vnick und Verlag: vruhl'sche Univerfitä1§-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchnftleitimg und Seschästrstelle: Zchulftrahe 7. Das Kabinett Luther und die Parteien M Muhr» und Elrahtt' : 1925. DrttlWtomm« Ü Jllt sich gegen andere, von solchen Gedanken. ■fangen noch völlig unberührte Kräfte in Franko iUS liele Haupt in Frankreich ein mög würdi ich den den und die 9.0- mad)Uttfi, n toetbcn fytrbinfi 0. Wobttnbet 1925 :cid) durchzusetzen, bleibt dahingestellt. Gewinnt \e1e Einsicht die Oberhand, dann freilich wird Die Propheten der wieder einmal bei der Qlrl iafi dies allein seine Staatsmänner zu einer (ränderten Haltung gegenüber Deutschland ge- iif>rt hat. Ob ihre Einsicht groß genug ist, , . Sozialdemokraten unter einen solchen Sicherheitsvertrag haben Eng- tanb und Frankreich sehr wenig, was sie wollten, Annahme von Anzeige« für die lagesnummcT bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20', mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein,' für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Bietzen. Die deutschen Kriegergräber in Frankreich. Paris, 2. Rov. lWolff.) Auf dem Pariser Friedhof in Bagneux-Montrouge fand heute mittag vor den deutschen Kriegergräbern eine Gedenkfeier statt, an der außer dem deutschen Botschafter die Mitglieder und Beamten der Botschaft sowie die Mitglieder unb 'Beamten der deutschen Dienststellen in Paris und Vertreter der deutschen Presse teilnahmen. Botschafter v. Hösch hielt eine Rede. Der Botschafter war in der Lage, anzukündigen, daß von nun an die deutschen Soldatengräber nicht nur in Paris, sondern über» Cßon der Deutschen Volkspartei ist sie ja bekannt, sie steht auf dem Standpunkt, dah vor der Hand irgendwelche Entscheidungen gar nicht getroffen werden können, weil niemand zu sehen vermag, welche Mehrheiten sich über den 1. Dezember hinaus bilden. Einstweilen ist der negative Ausgang der Verhandlungen über den Sicherheitspakt genau so gut möglich wie der positive, je nachdem aber, wie sich eine Mehrheit zusammenfindet, find naturgemäß auch die Vorbedingungen für die Reubildung einer Regierung ganz verschieden. Deshalb hat es keinen Sinn, heute schon sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was am 1. Dezember wird. Das einzig Vernünftige ist vielmehr, noch solange zuzuwarten, über die zwei bis drei Wochen werden wir ja auch noch hinwegkommen. Abe.r das tpoften die Sozialdemokraten eben nicht. Sie haben Angst davor, daß die Deutschnattonalen den Sprung über den Graben rückwärts machen, sie haben aber auch Angst davor, daß sie zwar für den Vertrag von Locarno stimmen, dann aber nachher den inner- politischen Kaufpreis nicht erhalten. Unb davor wollen sie sich sichern. Deshalb ihre Drohung, dah sie in diesem Reichstag für den Sicherheitspakt nicht stimmen, sondern eine Auflösung erzwingen werden, deshalb ihre Drohung, dah sie für den Vertrag nicht stimmen, wenn sie nicht Regierungspartei sind. Sie verlangen als sofortige Barzahlung dafür, dah sie den Locarno-Vertrag annehmen wollen, den Rücktritt des Kanzlers Dr. Luther, weil damit die Schwenkung des Kurses nach links ausgedrückt werden soll, sind aber dafür bereit, Herrn Dr. Stresemann als Auhen- minister und, wenn es sein muh, auch als Reichskanzler zu dulden, vorausgesetzt, dah er ihnen dafür die Ministerposten einräumt, die bisher von den Deutschnationalen beseht waren. Die Rechnung ist nicht schlecht, sie hat nur den einen Fehler, dah sie nicht aufgeht. Von allen anderen abgesehen sprechen gerade außen» politische Gründe nicht für den Eintritt derSozial- demokraten in die Regierung. Die „Germania" behauptet zwar, die Rechtsorientierung unserer inneren Politik hätte die Luther-Regierung toegen des Mißtrauens im Auslande zu großer Be» scheidenheit in ihren Zielen gezwungen. Was einer Regierung Marx, gestützt auf die große Koa» litten, erreichbar gewesen wäre, das mußte einer beargwöhnten Rechtsregierung Oer f a g t bleiben Kommt es nicht dazu, so wird wiederum die Westmark am meisten darunter zu leiden haben. Es ist darum verständlich, dah die ü b e r e i l i g e Festlegung auf eine Ablehnung des Vertrags seitens der Deutschnotionalen, ohne erst die „Rück- wirklingen" abzuwarten, gerade im Rheinland höchstes Befremden erregt hat. Eine bedingungslose Annahmeerklärung heute schon aber lehnt die Bevölkerung am Rhein ebenso ab. Sie will nicht Erleichterungen zum Schaden des Ganzen. Denn der deutschen Rheinländer höchste Wünsche und Hoffnungen finden in einem Wort ihren zwingendsten Ausdruck, das lautet: Deutschland! M o^il 6 Akte. unter ein Schiedsgericht; die Beseitigung der Gefahr einseitiger „Sanktionen"; die Unterstellung auch der „Ordonnanzen" der Rhein- landkommtssion ebenfalls unter schiedsgerichtliche Entscheidung u. a. in. All das bedeutet viel, aber e s reicht nicht aus, denn gerade auch das Urteil über alle diese Bestimmungen des Vertrages wird letzten Endes davon abhängen, in welchem Geiste und in welcher Meinung sie gehandhabt werden. Wenn man glaubt, auch weiterhin die Westmark des durch Sicherheitsvertrag mit Frankreich verknüpften Deutschlands mit einem Militäuaufwand besetzt halten zu müssen, wie es höchstens einem ausgesprochenen Feind gegenüber in Betracht kommen darf; so lange die Eingriffe in bie deutsche Exekution durch ein Heer von Delegierten und Unterdelegierten wie bisher Platz greifen, so lange „Kriegsgerichte" nach Kriegsbräuchen über deutsche Staatsbürger zu Gericht sitzen; so lange man weiterhin so wenig Achtung vor der deutschen Kultur zeigt, um trotz der glatten Mißerfolge der vergangenen Jahre immer wieder aufs neue französifchePropaganda am Rhein zu betreiben; so lange Wirtschaft und Schiffahrt sich nicht wirklich frei bewegen können; so lange schließlich noch immer Deutsche in der Haft der Franzosen und Belgier sitzen; so lange hat der neue Geist noch nicht gesiegt. Daß alles in Betracht Kommende bis genau zum 30. November durchgeführt fein muß, ist nicht unbedingt nötig, ja, vielleicht nicht einmal in allen Punkten möglich. Daß aber auch bis dahin handgreifliche Anfänge gemacht fein müssen, um auch denjenigen die Zuversicht in ihre Fortführung zu geben, die alle die bösen und bitteren Erfahrungen des Ruhr- und Nheingebiets in sich ausgenommen haben, bleibt Voraussetzung für die endgültige Unterzeichnung des Vertrags von Locarno. __ ... ...... einte, Streik unb 1925. für te Besatzungsabbau? London, 3. Aov. (TU.) Schon in den nächsten Tagen sollen im Rheinland wichtige Veränderungen in dem Besatzungsregime stattsin- den. Es soll eine Division französische Be- sahungStruppen aus dem Rheinland abgeschoben werden. Die Interalliierte Rheinland» kommission soll den Auftrag erhallen haben. 32 Distriksdelegierte abzubauen. Es würde nur noch in Mainz, Wiesbaden, Trier, Koblenz und in der Pfalz je ein Distriksdelegier- ter tätig sein. der Völkischen Fraktion ausführlich über Haltung der bayerischen Regierung zu den _ carnoer Verträgen berichtet habe. Bei der letzten Konferenz der Ministerpräsidenten in Berlin habe die bayerische Regierung durch den Ministerprä- sidenten ihre Ansicht dahin zum Ausdruck bringen lassen, daß eine Stellungnahme zu den Abmachungen erst dann möglich sei, wenn die Rückwirkungen zu erkennen seien und die Zusagen der Alliierten derwirllicht werden. Dis dahin sei die einzig mögliche Haltung: ab- warten. Das fei übrigens auch die Meinung der Reichsregierung, und fast aller Parteien, vielleicht von der Sozialdemokratie abgesehen. ges Aussehen erlangen werden. Es seien Mittel und Wege gefunden worden, die den Witterungsunbilden so stark ausgesetzten Holzkreuze auf den Soldatenfriedhöfen durch steinerne Gedenktafeln zu ersetzen. Er hoffe, daß im nächsten 3cchre die deutschen Gräber bereits im Schmucke der neuen Ausstattung sein werben. Regierung. München, 2. Rov. (TU.) Die „Dayenschs Staatszeitung" teilt heute mit, daß der bayerische Ministerpräsident Dr. Held sowohl ' Führern der Koalitionsparteien wie auch Führern der Sozialdemokratte. Demokratie »I ll ieser Frist erfolgt" i die vorgeschrieba eben. >nDerzugSruschIac° Bekanntmachung iraße it^c frb jW 'ch and) Ni«- "6 " M wirb« "« Hn- u CJÄ aus eiJ .m Worte ner andere» war eben gerade die Unterschrift der Deutschnationalen. Qltan kann vielleicht sogar sagen, daß der Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung die Reigung zu einem Sicherheitspatt auf der Gegenseite wesentlich verringert hat. Aber das nur nebenbei. Es bleibt nun einmal auch sonst Tatsache, daß nach den Erfahrungen aus der Stresemann-Rc^ierung mit den Sozialdemokraten positive Politik nicht zu machen ist. Die ganze große Koalition bat drei Monate gedauert und ist eigentlich in dieser Zeit aus den Krisen nidjft herausgekommen. -Unö deshalb wird die Deutsche Volkspartei wohl mit den Sozialdemokraten in einzelnen Fällen zusammengehen können, wenn ihre Polittk sich ohnehin deckt, eine Verständigung aber auf ein gemeinsames Regierungsprogramm ist nicht zu machen. Daran muß jeder Versuch zur Rekonstruktion der großen Koalition scheitern. Die Folge eines Rücktritts des Kabinetts Luther wäre daher nur eine wochenlange Kabinettskrise, die uns außenpolitisch verhandlungsunfähig macht. Wir nehmen d^halb auch an, daß der Kanzler sich mit den Regierungsparteien auf ein Verbleiben im Amte verständigen wird. Sind die Oppositionsparteien damit. nicht einverstanden, dann follen sie die Regierung stürzen, falls sie den erforderlichen Mut dazu aufbnngen. Die Besprechung beim Reichskanzler. Zu der Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern der in feinem Kabinett vertretenen Parteien über den Austritt der Deutschnationalen aus dem Reichskabinett teilt die „Germania" mit, daß vom Zentrum an dieser Aussprache die Abgeordneten Marx, Zehre.ibach und Stegerwald teilnehmen werden. — Laut „vossische Zeitung" wird die Deutsche Volks- Partei die Abgeordneten Dr. Scholz, Dr. Cur- lius und Dr. Kemptee und die Bayerische Volkspartei voraussichtlich durch die Abgeordneten Leicht und Graf Lerchenfeld vertreten sein. StresemannüberLocarno Dresden, 2. Rov. (D. Z.) Reichsminister Dr. Stresemann sprach in Dresden bei dem 3ahresbankett in der Resource über das Thema „Wirtschaft und Locarno". Er erllärte, die Gesundung der deutschen Wirtschaft kann nicht von Kartellen und Syndikaten, sondern nur aus dem gesunden Wettbewerb des einzelnen Wirtschaftlers kommen. Durch die Inflation wurde der Wirtschaft großen Schaden zugefügt und das Betriebskapital entzogen. Sie wurde auf fremde Kapitalien angewiesen. Rattonales Denken läßt sich mit internationalen Verpflichtungen der Wirtschaft sehr wohl vereinigen. Jedoch viele Milliarden von Kapital sind erforderlich, um die deutsche Wirtschaft wieder auf ihre alte Höhe zu heben. Jetzt, wo unsere Diplomatie kein Heer hinter sich hat, müssen die Mittel und Wege unserer Staats ku nst andere sein als "in der alten Zeit. Wenn ich heute deutsche Politik so treiben würde, als ob ich noch eine große Armee hinter mir hatte, würde ich handeln wie ein Kaufmann, I der ein Geschäft nicht umstellt, auch wenn er Millionen verloren hat. Es ist besser, wenn man I Oktober 1925. ibtlaste. W|3i ügeschäste! er Betrieb) 'y-Sugstliiion, 5lt«h r MW-b°r eibl Besitzer bemM SOOO.— erforderst» eS durch 4S0hn,lo.g men Die Lage in Syrien. London, 2. Rov. (TU.) Trotz be1* zunehmenden Beruhigung innerhalb der Stadt Damaskus zeigt die allgemeine Lage in Syrien eine weitere Verschlechterung. Viele von der Beschießung "Betroffenen sind zu den Auf ständischen übergegangen, die dadurch erhebliche Verstärkungen erhalten haben. Das Dorsehen der Franzosen in Damaskus ist außerordentlich rigoros. Die der Stadt aufcrkgte ÖUafe beträgt mus, teils auch, weil sie Geschäft wittern, bei dem sie sich des Gewinns halber beteiligen möchten. So wird denn in der ganzen Presse der Linken mit ganz wenigen Ausnahmen einhellig darauf gedrückt, daß das Kabinett Luther-Stresemann lieber heute als morgen zurücktreten soll, um einer Regierung der großen Koalition Platz zu machen. Auch das Zentrum, das sich ganz unter der Führung des linken Flügels besindet, schließt sich biefem Kesseltreiben an und last macht den Eindruck, als ob der Kanzler, der bisher eine ruhige Linie verfolgte, etwas müde geworden ist. jedenfalls lauten die Auskünfte, dre man an amtlichen Stellen bekommt, so unbestimmt und dehnbar, daß sie ebenso gut wie ein halbes Eingeständnis aufgefaßt werden können. Der heutige Dienstag wird darüber die Klärung bringen. Herr Dr. Luther hat die Führer der noch hinter ihm stehenden Regierungsparteien äu ließ gebeten, um mit ihnen die Lage zu besprechen. man wird dann sehen, wie die offizielle Parteigesinnung ist. ler9r°U &‘5 'S8Z IM > iwmt war bet gn. M °» “ffc,r M e Albanen, räumte “"J die lieber- b,c Mamteit 0Dtju, hegen. "°nn der Arbeit, (ß e>n gewaltiger Ahch J t beherrschte. Gi(en. *dungen schoss» yien/ und Mitaw de'en den Thor dieser folgt) and? einmal einen Einfall hat und ihn ausführt, als wenn man Jahre hindurch nur darauf wartet, ob Göttin Fortuna einem all das wiedergibt, was man verloren hat. Der Sinn von Locarno ist, durch volitifches Verständnis eine friedliche Ent- Wicklung Europas auf lange Zeit zu sichern. Wenn gesoßt wird, ich hätte aus Krieg verzichtet, so ist das tidjtig. Ich habe das getan aus der nüchternen realistischen Einstellung heraus, daß wir kein Knegsinstrument mehr haben. Die A ch t u n g der deutschen Grenzen soll darum international Htgelegt werden, soll unter die Bürgschaft der europäischen Mächte gestellt werden. Chamberlain hat mir gesagt: Englands gesamte Marine und Heeresmacht steht zu Ihrer Verfügung, wenn Frankreich Ihre Grenzen über« schreitet. Unser Ziel ist die Einheit des Reiches und das Rheinland zu schützen gegen Angriffe, gegen die es kein deutsches Heer gibt .Kann Europa nicht über die Grenzen der einzelnen Länder hinweg finanziell und wirt- fchofllich Zusammenarbeiten, dann wird es zu- rückgeworfen werden hinter andere Erdteile. Wenn wir aber ein politisch erzogenes Vol? wären, würden wir wissen, daß es nach außen keine Parteien geben darf. Dr. Stresemann sprach dann am Sonntag auf dem Festbankett anläßlich der Feier des 50- jährigen Bestehens der „Königsberger Allgemeinen Zeitung". Er betonte dabei, daß die Regierung von keiner Partei verlangt hätte, ihr Votum abzugeben, ehe die Rückwirkungen der Verhandlungen von Locarno sich über« sehen ließen. Locarno wäre der Anfang einer Entwicklung, die Deutschland wieder als gleichberechtigten Faktor in die Welt einführe. Diese ganze Entwicklung werde gestört, wenn die Außenpolitik, von in ner politischen Ge« s i ch t s p u n k t e n beeinflußt, gerade von denjenigen Kreisen verkannt werde, die sich auf eine führende Persönlichkeit wie Bismarck berufen, aber die Stellungnahme ihrer Führer von Mehrheitsbeschlüssen ad.häin g ig machten. 4 Die Haltung der bayrischen Auch der Zustand der großen Gräberfelder: in Frankreich seien durch Kommissionen zusammen mit französischen zuständigen Persönlichkeiten geprüft worden. Man .sei bei den französischen Stellen auf Verständnis und Entgegenkommen für die deutscherseits ausgesprochenen Wünsche gestoßen. Leider werde es aber bei der großen Anzahl der Gräber nicht möglich sein, alle so zu gestalten, wie man es wünschen müsse. Aber er hege die Zuversicht, daß unter Mithilfe der für den Zustand der Gräber verantwortlichen französischen Regierung ein Zustand geschaffen werden forme, der, wenn er auch nicht als befriedigend, so doch als toürbig bezeichnet werden könne. Gesallenen-Thrnng in Koblenz. Koblenz, 3. Rov. (ZU.) Gestern vormittag hat der Vorsitzende der Rheinlandkommission, T i r a r d, sowie die Ober- kommissare Englands und Belgiens auf dem deutschen Ehrenfriedhof prachtvolle Kränze mit Schlesien in den Farben ihrer Länder niedergelegt. Auch die französische Garnison hat auf dem Ehrenfriedhof einen Kranz niederlegen lassen. Vorher hat eine Kranzniederlegung an dem Denkmal der napoleonischen Soldaten stattgesunden. