Ur. 57 Erst« Blatt 175. Jahrgang Montag, y. März 1925 Erscheint täglich, außer Soaru und Feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblütter Heimat im Bild. Monat,-vezr-gspreir: 2 (Bolbmarh a. 20 ®olb- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r t ch-Anschlüsfe: Schriftleitung 112, 73er« lagunbGejchästsstelleSl. Anschrift für Drahtnach« richten- AnteiaertzießeR. poNschrckkonto: Zraakfurl a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhesien vniü «nd Verlag: vrühl'sche UniverfilLtr'vuch- und Slcinörudcret R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlftrasje 7. Annahme von Anzeigen für die Tageonummer vio zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichKeit. Preis für | mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite SrtlichZ, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne» irlame-?Inzeigen ü 70mm Breite 35 Golbpfennig Platzvorschrift 20" , Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Or.Friebr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil: Hans Beä^ sämtlich in Gießen. Angst aus Berechnung. Dor dem Kriege pflegte man bei unS die Haltung deS Fürsten BiSmarck nach dem Krieg von 1866 und besonders nach dem Krieg von 1870/71 als ein Muster von Klugheit hinzustellen. Allerdings haben wir bis zum Ausbruch des Weltkrieges im Gegensatz zu manchem unserer Vorfahren auS den sechziger und siebziger Jahren In dem Ringen deS großen Staatsmannes gegen die gleichfalls sehr tüchtigen und erfolgreichen Generale eine der wichtigsten Garantien für den politischen und wirtschaftlichen Ausstieg Deutschlands erblicken müssen. Der Zusammenbruch, den wir im Jahre 1918 erlebt haben, wird von vielen — in Parallele zu den Ergebnissen vor vierzig biS fünfzig Jahren — tn erster Linie dem Umstande zugeschoben, daß sich in Deutschland kein Politiker fand, der den Militärs die Wage zu halten und sie in eine bestimmte polftische Richtung zu zwingen verstand. Rach dem Weltkriege haben in Frankreich die MilltarS daS Heft in der Hand gehabt. Hinter Elemenreau, Millerand, Briand, Poincare und auch hinter Herriot steht der erfolgreiche Führer der framosifchen Truppen auS der zweiten Hälfte deS Weltkrieges, Marschalt Foch, und produziert laufend die Angst, die immer wieder für polftische Gewalttaten alS Motivierung herhalten muh. AuS der Rede Chamberlains vor dem britischen Unterhaus wissen wir jetzt, dah der Bericht über die Verfehlungen Deutschlands In der Gntwaffnungssrage 162 Seiten umsaht und eine Fülle von Daga- teilen enthält, die zu veröffentlichen die En- tentestaatSmänner offenkundig nicht recht wagen. Dem deutschen Volk geht es auhenpolitisch ähnlich, wie den ungebildeten Massen im dunklen Mittelalter: Cs kennt von dem Wesen der Dinge nichts und hat sich lediglich an gewisse Aeuße- rungen unbekannter Kräfte gewöhnt. Seit Einstellung der Feindseligkeiten hören wir immer nur den Donner, sehen auch wohl einmal den D l i h — werden jedoch von den elektrischen Spannungen, die beides zur Folge haben, nichts gewahr Auch jetzt haben wir wieder den einschlagenden Blitz der verweigerten Räumung des Kölner Abschnittes erlebt, wissen aber bis zum heutigen Tage noch nicht, aus welchem Gewölk und durch welche elektrischen Spannungen der Blitz entstanden ist. Chamberlain hat den von Marschall Foch instruierten französischen Politikern soweit Entgegenkommen gezeigt, dah er die Schwere gewisser gegen Deutschland erhobener Forderungen anerkannt hat. Er hat sich auf den Standpunkt gestellt, dah die Räumung irgendeines Abschnittes der besetzten Zone vor Ablauf der fünfzehn Jahre (also vor dem Jahre 1935) eine Vergünsti- nung sei, deren Deutschland nur teilhaftig werden könne, wenn es alle Verpflichtungen des Deriailler Vertrages gewissenhaft erfüllt habe. Don einer Berechtigung einer französischen Angst hat Chamberlain in seiner Untcrßaudrebe kein Wort gesagt. Er hat aufs neue die schon seit Monaten von der britischen Regierung vertretene Auftassung zum Ausdruck gebracht, dah der /Kölner Abschnitt geräumt werden würde, sobald Deutschland die gerügten Mängel in der Entwaffnung beseitigt habe. In Frankreich hat man sich zunächst einmal bestrebt, die Dinge In die üängc zu ziehen. Man kann es faft als einen Rekord im diplomatischen Intrigenspiel bezeichnen., dah es den Franzosen gelungen ist, die Veröffentlichung des Kontrollberichtes oder einer auf ihm beruhenden interalliierten Rote um volle drei Monate hinauszuziehen. Wahrscheinlich wird auch noch ein weiterer Monat vergehen, ehe wir Authentisches über die uns zur Last gelegten Verfehlungen erfahren. Herriot hat unzweifelhaft von dem Meister in der uferlosen Ausdehnung diplomatischer Rotenwechlel. von Herrn Raymond Poincarö — viel gelernt. Es wird den Politikern an der Seine zweifellos gelingen, die Erörterungen mit Deutschland über die Art und den Grad der Verfehlungen monatelang hinzuspinnen. Dana wird man wieder einmal einen Monate nnausliege-.den Termin bestimmen, dis zu welchem die Verfehlungen wieder gutge macht sein müssen, und zu gutcrieht wird man es in London auch noch plausibel finden, wenn die französlsche.t Freunde auf einer erneuten Festlegung des Tatbestandes Wert legen. B's dahi.'. ist jedenfalls reich! h 3r't r rdandsn das Gespenst eines deutschen Ne-erfalle-. in grelle i ~ i <>cn cirls zumalen imb schliehlich Herrn Baldwin ''her seinen Ra.t etger zu der Ansicht zu bekehren dah nur > u r ch eine unbegrenzte W e i t e r f ü h r n g der Befehung Frank reichs Sicherheit unddamit der Weltfriede verbürgt seien. Es ist ein erschütternder Beweis bafür. wie durch fortgesetztes hnsteri'ches Geschrei selbst die gesündesten Verven erichüticrt und auch die klarsten Köpfe umnebelt werden können, wenn die Be Hauptungen der franzö-üchen Militärs von Deutschlands Revanchestimmung immer noch Glauben Haben. Es ist eigentlich eine Ungc heuerlichkeit. dah Deutschland in seinem heutigen Stand der Wehrlosigkeit sich immer noch um den 'Beweis bemühen muh. dash es wirklich vollständig ungefährlich fei. Mae mürbe die Intelligenz d Marschalls Foch und seiner Mir- arbeite! unterschätzen, wenn man ihnen zutraute, dah ihre A-gst ehrlich empfunden sei. Es ist ein nich s w ü r d r g es Th-eat er . das von *>e.n franzrstichen Harlekinen auf der polirischen Weltbuhne gespielt wird. Alle Schauder des Krieges werden als Kronzeugen dafür aufgeboten, Das Ergebnis der Pariser Besprechung. Polen und der Sicherheitspakt. — Der Völkerbund. Parts. 9. März. (211) Die Besprechungen zwischen Chamberlain und Herriot haben eine klare Gegenüberstellung der französischen und der englischen Auffassung in der Sicherheitsfrage ergeben. Es hat sich herausgestellt, dah Chamberlain tatsächlich über keinerlei weitgehende Vollmachten verfügte und sich in der Hauptsache in den Gesprächen mit Herriot darauf beschränkt hat. die von Lord Balfour beeinflußte, angeblich seiner persönlichen Auffassung widersprechende Schlußfolgerung des britischen Kabinetts zugunsten eines englisch-französisch- belgisch-deutschen Sicherheitspaktes unter späterer Teilnahme Italiens, aber unter Ausschluß Polens zu entwickeln. Demgegenüber hat der französische Ministerpräsident nac^>rücklich die Rotwendigkeit wirksamer Garantien für die territoriale Unverletzbarkeit Pol e n S betont, mit der in den Blättern abgedruckten Erklärung, daß es Polen Überlassen bleibe, im Einklang mit dieser Sicherheit gewisse Zugeständnisse zu machen, offenbar aber einen ersten Rückzug angetreten. Herriot hat nach dem „QHatin“ sogar hinzugefügt. daß Polen freundschaftliche Ratschlage erteilt werden sollten. Trotz dieses offenkundigen Entgegenkommens der französischen Regierung besteht noch kein Grund auf baldige Angleichung deS französischen und englischen Standpunktes zu hoffen, da viel von der Haltung Polens und den deutsch- polnischen Sonderverhandlungen abhängen dürfte. Die Frage, über die nach übereinstimmenden Informationen der französischen und englischen Presse eine greifbare Verständigung zwischen beiden Ministern erzielt wurde, ist die vorbehaltlose und bedingungslose Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, von der Frankreich die weitere Prüfung der deutschen Sicherungsvorschläge abhängig macht- Die französische Regjprung habe gegen den Fünf- Mächte-Patt keinerlei Bedenken mehr, sobald Deutschland Mitglied des Völkerbundes sei. Allgemein wird angenommen, daß über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund wahrscheinlich fünf bis sechs Monate verstreichen werden. In der Zwischenzeit behalle sich die französische Regierung die Erfüllung weiterer Voraussetzungen für ihre Zustimmung zu dem geplanten Sicherheitspakt vor, und zwar. 1. Abmachungen zwischen den General st üben Englands, Frankreichs und Belgiens: 2. Erneuerung und Fortbestehen der Bündnisverträge mit den Staaten der kleinen Entente. Die Besprechungen mit Chamberlain werden wahrscheinlich am kommenden Sonntag wieder ausgenommen, da der britische Außenminister die Absicht hat, Genf unverzüglich nach der Behandlung der wichtigsten England interessierenden Fragen zu verlassen. Gleichzeitig trifft am Montag nachmittag der belgische Außenminister in Paris ein. Die Blätter geben sich der Hoffnung hin, daß Belgien sich der französischen Stellungnahme anschließt. Man betont aber, daß Belgien sich infolge feiner geographischen Lage der englischen Polftik ebenso wie der französischen an- passen müsse. Im übrigen verbiete die gegenwärtige innerpolitische Lage ihm vorläufig, außenpolitische Verhandlungen einzugehen. Der „TempS" sagt: Der Rücktritt T h e u n i s' schafft eine neue Situation. Unter den Fragen, die Hymans zur Sprache bringen wird, ist auch die der neuen in Frankreich eingeführten Frem - den st euer, gegen die Belgien auf diplomatischem Wege bereits in den letzten Tagen Protest erhoben hat. daß Frankreich von Deutschland etwas zu fürchten habe. Es wird unter allen Umständen noch sehr lange dauern, bis wir der Welt zeigen können, daß hinter der Maske her bleichen Furcht und der Sorge vor einem deutschen Uebersall das grinsende Gesicht des französischen Imperialismus steckt Dr. Jarres Präsidentschafskandidat derRechten Vor einer Cinignng mit dem Zentrum? Berlin, 9. März. (Prid.-Tel.) Die Der- Handlungen des von dem Präsidenten des Reichsbürgerrats, dem ehemaligen Staats ninister von L o e b e l l, geleiteten Arbeitsausschusses für dl« Dorbcreitung der Wahl des Reichspräsidenten, der sich aus Mitgliedern der Deutsch» nationalen, der Deutschen Dolkspar» tei, der Bayerischen Dolkspartei, der Wirtschaft lichen Vereinigung und der in Betracht kommenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen zu» sammensetzl, sind zu einer gewissen Entscheidung gelangt. Den Instanzen der Parteien und Orga° n'salionen ist ein e i n st i m m ' g e r Vorschlag unterbreitet worden. Einige weniger wichtige Or» ganisat'vnen stehen bisher noch abseits, sollen aber für den gemeinsamen Kandidaten gewonnen werden. Ebenso soll über den Vorschlag auch noch mit den Parteien und Organisationen, die dem Gedanken eines gemeinsamen Kandidaten der bürgerlichen Parteien für die Reichspräsi» dentenwabl bisher noch ablehnend gegenüberstanden, verhandelt werden. Die Entscheidung dieser Parteien und Organisationen wird bis Mitte nach st er Woche vorliegen. Nachdem der Parteivorstand der Deutschen Dollspartei sich einstimmig für die Wahl des ehemaligen Reichsministers des Innern, Dr. Jarres, entschieden hat, ist, wie die „Tägliche Rundschau" meldet, Dr. Jarres auch von den «oberen Parteien als der gemein» sameKandidat für d i e Reichs Präsidentschaft or;genommen worden. Der „Montag" will dagegen wissen, daß diese Me'dung insofern verfrüht ist, als die offizielle Proklamierung des Kandidaten der rechtsstehenden Gruppen nicht vor Mittwoch erfolgen dürfte. Daö Blatt hält es für möglich, Laß es noch zu Verhandlungen mit dem Zentrum kommt, die vielleicht zu einer gemeinsamen Kandidatur aller bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Demokraten führen könnte. Bei der gestrigen Besprechung de.- Vorstände der Reichstags- und Landtags» fraftion des Zentrums hat cs sich lediglich um eine Vorberatung über die Kandidatenfrage gehandelt. Die Entscheidung 6le*6t dem Partei aussch uß des Zentrums vor« behallen, der erst am Mittwoch zusammen» treten wird. Das Blatt glaubt, daß auf Grund der gestrigen ZentrumSbesprechungrn vielleicht ein D e l e g *e rter des Zentrums an den nächster Sitzungen des Arbeitsau s- schusfes der rechtsstehenden Parteien teilnehmen werde. Die Gerüchte, nach denen der frühere preußische Ministerpräsident Stegerwald als gemein'amer Kandidat oller bürgerlichen Parteien mit Ausnahme oer Demokraten in Frage kommen könnte, hält bas Blatt für wenig glaubwürdig« Braun sozialdemokratischer Präsidentschaftskandidat. Berlin, 7. März. (WB.) Rach gutachtlicher Anhörung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion hat der sozialdemokratische Parteivorstand einstimmig beschlossen, eine eigene Kandidatur zur Reichspräsidentschaft aufzustellen und den früheren preußischen Ministerpräftdenten Otto Braun zu bitten, diese Kandidatur anzunehmcn. Der Parteiausschuß und die Reichstagssrattion haben sich diesem Beschluß des Parteivorstandes einstimmig angeschlossen. Otto Braun erklärte sich daraufhin zur Annahme bereit. Die Stellvertretung des Reichspräsidenten. Berlin. 8. März. (Wollf.) Der von den Reichstagsfraktionen eingebrachte Jniriattvantrag über die Stellvertretung des Reichspräsidenten hat folgenden Wortlaute 8 1. Zum Stellvertreter des am 28. Februar 1925 verstorbenen Reichspräsidenten wird der Präsident des Reichsgerichts Simons bis zum Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten bestimmt. § 2. Die Vorschriften der Reichsverfassung über den Reichspräsidenten finden für bi' Dauer der Stellvertretung auf den Stellvertreter ihre Anwendung. Der Stellvertreter bezieht für die Dauer der Stellvertretung des Reichspräsik-enten das diesem zustehende Diensteinkommen einschließlich der Aufwandsgelder. § 3. Dieses Gesetz tritt mit dem auf die Verkündung folgenden Tage in Kraft Der neue amerikanische Botschafter in Berlin. Berlin, 8. März (TU.) Charles Desweh Hilles ist zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin ernannt worden. Hilles ist ein hervorragender Versicherungsmaan und Direktor von vielen Dersicherungsge'ellschaften und industriellen Konzernen. Früher war er Vorsitzender des republikanischen Rationalausschulses. Zwei Jahre war er Unterstaatssekretär im Schatzamt der Vereinigten Staaten und 1911 12 Privatsekretär von Präsident Taft Er gab diesen Posten auf, um als Vorsitzender des republikanischen Rationalausschusses >i- Leitung der Wahlkampagne für eine Wiederwahl Tafts zu übernehmen. Seine Heimat ist Reuyork, er ift 57 Jahre alt und verheiratet. Verurteilung des Separatiften- führers Helfrich. Zweibrücken. 7. März. (Wolff ) Am zweiten Derhandlungstag gegen den ehemaligen Bürgermeister von Münchweiler. Martin Helfrich. dem 5ur Last gelegt wird, am 20. Januar den Schmied W a d l e im Verlause eines Wortwechsels erschossen, sowie einen anberen Münchweiler Bürger schwer verletzt zu haben, wurde gegen den Täter vom Staatsanwalt eine Gesamtstrafe von 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust beantragt. Das Gericht erkannte auf sechs Jahre Zuchthaus und sechs Jahre Ehrverlust Der Eisenbahnerstreik. Die Etrciklage in Berlin. Berlin, 9. März. (TU.) Der Auftorde- rung der Gewerkschaften, die Streikbasis nicht zu Dcrbtcitern, haben die Arbeiter, die auf den Güterböden und Umladehallen fotoie auf den Rangierstationen beschäftigt sind, nicht Folge geleistet und haben ihre Dienststellen verlassen. Am Sonntag vormittag waren folgende 'Bahnhöfe in Berlin bestreikt: Stettiner und Anhalter GÜ- terbahnhof. Pankow, wo rund 75 Proz. der Arbeiterschaft streiken. RummelSburg, Schlesischer Bahnhof. Westend-Hamburg. Werder Gülerbahn- hof. Potsdamer Güterbahnhof und der Umlade- bahnhof Reukölln. Der Ausfall der 0>üierhoben* arbeitet wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach in Berlin in den nächsten Tagen noch nicht allzu sehr bemerkbar machen. Allerdings da-' nicht übersehen werden, daß z. D. auf dem Potsdamer Güterbahnhof die von der Verwaltung zur Ausführung der Arbeiten herangezogenen Unter beamten sich geweigert haben, diesen Dienst zu tun. Wahrscheinlich wird es deswegen noch zu Auseinandersetzungen kommen. Dagegen ist die Reichsbahn in einer augenblicklich nicht ungünstigen Lage, da die Monate März und April zu den sogenannten verkehrsarmen Monaten gehören. Weiter ist der Reparaturstand bei sehr vielen Reichsbahndirektionen ein relativ sehr gun- ff ig, er und durch Heranziehung der Privatindufttic wirb es auch möglich sein, das für den Personenverkehr notwendige Material an Lokomotiven und Wagen instand zu halten. Der Standpunkt der Reichsbahngesellschaft. Berlin. 