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Reichsaußen- Minister Dr. StresemaE sprach heute abend im Berliner Rundfunk, dem viele andere Sendestationen angeschlossen touren, über das Werk von Locarno und führte folgendes aus: Bor Einigen Tagen hat bei der Jahresfeier Der deutschen Hochschule für Politik hier in Berlin Professor O n ck e n den Versailler Vertrag von 1919 als ein Dokument für das Bestreben gekennzeichnet, die Sicherheit Frankreichs bis in das Herz Deutschlands zu verlegen. 3n der Tat ist kein Zweifel darüber möglich, daß man vor und nach Versailles in Paris glaubt, daß das Problem der Sicherheit Frankreichs durch Zerstückelung Deutschlands gelöst toerden könnte. Diese Hoffnungen bestanden noch bis in das Jahr 1923 hinein. Ich darf erinnern an die große Rede, die der französische Ministerpräsident Poincarä im Herbst 1923 gehalten hat. Damals ging er auf die deutschen Sicherhrits- angebote überhaupt nicht ein, sondern rechnete damit, daß der große deutsche Zusammenbruch erfolgen würde, und daß Sann Frankreich aller Sorgen ledig sei. Diese Hoffnungen sind vereitelt worden. QI6er für Frankreich blieb das Problem der Sicherheit. Cs ist für uns Deutsche nicht leicht, das einzusehen, und wir fragen, was ein militärisch so stark gerüstetes Frankreich von dem entwaffneten Sei tschiand befürchten kann. Olber die Tatsache dieses Sicherheitsbedürfnisses besteht, und mit dieser Tatsache muß jeder Politiker und müssen auch wir rechnen. Wir müssen das schon deshalb, weil andere Mächte wie namentlich England das Sicherheitsbedürfnis Frankreichs anerkennen. Bei einer Passivität der deutschen Politik wäre England letzten Endes wohl bereit gewesen, die Sicherheitssrage gemeinsam mit Frankreich gegen Deutschland zu lösen. Darüber hinaus aber ist mit diesem Problem verbunden das große Problem der deutsch- französischen Auseinandersetzung überhaupt. Man beginnt überall in Europa einzusehen, daß man mit dem Krieg und mit der Fortsetzung der Versailler Methoden nicht weiter- kommen kann. Es ist nötig., daß andere Wege gegangen werden, und die größte Bedeutung von Locarno liegt schließlich darin, daß man sich allseitig entschlossen hat, einen Kurs- und Richtungswechsel mit dem Ziel vorzunehmen, an die Stelle der Methoden von Versailles eine Verständigung treten zu lassen. Die Verhandlungen, die wir in Locarno geführt haben, war ein Beweis dafür, daßHin solcher Kurswechsel von den alliierten Staatsmännern ernstlich und aufrichtig beabsichtigt ist. Die Zeit der Diktate und Ultimaten soll vorbei sein. Wenn die Weltgeschichte überhaupt noch einen Sinn hat, dann müssen sich Lösungen finden lassen, durch die die Lebensnotwendigkeiten aller beteiligten Völker gewahrt und gesichert werden. Der Reichskanzler ünd ich sind der Ansicht, daß Locarno solche Lösungen möglich macht. Wir haben, als wir die gesamten Vertragsentwürfe in der Hand hielten, und als uns die Außenminister von England, Frankreich und Belgien die Rückwirkung dieser Verträge auf Die Verhältnisse im besetzten Gebiet in sichere Aussicht ge st eilt haben, nicht gezögert, die Entwürfe in der Weile zu paraphieren, daß sie in ihrem Wortlaut nicht mehr abgeändert, sondern nur angenommen oder abgele hnt werden können. Die Verhandlung über die Form dieser Verträge ist damit abgeschlossen. Tlns bleibt aber die letzte Entscheidung über ihre Annahme oder Qlblehnung offen. Der Reichskanzler Dr. Luther und ich als Außenminister werden für die Qlnnahme dieser Verträge eintreten, wenn fie den Weg eröffnen, der zur Wiedererstartung und 'Befreiung Deutschlands führt. Lassen Sie mich Ihnen die Hauptgedanken des Werkes von Locarno kurz erläutern. Der W e st p a k t enthält die Verpflichtung, die Westgrenzen weder durch einen Angriffskrieg noch durch eine Invasion zu verletzen. Diese Verpflichtung gilt selbstverständlich nicht einseitig für uns, sondern genau so für Frankreich und für Belgien. Heber diese Verpflichtungen hinaus, nicht im Qlngriff zur Gewalt zu greifen, enthält aber der Vertrag — und das ist völlig eindeutig — keinerlei Bindungen für uns. Wir haben keinerlei moralischen Verzicht irgendwelcher Art auf deutsches Land und deutsches Volk ausgesprochen. Das Eelbst- bestimmungsrecht der Völker ist in seiner friedlichen Auswirkung völlig unangetastet geblieben. Bei der Bewertung des Verzichts auf einen Angriffskrieg darf nicht übersetzen werden, daß dieser Verzicht, so wie die Dinge liegen für die französischen Staatsmänner, mindestens so viel bedeutet als für uns, denn fie stehen mit ihrem starken Heer einem machtlosen Lande gegenüber, und in ihrem Lande hat es genug Leute gegeben, die den Rhein als Grenze gefordert haben. Durch den Olbschluß eines Sicherheitspaktes verzichtet Frankreich endgültig auf diese Politik. Es erklärt, nie Dieder Deutschlands Gebiet mit militärischer Gewalt verletzen zu wollen, und erklärt weiter, daß es damit einverstanden ist, daß England Deutschland als Garant zu Hilfe kommen soll, wenn Frankreich sich nicht an die im Westpakt festgesetzten Bedingungen hält. Diese Sicherung der deutschen West grenzen darf nicht unterschätzt werden. Wenn jetzt Zweifel darüber gehegt werden, ob England seine Pflichten als Garant tatsächlich erfül- l e n werde, so kann ich auch hier heute abend nur wiederholen, daß wir keinen Grund haben, an dem ehrlichen Dertragswillen Englands zu zweifeln. Aber ganz abgesehen von dem Ernstfall, ist doch schon die bloße Tatsache, daß England, der bisherige Alliierte Frankreichs, sich feierlich verpflichtet, Deutschland gegen einen französischen Angriff mit seiner gesamten See- und Landmacht zu schützen, von der größten politischen Bedeutung. Das hat kein Geringerer als Für st Bismarck anerkannt. Wahrhaft prophetisch klingen heute Bismarcks Worte aus jener Instruktion an den Fürsten Hatzfeld vom Januar 1888: Es handelt sich nicht um ein Stärkersein im Falle eines Krieges, sondern um ein Verhindern des Krieges. Weder Frankreich noch Rußland werden den Frieden brechen, wenn sie amtlich wissen, daß sie, wenn sie es tun, auch England sicher und sofort zum Gegner haben. Wenn nun festgestellt wird, daß England gegen einen französischen Einfall durch ein deutsches und Deutschland gegen einen französischen Einfall durch ein englisches Bündnis gedeckt sein werden, so halte ich den europäischen Frieden für gesichert für die Zeit der Dauer eines solchen Bündnisses. In engem Zusammenhang mit dem Westpakt stehen dann die Schiedöverträge, die toir mit Frankreich und Belgien abgeschlossen haben. Die deutsche Regierung steht grundsätzlich auf dem Boden der Schiedsgerichtsbarkeit, weil sie darin ein Mittel sieht, dem Rechtsgedanken gegenüber dem bloßen Machtgedanken unter den Völkern xum Siege zu verhelfen. Der große Vorteil, den die Schiedsverträge mit Belgien und Frankreich uns bieten, besteht z. D. darin, daß in Zukunft der gesamte Versailler Vertrag und ebenso das Rhein- l a n d a b k o m m e n unter einem Schiedsrecht steht. Wer die Politik der letzten sechs Jahre verfolgt hat, der weiß, was eine solche Reu Ordnung bedeutet, die jeder einseitigen und willkürlichen Handhabung der Verträge von 1919 ein Ende macht. Zu dem Gesamtwert von Locarno gehören auch die Schiedsverträge, die wir mit Polen und der Tschechoslowakei schließen wollen. Es sind Schiedsverträge, die in ihrer Tragweite nicht über die Schiedsvrr- träge hinausgehen, wie Deutschland sie zum Beispiel mit Schweden und Finnland abgeschlossen hat. Insbesondere ist in diesen Verträgen nichts enthalten, was irgendwie als eine Anerkennung der Osigrenzen angesehen werden kann. Frankreich hat hinsichtlich Polens und der Tschecho- slotowlei keine anderen Rechte erhalten, als wie sie ihm aus seiner Zugehörigkeit zum Völkerbund entstehen. Darüber hinaus haben wir keinerlei Bindungen angenommen, und auch die französisch-polnischen und französisch-tschrchoslowaki- schen Zusatzverträge enthalten nichts anderes und können nichts anderes enthalten, als die Anpassung der bisherigen freien Bündnisverträge dieser Länder an das Verfahren der Völker-' bundssatzung. Wenn die deutsche Regicrung sich dazu entschließen sollte, am 1. Dezember in London die in Locarno paraphierten Verträge endgültig zu unterzeichnen, so werben wir auch bereit sein in den Völkerbund einzutreten. Auf Grund der Verhandlungen in Locarno ist uns eine Rote der beteiligten Mächte zugesagt worden, in der über die Auslegung des Artikels 16 das ausgeführt wird, was unseren Lebensnotwendigkeiten entspricht. Kein Staat kann Deutschland gegen seine eigene Zustimmung zwingen, an einem Kriege zum Beispiel gegen Rußland teilzunehmen. Kein Staat kann das Recht in Anspruch nehmen, ohne die Genehmigung Deutschlands durch fein Gebiet durchzumarschieren. Im Falle eines Vorgehens des Völkerbundes gegen einen Friedensbrecher kann uns nunmehr niemand aus unserer eventuellen Richtbeteiligung einen moralischen Vorwurf machen. Linser Verhältnis zu Rußland kann schon aus diesem Grunde durch unseren! Eintritt in den Völkerbund nicht gefährdet werden. Wenn ich so die Hauptlinien des Qkrtrageö von Locarno dargelegt habe, fo mutz ich vor allem noch zu den Rückwirkungen auf das besetzte Gebiet sprechen. Die Delegierten Englands, Frankreichs und Belgiens haben sich geweigert, aus den Verträgen von Locarno ein Handelsgeschäft zu machen. Sie wollten sich für diesen Vertrag bestimmte Dinge als besondere Koir- zessionen nicht abhandeln lassen. Sie haben aber erklärt, dah die Rückwirkungen, die wir erwarten, logische und darum selbstverständliche Folgerungen der Locarnoverträge sind. Die Qkrträge von Locarno und ihre Rückwirkungen sind für uns ein einheitliches und unteilbares Ganzes. Sie gehören zusammen, und die Delegierten der übrigen in Locarno vertretenen Machte wissen daä auch. Wir haben ihnen gesagt, daß wir ihren Erklärungen vertrauen, und datz von der Art, wie sie unser Vertrauen rechtfertigen, die Entscheidung des deutschen Volkes und seiner Regierung über die Annahme oder Qlblehnung der Locarno- verträge abhängig ist. Ich wiederhole auch hier: Die Räumung der Kölner Zone gehört nicht zu diesen Rückwirkungen. Wir haben auf diese Räumung einen Rechtsanspruch, und ich hoffe, dah die nächste Zeit bereits Klarheit über den Räumungstermin bringen wird. Wenn her Locarnogeist ein wirklicher Friedensgeist ist. dann muß sich dieser neue Geist aber ganz selbstverständlich im ganzen Rheinland auswirken, und über die Art dieser Auswirkung ist auch den an der Besetzung beteiligten Mächten das Rötige mitgeteilt worden. Da die übrigen Mächte selbst die Unter» Zeichnung am 1. Dezember gewünscht haben, so ist damit auch der Termin gegeben, an dem die besprochenen Rückwirkungen dem deutschen Volke und vor allem den Rheinländern sichtbar gemacht sein müssen. Darüber hinaus aber muß Locarno nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Entwicklung sein, deven wichtigstes Ziel die Herstellung der Freiheit im Rheinland sein muß. Wir haben in Locarno nichts von dem verschwiegen, was uns in Hinsicht auf das Wohl des deutschen Volkes am Herzen lag. Wir konnten nichts verschweigen, denn wir waren in Locarno für die Zukunft des deutschen Volkes verantwortlich. So haben wir auch zum Ausdruck gebracht, dah die gegenwärtige deutsche Regierung keinerlei moral i s ch e Beschuldigung Deutschlands am Kriegsausbruch anzuerkennen vermag, sondern daß sie sich auf den Standpunkt stellt, der bereits im September 1924 in dem erwähnten Memorandum der damaligen Regierung Marx niedergelegt worden ist. Mit dem Eintritt in den Völkerbund besteht auch für uns das moralische Recht für eine Verleihung von Kolonialmandaten. Auch diese Tatsache ist uns in Locarno bestätigt worden. Der Sinn von Locarno besteht in der Erkenntnis, dah die europäischen Staaten nicht länger gegeneinander wüten dürfen, wenn Europa nicht zugrunde gehen soll. In allen Staaten Europas hat die Rot ihren Einzug gehalten, und ist eine ernste Mahnerin zur Cßernunft * geworden. Der Siegestaumel von Versailles ist verrauscht. Heute müssen die Dinge mit anderen Augen angesehen werden. Zwang, Diktat und Gewalt haben es nicht vermocht, ein neues und besseres Europa zu schaffen. Lassen Sie uns versuchen, dieses Ziel auf der Grundlage des Friedens, deutscher Gleichberechtigung und Freiheit zu erreichen! Die vertagte Krisis. Die Partcifül-rerbesprechnrig brim Reichskanzler. Berlin. 