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertage. Beilagen: Gießener Famisienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Sezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelne.. Nummern infolge höherer (Bemalt Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- sichten. Anzeiger Ziehen. poftschecttonto: iranffnrt am Main 11686. sich mit dem Gewicht der in ihr wohnenden . HaJurnottoenbigfeit auch für die weitere Zu- ! Lmft durchsetzen und Deutschland die Möglichkeit } jeben, das, was ein großes Volk zum wirklichen MSLen braucht, zu erreichen, ohne daß Europa Waisis neue in Flammen aufgeht. Freilich sind igt.E an Ruhr und Rhein, so sehr wir von der Notwendigkeit solcher Entwicklung überzeugt sind, ::«cht allzu hoffnungsfreudig gestimmt. t&Tu haben die Gesinnung der anderen während (-ne8 Zeitraumes von 7 Jahren nur zu gut l'iurengelernt. Wir kennen das Maß von Haß mb Vernichtungswillen, der noch bis in die . Mr Zeit sich gegenüber allem, was deutsch ist, . • b.iBi getan hat. Will man denen, die dem Ge- ren und den Gewalttaten der Gegenseite per- .iinlich so nahe gestanden haben, wie die Men- jlföcn an Rhein und Ruhr, verübeln, wenn sie «n i I größtem Mißtrauen nach dem Westen Wicken? Die Räumung der Ganttionsstädte ist wahr- Hilch nicht um unserer schönen Augen willen er» b(@t. Die Richträumung der ersten nördlichen trungen bestehender Verträge dann gebracht, Denn die Zeit dazu reif war. Das Maßgebende •PI im Einzelfall, ob der Abschluß eines Ver- :cages und seine Durchführung bis zum Augenblick seiner Aushebung oder Richtigwerdung ben» jenigen Zielen dient, die für eine nationale Alußenp oli t ik allein maßgebend sind: Siche- rimg der staatlichen Selbstbestimmung, der wirt- ; «chaftlichen Entfaltung und der nationalen Kultur. Sicherung! oder, wenn eines ober das andere ; o&er jedes dieser drei Grundgüter des politischen ttebens verloren gegangen ist, W i e d e r g e w i n- min g! Der Monat, in den wir soeben eingetreten ! lirb, ist nicht nur national-, sondern welt- i geschichtlich vielleicht der folgenschwerste, den es , u- gegeben hat. 3n ihm soll es sich entscheiden, ob die Außenpolitik der uns gegenüberstehenden Mächte eine Richtung einschlägt, die Deutschland jene Sicherungen gewährt. Wer dem Vertrag t-on Locarno endgültig zustimmt, wird dies nur lu n dürfen, wenn er aus dem Verlauf der kom- nenben Wochen diese Frage guten Gewissens gl«mbt bejahen zu können. Cs ist Sache oer Gegenseite, diese Ueberzeugung dadurch zu Raffen, daß sie aus dem Gesamtkomplex ihrer Maßnahmen, (Srflärungen und bindend formulierten Versprechungen erwachsen kann. Wohin wir in Europa schauen, ist Krise inb Krisen st im m un g, wirtschaftlich sowie ^littsch. Die gleiche Erscheinung hat die gleiche ilcsache. Sie ist nur zu überwinden, wenn die -uropäischen Staaten ihre Kräfte zu wirt- gastlicher Gemeinschaftsarbeit zu- i mmenfaffen, anstatt sie auf der einen [Seite zu knebeln, auf der anderen Seite zweck- c8 zu vergeuden. Auch Frankreich ist in solchen Röten, aut) nicht als letzter unter den europäischen Staaten. Wir an Ruhr und Rhein find gewiß, großen Koalition sind I oder von ihr mit größeren Opfern erlauft werden. :beit, teils aus 3dealis- Das ist eben der grundlegende 3rr» e das große politische tum. Don der älnterschrift der S " 1 (in f 7 rh PA n A . . —x _ f _ r X ! -X C • i r>« i 200 syrische Pfund pro Kopf der Bevölkern yg. Das sind in deutschere Gelbe etwa ZOO Mk. Die französischen Qtreilfräfte stützen sich gegenwärtig auf Derwit. Ezra wrd Khirbel el Gyazali. Die Reulegung der Eisenbahn von Deraat nach Basra und Gski Shams wird mit allen Kräften gefördert. Die Rekonstruktion dieser Bahre würde die französischen Aufgaben wesentlich erleichtern, insbesondere die Versorgung mit Wasser. Gerade der Wassermangel ist ein großer wichtiger Faktor bei den Operationen. Wie die „£imed“ schreibt, ist es höchst urnvahrscheinlich, daß vor FrühjahrSanfang ein ernsthafter Versuch zum Vormarsch gemacht werden wird. Winterliches Wetter hat begonnen und macht militärische Operationen unmöglich. Dom marokkanischen Kriegsschauplatz. London, 2. Rov. (TA..) Die Berichte aus Syrien habm auf die Marokkaner einen einen sehr liefen Eindruck gemacht, insbesondere auf die gebildeten Kreise der Rifleute. Man glaubt, daß die Anhänger Abd el Krims aus diesen Rachrichten Kapital schlagen werden, und daß man vor einer neuem Hochflut antifranzösrscher Propaganda steht. Gleichzeitig wachsen die Befürchtungen wegen der Abreise des Marschalls Lyauthey. Seine Anwesenheit wäre gerade im Interesse der Eingeborenen in Marokko heute notwendiger denn je. Die Beschießung von Tetuan dauert an. Täglich fallen etwa ein Dutzend Granaten in die Stadt. painleve und die Sojialiftcn. Paris, 2. Rov. (TA.) Im heutigen Kabinettsrat haben die Minister die Erklärung über daS Finanzprogramm einstimmig geirehmigt. Wie verlautet, wird sie eine ziemlich ausführliche Darstellung der Finanzpläne des KabinetteS geben. Der Stelle scheint besondere Bedeutung lxn- gemessen zu werden, in der die Regierung ihre Absicht zuni Ausdruck bringt, eine „erträgliche" Steuer zu erheben. Die Einzelheiten selbst sind in der Regierungserklärung nicht angegeben. Rach dem KabirrettSrat erklärten verschiedene Minister, daß die sozialistische Parteigruppe höchstwahrscheinlich dem Fincrnzpregramm der Regierung zustimmen wird. Am 6 Ahr empfing Painlevä eine Abordnung der sozialistischen ParlamentSgruppe, um ihr die endgültigen Ausschlüsse über dos Regie- rungSprcgramm zu erteilen. Die Anterredung dauerte über zwei Strücken. Die sozialistischen Deputierten begaben sich sofort zum sozialistischen Rcttionakrat, um ihm über die von Painlevö abgegebenen Erklärungen Mitteilung zu machen. Wie der Presse erklärt wurde, sei die Besprechung freundschaftlich gewesen und habe einen guten Eindruck hinterlassen. Beiderseits sei festgestellt worden, daß eine starke Anstrengung zum Entgegenkommen gemacht worden sei. Jedenfalls aber blieben noch strittig: die Kredite für die militärischen Operationen in Syrien und Marokko, deren Bewilligung den Kammerabgeordneten durch die Beschlüße des sozialistischen Parteitages von Marseille unmöglich gemacht worden sei. Die Diskussion erstreckte sich sodann auf sämtliche Punkte der Regierungserklärung, vor allem war die Finanzlage Gegenstand einer Kontroverse zwischen dem Ministerpräsidenten und seinen Besuchern. PamlevS legte dar, daß die A m o r t i - fierungskasse, die er schaffen wolle, durch eine Sonder st euer gespeist werden solle, eine Art Erhöhung der allgemeinen Steuer auf die Einkommen, die es gestatten würde, in etwa 15 Jahren 60—65 Milliarden zu amortisieren. Die sozialistischen Deputierten fanden diese Anregungen äußerst interessant, erklärten jedoch, daß sie nicht völlig der Ansicht der Partei entsprächen. Während der Diskussion wurden auch verschiedene Maßnahmen für die Wiederherstellung der Finanzlage besprochen. Man hatte seinerzeit vorgesehen, eine beträchtliche Anzahl von Banknoten einzustampfen. Dieser Betrag, der eingestampft werden soll, solle sich auf etwa acht bis neun Milliarden belaufen. Ministerpräsident Painlevs erklärte, daß er ober nicht wisse, ob man dieses Verfahren einschlagen werde, da materielle Schwierigkeiten bestünden, um Unterschlagungen zu vermeiden. PainlevL erklärte zum Schluß, daß er sich als Friedensstifter vorstelle, und daß er damit rechne, daß der Senat ihn als einen solchen onnehmen werde. perfien und die Großmächte. Zwei Ereignisse, die nicht unmittelbar miteinander in Verbindung stehen, die aber doch im Zusammenhang betrachtet werden wollen, wenn man für die Entwicklung in Asien daS richttge Verständnis aufbringen will: An demselben Tage, an der der russische Kriegskommissar F r u n s e , Trotzkis Rachfolger, gestorben ist, hat die persische Kammer beschlossen, die regierende Dynastie abzusehen und den bisherigen Ministerpräsidenten Riza Khan zum Schah von Persien auSzurufen. Der Tod FrunseS bedeutet für Rußland vielleicht den Abschluß einer Episode. Frunse war geborener Asiate, seiner geistigen Einstellung nach aber Südrusse. Er hat die Kämpfe an der Südfront gegen Koltschak und Wränge! geführt, er war deshalb em Feind der Rumänen , weil er von ihnen Bessarabien wiederhaben wollte, und mehr auf die europäische Revanche eingestellt, weil er genau mußte, daß er ohne einen gleichzeitigen Krieg mit Polen Bessarabien nicht wiederbekommen würde. Durch seinen Tod verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen den Befürwortern einer eurosÄischen und einer asiatischen Politik innerhalb des Volks- kommissariats zugunsten der Asiaten. Gerade deshalb sind die Vorgänge in Persien von so großer Bedeutung, sie legalisieren an sich nur einen bestehenden Zustand. Der Schah Achmed führte seit Jahren ein üppiges Leben in Paris und kümmerte sich um die Vorgänge seines Landes nur insoweit, als er eine sehr hohe Zivilliste forderte, während Riza Khan als Ministerpräsident und Diktator die Geschäfte führte. Riza kämpft um die Befreiung seines Landes vom europäischen Einfluß, zunächst unter Anlehnung an die Gnakänder. Gr hat das Heer reorganisiert, hat den Verkehr modernisiert und hat auch für eine vernünftige Finanzwirt-- schaft gesorgt, hat eS vor allem verstanden, die Russen aus dem Lande zu halten. Deswegen putschten die Russen den Schah auf und veranlaßten ihn, nach Persien zurückzukehren. Er gab zwar den Gedanken bald wieder auf, aber Riza hat die Gelegenheit benutzt, um auch formell den Schah zu beseitigen und sich an dessen Stelle zu setzen. Die Engländer werden geneigt sein, darin einen Erfolg ihrer Politik sehen. Das ist aber doch nur mit Maßen richtig, denn gerade in letzter Zeit hat die persische Regierung sich bemüht, das amerikanische Kapital für sich au interessieren und sich dadurch aus der gefährlichen Grenzsphäre zwischen dem russischen und dem englischen Einflußgebiet zu befreien. Das ist zunächst mißlungen, weil den Amerikanern bas .Geschäft zu riskant war, weil auch die Engländer in Reuyork intrigierten, da sie amerikanisches Geld wegen ihrer Desinteressen in Persien nicht gerne haben wollen. Jetzt aber, wo Riza freie Hand hat und persönliche Garantien: geben kann, ist doch vielleicht damit zu rechnen, daß die Amerikaner ihm kommen. Jedenfalls wird um den entscheidenden Einfluß in Teheran ein großes Ringen zwischen Rußland, England und Amerika losgehen . Das zwingt auch Deutschland, die Vorgänge dort mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen, denn in Asien ist Politik Geldeinfluß, und die Rückwirkungen einer Umorientierung Persiens auf die Türkei wie auch auf Indien sind unausbleiblich. Die chinesische Tarifkonserenz. London. 3. Rov. (TA.) Die Aussichten der chinesischen Zvlltarifkonferenz. die sich in Anterausschüsse gegliedert hat, werden an zuständiger Stelle neuerdings optimistisch beurteilt. Feng Du Hsiang und Tschang- t s o l i n haben sich bereit erklärt, alle kriegerischen Aktionen einzustellen und das Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten. Rur W u p e i f u ist auf Störung bedacht, indessen kann er praktisch nichts ausrichten, weil zwischen ihm und seinen Gegnern die Provinz H o n a n liegt. Die Provinz wird von Militärbefehlshabern regiert, die sich zu gleichen Teilen aus beiden Parteien zusammensehen. Die Provinz Honan ist deshalb politisch neutral. Bildungssragen im Preußischen Landtag. Berlin, 2. Nov. Das Haus erledigt ohne Aussprache die Anfragen und Anträge über Wei- tergewährung der l a n d w i r t s ch a f t - lichcn Kredite sowie über Hingabe staatlicher Kredite an die Städte und Industriegebiete zum Ankauf von Kartoffeln nach den Beschlüssen des Ausschußes. Hierauf wird die allgemeine Aussprache zum Haushall: Staatsministerium und Ministerpräsident fortgesetzt. Abg. Riedel (Dem.) bezeichnet die im Osten durch den Vertrag von Versailles geschaffenen Grenzen als unnatürlich, unwirtschaftlich und ungerecht und führt weiter aus: Die Erwellerung des preußischen Kabinetts ist gewiß wünschenswert, aber nur durch Parteien, die auf dem Boden des heutigen Staates stehen. (Zustimmung links.) Daß es nicht möglich ist, die Koalition bis zu den Deutschnationalen auszudehnen, zeigt ja wieder die Haltung dieser Partei gerade in der Locarno-Frage. Was wollen die Deutschnationalen denn eigentlich? Wol- len sie ewig mit aller Welt in Unfrieden leben? Man liebt sein Vaterland nicht nur mit Phrasen, sondern auch mit Opfern, auch mit solchen der politischen Ueberzeugung. Das möchten wir den Deutsch- nationalen sagen. Abg .Dr. K l a m t (Wirtsch. Vgg.) erklärt, die Deutschnationale Partei hätte sich einer gewissen Inkonsequenz schuldig gemacht. Seine Partei wünsche klare Verhältnisse und eine Lösung des Finanzausgleichs im gerechten Sinne. Die Verteilung der Kredite, die man dem Mittelstände gab, sei völlig unbefriedigend. Herr Severing habe seinen Freunden versprochen, er wolle den Mittelstand schonen. Seine Partei mache ihre Haltung ihm gegenüber davon abhängig, wie er sein Versprechen erfülle. Das Gehalt des Ministerpräsidenten wird genehmigt. Die Abstimmung findet am Dienstag statt. DaS Haus geht über zur zweiten Beratung! des Haushalts für Kunst, Wlssenschaft und DolkSbildung. Abg. Kö nig-Swinemünde (S.): Die Schulpolitik der preußischen Regierung trägt in der heutigen Zeit politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich eine schwere Verantwortung. ES ist vom Kultusministerium zu fordern, daß eS dem vierten Stande, den breitesten Schichten der Devölke- rungSmasse, den Zugang zu allen Bildungsstätten vermittelt. Der ReichSschulgefetzentwurf ist ein Zeugnis für die DildungSfeindlichkeit der Rechten. Auch dem künftigen Lehrer will man nicht die erforderliche Vorbildung geben. Abg. Olze (Dn.) legt die Stellungnahme seiner Fraktion zum Reichsschulgesetz dar. Die Schule müsse von christlichem Geiste durchdrungen sein, aber das unter sozialdemokratischem Einfluß stehende Ministerium gehe über berechtigte Wünsche der Eltern nach positiv christlicher Erziehung der Kinder einfach hinweg. Anverständlich sei dabei die Haltung des Zentrums. Am der Wahrheit teilten müsse in der Schule über die Frage der Kriegsschuld noch mehr Aufllärung gegeben werden. Das Aniversi- lätsstudium für die Bolksfchullehrer lehne die Deutschnationale Partei ab als unzweckmäßig. Besondere Förderung verdiene auch die musikalische Ausbildung. Die Personalpolitik deS Ministers fordere die Kritik scharf heraus. Abg. Lauscher (Z.) bekämpft die religiöse Spaltung. Wenn der „Vorwärts" die katholische Presie ungestraft beleidige, so diene das nicht dem Ansehen des deutschen Volkes. Aeber das Reichsschulgesetz scheine eine Verständigung möglich, wenn sich die Linke auf den Boden der Gewissensfreiheit stellen wollte. Das Zentrum wolle die Bekenntnisschule niemand aufdrängen, aber die Sozialdemokraten wollten eine Zwangseinheitsschule. Das Zentrum werde auch weiter an der konfessionellen Lehrerbildung festhalten. Die Konfessionsschule sei auch im Bereich deS höheren Schulwesens das Ideal. Es dürfe nicht länger gezögert werden, an die Losung der Konkordatsfrage heranzutreten. 