ür. r Erstes Blatt 175. Jahrgang Zrettag, 9. Januar 1925 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilegen: VießenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats-Bezvgrprelr: 2®olbmarh u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lagundGeschöstsstelleSl. Anschrift für Drahtnachrichten: LnzeiaerOietzeil. postfcheittonto: Frankfurt a. M. NSS«. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnttk vnd Verlag: vrühl'fche Univerfitälr-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Sefchästrftelle: Zchnlftrabe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagernummer bis zum Nachmittag vorder ohne jedeDerbindlichdrit. Preis fit l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlid)8, auswärts 10 Goldpfennig: für Ne- Klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/, Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: I)r. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Deutschlands „Verfehlungen" Das Märchen vom deutschen „Rüstungsskelett". Selbst bie überaus ruhige Art, in welcher Hc Antwortnote der Reichsregie- rung in der Sntwaffnungs- und Räumungs- fraQe bie zwischen unS und den Miierten entstandenen Sttenfragen behandelt, hat bei einer Reihe brittscher und französischer Zeitungen Tadel hervorgerufen. Man wirst unS vor, dah wir die Sache nicht ernst genug nehmen. Es handle sich weniger- um vertragswidrige Waffenbestünde, als vielmehr um eine Organisation. welche Deutschland ermögliche, innerhalb kürzester Zett ein großes Heer aus die Deine zu bringen. Die .Limes", die seit einiger Zeit wieder ins chauvinistische Lager hinübergeschwenkt sind, versteigen sich zu der Behauptung, Deutschland habe sich ein vollständiges Rüstungs-Skelett geschaffen, das es jederzeit mit Ketsch auSfüllen tonnte. Hiermit wird auf die Bestrebungen aller national empfindenden deutschen Bolksführer angespielt, der Heranwachsenden männlichen Jugend in Deutschland durch Ausbildung des Körpers einen Ersatz für die uns verbotene militärische Erziehung zu bieten. Materielles über die Behauptungen der der Entenlestaaten wivd sich erst sagen lassen, wenn man den von der deutschen Antwortnote dringend geforderten eingehenden Bericht kennt. Die „Times" legen Wert auf die Feststellung, daß sich alle auf der Dotschasterkonferenz vertretenen Mächte, also außer Frankreich, Belgien und England auch Italien und Japan, darüber einig gewesen sind, daß eine schwere Verfehlung Deutschlands in der Entwaffnungsfrage vorliegc. Es ist nicht anzunehmen, daß der Dotschaster- tonferenz die großen Vorbereitungen entgangen sind, die Frankreich macht, um im Falle eines Krieges sofort alle militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte einzusetzen. Der französische KriegSminister, General Rollet, hat ^en großen Plan der mobilisation nationale ausgearbeitet, der Frankreich in einem „Verteidigungskrieg" von vornherein das Uebergewicht über seine Gegner sichern soll. Das einzige, was Deutschland zu seinem Schuhe entwickeln kann, ohne sich mit den Zwangsparagraphen des Versailler Vertrages in Widerspruch zu sehen, ist die körperliche Ertüchtigung seiner Jugend. Solange es unmöglich ist, in einem kriegerischen Zusammenstoß mit einem schwer bewaffneten Rachbarn durch die bloße Kraft der Fäuste Erfolge zu erringen, fehlt es an jedem stichhaltigen Grunde, uns eine solche körperliche Fürsorge für unsere Jugend zu verargen. Die „Limes", die sich sonst auf ihre militärische Sachverständigkeit soviel zugute tun, geben den Anschein, als glaube sie an das Bestehen eines gefährlichen deutschen Rüstungs- Skeletts und weiter daran, daß dies Skelett innerhalb kürzester Zeit zu einem wehrhaften Körper auSgebaut werden könne. Selbst der phan- tafiebegabteste Angehörige der Interalliierten Militärkontrvllkommission wird nicht behaupten wollen, daß in Deutschland irgend jemand in der Benutzung moderner Kriegswaffen: schweres Geschütz, Flugzeuge, Unterseeboote usw. ausgebildet werde. Man hat nicht einmal zu behaupten gewagt, dah es solche modernen Kriegs- Waffen in Deutschland überhaupt gebe, denn das würde einen Totenschein für die Intelligenz der Kontrolloffiziere bedeuten. Wie soll dann das auch nur in der Phantasie der „Times" existierende Rüstungs-Skelett in 'einem für den Weltfrieden bedrohlichem Maße ausgebaut werden? Schon an den viel primitiveren Waffen der Vorkriegszeit muhte die junge Mannschaft zwei und drei Jahre aus - gebildet werden, ehe sie ein einzÄnes dieser Kriegsinstrumente auch nur leidlich beherrschte. Seit mehreren Jahren sind selbst die gebienten Soldaten in Deutschland ohne jede praktische Hebung mit dem ihnen früher vertrauten Kriegsgerät,- die modernen Waffen, über die alle Staaten des festländischen Europas außer Deutschland verfügen, sind ihnen vollständig fremd. Den jungen Leuen, die nach den Gesehen der Vorkriegszeit im Jahre 1919 wehrpflichtig geworden wären, stehen heute im 23. Lebensjahre; selbst 24- und 2Sjährige Deutsche haben auch nicht die geringste Hebung im Gebrauch von Waffen. Jedes Jahr, das verstreicht, mindert Deutschlands Wehrhaftigkeit und damit seine Fähigkeit, sich gegen die llcbcrgriffe auch nur eines mittleren oder kleinen Gegners zu wehren. Alle anmaßenden Liraden und alle Dcleue- tungen von Ententezeitungen werden uns nicht von der Ueberzeugung abbringen, daß die Kon- ftruicrung einer angeblich von Deutschland drohenden militärischen Gefahr ein schäbiger Vorwand war, um in den politischen Beziehungen zwischen Frankreich und England ein Kompensationsobjekt zu schaffen. Ist es etwa dem Weltfrieden dienlich, wenn man ein einziges großes Volk daran hindert, die primitivste Vorbedingung für seine Wehrhaftigkeit zu erfüllen und den' anderen Völkern zu gestatten, alle personellen und materiellen Mittel zur Kriegsführung in raffiniertester Weise weiterzuentwickeln? Die Rote der Botschafter- konserenz vom 5. Januar ist ein neues Kapitel in dem großen Buch, welches die Lleberschrllt trägt: v a e victis! Das ganze deutsche Volk ' 't ein Interesse daran, zu wissen, welche „Tatsachen" die alliierten Regierungen veranlaßt haben, uns schwere Verfehlungen gegen die Ent- waffnungsklauseln des Versailler Vertrages vorzuwerfen. Es ist dringend zu hoffen, daß sich recht bald eine deutsche Regierung findet, die sich stark genug fühlt, aus der Defensive herauszutreten und den Heuchlern in Paris und London die Maske vom Gesicht herunterzuziehen. Der Protest Kölns. Eine Rede Oberbürgermeister Adenauers. Köln a.RH., 8. Ian. (WTD.) In der Stadtverordnetenversammlung hielt Oberbürgermeister Dr. Adenauer im Rainen aller Fraktionen mit Ausnahme der äußersten Linken folgende Rede: Die Richträumung der Kölner Zone an dem durch den Versailler Vertrag festgesetzten Termin erfüllt insbesondere die Bewohner des besetzten Gebiets mit Schmerz und Bitterkeit. Auf eine unerhört lange, in der Geschichte der Reuzeit ohne Beispiel dastehende Zeit ist durch den Versailler Vertrag die Besetzung der Rheinlande angeordnet. Das besetzte rheinische Gebiet hat diese Last und die damit verbundene, mit dem Rechtsempfinden der Kulturvölker nicht zu vereinbarende Unfreiheit! auf sich genommen in der Erwartung und Ueber- zeugung, dah die in dem Vertrag zu seinen Gunsten festgelegten Termine innegehaltten würden. In dixser Erwartung sieht sich die Bevölkerung des gesamten auf Grund des Vertrages besetzten Gebiets auf 8 empfindlichste getäuscht. Wenn der erste in Art. 429 festgelegte Termin nicht innegehalten wird, wer steht denn dafür ein, dah die übrigen Termine innegehalten werden? Für baS ganze besetzte Gebiet ist daher die Richt- räumung der Kölner Zone der härteste Schlag, der es seit dem Zusammenbruch des IahreS 1918 trifft. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß jedes unparteiische Gericht die Vertragstreue Deutschlands als vorhanden und damit die Vv r- bebingung der Räumung zum 10. Januar als gegeben ansehen würde, und daß die Geschichte dereinst das gleiche .Urteil fällen wird. Insbesondere ist die Abrüstung Deutschlands, als Ganzes betrachtet, bis zu seiner völligen militärischen Ohnmacht durchgeführt, selbst wenn in belanglosen Einzelheiten dem Verlangen einiger weniger, ausschließlich militärisch denkender Persönlichteiten nicht vollkommen Genüge geschehen sein sollte. Wenn auf der Seite der alliierten Mächte über den Grad der Entwaffnung und militärischen Ohnmacht Deutschlands Zweifel bestanden haben, so hätten diese Zweifel substantivierter und recht- z e i t i g e r zur Kenntnis der deutschen Regierung gebracht werden müssen, damit vor dem 10. Jan. im Wege der Verhandlungen eine Klärung der ganzen Angelegenheit hätte herbeigeführt werden können. Dagegen haben die Besatzungsmächte eine Art der Behandlung der Räumungsfrage geduldet, die gerade das Rheinland aufs tiefste erbittern muß und in schreiendem Gegensatz steht zu der Loyalität, mit der die Last der Besetzung vom Rheinland während der vergangenen sechs Jahre getragen worben ist. Ohne Konsolidierung der deutschen politischen und wirtschaftlichen Vcrhällnisse ist die erhöhte Produktivität, welche der Dawesplan verlangt, unmöglich. Diese Konsolidierung hat durch das Vorgehen der Besatzungsmächte eine erhebliche Schwächung erfahren. So sieht das besetzte rheinische Gebiet, das nach der Londoner Konferenz des Jahres 1924 begonnen hatte aufzuatmen, von neuem die schwersten Gefahren Heraufziehen. Das besetzte rheinische Gebiet bittet und beschwört daher die Regierungen und Völker der 'Besatzungsmächte, die in sein Geschick und das Geschick Deutschlands, ja in das Geschick Europas so tief einschneidende Räumungsfrage nicht lleinlich, nicht in einer für alle Beteiligten unwürdigen Weise, sondern mit der durch den Ernst und die Bedeutung der Sache gebotenen Eile mit aller Loyalität und im Sinne der wahren, Der geiftigen Abrüstung, die für die Wohlfahrt ganz Europas unerläßlich ist, zu lösen. Die Reichsregierung wird alles tun. was in ihren Kräften steht, um die möglichst baldige Befreiung Kölns und der Kölner Zone herbeizuführen. Unsere Mitbürger ersuchen wir. ihre begreifliche Erbitterung zu zügeln und die Last der Besetzung weiter bis zu der hoffentlich bald schlagenden Stunde der Befreiung zu tragen. Dawesbericht und Kölner Zone. Amerika für Räumung der Kölner Zone. Rcuhork, 9. Ian. Die „Reuyor! Times" schreiben: Der Schluhbericht der Interalliierten Kontrollkommission sollte die öffentliche Meinung schnell über den wirklichen Stand der Entwaffnung aufklären. Das würde die Einleitung von Verhandlungen zum Zwecke eines Kompromisfes erleichtern. Glücklicherweise sei die deutsche Regierung vernünftiger als die deutschen Rationalisten und Extremisten im In- und Ausland, die auf ein Fallenlasscn des Dawesplans drängen. Solche Politik würde S e l b st m o r d bedeuten. 3m Interesse aller Beteiligten sollten bie Kölner und Ruhrtruppen so schnell als möglich zurückgezogen werden, wenn der Schluhbericht nicht zeige, dah Deutschland ernstliche Vorbereitungen zu einem neuen Kriege trifft. Ablehnung des Iollproviforiums. Beschluß des Reichskabinetts. — Vertragsloscr Zustand mit Frankreich. Berlin, 9. Ian. (Prfv>Tel.) Die Sitzung des ReichSkabinettS, in der Staatssekretär Trendelenburg über den Gang der Pariser Handelsvertragsverhandlungen berichtete, dauerte bis nach 1 ähr nachts. Wie den Blättern zufolge verlautet, reist Trendelenburg heute nach Paris zurück. Wie die „Dass. Ztg." wissen will, soll das Reichskabinett auf Grund des Berichts der Staatssekretärs Trendelenburg zur Ablehnung des von Frankreich borge» schlagenen provisorischen Handelsbertragsent» Wurfs gekommen sein. Durch diesen Beschluß sei die Tatsache gegeben, dah vom 11. Januar ab gegenüber Frankreich in handelspolitischer Beziehung der Vertrags lose Zu st and eintreten werde und von beiden Seiten der autonome Zolltarif angewandt werde. Die 23er- handlungen in Paris nähmen unter Leitung $ren- delenburgs auf deutscher Seite ihren Fortgang, und zwar sei bereits für heute nachmittag eine Vollsitzung der beiden Delegationen angeseht, in der die beiderseitigen Sachverständigen für Keramik, Holz, Papier und Ähren über das Ergebnis ihres bisherigen Meinungsaustausches Bericht erstatten würden. Handelsminister Reh« naldi hat französischen Journalisten gegenüber erklärt, er hoffe, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden können. Die italienische Regierung habe mit der deutschen Regierung einen Modus vivendi auf der Grundlage der Meistbegünstigung abgeschlossen. Frankreich könne wegen entgegenstehender gesetzgeberischer Bestimmungen ein derartiges Regime nicht annehmen, das auch geeignet sei, in Frankreich in wenigen Monaten eine ernste Krise und Arbeitslosigkeit hervorzurufen. Letzte Versuche zur Negierungsbildung. Ein Notkabinett Marx. Berlin, 9. Jan. (211.) In parlamentarischen Kreisen verlautet, dah Reichskanzler Marx sich auf die dringenden, immer erneut vorgebrachten Wünsche des Reichspräsidenten hin gestern nochmals entschlossen hat. einen allerletzten Versuch zu unternehmen. Der Kanzler scheint entschlossen, gegebenenfalls auch mit einem Kabinett, das zu einem größten Teile aus Staatssekretären besteht, vor den Reichstag zu treten. Die Bayerische V o l k s p a r t c i hat sich im Laufe des heutigen Vormittags gegen die Bildung eines Rotkabinetts ausgesprochen. In der Wirtschaftspartei sind die Meinungen hierüber geteilt. Prof. Dr. Brcdt ist unter keinen ilm- ftänöcn für ein Rotkabinett, während Dr. Fehr sich weniger ablehnend verhält. Man gibt sich allerdings auch in den Kreisen des Zentrums über die Lebensdauer eines solchen Kabinetts keinen Illusionen hin. Don unterrichteter Seite wird es als richtig bezeichnet, daß Reichsfinanzminister Dr. Luther und Gras Kanitz nicht geneigt sein dürsten, in ein überparteiliches Kabinett einzutreten. um dessen Zustandekommen sich der Reichskanzler bemüht hat. Infolgedessen wird es an der angeführten Stelle für sehr wahrscheinlich gehalten, dah die Rückgabe des Auftrages durch den Reichskanzler Marx erfolgen wird. An seiner Stelle käme die Beauftragung des Reichsfinanzministers Dr. Luther mit der Bildung des Kabinetts in Frage. Dagegen wurde von zuständiger Stelle gestern abend um 8Vs llhr folgende Mitteilung bekanntgegeben: Die Bemühungen des Reichskanzlers Marx gemäß dem ihm erteilten Auftrag, so rasch als möglich eine Regierung zu bilden, haben heute noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Zwischen dem Reichskanzler Marx und dem Reichs- präfidenten fand heute abend eine Aussprache statt, auf Grund derer der Reichskanzler morgen die Verhandlungen fortführen wird. In Ergänzung dieser Meldung teilen mehrere Blätter mit, daß Marx vor seiner Unterredung mit dem Reichspräsidenten sich noch einmal mit der Zentrumsfraktion des Reichstages ins Benehmen gesetzt hat. Die Fraktion habe die Absicht de« Kanzlers gebilligt, seine Verhandlungen zur Regierungsbildung s o r t z u s e tz e n. Marx hoffe, heute die Regierungsfrage durch die Bildung eines Kabinetts zu lösen, das sich parlamentarisch lediglich auf das Zentrum und die Demokraten stützt, nachdem es im Lause des heutigen späten Abends dem Kanzler gelungen sei, die Bedenken zu zerstreuen, die Reichsfinan^minister Dr. Luther und Roichsernährungsmmister Graf Kanitz hinsichtlich ihres weiteren Verbleibens in der Regierung gehegt hatten. Jin Gegensatz hierzu steht allerdings eine Version, die sowohl von der „Vos s. Z t g" als auch von der „Zeit" verzeichnet wird. Das letztgenannte Blatt schreibt, man werde wohl damit rechnen können, daß im Lause des heutigen Tages eine andere Persönlichkeit mit der Reubildung des Reichskabinetts beauftragt werde und man sei wohl berechtigt, in erster Linie an den Finanzminister Dr. Luther zu denken, der eine überparteiliche Regierung zu bilden beabsichtige, und zwar im wesentlichen durch Berufung von deutsch nationalen Persönlichkeiten in das Kabinett. Minister Höste und der Barmatskandal. Mandatsniederlcguttg tunt Zentrums abflcordncten? Die Sensation des Tages war in den Wandelgängen des Reichstages am Donnerstag das Gerücht von der vom Zentrum dem Reichspostminister Dr. Hoefle und dem Abg. Lange- Hegemann nahegelegten Mandats- nteberlegung. In eingeweihten Kreisen wollte man wissen, daß die vonseiten der Industrie erhobenen Beschuldigungen g?gcn Hoefle, er hätte zu einer Zeit 20 Millionen Mark aus den Kassen der Post an Darmat hergeliehen. als es großen älnternehmungen einfach unmöglich war. auch nur 100 000 Mk. an Lohngeldern auszutretben, die Ursache dafür finb. Das Zentrum hat sich anscheinend etwas