S-LZtz. agenei^ Z W Ö baut pin n -ortg ‘*,«6 °lr jq? iB der hart» i* h«6 $ab„ **• * ÄW Ä -I°d aus "'ch BS' Nr. 256 Erster Blatt das geschehen, für sie die Anregung zu de.a Sicherheits- kein taktisches Manöver, sondern der ehr- Wille gewesen sei, zu einem wirklichen nicht weil Pakt liche ganze Bedarf müsse durch die 3u Beginn der Sitzung begründete der französische Außenminister D r i a n d den Standpunkt seiner Delegation damit, daß Frankreich durch seine Verträge mit Polen und der Tschechoslowakei gebunden sei und infolgedessen Wert darauf legen müsse, auch im Rahmen des abzuschlietzenden Paktes den Verpflichtungen aus diesen Verträgen gerecht zu werden. Auf diese Ausführungen antwortete sofort Reichsauhenminister Dr. S t r e s e m a n n, daß die Reichsregierung in ifjrem Memorandum die Frage der Schiedsverträge positiv bejaht habe, um dem Einwand zu begegnen, daß der Westpakt eine kriegerische Bedrohung der Ostgrenzen bedeute. Trotz dieses weitgehenden Entgegenkommens der Reichsregierung, das noch hinausgehe über die Anregungen des sog. Cuno-Paktes und über die vom Reichsauhenminister als Reichskanzler seinerzeit gegebenen Vorschläge hätten die Alliierten damit noch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund verbunden. Die starke Opposition, die gegen den Völkerbund in Deutschland bestehe, und auf deren Gründe hier nicht eingegangen zu werden brauche, sei auch Herrn Annahme von »nzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlichS, auswärts 10 Doldpfennig; für Reklame-Anzeigen v.70 i in Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20' , Aufschlag Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Or.Friedr. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: fürden Anzeigenteil: Hans Declt, sämtlich in Gießen sichtlich der außenpolitischen Lage erklärte der Minister, das Polen jetzt mit allen Staaten für die Aufrechterhaltung des Friedens arbeite. Der Friede dürfe nicht auf Kosten anderer erreicht werden. Polen müsse volle Sicherheit für die Sinan* tastbarkeit seiner eigenen Grenzen haben. Grabski sprach,weiter von dem Bündnis mit Frankreich, von dem freundschaftlichen Verhältnis zu Rumänien, von dem Besuch Tschitscherins in Warschau und von den Verhandlungen mit Litauen und Deutschland. 3m Innern, sagte Grabski, haben sich die Sicherheitsverhältnisse bedeutend gebessert, was sich zeigt, wenn man den heutigen Zustand mit dem vor einem Iahr vergleicht. Die Wirtschaftskrise, die wir durchleben, ist eine Probe unserer eigenen Kraft. Sie ist zugleich eine moralische Krise eines Teiles der Bürgerschaft. Die Regierung steht auf dem Standpunkt der Bekämpfung des wirtschaftlichen Defaitismus. Rach Tleberdauerung der Krise werden wir stärker. Einige Parlamentarier, über den Eindruck der Rede Grabskis befragt, äußerten sich, daß sie gor kein Expose gewesen sei. So sagte z. B. der Abgeordnete W e z n i ck i von der Wyzwo- leniepartei (radikale Dauern): Der Premier ritt auf einein Pferde, fiel herunter und verlor die Orientierung. Dieses Pferd war der Zloty. — Der jüdische Abgeordnete Rosmarin sagte, daß der Ministerpräsident sein ganzes bisheriges System gestrichen habe. Es sei eine offene Bankerotterklärung gewesen. K o r f a n t h erklärte, das Expose habe auf ihn keinen Eindruck gemacht. — Im Sejm hörte man gestern Klofak sagen, daß die einzige Rettung neues Geld sei. Das würde aber der Tod des Zloty sein. Wohl sind aud) Stimmen laut geworden, daß man die Regierung stürzen müsse. Der von der Wyz- woleniepartei eingebrachte Mißtrauensantrag für die Regierung Grabski und der Antrag auf Auflösung des Sejms hat jedoch keine Aussicht auf Erfolg. Di« Mittelparteien, auch die Sozialdemokraten, wollen unter leinen Tlmständen eine Regie- Das polnischeSanierungs- programm. Das Schicksal des Kabinetts Grabski. Warschau, 7. Olt. (WD.) In dem gestrigen Sejm entwickelte, wie schon kurz gemeldet. Ministerpräsident Grabski dos Sanierungsprogramm. Er sagte zunächst, daß die Regierung in einem Augenblick allgemein schwieriger finanzieller und wirtschaftlicher Lage vor dem Sejm trete. Im Wirtschaftsleben entwickle sich seit zwei Monaten eine äußerst starke Finanzkrise. Sie zeige sich gegenwärtig in dem Mangel an Krediten bei der Industrie, dem Handel und der Landwirtschaft. Die Regierung habe den Sturz des Zloty aufgehalten durch Erteilung von Krediten an die Banken. Heute stehe die Regierung vor der Aufgabe, dem Wirtschaftsleben genügend Betriebsmittel zu verschaffen. An die Spitze des Wirtschaftsprogramms müsse man eine solche Organisation des Wirtschaftslebens stellen, daß der Verbrauch sich auf die i n l ä n d i s ch e Produktion stütze. Damit es hierzu komme, müsse die industrielle Produktion billiger werden als bisher. Die Produktion der Landwirtchaft müsse reicher und vervollkommnet werden. Der Briand bekannt. Wenn die Reichsregierung trotz, dem tschechischen Delegation in Locarno vertreten Die Eindrücke, die man gestern aus Unter- redungen mit den hier anwesenden Mitgliedern der tschechischen Delegation gecvonnen hat. waren durchaus optimistischer Ratur, doch fehlt auf tschechischer Seite ein Verständnis dafür, daß auch Deutschland bei einem Abschluß eines Vertrages mit der Tschechoslowakei vor allem das Schicksal her in Deutschböhmen lebenden Deutschen im Auge behalten muh. Andererseits ist von deutscher Seite wiederholt und mit großem Rachdruck die Verbindung eines Ostpaktes mit dem Westpakt abgelehnt worden, da sonst die Derhandluirgen eine untragbare De- rungskrise während der Konferenz von lastung der Locarnoer Besprechungen bedeuten | Locarno und vertreten die Meinung, daß Polen würden. C r st W e st p a k t, dann Ostpakt, so muß die Parole der deutschen Delegation lauten und man darf annehmen, daß sie diesen Standpunkt auch in Zukunft mit a llem Rachdruck vertreten wird. Die Stellung Belgiens. (£*ufllad)c Blätterftiurmc; . L o nd o n, 8. DEL (WTB. Funkspruch.) Die Meldungen der Blätter über die Konferenz yon Locarno find heute recht dürftig. Der Korrcipondent des ArbeiterblaUes „Daily cherald" berichtet, nachdem Briand erklärt habe, Frankreich bestehe auf dem Recht, Schiedsgerichtsverträge zwischen Deutschland und Polen bzw. Deutschland und der Tschechoslowakei zu garantieren, habe Stresemann energisch widersprochen Zum allgemeinen Erstaunen und zu Briands offenbarer Freude habe Chamberlain den französischen Standpunkt unterstützt, der schwierigen Situation sei durch Zurückverweisung der Angelegenheit an die juristischen Sachverständigen ein Ende gemacht worden. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, soweit östliche Konflikte in Frage kommen, sei Belgien in derselben Lage wie Großbritannien. Es werde keine besondere Sicherheit in dieser Beziehung übernehmen, aber so selbstverständlich werde die Folge eines deutsch-französischen Konfliktes wegen Polen, falls Frankreich das Recht auf vom Beschluß des Völkerbundes unabhängige Sanktionen beansprucht, so unangenehm und gefährlich für Belgien als für Großbritannien sein. Dies sei der Punkt, wo die gesonderten französisch-deutschen und belgisch-deutschen Schiedsgerichtsverträge sehr große Bedeutung erlangen, sowohl für Belgien als auch für Großbritannien, das beide garantieren soll. Großbritannien habe großes Interesse daran, daß Belgien niemals unbedingt in irgendwelche europäische Krise verwickelt werden. Die Diplomaten sämtlicher Länder und Fakultäten in Locarno haben sich den Rest ihrer spärlichen Haare ausgerauft vor der Entrüstung über den Fürwitz einiger italienischer Zeitungen, ^die es gewagt haben, die lächerliche 'Geheimniskrämerei, die von der Ministerkonferenz betrieben wird, nicht zu respektieren und Mitteilungen nicht nur über den Pakt- entwurs, sondern auch über interne Vorgänge "unter den Alliierten zu bringen. Soweit der Paktentwurf in Frage kommt, kann man die Sache ziemlich kurz abtun. Es scheint der italienischen Regierung gelungen zu sein, die Veröffentlichung des Wortlauts zu unterdrücken, die Auszüge und Inhaltsangaben aber, die sich in verschiedenen italienischen Zeitungen befinden, stimmen mit den Tatsachen n icht überein, sie scheinen Richtiges und Falsches zu vermengen, 'brauchen also in ihrem sachlichen Wert nicht überschätzt zu werden. Doch etwas anderes ist es^dagegen mit den Befürchtungen, die aus der Dekanntgabe abgeleitet werden: Die Franzosen tun so, als ob sie im deutschen Interesse den Entwurf geheimhalten, weil sonst Herr Dr. Stresemann den Deutschnationalen gegenüber eine unhaltbare Stellung hätte. Das ist ein Irrtum, vermutlich sogar ein Gewußter Irrtum. Es kann den Franzosen nicht unbekannt sein, daß die deutsche Regierung gern mit offenen Karten spielt und den Entwurf herausgegeben hätte, weil sie davon eine starke innerpolitische Entspannung erwartete. Ganz anders liegen dagegen die Dinge bei den Franzosen, Herr Briand scheint derjenige zu sein, der an dieser Lieberspannung der Diskretion das meiste Interesse hat. Er hat Angst, daß ihm seine Rationalisten den Vorwurf machen, er fei bereits in London den deutschen Wünschen zu weit entgegengekommen,- zumindest aber, daß sie ihm Knüppel zwischen die Deine werfen, falls er an dem Vorentwurf noch nachträgliche Aenderun- gen gutheißt, die Deutschland wMsmmen sein können. Lind Driand hat offensichtlich noch nicht vergessen, daß er auf der letzten Konferenz, wo er Frankreichs Interessen vertrat, mitten zwischen den Verhandlungen von den Rationalisten gestürzt wurde. Sehr viel ernster ist dagegen eine zweite Intrige, die sich um Belgien und Frankreich anspinnt. Man merkt doch langsam, daß in Belgien eine neue Regierung am Ruder steht, die von der imperialistischen Abenteuerpolitik des Herrn T h e u n i s nichts wissen will. Tlnd zumal der Außenminister Vandervelde nimmt in der internationalen Sozialdemokratie eine führende Stellung ein, die ihm gewisse Verpflichtungen auferlegt. Er hat deshalb den Ehrgeiz, Belgien aus der Llmklannnerung Frankreichs zu lösen und in seine alte Neutralität zurückzuführen, weil das politisch und auch finanziell vorteilhafter ist. Wobei im Vorübergehen fest- gestellt sein mag, daß Belgien nicht etwa durch den Einmarsch der Deutschen aus seiner Reutralität hinausgedrängt wurde, sondern bereits vorher durch seine militärischen Abmachungen mit den Franzosen die Voraussetzungen für den deutschen Einmarsch geschaffen hatte. Herr Dander- velde also möchte den Rheinpakt benutzen, um den französisch-belgischen Allianzver - trag von 1920 zu sprengen und hat deshalb den Wunsch ausgesprochen, daß einzelne Wendungen in den Pakt hineingenommen werden, die dem alten belgischen Reutralitätsabkommen entnommen sind. Die Italiener haben das mit Recht so ausgelegt, daß darin eine Spitze gegen Frank« reich liegt und haben von dem Ende des französisch-belgischen Bündnisses gesprochen: darüb^ große Aufregung bei den Franzosen und natürlich ein geharnischtes Dementi, das aber an den Dingen nichts ändert, man wird sogar annehmen dürfen, daß die Anregung zu diesem belgischen Vorstoß von England ausgeht, weil die 2on- doner Politik gern Italien und Belgien zu sich hinüberziehen möchte, um Frankreich zu isolieren und durch einen gemeinsamen Druck einer Verständigung mit Deutschland geneigter zu machen Deutschland kann der weiteren Entwicklung dieser Angelegenheit mit großer Ruhe entgegensehen-, die internen Auseinandersetzungen der Bundesgenossen interessiert uns zunächst nicht. Rur wenn Frankreich versuchen sollte, als Ge- aenzug sich seine tschechischen undpolnr- schen Freunde jetzt bereits an den Konferenztisch heranzuholen, müssen wir mit aller Entschiedenheit Einspruch erheben, toed toir dre Grenzen zwischen Ost- und Westvertragen nrcht verwischen lassen wollen, zumal dre ^len dre Absicht haben sollen, dann wieder dre R u s, e n einzuladen: denn das würde dre Folge^haben daß Herr Tschitscherin in falscher «jront gegen uns anträte. Lind das zu nerbjn&ern Mran haben wir allerdings ein sehr starkes Interesse. Die Vollsitzungen der Konferenz. Locarno, 8. Olt. (TLl.) Völlig irreführende Darstellungen sind über die Dien st ag- Hhuna der Konferenz, namentlich von der Schweizerischen Depeschen-Ageiüur verbreitet. Es sei daher folgender tatsächlicher Verlauf der Sitzung festgestellt: Frieden zu gelangen. Cs fei aber absolut nicht einzusehen, mit welchen logischen Gründen neben den beiden Zugeständnissen der Schiedsverträge und des Döllerbundes noch eine weitere Garantie irgendwelcher Art für die Ostberträge notwendig fei. Es hieße das Ansehen und die Möglichkeiten des Völkerbundes selbst zu kritisieren, wenn man sage, daß er mitsamt den Schiedsbrrträgen nicht genüge, um friedliche Zustände zu verbürgen. Die Anregung des Herrn Driand sei deshalb eine Kritik des Döllerbundes, die sich dre deutsche Dela- gation nicht zu eigen machen könne. Briand entgegnete auf diese Darlegungen und auf verschiedene im weiteren Verlauf der Debatte vom Reichsaußenminister an ihn gerichtete Anfragen, daß gewisse Bestimmungen des Völkerbundes vorläufig nicht genügend Leben gewonnen hätten, um aus ihm ein in allen Fällen wirksames Instrument der Friedensgarantie zu machen. Das sei der Grund, weshalb diese Ergänzungen gegenwärtig noch notwendig seien, die vielleickt einmal in späterer Zukunft ehenso wie der Sicherheitspakt fortfallen könnten. Die Debatte wurde vertagt, nachdem der französische und der deutsche Außenminister wiederholt das Wort ergriffen, um diese Grundgedanken gegeneinander zu vertreten. Die Mittwochsihung hat nur kurze Zeit gedauert. Lieber das Ergebnis wurde folgendes Kommunique ausgegeben: In der heutigen Sitzung der Konferenz wurde zunächst die allgemeine Aussprache wieder ausgenommen und alsdann der Bericht der Rechtsfachverständigen über die ihnen int Laufe der ersten Sitzung übertragenen Redaktionsarbeiten entgegengenommen. Da neue Anträge gestellt wurden, ergab sich die Rotwendigkeit einer erneuten' Betrauung des Iu- ristenausschusses mit deren Studium. Es wurde daher ein ergänzender Bericht der Rechtssachverständigen angefordert, der in einer späteren Sitzung erstattet werden soll. Die nächste Zusammenkunft der Hauptdelegierten ist auf morgen, 2.30 Llhr, angeseht. Eine Unterredung zwifchenLutherundBriand Locarno, 8. Oft. (1.21.) Zwischen Reichskanzler Dr. Luther und Briand fand im Hotel helvella im Dorfe Ascona am Ufer des Lago Maggiore eine intime Unterredung statt. Sie dauerte dreiviertel Stunden. Briand lehnte nach feiner Rückkehr nach Locarno es ab, Pressevertretern irgendwelche Mitteilung über den Inhalt der Unterredung zu machen, äußerte sich jedoch im allgemeinen o p kirn i st i s ch über den Erfolg der Besprechung. Auch Reichskanzler Dr. Luther war von der Unterredung befriedigt, da sie nicht unwesentlich zur Klärung der strittigen Fragen beigetragen hätte. Berliner Blätter wissen zu berichten, daß einmal die Differenzen über den Art. 16 des Völkerbundstatuts Gegenstand der Besprechung gewesen .feien. Es soll nach dieser Unterredung den Anschein haben, als ob eine Formel gefunden werden könnte, die den Artikel so interpretiere, daß die deutschen Bedenken etwas an Schärfe verlieren könnten. Weiter soll