2ckg. Schwarzhaupt (D. Vp.) wendet sich gegen die Perfonalvolitik deS Ministeriums, die bewußt ten Wünschen der Linken einseitig Rechnung trog» Es scheine, daß man von oben her den Evangelischen bieten zu können glaube, was man den Katholischen gegenüber nicht wage. Der Reichsschulgesehentteurf in feiner gegenwärtigen Form setzedie Leistungsfähigkeit der Schule bedenklich herab. CS wäre erfreulich, wenn dieser Entwurf zurückgezogen würde. Der Redner wünscht, daß der Gedanke der Errichtung einer simultanen psychologischen Akademie in Frankfurt c. M. greifbare Gestalt gewinnt. Wetterberatung Dienstag. Parlamentarisches aus Hessen. Darmstadt, 31. Oft. Der Finanzausschuß des Landtags beriet gestern eine Eingabe des Verbandes der Hochschu lasst st enten, in der im wesentlichen Bezahlung nach Gruppe X der Besoldungsordnung verlangt wird. Nach längerer Debatte über allgemeine Besoldungsfragen und die Besoldung der Staalsdienstanwärter wurde beschlossen, es bei dem bisherigen Zustand zu belassen. Die d e u t s ch n a t i o n a l e Fraktion hat im Landtag einen Antrag zur Bautätigkeit und Woynungsnot eingebracht, worin die Negierung aufqesördert wird, Verhandlungen anzuknüpfen zur Aufnahme einer Anleihe, um die allgemeine private Bautätigkeit zu fördern und die Wohnungsnot in Hessen zu beseitigen. Die Mittel der Anleihe sollen privaten Baulustigen mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt werden, daß diese ein Viertel des Baukapitals selbst aufbringen, während drei Viertel desselben vom Staat aus Anleihemitteln gegen Eintragung einer Hypothek an erster Stelle gegeben werden. Diese Hypothek soll mit 5 v. H. verzinst und mit 1 v. H. getilgt werden. Der Antrag zählt dann noch eine Reihe von Bedingungen auf, denen sich ein Bauherr unterwerfen muß: auch soll nach diesem Antrag u. a. den Gemeinden die Verpflichtung auserlegt werden, Baulustigen Gelände, soweit sich dies im Besitz der Gemeinde befindet, zum Friedenspreise und notwendigenfalls gegen angemessene Teilzahlungen und 5 v. H. Zinsen unter Eintragung des Kaufgeldes als Hypothek an zweiter Stelle zu überlasten. * Dem Landtag ist eine Eingabe des Landesverbandes Hessen des Reichsverbandes Deutscher Dentisten zugegangen, in der verlangt wird, daß die staatlich geprüften Dentisten, wie die Zahnärzte von der Gewerbesteuer befreit werden. Kunst und Wissenschaft. 50jähriges Doklorjublläum. In Marburg beging der Vertreter der indischen Philologie, Geh. Regierungsrat Professor Dr. G e l d n e r, einer der führenden Gelehrten seiner Wissenschaft, das 50jährige Doktorjubiläum. Ein fränkisches Grab entdeckt. In Bergheim a. d. Sieg wurde bei Aus- fchachtungSarbeiten in einer Tiefe von 1,60 Meter ein fränkisches Grab blohgelegt, in dem sich Schädelknochen, ferner ein fränkisches Schwert und ein Dolch befanden. Aus aller Wett. Das Grubenunglück auf der Zeche Holland. Dortmund, 2. Nov. (WB.) Wie das Grubensicherheitsamt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst mitteilt, hat die bisherige Untersuchung über die Schlagwetterexplosion auf der Zeche „Holland", Schacht I unö II, folgendes ergeben: Kurz vor der Explosion ist in einem tiefer liegenden Flöz eine starke Erderschütterung (Gebirgsschlag) erfolgt. Dadurch sind größere Mengen Schlagwetter aufgetreten und mit dem Wetterstrom in höher liegende Strecken gezogen, wo sie sich entzündeten. Die Ursache der Entzündung ist mit Wahrscheinlichkeit dann zu suchen, daß durch den Gebirgsschlag in der elektrischen Lokomotivförderung Kurzschluß und damit Flammenbildung aufgetreten ist. Die Fortpflanzung der Explosion ist durch das Gesteinsstaubverfahren aufgehalten worden, das sich hierbei vorzüglich bewährt hat. Der Reichspräsident hat an den Ober- berghauptinann in Dortmund folgendes Telegramm gerichtet: Die Nachricht von dem schweren Explosionsunglück auf der Schachtanlage „Holland" hat mich tief bewegt. Ich bitte Sie, den Hinterbliebenen der toten Bergleute den Ausdruck meiner herzlichen Anteilnahme und den Verletzten meine besten Wünsche für ihre Wiederherstellung zu übermitteln, o. Hindenburg, Reichspräsident. Verhaftung eines Eisenbahnräubers. Bei Aßlstedt in der Rähe von Rudolstadt wurde der Eisenbahnräuber festgenommen, der einen Ingenieur der Siemens-Schuckert-Werke in einem Personenzug bei Probstzella ausgeplündert und später einem Ehepaar mit dor- gehaltenem Revolver die Wertsachen abgenommen hotte. Rach einem Feuerkampf wurde er überwälttgt unb verhaftet. Es handelt sich um einen 30 Jahre altere Kaufmann Schmidt. Gin gefährlicher Flugzeugpa'sagier. Von der Direktion der staatlichen Aerolinien in Prag wird ein aufregender Vorfall mitgeteilt, der sich am 31. Oktober auf dem Fluge von Kaschou nach Preßburg ereignete. Auf dem Flugzeug stürzte sich der plötzlich wahnsinnig gewordene Passagier auf den Flugzeugführer und suchte ihn zu würgen. Der Führer verlor aber nicht die Geistesgegenwart, wehrte den Wahnsinnigen ab und ging au8 200 Meter Höhe auf die Erde nieder. Der Wahnsinnige wurde der Gendarmerie übergeben, die ihn in eine Irrenanstalt brachte. Gin Omnibus mit Schulkindern verunglückt. In Rahunta (Georgia) wurde bei einem Bahnübergang ein mit Schulkindern besetzter Omnibus von einem Personenzug erfaßt. Sieben Kinder wurden getötet und vierundzwanzig verwundet. Schweres Anglück auf einem Dampfer. Ein schweres Anglück ereignete sich im Hafen von Rom an Bord des nach Amerika ab-1 gehenden Dampfers „Belvedere" vor der Verstauung der Waren im Laderaum. Wie gewöhnlich war daS Schiff mit Changas desinfiziert worden. Zwei Arbeiter öffneten die Bordtüre, um sich in das Innere zu begeben, stürzten aber mit lautem Aufschrei in den Raum. Der Leiter der Desinfektions- arbeiten sowie der Vorstand des Sanitätsdienstes eilten zur Hilfeleistung herbei, stürzten jedoch auch hinab. Erst jetzt bemerkte man, daß alle vier Personen durch giftige Gase betäubt worden waren. Sie konnten nur a l s Leichen geborgen werben. Explosion in einem Kaufhaus. Aus unbekannter Ursache explodierten in den Kellerräumen des Berliner Kaufhauses Lindemann in Moabit etwa 150 mit Wasserstoffgas gefüllte Reklameballons. Sieben Angestellte wurden durch die Stichflammen leicht verletzt. WeLLervo raussage. Keine wesentliche Aenderung der herrschenden Witterung. Wahrend das Hochdruckgebiet sehr langsam in südöstlicher Richtung abgedrängt wird, rückt das Fallgebiet im Westen nur äußerst langsam nach Osten vor. Bei vorwiegend bedeck em Himmel hält die Witterung zunächst an. Das Eintreten feuchter Luftmassen in eine kühlere Oberschicht verursachte gestern starke Regensälle, die stellenweise auch heute noch fortdauern. In den nächsten Tagen bei mehr westlichen Winden Zunahme der Riederschläge. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,5, Minimum 7,2 Grad Celsius. Riederschlage: 4 Millimeter. Heutige Morgentewperatur: 8,4 Grad Celsius. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. Rovern der 1925. Versuchssender Glehen. Mit dem 1. Rovember ist in Gießen die Rundfunkbewegung in ein neues Stadium getreten. An diesem Tage sanden nämlich auf Grund der dem Physikalischen Instttut der Landes-Aniversität vom Telegraphentechnischen Reichsamt erteilten Sondererlaubnis die ersten drahtlosen Sendeversuche des neuen Versuchssenders statt.Der Versuchssender Gießen besitzt das Rufzeichen K k 3, das jedoch nur bei Telegraphieversuchen benutzt werden wird. Bei Telephonieversuchen wird stets der Rame des Senders genannt: Versuchssender Gießen. Die Sendewellenlänge ist vorläusig noch nicht festgelegt. Es wird im allgemeinen mit einer Wellenlänge zwischen 200 und 300 Metern gearbeitet werden. Verglichen mit dem benachbarten Frankfurter Rundfunksender ist unser Gießener Dersuchssender nur ein ganz kleiner Zwerg. Während dort 1500 Watt von der Senderöhre geleistet werden, handelt es sich bei uns nut um eine Höchstleistung von 20 Watt. Aeber die voraussichtliche Reichweite und Empfangslautstärke lassen sich nur ganz allgemeine Vermutungen äußern, da die Strahlungsfähigkeit der Antenne, die Ausnutzung der vorhandenen Energie usw. von den verschiedensten Amständen abhängt und nur durch zahlreiche Versuche das Optimum erreicht werden kann. Es war anzunehmen, und die bereits vorliegenden Empfangsmeldungen betätigen dies, daß die ersten Versuche nod) sehr, sehr verbesserungsbedürftig sein würden. Das liegt zum Teil an dem provisorischen vorläufigen Aufbau des Senders, zum größten Teil aber an den vorhandenen ganz primittven Einrichtungen, mit denen die Sendeversuche unternommen werden müssen, solange keine Mittel vorhanden sind, um größere Anschaffungen zu machen. Der Vorsitzende des Gießener Radioklubs, unter dessen Leitung die ersten Versuche statt- fanden, betrachtet es als eine Hauptaufgabe deS Vereins, hier fördernd einzuspringen. Diesem Zwecke werden in allererster Linie die Winlerveranstaltungxn des Vereins dienen, die demnächst beginnen. Es steht zu hoffen, daß die Gießener Funkfreunde den Versuchen des neuen Senders mit regem Interesse folgen werden. Die Versuche finden vorläufig unregelmäßig Sonntags in der Zeit von 10 Ahr vormittags bis 5 Ahr nachmittags statt. Empfangsmeldungen mit genauer Angabe des benutzten Empfängers, Antenne und Wohnung des Hörers werden erbeten an die funktechnische Versuchsstation im Physikalischen Institut der Aniversität oder an den Vorsitzenden des (Siebener Radioklubs, Dr. Müller, Seltersweg 59. Erwünscht sind auch vor allem Angaben über bemerkte Mängel, da nur auf diese Weise, durch Mitarbeit der weitesten Kreise, allmählich eine Höchstleistung erzielt werden kann. Sobald die Einrichtung des Senders es gestattet, wird er in einem öffentlichen Vorträge demonstriert werden. Außerdem wird laufend über alles Wissenswerte, erzielte Reichweiten und dergleichen berichtet. Dr. M. Reichszentrale fürHeimatdienst. Die Landes-Abteilung Hessen der Reichszentrale für Heimatdienst hat, nachdem sie bereits in zahlreichen anderen Orten des Hessenlandes gewirkt, nun auch in unserer j Stadt mit ihrer sachpolitischen Bildungsarbeit eingesetzt. Sie hat zu diesem Zweck eine politische | Vortragswoche veranstaltet, die gestern abend in der Neuen Aula der Universität ihren Anfang ’ nahm. Bedauerlicherweise blieb der Besuch dieses ersten Abends erheblich hinter den Erwartungen zurück, die man im Hinblick auf das interessante ; Thema und die Persönlichkeit des Redners hegen durfte. Nach kurzen Einleitungsworten des (8e- schäftsführers der Landes-Abteilung Hessen sprach Dr. K. O. Bertling, der Leiter des Amerika- Instituts in Berlin, über das Thema „Deutschland u n d A m e r i k a". In fesselnder Weise zeichnete der Redner die Wesenszüge des Denkens und Fühlens der Amerikaner, das Verhältnis zwischen den Führern und der Masse des Volkes, den Einfluß der Kirche, wie der ganzen Erziehungsweise auf die Einstellung des Volkes und daraus hervorgehend die amerikanische Betrachtung des Auslandes. Dabei brachte er manche neue Gesichtspunkte zutage, die er zum gründliche" , Durchdenken empfahl. Manches, was man bisher über den Amerikaner gehört und gelesen, 8^ toi mit durch die Hinweise, die der Vortragende gab, ein neues Gesicht und regt zum Denken an. Die Erkenntnisse der Licht- und Schattenseiten toi amerikanischen Volke setzte der Vortragende k»m' in Vergleich zu dem, was wir von uns selbst behaupten und meinen, und zu dem, toaS nun wieder Amerika von uns hält. Auch hierbei schälte der Redner neuartige und sehr bemer> kenstoerte Gesichtspunkte heraus, die geeignet find, manches bisherige Urteil umzuformen. 3" der Gesamtheit betrachtet war der Dortvag, bö frei blieb von jeglicher parteipolitischen Besuch' tung, ein geistiger Genuß, der die bedeutsame Vortragswoche in würdigster Weise einleitete Hoffentlich finden die übrigen Vortragsabend des Heimatdienstes den Zuspruch der brettesten Devölkerungskreise, denn die politische Aufklärung die bei diesen Veranstaltungen geboten wird, verdient zum mindesten ernstlich beachtet zu werden 160 Mk. gekauft habe. Die wissen Karl Stein für 'M. DähM btt ibernfih' / schäftsführuna, Herrn Deck, und d«m Chefredakteur, Herrn Dr. Stange, der im Verein mit Herrn Herrn Dr. Blumschein am Wiederaufbau des Gießener An- Ab omo Perfekte Vermietungen Verkäufe in so erfüllt Für Jeder Mann kann s-chluh. Gießener Wochcnmarktpreisc. am 3. November (Händlerpreise). Bei Korpulenz oder Veranlagung raten wir, in oer Avotheke30Grammechte Toluba- Kerne au kaufen, die unschädliche, dabei sehr wirk' same, den Fettansatz reduzierende Stoffe enthalten. Bestandteile ans der Packung. OlSSss UnZ3teeN nut 2 Belten, evtl, arich einzeln, z-verm. Biömarckstr.Sl»!. Abaüen Frankfun, Menet DnsuchA Geröhre geleistet ba 13 nut um eine M hohe Feste sind Zeit und Verhältnisse nicht «mgetan. Aber es ist mir ern Vedürfnis, Ihnen allen an dieser Stelle herzlichen Dank ouszusprechen für. Ihre Mitarbeit, an Ihrer Spitze den beiden Prokuristen der Firma, meinem langjährigen, treuen Mitarbeiter in der Ge- 18jähr. Mädchen v. Lande, mit guten Zeugntffen Ml kofsrt Stelle i.g. Hause als Allein- mädchen. Zu erfr. nachm. v. 4-6 tM" Sllicestr. 11 II. Haus mit rreiw. Wohn. u. Lagerraum z. vcrk. Schr. Ang. u. 08894 an den Gieß. Anz. fetne blel. 3-Zimm.- Wobns- gegen neu berger. 3 Zim.-W. in gut. Hause tn Bad Bildet? Schr. Angeb. u. 08884 a.d.Gß. Anz. Wohnungs tansch. Eine 4-Zimmer- Wodnung in guter La,e in Butzbach gegen eine schöne 3-Zimm.-Wobna. inGlenen^u tauschen gesucht, schriftliche Angeb. unter 08S81 a. d. Gieß. Anz. erd. Dom Provinzialausschutz Der Provinzialausschuh für die Provinz Oberhessen beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit folgenden Angelegenheiten : Die Klage des 21. Groh in Friedberg gegen die Stadt Friedberg wegen Festsetzung einer Zuweisungsgebühr durch das Wohnungsamt wurde als unzulässig kostenpflichtig abgewiesen, weil die Frist, innerhalb deren die Klage hätte eingereicht werden müssen, nicht eingehalten worden war. In Sachen Ortsbauplan der Gemeinde Wölfersheim: hier: Einspruch des C. F. Ulrich in Wölfersheim gegen die Festsetzung der Fluchtlinien an den Grundstücken Flur I Ar. 652 und 653, nahm der Kläger, nachdem er vom Vorsitzenden eingehend über die Aussichtslosigkeit seiner Klage belehrt worden war, die Klage zurück. Auf die Klage des Otto Schmidt in Giehen gegen das Kreisamt Gießen wegen Versagung des Wandergewerbescheins wurde dem Otto Schmidt, obwohl er noch keine 25 Iahre alt ist, der nachgesuchte Wandergewerbeschein mit Rücksicht darauf erteilt, daß er seinen er- werbsunfähigen Vater und außerdem noch schulpflichtige Geschwister, die sich in bedrängter Lage befinden, zu unterhalten hat. In der Sache: Anfechtung des Beschlusses des Gemeinderats zu Büdingen vom 7. August 1925: hier: Berufung des Gemeinde- ratsmitgliebs H i l d n e r gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 30. September 1924 wurde daS Urteil dahin verkündet, daß die Berufung als unbegründet zurückzuweisen ist. Dem Berufungskläger wurden die Kosten des Verfahrens zur Last gelegt. jtliche Reichweite ul ' l'ch mir M>, Hem, da Vn ßtö >e, die Ausnutzung ■ von den verschiß nd nur durch zahlnä erreicht werden fe Motore allerbeste Fabrikate. in allen Größen aUerbillieret 1605t Carl Schunck. r«bi 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 35—40, Feldsalat 80—100, Tomaten 40, Zwiebeln 10—12, Meerrettich 40—100, Schwarzwurzeln 60, Kürbis 6, Kartoffeln ; 3i—4, Aepfel. 9—20, Birnen 25—30, junge Hahnen 100—110, Suppenhühner 100—120, Gänse 100 bis 120, Nüsse 40 Pf. je Pfund; Eier 17—18, Blumenkohl 30—120, Salat 10, Endivien 10—20, Ober» Kohlrabi 5—10, Lauch 5—10, Rettich 15—25, Sellerie 25—40 Pf. je Pfund. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7i Uhr ,Könia Nicolo" (Ende nach , D Uhr). — Krieger-Verein 81 Uhr „Postkeller" Fa- j miilienabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Lilmflirt". — Astoria-Lichtspiele „Dämon der Landstraße". Mädchen b«S die Handels» schule besucht bat, Kennmlffe tn Steno« graphie u. Schreibst flifmggtpnung. dir. Angeb. unter 9W7va.d.tYteb.An». MiTWM 6n vermieten Grabcnstr. 9 p. k leeres 3immtr vermieten sOW75 Lavnstt. 27 p. Angestellten an Herrn Richard Lange fand_tne für unser Haus denkwürdige Stunde ihren Strafe lautete auf 3 Wochen Gefängnis. Unter Ausschluß der OefsenUichkeit wurde gegen die Sophie D. aus Wollbach wegen AbtreibungSverluchs und gegen den Melker Ios. W. aus H i r s ch z e l l wegen Beihilfe _ hierzu verhandelt. Die Verhandlung endete mit 'Freisprechung mangels Beweises. 