Samstag, 4. Juli 1925 l?5. Jahrgang Ur. 154 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vntck und Verlag: vrühl'jchc Univerfilüts-Buch- und Steinöruderei rr. Lange in Siehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichb, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Doldpfennig, Platzvorschrift 20°/„ Auf« fchlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: 3. D.: Ehrhard Evers; für den übrigen TeU: Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Beilagen: DießenerFamilienblätter Heimat im Bild. monatS'Btingspteis: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt. Fernspre ch.AnschlÜsse: Schriftleitung 112, Ver- lagundGeschästsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerEiehen. Postscheckkonto: Stanffurt a. M. liess. Das Moskauer Iustiz- verbrechen. Nicht nur dre Diplomaten, sondern auch die Unterrichter der öffentlichen Meinung tun gut, sich einige Kübel kalten Wassers über den Kopf zu gießen, ehe sie an die Beurteilung politischer Ereignisse herantreten. Das gilt auch für das Todesurteil, welches der Oberste-Gerichtshof der Sowjet-Republik in Moskau über die deutschen Studenten 5)r. Kindermann und Wolscht gefällt hat. Bei der Lektüre der Anklageschrift konnte man das Empfinden haben, daß hier wirklich von einigen politischen Kindern ein Attentat auf das Sowjet-Regime und seine führenden Männer geplant worden war. Die Derhandlungsprotokolle, wie sie in der Berliner „Roten Fahne" in toort- aetreuer Tlebersehung der amtlichen Moskauer Berichte veröffentlicht worden sind, haben diesen ersten Eindruck völlig zerstört. 3n der Hauptverhandlung hat nur der Reisegenosse der beiden Deutschen Kindermann und Woltscht, der estlän- bische Staatsangehörige v. Dittmar „gestanden", aber in einer Weise, die allerschärfstes Mißtrauen erregen muß. Immer wieder gewann der Leser der Verhandlungsprotokolle den Eindruck, daß Dittmar ein Lockspitzel der sow° jetrussischen Tscheka gewesen ist. Aus txn Verhandlungen ging hervor, daß Kinder- ntann und Wolscht schon vor ihrer Abreise nach Rußland (im Herbst vorigen Jahres) gegen Ditt° mar Verdacht hegten. Reben dem „Geständnis" Dittmars wird hauptsächlich eine Deichte ins Feld geführt, die Kindermann angeblich gegenüber dem Untersuchungsrichter Rosenfeld abgelegt haben soll, und die auch in einem Gnadengesuch enthalten ist, welches Kindermann — wohl gemerkt schon lange vor Eröffnung des Hauptverfahrens! — bei den sowjetrussischen Machthabern Dsershinski und Kalinin eingereicht hat. DaS ganze Protokoll ist ein auf Wirkung berechnetes, raffiniert zu- gestuhtes Machwerk, das gewiß nur auf die russi- jchen Bolschewisten und ihre im kommunistischen. Ahrwasscr segelnden deutschen Jünger wirken kannte. Eine Rolle spielt auch ein gewisser Baumann, der angeblich zur Auskundschaftung der beabfichtigten Attentatsmöglichkeiten voraus- geschickt worden sein soll, und der dann in der Untersuchungshaft mit dein Raivsten unter den drei Beschuldigten, Dr. Kindermann, in der gleichen <$elle interniert war. Wie die „Rote Fahne" zu berichten weiß, soll Kindermann nach seinem angeblichen Geständnis und vor Aussetzung des Gnadengesuches den Untersuchungsrichter Rosenfeld vor Rührung und Dankbarkeit umarmt haben. Diese kitschige Anekdote, die zweifellos von Anfang bis zu Ende erfunden ist, sott beweisen, daß auf Kindermann keinerlei Druck ausgeübt worden ist. Sehr unwahrscheinlich ist es auch, daß sich die Angeklagten während hes Hauptverfahrens in feindseligen und ironischen Bemerkungen über das Sowjet-System ergangen haben sollten. Da es sich um ein höchstinstanz- liches Urteil handelt, gegen welches es keine Berufung gibt, haben die Moskauer Richter die Möglichkeit, das Todesurteil innerhalb kürzester 3cit zu vollstrecken und damit die Möglichkeit 311 zerstören, daß auf Grund amtlicher deutscher Vorstellungen eine Wiederaufnahme des Der- sohrens beschlossen wird. Die Moskauer Hundstagsverhandlung war ein Zweckpr ozeh reinsten Wassers. Der Staatsanwalt Krylenko hat die Gelegenheit weidlich ausgenuht, um politische Hetzpropaganda au treiben. Der ganze erste Teil seiner Anklageschrift war politischen Deduktionen gewidmet, in welchen die gesamte nichtkommunistische Welt als ein Schuh- und Truhbund gegen das Sowjetregime hingestellt wurde. Alle Stellen, die der Sowjetstaat als seine erbitterten Gegner betrachtet, und von denen er eine Störung seiner weltrevolutionären Propaganda befürchtet, sind als Mitglieder eines großen Komplotts hingestellt worden. Selbst die politisch ungeschultesten Köpfe muffen wissen, daß ein enger Bund zwischen der .Organisation Consul", dem Berliner Polizeipräsidium, dem Auswärtigen Amt, dem Stu- bcntentDerl Berlin und der Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft etwas ganz Unmögliches ifl Das Oberste Sowjetgericht wollte ein Todesurteil haben, — und es hat dies Todes- u-rteil durchgedrückt. Mitglieder der deut- shen Botschaft in Moskau und sogar der Botschafter Graf Brockdorff-Rantzau selber sind verdächtigt worden, den Attentatsabsich- ten Vorschub geleistet und auf die Zeugenaussagen eingewirkt zu haben. Der Moskauer Prozeß war ein Alt der Rache und nebenbei ein Gewaltmittel, um die loesteuiopäischen Regierungen von der Verfolgung inoskvwitischer Propagandisten abzuschrecken. Es tft gewiß fein Zufall, daß sich die Moskauer Sowjet-Machthaber Angehörige desjenigen Staates für ihre Rache ausgesucht haben, der sich seit Fahren am duldsamsten gegenüber den Moskauer Unverschämtheiten gezeigt hatte, und der die geringste Gefahr einer Gegenwirkung zu bieten schien. Seit Fahren werden gute Kenner des Sowjet-Systems nicht müde, kwvor zu warnen, sich mit einem Regime allzu weit einzulassen, dem es gar nicht darum zu tun ist, nahe politische und wirtschaftliche Beziehungen zu den bürgerlichen Staaten zu schaffen. Die mit Abschluß des Rapallo-Vertrages Ostern 1922 eingeleitete Politik hat keinerlei praktische Früchte ergeben, wohl aber den Ueber- ntut und die Anmaßung der moskowitischen Englands Front Dor neuen Konstellationen London. 3. 3uli. (TU.) 3n den Londoner rNorgenblättern wird der Angriff Tschitscherins auf Lord Birkenhearst wegen seiner Rede gegen die politischen Umtriebe in China viel erörtert. Der sozialdemokratische „Daily herald" sieht darin das Zeichen eines kommenden Bruches zwischen England und Rußland und macht sich den Standpunkt Tschitscherins zu eigen, der erklärte, daß der nächste Schritt der Entwicklung der englischrussischen Beziehungen nur die Kriegserklärung sein könne. Eine gemeinsame Abwehraktion? Paris, 3. Juli. (TU.) Der diplomattsche Mitarbeiter der „Daily Mail" glaubt zu wissen, daß die britische Regierung bei sämtlichen Mächten, die an China interessiert sind, Schritte zu einer gemeinsamen Abwehraktion gegen die bolschewistische Propaganda unternommen hat. Wahrscheinlich werde die britische Regierung beantragen, daß den Sowjetvertretern in Europa das Recht der Exterritorialität abgesprvchen wird. London und die deutsche PaKt- politik. London, 3. 3uli. (TU.) 3n maßgebenden Kreisen in London herrscht gegenwärtig eine gewisse Beunruhigung, da es nicht möglich erscheint, ein klares Bild über die deutsche Paktpolitik zu gewinnen. Die Berliner Berichterstatter der englischen Blatter bringen eingehende Berichte über die angebliche Stresemannkrise und folgern daraus nachteilige Wirkungen auf die Paktpolitik. Der „Manchester Guardian" betont im Gegensatz zu andern Blättern die Möglichkeit einer Stärkung der Stellung Luthers und meint, daß die im August zu erwartenden Verhandlungen lediglich einen Meinungsaustausch über den Sinn der Volks b,?glücker ins Unerträgliche gesteigert. Bereits einmal — im August 1918 — hat die Reichsregierung sich veranlaßt gesehen, wegen eines an einem Deutschen begangenen Mordes (Ermordung des Botschafters Graf Mirbach) die Beziehungen zu Sowjet-Rußland abzubrechen. Der neue Deutschenmord sollte die gleiche Folge haben! Keine Berufungsmöglichkeit. Gegen das vom Obersten Gerichtshof gegen die drei deutschen Studenten Kindermann, Wolscht und v. Dittmar gefällte Urteil kann D e- rufung nicht eingelegt werden. Das Urteil ist endgültig. Den Verurteilten steht jedoch das Recht zu, innerhalb einer Frist von 72 Stunden nach Einhändigung des Urteils ein Gnadengesuch beim Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion einzureichen. Deutscher Protest gegen das Moskauer Urteil. Berlin, 4. 3uli. Wir erfahren von unterrichteter Seite, daß Deutschland bereits gestern einen scharfen Protest gegen das Moskauer Todesurteil nach Moskau hat ergehen lassen. Die deutsche Regierung befürwortet keineswegs ein Gnadengesuch der deutschen Studenten, sie verlangt nur das Recht. Es besteht Grund zu der Annahme, da ßdie Vorgänge anläßlich des Moskauer Prozesses die deutsch-russi- schen Beziehungen nicht unerheblich getrübt haben. Blätterstimmen zu dem Moskauer Fehlurteil. Berlin, 3. Juli. (T. U.) Zu dem Moskauer Todesurteil gegen die drei deutschen Studenten nehmen die Berliner Abendblätter in einmütigem Pr 0 test Stellung. Was das Klassengericht von Moskau, so schreibt der „L 0 k a l a n 3 e i g e r", vollzogen hat, ist nichts anderes als ein skrupelloser Justizmord. Wir erwarten von der Reichsregierung, daß sie alles tut, um das beabsichtigte Verbrechen nicht Wirklichkeit werden zu lassen. Die „Deutsche Tageszeitung" weist darauf hin, daß unter Führung Englands eine große Bewegung im Gange ist, die möglicherweise auf der Grundlage des Völkerbundes Sowjetrußland einkreisen und vielleicht sogar zum Kreuzzug gegen dieses Land sammeln will. Deutschlands Haltung werde hierbei von entscheidender Bedeutung sein. Die „K r e u z z e i t u n g" stellt fest, deß es sich nicht um die Abwehr eines Angriffes auf die Sicherheit der russischen Sowjetrepublik handelt, sondern um einen groß angelegten Vorstoß gegen die kapitalistische Bourgeoisie. Das „S e r l i n e r Tageblatt" erklärt, daß es mit Protesten nicht getan sei. Es bestehe wohl in Deutschland Einigkeit darüber, daß es unmöglich ist, mit einem Staat in diplomatischen Beziehungen zu bleiben, der sich durch ein Verbrechen selbst außerhalb der Reihe vertragsfähiger Staten stellt. Der „Vorwärts" endlich polemisiert scharf gegen die kommunistischen Methoden. Die deutsche Zwischeunote. Berlin. 4. 3uli. (TU.) Die deutsche Zwischennote in der Frage des Sicherheitspaktes wird sich im wesentlichen auf die Aufklärung der strittigen Punkte I beziehen, so vor allem auf den Widerspruch, der sich zwischen den Ausführungen des englischen Außenministers Chamberlain im gegen Nutzland. — Deutschlands Haltung. französischen Antwort bringen würden. Endlich herrscht in London Rervosität wegen des angeblich von Sowjetrußland auf Deutschlandausgeübten Druckes. Man verzeichnet jedes Symptom, das als ein Beweis für eine deutsch-russische Annäherung ausgelegt werden könnte, obgleich der bisherige günstige Verlauf der deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungen eine beruhigende Wirkung ausgeübt hat. Abbruch der Schanghaier Verhandlungen. Paris, 3. 3uli. (TU.) Die diplomatischen Verhandlungen über die Sicherheit in Schanghai stehen vor dem Abbruch. Die chinesischen Delegierten verlangen, ehe eine gemeinsame Sitzung abgehalten wird, daß alle 13 Punkte angenommen werden. Tschang Tso Lin ist gegen den Abbruch der Verhandlungen, während Fong Hu Siang für den Abbruch der Verhandlungen ist. Eine nene Regierung in Kanton R e u y 0 r k, 3. Juli. (TU.) In Kanton ist eine nationale Regierung aus 16 Mitgliedern gebildet worden, an der der Sohn Sun Pat Sens als Verkehrsminiftel teilnimmt. Zu der A n - trittsfeier der Regierung waren sämtliche Nationen mit Ausnahme der britischen und französischen eingeladen. Die Konsuln haben jedoch dieser Einladung nicht Folge g e l e i ft e t. In Kanton treffen täglich Dampfer mit großen Vorräten zur Unterstützung der europäischen Zivilbevölkerung ein. Die britischen Truppen erhielten Stacheldraht und 10 000 Sandsäcke zur Verstärkung der Verteidigungswerke von Schameen. Eine französische Korvette und ein Kanonenboot mit Admiral Frochot an Bord sind nach Honkong abgefahren. Unterbaut und den Darlegungen der franzö- stschen Rote hinsichtlich des Vorrechts der Verträge ergeben hat, ferner vor allem auf' die Sanktionsfrage. Die Zwischennote wird aufs neue die Verhandlungsbereitschaft Deutschlands zum Ausdruck bringen, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß sich bereits im August Gelegenheit zu mündlichen Verhandlungen über den ganzen Fragenkomplex bietet. * Wie wir hören, rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß die außenpolitische Aussprache im Reichstag im Einvernehmen mit der Regierung zwischen dem 15. und 18. 3uli ftatt- findet. Die Räumung von Gelsenkirchen und Recklingshausen. Essen, 4. 3uli. (TU.) Der Stadt Gelsenkirchen ist von der Besatzmig offiziell mitgeteilt worden, daß die Stadt Gelsenkirchen von den Desahungstruppen bis zum 15. 3uIi geräumt wird. Die gleiche Benachrichtigung ist den Gernei iden im Bannkreise Gelsenkirchen zugegangen, in denen noch französische Truppen liegen. Recklinghausen wird wahrscheinlich bis zum 14. 3uli von der Besatzung geräumt werden. Die Stadtverwaltung hat von der Besatzung ein Schreiben erhalten, in dem mitgeteilt wird, daß die Feststellung der Besahungsschäden in den einzelnen Wohnungen in den nächsten Tagen erfolgen werde. Die ilebergabe der Wohnungen an Die Stadtverwaltung soll in der Zeit vom 9. biß einschließlich 14. 3uli vor sich gehen. Caillaux Kammersieg. Annahme des Budgets in der französischen Kammer Paris, 3. Juli. (TU.) Die Rachlsihung der Kammer dauerte bis 74 Uhr früh. Sie endete mit der Annahme des Budgets mit 405 gegen 31 Stimmen. Die Einnahmen sind veranschlagt mit 33 175 239 918 Franken, die Ausgaben mit 33 163 924 418 Franken, der Ueberfchuß mit 11 315 500 Franken. Caillaux wird am nächsten Donnerstag im Senat den Bericht über das Budget vorlegen, so daß vor Eintritt in die Parlamentsferien das Budget vom Senat angenommen sein wird. Caillaux geht nach Washington Berlin, 3. 3uli. (TU ) Der französische Finanzminister Caillaux foli die Absicht haben während der Pariser Parlamentsferien an der Spitze einer Sachverständigenkommission nach Washington zu reifen, um dort Verhandlungen über die französischen Schulden persönlich zu leiten. Die Pariser Wirtschastsverhandlungen. Paris, 4. 3uli. (TU.) Der 3nhalt der letzten französischen Rote gibt in Kreisen der deutschen Wirtschastsdelegation zu starken Bedenken Anlaß. Heute findet eine Besprechung zwischen Chaumet und Trendelenburg statt, die ohne wesentlichen Einfluß auf die kommenden Entschließungen sein wird. Die Fassung der französischen Rote hat die Aussichten für den Abschluß eines Modus vivendi sehr verringert. Hessischer Landtag. Darmstadt, 3. 3uli. (Eigen. Bencht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 30. Die Beratungen werden bei Kapitel 53 „Landesamt für das Bildungsweien' wieder aufgenommen. Abg. Stork (Soz.) meint es mache sich im Schulwesen eine Reaktion geltend, Die vorwiegend von Bayern, vom bayrischen Konkordat ausgehe. Die Sozialdemokratie lehne Konkordate, wie das bayrische, vom politischen wie vom pädagogischen Standpunkt ab. Die Simultanschule müsse erhalten bleiben, sie sei für die Sozialdemokratie noch eben tragbar. Die Anträge von Dr. Leuchtgens wären nur vom finanziellen Standpunkt aus gestellt: für Kultur und Schule dürfe man sich jedoch nicht von wirtschaftlichen Anschauungen leiten lassen. 3n den letzten 15 3ahren habe sich im Unterrichtswesen viel geändert: die von dem Abg. Dr. Greiner geforderte Produktionsschule sei jetzt nicht durchzuführen, aber ein erstrebenswertes 3deal. An der vierjährigen Grundschule müsse festgehalten und bis zu 6 3ahren ausgebaut werden. Man sei in Hessen sogar so Wei' gekommen, daß 70 Prozent der in höhere Schulen aufgenommenen Schüler aus dem dritten Grundschuljahr stammten. 3n Den höheren Schulen komme es nie vor, daß ein begabter Schüler eine Klasse überspringt. (Zwischenruf von Dr. Keller: Kommt xmal vor.) Der Redner fordert Erziehungsbeihilfen für Schüler, die sonst nicht in Der Lage sind, eine höhere Schule zu besuchen, auch fragt er an, wie der hessische Vertreter im Reichsrat über die Grundschulfrage gestimmt hat? (Zwischenruf von Dr. Greiner: So wie es die Koalition erforderte.) Die Klassen mit erweitertem Lehrzielen hätten sich bewährt. Die Reu- ordnung der Lehrerbildung in Hessen bedeute einen großen Schritt vorwärts. Der Redner verteidigt dann die neue Art der Lehrerbildung gegen Einwendungen des Abg. Dr. Leuchtgens, ebenso wird der Antrag von Dr. Werner abgelehnt, die Schullasten wieder den Gemeinden zu übertragen. Längere Ausführungen widmet der Redner dem Fortbildungsschulwesen. Abg. Heinstadt (Zentr.) erklärt, das Zentrum habe in der Schulfrage ganz besondere Wünsche, mit denen es in diesem Hause allein stehe. Er müsse Gerechttgkeit und Anerkennung für diese Grundsätze fordern. Der Redner wünscht das Elternrecht, der Staat dürfe kein Erziehungsmonopol haben, es gebe auch kirchliche Rechte. Das Zentrum müsse sich gegen die Simultanschule wenden, ja die Bekenntnisschule sei nicht nur für die Volksschulen, sondern auch für die höheren Schulen zu fordern, und zwar mit allen Folgerungen. Der Redner wendet sich gegen den Abbau des neunjährigen Lehrgangs der höheren Schule« und tritt für Beibehaltung des vierjährigen Lehrgangs der Grundschule ein als Vorbereitung für die höhere Schule: nur besonders Begabte Dürften ein 3ahr früher eintreten. Er fordert die Durchführung der Fortbildungsschule auf dem Lande entgegen den Anträgen des Bauernbundes. Die neue Lehrerbildung sei zu fördern: bewähre sie sich nicht, so werde es schon mit der Zeit wieder anders gemacht. Am Schluß seiner Rede wendet sich der Abgeordnete nachdrücklich gegen bildlich? Darstellungen und Fllme, die das Anstandsgefühl verletzten. Rach der üblichen Pause richtet Abg. Freiherr von Hehl eine kleine Anfrage über den Schutz des Be r us s f i scher t um s auf Binnengewässern an die Regierung. Minister Raab erwidert hierauf: Dec Zolltarif liegt gegenwärtig dem Reichstag vor. Die Hessische Regierung ist darum jetzt nicht in der Lage, eine Erklärung dazu abzugeben. Das Haus nimmt dann die Beratungen bei Kapitel 53 „Landesamt für das Bildungsweien" wieder auf. Abg. Dr. KeNer (Dt. Vpt.) erklärt: Die Schule soll das Rüstzeug geben für den Beruf und zugleich eine Weltanschauung. Die Volksschule ist heute in noch höherem Grade wichtiger als früher, weil sie die Grundlage für alle Arten von Schulen geworben ist. Alle Beteiligten, wie auch Staat und Gemeinde müssen mit gekannter Aufmerksamkeit ihr Wirten verfolgen. Das ungünstige Urteil über die Seminare ist ungerechtfertigt: wir unterschreiben in dieser Beziehung alles, was Dr. Leuchtgens zu ihren Gunsten gesagt hat. 3ch betone dies um so mehr» weil wir in manchen Fragen Der Bildung und der Schule anderer Meinung sind als er. Der vom Präsidenten des Landesbildungsamtes 11 r ft a b t in einem Ausschuß gegen die Seminare angewandte Ausdruck „alter fauler K äse" ist unzutreffend und geschmacklos. Auch wir wünschen, daß alle Unruhe von der Schule fern* gehalten wird, die Schlagworte sowie die vielen Methoden. Wir halten mit dem Sprecher des Bauernbundes an den alten Fächern der Volksschule fest. Wir vertreten die christliche Schule, nicht die Konsessionsschule, und stehen damit auf dem Standpunkt der alten nationalliberalen Partei. Wir sehen in der Simultanschule eine christliche Schule. Man sollte doch nicht, da unser Volk schon religiös gespalten ist, diese Spaltung auch aus die Schule übertragen. Die Förderklassen sind nach Der Zusammensetzung ihrer Schüler sehr verschieden geartet; cs sind in ihnen Kinder, e.gentlich in Klassen für Schwachsinnige gehören. andere Kinder sind nur nervös, wieder anderen Kindern fehlt es am Sittlichen. Nur ausgesuchte Lehrkräfte sollten in d.esen Klassen tätig sein, nur Peftalozzinaturen: daran fehlt es. Wie schon Fräulein Birnbaum aus- lührte, ist es kein unb'lligeZ Verlangen, wenn man diesen Lehrkräften eine bessere Bezahlung gewährt für ihre größere Muhe, lieber die Degabtenklassen Legen manche Klagen der Lehrerschaft vor, daß sie Eve anderen Klassen auSziehen oder auSlaugen. Die Lehrpläne haben oft zwei Fremdsprachen. Die Ausbildung der Lehrer in allen Ehren, aber besitzen sie alle Anforderungen für solche Klassen mit erweiterten Lehrz'elen? Ich glaube nicht an den Erfolg dieser Einrichtung: auf den höheren Schulen treten die Schuler, die von ihr Herkommen, nicht besonders hervor. Die Deutsche Dolkspartei fordert in ihrer überwiegenden Mehrheit die Fortbildungsschule auch für Mädchen, wenn auch einige Mitglieder zurückhaltender find. Die Vorzüge der Fortbildungsschule liegen darin, daß sie die Allgemeinbildung und die Berufsbildung fordert. Den Abbauanträgen des Bauernbundes können wir nicht zustimmen. Wir wissen, daß die Fortbildungsschulen störend in die Berufe eingreift, mehr noch als in der Landwirtschaft in das Gewerbe und in die Industrie. Man brauch: deshalb nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. 