die Frage dec französischen Garantie der östlichen Schieds- vertrüge bei der Unterredung eine Rolle gespielt haben. Angeblich soll Briand die von Frankreich ursprünglich verlangte einseitige Garantieleistung für die Verträge fallen gelassen haben. Er soll sich damit einverstanden erklärt haben, daß Frankreich außerhalb der östlichen Schiedsverträge eine Erklärung zur Sicherung Polens abgeben werde. Den Juristen sei die Aufgabe zu- gewiesen worden, diese Erklärung zu formulieren. Aehnlich wie die Besprechung des Kanzlers mit dem französischen Außenminister hat auch eine Unterredung zwischen dem Staatssekretär v. Schubert und dem englischen Außenminister Ehamberlain im Grand-Hotel stattgesunden. Man spricht davon, daß die Besprechungen des Kanzlers mit Briand heute fortgesetzt werden. Heber seine Zusammenkunft mit dem Kanzler hat sich Briand sehr befriedigt ausgesprochen. Er sagte französischen Journalisten gut gelaunt, er habe geglaubt, Luther werfe mit Tintenfässern. Aber er habe eingesehen, daß er in einem Irrtum gewesen sei. Briand äußerte sich dahin, daß die schwierigste Frage jetzt die des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund sei. Die Franzosen wollen sehr erstaunt gewesen sein, als Deutschland seine Vorbehalte wegen des Artikels 16 erneut anmelbete. Sie hatten aus dem Drängen deutscher Links- kreise aus den Eintritt in den Völkerbund angenommen, daß Deutschland auf seine Vorbehalte verzichten werde. Demgegenüber ist zu unterstreichen, daß der deutsche Standpunkt sich nicht im geringsten geändert Hal. Dr. Benefch in Locarno. Die Verhandlungen über den Oftpakt. Locarno, 7. Oh. (Tschechoslowakisches Sbureau.) Der tschechoslowakische Auhen- ter Dr. D e n e s ch ist heute um 4.30 Llhr hier eingetroffen. Llnmittelbar nach feiner Ankunft traf Dr. Benefch mit dem britischen Außenminister Chamberlain zusammen, mit dem er «inen Meinungsaustausch über die Situation hatte, worauf eine längere Anterredung mit dem französischen Außenminister Briand und Berthe lot folgte. Die Llnierredung betraf sowohl den augenblicklichen Stand der gegenwärtigen Verhandlungen, als auch die ausdrück- lich die Tschechoslowakei betreffenden Fragen. In allen diesen LInterredungen konnte Dr. De- nesch eine Äebereinstimmung mit den Staatsmännern der beiden Länder sowohl bezüglich des Wesens der Konferenzverhandlungen, als auch bezüglich ihres Fortfchreitens kon- statteren. Der Sonberberichterstatter der Sil. meldet hierzu ergänzend aus Locarno: In tschechischen Kreisen ist die Anschauung vertreten, daß die tschechische Delegation sich solange von den Verhandlungen fernhalten werde, bis die fünf Teilnehmerstaaten an der Konferenz von sich aus sie zur Teilnahme auffordern werden. In diesem Zusammenhang scheint es bedeutsam, sich nochmals den Standpunkt der Tschechoslowakei zu vergegenwärtigen. Wie bekannt, weist die Tschechoslowakei auf die Tatsache hin, daß Denesch von Driand eine Einladung erhalten habe, an den Locarnoer Verhandlungen teilzunehmen. Sie wäre daher kein Zaungast bei den Besprechungen, sondern ein vollberechtigter Teilnehmer, der mir bis zu dem Augenblick zu warten habe, in den man ihn brauche. Die Einladung durch Driand sei auf der ilnterlage des deutschen Memorandums erfolgt, das den Abschluß von O ft- Verträgen als eine Ergänzung des Westpaktes angestrebt hätte. Eine Deruhigung Europas und ein wirklicher Friede wäre ohne die Mitarbeit der Tschechoslowakei und Polens nicht zu erreichen. Die Tschechen sind sich dessen bewußt, daß sie ohne die Polen leichter mit Deutschland zu einer Verständigung gelangen mürben. Doch erscheint es ihnen nicht nur aus Gründen der Loyalität zweckmäßig und angebracht, gemeinsam mit Polen bei diesen Verhandlungen vorzugehen. Da zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei keine Grenzschwierigkeiten vorhanden find, dürfte eine Einigung, so hofft die Tschechoslowakei, ohne allzu große Schwierigkeit und ohne besondere Opfer von beiden Seiten erreichbar fein. Die einzige nicht leicht zu lösende Frage wäre die Auswahl des Garanten für den Ostpakt. Von tschechischer Seite ist nie ein Geheimnis daraus gemacht worden, daß man am liebsten die Garantie Frankreichs sehen würde: doch sind die Tschechen anderseits nicht abgeneigt, ein Kompromiß zu schließen. Der Völkerbund als Garant der Ostverträge werde von tschechischer Seite nicht unbedingt abgelehnt werden. Die Regelung der Garantenfrage würde sich leicht fast zwangsläufig ergeben, sobald Deutschland dem Völkerbund angehört. Dann würde eine Reihe von SchwieriAeiten zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei behoben sein, die heute die Verständigung noch erschweren. Dieser Standpunkt der Tschechoslowakei wird auch von der Erfcheim lagtid), außer Sonn* und Feiertags Beilagen: (B ießenerFamilien d lütter Heimat im Bild. MonatS'kezugrprett; 2 Oolbmarh u 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt. Fernspre ch,Anschlüsse: Rchriftleitung Li2, Verlag undGeschästsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeiaerSietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M 11686. MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. alles daran setzen müsse, um das von Grabski eingebrachte Sanierungs - Programm möglichst durchzuführen, da nur ein wirtschaftlich gesundes Polen Frankreich als Bundesgenossen willkommen sein könne. Die interparlamentarische Konferenz. Washington,?. Okt. (Wolff.) In der Sitzung der Konferenz der Interparlamentarischen Union sprachen 2 u i d d e und S o l l m a n n über die Frage der entmilitarisierten Zonen und äußerten sich gegen die Schaffung ständiger Kontrollkommissionen. General S p e a r s betonte, daß die entmilitarisierten Zonen beiderseitig sein müssen, und daß die Schaffung dauernder Kontrollkommissionen nicht erforderlich sei. Sollmonn erklärte, Deutschland sei nach wie vor bereit, mit seinen westlichen Nachbarn über beiderseitig entmilitarisierte Zonen zu verhandeln. Eine von Munch- Dänemark eingebrachte Entschließung wurde angenommen, in der gefordert wird, daß die Methoden der Rüstungsbeschränkung durch Unterausschüsse gründlich geprüft werden. Diese Ausschüsse sollen einen Plan aufstellen, um die Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Das Mitglied der englischen Arbeiterpartei Hudson erklärte, daß die Engländer sich an jeder Konferenz der Westmächte beteiligen würden, in der eine weitere Begrenzung der Rüstungen zur See oder Einschränkung der Rüstungen zu Lande beraten werden würde. Die Konferenz nahm dann eine Resolution an, die eine Llntersuchung der wirtschaftlichen Schranken zwischen den Ländern Europas verlangt. Diese Untersuchung soll von dem Gesichtspmckt einer schließlichen Abschaffung dieser Schranken ausgehen. Ferner wurde eine Resolution des Schweizers Micheli einstimmig angenommen, worin die Ständige Kommission beauftragt wird, bei den Landesgruppen eine Untersuchung über das parlamentarische Sy st em ar^usteUen und über deren Ergebnisse zu berichten. Professor Dr. Schücking wurde für den ausscheidendenGrafen A p p o n h i zum Mitglied des Vollzugsausschusses gewählt. Die deutsche Delegation hat heute nachmittag in Mount Vernon durch den Reichstagspräsi- denten L oe be einen Kranz a nt Grabe George Washingtons niederlegen lassen. Auf dem vom Staatssekretär Kellogg gegebenen Bankett sprach im Namen der deutschen Delegation Dr. Wirth. Gr dankte für die Hilfe, die Amerika sowohl auf charitativem Gebiet tote durch die Aufstellung des Dawesplanes. der den ersten Schrit' zur Stabilisierung Europas darstellte, seit dem Waffenstillstand Europa geleistet habe und stimmte den Worten des Präsidenten Eoolidge zu, daß die Geister abgerüstet werden und der krasse Gegensatz aufhören müsse, wenn die Menschheit zu einer wirklichen Verständigung kommen wollte. Ausstand in Griechenland? Sofia, 8. Ott (T.11.) Die Regierung in Sofia erhielt Rachrichten, daß in Griechenland ein Aufstand ausgebrochen fei, der die D i e d e r e i n f ü h - rung der Monarchie bezwecke und an dem venifelos beteiligt fein fall. Die Regierung habe eine proflamation erlassen, in der sie die Souveränität des Volkes anerkenne und erkläre, wenn das Volk für die Monarchie stimmen wolle, werde die Regierung Pangalos bereit sein, den König ins Land zurückzurusen. Auch wurde die Mobilisierung angeordnet. Fortgang der Operationen in Marokko. Paris, 7. Olt. (WTB.) Der von Abb el Krim wegen angeblichen Verrats füsilierte Außenmintster Si Mohamed Azerkane ist, wie Havas berichtet, der Schwager Abd el K r i m s gewesen. Man habe ibn als die Seele des Rifkrieges bezeichnet und glaube, daß er den Versuch gemacht habe, gegen seinen Schwager mit älnterstützung der Kcuds Partei zu ergreifen. Deshalb sei Abd el Krim unerbittlich gewesen. Die Erschießung des Außenministers habe bei den Aufständischen eine Spaltung ' ervorgerufen. Aach den heute abend aus eingetroffenen Nachrichten gehen die Operativ um in Marokko trotz der anhalten Regengüsse günstig weiter. 3m östlichen Frontabschnitt nähern sich die französischen Truppen bereits der diplomatischen Grenze. Sie haben gegenwärtig eine durch folgende Punkte charakterisierte Linie beseht: Schauja—Aador—Sidi Wasli—Karus—Si Mubarek—Ain Sorah—Bab Sukka—Djebel Du Aidur. Da die von Norden aus operierenden spanischen Truppen gleichfalls südwärts vorrücken, ist das zwischen den beiden Linien liegende weite Gebiet der Ges- naja und Beni du 3ahia so gut wie etn- geschlossen. An allen Frontabschnitten sind weitere Unterwerfungen zu verzeichnen, durch die Abd el Krim bedeutend an Kriegern ein- büßt. Abd el Krim scheint seine treugebliebenen Truppen in dem im Herzen des Rifgebietes liegenden Gebirge neu zu sammeln. * Das Deck. Tagebl." meldet, daß der mit einer Munitionsladung nach Marokko bestimmte Dampfer Saint Drieux auf der Reede von Bordeaux in die Luft geflogen ist. Angeblich soll es sich um einen kommunistischen Anschlag handeln. Die Zahl der Toten und Verwundeten steht noch nicht genau fest. Es wird angenommen, daß etwa 40 Wann der Besatzung getötet oder verletzt worden sind. Französische MiMärjustiz. Bonn, 7. Okt. (Wolff.) Der Reichswehrfähnrich Otto Dühring vom Reichsweyrinsan- terieregiment 1 war zu seinen Eltern in Elberfeld a u f 11 r I a u b, hatte die Jahrtausend ausstellung in Köln besichtigt und wollte eine Radtour daran anschließen. Er fiel einem französischen Gendarmen dadurch auf, daß er ein schwarzweißrotes Fähnchen an seinem Fahrrad angebracht hatte. Er wurde fest genommen und bei ihm sein Urlaubsschein von der Reichswehr sowie ein Zivilpaß vovgefunden. Gr hatte jedoch nicht den für Reichswehrangehörige vorgeschriebenen S p e - zialausweis zur Einreise in das besetzte Gebiet. Er stand gestern vor dem französischen Kriegsgericht Bonn. Der französische Militär- staatsanwalt beantragte angesichts der offenkundigen Harmlosigkeit des Vorfalles (die Anklage lautete nicht auf Spionage» zwei Monate Gefängnis, die der verbüßten Untersuchungshaft entsprochen hätte. Das Gericht ging über diesen Antrag weit hinaus und verurteilte Dühring zu einer Gefängnisstrafe von einem 3 ahr und zu einer Geldstrafe von 200 Mark. Deutschlands Wirtschaftsbeziehungen zum Ausland. Berlin, 7. Ott. (Wolff ) Wie den Blättern mitgeteilt wird, sind die im Laufe des Sommers von Deutschland abgeschlossenen Handelsverträge sämtlich ratifiziert worden mit Ausnahme des H andelsvertrages mit beit Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Ratifikation jedoch ebenfalls in kurzem erfolgen wird. Mit G ro tz b ri t an n i en werden demnächst Besprechungen über einige Zollfragen stattfinden. bei welchen beide Parteien ihre Wünsche darlegen werden. Um Handelsverträge im eigentlichen Sinne handelt es sich mithin bei diesen Besprechungen nicht. 3m Laufe des Winters ist vorerst der Abschluß des deutsch-russischen Handelsverträge s zu erwarten. Die deutsche Delegation verhandelt zur Zeit in Moskau über einige russische Wünsche, die jedoch von untergeordneter Bedeutung sind. Die Zustimmung der russischen Regierung zu dem Handelsvertrag dürfte heute oder morgen bereits eintreffen. Unerledigt sind noch die Handelsverträge mit Frankreich. 3ta- lien, Polen und Spanien. Nachdem Frankreich das deutsche Angebot gegenseitiger Meistbegünstigung abgelehnt hat, wird jetzt wieder auf der alten Basis verhairdelt. wobei jedoch einige Vereinfachungen vorgeitommen wurden. Deutschland hat seine Vorschläge der französischen Regierung schriftlich übermittelt. Die schriftliche Antwort der französischen Regierung steht bevor. Die Verhandlungen selbst dürften etwa am 15. Oktober beginnen. Das Handelsprovisorium mit 3 t a [ i e n läuft am 31. Oktober ab. Die deutsche Delegation ist bestrebt, dis dahin die Unterzeichitung des Vertrages zu erzielen. Hinsichtlich der Handelsvertragsverhandlungen mit Polen ist die Lage auch weiterhin vollständig ungeklärt. Die polnische Delegation ist bisher noch nicht aus Warschau abgereift. Der spanischen Regierung sind von deutscher Seite neue Vorschläge übermittelt worden. Es ist allerdings kaum zu hoffen, daß es bis zum 15. Okt. zum Abschluß eines Abkommens kommen wird. Mit diesem Zeitpunkt würde dann ein vertrag s l o se r Zustand eintreten. Es haben ferner folgende Staaten den Wunsch, mit Deutschland in Handelsvertragsverhandlungen einzutreten, geäußert: Tschechoslowakei. O e ft e r- reich, Schweiz. Niederlande, Ungarn, Südslawien, Finnland, Schweden. Von diesen Staaten dürften die Verhandlungen mit der Ts chechoslowakei und Oesterreich im Laufe des November in Berlin beginnen . Mit der Schweiz werden in diesen Tagen Verhandlungen über den Abschluß eines Heinen Provisoriums ihren Anfang nehmen. Verhandlungen über ein weilergehendes Abkonunen sollen sich dann anschließen Eine niederländische Delegation wird demnächst in Berlin eintreffen. Die landwirtschaftlichen Kredite. Berlin, 7. Oft. iTU.) Der HauptauS- schuß des preußischen Landtages behandelte am Mittwoch die Frage des landwirtschaftlichen Kredites. Zur Behandlung stand eine volksparteiliche große Anfrage, in der Milderung der Rückzahlungsbedingungen der Reichsbank gefordert wird; ferner ein Zentrumsantrag, die preußische Seehandlung zu veranlassen, daß auf weitere Senkung der Zinssätze hingewirkt werde. Gin Regierungsvertreter sagte au, daß die Seehandlung der Landwirtschaft dadurch entgegenkommen soll, daß das erste Drittel bis zum 15. November, das zweite Drittel bis zum 10. Dezember und das letzte Drittel bis zum 1. 3anuar beglichen wird. Der preußische Staat, der 80 Millionen gegeben habe, wird im Notfälle bis zum 1. 3a- nuar warten. Außerdem wurde Kenntnis genommen, daß die Reichsbackk gruirdsählich an der Rückzahlung bis zum 31. Dezember festhalten wolle, daß aber in des anderen Not fällen eine Hinausschiebung bis zum 31. Januar möglich fein soll. Weitere Verhandlungen finden heute im Reichsernährungsministerium statt. Mit Rücksicht auf diese Verhandlungen stellte man die Abstimmungen für den Gegenstand auf Donnerstag zurück. Hessischer Landtag. Annahme des Kommunalwalilgesetzes. Darmstadt, 7. Okt. Die Beratungen des Plenums beginnen um 10* Uhr. Mg. Reiber (Dem.) richtet eine Kleine Anfrage an die Regierung über den Rechtsweg bei Versorgungsfachen der Schutzpolizei. Ministerialrat S p a m e r erwidert darauf, daß, wenn Zweifel über den Rechtsweg beständen, die Reichsregierung zuständig sei. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, auf der die W a h l v o r l a g e für die Kam- munalparlamente steht. Dor Eintritt in die Spezialdebatte erhalt das Wort als Berichterstatter des Gesetzgebungsausschusses der Abg. Recht, en (Soz.), der die einzelnen Anträge der verschiedenen Parteien zu dem Gesetzentwurf mitteilt und die Beschlüsse des Ausschusses hierzu. Präsident Adelung ruft sodann die einzelnen Artikel der Vorlage auf und teilt die Fassung mit, die ihr der Ausschuß gegeben hat. In Artikel 1 wird die Zahl der Stadtverordneten, Gemeinderäte und Kreistagsmitglieder bestimmt. Ein Antrag Felder (Zentr.), wonach durch Ortssatzung die Zahl der Stadtverordneten fest- gesetzt werden rann, wie dies früher war, wird mit großer Mehrheit a b g e l e h n t. Artikel 2 (Wahl der Gemeindevertreter und Kreis- tagsmitalieder aufdreiJahre) wird in der Ausschußfassung angenommen. Ein Minderheitsantrag auf Streichung der Worte „und die Kreistagsmitglieder' wird abgelehnt. Atikel 3 wird in Ucbereinftimmung mit dem Ausschuß angenommen. Slrtifel 4, der für die Stirn mberechtigung ein Alter von 20 Jahren und eine Wohnsitzdauer von (> Monaten verlangt, wird, nachdem die Minderheitsantrage abgelehnt sind, in der Ausschußfassting angenommen. “ Auch dem Artikel 5, der die Bestimmungen über die A u S s ch l i e ß u n g von Stimmberechtigten aus besonderen Gründen enthält, wird zugestimmt. Die folgenden Artikel werden ohne wesentliche Debatte in der Ausschuhfassung angenommen. Es wird dann sogleich die zweite Lesung vorgenommen. 3n der zweiten Lesung und im ganzen stimmen dem Gesetz zu die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Demokraten und die Deutschnationaleii. Dagegen stimmen die Deutsche Volkspartei, der Bauernbund und die Kommunisten. Das Gesetz ist also durch die Mehrheit des Hauses im wesentlichen in der A u s s ch u ß s a s s u n g angenommen. 3n zwei Lesungen wird hieraus eine Regierungsvorlage über ein Beamtensied- lungsgesetz angenommen, ebenso eine Regierungsvorlage über die Erweiterung des ehemaligen Garnisonlazaretts in Gießen. Es handelt sich, wie Abgeordneter Dr. Werner mitteilt, um eine Nachtragsforderung von rund 100 000 Mark, dafür werden aber andere Bauvorhaben der ilnioerfität z u- r ü ck g e st e l l t. Gegen die Vorlage stimmen nur die Bauernbündler. Nachdem dann noch verschiedene Ausschußwahlen erledigt worden sind, erstattet Abg. Schreiber Bericht über die dem Hause als Regierungsvorlage zugegangene hessische Verord- nüng über Straffreiheit. Die Vorlage wird angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag. Kleine politische Nachrichten. Die Besprechungen zwischen dem Reichspräsidenten und Tschitscherin haben sich, wie die Blätter von zuständiger Seite erfahren, im wesentlichen um wirtschaftliche und kulturelle Fragen allgemeiner Natur gedreht. Aktuelle Probleme sind dabei nicht berührt worden. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main beschloß, den Herrn Reichspräsidenten zu bitten, mit seinem für Mitte Oktober in Aussicht genommenen Besuch bei den Regierungen in Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt einen Besuch der Stadt Frankfurt a. M. zu verbinden. Reichspräsident p. Hindenburg wird der sächsischen Landesregierung den bereits seit längerer Zeit in Aussicht gestellten Besuch am D o n n e r S t a g , den 15. Oktober, abftatten. Der Reichspräsident hat den bisherigen ungarischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister v. G m i ch zur Entgegennahme seines Abberufungsschreibens empfangen. An dem Empfang nahmen außer den Herren der Umgebung des Reichspräsidenten — in Abwesenheit des Ministers des Auswärtigen — Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Dr. Köpke teil. Der Vorstand der Hess. Zentrums- Partei hat den Parteitag auf Sonntag, den 25. Oktober, nach Frankfurt a. M. einberufen. Auf der Tagesordnung steht ein Referat über Reichspolitik unter besonderer Berücksichtigung des Falles Wirth, f erner Referate über Länder- und Schulpolitik. Von den beteiligten Reichsministerien und obersten Landesbehörden wird allgemein anerkannt, daß bei der gegenwärtigen Entwicklung des Verkehrs ein Bedürfnis für eine einheitliche Regelung des gesamten Straßenverkehrs vorliegt. Zu einer Beratung hierüber hat das ReichsverkehrSministerium die beteiligten Behörden eingeladen. Die Besprechung findet auf Vorschlag Bayerns vom 8. bis 10. Oktober in München statt. Der Aktionsausschuß der österreichischen Bundesange st eilten gibt bekannt, daß bei der Abstimmung über' die Frage, ob im Falle des Nichtzustandekommens von Verhandlungen über die Beamtenbesoldung zum Mittel des Streikes gegriffen werden soll, 92,8 Prozent der Abstimmenden für den Streik gestimmt haben. Der Chef des amerikanischen Luftfahrwesens im Marineamt, Kontreadmiral Moffe11, erklärte. die verunglückte Shenandoa'h würde durch ein Luftschiff nach dem starren System erseht werden, das in den Vereinigten Staaten -gebaut würde. Das neue Luftschiff soll ein Fassungsvermögen von 6 Millionen Kubikfuß haben, während die Shenandoab ein Fassungsvermögen von nur 2 Millionen Kubikfuß hatte. Aus aller Welt. Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. Berlin, 7. Okt. (WTB.) Der Hauptausschuß der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erörterte auf feiner unter Vorsitz von Heinrich Grünfeld abgehaltenen Tagung die Maßnahmen der Reichsregierung zur S e n k u n g der Preise, die mangels wirksamer Erfassung der Ursachen einen Erfolg zu dem verkündeten Termin vom 1. Oktober nicht hätten herbeiführen können. Unter Ablehnung aller zwangswirtschaftlichen Experimente brachte die Versammlung den ernsten Willen zum Ausdruck, wirtschaftlich richtige Versuche der Reichsregierung namentlich zur Verringerung der wirtschaftsverteuernden öffentlichen L a st e n zu u n t e r st ü tz e n. Außerordentlich scharf war die ablehnende Stellung zu einem Gesetzentwurf über einen endgültigen Reichswirtschaftsrat, der dem Einzelhandel nur eine durchaus unzulängliche Vertretung einräumt. Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandel bekämpft grundsätzlich die Gewährung von Rabatt-Versprechen. Die Verabfolgung von Zugaben, die eigenen Gebrauchswert besitzen, wird als unlauterer Wettbewerb gekennzeichnet. Unlauterer Wettbewerb liegt insbesondere dann vor, wenn die Zugabe von dem Einkauf in bestimmter Höhe und Menge abhängig gemacht wird. Die Frage, in welcher Form Sicherungen dafür geschaffen werden können, daß nur besonders geeignete und vorgebildete Personen die Berechtigung erhalten, Geschäfte des Lebens- mitteleinzelhandels selbstxiwdig zu leiten und Lehrlinge auszubilden, wurde dahin entschieden. daß eine Kommission zu prüfen hat, nach welchen Leitgedanken ein derartiges Prüsungs- ^verfahren zu gestalten ist. Der Hauptausschuß sprach sich für baldmöglichste Abschaffung der Luxussteuer au« und fordert, da stallen in Wucherstrafsachen Bestraften die Möglichkeit geboten wird, die Wiederaufnahme des Verfahrens vor den ordentlichen Straf-, richtern zu erwirken, da die in der Inflationszeit gefällten Wuchergerichtsurteile nach der heutigen Auffassung rechtlich nicht haltbar seien. Raubmord. Der Schlossergeselle Brinkmann, der sich auf feinem Fahrrad von Greifswald nach G ü st r o w zum Besuch von Verwandlen begeben wollte, ist dort nicht eingetroffen. Bei Nachforschungen nach seinem Verbleib sand man ihn tot in einem Straßengraben im Gruben- Hagener Walde. Da das Fahrrad fehlte, vermutet man Raubmord. Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Oktober 1925. Vorläufige Bevölkrerungsbilanz in Hessen. Wir entnehmen den ..Mitteilungen der Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik" die nachstehenden Betrachtungen: Die vorläufigen Ergebnisse der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. 3 u n i 1 925 ermöglichen endlich einen klaren Einblick in die Veränderungen, STe^rn der Bevölkerung während des Krieges und nachher vor sich gegangen sind. Allerdings kann es sich bei einer solchen Bevölkerungsbilanz zunächst nut um vorläufige Ergebnisse handeln. Da die Zählung 1925 eine Sommerzählung ist. und ein großer Teil der Bevölkerung zu dieser Zeit auf Reisen war. so müßte, um einwandfreie Ergebnisse zu bekommen, nicht die ortsanwesende Bevölkerung, sondern die Wohnbevölkerung zugrunde gelegt werden. Bei einem Weltbad wie D a d - N a uh e i m ist der Fremde nz u st r o m so stark, daß die ortsanwesende Bevölkerung dort das Bild der Entwicklung der Bevölkerungsverhältnisse von Hessen roll- ständig entstellen würde. Bad-Nauheim ist seit 1910 (Winterzählung) von 5694 Einwohnern auf 14 606 im 3ahre 1925, also um 8912 gestiegen« Deshalb ist es nötig, wenigstens für Bad-Nauheim die Wohnbevölkerung einzusehen. Sie beträgt auf Grund vorläufiger Feststellung 7685 Personen. Die B e v ö l k e r u n g s z u n a h mc in Hessen beträgt seit der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 nach der vorläufigen Feststellung 70155 Personen: davon sind 18 033 männliche und 52 122 weibliche. Der llnteridjteb zwischen beiden Geschlechtern von 34 000 scheint sich leicht zu erllären. wenn man die Zahl der 32 523 während des Krieges gestorbenen Militärpersonen damit vergleicht. Es liegt die Vermutung nahe, daß darin einfach das Mehr an männlich gestorbenen Personen zum Ausdruck kommt, und daß ohne diei Kriegsverluste Hessen auch eine Zunahme von 52 000 statt 18 000 Männern aufzuweisen hätte, und damit eine Gesamtzunahme von 104 000 statt 70 000 Personen. Bei näherem Zusehen ergibt sich aber, daß der Unterschieb in der Zunahme beider Geschlechter noch andere Ursachen hat. Ein Teil der Kriegsverluste wurde schon durch eine um 3000 geringere Sterblichkeit der männlichen Zivilbevölkerung (127 000 Männer gegenüber 130 000 Frauen), ein anderer Teil durch das erheblichs Mehr von 13 000 Knabengeburten (201 000 gegen 188 000) ausgeglichen, so daß nur nach ein Rest von 18 000 mehr gestorbenen Männern aufzuklären bleibt. Der Geburtenüberschuß im Zeitraum zwischen den beiden Volkszählungen 1910 und 1925 betrug nämlich bei den Knaben rund 41 700, bei den Mädchen rund 57 700, insgesamt rund 99 000. Gegenüber der oben mitgeteilten Bevölkerungszunahme ergibt sich demnach eine Mehrabwanderung von 29 000 Personen, davon 23 500 Männer und 5500 Frauen, woraus abermals hervorgeht, daß die geringere Zunahme der männlichen Bevölkerung nur zur Hälfte auf eine größere Männersterb- lichkeit, zur anderen Hälfte aber auf eine stärkere Abwanderung zurückzuführen ist. 3n den ländlichen Kreisen ist der W ander u n g s v e r l u st bei beiden Geschlechtern annähernd gleich. 3n den Städten dagegen ist er bei den männlichen Personen erheblich größer, in Worms 2300 gegen 500, in Mainz 9900 gegen 2600. Die weibliche Bevölkerung hat sogar einen Wanderungsgewinn in Darmstadt von 1800, in Offenbach von 300, in Gießen von 560 Personen. Bei der männlichen Tevöllerung in Darmstadt ist zwar kein Wanderungsverlust, aber auch kein Geburtenüberschuß zu verzeichnen. Der ^Interschied im Wanderungsgewinn bzw. -Verlust zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung ist ine den Städten ohne Zweifel auf die Beseitig"ung der Garnisonen zurückzuführen. Daß in Darmstadt das nicht in einem Wandcrungsverlust der männlichen Bevölkerung zum Ausdruck kommt, beweist, daß hier nicht nur 2400 weibliche, sondern etwa eben» soviele männliche Personen mehr zugewandert sein müssen. . Soweit es sich um preußische Kontingente! handelt, wie bei Mainz, bedeutet die Aufhebung der Garnison einen Wanderungsverlust, der sich als solcher in Gesamthessen bemerkbar macht. Soweit aber, wie bei den übrigen Städten, Garnisonen verschwunden sind, die sich in erster Linie aus der hessischen Bevölkerung rekrutierten, müßte das Minus in den Städten als Plus auf dem Land wieder auftauchen. Daß aber auch dort überall ein Wanderungsverlust vorhanden ist, mit Ausnahme von Groß-Gerau, zeigt, daß wirklich eine starke Abwanderung eingesetzt hat, und zwar übersteigt sie eine etwaige Zuwanderung noch um 16—17 000 Personen, nachdem der Verlust von 7000 durch die preußische Garnison Mainz erflärt ist. Den Wanderungs- Verlust der Frauen übersteigt sie demnach noch um 11 000. 3m besetzte nGebiet ist außerdem noch zu berücksichtigen, daß eine Anzahl Personen nicht ersaßt würben, weil sie in den Gebäuden: wohnen, die von der Desahungsbehörde beschlagnahmt sind oder im Haushalt von Angehörigen» der Besatzungsmächte bedienstet waren. Gießener Wochenmarktpreise. am 8. Oktober. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 210 bis 220, Matte 40, Käse 70. Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8. Rotkraut 15, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl* 10. Bohnen 25 bi8 35. Unter- Kohlrabi 7, Grünkohl 20, Rosenkohl 30, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 10 bis 12, Meeret- tich 40 bis 100, Kürbis 6 bis 8, Pilze 20 bis 30, >"«d6,ltk- h ü4- von Jl(? ’'inmm e’ Uln e n, die ^leg! töcrb n auteim ift\ ~tinem f, baß 1 5tem. “*** Ä »Ä»5 4ätee s.-rLrr ry^unGÖme in Volkszählung öom J°rläuiigen 5efi- Lch7°lto >«M ijiljen beiden Veschlech. nfJM) lech zu erklärm, 32 523 während des ■iiiuarpcrfonen damit der» ennuhmg nahe, daß darin männlich gestorbene:! $?r- ommt, und daß ohne di« auch eine Zunahme von annern ausMoeistn hatte, amtzunahme von 104 000 ehen ergibt sich aber, daß Zunahme beider (?e- Ursachen hat. Ein Teil der schon durch eine um 3000 Ser männlichen Zivilbf änner gegenüber 130 OM Seil durch das erhebliche engebmten 1201000 gegen io dch nur noch ein Rest orbrnen Mannern auszu- burtenüderschuh un m beiden Iolkszäblungen 1 nämlich bei den Knaben Mäkchn rund 5Z ZOO, ins» Tegenäber der oben mit» szunahme ergibt sich dm» Wanderung von 29 000 3500 Männer und 5500 malä hervorgcht, daß die »er männlichen Bevölkerung eine größere Mnnersierd' Mle aber auf eine stärkere ufllhren ist. hen Kreisen ist der Man» bei beiden Geschlechtern an» wn Stabten dagegen 'st i Personen Mn, , 500. in Oltainj 9900 gegen Sevollcrung hat in Sarrnftabt M Mm n Gießen von obO M ichcn Bevölkerung m Sam tallderungsoerlust, aber auch ,ß xu verzeichnen- m Äanterungsgewmn oM $ ,^rBatt,das nA m SÄ-äS irfonen mehr gug um ÄÄ Ä TÄ oben 'rekrutierten. BevvlkcrE^ 5 Ä aUf U>en SE ^auch aufMu^ [ ft vorhanden ^Äbtvan^ ^vaige xrGs-r AArsri iberf^ ’ie . ffiebict iS ^Personen *,nut«rWr SonntaMl.Cft.: Wbom-öotiH Mhans-Lonz. backial-Dillenburg -Herborn. 5 Lid. Abf.LAUbr (sonn- lagßlarte Herborn. labe, lerer bub lang feit- eug- nter D ;e Si»erbei , Qtl,»e tÄÄ ÄS MU ■baklb'ttniöbl ai*. eÄW Herr loch, SlteÄ «^chen .Ers kennen to lernen zwecks Heirat, ^lenetmitwe mit «ntm Rind nicht °Uvgcichiosien.TA. Angcbole uni. 08M nn^denW^Anj. Vereine^ Stadttheater EröffnuagS- Dorstellung Freitag, 9. CIL 1.3ttM0*Ä voni?