6Nm 1^öbanbet 1925 Netzen. "SS £ ?? N iebo$ nut v, ^l^rden toirö. % der Rame £ Mabtt Sieben, r, nid>‘ ä MMNnm mit (in M Metern L aelegerrtlich des Iubiläums unseres Blattes fo warm anerkannt wird, wie es reichem Ausmaße geschehen ist, mich mit ganz besonderer Freude. mit guter Schulbildung «auch für Sareauarbetten geeignet) juckt Stellung. Angebote unt. 104:190 an den Gieß. Antetger erbeten. Alle «st. Witwe mit etg. Heim sucht Stelle alS Hans- bältcrin f. taaSüber tn frauenL HauSh. Sckr.Anaeb. unter 08882 a. d Gieß. 2Inj. leitetet „ZU Sitte ör Bef.: August Gisse! Fernsprecher 1279 Gietzen Licher Strahe 59 (Haltestelle der Straßenbahn: „Rote Linie") taufen gegen Wochenraten von Mk. 12.60 bei 1MMc Schilling, Franks. Str. 23. Morgen Mittwoch, den 4. November: Schlachtfest Jubiläumsfeier im Giestener Anzeiger. Anläßlich des 175jährigen Bestehens des Gießener Anzeigers versammelte der Chef unseres Hauses, Herr Richard Lange, gestern nachmittag im Betriebsgebäude daS gesamte Personal der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange um sich, um gemeinsam mit seinen Mitarbeitern aller Grade und aller Abteilungen des bedeutsamen Iubiläums zu gedenken. In schlichter Weise, der schweren Rotzeit des Vaterlandes entsprechend, verlief diese gemeinsame Eri.nnermrgsstunde, die bei aller Gs- tmgtuung im Hinblick auf das bis jetzt geschaffene Werk doch fernbleibcn sollte von dem Charakter einer rauschenden Festveranstaltung, für die gerade in den gegenwärtigen krisenvollen Wochen fein Raum ist. Herr Richard Lange richtete eine Ansprache an seine QHitarbeiter, in der er sagte: „Rach HerauSbringen und Verteilung der Iubiläumsansgabe gelegentlich des 175jährigen Bestehens des Gießener Anzeigers möchte ich auch an dieser Stelle einige Geleitworte an Sie alle richten. Der Zeitpunkt der Gründung vor 175 Iahren fällt ja eigentlich auf den 1. Ianuar d. I. Deshalb habe ich Ihnen autch damals eine Iubiläumsspende überweisen lassen. Die Herausgabe der vorgesehenen Iubelsondernummer Hat sich aber hinausgezogen, weil wir mit dem Ausbau der Druckerei sowohl als auch des Gießener Anzeigers stark beschäftigt waren und deshalb pekuniär schwer zu ringen hatten. Wir sind immer noch im Ausbau begriffen, und der damit zusammenhängende Werkbau macht uns noch schwer zu schassen, da die Stadt uns den üblichen Bauzuschuh nicht bewilligt hat. Aber immerhin sind vir im eigentlichen Betriebe mehr zur Stabilisierung gekommen, so daß uns die Fertigstellung der Sondernummer, wenn auch zum großen Teil außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit, möglich vurde. Die Anerkennung der Leistung in redaktioneller und technischer Beziehung ist seitens -es Leser- und Anhänge^reises nicht ausgeblieben. Wir haben viele warme Anerkennungen bekommen, aber nicht nur wegen der Iubel- jmmmer, sondern vor allen Dingen wegen der Führung und der Ausgestaltung deS G. A. überhaupt. Sie wissen ja alle, ohne daß ich eS besonders betonen müßte, daß wir den G. A unter Fernhaltung von Schmutz und unlauteren Machenschaften im redaktionellen sowohl wie im Anzeigenteil. unter großen Opfern auf eine immer höhere Stufe gebracht haben. Daß dieses Streben auch von unserer Lesergemeinde erkannt und *^au6. "‘■Ä-’S •« lühlw Lutyy • — 3m Dortragssaal der Buchhand- lung Keißner spricht am Samstag, 7. d. 'Hl., abends 8 Uhr, der Träger des Büchner-Preises Wilhelm Michel- Darmstadt, über „Goethe und das rechte Leben". Näheres siehe heutige Anzeige. — Reichszentrale für H e i m a t d i e n st. Morgen, Mittwoch, abend, in der Universitätsaula Dortrag von Prof. Scheel- Kiel über „Die Grundlagen unseres heutigen Kampfes um die deutschen Grenzen". Näheres im Anzeigenteil. mittags stall, mit genauer Antenne und ‘Sfe len an die fünfte- Men 3» Vorsitzenden des» üllcr, SelterM) vor allem 2ngab«i e t auf diese Kreise, allmahR - rden kann. in« des Sende« «5 m öffentlichen Auherdem wird fa te, erzielte 3*^ tiluug h-ssen^ heimaldtenst' ihlreilhen anderen ^ nun auch tn < chen fS»J hL« * ■ S" **£ t. »ie h£$$*1 -um gr^' , und zu 2llch g ÄljTÄ zeigers erfolgreich tätig war. Indem ich den beiden Prokuristen durch Händedruck meinen wärmsten Dank ausspreche, bringe ich damit allen Mitarbeitern meinen herzlichen Dank für ihre Mitarbeit zum Wohle des Ganzen zum Ausdruck. Möge der Gießener Anzeiger und die ihm zugrunde liegende Druckerei weiter mit HÜfe aller Beteiligten gedeihen, dann werden wir in weiteren 25 Iahren in Dankbarkeit auf die verstrichene Zeitspanne zurückblicken können. Ob ich diese Zeit noch erlebe, erscheint mir sehr fraglich, aber in drei Iahren hoffe ich noch unter Ihnen zu weilen, dann besteht die Brühlsche Sruderet unter dieser Bezeichnung 100 Iahre. Unb dann wollen wir, wenn nicht alles drunter unb drüber geht, ein echtes Buchdruckerfest zusammen feiern.“ Mit kurzen Glückwunschworten der leitenden “• D i e Wahlvorschläge zur Gießener KreiStaaswahl. Zu der am 15. d. Mts. stattfindenoen Wahl der Mitglieder des Kreistags des Kreises Gießen sind folgende Wahlvorschläge zugelassen: 1. Zentrumspartei. 2. Sozialdemokratische Partei. 3. Deutsche Demokratische Partei. 4. Deutsche Volkspartei. 5. Vereinigte Stadt- und Landliste der Deutschnationalen Vollspartei und des Hess. Landbundes im Kreise Gießen. 6. Evangel. Volks- gemeinschaft. 7. Kommunistische Partei. 8. Wittelstandsvereinigung Gießen. “ Oeffcntliche Sitzung des Kreis- ausfMuffes Gießen. Der Kreisausschuß Gießen hält am kommenden Donnerstag, vormittags 8z Uhr beginnend, im Regierunggebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung ab. Auf der Tages- ordnung stehen folyende Derhandlungsgegenstände: Einsprüche gegen d,e Bürgermeisterwahlen in AI - bach und Harbach, Einspruch des Hch. Sehrt- Nonnenroch wegen Nichtgewährung einer Entschädigung für eine am Milzbrand gefallene Kuh, Einsprüche der Rich. G i r s ch und K. F i l s i n g e r zu Rabertshausen wegen einer Schleusenanlage. O 2leue Wohlfahrtsbriefmarken als Postwertzeichen Wie wir hören, gelangen auf Anregung der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Rothilfe am 15. Dezember 1925 neue Wohlfahrtsbriefmarken als amtliche, vollwertige Postwertzeichen zur Frarckierung aller Postsendungen nach dem In- und Auslande zur Ausgabe. Der Ertrag der Wohlfahrtsbriefmarken ist zur Linderung materieller Rotstättde im ganzen Reichsgebiet bestimmt, insbesondere sollen die Erträge zur ergänzenden Fürsorge für Kinder, alte Leute und Erwerbsunfähige sowie für Spei- sungSeinrichtungen aller Art Verwendung finden. ” Das Ra uche n im l)--Zuggang. Roch immer scheint Unklarheit darüber zu herrschen, wann im Seitengang öer v-Zugwagen geraucht werden darf. Ist der ganze Wagen für Raucher bestimmt, so ist das Rauchen im Seitengang selbstverständlich gestattet. Im Seitengang der für Richtraucher bestimmten oder Raucher- und Richtraucherabteile gemischcht führenden Wagen ist eS dagegen untersagt. Sind die Raucher- und Richtraucherabteile gemischt füh- Zwischentür getrennt, so darf im Seitengang des für Raucher bestimmten Wagenteils geraucht werden, im anderen Teil ist ^s verboten. Ilm sich vor Strafe zu schützen, kann nur empfohlen werden, die in den Seitengängen der Wagen angebrachten Schilder sorgfällig zu beobachten. *• Iugendverein und Eisenbahn- Fahrpreisermäßigung. Die Anerkennung der Iugendvereine für die Fahrpreis-Ermäßigung der Eisenbahn wird voraussichllich vom 1. Ian. 1926 ab nur noch durch die Iugend- ämter ober Ortsbehörden erfolgen, so daß die Vereine gut daran tun, sich rechtzeitig diese Anerkennung durch ihre Iugendämter ober Ortsbehörden zu sichern. Strafkammer Gießen. * Gießen, 30. Oft. Das Finanzamt Butzbach hatte gegen den Händler Valentin S. von Frankfurt a. M. wegen Zuwiderhandlung gegen das Wandergewerbesteuergeseh einen Strafbescheid erlassen, weil er bei der Ausübung seines Gewerbes im älmherziehen eine Hilfsperson mit sich geführt hatte, für die er die Genehmigung durch die zuständige Verwaltungsbehörde nicht nachgesucht und dementsprechend auch keine Wandergewerbesteuer entrichtet hatte. Gegen diesen Strafbescheid hatte er Antrag auf gerichtliche Entscheidung gestellt. Das Amtsgericht Butzbach kam aber zu dem gleichen Ergebnis und verurteilte ihn in dieselbe Strafe. Die gegen dieses Urteil seitens des S. eingelegte Berufung wurde kostensällig verworfen, toeii er in dem heutigen Verhandlungstermin trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war. Die Butterhändlerin Marie H. von Mittel-Seemen war wegen Vergehens gegen die Preistreibereiverordnung unter Anklage gestellt worden, weil sie beim Aufkauf der Butter die an dem Aufkaufsort von anderen Aufkäufern gezahlten Preise um 15 bis 30 Pf. pro Pfund ü6erboten hatte. Gegen das Urteil des Amtsgerichts Ortenberg, das die Angeklagte freisprach, hatte die Staatsanwaltschaft zum Zwecke der Herbeiführung einer Bestrafung Berufung verfolgt. Rachdem nun in der Zwischenzeit durch das Oberlandesgericht in Darmstadt eine Entscheidung dahin ergangen war, daß in dem bloßen ileberfcieten der Konkurrenz beim Einkauf der Ware eine unlautere Machenschaft im Sinne des § 6 der Preistreibereiverordnung dann nicht erblickt werden kann, wenn dieses Lieberbieten keinerlei nachweisbaren Einfluß auf die Verkaufspreise auSübt, nahm die Staatsanwaltschaft vor Eintritt in die Verhandlung die von ihr eingebrachte Berufung zurück. Weiter hatten sich der bereits vorbestrafte Arbeiter Otto R. von Gießen und dessen Sohn wegen eines ihm zur Last gelegten Diebstahls zu verantworten. Da auch in der heutigen Verhandlung ebenso wie in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Gießen der Sachverhalt nicht vollständig aufauflären war, konnte auch heute eine Bestrafung der beiden Angellagten nicht eintreten. Als 5- Punkt der Tagesordnung stand zur Verhandlung die Bürgermeisterwahl zu Münster: hier: Berufung des Bürgermeisters Ludwig von Münster gegen daS Urteil des KreiSausschusseS des Kreises Friedberg vom 10. August 1925. — Am 12. Iuli 1925 fand in Münster (Kreis Friedberg) Bürgermeisterwahl statt. Von 147 Wahlberechtigten hatten 140 von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Es entfielen 71 Stimmen auf den bisherigen Bürgermeister Iakob Ludwig und 69 Stimmen auf Adolf Marx. Gegen die Wahl wurde von dem Gegenkandidaten Marx' und drei anderen Einspruch erhoben mit ter Begründung, daß die Partei der Bürgermeisters Ludwig vor der Wahl Freibier gespendet habe. Aus Grund der hiernach vom Kreisdirektor des Kreises Friedberg angestellten Ermittelungen hat der Kre^Sdirektor von Amts wegen gemäß Art. 78 Abs. II der Landgemeindeordnung die Wahl beanstandet und das Verwaltungsstreitvcrfohren eingeleitet. Der KreisauSschuß zu Friedberg erkannte nach Beweisaufnahme in dec mündlichen Verhandlung vom 10. August 1925 zu Recht, daß die am 12. Iuli 1925 vollzogene Dürgermeisterwahl für ungültig zu erklären ist, unter Belastung der Gemeinde mit den Kosten des Verfahrens, Der KreiSausschuß erachtete es für in hohem Maße wahrscheinlich, daß durch die Trinkgelage in den Wirtschaften von Meister und Becker zu Münster vor der Wahl eine Reihe jugendlicher Wähler in unlauterer Weise beeinflußt worden ist. Dieses Derwaltungsgericht hielt es im Interesse der öffentlichen Ordnung, des öffentlichen Anstandes und des Friedens in den Gemeinden für unbedingt geboten, der einreißenden Hnfitte der Wahlbeeinflussung durch Trinkgelage vor der Wahl mit allen gesetzlichen Mitteln entgegen* zutrelen und dadurch eine Wiedergesundung der öffentlichen Moral und des Anstandes herbeizuführen. Gegen dieses Urteil verfolgte der wiedergewählte Bürgermeister Ludwig Berufung an den Provinzialausschuß mit dem Antrag, das KreiSausschuhurteil aufzuheben und die stattgehabte Wahl zu bestätigen. Er begründete seinen Einspruch damit, daß er zur Wahl kein Freibier gestiftet, noch vor der Wahl darauf hingewiesen habe, daß es nach der Wahl Freibier geben werde. Vor dem Berufungsgericht sand wiederum eine eingehende Beweisaufnahme statt. Danach schien für erwiesen, daß am Donnerstag, Freitag und Samstag vor der Wahl, insbesondere in der Meisterschen Wirtschaft, auf die Bürgermeister- Wahl zu Münster getrunken wurde. Ein Zeuge bekundete unter Eid, daß er nichts für dos Bier bezahlt habe und daß ihm auch der Sohn de4 Wirtes Meister empfohlen habe, bei der Wahl für den bisherigen Bürgermeister Ludwig zu stimmen. Der Provinzialausschuh schloß sich dem erstinstanzlichen Urteil an unt) wies die Berufung des Bürgermeisters Ludwig als unbegründet zurück. Der Berusungskläger wurde außerdem mit den Kosten des Verfahrens belastet. leillioiolioil „M 81661 £ir Des.: August Gissel Fernsprecher 1279 (Sieben Licher Strahe 59 (Haltestelle der Straßenbahn: „Rote Linie") Schöffengericht Gießen. ' Gießen, 2. Rov. Wegen Betrug- und Urkundenfällchung stand der vielfach vorbestrafte Schlosser Alfred Pfitzenmaier aus Stuttgart vor Gericht. Er hatte einem Ziseleur in Friedberg, bei dem er sich als Kunstmaler König aus Marburg e'msührte, zwei Bilder abgeschwindelt und einen mit diesem falschen Romen unterschriebenen Schuldschein ausgestellt. Mit Rücksicht auf seine geistige Minderwertigkeit wurde auf 1 2 ohr Gefängnis erkannt. Der Arbeiter K. aus Hattenrod hatte seinem Bruder ein Rad gestohlen und an einen hiesigen Fohrradhändler verkauft. Zum Rach- weis des redlichen Erwerbs legte er dem Käufer eine mit Karl Stein unterschriebene, von chm selbst fälschlich angefertigte Rechnung vor, wonach er vor kurzem da» Rad von einem gründ die bereits» ' mgen bestätigen ü mch sehr, sehr rden. Dos [iejo. . m Vorläufigen hüten Teil aber ata iden EinrichliM. k unternommen wir. Kittel vorhackn M n zu machen. Gießener ÄabioM. erfien Der/uchc (löt' ine Hauptaufgabe d« umringen. in allererster ftnit , H TemnS d'mtz . TS W tu W teunbe ben Uerivi" regem Interesse scha iben vorläufig urr^ Zeil von 10 llh: st Buntes Allerlei. Pariser Millionenfchwindel. (Don unserem W. S.=Rorrefponbentcn.) Paris, 30. Oktober 1925. Ein besonders raffinierter Gauner, Gaston Fon- tanille, hat cs wieder einmal glänzend verstanden, ganz Paris zu bluffen und von denen, die sogar in Paris nicht alle werden, auf die bequemste Weise viele Millionen zu erschwindeln. Dar mehreren Wachen gründete er die „Französische G e - s e l l s ch a f t zu r^Z u ch t van Silberfüchsen". Und nun ging's las mit einem möglichst großzügigen Reklamefeldzug. Nach allen Himmelsrichtungen wurden großsprecherische Anzeigen versandt, Broschüren verschickt, ganz Poris wurde plakatiert mit den Werbeplakaten für die Silberfuchsfarm. Die Zeitungen wurden entsprechend bezahlt und brachten lange Artikel über die guten Aussichten für die Aufzucht van Silberfüchsen in Frankreich. Bald fand man einen „Verwaltungsdirektor" für die neue Gesellschaft (er gibt heute zu, gar nicht einmal zu wissen, was Silberfüchse sind). Große Bureaus wurden eingerichtet. Die Schreibmaschinenmädchen konnten nicht schnell genug die Quittungen ausstellen für oll die Summen, die bei der Silberfuchsfarm ihr Geld nutzbringend anlegen wollten. Fontanille hatte sehr bald die erste Million zusammen, und mit dieser Beute gelang es ihm, noch rechtzeitig zu fliehen, trotzdem bei der Polizei bereits zahlreiche Anzeigen wegen dieses ganzen Schwindels eingelaufen waren. Denn natürlich Hot der geschäftstüchtige Fontanille niemals auch nur daran gedacht, in Frankreich Silberfüchse zv züchten, und das aus dem einfachen Grunde, weil dies praktisch unmöglich ist. Als die Polizei endlich die Bureauraume Fontanilles besetzt hatte, erschien noch ein biederer Rentier, um der Silberfuchsgesellschast noch 2OO 000 Franken zur Verfügung zu stellen. Dies war der einzige, den die Polizei vor Schaden bewahren konnte. Kaum war dieser Schwindel ruchbar geworden, da entdeckte die Polizei einen noch viel größeren Schwindel mit mexikanischen Petroleum-Terrains. 