8. März. lWTD.) Von unter* richtetet Seite wird mitgeteilt: Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat den Eisenbahnatbeitetn immer wieder angeboten, ihre Löhne dort, wo sie unter den Jndustrieatbeiterlöhnen liegen. an diese anzugleichen. Das haben die beteiligten Gewerkschaftsführer a b g e l e h n t und eine allgemeine Lohnerhöhung gefordert. Eine solche glaubt die Deutsche Reichsbahngesellschaft zur Zeit vermeiden zu müssen, um nicht im gesamten Deutschland wiederum eine allgemeine Lohnsteigerung auszulösen und damit die Eesahr einer Preissteigerung und einer neuen Inflation heraufzubeschwören. Die Reichsbahn muß bei ihrer finanziellen Belastung für jede neue Ausgabe eine Einnahmequelle suchen Eine Erhöhung der Persone ntarife würde bei Lohn- und Gehaltsaufbesserungen sich nicht vermeiden lassen Es ist mit aller Zuversicht zu hoffen, daß die Reichsbahnbeamtenschaft die Ruhe bewahrt und sich nicht an der Streikbewegung beteiligt. Es ist irreführend, wenn die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten, die den Streikenden ihre Sympathie ausgesprochen hat, mit der gesamten Be* amtcnschaft der deutschen Reichsbahngesellschaft identifiziert wird Der Reichsbahnbeamte weiß zur Genüge, daß er kein Streikrecht besitzt. Ihm ist bewußt, daß er sich durch die Dienstverweigerung eines Dienstvergehens schuldig macht und daß ihm die Dienstentlassung ober die Kündigung bevorstehen würbe Der Weg, den Reichsarbeitsminister als Schlichter anzurufen bleibt immer noch offen. Rach den vereinbarten Bestimmungen ist dieser Schritt zu gehen, bevor seitens der einen Vertragspartei in den Streit getreten wird. Die Forderungen des deutschen Eisendahnerverdandes. Berlin. 9. März. (TU.) Der Deutsche ^isenbahnerverband hatte für Sonntagvorm'ttag eine Versammlung einberufen, in der der De- zirisleiter für Berlin, Dresse!. über den Stand der Lohnbewegung und die Stellung der Reichsbahndftettion Bericht erstattete. Seine Ausführungen gipfelten in folgenden bret Forderungen: I. Sofortige Verhandlungen mit den Tarifgemeinschaften. um einen den Teuer nngsv'.rhält- nissen entsprechenden Lohn zu vereinbaren. 2. Beseitigung der Schicht auf Gedinge (Mordsystem». 3. Wiedereinführung der achtstündigen Arbeitszeit. Der Redner betonte, daß der Deutsche Eisenbahnerverband bemüht gewesen sei, die obigen Forderungen auf friedlichem Wege zu lösen, daß aber infolge des ablehnenden Standpunktes der Reichsbahnbircktion die Verhandlungen ergebnislos verlaufen und kein Zugeständnisse erzielt worden seien. Das Realeinkommen der Eifenbahnarbefter und der unteren und mittleren Beamten fei gegenüber dem Friedensstande infolge der hohen Abzüge gesunken. Sei Kampf der Eisenbahner fei ein rein wirtschaftlicher und werde von dem Selbsterhaltungstrieb diktiert. Es wurde eine von dem Versammlung^ bureau borgelegte Entschließung angenommen, in der es heißt, daß der Deutsche Eisenbahnerver- band die ablehnende Stellungnahme der Eisen- bahnverwaltung mit Empörung und Entrüstung aufnahm und daß die Versammlung von dem Hauptvorstand des Deutschen E senbah: erverban- des den Aufruf zum allgemeinen Kampf erwartet Unveränderte Lage in Sachsen. Dresden, 8. März. (WB.) Die Pressestelle dar Reichsbahndirektion Dresden teilt mit: Die Streillage im Bezirk der Reichsbahndireltion Dresden hat sich im Laufe der Rächt nicht ge- ändeit. Bei einigen wichtigen Dienststellen haben sich die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arben gLuimdrt. Der Personenoerkehr ist wellerhin nicht gestört. 3m Güterzugsverkehr wird heute wie Werktags gearbeitet. Wenn die Ruchsbahn bisher den Anforderungen des Wirtschaftslebens hat genügen können, so ist dieS zum großen Teil der Dienst- freudrgkeit und der Pflichttreue des übrigen Personals zuzuschreiben .Insbesondere leistete die Beamtenschaft jeden Dienst, darunter auch inaktive Beamte, die dem Rufe ihrer alten Verwaltung gefolgt waren. Zur hessischen Krise. Darmstadt, 8. März. Die Parteileitung der Deutschen Volkspartei teilt mit: Alle Versuche des Zentrums, im Verein mit derr übrigen bürgerlichen Parteien eine arbeitsfähige Regierung in Hessen zu bilden, sind, nachdem die Sozialdemokratie durch ihre radikale Haltung ihre eigne Ausschaltung verschuldet hot, gescheitert. Schuld daran trägt die Politik der Demokratischen Partei, die in völliger Abhängigkeit von der Sozialdemokratie sich in Hessen nicht zu dem Entschluß aufraffen konnte, eine bürgerliche Regierung der Mitte zu unterstützen. So droht dem Hessenlande die Gefahr, entweder durch eine Verlängerung des unmöglichen Zustandes eine Lahmlegung aller Staatsgeschäfte, oder aber der Bildung einer Regierung mit überwiegend sozialdemokratischem Einfluß. Auch eine solche Entwicklung wäre in dem gleichen Augenblick unerträglich für das Empfinden der überwältigenden • Mehrheit des hessischen Volkes, in den, man im Reich und in Preußen aus guten Gründen sich anschickt, die Wachtansprüche der Sozialdemokratie zu beseitigen, dieser Partei, die sich durch die Vorgänge in der letzten Zeit vor der Oefsentlichkeil des deutschen Volkes auf das Schlimmste bloßgestellt und völlig versagt hat. Die beiden Parteien, der Sozialdemokratie und der Demokraten, bringen in Hessen auch nicht den Mut auf, von sich aus den Weg einer Entscheidung deS Volkes frei zu geben. Sie haben erklärt, daß sie die Anträge der Deutschen Volks- Partei und des Bauernbundes zur Erleichterung der Landtagsauflösung ablehnen werden, natürlich in der Hoffnung, damit um die Entscheidung des hessischen Volkes über das Verhalten der Linksparteien während der letzten drei Monate hinwegzukommen. Die Deutsche Dolkspartei hat sich daher entschlossen, gemeinschaftlich mit der Deutschnationalen Volkspartei, dem Hessischen Bauernbund und anderen in Frage kommenden Organisationen eine Entscheidung des hessischen Volkes herbeizuführen. Die hessische Verfassung sieht hierfür den Weg eines Volksbegehrens und einer Volksabstimmung vor. Die genannten Parteien sind entschlossen, gemeinschaftlich diesen Weg alsbald zu gehen. Der Landesausschuh der Deutschen Volkspartei war unter großer Beteiligung am Samstag in Frankfurt a. M. zusammengetreten. Rach eingehender Aussprache über die politische Lage in Hessen wurden einstimmig folgende Entschließungen gefaßt: 1. „Der Landesausschuh der Deutschen Volks- Partei in Hessen beschließt, zusammen mit dem Bauernbund, der Deutschnationalen Volk-Partei und den anderen in Betracht kommenden Organisationen den Antrag auf Volksbegehren mit dem Ziele einer Auflösung des Landtags zu stellen und die hierzu erforderlichen Schritte einzuleiten.- 2. „Der Landesausschuß der Deutschen Volks- Partei in Hessen spricht einmütig der Landtogs- ftaktion, insbesondere ihrem Vorsitzenden und VA'handlungs'ührer. Abg. Dingeldey, seine vo^-le Zustimmung und sein uitein» göachränktes Vertrauen aus für ihre Haltung während der hessischen Regierungskrise." Anträge der Deutschen Volkspartei im Landtag. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat tm Hessischen Landtag folgende Anträge und Anfragen cingebracht: 1. Antrag der Abg. Dr. Keller, Dingel- deh und Fraktion betr. Abänderung des Dolks- schulgesetzes, hier Fortbildungsschulunterricht. Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, den § 23 des Hessischen Dolksschul- gesetzes vom 25. Okt. 1921 wie folgt zu ändern: § 23. Die Gesamtschulpflicht dauert 11 Jahre. Die nach Zjährigem Schulbesuch aus der Schule austretenden Knaben und Mädchen sind noch 3 Jahre lang zum Besuch der Fortbildungsschule verpflichtet. Treten im 9. oder 10. Schuljahre Schüler oder Schülerinnen aus der seither besuchten Lehranstalt aus. so sind sie bis zum Abschluß des 11. Schuljahres zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichtet. In allen Fällen. \tt denen der (Nachweis erbracht wird, daß durch den. bisherigen Bildungsgang das allgemeine Lehrziel des Unterrichts in der Fort-- bildungsschule erreicht ist, hat das Krrislchul- amt auf Antrag vom Besuch der Fortbüdungs- schule zu befreien. Doch muß die Möglichkeit gegeben werden. Schüler und Schülerin,: n. die schon eine weitergehende Ausbildung haben, zu besonderen Ergänzungskursen zusam- menzufasscn. Die oberste Schulbehörde bestimmt die Voraussetzungen, unter denen der Besuch einer arideren Schule oder Privatunterricht von dem Besuche der Fortbildungsschule entbindet. — Begründung: Der § 23 des Schulgesetzes verpflichtet den Schüler zum Besuch der Fortbildungsschule bis zum Abschluß des 11. Schuljahres. Wenn auch dvS Amtsblatt vom 9. März 1922 vorläufig statt des 11. das 10. Schuljahr einsetzt, so werden trotzdem Schüler, die erfolgreich eine höhere L e h r a n st a l t bis zur Oberse- kunda oder gar bis zur Primareife durchgeinacht haben, gezwungen, noch nach ihrem Austritt die Fortbildungsschule zu besuchen, während umgelehrt, Ktassenkamevaden. die wegen Dichtversetzung eine oder gar zwei Klassen haben wiederholen müssen, den Vorschriften genügen, weil sie d , e nötige Anzahl Schul j a h r e abgesesfen hoben. Diele Regelung bedeutet sornll für den fleißigen und begabten Schüler eine vnbilligr Härte, die eine Aenderung drin« gend notwendig erscheinen läßt. 2. Antrag der Abgeordneten Houry, Dingeldey und Fraktion betr. die R u tz h o l z - Versorgung des hessischen Handwerks. Wir beantragen, dec Hessische Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen Rutzholz an Innungen oder Organisationen der holzverarbeitenden Gewerbe aus freier Hand abzugeben, zu den vor dem Krieg üblichen Zahlungsbedingungen. 3. Antrag der Deutschen Dolkspartei betr. die staatliche vorläufige Gewerbe- st e uc r für 1924. Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, dem Landtag alsbald eine Aachweisung vorzulegen, aus der die Höhe der in den Monaten April bis Dezember 1924 eingegangenen vorläufigen Gewerbesteuern einschließlich der bisher vereinnahmten Rückstände für diesen Zeitraum ersichtlich ist. 4. Antrag der Abgeordneten Haury, Dingeldey und Fraktion betr. das Vergebungswesen (Submissionswesen). Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Nachgeordneten Stellen auf st r e n g st e Einhaltung der V e r g c - bungsvorschriften hinzuweisen, insbesondere darauf Bedacht zu nehmen, daß Angebote, die sich unter der behördlichen Vorschlagssumme bewegen, bei der Arbeitsvergebung a u s geschaltet werden. 5. Kleine Anfrage des Abg. Dingeldey betr. Morgen arbeit in den Bäckerei- betrieben. Ist es richtig, daß das Hess. Ministerium für Arbeit und Wirtschaft die den Bäckereien erteilte Erlaubnis zum Arbeitsbeginn um 5 Uhr vormittags zurückgezogen und damit die Herst ellung von frischem Morgengebäck für die Bevölkerung unmöglich gemacht Hatz? Ist dem Ministerium bekannt, daß dis zurückgezogene Erlaubnis in sämtlichen süddeutschen Ländern, die unter den gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen leben wie Hessen, bereits seit längerer Zeit ohne weiteres erteilt ist? Warum glaubt die Hess. Regierung von der allgemeinen Regelung dieser Frage in Süddeutschlanö jetzt besonders abweichen zu sollen, obwohl die gesamte Bäckerinnung dadurch schwer geschädigt wird? Aus den varmatausschüssen. Berlin, 7. März. (Wolff.) Im preußischen Untersuchungsausschuß für die Barmat-Kutisker-Angclegenheit wurde die Frage der Erteil u n g von Einfuhrbewilligungen für die Gebrüder Darmat verhandelt. Der Zeuge Schwan, seinerzeit Direktor der Reichssleischstelle, bekundet u. et, die R:ichs- fteischstelle mußte auf Wunsch des Reichswirtschaftsministers gegen ihren Willen zweimal Geschäfte mit der „Amexima" machen. Das erste dieser Geschäfte datiere vom Juni 1919. Die Reichsfleischstelle wollte das Geschäft nicht abschliehen, wurde aber vom Reichs- wirtschoftsmmisterium dahin beschieden, daß das Geschäft abgeschlossen werden müsse, es handele sich dabei um politische Interessen. Der Gegenstand des Geschäfts waren 10 000 Kisten amerikanischer Speck und 5000 Kisten Schweineschultern. Darmat überreichte aber erst auf Reklamationen in Berlin den Lieferschein. Dann stellte sich heraus, daß die auf dem Lieferschein erwähnte Rotterdamer Firma gar keine Waren für Darmat hatte. Auf die weitere Reklamation der Reichssleischstelle übergab Darmat einen anderen Lieferschein, worauf aber nur 800 Kisten von den vertragsgemäß zu liefernden 15 000 geliefert wurden. Barmat bot dann nochmals 600 Kisten an. Es stellte sich aber heraus, daß d i e angebotene Ware völlig verdorben war. Schließlich wurde der Vertrag annulliert. Gegen Darmat mutzte aber erst Arrestdrohung erlassen werden, um die Akzepte für die Reichsfleischflelle wieder freizu-betsmmen. 1920 mußte die Reichssleischstelle auf ausdrücklichen Wunsch des Reichswirtschaftsmimsteriums ein zweites Geschäft mit Darmat abschließen. Damals kam der große Hafenarbeiterstreik in Holland. Dei den Verhandlungen um die Freigabe der Waren habe Darmat nichts getan. In einer Unterredung mit dem Direktor Pölschow und dem Beauftragten des Reichswirtschaftsministers Robert Schmidt gewann er, der Zeuge Schwon, den Eindruck, datz der Minister den Geschäftsabschluß mit Darmat wünschte, dessen Offerte mindestens 20 Proz. über den Preisen lag, zu denen überall gekauft werden konnte. Die Reichsfleischstelle wollte mit Darmat auch aus dem Grunde nichts zu tun haben, weil Darmats „Amexima" in Holland boykottiert war, und Darmat nur aus zweiter oder dritter Hand kaufen konnte. Es war dann ein Herr Schaller als Darmats Vertreter bei ihm, dem Zeugen Schwon, und sagte ihm, Minister Schmidt wünsche, datz mit Darmat ein zweites Geschäft abgeschlossen wurde. Als Schwon trotzdem ablehnte, sei ein telephonischer Anruf vom Leiter des diktatorischen Ausschusses, P ö t s ch o w , erfolgt, in dem Potschow mitteilte, es würden Devisen zur Verfügung gestellt und das zweite Geschäft mit Barmat über 2800 Kisten Speck solle abgeschlossen werden. Diesem Druck hätte sich die Reichs- fleischstelle fügen müssen. Der Zeuge Schon ist dann aus der Reichsfleischstelle ausgeschieden und weiß nicht zu sogen, ob die Lieferung erfolgte. Barmat ließ jedenfalls, wie festgestellt sei, die ihm von dec Reichssleischstelle gegebenen Akzepte diskontieren und beschaffte sich dafür Gulden, für die er dann die erstgenannten 800 Kisten Speck besorgte Bei der Rückzahlung des Diskontkredits prosi- Iterle Darmat auch noch an der Inflation. Auf eine 5rage bekundet Schwon, daß das Ministerium ausdrücklich auf die zu kuren Preise Barmats hingewiesen wurde. Bei den Geschäften mir Darmat habe es sich mindestens um mehrere Hunderttausend Gulden gehandelt. Es sei ihm bekannt, daß Darmat sehr viel Lebensmfttel für den Freistaat Sachsen und dortige Konsumvereine geliefert habe. Wir hatten, bekundet der Zeuge weiter, den Eindruck, daß es Darmat nicht so sehr auf die Warengeschäfte als daraus ankam, mit den dafür zur Verfügung gestellten Akzepten einfach bloße Valutageschäfte zu machen. Wenn Darmat in der AeichLstelle auftauchte, wußten die Beamten, daß eine große Freundschaft hinter ihm stand. Auch der Rame H e i l m a n n s tauchte als große Freundschaft Darmats im Hintergründe auf. Der Kaufmann und Direktor Meyer- Hamburg, der von April 1919 bis Oktober 1923 Leiter der Einfuhrgesellfchaft für Getreide und Futtermittel war. bekundet, der Vorsitzende des diktatorischen Auschus es Potschow habe ihm im Ium oder Juli 1919 telephonisch mitgeteili, daß auf Veranlassung des Reichswirtschaftsmini- sters Schmidt ein Herr ihm außerordentlich günstige Angebote von Lebensrnitteln nuö I Holland unterbreiten wolle. Dieser Herr war Julius Darmat, der bei ihm erschien und ihm Angebote in Hülsenfrüchten und Getreide machte, die im Preise wesentlich höher lagen als andere. Er, Meyer, machte dem Retchsernahrungsministerium Mitteilung ben der Angelegenheit. Sein Eindruck von Darmat war außergewöhnl.ch schlecht, lieber die Art der Darmatschen Geschäftsführung wurde er damals bereits von der Reichs-Fleisch- und ReichS- Setflelle unterrichtet. Er habe vor dem Besuche Darmats zu seinem Prokuristen gesagt: Machen Sie den Geldschrank zu! (Heiterkeit./ Darmat äußerte ihm gegenüber, er Wiste, daß er, Meyer, ganz bestimmte Gruppen bevorzuge. Wenn das nun einmal in den Zeitungen stehen würde? Im September 1919 hätte ihn Reichskanzler a. D. Gustav Dauer zusammen mit Julius Darmat aufgesucht. Dauer habe geäußert: Sie sind die einzige Reichs- stelle, die trotz aller Bemühungen bis jetzt nicht auf Geschäfte mit Darmat einging! und habe Darmat noch einmal empfohlen. Er habe aber die Geschäfte mit Darmat abgelehnt. Darmat sagte zu ihm darauf: Sie scheinen den Eindruck zu haben, datz ich hinter den Angriffen gegen Hermes stecke, was er, Meyer, bejahte, woraus Darmat es ihm ausreden wollte. Auf Fragen bekundet der Zeuge, es Handelle sich bei den Angriffen gegen Oltinifter Hermes damals um die Geschäftsführung des Ministers, der den freien Handel wieder einführen wollte. Die Angriffe feien besonders von sozialdemokratischer Seite erfolgt. Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Kassel wurde noch besonders feine Getreidestelle angegriffen. Der Zeuge glaubt, daß Darmat hinter den Angriffen gegen Hermes stand, weil er Darmat häufig mit Hellmann gesehen und Darmat selbst ihm mitgeteilt habe, daß solche Angriffe erfolgen würden. Der Zeuge erklärt dann, beim Reichsernährungsministerium befinde sich ein von ihm ausgearbeiteter Bericht über die ganze Angelegenheit. Zeug- ReichsernährungSminfster HermeS bekundet. Bauer habe ihn eines Tages im Ministerium gebeten, Darmat zu empfangen, um die Möglichkeit festzustetten, ob vielleicht Geschäfte mit Darmat weiterhin getätigt werden könnten. Er habe Darmat empfangen und chn an die einzelnen Reichsstellen verwiesen. Das Ergebnis der Prüfung der Angebote Darmats war dann negativ. Auf De- fragen erklärt Hermes, v. Lossow, der damals in Sachsen eine Beamten stelle einnahm, warnte den sächsischen Wirtschaftsminister Schwartz vor Darmat. Schwartz habe sich darüber beschwert und sei bei ihm für Darmat vorstellig geworden. Der Zeuge halle niemals den Eindruck, daß hinter den Angriffen gegen ihn Darmat stecke, er habe jedoch Darmat gegenüber, über den die Auskünfte nicht günstig lauteten, stets Zurückhaltung geübt. Kaufmann Hofmann, der 1920 bis 1922 Leiter des Zentralsekretariats der Reichs-Fettstelle war, bekundet, eS habe sich bei den Gef- schäften mit Darmat um ein großes Dritter-, Schmalz- und Kondensmilchgeschäst gehandelt. Dei dem Kondensmilchgeschäst hätten sich Differenzen ergeben, und die Geschäftsverbindung mit Darmat wurde gelöst. Schon bei dem (Butter- geschäst, bei dem eine bestimmte Kursklausel ausbedungen war, habe Darmat, als die Kurse ungünstig wurden, plötzlich nicht mehr geliefert. In seiner besonderen Art habe der Duttervertrag mit Darmat einzig dagestanden. Es wurde sonst immer der Kurs des Lieferungstages berechnet. Darmat habe auf Grund feiner Lieferscheine das Geld erhalten, aber erst später geliefert Das ganze Geschäft sei der Reichs-Fettstelle vom Reichswirtscha ftsministerium nahegelegt worden. Regierungsrat Weyermann, her früher in der Reichsfeitstelle als stellvertretender Bor- fiyender tätig gewesen war, sagt aus, der Direktor Pötschvw habe Darmat bei der Fettstelle empfohlen. Darmat erschien später einmal i n Begleitung des damaligen Reichskanzlers Dauer im Ernährungsministerium und beschwerte sich lebhaft, daß feit einiger Zeit die Reichsfettstelle ihn von den Geschäften und Lieferungen offenbar systematisch au s- schließe. Das letztere war richtig Wir hatten bestimmte Grunde dazu. Auf Grund dieser Beschwerde wurden zwei Herren von uns heruntergebeten. Diese begaben sich ins Reichsernährungsministerium und haben in Gegenwart von Darmat und Dauer in allen Offenheit die Gründe der Reichsfett st elle vor- getragen, die gegen die Verbindung mit Darmat sprachen. Die Sache endigte damit, datz seitens des Ministers Hermes und Staatssekretärs Huber zum Ausdruck gebracht wurde, datz das Ministerium unseren Standpuntt, mit der ,.Anexi- ma" leine Geschäftsverbindungen zu pflegen, vollkommen teilte. Es handelte sich um ein Objekt von 18 Millionen holländischen Gulden. Veriragsgemätz sollte Darmat 16°Unzen- Dofen liefern; tatsächlich lieferte er zwar Dosen mit dem Aufdruck 16 Unzen, die jedoch nur 14 Unzen Inhalt hallen. In die gleiche Zell fällt die Trennung des Reichsernäh- rungs- vom Reichswirtschaftsministerium. Hermes wurde Reichsernährungsminister. Damals Hörle der Druck von oben auf. Die Fettstelle stellte ihre geschäftlichen Deziehungen zu Darmat ein. Wir hatten bei Geschäften mit Darmat immer Bedenken, weil wir uns den Druckvon oben nicht erklären konnten. Wir wuhten nicht, wieso gerade diese unbekannte ausländische Firma so grohe Aufträge bekommen konnte. Autzerdem forderte Darmat immer höhere Preise als die Marktpreise lauteten. Die Invalidenrente. Berlin,?. März. (Wolff.) Der Reichs- tagsausschuß fürsozialeAngelegen» Herten beschäftigte sich mll dem Gesetzentwurf über die Zusahsteigerung für die Renten aus der Invalidenversicherung. Die Abstim- mung ergab Die Annahme der Wanderung der Reichsversicherungsordnung, wie folgt: Bei der Invalidenrente werden 10 v. H. her seit dem 1. Januar 1924 gültig entrichteten Beiträge als Steigcrungsbeitrag gewährt. Ferner wird für jede ordnungsmäßig verwendete Beitragsmarke der bis zum 30. Sept. 1921 gültigen Lohn- klassen ein Steigerungsbetrag gewährt. Er beträgt für jede Beitragsmarke in der Lohn- klaffe 1 gleich 1 Rentenpfennig, in der Lohn- klasse 2 gleich 3 Rentenpfennige, in der Lohn- klasse 3 gleich 6 Rentenpfennige, in der Lohnklasse 4 gleich 9 Rentenpfennige, in der Lohn- klasse 5 gleich 12 Rentenpfennige. Der ReichS- zuschuh ist im Sinne des § 1285 der R. D. O. um 50 Prozent zu erhöhen. Das Gesetz soll mit dem 1. April in Kraft treten. Spritschiebungen im Saargebiet. Schwere Kompromittierung Raoults. Saarbrücken.9. März. (TU.) Die „Saarbrücker Landeszeitung" bringt in ihrer Sonntagsausgabe Enthüllungen über eiieSpritschicbec- affärc grössten Ausmaßes im Saargebiet. Bemerkenswert sind die Vorgänge dadurch, datz er Präsident der Saarkom Mission, R a o u l t, von dem Blatt beschuldigt wird, um die Affäre gewußt und die Machenschaften b e- günstigt oder zum mindesten geduldet zu haben. Den Enthüllungen des Blattes liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Der elsässische Spirituosenhändler Alfons Schick hatte dos ganze vom Deutschen Reich dem Saargebiet zu- gestandene Ausfuhrkontingent von jährlich 12 000 Hektoliter reinen Alkohols Meindestillat an sich gebracht. 2lus Wcinschlempe und minderwertigen Ole« benprodukten hatte er dann ein Erzeugnis hergestellt, das mit dem Ursprungszeugnis der Saarbrücker deutschen Handelskammer, deren Syndikus Dr. Schlenker war, in das Gebiet der deutschen Monopolverwaltung zollfrei eingeführt wurde. Durch diese Zollhinterziehung soll das Deutsche Reich um Millionen Goldmark und der Saarfiskus und die deutsche Saarbevölkerung um Millionen Fransen geschädigt worden sein. Ferner soll Schick mit Hilfe &e£ Syndikus Dr. Schlenker. des Regierungsrats Dr. W o h l f e l d von der Finanzabteilung und des Geheimrats Brill von der Zentralverwaltung der Enarkommission das Saargebiet durch Steuerhinterziehung um einen (Betrag von 51/2 Millionen Franken geschädigt haben. Die „Saarbrüsker Landeszeitung" will für ihre Angaben, besonders für ihre Beschuldigung gegen den Präsidenten her Regierungskommission, (R ao ult, vor dem ordentlichen Richter jederzeit den Wahrheitsbeweis antreten. Japanische Rüstungen zur 8ee. Im gleichen Augenblick, da die amerikanische Flr-lle vor dem Panama-Kanal manövriert und mehrere hundert Schiffseinheiten zusammengezo- gen hat, werden, man möchte fast sagen als Antwort auf diese Manöver, von Tokio auS einige Ziffern über die Rüstungen Japans zur See bekanntgegeben, Um diesen Mitteilungen einiges von ihrer gegen Amerika gerichteten Schärfe zu nehmen, werden auch zu gleicher Zeit Einzelheiten über den Ausbau der französischen Flotte veröffentlicht. Da das Washingtoner Abkommen einen zehnjährigen Stillstand im Bau von Grotzlampfschiffen vorsieht und als Maxi- malgrenze eine Raumverdrängung von 10 000 Tonnen festsetzt, hat Japan jetzt sein Daupro- gramm vollständig umgeändert, es baut fast nur noch grohe Zerstörer von 3000 Tonnen, die doppelt so groh sind wie die englischen, und dann natürlich Unterfecboote, von denen 79 schon im Dienst befindlich sind, während 28 auf den Werften liegen. Die japanischen Rüstungen sind insofern bedeutungsvoll, als Japan sich durch das Abkommen mit Rußland nicht nur den Rücken gedeckt, sondern auch wertvolle Oelfelder auf Sachalin erworben hat, die es von der Einfuhr aus den (Bereinigten Staaten befreit und dadurch zur See stärker macht, als das jemals der Fall war. Der Tschskaprozetz. Leipzig. 7. März. (TU.) Am heutige« 18. Derhandkungstag des Tscheka-Pr-zesscs werden die Vernehmungen her Angeklagten wiederholt, die in Abwesenheit ihrer Wahlverteidiger vernommen wurden und ihre Aussagen verweigerten. Der Angeklagte Diener bestreitet, daß sein Telephon auf Kosten der Polizei gelegt worden sei. Er erzählt, daß eine Bekannte namens Paula Boß, hie von Verwandten in Amerika Dollars erhielt, ihn unterstützt habe. Auf Befragen bestreitet der Angeklagte weiter, daß er von der Polizei nach seiner Verhaftung 10 000 Mk. erhalten habe. Von her Verteidigung wird die Ladung der Zeugin Botz beantragt Rechtsanwalt Dr. Samter weist darauf hin, datz der Angeklagte Reumann wochenlang in Irrenabteilungen und Krankenhäusern lag und selbst von seinen Familienangehörigen für unzurechnungsfähig gehalten wurde. Angeklagter Reumann gab zu, im Aeservelazarett Bautzen einmal auf seinen Geisteszustand untersucht worden zu sein. Von Dc. Samter wurde daraufhin beantragt, die Familienangehörigen Reumann- zu Iahen. Dies wurde beschlossen, ebenso hie Ladung der behandelnden Aerzte in Bautzen. Don her Gesamtvertretung wird dann der Antrag gestellt, die unzulässigen Beschränkungen der Untersuchungshaft gegenüber hem Angeklagten aufzuheben. Die Verhandlung wurde dann durch eine Mittagspause unterbrochen. Der Zeuge Kriminaloberkommissar K o p - penhöser, erklärt, Diener habe bereits nach seinem Festnahme sehr stark gelogen. Er Hobo 'auch sofort gesagt, daß er der Polizei schon seit längerer Zeit anonym telephonische Dachrichten habe zukommen lassen. Eingehende Untersuchungen hatten aber die Unrichtigkeit dieser Angai^n ergeben. An Hand der polizeilichen Unterlagen habe er festgestellt, daß in Berlin am 7. Januar ein Friseur Rausch niedergeschossen wurde und sofort angenommen, haß es sich dabei um diesen Fall handele. Er habe daraufhin den Angeklagten eingehend vernommen. Er müsse sich -aber entschieden dagegen wenden, daß er sie seelischen Zwangseinflüssen unterworfen habe. Pöge auch gesagt, datz sie die deutsche sch eh en konnte und die Meinung geäußert, daß es sich um eine politische Straftat handele, worauf keine Todesstrafe stehe. Daraushin habe er ihm allerdings gesagt, nachdem was hier geschehen sei, müßten sie sich klar sein, daß der Kopf wackele. Das sei aber keine Drohung gewesen. Pöge habe ihm sogar bei der Ueberfuhrung nach Leipzig für die anständige Behandlung gedankt. Pöge habe auch dabei alS erster aus freien Stücken Angaben gemacht, und zwar über den Fall Rausch. Dabei habe Pöge auch gesagt, da ßsie die deutsche Tscheka seien, DaS Wort Tscheka hybe Pog» uaeqt gevnrucht. Sen 'XnqeflacteiT Tteumann habe er die Aussage Pöges er ft nach feiner Rück- te&e gu* Berlin vorgeh allen unD ihn in dem ®(au5en gebißen, Daß eS sich um Feststellungen handele, die er in Berlin gemacht habe. Darauf habe Reumann nach stundenlangem Zureden endlich etflärt. er gebe z u, Rausch nieder- geschossen zu haben. Er sei auch bereit, Angaben über den Fall Rausch zu machen, soweit feine Genoisen dadurch nicht unnötig belastet würden. Reumann erklärte, er habe Rausch nicht töten, sondern ihm nur einen Denkzettel geben vollen. Aufwertungsdebatte im Reichstag. Berlin, 7. März. llhr M natsvcrs m lu g bei Tr nf- auS. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Weib gegen Weib". * Arbeiten an elektrischen Anlagen. Don der Direktion des Städtischen Elektrizitätswerks wird unS geschrieben: Es wird auf Die Bekanntmachung in der heutigen Rümmer dieses Blattes über Arbeiten an elektrischen An- lagen besonders hingewiesen. Es ist wiederholl feftgcftellt. daß in elektrischen Anlagen unzulässige. vorschriftswidrige elektrische Apparate. Sicherungen und dergleichen in Benutzung sind und Beleuchtungskörper von unberechtigten Personen ausgewechsell bzw au^gepüuyi und an- geschlossen wurden. Bei Verwendung dieser un- vorschriftSmäßigen 2lpparate besteht für die elek- trtsche Anlage u. XL Feuer-gesahr. ober eine Gefahr für die Meßeinrichtungen des Konsumenten. SS liegt somit hn Interesse jede» Einzelnen, daß er nur solche Avvarate verwendet, bei denen Die Gewähr besteht, daß dieselben eine einwandfreie Beschaffenheit aufweisen. Diese Apparate können wiederum nur von solchen Firmen geliefert und angebracht werden, welche die Gewähr einer ausreichenden Fachkenntnis bieten. Die leiten- der Elektrizitätswerke zu- gelassenen Installateure hatten Den Elektrizitätswerken einen RachweiS ihrer Fachkenntnisse zu erbringen und entsprechen somit den vorgenannten Voraussetzungen. Die feiten» der Elektrizitätswerke erfolgten Schutzmaßnahmen liegen im eigensten Interesse deS Stromabnehmer-, außerdem darf erwartet werden. Daß das Publikum die legalen Geschäfte unterstützt und Dem wilden Hausierhandel keinen Vorschub leistet- Auf die in der Bekanntmachung erwähnten Strafmaßnahmen wird besonder- hingewiesen. ee Personalien. Ernannt wurden Der KreiSamtmann bei dem Kreisamt Erbach l O., Regierungsrat Dr. August Roesener. mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritt- an zum Kreisamtmann bet dem KrciSamt Büdingen unter Belassung feiner Amtsbezeichnung al» Re- gierungSrat uno der Regierungsassessor Wal» Xßt Strack mit Wirkung vom 1. Rkärz 1925 an» zum Kreisamtmann bei dem KreiSamt Alsfeld mit Der Amtsbezeichnung Regierung-rat: Der Lehrer Andreas Mergler zu Herbstein. Kr. Lauterbach, zum Lehrer an der Volksschule zu Ockstadt, KretS Friedberg. •• Vorbereitungsdienst für die Oberjustizsekretär-Prüfung DaS Staatspresseamt teilt mit; Rach Ostern d IS. können etwa 15 Justizanwärter zum Vorbereitungsdienst für die Oberjustizsekretär-Prüfung, Deren Ablegung als Voraussetzung für eine Anstellung als mittlerer Justizbeamter vorgeschrieben ist. zugelassen werden Gesuche um Zulassung sind bis -um 14. April bet hem Ministerium Der Justiz einzureichen Den Gesuchen müssen das Abgangszeugnis einer Realschule mit siebenjährigem Kursus oder Der RachweiS Der Reife für Die Unterprima eines Gymnasiums. Realgymnasiums oder einer Realschule, eine von Dem Bewerber verfaßte unb handschriftlich gefertigte Darstellung des Lebenslaufs, ein Leumundszeugnis sowie Der Rachweis des Besitz«? Der ReichKangehörigkeit beigefügt werden. Inhaber deS Reifezeugnisse- einer Vollanstalt (neunllassigen höheren Lehranstalt) werden bevorzugt. Gesuche sind nicht eher einzureicben. als bis die oben bezeichneten Zeugnisse und Rachweise beigefügt werden können. Die einstweilige Einreichung von Gesuchen ohne diese Zeugnisse und Rachweise ist zwecklos. Da für Die Auswahl der demnächst in Den Vorbereitungsdienst einzuberufenden Justizanwärter der Zeitpunkt des Eingangs Der Gesuche bedeutungslos ist. Gesuche. Denen Die Zeugnisse und Rachweise nicht beigefügt sind, werden ohne weiteres zurückgewiesen werden. •• Fahrraddiebstahl. Am Donnerstagabend zwischen 7 und 8 ülhr wurde in Weilburg das nachstehend beschriebene Fahrrad gestohlen: Marke Opel, hochgebogene Lenkstange. Hinter» und Vorderradbremse, Felgen mit Rickeistreifen, Bereifung mit grauen französischen Drahtmänteln. Sattel und Tasche dunkelgelb. Der Täter ist etwa 30 Jahre alt, ungefähr 1,86 Meter groß, gesetzte Figur, hat rote», volle- Gesicht, kleinen gestutzten Schnurrbart und trug Försteruniform. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mittellungen nimmt Die Kriminalpolizei Gießen entgegen. ” Del den ehern. 222er n. Einen froh- gestimmten Familienabend tonnten die Mitglieder und Freunde der Arbellsgemelnfchaft der hiesigen Militär- und Kriegervereine auf Einladung der Vereinigung ehern. 222er am Samstagabend im Saalbau Sauer feiern. Der Geist herzlichster Fronttameradschaft tarn bet dieser Gelegenheit wieder einmal prächttg zum Ausdruck und schuf in allen Teilen die beste Harmonie, Der Vorsitzende der Vereinigung, Dankdirektor Grießbauer, bot nach Der Begrüßung der Gäste und Der Kameraden als besonderen Gewinn deS Abends einen außerordentlich fesselnden Lichtbildervortrag über „Unfete Luftfahrt im Kriege und im Frieden". Der Vortragende verstand es ausgezeichnet, seinen vielen Zuhörern Die Glanztaten unserer deutschen Lufteroberer nahe zu bringen. Er wie- auf Die Großtaten ZeppelinS. Dürr-, Dr. Eckeners usw. hin, Deren Luftschiffbau und Luftschissahrten für alle Zeiten Weltruhm genießen werden, erinnerte weiter an Die Boelke, Jmmelmann, Richthofen usw.. Die im Kriege durch ihre gewaltigen Leistungen die Welt in Dinn schlugen und ihren Ramen und zugleich auch Die Geltung Der deutschen Fliegerei mit ehernem Griffel in das Buch Der Geschichte einschrieben, und zeigte schlleßlich. Daß Der Deutsche Fliegergeist auch in Den Dunklen Zetten Der Rachkriegsjahre nicht tot, sondern regsamer und befruchtender Denn je ist, wie daS -. B. in Der VerkehrSfllegerei namentlich der Junkers Fluggesellschaft -um Aasdruck kömmt. Mit Der Hoffnung, daß es der deutschen Fliegerei vergönnt sein möge, trotz allem und alledem Den Platz an Der Sonne wieder zu erobern, schloß Der Vortragende feine für Die Luftfahrt begeisterten und begeisternden Worte. Eine Fülle vortrefflicher Lichtbilder, die Das deutsche Flugwesen in Den KricgSi7hren an allen Kampffronten Der Well zeigten. Daneben aber auch Die Frie» Denslliegerei und einige AuSschnttte aus Der neuzeitlichen Entwicklung des Flugzeugbaues zur Geltung kommen ließen, ergänzten Den sehr beifällig auf genommenen Vortrag in bester Weise. Bei Sologesängen Des Kam. S p ö r h a s e und bet gemeinsamem Liedergefang blieb maq in bester Stimmung noch einige Stunden beisammen. — Landsturm-Tagung. E'ne stattliche Zahl ehern. Angehöriger deS Landslurm-Jnf.- Regts. 