3n Zeiten einer Notlage soll die Kultur nicht vernachlässigt werden. Zur Begründung dieser Forderung wurde oft a;f die Verhältnisse in Preußen nach dem Jahre 1806 hingewiesen. Für die Beamten waren das aber sehr schwere Zeiten, denn damals wurden viele r-ücksichtslos auf die Straße gesetzt. Gewisse Rücksichten auf die Wirtschaft können auch in der Fortbildungsschule durch- gefuhrt werden. Es ist erklärt worden, daß Hessen in bezug auf die Lehrerbildung mit an der Spitze der deut schen Länder steht, aber die körperliche Ausbildung ist lange nicht so gut wie früher in Hessen: es gibt außerordentlich wenig Turnlehrer, aber viele, die es werden möchten und nicht können. Wir halten es daher für notwendig, daß eine Zentralstelle für Turnlehrer errichtet wird, und an dieser Stelle möchten wir dem Oberstudienrat Lautenschläger für seine Mühewaltung zur Ausbildung von Turnlehrern danken. Man hat eine Entschließung des Philologenvereins, in der die Besetzung einer Stelle, der das Turnwesen in Hessen unterstellt werden soll, so ausgelegt. als ob sie von einem akademischen Philologen besetz: werden soll: unter akademischer Bildung ist aber hier eine Ausbildung auf einer Akademie für Leibesübungen zu verstehen. Es : e h l t i n H e s s e n an Turnhallen und Spielplätzen, so daß viele Anweisungen des Landesbildungsamtes überhaupt nicht durchgeführt werden können. Der Sturm gegen das Gymnasium kann als abgeschlagen gelten. Aber wir können immer noch vor überraschende Tatsachen gestellt werden. Wie steht es mit der Reform des höheren Schulwesens, und welche Kreise sind zur Mitarbeit gewonnen wor- den? Die Unruhe wird in die Schule auch durch die vielen Verordnungen hineingetragen, die nur für die Republik werben sollen. Man sollte nicht jedem schwarzweißroten Schleifchen nachlaufen, während Schulern mit roten Schleifen nichts geschieht. Zum Polizeibeamten habe ich wenig Eignung: zum Geheimpolizisten erst recht nicht. Während meiner Schulzeit in Darmstadt ist niemals gegen Schüler wegen chrer Anschauung eingeschritten worden, obwohl solche darunter waren, die man heute als Kommunisten bezeichnen würde. Wer den Frei- ftaa t will, darf durch allerlei Maßregeln bei der Jugend nicht den Eindruck erwecken, in einem Polizei st aat zu leben. (Lebhafter Beifall rechts.) Das Landesamt für das Bildungswesen hat er- » klärt, daß das Schulgeld i zwar hoch, aber noch tragbar fei. Die höheren Schulen dürfen keine Standesschulen werden. Die Sozial- T demokraten empfehlen die Klaffen mit erweiterten Lehrzielen immer nur den anderen, sie selbst aber schicken ihre Kinder auf die höheren Schulen. (Große Heiterkeit.) Die Anstellungsaussichten sind bei keinem Berufe so schlecht, wie bei den Philologen: auf drei Studienräte kommt bereits ein Anwärter. Auf dem Lande sind die Klaffen meist überfüllt: in Büdingen sind in einer Klasse 55 Schüler, die in das Französische eingeführt werden sollen. Die Lage der Amtsgehilfen ist außerordentlich traurig; sie stehen sich jetzt wesentlich schlechter wie vor dem Krieg. Wir haben deshalb einen Antrag eingebracht, daß den älteren Amtsgehilfen auf dem Lande wenigstens die Aufstiegmöglichkeit in Gruppe 4 gegeben wird. Der Nationalversammlung in Weimar schwebte ein Schulideal vor, das nicht Wirklichkeit geworden ist. Neu ist nur die Grundschule, alles andere ist geblieben. In den Städten war es früher die Regel, daß die Kinder nach dem drittenSchuljahr — nicht nur die der Vorschule — in die S e x t a a u f - genommen wurden. Eine Untersuchung der Lebensläufe berühmter Männer hat ergeben, daß sie meistens sehr früh das Maturum gemacht haben. Wilhelm Hauff war 25 Jahre alt, als er starb; was wäre es für ein Fehler gewesen, wenn man ihm ein Jahr praktischer Arbeit genommen hätte?! Der liebergang von der Grundschule zur höheren Schule nach drei Jahren ist eine Frage, an der auch viele Volksschullehrer interessiert sind; viele sind der Meinung, daß der Uebergang sehr gut erfolgen kann. Man begeht einen Diebstahl am wertvoll- ft en Volksgut, wenn man einen Schüler, der nach dreijährigem Schulbesuch reif für die höhere Schule ist, zurückweist. (Lebhafter Beifall.) Die höheren Schulen sind notwendig für den Wiederaufbau und die Wiederaufrichtung des Vaterlandes; die Führer werden f i e stellen. Wir wünschen, daß die Führer aus allen Bevölkerungsschichten stammen. Die Schule allein kann den Wiederaufbau nicht bewirken, ohne Schule wird es aber nicht gehen; die Schule wird das Beste dabei tun. (Lebhafter Beifall.) Deutscher Reichstag. Berlin, 3. Juli. Ohne Debatte nimmt das Haus in allen drei Lesungen das Handelsabkommen mit Griechenland und den Gesetzentwurf über das Internationale Abkommen zur Vereinfachung der Zolltarifförmlichkeiten an. Das Haus wendet sich bann der Weiterberatung des Etats des Finanzmini st eriums zu. Abg. H ö l l e i n (Komm.) spricht dem Finanzminister jedes soziale Verständnis ab. Abg. Drewitz- Berlin (Wirtsch. Vgg.) stimmt zwar grundsätzlich'dem Uebergang ber Steuern auf bas Reich zu, betont aber, daß die Selbstänbigkeit der Länder möglichst weitgehend gewahrt werden müsse. Abg. Schröder- Mecklenburg (Völk.) betont, Steuern müßten aus dem Ueberschuß der Wirtschaft bezahlt werden. Damit schließt die Generaldebatte. Abg. Diez (Ztr.) weist in der Einzelberatung darauf hin, daß seinerzeit mit lebhafter Mitarbeit der Rechten das Branntweinmonopol geschaffen worden sei. Für den Mißerfolg der Monopolverwaltung schienen die Mängel in der Organisation grundlegend zu fein. Abg. Eggerstedt (Soz.) wünscht grundsätzlich die Beibehaltung des Monopols. Abg. Dr. Neubauer (K.) führt die Mißstände beim Branntweinmonovol darauf zurück, daß es die Reichsregierung an jeder Energie gegenüber den Interessenten habe fehlen lassen. Damit ist die Einzelberatung des Finanzetats beendet und das Haus bewilligt den Etat in zweiter Lesung. — Ohne Debatte werden die Haushalte des allgemeinen Penfionsfonds, des Rechnungshofes des Deutschen Reiches und der Haushalt der Reichsschuld in zweiter Lesung bewilligt. Das Haus wendet sich dann der Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Aenderung des Gesetzes über die Erstattung der Rechksanwallsgebühren in Armen- fachen zu. Die Regierungsvorlage wollte den Rechtsanwälten als Gebühren bei Armensachen an ©teile der vollen Gebühren bei einem Streitwert bis zu 500 Mark 12 Mark, bis 1000 Mark 15 Mark und über 1000 Mark 20 Mark zugestehen. Der Ausschuß hatte zunächst die letzteren Gebuhrenbeträge auf 20 bzw. 35 Mark festgesetzt. In den weiteren Beratungen ist der Ausschuß schließlich zu dem Ergebnis gekommen, die Gesetzesvorlage überhaupt abzulehnen. Nach längerer Debatte wird der Ausschuß- antrag abgelehnt. Annahme findet der erwähnte Kompromitzantrag, der auch bestimmt, daß das Aenderungsgeseh am 1. Aug. 1925 in Kraft tritt. Ebenfalls angenommen wird eine Entschließung der hinter der Regierung stehenden Parteien, durch die die Regierung ersucht wird, dafür zu sorgen, daß die Streitwerte in Armensachen nicht zu niedrig bemessen werden. Die Schlußabstimmung über die Gesetzesvorlage wird auf Antrag des Abg. Koch (Dem.) namentlich borgenommen. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 206 gegen 163 Stimmen. Fünf Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Nach Erledigung kleinerer Dor- lagen wird noch der Gesetzentwurf über die Versorgung der Angehörigen des Heeres und der Marine sowie ihrer Hinterbliebenen dem Ausschuß überwiesen. Daraus vertagt sich das Haus auf Samstag mittag 12 Uhr. Handels- abfommen mit Griechenland und kleinere Vorlagen. Zur Tagesordnung beantragt vorher noch Abg. Stöcker (Komm.), als ersten Punkt aus die Tagesordnung die außenpolitisch« Debatte zu setzen. Abg. Muller-Franken (Soz.) verlangt ebenfalls, die außenpolittsche Debatte noch vor Absendung der Antwortnote an Driand auf die Tagesordnung zu setzen. Der Aba. Frick (Völkisch) teilt zunächst noch unbewiesene Dinge aus dem Darmat-Aus- schuß mit und bittet, diese in die morgige Tagesordnung aufzunehmen. Die Abg. Dreit- scheid (Soz.) und Pfleger (Datzr. Dp.) wenden sich dagegen. Nach weiterer ausführlicher Debatte, in der Abg. Graf Westarp (dn.) betont, daß die Deutschnationalen die auhenpollttsche Debatte noch vor der Sommerpause eintreten lassen wollten, aber erst zu einem Zeitpunkt, den die hinter der Regierung stehenden Parteien mit der Regierung als zweckmäßig erachten, kam das Haus zur Abstimmung. Angenommen wurde bezüglich der außenpolitischen Debatte der Antrag, den Präsidenten Löbe zu ermächtigen, mit der Regierung in Verbindung zu treten, um den geeigneten Zeitpunkt für die außenpolitische Debatte zu bestimmen. Der Antrag des Abg. Frick wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die Verhandlungen der Schwerindustrie. Düsseldorf, 3. Iuli. (WB.) Im Stahlhof sind die Vertreter der deutschen, französischen, luxemburgischen und Saargebiets- Industrie zusammengetreten, um über öte Einzelheiten des bekannten deutsch-sranzö fischen Industrie-Abkommens zu beraten. Die Verhandlungen, bei denen es sich um eine ganze Reihe komplizierter Fragen handelt, nahmen, wie verlautet, einen guten Verlauf und werden demnächst fortgesetzt. Die holländischen Mahlen. Fast unbemerkt haben sich am Sonntag in Holland die Wahlen zur Zweiten Kammer vollzogen, die alle vier Iahre stattfinden. Das vorläufige Ergebnis ist jetzt bekannt geworden, es bestätigt im wesentlichen die Voraussagen, die dahin gingen, daß es den Koa- littonsparteien gelingen werde, sich weiterhin zu behaupten daß aber die Linke einen Keinen Zuwachs erfahren werde. Dennoch, ist- die Basis der Regierung, die als einzige in ganz Europa sich schon seit sechs Iahren zu halten weiß, nicht so schmal geworden, um ihren möglichen Rücktritt in Erwägung ziehen zu müssen. Während sie bisher von hundert Abgeordneten sechzig hinter sich hatte, ist die Koalttion jetzt auf 54 Sitze zurückgegangen. Das ist etwas knapp, immerhin verfügt das Kabinett auch jetzt noch über die absolute Mehrheit. FürDeutschland besteht kein Anlaß, mit dem Ausgang der Wahlen unzufrieden zu sein. Die Regierung Ruhs de Beerenbroeck kann auf eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit Deutschland zurückblicken, sie hat es auch in kritischen Zetten stets verstanden, die deutsch-holländische Freundschaft auszubauen und herzlicher zu gestatten. Das Resultat der holländischen Kammerwahlen. London, 3. Juli. (Täl.) Das Gesamtresultat der holländischen Wahlen ist, wie die Times aus dem Haag berichten, wie folgt ausgefallen: Römisch-Katholische 30 Sitze, Calvinisten 31, Christliche Volkspartei 11, Sozialdemokraten 34, Liberale 9, Radikale 7, Orthodox-Calvinisten 3, Kommunisten 1, Bauern 1, Römisch-Katholische Dolkspartei 1 Sih. Am besten haben die Sozialdemokraten abgeschnitten, die vier Sitze gewonnen haben, während alle übrigen Parteien Verluste aufzuweisen haben. Die Rechtskoalition, die seither 79 Sitze irrne hatte, erreichte diesmal nur 74 Sitze. Man erwartet eine Demission des Kabinetts und ein neues Rechtskabinett. Die auswärtigen Gesandten bei Pangalos. Belgrad, 4. Iuli. (Täl.) Unmittelbar der entscheidenden Sitzung der griechischen Kammer haben die auswärtigen Gesandten dem Ministerpräsidenten Pangalos und dem Außenminister R e n t i s einen B e s uch abgetane!, womit das neue Kabinett auch von den auswärtigen Mächten anerkannt ist. Die Stellung der Regierung Pangalos hat durch diese Anerkennung eine wesentliche Befestigung er» ähren. Große Bedeutung wird in diplomatischen Kreisen dem gestrigen Eintreffen des Italien:» chen Unter st aatsfekretärs für Aeuße» res in Athen beigemesfen. Bei der wesentlichen Besserung der griechisch-italienischen Beziehungen in den letzten Monaten hält man es nunmehr für möglich, daß eine Annäherung zwischen den beiden Staaten zustande kommt. Rentis strebt auch eine griechisch-türkische Annäherung an. Klirre politische Nachrichten. Der polnische Gesandte Olszewski und der Vorsitzende der polnischen Delegation für Handelsvertragsverhandlungen Dr. Prond- zynski statteten dem Außenminister Dr. Stresemann heute einen Besuch ab. Aus aller Welt. Neue Erdflöhe in Kalifornien. San Francisco, 4. Juli. (WTD.) Heute morgen wurde in Kalifornien ein neues Erdbeben verspürt. Ein besonders heftiger Erdstoß wird aus Santa Barbara gemeldet. Das neue Erdbeben dauerte 15 Sekunden, ohne daß kleinere Stöße vorangingen. Es ist noch nicht bekannt, ob auch diesmal Tote zu verzeichnen sind. Das Zentrum ist das gleiche wie beim ersten großen Erdbeben. Unter der Bevölkerung herrscht Panik. Das Hauptpostgebäude von Santa Barbara ist aufs schwerste beschädigt, ebenso die Geschäftshäuser. Die Menschen werden vom Militär daran gehindert, die Häuser zu betreten. Amundsens Heimfahrt. Oslo. 3. Iuli. Der Kohlendampfer A.W. Selmer, der Amundfen und seine Freunde nach Oslo zurückgebracht hat, ist heute am Christtansew-Sund vorbei im Christianford eingelaufen. Von hier aus gestaltet sich die Fahrt zu einem Triumphzug ganz sonderbarer Art. Von allen den kleinen Ortschaften am Ford waren Motor- und Segelboote reich beflaggt mit Gesangvereinen und Musikkapellen an Bord dem Schiffe Amundsens entgegen gefahren und eskortierten es bis zum nächsten Ort. Auch die Zoll- lutter der Regierung nahmen an diesem Ehren- geleite teil. Die Ufer entlang stehen überall Menschen, die Bewohner unter den Flaggen und fingen unaufhörlich die Nationalhymne. Dullanausbruch. Bogota, 3. Iuli. (WTB.) Der Dullan G a l e r a s ist gestern in Tättgkeit getreten. Große Flammen schlugen aus dem Krater empor. Die Verbindung mit La Florida und Sonsaca ist unterbrochen. Man befürchtet, daß die Stadt zerstört ist. Selbstmord eines Kriminalkommissars. Der Kriminallommissar Bus vom Polizeipräsidium Berlin, Leiter des Dezernats für Ein- mietediebstahl und Werkstätteneinbruchs verübte in seiner Wohnung Selb st mord durch Erhängen. Man nimmt als Grund Liebesku m » m e r und wirtschaftliche Sorgen an. Der Kriminalkommissar ist in seinem Amt stets pflichttreu gewesen. Die Eröffnung des Londoner Dickens-Museums. Das Haus in Doughty-ftreet, in dem Dickens die „Pickwickier" vollendet unb „Oliver Twist" sowie „Nicholas Nickleby" geschrieben hat, wurde jetzt als Museum der Oeffentlichkeit übergeben. Es ist zu einem Dickensmuseum ausgeftaltet worden, das zahlreiche Dickensreliquien, darunter einige der Federkiele, die er benutzte, eine auf Dickens bezügliche Bibliothek von 2500 Bänden und eine große Sammlung von Bildern und Zeichnungen enthält. Die Wände sind zum größten Teil mit den Originalzeichnungen von „Phiz" und Leech geschmückt, nach denen die berühmten Illustrationen zu Dickens Werken gefertigt wurden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 4. Iuli 1925. Sportärztliche Untersuchung beim 32. Mittelrheinischen Kreisturnfest. Don Professor Dr. H u n t e m ü 11 e r. Wie beim 13. Deutschen Turnfest sollen die Wetturner auch beim diesjährigen Mittelrheinischen Turnfest in Gießen einer körperlichen Unter» suchung unterzogen werden. Während das Anthropologische Institut, das die älntersuchung in München durchführte, das Hauptgewicht auf die Feststellung der Körperproportionen legte, sollen in Gießen hauptsächlich die lebenswichtigen Organe, Herz und Lunge, untersucht werden. Früher fand ja bei den militärischen Musterungen eine allgemeine ärztliche Untersuchung unserer männlichen Iugend statt, nach Abschaffung der Militärdienstpflicht haben diese für unsere Volksgesundheit überaus wichtigen Durchuntersuchungen aufgehört. Es ist aber für jedermann und besonders für den Sportsmann von großer Wichtigkeit, über Gesundheit und Leistungsfähigkeit seiner Organe unterrichtet zu fein, denn Fehler und krankhafte Anlagen können bet frühzeitiger Feststellung durch geeignete Gegenmaßnahmen häufig noch leicht beseitigt werden. Vielfach sind sich die Betreffenden über ihren Zustand gar nicht klar gewefen, und erft die ärztliche Unterfudjung deckt krankhafte Erscheinungen auf und kann für ihre Abstellung Sorge tragen. In Amerika, wo derartige älntersuchungcn zuerst von den Lebensversicherungs-Gesellschaften bei ihren Mitgliedern in jährlichen Zwischenräumen mit bestem Erfolge durchgeführt sind, will man sie jetzt auf die ganze Bevölkerung aus- dehnen, und zwar für Unbemittelte durch Zu- ammenschluh von Aerztevereinigungen, Behörden und Wohlfahrtsorganisationen kostenlos Derartige Maßnahmen werden für die D llsges and- seit fraglos von großem Nutzen werden rönnen. Die Turner und Turnerinnen — denn die Gesundheit der Frauen, der Mütter unseres kommenden Geschlechtes, ist für die Aufzucht eines gesunden Nachwuchses von besonders großer Bedeutung — sollten daher diese vom Institut ür Körperkultur mit ilnterftütjung von Dozenten und Assistenten der Hess. Landesuniversitat sowie der Gießener Aerzteschaft durchgeführten Unter» uchungen nicht versäumen, besonders wenn sie bisher, was den männlichen Teil betrifft, noch nicht an einer allgemeinen ärztlichen Musterung teilgenommen haben. Aber nicht nur die Gesundheit der Organe, ondern auch ihre Leistungsfähigkeit, die für den oportsmann ja von besonderer Wichtigkeit ist, soll estgestellt werden. Es findet daher eine llnter- uchung vor dem Wetturnen und für alle, bei denen irgendwelche Fehler gefunden oder sich Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit ergeben haben, eine zweite gleich nach der turnerischen Haupt- leiftung auf dem Festplahe statt. Die §cfte Untersuchung wird, um es den mit der Bahn ankommenden Wettumem möglichst bequem zu machen, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofes in der Bahnhofstraße 84 p. vorgenommen. ilm eine reibungslose und schnelle Abfertigung zu gewährleisten, lassen sich die Turner: und Turnerinnen beim Cmpfangsausschuß am Bahnhof in die dort aufliegenden älntersuchungs- liften eintragen, und erhalten Zeit und Stunde, in der sie zur Untersuchung kommen, auf ihrem Quartierzettel vermerkt. Da Vorsorge getroffen; ist, daß stündlich 60 Turner und 30 Turnerinnen untersucht werden können, so wird hierdurch kein großer Zettverlust entstehen. Den älntersuchungs- befand kann der Betreffende gegen Erstattung von 50 Pf. angefertigt erhallen. Bei den Mitgliedern der Gießener Turner- schaft findet die Durchuntersuchung schon früher statt, um einmal die notwendigen Hilfskräfte in den Gang der Unterfudjung einzuführen und sie andererseits während der Zeit deö Turnfestes zu entlasten. Ehrenpromotion Hugo Junkers Gießener älnibersitatsprofessoren im Zwölfsitzer« Flugzeug nach Dessau. Die philosophische Fakultät unserer Landesuniversität hat bei Gelegenheit der Flugplah- einweihung den Professor Dr.