9n einer der vornehmsten Geschäftsstraßen von ganz Paris, in der Avenue de lOpsra, holte sich diese Gesellschaft aufgetan, die „P6troles rsunis". Die Gründer wollten, wie immer, und zwar in Mexiko, große Petroleumfelder besitzen. Das Grün- dungskapital sollte 40 Millionen Franken betragen. Der Chef der ganzen Bande war ein sehr flott auftretender Lebemann, der sich stolz Herr de Romognac nannte, in Wirklichkeit aber aus dem Städtchen Pau gebürtig ist und Marcel Vic heißt. Durch Vermittlung einer Bank Giraud & Eie. wurden in der Gegend von Nancy 30 000 Aktien der „Pstroles rsunis" abgesetzt. Die auf 100 Franken lautenden Papiere wurden zu 220 Franken gehandelt. Als Vic und Giraud in Nancy festgenommen wurden, hotten sie bereits 6 600 000 Franken erbeutet. Vic hatte bei feiner Verhaftung schon ein Schiffsbillett noch Mexiko in der Tasche. Sie Polizei hats also im richtigen Augenblick zugesaßt. Von den 6,5 Millionen Franken aber werden kaum einige 10 000 Franken gerettet werden können, das ganze übrige Geld haben die Schwindler in Sicherheit gebracht. Geschäftliches. Die E. H. Knorr A. -G.. „der Suppen- Knvrr", die Herstellerin des bekannten Knorr- Hafermehls, mit dem Generationen von KindLm aufgezogen worden sind, bringt wieder mal eine Renheit heraus. ES handelt sich um die Knorr- Suppenwurst — Blumenkohl, Grünkern, Krebs, Ochsenschwanz, Pilz, Spargel, Tomaten — die ohne alle Zutaten, nur mit Wasser ausgekocht, eine kräftige, wohlschmeckende Suppe ergibt, die jede den ihrer Bezeichnung entsprechenden Eigen- geschmück hat. 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Bechstein in Giehen ist Prokura erteilt; b) bei der Firma Gg. Heinrich Schirmer in Gießen: Dem Kaufmann Josef Ghrmann zu Giehen und dem Kaufmann Dr. Carl Heinz Schirmer daselbst ist Einzelprokura erteilt. DieCollektiv- prokura Ehrmann/Sommer ist erloschen. Giehen, den 31. Oktober 1925. 10510c Hessisches Amtsgericht. IIwUsbOmiiWH nachmittags 2 Uhr versteigere ich Aeuenweg 28, im „Löwen" zwangsweise gegen bar: 1. 1 Ladentheke, 1 Schreibtisch, ein Die Beerdigung findet Mittwoch, den 4. November 1925, nachmittags 28/z Uhr, statt. 10513D In der Bekanntmachung der Steuermahnung der Stadtkaffe Gießen in der Ausgabe des Gießener Anzeigers vom 2. d. M. soll es beißen: statt 1. und 3. Ziel Eondersteuer für den Kreis 1925 1. bis 3. Ziel. 10521B Junker, Gerichtsvollzieher, Plockstraße 4. d. tReidispatciitamt ge- chützt ist, zu sich nimmt - Man verlange ausdrücklich Baldravin, um -chvor Nachahmun. gen zu schützen. Zu haben in Apotheken und Drogerien. Bestimmt in: Tentral-Drog.,Schulstr. 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Doch dies völlige Zurückweichen vom alten Deutschtum ist erst im letzten Jahrhundert erfolgt. All die Jahrhunderte vorher wogte der Wellenschlag deutschen Lebens aus der Heimat bis in die Zips. Als alte Mitgabe aus dem Vaterlande brachten die Einwanderer, die aus verschiedenen Stämmen usid zu verschiedenen Zeiten ins Land kamen, ihr deutsches Recht mit, das sie später mit einigen Neuerungen versehen in ihrer „Zipser Willkür" kodifizierten. Deutsche Sprache und deutsche Sitte hielten sie heilig, und ihre Kraft wuchs durch die Rechte der Selbstverwaltung, die ihnen die Könige Ungarns, ihre Gastgeber, verliehen. Deutsche Kunst hat in den Städten der Zips geblüht; zeigen sie auch in ihrem Bau, mit ihren weitschnutigen, hochhaubigen Häusern einen östlichen Anstrich, so steigt doch in der Gotik der Kirchen samt ihren Bildwerken das Loblied deutscher Schönheitsgestaltung empor. Ein Beit Stoß soll in seiner Jugend in der Zips gearbeitet haben und im Nürnberg der Zips, im alten Städtchen Lautschau, der früheren Königlichen Frei- stadt, drängen sich heute noch die Denkmals der Zipser Kunst zusammen. Den größten Durchbruch deutschen Geistes, dis Reformation, haben die Zipser in den frühesten Jahren mitgemacht. Der Handelsverkehr über Schlesien nach Mitteldeutschland, mehr aber und aus» fchlaggebend der Besuch der Hochschule zu Wittenberg durch Zipser Studenten, waren die Mittler der Bewegung. Der Boden der Zips war aufgelockert }ür die Saat und schnell griff die Reformation um ich. Seither ist der größte Teil des Zipser Deutschtums mit dem Protestantismus aufs engste ver- 1 Lunden. Mit der Reformation kamen gute Schulen in das Land, bald sehen wir in Käsmark, Laut- : ßchau und anderen Orten Gymnasien auftauchen, die in späterer Zeit sogar noch einen Hochschulaufbau bekamen. Weithin trugen diese Schulen den Ruf der Zips, gelehrte Männer, wie Cox, der in Ungnade gefallene Erzieher Heinrichs VIII. von England, mürben als Leiter an sie berufen. Und doch haben ! diese guten Schulen in neuester Zeit am meisten I zur Zersetzung des Zipser Deutschtums beigetragen; nenn sie bildeten eine glänzende Intelligenz heran, die bem ungarischen Staat die besten Beamten und Geistesarbeiter lieferte, aber eben darum aus der I zu engen Zips abwanderte und im Magyarentum unterging. Wechselvoll und vielseitig sind die Geschicke der j Zips. Am Rande des Ungarnreichs waren dis Einwanderer als Grenzwächter angesiedelt und mußten als solche manchen harten Sturm bestehen. Die Tar- tcren richteten die junge Kolonie fast zugrunde, bei • inneren Kämpfen in Ungarn mußten die Zipser als i freue Gefolgsmannen ihres Königs einen schweren I Zlutzoll zahlen und im 15. Jahrhundert kamen die » Horden der Hussiten unter Giskra in das Land ge- f brachen. 1412 war die Einheit des Landes durch Verpfändung von 13 der wichtigsten Städte an Polen zerrissen worden. Die zurückgebliebenen Städte wurden bald von dem herrschsüchtigen inagyarischen Adel unter seine Gewalt gebracht und ihrer Kraft und Blüte beraubt. Die Adelsherrschaft in den einen, die Regierung der polnischen Starosten in den anderen Städten waren die Quelle für eines der wichtigsten Probleme des Zipser Deutfch- tuns, für die Slawisierung. Seither strömen in I immer breiterem Strome die Masten der kmder- rrichen Slowaken in das Land. — Seit dem Schick- 'alsjahr 1526 gehörten die Zipser unter die Herrscht von Habsburg, wo es ihnen bis zu den Zeiten j b Klangwelt aufbauen und erstehen lasten, schöpft gieseking aus der vergeistigten Klangvision des tomponiften und ordnet alles Technisch-Tonliche sei- nmd folgt ihrem mannigfachen Wechsel im Verlause bss Stückes. So reiht sich ihm Episode an Episode, Intermezzo an Intermezzo, aber alles zusammen- ishalten von der einheitlichen Grundstimmung. — j ir ihn wird selbst die objektive Welt Bachs zur lUstektio gehörten Impression. Das Lineare ist nicht nc-hr für'fid) selbst da mit der ihm als Kurve innewohnenden Spannung, sondern es wird bei Giese- img zum Mittel, die Klangwelt darzustellen. Da in uh man sich von der üblichen Bachtradition um- teücn zu einer Auffassung, die von der Moderne oertommt, und die eine so ganz neue, persönliche Erstellung des Alten zeigt. Denn Giesekings Do- mene wird doch vor allem die Moderne sein und bleiben; seine Einstellung zur Musik weist ihm den l£eg dazu. Ja, in seinem Nachschaffen der Moderne leigt er mehr, als der Komponich persönlich wieder- umeben vermag. Ich erlebte es mit einem vielge- Ipielten Werk eines deutschen Impressionisten, der feilet ein Klavierspieler von Ruf ist; das vor Jah- ten von Gieseking gespielte Werk verblaßte beim persönlichen Vortrage durch den Schaffenden. Dieser feinnervigen Einstellung Giesekings mtspricht auch fein Ton. Die Pianisten der ver- Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen) Zipser immer mehr dem Magyarentum. Die bis zum Umsturz 1918 fortschreitende Magyarisierung ist das zweite Problem, das bet der Betrachtung des sinkenden Deutschtums zu beachten ist. Wenn ihm auch der Zipser selbst aus blinder Liebe zu Ungarn nicht viel Bedeutung zuschreibt, so muß doch gerade der Außenstehende die Gefahr dieser Bewegung erkennen. Ein drittes Problem hat sich als Folge wirtschaftlicher Schwierigkeiten dazugesellt, die Auswanderung. Während früher die Zipser im Handel mit Polen und Schlesien eine Art Monopolstellung gehabt hatten, wurde ihnen diese durch die Entwicklung von Verkehr und Technik entrissen, der Konkurrenz der österreichischen Großindustrie war der Zipser Gewerbetreibende nicht gewachsen. Solange die Tore Amerikas für Einwanderer ostenstanden, hat auch die Zips alljährlich ein großes Kontingent derselben gestellt. Während die deutschen Auswanderer sich in den Vereinigten Staaten meist dauernd niederließen, kehrten die Slowaken wieder in die alte Heimat zurück, um mit dem über der See verdienten Gelde eine freigewordene deutsche Wirtschaft zu kaufen. — Durch ihre Abwanderung nach Ungarn ging die deutsche Intelligenz, aber auch viele Gewerbetreibende, die in die Großstadt, den Verkehrszentren nach, zogen, dem deutschen Volkstum verloren. Aus- und Abwanderung samt Maghari- fierung unb Slawisierung führten so zum andauernden Rückgang des Deutschtums. Während es vor hundert Jahren noch 70—80 000 Deutsche in Zipfen gab, sind cs heute kaum mehr als 35—40 000. Vor dem Kriege und dem ihm folgenden Umsturz konnte in der Zips von einer eigentlich deutschen Bewegung kaum mehr gesprochen werden. Ein Großteil der Schulen war freiwillig magyarisiert worden, in Lebensweise und -stil suchte man dem Magyarentum zu entsprechen, allein auf dem traditionsstarken Lande hielt sich bei der Bauernbevölkerung noch ein Rest von deutscher Sitte und altem Brauch aufrecht. Die Friedensditlate mit ihrer tatfachenfremden Papierpolitik haben den Zipser wieder seinen Willen und ohne sein Befragen einem neuen Staat, dem wurstartigen Gebilde der Tschechoslowakei zu- geteilt. Doch dieser Gewaltstreich brachte ihn zur Besinnung. Aus Dragyarenfeindschaft gaben die Tschechen den Zipsern wieder deutsche Schulen, die wichtigsten Schulen sind freilich auch jetzt slowakisiert. Hilflos nach dem Umsturz hat der Zipser bald den Anschluß ans Deutschtum gefunden, sein nüchterner Verstaub und fein Realitätensinn waren ihm die Hauptweiser auf diesem Weg des Wiederfindens. Heute hört man wieder überall deutsch, was zum mindesten bei der Intelligenz vor 10 Jahren meist nicht der Fall war. Das Interesse für alle Fragen des Deutschtums, mit dem man sich wieder verbunden fühlt, ist wach geworden. Erst die Not gab also den Anstoß zu diesem Erwachen. — Mit dem Herzen sind die Zipser freklich auch noch heute Ungarn, mit dem Kopf indessen bewußte Glieder in der schicksalsschweren Kette des Auslanddeutschtums geworden. Wirtschaftlich befindet sich die Zips durch den Verlust ihres natürlichen Absatzgebiets im unga- rischen Tiefland und die Konkurrenz der böhmisch- mährischen Großinbustrie in einer schweren Krise. Reichsdeutsches Kapital könnte, dort angelegt, sicher reiche Früchte tragen. — Ein Besuch der deutschen Tatrabäder und der Berge von reichsdeutscher Seite kann viel zur Stärkung des Zipser Deutschtums beitragen. Das deutsche Volk auf der ganzen Erde muß sich in seiner Kulturgemeinschaft zusammenfinden, um den geistigen Kampf für feine Freiheit zu bestehen. Kein noch so kleiner Dolkssplitter soll dabei vergessen werden, denn: „Wir wollen sein ein einig Bolk von Brüdern!" Pariser Vries. Von unserem ständigen 8.-Korrespondenten. Paris, 2. Nov. 1925. Der Unterschied zwischen einem Deutschen und einem Franzosen ist — auf die kürzere Formel gebracht — zweifellos dieser: der Franzose ist Außenmensch, der Deutsche Jnnenmensch. Dieser Unterschied prägt sich überall ganz scharf aus: in der Geschichte wie in der Politik, im kulturellen wie im täglichen Leben. Diese Unterscheidung ist letzten Endes der tiefste Grund für so viele Erscheinungen im Alltagsleben des heutigen Frankreichs, Erscheinungen, die dem Fremden zunächst unfaßbar sind, die er einfach nicht begreift. Will man aber solche Erscheinungen psychologisch verstehen, so muß man sich unbedingt an diese Formel halten: der Deutsche ist Jnnenmensch, der Franzose Außenmensch. Dann gewinnt man eher Verständnis für das heutige Paris. Dann versteht man, welche Bewandnis es hat mit dem berühmten französischen „Elan", der gangenen Generation gerieten oft in das Ansehen von Kraftmenschen; hier das Gegenteil. Es scheint so, als schmeichle Gieseking dem Instrument seine Töne ab. Und was für Töne! Sammetweich, glitzernd, kriftallhell wie SUberglöckchen, ein Schwelgen in Klangdelikatessen! Und dennoch niemals feminin, immer wieder spürt man den starken Willen, der gezähmt im Hintergründe ruht. Und dann wieder voll, gesättigt, aber frei von jeder mechanischen Härte; innerlich vibrierend, fein schwingend. So vermag er Klänge zu wecken, die man auf dem Klavier kaum für möglich gehalten hätte. Wenn Gieseking unter diesen Voraussetzungen Bach (Englische Suite Nr. 6) spielt, erscheint einem dieses Werk in neuem Lichte, so völlig anders. Oder Domenico Scarlattis Sonaten. Diese Zwischenglieder in der Entwicklung zur großen Klaviersonate hin; noch einsätzig, nicht von den Problemen der heutigen Sonate erfüllt; liedförmig, ohne Durchführung im heutigen Sinne; Spielmusik. Und was für Kabinettstückchen intimer Kleinkunst wurden sie unter den Händen Giesekings! Schumanns „Kreisleriana" mußte bei der romantischen Veranlagung Giesekings zum Höhepunkt des Konzerts werden; eines der leidenschaftlichsten und bedeutendsten Klavierwerke Schumanns. Der Titel, oft irrtümlich mit E. T. A. Hoffmanns „Kreisle- riana" in Verbindung gebracht, ist wohl mehr auf das phantastische Verhältnis Kreislers zu Julin in Hoffmanns „Kater Murr" zu beziehen, dessen Rea- lifierung Schumann in seinem Ringen um Klara Wiedt erblickte. Das Werk selbst hat Schumann Fr. Chopin, seinem vermeintlichen Doppelgänger, zu- geeignet. Die Reihe der sehnsuchtsvollen, schwärmerischen Phantasien gibt ein wechselndes Bild von Schumanns Stürmen und Drängen, von weicher, inniger Lyrik. Das rechte Element für Giefekina, dieses Aus unb Ab der Stimmungen; das Auf- auch im politischen Leben neue Größen ebenso rasch aus das Schild erhebt, wie er unbeliebt gewordene Führer über Nacht in die Versenkung verschwinden läßt. Sicherheits- unb Paktfrage inter- effieren die Masse des französischen Volkes kaum, sondern das Schuldenproblem und die F i - n a n z l a g e des Landes mit all ihren Zusammen- hängen. Wenn man wahrheitsgemäß berichten will, was in den letzten Wochen fast das einzige Gesprächsthema aller Pariser bildet, so müßte man ausführlich über die immer rascher zunehmende allgemeine Teuerung schreiben, die mit all ihren Folgen und Auswirkungen die Bevölkerung in immer stärkerem Maße beunruhigt, da kein Mensch voraussagen kann, wohin dieses fortgesetzte An- ziehen aller Preise überhaupt nach führen soll. Die Teuerung bildet die Sorge des kleinen Mannes, des Beamten, des breiten Mittelstandes, die Teuerung, die Brot, Mieten, Schuhe und Fleisch, oder auch die Fahrpreise für Straßenbahn, Metro und Omnibus fortgesetzt steigert. Die mittelbaren und unmitelbaren Folgen dieser Teuerungswelle sind groß. Der Bankbeamten st reik dauerte über Monate und lähznte das gesamte Wirtschaftsleben ebenso sehr wie die Zeichnung für die neue große wertbeständige französische Staatsanleihe, deren Zeichnungsfrist soeben zum zweitenmal um mehrere Wochen verlängert werden mußte. Die kürzlich erfolgte Erhöhung der Post- t a r i f e (von 25 auf 30 Centimes für einen In- lanbbrief ufm.) nahm das Publikum im allgemeinen ohne Murren hin, weil ein einziger Sou heute in Frankreich tatsächlich kaum noch einen Centimes Wert hat. Um so ungehaltener aber sind die Pariser über die recht beträchtliche Erhöhung der Fahrpreise für Straßenbahn unb Autobusse, die durchschnittlich um 30 bis 40 Proz. erhöht wurden. Die Teuerung läßt auch namentlich die untere Beamtenschaft nicht zur Ruhe kommen. Besonders unter den Postbeamten gärt cs schon feit Wochen in immer bedenklicherer Weise trotz der Anstrengungen der Behörden, es nicht zum Aeußersten kommen zu lassen. Was soll die Regierung machen? lieber Etatsüberschüsse für Gehaltserhöhungen verfügt sie nicht. Ohnehin sind für die unausbleiblichen Marokkokredite und den Zinsendienst für die englischen und amerikanischen Kriegsschulden keinerlei Fonds vorhanden. Man bemüht sich krampfhaft, der allgemeinen Teuerungswelle Einhalt zu tun, doch sind die Ergebnisse aller behördlichen Eingriffe bis jetzt recht mager. Die allgemeine Preissteigerung ist nicht aufzuhalten. Erschreckend hoch sind in Paris z. B. die Mieten, namentlich für möblierte Wohnungen. Im 16. Stadtbezirk z. B. (allerdings einem der teuersten von ganz Paris) werden von durchaus nicht immer gut möblierte Wohnungen 1000 Franken pro Zimmer im Monat verlangt und bezahlt, wobei Küche und Badezimmer unberechnst bleiben, andererseits aber Silber und Bettwäsche nur in seltenen Fällen mit zur Verfügung gestellt werden. Auch die Hotelpreise werden immer hoher. In vielen Hotels, und