20 gab sich Dieter Tage in Gießen ein Stelldichein. Groß war die Freude DeS Wiedersehens besonders bei Den Kameraden, die sich jahrelang nicht ntehr gefeßen. Bei Den Verhandlungen konnte fest gestellt werden, daß die im vorigen Jahre gegründete Kameradschaftliche Vereinigung des RegtmentS inzwischen gute Fortschritte gemacht hat. Sie hat sich über ganz Deutschland au6gebreitet und gliedert sich in Ilnterbezirke. Für Den Bezirk Oberhessen und die angrenzenden preußischen Gebietsteile gilt Gießen als Vorort. Die Leitung dieses Bezirk- Hegt in Den Händen Der hier wohnenden Kameraden Weber. Kling und Ioch um. Der 10jährige Gründungstaa deS Regiments wird voraussichtlich im 3um D. 3. in Frankfurt a. TL gefeiert werden. Rach mehrstündiger Tagung trennte man sich mit dem Wunsche, öfter derartige Zusammenkünfte zu veranstalten. " Ein« oderheffts chc ® e T a x g* verein-t agung. fand gestern im Saalbau Sauer in Gießen statt. Die Verhandlungen nahmen ehren anregenden Verlauf und endeten mit Der Wahl der oberhesfischon Vertreter für Der Gefamtvvrstand de- Hessischen Sängerbunde- Wir werden morgen eingehend über die Tagung berichten. am. D l e Sv. Volksgemeinschaft fo berichtet man unS hat ihre Werbearbeit in Oberhessen vorläufig zum Abschluß gebracht, nachdem in den letzten Wochen in allen Kreisen teilweise recht gut betuchte Kreisver- sammlunaen ftattsanden. ikberall wurde es klar erkannt, baß Die Sv Volksgemeinschaft eine Rot Wendigkeit ist. um da- politische Leben. daS In der Schwierigkeit einer Regierungsbildung den deutlichsten Ausdruck der Verwirrung und Hist- loftgkett geigt, mit neuem Geist zu erfüllen unD vor allem ber gefährdeten evangelischen Kirche im Volksleben zu Der Stellung zu verhelfen. Die ihr zukommt. Besonders erfreulich ist es. wie allmählich viele, die zuerst fürchteten, Daß nur eine neue Splitterpartei aeschaifen werd m sollte, klar erkannt haben, daß es der einzige Weg ist, unter zersplittertes Voll unter einem großen Gedanken, unter Dem ewigen Evangelium zusammenzufassen und die Volksgemeinschaft zu verwirklichen, von Der so viel geredet wird, vm- der man aber so wenig lieht In den nächsten Wochen soll nun die gleiche Werbearbeit in Der Provinz Starkenburg einsehen " Austrieb auf dem heutiger Frankfurter Schlachtvieh markt: 183 Ochsen, 40 Dullen. 887 Färsen und Kühe. 484 Kälber, 153 Schafe, 4531 Schweine. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, Den 7. März 1925. Der Trauerfeier des Stadtparlaments, übet Die wir an anderer Stelle dieser Rümmer berichten. schloß sich eine kurze geschä'tliche Sitzung an. die der Erledigung eiliger Vorlagen galt. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der zur Beschaffung einer Straßenwalze erforderliche Kredit in Hohe von 16 000e Mark wurde bewilligt. Von der Benutzung Dieser Walze ist eine Verbilligung Der Straßenunter» haliungslosten zu erwarten. Mtt der Verlegung Der Brecheranlage de- Steinbruchs von der 8. nach Der 9. Schneise de- StadtwalDes erklärte man sich einverstanden und genehmigte Den hierzu cr> forderlichen Kredit von 20 000 Ml. Auf Antrag Des Betriebsausschufses wurde der Beschaffung eines llnion-Heizwert- schreiders für Das Gaswert zum Preise von 1250 Mk. zugestimmt. Mit Diesem Apparat kann Die Brennfähigkeit Der Kohle und D:r Heiz« wert DeS GaseS dauernd genau kontrolliert wer- Den. Der Apparat arbeitet automatisch. Zur Beschaffung einer automobilen Drehleiter unD zur Verbesserung der Motorspritze wurden 15 000 Ml. bcrcil- gestellt. Die Drehleiter ist bereits im Besitz der Feuerwehr, sie soll jetzt auf ein ebenfalls schon vorhandenes Lastautomobil aufgebaut werden. um sie dadurch schneller befördern zu können. Für Den Bau einer zweiten TranS- formatorenftation in Beuern wurde von den Kosten von 8000 Rm. die Hälfte auf daS Elektrizitätswerk übernommen und der hierfür erforderliche Kredit in Höhe von 4000 Rm. innerhalb deS Voranschlag des Eleltrizitätswerks für 1924 vorgesehenen Betrags bewilligt. Die Lieferung deS erforderlichen Transformators wurde Den SiemenS-Schuckert-Werken übertragen. Die Erweiterung Der Anlage ist durch Den stark«' ElektrizttätSbezug in Beuern notwendig getoor» Den. 3m übrigen genehmigte Das Haus, den Anträgen der Dau-Deputation entsprechend, eine Reihe von Baugesuchen, bei Denen es sich in Der Hauptsache um gewisse Befreiungen von allgemeinen Bauvorschriften hanDelte. Als be- sonDers bemerkenswert ist hier nur der Reu - bau eines VerbinDungshauses, das Die Landsmanns chaf t Chattia an der Ecke Der Licher Straße^Gevrg-Philipp-Gailstraß« errichten will, zu registrieren. Turnen, Sport und Spiel. Die Handballmannschaft S. C. 1900 schlägt Schupo Wetzlar 3:1. Am gestrigen Sonntag standen die Handballer Der Leichtathletikabteilung des S. E 1900 Gießen in Wetzlar dem dortigen Polizeifportverein gegenüber, der an Spielstarke nur ganz wenig Dem führenden F. C. Wetzlar nachsteyt. Bei nicht gerade idealen Boden- und Windverhältnissen entwickelte sich zunächst ein Spiel, das die Clubleute fast dauernd in Front sah. In forsch vorgetragenen An- griffen brachten sie daS Wetzlarer Heiligtum oft in Gefahr, und im Verlauf der ersten Viertelstunde setzte der Halblinke Vetter durch rasante Würfe den Ball dreimal in die Maschen. Ab und zu machten sich die Wetzlarer aus Der ■Umflarrrmerung frei und erzielten auch das Ehrentor. Rach Halbheit hatten die Schupoleuto den Wind zum Bundesgenossen, und die 1900er mußten sich sehr ihrer Haut wehren, ließen aber den Gegner nicht mehr zu Erfolgen kommen. Die Gießener Mannschaft bildete während deS ganzen Spiels ein harmonisches Ganze- und hat den Sieg wohlverdient. Einen Spieler besonders hervorheben, hieße den arideren $urü* sehen. Jeder tat seine Schuldigkeit. Jedenfalls wird dieser 3:1-Sieg ein guter Ansporn fetw zum siegreichen Bestehen der weiteren Kämpfe. Gleichzettig trugen in Wetzlar D He ß Tabletten für Langer, Reöner, Raucher NATÜRLKHES MINERALWASSER MINSER BRUNNEN RHINS Ä K rebenrmittel Lehrmädchen nutz nuter Familie. Selbst- geschr. Offeri. un>. 2475D a. d. Gießener Anzeiger erbeten. Gröberes Geschäft sucht ver sofort für den Verkauf Die Apotheke in Lich Tüchtigen Schweizer B i-i m FüHBEKPC DEUTSCHE MIMEDALBBUNNEN. Herr Simon Rosenbaum im Alter von fast 72 Jahren. Oie trauernden Hinterbliebenen Samstag, früh um 8 Uhr, entschlief sanft nach kurzem Krankenlager unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet in Hörnsheim am Dienstag, dem 10. März, nachmittags um 2 Uhr, statt. Hörnsheim, Frankenberg, Ruppichtenroth, Hergers- hausen und Großen-Linden, den 9. März 1925. 24800 In tiefer Trauer: Martha Wacker geb. Druschke nebst allen Angehörigen. Gießen, Lich, Münster i. W., Grünberg, Kreuznach. Die Beerdigung findet Dienstag um 2 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. 02129 Nach schwerer Krankheit verschied am Samstag mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwiegervater, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Ludwig Wacker Schuhmachermeister im 55. Lebensjahr. 1925 hn . A A Uhr fei «euerlä brannte di WV t nttndig Sf.F berg n Dundfrax ihren Le denen m henden beanlwor sich der der 1 Decker wählt. 6 Friedber; Den Glar das reize Vaflim u Sarflelhin^ Srfotfl erz Ausnahme dvn kvhü 3m übrig von Desär die städii Fragen d Punkten । an fqtiüf und intmi ist Wohl i sagen, das und es isi der jeden dem ausv schuh |ür 16. Sott1 Der -u dem Q Sütern gc arvhs öu taÄa"' einer » -Lassr ■•ycnntao Äaub. das Ak' "da 'S«« ° %}• ®ti"< u 5 ^dinc « %! , PK 5*" ft! Seifen.« der K § seiht. ÄS a« to SÄ &‘6‘ ft ♦ Da fpt 3. Jtt- J2 ^(22 1650^ holSve brachte , flämme ' 40 auf.., flämme v » fubmis Höchstgeb 2 Kl 96 3. Kl 7 39 aut. M 27.45 < # B. 5a je M - J f @ru sich-run, berg Ml unter der Inder D A. Fra' -§ie E'mni Ollatt die ein Kastei wurde @i man sich: sichern: für Groh» für Kalbe Liese Petr RHENSER M» piclil Tüchtiger Zeichner mit guter Handschrift, insbesondere in Schriften, zum alsbaldigen Eintritt gesucht. 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Vlarj. _ ®ie Ruh- Holzversteigerung unserer Dürgermetsteret brachte folgende Durchschnittsprerse: E'chen- stamme 2. Kl. 54 Mk.. 3. Kl. Mk.. 4. Kl. 40 Mk.. 5. Kl. 38 Mk.. 6. Kl. 35 QHL Buchenstämme 50 Mk.. Fichtenstämme 5a. Kl. 25 Mk.. 5b. ZV 22 Mk.. Derbstangen 1. Kl 2d Mk.. 2. Kl. 22 Mk. je Festmeter. Sichennuhscheiter 15 Mk. je Raummeter. • Londorf. 7. Mörz. Dre heutige Holz- subMission unserer Gemeinde ergab folgende Höchstgebote: Sichen-Schnittholz 1 Kl. 102L0MI.. 2. Kl 96 Mk.. Sichenstammholz 2. Kl. 81,50 Mk.. 3. SU. 7150 Mk.. 4. Kl. 49.50 Mk.. 5. Kl. 39 Mk. Fichtenstammholz (LoS 2) 1. Kl. 37.55 Mk 2. Kl. 34.50 Mk . 3. Kl 30,10 Mk., 4. Kl. 27.45 Mk.. 5a. Kl. 30.15 Mk. 5h. Kl. 23 Mk.. Fichtenstammholz (Los 3) 3. Kl. 28.65 Mk.. 4. Kl. 27 Mk.. 5a. Kl. 24,15 Ml . 5b. Kl. 23,15 Mk. je Fstm. t Grünberg, 8. März Dio Diehver- sicherung Sanstalt der Stadt Grünberg hielt ihre Generalversammlung unter der Leitung deS Dir^tors C. Schäfer I. In der Wirtschaft von Repp ab. Der Rechner A. Frank legte zunächst die Rechnung vor. Die Einnahmen im Jahre 1924 betrugen 671,05 Mark, die Ausgaben 670.02 Mark, demnach bleibt ein Kassenbestand von 1.03 Mark. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Hierauf beschäftigte man sich mit der Tarierung deS zu versichernden Bi ehe s Die Versicherungshöhe für Großvieh betrug bis jetzt höchstens 300 Mk.. für Kälber von 3 Wochen auswärts 40 Mk.! diese Beträge sind von jetzt ab aus 400 bzw. 60 Mk. festgesetzt worden. Rach Vereinbarung ist der Vorstand für 1924 auch für daS Jahr 1925 im Amt geblieben. Kreis Friedberg. Sf. F r i e d b e r g, 7. März. ,.W a S Friedberg nottut T. so lautete der Titel einer Rundfrage, den eine hiesige Tageszeitung an ihren Leserkreis erlies und der von verschiedenen im öffentlichen Leben unsrer Stadt stehenden Persönlichkeiten in verschiedenem Sinne beantwortet wurde. Den gleichen Titel hatte sich der Vorsitzende des V. d A (Verein der Ausländsdeutschen) Studienrat Weckerling zu einem bunten Abend erwählt. den er gestern im Saale von Groh- Friedberg einem zahlreichen Publikum vorführte. Den Glanzpunkt dos Abends blldete ohne Zweifel das reizende Singspiel des jugendlichen Mozart, Dastien und Bastienne, welches in vortrefflicher Darstellung mit Orchesterbeglei tung einen vollen Erfolg erzielte. Eine ebenfalls sehr dankbar« Aufnahme fand daS drastisch-komische Lustspiel von Kotzebue .Das Haus an der Landstraße“. 3m übrigen bot der Abend eine reiche Reihe von Gesängen .Tänzen und Vorträgen, in welcher die städtischen, studentischen und künstlerischen Fragen der Stadt von den verschiedensten Standpunkten aus beleuchtet wurden, daß es dabei an satirischen Einfällen der verschiedensten Art und immer neuen Ueberraschungen nicht fehlte, ist wohl erklärlich. Jedenfalls kann man wohl sagen, dah das Publikum auf seine Kosten kam, und es ist zu hoffen, dah auch der Verein, trotz der jedenfalls sehr bedeutenden Unkosten, bei dem ausverkauften Hause einen hübschen Uebet- schuh für seinen edlen Zweck buchen kann. Kreis Büdingen. /V Ridda. 7. März. Heute früh gegen 8 Uhr wurden die hiesigen Einwohner durch Feuerlärm aus dem Schlafe geweckt. Es brannte die S ä g e h a l l e des Zimmermeisters Pfaff, in der Rähe des Karlshofs, vollständig nieder. Das Feuer fand an den Die Oberwalder. Roman von A l f r e d B o ck. 16. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Der KrämerSkarl schaute voll Bewunderung zu dem Bauunternehmer hinauf, der mit Glücks- gütern gesegnet war. für den als kühlen Rechner große Summen wenig oder gar nichts bedeuteten. Die Kasse konnte sich s zur Ehre anrechnen, mit solch einem Mann Geschäfte zu machen. .Lassen Sie mir die ilrfunbe da." bat er, „Sonntag kommen wir sowieso zusammen. Ich glaub, dah die Sache keinen Anstand hat." Disping übergab ihm daS Dokument und Tagte: „Paßt's den Herren, isfs gut, paßt'S nicht, sclxidet s auch nichts. Ich wiederhole: tch kann daS Geld überall bekommen." Er sah nach der Ubr. „Ich muh machen, dah ich nach Hause komme. Meine grau fühlt sich wieder sehr elend." „Sie hat wohl mehrstentells mit den Verben zu tun T fragte der KrämerSkarl. Disping hob die Schultern. „Gott weih, was es ist. Wir waren drei Zähre verheiratet. Meine Frau war munter wie ein Maikätzchen. Sie kennen den „Freden- baum“ bet Dortmund. Da sahen wir eines TageS mit Dekanaten zusammen. Aus einmal kriegt meine Frau eine Ohnmacht. Sie erholte sich rasch. Aber seil der Zeit klagt sie über Schwindel und Druck auf den Kops Ich hab schon ein Vermögen für Aerzte ausgegeben, 's kann ihr keiner Helsen." „Meinem Rachbar Moll seine Frau," erzählte der KrämerSkarl. „bat ganz schrecklich an Kopfweh gelitten. Der Doktor stand wie der Ochs am Berg. Run ist da ein Mann in Drauerschwend Der schreibt sich Geißler. Der kam und drückt der Mollin dreimal kreuzweiS den Kops. Unb macht ein Spruch herunter. Im Augenblick war der Schmerz weg." „Meine Frau hal s in Dortmund schon mit einem Magnetiseur versucht." Tagte Disring. »Das schlicht nicht aus. dah ich ihr den Mann auS Drauerschwend einmal schicke. Vot sucht Rat," Montag, y. März 1925 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen) ab» zuknntt-treudigem Wägen und Planen ist er berufen worden und c-.? ist verircrndlich. wie, tieferfchütiernd. sein Hinscheiden in allen Kreisen unserer Stadt Ergriffenheit und Teilnahme wecken konnte. Am 28. Wai 1914 einstimmig von der Stadtverordnetenversammlung zum besoldeten Beigeordneten unserer Stadt erwählt, war ihm zunächst nur eine kurze Amtstätigkeit bcschieden. Die Verteidigung des Vaterlandes rief ihn sogleich bei Kriegsbeginn zu den Fahnen, ein Ruf, dem er in freudiger Begeisterung gefolgt ist. Als schwere Kriegsverletzung ihm weitere Tätigkeit im Felde versagte, übernahm er im April 1918 wieder seine Amtsgeschäfte. Dah die Folgen des verlorenen Krieges, wie alle Städte, so auch unsere Stadt cyutz allen Gebieten zu äuherster Einschränkung nötigten, war ein Umstand, den der Entschlafene innerhalb seines amtlichen Wirkungskreises naturgemäß besonders schwer empfinden muhte. Betraut mit der Verwaltung der technischen Angelegenheiten muhte er sich Beschränkung auferlegen oei Verwirklichung der Pläne, die er hegte und für die ihn feint vielseitige Ausbildung und seine berufliche Eignung befähigt haben. „Kunst und Technik der Entwicklung der Stadt nutzbar zu machen", das waren die Ziele, die er in seiner Antrittsrede als Beigeordneter sich gesteckt hat. Eine besonders her-liche Freude ist es dem Entschlafenen gewesen, als ich kurz vor seinem Tode die zukünftige städtebauliche Entwicklung unserer Stadt mit ihm erörterte und ihn Der» anlahte, seine Pläne hierüber festzulegen. Wie lebhaft war das Interesse, wie groß die Zuversicht. dah ein gütiges Geschick gestatten möchte, seine Pläne der Verwirklichung entgegenreifen zu lassen. Um so tragischer, dah der Tod so unerwartet früh die Hand auf den Mann gelegt hat, dessen Ausgabe es gewesen wäre, hierbei an erster Stelle mitzuwirken. Wir alle, die wir in jahrelangem Zusammenwirken dem Entschlafenen näher treten durften, wissen, was uns entrissen worden ist. Wir wissen, dah von uns genommen ist ein überaus lieber Kollege, der durch vorbildllche Pflichttreue, durch männliche Charakterstärke, durch die Freundlichkeit und Offenheit feines Wesens uns allen anS Herz gewachsen ist. Die Beamten- und Arbeiterschaft beklagt den gerechten, wohlwollenden, fürsorglichen Vorgesetzten, die gesamte Bevölkerung unserer Stadt trauert um den hochgeschätzten Mitbürger von herzlicher Liebenswürdigkeit und steter Hilfsbereitschaft. In der Stadtverwaltung, der Stadtverordnetenversammlung und der ganzen Bürgerschaft wird das Andenken an Bürgermeister Krenzien dankbar, treu und freundlich lebendig bleibenl Meine Damen und Herren! Die haben sich zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert und des verstorbenen Bürgermeisters Krenzien von Ihren Sitzen erhoben. Ich stelle dies fest und danke Ahnen. > Rach dieser Rede unterbrach das Haus die Sitzung auf 10 Minuten, um dann in eine kurze Geschäftsfitzung einzutreten, über die wir an anderer ©teile dieses Blattes berichten. Trauerfeier im Stadtparlament. Gießen, den 7. März 1925. Eine Trauerfeier für den Reichspräsidenten Ebert und den Bürgermeister Krenzien vereinigte heute vormittag die städtischen Körperschaften, die Amtsvorstände der städtischen Verwaltung und den städtischen Deamtenausschuh im Stadtverordneten-Sihungssaal. Mit dem Oberbürgermeister Keller waren die Beigeordneten Dr. Seid, Dr- Frey, Iustizcat Dr. Rosenberg und Kommerzienrat K l i n g s p o r erschienen. vom Stadtparlament waren 28 Mitglieder zugegen, einige fehlten entschuldigt wegen Krankheit bzw. Reisen. Der Sitzungssaal war mit Blattpflanzen zu beiden Seiten des Magistratstisches und dieser mit umflortem Kranzgewinde in würdiger Weise Hergerichtei. Die Lehne des Sessels des verewigten Bürgermeisters Ären« zien umgab ein umflorter Kranz, davor stand auf dem Arbeitstisch ein Strauß von weißen (Helfen und weißem Flieder. Rach Eröffnung der Sitzung hielt Oberbürgermeister Kel- l e r vor Der stehenden Trauerversammlung die nachfolgende Gedächtnisrede: Meine Damen und Herren! Seit