ein- gehender mit den 'Beziehungen Barmats ;ur Reichspost beschäftigt und seststellen müssen, laß es für die Zentrumspartei unmöglich sei, sich weiterhin mit Herrn Hoefle zu belasten. Sie habe ihm infolgedessen ebenso wie dem Abg. Lange-Hegemann, her in einem Darmat- ilntcrnebmen Aufsichtsratsmitgli e h war, zu verstehen gegeben, er möge sein Mandat der Partei zur Verfügung stellen. In einer Mitterlung erklär! Reichs posinli- nifter Hoefle. daß der von der Reichsdostverwal- tung dem Barmatkonzern zur Verfügung ge stellte Kredit von 14,5 Millionen durch ein Effekten- und Wechfeldepot sicher- ge stellt und außerdem bei 17 in- und ausländischen, von Sachverständigen anerkannten 'Versicherungsgesellschaften voll versichert ist. Entgegen der Behauptung eines Berliner Blattes wird in der Mitteilung festgestellt, daß dieser Betrag auf durchaus ordnungsmäßigem Wege her Deut schen Giro Zentrale in Berlin übermittelt worden ist, die ihn als Treuhänderin der- Po st an den Barmat-Kon- zern weitergeleitet hat. Rach der Mitteilung ist schließlich die Darstellung über die Tätigkeit des Zentrumsabgeordneten Lange- Hegermann frei erfunden Auch die Brhaup° tung sei falsch, daß dre Zentrumsfraltion dcn Rücktritt des Reichspostministers beschlossen habe und daß dessen Rücktritt sofort vollzogen worden sei. Ebenso wird die Rachricht über die Riederlegung seines Reichstagsmankats von dem Reichspostminister als u n r i ch t i g bezeichne'. Wie her „Verl. Lokalanz." zu melden weiß, soll die mit der Llntersuchung in Sachen des Barmat - Konzerns beschäftigte Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auch auf den Ministerialdirektor im preußischen Ministerium des Innern Ab egg. den Polizeipräsidenten von Berlin Richter, dessen Privatsekretär Stöcker sowie aus eine Reihe anderer Persönlichkeiten ausgedehnt haben Minister S c - ücring soll den Berliner Polizeipräsidenten Richter in den nächsten Tagen von seinem ‘Berliner Posten abberufen wollen. Die Staatsanwaltschaft wird, dem „Tag" zufolge, in einer großen Inspektionsreise sämtliche Werte des Barmatkonzems besuchen, um sich ein Bild über die Lage des Konzerns zu bilden und Klarheit darüber zu verschaffen, ob die Angaben über die Werte zur Deckung der dem Barmat konzern gewährten Kredite den Tatsachen entsprechen. Die Pariser Finanz- konferenz. Paris, 9. Ian. (211.) In dcn Voraussagungen der Pariser Presse über den Ausgang der ^ktrifer Finanz-Konferenz ist heute früh ein unverkennbarer Umschwung eingetreten, obwohl sich andererseits nicht in Abrede stellen läßt, daß die Ungewißheit, in der man über di? Regelung des Schuldenproblems steht, nach wie vor große Sorge verursacht. Aus alle Fälle wird aebr ixe Möglichkeit eines erfolgreichen Abschlusses der schwebenden Besprechung, wenigstens soweit es sich um die Re - geluiig der amerikanischen Forderung handel!, unumwunden zugegeben, nachdem gestern noch der Eindruck vorgeherrscht hat, daß die anglo-ameritonischen Gegensätze in dieser Frage scharf aufeinander prallen würden. Die Morgenblätter legen begreiflicherweise das größte Gewicht auf die Feststellung, daß her Verteilungsschlüssel von Spaa. sowci: es sich um den Anteil Frankreichs (42 Prozent, I handelt, durch die Form der mit Amerika gc planten Vereinbarung keine toeitaafentei* Dcr- änberunßen erfahren wirb Dach ne fit „Scho bc Paris' fordert Amerika 9n6ro5fctftimgcn in Hohe von lö dlttK. Dollar, während 24 Jahren als Zurückerstattung der Be- fatzungs-'Hnkosten von 240 Mill. Dollar. Es ist-nicht ausgeschlossen, das; diese Zahlungen auch auf einen größeren Zeitraum verteilt werden. Dabei gilt als ausgemacht, daß dieser Betrag der Bcsahüngsunkostcn Priorität genießt. Lautt der geplanten Vereinbarung soll er ohne Zinsen aus den deutschen Zahlungen gedeckt werden. Rückständige, d. h. etwa schuldig gebliebene Beträge werden mit fünf Prozent verzinst. Der Reparations- sorderung von 350 Millionen Dollar steht keine Priorität zu. Amerika soll vielmehr nach dem .Umfange seines Prozentsatzes ohne Vorzugs - behandlung vor den anderen Alliierten befriedigt werden. Von den 350 Millione nDollar, auf die Amerika seine Reparationsforderung beschränkt hat, sind 35— 40 Millionen in Abzug zu bringen, die den Wert von 250 000 Lons der der Beschlagnahme anheimgefallenen deutschen Handelsflotte repräsentieren. Aus Grund eines anglo-amerikanisch-dcut- schcn Abkommens vom Jahre 1870, das durch den deutsch-amerikanischen Vertrag von 1921 nicht außer Kraft gesetzt wurde, muh der Wert der beschlagnahmten Schiffe, die als Privatbesih anzusehen sind und nicht den Ausnahmebestimmungen unterliegen, an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückerstattet werden. Die Frage ist nun, ob die seit dem Wasfenstillstands- vcrtrag angewachscnen Zinsen' der Preise dieser Schisse ebenfalls vo ndem Betrag der amerikanischen Reparationsforderung abzuziehen sind. Heber diesen Punkt sind sich Churchill und Logan noch nicht einig. Das Problem der Ruhrgewinne von dem DerhandLungs- programm gestrichen. Paris, 9. Jan. (LU.) Die Verteilung der 6er Ruhrgewinne ist infolge zahlreicher Irrtümer (!), die den französischen und belgischen Finanzsachverständigen unterlaufen sind, für den Augenblick äußerst problematisch geworden. Die britischen Sachverständigen, sind der Auffassung, daß die französisch-belgische Buchführung von Fehlern und Unstimmigkeiten wimmele und daß zahlreiche Verläufe nicht mit den richtigen Erlösen eingesetzt worden sind. Die Franzosen stellten einige der Irrtümer nicht in Abrede. Aller Voraussicht nach wird die sehr schwierige Nachprüfung der Bücher viele Wochen in Anspruch nehmen. Die Frage der Verteilung der Ruhrgewinne wird, von dem Verhandlungsprogramm gestrichen und auf .später vertagt werden. Die Aufgaben des französischen Parlaments. Paris, 9. Ian. (TH.) Das französische Parlament wird am 13. Januar wieder eröffnet. Der Präsident wird zum ersten Mal in öffentlicher Wahl gewählt werden. Als wahrscheinlich gilt die Wiü>erwahl P a i n l e v 6 s. Die wichtigste Frage, 'die Las Parlament lösen muß, ist die Budget- frage, um eEich an Stelle der fortwährenden Provisorien eine dauernde Lage zu schassen. Wahrscheinlich wird aber für den Monat März jein weiteres provisorisches Zwölftel von bey Regierung verlangt werden müssen. Eine weitere Aufgabe der Kammer wird die Behandlung der ^lsaß-lothrinaifchen Frage fein. Weiter wird sich die Kammer mit der Rückkehr zu dem Dezirkswahl - an Stelle des gegenwär- ngen Proportionalwahlshstems beschäftigen müs- err. Voraussichtlich wird der erste Teil der Kammersession nach kurzer Zeit, d. h. am Oster- fciertag, den 12. April, aufhören. Hierauf werden die Gemeindewahlen erfolgen, die zuletzt im Aovember 1919 stattfanden und ausnahmsweise eine Gültigkeit von 5 V? Jahren erhielten. Die Departementswahlen werden Ende Juli ftattfinben, wobei viele Abgeordnete und Senatoren sich einer Reuwahl werden unterwerfen müssen. Mussolinis Wahlvorlage. Rom, 9. Ian. (TH.) Die Wiedereröffnung 6er italienischen Kammer ist auf den 12. Januar angesetzt. Die Regierung wird keine Erklärung abgeben, sondern so schnell als möglich zur Verhandlung des neuen Wahlgesetzes schreiten. Mussolini teilte im Ministerrat mit, daß die Kammer nach Genehmigung des neuen Wahlgesetzes aufgelöst und zu R e u w a h l e n geschritten werden wird. Die Minister erklärten sich bei Besprechung der Wahlreform für die sogenannten Pluralstimmen. Danach wird dem gebildeten Wähler gegenüber dem Analphabeten eine Vorzugs stimme gewährt. Das Vermögen kommt jedoch nicht in Betracht. Ebenso wurde der Antrag angenommen, die Kandidaten als gewählt zu erklären, wenn keine anderen gegenübergestellt werden. Die Altersstufe der Kandidaten und die Einteilung der Wahlkreise bleibt unverändert. Ein langer Aufruf der Opposition an das Volk erklärt, daß der Kampf zwischen dem Faszismus und dem Lande in eine entscheidende Phase eingetreten ist. Die Neuwahlen könnten keine Lösung bringen, da sie lediglich eine erneute Fälschung des Volkswillens bedeuten. Präsidentenwahl im Preußischen Landtag. Berlin. 8. Ian. Im Preußischen Landtag fand die Wahl des neuen Präsidenten statt. Es wurden im ganzen abgegeben 430 Stimmen. Der Abg. Bartels (Soz.) erhielt 142, Dr. Porsch (Ztr.) 74, v. Kries (Dtschntl.) 118, Held (D. Vp.) 45, Pieck (Komm.) 34 und Ladendorf (Wirtschaftspartei) 16 Stimmen. Es muhte also Stichwahl zwischen Bartels (Soz.) und v. Kries (Dtschntl.) stattfinden. Bei der Stichwahl wur- den 426 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Bartels (Soz.) 201, v. Kries (Dtschntl.) 178 Stimmen' Die übrigen Stimmen waren ungültig. Der Abg. Bartels (Soz.) ist also zum Land- tagspräsidenten gewählt und nahm das Amt an. Er dankt für das ihm durch die Wahl entgegengebrachte Vertrauen und verbindet damit den Wunsch, daß die bevorstehenden lebhaften Kämpfe sich in Formen abspielen mögen, die die Geschäfte des Hauses nicht beeinträchtigen und die Parlamentarische Würde nicht vermissen lassen. Er erbittet hierauf die Hntcr- stühung aller Mitglieder. (Großer Lärm bet den Kommunisten.) Präsident Bartels gibt ein Schreiben der Regierung bekannt, das Mitteilung macht von dem Ausscheiden des Finanzministers Dr. von Richter und des Kultusministers Dr. Dölitz aus dem Kabinett und davon, daß die Staatssekretäre Weber und Decker die Geschäfte weiterführen. Das Haus schreitet hieraus zur Wahl der Vizepräsidenten. Es werden gewählt: Abg. Dr. v. Kries (Dtschntl.), Dr. Porsch (Ztr.), Dr. G a r n i ch (D. Vp.). Aus dem Reichstag. Die Disziplinargewalt des Reichstags- Präsidenten. Der l i n , 8. Ian. Präsident Löbe stellt die in einigen Blättern ausgestellte Behauptung richtig, daß gestern nach der Präsidentenwahl auf der Diplomatenloge Beifall geklatscht worden sei. Tatsächlich habe nicht ein fremder Diplomat, sondern ein preußischer Landtagsabgeordneter geklatscht. Ich werde, so schließt Präsident Löbe, sobald der neue Präsident des Preußischen Landtags gewählt ist, ihn bitten, seine Mitglieder daraus aufmerksam zu machen, daß derartige Beifallskundgebungen auf der Reichstags-- tribiine nicht zulässig sind. (Heiterkeit.) Dom ägpptifchen Parlament und vom Senat in Kairo find bereits Ende des vorigen Jahres Telegramme im Reichstag eingegangen, die gleichzeitig an sämtliche Parlamente der Welt und an den Völkerbund gesandt wurden und in denen gegen die Maßnahmen der englischen Regierung Protest erhoben wird. Der Präsident gibt weiter bekannt, daß von dem Abg. Katz (Komm.) aus Wien ein Telegramm eingetroffen sei, in dem er mitteilt, dah er in Wien verhaftet worden sei, als er inkognito durchreisen wollte. (Heiterkeit.) Durch das Auswärtige Amt ist festgestellt worden, dah Katz sich eines falschen Passes bedient hat, der aus der betännten Pahfälscherzenlrale her- borgegangen ist. (Hört, hört!) Es ist von der Staatsanwaltschaft in Wien beschleunigte Erledigung des Verfahrens zugesagt worden. Es folgt die Beratung eines Antrages der Deutschen Volkspartei, unverzüglich die Geschäftsordnung dahin zu überprüfen, ob die zur Zeit dem Reichstagspräsidenten zustehenden Diszlpttnarbefugnifse ausreichen, um die Würde und das Ansehen des Reichstags zu wahren. Abg. Dr. Kahl (Dt. Vp.) betont in der Begründung des Antrages, die hählichen Vorgänge während des letzten Tagungsabschnittes des Reichstages hätten bewiesen, dah die jetzigen Machtmittel des Präsidenten nicht aus- reichen, um die Arbeitsfähigkeit und die Würde des Reichstages zu sichern. Es dürfe aber nicht wieder möglich sein, daß derTerror einer Minderheit den Reichstag an der Arbeit hindern kann. Cs mühten vor allem dem Präsidenten auch Disziplinarbefugnisse gegeben werden auf. dem Gebiete der Entziehung der Diäten und Freifahrkarten. (Beifall bei der Mehrheit. Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Eichhorn (Komm.): Wir lehnen den Antrag ab. Seine Tendenz richtet sich ausschließlich gegen uns. Vom Terror einer Minderheit sollte doch die Mehrheit nicht sprechen. Einen schlimmeren Terror hat es nie gegeben, als ihn der aus Staatsmitteln bezahlte Schwarz-Rot- Gold-Dund im Wahlkampfe auSgeübt hat. (Heiterkeit rechts.) Die Würde des Reichstags kann am meisten verletzt werden durch das Eindringen der Polizei in das Parlament. (Händeklatschen bei den Kommunisten.) Präsident Löbe: Das Händeklatschen gehörte früher nicht zu den Gepflogenheiten des Hauses. Cs ist aber in der letzten Zeit von allen Parteien so oft geübt worden, daß ich es nicht mehr rüge, sondern lediglich als n e u e G e p f löge n h e i t des Hauses notifizieren will. Der Reichstag wird daran nicht sterben. (Heiterkeit und Händeklatschen.) Abg. Dittmann (Soz.): Wir werden alle Maßnahmen unterstützen, die zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit und Würde des Hauses dienen. Vorläufig sehen wir keinen Anlaß zur Verschärfung der Geschäftsordnung. Wir werden uns aber einer Heberweisung an den Ausschuß nicht widersehen. Abg. Dr. Külz (Dem.): Die Kommunisten haben mit Hnterstützung der Nationalsozialisten hier einen Ton eingeführt, der den Reichstag äußerlich zu einer Kaschemme degradiert hat, während wir doch die vornehmste Pfleg- ftätte deutschen Geistes sein sollten. (Hnruhe bei den Kommunisten und Nationalsozialisten.) Ich erinnere nur an die heimtückischen Heberfälle auf einen wehrlosen Abgeordneten. (Der Abg. Koenen (Kom.) ruft dazwischen: Schwindel! und wird dafür zur Ordnung gerufen.) Als ein anderer Kommunist diesen Ausdruck übernimmt, erklärt Präsident Löbe: Wenn ich einen Abgeordneten zur Ordnung rufe und ein anderer Abgeordneter sich dann diesen Ausdruck zu eigen macht, so werde ich darin einen gröblichen Derstoß gegen die Ordnung des Hauses erblicken und werde die Ausweisung aus der S hung verfügen. (Beifall.) Einen gröblichen Verstoß gegen die Ordnung des Hauses sehe ich nicht nur in einem tätlichen Vorgehen, sondern auch in einer groben Beschimpfung des Präsidenten, des Reichstages und seiner Abgeordneten. (Lärm bei den Kommunisten.) Der Antrag der Deutschen Volkspartei wird hierauf dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Auf der Tagesordnung der Freitagssitzung stehen der Ausschuhbericht über die Anträge auf Freilassung der fünf kommunistischen Abgeordneten und die sozialdemokratifchen und kommunistischen Entwürfe für ein Amnestie- geseh. Kleine politische Nachrichten. Die schriftliche Mrteilgbcgrüftbungtm Prozeß des Reichspräsidenten gegen den stellvertretenden Schriftleiter der »Mitteldeutschen Zeitung" in Staßfurt, Roth ar d. ist nunmehr fertiggestellt. Die neue Verhandlung des Prozesses. die diesmal die große Strafkammer beim Landgericht in Magdeburg beschäftigen wird, findet Ende Februar oder Anfang März statt. • Der kleine Kreuzer „Berlin" hat am 1. Januar den Hafen von Cartagena (Columbien) verlassen und ist am 3. Januar in Colon (Panama) eingetroffen. Am 5. Januar ging er von dort aus nach Veracruz (Mexiko). » Der Derfasfungsausschuß des bayrischen Landtags nahm am Donnerstagabend nach nochmaliger eingehender Debatte das Mantelgesetz mit dem Konkordat mit 15 Stimmen der Koalitionsparteien gegen 12 Stimmen der übrigen Parteien an. * Der neue Münchener Stadtrat beschloß, daß die Bilder der Fürsten, die unter dem alten sozialdemokratischen Stadtrat von ihren Plätzen im Rathause, in den Schulen undAmlsgebäuden entfernt worden sind, wiederan ihre Plätze zu bringen sind und die große Statue Bismarcks wieder im Rathause aufgestellt wird. ♦ Die national-konservative Bewegung in Bayern soll darauf abzielen. Hitler endgültig von General Ludendorff zu trennen. Der Chronist des „Miesbacher Anzeigers" weiß auch bereits positiv zu berichten, dah die politische Trennung Hitlers und Ludendorffs vollzogen ist, was wohl den Tatsachen entsprechen dürfte. Ferner erfährt man, daß bei der Trennung dieser Freundschaft Herr Pöhner entscheidende Hilfsstellung gewährleistet haben soll. * Die Regierungskommission des Saargebiets hat das katholische Sonntagsblatt „Sonntagsglocken an der Saar" und das satirische Wochenblatt „Saar-Grohstadt-Drille" auf je einen Monat verboten. In dem zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, Dänemark, Frankreich, Italien, Japan, Rorwegen, den Riederlarchen und Schweden in Paris unterzeichneten Vertrag über Spitzbergen erkennen die Signatar- mächte Rorwegens vollkommene Souveränität über den Spitzbergen-Archipel an. • Die Rückkehr General Primo de Riveras nach Madrid ist auf den 21. Januar festgesetzt worden. Ob der Diktator danach wieder nach Afrika zurückkehren wird, ist noch unbestimmt, denn der Generalstabschef der spanischen Armee, General D e s p u j o l e s, soll der Ansicht sein, daß General Primo de Rivera durch einen anderen General im Oberkommando erseht werden könne. Seine Hingebung werde dem Diktator abraten, nach Marokko zurück^ukehren unter Hinweis darauf, dah in Marokko Ruhe eingetreten sei. General Primo de Rivera werde wieder im Vaterlande seinen Platz an der Spitze des Dire? tpriums einnehmen. * Marschall Potain, der mit der Mission betraut ist, die Hilf sq uellen aller Art des zu Frankreich gehörenden westlichen Teils von Afrika zwecks Ruhbarinachung für die nationale Verteidigung zu prüfen, wird sich von Marseille aus cm 10. Januar nach Dakar ein» schissen. Seine Reise wird etwa zwei Monate dauern. * Der Papst hat Kardinal F r ü h w i r t zum Ober-Pönitentiar ernannt. Aus aller Wett. Schweres Berkehrsunglück in Berlin. Berlin, 8. Ian. (WB.) Heute abend ereignete sich am Lützowufer ein schweres DerkehrSunglück. Ein vollbesetzter Autobus wurde von einem anderen Kraftwagen angefahren und umgeworfen. 