zwar nicht solchen ersten Ranges, sind Zimmer unter 40 bis 50 Franken (ohne Frühstück und Bedienung) überhaupt nicht mehr zu haben. Allerdings werden die Hotclpreise nach Schluß der Pariser Internationalen Kunstausstellung, die riesige Fremdenmasscn nach Paris lockt, wohl wieder etwas heruntergehen. Die wirtschaftlichen Note drücken sich u. a. auch deutlich in der Bilanz der Pariser Theatersaison 1924—25 aus. Altberühmte Theater, wie das Theater Vaudeville oder das Theater Marigny, wurden in Kinos ober Operettentheater umgewandelt. Das bis vor dem Kriege noch so bedeutende Renaissance-Theater ist durch fortwährende Weiterverpachtung augenblicklich vollständig heruntergewirtschaftet und "öffnet feine Tore nur noch für zeitweilige Gastspiele besonders hierfür zusammengestellter Trupepn. Selbst die größten Theater leiden unter der allgemeinen Teuerung. Die E o m6d i e Fran^aise z. B. muß notgedrungen zwischendurch auf einige „Reißer" zurückgreifen, die der Würde und dem wirklich sehr hohen Niveau dieses Theaters nicht immer entsprechen. Auch Garnier, der so außerordentlich rührige Direktor des Zweiten staatlichen Pariser Schauspielhauses, des O d 6 o n, verzweifelt und muß seine künstlerischen Pläne erheblich zurückschrauben. lieber diese Theatermisere, die natürlich nicht ohne weiteres zu verallgemeinern ist, täuscht auch nicht die Tatsache hinweg, daß mehrere Theater überhaupt keine Sommerferien machen, sondern durchspielen. So z. B. die Große Oper ober eine Reihe kleinerer, sehr vornehmer Schauspielbühnen, die aber, dem Geschmack des Fremdenpublikums entsprechend, zum Teil recht seichte Ware, wenn auch in glänzender äußerer Aufmachung, bieten. Damit sind wir schon wieder -bet der Äußerlichkeit des Franzosen angelangt. Die sich in Paris zu- schwingen zur höchsten Kraft, wo der Flügel selber der klanglichen Fülle die letzte Grenze setzt; ein klangliches Huschen, Verlieren in ein Nichts. Ein starker Eindruck, voller Bannung! Der letzte Teil des Programms gab der Mo- berne bas Wort: zwei Sonatinen von Ferruccio Busoni; eine Sonate von A. Skrjabin. Busonis Sonatinen, Spätwerke bes leiber zu früh verstorbenen Meisters, zeigen den modernen Klaoiersatz in letzter klanglicher Konsequenz. Eine fast ans Artistische grenzende Klangausnützung, Klangimpressionen, Sphärenmusik, entmaterialisierte Klänge in höchster Abstraktion. Bei weitem war die erste „Sonatina in diem natioitatis Christi 1917" mit seinen Andeutungen der Hirtenmusik, dem Choralfugato die wirkungsvollere. Die Sonata ab usum infantis erschien zu rhapsobisch, intermezzohaft, wenn auch charakteristisch, so doch nicht immer gleich edel in musikalischem Ausdruck. Dem Werk Skrjabins fehlte die innere Notwendigkeit, an die Stelle bes musikalischen Geban- Eens mußte bas Artistische treten; aufbrausend, hämmernd, bis zum Klanggetöse; alles bas konnte nicht über eine gewisse innere Leere bes Werkes Innwegtäuschen. Und nur allein die Wiedergabe, Giesekings eminentes pianiftisches Können, konnte die Hörer fesseln. Es war interessant, diese Werke zu hören. Dazu ist eine Darbietung solcher Art wohl geeignet, das Urteil bes Publikums ber Moberne gegenüber zu schärfen. Ein bedeutungsvoller Auftakt für die beginnende Konzertsaison, die den Gießenern noch manchen kommenden Genuß verheißt. -ifl- Frankfurter Theater. 3m Reuen Theater wurden dje »Figuranten" von 2Inbre Dirabeau unausgeführt. Andrü Dirabeau ist längst kein Mirabeau, er Dienstag, 3. November (925 nächst jedem Fremden stark bemerkbar machende Vergnügungssucht führt zu Trugschlüssen. Restaurants, Kinos, Zirkusse und Revuetheater sind immer voll besetzt, aber die Besucher stellt nicht nur Paris, sondern zum weitaus überwiegenden Teile Provinz und Ausland. Immerhin sind die Einnahmen ber Pariser Theater und Kinos nach der soeben veröffentlichten amtlichen Steuerstotistik über bas Jahre 1924 erheblich. Gegenwärtig gibt es in Paris 159 Kinos, bic im vergangenen Jahre insgesamt etwas über 100 Millionen Franken vereinnahmten. Die Einnahmen ber vier Staatstheater (Oper, Dpörc Comique, Odöon, Comödie Fran- xaise) betrugen runb 35,5 Millionen, die der übrigen Theater 98 Millionen, die der Virietes 94 Millionen, die der vier Zirkusse 11 und die der Tanz- lokale ebenfalls 11 Millionen, während die Pariser Museen insgesamt noch nicht zwei Millionen Franken vereinnahmten. Die beiden größten Revue- Theater von Paris, nämlich Casino und Folics Bergtzres, vereinnahmten im Jahre 1924 allein 11,5 Millionen. Ausfallend ist es übrigens, daß die Pariser Zirkusse, denen es vor wenigen Jahren noch recht schlecht ging, seit kurzer Zeit ständig steigende Einnahmen zu verzeichnen haben, der Zirkusbesuch in Paris wie in ganz Frankreich also in den letzten Jahren zunimmt. Bon den Kinos hat bas größte unter ihnen im vergangenen Jahr annähernb sechs Millionen Franken vcreinnahini. Das größte Pariser Kino und zugleich bas größte ber ganzen Welt hat 6000 Plätze. Man sieht aus biefer Statistik, baß das Geld in Paris stark rollt, aber ber äußere Schein darf, wie gesagt, nicht zu Trgschlüssen führen. Der Pariser Mitt e l st a n b hat seine Sorgen, und wenn es auch in Paris überhaupt keine 2Irbcitslofen gibt, so blickt doch manche Familie mit wachsender Sorge dem kommenden Winter entgegen. Die deutsche Schule in Rom Von Karl Dotter in Alsfeld. Wenn der deutsche Wanderer, von Norden her- kommend, die ewige Stadt auf den sieben Hügeln durch die Porta bei Popolo betritt*) unb seine Schritte in süböstlicher Richtung burch die Bia del Babuino über die spanische Treppe nach der Dia Sistina lenkt, bann führt ihn fein Weg vielleicht in eine Seitenstraße rechter Hand, nach der Dia Zucchelli, unb fein Blick fällt an einem hohen Hause auf ein Schilb neben ber Tür, bas die Aufschrift „Scuola Germanica" trägt. Hier ist bie beutsche Schule in Rom. Ein Stück Heimat in ber Frembe, ein Fleckchen Vater- lanb in weiter, weiter Ferne! Wenn bu Glück hast, ertönt bir vielleicht gerabe aus ben geöffneten Fen- ftern ein bcutsches Volkslieb, ein Heimatgesang entgegen. Du stehst unb lauschest; ein Wonnegefühl überströmt dich! „Die Heimat über den Bergen, wie liegt sie so weit, so weit!" Mer hier ist Heimatluft, deutscher Geist, deutsche Seele! Du trittst in die freundlichen Hallen ein unb fühlst hier den Hauch der Heimat, den Puksfchkag deutschen Lebens. Im Treppenhaus grüßen dich bekannte, liebe Freunde: Goethe in der Campagna von Tischbein, ein Bismarckbild, Bilder von Helgoland, vom deutschen Rhein, der Kölner Dom u. a. m. Du grüßest sie stolz, diese Helden deutschen Wesens, diese Riesen deutschen Geistes, die Stätten deutscher Kunst und deutschen Lebens. Der Schuldiener Antonio tritt dir entgegen unb führt bich in bas Amtszimmer des Direktors. Du findest einen freundlichen, herzlichen Empfang unb bist sofort heimisch unb vertraut. Herr Direktor G. Reisinger zeigt dir die Schulräume, das Lehrerzimmer, bie Lehrmittel unb führt dich durch alle Räume. Die deutsche Schule in Rom ist nach dem Muster einer deutschen Realschule aufgebaut. Sie umfaßt drei Vorschulklassen und die Klassen Sexta bis Obertertia. Außerdem ist ihr noch ein Kindergarten angegliedert. Der Lehrkörper hat neun Lehrkräfte, einschließlich bes Direktors, sechs Damen unb drei Herren. Die Lehrgegenstände sind dieselben wie in unseren Realschulen, doch tritt naturgemäß bie italienische' Sprache von der untersten Klasse an als Lehrfach auf. Französisch beginnt in Quinta, Eng- lisch in Untertertia; Latein wird in Obertertia gelehrt. Die Schülerzahl betrug Ende des Schuljahres 1924/25 95. Seit dem Jahre 1920 ist dieselbe in stetem, gleichmäßigem Wachsen begriffen gewesen und in ber abgelaufenen Zeit um bas Zweieinhalbfache gestiegen. Von den 95 Schülern waren 38 Reichsdeutsche unb Deutschösterreicher, 37 Italiener unb 20 gehörten anberen Nationen an. Dieser außerorbenllich hohe Prozentsatz von Schülern *) Durch biefes Tor hielten 1510 Luther unb später Goethe unb Johann Gottsrieb Seumc (1802) ihren Einzug in Rom. besitzt auch durchaus nicht die geistige Elastizität, das von ihm angeschnittene Thema irgendwie mit Esprit durchzuführen. Er will seine Komödie (Lustspiel ist ein viel zu seriöser Titel dafür) würzen, versteht sich aber nicht auf Dosierungen und so fällt ihm denn die ganze Pfefferbüchse in die Suppe. Lediglich gut sind die Anfangsszenen des ersten Altes, man wartet: wird es interessant? Aus der „ Sigurantcn-3i>ce" an sich liehe sich ja unbedingt etwas machen. Aber im Laufe des Spiels merkt man zu deutlich, von welcher Art diese Figuranten des Lebens sind, wo hinaus es soll und es bleibt ein Titel minus Handlung plus Cochonerie. Die Hauptsache und der wichtigste Ort der Handlung ist das Bett des zweiten Aktes, es steht im Mittelpunkt deck Buhne und des Spieles. Der Schluß wird sc» kitschig wie nur möglich und bringt ein Chanson, welches eine geschmackvolle Regie unbedingt hätte streichen müssen, jedoch es wurde gebracht und zeigte so recht das Aiveau dieser Uraufführung. Georg Lengbach bemühte sich um den als Hotelgast, Liebhaber und Kellner figurierenden Pierre Hagnet, der am Schluß doch zum rege-rechteir Geliebten der Manon Watteau avanciert. Manon ist ein richtiges Kokettchen, welches auch nur bett Dornamen, nicht etwa die große Linie ihrer berühmten Aamensschwester aus dem gleichen Beruf besitzt. Lori Wagner gastierte in dieser Rolle, brachte gutes Aussehen, aber noch wenig gelöstes Spiel mit. Gut wie immer waren A. Großmann und Kowarzik; Edgar Klitfchs Regie hätte unbedingt starke Dämpfer aufsetzen müssest. Die Aufnahme war dementsprechend dünn, und der leise Beifall galt wohl nur den Darstellern. L. W. nichtdeutscher Nationalität beweist, daß fid) die Schule eines sehr hohen Ansehens erfreut und in ihren Leistungen voll und ganz auf der Höhe der Zeit steht. Dies spricht sich nicht nur in den Berichten deutscher Revisionsinstanzen aus, sondern auch die italienische Schulbehörde, die von Zeit zu Zeit die Schule insviziert, hat ihr die vollste Anerkennung gezollt. Wie könnte es auch anders sein! Wo deutscher Geist im Ausland seine Wirkungsstätte aufschlägt, da stellt er voll und ganz seinen Mann. Leider ist die deutsche Schule in ihrer Entwicklung gefährdet. Die italienische Regierung hat ein Verbot erlassen, wonach italienische Kinder nicht mehr ausgenommen werden dürfen. Dadurch ist die Schülerzahl im laufenden Schuljahr, das am 5.10. begann, um em Ärittel zurückgegangen, und der Ausfall an Schulgeld ganz erheblich. Es werden Einschränkungen, Svarsamkeitsmaßnahmen und Kombinationen von Klassen erforderlich. Freunde und Gönner der deutschen Schule in Rom, in der Heimat wie im Inland, haben seither die Schule unterstützt und hochgehalten. Dies Werk deutschen Geistes darf und soll nicht Not leiden! Auch aus Hessen hat fid) ihr eine hilfreiche Hand entgegengestreckt. Aus Friedberg ist ihr durch Vermittlung des Herrn Staatsrat Block Hilfe zu- teil geworden, und ich bin gewiß, daß ihr aud) anderwärts Unterstützung geboten wird. Ihr Kuf- steinfahrcr, die ihr an Pfingsten dieses Jahres so viel von deutscher Not und deutschem Ringen in der Fremde gehört habt, wollt ihr eure Brüder am Tiber darben lassen? „Mit offnem Äug', die Wunder froh zu schauen, Durchzog ich stolz Italias grüne Auen!" Ich sah seine Pracht und seine Wunder, die Trümmer einer gewaltigen, großartigen Herrlichkeit, den jetzigen Verfall, ich sah auch, wie deutscher Geist und deutsche Kraft in der Ferne um Geltung und Anerkennung ringen, wie deutsches Wesen, deutsche Sitte, deutsche Art dort ihren Mann stellen und Anerkennung finden, daß man gar nicht stolz genug dara"f sein kann. Die deutsche Schule in Rom ist ein Außenposten von nicht zu unterschätzender vaterländischer Bedeutung, ein Vorposten deutschen Geistes. Umstürze^de Entdeckungen in der Chemie. Iahre-fen-r der Gesellschaft L ebiK-MnsKvm. „Das Kleinste in der Welt ist wunderbar, und aus dem Kleinen bauen sich die Welten." Mit dielen Worten könnte man vielleicht am besten den Inhalt des sehr interesianten und fesselnden Vortrages wiedergeben, den Geh -Rat Prof. Dr. Pribram-Wien am Samstag anläßlich der Jahresfeier der Gesellschaft Liebig- Museum gehalten hat. Zu Beginn seiner Betrachtungen wies er auf die große Bedeutung Liebigs für den Aufschwung der d)emifd)en Wissenschaften in den letzten hundert Jahren hin. Er ließ die Tatsache an unserem geistigen Auge oorüberziehen, daß Liebig mit seinem ersten chemischen Laboratorium für experimentellen Unterricht eine Statte geschaffen hat, der Wisienschaftler aus allen Ländern zu- strömten, um nad) dem hier geschautem Borbild Um terrichtslaboratorien an anderen Universitäten zu errichten. Liebig machte damit die Universität Gießen zu einem Zentralpunkt des chemischen Studiums. Durch sein Wirken und feine Methodik sollte sich die Ueberzeugung Bahn brechen, daß die Chemie mehr sei als Experementierkunst, daß sie nämlich als Wissenschaft gelehrt und gelernt werden muffe. Sodann leitete der Vortragende auf das eigentliche Thema „Um stürzende Ent- , bedungen in der Chemie" über. Er ging aus von den Lehren des Aristoteles, welche l so viele Jahrhunderte hindurch das ganze geistige Leben beherrschten und auch der Entwicklung der F Chemie mehr sei als Experimentierkunst, daß sie Materie liegt noch Aristoteles ollem Seienden zu- gründe. Dieser ist das völlig Unbestimmte, Unterschiedslose, dasjenige, was allem Werdenden als Bleibendes zugrunde liegt und die entgegengesetzten Formen annimmt, was aber selbst feinem Sein auch von allem Gewordenen verschieden ist und an sich gar keine bestimmte Form hat. So entstehen nach der Anschauung der alten griechischen Philosophen . aus dem Urstoff die vier „Elemente": Feuer, Wasser, Erde, Luft. Diese Elemente sind einfache materielle Körper, die die Fähigkeit besitzen sollen, durch Wechsel der Eigenschaften ineinander überzugehen. Darnach könnte also alles aus allem werden, und von diesem Standpunkt aus hat man die Bestrebungen zu beurteilen, welche jahrhundertelang in der Chemie vorherrschten. Aunallenderweise liegen viele Jahrhunderte dazwischen, ms in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Robert Boyle eine neue Periode eröffnet ward, da er zuerst erfolgreich die Lehren des Aristoteles bekämpfte und nachwies, daß desien Elemente für die Chemie ebenso unzulässig seien, wie die Annahme der drei alchimistischen Elemente. Seine Ansichten fanden aber vor der Hand noch nicht die gebührende Beachtung. Des Näheren ging bann der Vortragende auf das Gesetz von der Atomcheorie, besten Begründer wir in Dalton zu erkennen haben, ein. Chemische Derbinbunaen zeigen immer bestimmte einfache Gewichtsverhältnisse ber in ihnen enthaltenen Stoffe — eine Gesetzmäßigkeit, die zuerst Proust nachweisen konnte. Diese Tat- fachen, welche grundlegend für die weiteren Forschungen auf dem Gebiete der Chemie werden sollten, sind am einfachsten dadurch zu erklären, daß jeder einfache elementare chemische Stoss aus kleinsten Teilchen, den Atomen besteht, von denen jedes eine bestimmte Masse besitzt. Die Atome des- selben Stoffes sind gleichartig, während die Atome verschiedener Stoffe sich durch ihre Maste und ihre Eigenschaften voneinander unterscheiden. Mende- leyew ordnete die Elemente nach ihrem Atomgewicht und hat gezeigt, daß die Eigenschaften der Elemente sich periodisch mit den Atomgewichten än- ' dem. In kurzen Zügen berührte der Vortragende dann das Gebiet der radioaktiven Elemente, deren genauere Kenntnis wir den Arbeiten des Ehepaares Curie und anderen zu verdanken haben. Hierauf kam er auf die Arbeiten Mosleys zu sprechen, der mit Hilfe der Hochfrequenzspektra neue Wege für die Reihenfolge der Elemente und die Lücken im periodischen System weifen konnte. Zum Schlüsse seiner Betrachtungen über die Geschichte der Atom- theorie machte er noch mit den bahnbrechenden hoch- intereffanten Arbeiten Rutherfords bekannt, die Resultate ergeben haben, die noch vor kurzer Zeit fein Naturwissenschaftler geahnt hätte. Ruther- forb, der das Geriet der Radioaktivität glänzend auszubauen verstand, fand, daß sich der Zerfall der Atomkerne nicht allein auf die radioaktiven Stosse beschränkt, sondern daß auch beim Eintritt von a-Teilchen, die ja von Radium ausgeschleudcrt werden, in reinen Stückstoff eine Atomzertrümmerung stattfinbet. Er stellte Wasferftoff- und Heliumkerne fest! Diese Entdeckungen führten zu dem Schluß, daß wir es mit ncemi Urstoff zu tun haben, auf dem sich olle Elemente aufbauen. Wenn auch die Forschungs- ergebnisse Mieth es über die Gewinnung von Gold aus Quecksilber in letzter Zeit bezweifelt werden, so erscheint uns nach dem Entwicklungsgang der naturwissenschaftlichen Forschungen auch die Erreichung dieses Zieles gar nicht mehr ausgeschlossen. Betrachten wir zufammenfassend den ganzen Vor- trag, so dürfte sich ergeben, daß fid) die chemischen Erkenntnistheorien vom Altertum bis zur Jetztzeit nicht auf einer geradlinigen, sondern einer kreisförmigen Bahn bewegen. Der Ring beginnt sich zu schließen. Kehren wir doch — einmal rein philosophisch betrachtet —, zu den Anschauungen Aristoteles zurück, daß die Materie aus einem Urstoff aus- gebaut ist. Anschließend gab der Vorsitzende der Gesellschaft, Geh. Rat Sommer, bekannt, durch meld) große Zahl von Stiftungen die Sammlungen des Liebig- Museums bereichert worden sind. Von diesen Stiftungen sollen 90 Originalbriefe Liebigs an A. W von Hofmann, die teils wissenschaftlichen Charakter tragen und ein Beweis dafür seien, in meld) freundschaftlichen Beziehungen er zu feinem Kollegen und früherem Schüler gestanden hat, nicht unerwähnt bleiben. Ein Bild, das anläßlich einer Reise Liebigs nach England zwecks Besuchs der „Country meeting of the Royal agricultural Society of England" am 12. 