-Ing. e. h. Hugo Iunkers in Dessau, „den Erbauer der verspannungslosen, ganz aus Metall hergestellten Großverkehrsflugzeuge, die seinen Namen und den Ruhm deutscher Technik und deutschen Erfindungsgeistes über die Erde tragen, in bewundernder Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der deutschen Luftfahrt" ehrenhalber zum Doktor der Philosophie promoviert. Aus Einladung der Werksleitung sind heute morgen acht Professoren, an deren Spitze der Rektor, der Exrektvr und die Dkckane der beiden Qlbteilungen der Fakultät, zur äleberreichung des Diploms mit den: Großflugzeug vom hiesigen Flugplatz um 9 Ufa nach Dessau geflogen. Ihre Rückkunft wird gegen Abend erwartet. Das Flugzeug wird alsdann bis morgen hierbleiben. Das Gießener Verkehrsflugzeug angekommen. In elegantem Flug erschien gestern nachmittag kurz vor 6 Ähr das für Gießen bestimmte Verkehrsflugzeug über dem Weichbild unserer Stadt. Die Maschine, ein Iunkers-Ganzmetallflugzeug, war um 51/« Uhr in Frankfurt auf gestiegen, hatte zunächst feinen Weg in Richtung Bad Homburg v. d. H. genommen, strebte von hier Bad-Nauheim zu, wo es — wie wir an anderer Stelle unseres heutigen Blattes berichten — bei einem Schleifen- flug über der Stadt allgemein das lebhafteste Interesse erregte. Von hier ging es dem Standort Gießen zu, der ebenfalls in mehreren großen Schleifen überflogen wurde. Alsdann schritt der Pilot kurz nach 6 Ähr zur Landung auf dem ausgezeichnet hergerichteten Flugplatz. Eine stattliche Zuschauermenge erwartete die Maschine mit lebhafter Spannung, viele weitere Interessenten kamen alsbald mit Fahrrädern und zu Fuß hinaus. Im Laufe des Abends landete noch eine zweite Maschine auf dem hiesigen Flugplatz, der gleichfalls reges Interestel entgegengebracht wurde. Für den morgigen Sonntag find sehr interessante Flug-Ereignisse zu erwarten. Insbesondere dürfte die Anwesenheit des allerneuesten Flugzeugtyps, der Zwölf» sitzer-Maschine mit drei Motoren, geeignet sein, die ganz besondere Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen. Für unsere Stadt und die Provinz Oberhessen bedeutet dieses fliegerische Ereignis eine besondere Denkwürdigkeit. Möge es überall den Entschluß zum Besuche der morgigen Veranstaltungen reifen lasten! Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. fpd. Falsche Dreimark st ücke mit dem Münzzeichen D 1924 befinden sich seit einigen Tagen in Frankfurt a. M. im Umlauf. Die Stücke fühlen sich etwas fettig an. An der Umrandung ist die Schrift „Einig" und „Einigkeit" eingeschlagen. Die Falschstücke haben einen dumpfen Klang. Auch fal- sche Einmarkstücke sowie gefälschte Reichsmarkstücke befinden sich gleichfalls im Umlauf. Diese sind ebenfalls sehr schlecht nachgeahmt. ** Gas-Lehrvorträge. Gleich denGas- toerlen vieler anderer Städte hat sich auch die Direktion des hiesigen Gaswerks zur Abhaltung von Gaslehrvorträgen durch Vortragende der Bas &este Rad Quelitätsmarke von Weltruf Elegante neue Modelle SS“ LK: Oie D ru «et» lnrn ZV?Wn. ?Ä» sFü a,r*^ tat, öi'e fcMnt' E IM feit etoeEp» k , $ WÄ6’1' bet t'Ant 5.W (TOlßtg, jttS-8 iärüta ^UntnluchunA 䙫. «Ul ihm *» L?L Anlersuchungz. LW® WatL ul • I Sieben« Turner» U^N schon früher Em Hilf-Ze mg eiMUrrn und oeit des Turnfestes ugo Junkers ;en im ZMffihru Mau. ät unser« Landes. Mt bec Flugplatz» '.s3ng. e. h. tzugv Erbau« der d«. Metall hergestelltm leinen Hamen und und deutschen Ersin- tragen, in betoun- : Drrdienste um bie ustfahrt" chrenhalbn svphie promoviert Äsleitung sind heute m deren Spitze der e Getane her beiden r Mebemifiung der teug Dom ljiefym Tefsru 6W6MXI. $ra\b «toattet. Das mvrgep Hinbieiben lchrssiugzeug men, iSss riiJu6e dec re^M^ndj. igenteil erptyiw Tschirn gestern nach- iS für Giehen be- gzeug über dein Sic Maschine, tti j, war um 51/- Äc hatte zunächst seim Homburg v.d.H. r Jad-Hauheiai nderer Stelle unseres - bei einem Schleis«« mein das lebMesti ging es dem Stand- enfoILi in mehreren ien wurde. Wdam , 6 Uhr zur 2a n- i hergerichteten SW vermenge ermüd« Spannung, viele dbaO>iBüN* .. Lause M « siaschine auf dem^ hsolls reges ^nterelM 0onftfeVC£ S?£«S Zentrale für Gasverwertung in Bert.n eruicyM,- fcn Die Vorträge finden vom 6. bis 11. 3uli im Saalbau Sauer. Oswaldsgarten, täglich von 10 hes 1 Uhr vormittags und 4 bis 7 Uhr nachmittags statt. Cs wird über sparsamste und vielseitigste Anwendung des Gajes im Haushalt, insbesondere zur Speisebereitung ustv. gesprochen und prattische Vorführungen damit verbunden. Der Besuch diäter äußerst interessanten Veranstaltungen ist seh.'zu empfehlen. Man brachte die an verschiedenen Lagen erscheinenden Anzeigen. *’ D i e Allgem. Ortskrankenkasse Gießen-Stadt veröffentlicht im heu'tgen Anzeigenteil Deitags-Veränderung.n in den Lohnstusen. Interessenten seien auf di« Anzeige besonders hingewiesen. " Oberhessischer Kun st verein. Die Ausstellung der „Freien Vereinigung Darmstädter Künstler" tm Turmhaus am Drandplatz ist um eine Reihe von Werken erweitert worden. Reben einigen Oelgemälden (von Scheid. Barth und Vielmatter) smd neu ausgestellt.- Aquarelle aus Tripolis von Kirl Scheid, Lithographien aus Ital-en von Ludwig Enders und Ra^iemingen von H. Vielmatter: an Plastik ern werblicher Halib-kt von Ali Lichtenstein. Es sei darauf aus- merksam gemacht daß auch die neu angekommenen B lder nur noch bis zum 12. Iuli ausgestellt smd. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Gründungsfeier der Vereinigung ehemal. Angehöriger des Realgymnasiums Gießen: 8 Uhr Saalbau Sauer' Festakt. — Stenographen-De- sellschaft Gabelsberger: 8>/z Uhr Stiftungsfestkommers „Stadt Lich". — ArFllerie-Derein: 8Ve Uhr „Univers'-tätsrestaurant" Monatsversamm- lung. — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8'/- Uhr „Stadt Lich" Monatsversammlung. — Ruderklug Hafsia: 8'/? Uhr Bootshaus, Mitgliederversammlung. — Elsaß-Lothringer: 81 > Uhr .Hotel Köhler'^ Monatsversammlung. — Reichsverband de rDerusskrastfahrer im D. D. D.: 8ys Uhr „Schipkapaß" Kraftfahrer-Versammlung. — Dürgergescllschaft: 8'/2 Uhr „Philosophenwald" Sommernachtsball. — Kavallerie-Verein: „Rebstock" Monatsversammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die Csardasfürst'm". — Astorra» Lichtspiele: „Schneller als der Tod". — Tageskalender für Sonntag. Einweihung des Flughafens Gießen: 3 Uhr nachmittags auf dem „Stolzen Morgen". — Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter: 9V2 Uhr vorm. „Gewerkschaftshaus" Generalversammlung. — Lichtspielhäuser wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns gefchrioben: Für das Dad-Rauheimer Kurtheater wird zur Zeit eine Aufführung von Sudermanns „Ehre" vorbereitet. Da sich gegenwärtig eine außerordentlich glückliche Besetzung des Werkes ermöglichen läßt, soll auch hier eine einmalige Aufführung stattfinden, und zwar am Mittwoch, 8. Iuli. Als die „Ehre" 1889 auf den Duhnen erschien, wirkte sie wie eine revolutionäre Tat auf dramatischem Gebiete, und sie ist bis heute Sudermanns populärstes Werk geblieben. Gewiß wird die Vorstellung auch am Mittwoch wieder ihr Publikum finden, zumal daS Stück hier seit einigen Iahren nicht gegeben worden ist. — Die Gießener Hvchschulgesell- sch ast veranstaltet am Samstag, 11. ds. Mts., und Sonntag, 12. Iuli, ihre Hauptversammlung und Festsitzung im Vorlefungsgebäude. Gäste sind willkommen. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — Ein Wohltätigkeitskonzert veranstaltet Wilhelm Schüttlers Schule für höheres Klavierspiel am nächsten Mittwochabend im Singsaal des Realgymnasiums. Das trefsliche Vorhaben, das den Besuchern einige genußreiche Stunden verspricht, verdient alle Förderung. Räheres im heutigen Anzeigenteil. Wettervoraussage. Vorwiegend wolkig, wechselnde, meist nördliche Winde, warm, vereinzelt Riederschläge, Gewitterneigung. ■öQt> ftanzofticye L-.es raut langiam gegen Osteuropa vor. Ihm folgt von Irland ein Gebiet höheren Druckes. Ein neues Ties über Island kann demnächst abermals Störungen bewirken, die nach den Erfahrungen der letzten Wochen aber keine beträchtlichen Riederschläge auslösen dürften. Nauheim und der Flugverkehr. 2$. Dad-Rauheim. 3. Iuli. Heute nachmittag 6 Uhr überflog ein Flugzeug unsere Stadt. Cs ging sehr tief herab, damit „Flugblätter" in größerer Zahl abgeworfen werden konnten. Diese enthielten Einladungen zum Besuch der Gießener Flugplatz-Eröffnung. Die Iugend flüchte sich begierig auf die bunten Zettel und sorgte nachher für deren Verteilung an die zahlreichen Interessenten. Der Gießener Flugplaheinweihung werden übrigens auch von hier Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden offiziell beiwohnen, lieber den Anschluß unserer oberhessischen Bade- stadt an den Luftverkehr fanden dieser Tage wieder Beratungen statt, so im Kurverwaltungs- ausschuß. Rach allem, was man hört, dürfte die Schaffung eines Flughafens hier Tatsache und bis zum nächsten Frühjahr Verwirklichung finden. Die Frage der Finanzierung muß im Einvernehmen von Stadt, Staat und Privaten gelöst werden. Die Geländefrage wurde auch bereits erörtert. Es kommen verschiedene geeignete Platze in Frage. Im Interesse des Heilbades liegt es, bei der Auswahl besonders darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Auto- zufahrtsstraßen nicht durch die eigentliche Kur- ftadt führen. Am meisten Aussicht dürfte das schon früher genannte Gelände am Goldstein, auf einer Hochebene zwischen dem Bahnkörder der Main-Weser-Dahn und demjenigen der Wetterialbahn gelegen, haben, zumal der Flugplatz hier nur wenig wertvolles landwirtschaftliches Gelände verschlingen würde. In Sport» kreisen neigt man mehr für Verwendung des jetzigen Sportplatzgeländes, das auf dem halben Wege nach Friedberg an der Ufa liegt. Man hofft damit auf die erneute Ausrottung der Sportplatzfrage, die seither nur provisorisch, nicht endgültig gelost war. Als Ersah würde man in Sportkreisen ganz gern einen großen städtischen Sportplatz, der auch als Festplah für größere festliche Veranstaltungen zu verwenden wäre, am oberen Ende der Steingasse, dicht am städtischen Hochwalde, erstehen sehen. Doch sind das nur Ansichten und Meinungen, die iz der Oeffentlichkeit ausgetauscht werden. In Wirklichkeit wird die Frage des Geländeerwerbs für den Flughafen noch in mancher Sitzung erörtert werden, bis es zur end- gültigen Lösung kommt. Diese aber wird kommen, denn wenn unsere weitblickende Stadtverwaltung und die rührige Bad- und Kurverwaltung die Rotwendigkeit einer Reuerung ein- gesehen haben, dann werden sie nach Abwägung des Für und Wider auch Wege zur Verwirklichung sinden. Kreistag des Kreises Alsfeld. Ost Alsfeld, 1. Iuli. Gestern fand im Sitzungssaals des Rathauses dahier die ordentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Alsfeld unter dem Bobitz des Kreisdirek- tors Dr. Stammler statt. Der erste Punkt der Tagesordnung war Erlaß einer Satzung für das Kreis- jugenbamt Alsfeld. Hierzu gab der Referent, Regierungsrat Strack, eine ausführliche Erläuterung der ganzen Materie unter Hinweis auf die Reuregelung auf Grund der Fürsorge- pflichtverordnung vom 13. Februar 1924. Die Satzung wurde nach kurzer Aussprache angenommen. Ein Antrag, den Punkt zwecks näherer Information der Kreistagsmitglieder von der Tagesordnung abzufetzen, wurde abgelehnt. Der folgende Punkt, Prüfung und Begutachtung der Rechnung der Kreis- kasse Alsfeld von den Rj. 1922 und 192 3, wurde ohne Aussprache erledigt und die vorgelegten Rechnungen und Kreditüberfchreitun- gen genehmigt, vorbehaltlich der Revision durch die Ober-Rechnungskammer. Das Hauptintereffe nahm die nun folgende Beratung des Voranschlags deS Kreises Alsfeld für das Rj. 192 5 in Anspruch. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 383 317,39 Mk. ab, gegen 317 720 Mk. nach dem vorjährigen Voranschlag. Bei der Rubrik Kreiswohlsahrtspflege wurden Anträge auf Streichung der beiden neuen Stellen für die Jugendfürsorge und eine Stelle der beiden Kreisfürforgerinnen abgelehnt. Bei der Rubrik Kreisstraßenverwaltung bemängelte das Mitglied Dauoberinspektor i. R. Braun das Verhältnis zw'schen den persönlichen und sachlichen Kosten für die Unterhaltung der Kreis- straßen, fachliche Kosten 87 800 Mk. persönliche Kosten 63 200 Mk., die nicht im richtigen Verhältnis zueinander stünden. Auch wurde Weiler bemängelt, daß der Ertrag aus der außerordentlichen Baumsällung an den Kreisstraßen im Rj. 1924 zur Erbauung eines Kreishaules, anstatt zur Unterhaltung der Straßen verwendet worden sei. Der Vorsitzende und Regierungsbaurat Grünewald gaben hierzu erläuternde Aufklärungen. Ein Antrag eines Kreistagsmitgliedes auf Erbauung einer Kreisstrahe von Burg- Gemünden nach Rieder-Ohmen hat nach den Ausführungen von Regierungsbaurat Grünewald wenig Aussicht auf Erfolg, da sich Provinz und Staat ablehnend dazu verhalten und Mittel für Strahenneubauten vorerst nicht bewilligen. Ein Antrag auf Erhöhung der Akkordlöhne für die Steinschläger fand Annahme. Die Rubrik wurde alsdann genehmigt, ebenso der gesamte Voranschlag nach weiterer Beratung. 3um Schlüsse wurde die Angelegenheit der Errichtung einer Reben st ekle im Kreise Alsse ld des Arbeitsnachweises Gießen, denen hinsichtlich der Erwerbslosen- fürforge die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten angegliedert sind, besprochen und nach einem Referat von Regierungsaffessor Dr. Doll genehmigt. Damit war die Tagesordnung erschöpft, und mit Dankesworten an die Erschienenen schloß Kreisdirektor Dr. S t a m m l er die Sitzung, die von 11 bis 3 Uhr ohne Unterbrechung gedauert hatte. Turnen, Sport und Spiel. Die süddeutschen Meisterschaften im Schwimmen werden heute und morgen, Sonntag, in Frankfurt a. M. ausgetragen. Bei dieser Gelegenheit wird das Schwimmbecken des neuen Stadions feiner Bestimmung übergeben. Die Meldungen weisen natürlich die besten Schwimmerinnen und Schwimmer Süddeutschlands auf, wie: Der deutsche Meister im 400-Meter- und 1500° Meter-Freistil Berges- „Jrmgdeutschland", Darmstadt, Faust und G r e m e r - Göppingen, Weiß und Gieret-Nürnberg, De? -München, München, Gropper -Augsburg, Frl. Arndt- Gießen, Frl. B a ck o s - Offenbach und Frl. Müller- Frankfurt. Der Gießener Schwimm verein wird durch Frl. Arndt und Herrn Pascoe ver- tveten sein. Frl. Arndt startet im Samen» brüst-, 100 Meter, und im Damenrückenschwimmen 100 Meter, während Pascoe das 1. Brustschwimmen gegen erstklassige Konkurrenz bestreitet. Im Damenbrustschwimmen sind sieben Teil- nehmerinnen gemeldet. Die stärkste Gegnerin für Frl. Arndt ist Frl. Erna Dackof- Offen» ftach, von deren Können sich die Gießener Schwimmsportinteressenten am vorigen Sonntag in der Müllerschen Badeanstalt überzeugen konnten. Da die Stärke der Offenbacherin die 100- Meter-Strecke ist, so ist ein spannender Kampf zu erwarten. Das Damenrückenschwimmen 100 Meter zeigt 8 Meldungen. Auch hier wird Frl. Arndt mit Frl. Dackof zu Kämpfen haben. In beiden Rennen halten wir Frl. Arndt als die Bessere. Pascoe wird, da ihm die 100-Meter-Strecks nicht besonders liegt, infolge seines langen ZugeS, nur zu Platzehren kommen können. Im Wasserballfpiel treffen sich F.T.E. Budapest und die süddeutsche Auswahlmannschaft. Budapest schlug am vergangenen Sonntag tn Göppingen ben deutschen Wasserballmeister „Hellas"-Magdeburg in zwei Spielen 4:2 und 4:1. Die Süddeutschen müssen sich also sehr an- strengen, wenn sie gewinnen wollen. ---------------------- } Der Frankfurter Landeskirchentag und derFallDaconius spd. Frankfurt a. M., 2. Iuli. Einen dramatischen Verlauf nahm heute die Verhandlung des Falles D a c o n i u s vor der Vollversammlung des Frankfurter evangeli- Landeskirchentages. Die Besprechung der Angelegenheit, die weit über Frankfurt hinaus Aufsehen erreat, geschah hinter verschlossenen Türen. Rach Wiederherstellung der Oeffentlich- keit gab das Präsidium eine längere Erklärung darüber ab, wie der Kirchentag den Fall bis jetzt erledigt habe. Vaconius, der am 2. Iuli freiwillig aus dem Landeskirchendienst ausschied und die Leitung einer neuen, schon jetzt nahezu dreitausend Seelen umfassenden evange- lisch-lutherifchen Gemeinde in Sachsenhausen übernahm, hatte die ihm von dem LandeSkirchen- ral zugedatsten Strafen abgelehnt. Das Lande-» kirchenvräsidium gab nunmehr, da Vaconius derart gegen die Interessen Der Landeskirche gehandelt halte, eine Uebersicht über die Verfehlungen, weshalb man Vaconius zur Rechenschaft ziehen mußte. Vaconius habe seinen Amtsbruder schwer denunziert, er habe den Küster in der schlimmsten Weise beleidigt, einem Kirchenältesten den Trost versagt, als dessen Tochter verstarb, und in einer Sitzung, als ihn die Gegner zu hart bedrängten, das Vaterunser laut als Abwehr gebetet. Schließlich soll er in einem amtlichen Schreiben den Inhalt der Bibel als Schweinerei bezeichnet haben. Als der Vorsitzende die Verlesung des langen Schriftsatzes beendet hatte, machten zahlreiche als Zuhörer anwesende Anhänger von Vaconius lärmende Zwischenrufe, so daß die Sitzung vorzeitig geschlossen werden ßmußte. Der Fall Vaconius Dürfte nunmehr noch manche Weiterungen im Gefolge.haben, leider auch gegenseitige gerichtliche Anklagen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 5. Juli. 8—9 Uhr Morgenfeier, veranstaltet vom Wart« burgverein. 