25 Personen wurden verletzt. Rettungswagen brachten die Verunglückten sofort zur nächsten Rettungsstelle, von wo sie nach der ersten Hilfeleistung dem Clisabethen-Krankenhouse zugeführt wurden. Anter den Verletzten befinden sich einige Schwerverletzte. An Einzelheiten können wir hierüber noch folgendes mittcUen: Die Hnterfuchung über die Hrsache des Hnalücks dürfte sich ziemlich langwierig gestalten, da zunächst keine Klarheit darüber besteht, ob der Autoomnibus swirklich von dem Kraftwagen des Dr. Sil- bergleit angefahren worden ist. Augenzeugen behaupten zwar, sie hätten gesehen, daß ein Personenwagen mit dem rechten Vorderrad die Radkapsel des Autoomnibus gestreift habe, und dah infolgedessen der Autoomnibus herumgeslogen und auf den Bürgersteig gerast sei. doch stellen andere Augenzeugen den Hn- glücksfall in durchaus abweichender Weise dar. Darnach wollte der Privatwagen 4242 den Auto- vmnibus kurz vor der Kreuzung der Genthiner Straße überholen. In diesem Augenblick ist aus der Genthiner Straße ein Privatwagen herausgekommen, der in das Lützow- ufer einbog. Dr. ©ilbergleit habe, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, seinen eigenen Wagen scharf nach rechts genommen und sei dadurch hart an Len Autoomnibus herangekommen. Der Führer des Autoomnibusses habe nun seinerseits, um nicht von Dr. Silbergleit gerammt zu werden, d ie Bordschwelle- stark an gesteuert und sei wohl infolge der Dunkelheit mit dem rechten Vorderrad an die Bordschwelle gestoßen. Durch diesen Anprall sei erst der AutoomnibuS, da nun die Steuerung ganz scharf nach rechts einschlug, herumgerissen Worden und über die Bordschwelle hinweg bis an Las Eifengitter geflogen. Auf dem Polizeirevier 33 gab Dr. Silber-- gleit ebenso wie sein Chauffeur K l e t z e k eine Darstellung, die diese Angaben zu bestätigen scheint. Dr. Silbergleit erklärte, dah er den Autoomnibus überholt habe, ohne den schweren Wagen zu rammen. Als er etwa zwei Meter vor dem AutoomnibuS lag. habe er hinter sich einen Krach gehört und sei sofort an die Bordschwelle gefahren und habe angehalten. Als sein eigener Wagen zum Halten kam, habe der Autoomnibus bereits umgelegen. Eine ähnliche Darstellung gab der Privatchauffeur. Der Führer des Autoomnibusses, Reumann, der seinen Führerschein schon feit 1912 besitzt und seit einem Vierteljahr auf der Linie 1 der Abog fährt, behauptet dagegen, dah das Vrivatautv ihn gerammt habe. Ob diese Angabe richtig ist, wird sich erst im Laufe des Freitags feststellen lassen. Soweit sich auf dem dunklen Hof des Polizeireviers erkennen lieh, zeigt der Privatwagen keinerlei Schrammen oder Abschürfungen, die unbedingt vorhanden fein mühten, wenn ein Zusammenstoß' erfolgt ist. Erdbebenchronik. Am Donnerstag wurde auf der Zuricher Erdbebenwarte in Zürich ein starkes Rah - beben um 3 Hhr 45 Minuten 15 Sekunden verspürt. Das Beben wurde fast im ganzen schweizerischen Flachland, aber besonders stark am Fuße des Jura verspürt. Der Herd liegt etwa 180 Kilometer westnordwestlich von Zürich. In der Gegend von Orbe und Wallort wurde das Beben besonders stark verspürt, ohne die Häuser jedoch zu beschädigen. In Freiburg und in ganz Ober - haben wurden heute vormittag von. 3.50 bis 4 Hhr ebenfalls heftige Erdstöße wahr, genommen, die von unterirdischen schwachen Donnergeräuschen begleitet waren. Di: Erdbewegung war wellenförmig und verlief in südnördlicher Richtung. Sachschäden sind nicht verursacht worden. Aus Stadt und Land. Gießen. 9. Januar 1925. Gute Erziehung. Aus der Straße fängt neulich ein Kmd an zu weinen. Die Mutter beugt sich über das heulende Geschöpfchen, wischt ihm mit dem Taschentuch die Tränen aus den Augen und predigt auf das arme Wesen los, dah es nur so eine Art hat. Hnd weshalb? Hört und staunt? Weil das Kind sich mit der Schokolade, die ihm Mutter eben in die weißbehandschuhte Hand gedrückt hat, nicht die kleinen Handschuhe schmutzig machen soltte. Seltsam, nicht wahr? Ja. Das Kmd sollte nämlich nicht an der Schokolade lecken, sondern nur abbeihen, wie sich das so gehört. Aber natürlich machte es gerade das Gegenteil von dem, was die Mutter sagte, sehr zum Rachteil der Handschuhe und der guten allgemeinen Laune. Hnd da gab es eine Moralpräügt auf offener Straße. Ich muh sagen, diese Art von öffentlicher Erziehung imponierte mir nicht. Weshalb erzieht diese Mutter ihr Kind nicht so, daß es gehorcht, auch wenn es auf der Straße ist? ober besser: weshalb ist sie nicht klüger als das Kind, das ja doch wohl in den meisten Fällen versucht, seinen Kopf durchzusetzen? Sie hätte ihm, wenn sie die werhen Handschuh nicht gefährden wollte, einfach keine Schokolade geben sollen. Erziehen ist feine leichte Sache. Jede Mutter hat damit, dah sie Mutter ist, nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht dazu. Hnd daS ist eben gar manchmal eigentlich ein Hebet! Wie kann z. B. diese Frau, die so wenig erzieherisch dachte, in der gehörigen Form ihr Kind erziehen? Ahnt so eine Mutter überhaupt, was es heiht, verantwortlich zu fein für das Wohl und Wehe folch kleinen Seelchens? Die natürliche Mutterliebe hilft manchen Frauen ja in der ersten Zeit über manche Schwierigkeiten hinweg: er wenn das Kind zu denken anfängt, beginnt die Hnzulänglichkeit einer Erziehung ins rechte Licht zu treten. Ein Kind merkt nämlich sehr bald, ob Vater und Mutter stark oder schwach sind. Es wird sofort die Schwäche ausnuhen und einen Keil zwischen die Eltern zu treiben versuchen. Wie geschickt Kinder dabei sind, weih jeder, der so eine kleine Gesellschaft zu erziehen hatte oder Kinder beobachtet. Sie haben ein merkwürdig sicheres Gefühl dafür, wer ihr Freund und Gönner ist und wer sich von ihnen nichts bieten läßt. Sie sind im Grunde eben kleine Tyrannen. Jede Hnregelmähigkeit in der Erziehung rächt sich. Gute Erziehung. kann nur regelmäßige Erziehung fein, allergrößte Pünktlichkeit, Sorgsam - keit, Heberlegung, Hnnachgiebigkeit. aber auch Zartheit, ganz wie es den Anlagen des Kindes entspricht und in feiner Einfühlung auf seine Besonderheit nötig ist. Wer sein Kind wirklich liebt, darf die Erziehung nicht darauf anlegen, daß er sich sein Kind als Spielzeug für feine Launen heran - bildet, sondern muh bestrebt sein, dem Kinde ein geistiger Führer zu sein und aus ihm eine Persönlichkeit zu machen, die bei aller (Eigenart doch ihre eigenen Grenzen erkennt und dienernde Persönlichkeit achtet. Solches Kind wird in Wahrheit Vater unb Mutter ehren- und der Sonnenschein der Familie fein. So etwas erst heiht doch gute Erziehung! -er Gietzener Wochenmarktpreisa am 8. Januar (Händlerpreise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170, Matte 35, Käse 70. Wirsing 15. Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 15, Spinat 50, Hnterkohl- rabi 8, Grünkohl 20. 'Rosenkohl 60, Feldsalat 100. Zwiebeln 15. Meerrettich 40, Schwarzwurzeln 60 bis 70, Kartoffeln 5. ÖlebfeI 15 bis 18. Birnen 10, junge Hahnen 100, Gänse HO. Endivien 100 Pf. das Pfund. Eier 17, Blumenkohl 50 bis 200, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 70 Pf. das Stück. Wettervoraussage. Vielfach bewölkt, Winde aus nordwestlicher Richtung, Temperatur um den Gefrierpunkt schwankend, Rebelbildurrg. sonst trocken. Dem gestrigen starken Druckfal! in England ist infolge' raschen Dorrückens des Tiefs nach Osten ein rasches Wiederansteigen des Barometers gefolgt. Auf der Südwestseite des vorübergehenden Tiefs werden wir nach einigen Störungen wieder klares, kaltes Wetter erwarten dürfen. 0 Zur Linderung der Notlage der Stu deutenschaft. Dem Vernehmen nach wird in dem Entwürfe des Staatsvovanschlags für 1925 die Ermächtigung vorgesehen, zur Behebung der Rvtlage der Studentenschaft ein zinsloses Darlehen von je 15 000 Mk. für die LandeSuniversität und die Technische Hochschule zu gewähren. •* Winter im Vogelsberg. Auf dem Hoherodskopf wurden heute früh 4 Grad Kälte und schönste Rauhreifbildung festgestellt. Es liegt auch etwas Schnee, für den Sportbetrieb ist die Schneedecke aber erst stark genug, wenn noch etwa 5 Zentimeter gefallen sind. Der Wald bietet in feinem Rauhreifkleid natürlich einen wunderbaren Anblick, dessen Genuß eine Sonntagswanderung schon lohnend macht. '* Die Behandlung der Zugtiere im Winter. Das Polizeiamt richtet an alle Besitzer von Zugtieren und Leiter von Fuhr- werken die dringende. Mahnung, bei Kälte und Straßenglätte ernstlich darauf Bedacht zu nehmen, daß die Zugtiere vor do» nachteiligen Ein» im Blaubana” nujt inn siitien, durch ihren hohen Nährwert ist sie den Kindern besonders zuträglich. Preis 50 Pf. das Halbpfund in der bekannten Packung. X8 WLW Ober. Ä'( ®tbte350 b,5 et? WÄVft LtoeNotSti >varen ? ! lc Crziehu^^ 19251 5 fcs**s3Ä 'rt und ftw S ?rt der°öchodl<^^^ ft - lch dW io gfbVÄJ31^ * Aofi Jar8*e' M zum :? 5cn allgemeinen LiM ne Domlpredigt auf diese Art von össentlicha '^e mir nicht. Deshalb cr- tr l6c Kind nicht so, dah cs m es auf der Straße ist?chn ,ke nicht klüger als das Äinb 'n oen meisten Fallen versuch,' A Öätte ihm, wer ,' nicht gefährden wv/ltc, kolade geben sollen. me leichte Sache. Jede Mutter Mutter ist, nicht nur die Mich! W dazu, ttnd das ist eben rMch ein UM! D. diese Frau, die so wenig a= in der gehörigen Form ihr ftinb Io eine Mutter überhaupt, was wörtlich zu sein für das Dohl kleinen Seelchens? Die natur- : hilft manchen Frauen ja in der manche Schwierigkeiten hinweg, ind zu denken anfängt, beginnt feit einer Erziehung ins rechte M Kind merkt nämlich sehr bald, Mutter stark oder schwach sind, dc Schwache ausnutzen und einen je 6Itcm gu treiben versuchen der habet sind, weist jeder, bec t llschaft zu erziehen hatte vdr. t, Sie haben ein matttürbv) für, wer ihr Freund und Eö« vrm ihnen nichts bieten läßt. nde eben ttdne Tyrannen, mähigkeit in der Erziehung rächt Yung , kann nur regelmäßige Er- ergröhte Pünktlichkeit, cd* ig, Ilnnachgiebigkcil, aber me es den Anlagen M W t feiner Einfühlung auf ferne 3c- arauf anlegen, daß er M 1«n Loo für seine Launen HE 2 Strebt sein, dem M 5 .y fein und aus ihm eine Äen, die bei aller S'SÄw? 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Mr meinen Sohn, der bereits 1 Jahr die Handelsschule besucht suche tch Wönniföe Lehrstelle. Schriftl. Angebote unter 0249 an den Gieß. Wnu erberen. teeaaoQCCEQXESKQ lillliilllililillllilllllllllllliill Metallbetten Stahlmatr., Kinderbetten, dir. an Brio. Kat. 31 N frei. Eiiac- TÖbiliabr. 8ahll. TI. niimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii HEY-G.m.b.H., Chemische Fabrik Offenbach am Main Wir bitten, beim Einkauf von „Schwan im Blauband“ das farbig illustr. Familienblatt »Die Blauband-Woche“ gratis zu verlangen. ü'llillllülillllllllllüliilllliü Derhaufs- Kanone für leistungSfabige Margarinefabrikbei hohen Bezügen qc- tuchtKoioniaiwaren können mirverkaufr werden. Schriftliche Angeb. unter 290D an den Gieß Anz. llllllWülMMMM Tüchtiges, ehrliches u. sauberes Hofgrrt Utphe PottBerstadt-Oberh. »SS«»»SS»V»D solide Arbeit auf günstige Teilzahlung Qualität £Ruswal)l üBilligHeit <7. Stimann Kirche und Schule. DekanatSkonferenz Gießen. 1). Am Montag fand in Gießen im Gasthof „Hindenburg" die erste Konferenz der evangelischen Geistlichen des Dekanates Gießen unter vollzähliger Beteiligung statt. Es waren als Gäste auch erschienen die Fragen, die auf dem noch in diesem Äkonat zusammentretenden Landeskirchentage zur Berhandlung stehen werden. Die Finanzfragen spielen hier, wie überall in der Gegenwart, leider eine große Rolle. I** (Radfahrer) gesucht. 0244] e. Becker, Kaiserallee 10. Bamberger Sttd- Tracht-Izparlhaus sucht bei d. bess. Detailkundschaft gut eiDgeführte Vertreter. Zagreb, u. ILE. 3163 an Bado!! Bloss*, Hamburg 1. r;3s MsSSSHulL Rührige WM zum Besuche der Landwirtschaft sofort gesucht. Zahle hohe Provision u. Reisezuschuß. Schr. Ang. U.289D an den Gieß. An^. . ’ Fahrraddlebstabi. Der Polizct- bcrtcht meldet. Am Mittwochmtttag gegen 12 Hbr wurde auS dem Hofe d^ Wohlfahrtsamtes ein fast neues Fahrrad entwendet i Marke Mors, Ar. 385 513, hochgcbogcnc Lenkstange, schwarzer Rahmcnbau, ebensolche Felgen und Schutzbleche, mit gelben neuem Sattel). An dem Rad befindet sich eine elektrische ßalernc. Dor Ankauf wird gewarnt. *+ Klcidcrd icbftahl Der Polizcibcricht meldet. 3n der Rächt zum Sonntag wurden aus einer Wirtschaft in der Löwengasse ein dunkel- grauer Mantel mit Samtkragen und schwarzem Futter sowie ein Hut entwendet. Vornotizen. — Tagestalendcr für Freitag. Etadttheater: 7' . ..Mutter^egendc" — Verein Rudersport: Generalversammlung. — — Aus b c m Stadttheater bureau wird uns geschrieben. Ausdrücklich sei auf die letzte diesjährige Aufführung des Märchens ..Schnühclbutzhäuscl" oder ,.D i e Abenteuer des Lachhannes u. des Mucken- schnapprrs" hingewiesen, die am morgigen Samstag 3l _• Ahr gegeben wird. — Es ist seh^ zu wünschen, daß die Dolksvorstellung von Ibsens wuchtiger und wirkungsvoller ,.R o r d i s ch c r Heerfahrt" am kommenden Sonnlag nachmittag guten Besuch findet, da. die abgerundete Dor- ftellung cs verdient und da solche Dorstellungen bei kleinen Preisen nur bei gut besetztem Hause rentabel sind. — „Mein Detter Edu- a r d". der am Sonntagabend gegeben wird, hat sich als außerordentlrch wirkungsvoller Schwant erwiesen, der bei den bisherigen beiden Aufführungen wahre Heiterkeitsstürme entfesfelte. — Der Konzertverein macht an dieser Stelle ausdrücklich auf den früheren Anfang des Konzertes am nächsten Sonntag, 11. Januar, aufmerksam. Das Westdeutsche Trio, das an diesem Sage spielt, beginnt bereits um 4>'_. Uhr. Ilm dieselbe frühere Zeit finden vorläufig alle Sonntagskonzerte statt. Die Zuhörer werden im eigenen Znteresse gebeten. Verspätungen und die für alle Teile damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu vermeiden. — Kirchenkonzert in der Johannes- kirche. Am Sonntag, 11. Januar, findet in der Iohanneskirche abends 8Llhr ein Kirchenkonzert statt zum Besten des Evangelischen Schwesternhauses. Rähcres in der Anzeige in unserer Heuti- Turnen, Sport und Spiel. Auftakt zum Kreisturnfeft iu Gietzeu. Am morgigen EamStag treffen nahezu 60 Kreis bzw Gauturnwarte aus den 25 Gauen des Mittelibcinkreises von dem Rhein, der Rahe, der Mosel, der Saar und der Lahn — zur Dorberatung der turnerischen Arbeiten sowohl für daS Männer- wie für das Frauenturnen bei uns in Gießen ein Die Hebungen beginnen am Samstag nachmittag in der Turnhalle des Realgymnasiums und werden am Sonntag vor^ mittag 8 11 br fortgesetzt. Die Arbeiten stehen unter Leitung des KreiSoberwrnwarts Frey- Mainz. Deutsche Turnertreue. vo. (Sin Beispiel seltener Turnertreue hat ein Mitglied der Berliner Turncrschaft, R i ch. Hobusch. geliefert. Er hat 300 Monate lang hindurch, das find 2 5 Jahr e,^i c g elm ä ß i g jeden Turn abend den Turnsaal besucht. Rach dem bekannten Sprichwort: „D>o ein Wille, ist auch ein Weg", hat er alte Hindere nisse überwunden, die ihn von bem geliebten Turnen hätten abhalten können. Ein leuchtendes Dorbild i Leibesübuugeu als Pflichtfach für den ftud. Phil. Um das Derständnis der Lehrerschaft an den höheren Schulen für die körperliche Erziehung der Jugend zu fördern, beabsichtigt das Preußische Unterrichtsministerium eine Erweiterung der Prüfungsordnung für das Lehramt an höheren Schulen in der Richtung, daß die Prüflinge mindestens zwei Semester an praktischen Hebungen bet den Hochschul-, Turn- und Sportlehrern teil- genommen und während einer gleichlangen Zeil Dorlesungen übet das Gebiet dec Leibesübtingen gehört haben müssen. Der Vorstand des Preußischen Philologenverbandcs hat dieser Absicht bereits zugestimmt, doch soll die Befreiung der körperlich Behinderten und Kriegsbeschädigten von der Teilnahme an den praktischen Hebungen sicher- gestellt werden, um diese Studierenden nicht an dem Eintritt in den Lehrberuf zu verhindern. Außerdem weist der Verband darauf hin, daß die Teilnahme an solchen Hebungen und Vorlesungen keinen Ersah bilden könne für die besondere Befähigung zur Erteilung des Turn- und Svortunterrichts. Tueuprefsetagung in Leipzig. Die Kreispressewarte der 18 deutschen Turnkreise hielten in Verbindung mit dem Verein Deutsche Turnpresse in Leipzig in den Räumen des Allgemeinen Turnvereins ihre diesjährige Haupttagung ab. Sic war getragen von dem festen dBüten, die Pcesseorganifation der Deutschen turncrschaft immer weiter auszubauen, damit die für die Volksträftigung und den Wiederaufbau unseres Vaterlandes so überaus wertvolle Arbeit der Deutschen Turnerschaft auch in der breiten Oeffentlichkcit endlich die ihr gebührende Beachtung und Anerkennung findet. Zu diesem Zweck wurden eine Reihe von Richtlinien beschlossen, die in erster Linie auf die Schaffung einer Pressestelle, auf ein besseres Zusammenarbeiten der Kreise mit den zentralen Einrichtungen der D. T., auf die GinfüHruna eines schnellarbeitenden Sonntagsdienstes und die Aufnahme neuer Verbindungen zu den Zeitungen, Rachrichten- und Korrespondenzburcaus hinzielcn. In der anderen Richtung soll die Versorgung der Kreis- und Gaupressewarte mit Rachrichten ausgebaut und durch Lehrgänge immer neue für die Prcssebedienung geeignete Kräfte ausgebildet werden. UnsereKüchen finden allgemein Beifall, weil Wir vergeben die Gensrai-Verlretuiig mit Fabrikniederlage (Beifutter) für den nördlichen Teil des Freistaates Hessen an solvente Firma oder Herrn mit Vertreterstab, welcher bei Händlern und der Landwirtschaft gut eingeführt ist. Erforderlich NM. 2 - 3000. — oder dementsprech. Sicherheiten. Ausführliche Angebote unter G. 51 an die Annonc.