/.b.geg.S-/M tet meist* Operette tn 3 Akten von Zeller. Lonntag,ll.CrL A'SS SS"A1 s°L» 6««". Geiichi We DKL HL?" Ml eamstag.io.ckt.. abends 8', llbr, Im Hotel-Restaurant Kobel. ’■* D Ter Voriland. □ S-LS'-Ubr Ber. über [9381c 32, Men* ,r’t C*^f •reitet GH Rr. 236 Zweites Blatt Donnerstag, 8. Oktober 1925 Giehsner Anzeiger iZeneral-Anzeiger für Gberheffenf Lettland im Wahlsisder. Von unserem v. Ue.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. L i b a u, 1. Oktober 1925. Wunderbar klar ift der nordische Herbst. Plastisch wie in keiner anderen Jahreszeit hebt sich die schöne Silhouette Rigas von einem Himmel ab, der sich mit fast südlich blauen Tinten schmückt. St. Jacob und St. Peter, Dom und Schloß lassen ihre wundervollen Türme in diesen Himmel ragen, stolz und freudig, wie sonst nie. Und selbst der mächtige Dünastrom spiegelt im Herbst das altehrwürdige Bild deutscher Städte wieder, gar nicht als ob seine Fluten trüb und wandermüde dem nahen Meere zuschleichen. Unser Stolz aber sind unsere Gartenanlagen, von denen wir als stramme Lokalpatrioten zu sagen pflegen, daß kaum eine andere Stadt über ihresgleichen verfügt. Auch ihnen hat der Herbst die wunschlos verklärte, fast geistige Schönheit seiner Farbenpracht geschenkt. 9lur die Menschen spüren wenig von diesem reichen Herbstfrieden. Die Neuwahlen zum Landtag stehen uns bevor, und die Siedehitze, in welche die Gemüter geraten sind, ist nichts, aber auch gar nichts weniger als herbstlich abgeklärt. Aber die Konkurrenz um die 100 Plätze im Parlament ist auch geradezu enorm. Wenn jemand eine fette Pfründe ausschreiben wollte, ich glaube, die Zahl der Bewerber könnte kaum größer sein. So streiten sich zum Beispiel im Wahlkreis Kurland genau 26 verschiedene'' Parteien mit zusammen 325 Kandidaten um die 15 Mandate. Unter diesen 26 Parteien sind mindestens 10, von denen selbst ihre anderswo draußen gebliebenen Gründer vor wenigen Wochen nicht das allergeringste geahnt haben. Allein die Juden, welche in diesem Wahlkreis nicht mehr als einen Abgeordneten zu stellen haben, beteiligen sich mit fünf Listen am Kampf, die Russen mit zwei, öte übrigen Minderheiten mit zwei und die Letten mit 17. Nur die Deutschen haben in Kurland wie in ganz Lettland ihre Einigkeit bewahrt und marschieren mit einer Einheitsliste geschlossen in die Schlacht Fast schlimmer noch als in Kurland ist die Zersplitterung im östlichen Teil des Landes, in Lettgallen, wo die Zahl der Parteien 35 erreicht hat. In Serngallen, Südlivland und Riga liegen die Verhältnisse genau so. Wer vermag da den Wahlen eine sichere Prognose zu stellen? Nur soviel ist gewiß, daß sich auch dieses Mal keine klare Mehrheit für rechts oder links ergeben kann, und daß die Wurstelei mit der Gründung ber kompliziertesten Regierungskoalitionen auch in unserem Ländchen ihren Fortgang nehmen wird. Die Deutschen, welche bereits im alten Landtag sechs Mandate von den 100 inne hatten, können zufrieden sei», wenn sie aus dem Wahlkampf nicht geschwächt hervorgehen, denn die Zahl 6 ist schon wesentlich größer als der Prozentsatz, den sie in der Gesamt- beoölkerung Lettlands ausmachen, und konnte nur erreicht werden, indem voriges Mal zu der äußersten Kraftanstrengung einig« Glückszufälle bei der Verteilung von Mandaten auf die Reststimmen hinzu- fumen. Die Russen hingegen könnten die Zahl ihrer Abgeordneten mühelos vervierfachen, wenn es ihnen nur gelingen würde, die trägen Massen der russischen Bauern in Lettgallen mobil zu machen und sie zu veranlassen, nach völkischen Gesichtspunkten zu wählen. Aber an eine so große Stärkung der Minderheitenfraktion des Landtages ist überhaupt nicht zu denken, denn die Russen werden statt ihrer bieherigrn drei Abgeordneten höchstens fünf durch- bringen, trotzdem sie ihre Organisation auf kirchliche Basis umgestellt haben. Ebenso werden sich die Juden mit ihren bisherigen fünf oder sechs Mandaten begnügen müssen, denn auch sie haben durch eine geschickte Blockierung ihre große Zersplitterung unschädlich gemacht und bereits das Marimum erreicht. Anders die Polen. Wenn sie im Osten Lettlands tatsächlich eine so starke „unbefreite" Minderheit bilden, wie eine gewisse Warschauer Presse wahr haben will, bann müßten auch sie in ber Lage sein, statt ihres bisherigen Alleinvertreters mindestens ein Konsortium von 4—5 Abgeordneten ins Parlament zu schicken. Ader auch das,dürfte ein schöner polnischer Cäsarentraum bleiben. Bis vor kurzem konnte man sich nur darüber wundern, wie gesittet und anständig der Wahlkampf trotz der großen Konkurrenz geführt wurde. Außer einigen etwas unsanft zum Schweigen gebrachten sozialdemokratischen Wahlrednern konnte die lettische Presse ihren Lesern rein gar nichts Sensationelles servieren. Der Wahlkampf war ausgesprochen langweilig. Da aber packte einen bekannten lettischen Journalisten plötzlich der Ehrgeiz, mindestens zwei Kellner oder Kellnerin? Ein Beitrag zur Münchener Kulturgeschichte. Ob die Sektion München des internationalen Genfer Kellneroerbandes klug gehandelt hat, den Zeitpunkt für den ‘Beginn’ ihrer Offensive gegen die Münchener Kellnerin ausgerechnet in die Septembertage zu legen, darf nach Kenntnis der Lage füglich verneint werden. Die strategische Lage ist folgende: Um ihren arbeitslosen Der» bandsgenossen zu Helsen, will die Münchner Sektion obigen Verbandes vorerst die Gaststätten vom Marienplah bis zum Karlstor mit Kellnern besetzen. 2llso Einfall in das bislang unumstrittene Gebiet der Münchner Kellnerin. Die aber ist nicht nur in den Stadtlokalen, sondern zur Zeit ganz besonders in den 'Rieseribierzelten auf dem Oktvberfest unentbehrlich. Das weiß sie. Und so klingt ihr scharf warnendes „Soh", wenn sie mit ihren 10 bis 12 gefüllten Maßkrügen durch die Menge sich drängt, nicht nur den durstigen Konsumenten, jetzt gerade auch der männlichen Konkurrenz des Kellnerverbandes bedrohlich in die Ohren. Sie weiß auch, daß ihr die Sympathie, des alteingesessenen Münchners, und nicht minder wohl auch die des Zugereisten, gehört. Getreu dieser Sympathie erhebt sich prompt das stets sehr beachtliche Knurren des bayerischen Löwen. Schon füllen sich die Spalten der Zeitungen mit mehr oder minder erregten Zuschriften. Die Volksseele fängt an zu kochen. Diese Volksseele aber wird auch den Sturm auf die Kellnerin siegreich abschlagen. Dräuend bildet sich die Phalanx gegen den Kellner, den schwarzbefrackten, der bÄ dato alle Gaststätten der Welt sich erobert hat, dem nur noch eine Perle in seiner Krone fehlt: das Münchener Hofbräuhaus! Es ist ja doch gar nicht auszudenken, wenn die Zenta, die Rest, die Kathl verschwände, wenn an Stelle des blitzsauberen Diermädels ein Piccolo das t h r zugedachte Fünfer! einsteckte, wenn anstatt des freiwilligen Triickgeldes die schwerober drei l e 111 d n b i f d) e V a r m a t a s f ä r e n auf einmal zu kreieren. Zum Gegenstand seiner nach allen Regeln ber Taktik urplötzlich inszenierten Offensive hat er sich ben demokratischen Unterrichtsminister Aroeb Kalning erwählt. Diesem wirst besagter Journalist nichts weniger vor, als ben Spiritusprobuzenten gegenüber einen gelinben Erpressungsversuch gemacht zu haben. Die Vorgeschichte bieses angeblichen Vergehens liegt runb ein Jahr zurück. Damals würbe im Parlament heftig über ein inzwischen längst in Kraft getretenes Gesetz bebattiert, welches jeglichen Alkoholausschank und Alkoholverkauf an ben Samstagen und Sonntagen verbietet und sonst noch eine ganze Reihe von Maßregeln verhängt, die ben Alkoholkonsum gewaltsam einschränken sollen. Die Stimmung für und roiber dieses Gesetz, bas ben Gastwirten unb Alkoholprodu- zenten einen heillosen Schrecken einjagte, hatten sich in zwei so genau gleichgroße Lager gespalten, baß ber Ausgang bis zum letzten Augenblick ungewiß war. Diese Gelegenheit soll sich nun ber Uuterrichts- minister Kalning zunutze gemacht unb bem Vorsitzen- ben bes Verbandes ber Alkoholprobuzenten einen Brief geschrieben haben, in welchem er ihm einen Vorschlag zur Güte machte. Er, ber Vorsitzende, solle ihm, dem Minister, 100 000 Goldsranken geben und dann würde er, der Minister, dafür sorgen, daß seine -Partei gegen das Gesetz stimmt. Diese' sehr bescheidene Summe habe Herr Kalning aber nicht erhalten unb deshalb zur Annahme des Gesetzes geraten. Natürlich hat der Minister den Journalisten sofort verklagt, und uns steht in aller Kürze ein Sensationsprozeß bevor, in welchem der Journalist versuchen wird, den Wahrheitsbeweis für seine schweren Beschuldigungen zu erbringen. Aber an dieser einen Sensation läßt er sich nicht genügen und beschuldigt ber Sicherheit halber auch gleich noch ben Präsidenten bes ßanbtags, seine Stellung dazu mißbraucht zu haben, um sich das für lettländische Verhältnisse enorme Monatseinkommen von 5000 Goldfranken zu verschaffen. Selbstverständlich wird auch das einen Beleidigungsprozeß mit Wahrheitsbeweis ufw. zur Folge haben. Der Landtagspräsident gehört übrigens ebenfalls der demokratischen Partei an. Am gleichen Tage, an welchem die Oessentlichkeit mit den obigen Sensationsnachrichten überrascht wurde, gab es noch ein weiteres großes Ereignis: In der katholischen Kathedralkirche verlas der katholische Erzbischof eine Bannbulle des Papstes, in welcher die Exkommunizierung des Pfarrers T r a f» f u n verkündigt wird. Das Pikante an dieser Geschichte ist, daß es gerade der Pfarrer Trassun ist, welchem es mit in erster Linie zuzuschreiben ist, daß die Kirche, in welcher die Bulle verlesen wurde vor etwa zwei Jahren vom Staate der evangelischen Gemeinde fortgenommen unb ben Katholiken überwiesen würbe. Der Entrüstungssturm, der damals über diese Handlung ausbrach, ist wohl noch in frischer Erinnerung. Allerdings hatte die katholische Kirche allen Grund, mit Trassun unzufrieden zu fein. Dieser Pfarrer, ein enragierter lettischer Chauvinist, separierte sich eines Tages plötzlich von der kird)lichen Partei und gründete eine eigene katholische Fraktion auf linksdemokratisch-nationaler Basis. Außerdem ließ er nicht gern eine Gelegenheit vorüber, seinen hohen geistlichen Vorgesetzten anti- lettländische, polnische Tendenzen oorzuwerfen unb zeigte sich überhaupt in jeber Weise aufsässig. Unter anberem kam er nicht dem Befehl nach, zu den Parlamentssitzungen in ber Soutane ober doch wenigstens im schwarzen Rock mit geistlichem Kragen zu erscheinen. Außerdem, aber das ist inoffiziell, warf man ihm vor, daß er im Konkubinat mit einer Frauensperson lebt, die ihm während der Bolschewikenzeit das Leben gerettet haben soll. Trassun ist sich sehr gut dessen bewußt, daß er durch die Bannbulle politisch schachmatt gesetzt worden ist. In einem schleunigst vollzogenen Interview behauptet er, durch die schwere Maßregelung völlig überrascht worden zu sein und schiebt die ganze Angelegenheit auf die Polen, welche ihn in Rom fälschlich denunziert hätten. Auffällig sei es, daß die Bannbulle bereits im Juli unterzeichnet und erst jetzt, kurz vor den Wahlen, bekanntgegeben wurde. Aller guten oder auch bösen Dinge sind drei, und so haben wir in diesen Tagen auch noch eine dritte Ueberraschung erlebt, die eigentlich gar keine Ueber- raschung ist. Die rechten Sozialdemokraten, welche zur Regierungskoalition gehören, haben es nämlich plötzlich mit der Wahlangst bekommen und den bürgerlichen Fraktionen kurz vor Schluß die Freundschaft aufgekündigt. Ob sie ihre Wähler durch eine derart verspätete Aktion noch werden von der wihrhasten Linksseite ihres Herzens überzeugen können, das mögen die Götter wissen, und das wiegenden 10 Prozent des Bedienungsgeldes unten auf der Rechnung erschienen! Ist es nicht viel gemütlicher für alle, von einer Mirzl oder Märi die Maß Bier hingestellt zu bekommen, daß es kracht, als daß irgend ein Herr Jean würdig ernst serviert? Ist es nicht viel amüfan- ter, auf sein bestelltes Essen warten zu dürfen, weil „sie" grab’ ihrem „Doktor" in den QHantel helfen mutz? Hub wir armen Junggesellen sollen nicht mehr mit „unferm“ Diermadel schäkern dürfen? Rein — dreimal nein! Möge der Kellner ruhig dort bleiben, wo er auch bei uns in München würdig, und völlig am Platze seines Amtes waltet. Er wolle aber nicht das letzte Idyll Münchener Selbständigkeit mit rauher Hand zerstören. Im Wirtshaus herrsche nach wie vor bayerische Gemütlichkeit, verbürgt von der Zenta, der Kathl, die treu zu ihren Gästen halten, und für sie sorgen, gar manches Mal rauh, aber immer herzlich. Bo ar. Vom Schmöker und vom Buch. Von Friederike Rosen. Wenn die Frage ausgeworfen wird, welche Lek- rüre von den Frauen bevorzugt wird, so kann man getrost antworten, daß dec R o m a n in seiner mannigfachen Form sich der meisten Liebhaberinnen erfreut. Natürlich gibt es auch Frauen, die nicht nur von Berufs wegen an Werken wissenschaftlicher Art Gefallen finden, und solche, die die Lektüre von Dramen und lyrischen Gedichten derjenigen von Romanen und Erzählungen vorziehen. Die Zahl ber ersten Kategorie dürfte jedoch die zweite gewaltig übertreffen. Einem großen Teil der lesenden Frauen kommt es zunächst daraus an, in erster Linie ihr Bedürfnis nach Unterhaltung zu stillen. Sie sind daher mit einer Lektüre zufrieden, die keine allzu großen geistigen Anforderungen stellt. Personen, die auf Bildung Anspruch erheben, unb benen bas Wort: „Zeige mir, was bu lieft, unb ich werbe bir sagen, wer du bist", nicht unbekannt ist, werden in der Auswahl ihres Lesestoffes vorsichtiger fein unb nicht u-mgi jedenfalls von der Häufigkeit der bekannten Eigenschaft ab, mit welcher selbst Götter vergeblich kämpfen sollen. Die Not der Sudetendeutschen. In Berlin hielt soeben der Subctcn- deutsche Heimatbund seine diesjährige Reichsverbanbsiagung ab. Der Zeitpunkt kann angesichts der bevorstehenden hochpolitischen Ereignisse als besonders günstig angesehen werben, l a die cor. i e : Oststaa e ■ a cst e te.i Schiede- gerichtsverträge für uns nur biskutabel sinb, wenn sie sich auch auf bas Deutschtum im Ausland erstrecken, bas heute in Polen, mehr vielleicht noch in der Tschechoslowakei auf bas härteste unterbrückt unb das schärfste bekämpft wird. Wir erinnern nur an die Vertreibung deutscher Gutsbesitzer aus den rein- deutschen Grenzbezirlen des tschechischen Staates, an den Raub deutscher Schulen und Kulturgüter, an die Tschechisierung rein deutscher Gemeinden, an die wirtschaftliche, soziale und politische .Knechtung ber Sudetendeutschen, die von ben tschechischen Behörden schikaniert und bedrückt werben, wo es nur geht. Richt weniger als 50 bis 60 000 Gendarmen unb D eie tausend Polizeispitzel, alle entnommen der berüchtigten tschechischen Legion, befinden sich in dem deutschen Sprachgebiet, bas zweimal größer ist als Sachsen, um bas Deutschtum mit aller Macht zu zerschlagen. Sechs Jahre leben nun schon die Sudeten- beutschen in tschechischer Sklaverei, sechs Jahre hinburch haben sie ihre Rot unb ihr Elenb in alle Welt hinausgeschrien, jetzt haben sie bas gefordert, für bas die Alliierten seinerzeit zu kämpfen Vorgaben: Selbstbestimmungsrecht! Sie wollen abstimmen über ihr künftiges Schicksal und dem Völkerbund Material an die Hand geben, um ihre Freiheit wieder zu erlangen. Daß ber Genfer Bund keinen Finger rühren wird, um sich endlich einmal dem Deutschtum in der Tschechoslowakei anzunehmen, erscheint uns als selbstverständlich. Darum wird es Sache der deutschen Staatsmänner sein, die Schiedsverträge mit ben Oststaaten so zu gestalten, baß die Vergewaltigung unserer Brüder und Schwestern außerhalb der Reichsgrenzen endlich ein Ende findet. D?e Flucht eines Prinzen. Von unserem Kr.