3. Rov. (TU.) Heber die heutige Parleisührerbefprechung beim Reichskanzler wird folgender Bericht ausgegeben: heule fand unter Vorsitz des Reichskanzlers, sowie unter Teilnahme der Reichsminisker Dr. Brauns, S t i n g l Paris, 3. Roo. (Wolff.) Der französische Ministerpräsident stellte heute das neue Kabinett der Kammer vor und verlas folgende Regierungserklärung: Linier den großen Problemen, die uns im Augenblick bedrängen, gibt es eines, das für Frankreich ernster ist als alle anderen: das finanzielle Problem, das ein vitales Problem ist. Deshalb hat in der neuen Regierung der Ministerpräsident die Leitung der Finanzen über- nommen, denn der Platz, den der Regierungschef einnehmen muh, ist auf dem Posten der Gefahr. Es ist eine Frage des Wollens, eine Anstrengung zum Wollen und eine Anstrengung zum Mut — die Regierung wird sie vom Lande fordern, selbst auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden. In finanzieller Hinsicht sind wirksame Maßnahmen nicht möglich, wenn sie nicht die wohlüberlegte Zustttnmung der Bürger finden. Die Opfer an Geld, die die 'Verteidigung der öffentlichen Finanzen fordert, sowie die Dlut- vpfer, die die Verteidigung der heimatlichen Bodens fordert, müssen obligatorisch sein, damit niemand sich ihnen entziehen kann. Wir werden zuerst sichere und ständige Einnahmen fordern die alle ständigen öffentlichen Ausgaben decken, die gerechtfertigt erscheinen. Richt ein Centime dieser Ausgaben darf durch Anleihen aufgebracht werden. Die einzige Quelle muh der Steuerweg bleiben. Die ministerielle Erklärung kündigt die Gründung einer Amortisationskasse an, die autonom und vom Staate unabhängig sein soll. Durch die energische Verfolgung dieses Programms hoffe di- Regierung eine Stabilisierung der Währung zu erzielen, ohne die selbst die gewagtesten Maßnahmen vergeblich blieben. Der Franken könne aber erst dann vor jeder Erschütterung bewahrt werden, wenn die Regelung der Kriegsschulden mit den alliierten Ländern erfolgt sei. Die Regierungserklärung kündigt alsdann Gesetze zugunsten der Kriegsverstümmelten und der Kriegsopfer an. Außerdem will sie die erforderlichen Mittel zur Fortsetzung des Wieder- aufbouwerkes zur Verfügung stellen, die soziale Gesetzgebung zur Verabschiedung bringen und eine praktische Lösung der Wohnungsfrage und Dr. Stresemann eine 'Aussprache mit den Vertretern der in der Regierung durch vertrauens- männern vertretenen Parteien statt. An dec Aussprache nahmen teil: von der Zentrumspartei die Abg. Zehrenbach, Marx und Stege r w a l d. von der Deutschen Volkspartei die 2tbg. Dr. Scholz, Dr. Eurllus und K e m p k e s, von der Bayerischen Volks- Partei der Abg. Leicht. Die eingehende Erörterung ergab eine allgemeine llebereinstimmung in der Beurteilung der politischen Lage. Die Vertreter der Parteien waren mit der Reichsreglerung darüber einig, dah die Schassung der Grundlagen für die endgültige Entscheidung über das Werk von Locarno die beherrschende Frage der Gcsamtpolilik ist, hinter der alle anderen fragen jetzt zurückzutreten haben. Die Vertreter der Parteien billigten die infolge des Austritts der deutschnationalen Minister getroffenen Maßnahmen zur Meitersührung der Regierung. Ls herrscht allgemeine Ueber- einstimmung darüber, dah die deutschnationale Partei, deren voreiliges Verhallen um des deutschen Volkes Gesamtschicksal willen nachdrücklichst mißbilligt wurde, sich von der weiteren Teilnahme an der Regierung dadurch selbst ausgeschlossen hat. Die Vertreter der Parteien gaben ferner der Auffassung Ausdruck, dah eine (Einberufung des Reichstages im Laufe des Monat November erst möglich ist, wenn ein erschöpfender Tatbestand im Bezug auf das Merk von Locarno und feine Rückwirkungen den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet werden kann. Eine Entschliehung der Demokraten. Berlin, 3. Rov. (WTD.) Der Hauptvorstand der Deutschen Demokratischen Partei beschäftigte sich in einer heute nachmittag im Reichstag abgehaltenen Sitzung mit der gegenwärtigen politischen Lage. Einstimmig wurde folgende Entschliehung angenommen: Der Parteivorstand billigt die Haltung des Parteivorsihen- den zur außen- und innerpolitischen Entwicklung und erllärt sich nur mit einer Lösung der Krise durch eine Regierung einberftanben, die die Annahme des Vertrages von Locarno von einer befriedigenden Lösung der Rückwirkungen abhängig macht, sich für eine ehrliche Durchführung der Politik von Locarno und eine Annäherung der europäischen Staaten ein- seht, eine Innenpolitik gewährleistet, die der Festigung der Republik dient und sich auf die Parteien stützt, die diese Außen- und Innenpolitik entschlossen mitmachen. finden. Hinsichtlich der Militärreform wird die Einführung der einjährigen Dienstzeit an- gekündigt, ebenso die Wahlreform, und es wird zum Ausdruck gebracht, dah die jetzige Regierung wie die beiden voraufgegangenen für die Wiedereinführung der Arrondissements- Wahlen eintreten wolle. Schließlich wird die Lage in Marokko erwähnt. Die ©inöring- linge seien zurückgewiesen worden. Die Verbindung zwischen Fez und Ollgier sei wieder hexgestellt und jetzt vor jeder älnterbrechung geschützt. Die französischen Soldaten hielten die Rordfront auf einer soliden Grenze besetzt und jede verdächfige Bewegung könnte leicht überwacht und unterdückt werden. Syrien, so heißt es dann weiter, sei der Schauplatz beklagenswerter Ereignisse gewesen. Es wäre ungerecht, zu verkennen, daß fie durch die gleichen Agitationsquellen her- vorgerusen worden seinen, wie die Anruhen in China und Marokko. Fremdenfeindliche In- trigueu, falsche Rachrichten über panislamitische und revolutionäre Verschwörungen hätten unter besonders empfindsamen Kreisen eine Beruhigung veranlaßt, deren die Regierung nur dadurch Herr werden könne, daß sie ihre vollkommene Ruhe bewahre und einen Appell an die Kaltblütigleit der öffentlichen Meinung richte^ Eine Frage, die vielleicht weniger dringlich erscheine als die Finanzfrage, die aber nach Ansicht, derer, die in die Zukunft blickten, diese noch an Bedeutung überrage, sei die Frage der in ter* nationalen Politik Frankreichs und des europäischen Friedens. Wenn Europa zerklüftet und von Haß veruneinigt bleibe, werde es zum> Untergänge verurteilt sein. In London im porigen Jahre, in Genf im vorigen Jahre, in btefem Jahre wiederum in Genf und dann in Locarno fei es Frankreich gewesen, das, noch blutend und nicht ohne Gefahren, die Führung der Rationen übernommen habe, die Sicherheit suchten. Die Atmosphäre sei dadurch gleichsam gereinigt worden. Die Aera der Schwierigketten unter den Völkern sei gewiß noch nicht beendet, aber man erblicke endlich einen Ausweg. Die Wege des Friedens seien geebnet worden. Sie können, meine Herren, stolz auf den Staatsmann fein, der den Patt vom Locarno zum Gelingen gebracht hat. Die aus- Vertrauensvotum für Parnleve. Stimmenthaltung der Sozialisten. - Fortdauer derRegierungskrifis tyärtige Politik, die solche Ergebnisse gezeitigt hat, hat in Frankreich nicht ohne Kampf gesiegt. Heute ist es nicht mehr die Politik einer Partei, sondern sie hat die Zustimmung der ungeheuren Mehrheit des Volkes gefunden. Vach lebhafter Debatte, die sich bis tief in die Vacht hinzog. brachte der radikalsvzialistische Abg. Aubriot folgende Tagesordnung ein: pSie Kammer heißt die Erklärungen der Regierung gut und seht das Vertrauen in sie, daß sie im Einvernehmen mit der Mehrheit der Republikaner eine Politik des Fortschritts und der finanziellen Sanierung befolgen wird. Sie lehnt reden Zusahantrag ab und geht zur Tagesordnung über." Dor der Abstimmung sprach noch der sozialistische Abgeordnete Paul Faure und rechtfertigte die Stimmenthaltung der sozialistischen Partei, indem er darauf hinwies, daß der Regierungserklärung der Schwung und die Lleberzeugungstreue fehle. Die angekündigte Militärreform würde in absehbarer Zeit doch nicht durchgcführt werden. Die Partei könne ihre Politik Marokko und Syrien gegenüber nicht gutheißen. Es sei Pflicht der Regierung, ein annehmbares und großzügiges Friedensangebot öffentlich bekannt zu geben. 3m Falle einer Ablehnung durch Abd el Krim müsse der Völkerbund eingreifen. Frankreich habe in Locarno über den Frieden verhandelt, jedoch in Syrien und Marokko werde Krieg geführt. Die Sozialisten könnten daher dem Kabinett nicht ihr Vertrauen aussprechen. Die Kammer nahm dann mit 221 gegen 189 Stimmen das Vertrauensvotum für das Kabinett Painleve an. Für die Regierung haben gestimmt die drei Kartellgruppen. Die Sozialisten enthielten sich der Stimme, ebenso der gemäßigte Flügel der Rechten unter Führung Maginots und Dariacs. Das rechte Zentrum und die äußerste Rechte sowie die Kommunisten haben gegen die Regierung gestimmt. Painleve hat die Absicht, Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche, die Finanzgesetzentwürfe der Kammer vorzulegen. Man nimmt an, daß er wahrscheinlich bei der Abstimmmig über die Kredite für Marokko und Syrien in die Minderheit geraten werde. Man halt die Tage des Kabinetts Painleve auch trotz der Abstimmung für gezählt. Amerika und die deutsche Kreditpolitik. Aeuyvrk, 3. Rov. (DZ.) Die bisherigen Besprechungen zwischen dem Reichsbankpräsiüen- ten Dr. Schacht und dem Leiter des amerikanischen Schatzamtes Mellon, in Washington, hatten die Frage der deutschen Stadt- und Staatsanleihen zum Gegenstand. Da der nach dem Dawesplan eingesetzte Transfer-Ausschuß die Verpflichtung hat, die deutsche Währung nicht nur vor Reparations-, sondern vor allen Dingen vor anderen Gefahren zu schützen, besteht bei weiterer Handhabung der bisherigen Anleihepolitik die Möglichkeit, daß das Transfer-Komitee Zinszahlungen für deutsche Anleihen im Interesse der Markwährung zu einem späteren Zeitpunkt verbieten könnte. Deshalb ist man auch bei den Amerika- Besprechungen Dr. Schachts schnell zu einer Einigung gelangt. Hiernach wird die Reichsbank zu- tunftig alle Anleiheanträge deutscher Staaten und Kommunen überprüfen und nur solche Anleihen genehmigen, für deren Zinszahlung außerhalb Deutschlands Golddepv- 'siten bereitgestellt werden können. An- . leihwi, für deren Zinszahlung und Tilgung Gvld- Vorräte aus Deuts chland herausge- * zogen werden müssen, sollen nicht mehr ?genehmigt werden. Als Folge dieses Ab- ommens sollen Anleihen im Gesamtbeträge von 225 Millionen Dollar, deren Abschluß dicht be- vvrstand, noch einmal neu geprüft werden. Benesch und die deutsche Minderheit. Prag, 4. Rov. (TU.) Außenminister Dr. Benesch kam in einer Wahlrede auf das deutschtschechoslowakische Problem zu sprechen. Die Sudetendeutschen, so sagte der Außenminister, entwickelten im Ausland eine Propaganda, die weder gerecht noch berechtigt sei. Er müsse zugeben, daß die Deutschen in einigen Kleinigkeiten recht hätten. Es handle sich bei den Deutschen aber nicht um einen Existenzkampf, sondern um einen Kampf um die Macht im Staat. Die Frage, wann und wie sichdie Deutschen an der Regierung beteiligen würden, könne er als Außenminister nicht beantworten. Die Voraussetzung aber dafür wäre eine klare Stellungnahme der deutschen Opposition zum Staat. Locarno habe der irreben- tischen Bewegung, den Sudetendeutschen, den letzten Stoß gegeben. Andererseits aber könnten die Tschechen den Deutschen nichts Besseres bieten als die in Locarno zustande gekommene Verpflichtung, daß sie von den Tschechen nicht in einen Kampf mit dem Deutschen Reich getrieben würden. Es sei nicht wahr, daß er und seine Partei den Deutschen nachliefen. Es sei jedoch Pflicht der Tschechen, die nationalen Minderheiten für den Staat zu gewinnen. Beisetzung des Generals Müller. Dresden, 3. Roo. (WTB.) Heute nachmittag fanden die Beisetzungsfeierlichkeiten für den auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog tödlich verunglückten Befehlshaber der 4. Division und Landeskommandanten von Sachsen, Generalleutnant Müller statt. Vom Kommandogebäude der Division folgte die Trauerparode dem auf einer Lafette ruhenden Sarge zur Garnisonkirche, wo eine Trauerfeier stattfand 3m Trauergefolge befanden sich der Ches der Heeresleifung, General von S e e ck t, General von O' B y r n e als Vertreter des früheren Königs von Sachsen, Abordnungen aller Truppenteile der 4. Division und die Spitzen der staatlichen und stadti- schen Behörden. In Tolkewitz erfolgte die (Ein« äscherung der Leiche. Belgische Räumungsvorbereitungen. Bochum, 3. Vov. (DZ.) Die administrativen Vorbereitungen der Zurückführung der belgischen Truppen aus der Kölner Zone sind in vollem Gange 3n den letzten Tagen weilte eine Kommission des belgischen Kriegsministeriums in dem von den Belgiern besetzten Gebiet der dritten Zone, um mit den Ortsmilitärbehörden die technischen Vorbereitungen der Räumung zu besprechen. ----------------------- i Vor einem Beamtenstreik in Oesterreich. W i e n, 4. Vov. (WTB.) Die Bundesbeamten in Oesterreich sind mit der Regierung vor längerer Zeit in Verhandlungen über Gehaltserhöhung eingctreten: die sich in den letzten Tagen wesentlich zugespitzt haben. Gestern hot der Erekutiv- ausfchuß der Dundesbeamten beschlossen, das Angebot der Regierung als ungenügend abzulehnen und den Beginn des B e a m t e n st c e i k s für den 5. Vovember zu proklamieren. Vom Streik find nicht betroffen die staatlichen Betriebe Eisenbahn, Post und Telegraph, ferner jene Betriebe, deren Arbeiten für die Bevölkerung lebenswichtig sind, so Polizei, Gendarmerie, Justiz, Aerztc, Apotheker und ein Teil der Zollbeamten. Die Verhandlungen mit dem Bundeskanzler dauern bis zur Stunde noch an. Das Blutbad von Damaskus. Alexandria, 3. Vov. (WTB.) Der Bericht eines Augenzeugen über Damaskus besagt, daß die französische Angabe, wonach bei der Beschießung von Damaskus etwa 1200 Menschen getötet wurden, sich nur auf die in den Straßen aufgefundenen Leichen bezog, und daß weitere 400 Leichen in den Häusern vorgefunden wurden. Weiter wird von Reisenden berichtet, daß der Präsident der Handelskammer von Damaskus von einem Senegalsoldaten erschos- s e n wurde, wert er im Besitze eines Revolvers war und der Senegalese den Waffenschein, der ihn dazu berechtigte, nicht lesen konnte. Der Umschwung in Persien. Teheran, 4. Vov. (W. T. D. Funkspruch) König Pahlavi (der zum König proüamierte Riza Khan) soll gestern ein Dekret erlassen haben, worin er die Schließung aller Spielhäuser nd Braunntweinschenken anordnet und erklärt, seine Herrschaft werde bedeuten: Arbeit und nicht Schauspiel. 3n seinen Ansprachen bei den ersten Empfängen von Abordnungen erklärte der König wiederholt, er werde sofort großzügige Maßnahmen ergreifen, um die Lage des Landes zu verbessern. Ein Ausschuß ist ernannt worden, um die Bestimmungen für die Wahl der verfass un g s g eb e n d e n Versammlung zu treffen, die aus 300 Mitgliedern bestehen und alle Klassen der Bevölkerung vertreten soll. Sie soll eine Reform der Verfassung vorbereiten und damit die Absetzung des Schahs und die Ernennung Pahlavis zu seinem Vachfvlger legalisieren. Der preußische Kultusetat Eine Programmrede Minister Dr. Beckers. Berlin. 