12—1 Uhr Mittagskonzert des 1. Hanauer Mandolinen-Orchesters. 4—5 Uhr Kinderstunde. 6.30 Uhr Uebertragung aus der Berliner Oper in 3 Akten von Richard Wagner. Anschließend Nachrichtendienst, Wettermeldung, Sportbericht. 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Bald nach dem Mord von Sera,ewo war der österreichisch-ungarische Minister des Aeußeren, Graf B e r ch t o l d , zu der Heber, zeugung gelangt, daß dieser neueste ,erbl,che Angriff auf die Donaumonarchie nicht hingenommen werden. sondern mit einem bewaffneten Einmarsch in Serbien beantwortet werden müsse. Jedoch der energische Einspruch des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza und die Abneigung Kaiser Franz Jo- sephs gegen jeden ernsteren Konflikt verlegten dem Grafen Berchlold den Weg zu der von ihm für notwendig gehaltenen Züchtigung Serbiens. Da Berchlold fest überzeugt war, daß ohne sie binnen kurzem der ganze Lüden der Monarchie an das angriffslustige Serbien verloren gehen werde, verfiel der Minister auf einen gewagten Plan. Er schickte seinen eingeweihtesten 23ertranten, den Grafen H o y o s mit einer Denkschrift und einem Handschreiben Kaiser Franz Josephs nach Berlin mit dem Auftrag, der deutschen Reichsleitung die Dinge so darzustellen, daß Berlin seine Einwilligung zu der Züchtigung Serbiens gebe. War das erreicht, und zwar in einer Weise, daß man Fran; Joseph und dem Grafen Tisza fälschlicherweise einreden konnte, die Initiative gehe von Deutschland aus, so hoffte Berchlold auch die Bedenken seines Kaisers und des ungarischen Ministerpräsidenten zu beschwichtigen. Mit dieser Aufgabe von wettgefchicht- licher Tragweite betraut, reiste Hoyos am 4. Juli 1914 nach Berlin. 1. Gras Hoyos in Berlin. Der Ferienmonat war angebrochen, worin >cit Politik, wenn irgend möglich, im stillen Liiwerständnis aller Kanzleien auszuruhen ||igt Trotz den kriegsdrohenden 2llarm- Weln Suchomlinows und trotz den Gerüch- t*n uber eine russisch-englische Marinekonven- kir erwartete die Wilhelmstraße eher einen tnihgen Sommer. An Sturmzeichen war man gwfooljnt, ein naher Ausbruch nicht in Sicht; tönt fernen Gewitter konnten sich verziehen. Mn mußte die Auswirkungen der neuen, smidlich gesinnten Kammermehrheit in Paris rsijtir lassen, die trotz Poincares Präsident- Msl über kurz oder lang zu einem Ministe- rwi Caillaux führen würde. Vor allem tuitr hoffte man auf die Früchte des wachsendem Einvernehmens zwischen Berlin und Lon- dcm Eben war das deutsch-englische Abkom- nrnti über die Bagdadbahn unter Dach gx-Älacht. Der Kaiser wird die Nordland- r.-eil?, wie alljährlich antreten. Der Reichs- k'aizler verbringt den Juli auf seinem neu- «ülkischen Landgut Hohenfinow. General- M-ches v. M o l t k e gebraucht die Kur in Äfcbab, Staatssekretär v. Tirpitz in Ta- :eQ,p. Der 51jährige Leiter des Auswärtigen itms, Gottlieb v. Jagow, befindet sich auf 'Dixiizeitsreise. Man spricht vom Neubau des !llu bärtigen Amts. Die altertümlichen Rtinne, in denen Bismarck die deutsche Frage äifh, sind zu eng geworden für die Geschäfte M«!2 Volkes, dessen wirtschaftliche Rekorde imq allen Meßzahlen fabelhaft anschwellen mm: dem stolzen deutschen Bürger verraten, )ta; i« Oeftereich fordern wird, kann Serbien iTHlh Zaum verweigern. Schon bereitet die ÄJirrung sich vor. Aus Belgrad meldet 1WÜ Gesandte, daß dort recht gedrückte Stim- iruiig herrsche und die Regierung möglichst zsviuschvoll von den Attentätern abrücke, iuis Wien lauteten die Nachrichten unbehag- M. Trotzdem glaubte der Vertreter des Mrtssekretär von Jagow, Unterstaatssekre- tä«Zimmermann, seinem Chef an den Vier- rwatJffatter See depeschieren zu können, er noöte ruhig seinen Urlaub bis zu Ende ver- bWxen. Herr Zimmermann sah keine unmit- tM-r« Gefahr. Er arbeitete gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Wien, Herrn v. T s ch i r s ch k i), an der Beilegung der Folgen des Attentats. Seit dem 30. Juni wirkte rr bei den Vertretern Rußlands, Frankreichs und Englands, wie bei Serbien selbst dahin, den berechtigten Sühneansprüchen Oesterreich-Ungarns Geltung zu verschaffen Aber er empfahl gleichzeitig dem österreichisch-ungarischen Botschafter Vorsicht. Wien habe bei dieser beispiellosen Kränkung die Sympathie der gesamten gesitteten Welt für sich, es möge sie nicht gefährden, indem es demütigende Forderungen stelle. Ein energisches Vorgehen Wiens war notwendig und möglich, nur Unbesonnenheit sollten vermieden werden. Das Verhalten eines Teils der öfefntlichn Meinung erschwerte den deutschen Diplomaten ihre heikle Aufgabe, die Energie des Bundesgenossen, zu zügeln, was überhaupt nur dayn möglich war, wenn man nach außen hin fest zu dem beleidigten Bundesgenossen in feiner schwierigen Lage stand. Statt dessen predigte ein beredter Teil . der deutschen Oeffentlichkeit geräuschvoll, was nur der Staatsmann unter vier Augen mit dem höchstem Takt hätte sagen dürfen. Am 3. Juli schrieb die „Franks. Zeitung", Oesterreich müsse z-' friedlichen Vereinbarungen bereitwillig die Hand bieten und alles vermeiden, was den Eindruck der Gereiztheit oder großer Worte machen könne. Der schulmeisternde Ton der Mäßigkeitapostel, die sich mit der deutschen Reichsleitung verwechselten, erzielte auch jetzt das Gegenteil dessen, was man erstrebte, er erschwerte es der deutschen Regierung, dieselben Ratschläge diskret zu geben und zwang sie zu verstärkter ostentativer Bekundung der Bundestreue. Immerhin schienen Tschirschkys und Zimmermanns Bemühungen Wien zu bremsen, doch Erfolg zu haben; am 4. Juli berichtete Tschirschky von ernstlichen Bemühungen Berchtolds, die leidenschaftlich gereizte öffentliche Meinung der Monarchie zu beruhigen. Auch sollte man bald erfahren, wie die Wiener sich ihr Vorgehen dachten .Denn es hatte sich der österreichisch-ungarische Botschafter beim Kaiser angesagt. Als der Botschafter zur Kenntnis gebracht hatte, daß er ein Handschreiben Seiner Majestät zu überreichen habe, luden die Allerhöchsten Herrschaften ihn zum Frühstück ins Neue Palais. Anschließend daran wurden der Reichskanzler und Herr Zimmermann zum Vortrag nach Potsdam befohlen. Es war Sonntag, Jj. Juli, eine Woche nach dem Mord. Bevor der Botschafter nach Potsdam fuhr, übergab Graf Hoyos ihm Handschreiben und Denkschrift und instruierte ihn. Zwei kluge Diplomaten traten sich gegenüber, der jugendliche Hoyos, beste Wiener Schule, liebenswürdig und falsch, und der 72jährige Graf S z ö g y e n y , der die Person Franz Josephs fast während Wilhelms II. ganzer Amtszeit bei ihn vertreten hatte. Obwohl dieser Botschafter jetzt am Ende seiner Amtszeit stand, hatte Graf Derchtold nach reiflicher Ueberlegung den ursprünglichen Plan, einen Sondergesandten zu schicken, verworfen und dem etwas überständigen Alten die erste Nolle in dem Drama zugewiesen. Szögyeny sah nicht, wie ein Diplomat aus und unterließ korrekte Formen, sprach ein mikoschartiges Deutsch und ließ sich, den Schein veraltend, als ungarische Spezialität belächeln, um, sehr gescheit und auf das Wesen der Sache bedacht, mit seiner treuherzigen Außenseite zu arbeiten. Sehr unterhaltend war es, zu beobachten, sagt einer seiner Mitarbeiter von ihm, wie Szögyeny mit seinem ungarischen Deutsch und unter der Maske des harmlosen Biedermanns, oft eine naive Unkenntnis vortäuschend, die Leute auszuholen verstand und aus ihnen das herauslockte, was er erfahren wollte, und sie ruhig beim Glauben ließ, sie seien ihm denn doch über. Wer hinter die Maske sah, konnte ihn wohl für den fähigsten Diplomaten im Berliner Korps halten, mindestens für den schlauesten, der jemals in der Botschaft am Kronprinzenufer gewaltet hatte. Er hatte eine lange Meisterschaft erworben, Wilhelm II. zu behandeln, indem er sich von ihm behandeln ließ. Er wußte sehr gut die Menschen bei ihren schwachen Seiten zu fassen und hatte herausgefunden, wie man sich Kaiser Wilhelm gegenüber zu verhalten habe, gutlaunig ließ er sich als Zigeuner hänseln; seine Altersschwäche suchte er kaum zu verhehlen und ließ es gelten, daß man ihn nicht recht ernst nahm. Diesem hervorragenden Original crwickelte Hoyos, was er beim Kaiser zu erreichen habe. Szögyeny begriff und fuhr nach Potsdams zu dem Geschäft, das vermutlich sein letztes, sicher sein größtes im deutschen Kaiserschlosse sein sollte. Zuvörderst kam es darauf an, das Vorbringen so zu leiten, daß sich keine Meinungsverschiedenheit ergab. Es war wohl ausgeschlossen, daß die so zahme diplomatische Aktion Tiszas, die im Handschreiben und Denkschrift niedergelegt war, in diesem Augenblick auf Ablehnung beim Kaiser stieß. Es war auch kaum möglich, daß sich Deutschland der Notwendigkeit einer Sühne verschloß. Darüber hinaus aber mußte so geschickt wie möglich versucht werden, von Deutschland auch Vollmacht für eine bewaffnete Exekution gegen Serbien zu erlangen, wobei alles davon abhing, die Frage zu umgehen, was mit Serbien nach erfolgter Zwangssühne eigentlich geschehen sollte? Wenn es Berchtold nur mit Muhe halb gelungen war, Tschirschky über diesen verfänglichen Punkt Hinwegzubringen, so war das bei Kaiser Wilhelms Art wohl leichter, wenn man ihn richtig zu nehmen wußte. Für Sühne wird Deutschland ebenso gewiß zu haben fein, wie es anderseits einen Annexionskrieg gegen Serbien der Weltkriegsgefahr wegen auch jetzt, wie so häufig ichon, scharf und bestimmt ablehnen wird. Deutschland so sanft und optimistisch tv;e möglich in die Aktion hineingleiten zu lassen, das war eine Ausgabe, wie sie der Doyen das diplomatische Korps sich nur wünschen konnte. Aus der Provinz. Landkreis Gießen. • Saubringen, 4. Juli Voraussichtlich findet die hiesige Bürgermeisterwahl am 12. Juli statt. Zwei Kandidaten sind ausgestellt. ll. Beuern, 3. Juli. Nachdem nun die Ein» führung einer Autolinie Gießen — Wie- s eck — Alten-Buseck — Großen-Buseck — Beuern Wirklichkeit werden soll und die interessierten Gemeinden sich die größte Mühe geben, dieses Unternehmen zu fördern und zu stützen, hat auch Bersrod großes Interesse daran, diese moderne Verkehrsgelegenheit zu erlangen. Sie gesamte Bürgerschaft ist mobil, und die Gemeindeverwaltung hat schon Schritte wegen der Weiterführung derAutoliniebis Bersrod unternommen. Treis a. d. L d a., 3. Juli. Sonntag, 12. Juli, findet auf einem schattigen Platz in dec „Wann" ein Waldsest des Eoang. Bundes statt, bei dem „Glaube und Heimat" aufgeführt wird. m. Hausen, 4. Juli. Nach der Volkszählung am 16. Juni wohnen hier in 102 bewohnten Wohnhäusern — unbewohnte gibt es natürlich keine — 119 Haushaltungen iwt 570 Personen, wovon 282 männlichen und 28tF weiblichen Geschlechts sind. 102 Haushaltungen treiben Landwirtschaft, die meisten im Nebenberuf, 17 im Gewerbe. * Steinbach, 4. Juli. Bei der hiesigen Dürgermei st erwähl kandidiert neben dem jetzigen Bürgermeister als weiterer Kandidat der Postschaffner Heinrich Kehler II. is. Steinbach, 2. Juli. Heber gute Kräfte verfügt der hiesige Radfahrverein „W a n d e r l u st". Karl Gerhard errang in 1923, 1924, 1925 die Dundesmeisterschaft des Radfahrerbundes „Oberhessen", welche in je 3 Rennen nach Puntten ausgefahren wird. Er wurde in allen Rennen erster Sieger und brachte es jedesmal auf die höchst erreichbare Zahl von 60 Punkten. Anläßlich des diesjährigen Dundes- festes vom 27.—29. Juni in Alsfeld wurde ihm, nachdem er den Wanderpreis (Kette) der Dundesmeisterschaft für die Klasse A zum dritten Male errungen, dieser als dauerndes Eigentum überreicht. Hier fuhr er die Strecke von 105 Kilometer mit 15 Minuten Vorsprung. Als Ehrenpreis aus diesem letzten Rennen erhielt er 2 Rennmaschinen, je eine gestiftet vom festgebenden Verein, „Brabant 1900"-Alsfeld, und von seinem Verein, „Wanderlusf-Steinbach bei Gießen. In den vorhergehenden Bundes- und Gaurennen dieses Jahres erhielt er ebenfalls wertvolle Preise. Wer ihn hat fahren sehen, muß sagen, daß er gute Auszeichnungen vollauf verdient ; trotz scharfer Konkurrenz hat er in sämtlichen Rennen seine Gegner weit hinter sich gelassen. In den letzten 3 Jahren errang er nicht weniger als 19 erste Preise. Seit Einteilung des Bundes in Gaue errang er auch die Gaumeisterschaft des Gaues II in Klasse A. Auch Karl Kauh errang in Klasse A in diesem Jahre hervorragende Preise. Ferner hat der Verein tüchtige Jugendfahrer in L. Hofmann, Iran Leuning und Jakob Horn. In 1924 und 1925 errang Hofmann die Bundes- und Gau- meisterschaft der Jugendklasse. Ebenso erhielt F. Kull mann die Gaumeisterschaft in der Anfängerklafse. Laut Dundesbeschluß der letzten Generalversammlung in Groh-Felda soll durch finanzielle Unterstützung es den d esjährigen Bundes- und Gaumeistem der A-Klasse ermöglicht werden, an den deutschen Meisterschaften für Amateure in Stettin teilzunehmen. Kreis Friedberg. K Friedberg, 2. Juli. Seinen 7 0. G e - b u r t 5 t a g feierte unter zahlreichen Ehrungen der Rektor t. R. P h i l i p p s , der 50 Jahre im Schulamt an unserer Musterschule gestanden. Der Jubilar ist der Vater des bekannten hessischen Mundartdichters Philipps, der als Oberstudiendirektor an der hiesigen Schillerfchule wirkt. zf Bad-Nauheim, 4. Juli. Eine öffentliche Trauerfeier für den verstorbenen Generalmusikdirektor Hofrat Prof. Hans Winderste in findet morgen Sonntag früh um ll'/e -Ahr im Konzertsaale des Kurhauses unter Mitwirkung des Kurorchesters statt. Der Eintritt ist für alle Interessenten frei. — Der große Festabend der hiesigen "Vereine zugunsten des zu errichtenden Ehrenmals für die Gefallenen hat mit einem Reinertrag von 2000 Mark nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Mehr verspricht man sich von der Abhaltung von Dlumenver- k au f s t a g e n, die es ermöglichen, auch das Scherflein der Kurgäste zu erfassen. Es sind bereits zwei solcher Dlumentage vorgesehen, und zwar am 12. Juli und am 16. August. Der Verkauf wird in der ganzen Stadt erfolgen, sich besonders aber auf die Kurhausterrasse konzentrieren. wo am erstgenannten Tage eine Militärkapelle konzertieren soll, während für den 16. Aug. der Saarbrückener Männerchor zu einem Konzert gewonnen ist. Man rechnet damit, daß die zu verkaufenden Blumen von den Gärtnern und Gar- tenbesitzern für den guten Zweck in reicher Zahl gestiftet werden. Der vorbereitende städtische Ausschuß, der schon seit Jahren stille Vorarbeit für die Errichtung eines Denkmals leistet, ist neuer- dings durch Zuziehung weiterer Vereinsvertreter noch erweitert worden. Erst dieser Tage fand wieder eine Sitzung statt, in der man sich über eins vor allem einig war: daß nämlich das Ehrenmal für unseren Weltbadeplay in künstlerischer Hin»amsiag, juii (925 sicht und in monumentaler Wirkung eine vollendete Leistung werden muß. Recht schwer ist die Platzfrage, in der eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen ist. Kreis Schotten. Eichelsdorf, 3. Juli. 21m sogenannten „Mathildenplatz" wurde dieser Tage bon den Pächtern der Waldjagd, Frankfurter Herren, ein Wildschwein zur Strecke gebracht. Da Wildschweine in unseren Waldungen nicht mehr Vorkommen, muß man annehmen, daß cs sich um ein verirrtes Borstentier handelt, das hier eine Beute der Jäger wurde. Vielleicht entlief es den L a u b a ch c r W al- dun g e n , wo nach das Schwarzwild gehegt wird. — Das Jahr 1925 verspricht ein rechtes Beeren- j a h r werden zu wollen. Die Walderdbeeren reisen in großen Mengen. Sie werden in unserer Gegend nur vereinzelt eingesammelt, weil das Pflücken mühsam ist und die kleinen Früchte nicht rasch die Gefäße füllen. Die Himbeeren, die jetzt im Juli reifen, sind reich behangen und werden bei günstigem Reifewetler lohnende Ernte liefern. Man sammelt sie in unseren Dörfern mit großem Eifer, verwendet sie entweder im eigenen Haushalt oder verkauft sie und hat gute Tageseinnahmen. Manche Familien vermögen ein hübsches Sümmchen sich dabei zu verdienen. Aus anderen Gegenden meldet man den guten Ausfall der Heidelbeerernte. lieber die Brombeeren, des Waldes späteste Beerenfrucht, läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Aber wo alle ihre früheren Schwestern mit vollen Händen spenden, da wird auch sie nicht knickernd zur Seite stehen. Kreis Lauterbach. hml. Lauterbach, 2. Juli. Nach fast 27jähriger, reichgesegneter Wirksamkeit zunächst als Stadtschwester und später als Oberschwester und Leiterin des hiesigen Krankenhauses hat Diakonisse Marie Brück gestern unsere Stadt verlassen. Ihr Gesundheitszustand machte es nötig, die Leitung des in den letzten Jahren immer größer gewordenen Hauses niederzulegen und die wohlverdiente Ruhe im Mutterhause in Darmstadt zu suchen. In dieser langen Zeit ihrer hiesigen Tätigkeit hat es wohl kaum in hiesiger Stadt ein Haus gegeben, dem Oberschwester Marie nicht in Krankheits- oder Un- glüdsfäUen hilfreich und liebevoll mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Aber auch die vielen aus unserer Stadt und dem Kreise Lauterbach, die hier im Krankenhause Hilfe und Genesung suchten, haben ihr stets hilfsbereites, entgegenkommendes Wesen erfahren. Ruhig, sicher und umsichtlg hat sie die Geschäfte und den großen Haushalt geführt. Sie hat es verstanden, ihr Krankenhaus durch die schwere Kriegs- und Inflationszeit hindurchzubringen und cs zu der heutigen vorbildlichen und erstklassigen Heil- anstatt zu machen. Als eine rechte Diakonisse hat sie nie Schonung der eigenen Person gekannt. Barmherzigkeit, Liebe, Gewissenhaftigkeit und Treue waren die Triebkräfte ihrer so schweren, die Kräfte verbrauchenden Lebensarbeit. Diele, denen sie eine Helferin und Freundin geworden war, werden sie vermissen, sie werden ihrer allezeit dankbar gedenken und van Herzen wünschen, daß dieser Mutter und Freundin der Kranken und Hilfesuchenden im Mutterhause zu Darmstadt ein stiller, friedlicher Lebensabend beschieden sein möge. Kreis Wetzlar. xx Wetzlar, 3. Juli. Das gesamte Kulturland des Kreises Wetzlar beträgt 32 000 Hektar, hiervon sind noch nicht zusammen- gelegt 8442 Hektar oder rund 26 Prozent. Dis Erfolge der Arbeiten der Landeskutturbehörden: treten in den durchaeführten Zusammenlegun gs- flächen überall sichtbar zutage. Die früher sehr zersplitterten Grundstücke jedes einzelnen Besitzers sind in wohlgeformten wirtschaftlichen Plänen vereinigt und sämtlich durch ein planmäßiges Wegenetz aufgeschlossen. Q Wetzlar, 3. Juli. Im hiesigen städti - ! a>en jrrantentjaus sprang nachmittags eine 26 Jahre alte Pa ti entin aus Wetzlar, die kurz vorher eingeliefert worden war, anscheinend in einem Anfälle gei [tiger Umnachtung aus dem etwa 6 Meter hoch gelegenen Fenster in den H 0 f hinunter. Die Bedauernswerte »rlag ihren schweren Verletz unger I Krofdorf, 4. Juli. Die Straße Krofdorf-Gießen soll in unserer Gemarkung vom Ort bis an die hessische Grenze neu berge- stellt werden. Um der starken Staubentwicklung durch Autos usw. entgegenzuw rken, w'.rd die Bettung der Straße mit Grob- und Klemschlag in Verbindung mit Sand vorgenommen. Sehr zu begrüßen wäre es. wenn dem Fußsteig etwas mehr Beachtung geschenkt würde, denn die Fußgänger werden wohl noch lange diesen Weg machen müssen, bevor sie einmal mit ei"At Straßenbahn nach Gießen fahren können. — In unserer Gemarkung in der Seemühle ist ein M a s- senab st erben der Zwetschenbäume zu beobachten. Auch auf hessischer Se'te an der Straße Krofdorf—Gießen, nah? der G.nrze, sind viele Lindenbäume im 21 b ft erben. — Die Bautätigkeit nimmt hier weiteren Fortgang. Leider wird aber zum größten Teil außerhalb des Bebauungsplan s gebaut, wodurch die neuen inneren Ortsstraß n. wo nochDutzende von Häusern hingest eilt werden können, leer bleib m. Dadurch wird erftend der Ort zu sehr in die Länge gezogen und zweitens entstehen der Gemeinde auch ganz außergewöhnliche Ausgaben zur Herstellung der Wasserleitung, Strahmrinnen u. bergt Andererseits kann man den Belustigen aber nicht zumuten, ihre freigelegenen Bauplätze gegen solche innerhalb des Ortsnetzes zu tauschen, da auch dieses mit großen Kosten für die Beteiligten verbunden ist. Die Gemeinde hat in der Wiesenstraße zwei neue Bauplätze erworben und beabsichtigt, dort zwei einzelne Häuser errichten zu lassen. und Nheinhessen. 