-Korrespondenten. Konstantinopel, 30. Sept. Füllte die Erregung über die neuerliche Verschiebung einer Entscheidung der für die Türkei lebenswichtigen M o s s u l f r a g e die Leitartikel der hiesigen Tageszeitungen, so hielten die übrigen Spalten den Leser in nicht minderer Spannung durch das wochenlange Rätselraten über die aoenteuerlidje Flucht des ägyptischen Prinzen Seis- eddin aus einem Jrrenhause in Sussex in England, in dem er seit 27 Jahren von der Welt abgeschlossen gehalten war. Schon vor einigen Monaten wurde die Geschichte dieses Prinzen in den hiesigen Zeitungen ausgegraben, die so voll abenteuerlicher Tragik ist, daß man eher an einen der üblichen Filmromane glauben könnte, der infolge der nicht leicht zu entwirrenden Familienverhältnisse der regierenden ägyptischen Familie in seinen Einzelheiten noch doppelt verwickelt erscheint. Das überaus große Interesse gerade der Konstantinopeler Kreise wird verständlich, da ein großer Teil der ägyptischen Prinzen ständigen Ausenchalt am Bosporus genommen hat. So vor allem der frühere Khedive A b b a s H i l m i, der schon vor dem Kriege enge Verbindung zu jungtürkischen Kreisen unterhielt. Vielleicht mag darin der Grund zu dem noch immer unaufgeklärten Attentat zu suchen sein, bas auf Abbas Hilmi im Sommer 1914 verübt wurde, als er gerade das Jildis Kiosk des Sultans verließ. Wegen seines allzu offenen Eintretens für die türkische Sache wurde er dann im November 1914 von den Engländern a b g e s e tz t, und an feine Stelle trat sein Neffe H uff ein Kamel, der Vater des jetzigen Königs Fuad von Aegypten. Auch die Mutter des Prinzen S e i f e d d i n , die Prinzessin N e v d j i h a n , die in zweiter Ehe mit dem Türken Feridun Pascha verheiratet ist, sowie seine Schwester, die Prinzessin S ch i v e f i a r Haden in Konstantinopel ihre Heimat gefunden. Trotzdem sämtliche türkische Prinzen und Prinzessinnen des Landes verwiesen sind, erfreuen sich ganz im Gegensatz hierzu die hier weilenden Mitglieder der ägyptischen Herrscherfamilie Schund und Kitsch zur geistigen Nahrung erwählen. Wer feine Bildung und Fortbildung vernachlässigt, bandelt ebenso töricht wie der, der ungenügende und schlechte Kost genießt. Man setzt sich in seinem Bekanntenkreise selbst herab, wenn man seine Ignoranz nur schiedst zu verbergen weiß. Im Gegensatz hierzu wirb eine Frau, die einigermaßen belesen ist, und daher eine gute Allgemeinbildung besitzt, allerorts die höchste Achtung genießen. Kenntnisse unb Urteilsfähigkeit, bie im Leben sehr oft vonnöten sind, kann man sich aber meist durch gute Lektüre verschossen. Natürlich gilt es hierbei, die richtige Auswahl zu treffen, denn die Interessen ber Frau sinb ja mannigfach. Glücklicherweise sind wir in Deutschland in ber angenehmen Lage, ben Wissensdurst unb bas Unterhaltungsbedürfnis auch auf speziellen Gebieten in reichlichem Maße befriedigen zu können. Schon Goethe hat die erzieherische Notwendig- feit eines guten Buches hinreichend zu schätzen gewußt, indem er äußerte, daß man an jedem Tage wenigstens einige Sätze in einem guten Buch lesen soll. Viele Hausfrauen und berufstätige Damen ver- anfd,lagen vielleicht die Kosten, bie ihnen burch Anschaffung guter, lesenswerter Werke entstehen könnten, zu hod). Sie irren sich aber sehr, benn bie Anschaffung guter Lektüre ist im Vergleich zu anderen Wünschen nur mit geringfügigen Ausgaben verknüpft. Freilich, wer ein Buch nicht nur nach feinem inneren Wert, sondern auch nach seinem äußeren beurteilt, und den Besitz einer solchen, allen Anforderungen genügenden Bibliothek anstrebt, muß zur Verwirklichung dieses Wunsches tief in seinen Beutel greifen. Oft ist allerdings das prunkende Aeußere feines Buches nur Schein, fein Inhalt enttäuscht die Leser, während ein unscheinbarer Band oft ein durchs Leben treuer und viel durchblätterter stummer Freund seiner Besitzerin ist. Wann und wo soll man nun seinem Lesebedürfnis frönen? Es ist eine weitverbreitete Angewohnheit, im Bett zu lesen. Diele Frauen und Mädchen können sich von der Schädlichkeit dieser Sitte keinen Begriff machen. Desgleichen empfiehlt es sich nicht, während des Fahrens in Zügen, Trambahnen und Auws zu lesen, größter Beliebtheit, was bei der regen Anteilnahme vor allem des Erthediven Abbas Hilmi an den so wechselreichen Geschicken bes Landes leicht erklärlich erscheint. Der jetzige König von Aegypten Fuad heiratete vor über 30 Jahren die Schwester des Prinzen Seif- eddin. Das an sich recht ansehnliche Vermögen bet Frau wurde von dem überaus leichtsinnigen Fuad in kurzer Zeit vergeudet, unb er suchte dar« aufhin seine Frau burd) Mißhandlungen zu bewegen, sich in den Besitz von Vermögensobjekten ihres Bruders Seifebdin zu setzen. Die Prinzessin rief daraufhin ihren Bruder um Schutz an, und in einer erregten Auseinandersetzung verwundete Seifeddin, ber über die Schurkerei Fuads außer sich war, feinen Schwager durch einige Revolverfchüffe, ohne ihm jedoch besonderen Schaden zuzufügen. Er wurde daraufhin zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Zeit wußte Fuad geschickt auszunutzen, den damals regierenden Khediven Abbas zu beredten, in die Erklärung der Unzurechnungsfähigkeit bes damals zwanzigjährigen Seifeddin einzuwilligen, er selbst setzte sich bann in den Besitz ber reichen Besitztümer seines Schwagers. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, wurde Seifeddin wieder fe st genommen , und als er sich zur Wehr setzte, in eine Zwangsjacke gesteckt und unter starker Bewachung in eine I r r e n a n ft a 11 nach England gebracht, wo er tatsächlich in ohnmächtiger Wut über sein Schicksal sich anfänglid) wie ein Tobsüchtiger benommen haben soll, bann aber ruhiger wurde, so daß es ihm gestattet war, unter allen möglichen Vorsichtsmaßregeln im Park und in den letzten Jahren aud) in ber Umgebung des Irrenhauses Spaziergänge zu unternehmen. Bon einem dieser Ausflüge kehrte ber Prinz vor einigen Wochen nicht zurück, unb mit ihm blieben auch feine beiden englischen Wärter spurlos verschwunden. Wochenlang wartete man hier in Konstantinopel auf sein Kommen. Er sollte in Frankreich g e • sehen worden sein. Englische Detektive hingen sich an seine Fersen. Mehrmals wurden Prinzen, die jedoch keine waren, in Paris festgenommen. Journalisten von Paris und London waren eigens nach hier beordert und verstärkten nur die Zahl der hiesigen Reporter, bie jeden Simplonexpreß, jedes ankommende Schiff fieberhaft nach dem verschwundenen Prinzen durchforschten. Die herrliche Jacht „Nimet ullah" des Exkhediven Abbas Hilmi, die gerade in den kritischen Tagen von einer Mittelmeerreise zurückkehrte, erschien den meisten als sehr verdächtig. Doch alles Suchen war vergebens. Endlich löste sich vor einigen Tagen die Spannung, der Prinz war wirklich mit einem gewöhnlichen Passa« aierschiff über Marseille unerkannt hier angefommen und bald im Palaste seiner Mutter, der Prinzessin N e v d j i v a n , verschwunden. Lange Jahre qualvollen Harrens hatten in der freudigen Stunde des Wiedersehens ihr glückliches Ende gefunden. Der Plan der Flucht war von der Mutter, die all bie vielen Jahre ihren Sohn nicht hatte sehen können, aufs genaueste vorbereitet roor- ben und wurde unter persönlicher Leitung des Stiefvaters des Prinzen F e r i d u n Pascha unter Mithilfe zweier Freunde ausgeführt. Es gelang, die Wärter zu bestechen und unerkannt nach Frankreich zu entkommen. Dann hielt man sich durch zwei Wochen in der Umgebung von Paris versteckt, um ben englischen Detektiven zu entgehen, die zahlreich ausgesandt waren, da man aus begreiflichen Gründen in London großen Wert auf die ®ieberergrei- fung des Prinzen zu legen schien. In abenteuerlicher Autofahrt glückte es dann, unbehelligt Marseille zu erreichen. Nach Angabe Feridun Paschas sollen die Gesamtkosten der Flucht sich auf über 50 000 Pfund Sterling — I Milliarde Mark — belaufen. Es ist ja möglich, daß der ägyptische Prinz doch ein wenig verrückt sein mag, aber wer würde es nicht werden, wenn man ihn 27 Jahre seiner besten Lebenszeit gefangen hält. Der große Wendepunkt im Leben des armen Prinzen ist jetzt eingetreten. Er ist endlich frei. Doch als Fremdling tritt er in ein neues, unbekanntes Leben. Ob er sich in der so völlig veränderten Welt zurechtfinden wird? Ein harter Kampf steht noch bevor. Zunächst gilt es, den hiesigen Aerzten zu beweisen, daß er wirklich geiftes- gesund ist, und dann beginnt der häßliche Streit um sein großes Vermögen, bas seit jener Zeit in den Händen feines lieben Schwagers liegt, der es inzwischen verstanden hat, mit Hilfe des allmächtigen England König von Aegypten zu werden. Hoffentlich verliert ber ägyptische Prinz bei diesen bevorstehenden verwickelten Prozeßen nicht schließlich noch den Nest seines Verstandes. da auch dies für die Augen äußerst schädlich ist. Außerdem wird das Verständnis des Gelesenen durch allerhand störende Einwirkungen von außen erheblich beeinträchtigt. Wer viel und verständig lieft, wird natürlich vieles lernen, auch wenn er von Natur nicht gerade mit allzu großen Geistesgaben ausgestattet ist, denn nach einem Wort Nietzsches begabt sich derjenige selber, welcher lernt. Ein unbekannter Nom an der Bettina von Nrnim. „Habent fua fata libelli" — dieses alte Horaz- Wort, daß Bücher ihr Schicksal haben, hat wieder einmal einen schlagenden Beweis erhalten. Im literarischen Tiachlaß der Brüder Grimm fand Otto Mallon bei den Vorarbeiten zu seiner kürzlich erschienenen Arnim-Biographie einen bisher noch nicht veröffentlichten Märchen-Roman der Bettina von Arnim: „Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzu- hansbeiun s". Das Schics.:! des Romans ist merkwürdig genug: er wurde von Bettinas jüngster Tochter Gisela, der Gatttn Hermann Grimms, begonnen. dann aber von Bettina bearbeitet und fertlg- gestellt und sogar in die Druckerei gegeben. Rätselhaft bleibt, warum der Roman nie erschienen ist, da er aus der Romanti lerzeit fast der einzige nicht fragmentarische ist andererseits ganz typisch vollendet für seine Verfasserin spricht. Der junge 'Verlag von S. Martin Fränkel, Berlin XV 62, läßt das 17 Bogen starte Buch Anfang Rovember in drei Ausgaben erscheinen, neben ber allgemeinen, besonders billig gehaltenen in einer Luxus- und in einer für rein wissenschaftliche Zwecke beftimmten Acisgabe. Man kann wohl sagen, daß feit dem llrmcifter von Goethe lein so bedeutender literarischer Fund gemacht wurde. Wir werden in der Lage feiiL unseren Lesern schon vor Erscheinen des Buche- einen unveröffentlichten Probeabschnitt dank dem Entgegenkommen des Verlages bieten zu tönnat) Bilderstürmer in hessischen Schulen. Durch eine Beleidigungsklage vor dem Amtsgericht in Darmstadt ist soeben eine eigentümliche Bilderstürmerei in Hessen aufgedeckt worden: es handelt sich um die Entfernung eines Hindenburg-Bildes aus dem Schulsaal. Der Tatbestand ist kurz folgender- Bor einigen Monaten wurde in der deutschnationalen ..Hessischen Landeszeitung" der Lehrer Daum in Billings, einem kleinen Dorfe des Kreises Dieburg, beschuldigt, ein Bild Hindenburgs aus dem dortigen Schulsaal entfernt zu haben. Der Lehrer strengte eine Beleidigungsklage gegen den für den provinziellen Teil verantwortlichen Schriftleiter des Blattes, den Redakteur Walter Stützet, an. Die 'Verhandlungen vor Gericht förderten sonderbare Tatsachen ans Licht. Dos Hindenburg^Dtld war den Schulkindern während des Krieges a l s Belohnung für ihren Sammeleifer im Dienste vaterländischer Zwecke geschenkt worden. Es hat dann seinen Platz im Schul- f a a l gefunden. Bon dort hat Lehrer Daum das Bild im Jahre 1922 entfernt. Er rechtfertigte seine Handlungsweise vor Gericht durch Berufung auf einen Erlaß des Kreisschulamtes Dieburg, daß „Bilder, die den Krieg verherrlichen", aus den Schulen zu entfernen seien. Rach seiner Auffassung gehöre auch das Bild Hindenburgs dazu. Wie Lehrer Daum in der Derhandlung weiter erklärte, haben auch andere Lehrer die Hindenburg-Bilder entfernt. Die Bewohnerschaft von Billings war über diele Maßnahme begreiflicherweise entrüstet. Die von der ..Landeszeitung" veröffentlichte Ro- riz war eine protestierende Zuschrift aus Billings. Der Wabrheiisteweis für die behauptete Entfernung des Hindenburg-Bildes ist also voll erbracht, doch wurde der Schriftleiter wegen formaler Beleidigung zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Sonderbar berührt, daß den vorgesetzten Behörden, denen die Tatsache nicht unbekannt waren, weil Landtagsabgeordneter Kindt bereits vor Monaren im Landtag auf den Vorgang in Billings hingewiesen hatte, nichts unternahmen. Inzwischen hätten sowohl das Landesamt für das Bildungswe en wie das Kreisamt Dieburg dem Sachverhalt nachgehen und das Wiederaufhängen des Bildes veranlassen können Die Turnlehreraurbildung im Nolksstaat Hessen. Bon Pros. Dr. R. Sommer, Geh. Medizinalrat in Gießen. Durch den Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens des Hessischen Lehrerturnoereins (ogl Gießener Anzeiger" Nr. 221 vom 21. 9. 