3. Vov. Zu Beginn der Sitzung gedenkt Präsident Bartels des Unglücks auf der Zeche „Holland" und spricht den Familien der Betroffenen das Beileid des Hauses aus. Das Haus ehrt das Andenken der Verunglückten in der üblichen Weise. Hierauf wird die allgemeine Aussprache zum Kultushaushalt fortgesetzt. 2wg. Hoff (Dem.) fordert, daß für die höheren Stellen mehr als bisher Republikaner herangezogen werden. Die Deutschnatronalen hätten keine Berechtigung, hier über Imparität zu klagen. Heber die Vorgänge bei und nach dem Waffenstillstand müsse die Jugend unterrichtet werden. Die Demokraten hielten an der Veu- orientierung der Lehrerbildung fest, die das Ziel habe, große Charaktere heranzubilden. Der Versuch des neuen Reichsschulgesehentwurfes, die Bekenntnisschule als Regelschule einzuführen, sei ein Attentat auf die Verfassung. Kultusminister Dr. Decker betonte, daß bei allen Völkern des Kontinents gewaltige Umwälzungen in dem geistigen Leben nach dem Kriege zu verzeichnen seien. 3n Deutsch, land seien die Verhältnisse besonders schwierig, weil mit dem Kriegsende die Staatsumwälzung verbunden war. Es sei Pflicht derjenigen, die ihre Ideale erfüllt sehen, brüderlich denen die Hand zu reichen, die ihre Ideale haben zerbrechen sehen. Man könne die Vergangenheit nicht ohne weiteres kulturpolitisch genommen verdammen. Mit rein politischen Maßnahmen sei das kulturpolitische Problem nicht zu lösen. Selbstverständlich dürfe es bei der Kulturpolitik fein Parteischema geben. Alle aufbauenden Parteien müßten Mitarbeiten können. Seit der Revolution sei auf kulturpolitischem Gebiete tatsächlich Enormes geleistet worden. Jedenfalls viel mehr, als in den 50 Jahren preußischer Kulturgeschichte vor der Revolution. (Widerspruch und Lachen rechts.) Die Ministerien Hänisch und Boelitz würden immer in der preußischen Schulgeschichte eine historische De- deutung behalten. Eine Stellungnahme zum Reichsschulgesetzentwurs lehnt der Minister ab. Er betont nur. daß es nicht möglich sein werde, durch Interpretationen der Reichsverfassung die not» wendigen Grundlagen für ein Reichsschulgeseh zu schaffen. Die Lebensbedürfnisse des preußischen und deutschen Volkes liegen vor allem darin, daß wir uns richtig gegenseitig die Köpfe einschlagen. Wir brauchen in Preußen eine gewisse Ruhe für die schulische Entwicklung. Dazu gehört ein klares Reichsschulgeseh. Keine Partei kann die andere zwingen, auf ihren Weltanschauungsboden zu treten. Wir müssen eine Formel finden, wonach die konfessionslose, die konfessionelle und die interkonfessionelle Schule als gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Jede Gemeinde hätte dann zu entscheiden, welches System sie auf Grund ihrer besonderen Verhältnisse haben will. Cs mühte ein Weg gefunden werden, um die einheitliche Dildung auf die Volksschule zu übertragen. Dieser Weg ist gefunden worden durch die neue Lehrerbildung. Zweifellos liegt unsere Kulturpolitik in einer einheitlichen Linie. Vicht nur aus innerer llebcrjeugung bin ich dafür eingetreten, die Idee einer s imultanen Akademie zurückzustellen. Ich kann Ihnen klar und deutlich fagen: Diese simultane Akademie wird ein? Akademie für Evangelische, Dissidenten und Juden sein. Einen Katholiken bekommen Sie da nicht hinein. Ich bin bereit, wenn daS Haus beschließen sollte, neben den drei Akademien, einer katholischen und zwei evangelischen noch eine vierte au errichten, nämlich eine simultane, diesen Vorschlag beim Finanzminister zu befürworten. Ich halte das Verlangen der üniberfi- tätsbildung für die Lehrer geradezu für eine Gefahr. Cs ist mir ein lebhaftes Bedürfnis, von dieser Stelle nochmals meine tiefste Sympathie mit den beschäftigungslosen Junglehrern kundzugeben. Der Finanzminister ist bereit, zunächst eine Million zur ersten Erleichterung der Vot der Junglehrer auszuschütten. Der Minister gedenkt sodann der schweren Not der Künstler. Vom Staate aus sei zum Beispiel auf dem Gebiete der Kunstausstellungen alles getan, um hier einzugreisen. Wenn das Publikum nicht hilft, der Staat allein kann es nicht machen. Schließlich wendet sich der Minister den Konkordatsverhandlungen zu. Auf dem Gebiet der evangelischen Kirche sei ganz Erhebliches geleistet worden. Von einer Kirchenfeindschaft könne nicht die Rede sein. Der Minister erklärte, im Kultusministerium bestehe keine Vorherrschaft des Zentrums. Von den 144 mittleren Beamten des Ministeriums seien nur sieben Katholiken. Die Zusammensetzung des Ministeriums bedeute eine ganz fabelhafte Benachteiligung der Sozialdemokraten und des Zen-- trums. Ich bin da von der Rechten gezwungen worden, alle meine Beamten bis in die Provinz hinein auf ihre Parteizugehörigkeit zu prüfen. Zum Schluß seiner Rede erklärte der Minister, es sei zu wünschen, baß gerade in Personalsachen alles vermieden werde, was geeignet fei, das Vertrauen zu den Unterrichtsbehörden und zur Schulverwaltung zu gefährden. Er werde sich weiterhin wie zuvor jeder parteipolitischen Beeinflussung fernhalten. Abg. Steeg (Völk.) verlangt, daß die Volksschule ihre Kraft aus der Vergangenheit des deutschen Volkstums nimmt und einer konfessionellen Grundlage nicht entbehrt. Abg. Kleinspohn (S.) lchnt die Konfessionsschule ab und wünscht, daß alle Verbindungen, auch die materielle Unterstützung des Staates für die Kirche verschwinden. Er fragt, wie es komme, daß in Schleswig-Holstein ein Vertrag mit der Kirche geschlossen sei, der im völligen Widerspruch mit dem Artikel 146 und 148 der Verfassung stehe. Abg. Dr. Hoffmann (Dntl.) behauptet, daß Minister Becker nicht unparteiisch seines Aintes walte. Einzig stehe der Fall da, daß ein Minister anrtlich die Parteizugehörigkeit der ihm unterstellten Beamten seslstellt. Auch die Deutsch- nationalen wünschen, daß Parteigeist von den Hochschulen fern gehalten werde. Etwas völlig anderes fei aber die Verehrung ber Studentenschaft für die großen Männer unseres Volkes und für unsere große Vergangenheit. Minister Decker betont, es sei vorgekommen, daß der Studentenschaft Geld für den politischen Kampf angeboten worden ist. Sie habe es aber in ihrem Reinlichkeitsgefühl abgelehnt. (Hört! Hört links.) Abg. Dr. Linn eborn (Z.) meint, die katholische Kirche habe noch nicht ganz die Freiheit erlangt, die ihr die Reichsverfassung gewährleistet . Das verlorengegangene Privat- vermögen der Klöster und so weiter habe zirka eine Milliarde betragen, die dem Staatsvermögen zufiele. Anträge auf Befriedigung der notwendigen Kirchenbedürfnissen dürften daher nicht aus Gnade, fonöern müßten aus Gründen der Gerechtigkeit berücksichtigt werden. Abg. Dr. D v e l i tz (D. Dp.) erllärt, er habe niemals einen Hehl daraus gemacht, daß er auf dem Boden der konfessionellen Schule stehe. An dem System der Simultanisierung der höheren Schulen müssen festgehalten werden. Abg. Graue (Dem.) lehnt den Mißbrauch der Kirche zu parteipolitischen Zwecken ab, wie er jetzt beim Stahlhelm mitunter betrieben werde. Es sei Schuld der Sozialdemokraten, daß die Kirche durch Weimar erhöhten Einfluß auf die Schulen erlangt habe. Die Kirche müsse mit sozialem Geist durchtränkt und zu einer wahren Volkskirche umgestaltet werden. Weiterberatung Mittwoch. •21115 aller" Welt. Jahrhundertfeier der ungarischen Akademie der Wissenschaften. Budapest, 3. Vov. (WB.) Die ungarische Akademie der Wissenschaften beging heute ihre Jahrhundertfeier unter Teilnahme der Spitzen des Landes, des diplomatischen Korps und der Delegierten der Schwesterinstitute aus fast ganz Europa. Vach der Festrede des Präsidenten Der- zewicze entbot der Reichsverweser den Gruß der ungarischen Vation und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß so viele Lander, durchdrungen von dem Wunsch geistiger Zusammenarbeit, ihre Vertreter in so großer Anzahl entsandt hätten. Sodann überbrachten die ausländischen Gäste die Grüße ihrer Auftraggeber. Im Vamen aller deutschen wissenschaftlichen Vereinigungen sprach u. a. Prof. Max Grubner, Berlin. Der „Trompeter von Divnville" gestorben. In Wesel ist der als „Trompeter von Vivnville" aus dem Krieg 1870/71 bekannte Schreimermeister Gerhard D o ß m a n n im Alter von 79 Jahren gestorben. Vor einiger Zeit konnte Dohmann seine goldene Hochzeit feiern. Traurige Folgen eines Betruges. Am Montag war der Arbeiter Weykoff in seiner Berliner Wohnung durch Gas vergiftet tot auf» gefunden woroen. Anfänglich hatte man vermutet, daß Weykoff von seiner Frau ermordet worden ist. Die polizeilichen Ermittlungen haben jedoch ergeben, daß Weykoff durch eigenes Verschulden ums Leben gekommen ist. Er hatte sich ein System erdacht, durch das er Gas unter Umgehung der Gasuhr bezog, und dem er zum Opfer gefallen ist. Aufdeckung eines Rvmergraoes bei Kreuznach. In G e b r o t h bei Kreuznach ist ein Rörner- grab, das wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert nach Christi stammt, aufgedeckt worden. Veben einem eimerartigen Sandsteingefäß mit Glasurne, einem Kupfertäfelchen und einem Kupfernagel wurde auch ein in Sandstein gehauenes Brustbild, das wahrscheinlich eine Göttergestalt darstellen soll, gefunden. Weitere Ausgrabungen sollen im kommenden Frühjahr stattfinden. Wettervoraussage. Heiter bis wolkig, westliche, zeitweise auch nördliche Luftströmung, tags milder, nachts stärkere Abkühlung bis zur Frostgefahr, nur vereinzelt leichte Viederschläge. doch vielfach Vebcl- bildung. Ein Teiltief hat sich von dem großen Fallgebiet im Westen abgelöst und seinen Weg über England nach Südskandinavien genommen. Seine Ausläufer haben gestern gegen Abend und nachts stärkere Viederschläge bewirkt. Vach vorübergehender Aufklärung wird erneut starke Bewölkung eintreten. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 14,8, Minimum 10,5 Grad Celsius. Viederschläge: 14,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 11,2 Grad Celsius. Aus der provinZialhauptftadt. Gießen, den 4. Vovember 1925. SLeuerfLMgkeiten im November Im Monat November werden folgende Steuern fällig: 5. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 21.-31. Oktober einschl. der für die Zeit vom 1.—10. Oktober bzw. 11.—20. Oktober einbehal- tenen, noch nicht abgeführten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe. 10. November: Umsatzsteuer Vorauszahlung. 1 Proz. des Umsatzes für den Monat Oktober. 15. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 1.—10. November, sofern der Gesamtbetrag mehr wie 50 Rm. beträgt. 15. November: Kirchen-'' Imb Kultus- fteuern der Landwirte und Gchalts- bzw. Lohnempfänger (Arbeitnehmer). 3. Rate für Rj. 1925 auf Grund der seinerzeitigen Steuerbescheide. — Vermögenssteuervorauszahlung 2. Rate 1925 in Höhe von einem Viertel der Jahressteuerschuld 1924. Für diejenigen Steuerzahler, die bereits auf die Vermögenssteuer 1925 zwei Raten gezahlt haben, kommt eine Zahlung am 15. d. Mts. nicht mehr in Betracht. — Staatliche Grundsteuer 3. Ziel Rj. 1925 und staatliche Gewerbesteuer vom Anlage- und Betriebskapital 2. Ziel Rj. 1925 gemäß der im August 1925 zugestellten Steuerbescheide. Beide Abgaben find auf diesem Bescheid vereinigt. 2 5. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 11. bis 20. November, sofern der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1.—10. November einbehaltenen und noch nicht abgeführten Betrögen, zusammen mehr als 50 Rm. beträgt. Mit Ausnahme der Lohnsteuer können die auf« geführten Abgaben noch innerhalb der sieben« tägigen Schonfrist ohne Zuschläge gezahlt werden. Eine vierwöchige Stenerstnndung. . O Durch Verordnung vorn 28. Okt. hat der Reichsminister der Finanzen folgendes bestimmt: Für Einkünfte aus dem Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nichtgewerblicher Bodenbewirtschaf- tung sind die Einkorn men st euervoraus» Zahlungen nicht bis zum 15. Vov. 1925, sondern erst bis zum 15. Dezember 1 925 zu entrichten. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch Stadttheater ?i/2 Tlhr „Der Familientag" «Ende 10 älhr). — Reichszentrale für Heimatdienst: 8 115 r, Reue Aula der Universität, Vortrag. — Deutschnationalev Handlungsgehilfen-Verband: 81/2 -Uhr »Kaufmännisches Dereinshaus" Monatsversammlung. — Radklub „Germania": 8V2 Uhr Vereinslokal Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „ Filmflirt". — Astoria- Lichtspiele: „Dämon der Landstraße". — Reit- und Fahrklub Gießen. Morgen, Donnerstag, nachmittag Jagdzeiten. Man beachte die heutige Anzeige. — Deutscher Bund für christlich- evangelische Erziehung. Donnerstag Familienabend. Väheres im Anzeigenteil. * ** D i e Wahlvorschläge zur Provin- z i al t a g s w a h l werden im neuesten Amtsoerkün- digungsblatt veröffentlicht. In der amtlichen Reihenfolge find bie' Wahlvorschläge wie folgt festgestelll: 1. Zentrumspartei (Spitzenkandidat Rechtsanwalt Theodor Schröder-Friedberg): 2. Sozialdemokratische Partei (Landtagsabg. Anton 13 u r -Nieder- Florftadt): 3. Deutsche Demokratische Partei (Justizrat Dr. h. c. Heinrich R e h - Alsfeld): 4. Deutsche Dolkspartei (Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhesfen Ludwig Neuenhagen - Gießen); 5. Vereinigte Stadt- und Landliste Deutsch- nationale Volkspartei und Hessischer Bauernbund im Kreise Gießen (Landwirt Wilhelm Fenchel- Ober-Hörgern); 6. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreis Alsfeld (Landwirt Karl Hesse- Otterbach); 7. Vereinigter Wahloorschlag Hessischer Landbund Deutschnationale Volkspartei im Kreise Büdingen (Landwirt Gustav M 0 g k I.-Grund-Schwal- heim); 8. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreise Friedberg (Landwirt Karl Breidenbach- Dorheim); 9. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreise Lauterbach (Bürgermeister und Landwirt Friedrich I 0 st - Bermutshain; 10. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutsch- nationale Volkspartei im Kreise Schotten (Landwirt Theodor C e l l a r i u s - Schotten); 11. Eintracht (Metzgermeister u. Bürgermeister K. V öl- z i n a !.