0 Darmstadt, 3. Juli. Der Zweigausschuß Südhessen des Deutschen Jugendherbergsoerbandes wird in dem ihm zugewiesenen Kondilprenbau im Fürstenlader bei Auerbach eine Jugendherberge einrichten. Hessrn-Nassau. fpd. Frankfurt a. M, 3. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte nach stürmischen Auseinandersetzungen gegen die Stimmen der Kommunisten und Deutsch-Völkischen den Ankauf und die wirtschaftliche Verwertung der Kronthaler Mineralquellen und in absehbarer Zeit die Errichtung eines Erholungsheimes für Kleinrentner und andere Minderbemittelte. Sie erklärte sich sodann mit der Errichtung einer pädago« 'STOF gischen Akademie aus paritätischer Grundlage an der Universität Frankfurt einverstanden. — Die ledige Anna Fioretti wurde in dem Augenblick feftgenommen, als sie eineu verwegenen Wansardeneinbruch verüben wollte. D»e weiteren Feststellungen ergaben, daß die Frauensperson in ganz Westdeutschland eine gesuchte Sinbrech erin ist und erst kürzlich wegen zahlreicher schwerer Einbrüche eine Gefängnisstrafe von drei Jahren verbüßt hatte. — Zahlreiche Mansardenern- brüche und auch viele Wohnungsein- brüche verübte der siebzehnjährige Fürsorgezögling Heinrich Keßler aus dem Stadtteil Dockenheim. Er und ein weiterer jugendlicher Helfershelfer wurden fe st genommen. — Die Ehefrau des Formers Christian Braun im Stadtteil Rödelheim stürzte sich in einem Anfall geistiger ülmnachtung aus dem Fen st er ihrer im vierten Stock belegenen Wohnung auf die Straße. Sie trug dabei zahlreiche Knochenbrüche und schwere innere Verletzungen davon, die den Tod der Frau nach kurzer -Zeit zur Folge hatten. Wirtschaft. Der Geld- und Kapitalmarkt. Die Klage über d e Schwierigkeiten, langfristige Kapitalien zu bekommen, werden von allen Seiten immer stärker. Auf den ersten Blick müßten sie übertrieben ersehe nen, denn es ist z. B. gestiegen bei 85 deutschen Kreditbanken die Summe dec Einlagen von 145k QKilfonen Mark am 1. Januar 1924 auf 4979 Mill. Mark am 30. April 1925; ausgeliehen waren von diesem Betrage ungefähr 2750 Mill. Mark. Bei den Sparkassen hat sich von Rovember 1924 bis Ende März 1925 der Bestand an Einlagen und Girogeldern vermehrt um 561 Mill, auf 1160 Millionen Mark. Der Gesamtumlauf an Roten und Münzgeld hat sich ebenfalls gesteigert, und zwar von ungefähr 2,5 Milliarden Mark im Frühjahr 1924 auf übtr 4,5 Milliarden Mark jetzt. Dazu kommen noch die Auslandkredite, die insgesamt auf 3 bis 3,5 Milliarden Mark geschätzt werden. Diese Ziffern verlieren jedoch bei näherer LIntersuchung viel. So z. D. betragen die Einlagen bei den Banken im Vergleich zu den Friebenszeiten von 9,6 Milliarden Mark und unter Berücksichtigung des gesunkenen Geldwertes jetzt nur noch ein Drittel des Vorkriegs- beflandes. In ihnen sind größere Beträge öffentlicher Gelder enthalten, die vielfach unter dem stärksten Druck aus den einzelnen Llnternehmun- gen herausgeholt worden sind. Zur Beurteilung des Wertes der Auslandkredite ist wesentlich der älmstand, daß die meisten von ihnen (man schätzt zwei Drittel) nur verhältnismäßig kurzfristig gegeben sind. Die Sparkassenernleger haben im Vergleich zu dem Friedensbetrage von 13,1 Milliarden Mark nur erst den achtzehnten Teil erreicht; ihre Höhe entspricht dem Stande von 1872; jetzt kommt auf den Kopf der Bevölkerung ein Betrag von 16,03 Mark gegen 311,58 Mark früher. Wenn man alle diese Momente in Betracht zieht, so ergibt sich, daß der Bestand an verwertbarem Kapital zur Zeit höchstens auf 15 bis 20 Proz. der Vorkriegshöhe geschätzt werden kann, während die Ansprüche der Wirtschaft (legt man die Friedensansprüche zugrunde) auf "ungefähr 80 Proz. der Vorkriegsziffer anschlagt werden können. Das bedeutet, daß die Rachfrage nach Kapital ungefähr vier- bis fünfmal ftarfcr ist als das Angebot. Daß mit einer besseren Befriedigung der Kap-Lalansprüche in nächster Zeit zu rechnen ist, erscheint unwahrscheinlich. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß der Rotenumlauf der Reichsbank kaum noch gesteigert werden kann. Gerade die Vermehrung des Rotenumlaufs im Sommer 1924 hat aber damals viel dazu beigetvagen, die derzeitige Kapitalkrise zu beheben. Unter diesen Umständen ist rationellste Verwendung des Kapitals erforderlich. Sie scheint \ aber nicht immer vorzuliegen. Es muß z. D. merk- ~ würdig berühren, daß auch aus dem Textil- . gewerbe, dem Kolonialwarenhandel usw.. also aus Gewerben, die doch aus dauernden Zahlungseingang aus der Kundschaft rechnen können, so starke Klagen über schleppende Zahlungsweise kommen. Pumpwirtschaft an die Käufer kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden, da im allgemeinen doch wohl stärker als früher bar bezahlt werden dürfte. Eine Erklärung dürfte vielleicht darin liegen, daß in den Zwischen- Instanzen zwischen Konsumenten und Produzenten infolge unrationell hoher Geschäftsspesen bzw. überstarken persönlichen Verbrauchs bzw. infolge Festhaltens von Kapital usw. zu viel Geld stecken bleibt; auch der Umstand wird eine große Rolle spielen, daß in Ueberfchätzung der Konjunkturaussichten bzw. infolge einer den jetzigen Verhältnissen gegenüber nicht angebrachten zu starken Auswahl an Waren soviel Geld in Ware festgelegt ist. daß ein Verkauf nur langsam und mit Mühe erfolgen kann. Es wird zweckmäßig fein, diesem wichtigen Problem einmal näher nachzugehen. Unbedingt nötig ist, daß dem Kapitalmarkt wieder Vertrauen eingeflößt wird. Gefördert wird dieses sicher nicht dadurch, daß auch solche Gesellschaften, die wohl dazu in der Lage gewesen wären, jetzt auf Dividendenausschüttung verzichten zu können glauben. Unter solchen Umstünden wird der Anreiz zur Kapitalanlage in industriellen Unternehmungen leider nicht gefördert. Börsenkurse. Frankfurt a.9)L Berlin Sch!«';, h.v» Sd.lUfci«. i. en> Brie Schluß, ttu » StbluB» ijältaq f-rh 'V'rrtnmt 2. 7. 3 7 2. 7. 3 7 5®/0 TentTdöf Rrtch?cmteN)r 0.41 >1 4025 0 41 0.4025 4% Dcu'schr NcichSanleihe 0.5 - 0,555 0,5225 8’/»% Deutsche RcichHanleide -.5 0.495 0.517 V 592- 3®/ Deutsche Reichsan lei he 0,675 0.-8 0.6875 0.72 Deutsche «oparprauiienonlribt — 0.28 0,31 0.30 4% Preußische fiousolS 0.53 0.515 0.525 1.5075 4° o Hessen — 0.6 0.65 3‘/>°/ü Hessen 3% Heuen ........ - — — — 0,495 o 485 0 '3 0.58 Deuksche Wertb. Dollar-Anl, 89 75 89.75 91,75 91.75 dto- Doll -Schay-Aowetiug.^ 93.3 93,4 93,5 93,4 <®/o Foll türken ........ 7,2 7.10 1 7,2 7.2 6°/md 'Jtaiionalbant 120 120 120.25 120 Deutsche Pank ... 120 119,5 120 120 Deutsche BeretnSbank .... — —- — Disconlo Lommaudit 108 108 108,25 108 Mctalldank ...... 93 93 — — Mitteldeutsche Lredttbank . . 97 97 97 97 Criterreid)ifa)t «Lredit anstatt 7 25 7,4 7.90 7.25 Welldank ....... 0.1 0,1 — 0 1 Bochumer <9n9 ....... 61.5 80,5 81 81 BudernS ....... . . 57 25 •15 57.1 55.3 Laro ........... 53 52 51 50 Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . 73.25 62 71 60 72.25 61.75 71 60 Harpcucr Bergbau ..... Kaliwerke Aschersleben. . .. 117 114,75 117.13 115.25 15.13 14.90 15.4 107 5 Kaliwerk Westeregeln..... 125 12i 19.2 19,13 Lauradülke . ....... 51 51.5 52,75 51,25 Oberbedors .......... 55.5 54,25 5 ,5 55 Phönix Bergbau ...... ÄbtinfiQbl .......... Rtedrck Montan........ 91 90 91.75 90,4 74.40 75.5 72.25 74,5 4,50 76,25 72.25 75 Tellus Bergbau • ...... 3,25 2,25 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . 58 56,50 58 56,50 60 59,25 60.40 59 lLchcrarnische Werke Albin . . — — Zementwerk Heidelberg . . . 74.25 74 Philipp HoUmann ..... 62.5 62 63 62,5 Anglo-Lmu.-Guano .... — — 101.5 101 Badische Anilin..... . , Chemische Mauer Aland! .. 123,9 122 125,13 122.75 0.45 0,455 — Goldschmidt ...... 87 85.62 88 86.5 Gries trimer (Electron .... 116 113.40 116.75 114.25 Höchster Farbwerke...... 115,75 115 115.90 114,75 Holzverkohlung ........ 6,25 6.20 — Niikgerswerke ........ 74 72.5 73.9 73,4 e chciücanstalt ........ 108 108 — — «Ng EiektrUttätK^Iesellschaft 95,5 94.75 95,5 95 Bergmann ......... Tramfrafttocrfe . ....... 87 75,25 85,5 75 74,2 Echuckert ......... 63.75 63 64.25 62 Elemens & Halske...... 81,5 80 80.80 80 Adlerwerke filetier ...... 62,5 60 63,13 62 Daimler Motor«. ...... 59,751 58,25 59 59 £>et)liQeirftocbt • • . Meguin. ........... Motorenwerke Mannheim . 43 43 43 42 44 46 — 69,9 69 Frankfurter Armaturen . . — 0,41 — Konservenfabrik Braun . . . 0.86 0,9 ~1 0,87 Metallgesell'chast Frankfurt. Pet. Unton S.-G. ..... 105.9 68 105,25 68 2 2 Schuhfabrik Herz..... . 2 8 2,6 2.7 40 —> Sichel.............. Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik SBaobäirid • . . 41,50 40 40,25 10.7 9,6 10.9 9,75 83.25 83,5 67.5 — —- 67,21 67,25 69 * Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 1. 3uli berechnete Grohhandels- richtzahl des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 24. Suni (134,2) um 0,5 v. H. auf 134,9 gestiegen. • Hessen-Rassauische Gas A.G. in Höchst a. M. Die Hessen-Rassauische Gas- Gesellschaft, Höchst a. M. hat das Gaswerk Salmünster (Kreis Schlüchtern) angekauft und auch bereits in Betrieb genommen. * Wiedererstarken der deutschen Mittelmeerschiffahrt. Aus der amtlichen Statistik über das Anlegen von Schiffen im Hafen von Malta ist für das Jahr 1924 festzustellen, daß laut Meldung des Fachblattes „Industrie- kurier" Deutschland wieder an zweiter Stelle der seefahrenden Rationen steht, nachdem es im Jahre 1920 den zehnten Platz einnahm. Von insgesamt 1986 ein- und auslaufenden Dampfern sind 463, d. h. ungefähr 23 Proz., unter deutscher Flagge gefahren. Das bedeutet im übrigen gegenüber den: Vorjahre eine Zunahme von 91 Schiffen. Auch das „Deutsche Kohlendepot" in Malta konnte gut arbeiten, denn es sind 98 917 Tonnen eingefügt worden, während auch England nur 102 208 Tonnen für seine Schiffe gebraucht hat. * Lebhafte Zurückziehung französischer Spar kaffenguthaben. Die französischen Sparkassenguthaben werden weiter zwecks Devisenanschaffung in charakteristischer Weise vermindert. Bei der Straßburger Sparkasse wurden laut D. H. D. in der Woche vom 22. bis 27. Juni von 758 Einlegern (davon 60 neuen), 451 931,69 Franken eingezahlt und an 1470 Einleger (davon 121 ganz ausgezahlt), 1 201 158,64 Franken zurückgezahlt. Lebff._e.i h Frankfurt a. M. (In Billionen Mark auSgedrückt. DuenoS-ÄtreS, Landon, Neu» York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 ®mbeiten, alles übrige für 100 Einbeiten.) Telegraphische Auszahlung. Banknoten. l, 3 Juli Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Weib Briet Geld Briet Omlt.-lHoti. 168 02 168.44 168.09 16',51 Buc n.-Aires 1.692 1.696 1.691 1.69. Brks.-Antw. 19 08 19.12 19.43 19.47 Lhristiania 76.30 ;i>,50 76,. 0 Ni.80 fiop.-nhagen 86.19 Sr .41 86,24 83.4h Stockholm 112.53 112.83 112,42 112,70 belstngsorS 10 5t 3 10.603 10. ßh 10,60 (Italien - . 14 08 1412 14 78 14.80 London. 'fieunort . . 20.388 20.440 20,389 20,441 4.195 4.205 4,195 4,205 Paris. . . Schweiz . . 19.09 19.13 19,63 19,67 81 44 81,1.4 81,40 81,60 Spanien - 61.02 61,18 61.02 61,18 yapan . . 1.709 1,713 1.708 1,712 'n io de Jan Wien in D.- ) 446 L448 0.449 0.451 Ceft. abgest 59.05- 59,197 59,097 59,19 Prag . . . Belgrad . . 12,43 12,4. 12.432 12.472 7.38 :,40 7,29 7.31 Budapest. . Bulaarteu 5.895 5,915 M'5 5.915 3.03 3.04 3,025 3,035 Lissabon 20 525 -0.575 20,525 20,575 Danzig. . . Konstantin. 80 86 81.06 80,86 81.06 2 26 2,27 2.-65 2,2'5" Athen 6 99 7.01 6.99 7.01 Berlin, 3 Juli. Meld Brief Amerikanische Note» ..... 4,177 4.197 Belgische Noten ....... 19,37 19.47 Dänische Noten ....... 86.48 86.92 Englische Noten. . ...... 20,356 20,456 Französische Noten ...... 19,52 19,62 Holländische Noten ..... 167,68 168,52 Italienische Roten ...... Norwegische Noten...... 14.81 14,89 76,71 77,09 Deutsch-Ocsterr, 5 ioo Kronen 59.15 59.45 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... 112,22 112,78 Schweizer Noten....... 81,70 82,10 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten - - 60,80 12,40 61,10 12,46 Ungarische Noten . ... Berliner 5.M Börse. 5.88 (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 3. Suli. Die Kontremine scheint die Zeit für gekommen zu halten, einen neuen Baisse-Dor st oh zu unternehmen. Cs kam aus den Kreisen der Börse bei Beginn des Verkehrs in sämtlichen Dividendenpapieren Material heraus, das eine Senkung der Kurse dadurch förderte, daß die Deckungskäufe und Exekutionen der letzten Tage zum größten Teil ihre Erledigung gefunden haben. Die vorliegenden Rachrichten über einen neuen bedeutenden Abbau bei Thyssen und die weiteren Betriebs- einschränkungen bei Rheinmetall, ferner die immer weitere Hinausschiebung in der Entscheidung der Pariser Wirtschastsverhandlungen und die Börsengerüchte über ein angebliches Scheitern des Sicherheitspaktes dienten hierzu als willkommener Anlaß. Als einziges Marktgebiet lagen An leihewerte stabil, namentlich Vorkriegspfandbriefe. 5prozentige Reichsanleihe wurden mit 0,402'/s rege gehandelt. Die Rachfrage nach täglichem Geld ist lebhaft, und zwar zu 9,5 bis 10 Prozent. Da in diesem Monat die Steuervvrauszahlungen für das neue Vierteljahr fällig sind, beurteilt man die nächsten Aussichten des Geldmarktes geteilt. Monatsgeld nominell 10,5 bis 11,5 Prozent. Der Frankenkurs erfuhr im heutigen Devifenverkehr eine bedeutende Befestigung mit 103,70 gegen London. Vormittags wurde er bereits einmal mit 102,70 genannt. Auch Mailand und Brüssel lagen besser. Die Reichsmarke notierte in London 20,40, in Zürich 122,65, in Amsterdam 59,42V», in Paris 5,10. Frankfurter Vbendbörse. Frankfurt a. M., 3. 3uli. Die Abend- borfe war durch neue Abgaben wiederum ungünstig beeinflußt. Bei engbegrenzter Geschäftstätigkeit setzten sich die Rückgänge in bescheidenem Ausmaße fort. Interesse bestand für kein Gebiet, mit Ausnahme für Pfandbriefe, die im Zusammenhang mit den Aussichten der Aufwertung etwas lebhafter umgesetzt wurden und feste Tendenz zeigten. Dagegen verkehrten deutsche Anleihen fast ohne llmsätze. Kriegsanleihen gingen im freien Verkehr unverändert zu 0,4021/2 um. Einige der wenigen Rotierungen, so Badische Anilin, sowie AEG. und der Dankaktienmarkt hatten gehaltene Kurse. Die Dörse schloß die Woche in lustloser und zu weiterem Rachgeben geneigter Haltung. Deutsche Anleihen: Schuhgebietsanleihe 5,700. Ausländische Renten: Bulgarische Tabak 18, do. 16,75. Bankaktien: Commerzbank 98, Darmstädter Dank 120, Deutsche Dank 119,50, Discontogesellschaft 108, Dresdner Dank 102,25, Mitteldeutsche Kreditbank 97, Rheinische Kreditbank 90, Oesterreichische Kreditaktien 7,37. Montanattien: Mansfelder 62,25, Phönix 90, Rheinstahl 72, Kali Aschersleben 14,57, Kali Westeregeln 126. Chemische Aktien: Badische Anilin 122, Chemische Griesheim 113,37, Elberfelder Farben 114,62, Th. Goldschmidt 85,62 Höchster Farben 115. Schiffahrtsaktien: Rordd. Lloyd 59,25. Industrieaktien: AEG. 94,75, Dyckerhoff 42, Holzmann 62, Gebr. Iunghans 70,50, Rheinische- Metall 34,37, Lechwerke 76,50, Badischer Zucker 67,50, Heilbronnzucker 67,70. r-er Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers*.) Frankfurt a. M., 3. Juli Cs wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 21,50 bis 23,50. Voggen (inländischer) 19 bis 21,50 Hafer (inländischer) 18,50 bis 22,50, Mais (gelb) 21 bis 22. Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 36,25 bis 36,50, Roggenmehl 29,50 bis 30, Weizenkleie 11.75, Roggenkleie 12,50 bis 12,75. Berliner Produt e. Berlin, 3. Juli. Der Produktenmarkt war in der Tendenz unverändert. Prompte Ware blieb Weiler knapp, ke'onders in "Roggen. Wintergerste reichlich angeboten. Hafer, Mais in erster Ware und Mehl fest. Futterartikel behauptet. Es notierten pro Tonne. Weizen (sächsischer) 270 bis 275, Weizen (Juli) 258,50 bis 259,50, Roggen (märk.) 227 bis 230, Roggen (Juli) 216,50 bis 218,50 guttergerfte 204 bis 218, Futtergerste (neue) 202 bis 207, Hafer (märk.) 232 bis 241. Hafer (Juli) 195, Raps 350 bis 360; pro Doppelzentner: Wei-enmebl 33,50 bis 36, Roggenmehl 30,75 bis 32,75, Weizenkleie 12,80. Gießener « greise. am 4. Juli 1925 (Händlerpreise). Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200, Matte 35 bis 40, Käse 65, Wirsing 35 bis 40, Weißkraut 40, rote Rüben 15. Römisch-- kohl 15, Dohnen 75 bis 90, Erbsen 40, Mischgemüse 20, Tomaten 70 bis 120, Zwiebeln 20. Rhabarber 20, alte Kartoffeln 7, neue Kartoffeln 13 bis 15, Aepfel 120, Dörrobst 35, Kirschen 60 bis 80, Heidelbeeren 60, Stachelbeeren 30 bis 40, Johannisbeeren 35, Erdbeeren 120, Himbeeren 70 bis 80, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf. das Pfund, Eier 13, Blumenkohl 70 bis 150, Salat 10 bis 20, Salatgurken 40 bis 80, Einmachqurken 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 20, Rettich 20 bis 40 Pf. das Stück, gelbe Rüben Päckchen 25 Pf., Radieschen Dd. 15 Pf. Spielplan der Frankfurter Theater- Opernhaus. Sonntag, 5. Juli bis einschl. Freitag, 10. Juli täglich: Die große älnbefannte. Samstag, 11. und Sonntag, 12. Juli: Auf Befehl der Kaiserin. — Schauspielhaus. Sonntag, 5. Juli: Dummelstudenten. Montag, 6.:: Die drei Zwillinge. Dienstag, 7.: Sechs ePrfonen suchen einen Autor. Mittwoch, 8.: Emst (Dunbury). Donnerstag, 9.: Jacqueline. Freitag, 10.: Totentanz. Samstag, 11.: Jacqueline. Sonntag, 12.: Einer von unsere Leut. (In einem Teil der Auflage wiederholl.) Das Todesurteil im Moskauer Deutschen-Prozeh. Moskau, 3. Juli. sDrahlbericht TU.) Der Oberste Gerichtshof hat nach biffünbiger Beratung gegen alle drei angeklagten deutschen Studenten das Todesurteil verkündet, von amtlichen Berliner Stellen wird diese Nachricht bestätigt. Deutsch-Oesterreichische Alpenfahrt 20. bis 27. Juni 1925 Schwerste Material-, Leistungs- und Zuverlässigkeits-Prüfung. Schärfste internationale Konkurrenz. Ueberragende Erfolge des 6 Zylinder-STEYRS Von sämtlichen gestarteten 45 Konkurrenten nur 18 in Konkurrenz, darunter 8 STEYR-Wagen am Ziel. Generalvertretung 6603 c Frankfurt am Main Dupont A.