25) ist die Frage der Turnlehrerausbildung im Bvlksstaat Hessen an die Oeffentlichkeit gebracht worden, wohin sie bei ihrer allgemeinen Bedeutung für das Schulwesen gehört. Schon die Namen der in dem Bericht genannten Persönlichkeiten, nämlich der Herren Oberreallehrer Karl Roth aus Darmstadt als 1. Vorsitzender des Hessischen Lehrerturnvereins, de« bisherigen Turninspektors Schulrats i. R. Schmuck, des Ehrenvorsitzenden des Vereins, ferner des Herrn Oberstudiendirektors Lautenschläger, des Herrn Prof. Becker, des Herrn Oberreallehrers 2 u l e y, sowie des als Gast anwesenden Herrn Dr. Edmund Neuendorff, des Direktors der Preußischen Hochschule für Leibesübungen, sowie des Herrn Direktors H a s f i n g e r von der Zentralstelle für Volksbildung und Jugendpflege zeigen, daß es sich um eine Veranstaltung gehandelt hat, bei der wichtige Faktoren in bezug auf die Turnlehrerausbildung vereinigt waren. Dem entspricht auch innerlich die Verhandlung, deren Kern der Festvortrag des 'Herrn Schulrates i.R. Schmuck über die Geschichte des hessischen Schulturnens war. Aus dem Vortrag ist ersichtlich, daß, nach einer Vorperiode seit dem Schuledikt von 1822, seit 1848, und zwar seit dem fortschrittlichen Ministerium von Gagern der Turn- unterricht in den Schulen organisch entwickelt wor- den ist. Diese Feier des Hessischen Leyrerturnvereins bildet die Einleitung zu den kommenden Verhandlungen über die Ausbildung der Turnlehrer, die eine notwendige Ergänzung zu der Organisation des Turnens in den Schulen bildet. Die eigentliche Grundfrage ist in der Anwesenheit des Herrn Direktors Edmund Neuendorff von der Preußischen Hochschule für Leibesübungen angedeutet und zum Teil von ihm ausgesprochen worden. Nachdem der große Staat Preußen aus feiner Turnlehranstalt in Spandau eine preußische Hochschule für Leibesübungen gemacht hat, handelt es sich wesentlich um die Frage, rote der Turnlehrerausbildung im Gliedstaat Hessen ebenfalls wie in Preußen ein Hochschulcharakter gegeben werden kann. Eine Umwandlung der jetzt bestehenden Einrichtung in Hessen nach preußischem Muster in eine Hochschule für Leibesübungen ist bei den kleineren Verhältnissen unseres Staates, der schon zwei Hochschulen hat, ausgeschlossen. Es handelt sich daher praktisch nur um die Frage, in welcher Weise die vorhandenen beiden Hochschulen für die Turnlehrerausbildung verwendet werden können. Dabei muß man entsprechend den Verhandlungen im Lehrerturnverein die Ausbildung im überlieferten Schulturnen, besonders im Geräteturnen, neben den anderen Formen der Erziehung durchaus beachten. In dieser Beziehung sind gerade die Ausführungen des Herrn Direktors Neuendorff höchst Inter- essant. Es wird nun seit Jahrzehnten bei der Ausbildung der verschiedenen Arten von Leibesübungen vielfach der Fehler gemacht, daß einzelne Teile dieser Er- ziehung von dogmatischen Anhängern zu scharf betont und in Gegensatz zu anderen Arten der körper- lichen Ausbildung gebracht werden. In der Schrift über die körperliche Erziehung der deutschen Stu- devtenschaft 1916 habe ich mich gegen solche Einseitigkeiten auch in der Erziehung der Studentenschaft ausdrücklich ausgesprochen. Entsprechend meiner persönlichen Vorgeschichte — ich war lange Zeit eifriger Geräte-, besonders Reckturner — habe ich z. B. 1910 auf dem damals angelegten Platz für Leichtathletik an dem akademischen Turnplatz in Gießen alsbald für gute Turngeräte aesorat. Auch ist schon 1921, also vor der Inflationszeit, wesentlich auf mein Betreiben der Bau einer Turnhalle auf dem akademischen Turnplatz in Gießen leider ohne Erfolg beantragt worden. Es geht daraus hervor, daß neben der Fürsorge für die neu aufkommenden Formen der Leibes- Übungen, wenigstens der Absicht nach, das Turnen nicht vernachlässigt worden ist. Die in manchen Kreisen verbreitete Vorstellung, als ob sich die Entwicklung der Leibesübungen an den Universitäten zu sehr von dem überlieferten Schulturnen entfernt hatte, trifft deshalb mindestens für die Universität Gießen nicht zu. Für den bisherigen Mangel an Mitteln für solche Zwecke kann man die Hochschulen nicht verantwortlich machen. An der Universität Gießen sind bisher zwei, die Organisation und Examina betreffenden Einrichtungen vorhanden, nämlich 1. die dem Oberlehrerexamen eingegliederten Fakultata als Turnlehrer in Form eines Zusatzfaches bei der Abschlußprüfung. Dieser Teil der Sache ist also geregelt. 2. Ein mit Wissen des Landesamtes für das Bildungswesen eingerichtetes Turnlehrerexamen, das jedoch bisher staatlich keine Gültigkeit hat. Wer dieses Examen an der Universität Gießen ablegte, mußte darauf noch einen Turnlehrkursus in Darmstadt mitmachen und von neuem geprüft werden. Hierin liegt ein offenbarer Organisationsfehler, der beseitigt werden muß. Das Examen für Turnlehrer an der Universität muß so gestaltet werden, daß es die staatliche Anerkennung erhält. Der eigentliche Grund für den jetzigen unzureichenden Zustand hat m. E. in dem oben berühr- ten Punkte des überlieferten Schulturnens, besonders des Geräteturnens, gelegen, weil der Staat eine besondere Ausbildung in diesem für notwendig hält und daher das Examen für Turnlehrer in der Hand behalten wollte. Soll nun aber die ganze Turn- lehrerausbildung entsprechend dem Vorangehen von Preußen Hochschulcharakter annehmen, so muß man m. E. das jetzt schon an der Universität eingeführte Examen im Sinne eines vollgültigen Staatsexamens entwickeln. Dies faftn m. E., wenn das Geräteturnen festgehalten werden soll, dadurch geschehen, daß der Staat als Vorbildung dieses Examens den Besuch von einem oder mehreren Kursen bei einem von dem Staat zu bestimmenden Turnlehrer, der sich speziell mit dem Schulturnen beschäftigt hat, fordert, und diesen als Mitexaminator in der betreffenden Prüfungskommission bestellt. Mit dieser einen Ergänzung wären die vorhandenen Einrichtungen schon jetzt ausreichend, um das Staatsexamen als Turnlehrer auch für Dolksschullehrer an der Universität Gießen abbatten zu lassen. Die vergleichende Uebersicht der Vorlesungen z. B. im Sommersemester 1925 zeigt, daß praktische und theoretische Kurse über dieses Gebiet an der Universität in beträchtlicher Zahl gehalten werden. Ich nenne Prof. Roller: Geschichte der Leibesübungen bis Jahn, und Pädagogik der Leibesübungen: Dr. Werner: Geschichte der körperlichen Erziehung seit Iahn, ferner von demselben: Methodik und Organisation der Leibesübungen, Einführung in die Probleme der körperlichen Erziehung und Theorie der Gymnastik, svdann Prof. Brüning: Anatomie für Turnlehrer, ferner: Kursus der Körperuntersuchung und Körpermessung unter Zusammenwirken mehrerer Dozenten und Assistenten der betreffenden Institute, sodann Pros. Huntemüller: Iugendpflege und Iugendfürsorge,Vererbung und Dererbungshhgiene, die Aufgabe der Vererbungshygiene in der Bevölkerungspolitik, Anleitung zu wissenschaftlichen Arbeiten: Schultze: Hautpflege und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Schließlich erwähne ich die von mir seit Iahren gelesene Psychophysik der Leibesübungen als Teil des Kollegs für experimentelle Psychologie. Letztere Richtung ist neuerdings auf der in meiner Schrift über die Hrper- liche Erziehung der deutschen Studentenschaft gegebenen Grundlage In dem Buch über Leist ungs- und Eignungsprüfungen im Sport von dem Dozenten der beiden Hochschulen für Leibesübungen in Berlin und Spandau, Herrn Dr. R. W. Schulte, wettergebildet worden. Dazu kommt im Lehrplan der Universität die praktische Ausbildung für Turnlehrer und Turnlehrerinnen in Gymnastik,Geräteturnen,Spielen und Schwimmen. Der akademische Turnplatz wird nach einem bestimmten Plan weiter ausgebaut und hat sich für diese Zwecke vielfach bewährt. Das Baden und Schwimmen ist von dem Ausschuß für Leibesübungen dadurch sehr gefördert worden, daß die Eintrittsgelder der Studenten im Volksbad und im Lahnbad aus den Beiträgen der Studentenschaft bezahlt werden. Es sind also an der Landesuniversität schon jetzt im wesentlichen alle Voraussetzungen für die allgemeine Turnlehrerausbildung vorhanden. Besonderen Anforderungen der Staatsregierung in bezug auf Geräteturnen kann in obiger Weise durch ergänzende Kurse leicht entsprochen werden. Ob und wie weit außer der Beteiligung der Universität auch die technische Hochschule an der Ausbildung von Turnlehrern mit einem staatlich gültigen Abschlußexamen beteiligt werden soll, mutz ein Gegenstand weiterer Prüfung sein. Zunächst ist zu betonen, daß an der Landesuniversität die Voraussetzungen gegeben sind, um der Turnlehrerausbildung den von den beteiligten Kreisen geforderten Hochschulcharakter zu geben. Die Butzbach - Sicher Eisenbahn Aus einem Dorfe an der Strecke Lich— Grünberg wird uns geschrieben: Die Auslassungen im „Gießener Anzeiger" Ar. 233 vom 5. Oktober zeigen, daß die Betriebsleitung der Butzbach—Sicher Eisenbahn sich getäuscht hat, wenn sie glaubte, einen einmütigen Wunsch der Gemeinden nicht berücksichtigen zu wollen. Der Beschluß, daß keine Verschlechterung des Zugverkehrs auf der Strecke mit dem neuen Winterfahrplan eintreten dürfe, war der Bahnleitung bekannt. Run ist ja auf der Teilstrecke Lich—Grün berg sogar gegen den bisherigen Zustand eine Verbesserung dadurch eingetreten, daß vom 4. 0k- tober ab ein zweites Sonntagszugpaar verkehrt. Das ist gewiß prinzipiell ein Fortschritt. Daß damit aber ein haltbarer Zustand erreicht sei, durch den ein nicht in jedem Halbjahr Veränderungen unterliegender Fahrplan entstehe, glaubt die Bahnleitung wohl selber nicht, denn r to c Sonntagszug liegt sehr ungünstig. Das war auch der Grund, warum er m öer ganzen Zeit, in der er schon lief, so schlecht benutzt wurde. Er nahm die Anschlüsse von der Reichsbahn nicht mit, so daß er zur geunfebr von Gießen ufw. nicht in Betracht kam. @r konnte höchstens dem lokalen Nahverkehr nach Grunberg dienen, für den — gerade an Sonn- ta9^m ”7 "ich* bas Interesse vorliegt, wie es 9J1 vorhanden ist, wo die Ilmgegend in Grünberg erledigen kann. Deshalb war die Zahl der Mttfahrenden so gering. 05 « zweifellos anders werden, wenn der zweite Sonntagszug erst später abends läuft, so daß er die Züge, die kurz nach 7 Uhr und ku» nach l/,8 Uhr abends von Gießen bezw. Gelnhausen in Lich einlaufen, aufnimmt. Dann können die Reisenden, die mit dem ersten Zug fortfuhren auch wieder mit der Bahn heim- kehren. Ebenso können auch Fremde, die unsere Gegend aufsuchen, die Eisenbahn wie an Werk- I tagen zur Hin- und Rückfahrt benutzen. Es ist also zu wünschen, daß dieser Zug nach dem Fahrplan des Werktagsabendzuges fährt. Es besteht die Aussicht, daß die am 22. Oktober stattfin. ende Generalversammlung diese berechtigten Wünsche — -nach der Konzessionsurkunde sind ja auch sonntäglich drei Zugpaare zu fahren — erfüllt. Sie wird auch gewiß ein Wort reden zu der Zugeinschränkung auf der südlichen Strecke (Lich—Butzbach bezw. Bad-Rauheim). Am meisten muß man dem Artikel im „Gießener Anzeiger" aber zustimmen in seiner Deschwerdeführung über die Art, w i e der Fahrplan eingeführt wurde. Es liegen ausdrückliche Abmachungen vor, daß die Gemeinden vor einer Fahrplanänderung gehört werden. Tatsächlich aber war am 1. Oktober selbst einer Hebergangsstation der am 4. Oktober zur Einführung gelangte Fahrplan nicht bekannt. Daß man da feine Zeit gehabt hat, auch noch vorher die Aufsichtsräte und die Gemeinden zu benachrichtigen, ist verständlich — aber es ist nicht richtig. Es ist falsch, mit dem Eifenbahnkoinmisfar in Frankfurt den Fahrplan zu verabreden und den Interessenten (den beteiligten Gemeinden) dann das vorzusetzen, was dort beschlossen wurde. Iedermann wird das heute als eine ganz unzeitgemäße Behandlung des Volkes ansehen, ganz zu schweigen davon, daß die verbrieften Rechte der hessischen Regierung sehr wenig beachtet werden. Die Bahnleitung kann auch nicht sagen, daß ihr nicht bei Zeiten erklärt worden wäre, daß ein solches Verhalten zu Einstimmigkeiten führen und der Bevölkerung eine nicht zu ertragende Geduldsprobe auferlegen müsse. Wenn es daher der Fall war, daß selbst die Bahnverwaltung erst am Sonntag die Genehmigung ihres Fahrplanentwurfes in Händen hatte, so liegt die Schuld eben daran, daß man nicht den rechten Weg ging, und vor allen Dingen auch daran, daß man ihn nicht beizeiten ging. Dadurch ist wieder viel unnötige 3 Mißtrauen gegen Betriebsführung und Bahnleitung in den Gemeinden entstanden, was bei loyaler Achtung der geschlossenen Verträge nicht gewesen wäre. Es wäre zu wünschen, daß die Bahnleitung schon vor dem 2 2. Oktober Wege fände zur Beseitigung der mit Recht beklagten Mißstände. Buntes Allerlei. Wo der Elch häuft. Als letztes lebendes Denkmal von der Urkraft des deutschen Waldes aus grauer Vorzeit lebt der Elch noch in dem ostpreuhifchen Ibenhorst-Revier, da, wo sich die Mündungsarme des deutschen Memel- stromes mit dem Kurischen Haff vermählen. Majestätisch trägt dieser Riese das gewaltige Haupt, das bei dem männlichen Tiere mit mächtigen vielendigen Schaufeln gekrönt ist. Ein kräftiger Bart schmückt den Hals und gibt dem Elch ein würdiges Aussehen. Schwarzbraun wie die Moorerde ist fein Gewand und aus starken Hufen, die in der Jägersprache Schalen genannt werden, ruhen die mächtigen weih geschmückten Läufe. Wohl als einziges unter den übrigen Hirscharten zeigt das Elchkalb schon in frühester Jugend ein einfarbiges Kleid, geziert durden Aalstrich, der jedoch mit der ersten Behaarung für immer abgelegt wird. Gar häufig ist schon das erste Geweih als Sechfendengeweih ausgebildet, um sich bann nach Abwurf zu jenen herrlichen Schaufeln zu entwickeln. Vergeblich wird der Raturfreund im Frühsommer trotz peinigender Mückenschwärme den Ibenhorster Forst durchstteifen: er wird trotz eifrigsten Suchens selten das königliche Wild entdecken, das sich in dieser Zeitz im Grlenbusch versteckt hält. Wenn aber im Herbst die Rebel auf den feuchten Wiesen brauen, wenn die Heidebauern an ihren offenen Lagerfeuern dort ihr karges Abendessen kochen, dann verläßt der Elch den sumpfigen Erlenwald und furchtlos, in Rudeln zu drei und vier, überwindet er dank seiner großen Schalen das sumpfige Ufer des Flußes, um dann als geübter Schwimmer den Wiesen des anderen Users zuzustreben. Es gibt wohl kaum ein herrlicheres Bild, als wenn dieser Riese in seiner würdigen Art aus dem Wasser steigt, den gewaltigen Leib nach dem kühlen Bade kraftvoll schüttelt und langsamen Schrittes durch den Rebel schreitet. Im September geht der Elch- hirsch auf die Freite, und dann finden wilde Kämpfe zwischen den jungen Hirschen und den grimmigen alten Gablern statt, wobei der junge Hirsch des öfteren dem unerbittlichen älteren Rebenbuhler erliegt. Auf diese Weise gehen manche Hirsche zugrunde: auch stellen ihnen im Winter bei Glatteis dje Wilddiebe auf schnellen Schlittschuhen nach, um sie geräuschlos mit ihren Spießen zu ermorden und auf kleinen Schlitten fortzuschaffen. Andere Feinde dieses Wildes sind die Rachenbremse und der Milzbrand. So kam es, daß der ostpreußische Glchbestand, der zur Zeit Kants noch die Wälder um Königsberg erfüllte, 1848 durch planloses Morden auf 11 Tiere zufammengeschrumpst war. Dank der liebevollen Pi lege ostpreußischer Waidmänner ist das feltene Wild heute wieder auf etwa 800 Stück angewachsen und in 10 Landkreisen der Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen anzutreffen, wenngleich starke Hirsche freilich immer seltener werden. Ultraviolette Strahlen. Von ultravioletten Strahlen ist jetzt viel die Rede. Was bedeuten sie? Zeder kennt den Regenbogen und das durch ein Prisma entstehende »Spektrum" mit seinen sieben Farben von Rot bis Violett. Das weiße Sonnenlicht besteht nämlich aus verschiedenen Strahlen von verschiedener „Wellenlänge", das Glas des Prismas „bricht" dieselben verschieden und zerlegt dadurch das weiße Licht in feine verschiedenen Strahlen, von denen die vom Rot bis zum Violett dem Auge wahrnehmbar sind. Run gibt es aber auch diesseits vom Rot und jenseits vom Violett noch Strahlen, jene sind die Wärmestrahlen, diese aber werden ultraviolette Strahlen genannt. Während wir die Wärmestrahlen mit der Haut wahrnehmen, haben wir für die ultravioletten kein Organ. Sie sind vor allem chemisch wirksam. So verwandeln sie den Sauerstoff in seine chemisch aktivere Form Ozon und bleichen daher Farben. Manche Gase vereinigen sich unter ihrem Einfluß besonders leicht, ja, mit Explosion (z. B. Wafferstoff und Chlor). Im Selen bewirken sie eine geringere elektrische Leitungsfähigkeit, worauf die ^^Photographie beruht. Außer manchen anderen Wirkungen ist vor allem noch die zu betonen, daß die ultravioletten Strahlen Bakterien töten. Man verwendet sie daher zur Heilzwecken, z. V. gegen Suberfulofe und Hautkrankheiten (Lupusl, sowie zur Stenllsierung des Trinkwaffers. Die Haut wird bet längerer ultravioletter Bestrahlung entzündet worauf der .Gletscherbrand" beruht: Denn in den höheren Luftschichten auf hohen Bergen ist die ultraviolette Strahlung der Sonne stärker, weil