11. 1845 gemalt wurde und außer namhaften Gelehrten Liebig im Kreise hoher Würdenträger zeigt, verdient besonderes Interesse. — Möge das Andenken an unseren großen Liebig, der mit Recht zu den größten Forschern aller Zeiten gezahlt wird, durch ein aktives Mitwirken weiter Kreise, die für die Erhaltung und den weiteren Ausbau des Museums bemüht sind, hochgehalten werden. O. H.S. Oberhessen. Landkreis Gi: "• 2tt. £ ß 01 la r, 3. Nov. Das am Sonntagabend im Saalbau „Zur Linde" stattgefundene Konzert des Arbeitergesangoereins „Vorwart 5", Lollar, hatte einen derart starken Besuch aufzuweisen, daß eine große Anzahl Besucher abgewiesen werden mußte; der weite Saal und die geräumige Galerie waren bis zum äußersten Winkel besetzt. Der starke Besuch hatte in zweierlei seinen Grund, einmal in der musik- und gesang- verständigen Lollarer Einwohnerschaft, zum andern in Dem ausgezeichneten Ruf, der dem konzertgeben- den Verein vorausgeht. Daß der Abend nach keiner Seite hin irgendwelche Lücke aufkommen ließ, soll von vornherein festgestellt werden, ebenfalls, daß sich die Besucher des Konzerts bei dem für ländliche Verhältnisse früh liegenden Beginn pünktlich eingefunden hatten. Die gesanglichen Darbietungen des recht stattlichen Münnerchörs stehen weit über dem Alltäglichen, Liebe zur Sache, hingebungsvolle Tätigkeit des verdienstvollen Chormeisters, Heinrich Meyer, Wieseck, und verständnisinnige Harmonie zwischen Chor und Dirigenten geben für die vorzüglichen Leistungen des Vereins einen günstigen Resonanzboden. Die beiden Eröffnungschöre „Berg- mannslos" und „Die Vesper" fanden sofort begeisterte Zustimmung. Besonders bei dem letzteren, im zartesten Pianissimo gesetzten Beethovenschen Chor, gelang den Sängern die Wiedergabe vorzüglich. „Das Eichkatzerl", das nicht nur stimmlich, sondern auch an die Zungenfertigkeit hohe Anforderungen stellt, mutzte wiederholt werden. Der machtvolle Chor „Grüß' mir die Reden, Vater Rhein", löste wahre Beifallsstürme aus. Den Beschluß des ersten Teils bildete der große Chor mit Orchester, begleitung „Die Mühle im Schwarzwald". Was hier von Chor, Orchester und Dirigent geleistet wurde, ist als ganz vorzüglich anzusprechen. Wenn trotz des nicht endenwollenden Beifalls eine Zugabe abgelebt wurde, so ist dies nach der anstrengenden Leistung zu verstehen. Anerkennend muß festgestellt werden, daß der zweite Teil mit zwei Volksliedern eröffnet wurde: „Stehn zwei Stern' am hohen Himmel" und „Zum Wandertor hinaus". Jedenfalls hat der starke Beifall bewiesen, daß es nicht immer schwierigste Kunstchöre sein müssen, um sich in die Gunst der Zuhörer einzusingen, und hier gelang dies durch die Macht der einfachen Melodie und die wundervolle Wiedergabe derselben. Den Ausklang des Konzerts dlldete der Männerchor mit Orchesterbegleitung „Mer sitzet unter Aepfelbäum". Der burschikose Text und die eigenartige Melodie forderten im Verein mit der gesanglichen Leistung eine Wiederholung, die gern gewährt wurde. Die Solistin, Fräulein Ida Stammler (Gießen), bereicherte mit ihrem umfangreichen Mezzosopran den Abend in bester Weise. Die Darbietungen der Dame, die eine glückliche Auswahl prächttger Lieder brachte, fanden verdientermaßen lebhaften Beifall. Der Dank des Vereins wurde der Sängerin in Gestalt eines Blumenangebindes vom Vorsitzenden noch besonders zum Ausdruck gebracht. Neben dem gesanglichen Teil des Programms bot der Verein seinen Gästen auch noch hervorragende instrumentale Darbietungen der Kapelle ehemaliger Militärmusiker unter der Lei- tung des Pianisten Wilhelm Kren gel, der auch Frl. Stammler in der feinsinnigsten Weise begleitete. Don den Leistungen der Kapelle seien hervorgehoben die große Fantasie aus „Cavalleria rusticana", Czardas aus der Oper „Der Geist des Wojewoden" und nicht zuletzt die Solis für Flöte (Herr Kehrmann: „Gute Nacht, du mein her- ziges Kind"), für Cello (Herr Schröder: „The Broken Melody", „Der Schwan") und die Fantasie für Trompete (Herr Tovp: „Une Perle de Ocean"). Auch bei diesen künstlerischen Gaben erwiesen sich die Hörer sehr beifallsfreudig. Das Pro- gramm war in feiner Gesamtheit recht geschmackvoll zusammengestellt und verdient, mit aller Auszeichnung bedacht zu werden. Der Verein, dem man zu seinem vorzüglich geschulten, reichen und sehr guten Stimmaterial, namentlich auch zu seinem prächtigen Tenor besonders beglückwünschen kann, und ebenso sein Chormeister Meyer haben guten Grund, auf diesen hochstehenden Konzertabend mit voller Genugtuung zurückzublicken. : 2euern, 2. Nov. 3m Saale des Karl Dietrich sprach am Sonntagnachmittag in öffentlicher Versammlung Revisor Hartmann aus Gießen über „Aufwertung von Hypotheken, Sparkassenguthaben, A1 t- besitzanleihen u. bgL“. 3n klarer, verständlicher Weise schilderte er den gegenwärtigen Stand der Aufwertungsmöglichkeiien. Eine nachfolgende Aussprache Harte die Angelegenheit noch genauer auf. Bedauerlicherweise war der überaus lehrreiche Dortrag nur verhältnismäßig schwach besucht. v. Londorf. 1. Aov. DaS Dundesfest des Lahntalsängerbundes, dem zircka 20 Vereine mit mindestens 1000 Sängern trage- hören, wird im Sommer kommenden Jahres in unserem Orte gefeiert werden. Der Gesangverein Frohsinn und mit ihm die gesamte I Bürgerschaft wird alles tun, um den Sängern in unseren gastfreien Mauern schöne und ^angenehme Festtage zu bereiten. ri. L i ch, 2. Aov. Zum erstenmal wieder seit langer Zeit trat gestern die unter Leitung des Lehrers Stein, des Organisten an der hiesigen Marienstiftslirche stehende Chorschule vor die Oefsentlichkeit. Während des Sommers hatte ihre Tätigkeit geruht, weil die Kinder durch Garten- und Feldarbeiten in Anspruch genommen waren, so daß die Chorschule nicht zusammentreten konnte. Da gestern in der Kirche auch der Posaunenchor im Wechsel mit der Orgel mitwirkte, so gestaltete sich der Refor - mationsgottesdienst zu einem erhebenden F e st g o t t e s d i e n st. Er galt zugleich der Jubelfeier des vor 1600 Zähren zuerst entstandenen Aizanischen Glaubensbekenntnisses. ri. Aieder-Bessingen, 3. Aov. Die Studentenhilfe Gießen veranstaltete hier und in benachbarten Dörfern eine Sammlung für d i e Gießener Studentenküche. Nachdem einige Studenten Anmeldungen von Liebesgaben, besonders von Kartoffeln, gesammelt hatten, kamen sie einige Tage nachher mit einem Lastauto, um die Spenden aufzuladen. Die Sammlung war von gutem Erfolg begleitet. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 2. Nov. Der kürzliche Ueberfall auf einen Kraftdroschkenführer auf der Fahrt von Frankfurt nach Friedberg hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Die drei Banditen, der Dad)decker Karl Dang, ein gewisser Hans Herrscher und eine Maria Huß aus Stierstadt, die alle drei erst 19 Jahre alt sind, konnten jetzt festgestellt werden. Der Ueberfall war sorgsam vorbereitet worden, und nur dank besonderer Umstände büßte der überfallene Kraftwagenführer nicht das Leben ein. Das Trio hatte beabfidjtigt, den Chauffeur von hinten zu erschlagen und das Automobil zu rauben. Nach dem Ueberfall hat das Kleeblatt in Bad-Nauheim noch ein M v - torrad gestohlen. Der verhaftete Dang führte einen Revolver und Dumdumgeschosse bei sich. Butzbach, 2.Aov. (WSA.) Wie wir erfahren, wird mit Beginn des kommenden Llahres ein großer Teil des Berwaltungs- apparates dec hiesigen Meguinwerke nach Berlin verlegt. Durch den in Verbindung hiermit bevorstehenden Personalabbau werden viele Beamte, u. a. zahlreiche von auswärts hier zuger-ogene Ingenieure, betroffen. jS)ie Verlegung hängt mit Ber seinerzeit durchgeführten Fusion des Werkes mit der Vamag-Berlin zusammen, die die Meguin in stärkste Anhängigkeit von Berlin bringt. o Butzbach, 2. Aov. Unsere Stadt bleibt, Wohl als einzige hessische Gemeinde, am 15. Ao- vember von der Wahl verschont. Aachdem im vergangenen Jahre hier die Städteordnung eingcführt. mußte damals schon die Aeuwahl der Stadtverordneten erfolgen, die auch für die nächsten vier Jahre im Amt bleiben. E Aiederflvrstadt, 2. Aov. Der Gesangverein Liederkranz veranstaltete heute ein Konzert, das recht zahlreich besucht war. Die Chöre wurden sehr gut gesungen: besonders hervorzuheben sind: „Die Aacht" von Schubert und »Schön Rottraut" von Schumann, die der Gemischte Chor fang, und u .a. „Die Vesper" von Beethoven, gesungen vom Männer- chor. 3n den Pausen spielte ein Hanauer Streichquartett. — Bei Gastwirt Dauernheim hielt Gartenbauinspektor A ent sch von Friedberg einen Vortrag über das Thema: „Wie fördere ich die Fruchtbarkeit des Obstbaumes?" Der Redner gab seinen Zuhörern vortrefflichr Ratschlage. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Ein Obstbauverein wurde wieder gegründet und der Landwirt Friedrich Alt, der bewährte Leiter des früheren. Vereins, wieder zum Vorsitzenden gewählt. Die Teilnehmer an der Versammlung traten dem Vereine bei. Kreis Büdingen. nd. Aidda. 2. Aov. Heute fand hier die Mitgliederversammlung der De - zirkssparkasse Aidda statt. Da der seitherige Direktor der Kasse, Geh. Justizrat R ö m - Held, sein Ami aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, führte dessen Stellvertreter, Rektor Gahert den Vorsitz. Aach dem Geschäftsbericht hat sich die Kasse im letzten Geschäftsjahr recht günstig weiterentwickelt. Die Einnahmen betrugen 3 291 363.81 Mk., der Reingewinn belief sich aus 8473,63 Mk. Die Zahl -der Sparkassebücher über Papiermaik-Einlogen ist noch 6230 Stück: im Laufe des Jahres sind 621 Einlagebücher über Rentenmark-Einlagen ausgestellt worden. An Giro-Konten sind im Laufe des Geschäftsjahres 80 Stück hinzugekommen, so daß diese nun wieder auf 300 Stück gestiegen sind und außerdem 228 Stuck von Papiermarf auf Rentenmark umgestellt wurden. Bei den Wahlen wurde Rektor G a tz e r t mit 28 Stimmen zum Direktor der Kasse gewählt. Oberjustizinspektor Getzger erhielt 18 Stimmen. Der Aufsichtsrat besteht künftig nur noch aus sieben Mitgliedern, statt seither 10. Dessen Vorsitzender, Altbürg-er meister Schneider in Unter-Widdersheim, trat wegen hohen Alters freiwillig zurück, ferner schieden der Altbürgermeister Edelmann in Fauerbach, Lind in Geiß-Aidda und Ockel in Kohden aus. Aeu gewählt wurde Bürgermeister Krug, in Heuchelheim i. d. W. Von den Vorstandsmitgliedern traten Friedrich Reuning II. und Kaufmann Karl Lorz zurück, die übrigen wurden wiedergewählt. △ Aidda, 2. Aov. Gestern abend gegen 1/211 Tlhr wurden die Bewohner unserer Stadt durch Feuerlärm erschreckt. Sn einem Hause in der Gerbergasse war ein Zimmerbrand ausgebrochen. der von jungen Leuten bemerkt worden war. Die in drin Hause wohnenden Familien waren schon zu Bette gegangen und hatten vom Drandausbruch nichts gemerkt. E inW oh n- zimmer brannte ganz aus. Alle Möbel und damit auch ein größerer Geldbetrag der einen Familie fielen dem Feuer zum Opfer. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle und verhütete, die Weiterverbreitung des Feuers, das in dieser engen Gasse recht gefährlich hätte werden können. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht bekannt. △ Bisses, 2. Aov. Schon längere Zeit werden in dem zwischen Horloff- und Aiddatal hinziehenden Markwalde Spuren von Wildschweinen beobachtet. Zedensalls sind die Schwarzkittel aus den Wäldern des Taunus herübergswechselt. 3n Zägerkreisen werden eifrig Vorbereitungen zur Jagd getroffen, denn es ist eine SÄtenheit, bei Treibjagden in hiesigen Wäldern ein solches Stück WiÜ> vor die Flinte zu bekommen. — Für die bevorstehende Ge- ' I meinderatswahl sind drei Wahlvorschläge eingereicht worden. Kreis Schotten. r~! Laubach, 2. Aov. Dieser Tage feierte, körperlich und geistig noch völlig frisch, der hiesige erste Stadtpfarrer, Theodor Aebel, seinen 7 0. Geburtstag. Er wurde geboren in Dr eieichenhain als Sohn des (in Gr- Gerau verstorbenen) Geh. Kirchenrats Aebel: er ist ein Bruder des früheren Präsidenten des Oberlonsistoriums. Sein Großvater und sein Urgroßvater waren beide Professoren der Medizin an der Landesuniversität. Th. Aebel besuchte das Gymnasium in Darmstadt, bezog 1875 die Laichesuniversität und 1878 das Prediger-Seminar in Friedberg. Seine erste Pfarrstelle war Höchst j. O. Von hier wurde er vor drei Jahrzehnten durch den (1900 verstorbenen) ®ra- fen Friedrich zu Solms-Laubach als 1. Stadtpfarrer in Laubach präsentiert. Außerdem wurde ihm der Unterricht in Religion und in der hebräischen Sprache am Gymnasium Fridericianum übertragen. Er ist ein beliebter Seelsorger und ist auch in der Armen- und Kranken- fürsorge eifrig tätig, vornehmlich als Mitglied des Vorstandes des segensreichen „Iohann- Friedrich-Stiftes". Auch der Pftege-der Laubocher Ortsgeschichte gilt sein Interesse. Er hat belangreiche Quellenforschungen auf diesem Gebiete gemacht und hier mancherlei wertvolle Ergebnisse erzielt. Ein besonderes Verdienst hat er sich durch die sorgfältige Sammlung der Laubacher Flurnamen erworben. )—( Ruppertsburg, 2. Nov. Am Freitag fand dahier die Vorführung des berühmten Bethel f i 1 m s statt. Nachmittags um 2 Uhr hatten sich etwa 160 Schulkinder aus Gonterskirchen, Röth- ges, Ruppertsburg und Villingen im Jugendheim versammelt, um durch Wort und Bild sich im Geiste fuhren zu lassen in die größte deutsche Anstalt christlicher Liebestätigkeit zu Bethel. Avends 8 Uhr war den Erwachsenen in der Kirche Gelegenheit geboten, den Film zu sehen. Wenn auch ungefähr 170 Personen erschienen waren, so hätte der Besuch doch noch besser fein dürfen. Zu wahren Feierstunden ge- statteten sich die Vorführungen aus dem Leben und der Arbeit der Anstalten Bodelschwinghs. In fünf prächtigen Films, umrahmt von passenden geistlid)en Gesängen und erläutert durch die schönen Worte des Diakons Stirtz, bekam man einen Einblick in die Stätten, wo wohl die Aerrnften aller Kranken gepflegt und erzogen werden, und lernte, was wahre christliche Liebestätigkeit,' gewurzelt und gestärkt im felsenfesten Glauben, im Dienst der leidenden Menschheit zu tun vermag. Gerührt folgten die Andächtigen den Darbietungen, die über zwei Stunden dauerten. Es wurden 120 Mark eingenommen und für 16 Mk. kleine Schriftchen verkauft. — Kürzlich fand dahier eine öffentliche Verpachtung von Grund st ück en statt, bei der pro Morgen 30 bis 55 Mark Jahrespacht, je nach Güte des Ackerbodens, bezahlt wurden. — Auch in unserer Gemarkung richtet die A ck e r s ch n e ck e großen Schaden an. Verschiedene