-<1■ Frankfurt am Main Verkauf und Ausstellungsräume Kaiserstraße 64 Werkstätten und Garagen: Kreuznacher Straße 18. Telephon Hansa 6836, 4694 1. Alpenpokal 2. Beste Gesamtwertung 3. Fabrikteam-Ehrenpreis 4. Katschbcrg- Preis STEYR errang folgende Preise: 5. Ehrenpreis Flachrennen Wiener Neustadt 6. Spezialpreis für hervorragende Leistung (nur ein Strafpunkt) 7. 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Juli 1925 wird in der Zeit von 9 Ahr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit das Gelände, welches umgrenzt wird, im Süden von der Kreisstrahe Giehen - Rödgen, im Osten von dem Bahndamm Giehen—Fulda, von dessen Kreuzung mit der Kreisstrahe Giehen—Rödgen bis zum Ostrande des Waldes, genannt der Iunkernstrauch, sodann in nördlicher Richtung durch den Wald bis zur Struppmühle. im Rorden von der Wieseck bis zur Gansmühle, von dort in südlicher Richtung auf die Kreisstrahe Giehen-Rödgen zu am Ostrande des Trieb entlang, polizeilich gesperrt. § 2. Für die Dauer der Sperrzeit ist das Betreten des obenbezeichnelen Gebietes nur mit Ausweisen der Flugleitung, oder nach Lösung der von dieser ausgegebenen Eintrittskarten und lediglich auf den von der Flugleitung hierzu bestimmten und kenntlich gemachten Zugangswegen gestattet. § 3. Das Betreten des durch weihe Fahnen kenntlich gemachten Start, und Landungs. Platzes der Flugzeuge auf dem „Stolzen Morgen" bei der Ochsenwiese ist von 9 Ahr morgens an bis zum Eintritt der Dunkelheit für alle Personen, welche nicht von der Flugleitung ausdrücklich hierzu ermächtigt sind, wegen der damit verbundenen Lebensgefahr verboten. § 4. Die Kreisstrahe Gießen - Rödgen wird von 1 Ahr nachmittags bis zum Eintritt der Dunkelheit für jeden Durchgangsverkehr von Fußgängern gesperrt. Sie dient lediglich dem Verkehr vom und zum Flugplätze. Ebenso ist die Kreisstrahe Gießen - Rödgen für den Durchgangsverkehr von Fahrzeugen jeder Art gesperrt. Fahrzeuge dürfen diese Straße nur in der Richtung nach dem Flughafen befahren. Die Rückfahrt hat über die 7. Schneise - Grünberger Strahe zu erfolgen. Ausgenommen hiervon find Fahrzeuge, die Zwecken der Flugleitung dienen, und deren Führer im Besitz eines von der Flugleitung ausgestellten Ausweises sind. § 5. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizei. Verordnung werden mit Geldstrafen bis zu 90 Reichsmark bestraft. Gießen, den 27. Juni 1925. Kreisamt Giehen. gez. G r a e f. 65108 die Internationale Arbeiter- Olympiade im ITABIOW ZU Frankfurt Ä.M. 24. bis 28. juli ■ Neu SELTERS WNU SELTE RS \ Nähmaschinen /$ Fahrräder // ülanch inen-Industrie Wilhelm Jung VIII. Klein-Linden — Gießen Gegründet 1904 Mc Tafelwasser (doppelkohlensäurehaltig) Hervorragendes Erfrischungs- u. Tafelgetränk (Jur Mischung mit Wein und Spirituosen hervorragend geeignet.) Rein natürliche Füllung direkt von der Quelle, ohne Ausscheidung, ohne Zusatz, gegen Gicht, Rheumatismus, Blasen-u. Nierenleiden,Erkrankungen der Harnorgane, Steinbildung, Katarrhe des Magens, des Darmes und der Luftwege. Brunnenschriften durch die Neu-Selterser Mineralquelle A.-G., Stockhausen (Lahn). Niederlage für Giehen und Umgegend: Wilhelm Michel, Giehen Steinstraße 48.__G586D______________Telephon 2479. z«MWM Dienstag, den 7. Juli 1925, nachmittags 2 Uhr findet Versteigerung folgender Gegenstände im Löwen,Aeuenweg, gegen Bar. zahlung statt: 1. 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Erd-, Maurer- und Detonarbeiten: 700 cbm Erdaushub, 150 cbm Stampfbeton, 210 cbm Bruchsteinmauerwerk, 300 cbm Backsteinmauerwerk, 480 qm Eisenbetondecke, 840 qm 1, Stein starke Wände, 220 lfd. m Betonsensterbänke und Treppenstufen: Zimmerarbeiten: 115 cbm Tannenholz, 4600 lfd. m Konstruktions. holz zu verzimmern, 2300 lfd. m Dohlensparren zu verzimmern, 200 lfd. m Gesimse, 1000 qm Schalung: Grobschlvffer- arbeiten: 4800 kg eiserne I-Träger, 300 kg Eisenzeug: Spenglerarbeiten: 340 lfd. m Kandelrohr und Rinne, 72 qm Zinkabdeckung: Dachdeckerarbeiten: 1120 m Kronendeckung eingespeist, 120 lfd. m First. - Angebotsunterlagen sind zum Selbstkostenpreis auf unserem Zweig, bureau in der neuen Blindenanstalt er. hältlich, woselbst auch die Zeichnungen eingesehen werden können. Eröffnungszeit: Montag, den 13. Juli, vormittags 11 Ahr, in vorgenanntem Zweigbureau. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Friedberg, den 2. Juli 1925. Hessisches Hochbauamt. Haag 65990 Bekanntmachung. Als letzter Termin für die Abfuhr des Ruh- und Brennholzes vom Wirtschafts, jahr 1925 aus den Staats- und Gemeindewaldungen, sowie aus dem Mark» wald Grüningen - Dorf-Gill wird der 1. August I. I. bestimmt. Ebenso müssen die festgesetzten Fahrzeiten von vormittags 6 bis nachmittags 7 Ahr genau eingehalten werden. Zuwiderhandlungen werden forstgerichtlich geahndet. Gießen, den 3. Juli 1925. 6600D Hessisches Forstamt Schiffenberg. X Für die < Weinbereitung: Korhflaschenx Welnhefen I iDrogerieWinterhoff/ Kreuxplatz 9 u. 10 6463a Gin Büfett mit »unö 6 Slüöieo. eine tomul. Südie. st. moöernet ttüdjen- fflronf, 2 Sdirimte. Sofa. Bett, SHteltiflfffl.Bettlto, Spiegel, «eines Sdjtflnftoen, ©osöntiofen, eisfttanf, Ctotine.öäifielmafdiineioroie oetttljieöJlelnete HlöDe We verkauft zu sehr billigen Preisen Stückrath LBender,G.m.b.H. 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Auf alle Weise strebt Frankreich, sich die Freiheit zu einem isolierten Dorgehen, das heißt also zu Sanktionen gegen Deutschland und zum Durchmarschrecht durch Deutschland, Polen zu Hilfe, zu bewahren, ohne daß ihm sofort die Garantien des Westpaktes und die Teilnehmer der Schiedsgerichtsverträge und der Dölkeröund in die Zügel fallen. Dagegen strebt England, das Frankreich auf alle Weise unmöglich zu machen, weil man in England mit Recht fürchtet, auf die Weise mit einem Mal gegen den eigenen Willen in einen großen Krieg verwickelt zu werden. Deshalb soll der Völkerbund die Maschine sein, in die alles hineingeleitet wird. Eng- lang will festlegen, daß Frankreich nur nach Entscheidung des Völkerbundes, ob der Schieds- hcrtrag verletzt sei, vorgeben dürfe. Die englische Garantie soll nur eintreten, wenn der Schiedsgerichtsgedanke im Westen verletzt sei, also nur, wenn ein Teilhaber sofort zu den Waffen greift oder das Schiedsgerichtsverfahren ablehnt. Für den Osten soll die Verpflichtung Englands noch geringer sein: sie besteht da nur in der Satzung des Völkerbundes. Indem England so teil» nimmt, bestimmt es selbst, wer der Angreifer ist und darf Frankreich nur mit Genehmigung des Völkerbundes vorgehen. Die Opposition. Lloyd Georges besonders ist auch davon noch nicht befriedigt. Mit Recht verlangt sie bei einem so wichtigen Pakt, der England doch auf alle Falle fesselt, die größte Klarheit und Präzision für die Verpflichtungen Englands. Aber die Frage ist, ob denn Frankreich öicfe neuen Formeln Ehankberlains, die dem Briefwechsel zwischen ihm und Vriand erheblich widersprechen, annimmt. Die wesentliche Stühe für das ganze, werm wir das sagen dürfen, englische System ist die Anteilnahme Deutschlands mit gleichen Pflichten, aber auch mit gleichen Rechten an der ganzen vorzubereitenden Abmachung. Ohne diese mündet das ganze doch wieder ein entweder ins Genfer Protokoll, daZ England ablehnt, oder in das alte militärische Bündnis, das England ebenso ablehnt. Mehr als ganz vorläufige Llmrisse liegen auch jetzt noch nicht vor. Das hat Chamberlain in seiner Rede ausdrücklich gesagt, und er fügte hinzu, daß, wenn daraus greifbare Verhandlungen würden, noch sehr ernste Probleme zu erledigen seien. Wo diese unter anderem liegen, daraus deutete sein Hinweis auf die Abrüstung und auf eine Abrüstungskonferenz hin, womit zugleich auch die Drücke zu Rordamerika geschlagen ist. Mithin ift noch gar keine Rede von einer Konferenz und der Vorbereitung dazu. Zwischen London und Paris ist erst in heiklen Vorbereitungen das weitere zu erledigen. Dementsprechend ist noch weniger für Deutschland Veranlassung, auf die Konferenz hinzudrängen. Wenn das bestimmte Zeitungen heute tun, so begreifen sie ebensowenig das deutsche Interesse, wie die Stimmen, die glücklich Deutschland auch jetzt unter allen ilmftänöen in den Völkerbund zerren wollen. Das Reichskabinett hat auch zunächst nur beschlossen, grundsätzlich die Fühlung wieder zu verfolgen, die Dorerörterungen zu pflegen, aus denen sich zeigen wird, ob überhaupt Ver- handlungen möglich sein werden. Denn wir stimmen Lloyd George durchaus zu: in dieser so wichtigen Sache ist allergrößte Klarheit notwendig. Darum fragen wir Frankreich: Was versteht es unter obligatorischer Schiedsgerichtsbarkeit? Unter dem Recht des Zwangsvorgehens gegen einen Dertragsteilhaber? welchem Verhältnis stehen Schiedsgerichtsvertrag und Garantiepakt und Völkerbund zueinander? Deshalb sagen wir gleich im vornherein mit aller Bestimmtheit, daß die Garantie Frankreichs für etwaige östliche Schiedsgerichtsverträge uns schlechterdings unmöglich ist, ebenso wie Artikel 16 und ebenso wie die Absicht der andereir Seite, den Artikel 19, also die Möglichkeit einer friedlichen Revision der Verträge, schlechterdings auszuschließen. Erkennt die andere Seite diese Lebensnotwendigkeiten Deutschlands nicht an, dann kommt aus den Verhandlungen, wie schon jetzt mit aller Bestimmtheit gesagt werden kann, nichts heraus. Parallel damit gingen die ungemein wichtigen Verhandlungen der internationalen Handelskammer in Brüssel. Deutschland war nicht dabei, was insofern ganz gut war, als dabei über den Wiederaufbau Europas so wie die anderen objektiv zu sprechen meinen, gesprochen wurde, ohne Rücksicht auf Deutsch» land selbst. Denn die Logik der Tatsache, die Wucht der wirtschaftlichen Gesetze zwingt einfach die Dinge zu Gunsten Deutschlands. Man spricht von Dawes-Plan, Transfer. Exportmöglichkeit Deutschlands, Bereitschaft der anderen, : putschen Export aufzunehmen. Man war sich einig, daß Reparationszahlung bedeutet, Export und Exportüberschuß, und daß Reparationsvolitik und Handelspolitik heute miteinander in Widerspruch stehen, daß man nur das eine oder das andere treiben kann. Man war sich weiter einig, daß internationale Verschuldung unserer Kriegsgegner an Amerika dasselbe bedeutet, nämlich Bezahlung in ©Wortgütern an Amerika, und daß alles letzten Endes durch diesen Zusammenhang. die Frage der Reparation und der interalliierten Schulden, ist — ein deutsch-amerikanisches Problem —. Kurz gesagt so: Ist Deutschland in der Lage, die 15 oder 20 ober wieviel Goldmilliarden Mark an ©Wortgütern zu erzeugen und abzusehen, die zur Bezahlung des Dawes-Planes notwendig sind und die auf dem Wege über Reparationen etwa an Frankreich ober Belgien und weiter auf dem Wege über die Schulden dieser Staaten an Amerika vom amerikanischen Markt ausgenommen werden müßten? Jetzt endlich ist das, was man die wirtschaftliche Weltmeinung nennen kann, bei der ©rkenntnis dieses letzten Zusammenhanges angelangt. Stellt man die Fragen so, wie sie in Brüssel richtig gestellt werden, so liegt die Antwort auf der Hand: Das ist schlechterdings unmöglich! Richt daß das ausgesprochen wurde, war so wichtig, sondern daß es in Brüssel von so maßgebenden englischen und amerikanischen Wirt- schaftssührern gesagt wurde. Diese Konferenzen haben die Erkenntnis von dem ilnfinn, den die Friedensverträge angerichtet haben, feit Jahren gefördert, diese jetzt in Brüssel hat es besonders getan. llnö an dem Faden wird Rordamerika weiter nach Europa hereingeleitet über die Schulden seiner Kriegsverbündeten, über die französische Finanzlage, die heute nach einem Dawes-Plan für Frankreich schreit, und damit herein in die Abrüstungsfrage, die Amerika so am Herzen liegt und die wiederum absolut notwendig in die Sicherheitserörterung hereingehört. Das ist ein langer, aber ein notwendiger Weg, auf dem die Entwicklung nach unserer Aleberzeugung genau so zwangsläufig zu Ende führen wird, wie es beim Dawes-Plan der Fall war. Einstweilen sollen die europäischen Staaten das ihre dazu tun. Wir brauchen bloß auf das gegenwärtige deutsch-polnische Verhältnis, das glücklich durch Polens Schuld in den offenen Zollkrieg herein getrieben worden ist, und auf alle unsere Klagen gegen Polen hinzuweisen. Oder wir brauchen nur auf die Frage des Anschlusses von Oesterreich an Deutschland hinzuweisen. Da haben wir zwei Fragen, die die Anwendung eines wirklichen ehrlichen Schiedsgerichtsverfahrens zwischen gleichberechtigten Rationen verlangen. Die Entente hat bisher alles getan, um schon die Voraussetzung, nämlich das gegenseitige Vertrauen für so etwas nicht aufkommen zu lassen. Wir wollen sehen, ob die beschlossene Ruhrräumung auch wirklich zu Ende geführt wird. Wir wollen sehen, ob die Lebensinteressen Deutschlands in der Entwaffnung und Räumungsfrage anerkannt werden. Wir wollen sehen, ob diese Interessen Deutschlands in der Frage Völkerbund und Sicherheit ihre Berücksichtigung finden. Für eine gesunde Sicherheitspolitik unter gleichberechtigten Rationen mit gleichwertigen Zugeständnissen ist Deutschland selbstverständlich auch zu haben und mitzuarbeiten bereit. Aber es ist sinnlos, die Verhandlungen damit zu beginnen, daß man die Revision unmöglicher Verträge von vornherein unmöglich machen will, daß man von Deutschland verlangt, diese unmöglichen Zustände nochmals anzuerkennen und feierlich zu garantieren, und daß man von Deutschland verlangt, von einem entwaffneten Lande inmitten unter Waffen starrender Vertragsgenossen, kurz gesagt sich zum Schlachtfeld für die Konflikte der anderen machen zu lassen. Die Lage Deutschlands in der Mitte von Europa bleibt nach wie vor sein Schicksal. Alnd wenn Argentinien ohne Gefahr den Artikel 16 annehmen kann, das entwaffnete Sheitani. (Der Teufel). 6in Erlebnis aus dem geraubten Deutsch-Ostafrika. Von S). Fuchs. „9a, ich fing wirklich selbst an zu glauben, daß ich es mit dem leibhaftigen Teufel zu tun hätte!" Um diesen Ausspruch und überhaupt meine kleine ostafrikanische Skizze zu verstehen, muß ich den geneigten Lesern erst folgende Erklärung geben. 9ch mar vor dem Kriege Pflanzer in Ostafrika. Der größte Feind einer Pflanzung ist ein großer Pavian, der sogenannte Hundsaffe, weil er einen Hundekopf hat und wie ein Hund bellt. Dieser Affe, der sehr groß wird und oft über 60 Kg. wiegt, wandert in Rudeln bis zu 100 Stück und mehr, und wenn ein solches Rudel z. B. in ein Maisfeld oder in ein Bananen- oder Apfelsinen Wäldchen einfällt, bleibt recht wenig für den Pflanzer zu ernten übrig. 9a, selbst eine junge Gummipflanzung kann diese unwillkommene Gesellschaft bei einem einzigen Besuch vollständig zerstören, denn sie reißen die jungen Bäumchen aus und fressen die süßlich schmeckenden Wurzel. Sein Wunder, daß der Pflanzer daher dem Burschen den ewigen Krieg erklärt unb ihn auszurotten sucht, was aoer unmöglich ist, denn der Affe ist sehr schlau, er läßt keinen Europäer in Schußweite kommen, und Gift nimmt er nicht. Oft kommen auch, wie bei den Hirschen, Einzelgänger vor, die aus ihrer Gesellschaft ausgestoßen sind. Dies sind immer alte und riesige männliche Affen, die wohl etwas angestellt haben in ihrer Gemeinde oder anderer politischer Ansicht sind und dafür ausgeftoßen wurden, und die nun ihre ganze Wut an der Pflanzung auslaffen, in deren Nähe sie sich häuslich im Urwald niederlassen, solange es noch etwas zu rauben oder zu zerstören gibt. Ein solcher Herr, einer der riesigsten seiner Gattung, ist der Held meiner Geschichte. Mein Haus mit breiter Veranda stand auf einer kleinen Anhöhe, und gerade der Veranda gegenüber, über das flache Tälchen und die kleine Anhöhe hinauf bis an den Waldsaum, hatte ich sechs Hektar Mais gepflanzt, da ich sie leicht vom Haus aus übersehen konnte; sobald ein Affenbesuch gemeldet wurde, konnte ich oft von der Veranda aus dazwischen feuern, und manche Affenfamilie wurde damals, in den noch glücklichen Jahren 1912/13, in Trauer versetzt, indem einer oder eine — ich war nicht wählerisch — der Angehörigen auf dem Felde des „Raubes" blieb. Die Bande, schätzungsweise ein Rudel von 60, sah dann auch bald ein, daß mit mir nicht zu spaßen sei, und daß sie nicht lange genug in meinen sechs Hektar gastieren konnte, sondern daß sie die paar Maiskolben, die sie in der kurzen Zeit ergatterten, doch an Toten und Verwundeten zu teuer bezahlt seien, unb zog endgültig ab, um meinen Nachbarn, zirka vier Marschstunden von mir, zu beehren. Ich gratulierte mir schon, daß ich die Affenplage, wenigstens für diese Saison, los sei, als mir zwei oder drei Tage später, genau um 1 Uhr mittags, wir wollten uns eben zu Tisch setzen, von meinem Diener gemeldet wurde, daß ein riesiger Einzelgänger zurückgeblieben sei und gerade uneingeladen auf einem hohen Termitenhügel (Ameisenhügel, oft 3 Meter hoch) genau der Veranda gegenüber in der Nähe des Waldsaukys, auch sein Mittagessen, aus meinen schönsten Maiskolben bestehend, begonnen habe. Rasch den Feldstecher herbei! Richtig, da saß er, ganz frei oben auf dem Hügel, ein Riese mit breiter Brust, die mir genau zugekehrt war, ein wunderbares und gar nicht zu fehlendes Ziel; den linken Arm voll der schönsten Maiskolben — meine Maiskolben, alles auserlesene Ware —, die er ganz menschenähnlich mit de» rechten Hand bzw. Pfote langsam und bedächtig nimmt und in seinen Riesenrachen schiebt und mit Genuß zermalmt, wobei er — wie mir schien — höhnisch nach mir herüberblickte. Rätsel-Ecke. Krcuz-Lcharade. 1 3 2 4 I 6. Stabt in Westfalen, 7. Genußmittel, 8. musikalische Form, 13. türkischer Rame, 15. Dinde- I mittel. 16. Ortsveränderung, 17. französischer Revolutionär. 18. weiblicher Personenname, 21. tierische Wohnung. 22. Wintersportgerät, 23. Wahrheitsbeteuerung, 24. Element. 1-4 größere erzählende Prosabichtung, 2—3, 1—2—3 und 4-2—3 Ramen von bekannten Städten in Großbritannien unb Rorbamerika. Rätsel. Ich war heut bei der Schneider. • Unb holte mir das Wort, Unb da mir bieses sehr gefiel, Bestellt' ich mir sofort. Rachbern bem Wort den Kopf ich nahm, Das. was alsbann zum Vorschein kam. Heberin ut. Der freche a. bem nicht die ü genügt. Er liebt bie süßen Trauben vor allem in ber Welt Unb barum er so gern zum Weinspalier hinfliegt, Wo bann auch manche e zum au ihm fällt. Silbenrätsel. Aus ben Silben: a. a, al, as, be, ber, bold, bürg, chen, bi, bie, bra, eg, ein, el eu, fe, ge, gen, gent, go, i, ko, la, las, ling. lo, na, ne, ne, ne, ner, neis, nie nin, rhap, ries, far, schi, fe, so fo, fort, sper, stein, ta, tan, ter, ti, trau, tri, vre, wa, wart, wein, sind 23 Worte zu bilben, bereu Anfangs- unb dritte Buchstaben ein Sprichwort ergeben. Die Worte bedeuten: 1. Berg schloß bei Eisenach, 2. Märchengestalt, 3. Musikstück, 4. Vogel, 5. Gift, 6. Männernamen, 7. gesunkenen Riesendampfer, 8. Himmelskörper. 