st» hier von der Luft weniger absorbiert (aufgesogen) wird. Die dunkelere Hautfarbe in starksonnigen Gegenden ist ein Schuh gegen diese Wirkung der ultravioletten Strahlen. Einen Ersah für diese Strahlen der Sonne bietet die Ouecksilberlampe, die daher 1 auch künstliche Höhensonne genannt wird. Dt. (Ein Bubikoysprozeft. Der Bubikopf einer jungen Frau hat kürzlich in Amerika zu einem seltsamen Prozeß und zu einem noch seltsameren Urteil Anlaß gegeben. In Denver war eine junge Frau zu einem Friseur gekommen, um sich einen Bubikopf schneiden zu lassen. Als sie sich nach Beendigung der Prozedur im Spiegel beschaute, fiel sie mit heftigen Worten über den armen Figaro her. den sie beschuldigte, ihr die Haare zu kurz geschnitten und sie damit der Lächerlichkeit preisgegeben zu haben. Der Friseur versuchte vergebens sich zu rechtfertigen. Die Dame rannte aus dem Laden und strengte einen Prozeß an, den sie gewann. Der arme Kerl wurde wegen fahrläffiger Körperverletzung zu der Strafe von 400 Do^ar verurteilt, die der Klägerin als Schmerzensgeld zugesprochen wurden. Der Friseur protestierte natürlich heftig gegen die unerhört hochbemessene Strafe, aber der Richter schnitt seine Einwendungen mit den strengen Worten ab: „Leider konnte ich Ihnen keine härtere Strafe auferlegen, weil mir das Gesetz dazu keine Handhabe gibt. Ihre Tätigkeit als Friseur unterliegt meinem Urteil nicht. Ich sehe aber geradezu ein Verbrechen"^ der Tatsache, daß Eie unter Ausnützung einer vorübergehenden Rarretei, der man den Ramen Mode gibt, eines der schönsten Geschenke der Ratur verunglimpft und zerstört haben. Denn das Frauenhaar ist in meinen Augen eine der herrlichsten Schöpfungen, die Gott hervorgebracht hat." Worauf der so schwer hereingefallene Figaro, durchdrungen von dem Bewußtsein seiner Verworfenheit, zerknirscht das Weit« suchte. Wirtschaft. Der Anilinlrust. Die chemische Industrie gehört mit der elektrotechnischen zu den f»genannten wissenschaftlichen Industrien, die der deutschen Wirtschaft vor dem Kriege eine überlegene Stellung auf den Auslandsmärkten schufen. Welche Bedeutung die chemische Industrie allein für den deutschen Außenhandel hatte, geht beispielsweise daraus hervor, daß im Iahre 1913 die Ausfuhr von Farben und anderen chemischen Erzeugnissen einen Wert von 775 Millionen Reichsmark Gegenwartswerte ausmachte. Das waren immerhin 7,6 vom Hundert der Gesamtausfuhr, also an sich nicht übermäßig viel, aber darum doch überragend, weil der deutsche Wettbewerb auf dem Gebiet der chemischen Industrie nicht zu schlagen war und wohl auch nicht zu schlagen ist. Denn in den Iahren 1923'24, von denen 1924 wieder leidlich geordnete Handelsbeziehungen mit dem Ausland brachte, konnte der Ausfuhrwert der chemischen Erzeugnisse auf 485 und auf 500 Millionen Mark gesteigert werden. Im Verhältnis zum allgemeinen Rückgang der deutschen Ausfuhr bedeutet das immerhin noch einen Anteil von acht vom Hundert an der Gesamtausfuhr. Für 1925 hat sich eine weitere beträchtliche Steigerung ergeben, denn im ersten Halbjahr sind bereits für 395 Millionen Mark chemische Erzeugnisse ausgeführt worden, so daß sich für das ganze Iahr eine Gesamt«usfuhr von fast 790 Millionen Mark ergeben dürste, die die der Vorkriegszeit sogar übersteigt. Es ist der deutschen chemischen Industrie gelungen, die verlorenen Absatzmärkte nach erbitterten Kämpfen zum Teil wiederzugewinnen, sowie neue zu erobern. Weder England noch den Vereinigten Staaten ist es trotz der Wegnahme der deutschen Patente und Lizenzen möglich gewesen, eine der deutschen chemischen Industrie gleichwertige Industrie zu schaffen. Aller Voraussicht nach wird dies in Zukunft noch weniger möglich sein, da die deutsche Chemie auch nach dem Kriege nicht auf früheren Großtaten ausruhte, sondern unermüdlich weiter gearbeitet hat und weiter arbeiten wird. WaS das Ausland nicht nachmachen kann, das ist dis wissenschaftliche Erfahrung und die technische Schulung der deutschen chemischen Industrie, die als solche wieder in den großen führenden Werken gipfeln, die ursprünglich getrennt, schließlich vereint die ungeheure und beispiellose Kraft ihrer Gesamtorganisation einzusetzen haben. Es ist llar, daß veränderte Verhältnisse auf den Auslandsmärkten auf die deutsche Industrie zurückwirken muhten. Verschärfter Wettbewerb^ auf der einen Seite hat dazu geführt, die Leistungsfähigkeit dex deutschen Werke nachzuprüfen. Da sie in der Hauptsache gleichwertige oder doch gleichgeartete Erzeugnisse Herstellen, ergab sich von selbst eine Verdichtung des Produktionsprozesses, der sich nach außen in der Abstoßung und »Ausscheidung aller irgendwie überflüssigen Zwischenglieder ausdrückt. Wenn es gelingt, durch die Verdichtung des .Produktionsprozesses die Herstellungskosten so zu senken, daß sie jeden Wettbewerb schlagen, bann ist für absehbare Zeit aufs neue die überlegene Stellung der deutschen chemischen Industrie begründet worden. Die fünf führenden Werke der deutschen chemischen Industrie, die mit ihren Reserven über ein Kapital von 800 Millionen Mark verfügen, erreichen durch den organisatorischen Zusammenschluß die höchstmöglichste Ausnutzung ihrer gesamten Betriebsmittel. Die wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Vorganges liegt darin, daß er offen zeigt, daß Deutschland die Sonnen für den wirt- Zollamtliche Bekanntmachung. Wcinstcner. Nach den Bestimmungen deS neuen Wetnsteuerge fetzes sind vom 1. Sembr. ab die Slnmelbmincu für den im Mona: verlausten Mein bi 6 zum 15. des nächsten Monats in bovvelter Ausfertigung bet der ziiständigew Zollstelle ein- ziireichen. Bei der Ausstellung der Anmeldungen ist zu beachte-, daß die Trallbeniveine nach Lage und Jahrgang genau bezeichnet werden und die Preise ohne Weinsteuer, ohne städtische Getränke- steuer und ohne RedtenungSzuschlag anzugeben lind. Die Steuersätze betragen bet Wein, Avselwetn 150/" bei Tranbenfchaummetn 22V-o- und ist die Steuer bis zum 15. des dritten Monat-, der auf den Monat folgt, in dem der Ber- kauf stattfand, zu entrichten (z. B. Steuer für Sep- temberverkauf spätestens am 15. Dezember 19251. „ cmc Ausfertigung der Anmeldung gibt die Zollstelle, nevrüft und mit Zahlungsaufforderung versehen, dem Steuerpflichtigen wieder zurück. der sie als Beleg dem We,nsteuerbuche beizu« schließen hat. Wettere Auskunft erteilen die Zolldienststelle« und Zollaufsichtsbeamten. Gießen, den 5. Oktober 1926. Hauptzollamt, 93860 :°%s imU6Ken'^S*,u,n i« 1 °us dem'N? rech,, L?Ü?örperbers?^arm, Qt verurteilt xct ^Un9 au ^^9nto^t6en-®«t teS'tÄ S.ZZS rrK-r Motor hä?’** gift 6at‘CfÄ*. nr*bt«w to 9S8SD *L 19» S°-» Schaft, ilintruft. Hr!e geW, mil »genannten wissenlchaft, £ deutschen DirisW ferfegene Stellung^ Mtt. Welche Mutunfl für den deutsch«! lÄÄifc öürauÄ 22 J» Ausfuhr non <%9® Zeugnissen 5 »mim Reichsmark v J0 toaren immer- »er Wamtausfuhr, also ig viel, aber darum doch deutsche Deltbewerb auf l'chen Industrie nicht zu auch nicht zu schlagen ist. 1923 24. von denen 1924 e Handelsbezichungen mit konnte der Ausfuhrwert puffe auf 485 und auf rsteigert werden. Im M m RückMg der deutschen immerhin noch einen An- nbert an der TesamtauZ- > eine weitere beträchtliche m tot ersten Halbjahr sind nen Hart chemische Er- ttien, so M HÜ für daS ntaussuhr ton fast 750 . dürfte, die die bet Nötigt. Es ist der deutschen jungen, die verlorenen terten Kämpfen jum Teil .e neue zu erobern. Weder creinigten Staaten isi eS >?r deutschen Patente und esen. eine der deutschen gleichwertige Industrie zu Glicht nach wird dies in nöglich sein, da die deutsche Kriege nicht auf früheren andern unermüdlich toita »eiter arbeiten toirb. W chmachen kam. dÄ ist me irung und die technische ! chemischen 3nMnUie >n großen W*/®?: SÄ?* auf die deutsche Industrst ^rschärster SSftÄ 'M Ä ?eraSA dann Put chen ene » fünf -gründet v»rden. d-ul^Leto^ital Nerven über ■;^en C.,er gesamten W iWD- lonat t°'L eieu(,rJ ,9*51 tt)i — — 0,265 0,27 0,430 0,455 — 0,455 — — 0.135 0,1325 0.27 4.2575 0,25 - — 0,26 0,26 - — 0,26 0.26 — 0,23 0,24 91.25 90.25 91.75 95.6 95 6 95.6 95,8 — 7.4 7.13 7.25 — — — 122 5 124* 123* 94,25* !>4' 114.75* 94,5 103 103 103.1* 103,5* 103 103 103,5* 103,5* 6X 70 - 100.7.5 101.2* 101,11 <8,75 77.5 9-2 92 92 25* 92* 7.5 7.25 7 7,25 0.028 0.0285 0 025 59,25 — 63 5* 63.75* 42 42 41,75* 42,25 38 38.5 62* 64.25* 64.25* 63.62* 68 65.75 67,25* 66,4* 96 96 97.25* 97,5* 113 110.5 111,5 111,5 116,5 116 17,3 17,1 33.75 33,25 34 35.5 44 42 — 1 - 67,5 67,25 68.75* 68* 53,5 — ’ 53.13* 53,5* <0.5 71.6 72 54 51 — — 57 57 57,5' 57.25* 63,75 63 64,25* 63,9* — ■■ 67,5 67 — 53.5 52,1 52,13 52 — — 90,1 89,75 116,5 117 116 H7,5 —■ — — — 66 25 65,5 66 75 67,25 115.62 115 115 115 115.75 115 114,25 114,5 54 51,5 — VA.5 6t 61,62 61,25 90,1 90 40 90.75* 91' 90,75* 70.5 70,5 70,75 70,5 73,25 73 — — 59* 58.5 59* 58,75' *2 73 73.25* 72,75' 34,5 34 35,6 34,6 — 34 34,5 34 26,5 26 — - 34 34 34 35 — —• — 0,3 0,3 — — 97.5 96.75 — 60 59,5 54 58 20,25 26 — 4,05 4 4 1,25 79 78,75 <8,75 78 57,75 56,1 57 57 54.1 54,25 54,25 54.13 Stanlfurlet Abenddörse.' Frankfurt a. M., 7. Oft. Die Abendbörse zeigte bei völlig stillem Geschäft eine lustlose Haltung. Die Kurse bewegten sich auf dem Riveau der heutigen Mittags- bezw. Rachböcse. Einiges Geschäft entwickelte sich am Anleihemarkt, wo die Rachrichten aus Locarno besonders für Schuhgebietsanleihe eine feste Haltung auslösten. Die Abendbörse schloß bei ruhiger Haltung ohne Geschäft. Deutsche Anleihen: öprozentige Reichsanleihe 0,217*/;, 4prozentige Schutzgebiete 5,40. Ausländische Anleihen: 4prozentige Zolltürken 740, 4prozentige Llngarische Goldrente 10,20. Bankaktien: Commerzbank 94 (Medio 94), Darmstädter Ban! 103, Deutsche Bank 103, Deutsche Vereinsbank 70, Dresdner Bank 100, Mitteldeutsche Kreditbank 92, Reichsbank 132,25, Oefter» reichische Creditaktien 7,25. Bergwerksaktien: Buderus 42, Kali Aschersleben 110,5. Industrie- oktien Badische Anilin 117, Chemische Griesheim 115, Dyckerhoff & Widmann 32, Fuchs Waggon 0,48, Goldschmidt 65,5, 3nag 0,40, Iunghans 55, Lahmeyer 73,5, Lechwerke 68. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. .634 59,20 12.42 7,42) 5,872 3,055 21,175 80,50 2,445 6 04 4.197 4.19 D< 189,01 1.714 18.85 82,50 101,18 112. xi 10,595 16,91 20,359 4,2-15 19,43 Kl ,05 60,58 1,721 0.636 59,34 12.46 7,445 ■1,892 1.065 -0,225 80.70 2.455 6 11 1.207 4.20 m f n 0 t e 168,59 1.721 IK.82 83,40 101,17 112.56 10 555 16.83 20,311 4.195 19,40 K0 87 60,30 1,717 0 627 59,17 12,42 7,43 6,872 3,045 41 225 80 55 2,405 6 09 4,195 4.205 n. 169,01 1.725 18,86 83.60 101,> 112,84 10,659 16.87 20,361 4,205 19,41 81,07 60,46 1,721 1.629 59,31 12,41 7,4> 5,8'2 3,055 8I,27.> 80.75 2,415 6.11 4,207 1.215 Berlin. 7. Cltbr. Geld Brief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten ...... Däniiche Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten...... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Demsch-Lesterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . ... 4.18 18,77 100.90 20.276 19,42 168.20 16,86 59.00 112,24 80,61 >0,20 12.38 5.825 4,20 18,87 101,40 ■20,376 19,52 169,04 16,94 59,30 112,80 81,05 >0,50 12,44 5,865 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 7. Okt. Nachdem das Deckungsbedürfnis, das sich gestern infolge Beilegung der Stumm» Angelegenheit bemerkbar gemacht hatte, befriedigt war, tarnen heute die weniger günstigen Meldungen aus der Industrie mehr zur Geltung. Dies sind in erster Linie Verlautbarungen über eine Verschlechterung der Lage im Ruhrbergbau. Der Abschluß des russischen 1 0 0 - M i l l i 0 n e n * K r e d i t e s wurde vielfach erörtert. Wenn auch auf der einen Seite hiervon eine Belebung des Exportes erwartet wird, so ist man vielfach darüber verwundert, daß, während in Deutschland große Konzerne bei verhältnismäßig geringen Schwierigkeiten ins Schwanken geraten, die Banken in der Lage sind, ein derartiges Finanzabkommen zu treffen. Der Reichsbankausweis, der eine Erweiterung des Gesamtnotenumlaufes von 600 Millionen zu Ende September bekanntgibt, fand keine besondere Beachtung, da diese Erweiterung einigermaßen sich in dem Rahmen der Anspannung zu den Vierteljahresschlüssen hält. Am M 0 n t a n m a r 11 betrugen die Einbußen I bis 2 Proz. Schiffahrtswerte lagen nur gering unter den gestrigen Kursen. Banken- und Elek - tr o werte waren wenig verändert. AEG. waren auf das Projekt mit dem russischen Elektrizitätskonzern gut gehalten. Am Rente n m a r k t kam ziemlich viel Material heraus. Kriegsanleihe 0,212*. Schutzgebietsanleihen waren leicht befestigt. Der Geldmarkt zeigte eine weitere kleine Erleichterung. Tägliches Geld 9—11 Prozent, Monatsgeld nominell 91 bis 111 Proz. Im Devisenverkehr lagen nordische Werte etwas fester. Paris war dagegen weiter abgeschwächt auf 105,30 gegen London. London gegen Kabel 4,8415. Die Reichsmark notierte in London 20,33, Amsterdam 59.24, Zürich 123,45. Berliner Produktenbörse. Berlin, 7. Oft. Der Produltenmarkt axir infolge der weiter steigenden ausländischen Preise ebenfalls fest. Das Inlandsangebot hat sich nicht wesentlich erhöht. Es notierten pro Tonne: Weizen (märf.) 211 bis 214, Weizen (Oktober) 231, Weizen (Dezember) 233 bis 234,50, Weizen (März 238, Roggen (märf.) 152 bis 155, Roggen (Oktober) 170, Roggen (Dezember) 176 bis 175.50, Roggen (März) 184 bis 183,50 bis 185,50, Gerste (märf.) 210 bis 233, Futtergerste 170 bis 175, Hafer (märf.) 183 bis 191, Hafer (westpreuh.) 175 bis 182, Hafer (März) 193; pro Doppelzentner: Weizenmehl 27,50 bis 31,50, Roggenmehl 22 bis 24,50, Weizenfleie 10,25 bis 10,50, Roggen- fleie 8,90 bis 9, Viftoriaerbsen 26 bis 31, kleine Speiseerösen 26 bis 28, Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 22 bis 25, Rapskuchen 14,50, Leinfuchen 21,30 bis 21,60, Trockenschnihel 10 bis 10,25, Torfmelasse 8,50, Kartoffelflocken 14,80 bis 15,20, Zucker 20 bis 20,20. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 7. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23 bis 23,25, Roggen, inländ. 17,50, Sommergerste für Drauzwecke 25 bis 26, Hafer, inländ. 19,50 bis 21. Mais, gelb 19,75 bis 20, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 37,25 bis 37,50, Roggemnehl 25 bis 26,50, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10,50. Tendenz fest. Frankfurter pferdemarkt. fpb. Frankfurt a. M., 7. Oft. Auf dem heutigen Pferdemarkt war die Landbevölkerung weniger als sonst vertreten, da das günstige fjerbftroetter zu Erntearbeiten ausgenutzt wird. Deshalb war der Geschäftsverlauf ruhiger und die Umsätze geringer. Es waren etwa 500 Tiere aufgeboten. Gesucht waren Schlachtpferde, die etwas im Preis stiegen. Nutz* pferde bewegten sich zwischen 1000 und 2000 Mark für leichte, mittlere und schwere Pferde. Büchertisch. - Die Rümmer 4202 der Illustrierten Zeitung (Verlag 2. I. Weber, Leipzig) schildert in einem instruktiven Artikel, wie Polen bestrebt ist, besonders über Danzig, Memel und die Häfen der Randstaatengebiete zur Ostsee vorzudringen. An weiteren Beiträgen seien hervorgehoben: „Amerikanische Lunchstunde" von Dr. Ernst Rose. Reuhork, mit Zeichnungen. „Deutsches Steingut um 1800“ von Pros. Dr. Hermann Schmitz mit Abbildungen, .Deutsche Siedlungen in Süd-Brasien" mit Abbildungen und der gleichfalls illustrierte Artikel „Grenzburgen in Rieder- -öfterreief)“ von A. Riehner. Für die Frauenwelt bringt das Heft die neuesten Hutmoden. — Das Buch vom Radio-Club. Ein Bild seiner Arbeit in den Jahren 1923 z25. Herausgegeben vom Südwestdeutschen Radioelub Frankfurt a. M. Ein Stück Geschichte spiegelt sich in diesen 64 Seiten mit interessanten Abbildungen, Geschichte aus jüngster Zeit hoher technischer Entwicklung die wir alle mit Begeisterung miterlebt haben Wie wichtig und mit- bestimmend war doch die Tätigkeit Der Radio- klubs, und wieviel wichtiger wird sie in der kommenden Zeit ruhiger Weiterentwicklung für das ganze deutsche Radiowesen werden? Das Bändchen steht jedem Interessenten kostenlos zur Verfügung. 