unserer letzten Versammlung sind zwei Ereignisse eingetreten, die uns mit frischem, tiefem Schmerz erfüllen. Am 28. Februar verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit der Reichspräsident Friedrich Ebert. Einfachen Verhältnissen entstammend, haben ihn treffliche Gaben des Geistes und des Charakters rasch von unten in die Höhe geführt bis zur höchsten Stelle des Reiches, dem Amte des Reichspräsidenten, das die Rationalversammlung ihm vor 6 Iahren anvertraut hat. In Deutschlands allerschwerster Zeit ans Steuer berufen, hat er mit klarem Blick und sicherer Hand das Reichsschiff durch wogende Brandung und durch größte Gefahren hindurch- gesteuert. Das starke Verantwortungsgefühl, die hingebende Treue, der unbeugsame Gerechtigkeitssinn, die politische Klugheit, die echt deutsche Gesinnung und die warme Liebe zu Volk und Vaterland, die seine Amtssührung kennzeichnen^ haben vermocht, dah das deutsche Volk in ihm einen zuverlässigen Führer erblicken durfte auf dem schweren Weg, den ein hartes Schicksal uns gewiesen hat. Die wertvollen menschlichen Eigenschaften, die ihm gegeben waren: Bescheidenheit und Lauterkeit, Versöhnllchkeit. Taktgefühl und Wohlwollen haben chm weithin Vertrauen. Wertschätzung und Verehrung erweckt und ihn menschlich auch denen nahe gebracht, die Polltisch anderen Sinnes sind wie der erste Präsident der deutschen Republik. Tiefbewegt über den frühen Heimgang des deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert wird das deutsche Volk sein Andenken in Treue und Dankbarkeit allezeit bewahren. Aus dem engeren Gebiet unseres Gemeinwesens ist der Stadtvertretung ein schmerzlicher Verlust entstanden durch den Heimgang des Bürgermeisters Krenzien. Plötzlich und unerwartet, in der Vollkraft der Mannesjahre, aus schaffendem Leben, aus Holzvorräten reiche Rahrung und war sehr weit sichtbar. Zum Glück war die hiesige Feuerwehr bald zur Stelle und beschränkte das Feuer auf seinen Herd. Es sollen 2 Motore mit Säge- einrichtung und ca. 25 Festmeter Holz von den Flammen zerstört worden sein. Da in der Rähe der Brandstätte zahlreiche Holzplätze von Sm- wohnern Riddas liegen, hätte der Schaden noch viel größer werden können, Heber die Entstehung deS Brandes ist bis jetzt nichts bekannt, KrciS Schotten« • Freienseen, 7. März. Der G e- m einberat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Dau einer Turnhalle beschlossen. Mit diesem Beschluß ist man allgemein einverstanden, denn er trägt einem dringenden Bedürfnis Rechnung. Er verabschi^ete sich. Der KrämerSkarl begleitete ihn biS an die Ladentür und kehrte dann zu feiner Arbeit zurück. Er nahm das Kontobuch für Darlehn vor, begann etwas einzutragen, legte aber die Feder wieder beiseite und simulierte vor sich hin. Wie wunderlich ging's in der Welt doch zu! Der Disping sah an der vollen Schüssel und wurde seines Lebens nicht froh. Ewig die kränkliche, lamentierende Frau. DaS mußte den Geduldigsten zwatzelich machen. Dah der Mann sein Streue schwerer nahm, als es in Wirllichkeit war. danach sah er nicht auS. Ganz gegen Westsälingerart war er zutraulich und mitteilsam. Darum konnte er, der Krämerskarl, ihn beneiden. Ihm war's nicht gegeben, sich aufzudecken. Was ihn zu tiefst quälte, verschloß er in sich. Auf dem „Freden- bäum“ bei Dortmund, wo die Dispings eingekehrt traten, hatte er seine Frau kennen gelernt. Selbig» mal war draußen Konzert. Die Düsseldorfer Füsiliere spiellen. Der Garten war schwarz von Menschen. Er hatte mit vieler Mühe einen Platz gefunden. Es war nur ein kleiner Tisch An dem sahen ein Postbeamter und zwei Mädchen. Die eine war die Klara Pottgießer aus Desecke. die andere ihre Freundin, die Hermine Kuhlmann aus Iserlohn. Deide dienten in der Stadt. Die Hermine guckte ihn an, und er kam ins Gespräch mit ihr. Ihre Herrschaft.toohnte in der Diktoriastrahe. Alle vierzehn Tage hatte sie ihren Ausgang. Letzt war sie mit ihrer Freundin in Königsborn gewesen. Da hatte es ihr gut gefallen. Der Rauch tn Dortmund und der Schmutz, das war ihr gräßlich. In ihrer Heimat, in Iserlohn, war's schöner. Da ging man Sonntags auf die Berge und konnte Luft schnappen nach Herzenslust. Pfingsten war sie bei ihrer Tante in Werdohl gewesen. Die hatte in der Lotterie gewonnen. Unb hatte Wäsche wie eine Baronin! Unb lieh bei einer Schneiderin in Hagen arbeiten, Unb führte ein Leben wie unser Herrgott in Frankreich. Das sprudelte sie heraus. Hab noch Diel mehr. Ihre Stimme Hang tote eine Glocke. Er hätte ihr stundenlang zuhören tonnen. Am andern Tag traf er sie auf dem Westenhellweg und ging mit ihr. Ihre Herrschaft, erzählte sie, wühlte nur so im Geld. Aber es toar kein rechtes Glück habet Die Frau war eiskalt und behandelte ihren Mann Startcnbura und Rheinhessen. 0 Darmstadt, 8. März. Wie toir hören, soll der große Saal im alten Palais instand gesetzt werden, um ihn bei besonderen Veranstaltungen der Staatsverwaltung und des Landtages benutzen zu können. Die für die baulichen Instandsehungs- arbeiten erforderlichen Mittel werden im neuen Staatsvoranschlag angefordert werden. Kreis Wetzlar. ± Dutenhofen, 8. LMrz. Wie allerorts, so ist auch in unserer Gemeinde die Wohnung S- n o t groh. Die in den RachkriegSjahren einsetzende Bautätigkeit, die sich besonder- im vergangenen Iahre sehr rege entfaltete, hat dem übergroßen Wohnungsmangel wohl einigen Abbruch getan, ihn aber nicht ganz zu beseitigen vermocht. Run scheint in diesem Frühjahr die schlecht. Es hieß, er habe einmal unsaubere Geschäfte gemacht Das war schon lange her. In die Gesellschaften kamen die feinsten Leute. Unb immer gab's Champagner. Deulich bei einem Abendessen von achtzehn Personen hatte der Diener nur fünf Flaschen eingeschenkt Wahrscheinlich auf höheren Befehl. Wo so viel Reichtum herrschte, kam einem die Sparsamkeit lächerlich vor. Ihm war's, als spüre et den seinen Duft des Weins. Oder war's das Mädchen? Er war wie benommen. Vor dem prachtvollen Hause in bet Viktoriasttahe schwätzte er noch eine Weile mit ihr. Dah Geld den Meister spiele in der Welt .gestand er ihr, daS wisse er auch. Er habe selbst einen guten Verdienst und habe ein hübsches Sümmchen zurückgelegt. Das hörte sie gern, ja man merkte es ihr an, sie hatte Respekt vot ihm. Run sahen sie sich öfter. Er brannte lichterloh. Einmal begegnete ihm die Klara Pottgießer aus Belecke auf dem Markte unb Tagte, ihre Freundin, die Hermine, habe Verehrer und Begehret in Menge. Wenn er's ernst mit ihr meine, solle er sich beeilen. Er erschrak, dah ihm die Deine zitterten. Das Mädchen hätte er keinem andern gegönnt. Unb er hielt um sie an. Zwei Monate später waten sie Mann und Frau. Staat konnten sie mit ihren zwei Stübchen in der Enfchedet Straße nicht machen. Aber gemütlich war's. Und daS Kochen verstand die Hermine aus dem ff. Zuweilen empfing sie ihn mittags ritit ihrem Platt: „Hüt kriegste wat Gauls tau freien!“ Dann durfte er immer auf ein Lecketefsen rechnen. Die Sache hatte nur einen Haken: das Geld glitt ihr aus den Händen, sie wußte nicht wie. Sie putzte sich auch gern_ und stand viel vor dem Spiegel. Er war so Demättert in sie, dah er nichts abschlagen mochte. Wie sein Deutel nun leerer und leerer wurde, kam der Krach. Das Schlaraffenleben hatte ein Ende. Im geheimen raffte sie ihre Habe zusammen und entwich. Er lief herum wie vom Blitz getroffen. Sein Kollege, der lange Brüggemann. hatte noch feinen Uz mit ihm und sagte: „Wenn die hübschen Weiber fort sind, steigen die alten im Preise. Die Kampmannsche brühen nimmt dich gleich." Er hätte dem Kerl ins Gesicht spucken mögen. Er hatte an der Hermine unbändig gehangen und sah kein Frauenzimmer mehr an. In den oben Stübchen packte ihn ein Grausen. Wollte er nicht Zahl der Daulustigen wieder größeren Umfang anzunehmen doch fehlt manchem, der sich gerne ein Einzellxnm errichten möchte, der Bauplatz. Da nun die Gemeinde vor kurzem ihr letzte- Baugelände an die Interessenten abgegeben hat und Bauland von Privaten kaum erworben werdet» kann, ist mancher geringe Mann, der keinen eigenen Grund und Boden har vor eine sehr heikle Frage geftellt, wenn nicht die Gemeinde wieder für Bauland sorgt. Diesem Uebelstand könnte abgeholsen werden, wenn von selten der Ge- memde, evtl, mit Hilfe des Gnteignungsgesetzes vielleicht ein Teil des übergroßen Pfarrgarten-, der von seinem Besitzer doch nicht vollständig au6- genutjt wird, ausgetauscht würde, wie dies in anderen Gemeinden auch schon geschehen ist. Au! diese Weise könnte wieder Baugelände für mindestens 7—8 Wohnhäuser erworben und dadurch den Wünschen vieler Baulustiger Rechnung getragen werden r. Wetzlar. 8. März. Daß unser Stadion einer der schönsten Sportplätze der näheren und weiteren Umgebung ist, dürste allgemein bekannt fein. Au, luftiger Höhe kann sich hier die sportlustige Iugend nach HerzenSlust auS- tummeln und sich messen in ehrlichem Wettkampfe mit Gegnern aus andern Orten. Die austoärttgen Vereine, die vergangenes Iahr hier ihre Wettspiele audgetragen haben, werden trotz der herrlichen Anlage des Stadions einen besonders erhöhten Platz für daS Preisrichterkollegium vermißt haben. Ietzt ist eine große lange Empore für die Preisrichter. Musikkapellen und Zuschauer an der Südostseite deS Stadions aus Beton errichtet worden und kann bald in Gebrauch genommen werden. Rach dem Stadion zu ist das Gebäude offen. Eine größere Menge Zuschauer Tann hier Platz finden und bequem den ganzen Spielplatz überschauen. — Wer heule einen Gang nach dem oberen Teil unserer Stadt, nach der S p i l b u r g , unternimmt, wird erstaunt sein über die großen, wunderschönen, neuen F r i e d h o s S a n la g en , die im Aw schluh an Öen alten Friedhof hier erstanden sind. Iedem Menschen, der nur etwa- Kunstverständnis in sich birgt, werden sie Freude machen. Ganze Hügel sind hier abgetragen und da hin- gebracht worden, wo es an Erde fehlte. Stufenweise steigen die neuen Anlagen den „Galgen- berg" hinan Dieser alte Rame ist fast vollständig aus dem Vollsmunbe verschwunden und mit dem Ramen Spilburg eingetauscht worden. Es war interessant, zu schauen, wie von vielen Arbeitern die Erdbewegungen in Feldbahnen, mit Wagen und Schiebkarren vorgenommen wurden. Die Wohnung mit Stallung des Landwirte- Frech ist. hier abgerissen worden und wird eben auf bet Höhe gegenüber der „ Franzenburg" neu aufgebaut. An demselben Platz, wo die' Gebäude von Frech standen, wird der stattliche Dau des Krematoriums erstehen, dessen Fundamente bereits fertiggestellt sind. • Braunfels, 8. März. Die Brenn- Holzversteigerungen tn den fürstlichen Waldungen ergaben folgende Durchschnitts erlöse: Revier Greisenstein: Buchenscheiter 14,17 Mk., Buchenknüppel 11,21 Mk.. Buchenreisertnüppet 3,43 Mk., Buchenreisig 0,79 Mk.: Revier Heisterberg: Buchenscheiter 13,01 Mk., Buchenknüppel 9,93 Mk., Buchenreiserknüppel 4,91 Mk., Buchen- reisig 1,53 Mk.: Revier Altenberg: Buchenscheiter 15,45 Mk., Duckenknüppel 13,36 Mk., Buchenreiserknüppel 4,43 Mk., Duchenreislg 1,44 Mk Hessen-Nassau. bl. Dillenburg, 7. Vtära. Der Kreis beabsichtigt, mit Beginn des Frühjahrs im hiesiges Kurhaus Handarbeitskurse für jung« Mädchen und Frauen zu veranstalten. Rach den von den Gemeinden eingeholten Gutachten steht zu erwarten, dah ein reger Besuch ein* setzen wird. bL Haiger, 7. März. In erfreulichem Vtafa kann man in der letzten Zeit eine Wiederbelebung der Bautätigkeit in unsere, Stadt beobachten. Stellte man schon im vergangenen' Iahre eine Anzahl Bauten bezugsfertig her, so ist man jetzt in noch stärkerem Maße aw diesem Gebiete tätig. fpd. Frankfurt a. M., 8. März. Einer hiesigen Bank kamen 40 000 Mark Höchster Farbwerksaktien, 40 000 Mk. Aktien der dem Wahtrsinn verfallen, mußte er sein Bündel schnüren. Sein Prinzial, der Herr Schulte, gab ihm die besten Worte, er solle bleiben. ES litt ihn nicht länger in der Stadt. Ec stand auf. Die Erinnerung übermannt« ihn. Um seine Lippen lief ein schmerzliches Zucken. Die Zeit, so sagte man, heilt alle Wunden. Die ihm geschlagen war, würde kein Trost beträufeln. Unb doch! Seit ein paar Tagen war eine Hoffnung in ihm, stärker denn je, daß ihm die Verlorene wiedergegeben werde. Dem RühlSadam fein Cnkelfohn .der Thomas, war aus Amerika angenommen. Der hatte in Buffalo als Weißbinder gearbeitet und erzählte, drüben sähe es traurig aus. AuS allen Ecken und Enden der Vereinigten Staaten kämen die Rachrichten von Bankrotten. Eine große Eisenbahngesellschaft hätte ihre Zahlungen eingestellt. Auf dem Schiff, das den Thomas nach Bremen brachte, waren Heffen und Württemberger und Westfälinger. Ihm. dem Karl, lag's auf der Zunge, daß er den Weißbinder fragte: „Hast du nicht mein Druschel- chen, die Hermine, gefehen?" Torenfpiel! Der ThomaS kannte sie ja nicht. Richtsdestoweniaer formte sie dabei gewesen fein. Sie konnte mo gen. die andre Woche kommen. Unb er hatte noch nichts getan, sie gebührlich zu empfangen. Gleich wollte er an den Löb nach Dirlammen schreiben. Der sollte ihm eine Rähmaschine besorgen. Das Eckstübchen droben war noch kahl und leer. Die Kasse verschlang halt all seine Gedanken. Run, in ein paar Tagen ließ sich viel schassen. Die Hände auf dem Rücken, das schmale Gesicht tote im Fieber gerötet, tief er in der Stube auf und ab. Wonach er brünstig begehrte, das spiegelte ihm seine Phantasterei als Wirk- lichkett vor. Da hielt ein Wagen vor dem „Ritter". Reugierig stand der Schorsch an der Tür. Eine Frau flieg ab. Richt mehr jung, aber auch noch nicht alt. Und hübsch tote nur eine. Die fragte: „Wo wohnt der KrämerSkarl?“ „Aus demKirch- toeg," gab ihr der Schorsch Bescheid. Und red» sprüchig, wie er war. setzte er hinzu: „Der Krämers kart is etz auch Rendant. Das Geld regnet ihm nur so zum Dach herein. Man spricht schon, er wird Gemeinderat. Und soll auch in den Kreisausschuß kommen." (Fortsetzung folgt.) Rheinischen Fabri 6>tteipetm SIcT- tron unD 40 000 ^ Aktien der Elberfelder Farbenfabriken vorrn. Daher abhanden. Vermutlich wurden die Aktien Ende des Jahres 1923 im Trubel der Inflation entwendet. Die Mdda-Reoulierung. O Infolge der starken Aiederschläge im vergangenen Jahr sind sowohl Die Rid d a. als auch die Aid der im Kreise Friedberg, sowie im angrenzenden Landkreis Hanau und in den Vororten von Frankfurt a. Al. mehrmals über die Ufer getreten, so daß Ortsteile und Tausende von Morgen fruchtbarsten Landes und bester Wiesen überschwemmt waren, und teilweise wochenlang unter Wasser standen. Hierdurch sind bedeutende Schäden für die Bewohner und besonders für die Landwirtschaft entstanden. Die Ursache dieser Lleberschwemmungen ist in der ungenügenden Gröhe der Bachquerschnitte und vorwiegend in der mangelhaften Unterhaltung der Dachläufe (konnte während der Kriegsjahre wegen Fehlens der Arbeitskräfte nicht vorgenommen werden: nach dem Krieg und während der Inflationszeit schreckte man von den ständig wachsenden Kosten zurück), begründet. Sämtliche beteiligten hessischen und preußischen Gemeinden drängen nun auf Ausführung der schon lange geplanten Regu- lierung. Soweit wir unterrichtet sind, soll noch in diesem Jahre mit den Aiddaregu- lierungsarbeiten des Abschnitts Aie- der-Florstadt — Wehr der Scharr- mühle begonnen werden. Die Kosten, soweit nicht ein Staatszuschuß in Frage kommt, sind von den interessierten Gemeinden zu tragen. Kirche und Schule. y. Büdingen, 6. März. Heute fanD hier im Rathaussaale die diesjährige Kreislehrerkonferenz unter Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Gähner statt. Zum ersten Male war es dem Leiter des Kreisschulamts Büdingen nergönnt, sich der Lehrerschaft des Kreises vorzustellen und mit ihr in nähere Beziehungen zu treten. Seine herzliche, von Wohlwollen und vollem Verständnis für den Lehrerberuf zeugende Degrühungsrede machte auf die etwa 150 Lehrer und Lehrerinnen einen sehr guten Eindruck und erntete reichen Beifall. Die Tag^ordnung umfaßte zwei Hauptthemen. Vormittags referierte Lehrer Müller aus Glauberg über den Entwurf des neuen Lehrplans, als dessen Leitgedanken der Vortragende die H e i ma t - und Arbeitsschule nachwies und dann hauptsächlich die Bestimmungen für die ein- und zweiklafsigen Schulen einer eingehenden Betrachtung unterzog und für die einzelnen Lehrfächer wertvolle praktische und methodische Vorschläge machte. Die tiefgründigen Ausführungen des Referenten berbienten den reichen Beifall der Zuhörer. Es schloß sich eine sehr rege Aussprache an, in der besonders Kreisschulrat Gök- k e l wünschenswerte Erläuterungen gab. Äach-- mittags hielt Lehrer Ganz von Ober-Widders- heim einen Vortrag über „Kant und seine Erziehungslehre". Aach einem kurzen Lebensbild dieses Königsberger Philosophen führte der Vortragende in wissenschaftlicher Gründlichkeit den Anwesenden Kants Grundsätze über Erziehung und Unterricht in klarer Weise vor und erntete gleich dem ersten Redner reichen Beifall. Der Vorsitzende sprach beiden Referenten im Aamen der anwesenden Mitglieder des Kreis- schulamts und der Lehrer und Lehrerinnen in herzlicher Weise den wohlverdienten Dank aus. Zum Schlüsse der Tagung wurden noch vorn Kreisschulrat einige Verfügungen der obersten Gchulbehörde bekanntgegeben. Strafkammer. * Gießen, 6. März. Der Dienstknecht Karl G. von Erbenhausen hatte sich wegen Körperverletzung zu verantworten, begangen an dem Landwirt V. daselbst. G. steht im Dienst bei der Ehefrau des V., mit der dieser zer Zeit in Ehescheidung lebt. V. glaubte auf Grund umgehender Gerüchte Grund zum Haß gegen G. zu haben und äußerte vor einiger Zeit, er werde den G. erschießen. Als G. nun zufällig eines Dags auf dem Rade den V. auf der Landstraße traf, stellte er diesen zur Rede. V. zog einen Revolver, lief aber dann fort, als G. sein Rad zu Boden legte und sich anschickte, auf B. einzudringen. V. flüchtete in einen Feldweg, wohin G. ihm zunächst mit dem Rad nicht folgen konnte. G. paßte aber den V. auf der anderen Seite des Feldwegs ab, bewarf ihn mit Steinen, packte ihn an der Gurgel, würgte ihn, warf ihn zu Boden, kniete fich auf ihn und bearbeitete ihn mit den Fäusten. Auf der Brust brachte er dabei dem D. einige Schürfwunden bei, und zwar, wie D. angibt, durch Tritte mit den Füßen. G. war vom Amtsgericht wegen dieser Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2 5 Mark, im Fall der Llneinbringlichkeit zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden. V. - hatte sich daraufhin als Aebenkläger der Klage angeschlossen und Berufung verfolgt. Auch die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt. Beide Berufungen begehrten Erhöhung der Strafe. Die Strafkammer schloß sich jedoch in der Beurteilung des Falles dem Vorderrichter an und verwarf beide Berufungen. Zu Gunsten des Angeklagten wurde berüc^ichtigt, das D., der schon mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist, in seiner Erregbarkeft ein rabiater Mensch sein kann und daß G. bis retzt noch unbestraft ist. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 6.März. Zwei Einwohner von Burkhardsfelden, ein Landwirt und ein Weißbinder, die früher gut miteinanber standen, sind jetzt miteinander uneinig geworden. Letzterer soll nun behauptet haben, der Landwirt habe ihm seinerzeit einmal erzählt, er habe sich zwei Wagen Stangen auS dem Walde angeeignet, der Forstwart sei damft einverstanden gewesen. Der Landwirt beftreilet natürlich, eine derartige Aeußevung getan und Stangen enttoenbet zu haben. In der heutigen Hauptverhcmdlung gibt der Weißbinder, der wegen Beleidigung ver- flagt worden ist, zu, die obige Aeuherung getan zu naben, er behauptet aber auch weiter, daß der Landwirt, der Privatkläger, ihm daS selbst erzählt habe. Da der Forstwart wegen Krankheft heute nicht erscheinen konnte, tourüe die Verhandlung auf 4 Wochen vertagt. Eine Frau von hier lebt mit ihrem Mann in Ehescheib ung. Bei diesem befindet sich das gemeinschaftliche kleine Kind, ein Mädchen. Als nun eine Frau aus Der Aachbarschast eines Tages daS Kind im Einverständnis mit seinem Vat>.r zu einer Besorgung mit sich nahm, trat ihr die Muller, die heutige Angeklagte, entgegen und verlangte die Herausgabe des Mädchens. Die Frau verweigerte dies, worauf ihr die Angeklagte einen Schlag in das Gesicht versetzte und ihr das Kind mit Gewalt entriß. Auf die erhobene Privatllage hin bedauerte die Angeklagte den Vorfall, bat deswegen um Entschuldigung und verpflichtete sich zur Zahlung der Kosten einschließlich sämtlicher Gebühren des klagerischen Rechtsanwalts. Gerichtsfaai. Mainz, 7. März. Vom Schwurgericht zum Tode verurteilt wurde der 35jährige Landwirt P i e r o t h aus Gensingen, der ein achtjähriges Mädchen vergewaltigt Halle, so daß es später starb, und ein lOjähriges Mädchen, an dem er unsittliche Handlungen vorgenommen hatte, ertränkte, um sich vor Anzeige zu schützen. Außer der Todesstrafe tourbe noch auf 14 Jahre Zuchthaus erkannt. Wirtschaft. * Der Wiederaufbau des Privat- diSkontmarktes. Die Reichsbank hat sich laut der „Voss. Ztg." der Berliner Stempel- Vereinigung gegenüber grundsätzlich zum Ankauf eines jeden Primabankakzeptes bereit erklärt, das den Privatdiskontmarkt passiert hat. Das ist für den weiteren Ausbau des Privatdiskontmarktes von großer Bedeutung, denn nunmehr ist den Banken die Möglichkeit eröffnet, im Bedarfsfälle die von ihnen im Privatdiskontnrarkt erworbenen Akzepte an die Reichsbank weiter zu begeben. " Englischer Auftrag an Die D eut- s ch e Werft-- A.-G. Laut Timesmeldung hat Die Reedereifirma Furneh, Wit Hy & Co. der Deutschen Werft-AG. Hamburg Den Auftrag von fünf 10 000 Tonnen-MvtorDampfem (Geschw. 15 Knoten) erteilt. * Harpener Berg bau AG. In dem Prvspett über die Zulassung von 7,5 Mill. Rm. 7prozentiger Anleihe zur Berliner Börse schreibt die Verwaltung, ob eine Dividende verteilt werden könne, stehe noch nicht fest, doch werde der Abschluß keine Verluste ausweisen. Bei günstiger Entwicklung des Absatzes sei für 1925 wieder mit einem Lieberschuß zu rechnen. • Preußische Pfandbriefbank, Berlin. In der H. D. wurden Die vvrgelegte Reichsmark-Eröffnungsbilanz, Die Llmstellung des Aktienkapitals und die sich daraus ergebenden Satzungsänderungen einstimmig genehmigt. Aach Abzug der Passiven ergibt sich bei der Reich s- markbllanz ein Vermögensüberschuh von 4.66 Mill. Rm. Das Grundkapital wird dementsprechend von 120 Mill. Pm. im Verhältnis von 30: 1 auf 4 Mill. Rm. durch Lkmstempelung jeder 1500-Pm.-Wtie auf je 50 Rm. umgestellt. Der Kapitalreferve werden 600 000 Rm. überwiesen. Dem Pensionsreservefonds 50 000 Rm. und Der Iakob-Dannenbaum-Stiftung 10 030 Rm. Ferner wurde die Bilanz für 1924 nebst Gewinn- und Derlustrechnung genehmigt. Aus diesem Jahresabschluß ergibt sich nach Abführung des oer- tragsmähigen Gewinnanteils von 165 000 Rm. an Die Roggeni entenbank ein Lieberschuh von 583 375 Rm., aus dem 155 000 Rm. zurückgestellt, 8 Proz. Dividende verteilt, an Den Aufsichtsrat 60 750 Rm. als Tantieme ausgeschüttet und 47 600 Rm. vvrgetragen werden. Frankfurter Dorfe. (Eigeiier Drahtbericht des „Giehener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 7. März. Tendenz: Weiter erholt. — Obwohl die Dorfe von neuen ungünstigen Aachrichten hörte, blieb Der freundliche Unterton, Der sich im gestrigen Abendver- kehr durchsetzte, bei Beginn bestehen, doch ist die Stimmung als nicht ganz einheftlich zu bezeichnen, Da immer noch einige Kurskorrekturen nach unten vorgenommen werden. Die Ver- fdjärfung des Eisenbahnerflreiks begegnet on der Börse größter Beachtung und war auch Der Anlaß, Daß sich eine regere Geschäftstätigkeit nicht zu entwickeln vermochte. Die Börse zeigte kräftigen Widerstand gegenüber Aeigungen zu Realisationen. Teilweise stellten sich neue gute Erholungen ein, besonders der Montanmarkt war gut disponiert für all- führenden Werte. Dagegen zeigte der Chemiemarkt vereinzelte neue Abbröckelungen, die aber unbedeutend waren. Der Elektromarkt hatte bei behaupteten Kursen geringeres Geschäft. Einen stärkeren Rückschlag erlitten Lah» meyer, die um 3,75 Prozent schwächer wurden. Der Dankaktienmarkt lag still, die Kurse waren anfangs kaum verändert, nur vereinzelt leicht gebessert. Reichsbank bildeten eine Ausnahme mit einem Gewinn von 1,25 Proz. Schifffahrt Sw erte lagen lustlos. Auto- und Mafchinen-Aktien leicht gebessert. Auch Zellstoff-Aktien konnten ihre Kurse etwas erholen, desgleichen Terrain. Auch für Zuckeraktien kam es zu einiger Aachfrage bei nur geringen KurSbesferungen. Der Einhei t s m a r k t der Industriepapiere behielt sein ruhiges Aussehen bei, wesentliche Kursverände- tungen traten nicht ein. Heimische Anleihen waren etwas lebhafter im Geschäft und toeuer reicht anziehend, Dagegen schwächten sich ausländische Renten aufs neue leicht ab. DaS Freiverkehrsgeschäft war auch heute bedeutungslos, die Kurse zeigten sich aber leicht erholt. Api 1,6, Deckerstahl 1,35, Deckerkohle 7.1, Benz 4,9, Growag 0,177, Hansa-Lloyd 1,75, Krügershall 10,75, Kunstseide 31 Proz., Kabel Rheydt 175 Proz., Ufa 12,75. Am Geldmarkt nimmt das Angebot eher zu. Tagesaeld, das gestern auf 1/1 pro Mille ermäßigt wurde, dürfte heute noch leichter zu haben sein als an den Vortagen. Monatsgeld hörte man mit 9,5 bis 101/2 p. a. PrivatdiSkont 87 *R bis 9\'8 Prozent. Im internationalen Devifenverkehr schreitet die Besserung des französischen Frankens und Der italienischen Lire fort. Paris 91,90 gegen London und 19,25 gegen Dollar. Der Kurs des englischen Pfundes ist bei 4,761/2 bis 4,76V« leicht befestigt. Die Mark ist mit 4,199 gegen Dollar unverändert. Börsenkurse, Datum: 5% Tentlfije RclchSanletbe . 4e/n Deutsche SicichSanleihe . 8V3°/o Deutsche Mtchc-anleihe 37. Deutsche Rcichsanletbe . Deutsche Sparprämicnamethe 4°/0 Preußische Konsols . . . 46 o Hessen.......... 3'/5% .Hessen.......... 3% Heuen Deutsche Werth. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Annetsng.') <•/» Zolltürkeu 6% Goldmexikaner Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Tarmst. und Nactoualbank . Deutsche Bank......... Deutsche Bereüisbank . . . . Dlöcomo Commandit Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterreichische Creditauftall. Westbcmk............ Bochumer Guß ..... 4. Buderus....... Caro .. Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte.......... Oberbcdarf Pyouix Bergbau Rycumahl........... 9hcbcd Montan Tellus Bergbau ....... Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Llottd Chcramische Werke Albln . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont 'Guano Badische Anilin..... . . Ll»cn tische Pta per Llapü» .. Goldschmidt Gries ebner Electron . • • . Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung..... .. Nütgerswcrke Schetdeanstalt ........ Alla- Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwerke ....... Schustert............ Siemens tuf). ftut» Schlutz». Mittaq- 6 rje 6.3. 7 3. 6. 3. 7 3 0.587 0,607 0,5^5 0.610 — 0.80 0,815 0,750 0.83 0.80 0 810 1.1 1.10 1,08 1.055 0,45 0,475 0 43 O.!5 0,91 0.92: 0 91 0,92 — — 0,9» 0,90 e—- 1 0 95 1 — 0 93 0,86 0,°0 94,75 94, 5 94.75 04.75 91,55 91,55 91,65 91.65 10 9,9 9,75 9,7 38.4 38 5 43 — 154 154 154 155 (i 6.10 6,20 6,12 13.9 13 11,1 13 12 128 128 25 128,5 129 0 42 0.41 — — 1 1,50 122,20 121 121,90 112,5 113,5 —— — 2 2 2 2 9,25 9.50 8,35 9,40 0,119 0,115 — — __ —— 83,75 16,70 17,75 17,50 17 10 10 45 10 10 li 75,50 77.25 77,6 80.2 77,9) k0,50 «2 83 137 139,25 137 138,20 17,5 17,25 17,10 17. 0 21,4 21 59 U ,13 a 7 7,25 6 75 6.9 9,70 9,75 9,25 9 99 59 59 25 58,4 59.4 52 75 53.375 (2,30 53 25 4; 42,'0 41 43,25 3,55 3 55 —— — 90 86 88.2,5 85,73 3,71 3,725 3,70 3,75 90 90,25 — — 5 50 5,60 5,5 5,7 115 143.13 143 5 28 13 28 27 25 28 0,455 0,475 ___- 21 13 20,75 20 7 103,5 23 75 31,15 '3,6 24 25 24.9 24,40 25 8 25 8,13 — 16,13 16,20 16,20 16,25 141 144 — 11,13 11.35 11 20 11,75 17,40 17,6 17 17 40 w 90 —— —• 62 63.6 61, 5 63 73 75,5 72,9 73,75 3,60 3 80 3 5 3,75 5.50 — 5,5 5,62 3 5 3 5 —- — 8.75 8,62 8,13 8 75 — 99 99 0,61 0,6» 1 15 — 1,11 1,12 1,12 134 133,25 — — 2,2 2,15 2 25 2 13 3 6 3,5 3,75 2,55 2 62 2 5 2,55 11 10 >1 11 Y 11,13 4,31 4.50 •— — 3,50 V 50 —— — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-AireS, London, Neu- York, yapan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest mr 100Od) Eürdeiten. alle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 6. März 7 März RepaN. ß. ' 7. Amtlich, tlcld )lokiernna Brt»' y: Äels to"-r 11 - * •» Amtt-Non 167.54 167.96 167, Ö 168,01 ppOiöotl Bucn.-AireS 1,664 1,668 1,658 1.662 voll.voll Brff. Antw. 21,155 21.215 21,19 21 25 1 Pli^oQ Lhriftiania 64,0 64 1< 63,97 64 13 voll voll Koprnbagen 75,19 75.37 113,31 75,11 75 29 voll voll Stockholm . 113,02 113,05 113.33 voll voll HclungforS 10.558 10,598 10,558 10,5'8 vollwoll Italien. . 17 08 17.13 17,16 17.20 voll'volk London. . 20,008 20 058 20,00 20,05 voll voll Neu York . - 4,195 21,47 4,205 4,195 4,205 ovl. voll PoriS. . . 21.53 21. 4 21 80 vou^ooll Schweiz . 80.71 80 92 80,69 60 89 voll voll Spanien. 59 53 59.57 59.53 69,67 voll voll Japan . . • -Hio de Jan 1,688 1,692 1,69! 1,697 0,464 0,466 0,466 0,468 voll,voll Wien in D-- voll.voll CefL abgest 59,13 59,27 12,18 59,13 59,27 voll voll Prag . . . - 12,44 12.44 12,48 voll voll Bel/rad . . 6 72 6.74 6,71 6,73 Mill oll voll voll Budapest. - Bul arten 5,79 5,81 5 79 6,81 8,055 19,975 79,34 8,065 3,055 19,775 8,065 l’Ot voll L'ssabon ■ 20,025 20,035 voll Danzig. . - Konst.nrin. 79.54 79,325 79,825 vollvoll 2 104 2,114 2.05 2,10 vollooll Athen. . . 6,59 6.69 6,64 6,66 Poll voll Banknoten. Berlin, 1. Mär^ GeV» Frtet Neu art. Amerikanische Note» 4.172 4,192 roll Belaiiche Noten . . 21,13 21,23 roll 74 8 - 75 01 Englische Noten. . . O AO O 19.975 20 075 voll Französische Holländische krt.ilienische Noten . Noten . • • • • 21.71 167 2 3 21 83 1t8 09 voll voll Noten . 17 21 17 29 voll Norwegische Noten. 63,74 64,06 voll Deutsch-Oestcrr, ä 100 Krone» 6,903 6,933 voll Rumänische Noten . — •— Schlvedische Noten . 112,82 113.38 voll Sckmei,er Noten . . 80,55 80,95 voll Spanische Noten....... 69 45 69,75 voll Tschechoslowakische Note» . . 12 41 12,49 voll Ungarische Noten. e e • 6,76 5,78 voll Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Der [in. 7 März. Die letzte Börse der Wocöe eröffnete in freunDlieber Die gestern begonnenen Deckungskäufe Der SpeL ulation setzten sich fort, wobei sich daS Hauptinteresse aus Montanwerte richtete. Diese konnten ihre gestrigen Schluhkurse entweder behaupten oder leicht erhöhen. Grund für diese Tendenz war wohl in erster Linie Die Tatsache, daß die letzten Verkaufe von Lombardwaren nachgelassen haben und Daß Die Dörsei von den heutigen Verhandlungen zwischen Der Reichsbahn und Den Eisenbahner verbänden eine Beilegung der Arbeitszeit- und Lohnkonflikte erhofft. Auch die übrigen Gebiete teilten diese freundlichere Stimmung, obwohl Die Umsätze gering blieben. Die Dividendenfrage bet Hapag bewirkte heute ein weiteres Sinsen des Kurses um 2 Prozent. Bemerkenswert war das Interesse Der Spekulation, das sich bei Beginn für heimische Anleihen geltend machte. Am GelDmarkt zeigte sich gegenüber Den Vortagen etwas mehr Bedarf. Doch ist Material ausreichend vorhanden, so Daß tägliches GelD unverändert lag. Tägliches Geld A—12 Prozent, Monatsgeld 12—13 Proz. Privat- Diskont 8—8' Prozent. Am ®eöifenmarft war das Geschäft ruhig, das englische Pfund leicht befestigt. Berliner Produktenbörse, Berlin. 7. März. Der Produktenmarkk hatte bei nachgebenden Kursen ruhiges Geschäft. Das inländische Angebot von Weizen und Roggen war nur vereinzelt, bei geringer Kauflust. Die Llmsähe in Mehl, Gerste, Hafer und Futterartikel waren belanglos. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen ,märf. 248 bis 256, Do. 2lprft 291 bis 292, do. Juli 295 bis 294, Tendenz flau, Roggen, märt 242 bis 246, do. Juli 252 bis 254, Tendenz flau, Gerste, mark. 247 bis 260, Futtergerste 215 bis 232, Tendenz schwach, Hafer, wärt 186 bis 192, do. fromm. 206 bis 205,50, Lendeiu matt, Mais (loto Berlin) 217, do. Mai 194, Tendenz schwach, Raps 395. Tendenz still: für je 100 Kilo: Weizenmehl 34,50 bis 36,75, Tendenz flau, Roggenmehl 33,75 bis 36,25, Tender^ flau, Weizenkleie 14,30, Tendenz still, Roggenlleie 14,40, Tendenz still, Viktvria- erbfen 27 bis 32, ft eine Erbsen 20 bis 22. Futtererbsen 19 bis 21. Vetuschken 18 bis 19. Acker- bch:en 19 bis 21, Wicken 18,50 bis 20, Lupinen, ölau 12.25 bis 13,25, Do. gelb 14,50 bis 16, Serradelle, neu 14.25 bis 16,50, Rapskuchen 17,20 Leinkuchen 22,50 bis 23,50, Trockenschnihel 9,50 bis 9,60, Torfmelasse 9,40, Kartoffelstöcken 19,40 bis 19,70. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus Der „Radio-Llrnschau".) Dienstag, 10. März: 11,55 Llhr: Zeitangabe. 12 Llhr: Nachrichtendienst. 12,55 bis 1 Llhr: Rauener Zeitzeichen. 4 Llhr: Wirtfchaftsmeldungen. 4,15 Llhr: Rachrichten Der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau. 4,20 Llhr: Rachrichtendienst. 4,30 bis 6 Llhr: Tanznachmittag Des Haus' orchesters 1. Der erste Kuß (Foxtrott) Kollo, 2. Exfto (Tango milonga) Sommer. 3 Wiener Blut (Walzer) Strauß, 4. PasaDena (Foxtrott) Warren, 5. Zaza (Shimmy) Buxeuil, 6. Eva- walzer Lehar, 7. Fate (Foxtrott) Gay, 8. Idea (Tango) Korla, 9. Rosen aus dem Süden (Walzer) Strauß, 10. Chicago (Foxtrott) Fisher. 6 Llhr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6,30 Llhr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Soll und Haben" von Gustav Frehtag (Fortsetzung). 7 bis 7.30 Llhr: Die Besprechung (Literarischer Tell) Otto Schwerin liest seine neueste Kriminalnovelle „DaS Malallarohr". 7,30 Llhr: ^Übertragung aus dem Frankfurter Opernhaus „Der Troubadour". Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi. (Aenderung Vorbehalten.) Anschließend: Rachrichten, Wettermeldung, Sportbericht. Spielplan der frankfurter Theater- Opernhaus. Dienstag, 10. März, abends 71/3 Llhr: Der Troubadour. Mittwoch, 11. März, abends 7 Llhr: Die Jüdin. Donnerstag, 12. März abends 7 Llhr: Der Freischütz. Freitag, 13. März, abends 7 Llhr: Mignon. Samstag, 14. März, abends 71/2 Llhr. Ariadne auf Raxos Sonntag, 15. März, abends 7 Llhr: Das Rheingold. Schauspielhaus. Dienstag, 10. März, abends 7 Llhr: Trvilus und Cressida. Mittwoch, 11. März, abends 71/2 Llhr: Wenn wir Toten erwachen. Donnerstag, 12. März, abends 7i/a' Llhr: Der Kreidekreis. Freitag, 13. März, abends 71/2 Llhr: Wenn wir Toten erwachen. SamStag, 14. März, abends 71/2 »Llhr. Michael Kramer. Sonntag, 15. März, nachmittags 3 Llhr: Wil- helm Teil: abends 71/2 Llhr: Der Kreidekreis. Theater-Cafe Ernst Ludwig Dlesitag, den II. Mlri, S Uhr Großer bunter Abend Lelette Agoust SWÄBLSSS Harry Berger heiter, runderer e.Setyrlher Paul Birner-Bornhans ^"Linoriet. Anschließend: Daisy ein Sketsch Pereonen: — Mr. Coctail .... Pani B.