°Ruppertenrod); 12. Evangelische Volksgemeinschaft (Bürgermeister Theodor Volke r-Lich); 13. Kommunistische Partei (Schneider IakobSchä- f e r - Bad-Nauheim, 14. Mittelftandsvereiniqung (Kaufmann Alexander Ringel-Gießen); 15. Bür- lerliche Partei' (Schlossermeister Wilhelm Adam Heß- Friedberg). Die Wahlvorschläge 1, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 sind einfach, die Wahlvorschläge 5, 6, 7, 8, 9 und 10 sind eng miteinander verbunden. " Zur Ablösung der Markanleihen der Gemeinden und Gemeindeverbände. Durch Bekanntmachung des hessischen Ministers des Innern vorn 8. Oktober ist die Treuhänderstelle für die Ablösung der Markanleihen der Gemeinden und Gemeindeverbände errichtet. Die Treuhänderstelle ist nur zur Wahrung der Rechte der Anleihegläubiger von hessischen Gemeinden und Gemeindeverbänden befugt. Anträge wegen der Auswertung von Reichsanleihen und den ihnen gleichgestellten Länderanleihen sind nicht an die Treuhänderstelle, sondern an Sparkassen, Danken, Genossenschaften usw. zu richten. Von den Besitzern sonstiger Länderanleihen und den Besitzern von Anleihen von Gemeinden und Gemeindeverbänden sind zur Zeit noch keine Fristen zu wahren. Es sind insbesondere die Fristen zur Anmeldung von Gemeindeanleihen noch nicht gesetzt. Es empfiehlt sich für die Besitzer von Gemeindeanleihen, die demnächst noch erfolgenden Bekanntmachungen abzuwarten. ** Die Hegezeit für Hasen. Das Hess. Ministerium des Innern hat den ‘Segfnn ,ttn: A» ■ ® rLLN ***48j- *w< 1185 n,lio»embet ”"h!« W8® ' Nuk*^1 * ’■ ßllober3? * Beträq- nh?^1' 96 °h"e Rüs, • ‘" Uäi* ÄlL? ÄUltU5, -tzs iS TM ■'**» e&£ Mm &f*ib ** für bi, ati, mit ben für bie bh lf*lenen unb noch 3u|ommen mehr Qk steuer können bie auf. ÄbS.r.,ieben' bnc Uschlag? gezM ^euerstnnduug. vom A. Oft bat ba « folgendes beftimmt . dem Drtrieb von rast, Gartenbau urö Dodenbevirtslbif. rnsteuerdvrauß. m 15. M 1925, ft» mber!S25zu cn> ft«. r für Mittver r FiuMentag" <(& kle für Heimatdic.7! Uniixrfttat, Amug. mgsgchilfen-DeckÄ^ lereiÄhaus" Aomtr- „Germania"/ S^llhr mlujifl. - SfätfoKi- nflirt“. - Moria- >straße". ltf(ub Dietzrn. .Mltzr. ib für chrifUit- hung. Domerj'rs n AMigentcil. läge zur Provu n neuesten Amtsvem n der amtlichen Reihe ge wie folgt seftgestet ikandidat MW bberg); 2. ToziKe» >g. Anton 2urÄ LaiilchePorletM h'Alssck): 4. MJ Landgerichts der jj NeuenhagtN-M und Landlisle E hessischer Bauernd^ rt Wilhelm Fenchel yssä fS&s/t Ä*nbÄj WS tonale yi0“h9p2anbtDirt DereinA >s-SE'K Röl. 3ürgerme> k ■ l. M ^EÄkobSch-' SS--7S rstz»L 3‘8S**®E .^alauln^eo icht an dte^ LÄ-LK»" ^$6 rs«W •ässs* nden^ . rf**’ der Hegezeit für Hasen für das laufenbe Jagd- fahr auf ben 1. Januar 1926 festgesetzt. •* Die Kleidersammelstelle für entlassene Strafgefangene bittet im heutigen Anzeigenteil um die Zuweisung abgelegter Kleidungsstücke. Wir empfehlen den Aufruf zur Beachtung. ♦♦ 21 u s dem Gießener Standesamtsregister. Es oerftarben in der Zeit vom 15. bis 31. Oktober: 16. Oktober: Anna Bender, geb. Kaiser, Witwe, 74 Jahre alt, Liebigstr. 72. 18. Oktober: Margarete Balser, 13 Jahre alt, Licher Str. 59. 21. Okt.: Lippmann Weil. Staufmann, 54 Jahre alt, Neustadt 10. Helmut Hofmann, 1 Jahr alt, Nahrungsberg 25. Wilhelm Philipp Panz, 1 Jahr alt, Kaiser- allee 119. 23. .Okt.: Wilhelm Hugo Stahl, Kaufmann, 20 JahrS alt,Liebigstr. 97. 25. Okt.: Hermine Hermanni, geb. Furchmann, 73 Jahre alt. Am Nie- gelpfad 82. 26. Okt.: Fanny Kahn, geb. Lind, 63 Jahre alt, Seltersweg 57. 29. Okt.: Karl Ludwig Franz, 1 Monat alt, Wetzsteingasse 23. 30. Oktober: Anna Elise Schnecko, geb. Spuck, Witwe, 73 Jahre alt, Ludwigstraße 22. Georg Fritz Hahn, Arbeiter, 20 Jahre alt, Schiffenberger Weg 63. 31. Oktober: Johannes Fersch, Oberamtsgehilfe, 61 Jahre alt, Südanlage 6. Margarete Lotz, geb. Andermann, Witwe, 82 Jahre alt, Licher Straße 74. RDB. Gepäckträger als Reisende. Auf verkehrsreicheren Bahnhöfen sind bekanntlich durch Dienstabzeichen und eine Nummer erkennbare Gepäckträger bestellt, die das Reise- und Handgepäck innerhalb des Bahnhofsbereichs nach den von den Reifenden bezeichneten Stellen zu bringen haben. Sie fasten ihre Dienstanweisung und den auf Verlangen vorzuzeigenden Gebührentarif bei sich tragen, auf Wunsch auch eine mit ihrer Nummer versehene Marke verabfolgen. Die Gebührensätze regeln sich nach dem Gewicht (nicht nach der Zahl) der Gepäckstücke und der Zeitdauer für die Beförderung. Bis zur Droschke werden z. B. in Berlin für 25 Kg. 30 Pf. erhoben und bei größerem Gewicht für je angefangene 25 Kg. 15 Pf. zugeschlagen. Dauert die Bedienung länger als 15 Minuten, so erhöhen sich die Sätze um 50 Proz. Auch für die Beförderung des Gepäcks nach und von der Wohnung und für sonstige Dienstleistungen enthält der Tarif feste Sätze. Für die Berliner Bahnhöfe bestehen noch besondere Aufbewahrungs- und Abfertigungsstellen, über die der Tarif gleichfalls Auskunft gibt. Beschwerden über die Gepäckträger sind beim Vorstand der Gepäckabfertigung, beim Babnhofsoorstand oder dem zuständigen 'Eisenbahnoerkehrsamt anzubringen. RDV. Handfeuerlöscher in den D« Zugwagen. Wie wir erfahren, schreitet die Ausrüstung der O-Zugwagen der Deutschen Reichsbahn mit Handfeuerlöschern rüstig vorwärts. Ein großer Teil der v°Wagen besitzt wieder die Feuerlöschappa- rate: die in Auftrag gegebenen werden eingebaut, sobald die Wagen wegen Ueberholung oder Reparä- turbebürftigfeit in die Werkstatt einlaufen. Auch die Ausrüstung mit Axt und Säge wird in demselben Rahmen diirchgeführt. Kirche und Schule. TD ieseck, 2. Aon Der gestrige Sonntag wurde als Weihetag der wiederher- ge st eilten Kirche von der Evangelischen Gemeinde mit freudiger Teilnahme begangen. Die Kreisbaubehörde war durch Oberbaurat Cella r i u s, Saurat Schneider und Bauober- jnspektor Mohr im FestaotteSdienst vertreten. Dcr Kirchenbaumeister der Landeskirche und Denkmalpfleger für Oberhessen. Geheimrat Walde- Darmstadt, hatte in einem Schreiben an das Pfarramt seiner Freude über die würdige Wiederherstellung des Gotteshauses Ausdruck gegeben. Sechs Wartburgerinnen in weihen Kleidern geleiteten mit langen brennenden Kerzen Dekan Guhmann und den Ortsgeistlichen an den Altar, wo sie als Sprecherinnen mit letzterem den 84. Psalm sagten. Die Schulklasse von Lehrer Schneider fang zwei mehrstimmige Gesänge. Dekan Guhmann überbrachte in einer Ansprache über Psalm 26,8 die Wünsche der kirchlichen Behörden. Der O r t s g ei st l i ch e hatte als Text der Festpredigt die an die Empörend rüstungen gemalten Schriftworte gewählt: „Ehre sei Gott in der Höhe!". „Dein Deich komme!", »Friede sei mit euch!" 3n einer an- schliehenden Besprechung mit dem Kirchenvorstand und der Gemeindevertretung gab der Ortsgeistliche eine Schilderung der geleisteten Arbeiten und zeigte, was als gute Gelegenheit zu weiteren Stiftungen noch zu tun sei. Dekan Guhmann gab dem Wunsche Ausdruck, dah durch den Rechtsstreit zwischen Kirchengemeinde und bürgerlicher Gemeinde keine dauernde Spannung zwischen beiden Teilen eintrete. Sin 3 u g e n b ■ gottesdienst am Nachmittag füllte das Schiff der Kirche vollständig. Ein Kindergesangbuch soll jetzt eingeführt werden; der Frauenverein. der zu dem Tag einen Altarteppich gestiftet, erfreute die Kinderkirche mit einem neuen Missior^neger. Diesen Gottesdienst verschönte im Anschluh an eine vorausgegangene Besichtigung die Giehener Gruppe des Bundes Deutscher Zugendvereine mit einem Chor. Die sinnige Schmückung des Altars hatte die Schulklasse von Frl. L e i e r z a p f übernommen; auch sonst fehlte es nicht, zumal bei der Wartburgjugend, an helfenden Händen. Einen stimmungsvollen Schluß gab dem Tag die vom Frauenchor im überfüllten Gotteshaus veranstaltete kirchenm u s i kal i s che Feierstunde am Abend. In uneigennütziger Weise hatten sich Frau Zieprecht (Mezzo- Sopran) und Stadtorganist Lehrer Simon- Giehen der guten Sache zur Verfügung gestellt. Die Solistin gewann sich mit dem schlichten Gebet von Hiller und Vaterunser von Krebs im Fluge die Herzen; die Orgel leitete die drei Abteilungen „Lobpreis Gottes. Friede in Gott, Glaubensstärke" mächtig ein. die Gemeinde teilte sich mit dem Frauenchor im Wechselgesang in die Choräle „Lobe den Herren" und „Ein feste Burg". Acht Chöre des Frauenchors unter der Leitung seines feinsinnigen Dirigenten, Lehrer Otto Stoll, waren nicht nur eine gewaltige äuherliche Leistung, sondern zeugten von einer bemerkenswerten Höhe aller Stimmen, die ja wiederholt schon auch bei Kirchengesangvereins- feften anerkannt worden ist. Das Gotteshaus in feiner neuen Gestalt ehrt nächst Gott den Gestalter, Maler Hermann Delte. den das Vertrauen der Kreisbaubehörde trug, das einheimische Handwerk und die Evangelische Gemeinde Wieseck selber. Ehrler, Regierungspräsident von Wiesbaden? Frankfurt a. M., 3. Aov. (WB) Aach Wagners Südwestdeutschem Aachrichtendienst bringt die „Kölnische Volkszeitung" die Nachricht, dah als Nachfolger des verstorbenen Regierungspräsidenten von Wiesbaden, Haenisch, der Polizeipräsident Ehrler von Frankfurt a. M. ernannt werden soll. Wie Wagners Südwestdeutscher Nachrichtendienst hierzu von unterrichteter Seite erfährt, entspricht es den Tatsachen, dah Polizeipräsident Ehrler für den Posten des Regierungspräsidenten in Wiesbaden in Aussicht genommen ist. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Schreckliche VftttLat in Obbornhofen. :.: Obbornhofen, 2. Nov. Ein schweres Verbrechen beging der schon mehrfach vorbestrafte. etwa 23jährige Otto Berg aus Wohnbach. Der Bursche weilte am Sonntag hier zur Kirchweih, wo er sich abends in angetrunkenem Zustand in der Gastwirtschaft von Litt aushielt. Er suchte hier Händel mit den ortsansässigen Burschen, diese liehen sich aber mit ihm nicht ein. Als nun der in der Gastwirtschaft weilende Landwirt Wilh. Ruppel. von seinem im Nebenzimmer sitzenden Bruder gerufen, in die Stube trat, drang Berg ohne Veranlassung auf Ruppel ein und stach ihn mit seinem Messer. Ruppel wurde so unglücklich getroffen, dah er schon nach wenigen Minuten verstarb. Der Bedauernswerte hinterläht eine Frau und ein Kind. Der Täter, der einen üblen Leumund hat. wurde von Schupobeamten verhaftet und in das Gefängnis in Hungen cingefiefert. Wirtschaft. • Z u den Anleiheverhandlungen der Stadt Barmen. Wie bereits vor längerer Zeit berichtet, schwebten Verhandlungen zwischen der Stadt Barmen und der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken mit dem Ziel, neben der Festlegung einer bestimmten Auswertungssumme für die von dieser Gruppe aufgelegten Dorkriegsanleihen eine neue Stadtanleihe von der Gemeinschaftsgruppe zu erhalten. Nunmehr ruhen, wie der DHD. aus zuverlässiger Quelle erfährt, diese Verhandlungen, die zu keinem Ergebnis geführt haben, vollständig. Die Dorkriegsanleihe soll nach den einschlägigen Aufwertungsbesiimmungen behandelt werden, während die Stadtverwaltung im Rahmen der deutschen Stadtanleihe um eine Auslandanleihe bemüht sein wird. ' Entlassungen bei den Klöckner- Werken. 3nfolge der immer schlechter werdenden Wirtschaftslage finden in den Klöcknerwerken. Abteilung Mannstadtwerke, weitere Entlassungen statt. •Borf entarte. (Ohne Gewähr.) 62,5 I 50 I 118 60 60,5 118' 62' 92.5' 28.5 27 27 Banknoten, 62.1 48.25 49,25 <5.5 U9.5' 40 62' 68' 71,62' 69,75' 75' 28 27.5 25 30 70 67' 83' 27.5 25 25 65,75' 83' 27,75 24,-5 65.5' 82.4' 28 26 95 55 24 2.13 60 ii9,2'; 00 ■ 117,7- ! 117,1 118' 117,7 68* ! 88.5' 71' I 73,75* Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne GewährZ______ 28 25 94,5 55 23,7 2.5 79,13 53 48,5 27 1.5 57.5 50 92,5' 73 92.1' 73,25' «0 । 61' 83,51 92.4' 73' 68.5 66' 55 235 2.25 79 1 54 6amburg-3merita Paket. . .1 Norddeutscher Llovd | Cheraustsche Werke 3[bin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont -Guano . . .. Badische Anilin tbemifebe Maver Lllaptn .. Goldschmidt Griesheimer Electron . . . . Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung..... , , Rütgerswerke Scheideanftalt ...... , fing. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .......... Mainkraftwerke..... . Schuckert . . . Siemens ,2Ü Buen.-AireS 1.726 1.730 1.728 1. <32 Brss.-Anlw 19 02 19,06 19,00 19,04 Christianla. 85,59 85,69 85,59 85,81 Kopenhagen 104,95 105,21 104,87 112,21 105,13 Stockholm . 112,24 112,62 112.49 HttnngforS. 10.555 10,595 10,555 16,58 10.595 Italien. . . 16.60 16,64 16,6'2 London. . 20,321 20.371 20,93 20,38 Nenvork . . 4.195 4,205 4,195 4,205 Paris.... 17,66 17,70 17,26 17,30 Schwei; . . KU.80 81,00 60,82 81,0-2 Spanien. - 60.07 60,63 60,02 69,18 Japan . .. 1,743 0.028 1.747 1,753 1,75? 0.630 Rio de Jan. 1.630 0.628 Wien in D.» Oest. abgest. 59,13 69,27 60,13 69,27 Prag .... Belgrad . . 12.425 12,465 12,42 12,46 7.43 7,45 7.42 7.44 Budapest. . 5,845 5,86 5,875 6,895 Bulgarien ■ 3,035 3,045 3,035 3,015 Lissabon 21 175 31,225 21.175 20,225 Danzig. . . 80,59 80.79 80.65 80.85 Konstantin. 2.365 2.375 2,365 2.375 Silben. . . 5.54 5-56 5.79 5.81 Canada. . . 4,197 4,207 4.197 4.207 Uruguay. . 4,255 4.265 4,275 4,28 j Berlin, 3 Novbr Geld Brief Amerikanische Violen ..... 4.177 4.197 Belgische Noten ........ Dänische Vtotcn . ....... 18,94 104,62 19,04 105.11 Englische Noten........ 20.287 20,387 Französische Noten...... Holländische Noten .... 17,22 168,41 17 HO 169,25 Italienische Noten...... 16.56 1 i,64 Norwegische Noten...... Deutsch.Oestcrr., ä 100 Kronen 85,'16 85.78 68,96 59,26 Rumänische Noten...... — —• schwedische Noten ...... 111,92 112,48 Schweizer Noten....... 80, GO 81,00 Spanische Noten....... 59,80 60.10 Tschechoslowakische Noten .. 12.38 13.45 Ungarische Noten..... 