- Erped. Carl Ludewig, Hannover, G'eorgspalast, erbeten. 295c ........ SI18I1I für Gießen und weitere Umgegend für die Nondttoren', Feinbäcker- und evtl, auch sonstige Nabrunasmittel» Kundschaft strebsamen, eingeführten, bestempfohlenen Vertreter. Gest, ausführliche schriftliche Angebote unter 3041) an den Gießener Llnzemer. Suche per sofort einen tüchtigen Detailreisenden. Angebote mit Angabe bisheriger Tätigkeit und Bild erbittet 288D Karl Langohr, Mücke Manufaktur, Weißwaren und Schuhlager Dr. Walg er-Gießen, die sich auch an den Verhandlungen beteiligten. Diese standen unter Leitung des Vorsitzenden, Dekan Guhmann- Lollar, und betrafen die wichtigen kirchlichen Gerichtssaal. Ein Ausfuhrdergehen mit 75 000 Mark gebüßt. Frankfurt a. M., 7. 3an. (WTD.) Das erweiterte Schöffengericht verurteilte den Kaufmann Voalter Schikor - Frankfurt a.M. wegen Anstiftung um Ausfuhrvergehen zu einer Geldstrafe von 50 000 Mark. Der Angeklagte hatte 1922 einen in Hamburg anfäfsigen Verwandten zur Ausfuhr von 130 AdrejseiislsjrkiSer gesucht. Schriftl. Angebote mit Preis» angabe unter SOOD an den Gieß. An». |Stellengesuche| Een ter Mütrnrng 'Äch Möglichst geschützt werden, namentfich daß 1. die Zugtiere niemals länge* als mrbedingt erforderlich und niemals unbedeckt im Freien stehengelaffen werden, 2. das Zaumzeug im Stall aufbewahrt oder andernfalls vor dem Anlegen das Gebiß erwärmt wird, und 3. die Hufeisen der Pferde zum Schuhe gegen das Ausgleiten gehörig geschärft oder Stil Stollen versehen sind. *8 Konsumverein uud Einzelhandel. Aus Darmstadt wird uns berichtet: Die jtonnuer für Handelssachen des Landgerichts Darmstadt fätttc am Dienstag' in einer Klsgc wegen unlauteren Wettbewerbs eine bemerkenswerte Entscheidung. 3n Darmstadt war während der Znslattonszeit eine Deamten-WirtschaftS-Ge- nossenfchast gegründet worden, die aber bald in finanzielle «Ähwierigkeiten geriet. Sw suchte sich zu sanieren und verhatchclte deshalb mit dem Darmstädter Bezirks - Konsumverein. Die Be- amtengenossenschaft sollte dem Konsumverein ihre 4000 Mitglieder- zuführen. Hm diese zu gewinnen, veranstaltete der Konsumverein eine Besichtigung feiner Betriebe, wobei auch Wärmt ausgestellt wurden, die tn Darmstädter Geschäften gekauft waren, die jedoch höher im Preis standen. Den Befuchern wurde ferner ein Preisverzeichnis aus- gehändigt, in dcm auf diese Tatsache hingewiescn wurde. Die „Vereinigung des DarmstädterEinzei- ßandels" klagte nun wegen unlauteren Wettbewerbs, da das Preisverzeichnis irreführend sei, weil kerne Rücksicht auf die Qualität genommen sei. Das Gericht verurterlte den Konsumverein, die Behauptung, er fer billiger als die zum Vergleich berangezogenen Geschäfte, zu unterlassen, und Die Kosten des Verfahrens zu fragen. In der Verhandlung wies der Vertreter eines Geschäftes nach, daß von 20 Waren gattungen. die zum Derakeich ausgestellt wurden, 10 minderwertiger als Die der Geschäfte waren, 9 gleichwertig und nur eine besser war als die der Geschäfte. .** Die Vorauszahlungen auf die Einkomm en- und Kvrperschaftsstcuer. Wie der Deutsche Handelsdienst erfährt, wird vorerst noch nicht mit einer völligen Beseitigung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körper- schaftsslcucr zu rechnen fein. Einzelne Erleichterungen stehen aber in Aussicht. Hierzu gehört auch, daß es vielleicht möglich ist, die Vorauszahlungen auf die Gtnkvmmen- und Körperschaftssteuer, die sich errechnen nach Maßgabe des Hm- sahcs abzüglich der Löhne und Gehälter, dadurch hcrabzusctzen, daß neben den Löhnen und Gehältern auch die Aufwendungen dcs Arbeitgebers für die Sozialversicherung der Arbeitnehmer für abzugsfähig erklärt werden. *• Personalien. Ernannt wurden der Kanzleigehilfe Ludwig Wehrum aus Annerod zum Kanzleiassistentcn bei der Landes-Heil- und Pft^canstalt in Gießen mit Wirkung vom 1. De- aember 1924; der Rektor an der höheren Bürgerschule zu Schlitz, Studienrat Heinrich Röder, zum Studienrat an dem Landgraf-Ludwigs- Gymnasium zu Gießen mit Wirkung vom 5. Januar ab. Auf der Spur des Dellersheimer Mörders Steul? Wie mitgeteilt wird, treibt sich in der Hingebung von Wetzlar ein angeblicher Metzger Oskar Müller aus Betzdorf a. Sieg herum, der im Auftrage eines Betzdorfer Metzgers Schweine aufkauft und bei dieser Gelegenheit Betrügereien verübt. 3n Betzdorf ist der Metzger Rlüller nicht bekannt. Die Be^ schreibung des „Müller" paßt auf den noch immer gesuchten RDrder Steul. Es besteht der Verdacht, daß der angebliche Müller der Mörder Steul auS Bellersheim ist. Die iLandjäge- reierx sind angewiesen, aufs schärfste nach dem Manne zu fahnden. ** KindeSinsrd. Die Obduktion der vorgestern nachmittag aus der Wbeseck geländeten Kindesleiche hat ergeben, daß das Kind gelebt hat. Es hat jedenfalls durch Ertränken den Tod gefunden. Die polizeilichen ®rmittdungen zur Aufklärung der Tat find im Gange. Zwei möblierte ob. eilt möbliertes und ein unmöbliertes Zimmer für Privatbureau gegen gute Bezahlung zu mieten gesucht. Bahnhosuähe bevorzugt. Schr. Ang. u. 296D an den Gisst. Anr. Wer tauscht Wohnung in Sieben aeaen Hauü aus dem Lande «Nähe Gießen». Schrift!. Ang. u.0184a.d.Gietz.«nz. Rundfunk-Programm des Frankfurter Lenders. (Aus der .Radio-Hmschaü'.l Samstag, 10. Januar: 11.55 Hhr: Zeitangabe. 12 Hhr. Roch- richtendiensi. 4.30-6 Hhr Rundfunknachmittag in Musik und Wort 6 Hhr Dirtschattsmclduil- gen. 6—6.30 Hhr Die Lcsestundc «An die Zu- gcnd): Aus dem Roman .Die Schatzmsel" von E. L.Stevenson 7.30 Hhr: Funkhochschulc Vor- irag von Professor Dr. Raumann Deutsche Liebeslyrik im Mittelaller8 8.30 Hhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung Vortrag von Redakteur Ra^'htali: „Das Steige.i und Fallen der Wirtschostskonjunttur". 8.30 Hhr: Hebertragung vom Kasseler Sender: Bruckner- Abcnd. 1. Einleitende Torte. 2. Quintett für zwei Diolinen. zwei Bratschen und Cello. Moderato (mäßig schnell) -- Scherzo (schnell) - Adagio (langsam) Finale (lebhaft bewegt). Aus- führende: Mitglieder de» Orchesters des Kasie Icr LandestheaterS. Anschließend: Rachrichte.i. Wettermeldung. Sportbericht. Eingesandt. (Für Form und Znhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung) Zur Frage der Beleuchtung der Stockwerkstreppen. Obwohl mir von verschiedenen ©eiten nahe» gelegt wurde zu dieser Frage Stellung zu nehmen. habe ich c6 bisher Unterlasten. Da ich viel wichtigere Fragen, nicht nur rechtlicher, sondern auch vollswirtschaftlicherArt auf dem Gebiete bc* Wohnungswesens kenne: so z. D. die Verhütung des zur Zeil ganz unmöglichen Abbaues Dci Zwangswirtschaft und die Beschaffung neuen Wohnraums. Die RcchtSausfassung, tote s-ic Herr Heber- mch l in Rr. 304 d. Bl. von 1924 dargelegt hat, halte ich an und für sich für durchaus zutreffend. Oesfentlich rechtlich ist der Hauseigentümer für Unfälle, die infolge bei Richtbc* leuchtung Der Treppen entstehen, haftbar Die p r i v a t r c ch t l i ch c Verpflichtung zur Treppenbeleuchtung richtet sich nach den Avmachunge i dcs Mietvertrags ober nach dem OrtSgebranch beleuchtung richtc-t sich nach den Abmachung«: r des MictSvertrags oder nach dem Ortsgebranch. In eine Erörterung darüber, ob in Gießen c<5 ortsüblich fei, daß der Mieter die zur seiner Wohnung gehörende Stockwerkstreppe zu beleuchten habe, will ich nicht cintrctcn, - eben weil cs sich uni eine Frage von untergeordnete. Bedeutung handelt. Zur Erhaltung des Frie dens und der Rcrvcntrast halte ich cs für sehr dienlich, in Streitfällen dieser Art den starren Rechtsslandpunlt zu verlassen, und ich mache daher als Mieter folgenden Kompromiß- vor schlag: „Der Mieter beschafft sich eines der bekannten F l u r! ä m p ch e n , daS er bei eintretender Dunkelheit vor seinem Korridor aufhängt. Die Ausgaben für Brennstoff werden überhaupt nicht ins Gewicht fallen, jedenfalls stehen sie in keinem Verhältnis zu dem Aerger und den Aus- icgungen im Falle em cs Streites mit dem 'Vermieter." Man soll eben in Kleinigkeiten groß fein ganz besonders aber in den gcgenworttgcn Zeit« läuften! Schröder, Zustlzinspektor. Geschäftliches. ImWinterist eine gute Suppe stets willkommen. Sic wärmt, kräftigt und verschafft dem Körper behagliches Wohlgefühl. Am bequemsten stellt man delikate Suppen — in mehr als 25 Sorten -- au6 Maggis bekannten Suppenwürfeln her. Diese brauchen nur noch kurze Zeit lediglich mit Wasser gekocht zu werden, weil sie gerade das. was die Hausfrau selbst zu einer guten Suppe nimmt, schon enthalten. Lindenplatz 1. 264a [Vermietungen Laden in bester GeschäftS- laas zu vermieten. Näherer Q. Baer. Ostanlaae 29. [0264 | Mietgesuche | Zimmer mögt parterre, im Nord-nordwestlichen Stadtteil bis Zentrum gelegen, für tagsüber gesucht. Schriftl. 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Januar 1925, vormittags 9k Uhr beginnend (Bezirk des Försters Arft, Abt. 14a u. b, 16b u. 17a u. b); 30 Am. Buchescheiter 156,3 „ Bucheknuppel 27,2 „ Eiche-, Aspe- u. Fichteknüppel 16,6 „ Buche, und Fichtestöcke 3260 Wellen Buche-u.Aspe-Stammreistg 5670 „ Eiche-, Weichholz., Kiefer- und Fichtereisig 214,5 Am. Kiefer- und Weichholzreisig. Zusammenkunft: KreuzungHauptschnelfe — Kernschneise im Fernewald. Zahlungsbedingungen: Die Holz- geldschuld wird gegen Stellung sicherer Bürgschaft innerhalb 3 Wochen nach dem Dersteigerungstag auf die Dauer von 3 Monaten gestundet, und zwar für die ersten beiden Monate zinslos und für den letzten Monat gegen Berechnung von 12 % Jahreszinsen. 306B Gießen, den 8. Januar 1925. Der Oberbürgermeister. ______I. D.: Dr. Rosenberg._______ Arbeitsvergebung. Zur Errichtung eines Schutzdaches auf dem Viehmarktplatz am Güterbahnhof soll das Liefern und Versetzen von Betonsockelsteinen und die Ausführung der Zimmerarbeiten vergeben werden. Angebote auf Vordruck.sind bis zum 15. Januar 1925 vormittags 10 Uhr im Stadtbauamt, Asterweg Nr. 9, abzugeben. Vordrucke sind daselbst erhältlich. Zuschlagsfrist 3 Wochen. [305B Gießen, den 7. Januar 1925. Stadtbauamt. Braubach. Bekanntmachung. Mit Gültigkeit vom 12. Januar 1925 werden die Züge 2W und 5W, die bisher nur zwischen Ettingshausen und Lich verkehrten, zwischen Grünberg und Lich durchgeführt, und zwar in folgendem Fahrplan: Zug 2W Zug 5 W 4.45 norm, ab Grünberg an 8.42 nchm. 8.06 ab 7.40 an Lich Nb. 4.57 5.04 5.09 5.14 5.27 5.39 5.52 Queckborn Harbach * Ettingshausen Münster (Oberh.) 8.31 *k 8.24 8.19 I 8.14 Ober-Bessingen L.w Nieder-Bessingen^ 8.00 Vom gleichen Tage ab verkehrt Sonntags ein Iugpaar zwischen Lich und Grünberg in folgendem Fahrplan: Zug 28 Zug 5 8 5.57 vorm. ab Grünberg an 8.07 nchm. Münster (Oberh.) Ober-Bessingen an Lich Nb. ab 7.15 6.09 6.15 6.20 6.25 6.30 6.36 6.49 Queckborn Harbach Ettingshausen 7.56 *v 7.49 7.45 I 7.40 VDeiez)e||iiigeii 7.35 Nieder-DessingenH 7.29 Die Einlegung dieser Züge war bereits längere Zeit geplant, sie kann aber erst jetzt erfolgen, weil die Butzbach-Licher Eisenbahn hinsichtlich ihrer Fahrplangestaltung an die Genehmigung der staatl. Aufsichtsbehörde gebunden ist. Butzbach, den 5. Januar 1925. Butzbach—Licher Eisenbahn. Die Dahnverwaltung.387D Verloren eine Lorgnette. Abzugeben gegen Belohnung 0243 Seltersweg 89 I Damenfrisieren, Shampoonieren sowie elektr. Vibrat.-Massage und Maniküre empfiehlt 8WD Beruh. Dosch Herren- and Damen•(/// FrlsenrfltsobMft /fff/ Neuen Bttue 12 j Ecke Weidengasse/'' Parfümerie und Toiletteartikel Stadttheater Samstag, lO.Jari., von 3*/2—5’/- Uhr: oder 125c Wuieuet des £ndi9annesun6öes MükMiWms nun Hfilflprn 5 Märchen in 6^ Btl- vuu UUUJvlll --1 dern von Hermann Herr oder Dame ges. | Steingoetter. Kaiserallee 6 v. I oooaaucosooocnmcn Mor-Riuii äassia M«. I SamStag.10.Jan, abends 8 Ubr: lUitslieöet- nekwnil-ing int Bootsbaus. Wichtige Tagesordnung. 2990 Der Vorstand. 3M Beittogen UltraPolysol m.7 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Vberyeffen) Zreitag, 9. Januar 1925 4 S Ettingshausen fünfter (Oberg. Ober«Se|(ingen ri kultur! 13 6 2 3ug 5W an 8.42 itajm. [8.31 „ f 8.24 „ 8A9 „ W m.abSrünbtrg iv.JaN' w 8 ud-- jioniW ^Vor!!5^ öWklil- ncn Kreis, und begeistert fangen die .Dochte" das von Dusch gedichtete Dundeslied: „OBenn der Wind weht, / Wenn der Hahn kräht. ' Wenn die Wetterfahne sich auf dem Turm dreht. ' Deim Schrei der Eulen, ' Dci der Wölfe Heulen, / Wenn das Geisterhecr zieht übers Moor Dann brich hervor / Mit Wundermacht / Du Licht der Dacht!" Don Dusch stammt auch der Ehor der Dachtlicht er. dessen erste Strophe lautet: „Dachtlichter sind wir allzumal. Wenn es be- ginnt zu dunkeln. / Tas Oe( ist uns das braune Bier Dis früh zum Morgen trinken wir / Lind leuchten hell und funkeln." Hier sah noch MareeS mit Busch zu-" sammen. später Lenbach und ® c bon; auch Leibl mag einige Jahre später mit dabei ge* wesen fein. Gegen die Kneipzeitung von .Jung- München", den ^Beiwagen" führte das Blatt der „Dachtlichtcr" .Der Knotenstoc!" einen derben Kampf, und Dusch schärfte in dieser Kneipzeitung die Waffen seines Humors für die unübertrefflichen Dildererzählungen, die ihn unsterblich machen sollten. Später ift der Einsiedler von Wiedensahl nur als Gast in der Münchner' Künstlergesellschast erschienen und feierte mit Lenkmch und Gedon d:c Erinnerung an die .Dachlichter" in der „21II o t r i a“. Als das Haus der .Allotria" 1883 cin- qctoeibt wurde, da war der M'ttelpuntt dieses humorvollen Kreises Lorenz Gedon. ein vom Tode Gezeichneter. Don einem Krebsleiden befallen. hatte er nur noch wenige Monate zu leben, und er besah die antike Seelengröhe, beim Einzveibungsfest für immer 2lbschied zu nehmen. Dem toten Freunde hat Dusch cm tiefempfundenes Gedicht gewidmet, das mit den Versen beginnt: -1 Dm' «•’00- 5, §a n^auz 4 bUil2); ■°trte iie ©löktr» itJassage^- I Maniküre jujpfieW K »u (jifieriß „So kernig schienst du uns. so wetterhart. / Ein köstlich Bild urfrischer Gegenwart. Ein Baum, an Stamm und Wurzel unbewegt. Ob auch der Sturm in seine Wipfel schlägt: Lind schon, da kaum dein goldner Her bst die Welt / Zur Ernte lud, hat dich der Lod gefällt .. Zur Cinsühruug des gregiorianischen Kalenders. Anlählich unseres Aufsatzes in Dr. 4 über das Jubiläum der Einführung des gregorianischen Kalenders in Deutschland schreibt uns ein Mitarbeiter. der im Krieg jahrelang in Rumänien war und mit dortigen Oesterreichern noch im Briefwechsel steht. In Rumänien ist in dem nun vergangenen Jahre auch endlich der neue Ka len der amtlich eingeführt worden, und die Bevölkerung muh nun nach dem ,,stil nou“, nach dem „neuen Stil" ihre Tage zählen. Der Widerstand der Landbevölkerung gegen diese 2Ieuerung ist sehr groß. Der Brief schreibt darüber: „Das schmeckt den Rumänen nicht, aber n’arc, in cotro (er kann nichts dagegen machen). Es ift ein ganzes Durcheinander im Kopf der Dauern! Sie lamentieren wegen ihrer Pomonas (den Gedächtnismahlzeiten für die Toten), dah der, dem bas betreffende Gedächtnis gilt, doch 14 Tage früher gestorben ist": also die ganze Geschichte stimmt nicht! Durch den Kalenderwechsel müssen die Dorfpfarrer viel aushalten: denn ihnen wird die Schuld an ter verwirrenden Deuerung beigemessen. „Die Bauern drohen, dah sie die Popen um bringen, so dah kein Pfarrer mehr sich in Me Kirche wagt. Auf manchen Dörfern ist fast ein Aufruhr. Einige Pfarrer sind schon geschlagen worden." — Das ist so ein rechtes Stück Balkon- w Ober'SÄ9en,n* M " s Mder-!