-Bornhans Daley Lelette Agoust Er............Harry Berger Verstärkte Kapelle :: Eintritt frei Färberei Gebr. Höver Laden: Marktplatz 8. Ihre Garderobe (Herren-, Damen- u. Kinder- Kleider), Decken, woll. und seid. Vorhänge, Gardinen, Federn, Handschuhe etc. etc. Die meisten Gegenstände lassen sich durch chemisches Reinigen oder Färben sicher wieder wie neu herstellen. 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Samstag, tt Ariadne auf Axos Z Uhr: DaS M"' Dienstag, v. »» Ttb SttflU». MtttM Ihr: Dem M D>te° 12. März. obendS^ * fe* > Ernst Ludwig nter W jjSftSS MS- Das Wesen der deutschen Universität. AuS einem Dortrag Professor Eduard Sprangers, orbentL Professor der Psychologie an der Universität Berlin. Die abendländischen Universitäten, die auf eine Entwicklung von etwa 700 Jahren zurück» blicken können, wurzeln sämtlich in der mittelalterlichen Universität. Die früheste Fonn der mittelalterlichen Umversität war die Klosterschule. 3n dieser wurden nur die „septem artcs“ Grammatik, Rhetorik. Dialektik, Arithmetik. Astronomie, Geometrie und Musik gelehrt. alS Erbe deS griechisch-römischen Altertums. Erst mit dem zwölften Jahrhundert trat ein Umschwung ein. DaS römische Recht wurde zu neuem Leben erweckt. Die Medizin nahm durch arabischen (Sin- Hub einen neuen Aufschwung. Dor alley Dingen aber entstand durch die Auffindung aristotelischer Schriften eine neue theologisch-philosophische Wissenschaft. die Scholastik. Die erste abendländische Unwersitat wurde in Bologna gegründet, worauf bald andere in allen Kulturnationen folgten. Schon die damalige Universität gliederte sich in vier Fakultäten, die aber nicht gleichwertig waren. Als „untere" Fakultät, die jeder „Student" erst durchlaufen muhte, bestanden noch die „septem artes", also daS, waS heute der philosophischen Fakultät entspricht. Die drei „oberen" Fakultäten waren Theologie, Jurisprudenz und Medizin. Die Gliederung der Studierenden erfolgte nach dem Muster der Zünfte (Lehrling, Geselle, Meister) in SchvlariS, BaccalaureuS und Magister. 3n dieser Zeit entstand auch der Dame Universität, der aber später falsch ausgedeutet wurde. Universität heiht ursprünglich nicht ein 3nstitut, daS der „Gesamtheit' der Wissenschaften dienen soll, sondern daS die „Gesamtheit" der Lehrenden und Lernenden umspannt. Man dachte also an eine Lebensgemeinschaft im heutigen Sinne. Die Hauvtcharakteristika der mittelalterlichen Universität waren erstens eine von der Religion, das heiht hier von der Offenbarung, gelenkte Wissenschaft, zweitens Ueber- nanonafität (die Universität umfasste die gesamte abendländische Christenheit), drittens war sie Erbin der griechisch-römischen Tradition, d. h. sie war fein Forschung^, sondern ein Lehr- inftitut; gemäß dem Geiste des Mittelalters, für den eS keine Erkenntnisse gab. die man findet, sondern nur die. die ivt der Bibel mö als Unterbau dazu in der aristotelischen Philosophie vorhanden waren. Die Form der Lehre bestand in einem Dorsagen und Diktieren, wovon sich Reste biS in unsere Zeit erhalten haben. 3n dieser Form bestand die Universität bis zur Wende durch die Reformation. Mit dem Erwachen antiker 3been im Humanismus und der Spaltung der Kirche in katholische, lutherische und kalvinistische verwandelt sich die alte, vom übernationalen Geiste der einen Kirche getragene Universität in eine Landesuniversität. Die Raturwissenschaften blühen, losgelöst vom Zwange der Kirche, auf, und es entwickelt sich eine von der Theologie unabhängige Philosophie. Reben den Universitäten entstehen Akademien. die im Gegensatz zu ihnen reine gor- schungsanstalten sind. Diese Epoche reicht bis zur Gründung der Berliner Universität im Jahre 1810. Diese Gründung ist Exponent des gangen damaligen GeisteS. Die Befreiung des Individuums, die auf politischem Gebiete ihr Korrelat im Liberalismus hat, erzeugt als reinsten Ausdruck deutschen Wesens die deutsche idealistische Philosophie. Diese Philosophie, die mehr als blohe Wissenschaft ist, ist persönlich erarbeitete, von persönlicher, nicht kirchlicher Religiosität erfüllte Weltanschauung. Der Geist, den die damalige Berliner Universität in feiner Reinheit (Fichte, Schleiermacher. Schelling» verkörperte. legt den Schwerpunkt auf die Idee der Einheit aller Wissenschaften in der Philosophie. Diese ist nicht der Rahmen der Einzelwissenschaften. sondern macht sie erst möglich. Die Reinheit der Wissenschaft wird betont, die Wahrheit soll um ihrer selbst willen gesucht werden, nicht in bezug auf ihre Anwendbarkeit. Wahrheit ist im Gegensatz zur mittelalte: lichen Anschauung nichlS fertig Vorhandenes, sondern ein beständig Werdendes. Vermehrung des WisfenSbestandes. d. h. For- e schung ist Pflicht der Universität, und zwar der ' Lehrer und der Schüler. Der Geist der Freiheit, in Gestalt der Freiheit des Forschens, der Lehre und des Lernens, herrscht in einem Grade wie bei feiner anderen Lebensorganisation. Mit dieser Wendung rückte die frühere .untere" Fakultät auS ihrer dienenden Stellung heraus zu einer wenigstens innerlich herrschenden. Denn die eigentliche Wüsenschustsmehrung liegt Hei der philosophischen Fakultät. Die anderen verwenden ihre Erkenntnisse, wie die medizinische, oder arbeiten nach ihren Methoden. Erzieher. Von 3. W. von Goethe. Die Worte sind gut. fic sind aber nicht das Beste. Das Beste wird nicht deutlich durch Worte. Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste. Wer blos mit Zeichen wirkt, ist ein Pedant, ein Heuchler oder eine Pfuscher. Cs gibt ihrer viele, und es wird ihnen wohl zusammen. Ihr Geschwätz hält den Schüler zurück, und ihre beharrliche Mittelmäßigkeit ängstigt die Besten. Des echten Meisters Lehre schließt den Sinn auf. denn wo die Worte fehlen, spricht 'die Tat. Wie erlebten Schulkinder den Volkstrauertag? Zweifellos eine Frage, die dem Erzieher toertDofle Rückschlüfse ermöglicht Wie erlebten Schulkinder den Dolkstrauertag? Um einmal zu sehen, wie ein solcher Tag sich in der Seele der Schulkinder widerspiegelt, ließ ich sie einen Aufsatz darüber schreiben. Daß der Dolkstrauertag den gefallenen Krie- rgalt, das erwähnten von 25 Kindern Eine ganze Anzahl, 11, gedachten auch des Todes des Reichspräsidenten: „es war ein doppelter Trauertag", ober: „deshalb trauerte man noch mehr", schreiben die Kinder. Eines drückt sich so aus: „am Tage vorder war der Reichs- prafident Ebert gestorben. Am Sonntag wurde Jugend und Hochschule. Bis zum Ende des achtzehnten IahrhuirdertS umspannte noch die Philosophie alle Wissenschaft, daher- rechnen heute noch Wifsenschaften zur philosophischen Fakultät, die mit reiner Philosophie nichts mehr zu tun haben. Mit bem 19. und 20. Jahrhundert wendet sich biefe Entwicklung nun derart, baß die (Sin- zelwiffenschaften mehr und mehr aus dem Schoße der Philosophie herauSwachsen. Durch die fortschreitende Komplizierung der modernen Kultur wirb die Fülle bei im einzelnen Wiß- baren immer größer. Der moberne Staat und auch die freien Berufe erfordern immer tiefer gehende Fachbildung. Woraus sich, da die ilni= versität die Fülle der „Fakultäten" nicht mehr fassen könnte. Fachhochschulen bilden, deren bekannteste die Technische Hochschule ist. Dies geht soweit, daß jede neue Seite der abendländischen Kultur eine eigene Fachschule ober Fakultät er- forbert. Die deutsche Universität in ihrer heutigen problematischen Stellung zeichnen folgende Charakteristika auS: Erstens, die Verbindung von Philosophie und Forschung. Diese Synthese ist an unb für sich nicht selbstverständlich. Philosophie kann im wesentlichen Weisheit, Lebensführung ober Metaphysik fein. d. h. der Religion näherstehen. Allein der latente Zusammenhang. der zwischen den Cinzelkarnationen unserer abendländischen Kultur besteht, führt notwendig aus diese Synthese. Die Philosophie kann, so wie sie heute als geschichtlich gewordenes Gebilde dasteht. nicht an den Einzelwissenschaften vor« übergehen. Weltanschauung läuft der Idee nach auf ein Totalwissen hinaus. Die Aufgabe der heutigen Philosophie ist daher einerseits, die verborgenen philosophischen Voraussetzungen der Einzelwissenschaften zu zeigen und dann ihre Ergebnisse zu einer Weltanschauung, d. h. Metaphysik zusammenzufassen, da die Einzelwissenschaften beziehungslose Teile ohne das Werk des Philosophen blieben. Wenn diese Philosophie bis heute nicht gelungen ist, liegt das nicht daran, daß die Aufgabe schief gefteltt ist, sondern daran, daß sie nur von einem der seltensten Köpfe bewältigt werden kann. Zweitens, die Verbindung von Forschung und Lehre. Der Professor und der Student müssen wenigstens der Idee nach die Wissenschaft toeiterbUben. Die deutsche Dissertation muß etwas Eigenes, Reues enthalten. In dem Lernenden soll die Leidenschast des Wchrheitsuchens herangezüchtet werden. Gerade hierauf, daß alle mitschaffen müssen, beruht die Lebendigkeit und die große Anziehungskraft der deutschen Universität gegenüber dem Auslande. Drittens, ist das Studium rein wissenschaftlich und keine Berufsbildung. Die ilnioerfität soll nur wissenschaftliche Voraussetzungen bieten, nicht die Berührung mit der Praxis des Lebens. Hieraus entspringt der Vorwurf der LebenSfremdheit, der der Universität gemacht wird. Sie bilde reine Gelehrte, und Die reine Wissenschaft stehe in einem Mißverhältnis zu ihrer Anwendbarkeit. Dies läuft auf Die Frage hinaus, ob älniöerfitäten zu Berufsanstalten gemacht werden fallen. Dem steht einerseits unser deutscher Glaube an den Wert des Wahrheitsuchens als ethischer Wert gegenüber, ferner die äleberzeugung. daß jeder, der eine Zeitlang durch die Schulung unparteiischen Denkens gegangen ist, eine bessere ttrnstellungsfähig- feit für neue Fragen der Praxis besitzt. alS der nur auf sein spezielles Derufsfach Gedrillte. Die heutige Stellung der deutschen Universität. mag im einzelnen vieles rudimentär sein, ist in ihrem Verhältnis zur Gesamtkultur eine innerlich notwendige und gesunde: fruchtbare Aenderungen können nicht erzwungen werden. fondem müssen dem historisch-organischen Entwicklungsprozeß überlassen bleiben. Das russische Hochschulstudium. Auf einer der letzten Sitzungen des Kollegiums des Volksbildungskommissariats in Mos - k a u wurden u. a. folgende neue Regeln für bas Hochschulstudium im Änterrichtsjahr 1925 26 bestätigt: Insgesamt werden in den Hochschulen 18 000 Studierende ausgenommen, von welcher Zahl 8000 Arbeiterfakultäten absolviert haben müffen. Die übrigen Plätze werden wie folgt verteilt: Auf die russische Kommunistische Partei entfallen 15 Prozent, ebensoviel auf die Derufsverbände unb auf den Kommunistischen Iugendverband. ferner ebenfalls 15 Prozent auf das arbeitende Bauerntum, Invaliden und entlassene Rotarmisten. Für die Kinder der arbeitenden Intellektuellen sind 10 Prozent vorgesehen, doch müssen auch sie von den Derufsverbänden empfohlen sein. 25 Prozent stehen den Absolventen der Mittelschulen und der — Parteischulen zu. so daß für die Zurück- brängung der Kinder bourgeoiser Eltern immer noch genügend Spielraum bleibt. Die prozentuale Aufteilung der Daganzen zeigt, wie sehr man in Rußland nach der vorjährigen großen „Hoch- schulsäuberung" auch heute noch daraus bedacht ist, nur dem Proletariat ben Hochschulbcluch zu ermöglichen. Trotz aller sicher Maßnahmen sehen die russischen Parteikreise die größte Gefährdung des Kommunismus im Fehlen einer genügend intelligenten proletarischen Hochschuljugend Eine Diplomalenschule in Amerika. Auch Amerika hat sich, nachdem bereits Frankreich unb Deut! chland sich eine Lehranstalt für ihren Rachwuchs int diplomatischen Dienst eingerichtet haben, eine solche in bet ..School o f 5 o r c i g n Office" der George Town University in Washington geschaffen. Zu ihrem Direktor ist Dr. Friedrich Wilhelm Rotz, ein Sohn deutscher Eltern, der auch in Deutschland studiert hat und Mitglied des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft unb Seeverkehr ist. ernannt worben. Durch ein im vorigen Jahr erlassenes Gesetz ist in Amerika die Ausbildung für den diplomatischen Dienst auf eine neue Basis gestellt worden, die die Diplomatenkarriere zu einem Beruf gemacht hat, der nicht mehr nur führende Parlamentarier der jeweils herrschenden Richtung zugänglich ist. Das neugegrünbete Institut hat sich bic Förderung der diplomatischen Wissenschaften zur Aufgabe gemacht und namhafte Gelehrte werden an ihm Vorlesungen halten. Die Berliner medizinische ftahdtät zur «Kurpfuscherei. Die zunehmende Laienbehandlung ernster Krankheiten und die körperliche Schädigung zahlreicher Menschen hierdurch, die teilweise zu gerichtlicher Verfolgung geführt hat. veranlaßte Die medizinische Fakultät der Friedrich-Wilhelm- Ülniversität zu Berlin zu einer Erklärung gegen die überhandnehmende Kurpfuscherei: Die medizinische Fakultät sieht in der immer stärker werdenden Zunahme des Kurpfuschertums eine erhebliche Gefahr für die Volksgesundheit und hält deswegen den Erlaß eines Kurpfuschereiverbotes für erstrebenswert. Sollte dieses nicht erreichbar fein, so hält sie es für zum mindesten unbedingt geboten, daß staatliche und Gemeindebehörden. Versicherungsanstalten. Krankenkaffenverbände usw. jede Unterstützung des Kurpfuschertums unterlassen und daß die Behandlung von ansteckenden (befonders Geschlechts-) Krankheiten durch Richtärzte gesetzlich verboten wird. Die neue preußische Promotionsordnung für d. Dr.med. vet Die Vorschriften der Promotionsordnung für die Erteilung der Würde eines doctor medicinae vetennanae durch die Tierärztlichen Hochschulen in Berlin und Hannover vom 29. Oktober 1910 unb vom 7. Mai 1913 werden nach einer Verordnung des Landwirtschaftsministers wie folgt geändert: § 7. „Der Beschluß der Prüfungskommission wird dem Bewerber durch den Rektor mitgeteilt. Das Doktordiplom wird ihm jedoch erst eingebänbigt, nachdem er 200 Abdrucke der als Dissertation anerkannten Schrift bei dem Rektor eingereicht hat. Vor der Aushändigung des Diploms hat der Bewerber nicht das Recht, sich Doktor zu nennen. Die eingereichten tMdrucke müssen ein besonderes Titelblatt haben, auf dem die Abhandlung ausdrücklich als von der Tierärztlichen Hochschule zur Erlangung der Würde eines doctor medicinae veterinanae genehmigte Dissertation bezeichnet unb auf dessen Rückseite der Rame des Referenten angegeben ist. Zu dem Titelblatt hat der Rektor die Druckgenehmigung zu erteilen, auch kann er auf Antrag des Referenten verlangen, daß vor der Veröffentlichung Aenderungen des Textes der Dissertation vorgenommen werden." Diese Aenderung tritt am 1. Oktober 1925 in Kraft. Deutschland und die internationalen wissenschaftlichen Kongresse. Der Verband Deutscher Hochschulen bringt eine interessante Zusammenstellung der internationalen wissenschaftlichen Kongresse der letzten beiden Jahre, an denen deutsche Gelehrte meist nicht beteiligt waren, ohne jedoch näher aus die Vorgänge einzugehen, die das Fernbleiben der Deutschen bedingten. Es werden im ganzen 91 Kongresse aufgeführt, die teils stattgefunden haben, teils Dor bereitet find. Zu 58 Kongressen war Deutschland überhaupt nicht eingeladen worden: bei den übrigen 33 handelt es sich meist um solche, die vom Völkerbund ausgingen oder von den Mittelmächten einberufen waren. An letzteren waren Frankreich und Belgien nur dann beteiligt, wenn es sich um internationale Gesetzgebung Handelle, oder die der Mülstrauertag dadurch immer schlimmer." Die Mhncn wehten halbmast. Daß dies mit dem Dolkstrauertag in Verbindung stand, betonten 9 Kinder. 6 meinten, die Fahnen seien wegen des Todes des Reichspräsidenten besonders aufgezogen. Daß deshalb bis einschließlich Donnerstag zu flaggen war. erwähnen 2. 1 Kind erwähnt dazu, daß alle Vergnügungen verboten traten. 3m Mittelpunkt des Tages steht auf dem Lande wohl fast überall an solchem Tag der feierliche Gottesdienst. Da ist die Kirche einmal voll! Aber die Kinder sind nicht entzückt davon, daß Erwachsene sich auf „ihren" Plätzen breit» machen. Konservatwe Jugend! Ein Bub sagt. „Wie erstaunte ich, als große Männer auf meinem Platz faßen und es sich bequem machten. Ich versuchte, mich auf der vorderen Bank zwischen meine Kameraden zu zwängen. So hatte ich die Möglichkeit. mich wenigstens hinzusetzen." Ober: „Wir mußten uns drängen, um Platz zu bekommen. Manche freilich haben auch schnell entschlossen sich Plätze gesucht und sie eingenommen. Dann sahen sich die Kinder im Gotteshaus um. Daß bet den Kriegergedenktafeln die umflorten Fahnen des Krieger- und Gesangvereins standen, fiel 15 Kindern besonders auf; 1 Bub erwähnte sogar die Blumensträuße, die unter die Gedenktafeln hingestellt worden waren. Den Teri der Predigt. Offenbarung Ioh. Kap. 3, Vers 11. haben 17 Kinder behalten: 5 von ihnen wußten auch noch, welcher Gemeinde ursprünglich diese Worte gelten. Den Inhalt der Predigt geben 3 Kinder sehr gut, 2 Kinder gut wieder. Auch Urteile Darüber finden sich. Ein Kind sagt: „die Predigt war für diesen Tag sehr geeignet", ober ein anderes. „die ganze Predigt bezog sich auf ben Trauertag." Ein Kind ist so ehrlich — eine gute Schülerin übrigens — zu sagen: „In der Predigt habe ich manches nicht verstanden." War sie wirklich an manchen Stellen vielleicht „zu hoch"? An einem solchen Tag kommen Denen, die Angehöriger gedenken, leicht Tränen in die Augen. 