5,845 5.885 Frankfurter Wandbörse. Frankfurt a. M., 3. Nov. Bei belanglosen älmsähen verkehrte die Wendbbrse auf dcr Basis der gebesserten Nachbörsekurse; vereinzelt wurden weitere geringe Erholungen erzielt. Etwas Geschäft zeigte sich in ausländischen Renten. Am deutschen Rentenmarkt gingen bprozen- tige Reichsanleihen zu 0,217 um. Die Abendbörse schloß still in ziemlich befestigter Haltung. Deutsche Anleihen: Schuhgebietsanleihen 4,900. Ausländische Renten: 4.5prozentige österreichische Silberrenle 1,45, Ungarische Goldrente 12,05, Zolltürken 7,4, Administrationstürken 7. Bankaktien: Commerzbank 94, Darmstädter 103,50 (Medio), Deutsche Bank 105 (Medio), Dresdner Bank 100, Mitteldeutsche Creditbank 89,50, Ocstcr- reichische Creditaktien 6,75. Montanaktien: Gelsenkirchen 77, Mannesmann 61,50, Kali Aschersleben 105,50, Westeregeln 108,50. Chemische Aktien: Th. Goldschmidt 60, Höchster Farbwerke 117,75 (Medio), Rütgerswerke 62 (Medio). Schiffahrtsaktien: Hapag 68,50, Norddeutscher Llovd 73.75. 3ndustrieaktien: AEG. 92,50 (Medio), Aschaffenburger Zellstoff 50, Daimler 25, Elektrisch Licht und Kraft 92,25 (Medio), Eßlinger Maschinen 35,50, 3nag 0.40, Schuckert 67 (Medio), 3ulius Sichel 2,50, Wayß & Frehtag 62,62. Berliner Börse. (Eigener Drahtberichl des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 3 .Nov. Auch der zweite Tag der neuen Woche begann mit einem Darniederliegen des Geschäftes. Die Tlrnsähe. die ohnehin schon äußerst gering waren, wurden durch die gestrige Zulassung von wetteren 22 Papieren zum Terminhandel noch kleiner. Die Mindestabschlüsse in diesen Papieren betragen nunmehr 6000 Mk., gegen bisher 2 bis 3000 Ml., so daß in diesen Werten viele Geschäfte unterblieben, die seither noch von der kleinen Spekulation und vereinzelt auch vom Publikum getätigt wurden. Zur Zeit befindet sich die inner politische Krise auf ihrem Höhepunkt, so daß die Börse keine rechte Grundlage für ihre weitere Beurteilung der nächsten Zukunft Hal. Die Meldungen über Insolvenzen häufen sich wieder und lassen ebenso wie die Nachrichten über die Rückgänge der Einnahmen derReichs- bahn-Gesellschaft wenig günsttge Rückschlüsse in bezug auf die Wirtschaftslage zu. Die Lage des Geldmarktes übte auf die Tendenz keinerlei Einfluß aus. Aeig. stimmungSgemäß lieh sich aber bei Börsenbeginn ein AI e 6 e r - wiegen der Baisse-Gruppe erkennen. Etwas Geschäft entwickelte sich nur in Russen- werten und auch hier nur in Prioritäten, die nachbörslich etwas schwächer gelegen hatten. 02er Russen befestigten sich anfangs auf 2,75, 05er auf 2,05, Gulden-Prioritäten auf 2,13. Heimische Renten brodelten ab. Am Geldmarkt hörte man für tägliches Geld 9 bis 10,5 Prozent, für Monatsgeld 10 bis 11.5 Proz.< Am Devisenmarkt wurde für heute die Erklärung P a i n l e v e s über seine Finanzpläne erwartet, die für die weitere Gestaltung des Frankenkurses nicht ohne Bedeutung ist. Die hieran geknüpften Erwartungen find anscheinend nicht allzu hoch gespannt, denn Paris gab gegen London auf 117,50 erheblich nach. Auch Brüssel lag schwächer. Gegen Kabel wurde heute wenig gehandelt, da die Neuhorker Börse an Dienstagen geschlossen bleibt Die Reichsmark notierte gegen London 20,34, Paris 5,75, Amsterdam 59,17'/.. Frankfurter Getreidebörse. Frankfuri a. M„ 3. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23,50, Roggen, inländischer 17,25, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 24, Hafer, inländischer 19 bis 21, Mais, gelb 18,50 bis 18,75, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 37,50 bis 38, Roggen mehl 24,75 bis 25, Weizen kleie 10, Roggenkleie 10,25 bis 10,50. Tendenz: Stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 3. Nov. Der P/oduktenmarkt hatte bei anhaltender Geschäftslosigkeit fast unveränderte Preise. Weizen für Export gefragt und daher etwas höher, Roggen war dagegen vernachlässigt. Es notierten per Tonne: Weizen (mark.) 217 bis 220, Weizen (Dezember) 235 bis 236, Weizen (März) 239 bis 239,50, Roggen (märt) 141 bis 144, Roggen (Dezember) 164, Roggen (März) 174 bis 173,50, Roggen (Mail 178, Gerste (märt) 186 bis 210, Futtergerste 149 bis 161, Hafer (märt) 161 bis 171; pro Doppelzentner: Weizenmehl 26,75 bis 31, Roggenmehl 20,75 bis 23, Weizenkleie 11,20 bis 11,30, Roggenkleie 9 bis 9,30, Diktoriaerbfen 26 bis 31. kleine Speiseerbsen 25 bis 27, Futtererbsen 19 bis 22, Peluschken 18 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 25, Lupinen (blau) 12 bis 12,50, sä" für fanget/ Hwrtsleure, Raucher Habe ein lattloni nach Geh.-Rat Prof. Dr. Gustav Spies, Frankfurt a. M. in meinem Heil-Institut aufgestellt und steht allen Asthma-Leidenden sowie bei Grippe und Erkrankungen der Luftwege von morgens 8 Uhr bis abends 9 Uhr zur gefl. Benutzung. Heil-Institut August Bues staatlich geprüfter Heilgehilfe Walltorstraße 38 p GIESSEN Walltorstraße 38 p. Bin unter 08925 Nr. 1309 an das Fernsprechnetz Gießen angeschiossen. Friedrich Rau, Rirchftrahe 6 Sau- und Maschinenschlofferei Dreherei :: autogene Schweißerei ailHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltH | Geschäfts-Eröffnung E Wir eröffnen heute Neuen Bäue 3 eine D I Papier- n. SeMmoWaep | I vertaten mit Uetatame von örucksachen aller Art lör Privat- ond GescHmrkelir g E Einem sehr verehrl. Publikum von Gießen und Umgebung bringen wir D E dies hiermit zur gefl. Kenntnisnahme und bitten, bei Bed-.rf sich unserer e E Firma zu erinnern. 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Für die ganz Kleinen macht er die Milch leichter verdaulich. V'';V; 'D: anwesend , während im Vorjahre um diese Zeit die Zahl 800 kaum, zu verzeichnen war. In erfreulichem Steigen ist auch die Zahl der ausländischen Kurgäste begriffen. Mit 4922 beträgt sie feit 1. Januar 1206 mehr als in 1924. Das Kurhaus ist auch während der Wintersaison der Mittelpunkt des geselligen Lebens der Kurgäste. — Auf eine erfolgreiche öffentliche Veranstaltung kann der E v. Jugend- und Männerverein zurück- blicken. Er veranstaltete in der Turnhalle des Turnvereins 1860 eine Reformationsfeier, die sich m ihrem Verlauf zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete. Die Turnhalle dürfte wobt selten soviel Menschen bei einer Veranstaltung beisammen gesehen haben. Ein sorafälttg zusammengestelltes Programm bot beste Unterhaltung und reiche Erbauung. Der Posaunenchor und ein Kinderchor boten ihr Bestes, und Pfarrassistent Hofmeyer würdigte in einer Ansprache das große Werk des Wittenberger Reformators. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die westliche Wiedergabe des fünfaktigen Festspiels „L u - thertage in Frankfurt o. M.", das den Geheimrat D. Dr. Dechent, den bekannten Forscher auf dem Gebiet der Frankfurter Kirchengeschichte, zum Versasier Hal. Der Reinertrag der Feier kommt dem zur Zeit erfolgenden Umbau der alten Wilhelmskirche in ein evangelisches Vereins- Haus zugute. [ Rieder-Florstadt. 3. Rov. Run kann auch hier die Ernte als beendet angesehen werden. Die Kartoffeln sind auch auf den Gutshöfen alle aus, nut noch einige Aecker müssen obgeeggt werden. Die Zuckerrüben sind ausgemacht, sitzen aber zum Teil noch auf Haufen, mit ihrem Kraut gegen etwa ein- setzenoen Frost geschützt. Sie werden in die Zuckerfabrik nach Friedberg gefahren. Die D i ck- wurz sind eingefahren, oder in Mieten unter- gebracht. Die Herbstaussaat ist soweit beendet, und die Aecker werden nun gestürzt. Die Gutshöfe verwenden Motorpflüge, wodurch auch bei ihnen diese Arbeit schnell erledigt sein wird. Die feuchte Witterung hat die Vermehrung der Schnecken so sehr begünstigt, daß sie voraussichtlich dem jungen Getreide sehr schaden werden. Kreis Büdingen. nd. N i d d 0, 2. Nov. Heute wurde der Unterricht an der hiesigen Gewerbeschule für das Wintersemester mit einer kleinen Feier eröffnet, rooxu nickt nur sämtliche Schüler und Lehrer der Anstalt, sondern auch der Aufsichtsrat vollzählig erschienen waren. Geh. Iustizrat Römheld, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, begrüßte die Erschienenen und hielt eine warme Ansprache an Lehrer und Schüler. Die Gewerbeschule umfaßt drei Klassen und 67 Schüler, die höchste Zahl, die der Besuch der Schule in den 35 Jahren ihres bisherigen Bestehens aufzuweisen hat. Die Schuler stammen fast sämtlich aus Oberhessen. Der Unterricht wird täglich vormittags und nachmittags erteilt, die Unterrichtszeit ist so gelegt, daß die meisten Schüler zur Her- und Heimreise die Bahn benützen können. Die mit der Gewerbeschule verbundene gewerbliche Fortbildungsschule umfaßt sieben Klassen mit beinahe 200 Schülern. Außerdem sind der hiesigen Gewerbeschule noch die gewerblichen Fortbildungsschulen in Schotten, Hungen, Saubad), Echzell und Reichelsheim i. d. W. angegliedert, an denen der Fachunterricht von den hiesigen Gewerbelehrern erteilt wird. Durch die Ernennung des seitherigen Gewerbelehrers Vitt zum Rektor der Schule war eine Gewerbelehrerstelle erledigt. Diese ist dem durch Abbau in den einstweiligen Ruhestand getretenen Bahnmeister Jahn von hier übertragen worden, der heute seinen Dienst übernommen hat. Das Lehrerporsonal besteht nunmehr außer dem Rektor noch aus fünf Gewerbelehrern unö einem hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer. )( Ortenherg, 2. Rov. Rachdem am Samstag die neue Glocke eingetroffen war, wurde sie gestern in festlichem Zug eingeholt und vom Bahnhof nach der Kirche geleitet, stlm 4 Llhr eröffneten am Bahnhof die Klängp der Stockheimer Musikkapelle die Feier. Rach einem Ehor der Kinder unter Leitung von Lehrer Roß entbot Pfarrer Kahn der neuen Glocke den Willkommgruß der Gemeinde, erinnerte an die Ab'ie'erung der alten Glocke und dankte den Orlenberger Vereinen, die mit ihren Fahnen erschienen waren, den Behörden und der sehr zahlreich versammelten Gemeinde für ihr Erscheinen. Unter Vorantritt der Musik und der Schulkinder mit ihren Lehrern setzte sich dann der Dierspännerwagen mit der durch Tannen- gewinde und Blumen geschmückten Glocke in Bewegung. Es folgten dem Wagen, der ebenfalls ein festliches Gewand trug, S. D. Prinz Ernst zu Stolberg-Roßla, der Kirchenvorstand und die Kirchengemeindevertretung, der Stadtvorstand, die Vereine mit ihren Fahnen an der Spitze und ein großer Teil der Gemeindeglieder. An der Kirche hielt nach einem Musikvortrag, einem Chor der Schüler und gemeinsamem Gesang der Gemeinde der Ortsgeistliche eine Ansprache. Er erinnerte an die Geschichte unserer Glocken, dankte allen Gebern, die die Anschaffung der neuen etwa acht Zentner wiegenden Glocke ermöglicht haben, deutete die Inschriften der alten und neuen Glocke und ihre Ramen „Abend- und Weinglocke" und weihte sie zü gesegnetem Dienste feierlich ein. Ein gemeinsamer Choral und ein Standkonzert der Musikkapelle auf dem Marktplatz beendeten die erhebende Feier. Die Glocke wurde von der Firma Rinker in Sinn gegossen; ein Glockengießer namens Rinker, sicher ein Vorfahre der jetzigen Weltfirma, hat auch unsere große Glocke nach vorhandener Inschrift auf dieser zu urteilen, in Ortenberg unter der Linden gegossen (1686)., Die feierliche Ingebrauchnahme der neuen Glocke finbet am Sonntag durch einen Festgottesdienft statt. Zx Bingenheim, 3. Nov. Oberförster B l time n a u , der mehrere Jahre der Forstasiessoren- stelle beim hiesigen Forstamte Vorstand, wurde als Forstmeister in die Oberförsterei Dornberg bei Groß-Gerau versetzt. Nur ungern sah die Beamten- und Bewohnerschaft den allzeit hilfsbereiten und liebenswürdigen Beamten von hier scheiden. Kreis Schotten. □ Laubach, 3. Nov. Die Kartoffelernte, die infolge der nassen Witterung in diesem Jahre ungewöhnlich lange hinausgeschoben werden mußte, ist nunmehr nahezu beendet. Der Erttag ist. im allgemeinen recht befriedigend, viel bester, als man anfänglich annahm. Sehr bewährt haben sich hier die Sorten „Odenwälder Blaue" und Heimat". Die Sorte „Industrie" ist dagegen ganz entartet: sie ist der Fäulnis stark ausgesetzt. Auch die Dick wurzel ist nahezu geborgen; auch mit ihr kann man im ganzen recht zufrieden sein. Ungemein häufig treten die Schnecken auf; sie erweisen sich als recht gefährlich. Auch die Feldmäuse sind üoch sehr zahlreich. Die fortaefehte warme Witterung hat ihre Vermehrung sehr begünstigt. Ebenso sind die Schnaken mehr und mehr eine Landplage geworden. Das milde Wetter seht sie wieder in Bewegung. Hier wären allgemeine Vertilgungsmaßregeln sehr am Platze. Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß unsere Provinz von den greulichen Plagegeistern so besetzt wird, wie die Gegenden am Rhein. Vor drei Jahrzehnten kannte man sie kaum tm Vogelsberg. Jetzt sind sie bis zu einer Höhe von 3—40Ö Meter sckön vorgedrungen. Wenn nichts geschieht, so verliert unser heimatliches Gebirge, das sich als Sommerfrische so gedeihlich entwickelt hat, den Vorzug, als „schnakenfrei*' zu gelten. ■ Kaul stos, 3. Nov. Der Lehrer Johannes Menge! von hier wurde zum Lehrer an der Volksschule zu Nack, Kreis Alzey, ernannt. r Kreis Alsfeld. fr* Alsfeld, 3. Rov. Sladtvor- standssihung. Als erster Punkt der umfangreichen Tagesordnung der gestrigen Sitzung wurde die Errichtung weiterer Kraft- p v st l i n i e n verhandelt. Es handelte sich dabei um die Linien Alsfeld — Ulrichstein- Schotten und AlSfeld — Grvh-Felda— Alrichstein —Rieder-Gemünden. Rach der an der Postverwaltung vorgelegten Berechnung beläuft sich die Garantiesumme der Ge- nreinden für beide Strecken auf insgesamt 44 000 Mark, d. h. es entfallen auf den Kopf der Bevölkerung 2,30 Mk. Die auf die Stadt Alsfeld entfaltende Garantiesumme beträgt 11 721 Mk , die zu übernehmen wäre. Die Ueber- nah me dieser Summe wurde genehmigt. — Erweiterung der Wasserversorgung im Quellengebiet O b erbrei denbach: In dem nach dem Bachgesetz boegefd)riebenen Verfahren zur Entschädigung der Triebmarksbesiher, deren Wasserkraft durch die im Quellengebiet zu fassende und abzuleitende städtische Quelle beeinträchtigt wird, fand eine Verhandlung vor dem Kreisausschuß statt, die mit einem Vergleich endigte. Darnach erhalten die beteiligten Müller eine Entschädigung von insgesamt 3024 Mk. Der Vergleich wurde genehmigt. Ein nachträglich an- gemelbeter Entschädigungsanspruch des Müllers Rievlaus Kleemann auf der Steimsmühte wurde abgelehnt. — Die Feuerversicherung für das Mobiliar in der Festhalte wurde der Frankfurter Allgemeinen Verficherungsaktien- gesellschaft zum Prämiensätze von 1.75 Mk. pro 1000 Mk. in Höhe von 10 000 Mk. übertragen. — Herstellung eines Neudruckes des Ortsbauplans: Der Ortsbauplan der Stadt ist im Laufe der Zeit infolge der vielfachen Abänderungen lehr uirubersichtlich geworden. Es wurde daher Die Herstellung eines Neudruckes des gesamten Ortsbauplans auf Grund der neuen Katastervermesfung beschlossen und hierfür ein Kredit bis zu 1200 Mk. bewilligt. Es sollen sechs Abdrücke bestellt werden. — älnterhaltung des Hospitalgebäudes: Auf ein Gesuch der Bewohner des Hospitals wegen unzureichender Keller- und Speicherräume wurde beschlossen, in dem nächstjährigen Hospitalvoranschlag die Schaffung weiterer Keller- und Speicherräume im Hospitalgebäude vorzusehen. — Der Verkauf eines Kassenfchrankes, der noch im ,,Deutschen Hause" von der Verkäuferin des Gebäudes bei dem Hebergang an die Stadt im Inventar vorhanden war, an die Dezirkssparkasse 2llsfeld zum Preise von 500 Mk. wurde genehmigt, da die Stadt für den Schrank, es handelt sich um einen Safe, keine Verwendung bat. — Ein Gesuch um Ausbau des Stadt- mauer Weges zwischen der Hersfelder Skraße und dem Fuldertor wurde bis zum nächstjährigen Voranschlag zurückgestellt. Dis dahin soll der Weg gereinigt und, soweit nwglich, durch D» kiesung in begangbaren Zustand berfe&t werden. — Ein weiteres Gesuch der Bewohner der Tilemannschnabelstraße um Herstellung eines Bürgersteiges soll für den nächsten Voranschlag vorgemerlt wrrden. — Heizung derPo st autohalle: Die Stadt hat vertragsmäßig die Heizung der Wagenhalle für die Post- kraftwagen zu tragen. Alm ein Einfrieren der Motore im Winter zu verhüten, wurde beschlossen, zur Heizung der Kühlhauben der Motore vier Stück „ Frosttrotz Elheiko" bei einer Berliner Firma zum Preise von 16,50 Mk. das Stück zu bestellen. — Für die Zeppelin-Gckener- SPen de wurde ein Beitrag von 100 Mk. be* willigt. — Wochenendtagung der Reichszentralstelle fürHeirnatdien st Lanoeasbteilung Hessen: Für diese Veranstaltung, die tm Laufe des Winters wieder vorgesehen ist mit mehreren staatsbürgerlichen Bildungsvorträgen hervorragender Dozenten, wurde ein Beitrag von 50 Mk. bewilligt. Der Kreis Alsfeld hat dazu einen Beitrag von 25 Mk. gewährt. — Alnter Mitteilungen am Schlüsse der öffentlichen Sitzung gab der Vorsitzende das Ergebnis einer in Frankfurt kürzlich abgehaltenen Besprechung der Gemeinden mit gewerblichen Lehranstalten über die Verteilung bVr Kosten für die Gewerbes chulen bekannt. — Außerhalb der Tagesordnung wurde noch, der Ankauf und Lllntausch eines Pferdes für den städtischen Fuhrpark genehmigt. !—! Rieder-Ohmen, 3. Roo. Zur Gern e ind e r a t s w ah l sind hier fünf Wahl- Vorschläge aufgestellt worden. — Hier ist jetzt die Mäuseplage außerordentlich emp- sindlich geworden. Zur Bekämpfung der Schädlinge müssen noch energische Maßnahmen ergriffen werden. Die Winteraussaat wird auch hier von den Schnecken stark heimgesucht. Besonders in Wiesen und Kleeäckern ist der Schaden sehr groß. Preußen. Kreis Wetzlar. Wetzlar, 3. Nov. An den Straßen! reu« jungen unserer Stadt sind nunmehr die neuen Verkehrsschilder fast vollzählig angebracht. Man muß zugestehen, daß bei ihrem Entwurf äü guter Geschmack witgcwirkt hat, wenn auch hier und da ein kleinerer Umfang genügend gewesen wäre. Ihre Farbe, schwarze Schrift auf gelbem Unter» gründ, wirkt auf das Auge angenehm, ist leicht sichtbar und gut zu lesen. Auf einem kleineren Schild am Eingänge zur Haarbachstraße steht außerdem zu lesen: „Zu den Goethestätten". Hiermtt ist wohl in erster Linie der Goethebrunnen gemeint. Dieser befindet sich aber in einem so her» unternommenen Zustande, daß er heute feine angenehme Erinnerungsstätte mehr an den großen Dichter und auch keine Empfehlung für die sonst so idyllisch schön liegende Stadt bildet. Auch die Anlagen um dem Dom und der „Kleine Friedhof" machen einen äußerst schlechten Eindruck auf den Fremden. Seitdem man den Schildbürgerstreich gemacht hat, das schone Kriegerdenkmal auf dem „Kleinen Friedhofs abzureißen, befindet sich dort nur eine große Stetnwüste, und das noch direkt an der schönsten Stelle der Dom- Umgebung. Hier einzugreifen wäre eine dankbare Aufgabe unseres neuen V e r k e h r s v e r e i n s, denn bis auf dem Gtadtbauamt die Pläne für eine würdige Ausgestaltung unserer alten historischen Stätten ausgearbeitet worden sind, wird bei seiner starken Inanspruchnahme doch noch einige Zeit vergehen. — Durch den Brand der M o s e r s ch e u MühleinWeilburgtst auch die hiesige Firma L e i ß, Optische Werke, st a r t betroffen worden. Moser hatte bekanntlich in seiner Mühle eine größere Schreinerei errichtet und arbeitete hierin fast ausschließlich fiir die Firma Leitz, der auch die wertvollen Maschinen gehörten. Durch das Feuer sind diese fast vollständig vernichtet worden. Der Schaden, den die Firma hierdurch erleidet, ist erheblich. Dillkreis. WSR. Dillenburg, 3. Rov. Die Hoch- ofenschwemmsteinfabrik G. in. b. H. in Oberscheld wird wegen Absatzschwierigkeiten am Mittwoch, 4. Rovember, auf vorläufig un- bsstimmte Zeit die Arbeit einstellen. — An einer abschüssigen Stelle in der Räße von Manderbach wurde gestern ein älterer Arbeiter von einem Radfahrer von hinten angefahren. Er stürzte und erlitt außerordentlich schwere Verletzungen. Wenige Minuten darauf stürzte ein anderer Radfahrer an derselben Stelle und wurde leicht verletzt. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 5. Rovember. 3,30 bis 4 11 br: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 6 älhr: Rachmittagskonzert des Aus- orchesters, neue Tanzschlager. 6 bis 6,30 illyr: Die Lesestunde, aus dem Buch: Unter Indianern Südamerikas, von Prof. Dr. M. Schmidt-Berlin. 6,30 bis 7 ilfjx: Aus der Entwicklungsgeschichte der Frankfurter Industrie. Vortrag von Dipl.- Jng. Weihe. 7 bis 7,30 llftr: Die Wirtschasts- theorien vom Merkantilismus bis zur Gegenwart, Vortrag von Diplom-Handelslehrer E. Beyer. 7.30 bis 8 „iUjr: Funkhochschule, Vortrag von Pfarrer Taesler: Goethes erotische Weltanschauungsgedichte. 8,30 Uhr: Heiterer Abend. «Sier- - Nudeln, Balt’ bei VeHcbleimung, Duften, hetferheit, ffcye echte Sodener stets bereit* Für den Büchertisch. Dauthendeys Werke. Am 29. August waren es sieben Jahre, seit man zu Malang in Dfijaoa die deutsche Flagge über den Sarg Max Dauthendeys breitete. Der Deutscheste und Treueste, auch er starb sür das Vaterland. Der Jammer um sein Volk, für das er nicht kämpfen durfte, und die Sehnsucht nach seinem treugeliebten Weibe hatten ihn nach vier Jahren heroischen Duldens zerbrochen. — Nun, nach sieben Jahren, kommt er uns, herrlich und unsterblich, wieder in seinen gesammelten Werken. 93er der Fülle seines Lebenswerkes, das der Münchener Verlag A l b. Langen mit dankbarer Freundeshand im schönsten und feinsten Gewände herausgibt, stehen wir in Staunen und Ehrfurcht. (Dünndruckausgabe in sechs Ganzleinenbänden, Preis 90 Mk.) Alle seine uns längst teuren Werke sind darin: Die Gedichte von seiner Weltreise, „Die geflügelte Erde", jene überwältigenden Hymnen auf die Schönheit und Seltsamkeit der Welt, die fast schöner noch sind als die berühmten „Grashalme" von Walt Whitmon; bann alle die Hunderte von zarten und innigen Liebesaedichten Dauthendeys, dieses letzten großen Minneiängers, dazu die ein ungeheuer wichtiges Stück Lebens- und Kulturgeschichte umfassenden Bücher: „Der Geist meines Vaters" und „Gedankengut -aus meinen Wanderjahren"! weiter die so überraschend fein in die Seele des Ostens einge- fuhlten Novellen „Die acht Gesichter am Biwasee" und „Lingam" und die kostbaren „Geschichten aus den vier Winden", der prachtvoll geschriebene Roman „Raubmenschen", die buntfarbenen „Erlebnisse auf Java" und vor allem das teuerste seiner Bermächtnisie, das große Brief-Tagebuch „Letzte Reise". — Dazu aber sind, gewiß ein hochwillkommenes Geschenk für alle seine Verehrer, noch eine Reihe bisher unveröffentlichter oder längst vergriffener Werke gekommen. So „Ultra-Violett", mit dem der junge Dichter auf den Plan trat und die Menschen zuerst hoch aufhorchen machte, die Vers- dichtungen „Schwarze Sonne" und „Phallus", die ein so eigenartiges und hohes Gedanken- und Seelenleben des jugendlichen Dichters offenbaren, sowie seine frühen Dramen und dramatischen Szenen: „Sun", „Sehnsucht", „Kind", „Glück" und „Das Unabwendbare", die ankündigen, was die berühmten „Spielereien einer Kaiserin" und die von Witz und Geist funkelnde skandinavische Bohemekomödie „Maja" zur Genüge bewiesen, daß wir in Mar Dauthendcy ein großes, dramatisches Talent verloren haben, — und was für ein Seelenfchilderer! Auch der längst vergriffene frühe Roman „Iofa Gerth" ist in den Gesammelten Werken enthalten, eine Arbeit, die sich getrost neben Fontanes „Effi Briest" stellen kann, was Einfühlung in die Mäd- ck)en- und Frauenseele und ruhige Klarheit der Darstellung anbetrifft. Und zudem noch außer den schmerzlichen Kriegsgedichten: „Des großen Krieges Not" eine Perlenreihe noch unveröffentlichter, letzter Gedichte, wie auch das Werk, das bisher nur in wenigen Exemplaren auf Java gedruckt wurde: „Das Lied der Weltfestlichkeit", fein religiös-philosophisches Bekenntnis, eine Dichtung, die uns von der hohen Reife und der Erleuchtung feiner leid- verklärten Seele Zeugnis ablegt. Kaum je hat sich ein Dichter so ganz, fo wahr und unmittelbar gegeben in seinem Schaffen, wie Max Dauthendey. Mir sind zu Hause in seinem innersten Herzen, das eine Glut und Zartheit der Liebe besaß, von der die wenigsten Menschen in ihrem Leben auch nur einen Schimmer erhaschen. Wir bewundern fein geniales Schaffen, aber fast mehr noch lieben wir ihn, diesen reinen, großen Mann. „Schmerzend schön", sagt er einmal, „werden auch die Menschen, wenn sie scheiden." Schmerzend schön ist dieser Freund der Menschheit, Max Dauthendey, geworden in der Todeinsamkeit und Bangigkeit von In- sulinde, und wir gedenken bei seiner unendlichen Sehnsucht der „achten" Seligpreisung Peter Roseggers: „Selig sind, die da Heimweh haben. Denn sie sollen nach Hause kommen." Er ist nach Hause gekommen, der Wellenfahrer, in doppeltem Sinne. Nun lebt er ewig, auch in seinem geliebten Deutschland. 543 Neue Romane. — Max Halbe: Frau M es eck (Reclams Unwersalbibllothek Nr. 6561). Der tragische Irrtum einer greifen 5rau, die sich mit einem jugenbträftigen Mann zusammenkettet, ist das Motiv dieser packenden Dorfgeschichte. Frau Meseck, eine von den langsamen Naturen, die, selten und kostbar wie alter Wein, mit den Jahren an Kraft und Feingehalt zunehmen und sich erst im Alter voll entfalten, wählt als siebzigjährige kinderlose Witwe den jungen Inspektor ihres Gutes zu ihrem Mann, um sich einen Ersatz zu schaffen für das, was ihre Jugend ihr versagte: das eigene Kind. Eine Art tierische An- hänglichkell unb Furcht zugleich bindet den Mann an die Willensstärke, geistig überlegene Frau, bis die Erkenntnis, daß er um sein junges Leden betrogen sei, ihn in den Tod führt. Die Frau, die in ungebrochener Kraft ein Uebcrmaß an Jahren erreicht und nicht sterben kann, an der Leiche dieses Mannes, mit dem Schrei aus tiefster Brust um letztes Erbarmen, schließt diese erschütternde menschliche Tragödie. 593 — Ernst III. Roman von Georg Freiherr von Ompteda. In Ganzleinen gebunden Mk. 8.—. (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.) Ompteda, der Vertreter und Dichter des „Deutschen Adels um 1900", tritt nach langer Zeit wieder vor seinen Leserkreis mit einem großen Roman, in dem er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, frei und unbefangen, mit entschleiertem Blick. Wie einst Jonathan Swift den Zerrspiegel der Satire als wirksamstes Mittel erkannte, über die politischen und sozialen Zustande seines Vaterlandes den Mitbürgern die Wahrheit zu sagen, so wählt auch Ompteda den Stil der großen Satire, des Humors, um lachend — die Wahrheit zu sagen. Er kann in feinem Ernst III. den Typus des Herrschers treffen, einen liebenswerten, verstehenden König, der durchaus bestrebt ist, „Menschen menschlich zu sehen", in all den Gefahren zu zeigen, die die Kluft zwischen den Regierenden und Regierten geschaffen und die Herrscher in Abhängigkeit von ihren Kreaturen gebracht haben. Besonders für die Schilderung dieser Umgebung des Königs ist bei Omptedas unbestechlicher Objektivität und Gerechtigkeit der satirische Stil ein künstlerisches Hilfsmittel ersten Ranges. Seine Liede gehört, wie die seines Königs, dem unverdorbenen, unverführten Volk, dessen wahrer Patriotismus ihm die Anhänglichkeit an die Scholle, die Treue gegen die lleberüefcrung, die Hingabe an die Schönheit der Heimat, bas Pflichtgefühl gegen die einmal übernommene Arbeit, kurz bie Dankbarkeit gegen alles Gute, bas Gott verliehen hat, bebeutet. 638 — Friedrich Frekfa: Der rote Föhn. (Verlag Grethlein & Co., Leipzig.) Eine groß angelegte, packende, von Ereignissen und Menschen reich belebte Schilderung aus der schwersten Münchener Zeit. Aus dem wirren Geschehen treten deutsche Menschen hervor, suchen und finden sich selbst, zu ihrem eigentlichen besten Wesen. Besonders die deutsche Fran, die einscheidend in den Gang der Entwicklung eingreift, erfährt hohe Würdigung und glänzende Darstellung. Mit Humor und feinster Satire weih Frekfa den Knoten menschlicher Schicksale zu binden und zu lösen und diese in feiner gradlinigen Art auf dem Hintergründe großer Entscheidungen durchzuführen. 