9. Frucht, 10. Krankheit, 11. Beleuchtungskörper, 12. Wurfseil, 13. Stadt in Brabant, 14. Vermittler, 15. Fisch, 16. landwirtschaftliches Gerät, 17. Rebenart, 18. Berggeist, 19. Uebcrmut, 20. Fluß im Riesengebirge, 21. Wasserfahrzeug, 22. Soldaten, 23. bekannten Phy- fifer» Kreuzworträtsel. nnatie bbq □■■■ aeee Es bedeuten: Von links nach rechts: 1. Abschrift, 5. landwirtschaftl. Besitztum, 8. Tonart. 9. weiblicher Personenname, 10. Blume. 11. Altgermanisches Schriftzeichen, 12. Singst i n.ne. 13. Säugetier, 14. Rebenfluß ber Weser, 19. tierisches Probukt, 20. weiblicher Vorname, 22. Metall, 24. Alkoholisches Getränk. 25. Bezeichnung alter Zeiten, 26. Berg in Griechenland 27. körperliches Reinigungsmittel. 28. In seiner Länge zersägter Baumstamm. Von oben nach unten: 1. ©belftein» gewicht, 2. Beliebtes Mundwasser. 3. Ungarische Steppe, 4. Dolksstamm, 5. Antilopenart, Deutschland in der Mitte Europas, das von allen Konflikten sofort berührt wirb, kann es nicht. Daraus ergeben sich die Schlußfolgerungen für die taktische unb sachliche Haltung zur ganzen Sicherheitsfrage von selber! Neichskriegertag in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres werden sich in Leipzig alle Deutschen, bie für ihr Vaterland Wehr unb Waffen getragen haben, zusammenfinden zu einer würdigen Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges unb zu feierlichem Gelöbnis, alle Kraft zum friedlichen Wiederaufbau des deutschen Vaterlanbes einzusehen. Der 1. allgemeine deutsche Reichskriegertag soll eine Kundgebung werben, burch bie bie Vergangenheit mit ber (Segen- „Warte, Freundchen, dir werden wir die Mahlzeit versalzen!" Meine Mannlich-Schönauer 9,5 heraus, Entfernung taxiert 250 Meter, etwas tief auf die breite Brust gehalten, an dem Verandapfosten angelegt, lange und vorsichtig gezielt, denn es war ja eine Standscheibe und absolut keine Eile--- das arme dumme Luder — ich hielt ihn geradezu für einen Selbstmörder — dauert mich eigentlich und —: „Feuer!" Nun, jeder anständige Affe hätte mit meinen noch übrigen Maiskolben auch feinen Geist aufgegeben, nicht so mein Freund. Langsam und voller Würde hob er seinen Maiskolben auf, der seinem linken Arm entschlüpft war, macht mir, wie es schien (ich sage ausdrücklich „wie es schien') eine kurze Verbeugung, dann einen eleganten, gar nicht übereilten Sprung, und weg war er, so gesund wie ich und jedenfalls in besserer Laune. Natürlich, meine sonst selten fehlende Büchse oder das starke Sonnenlicht oder vielleicht falsch taxierte Entfernung oder der Himmel weiß was, wär schuld an der Blamage und dem verstohlenen Lächeln meiner Schwarzen. Büchse wird auseinander genommen, geputzt und geölt, Entfernung genau gemessen, erweist sich als 220 Meter Luftlinie, alles in bester Ordnung, und meine Laune bleibt trotz der Hitze unter Null. Na, also nicht! Nächsten Morgen bringt mein Postläufer tie Europapost, Briefe, Zeitungen usw., so daß id) die Affenblamage bald ganz vergeßen habe. Wir setzten uns pünktlich um 1 Uhr wieder zu Tisch da kommt mein 9unge grinsend herein- gelaufen: „Nyani yule tenna, Bwana" (ber Affe ift wieder da, Herr). Richtig, auf demselben Platz, ganz dieselbe Vorstellung und — ganz dasselbe Resultat. Am dritten Tage dieselbe Sache, meine Neger bitten mich, nicht mehr zu schießen, dennn es sei ja der „Sheitani" (der Teufel) und ich bekäme ihn doch nicht, sondern er würde nur unsagbares Unglück über mich u ib die Meinen bringen, wenn er es Auflösungen. Äcttcnrätfel. Lerche — Chemie — Miete — Tein — Insel — Selma — Major — Jordan — Dante — Tenor — Rorma — Marie — Riese — Senat — Ratter — Termin — Minna — Radel — Delta — Tafel — Felsen — Senta — Taler. Silbenrätsel. Reptun. Elbe, Unfallversicherung. Rokoko. Urlaub, Praktiker, Philatelie, Irmgard, Ratal, Estomihi. Reisekorb. — Reuruppiner Bilderbogen. Viersilbige Scharade. Kilo, Meter — Kilometer. Kreuzworträtsel. ■aBQnSl 1BBBGQ0ÖEHI Qnaö BQön aan öqb 3Eina nasB ■SQBBaQBl ■HEU □□□□■■ 1 ------ Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedattionStisch Der Grund. „Sag mal, liebe Trude, du siehst doch seit einigen Tagen so traurig, so angegriffen aus — wieviel fehlt dir denn?" Die Entschuldigung. Bei einer Firma liegt ein Buch aus, in dem die Angestellten jeden Morgen ihre Namen einschreiben, zugleich mit der Zeit ihres Eintreffens und der Angabe von Gründen, wenn sie sich verspäten. Nun schreibt gewöhnlich der erste, der zu spät kommt, als Entschuldigung ein: „Zug versäumt", und die andern begnügen sich bann banrit, barunter zu setzen: „Dito." Eines Morgens nun, als roicber eine schöne Reihe von „bitos" baftanb, bemerkte man plötzlich, baß ber erste, ber sich eingetragen, als Entfchul- bigung hingeschrieben hatte: „Meine Frau bekam Zwillinge." Die Stimme. „Du, Persener, hör' mal!" rief ein Theater- arbeitet währenb ber Probe, in ber ein Tenor sang, einem anbern zu, „hör' mal bie Stimme! Dünner» weiter! Des Eannfte mir stoben, mit bie Stimme kommt ber Mensch burch die janze Welt." — „Na höre, wie meenfte bes?'5 — „Wie ick bes meene? Ick sage Dir: mit bie Stimme kommt ber Mensch burch bie janze Welt. Den behält teen Theater." Man muß so etwas gesehen haben. „Waren Sie schon im Theater zu biesem gräßlichen freien Stück, was jetzt wieder gegeben wird?" — „9 Gott bewahre, zu sowas gehe ich nicht." — „Da haben Sie ganz recht, es ist skandalös, das auf bie Bühne zu bringen; ich habe es gesehen. Das Publikum sollte sich bagegen wehren unb gar nicht hingehen, aber, unter uns gesagt, ansehen müssen Sie sich's auf alle Fälle. wart unb ber Zukunst verbunden wird. Sie soll dazu beitragen, bem Geist kleinmütiger Verzagtheit enigegenzuwirken. das Gefühl und das Verständnis für die deutsche Schicksalsgemeinschaft zu stärken und zu festigen, bie Herzen zu erheben und ben kraftbewußten Willen zu stählen unter der Losung: „Das Reich muß uns doch bleiben." Konnte es für diese Feier eine würdigere Stelle geben als bie Stätte, wo sich bas mächtige Volkerschlacht- benkmal in die Lüfte reckt, wo vor mehr als 100 Jahren Tausende und aber Tausende deutscher Männer unb Jünglinge freudig ihr Blut zur Befreiung des deutschen Vaterlandes dahingegeben haben? Die Leitung der ganzen festlichen Veranstaltung liegt in den Händen des Sächsischen Militärbundes, insbesondere des Bezirks Leipzig. Sein ma übel nähme. Ich stelle ein leeres Petroleumtin auf den Hügel, auf dem der Affe oder Teufel jeden Tag seine Vorstellung gibt, ein viel kleineres Ziel wie die breite Afsenbrust, und treffe mit drei Schuß zweimal genau Zentrum und einmal hoch rechts, ber Schuß wäre ober auch noch löblich gewesen! Unb ben Affen tonnte ich nicht umlegen! Es ist kaum glaublich, aber Inder wahr, neunmal, sage unb schreibe neunmal, habe ich auf bas „Ding" an neun aufeinanber folgenden Tagen, jedesmal genau um 1 Uhr einen Schuß abgegeben, jedesmal mit dem- selben Erfolg, nur daß das „Ding" jedesmal langsamer abzuziehen schien, aber stets gerade rasch genug, daß mir keine Zeit blieb, zu repetieren. Es war fast schon wie die Einuhr-Kanone von einer Sternwarte aus, wie sie in manchen Städten abgefeuert wird. — Nach ber britten Vorstellung melbeten mir meine Neger bas Erscheinen bes „Teufels" nicht mehr, fon- bern waren währenb berfelben alle spurlos ver- schwunben aus Furcht. Mein Ruf als guter Schütze war — wenigstens für bie Zeit — unrettbar verloren, aber bafür war ich gynz enorm in ber Achtung meiner Schwarzen ob meines unheimlichen Mutes gestiegen, baß ich mich selbst vor bem Teufel nicht fürchtete. Meine Laune? Na, man spricht von einer Hunde- tollwut, unsere armen Hunde müssen ja dafür leiden, die hatte ich nicht, aber die „Affentollwut", die hatte ich in hohem Grade, trotzdem mich fein Affe gebissen hatte. Ich hatte einen fürchterlichen Zorn auf alle Affen, aber auf dieses unheimliche Vieh ganz beson- ders, und am liebsten hätte ich mir von der nächsten Militärstation, 45 Kilometer von mir, ein Maschinengewehr gepumpt, wenn dort eins gewesen wäre — um es einmal damit zu versuchen. Ich hatte keinen Apetit mehr, konnte nicht mehr schlafen, kurz, ich hatte die „Affentollwut". Da, in der Nacht nach dem neunten Affengefech^ denn das war meine einzige Zettrechnung geworden. Ausruf an die ehemaligen deutschen Krieger zur Teilnahme an dem Feste hat bereits in allen Teilen des deutschen Vaterlandes, namentlich in den Kreisen der Kriegerverbände, lebhaften Widerhall gefunden. Verbürgt doch in der Tat die Festord- rtuiig in hohem Maste eine eindrucksvolle Feier. Für Samstag, den 17. Oktober, sind auher den Empfängen der auswärtigen Teilnehmer vorgesehen: Die Aeberführung der Fahnen nach der Wandelhalle des Reuen Rathauses, eine Aufführung des Festspieles „Heldenehrung" von Otto Riebicke, sowie deutsche Abende in verschiedenen Sälen und Hallen. Am Sonntag, dem 18. Oktober, dem Gedenktage dc< Völkerschlacht, findet früh 6 Ahr Weckruf stgtt. Ihm folgen Festgottesdienste in allen Kirchen der Stadt, ein großer Festzug der Teilnehmer nach dem Völkerschlachtdenkmal, eine Gedächtnisfeier zu Ehren der Gefallenen am Fuste dieses Denkmals, turnerische und gesangliche Darbietungen auf dem Ausstellungsgelände, eine Wiederholung der Aufführung des Festspieles „Helden- ehrung" und schliestlich Abschiedsfeiern, die mit dem Zapfenstreich beschlossen werden sollen. Für Montag, den 19. Oktober, sind vorgesehen, Führungen durch die Stadt, Wanderungen über die Schlachtfelder von 1813, Fahrten nach dem Khff- häuser, der Rudelsburg und der Wartburg. An der Vorbereitung dieses ersten deutschen Reichskriegertages wird in Leipzig schon umsichtig gearbeitet. Heber Einzelheite erteilt nähere Auskunft die Geschäftsstelle des „Ersten deutschen Reichs- kriegertages" in Leipzig. Die Ztratzenbahnfrage Me^en-Meseck. In der Gießener Stadtverord- neten-Sitzung vom Donnerstag gab Beigeordneter Dr. Seib gelegentlich der Haushalts-Beratung beim Titel „Elektrische Straßenbahn" die nachstehende Erklärung der Stadtverwaltung zur Strahenbahnfrage Gießen — Wieseck ab: Vor kurzem ist in den Gießener Zeitungen ein Eingesandt mit der Ueberschrift: „Arn Grabe der elektrischen Straßenbahn Gießen—Wieseck" erschienen (In unserem Blatte stand die Einsendung unter der Ueberschrift: „Das Straßenbahnprojekt Gießen—Wieseck gescheitert". D. Red.), das Angriffe gegen die Stadl Gießen enthält, die ebenso unrichtig wie unbegründet sind. Die Ausführungen des Eingesandts sind geeignet, ein irreführendes Bild der tatsächlichen Vorgänge und Verhältnisse zu erwecken. Eine Richtigstellung scheint daher geboten. Die Gemeinde Wieseck hat unter dem 14. November 1924 einen Gemeinderatsbeschluß übermittelt, der den Wunsch der Erbauung einer Straßenbahn nach Wieseck zum Ausdruck brachte. Irgendwelche Einzelheiten waren dabei nicht angegeben. Daraufhin wurde die Straßenbahn mit der Ausarbeitung eines Projektes mit Kostenanschlag und Rentabilitätsberechnung beauftragt, das unter dem 6. Januar 1925 oorgelegt wurde. Das Anlagekapital war auf etwa 250 000 Mark — jedoch ohne Geländeerwerb — berechnet. Die jährlichen Ausgaben — einschließlich Schuldendienst — beliefen sich auf ungefähr 45 000 Mark; die zu erwartenden Einnahmen sind von diesem Betrag nicht abgezogen. Nachdem der städtische Finanzausschuß beschlossen hatte, daß der Frage nähergetreten werden sollte, sand am 29. Januar 1925 die erste Verhandlung mit den Vertretern der Gemeinde Wieseck statt. Seitens der Stadt Gießen wurde zum Ausdruck gebracht, daß als Grundlage für den Vertragsabschluß die Trennung der Einnahmen des alten Netzes und der neuen Strecke gelten müsse, damit das von der Gemeinde Wieseck in Aussicht gestellte Angebot der Deckung des etwaigen Fehlbetrags praktisch durchgeführt werden könne. Eine abweichende Auffassung der Wiesecker Vertreter trat erkennbar nicht hervor. Nachdem verschiedene weitere Rücksprachen stattgesunden hatten, machte die Gemeinde Wieseck unter dem 4. April 1925 das erste Angebot, wonach die Gemeinde sich verpflichtete, „für die Rentabilität der Straßenbahn aufzukommen"; jedoch war folgender Zusatz gemacht worden: „Von der gesamten Einnahme aus dieser Linie darf jedoch von feiten der Stadt der Einnahmeanteil 20 Prozent nicht übersteigen." Abgesehen von der Unklarheit des Wortlautes wurde damit ein neues Moment in die Verhandlungen hineingetragen, das im Widerspruch mit den seitherigen Ergebnissen stand. Es fand daher nochmals eine Besprechung am 15. April zwischen Vertretern von Wieseck und Gießen statt, in der wiederholt als Standpunkt der Stadt das Verlangen nach getrennter Rechnungsführung für das alte und neue Netz mitgeteilt wurde. Daraufhin lief unter dem 26. April 1925 ein Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll von Wieseck ein, das außer den vereinbarten Fahrpreisen wiederum den Zusatz enthielt: „Von diesen Einnahmen erhält die Stadt für Benützung der städtischen Linie 20 Prozent." Der städttsche Betriebsausschuß stimmte in seiner Sitzung vom 7. Mai grundsätzlich der Errichtung einer Straßenbahnlinie Gießen—Wieseck zu; die Beschaffung des erforderlichen Kapitals von 250 00 bis 300 000 Mark sollte ausschließlich durch die Stadt Gießen erfolgen. Er machte für den mit Wieseck abzuschließenden Vertrag jedoch zur Bedingung, daß die Rechnung für das alte Netz und die neue Strecke getrennt geführt werden müsse, und daß dementsprechend die auf jeder Strecke erzielten Einnahmen für diese verrechnet werden müßten. Die von Wieseck verlangte Teilung aller Einnahmen auf der neuen Strecke — auch für Benutzung des Stadtnetzes! — von z zugunsten von Wieseck und £ von Gießen wurde einstimmig abgelehnt; eine Ausnahme wurde, um Wieseck entgegenzukvmmen, bei den Arbeiter- Wochenkarten (12 Fahrten im gesamten Straßenbahnnetz für 1,50 Mark!) gemacht, wo man der Einnahmeteilung von | von Wieseck und | für Gießen zustimmte. Diese Stellungnahme wurde Wieseck durch Schreiben vom 8. Mai in den Grundzügen mitgeteilt. Arn 11. Mai befaßte sich der städtische Finanzausschuß wegen des erforderlichen Kredits mit der Angelegenheit. Er stimmte der Erichtung der Bahn grundsätzlich unter den vom Betriebsausschuß vorgeschlagenen Bedingungen mit gewissen Aenderungen zu. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 13. Mai 1925 sollte deren Stellungnahme herbeigeführt werden. Am 12. Mai ging ein Schreiben von Wieseck ein, worin wiederum zum Ausdruck gebracht wurde, daß der Stadt Gießen für Benutzung der Linien des Stadtnetzes nur 20 Prozent der Einnahmen zufallen sollen. Nicht unerwähnt sei, daß sich darin auch der Passus befand, „daß entweder die Stadt diesem Vorschlag beitreten müsse, ober daß das Garantieangebot von Wieseck hinfällig werde". Ich bin der Ansicht, daß die Stadt Gießen es nicht nötig hat, sich die Pistole auf die Brust setzen und sich die Bedingungen der Gegenseite, die sie nicht für tragbar hält, nach dem Rezept: „Vogel friß oder stirb" aufzwingen zu lassen. Auf Grund dieses letzterwähnten Schreibens befaßte sich der Betriebsausschuß nochmals mit der Angelegenheit und beschloß, auf seinem Standpunkt hinsichtlich der Teilung der Einnahmen der beiden Strecken bestellen zu bleiben, jedoch durch eine Unterkommission mit einer Kommission von Wieseck nochmals verhandeln zu lassen. Ueberraschend traf am 17. Juni, ohne daß diesem Schreiben eine Ankündigung vorausgegangen war, eine Zuschrift der Gemeinde Wieseck ein, die die Verhandlungen als erledigt erklärte und das Garantieangebot zurückzog. Als Begründung wurde die „nebensächliche und hinhaltende Behandlung seitens der Stadt" angegeben. Es steht fest, daß Wieseck schon Monate vor diesem Schreiben mit Firmen wegen der Einrichtung von Auto-Omnibus-Linien verhandelt hat. Wei^i man in Wieseck auf die von der Stadt Gießen gestellten Bedingungen nicht eingehen konnte oder wollte oder eine andere Lösung für besser hielt, so hätte man dies offen sagen sollen. Nicht aber sollte man versuchen, eine Schuld der Stadt an dem Nichtzustandekommen der Straßenbahnlinie durch die Art der Verhandlungsführung zu konstruieren und damit die Oeffentlichkeit irrezuführen. Nun noch einige Worte zu dem Garantieangebot. Die Strecke Wieseck—Wiesecker Weg beträgt 2 Km. und die Strecke Wiesecker Weg—Bahnhof 2,4 Km.; als Fahrpreis waren für die Strecke Wieseck—Bahnhof 30 Pf. vorgesehen. Bei dem von Wieseck verlangten Teilungsmahstab von £ und wären also bei einer Fahrt von Wieseck nach dem Bahnhof 2 4 Pf. für Wieseck für die 2 Km. lange Strecke gutgeschrieben worden, während die Stadt Gießen den Wiesecker Fahrgast für 6 Pf. eine Strecke von 2,4 Km. hätte befördern dürfen; das gleiche hätte bei Fahrscheinheften, die 2,40 und 2,80 Mk. je nach Streckenlänge hätten tosten sollen, gegolten. Es ist jederzeit nachzuweisen, daß die Stadt Gießen bei jedem dieser Fahrgäste bares Geld für die Benutzung des Stadtnetzes zugelegt hätte; bei einer Fahrt Wiesecker Weg—Bahnhof, für die sonst 20 Pf. Fahrpreis erhoben werden, decken 6 Pf. bei weitem nicht die Selbstkosten. Die gleichen Feststellungen treffen für Fahrten unter 9 Teilstrecken im Stadtnetz, für die der Fahrpreis 15 Pf. beträgt, zu. Sie von Wieseck angebotene Garantie wäre nach Auffassung des Betriebs- und Finanzausschusses im wesentlichen auf Rechnung der Stadt gegangen. Dabei mar von Wieseck die Frage, wie die Verrechnung einer Fahrt vom Bahnhof nach Wieseck erfolgen sollte, überhaupt nicht erwähnt. Der städtische Betriebsausschuß war — das ist Wieseck mitgeteilt worden — nicht geneigt, für die Wiesecker Arbeiterschaft, die zweifellos die größte Zahl der Fahrgäste stellen wird, Arbeiterwochenkarten einzuführen. Der Preis sollte 1,50 Mark für die Woche betragen; davon sollten Wieseck 1,20 und Gießen 0,30 Mk. zufallen. Auf Grund der Arbeiterwochenkarte mar der Fahrgast berechtigt, jeden Werktag zwei Fahrten unter Einschluß des ganzen Stadtnetzes vorzunehmen, so daß sich die Einnahme der Stadt für jede Fahrt auf 2,5 Pf, gestellt hätte. Dabei ist noch hervorzuheben, daß der Arbeiterverkehr sich der Natur der Sache entsprechend stoßweise abspielt, so daß also zu seiner Bewältigung außerhalb des Rahmens des normalen Betriebs weitere Wagen und weiteres Personal herangezogen werden müssen, was erhöhte Kosten verursacht. Die Stadt Gießen hatte ihrerseits vorgeschlagen, die Rechnungen für das alte Netz und die neue Strecke vollständig getrennt zu führen. Zu dem Zweck war erforderlich, daß zu den seither vorhandenen Straßenbahnfahrscheinen neue für die Strecke Wiesecker Weg—Wieseck hinzukamen. Es wären demnach besondere Fahrscheine für diese Strecke ausgegeben worden; die Fahrt hätte 10 Pf. gekostet. Es wäre so eine Eingliederung der Fahrpreise der neuen Strecke in das alte Fahrpreissystem ohne Schwierigkeiten und ohne Benachteiligung der Interessen der Gießener Bevölkerung möglich gewesen. Nach alledem darf wohl mit Recht behauptet werden, daß die Stadt Gießen bereit war, weitestgehend entgegen- zukommen. An die Erklärung schloß sich eine Aussprache an. in der von den Stadtverordneten allgemein zum Ausdruck gebracht wurde, daß man das Scheitern der Verhandlungen bedauere. Von einem Teil der Redner wurde betont, die Verhandlungen feien nicht gairz glücklich geführt worden, wahrend der größere Teil des Stadtparlaments der Haltung der Stadtverwaltung volle Billigung aussprach. Die Einrichtung einer Qluto- mvbillinie von Wieseck hält die Mehrheit des Hauses für ein Zwischenspiel, das vielleicht nicht von langer Dauer fein werde. Das Gegebene für eine Vorortverbindung mit der Stadt sei immer nur eine Straßenbahn. Das Projekt einer Straßenbahn Gießen—Wieseck werde man natürlich weiterhin im Auge behalten, und es werde auch von Gießen her gefördert, wenn die De- dingunaen derart seien, daß die Belange der Stadt bei aller Rücksichtnahme auf Wieseck ebenfalls genügend gewahrt würden. Im Augenblick könne seitens der Stadt nichts mehr unternommen werden, nachdem Wieseck abgebrochen habe, werde man zunächst abwarten müssen, wie sich die Entwicklung dieser Angelegenheit weiterhin gestalte. Kirche und Schule. y. Friedberg, 3. Juli. Das hessische Landesamt für das Bildungswesen will im Laufe dieses Jahres mehrere Lehrgänge' für Schulturnen, Spiel und Sport an verschiedenen Orten abhalten lassen. Gegenwärtig findet ein solcher Kursus unter Leitung von Oberreallehrer K 1 ö s dahier statt, woran sechs akademisch gebildete Lehrer und 12 Reallehrer und Lehrer an mehrklassigen Volksschulen teilnehmen. Je einer der Teilnehmer ist aus Gießen, Offenbach und Nidda; die übrigen sind im Kreise Friedberg amtlich tätig. Sämtliche Teilnehmer haben bereits Turnunterricht erteilt und verfügen über turnerische Fertigkeit. Einer derselben, Schulverwalter Beck aus Nidda, hat im Frühjahr dieses Jahres die Prüfung als Turnlehrer an höheren schulen bestanden. Ihm ist in dem derzeitigen Lehrgang hier die Leitung über die Jugendspiele und Wettkämpfe übertragen worden. Der hiesige Kursus dauert drei Wochen und wird am li. Juli geschlossen werden. Gleichzeitig finden jetzt auch in M a i n z und Bensheim solche Lehrgänge statt, und im kommenden Herbst soll ein Kursus in Nidda für Turnlehrer der Kreise Büdingen und Schotten abgehalten werden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, den 5. Juli. 4. n. Trinitatis. Stadlkirche. 