öchngeM7.A - U*?ÄsUalt b-h-id° °il-nb°hn. geben, die in diesem Rechnen mit dem Aus- bleiben der Stimme von auhen — hat sich doch sogar der „Popolo". der vorher nicht nur einen Verfassungs-. sondern sogar einen Strafgesetzbuch- Paragraphen veröffentlichte, derart von feinem Anrecht überzeugt, dah er bis heute die Sprache nicht mehr gefunden hat — die Schwäche in der mussolinischen Stellung erblicken. Das sind dieselben, gottlob nun mundtot gemachten Leute, die bedenlliche Widersprüche in der groben Rede entdeckten. So streite barm Mussolini zuerst die Existenz einer Tscheka rundweg ab. um später zu erklären, sie habe geradezu blödsinnig gearbeitet. Weiter: Cs ist eine Infamie ohnegleichen von der Opposition, von Gewalttätigkeiten zu faseln, aber für die Dorgetemmcncn übernehme ich, ich allein, die Derantwortung. Sehen wir, um nicht wider den Geist zu ver- stohen, die Dekenntinssähc der Rede im Wortlaut hierher, so wie ihn in stolzem Fettdruck die faszistische Presse wiedergibt: ..Dun wohl, so erkläre ich vor dieser Versammlung, im Angesicht des ganzen italienischen Volkes, dah ich. ich allein die politische, moralische, historische Derantwortung für al!es übernehme, was vorgekom- men ift. (Bravo! Minutenlanger Applaus ) Wenn der Faszismus nur Rizinusöl und Knotenstock blieb, so verdankt man es m i r. Wenn der Faszismus eine Derbrechergesellschaft gewesen ist, gut, so bin i ch das Haupt dieser Dcrbrechergesell- schasl. (Stürmischer Beifall.) Wenn alle die Gewalttätigkeiten die Folge einer bestimmten historischen. politischen und moralischen Atmosphäre gewesen sind, so trifft m ich die Schuld, denn ich habe sie geschaffen, sie ist m ein Werk von damals bis heute!" Hier sah ich zum erstenmal G i o l i 11 i aus seiner olympischen Gelassenheit herausfallen. Frühere Minister hoben wie beschwörend die Arme. 2lber der rasende Cäsar, die wieder geschlossene Phalanx seiner Schwarzhemden um sich wissend, kennt jetzt keine Grenzen mehr. „Vernichtet werde der Aventin! 2llle Köpfe ab, nur meiner nicht!" ,,Die Lösung liegt in der Gewalt." ,.Binnen 48 Stunden nach dieser Rede wird dis Lage in ihrer ganzen Ausdehnung geklärt sein!" Schmettert es hinaus, erstickt einen letzten parlamentarischen Rebellionsversuch im Keime, schickt die Herren nach Hause. Als ich mit klingenden Ohren neben einem Herrn, der nicht so auffällig aussah, dah ich ihn beachtet hätte, das Parlamentsgebäude verlieh, brauste mir eine Ovation entgegen. Diva Farinacci! verstand ich schließlich. 2lch so. der Herr neben mir. Der Ras von Cremona. I1 secondo Duce! Evviva! Man trug ihn im Triumph davon, spannte ihm die Denzinpferde aus. kein Mensch weiß, wo der Chauffeur hingekommen ist. Auf seinem Sitz stand ein rasender Cäsar in Kleinformat und gebot, wenn nicht gerade der Sonne, denn es war abends, so doch den Strahenbahnen, stille zu stehen. In der Sala Stanipa, dem weltbekannten Herde der Politik, haben wir uhrenhaft die dramatischen Stunden ausgezeichnet und ablaufen lassen: 12 — 20 — hier holten die Schächer ein paar Kollegen und führten sie nach dem Gefängnis ab — 24 — es werden nur unbedeutende Zwischenfälle von der Amftichkeit aus gemeldet — 36 — die letzten liberalen Minister treten zurück — 40 — noch einer — Mussolini beim König — 42 - 46 — 48. Die entscheidende Klärung der Lage tft da: Italien in zwei feindliche Lager geschieden, die Opposition verstummt und damit. Wie die ministeriellen Blätter schreiben, der Bürgerkrieg verhindert worden, gegen Mussolinis reinsaszistische Diktatur stehen außer den Aventi- nisten die drei hervorragendsten Politiker des Landes, alle drei Ritter des Annunztatenordens und frühere Ministerpräsidenten: Oiolitti, Orlando und der radikalnationale Salcmdra. Das sind also nun auch Antinationale, wie die Frontkämpfer, deren Bund „Freies Italien" aufgelöst wurde. Cs ist unwahr, wird amtlich verfichert, dah die Gazetten nicht schikaniert werden, man sequestriert sie nur. Im übrigen herrscht völlige Ruhe im Lande, abgesehen von kleinen Episoden. Etwas sauer meint eines der größten römischen Blätter, das bisher mit dem Faszismus durch dick und dünn ging, man fei ja nun, nach der Proklamation der Gewalt, wieder da, wo man bei dem Marsche auf Rom stand, aber den größten Sieg hätten doch immer diejenigen davongetragen, die sich selber zu besiegen wußten. Sagte nicht so im Herbst 1918 ein gewisser Sc^idemann? . r v Ein besserer Trost sür das friebhebenbe italienische Volk ist immer noch, trotz alledem, Mussolini, wenn er, wie er es möchte, die seconda ondata zu zügeln versteht. Farinacci. der secondo duce, möchte das freilich nicht. Hessische Landwirtschaftliche Woche (Don unserer Darmstädter Redaktion.) Die Steuerforderungen der Landwirtschaft wurden in der nachstehenden Entschließung der Landwirtschaftlichen Woche zum Ausdruck gebracht : 1. Die im Dotgebiet gestundeten Steuern müssen erlassen toerben. 2. Darüber hinaus muß bic hessische Landwirtschaft verlangen, daß die Einkommensteuer, und Umsahstoucrvorauszahlungen für das erste Halbjahr 1925 bis zur Veranlagung beider Steuern im nächsten Herbst gestundet werden die ergeben wird, dah kein Einkommen der Landwirtschaft im Iahre 1924/25 vorhanden war. 3. Für die Vermögenssteuer ist eine Berichtigung der Werte bei der Veranlagung für 1925 erforderlich, indem die tatsächlichen Ertragswerte zugrunde gelegt werden, unter Anwendung eines zeitgemäßen Kapitalisierungsfaktors. Es 'st selbstverständlich, daß die im Lause deS lAten Iahres entstandenen Goldmarkschulden vom Roh« vermögen abgezogen werden müssen. 4. Für die Umsatzsteuer ist rafchcste Ermaßt' gung auf 1 v. H ein dringendes Erfordernis weil sie gerade auf die Landwirtschaft infolge ihrer Dichtabwälzbarkeit besonders drückend wirkt. Außer dem Eigenverbrauch sind auch die Großviehverkäufe, sowie die Einnahmen aus den Zuckerrüben und feldmäßigem Gemüsebau in die Richtzahlen für die pauschale Besteuerung einzu begreifen. Die Ungerechtigkeit, die in der Umsatz- stcuerfreiheit für das aus eingeführtem Brotgetreide berget)eilte Mehl liegt, und die das deutsche Brotgetreide wegen seiner Umsatzsteuer- für Verhandlungen, die sich an den Austausch, an die erzwungene Dölkerwanderrmg in Rlaze- dvnien knüpfen. Die Folgen können bcbcutenb werden. Dicht, daß hier Krieg in Sicht wäre. Aber die S t a a t s f o r m der Dachbarn muß bin und zurück wirken. Wagt man einmal eine Voraussage, so kann man im jugoslawischen Königreich nach den Februarwahlen ein Anwachsen der republikanischen Bewegung pr-ophezecen Diese Entwicklung tonnte den republrkanischen Gedanken in Athen stärken, in Sofia Aum Durchbruch bringen, in Bukarest wecken. Athen kann nur gewinnen. Wir wissen ja, daß heute ein Dolk getrost monarchistisch fühlen mag und doch durch unverhinderbare Dötigung an der Republik festgehalten wird. Selbst hier wo das Königshaus längst überwacht und beinahe machtlos, wo der König Konstantin für den Verlust feines letzten Krieges keineswegs vor allen verantwortltch war, selbst hier, wo der Hirt, der Dauer, der Schiffer an das Königsbild gewöhnt war und tnelc noch heute dem Bilde Reverenz und Gebet schenken' auch hier war es auf die Dauer unmöglich, dem Geiste der Epoche entgegenzuschwimmen. DaS Grundgefübl war und ift dabei in Griechenland demokratisch: um so ungefährlicher war darum ein König. Heute ist die Lage doppelt verworren, weil die Denifelisten einander befehden und die Ci-devant»Antiveniselisteii noch immer der Kammer fernbleiben Dazu kommen die Stimmen der anderthalb Millionen Flüchtlinge, die aus Griechenland ein Sechsmillionen- volk gemacht und die 'Dahlen durch ihre meist veniselistischen Stimmen im Grunde entschieden haben. Das Ausland sieht meist abwartend zU. An die Stelle des scharfen Franzosen, der hier die Propaganda der Entente ungeniert fort setzte, tritt jetzt ein Graf Champbrun, bisher Pressechef am Quai d'Orsay, der als Vertrautet Herriots geschildert wird und freilich trotz deS Grafentitels die Tradition bei Freiheit und Völkerfreundschaft im Blute haben sollte: er ist Urenkel Lafanettes. Den Deutschen geht er hier- nicht schlecht, man hört mehr Deutsch als früher. Schulen und Seminare finden zux alten Tradition zurück und ein neues Hcvrdels abkommen, das eben in Kraft treten soll, sichert den Griechen die einzige aktive Handelsbilanz, die sie haben: 40 Prozent ihres Tabaks, im letzten Trimester sogar über 50, gehen nach Deutschland und vom neuen Iahr ab werden endlich auch wieder die griechischen Weinfässer nach bem Dor den rollen. Einen besseren Boten zwischen zwei Völkern gibt es nicht. Das griechische braucht keinen als sich selber: immer, wenn man wiederkehrt, schlürft man Witz und Anmut dieser kleinen Ration und sieht mit Freuden, wie sie wächst und fremder Einflüsse sich eichlich vollends erwehrt, um sich in seinen beweglichen Kreisen selbst zu finden. Wie Wilhelm Busch seinen Humor fand. Wilhelm Busch, dieser größte deutsche Meister des grotesken Humors, wäre vielleicht nur ein guter Maler geworden, der sein Leben lang den Spuren seiner holländischen Lieblinge gefolgt wäre, wenn ihn nicht die ausgelassene Lustigkeit des Münchener Künstlerlebens zur Entfaltung seines komischen Talentes verlockt Tiefe Münchener Künstlergeselligkeit im 19. Jahrhundert, die ihre höchste Blüte m den großartigen 'Festen und Auszügen fand, hat überhaupt befruchtend auf die deutsche Kunst gewirkt, und fein Geringerer als Gottfried Keller hat dieser Verpflanzung der Romantik ins Sehen im „®rüncn Heinrich" ein wundervolles Denkmal gesetzt. Die prächtigen Stammbücher^cer Äynftlernereinigungcn, die Karikaturen der c^est- zeitungen. die luftigen Chroniken und Lieder der Kneipblätter, alte Aufzeichnungen und cokrzzen sind in glücklicher Stunde für die Stunde hrn- getporfen. Als der bedeutendste unter diesen Meistern des Humors, die mit vollen Händen die Werke ihrer unerschöpflichen Laune aus- streuten, tritt uns Wilhelm B u I d) entgegen, der in diesem harmlos heiteren, satirisch kecken Kreise erst seinen Humor fanb._ Es war lic Künsllervereinigu ng „I un g- M ü n che n". die den Ruhm in Anspruch nehmen kann. Buschs einzigartige 'Begabung zur ersten Blüte gebracht zu haben. Ironie und Sattr?. herrschte in diesem QSunbc. dessen Vereinspost Zunächst nicht Buss.), sondern der luftige Otto ötoeger war, ein (^cric des Ulkes. von dem der Vereinsbruder gar manches in der Verbindung des GroteskW Quedtborn Harbach Ettingshausen Münster (Obnh.n 8.14 „ Ober-Mmgen 18.06 „ 1 Medn-Bchngenß 8.00 „ an Wb. ab7.40 . Komischen mit dem Humoristisch-Schaudervollen gelernt hat. Dusch selbst trat zuerst hervor bet dem Arrangement des großen Festes, das „3ung- Munchen" 1862 veranstaltete und das den Titel „D a s Märchen" tragen sollte. Der spätere Vater von „Max und Mori tz" hatte die Idee ausgearbeitet und das Festspiel gedichtet In großen Gruppen, die sich an Schwind und Richter anlehntcn. zogen die wichtigsten Märchengestalten vorbei. Buschs Singspiel, das zur Aufführung gelangte, hieß „Hänsel und Gretel". Darin kommt ein Menschenfresser vor bet als .dicker Gourmand" eingeführt wird und bei feinem Auftreten die bewegliche Klage beginnt: „Man hätte so gern feine Ruh ' IInb raucht eine Pfeife Tobak dazu. Gleich schreit der Doktor: Entweder — oder! Spazieren oder das Leben verlieren! Drum lauf, du dicker Fettwanst lauf!" Der Dichter bewegt sich hter noch in den Spuren von Poeei und Gerbet, und ihm war auch bei der Darstellung dieses Festspiels recht katzenjämmerlich zumute. Mit dem Komponisten Krempelsetzer saß er hinter der Bühne und sachte den sinkenden Lebensmut mit Champagner wieder an. Doch erwachen im Kreise von „Iung-Mun- chen" seine scharf-satirischen Gedanken und in einem Karikaturenalbum von „Iung-Munchen findet sich u.a. die erste Fassung feines. Het- ligen Antonius von Padua. Allmählich trennten sich die ausgelassensten Br'.der von Iung-Munchen und schufen den engeren Zirkel der ..D achtlicht er". dessen M-tglieoer .Dochte" hießen. Das hübsche Diplom mit Arabesken und Initialen zeichnete B-ich ebenso das Wappen, einen Hahn mit Hausschlüssel und Kerze. Beim „Dachtlicht" nächtigte man in klei- Das neue Griechenland. Don Emil Ludwig. (Da<^>ruck verboten.) Dur wer wiederkehrt, nicht to;r darin lebte, sieht unbefangenen Auges die Entwicklung einer Familie, eines Staates, und wenn man auch nie von der Hauptstadt auf ein Volk schließen darf, so kann man doch diese mit sich selbst vergleichen. Als ich Athen zuletzt verlieh, Ansang Februar, wars kein Verdienst. dieRepu blik zu prophezeien: heut' wäre es eines, den Bestand, noch mehr das Aus blühen dieser Republik vorauszusagen. In Athen ist es ruhiger geworden, ordentlicher, wohl auch etwas weniger Rot, leise fängt die herrliche Stadt an, den furchtbaren Schlag von Anno Einundzwanzig zu verwinden, die Viertetmiftion Flüchtlinge, die hier noch voriges Jahr halb auf der Straße lag, wohnt leidlich und ein Teil der fliegenden Händler, die den kalten Königspalast ohne König ergreifend umzirkte, ist verschwunden, ohne unterzugehen. Cs gibt wieder Blumen auf den Straßen und das große attische Veilchen wagt sich aus den Körben hervor, mit dem man hier noch im Weltkriege Blumenschlachten ausfocht. Leise beginnt sogar die Arbeit dort wieder, wo der Ehrgeiz dieser Städte historisch geworden: von der Ostfront des Pathenon ragen nun zwei mühsam aus echten, alten Stücken gebaute Riesensäulen in die Bläue, und wenn Perikies in acht Iahren den ganzen Tempel vollendete, so werden unsere Maschinen ebensoviel brauchen, um ein Achtel davon zu rekonstruieren. Indes, ein Land, das Trommeln aufeinander schichtet, beginnt behutsam zu genesen. Man wird nicht über Dacht Republikaner, und dies feurige, pathetisch flal- kernde Voll kann sich eines Königs und namentlich einer Königin nicht von heute auf morgen entwöhnen. Was sagt ihm der tapfere Admiral, der hier in der Kulisse Präsident heißt, beherrscht von Offizieren und Advokaten, die noch immer um die Herrschaft streiten! Denn auch hier, tote in drei, vier größeren Ländern Europas, schwankt eine immer wechselnde Regierung vor dem vorgehaltenen Degen hm und her, und niemand bei uns interessiert sich im Grunde für die Damen, die als Protagonisten auf dem Theaterzettel stehen. Ietzt ist ein Mann an der Spitze, der nicht ohne Ehrgeiz Dapoleon und Cäsar studiert und zitiert: vielleicht hält es dieser länget aus, als die rasche Dahn seiner Vorgänger glauben ließe. Die Satrapen des Kreters zanken sich um die Erbschaft und bei der Anzahl venizelistischer Parteien erinnert sich der Schüler Goethes wohl des Verses, den dieser nach Dapoleons Sturz sekretierte: „Doch ließ sich nur der Eine bannen, wir haben jetzt hundert Tyrannen!" Parteihäupter gewiß: aber alle werden vom immer noch mächtigen Militär und mehr noch von der Furcht vor ihm beeinflußt. Als vorige Woche hier ein Putsch mißglückte, geschah das nicht, weil er unmöglich geworden, nur weil er schlecht gemacht war. Wo auf dem Balkan wäre heute Sicherheit! Veniselos felbft vermochte sie nicht zu garantieren, urtb er war doch der Klügste. Fragt man hier, was diese wahrhaft antike Tragik- komödie verschuldet hat: warum der stärkste Mann dieses Bolkes, endlich am Ziel, endlich ohne geborenes Oberhaupt über sich, die Zügel nicht ergriff, die er solange unsichtbar führte; fragt man, warum Veniselos am Ziel den Hut zog und zu Schiff nach Frankreich ging, so lächeln seine Freunde und Feinde: jene haben ihn vertrieben, diese hätten ihn recht gern behalten. Alte Cliquen, die noch von Kreta her ihn umlagerten, lästige, eifersüchtige, auch jüngere Freunde entledigten sich ihres Meisters. Das Volk aber ließ ihn ziehen, wie einst Themistokles. 