554 — Das Spielzeug Gottes. Zwei Historien über ein Thema von Hans Richter. Verlag Ernst Keil's Vachfolger (August Scherl) G.m.b. H., Leipzig. Mit zwei Portraits. Ganzleinen 6 Mk. — Der große Schilderer der Industrie hat mit diesem Werk einen neuen Weg beschritten und gibt, unter dem symbolischen Titel zusammengefaßt, zwei zarte und erschütternde Historien: „Sigbrit Willums Tochter" und „Die Königin von Chpern". die Lebsnstragödien Dyvekes, der Geliebten Christians von Dänemark, und Caterina Cornaros, der Gemahlin Philipps von Cypern. Aeußerlich spinnen sich keine Fäden zwischen den Schicksalen beider Frauen, deren edles, leidvolles Menschentum durch Zeiten und Länder von einander geschieden ist. Aber den inneren Ein! ang ihres Verhängnisses hat Richter mit tiefem psychologischen Verständnis gefunden: ihre Frauentragik, nur schön zu sein. Beiden hat das Leben die Zügel der Macht geboten, aber es versagte ihnen die Kraft, sie zu halten. 532 — Didring, Ernst, D i e Weltspinne, Vornan. Leinen 7,50 Mk. (Verlag Georg Westermann,' Braunschweig.) — Gold und Vadium- strahlen sind die beiden Hauptfaktoren der gewaltigen Gleichung dieses Buches. Zwei Männer — zwei Lösungen des großen T. Bei dem einen rastloses Such«, nach dem verkörperten Prinzip des Bölen, der „Weltspinne", welche mit ihren Fäden unbarmherzig Welt unb Menschen zu drosseln scheint: ein Leben voller seltsamer und nervenpeitschender Ereignisse, voller Sensation und Vervenkitzel, scheinbar das wirkliche Leben, in Wahrheit, trotz alles großen Wollens, nur Abenteuer und Jagd nach Phantomen. Bei dem andern stille, aufopfernde, zähe Arbeit im Dienste der Wissenschaft und der Menschheit — ein Schaffen, das in aller Schlichtheit die Welt doch um einen Millimeter weiterbringt. Wie diese beiden Männergestalten gegeneinander abgewogen sind, ihre Stellung zur Arbeit, zum Weib, zur Welt, das zeugt von hoher dichterischer Kraft. 571 Schweizer Dichtung. Jeremias Gotthelf hat uns eine Anzahl kürzere Erzählun gen geschenkt, darunter Meisterwerke, die an einheitlicher Anlage und Stimmung die meisten seiner Romane übertreffen. Aus den Schätzen dieser ausgereisten Kleinkunst sind die prachtvollsten Stücke ausgesucht unb nunmehr in zwei Bänden im Rahmen der im Eugen Renis ch Verlag, München erscheinenden billigen Ausgabe der Hauptwerle Jeremias Gotlhelss erschienen. Sie umfbamten — wie die Hauptwerke — die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens, die ganze Stufenleiter der menschlichen Gefühle, von der religiösen Andacht und prophetischen Ergriffenheit bis zum burlesken ilebermut; gewaltige Vaturschaufpiele und LebenStragödien neben idyllischen Bildern des Kleinlebens, wuch- lige Satire neben spielendem Humor, leidenschaftliche Anklagen neben behaglicher Erzählerlaune, Großes und Kleines, Furchtbares und Liebliches, Erhabenes und Lächerliches. 611 — Jakob Boßhart: Die Entscheidung und andere nachgelassene Erzählungen. (Verlag Grethlein & Eo., Leipzig.) Der Dichter erzählt in seiner anschaulichen, formstrengen Weise von Menschen. die aus tiefem, unverfälschtem Instinkt ihr Menschentum retten. Neben diese schlichten und lebenskräftigen Naturen stellt Boßhart andere, die taffen und rechnen und darob das Wichtigste, ihre menschliche Verantwortlichkeit, verdrängen oder, in Selvstgerechttgkeit und Ichsucht verstrickt, sich um die großen Entscheidungen des Lebens und damit um das Leben selbst betrügen. 589 Heinrich Federer. Regina Lob. Aus den Papieren eines Arztes. Roman. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller, Do. 162.) Geheftet 4.50 Mk., Ganzleinen 6.50 Mk.. Halbfranz 10 Ml. Berlin, G. Grote. Der berühmte Meistererzähler, der im vorigen Jahre mit dem Gottfried-Keller-Preis ausgezeichnet wurde, schenst uns diesmal einen von schwerem Blut und dem Brausen jugendlicher Leidenschaften durchpulsten Roman. Ein schönes, seltsames Weib, leuchtend wie eine dunkelrote Rose und mit scharfen Dornen bewehrt, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der Dichter schildert das Leben und Treiben der Studenten in der Grohstadt-Ilniversität mit der gleichen bewundernswerten Kraft und Frische wie das sstlle Innenleben des hochgelegenen Alpendorfes. Dieser Roman, dem auch wieder die anmutige und dabei zuFeich urwüchsige Sprache Federers eignet, wird seines besonderen Motives halber voraussichtlich in noch weitere Kreise bringen als die bisherigen Werke des Dichters und ihm einen neuen großen Freundeskreis gewinnen. 679 Fremde Literaturen. Die repräsentativen Meisterromane der Weltliteratur in vorbildlichen Ausgaben bereinigt der Leipziger Verlag Paul List in einer Sammlung „Epik on". Angestrebt wird das große Epos menschlichen 3ufammenIebenS, in dem die Stimmen der großen Erzähler zueinandercklingen, die Gestalten ihrer schönsten Werke sich zueinander- fügen zu einem vollendeten Bilde der Welt, in der auch wir leben. UnS liegt als einer der ersten Bände der Sammlung Stendhals berühmter Roman „Rot und Schwarz" in einer gelungenen Liebersetzung des Dichters Otto Flake Klatschregen die Geranien mit ihrem Schirmchen beschützt und selber pudelnaß wird usw. usw. Aus dieser friedlichen und zahmen Welt in eine toll fröhliche und ausgelassene hinein! — Der Hamburger Dichter Ewald Gerhard Seeliger hat sich daran gemacht, gescheiten und witzigen Buben und Mädels und lachbereiten Eltern ein Prachtbilderbuch zu schreiben und sein Maler: C. Storch, hat es an Witz und Laune in dessen Illustrierung nicht fehlen lassen. »Heinz Wolframs Weihnachtsgeschenke" heißt dieser übermütige Wurf. Jrn altbekannten Ton und Stil vom vielbeliebten „Ball der Tiere", aber mit ausgezeichneter Kunst der Tierdarsteller hat der Maler Eugen Oß- wald, München, eine überaus reizvolle blendend humoristische „Schule der Tiere" geschaffen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit wird das Kind die Vorgänge dieses Buches — einen ganzen zoologischen Garten voll lustiger Handlung verfolgen. Bildreich und malerisch und durch die sehr guten Begleitgedichte von Albert Sergei unterstützt erscheint mir das Tierbilderbuch „Unsere Haustiere" von Adolf Hoste. Ausdrücklich wünschen sich doch viele Kinder „etwas von Tieren". Als viel von lieben Kindern besuchte Patentante sehe ich das handfeste Leporellobuch ,L e b e n und Verkehr" von Josef Danilowatz mit Versen von Richard Klement mit recht freundlichen Augen an. Kinder finden es gewiß entzückend, einmal alles, was auf Rädern rollt, auf Schienen und auf dem Wasser fährt, in Lüften knattert, was pfeift und hupt und puff puff macht, in so natürlicher, packender Weise dargestellt zu sehen als Bilderbuch, das man wie eine Wand ausziehen und um sich herum stellen kann, so daß man sich als kleiner tapferer Mann oder furchtloses Mädel mit- det, zwischen Autos und Dahnen, Kutschen und ten drin im brausenden, knatternden Verkehr befin- bet zwischen Autos unb Bahnen, Kutschen und Karren, Schiffen und Flugzeugen. Das Gegenstück dazu: „EinSpaziergangdurchdieGroß- stad t". Von Robert Fuchs und Richard Klement. Was da alles gesehen und erlebt wird, indem man ruhig auf der Erde sitzt und fein Bilderbuch beschaut! Ein schönes Buch im alten Sinne des Ämter» und Hausbuches und illustrativ im alten feinen stillen Geschmack von Paul Mohn unb Woltemar Dinge, Greifbares und Sichtbares aus der nächsten Umwelt der kleinen Menschen. Kommt dann Handlung, so sei sie recht unmittelbar aus dem Leben des lieben kleinen Volks, bas Kinb auf dem Spielplatz, im Garten, auf der Straße, in der Kinder- ftube, das Kind unter vielen Kindern sei sein Gegenstand. Den scheußlichen grotesken Bilderbogenhumor, den Humor des frechen Bengelstreiches und verschrobenen Abenteuers, der jetzt zu meinem Entsetzen Mode wird, braucht es da wirklich nicht. Ein Wilhelm Busch kommt so leicht nicht wieder, und seine hohe Kunst, sein unvergleichlicher Bubenstreichhumor war ja im Grund auch sehr viel mehr für große Leute unb feine Humoristen, als für kleine Kinder gemeint. Die Hauptsache ist wohl beim vorbildlichen Bilderbuch, daß das Bild unb Wort sich zu einem unteilbaren in Geist und Sinn fest verwachsenen Ganzen zusamenschließt. Daß die größte Kunst auch das Allereinfachste am besten macht, erweist sich so recht beim Bilderbuche. Jos. Scholz in Mainz hat mit dem Spürsinn des Herzens eine Künstlerin herausgefunden und mit Beschlag belegt, die wie ein junger weiblicher Ratterfänger die Kinderwelt um sich versammelt und noch sich zieht — die lustige, fröhliche, mütterlich innige Lia Doering. Nicht umsonst wimmelt's in ihrem Berliner Atelier tagaus tagein von Ämtern, unb nicht umsonst quillt Liebe zu diesen kleinen Geschöpfen in reichen Strömen aus gütigem Herzen. Jede Bewegung, jede drollige Geste dieser kleinen Pummel und Pützel, dieser possierlichen Mädel und netten Jungen, ist richtig. Mit inniger Freude habe ich mich in dieses reiche reizende Schaffen mit meinen kleinen Liedern und Gedichten hinein geordnet. So ist zuerst das allereinfachste Buch, sozusagen das Babyouch, .Klein Kinder- buch" betitelt, entstanden. Ein Gegenstück ebenso einfach und unzerreißbar, aber in den Bildern doch schon recht voll „ungeheuer interessanter" Handlung, betitelt sich „F ü r Buben und Mädels". Die ganze herzgewinnende Possierlichkeit und Lieblichkeit von Lia Doerings Kunst hat sie in dem Buche: „Kinder und Blumen" entfaltet; — für Kinder, die schon lesen können, oder sehr schön zuhören, wenn vorgelesen wird. Da ist über zwei Ouerseiten weg ein Hochzeitszug, — jede Kinderae- stall eine kleine Wonne! Ein Persönchen, das tm Das Bilderbuch. Bücher aus dem Verlag von Jos. Scholz in Mainz, besprochen von Frida Schanz. Born Bilderbuch, nicht vom Kinder- und Jugendbuch mit Bildern, dem sogenannten illustrierten Kinderbuch, möchte ich reden. Das Bilderbuch ist das Buch, in dem Kinder „lesen", die noch nicht lesen können bis herauf zu denen, die sich eben in den ersten Schulsemestern diese unglaubliche herrliche Kunst errungen haben. Für die erste Art Lesepublikum ist das Bilderbuch, das die Dinge seiner Umwelt in einfacher Darstellung enthält, von unmittelbarstem Interesse. Wie sein Pferdchen, seine Puppe, seinen Ball, so lieb hat das Kind auch sein Bilderbuch. Das Bil- verbuch führt sein Leben deshalb auch nicht in Bücherschränken; es ist ein guter Kamerad des kindlichen Spielzeugs und haust mit im Spielzeugschrank. Ein herrlicher Spaß ist es für mich, in den Bil- derbuchfächern der kindlichen Spielzeuaschränke zu kramen. Don weitem macht sich das beste Buch da aus den vielen heraus erkenntlich. Wie die abgeküßte Puppe, das abgeliebtefte Schaf ist es auch etwas „leidend", aber von sichtbarem, fühlbarem Leben durchdrungen, von der Liebe des kleinen Besitzers sozusagen durchgeistigt. Diese Lieblingsbücher, diese instinktiv bevorzugten, können den Eltern, Erziehern, Malern und Dichtern, zuletzt gewiß auch den Verlegern viel lehren. Mit ferner winzigen Spürnase findet das Kind so sicher wie nur irgend möglich das Beste heraus. Nicht „irgend ein" Künstler, ein Mensch, der „fast gar keine Kinder hat", wie ein Kind neulich von einem Kinderlosen sagte, darf das Buch ersonnen haben. Ein Mutterherz, ein Vatersinn, eine gottbegnadete Menschenseele, die um Kinder Bescheid weiß, muß batet am Werke gewesen sein, nicht an die großen Leute unb ihre Verstandskritik muß dabei gedacht worden sein. Das Kind will lachen, sich freuen, die abgebildeten Gegenstände unb Vorgänge mit Spannung unb Teilnahme wie ein Stück seiner Welt betrachten und erfassen. Das Bild sei deshalb schlicht und stark in den Linien, sehr kräftig und doch harmonisch in den Farben. Das richtige Äleinkinderbuch braucht eigentlich gar keine Vorgänge zu bringen, sondern nur vor. In flejtiblem Ganzleiuenband, auf Dünndruckpapier gedruckt, bietet das Werk auch ge- schmacklich Wertvolles. 466 Von Gustave Flaubert. dessen „Madame Dovarv" wie kein zweiter Roman die literarische Entwicklung des naturalistischen Frankreich beeinflußt hat, gibt der Verlag 3. C. C. Bruns in Minden iWesft.) eine neue Gesamtausgabe seiner Werke heraus, von be: vorliegen: „Salamb o", Der Roman des alten Karthagos, und „Dramen". 2 seinpointierte Lustspiele, die zu Anrecht lange vergessen waren und hier fast neuentdeckl tverben. 488 (Bruno C-assirers (Berlin W 35) hervorragende Gesamtausgabe des Werkes Tolstojs ist um einen weiteren Band bereichert. „Kreutzersonate" enthält die berübmteftcii Erzählungen des DichterS. Die Ausstattung in rotbraunem Leinen band ist mustergültig. (Preis 7 Mk ) 512 — Nicolai Gogol, D i e Vase. Deutsch von Alexander Sliasberg, mit 20 Zeichnungen von W. MaSjutin. Geheftet 3.20 Gm., in Halbleinen 4.50 Gm., ui Halbleder 10 Gm. (Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart.) Denten wir an dir geläufigsten Vamen der russischen Literatur. etwa an Turgenjew und Dostojewski, so gilt es sich bewußt bleiben, daß sie alle auf eines Schultern stehen, der au8 sentimentaler Romantik herausfand die Größe des spezifisch russischen Realismus: Vilolai Gogol.Dieser Sproß auS kleinem Landadel, dieser Schwärmer und Sinnierer wurde aber keineswegs bewußt der Ausgangspunkt jener gewaltigen „Literatur der Auflehnung". Vur auf dem Weg zu feinem erträumten Idealland ward er der erste Ankläger gegen Korruption, Engherzigkeit und Mnterbrücbmq. Sein echter Humor ist ihm dabei ein wesentlicher Helfer geworden. Werke der Tendenz in die Sphäre reiner Kunst zu erheben. Ganz im Zeichen solcher liebenswürdiger Ironie spielt sich der Spul „Die Vase" ab, in der Kowaljow, der Spießer-Kovalier, sich eines schönen Morgens gezwungen sicht, feinem abhanden gekommenen Riechorgan zu Fuß und im Omnibus, mittels Zeitungsanzeige unb auf Polizeistationen nachzujageii. Was Masjutin, der wesensveiwandte russische Zeichner, zu ter tollen Geschichte zu sagen hat. können nur die Bilder felbst zeigen, die mit Format, Schrift und Anordnung ein untrennbares Ganzes bilden. 