3 Kinder betonen das. und eines macht sich auch Gedanken über das „Warum?", und beantwortet die Frage sehr gut unZ) richtig. An dem Gottesdienst nahm der Kriegerverein geschlossen teil. 21 Kinder erwähnen ihn; 4 Kindern sind gleich die Abzeichen aufgefallen. Den am Gottesdienst beteiligten Gesangverein erwähnen sogar 22 Kinder, und von diesen sagen 13, daß er zweimal gesungen hat. Einige fügen besonders an, daß der Gesang sehr schön gewesen sei. — Die am Ausgang erhobene Kollekte erwähnen 2 Kinder: 1 bemerkt, als getreuer Registrator, daß der Gottesdienst „länger als sonst gebauert" hat. Mittags von 1 bis 1* 4 ilßr wurde zu Ehren der Gefallenen getaut et. Das ist 18 Kindern tm Gedächtnis geblieben. Das das Läuten nur mit einer Glocke geschah, da wir nur ci hüben, hat bei 3 Kirchern besonderen Eindruck g .nicht. Ein Tagung vom Völkerbund einberufen war. Tagungen auf deutschem Boden wurden nur selten von ihnen besucht, meist aber gemieden unter der ausdrücklichen Bemerkung, man wolle nicht mit Deutschen zusammen tagen. Don einer Reihe wissenschaftlicher internatio naler Organisationen ist Deuts chland fei: bem Kriege satzungsgemäß ausgeschlo' fen. Es handelt sich hier besonders um bk icnigen. die dem International reserch council (I. R. C.) unterstehen. Verschiedene Unionen wur den gegründet mit Dein Zweck, andere, die früh, unter deutscher Leitung standen, auszuschalle . So wurde z. D. an Stelle der internationalen astronomischen Rachrichtenzentrale in Kiel eine neue Zentrale in Brüssel gegründet: die chemisch? Union beschloß 1920 in Rom die Gründung eine' internationalen Patentamtes mit Llusschluß Deutschland-. -• Vor dem Kriege hatten 15 internationale wissenschaftliche Vereinigungen ihren Sih in Deutschland, 1923 bestanden Davon noch 3. Die Commission intern, des m^thodes d'analyse des produils sucres, das öefretariat des congres intern, d'histvire de« religionS in Göttingen, von dessen Tagung in Paris Deutschland ausgeschlossen wurde unb endlich das Zentralbureau der astronomischen Tele gramme in Kiel, an dessen Stelle ein neues in Brüssel gesetzt wurde. An einigen anderen Gesellschaften sind nur Deutschland unb einige (neutrale beteiligt. In vielen Organisationen, besonders denen, die dem I R. C. angeschlossen sind, hat F r a n k r e i ch-jetzt die Führung. 3n fast allen Gesellschaften svielte Deutschland vor dem Kriege eine wesentliche, wenn nicht die führende Rolle: fic wurden einfach aufgelöst unk später unter Ausschluß Deutschlands neu gegründet. Der englische Gelehrte Hardy (Or forb) sagte dazu: „D e r Zweck des 3. R. C. ist nicht die Förderung internatio n a I er Zusammenarbeit, sondern bei Ausschluß der Deutschen. War der Ausschluß der Mittelmächte nicht sahungsgemäß vorgesehen, so wurde Deutschland auf anderen Wegen von der Teilnahme an ben Tagungen ferngehalten. So wurden zu einer Tagung in Dularest nur Die Völker cinge laben, Die dem Völkerbund angehörten. Die deut scheu Psychologen wurden zum Kongreß in TI a i - land zwar eingeladen, aber Die deutsche Sprachc wurde nicht zugelassen und auch kein Deutscher in das Komitee gewähll. Unter diesen Umständen war natürlich eine Teilnahme nicht möglich. üin = gekehrt wurde auf dem Chirurgenkongreß die deutsche Sprache zugelassen, mit Rücksicht auf die Skandinavier, die deutschen Chirurgen aber nicht eingetaben. Zum Geographenkongreß in Kairo 1925 mußten sogar Die schon erganaencn Einlabungen annulliert werben, um Deutschland noch nachträglich auszuschließen. Aehnllche Fälle ließen sich noch mehrfach anführen. — Zu einigen Kongressen wurden bann deutsche Gelehrte oder Gesellschaften als „Obferoet“ gelaßen, d. h. fic Durften als stille Beobachter an der Tagung teil- nehmen. Leiber herrscht betreffs der Stellungnahme zu derartigen Ansinnen noch keine Einigkeit. Es kann doch nur eine Meinung geben Entweder die Deutschen werben als gleichberechtigt angesehen ober sie lehnen jede Teilnahme ab. Bedauerlich ist es aber, wenn sich Gelehrte unter so entwürdigenden Bedingungen doch bereit erklären, die Kongresse zu besuchen. Es fehlt jedoch neuerdings nicht an Stimmen im Ausland, die diesem Zustand ein Ende machen möchten. Bekanntlich haben sich besonders die skandinavischen Länder Finnland unb Holland in diesem Sinne bemüht. So verweigerten Schweden und Finnland die Teilnahme am Chemikerkongreß in Kopenhagen wegen des Ausschlusses Der Deutschen. Rorwegen trat aus Dem internationalen ßtubentenbunD aus und dänische Gelehrte beschlossen, nicht eher Der con- f^Deration des travailleurs intellectuels beizutreten. bevor nicht Deutschland ausgenommen sei. Fast noch bemerkenswerter ist es, daß auch bei ehemaligen Feindesstaaten Stimmen laut werden, 'die für Deutschland sprechen. So erhob sich in Italien lebhafter Widerspruch, als Deutschland nicht zum Pathologenkongreß eingeladen war, Der übrigen- bis heute noch nicht stattgefunden hat. Eine Reihe von englischen Gelehrten unter Führung von Hardy hat sich zu einem Protest gegen den Ausschluß Deutschlands zusammen- aetan. Auf dem Phhfiologenkvngreß in Edin- bourg war Deutschland durch 23 Gelehrte vertreten. Frankreich unb Belgien waren nicht erschienen. Wir sehen aus diesen Beispielen, daß sich langsam der Geist der Versöhnung regt, doch tun 'wir gut, uns noch keinen zu großen Hoffnungen hinzugeben. Rur durch unbeirrbares Fordern von Gleichberechtigung können wir das alte Ansehen auf ben Kongressen wiedergewinnen Jedes Kompromiß, durch das unsere Würde verletzt wird, muß ausgefchaltet werden. Wir können das Ausland solange entbehren, bis man uns völlige Gleichberechtigung einräumt. anderes freilich erhebt sich in poetische Sphären und verläßt dabei den Boden der Wirklichkeit, wenn es von „Hellen, zitternden Glöckchen" spricht, die ertönt wären. Die Kränze auf dem Friedhof erscheinen 2 Kindern erwähnenswert. — Daß außerdem auS Anlaß des Volkstrauertages noch eine Abendveranstaltung — ein Vortrag — war, toirb von 13 Kindern hervovgehoben. Das Thema des Vortrages bezeichnen 8 Kinder sogar richtig 1 hat den Vortrag selber besucht und ben Inhalt sehr gut wiedergsoeben. 5 geben das Thema des Vortrages falsch an; andere waren so schlau, zu sagen: „Ich habe Darüber nichts Näheres gehört", oder: „Ich kann nichts Räheres berichten. Denn ich war selbst nicht Dabei.“ Andere haben von ihren Eltern oder Geschwistern gehört, daß der Vortrag schön oder „sehr interessant" gewesen sei. — So ist dieser kleine Aufsatz und sein Ergebnis ein wertvoller Beitrag zur Seelenkunde des Schulkindes zwischen 11 und 14 Jahren. Wer diese Llebersicht hier lieft, und sich durch die wenigen Zahlen durcharbeitet, dem wird für Die Zukunft, wenn wieder einmal ähnliches gefeiert wird, für Vorbereitung und Ausgestaltung mancher Fingerzeig gegeben — er fei nun Lehrer oder Pfarrer. Aber auch weiteren Kreisen ist vielleicht so ein Bild von Der Auswirkung des Dolkstrauertages in Der Kindesseele, wenn auch nur in ganz kleinem Ausschnitt, nicht uninteressant. Kn.-U. .«RR. fflWRI A. RiarolaiMä Transporte 2485a und Stolte. 2470c zum Der Uhr Lieferungsvergebung. Für die Provinzial-Pflegeanstalt Oberheffen und für das am 1. April L 3. zu eröffnende Kinderheim sollen für die Zeit vom 1. April 1925 bis 31. 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Prosp. fr. _ Anmldg. tägl. TF24Ö Bekanntmachung. Lett.: Installationswesen. Unter Hinweis auf die Bekanntmachung des Herrn Oberbürgermeister vom 28. Mai v. Is. werden die Punkte 2 und 3 hier- mit wiederholt bekanntgegeben: ..Punkt 2. Werden Installationen von nicht zugelassenen Personen ausgeführt, so wird die Stromlieferung an den Auftraggeber eingestellt, sowie dieSttom- zuleitung zu den in Betracht kommenden Räumen und Gebäuden unterbrochen. Die Wiederaufnahme der Sttomver- sorgung erfolgt nur gegen vorherige Bezahlung einer von der städtischen Betriebs-Deputation festzusehenden Buße bis zu 300 Goldmark Punkt 3. Soweit seither 3nstallationen widerrechtlich von nicht zugelassenen Personen ausgeführt worden sind, wrrd zur nachträglichen Anmeldung bei dem Städt. Elektrizitätswerk bis zum 15. Iuni 1924 aufgefordert: die Nachprüfung und Abnahme erfolgt dann ohne Zahlung einer Buhe. Aad) Ablauf der Frist wird gemäß 2 verfahren." Die unter Punkt 1 genannte Liste der zugelassenen Installateure in obiger Be» kanntmachung ist am 6. Februar d. 3s. nochmals veröffentlicht. Es wird dringend empfohlen, flch wegen Ausführung von Installationsarbeiten bzw. Aenderungen in elektrischen Anlagen, wozu auch das Aufhängen und Auswechseln von Beleuchtungskörpern gehört, nur an zuge- laffene Installateure zu wenden. Diese Maßnahmen erfolgen ausschließlich im Interesse der Konsumenten selbst, um diese vor Schäden irgendwelcher Art zu bewahren. Bei Zuwiderhandlungen wird von den angedrohten Strafmaß- nahmen unweigerlich Gebrauch gemacht. Gießen, den 7. März 1925. 2471c Direktion der Städt. Elektrizitätswerke. Bekanntmachung. rungen von: 1. Fleisch-, Wurst- und Fettwaren Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens ! Therese beehren sich anzuzeigen Dr. Otto Kluth und Frau Barbara geb. Netto r Basel, den 7. März 1925 Gundeldinger Straße 109 .........,.,r_ Tt,,.t.TffTff,.T..Tt...............,?r4,7?p,..,i v. M. Ge. A.-V, Sektion Siehrn. Der bereits angekündigte Dortrag des Herrn Dr. Kühn mit zahlreichen Lichtbildern findet bestimmt statt am Donnerstag, dem {3. März, abends 8*4 Uhr, im mineral.-geolog. Institut. Mitglieder werden dringend gebeten, den genußreichen Abend nicht zu versäumen; Gäste willkommen. 2461D Cafe A-inend Mittwoch, 1L März abends 8 Uhr 17. Sonder-Konzert s Geschästsverlegung. Unserer Kundschaft zur gefi. Kenntnis, daß wir unsere Geschäftsräume von der Plockstraße - Ecke Seltersweg nach der Löwengasse 22 verlegt haben. Durch die erfolgte Umstellung unseres Betriebes sind wir in der Lage, nach wie vor zu konkurrenzlos billigen Preisen unsere Kundschaft zu bedienen. Wir führen hauptsächlich Seidenschirme eigener Fabrikation Beleuchtungskörper aller Art Bügeleisen, Kochapparate und Glühlampen Stark- u. Schwachstrommaterialien sowie Radioartikel in großer Auswahl. 0l)erb»li6Elellrizi!äls-tellstliaflii.b.l. Telephon Rr. 172. Löwengasse Rr. 22. 2. Backwaren und 3. Heizmaterial. Die Bedingungen können vom 10. l. M. ab auf unserem Amtszimmer täglich von 10 bis 12 Ahr vormittags eingesehen werden. Angebote, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, find tzis zum 16. März 1925, vormittags 11 Ahr einzureichen. Zufchlagsfrist 5 Tage. f Gießen, den 7. März 1925. 2460V Direktion der Provinzial-Pflegeanstalt. holzyersteigerung. Freitag, den 13. d. M., vormittags 9 Uhr, werden aus den Staatswald, distrikten Buchenberg 59b, Unterwald 60 a und c und Wachholderheide 62 der Försterei Baumgarten versteigert: Nutz- fcheiter: Kiefer: Am.: 16 (1,25 Mtr. lang), 16,5 (3 Mtr lang); Brennscheiter Am.: 1,2 Birke, 0,8 Kiefer 1. Kl., 1 Kiefer 2. Kl., 7,2 Fichte 2. Kl.; Küppel Am.: 60 Lärche 2. Kl. 0,7 Fichte 2. Kl.; Ast- reifigRm.: 6 Buche, 513 Kiefer, 18 Fichte, 243 Wellen Fichte; Etammreisig Am.; 76 Kiefer; Stöcke Am.: 90,1 Kiefer, 8,8 Fichte 1. Kl., 35,2 Fichte 2. Kl. Das Holz wird nicht vorgezeigt und wird deshalb vorherige Besichtigung empfohlen. Die zur Bersteigerung kommenden Brennscheiter und -Knüppel sind blau unterstrichen. Zusammenkunft : Kreisstraße Gießen - Steinberg an der Knickschneise. Weitere Auskunft durch Herrn Förster Menges und die unterzeichnete Stelle. Gießen, den 7. März 1925. 2463V Hessisches Forstamt Schiffenberg. Be anntmachung. Zu dem am 11., 12. und 13. Juli d.F. stattfindenden 75jährigen Jubiläum des Gesangvereins „Eintracht" Griedel (Hessen), verbunden mit dem 1. Bundesfest des Sängerbundes Heusberg-Wettertal sind die Pläße für Karussell, Schießbude, Zuckerstände usw. zu vergeben. Die Vergebung findet öffentlich meistbietend Samstag, den 28. Mürz, nachm. 6 Uhr, im Gasthaus Ium grünen Baum in Griedel statt. Die Bedingungen werden vor der Vergebung bekanntgemacht. Auch können dieselben vorher bei dem II. Vorsitzenden Herrn AugustBernhardteingesehen werden. 2474 D ____________Der Vorstand. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rödgen für 1925 Rj. liegt vom Dienstag, dem 10. März 1925 bis einschließlich Montag, dem 18. März 1925, auf unserem Bureau zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen gegen den Inhalt des Voranschlages schriftlich oder mündlich zu Protokoll oorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. 2484D Rödgen, den 8. März 1925. Hessijche Bürgermeisterei Rödgen. Kraushaar. Bekanntmachung. Der durchberatene Voranschlag der Gemeinde Ruttershausen für Rj. 1925 liegt vom 10. bis 16. d. M. einschließlich auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und Erhebung von Einwendungen offen. Iu der beschlossenen Umlage haben auch die Ausmärker beizulragen. 2483V Ruttershausen, 6. März 1925. Bürgermeisterei Ruttershausen. Schwarz. Ziehungsliste der Wä Zochtvieh-Verlosung am 3. Mörz 1925. Biebesheim, im März 1925. 247855) Das Markt-Komitee. Los-Nr. Dew.-Nr. Los-Nr. Gew.-Nr. 56 5 5664 72 256 61 5689 1 288 21 5900 30 563 23 5969 74 776 48 6071 47 1372 31 6249 65 1435 9 6472 24 1436 15 6941 54 2002 68 7067 64 2125 66 7120 77 2387 71 7505 13 2825 58 8069 35 2827 10 8085 70 2898 69 8090 4 3101 17 8259 25 3131 44 8525 29 3372 39 8660 63 3375 60 8750 19 3667 22 8866 76 3696 36 9645 6 3874 50 9727 73 4060 16 9873 45 4131 59 9905 38 4147 2 10365 34 4186 3 10414 26 4432 33 10498 37 4542 11 10774 18 4655 41 10976 14 4666 53 11240 32 4805 57 11432 20 4849 42 11448 7 4871 12 11545 28 5182 56 11556 43 5246 52 11564 8 5259 40 11579 62 5274 75 11626 27 5348 46 11669 49 5496 55 11689 67 5613 51 Bekanntmachung Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Geilshausen für das Rj 1925 liegt vom Mittwoch, dem 11. März 1925, eine Woche lang auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei offen. Einwendungen sind innerhalb dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll oorzubringen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizuttagen haben. 2487V Gellshausen, den 7. März 1925. Hess. Bürgermeisterei Geilshausen. Wagner. Schokolade Keks Bonbons, Pralinen n 2482 D werden Mittwoch u. Donners tagdieser Woche vormittags von 10 Uhr ab, im Lager Gießen, Neustadt 32 als Fortsetzung des öffentLVerkaufs zu bill. Preisen ausverkauft. Für Wiederverkäufer günstigste Gelegenheit. Verkauf bestimmt. L. Altholt, Kookursvsrwalter. „Ich war am ganzen Leibe mit SLÄ * welche mich durch daS ewige Jucken Tag und Nacht peinigten. 14 Tagen hat Zucker'ö Patent- Medizinal-Seife das Übel beseitigt. Diese Seife ist Hunderte wert. Serg. M." Dazu Zuckooh-Creme (nicht fettend und fetthaltig). 3n allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien erhältlich. 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Kl. 11 St. --7,54Fsttn. = 9,50 „ = 2,90 „ = 5,92 ,, = 4,90 „ = 5,10 „ Kiefern- „ 3. w 1 „ = 1,20 n Angebote sind, nach Sortimenten und Klassen getrennt, pro Festmeter bis zum 12. März l. 3., nachmittags 3 Ahr. 5. 2. 3. auf hiesiger Bürgermeisterei einzurelchen. Angebote mit zufammengezogenen Klassen oder Bemerkungen bleiben unberücksichtigt. Die Derkaufsbedingungen können auf hiesiger Bürgermeisterei eingefehen werben, und werden im Termin nochmals bekannt- gegeben. Climbach, den 5. März 1925. 2490V Hessische Bürgermeisterei Climbach. Stein. la Hochofen- Schlackensand jede Menge regelmäßig abzugeben. Anfragen erbeten unter L. U. 1208 an die Annoncen Ervedition Büscher LSarr G. in. 6. H. Siegen, in Westfalen. [2472D L i oh t s p i e 1 h a us Bahnhofstraße Heule bis einschließlich Donnerstag: Weib gegen Weib Ein Schauspiel aus der Gesellschaft in 6 Akten. Dieser hervorragende Film spielte in allen Hauptstädten der Welt vor ausverkauften Häusern. Das Thema ist höchst aktuell, Darsteller und Regie erstklassig. Bei der gestrigen Aufführung war das Urteil aller Besucher: Ein außergewöhnlich guter Film. 2488c] Ferner: I. Die Ueberführung und Trauerfeierlichkeiten des Reichspräsidenten Ebert in Berlin. II. Die Beerdigung in Heidelberg. Außerdem: Die neueste Wochenschau aus aler Welt. Die P’ÄM Die 2ufl Draun s-l- »^liiion >n. ^Wanderung 1 nisüsche Lage ? Zeil an vn • fporkn finö. der flanbiöat j VvrdkN, oer^llni i jiim sloniin Degen t> Zenlralo^gan i W W ' Ebett vervssn jür vierzehn dem Erlaß t «ring, welch« für einige Z Asche Zentr behauptet, se kraliichen Ge 1 Aeichsgeschäf । man ihn zur verbanden g ( natürlich ga Debet im ei dann Überho im zweiten C werden. 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