8: Pfr. Mahr. Zugl. Christenlehre für die Reukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde. 9'/,: Pfarraff. Hertel. 11: Kinderkirche f. d. Markus» gemeinde Pfarraff. Hertel. - IvhanneSkirche. 8: Pfr- Bechtolsheirner. Zugl. Christenlehre für d. Reu- lonfirmierten aus der Lulas gernelnd-r 91/,: Pfr. Ausfeld. 11: Kinderkirche für d. Iohannesgcmeinde. Pfr. Ausfeld. 8: Bibelbesprechung im Johannes- saal. Pfarraff. Hertel. - Kirchberg. 10. 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend. - Lollar. 1'/,. — Wieseck. 81/,: Christenlehre. 91/,: Hauptgottesdienst. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn - Steinberg: 1 (Pfr. Dittmar, Hausen). Garbenteich: 91/, (keine Christenlehre). Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, den 4. Juli. 4*/2 u. 7 Beichte. Sonntag,ö.Iuli. b.Sonntag n.Pfingsten.6'/.Deichte, 7 Messe, Korn, der Männer, 8 Korn., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meffe mit Predigt, 2 Christenlehre und Andacht. - Grünberg. 91/, Meffe m. Predigt. — Hungen. Abends 6 Andacht mit Predigt. - Sich. 71/, Hochamt mit Predigt. - Laubach. 10 Meffe mit Predigt. Sonntagsdienst d. Aerzte u. Apotheken am 5.7.25 Prof. Dr. Honigmann Dr. Klewitz. Engelavotheke. Zahnarzt: Dr. Hanbach, Seltersweg. GEGRÜNDET 1876 Bahnhofstr. 65b GIESSEN Telephon 1367 £ Q Filiale: Lieh Oberhessen. Stein way-!nstrumente in höchster Vollendung Essig? Nein! Citrovin-Essag soll es sein! Selbst Magenleidenden ist der Genuß von Salat und Einmachfrüchten mit Homburger CItro. vin-Eselg zuberettet ärztlich empfohlen. als ich mich wieder schlaflos herumwälzte und in meinen kurzen Träumen nur Affen erschienen, die mich auslachten. Da kam mir der rettende Gedanke, denn „mein" Affe ließ die Schwarzen bis auf fünfzig Meter herankommen, während er vom Hügel her- unterhüvfte, sobald ich die Veranda verließ, und natürlich sofort wieder da war, wenn ich zu ihr zurückging. Am nächsten Tag bestellte ich das „Siegesmahl" für 1.30 Uhr. Um 12.30 Uhr ließ ich mir von meinem Koch Herdruß und von meinem Jagdfundi (schwarzer Säger) feine rote Mütze (feez) geben und machte folgende Toilette: lieber meinen Khakianzug weißes Hemd, wie sie die Neger tragen (Kanzu genannt), Gesicht und Hände schwarz gefärbt, dann die rote Mütze auf und mit dem Gewehr hinter die Küche, die von der Veranda links stand. 12.50 Uhr war ich fertig, und genau um 1 Uhr erschien der Heldenschauspieler, der Teufel oder Affe auf der Bühne, wollte sagen auf dem Hügel mit meinem schönsten Mais. Ich ging hinter der Küche vor, aber ohne Gewehr, und erst etwas weiter weg, der Affe beachtete mich nicht. Dann gehe ich, gerade wie die Schwarzen und deren Gang und Bewegungen nachahmend, auf ihn zu, bücke mich dann und wann, als ob ich Feldarbeit machte, und gehe wieder hinter die Küche zurück. Mein Freund beachtete mich nicht. Dann gehe ich zurück und nehme einen Spaten und einen Korb und gehe langsam und wieder arbeitend auf ihn im Zickzack zu, ich komme bis auf 100 Meter heran, er nimmt keine Notiz von mir und wundert sich wohl, wann die Vorstellung meinerseits von der Vercmoa aus beginnen würde. Ich gehe mit dem Korb auf der Schulter und dem Spaten, immer einen Eingeborenen nachahmend, nach der Küche zurück und ziehe diesmal mit Büchse, Svaten und Korb los, indem ich beim Gehen die Büchse genau dem Spaten entlang trage. Ich komme wieder bis auf zirka 100 Meter; das Maisfeld, muß ich vorausfetzen, war schon teilweise abgeerntet, und da der Mais in Reihen gepflanzt war, hatte ich ausgezeichnetes Schußfeld. Da hört der Affe auf einmal auf zu tauen, richtet sich etwas auf und widmet mir feine ganze Aufmerksamkeit, also höchste Bahnzeit! — Als ich diesmal wieder aus meiner gebückten Stellung in die Höhe kam, hatte ich nicht den Spaten in der Hand, sondern die Büchse im Anschlag, der Schuß kracht, der Affe wirft feine Arme hoch und fällt wie ein Mensch, durchs Herz getroffen, tot nach hinten über. Nie in meinem Leben habe ich vor- oder nachher ein solches Gebrüll gehört, wie aus 160 Kehlen meiner Pflanzungsarbeiter, die atemlos und für mich zitternd, aber versteckt, die ganze Vorstellung mit angesehen hatten. Alles stürzte herbei, und nachdem der tote Affe verspottet und durchgeprügelt worden war, denn jetzt hatten alle Mut, brachte ihn die ganze Bande unter improvisierten Siegesgesängen, in denen ich natürlich der Held des Tages war, im Triumph etwas hinter das Haus, wo er aufgeschnitten wurde, um zwei Tage in der Tropensonne an einem hohen Pfahl zu hängen, um das nötige Aroma zu bekommen für die Leopardenfalle. Am Abend große Festlichkeit, zwar kein Feuer- werk, aber Tanz meiner Neger um den Pfahl, an dem sich auch schwarze Damen in ganz europäischer Balltoilette, d. h. außer einem glücklichen Lächeln sonst mit blitzwenig bekleidet, beteiligten, bei Trommel und Gesang, bis ich die ganze Gesellschaft nach Hause sandte, damit ich auf meinen Lorbeeren die wohlverdiente Siegerruhe finde. Vorzüglich geschlafen, sehr gut gefrühstückt, Laune wieder normal, kehre ich 12 Uhr vorn Felde zurück und freue mich aufs ungestörte Mittagessen. Wir setzen uns zu Tisch, da stürzen mein Koch und meine drei Hausboys bleich vor Schrecken (ja, ganz recht, der Schwarze kann auch erbleichen, er wird grau im Gesicht bei höchstem Schrecken) und flüstern, denn laut zu sprechen wagen sie nicht: „Der Teufel ist wieder da!" Na, Donnerwetter, das ist ja nicht möglich, ich habe den gestern geschossenen Affen doch noch vor zehn Minuten erst hinter dem Haus an der Stange hängend gesehen (und gerochen), ich gebe die Pflanzung auf, wenn diese Teufelsgeschichte nicht aufhört! Ich stürze auf die Veranda, richtig, da sitzt wieder ein sehr großer Hundsaffe genau auf demselben Platz und frißt meinen Mais. Rasch die Büchse, vorsichtig gezielt, diesmal etwas tiefer gehalten, und als der Schuß kracht, macht der Affe einen Luftsprung und stürzt zusammen, und als wir auf die Stelle kamen, war er resp. „sie", denn es war diesmal eine Dame, mausetot. Ich kann mir die Sache nur so erklären, daß es ein altes Ehepaar war, und daß er — wie es ja auch bei den Schwarzen üblich ist — stets allein und nicht in Damengesellschaft speiste, und daß durch meinen täglichen Schuß die gnädige Frau oorgezogen hatte, ihre Mahlzeit auf einem weniger exponierten und nicht so luftigen Platz wie bisher auf einem Baum einzunehmen, nachdem ihr Herr und Gebieter seine Schlußvorstellung gegeben hatte. So endete meine Teufelsgeschichte. „Tarnen". Gastspiel der Frankfurter Oper im Stadttheater Gießen. Die Aufführung, die vor fast ausverkauftem Hause stattfand, stand durchaus im Zeichen Elisabeth Friedrichs als Titelheldin. Denn die Chöre, insbesondere die weiblichen Stimmen, klangen dünn und waren mehrfach unsicher im Einsatz, A. Permann als Escamillo, im Spiel nicht unsympathisch, wurde stellenweise stimmlich von dem allzu eigenwilligen Orchester erdrückt und John Gläsers Don Jose stand darstellerisch wie musikalisch zu sehr im Schatten seiner Partnerin Friedrich, um nicht dagegen abzufallen. Luza Rotkowsky als Micaela sang das Liebesduett im ersten Akt mit leichter Grazie, ohne dabei eine gewisse Wärme missen zu lassen: auch im dritten Akt gelang ihr die nicht ganz leichte Partie mit den schwierigen Höhen durchaus zufriedenstellend. Sehr fein, lebendig gefühlt und frisch gesungen war das Schmugglerquintett im zweiten Stücktragend in jedem und dem besten Sinne jedoch war Elisabeth Friedrichs „©armen“. In vollendeter Künstlerschaft gestaltete sie ihre Rolle zu einem fast dem Ideal nachkvmmenden Erlebnis. Ihre starke Musikalität, verbunden mit schauspielerischem Können, halfen ihr zu dieser Glanzleistung. Diese Carmen ist nicht jenes traditionelle Zigeunermädchen, bet dem Altistinnen allzuviel Teuflisch - weibliches eiitsesseln — sie war eine stark bewußte, straff beherrschte Frau, (nimm dich in Acht!) Vollblut im Zügel, mit tausend Möglichkeiten — im Hintergrund; die Stimme schwer von blutechtem Trieb und glühender Sinnlichkeit. Was hier und da im Orchester (Leitung Berthold Sander) gesündigt wurde (2. Akt!), kann bei solch führender Leistung gern übersehen werden, zumal auch Dekorateur und Beleuchtung (K. Löffler und L. Keim) besonders im 2. und 4. Akt sich offenbar Mühe gegeben hatten. Zusammenfassend: die Aufführung hatte ein eigenes Gesicht, stand, von gewissen Unstimmigkeiten abgesehen, auf durchaus beachtlichem Niveau und fand am Schluß — wie auch nach den einzelnen Akten schon — den starken und berechtigten Beifall des vollbesetzten Hauses. e-s. Haselnüsse im Püddmg sind etwas Neuartiges. Der herzhafte Geschmack der unter der Südsonne gereiften Haselnüsse gibt dieser bisher einzigartig dastehenden Puddingart einen eigenen Reiz. Jeder Puddingfreund und Feinschmecker schwört auf diesen MONDAMIN-FEINKOST-PUDDING WZ Weitet «Jb fi8 W hl als im , 'st in ? ^hrer >ubjrttm d'r. !? n,Otben ^9end. chen un\n- Der hj. '» kl®? «hl • ?“ ' n Ö* aus :r 1876 >EN Telephon 1367 «Massen. itrumente ollendung ifeniefre). 5QU,en)- memden. Mngsten.6'l>reL Ay.Mamtmit tl^nlc(,rcun6 Wm. Predigt. - m^teöigt - Sich, ^^ubach. io QKe||e jSEmSä ^^chten. Nemden. Mi. 4 n , tigl. efirHl,Qtü. ^WiÄ^ äs-»£ ÄaÄ Nein! ig soll es sein! >n ist der Genuh von mit Homburger Cliro. Ktlich empfohlen. n Jose stand darstelle« ehr im Schatten seiner icht dagegen abzusallen. Is Micaela sang das lt mit leichter Grazie. Järme missen zu lassen, ng ihr die nicht M vierigen Hohen durch« gefühlt und E ge« glerquintett im zweiten rund dm besten geMete'ie^M! y*s£f W- sK ® OtÄ # && KL- «* ** ;.S'LKx ollbes^^" ™ e-s. Fräulein Fob. Roman von Anders Eje. 12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Dagegen kommt ein untersetzter und dicker Sytxt. unter dessen Schritten die Dielen des ^cfffaatca seufzen. Er hat grauen, zugestuhten Bollbart, kreisrunde, start lichtbrechende Augen- qlöjcr und eine mächtig gewölbte Stirne, — so wie man sie sich bei dem gelehrtesten Mathematik- oder Philosophieprofessor des Iahr- : Hunderte- vorstellen möchte. Aber gerade jetzt, meine Herren, spiegelt dies Gesicht nicht die Mühen des Denkens wider, sondern viel eher die Freude des Weihnachtsmannes über ein recht tchlau ersonnenes Geschenk, das er hinter dem Rücken verbirgt. Weiß jemand von den ' Herren, wer dieser fragliche Weihnachtsmann ist?" „Exzellenz Thorben." ..Stimmt. Exzellenz Thorben, des Reiches verflossener Finanzminister und das größte finanzielle Genie, — jetzt und in aller Zukunft, Amen. Ganz richtig, meine Herren. Aber das Weihnachtspräsent hinter seinem Rücken ist nicht ebenso leicht zu erraten. Oder wie, Flach? Ein wohlgewachsener Herr in Frack, mit ein paar Miniaturorden im Seidenausschlag und einem überlegenen Lächeln im linken Mundwinkel." „Weiter, weiter!" „Als dec Major von der Festmigsartillcrie diese ntue und höchst unerwartete Verstärkung im Festungsgürtel erblickt, wird er von bösen Ahnungen erfaßt. Denn der Mann, der sich jetzt unter so beneidenswerter Eskorte näher, genießt den Ruf der Unwiderstehlichkeit. Er ist reich, er ist gewachsen wie em Apollo und trägt seinen Frack wie ein Operettentenor, sein Siegesbewußtsein hat dem gutgeschnittenen Profil einen Zug der Uebcrlegenheit gegeben, und der Ruf von seiner Lasterhaftigkeit und seinem Glück beim anderen Geschlecht hat auf den Schwingen ües Tratsches der Weg zur Gunst vieler neugieriger Frauen gefunden. All dies weiß dar Major, und deswegen erblaßt er. Denn auf dem Schlachtfelde dieses Abends ist der Vankdirektor Harry Fellips General, und der Major ... eben nur Major." „Fellips hier? Tatsächlich?" „Sieh da. die Reuhcit überrascht die Herren, und doch hat Flach die Herren ja vorbereitet. Also weiter. Es stehen recht viele em vollständigen Kollaps rettete, indem er einen Stuhl unter sein Hinle-teil lchob. D:r ct': Thorben lachte wie nur ehr dicke Leute lachen können. - der Schwcißverllc ihm auf der Stirne und die Tränen tropfen ihm aus den Augen." ..Was zum Teulel tonnte den Alten so ,>c- lustiot haben?" fragte Carlton, dem die Exzellenz immer als ein iast rätselhaftes höheres Lv?'en erschienen war, ’o in de- Mitte zwilchen König Midas und Tolstoi, mit einem Schuß Rousseau, klebrigen hatten v-e>e im Lande von Thorben ungefähr die gleiche Auffassung wie Leutnant Carlton. Ritt zuckte die Achseln. „Frag ihn." Zwei von den Herren stritten über irgendeinen dunklen Punkt in Herrn Fellivs' Charakter, die übrigen diskutierten über das Problein: was war die Ursache der plötzlichen Bestürzung des Vankdirektors. und versuchten mit wechselndem Glücke, diesen Grund zu erforschen. Einen Herrn gab es in der Gesellschaft, der ganz still und in sich gekehrt saß. Er wurde bald Ingenieur und bald Direktor tituliert, — im übrigen hieß er Keylcr, James Kehler. Der Rame war in den Zeitungen im Zusammenhang mit einer maschinentechnischen Erfindung genannt worden, und Fob hatte eine ihrer Freundinnen gefragt: Kennst du ihn? Wie sieht er aus? Die Freundin hatte einen Augenblick nachgedacht und dann geantwortet: Elsenbeinweih und sammetschwarz. Dann ist es er, dachte Fob. Unö er war es. Derselbe, der jetzt still dasah und seine sonst wachen und lebhaften Augen schloß, um die Gedanken auf das einzige zu konzentrieren: wie hing dies zusammen, daß Fräulein Fob um zwei Uhr nachts auf jener Treppe des Hotels Savoy zu sehen war, die für die Besucher der übelbeleumundeten Separees des Hotels reserviert war? In James Kehlers Kopf war dies nächtliche Bild bisher ganz isoliert gestanden — jetzt erinnerte er sich plötzlich daran, daß er ungefähr fünfzehn Minuten später den Ban.. > ;or . . .Ups die Halle passieren gesehen hatte. >ehr raschen Schrittes, den Hut in die Stirne gedrückt und den Pel.tragen auf- geschlagen, zuerst Fräu!ein Fob, und dann Herr Fellips. Kevler addierte wie ein Kind, zwei und zwei lind vier. RiNc Bericht über die Epi- sode in einem der Bal.säle hatte sein Interesse für diese pikante Arithmetik rasch gesteigert. — er beschloß, seine Addenden im Äuge zu behalten. Ich kann ja gehen und einmal Rachschau halten, dachte er und erhob sich. 2m Vorbeigehen warf er c nen Blick aus sein eigenes Bild in einem der großen Spiegel. Er sah heute abend entschieden vorteilhaft aus. Die seidenschwarze Farbe seines Haares und Schnurrbartes stand brillant zur vornehmen Blässe seines Teints. Marseille und Korsika, murmelte er. — man merkt es. Fellips. - bah! Ein amerikanisches Annoneenklischee Frühjahrspaletots mit Seidenfutter in allen Preislagen. Herr Kehler ging nach Ritts Weisung, sand aber die nicht, die er suchte. Rur die Exzel'enz war noch da. vermutlich im selben Stuhl, mit dem der Major zum Entsatz gekommen war. Seine mächtige Körperfülle schwoll über den Stuhl in allen Richtungen hinaus, die Frack- schöhe hingen unter den Armstühen wie ein Paar zottiger Krähenschwingen heraus. und die hinauf- gciDger.cn kurzen Holen entblößten ein Paar schrecklicher Zugstieflctten. Im Gegensatz zu jenem, mit dem er gerade sprach, trug Filimon Thorben keine Dekorationen, während seiner dritten Ministcrschaft hatte er mit Dank des Landes höchsten Orden abgewiesen. - dafür hatte er gerade feine weiße Hemdbrust mit Schnupftabak übersäet, den er mit einem goldenen Löfselchen säst ununterbrochen aus einer Riesendose aus altem Schildpatt schöpfte. Das Lachen war auf seinen Lippen verschwunden, aber in seinen Augen saß noch der Schalk auf der Lauer, und wenn der Politiker mit den vielen Orden sich in vertraulichem Flüstern über ihn beugte, konnte es wie eine lange Reihe schimmernder Johanniswürmchen hinter den scharf gekrümmten Augengläsern blitzen. (Fortsetzung folgt.) WZ w H^wsckiytto, ‘Bvcügz nut nddewnv Kreuz^iatz 6. 6615a GEJG4AFT/JTEILS: LEIMEN/TW/E8 PIANOS :4 •v-v; M r‘£. $ I Schlafzimmer | U auf lange Teilzahlung W Jlllllllll................. ...................................................................... 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Vortrag von Professor Dr. Gürtler (Charlottenburg): „Die neueren optischen Untersuchungs-Methoden der Metalle, besonders des Eisens“. Vortrag von Professor Dr. Gehl hoff (Berlin): „Moderne elektrische Beleuchtung“. 3.30 Uhr nachmittags: Vorführung des Filmes der Badischen Anilin- und Sodafabrik „Wachsen und Blühen der Pflanzen“ mit einleitendem Vortrage von Dr. Lihotzky (Wetzlar): „Aufbau und Technik eines Kinoapparates“, Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft) Samstag, den 11., und Sonntag, den 12. Juli 1925: Hauptversammlung und Festsitzung in Gießen (Vorlesungsgebäude, Ludwigstraße 23) Ei V:vfi Generalvertretung und Kommissions ager: Ph. Herrmann, Gießen Telephon 1165, Bureau u. 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