen solche Beobachtungen bei kalkreichem Boden, und deshalb hat man auf dem besondeers kalkhaltigen Boden Englands bisher die wichtigsten Entdeckungen vom Flugzeug aus gemacht. Der Prähistoriker Erawford hat, wie Dr. Leonhard Franz in einem Aufsatz der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" berichtet, systematische Aufnahmen uom Flugzeug aus gemacht und dabei herausbekommen, daß es im Süden Englands schachbrettähnlich verteilte Erderhebungen m Gestalt von niedrigen Wällen gibt. Er konnte nachweisen, daß diese Wälle die Grenzen von alten Ackerkomplexen sind und zwei verschiedenen Zeiten angehören: die einen sind uorrömisch, rühren von den Selten her, aus der Epoche zwischen 500 v. Ehr. und Christi Geburt. Die anderen stammen von dem angelsächsischen System der Landoerteilung, das bis ins 18. Jahrhundert zur Anwendung kam. Nach dieser Scheidung kann man die einzelnen Siedlungen und Straßen vielfach noch Nachweisen. Eine andere Chrereffamc Entdeckung, die Erawford mit dem Flugzeug machte, bezieht sich auf das berühmte Denkmal von Stonehenge. Bon diesem uralten Grabmonument geht eine Straße aus, die aus derselben Zeit stammt wie der Bau selbst, und von der noch im 18. Jahrhundert ein Stück verfolgt werden konnte. Der Gelehrte entdeckte nun auf einer Fliegeraufnahme die Fortsetzung der Straße, die zu der Stelle führt, wo sich der Fluß Avon Stonehenge am meisten nähert. Die daraufhin unternommenen Grabungen legten tatsächlich die alle Straße frei. Preisgekrönte Journalisten. Bei der Verteilung der von Pulitzer gestifteten Preise für literarische und journalistische Leistungen, die jetzt In 2! euyork für das Jahr 1924 stattgesunden hat, erhielten zwei junge Reporter der „Chicago Daily Rews" jeher einen Preis von 100 Dollar wegen ihver Der- dtenste, die sie durch ihre 'Berichterstattung in dem Mordprozetz gegen die beiden Millionärssohne Leopold und Loeb zur Aufhellung deS Verbrechens sich erworben haben. Drei hervorragende Schüler der „Schule für Journalismus" erhielten jeder 1500 Dollar zu Studienreisen nach Europa. Der Preis von 2000 Dollar für das beste Werk des Jahres über amerikanische Geschichte wurde Frederic Paxson für seine „Geschichte der amerikanischen Grenze" zugesprochen. Außerdem wurden Preise von je 1000 Dollar für den besten amerikanischen Roman, „So Big" von Edna Ferber, für das beste Bühnenstück, die Komödie „They Knew What They Wanted" von Sidney Howard, für die beste amerikanische Biographie, Wolfe Howes „Barrett Wendell" und das beste Gedicht, Robinsons „Der Mann, der zweimal starb", vertellt. Zentralheizung vor 1600 Jahren. Bei dem englischen Städtchen Ehedworth wurde kürzlich unter merkwürdigen Begleiterscheinungen zufällig eine römische Siedlung aus dem 3. Jahrhundert ans Licht des Tages befördert. Ohne Zweifel hatten diese einst eine fabrikmäßige Anlage gebildet, wahrscheinlich — mehrere künstlich« Brunnen lassen darauf schließen — eine Wollfärberei. In den 16 Zimmern der Villa fand man eine sinnreich angelegte Zentralheizungsanlage, die sich nach 1600 Jahren auch heute noch in technischer Beziehung sehen lassen kann. 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