1243) Kunst und Wissenschaft. — Gugenie Schumann: Erinnerungen. (Musikalische Volksbücher des Verlages I. Engelhorns Vachf.. Stuttgart.) Ein halbes Jahrhundert musitalifcher Geschichte zieht an uns vorüber, mit hellen Augen gesehen und warmem Herzen enipfunden. Die einzigartige "Persönlich- teit Clara Schumanns, dieser vollkommenen Künstlerin. Gattin und Mutter, und der von Glück und tiefster Tragik umspielte Kreis der Familie Schumann ersteht vor unseren Augen; darüber hinaus erhält eine lange Reihe von Persönlichkeiten, die die Entwicklung der deutschen Kunst maßgebend beeinflußt haben, hier durch die scharfe Beobachtung aus vertrautem älmgavg neue Beleuchtung. 545 — Carrh Brachvogel, Die Tochter Marie Antoinettes. Ganzleinen 5,60 Mk. (Verlag von Georg Westermann, Braunschweig.) — Der Lebenspsad der Enkelin Maria Theresias beginnt unter dem Wetterleuchten der Französischen Revolution. Während die gewaltsamen Ereignisse alles um das Kind wegraffen, seine Eltern auf das Blutgerüst führen und sein Leben zu entwurzeln drohen, reift unter dem Druck des Schicksals ein Charakter heran, der sich in der geraten Linie seiner inneren Entwicklung nicht durch das wirre Zickzack des äußeren Geschehens beirren läßt. Wie das fürchterliche Hntoettcr am politischen Himmel sich entlädt, wie unter seinem verhallenden Grollen die verschiedensten Kräfte offen und insgeheim, ehrlich oder unter Billigung aller Intrigen und aller Mittel in dem Chaos neue Bindungen herbeizuführen suchen, das alles ist mit hervorragender Erzählungskunst dar- gestellt. 579 Friedrich ist die „Goldene Ernte". Lieber und Gedichte für Kinder mit Bildern von Hans Schroedter. Wohl an die Hundert, wertvoll und schön, sinnig und hurnoristifch illustriert, t» recht zur Bildung der jungen Herzen, zur Freude von Mutter und Kind, ein Buch von jener alten lieben Art, wie es die Ellern gern zusammen mit den Kindern beschauen, ein Stück Literatur und Kunst, in dem man kaum einen der alten Lieblinge vergebens suchen wird. Neuausgaben und Neuausgaben alter Meisterwerke der Märchen- und Erzählungsliteratur bringt der Scholzverlag ja von jeher gern, so auch dieses Jahr. Es sind diesmal: das für größere Kinder fo aufregend herrliche Wilhelm Hauffsche Märchen „Die Geschichte des kleinen Muck", mit sehr phantasievollen Bildern von Franz Wacik flott erzählt. — „A l i Baba und die vierzig Raube r". Das bekannte Märchen schildert Adolf Uzarski in Bild und Wort in seltenem Einklang. „AIaddin oder die Wunderlampe" von Franz von Bayros. Das ist wirklich hervorragend gut, die meisterhaften Bilder des verstorbenen Wiener Künstlers — es war dessen letzte Arbeit — zeigen gar anschaulich, wie der Knabe Aladdin mit Hilfe seiner Wunderlampe zu fabelhaften Reichtümern und hohem Ansehen gelangt. — Unter ten Neuheiten der künstlerischen Bilderbücher finde ich: Uhlands „Schwäbische Kunde", von Wunibald Großmann (einem 19j5hrigen. viel Talent verratenden Künstler) schnurrig und drastisch illustriert. — „Daumerlings Wanderschaft" von Hermann Stockmann, Dachau, dem sein empfindenden Künstler gezeichnet, möchte als ein wirkliches Kunstwerk besonders hervorgehoben werden. Die winzigen Leporellobüchlein „Zwergen- Mess e", gezeichnet von Carl Storch, dem bekannten früheren Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter" und „Die kleinen Negerbuben in Afrika", gereimt unb gezeichnet von Abolf Uzarski. Die niedlichste Neuheit des Verlags schließt sich ihnen an: eine Serie Künfllerbllderbücher kleinsten Formats für kleine Leute so etwas wie ein Baby- bücherschatz, fest wie Eisen, auf dicke Papptäfelchen gedruckt, so daß der stärkste Mann zwischen 2 unb 6 Jahren sie nicht klein kriegen kann. Da gibt es ein „Backe, backe Kuchen" unb ein „Hampel- mannbüchel" von Lia Döring. 604 Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stcgemann. 54. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Dort geht jemand," sagte sie auf einmal und wies mit dem Schirmstiel ins Geklüft. ,„Da drunten ist der alte Fischerwcg, aber er ist jetzt gesperrt. Die rote Fahne hangt schon über dem Felsen, und um halb sieben Uhr fangen sie an zu sprengen." Ruth gab die Erklärung in aller Ruhe. Aus weiter Ferne kam der klägliche, plärrende Ton eines Harnes. Es war das Warnzeichen vor Beginn der Sprengungen. „Der alte Mann klettert ruhig weiter," sagte Frau Tylander verwundert. Da warf sich Ruth in plötzlicher Angst ans Geländer und schrie: „Herr Ingold! Vater Ingold!" Das eintönige Rauschen des Rheins verschlang ihren Schrei. Noch einmal schrie sie in wilder 'Angst, weit über die Brücke gelehnt, in deren Dach- höhlung ihre Stimme widerhallte. Dort unten der Mann, der lief in den Tod, stieg gelassen über die Lauffensteine, Hemmte sich den uralten Pfad zwischen den überhängenden Felsen und dem kochenden Strom entlang, vom Wasser überschlagen, von Gischt beperlt, das Fangnetz auf der Schulter, ging an der Warntafel vorbei und sah auch das rote Fähnlein nicht, das Gefahr kündete. Er wollte es nicht sehen. „Schnell zum Wagen, Mama! Wir müssen zur Zentrale. Sie dürfen nicht schießen!" Als Ruth den Fischmeister zum letztenmal sah, bog er gerade um die Felsnase in den äußeren Paß, wo früher sein Kahn für den Fang im unteren Strom gelegen hatte. Christian Ingold ging den feuchten Weg wie seit fünfzig Jahren. Auf den dunstigen Tag war der klare Abend gekommen. Da standen die Fische in den wallenden Töpfen und warteten auf die Beute, die der Rheinstrudel ihnen zutrug. Geflügelte Schrecklein und Motten, die er durchkältet und aus der Luft herabgerissen, und geringe Fischbrut, die sich zu weit in die Strömung gewagt hatte. Das ewige Rauschen der Wasser war um ihn her, draußen im Werbe! lag rote Sonne, in sieben Farben spielte die Flut. Er atmete den Rhein, er spürte ihn im Haar und Bart, er ging im Gleichmaß der Tage, alter Ordnung treu, und stockte erst, als plötzlich der Weg vor ihm unnatürlich weit wurde, das Gestein durck-einandergefchüttet lag, der Fels mit tiefen roten Schrunden um ihn herhing, und in dem versprengten Trichter, der beim niederen Wasser vom Strom abgeichnitten mar, schwere rote Erdkrumen ausschlugen, die wie Tränen über die überhängende Felswand rannen und schwer ins verfärbte Becken fielen. Christian Ingold starrte auf die Verwüstung, und die Hand vergaß, das Netz zu halten. Die Bleisenkel zogen es ihm von der Schulter, in tausend Maschen stürzte es hinab. Mit verzweifeltem Schlag sprang ein starker Salm, den der Erdteig im verschütteten Trichter er- stickte, aus dem roten Wasser und hart auf den aus« geschachteten Pfad. Der silberne Leib, die rosigen Flossen glanzten, hoch auf fprang er noch einmal in zuckender dual. Da bückte sich der Fischmeister langsam, während vom St. Josepys Acker her noch einmal das Horn erscholl, faßte ihn mit den rauhen, griffsicheren Händen, wiegte ihn einen Augenblick und schleuderte ihn, der wie ein silbernes Schwert die Luft durchschnitt, weit hinaus in den grünen Sturz des Rheins. Doch kaum geschah es, da krachte der erste Schuß, der zweite, der dritte, donnerte die Kluft, löste sich der Felsenhang, fliegen Erdsäulen, stürzten Stein- trümmer, und in rotem Staub und weißem Dampf verging Christian Ingold die Welt. Nach einer Weile fiel noch ein letzter Schuß, schwach, wie zögernd, als wüßte die Patrone, was geschehen war. Hoch über den tiauffen fliegen die rotbraunen Rauchbüschel der Sprengschüsse. An den Bergen verlief ersterbender Widerhall. Dann schrie ein Vogel, nein, die Trompete eines Automobils, und nun ein Rennen, ein Klettern und Jagen, vorwärts, die Schüsse sind los, herunter die Fahne, hinein in die Kluft, am Wasser hin, das schon den letzten Erdbrci fortgefpült hatte und wieder unbekümmert in die Ferne loste. —EHa— iinmniiii um ii raruMaiirrTW—nn—Mm Sie fanden den Fischmeister von Rheinau, von der Lauffenwand erschlagen, neben seinem Netz niedergestreckt. Der Rhein wusch ihm sanft das blutige Gesicht. Als Ruth Engelhardt sich zu ihm durchgekämpft halte, fiel sie weinend an der Leiche des allen Fischers nieder, und die Ingenieure und die Arbeiter starrten wie Schuldbeladene auf die schöne Signorina, die das zerschlagene Haupt in ihren Schoß nahm und im kältenden Schatten des Rheins und des Todes kauerte, bis die Tragbahre kam, auf der sie Hanns Ingolds Vater aus dem Lauffen trugen. Hanns war noch am linken Ufer. Ein Gerücht lief zu ihm und meldete, daß ein Unglück geschehen fei. Er kletterte über das Brückengerüst. Dort stand Doktor Engelhardt mit dem Spreng« Ingenieur. „Was ist geschehen?" Engelhardt trat aus ihn zu. „Es trifft niemand eine Schuld. Ingold. Hören Sie, niemand! Und jetzt kommen Sie, ich weiß, Sie sind ein Mann." Und Schritt für Schritt führten sie ihn zu dem roten Haus, in dem er diese Nacht die Variante zu seinem Werk ausgearbeitet hatte. Schritt für Schritt. Sie gaben ihm kurzen Bericht. Als er eintrat, wußte er alles. Auf einem Feldbett, zwischen Plänen und Skizzen, lag sein Vater. Aber das Gesicht war fremd und friedlich zugleich, über die tödliche Wunde an der Schläfe fiel das vom Rhein gewaschene weiße Haar. Wie von Frauenhand gebettet lag er, und vornüber fiel stumm und tränenlos sein Sohn und umfaßte den erstarrten Leib mit klammernden 'Armen. * . * * Der Herbst verging und der Winter härtete den Boden. Frühling kam, und das Eis, das in diesem Jahr in großen Schollen den Rhein hinabtrieb, knirschte und klirrte an den Brückenpfeilern, und wenn es den Lauffen hinunterfegte, war es, als spränge ein Geharnischter kampfgierig bergab. Die Türme wuchsen, die Schlote begannen zu rauchen, und wo Napolis Bretterbuden gestanden hatten, schossen Arbeiterhäuser in rotem Backstein aus dem Boden. Vom hohen Dachgerüst des Schalterhauses flatterten schon die bunten Bänder des Aufrichtbaumes. Gewaltig dröhnten die Beton« rammen im Flußbett. Doktor Engelhardt war ein einsamer Mann, aber er hatte sich in der Ambulanz heimisch gemacht, und der junge Kliniker, der dort das Szepter führte, ließ sich die Hilfe und die Ratschläge des alten Herrn gern gefallen. Nur von chirurgischen Fällen hielt Engelhardt sich ängstlich zurück. Eisengrau war die Lockenwildnis, die er unbedeckt ins Freie trug. Er spottete weher und grimmiger als je über das laute, geldklirrende neue Wesen. Wenn von Berlin Nachricht kam, schüttelte er die Haare wie ein übermütiges Füllen und lief, in den Wald. Sein Herzleiden hinderte ihn, höher zu steigen, er ging nur soweit, daß die neue Welt hinter ihm versank. Dann erzählte er den Bäumen von seiner Tochter. Ruth war Mutter geworden. Ihre Briefe waren keine Ergüsse, doch schien sie glücklich zu sein. Und der Professor sprach zu den Waldbäumen und zu dem blühenden Fingerhut, der dicht vor ihm stand: „Ihr wißt ja, was glücklich sein heißt. Glücklich sein ist kein Zustand, Fräulein Fingerhut, es ist nur eine Augenblicksempfindung. Und kaum empfunden ist es nur noch Erinuerung.-Wud manchmal auch erst Glück in der Erinnerung. Aber Ruth ist in anderem Sinne glücklich. Sie ist ein lebendiges und Leben kündendes Geschöpf, sie ist ein Mensch mit offenen toinnen, sie hat ein Herz, das Ihrer dunklen Säfte nicht bedarf, mein Fräulein vom purpurnen Becher. Sie steht schlank wie ihr Schlanken und badet die Stirn im Morgenlicht wie ihr, hochstämmige Schwarzwaldtannen! Sie wird auch unter den Geldhunden nicht die Zunge heraushängen. Sie ist mein Mädel, sie ist —" Er brach ab, sah sich scheu um, stieß Ruths Brief in die Tasche, warf noch einen Blick auf die geheimnisvoll leuchtende Blume, in deren Säften er feit einem Jahre Linderung seines Leidens fand, und ging wieder zurück nach St. Joseph, das hinter dem großen Direktionsgebäude des Kraftwerkes beinahe verschwand. Der zweite Winter fuhr zu Tal. Silvester war eine Nacht dichten Nebels. (Fortsetzung folgt.) Reit- und Fcchrklub Gießen und Umgebung Isolde Waltrud Melitta r Watzenborn-Steinberg, 2. November 1925. 08920 Derneburg (Hannover), 1. November 1925 10528D Klein-Linden, den 2. 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Renaud im Trommelfeuer. — Aufnahmen rückwärtiger französischer Stellungen aus niedrigster Höhe — Aus den Vormarscbtagen März 1918. — Die Sturmwelicn der deutschen Infanterie. — Zertrommelte engt Stellungen. — Wirkung der deutschen Gasgranaten. — Englische Infanterie in III. Stellung. — Englische Kolonnen auf dem Rückzug. — Tankangriffe usw. Lichtspielhaus Heute letzter Tag: Pat und Patachon die beiden I7n vergleich! leben, in Filmflirt Lustspiel in 4 Akten. — Ferner Ich. liebe Dich Filmroman m. Liane Haid u. Alfons Fryland. 6 Akte. 10545c Ab morgen Donnerstag: Rintintin Der Hund von Karibu Diesen herrlichen Film muß man sehen: es ist etwas Außerordentliches! Das Schönste ist: die liebevolle und feinfühlige Art, in der der Regisseur die Seele des Hundes wiedergibt. — Ferner: Hedda Gabler 6 Akte nach Henrik Ibsen. Hauptrollen: AstaMieleea.AlbeFlStelnrflck.PaulHoroan Damen- und Herren- » fl[1, Gummimäntel /wfo LICHTBILD-VORTRAG von Dr. Alfred Kuermann Leutnant und Bildoffizier der ehern. A. O. K. Fliegerabteilung 23 Lb. | 100 BUder 100 | Landbrot 4 Pfd. Laib 60 Pf. WkAeM Liebiaftr.71Lel.lvSS FWU V & Am Donnerstag, 5. November, wird gemeinsam mit den Herren Offizieren vom H /'’W 11 Ball. Vnf.-Rgt. 15 die dritte diesjährige Jagd geritten. Treffpunkt: 2.45 Uhr liÄLl HUr IL M N «7. i nachmittags am Denninghoffschen Eishaus. Halali: Hardtwäldchen. Cjl d" W- ® W Zuschauer können per Auto oder Wagen von der Straffe Giehen—Krofdorf das «ma Feld beobachten. Der Vorstand.