3m Angesichte dieser tragischen Verkettung wäre man gestimmt, Klage zu führen, wenn nicht der immer muntere, stets überraschende Griechengeist eine neue Möglichkeit erfunden hätte: „Veniselos? Der kann zurückkehrcn, aber nur, wenn er uns einen neuen König mitbringt!" Das ist mehr als ein Bonmot, wenn auch noch lange keine Gefahr. Senn soeben ist etwas geschehen, was alle politischen Gemüter Athens aufregt, und kein Schuhputzer hier ist unpolitisch. Serbien hat daS 1913 auf zehn Iahre geschlossene Bündnis gekündigt. Gehalten haben es beide Staaten im Grunde nie, denn weder ist Griechenland den Serben im August 1914, noch sind diese den Griechen im Korfu- konflikt beigesprungen. Statt nun, wie das der selige Dreibund getan, auf Grund von Verhandlungen das Bündnis abgewandelt zu erneuern, kündigt cs brüsk vor aller Augen: man fragt, warum? Die meisten glauben an eine geheime Verpflichtung gegen Mussolini, die Klügeren sehen Larin nur ein Press ionsmittel m, ob (Brünberg u Queckborn 1 Harbach Der Kampf um Nom. Von unserem römischen ^-Korrespondenten. R o m, 6. Ianuar 1925. Die faszistische Götterdämmerung ist da — aber sie wird von einer künstlich entfachten neuen Revolutionswelle überlodcrt. Dicht spontan aus der „Masse" hervorgebrochen ist diese berühmte, seit Iahr und Tag angedrohte feconba ondata. bie Bewegung wird vielmehr besetzlsmähig weilergetrieben, um die von allen bisherigen Hilfstruppen verlassene, nicht mehr von der Volks- gunst getragene Partei der Schwarzhemden vor dem Untergang zu bewahren. Aufrechterhaltung her Macht durch Gewalt — das Kennzeichen unterer Zeit. Im Kampf unt Rom durch den Rücktritt Salandras als Präsidenten der italienischen Völkerbundsdelegation symbolisiert. Im letzten Augenblick, als er erkannte, daß et- mit feiner Dahlreform zwischen Scylla und Charybdis geriet, hat Mussolini mit einem Ruck, der an Kühnheit nur von seinem Dekennermut übertroffen wurde, das Steuer herum- geworfen, die Parlamentär.fche Ausfahrt, die man ihm bereitwillig öffnete, verschmäht und damit wieder den gewaltigen Wind der Oktoberlage in die Segel bekommen. Wohin die Fahrt geht, liegt allerdings im Dunkel. Der Diktator mag vielleicht Recht gehabt haben, als er aus- rief: Wie habt ihr euch getäuscht, o Signori, als ihr den Faszismus schwach glaubtet, weil ich ihn niederhielt! — aber sicherlich ist nun er im Irrtum, wenn er glauben sollte, mit der Unterdrückung dieser Signori sei der Kampf zu Ende. Dein, jetzt beginnt erst der Kampf in feinetf vollen Schwere. Gewiß, Muffolini kann sich auf die erfolgreiche Wilsonfche ßofung „Gewalt, Gewalt bis zum Ende!" beziehen, allein, seine Gegner haben aus Versailles gelernt. Sie wissen, daß heute zertreten wird, wer den Dacken beugt und weisen daher den Gedanken an Kapitulation weit von sich. Unheilschwanger beginnt das „heilige Iahr". Dur, daß man jetzt klarer sieht. Aus bem normalisierenden und reformierenden, friedliebenden und gesetzmäßigen Mussolini ist wieder der eiserne geworden, der unbeirrbare Duce, der unerbittliche Diltator. Als er in jener denkwürdigen Parlamentssihung vom 3. Ianuar ausstand und eine revolutionäre Rede zu halten versprach, als et die parlamentarische Eselshaut abstrerfte und der „Herr mit dem dicken Kopfe" zum Dor- fchein kam, der denn auch gleich mit Löwenstimme losdonnerte, da ging ein Aufatmen durch ferne Mannen, im Du flogen ihm wieder die schwankend gewordenen Herzen zu, das Haus dröhnte, die Luft zerfaserte unter den propellernden Atmen, unter dem ©turmlieb Giovinezza! Auch die Tribünen riß der Orkan mit — um aber, das ist bezeichneüd, viel stärker und einheitlicher cmzu- schwellen, als der König erwähnt wurde. Denn hier erhoben sich auch die bis dahin Enthaltsamkeit übenden Getreuen um ©iolitti, Orlan- do und Salandra. Das war Italien, das Vorhergsgangene war nur Faszismus. Die Kammer als Tribunal: Mussolini verteidigte nicht nur seinen Kopf, er sprach nicht nur als Angeklagter und als Anwalt seinen Schwarzhemden. er war auch Staatsanwalt, nein, ein rächender Gott des Mythos. Quos ego! Er arbeitete mit zermalmenden Fäusten, mit speer- schleudernden Annen, mit zäsarischen Gebärden — immer den Daumen nach unten gedreht. Er wühlte mit wutverzerrtem Gesicht buchstäblich unter dem Tisch, um zu zeigen, tote niederträchtig man sogar unter der Erde — Matteottis Leichnam! — gegen ihn gewühlt habe. Unvergeßlich, wie er unter atemloser Stifte nach der Verfassung greift. Der ©olbranö des dicken Buches blitzt auf: Artikel 47 lautet: „Die Abgeordnetenkammer hat das Recht, die Minister des Königs in Anklagezustcmd zu versehen." Schwer sinkt das Buch herab. Mussolini hebt den schier versteinten mächtigen Kops und schwer, schicksalsschwer, jede Silbe ein Beilhieb, schneidet seine Frage in die Stifte: „Domando ich frage in aller Form, ob in oder außerhalb Liefern Hause jemand ist, der diesen Artikel 47 angewendet wissen will?" In einer Explosion macht sich die wochenlange Spannung Lust. Mussolini weicht also nicht! Weicht nicht unter dem Druck der furchtbaren Anklagen! Er packt den Stier bei den Hörnern! Sein Kraftgefühl wirkt unwiderstehlich, insonderheit bei den eleganten Damen, die. wie unten die Faszisten, so oben im Publikum die Mehrheit bilden — woraus zu erkennen, daß bei der besseren Hälfte auch der Sinn für Politik überwiegt. Und da im hohen Haufe des Rumpfparlaments kein Kläger aufsteht und auch von außen keine diesbezügliche Stimme hereindringt, ist der starke Mann Meister Es soll freilich Dörgler 3ug 5$ an 8.07 nd)nt. 7.56 „ 117.49 „ 7.45 „ s* , yfti- •Äfc Äs Achte " l5*?e'S* ' Selni»w :aleichtnTageabvclkehrtS°mlag; Ml Zwilchen Lich und ßrunberg mbem Fahrplan: (oJ«H 7.« !unoiS„J,m ^rnewald. J den 8. Januar 1925 Oberbürgermeister. Rosenberg, lrbeitsvergebuna. Mtung emes Schutzdaches auf hmarchlatz m Aterbahnhof U fern und Versetzen von Setom ien unö die Ausführung bei 'beiten vergeben werden, ’ote aus Vordruck sind bis yim ar 1925 vormittags 10 Utzr im amt, Herweg Olr. 9. abzugeben. HnddaseHnlMch. Zuschlag;, rochen. [305B en, den 7. Januar 1925. ötabtbauamt Braubach. ikanntumchung. Gültigkeit vom 12. Januar 1925 die Züge 2\V und 5\V, die bisher schen Wngshaufrn und Lich Der- zwischen Grünberg und Lich durch, und zwar in folgendem Fahrplan: btiattung geradezu unverkLufllch macht, ift schleu- nigst zu beseitigen. 5. Die GrbschaftSsteuer ist beim Alobergang des landwirtschaftlichen Besitzes auf die Kinder ungerecht, und muß deshalb wenigsten- insoweit ausgehoben werden. 6. 3m Zusammenhang mit der Belastung durch die Reick sstcuem ist die 'Belastung durch die Landessteuern viel zu hoch: ihre wesentliche Verringerung könnte durch größte Sparsamkeit ermöglicht, werden. 1. Wir verlangen Wahrheit und Klarheit in der Bewertung. Deshalb muß so schnell wie möglich eine einheitliche Bewertung des landwirtschaftlichen Besitzes für Reich, Länder und Gemeinden durchgeführt werden, zumal Vermögenssteuer und Grundsteuer Denselben Steu-rr- gegenstand treffen. 8. Die Veranlagungsausschüsse für die Landwirtschaft sind ausschließlich mit landwirtschaftlichen sachverständigen zu besetzen. 9. Die Reichsregicrung wird gebeten, darauf yinzuwirkcn. daß hie Finanzämter im Verkehr mit den Landwirten in Wort und Lat entgegenkommend sind, soweit die gesetzlichen Vorschriften dies irgend zülassen. 10. 3m ganzen verlangt die Landwirtschaft steuerliche Gerechtigkeit und soviel Berücksichtigung ihrer geschwächten Leistungsfähigkeit, das) sie nicht vollends zusammenbricht, sondern ihre hohe volkswirtschaftliche Aufgabe, die Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle zu sichern, bald wieder erfüllen kann. Weinprobe rheinhessischer Weine. Die Landwirtschaftskammer veranstaltete im Zusammenhang mit der Landwirtschaft- lichen Woche in Darnistadt am Donnerstag Mittag in der Lurnha.lle am Woogsvlah eine Probe von etwa 40 bis 45 rheinhessischen und starkenburger Weinen der 3ahrgänge 1911, 1915, 1919. 1920, 1922. 1923 und in größerer Zahl des hochedlen Jahrganges 1921. Wie alle Veranstaltungen der Lanbwirtschaftskammcr, insbesondere die Vortragskurse, war auch die Weinprobe außerortentlich stark besucht. Der große Saal der Turnhalle, der etwa 1000 Personen cmfneh- men kann, war vollbesetzt. Am Podium prangte eine Inschrift: „Deutscher Wein, Du sollst ein Mahner zur Einigkeit sein." Andere Inschriften auf Plakaten in großen Leitern lauteten Trinkt deutschen Wein, Singt deutsche Lieder." „Immer, wo Wein über Eure Zungen rollt, denkt, daß Ihr deutsch seid und fühlt mit den Brüdern über dem Rhein." „Wer Auslandsweine tränkt, schädigt den Wiederaufbau unseres Vaterlandes." Der Vorsitzende dec Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Hensel- Dotzelrod. eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßungsansprache, in der er die M i n i st e r des Innern und der Finanzen, sowie Vertreter des Verbandes der Hochschulen, der gegenwärtig in Darmstadt tagt, begrüßte. Es handle sich heute hier um eine ernste Angelegenheit, nicht um eine Kneiperei, sondern um Interesse für den hessischen Weinbau zu wecken. Der spanische Handelsvertrag würde, wenn er Gesetzeskraft erlangt, den ganzen Weinbau ruinieren. Alle Parteien müßten ihren Ern- fluß dagegen geltend machen: gelinge es nicht, diese Gefahr für den Weinbau zu beseitigen, so seien die Folgen unabsehbar. Der Redner richtete einen nachdrücklichen Appell an die Anwesenden, nur deutschen Wein zu trinken und in diesem Sinne in tßten Kreisen zu wirken. , Das hessische Weinbaugebiet sei das viert- 'größte in Deutschland. Nachdem der Redner Hoch in warmen Worten von den Vorzügen des Rheinweins gesprochen hatte, begann die Wein- Probe, die sich in der üblichen Weise vollzog. Insgesamt standen 828 Flaschen zur Verfügung. Die Probe begann mit rheinhessischen Weißweinen des Jahrgangs 1923, dann folgten drei Nummern Bergsträßer und Odenwälder Weißweine von 1922 und 1919. Ihnen folgten rheinhessische Weißweine von 1922, dcknn Bergsträßer und Odenwäkder Weißweine von 1921. Der größte Teil der Proben bestand aus rheinhessischen Weißweinen des Jahrgangs 1921, denen sich einige ältere Jahrgänge anschlossen; den Beschluß bildeten rheinhessische Rotweine von 1921 und 1922. Die rote Kaschgar. Roman von Fedvr von Zvbeltih. 37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Nun aber bestand ich darauf, die Savary zu begleiten. Weniger aus Courtoisie als aus dem Anreiz der Gefahr. Meinetwegen überlegungslos, einer Nervenspannung nachgebend. Auch ich kleidete mich um. Von einem Maskcn- sest her fand sich noch das schornsteinfegerhafte Kostüm eines französischen Studenten aus 6ent Mittelalter - das legte ich an. Die Schwärze der Nacht begünstigte uns. Die Wolken fangen lief, die Luft war faückend schwül und branstig. Ganz fern her schollen wohl dumpfe, verhallende Geräusche aus dem Ameisenbausen der engen Gassen ut bet* inneren Stadt, doch der Kriegsläcm war stumm geworden, kein Schuß fiel, auch die grünen, weißen und roten Raketen, die aus den Gärten des Karser- palastes die Angriffe theaterhaft anzuzeigen pflegten, sah man nicht mehr. Ich gestehe, noch glaubte ich nicht recht an die Minengcfahr. Die Franzosen waren zwar sorglose Leute und wenig verläßlich, aber etwas von bet unterirdischen Wühlarbeit hätten sie doch merlen müssen. Wir krochen wie Schlangen über den Boden, die Blendlaternen nach den feindlichen Barrikaden zu mit einem Luche verdeckt. Der Boden war trocken und puvrig und so nachgiebig, daß hier eine Minenkammer ohne feste Ausmauerung und Holzverkleidung gar nicht angelegt werden konnte. Zuweilen legte ich auch das Ohr nach Indianerart dicht an die Erde, um die Arbeit des Gegners belauschen zu können, aber ich hörte ebensowemg, wie ich Drrdäch- tigeö sah. Erne dicke Ratte fuhr einmal über meine tastende Hand, und aus einem Hofwinlel ftatterte ein Nachtvogel auf. Die geschmeidige dunkle Gestalt der Savary hatte ich noch einen Augenblick vor mir gesehen, im Ausflammen ihrer Laterne auch spukhaft ihr Weißes, sehr mager gewordenes Gesicht mit der blutroten Lippenlinie. Dann verschwand sie mir, und ich kroch weiter. Da glaubte ich (oberhalb ober rückseitig her feindlichen, sehr fest gefügten Barrikade ein Geräusch zu vernehm«. Sofort verlöschte ich mein Licht und warf mich platt auf die Erde DaS Lsesusch ging weiter, es wat nicht zu unter- Aus der Provinz. Landkreis Gießen. i, Wieseck. 8. Jan. Im abgelaufenen Jahre erledigte der Gemeinde rat seine Arbeit in 18 Vollsitzungen. Die Vorbereitung der wichtigsten Beschlüsse machte 30 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen notwendig. Die Arbeit, die in dieser Zeit vom ©emcinöerat geleistet wurde, war diesmal von besonderer Tragweite, die Auswirkung der wichtigsten Angelegenheiten ist einer späteren Zeit Vorbehalten. Gleich zu Beginn beS Jahres war der Gemeinde- rat vor eine schwerwiegende Frage gestellt: die notwendig gewordene Erweiterung un- s er er Schul e. Diese Frage wurde durch den vorzüglich gelungenen Ausbau des Dackstockcs der Schule int Luchtenauer Weg glücklich gelöst. Damit ist diese Schule zu einer OKuftereinridiLung ihrer Art geworden, die nur noch der Angliederung zweier Seitenflügel und dent Einbau eines Vergrößerten Schul- und Volksbades bedarf, um die Zentralisation unseres Schulwesens zu vollenden und einem dringenden Bedürfnis gerecht zu werden. Doch dies ist Zukunftsmusik. Aber ernstlich erwogen und nach Auswegen in dieser Richtung wird bereits gesucht. In Verbindung hiermit sei noch erwähnt, daß durch die Errichtung der Schulküche für die Fortbildungsschule ein äußerst wichtiger Alntcr* richtsgegenstand geschaffen wurde, der aber un- begreifliche» weise noch wenig Verständnis findet. Der Gedanke wird sich jedoch ganz bestimmt durchsetzen, schon weil er gesund und notwendig ist. Wie ein rötet Faden zieht sich durch alle Sitzungen der Punkt' Wohnungsgesuche und Beschlagnahmungen. Leider mußte gerade bei den Beschlagnahmungen wiederholt sestgestellt werden, daß sich die Besch verdeinstanz den Maßnahmen des Gemeinderats entgeaemstellte, so daß keine Neigung mehr besteht. Beschlagnahmungen vorzunehmen. Zur Linderung der Wohnungsnot nahm auch im vergangenen Jahre der Gemetnde- rat Stellung, indem er den Dau eines Doppelhauses mit vier 3-Zimmerwohnungen in Angriff nahm, das setzt unter Dach steht und im Frühjahr fcrtiggeftclü wird. In Verbindung damit wurde die Herstellung und Kanalisierung einer Reihe neuer Straßen, deren Entstehung teilweise bis vor dem Krieg zurückreicht, durchgeführt. Ein weiterer Gegenstand', der den Gemeinderat fast daS ganze Jahr hindurch beschäftigte, waren die Festsetzungen der verschiedensten Steuerarten, eine Tätigkeit, die notwendig ist, für die er aber sehr wenig Gegenliebe bei dem zahlenden Teil fand. Die hierüber einfetzende äußerst scharfe Kritik, die sehr stark ins persönliche ging, veranlaßte auch den Rücktritt des Gemeinde- rats Dr. Rein, der zu Anfang dos vergangenen Jahres perfekt und lebhaft bedauert wurde. Die sehr mangelhaft Dotgcfunbenen Feuerlöschgeräte wurden auch in diesem Jahre um einen wesentlichen Teil ergänzt, so daß unsere jung» Freiwillige Feuerwehr wvbl in kurzer Zeit in jeder Beziehung schlagfertig ist. Die ®rtycbung von Kanalisationsgebühren wurde abge-> lehnt, dagegen das völlig kommunalisierte Destattungswesen in der seitherigen Form beibehalten. Diese Maßnahme unterschied sich von jeher von den ähnlichen anderer Gemeinden, als dieselbe nicht als Notstandsmaßnahme gedacht war. Unter dem Druck der Verhältnisse wurde die Durchführung erleichtert. Die Durchführung des Wiesenprojektes beschäftigte den Gemeinderat in verschiedenen Sitzungen. Die Verhältnisse der Wiesen in dem Wiesocktal waren infolge des nassen Sommers unheilvoll geworden, diese Aufgabe ist aber so schwer und umfangreich für die einzelne Gemeinde, daß der Plan, die Angelegenheit im vergangenen Jahve in An- griff zu nehmen, nicht verwirklicht werden konnte. Das kommende Jahr wird wohl eine Klärung bringen. Gegen Schluß deS alten Jahves wurde noch einer ganzen Reihe von Ortsbürgern eine Weihnachtsfreude gemacht: zunächst denHunde- b e f i h e r n. indem die Gemeindehundesteuer von 20 auf 4 Mk. herabgesetzt wurde. An die Gemeindebediensteten der Gehaltsklassen 1 bis 6 und die Vollerwerbslosen wurden besondere Wirtschaftsbeihilfen gewährt, die hoffentlich manchen stillen Weihnachtswunsch erfüllen halfen. Außerdem wurden die Gehälter scheiden, woher cs stammte, es schien indes mehr von der Novdfeite herzukommen, wo sich jenseits der Gasse daS Gelände der österreichischen Gesandtschaft cinfchlietzt und c3 klang wie das Ausschütten ron Sandsäcken, wie das Rascheln fallender Erde. Lind nun flackerte über der Barriere Licht auf — ein Schuß fiel, ein einzelner, ein! zweiter folgte, dann das Knattern einer Salve, der heulende Sturmruf Tscha! Tscha! der Chi- nesen und unmittelbar darauf ein donnerähnliches Getöse — eine Explosion. Ich wurde von einen, Sand- unb Steinhagel überschüttet, aufgewühlter Staub hüllte mich ein, ein Heer flüchtiger verängstigter Ratten huschte über mich fort — aber ich blieb unverletzt. Der Feind hatte an einer unvermuteten Stelle tatsächlich eine Mine t>o ..getrieben, nämlich gegen den Anbau eines Nebenhauses, brr nur von. drei Franzosen bewacht wurde. Sie wurden durch diese Explosion getötet, zugleich aber auch etwa fünfzig Chinesen, die im Eifer ihres Sturmversuchs mit den Leitungsdrähten einer seitwärts angelegten Tretmine in Berührung gdomnicn waren. Sie hatten sich in der eigenen Schlinge gefangen. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man unter den glimmenden Trümmern die Leiche der armen Savary. Der Kops war ihr vom Halse gerissen - - ich fab diesen Kopf, und die hübschen Dunilen Augen schauten mich so sprechend an, als sei noch Leben in ihnen, und um die immer kirschrot gefärbten Lippen lag ein lächelnder Zug. Es war tief erschütternd, cd war wehmütig, es war grauenhaft. Und ganz in ihrer Nähe fand man seltsamerweise den völlig zersetzten Leib der kleinen chinesischen Sängerin, die ihr die Warnung zugetragen hatte. Irgendeine geheim- nisvolle Verbindung muß zwischen dcn beiden bestanden haben. Llber war die Savary eine Schuldige, so hat der Tod sie entsühnt. Wir haben sie aus dem Bearäbnisplatz der französischen Gesandtschaft beigesetzt. Zwei Tage lag die Trikolore auf ihrem Grabe. Sie war für ihr Vaterland in den Tod gegangen. Der Waffenstillstand wurde auch weiter nicht cingehalten, unsre Lage verschlamm ate sich zusehends. Aber ich will Dich nicht m'tt der Schilderung der zahlreichen neuen Angriffe ermüden — wir schöpften erst wieder Hoffnung, als ns einem Japaner gelungen war, sich von Tientsin zu uns durchzuschlagen, um uns die tröstende Nachricht zu bringen, daß 6ort 13 0E) verbündete einiger Angestellten einet Revision nach oven unterzogen. Das Jahr 1924 brachte für Deutschland geordnete Geldverhältnisse und damit auch für den Gemeinderat die 'Möglichkeit, die Gemein de f in an z en aus dem Papiergeld- sumpf herauszuholen. Die Verhältnisse in dieser Beziehung sind durchaus gesunde, mit neuen Hossnmigen kann an neue Aufgaben herangetreten werden. Hierzu, gehört vor allen Dingen die Schaffung einer Verkebrsmögllchkeit mit der nahen Stadt. Nachdem die Errichtung der Straft e n b a b n Gießen —iesc ck in der Oeffentlichkeit nach allen Veiten beleuchtet war, faßte der Gemeinderat Mn Beschluß, 6er eventuellen Erbauung dieser Bahn generell zuzustimmen und einen dahingehenden Antrag an die Stadtverwaltung Gießen zu richten. Für den Alr.bct eilig ten sieht diese Sache nun so aus, als ob fie int Sande verlaufen soll: es besteht aber Aussicht, haß dieser ganze Fragenkomplex im Jahre 1925 endgültig auf* gerollt wird, und zwar endgültig in jeder Beziehung, wenn nicht auf diesem Woge, so auf einem anderen — auch über diesen herrscht tut Gemeinderat eine anerkennenswerte Einmütigkeit. T G rün bera, 8. Ian. Die hiesige 3 ndu - ft r i c, die hauptsächlich der Textil brauche angehört, kann auf das verflossene Jahr als auf ein sehr wechselvolles zurückblicken. Es brachte an seinem Anfang einen bedeutenden Almfaß, der hauptsächlich auf Die durch dos Jahr 1923 geschaffene ßagc — vollständig geleerte Lager — zurückzuführen war. Diese starke Inanspruchnahme Der Industrie dauerte bis April und Mai. Durch die Kapitakknappheit und durch den von der Regierung verlangten Preisabbau erlitt das Geschäft einen schweren Schlag. Der Absatz ging auf ein Minimum zurück, so daß Feierstunden eingelegt werden, ja sogar mehrere Tage in der Woche die Betriebe ruhen mußten. Diese außerordentlich unangenehme Lage dauerte bis August und September. Nunmehr setzte der Geschäftsgang int Oktober in erfreulicher Weise wieder ein urtb steigerte sich bis zum Ende des Jahres ganz erheblich. Der Versand nach allen Gegenden Deutschlands ist wieder vollständig ausgenommen, und ganz besonders lebhaft ist Der Absatz in das Rheinland und Saargebiet infolge des Fallens der Zollgrenze. Dagegen ist Der Versand in das Ausland — Luxemburg. Oesterreich und Schweiz — noch nicht hergestellt: man hofft in den betreffenden Kreisen, Daß dies nun auch bald ermöglicht wird. — In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, daß die Firma Hch. Schmidt l. am Ende des Jahres 1924 auf ihr 5 0 jährtges Bestehen zurückblickte. Hch. Schmidt hatte vor 50 Iahten mit einem Handstuyl angefangen, Dann durch eine größere Handweberei sein Geschäft erweitert. 1900 ging Dieser Betrieb auf seine Söhne Karl und Hch. Schmidt über, die int Jahre 1905 eine mechanische Weberei am Marktplatz errichteten. Diese erwies sich bald als zu Hein, und Die Firma baute deshalb 1911 eine große stattliche Fabrik an der Gießener Straße. Diesem Betrieb wurden im Laufe der Zeit noch eine Spinnerei und Färberei angebaut. Die Fortschritte, die die Firma im Laufe der Zeit gemacht hat, waren nicht allein im Interesse der Besitzer, fonbern auch zum Vorteil Der Arbeiter, denn eine stattliche Zahl Leute hat hier dauernde Beschäftigung. * Grünberg. 9. Ian. Die Butzbach- Licher Eisenbahn führt die Züge, die bisher nur zwischen Ettingshausen und Ltch verkehrten. vom 12. Januar ab zwischen Grün- berg und Lich durch, so daß also auch unsere Stadt und Queckb'vrn davon Vorteil haben. (Man beachte die Ankündigung in unserem heutigen Anzeigenteil). Kreis Friedberg. ss. Friedberg, 8. 3an. Der hiesige Seminarlehrer Dr. Leuchtgens, der bei der letzten Landtagswahl als Kandidat des Bauernbundes zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde, ist vor kurzem an die Oberrealschule nach Groß-Almstadt verseht worden, „im Interesse des Dienstes", wie es in der Verfügung heißt. L. steht bekanntlich schon seit längerer Zeit in scharfer Oppositionsstellung gegen die hessische Regierung, besonders gegen das Landesamt für das Bildungswesen, und die hier erscheinende Truppen gelandet seien und die Stadt auch bereits genommen hätten. Am 12. August hörten wir Kanonendonner in der Ferne — und da brach der Jubel los: Die Alnseren waren im Anrucken. Am 13. abends flogen wieder die weißen Raketen vom Kaiserpalast auf, und der Kampf Hub abermals an, in den sich auch der Himmel mit einem rasenden Gewitter mischte. Nur wir selbst wurden nicht mehr angegriffen, die Entscheidung spielte im Gewirr der Chinefenstadt sich ab, und in diesem Höllenbreughcl ging denn die letzte große Krise im zuckenden Asien zu Ende. Indische Sikh-Reiter waren unsre ersten Befreier. Im ausgetrockneten Schlamm des breiten Abzugskanals an der tatarischen Mauer arbeiteten sie sich zu uns durch, abenteuerliche bvaune Gestalten in phantastischer Tracht, die man vielleicht gar nicht als rettende Freunde erkannt haben würde, hätten nicht die britischen Fahnen über ihren Kopftüchern geflattert. Alnd da brachen wir denn die Barrikaden ab und stießen die Tore auf und begrüßten sic mit brausendem Hurra — und ich hatte doch em eigentümliches Gefühl, als ich sah, daß es Söhne Asiens waren, die uns in diesem Streite mit der alten Welt als Freiheitsträger entgegenkamen. Alnd dann wurden cfoen auf der Tataren- mauer die ersten Amerikaner sichtbar, abgemagert, zerzaust, zum Almsinken müde, während am Shabotore die Japaner noch mit chinesischen Scharfschützen kämpften und in der britischen Gesandtschaft schon die Glocken läuteten und die Missionare ihr Hofianna fangen... und am Abend waren alle Barrikaden gefallen, und alle Zugänge am Gescmdlschaftsviertel standen offen, und Peking, verlassen von feiner geflüchteten Kaiserin, aufatmend nach den Greueln der Schreckens- tage, starrte mit feinen blutdürstigen Augen nell- gierig zu uns herein .Das Drama war aus, die Komödie konnte wieder beginnen. Aus der verdorrten Rasenfläche jenseits der uralten Tataren- mauer, so alt wie dies tausendjährige Reich, biwakierten die indischen Reiter, Kosaken und Amerikaner und zündeten ihre Lagerfeuer an, und durch die verwüsteten Gärten der Gesandtschaften biängte sich die sogenannte Kultur, plaudernd, lachend, girrend, flirtend, als sei der große Totentanz der letzten Vkonate nur eine Laune und eine Abwechslung gewesen / schlanke Dipiomaien im abendlichen Smoking. Samen in lichten Sommertoilstten, rothosige Reiteroffiziere, ein stämmiger Pflanzer von den Philippinen. vundlerische „Reue Tageszeitung" ist wohl alÄ das Organ des Betresfenden zu bezeichnen. Wegen einer von ihm veröffentlichten Schrift '..Wie stehen wir in Hessen?", in welcher er scharfe Angriffe gegen die Regierung richtete, war ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet und er vorläufig vom Dienste suspendiert. Nun scheint man die Angelegenheit auf Diese Weife erledigen zu wollen, denn man kann die Versetzung nach Groß-Almstadt wohl ohne weiteres als eine Strafversetzung und Kalt stell ung betrachten. Leuchtgcns, der auch im kommunalen Leben Friedbergs als Beigeordneter eine hervorragende Rolle spielt und fich zweifellos schon große Verdienste erworben hat, ift aber nicht gewillt, sich ohne weiteres maßregeln zu lassen. In seinem Organ, der „Neuen Tageszeitung", wird nämlich unter dem Titel „ilnh bift du nicht willig, so brauch ich Gewalt" ein scharfer Artikel gegen die Verfügung veröffentlicht, hi dem diese als rechtswidrig und deshalb als ungültig bezeichnet und ihr ßutüdhiefanen gefordert wird. Ein dienstliches Interesse läge keineswegs vor, da Leuchtgens' Tätigkeit als Lehrer in keiner Weise zu beanstanden sei, dagegen sei er durch die Versetzung seiner Familie nverhäUnisse wegen nicht nur materiell, sondern durch das Heraus- reißen aus seiner liebgewordenen Tätigkeit auch ideell geschädigt. Jedenfalls wird dies» Angsle- genheit noch weitere Kreise ziehen, da Leuchtgens auch in seiner Eigenschaft als Laadtagsabgeord- neter doch einen gewissen Einfluß hat und ferner ganzen Veranlagung nach heu Kampf nicht so ohne weiteres ausgeben wird. Kreitz Schotten. b. Schotten, 7. 3an. Aus dem Kvmmu- nalprogramin für 192 5, mit dem sich unsere Stadtväter vor wenigen Tagen unter der Fragestellung: „Wie bringen wir Schotten vorwärts?" beschäftigten, ift als be sonders bebeutfam u. a. zu erwähnen, daß nun der Frage Der Errichtung eines Krankenhauses nähergetreten werden soll. Erfreulicherweise will die Krankenkasse das Vorhaben durch die Bereitstellung des Bauplatzes und eines Geldbetrages unterstützen. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge wird auch im neuen Jahre noch viel zu tun sein, ebenso wird man sich sehr eingehend mit dem Plane Der Errichtung einer Kleinkinderschulc und mit der Pflege des Turn- und Sport wesens zu beschäftigen haben. Der Hebung deS Fremdenverkehrs soll besonderes Augenmerk zugewandt weiden, die Verkehrsbelebung hofft man weiter durch einen Ausbau De r Märkte zu erreichen. Alm den Stadtfinanzen ständig ein gutes Rückgrat zu sichern, soll der Waldbesitz, Das hauptsächliche Vermögen der Stadt, nicht nur durch die Wahrung des jetzigen Bestandes unverändert leistungsfähig erhalten, sondern durch weitere Aufforstung noch verstärkt werden. Neben diesen größeren Aufgaben laufen natürlich noch zahlreiche kleinere Sachen, die allesamt unseren Stadtvätern auch im neuen Jahre genug Stoff zur Arbeit für das Wohl unseres Städtchens geben. Kreis Büdingen. A Aus der Wetterau, 8. Jan. Durch die mehrmaligen Aleberschwemmungen im Nidder-, Nidda- und Hvrlofftale sind durch stehengeöliebenes Wasser viele Sumpsstel- len entstanden, in denen sich täglich unzählig!; Scharen Wildenten tummeln. Kreis Lauterbach. rr. Schlitz. 8. Jan. Der Rektor der hiesigen höheren Bürgerschule, Studienrat Heinrich Röder, wurde auf feine Bewerbung hin an das Gymnasium nach Gießen verseht. Er hat sich in seiner 6jährigen Dienstzeit dahier große Verdienste um die Entwicklung unserer Bürgerschule erworben: sie wuchs unter seiner Leitung auf über 100 Schüler an. Außerdem wurde durch seine und unseres jetzigen Landtagsabgeordneten, des Bürgermeisters Dr. N i e p o t h, Bemühungen, an die Obertertia noch eine „Selekta" angegliedert, die zur Ablegung der „Einjährigenprüfung" an einer Realschule die Möglichkeit bietet. So ist es begreiflich. wenn man in der Bürgerschaft Den tüchtigen Schulmann, der sich großer Verehrung und Wertschätzung erfreute, nur ungern ziehe», sieht. Franzosen aus Saigon, bärtige Russen, schnatternde Agenten, die schon wieder an neue Einfuhr und Ausfuhr dachten, internationale Schufte und Ehrenmänner, Nonnen und Krankenpflegerinneir. Missionaie und Ingenieure — und dazwischsn auch ein Gentleman in Mandaiinentriicht, ctir chinesischer Hosbeamter, der in einem Zipfel seiner safrangelben Seide ein fragwürdiges Friedensangebot trug. Drinnen in den Eingeweiden der Stadt krachte noch die Kanonade und warf ihre Granaten in die Gärten, über die Maimorbrücken. Lotosteiche, Pavillons, Paläste, Tempelbauten her kaiserlichen Residenz, und mit dem flirrenden Sand jedes Windhauchs flog auch cm brandiger Rauch zu un6 hinüber. Aber in den Branst mischte fich doch schon ein zarter Hauch Pariser Parfüms und duftigen Puders. — Ex est. Ein Stückel meines Lebens ist wieder zum Abschluß gekommen. Das Episodische geht weiter. Peking war Weitz Gott für mich nur ein Zwischenspiel. Ich dachte hier zu bleiben, bis die Gesundung Thedas mir gestatten würde, in die Heimat zurückzukehrcn. Das ist noch nicht so weit. Letzte Briefe von Euch meldeten mir, daß Ihr Theda nunmehr in das Staehleschc Sanatorium bringen wollt, und vielleicht ist die erhoffte Besserung schon eingetroffen, ha ich dies schreibe. Auf die entscheidende Depesche hier in Peking zu warten, ist mir durch meinen Zwist mit dem Gesandten unmöglich gemacht worden. Ich muß darüber noch einige Worte sagen. Es war im Grunde genommen mehr eine lebhafte Auseinandersetzung als ein Streit. Aber sie zeigle eine so starke Divergenz der Anschauungen, daß cs ein moralischer Zwang für mich wurde, den Dienst zu quittieren. Ich bilde mir nicht ein, ein musterhafter Diplomat zu fein, ich bin vielleicht sogar ein herzlich schlechter. Aber ich habe mich doch in dieser lebten blutigen AuSeln- andersetzunA mit China wieder davon überzeugen können, daß die gesamte Politik Europas gegen die erotische Welt eine von Grund aus falsche ist. Die Brutalität des Eroberungswillens würde mich nicht flöten, wenn der Prozeß der Almtoäfa »Zwecken der Menschheit Mente. Was mich t. ift die kleinliche Selbstsucht, mit der die Sendboten der Zivilisation hier draußen in hemmungsloser Glcichgültigkcit gegen das Ganze für hie eigene Tasche arbeiten, ift der fürchterliche Schachcigeift und der Alnfttg der Kultur mit dem Füllfederhalter. (Fortsetzung folgt.) iu *tä? fef 5Qu,i9 bomn bic 2tnX5”n,tc i? feS?* 'S ein« JÄpfeÄS ' ÄFÄ SÄ; l MUI, deshalb al. 1 d^ b|eic SpMmai artjjültig br S.* Idqc S0^1 biri> ÄMl de eSW dvr. lei. baqÄ."1 ItiRtt Ft^wSllMh hur* ä?äS“ä* ssffesääte “« «<6 b“i?"6 I««r lf*l tüite ™b* »W Id «nten fummefn. tis Lauterbach. 