535 — Das Oktoberheft der „Zeitwende" Verlag C. H. Beck, München, eröffnet das Wintervierteljahr mit einem sorgsam zusammengestellten, mannigfaltigen Inhalt. Lieber Wohnungsnot und Großstadtelend schreibt Dr. Hel- muth Schreiner und zeigt uns aus reichster Erfahrung heraus ein erschütterndes, das Gewissen aufrüttelndes Gemälde der verhängnisvollen Verkettung von Wohnungsnot, Krankheit und sittlicher Verkommenheit in unseren Großstädten. Lieber deutsche Kultureinflüsse in Japan spricht mit Sachkenntnis Dr. Paul Ostwalüd unter dem Leitgedanken, daß auch unsere Weltgeltung nicht mehr auf Macht, sondern einzig auf kultureller Leistung beruhe. Das Schicksal zweier großer Einzelner behandeln Dr. Alfred Bäumler, indem er das Phänomen Hans von Marees in seiner menschlichen Tiefe zu fassen sucht (4 Bilder sind dem Aufsätze beigegeben), und Tim Klein, der uns die Tragödie Thomas Münzers dramatisch vorführt. Von der Lyrik Carossas, Däublers und Trakls erhalten wir eine temperamentvolle Würdigung durch Martina Wied. — Mit einer stattlichen Reihe feiner Städtebilder trägt die I l l u st r i e r te Ze i t un g I. Z. seit langem der Pflege und Liebe zur Heimat im allgemeinen Rechnung, im besonderen weist sie in ihrer neuesten Rümmer auf das idyllisch gelegene Lahntal mit einer Serie heimeliger Bilder hin. Der bunte Teil der I. Z. erfreut sich diesmal eines großen Llmfanges. Hierzu gehören auch die ergötzlichen Aufnahmen vom Zirkus Krone. (Verlag Ringier & Co.. G. m. b. H-, Stuttgart.) — Mit vollen Segeln gehen Wester- manns Monatshefte in ihren 70. Jahrgang. In Dingen des Geschmacks und des Urteils erfreut und erfrischt den Leser immer wieder die gleiche, über den Dingen stehende Sicherheit, die sich von den Torheiten modischer Launen sernhält, dabei aber dem Geist der Gegenwart nicht unzugänglich ist. Die besten Ramen sind unter den Mitarbeitern von Wester- manns Monatsheften vertreten. Im September- Heft beginnen gleichzeitig zwei Romane. Ein Deutschritterroman von Werner Jansen „Geier um Marienburg", in welchem Polens Kampf gegen die deutsche Ostmark fesselnden Ausdruck findet. Paul Steinmüllers Roman „Der Weg nach Heilisoe" spielt in der unmittelbaren Gegenwart und greift die Probleme unserer Zeit mit frischer Kraft und der Sicherheit des gereiften Menschen an. — Sizilienfahrt. Mit dem A.D.A.C. im Auto zur Targa- und Coppa Florio von August Christ. Export-Courier A.-G. Abt. Buchverlag. Frankfurt a. M. 10. Ein Buch, das den Leser in überaus lebendiger, fesselnder Darstellung über die vereisten Alpenpässe hinunter nach dem heißen Süden, fort bis zur fernen Insel Sizilien führt. Ein Stück interessanter Post- kutschenromanttk im Zeitalter des Motors. 507 — Alban Schnabel, „Der Liebesag 0 st e l" (Arthur Fischer-Verlag, Leipzig), eine Renaissance-Tragödie, in dem der Verfasser in dramatischer Form schildert, was Georges Eckhoud in seinem Werk „Les Libertins d’Anvers“ an Legenden und Geschichtlichem über Loink Prusting zu- fammengetragen hat, und was er selbst über diesen gütigen und liebenswürdigen Schwärmer in den Archiven von Antwerpen gefunden hat. 523 ??us dem AmLsr ?rküi:dignrrgsbl^ c. ' Das Amtsverkündigungsblatt Qi r. 7 9 vom 6. Oktober enthält: Straßensperre. — Die Oktobermiete. — Maul- und Klauenseuche in Lumda, Odenhausen und Treis a. d. Lda. — Einhalten der Tauben während der Saatzeit. — Ausführung der Polizeiverordnung über daS Vertilgen der Blutlaus. — Feldbereinigung Klein-Linden. Wassergenossenschast Lundorf in Gem. Steinbach. - Dienstnachrichten. bei Husten, Heiserkeit, Katarrh ^cJLmArv -tum* etixb/nrenn/ dem». LmKauf 2 Teller j^JWflGBPSUPPENl Ur. 2^ 6W »iWtö **te i«f-'9'.S W Sgl® Die 31 Konserv» London savnnlung vormittag m die Bcgrnb^ leitende DiSl Dort zu seine ta- Konservati £ Sichert reutschla" bundzueb, Jahren staM Mer Gevrtte H garantiert der Regierun, Sie erfülle ir der Pvüttk d die ganze Kommunls die Arbeitslos iurüd. Die b , bald ebenso ai und russischen des englischen sei unglaubli-i nie einen unb auch jede zurückweisen. Die Regie dauer nicht er venpensioi Häusern ernste ri'chtung des § Regierung ein was mit Bestie genommen toock des Oberha tigt und er hoss< Haus bald Wick Äunterbr Regier Mt Rücklicht a Rche zu betont Tatsache, bah ( Ausgaben schränkt had> fchung dieser Dc nicht die Rette Der Schatzkaiule bemühen, die Au zusehen. Leine ' verteidigte Bald daß von ihr dc ftanb und die < Schluh sagte er Parteiführer n nicht zögern, s jederzeit nieder^ Gesten Dien, 8. schuß des N rungsoorlagc b resolutionen an Ramek mit (t ebenso wie die Ziel vechlge, bi »es Vertrau "'"schastli retchs gewinn -EUgung überein "ach den Wün c trolle des Bölter mcht eintreten c ?ner3ift”n9 «is Österreich u r °"ndes erfolge Erfolgreichen habe. Die Ausl nunmehr erfoiqc, kompetenten Per ^>-ch. wenn bi »c>fe erfolge. . Der 2lbg. Bo te* . sssna nicht I ÄV ?;v# "an NKS Ä ■ ’M*! zum diensttuenden Beamten und zum Arzt geführt und gab die nötigen Auskünfte. Kurz und klar, ohne Umschweife. Der Arzt blickte erstaunt vom Journal auf. ..Sie scheinen in diesen Dingen nicht fremd zu sein, gnädiges Fräulein?" „Ich bin die Tochter eines Arztes und helfe ein wenig mit, so als Handlanger." Sie zögerte noch einen Augenblick und fuhr dann fort: „Mein Bater ist Leiter einer Heilanstalt in Rheinau am Rhein, eine Stunde unterhalb des Rheinfalls von Schafshausen. Ein Brief meines Verlobten hatte mich in Sorge verseht, und so fuhr ich her. Er ist Ingenieur und hat sich geistig, seelisch und körperlich an einer Arbeit, die er als sein Lebenswcrl betrachtet, aufgerieben." Der Arzt wurde zu Hanns gerufen. Ruth blieb allein. An den Scheiben des hohen Fensters liefen zierliche Perlenstriche entlang, es war Regen. Sie starrte daraufhin, bis sie die Augen schmerzten. Eine Schwester kam sie holen. Wie Blei wogen ihre Füße, als sie den kahlen Gang hinunterschritt. Und auf einmal schrie in ihr der Schmerz um den Geliebten laut auf, und ihre schöne Fassung brach haltlos auseinander. Es war mehr als die Angst, sie könnte ihn durch den Tod verlieren, mehr als grenzenloses Mitleid mit ihm, mehr als Liebe, was in ihr aufschrie, es war das ahnungsvolle Empfinden, daß sie nie besessen hatte, und daß er, lebend oder tot. ihr nie ganz gehören würde. „Ditte, hier, gnädige Frau!" Die Schwester wies auf eine der vielen Türen, ging selbst voran, öffnete und lieh Ruth eintreten. Der Arzt kam auf sie zu. „Rur einen Augenblick, Fräulein Engelhardt, nur den Versuch einer Verständigung mit dem Patienten, dann müssen wir ihn der Pflege überlassen." Das Zimmer war verdunkelt und verschwamm schattenhaft vor Ruths Blicken. Aber die eigentümliche, ihr vertraute Atmosphäre der Krankenstube wirkte beruhigend auf sie, und gefaßt trat sie an das Weiße Bett. ' Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Sie waren allein in der Taunusanlage, Die rings ihre leeren schwarzen Bäume reckte. Hanns Ingold nahm den Hut ab und tastete nach der Stirn. Es war ihm, als wäre irgendwo eine Verspannung seiner Hirnnerven gerissen. Seltsam kältende Helle stürzte durch seine Augen ins Innere, hintenüber zog ihn diese furchtbare Fülle einströmenden Lichts, der ganze milchig opalisierende Himmel war's, der sich in sein Herz entleerte und ihm das Bewußtsein wegschwemmte. „Hanns! Hanns!" Wie weit weg war ihre Stimme! Das Werk, die Broschüre, der Rhein! Mit einem letzten trotzigen Aufbäumen brach er in ihren Armen zusammen. Zwei Schritte weit war eine Bank. Mit der Kraft der Verzweiflung riß sie ihn hin und stürzte neben ihm nieder. Sie stand schon wieder aufrecht, deckte ihn mit ihrem Leib vor dem Menschenknäuel, der im Äu zusammenschoß, und verlangte ein Automobil. „Ins Krankenhaus," war ihr einziger Gedanke, und schon sah sie neben ihm im Wagen, hielt ihn umklammert, hörte seine Zähne knirschen, sah das von Schmerzen zerrissene Gesicht mit den geschlossenen Augen, unter denen noch ein heller Schein schwamm, und spürte nichts von den Tränen, die ihr langsam über die Wangen flössen. Der Wagen lief mit voller Kraft, aber er schien nicht vom Fleck zu kommen, hielt einmal im Getriebe am Rohmarkt, schoß wieder vorwärts und fuhr endlich unter das Portal des Krankenhauses. Che jemand herantrat, bückte sich Ruth rasch und küßte den Geliebten auf den entfärbten Mund. Dann blieb sie sitzen und wartete, bis die Tragbahre bereitstand und der Kranke aus dem Wagen gehoben und darauf gelegt wurde. Als sie neben Hanns im Krankenaufzug kniete, meinte sie das alles schon einmal erlebt oder vorausgeahnt zu haben. Sie wurde Sie nestelte rasch den Hut ab und bückte sich über Hanns. Ihre Augen hatten sich an daö gedämpfte Licht gewöhnt, sie sah sein blasses Gesicht, die dunkelgefärbten Lider und den zuckenden Mund. Ein Eisbeutel bedeckte seinen Kopf und knisterte leise, als sie sich dicht über ihn beugte. „Hanns!" Süß und zart wie eine Liebkosung hauchte sie seinen Namen. Ein Schlag ließ seine Augenlider erzittern, aus flimmernden Pupillen schoß ein zerrinnender Blick. „Broschüre fertig, Korrekturen abschicken — bauen —" Wie kleine Explosionen, in denen das Hirn noch die letzten klaren Gedanken formte, kamen die Worte über seine Lippen. Verzweifelte Energie rüttelte ihn wach, zuckende Finger fegten über die Decke und krampften sich an Ruths Händen fest. Da antwortete sie mit leiser, aber klarer, suggestiv wirkender Stimme: „Sei ganz ruhig, Hanns. Ich besorge alles. Ganz ruhig, Liebster, ja!" „3a!“ Das krampfhaft gespannte Gesicht glättete sich, die Lippen wurden weich, ein Seufzer ent- runzelte seine Brauen, er lag still. Ungeheißen nahm Ruth Abschied. Einen Herzschlag lang lag ihre Wange an der seinen, dann richtete sie sich auf, dankte der Schwester mit einem Blick, der um gute Pflege bat, und verlieh mit dem Arzt das Zimmer. Sie gingen langsam den langen weihen Korridor hinunter, und Ruth hörte wie in halber Betäubung, was der Arzt in vorsichtig zurückhaltenden Worten von starker Aeberarbeitung, von äleberreizung des ganzen Rervensdstems und den besonderen Erscheinungen von feiten des Hirnes sagte. Run ging sie allein die Treppe hinunter. Aufrecht, mit gefaßter Heiterkeit. Sie hatte eine Aufgabe gefunden. Ein feiner Regen peitschte die Strahen. Stahlblau schillerte der Asphalt. Hastig eilten die Menschen. Als Cngelhart am Abend Ruths Telegramm erhielt, in dem sie ihm Ingolds Zusammenbruch und ihr Verbleiben ia Frankfurt mitteilte, versagten ihm eine Zeitlang die Gedanken. Wie ein Verdammter war er seit ihrer Abreise in dem leeren Kloster umhergeirrt, kein Buch öffnete sich ihm, keine Feder wollte ihm gehorchen« Die Rächt hatte fein Ende nehmen und der Tag nicht sinken wollen. Plötzlich riß er sich zusammen. Er wickelte ßdj in seinen Wettermantel, drückte den Hut fest und ging nach Rheinau. Drei gelbe Fenster sternten die Rächt. In der Römergasse sprang das Wasser die Stufen hinab. Das Haus des Fischmeisters stand blaß in der rauschenden Finsternis über dem Lauffen. Christian Ingold nahm die Drille von den fernsichtigen Augen und schlug umständlich seine Rechnungsbücher zu, ehe er Engelhardt die Hand bot. Der Fischmeister wartete auf Engelhardts Anrede. Festgeschlossen lag sein Mund, gelassen blickte er in das erregte Gesicht des Arztes. Engelhardt hatte zuerst von der Iugend- üebe Hanns Ingolds und Ruths erzähllm, dann von dem Verlöbnis berichten wollen, das sie eingegangen waren, aber nun riß er plötzlich das Telegramm aus der Tasche und reichte es Über den Tisch. Ingold legte das Papier vor-sü-^hin, setzte die Drille wieder auf, hielt das Telegramm unter die Stehlampe und las, lautlos die Lippen bewegend, Wort für Wort. Seine Hand zitterte, fuhr zur Faust zusammen und zerdrückte das Papier. Da fand Engelhardt seine berufliche Ruhe wieder und erstattete kurz und sachlich den ergänzenden Bericht. .'Ist es nur ein Rervenklaps, so steht ec über kurz oder lang wieder auf. Spukt eine Hirnhautentzündung, so ist er im besten Fall auf lange Zeit ein stiller Mann. Er hat sich an seinem wahnwitzigen Plan und Gedanken, hier ein Kraftwerk anzulegen, kaputt gemacht." „Und kann daran sterben", sagte Ingold langsam. „Ia", versetzte Engelhardt kurz. _______ (Snrtfr'f'linn folgt.) 1 Musikhaus Kirchner Wetzsteingasse 8 Nähe Lindenplatz. 9140D Mein Cafe mittags an, in den renovierten Räumlichkeiten wieder geöffnet! Cafe Krämer Ludwig Keil __ 9389D Universitäts - Restaurant Blockstraße 5 Gießen Telephon 198 Vor und nach dem THEATER Abendessen Mk. 2.00 sowie warme und kalte Gerichte nach der Karte Spezialausschank: Fürstenberg-Bräu, Donaueschingen Angenehmer Aufenthalt Kein Konzert ----- ------------------08229 In Kopfwäschen Ondulieren Maniküren Elektrische Gesichtsund Kopf-Massage empfiehlt eich Jakob Schäfer Damen- und Herren- Frisier-Salon Ludwlgetrafle 67, ______________________9382D Heute der «roße Slttenfllm: Die freudlose Gasse Ein Zeitbild in 8 Akten nach dem gleichnamigen bekannten Roman von Bettauer Mitwirkende: Grilfln Agnes Es’erhazy« Aste Nielsen, Greta Garbo, Binar Hanson, Karl Ettllager. Ein Werk, welches man gesehen haben muß. Wegen der Länge des Films nur 2 Aufführungen täglich, UW 4 und 8 Uhr "Wl Jugendlichen ist der Zutritt verboten« Astoria-Lichtspiele Heute bis einschließlich Sonntag: Der letzte Mohikaner 6 Akte nach dem „Lederstrumpf“ von James F. Cooper. Wer kennt nicht Coopers meisterhaften Roman des Untergangs des roten Mannes. Wir bringen hier eine glänzende Verfilmung dieses Werkes, über dem auch im Film ein Schimmer der Romantik der Prärie ruht. — Ferner: „ER“ als Matrose wider Willen Groteske in 5 Akten mit Harold Lloyd« ========== Jugendliche haben Zutritt. ===■ Abwechslung in der täglichen Suppe mit Maggi's Suppen: «g. dn- Hühner, bene 2ege- W rasfe,;erleg- kv bare Ställe lief.bhLGeUügelhoIi. Heraenthslm F. 30. Katalog frei. 1549id SrvSMroallerArl liefert in leöergeotbifesten Susftottung preiswert die Brühl scheUirivrrfltStt. Druckerei, H. Lang«, ooaoccaxsrrrxccoo Tel.2!vauchriachts Mag, öen 9. Wer 1925, MlllUWS 2 M versteigere ich im „Löwen", Reuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 1 Klavier, 6 Zentrifugen, 1 Vertiko, 1 Kommode, 1 Büfett, 5 Glasschränke, 1 Schreibmaschine, 2 Schreibtische. Hebbel, Hess. Gerichtsvollzieher in Gießen, Dammstraße 24 I. 940ID 5000 Mark leiht als nur 1. Hypothek 34jähr. 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