8. Ian. Ter *Mor der dreien hule, Stubtenrat Heinrich Ao- seine Bewerbung hin an das Gteben vergeht. Er hat sich en Dienstzeit dahier grob-D«- ^ntoidlung unserer Bürge IchuK jd)s unter seiner Leitung °us M ’ÄSÄSS S'SÄM» erFnjShrigen-rufung"anma y*ieit bietet. So ist eS be »«Ä Saiavn. jS’sÄr zje schon wurd und hten, ^^K^kenpfleaerinNM. o-men ^ KranE^,^ ander. der zriedens- »rinnen in JJ ® ^rf 'b« ich die ®ärkVSe W^utCn^ ülwns,^',^r ftin^ MS- SRZ 'S. Ich Pachte b er ^^hchas ""V« S n^ ’11*1 Ä-xchK d° 7Ä»"»L"Äi4^ -WSW -AW -HWH Hessen-Raffaa. rtf. Dillenburg. S 3an. 3n der jüngsten Stadtverordnetensitzung wurde u. a. der Beschluß der Versammlung vom 9. Dezember 1924 betr. den Erweiterungsbau des ftädt. ftranfenbaufei aufgehoben und der Magist'atsautrag, 2lnbou ‘feines Flügels an das Hauptgebäude, angenommen. Rach Auskunft deS Bürgermeisters besteht begründete Hoffnung, bah mit dem Umbau unseres Bahnhofes in Kürze begonnen wird bl. Herborn, ? ;3an. 3m vergangenen Jahr hat sich zwischen unserer Stadt und der Gemeinde Burg, die beide nur etwa 500 Meter getrennt voneinander liegen, eine rege Bautätigkeit entfaltet. DaS ausgezeichnete Baugelände zog an und eS wird gar nicht mehr zu lange dauern, dann reichen die beiden Gemeinden aneinander. Dringt das 3ahr 1925 nur noch etliche Neubauten, dann ist die Verbindung her- gestellt. fpd. Frankfurt a.M, 8. Ian. Ein Bilderdiebstahl wurde gestern int Stadel, deut bekannten Kunstmuseum, ausgeführt. Gestohlen wurde das sehr wertvolle Bild „Bildnis einer Dame in Witwentracht" von Clouet, (um 1550). Das Bild ist auf Pergament gemalt, und wurde nebst dem Goldrahmen, der etwa 20 Zentimeter in Breite und Höbe mißt, entwendet. ‘Der Dieb wurde verhaftet, als er ein weiteres Bild stehlen wollte. — Der Einbrecher Schuck, den man bei seiner Trans - portübersührung von Dien hierher auf dem Wiener Bahnhof miteinerHundertschafl bewachen muhte, wurde jetzt ohne Zwischenfall von hiesigen Beamten nach Darmstadt ins Sand- gerichtsgcfängms verbracht. - Der als Löff el- s ch l u d e c berühmte Einbrecher Göckel wurde wieder einmal f^stgenommen, weil er in Gemeinschaft mit einem Komplizen auf der Strecke Mainz—Frankfurt zwischen Kelsterbach und Raunheim Postwagen her Gisenbahn auSgern ub t hatte. Erst 1922 wurden beide Verbrecher wegen dergleichen Vergehens mit einem Jahr: Zuchthaus bestraft. Es gelang auch, den Komplizen, einen gewissen Wendelin Löw, festzunehmen. Wirtschaft. Entwickelungstendenzen im modernen Bankwesen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Zentralbanken. Don Eit. D. Drummond Fraser, K B. E., Vizepräsident des englischen Bankierinstituts. Dor dem Weltkriege bezahlte jedes Land seine Liefei anten mit Hilfe des in ihm bestehenden Zahlungssystems, das sich den verschiedenartigen Bedürfnissen der einzelnen ßänber auf das Innigste anpahtc. Der Zahlungsausgleich selbst erfolgte meist auf dem Bankwege durch die in Gold, internationale Wertpapiere oder durch Edelvaluten gedeckten resp. in ihren Reserven gesicherten Banknoten. Vieles System deS Zahlungsausgleiches hatte Och sehr gut eingespielt. Seit dem Kriege haben nun Spekulanten und Glücksritter aller 2lrt es verstanden, auf Schleichwegen in den oben geschilderten Kreislauf einzudringen: sie haben von der durch den Weltkrieg hervorgerufenen Störung in den internationalen Handelsbeziehungen auf die Weise Vorteile zu ziehen vermocht, dah sie saisonmäßig produzierte Waren mit dem ausdrücklichen Zwecke einer Zurückhaltung aufkauften und einlagerten. Tie warteten dann, bis der Weltkonsum gezwungen war, diese zurückgehaltenen Waren um jeden Breis aufzulaufen. Durch die Zentralisierung des Bankwesens nun, deren Durchführung im internationalen Bankverkehr sich mehr und mehr durchzusetzen scheint, werden die finanziellen Mittel eines Landes in weit leichterer Weise dem Marktverkehr zugänglich gemacht, so daß wichtige Waren, Lebensrnittel und Rohstoffe in denjenigen Ländern eingelagert werden können, in welchen sie endgültig konsumiert werben, und nicht etwa in den Produktionslandern Hierdurch wird jenen Spekulanten und Konjunkturgewinnlern ihr Handwerk gelegt. Die Zentralisierung des Bankverkehrs stellt den Drehpunkt her, um den sich das ganze Kreditwesen eines Landes bewegt. Dieser Kredit ennöglichl einen reibungslosen Austausch von Waren und Dienstleistungen unter den einzelnen Landern der Welt, so daß Produzenten unb Fabrikanten für ihre Erzeugnisse Zahlung erhalten können, ohne daß abgewartet zu werden braucht, bis die Bezahlung durch den endgültigen Konsum erfolgt. Je enger sich — mit Hilfe des zentralisierten Bankwesens — das Zusammenarbeiten zwischen Produktion und Konsum gestaltet, um so größer ist die Ersparnis an Zeit und Geld. Englands zentrales Danlshstem war von jeher führend. Bereits im vorigen Jahrhundert war London der große Geldmarkt der Welt, in welchem kein Geldsucher, der Geld für wirklich produktive Zwecke benötigte, abgswiesen wurde. Außerdem waren die Zinssätze in London meist niedriger, als in irgendeinem anderen Geldmärkte. Verschiedene Länder haben nunmehr das Evstem einer Zentralisierung ihres Bankwesens aufgegriffen. Vach dem Zusammenbruch im Jahre 1907 haben z. B. die Der. Staaten von Vord- ametifa im Jahre 1913 das aus zwölf Bundes- Rcserpe-Banlcn bestehende Dundes-Reiervc-Sy» stem geschaffen, bei dem jede Reserve-Bank eine Zenlralbai.l für die Handelsbanken der einzelnen Gebiete ist. Handelsbanken sind auch die einzigen Anteilseigner der Bundes-Reserve-Ban- ken .Diese sind untereinander unabhängig, unterstehen jedoch einer gemeinsamen Zentralverwal- ;ung. dem sog. Dundes-Reserve-Amt in Washington. Vie Inflationszeit wayreno des Kriege« und die treibhauSartige, höchst ungesunde H^h- frmjunftur kurz nach dem Kriege haben das Bundes-Riserve-System Amerikas einer schweren Prüfung unterzogen. Das Shstem hat diese Prüfung glänzend bestanden. Eine weitere Zentralbank ist die Zinpeiial-Bank of 3nMa. Sie wurde fönbe 1920 gegründet, wobei drei bereits bestehende Banken in ihr aufgingen. Ihre Statuten sehen eine zentrale Aufsichtsbehörde vor. Die Eommon Wealty-Bank of Austiaiia, die im Jahre 1911 begründet wurde, ist jetzt gleichfalls eine solche Zentralbank. Sie belitv kein eigenes Kapital, betreibt jedoch ihre Geschäfte unter Garantie der Regierung. Sie wurde erst kürzlich in .ine Zentralbank umgetranbtlf, d h. zum Bankinstitut der anderen Geldinstitute und benj.nigen der Re- gierung erhoben. Die Reserve-Dank von Südafrika wurde Mitte 1921 begründet mit dem ausgesprochenen Zweck, die ungünstigen Einwn- tungen aus der Welt zu schaffen, die durch eine zu starke Verzettelung der Reserven dsr einzelnen Handelsbanken dngetreten war. Sie ist im großen und ganzen nach dem Prinzip des amerikanischen Bundes-Reservebanken-Systems auf gebaut. Ein Problem, das fast jedes Kulturland feit Beendigung des Weltkrieges zu lösen hatte, ist der Abbau des im Weltlr.cge übermäßig an geschwollenen Papiergeldumlaufes. Länder, wie England und Amerika, die über ein wohl organisiertes Zentralb rnkensystem verfügen, das sich den nationalen Bedürsnissen aufs beste an paßt, haben dadurch ihre Lage rasch zu beffent gewußt, daß sie die Verschuldung der Regierung durch ein Anziehen der Steuerschraube aus bem Wege zu räumen verstanden. In Großbritannien ist die Regiermngsschuld dauernd verkleinert worden. Großbritannien und Amerika waren daher die ersten Länder, die ihren Staatshaushalt nach dem Kriege ins Gleichgewicht zu bringen vermochten. Das ist auch der Grund, weshalb Eng land und Amerika in der Lage waren, den Wiederaufbau der Staatsfinanzen in Kontinen- tal-Europa wirksam in die Hand zu nehmen Oesterreich, Ungarn, Griechenland und anbeie Lander erhielten sogenannte Wiederausbau-An leihen, die unter Aussicht des Völkerbundes ausgegeben wurden. Ihre Plazierung in den ausländischen Geldmärkten erfolgte schlank. In jedem Falle war die Bildung cineS zentralen Bankinstituts ein wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbau - Programms. Die Erfahrungen und Grundsätze hat man nunmehr auf Deutschland angewandt. Eine Zentialisierung des Bankwesens bildet — das haben die oben angeführten Beispiele gezeigt — einen wichtigen Schritt in der Wiederherstellung der Währungsstabilisierung in den durch den Weltkrieg geschwächten Ländern. Dieies System ist auch allein in der Lage, den durch die Inflation geschwächten Voliswirtschasten neue Kaufkraft wiederzugeben, schafft es doch die Reserven, die dazu notwendig sind, den Erfordernissen des Weltmarktes mit seinen mannigsach.m Schwankungen gerecht zu werden. Die Wiedereinführung der Goldwährung, die nicht nur für England, sondern auch für andere Länder in greifbare Rähe gerückt ist, wird sicherlich einen bedeutenden Faktor im Wiederaufbau der Weltwirtschaft bilden. Aus praktischen Gründen heraus wird Englands innerer Zahlungsverkehr durch Schecks erledigt, während Banl- noten und Silber im Grohverlehr sozusagen nur Scheidemünze bilden, da sie nur etwa 0,5 v. H. des Llmsayes ausmachen. Durch ein weit verzweigtes. aufs Feinste abgefthnmted Clearing System wird ein ständiges Gleichgewicht am Geldmärkte erzielt und zeitweilige Geldknappheit oder Geldübersluß vermieden. Droh seiner auffälligen Vorzüge wird das System der Zentral-Banken noch bei weitem nicht in der nötigen Weise gewürdigt. Mit der Zeit aber werden seine Vorzüge und feine Bedeutung in den einzelnen Ländern immer klarer erkannt werden. Diese Bedeutung besteht darin, die Stabilität der Währung im In- und Auslande zu sichern und die Aufrechterhaltung der finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte zu gewährleisten, die dazu nötig sind, den dauernden Fortschritt der Weltwirtschaft zu ermöglichen. * FrankfurterBörsenusancen. Bis zur endgültigen Regelung hat der Frankfurter Börsenvvrstand für den Verkehr von in Goldmark (Reichsmark) umgestellten Aktien bestimmt: 1. Einheitskurse: Zum Verkauf soll jeder Betrag zugelassen fein. Kaufaufträge auf Aktien mit einem Rennwert unter 100 Rm. nimmt der Kursmakler nur dann entgegen, wenn der Nennbetrag des Auftrags mindestens 100 Rm. erreicht. Darüber hinaus jede weitere Summe. Auf Aktien mit einem Rennwert von 100 Rm. ober darüber ist jede beliebige Summe zulässig. 2. Veränderliche Kurte: Sowohl beim Kauf als auch bei Verkäufen ist als niedrigster Nennbetrag 1000 Rm., sonst der nächst höhere durch 100 Rm. teilbare Nennbetrag zulässig, weiter natürlich bas Vielfache davon. fpd. Deutsche Vereinsbant 2.-G., Frankfurt a. NI. Die außerordentliche Generalversammlung, in der 26 Aktionäre mit 1 121 679 Stimmen vertreten waren, genehmigte die ilinftellung deS Aktienkapitals von 500 Millionen Papiermark auf 1600 000 Reichsmark im Verhältnis 250: 1 für die Stammaktien unter gleichzeitiger Bildung eines Reservefonds von 403 000 Reichsmark unb eines Pensionsfonds von 200 000 Reichsmark. Sie beschloß sodann die Erhöhung des Grundkapitals um 4 400 000 Reichsmark durch Ausgabe von 44000 Stammaktien zu nom. 100 Reichsmark mit Dividenden- berechtigung ab 1. Januar 1925. Die jungen Aktien werden der offenen Handelsgefellichaft I. Michael & Co. Berlin zu 103 Prozent mit der Bedingung begeben, hiervon 1 600 000 den alten Aktionären im Verhältnis 1:1 zum Kurse von 105 Prozent durch die Deutsche Dereins- bank anbietm zu lassen. Bönenkune. RrenThnt s. W- Werkln Sckl»d- Aurs Schluhk. Stxnt-. börlt Schluh. flute SckluhK. mittag. b6r|t Tnhwv. 7.1. d. 1. r. 1. 1 8 1. 6% TtofTcßc 9tctd)8anTrtl)e . <•/„ Teuti-e Re!chSonlr!d« . 0,9021 0.8 8 0,885 0,885 * 1,15 1.11 DcutlLt Ncichranleid« 3% DtütsLk Retchä^nlkthe 1,125 * 1,49 1.13 — 1,4*9 Zfldttf CDarvraonenanui>i *• M» 0.825 o.to <•/• ’5rtn1iildjt Xcnloll . . . ■■ 1.42 1.25 — — kl 1.18 1,48 1.8 — 1,4$ 1.45 Dkngcde Derkd. $eaar-!tnl - — 94,75 •Xi dt» Loll -Ech-'v-LuweiMi». I 90.5 «•/. Bonrtrfai.........1 eolbme-tfaner ...... I 10,« 10.481 10,13 8» 18,4 Berliner HanLelSqelellsLaU. tfemmtri. uuh Pnvat-Bank 171.5 «,8 174,5 8.90 174 173.5 T Dannst. und *taiionalbaut . 14,iG 18 75 — 13,25 Teuklche Bank......... 13,25 3.4 13,75 TeuisLe Vereinsdank - . . Discanto tiammanblt 11,r5 — 18,20 16,40 Netallbank........... E 13,80 •* Miiteldeurlch« Trcditkank Ccfi,rrdd)if32,5 130.5 151.5 21,13 132,7 > 20.50 Kalliverk Weskcrcgelu..... 25,75 •'5.6 25,25 l'auraduitc.......... 7,i0 7.25 7,25 Cbtrbtharf .......... W*;::;::: Nie bell Montan........ — 13,5 13.8U 13.6 59,75 65 - 08.8 55,2 > 48 7- £9.25 54,40 49 Tellui Bergbau........ — 3,85 pamdurg «merika Iaire. . . Viarbbtutlder Llovd..... 8) 30 29,5 4,01 4 6? 4 Gbrramffdt Werke Sllbto . . — yi nm nur et Heidelbar« .. . PhillVV Hültmauu...... M.S I 27,875 1 6,15 * 6.25 8,85 V Ptna!p-6ont»auane..... — — 19,8 11 JoblfAc Änilln ....... 33J0 31,9 £3,2 < 32/0 Lbennsche Maver «ladtn . —• — Ooib'll.mtdt......... 25. 0 24,GO —— 25 50 Cirifji ek> Irische Liefet ung 112, Lickl unb Krast 5 50. Schuckert 66. ansportwerte Rvrdd Llovd 4.05. Baltimore 64,75. Sonstige Inbustiieaktien Kleyer 3.10. Daimler 4.05, Aschassenbutger Zellstoff 32 75, Zement Heidelberg 27,875. Deutsch? Erdöl 5Q.32. Holzmann 6,15. Lechwerke 21.75, Metallgeselsfchast 19.37. Bingwerke 4.50, Rheinmetall 12,25. Julins Sichel 3.30, Badischer Zucker 4 50. Frankenthal- zucker 5.50. Heilbronn 4. Offstein 4,37. Stutt- gartzncker 4,25, Peters Union 2.20, Berliner Dorfe (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzetgers".) Berlin. 8. Jan. Wenn auch die unverändert feste Stimmung an der Börse anhält, so ist doch die schwierige außenpolitische Lage, hernergerufen durch die maßlosen Forderungen Frankreich- bei den deutsch- französischen Dirtschastsverhandlunget'. sowie durch die schleichende Regierungskrise, in ihrer Wirkung auf die Börse unverkennbar. Dte feite Stimmung wird mehr von außerhalb in die 'Börse hineingetragen, als daß sie von dxi Spekulation getragen wird. Diese hält sich vielmehr ziemlich zurück, und Die Folge davon ist. daß die früher bevorzugten Märkte vernachlässigt sind, während eine Reihe von Spezialpapieren im Vordergründe des Interesses stehen. Unverändert lebhaft bleibt das Geschäft in Kaliwerten, und zwar durch die günstigen Aussichten in der Kaliindustrie. Im Vordergründe des Interestes standen Adler, Niedersachsen und Heldburg. Von den Spezialpapieren sind zu nennen: Berliner und Hamburger Hochbabn, Oberkoks. Gesellschaft für elektrische Lieferungen Auch in Deutsch-Petro^ leum hat sich das Geschäft weiter belebt. Der Markt der heimischen Renten war durch Deckungskäufe und Gfetutioncn geschwächt. Seh' lebhaft blieb dagegen die Nachfrage nach Stadt anleihen, da man hier bald eine Lösung deS Aufwertungsproblemrs erwartet. Der Geldmarkt blieb unverändert leicht. Tägliches Geld 9 bis 12 Proz., Monatsgeld 11 bis 14 Proz. Am Devisenmarkt setzte sich die Besserung de« englischen Pfunde« fort. Schweinemarkl in Gießen. h. Gießen, 8. Ian. Bet dem gestern ob» gehaltenen Schweinernarkt waren 126 Ferkel auf» getrieben. Bezahlt wurden: bis zu 8 Wochen al io Tiere 25 Mk. für 8 bis 12 Wochen alte 28 bis 32 Mk., für ältere bis zu 45 Ml. das Stück Der Handel, der anfangs ganz stockte, lebte später etwas auf, jedoch nicht so, daß man den Markt als gut bezeichnen kann. frankfurter Schlachtvlehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers*!) Frankfurt a. M. 8. Ian Auftrieb: 5 Rinder, darunter 1 Ochse, 4 Färsen und Kühe, 1072 Kälber, 598 Schafe, 336 Schweine. Es tour* den bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Käl- b e r: Feinste Mastkälber 60 bis 65, mittlere Mast" und beste Saugkälber 50 bis 58, geringere Mast- unb gute Saugkälber 42 bis 49, geringe Saug' kälber 35 bts 40: Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 38 bis 44, geringere Mast Hammel und Schafe 28 bis 36, mäßig genährte Hämmel und Schafe iMerzschafe) 18 bis 25; Schweine Dollfleischige von 80 bis 100 Kg 74 bi» 76 vollst, unter 80 Kg. 65 bis 73, von 100 bis 120 Kg . von 120 bis 150 Ka. und Feitschweine übn 150 Kg. 73 bis 76 Mk. Marktverlaut. Markt bei langsamem Handel geräumt. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtberichl des „Gießener Anzeiger-*.) Frankfurt a. M., 8. Januar. Ee wurden notiert: Weizen, Wetterauer 21.50 bU 24,50, Roggen, inländischer 22 24, Sommer gerfte für Drauzwecke 25,50- 31,50. Hafer, inländischer 18 22,50. Mais (gelb) 21,75 23 Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 39 41,75, Roggenmehl 34,50—38,50, Weizenkleie 13,75 bie 14,25. Roggenkleie 12,75—13,25. Tendenz: unverändert. (In einem Teil der Auslage wiederholt.) Russische (Kiuladuug an Plettner. Das Volkskommissariat für Ackerbau wandte sich mit einem Brief an den Ingenieur Flett n e r. Darin wird darauf hingewiesen, daß dir von Flettner ersundenen Windtürme in dar Landwirtschaft der Sowjetunion eine große Verbreitung finden können. Das Volkskommissariat für Ackerbau bittet Fletkker um genaue Informationen über seine Erfindung und garantiert ihm den Schutz der Urheberrechte. Hungerstreik russischer Auswanderer. Wte „Daily News “ aus Southampton meldet, sind rund 700 russische Auswande rer , die auf den Weitertransport nach Amerika warten, wegen schlechter Verpflegung in einen Hungerstreik getreten. Die Auswanderer müssen zurückbehalten werden, weil die russische Einwandererquote in Amerika bereits ilberschrit- ten ist. Inventur» Ausverkauf Erstes Spezialhaus für vornehme Damen-Bekleidung Die Preise sind unseren Qualitäten entsprechend außerordentlich vorteilhaft. Wagener & Schlötel Goethestrasse 9-11 - — - 298a 0.95 Meter Mk. Mustern 1.50 Mako-Damast-Reste Meter Mk. Restposten 2.25 Klöppel-Spitzen A QE und Einsätze, 7 Meter . . Mk. Zwirnspitzen A OE 8 cm breit, 5 Meter .... Mk. WSW V W 7.50 Bettkolter Bettücher solide Qualität Mk. Siamosen-Qualität 1.05 2.15 3.45 0.45 Porzellantassen ooidr. Mk. 0.28 Bierbecher i 1.75 Gebr., gut erhaltene 2 240 ' Mepipe Lichtbilder - Vortrag: Dr. Vaubel: 286D Theaterbauverein G. m. b. H. Gießen. 0263 Neustadt 19. * Wen I WZ Inventur-Ausverkauf L 1 Seifenschalen ... Mk. O.2O Seifenschalen m.DeckeiO.35 Likörgläser ..... Mk.O.2O 0.85 0.75 Ab Samstag 10. 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