Aecker mußten zum zweitenmal mit Roggen besät werden. — Seit einigen Tagen ist auch die chemische Fabrik Friedrichs- Hütte bei Ruppertsburg geschlossen. Die Arbeiter wurden bekanntlich vom Arbeitgeberverband ausgesperrt. Kreis Alsfeld. WSN. Alsfeld, 2. Nov. Bei Kanalarbeiten wurden hier Splitter einer eisernen Bombe gefunden, die ein Gewicht von sieben Pfund hatten, und die vermutlich aus der Belagerung der Stadt Alfsfeld im 30jährigen Kriege im Jahre 1644 stammen dürften. Die Funde wurden dem hiesigen Museum überwiesen, das bereits ähnliche Funde aus dieser Zeit, darunter eine vollständige Bombe im Gewicht von einem Zentner, enthält. O Lehrl> ach, 2. Nov. Es ist dankbar zu begrüben, daß unser neuer Lehrer Adami sich bereit erklärt hat, wie sein Vorgänger, Lehrer Stoll, unseren hiesigen Gesangverein „Harmonie" zu leiten. Die Pflege edlen Gesanges ist ein wertvolles Stück Erziehungs- und Volksbildungsarbeit, dem sich in erster Linie der Lehrer eines Dorfes zu widmen berufen ist. Im gemeinsamen Stieben lernt man sich dabei näher kennen und kommt einander näher, und es ist doch für die Erziehungs- arbeit an den Kindern wichtig, daß ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Schule bzw. dem Lehrer und den Elternhäusern besteht. Anzuerkennen ist aud), daß Lehrer Adami den Organistendienst versehen will. Starkenburg. Offenbach, 2. Aov. (WSA.) Am Samstagabend ist in einer Fabrik in der BiSmarck- straße Grotzfeuer ausgebrvchen. Der Dachstock und das Treppenhaus wurden binnen kurzer Zeit eingeäschrrt. Dank dem Eingreifen der Offenbacher Feuerwehr gelang es, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern. Rheinhessen. Mainz, 2. Aov. (WSA.) Auf der L an d- st r a ß e von Mainz-Kostheim nad) Hochheim, direkt bei der Landesgrenze, wurde in der Aacht von Samstag auf Sonntag von Bubenhand ein Drahtseil quer über die Straße gespannt. Ein Motorradler, der in der Dunkelheit die Stelle passierte, stürzte über das Hindernis und wurde verletzt. Die Kostheimer Polizei, die kurz darauf das Hindernis beseitigte, hat Nachforschungen angestellt. Bingerbrück, 2. Aov. (WSA.) Aus dem hiesigen Bahnhof waren vor längerer Zeit zwei schwere Koffer zur Aufbewahrung gegeben worden. Da sich lange niemand zur QU)* nähme einfand, kam der Eijenbahnkriminalbehörde die Sache verdächtig vor und es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Man fand in den Koffern 21 orientalische Teppiche im Werte von etwa 35 000 Mark, die über die belgischeGrcnzenachDeutschlandge* schmuggelt worden sind. Auch in Koblenz konnten zwei weitere Koffer entdeckt werden, die ebenfalls Teppiche enthielten. Vor einigen Tagen erschienen nun hier zwei Türken. um die Koffer abzuholen. Sie wurden verhaftet. Bingen, 2. Aov. (WSA.) Hier ist in letzter Zeit ein Schwindler aufgetreten, der in den Geschäften versuchte, italienische Roten in Zahlung zu geben. Die Aachprüfung ergab, daß es sich um bereits aufgerufenes italienisches Aotgeld aus ber Kriegszeit handelt, das völlig wertlos ist. Vor dem Schwindler, der möglicherweise auch in anderen Orten dasselbe Manöver versuchen dürfte und der geläufig deutsch spricht, wird gewarnt. A1 z e y, 2. Aov. (WSA.) Redakteur Pfund t>om „Alzeyer Beobachter", der kürzlich Pom französischen Militärgericht wegen Veröffentlichung eines Zeitungsartikels zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. ist. nachdem er drei Wochen seiner Strafe verbüßt hatte, aus Grund einer Eingabe aus der Haft entlassen worden. Preußen. Dillkreis. WEN. Dillenburg, 2. Noo. Die hiesige kn« tholische Pfarrkirche ist jetzt wieder im Besitze eines oollständigenGeläutes. Zwei dieser Tage von der Glockengießerei Rinker in Sinn eingetroffene Glocken wurden von Domkapell- meister Hartmann-Frankfurt a. M. einer Prüfung unterzogen und in jeder Hinsicht als einwandfrei erachtet. Frankfurt a. M. und Umhegend. WSN. Frankfurt a. M., 2. Roo. Im abgc- laufenen Vierteljahr sind in Frankfurt a. M. insgesamt 222 Neubauten fertiggestellt worden, darunter 136 reine Wohngebäude. Die Zahl der Wohnungen in diesen Neubauten beträgt 501. Durch Um- und Anbauten sind 41 Wohnungen entstanden. Nach Abzug von Abbrüchen und Verlusten bei Umbauten ist ein Reingewinn von 479 Wohnungen zu verzeichnen. WSR. Frankfurt, 2. Rov. Anläßlich des tödlichen ülnglücksfalles des Rennfahrers Weiß auf der Stadionrennbahn am 25. Oktober, haben der Vorstand der Landes- grupp^ Hessen und Hessen-Vassau des Deutschen Motorradfahrerverbandes und der Wettsahraus- schuß des Veranstalters der Motorradrennen unter Hinzuziehung der beteiligten Fahrer und Augenzeugen eine Llntersuchung der Angelegenheit vorgenommen . Sie sind zu dem Urteil gekommen, daß der Fahrer Schäfer durch u n - vorschriftsmäßiges Fahren gegen die Wettfahrbestimmungen verstoßen habe. Schäfer sei dem Vorstände des D. M V. zur Bestrafung gemeldet worden. Der tödliche Ausgang des Unfalles des Fahrers Weiß sei jedoch auf die fehlerhafte Konstruktion der Dahn- e i n f a s s u n g zurückzuführen, da Weiß durch daS Ausbiegen vor dem gestürzten Schäfer hoch- getragen und durch die unzulängliche Zementmulde der Dahnabsassung nicht abgewehrt wurde, sondern auf die Dahnbande zu laufen kam und erst von der eisernen Einfriedigung aufgefangen wurde. Die Zementmulde müsse deshalb entsprechend erhöht bzw. entsprechend umgeformt werden. — In Gegenwart der staatlichen und städtischen Dehörden hat gestern hier die Grundsteinlegung des neuen Hand- Werkerhauses stattgefunden, das von dem Frankfurter Architekten Paravicini erbaut wird. Die Festrede hielt Stadtrat a. D. Schanz. Für die Regierung sprach Dr. Hartmann, Dezernent für das Handwerk, für die Stadt Frankfurt Stadtrat Dr. Schlotter. — Heute mittag 12 Uhr geriet auf der Mainzerlandstraße ein junges Mädchen unter dte Straßenbahn, wobei ihm der Fuß abgefahren wurde. Wirtschaft. Der Handel an den deutschen Viehmärkten. 3n der vorigen Woche war der Handel an den deutschen Viehmärlten fast ausnahmslos unbefriedigend, vielfach sogar ausgesprochen schlecht. Rur bei Schweinen war — allerdings auch nur ganz vereinzelt — besseres Geschäft festzustellen. Dabei sind die Auftriebsziffern nicht sehr erheblich gestiegen. Die Preise gaben für Rinder, Kälber und Schafe allgemein nach, wahrend sich für Schweine in der Hauptsache kleine Preissteigerungen ergaben. Cs kosteten: Rinder Kälber Schaf« ( Schweine Berlin 15—52 38—95 24-40 83—99 Bremen 23—52 40—95 30—55 75-88 Breslau 16-54 50-75 25-52 75-94 Chemnitz 20—58 60—90 20—50 75—96 Dortmund 20—55 50—100 28-50 76—88 Dresden 20—59 52—86 25-55 75-104 Düsseldorf 20—61 60—95 40-45 78-92 Elberfeld 20—58 60-95 30—55 80—94 Essen 26—58 50—110 26—50 76-90 Frankfurt a. M. 15—62 45—86 20-50 70—91 Hamburg 12-57 30-98 22-52 76-95 Hannover Husum 15—54 20-55 30-90 20-50 37-47 75-88 Karlsruhe 20—60 80-85 35—45 80—92 Kassel 20-58 50-68 29—34 68—83 Kiel 14-54 27—82 24—52 52-87 Köln 18—60 33-95 34-48 76—92 Leipzig 20—57 35—72 20-»-57 80—96 Magdeburg 15—56 30-70 15—42 76—95 Mannheim München 17—57 18—64 40-84 65—90 26-38 72—92 66-92 Stettin 10-53 35—90 15—50 80-97 Stuttgart 12—57 63-89 12-41 71—93 Zwickau 20-54 55—80 25—48 78—97 • Erhebliche Steigerung der Kon- kursziffeö imOktober. Da die Verfügung der Geschäftsaufsicht nur noch in seltenen Aus- nahmefällen erfolgt, ist es nicht erstaunlich, daß die Konkursziffern sich in steigender Richtung bewegen. Es sind, nach einer Zusammenstellung der Finanzzeitschrift „Die Dank", im Oktober 1152 Konkurse gegen 896 im September und 725 im August eröffnet worden. Die Zunahme im Oktober ist immerhin so groß, daß sie mit dem Wegfall der Geschäftsaufsicht allein nicht erklärt werden kann, sondern als Ausdruck der verstärkten Krisis gewertet werden muß. " Zahlungsschwierigkeiten im be - nachbarten Getreide handel. Dei der altbekannten Getreideimportfirma Ferd. Baer in F r a n k f u r t a. M. ist eine Zahlungsstockung eingetreten. Dem Vernehmen nach soll dieses bisher in großem Umfange arbeitende und in weiten Kreisen des Fachhandels bekannte Haus einer stillen Liquidation zugeführt werden, wozu die Unterstützung der Gläubiger benötigt wird. — Die Getreidehandelsfirma 3ean Heymann in Gelnhausen hat in diesen Tagen ebenfalls ihre Zahlungen cingelellt. • Kabelwerk Rheydt A.-G., Rheydt. Die ordentliche Hauptversammlung, in der 5 243 000 Reichsmark Stamm- und 60000 Reichsmark Vorzugsaktien vertreten waren, genehmigte den Abschluß und setzte die Dividende auf 15 Prozent fest. Die Verwaltung machte darauf aufmerksam, daß man in diesem Jahre den zwanzigfachen Steuerbetrag von 1914 habe zahlen müssen. Das Werk sei außerordentlich befriedigend beschäftigt, obwohl sich im Herbst gewöhnlich ein Nachlassen der Aufträge tn der Branche zeige. Wenn man auch nicht glaube, im neuen Iahre, wie im abgelaufenen, wieder in Tag- und Nachtschicht beschäftigt zu sein, so hoffe die Verwaltung, wenn leine besonderen Umstände eintreten, auch im neuen Geschäftsjahr wieder ein befriedigendes Ergebnis vorlegen zu können. * D ie Lage bei der Aga. Don der Verwaltung der Aga nahestehender Seite hört das WTB., daß auch dort die Situation des Werks nach dem negativen Ausgang der Verhandlungen mit den stützenden Danken des Stinneskonzern« als sehr ernst angesehen wird. Allerdings besteht, abgesehen von der durch die Ablehnung der Danken hervorgerufenen finanziellen S ation im Augenblick kein Grund zu weiteren Detriebseinschränkungen. Die Produktion wurde so gestaltet, daß sie sich den momentanen Absatzverhältnissen jederzeit anpaßt. Sie betrug diesen Monat 178 Wagen. Der Verkauf besserte sich gegenüber dem Vormonat leicht. Der Betrieb wurde auf das Lichtenberger Werk konzentriert. In Tempelhof befindet sich nur noch die Reparaturabteilung und der Erfahteilverkauf. Lieber die Verwertung der Lempelhoser Anlagen werden gegenwärtig mit ausländische Auro- mobilinteressenten Verhandlungen geführt. Die Mittel zur Fortführung des Betriebs und zur Beschaffung der zur Fertigstellung der Wagen erforderlichen Materialien wurden aus dem Cb erlauf glatt aufgebracht. Die Arbeiten auf dem Gebiete der Rationalisierung wurden auch während der Zeit der Geschäftsaufsicht gefördert. * Abbau der Stinnes-Interessen in O e st e r r ei ch. Wie dem DHD. aus Wien gemeldet wird, sind Verhandlungen über die Aenderunq des Wiener Interessenkreises des Hauses Sannes am Freitag abgeschlossen worden. Don dem Geschäftsumfange der Wiener Hugo Etinnes A.-G. werden das Kohlen-, Roheisen-, landwirtschaftliche Maschinen- und das Oel- geschäft ausgeschieden und in zwei Gesellschaften übergeleitet, in denen der Industrielle Dr. R e t - t e r aus Ludwigshafen maßgebenden Einfluß haben wird. Es dürften aber noch weitere Beteiligungen namhafter deutscher Industrieller folgen. Die Geschäftsführung übernimmt der bisherige Bevollmächtigte des Hauses Hugo Stinnes, Direktor Hans Busch. Für diese neue Unternehmung wird vorläufig die Form einer G. m.b. H. gewählt, für spätere Zeit ist die Errichtung einer Aktiengesellschaft geplant. Die Wiener Stinnes A.-G. wird vorwufig ihre Beteiligung bei den Eisenhandelssirmen Szallay und Iuhosz beibehalten, sofern die lOOprozentige Beteiligung bei der Häusergesellschaft Stella, der Gesellschaft Krema und der Montana Romana bestehen bleibt. Wie verlautet, dürsten diese Interessen ebenfalls schrittweise abgestellt werden, so daß in absehbarer Zeit mit der endlichen Liquidierung der Wiener Hugo Stinnes A.-G. zu rechnen ist. * Katastrophale Verschlechterung des Valutenvorrates der Bank Pol- s l i. In der zweiten Oktoberdekade hat sich die Lage der Bank Polski, nach dem Rechnungsausweis vom 20. Oktober, katastrophal verschlechtert. Der Retto-Devisen- und Dalutenvorrat, der am 10. Oktober 21,6 Millionen Zloty betrug, ist um 12 Millionen zurückgegangen und betrug am 20. Oktober nur noch 9,6 Millionen Zloty. Der Goldvorrat hat sich um 45 Millionen Zloty erhöht, das Wechselportefeuille verringerte sich um weitere 5 Millionen auf 281,8 Millionen, die Lombarddarlehen verringerten sich von 24,1 auf 20,2 Millionen, die Girorechnungen fielen von 111,6 auf 105,6 Millionen. Der Banknvten- umlauf betrug am 20. Oktober 371,4 Millionen und der Kleingeldumlauf 307 Millionen Zloty. Börsenkurse. Datum: 5®/o Deutsche RcichSanleibe • 4% Deutsche ReichSan leihe . 3'm®/. Deutsche RrichSanleihe 8% Deutsche ReichLanlethe . Deutsche Lvarorkmienanlclhe 4°/e Preußische flonfdlS . . . 4% Hessen ...... 2'///, Hessen 3% Hessen ... Deutsche Wertd. Dollar-Lnl. dto. Doll.-Schatz-Antreilng.') 4°/e Zolltürken 5% Goldmerikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commers« und Prtvat-Bank Tonnst, und Nalionalbcmk . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank .... DiSconto Commandit Metallbau?.......... Mitteldeutsche Crcditbank. . Oesterreichische Trrditanstalt. Weltbank ....... . Lochumer Guß ....... BodcruS * Caro .......... > Dcutsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke. . aener Bergbau verke Aschertlebrn...» Kaliwerk Westeregeln. .... Laurahütte - . . Cbcrbebarf Phönix Bergbau Rhcinitahl ....... Niebeck Montan TelloS Bergbau ifranffurt a.M. Berlin Schlvv- Klirr Schluß^ Ubenö. jfrrle Wu». f.nt» Mittag tSrh 31.11 2 11. 31. 10. 2 11, 0 22 0 216 0.222.3 >.2175 — * 0 285 0 2775 0.245 0.25 0,2725 0.4473 0.265 0.415 0,4 0,44 0,144 — 0,142 0,13 0,24 0.25 i,z575 2.2325 — 0,22 0 25 0.25 — 0 -11 0,23 — • 0.22 0.17 90.25 90.25 97,1 91.75 91 75 97,1 97.4 97.4 7 23 7.325 7.3 7.4 44.25 44,25 1?2.5* 133,2* 132.7* i)4* 94* 95* 103,5* 104* 104* (03.7* — w 104.4* 105,2* 104,4* 68 65.5 - - 1 '3* 102.4* 102,5* (02,7* 76,5 76 5 — ' 6 ft 6 8 6,9 6.1 0.03 0.03 — — • [69,75» 70.62* 39,2 30,75 40 40 1 37,5* 37.5* 36.8’ 68.25* 68,5* 17.75* 69.62* — ■ 77,.» 77 5» —_ * 102,5» 10i.9» 103* 107 5 106,75 .08,13 107,5 410 112 110.75 111.5 35.25 -4.7.5 35,5 35 46.5* 45 5* _" 47* — 08,5* 70» 69.5* 55 56,4’ 56,5 50.62» (8,5 67,13 68 L 68 47 48 Hamburg-Amerika Paket. . . I .Norddeutscher Llolld . . . . | Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilivv Holzmann ..... Snglo-Eout.-Guauo . . .». Badische Arriltn Tbemische Maver Slapdi . . Goldschmidt Gri-2beimer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung....... NütgerSwcrke Scheideanstalt ...... Allg. Elektrtsftätr-Gesellschaft Bergmann ....... Mainkrastwerke ...... Schocken . . . , Siemens & HalSke ..... Adlerwerke flieget ..... Daimler Motoren . Henligenstaedt..... Meguin...... ..... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . , Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell chaft Frankfurt. Pet. Union Schuh'abrtk Herz Sichel. . Zellstoff Daldbof..... . Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Vagbäulel . . . 271 95 55 I 25, 2.62, 80 25! 54.8 49 27,9 2..3 30 25,5 55 25 2.25 80.5 50,5 I 68» 171.62* 49,25 <5.5 119.5* I | 118* 62' 65.5' 82.4' 28 27 1.5 79 75 57.5 50 Frankfurter Abendbörse Frankfurt a. M.. 2. Rov. Die Abenb- börfe hatte bei nahezu völliger Umfahtäti^eit gehaltene Kurse. Sproz. Reichsanleihe wurden im freien Derlehr zu 0,216 genannt. ®ie Abendbörse schloß bei behaupteter Haltung geschäfts- los. Deutsche Anleihen: SchutzgebietSanleihe 4,900. Bankaktien: Commerzbank 94, Darmstädter Bank Medio 104. Deutsch? Dank 104.50, Dresdner Dank 100, Mitteldeutsche Creditbank 89,50, Oesterreichische KrÄütaktien 6,75. Mcmtanakl'en: Rom- bacher 28,25. Chemische Aktien: Th. Goldschmidt 60, Höchster Farbwerke 117,50. Schissahrtsakticn: Rordd. Lloyd Medio 71. Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer 27,75, Aschaffenburger Zellstoff 48, Elektrisch Licht und Kraft 91,75, Spinnerei Ham- mersen 99,87, Lahmeyer Medio 76,50, Schuckert 65,50. Berliner Dorfe. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 2. Olt. Der heutige Markt stand, wie dies bei Wochenbeginn feit einiger Zeit üblich ist, unter dem Zeichen einer kaum noch zu übertreffenden G e s ch ä f t s st i l l e. Der Or- derseingang war minimal, und allgemein legte man sich größte Zurückhaltung auf. Besondere Anregungen lagen zur Zeit nicht vor, wenn man von dem deutsch-italienischen Handelsvertrag absieht, dessen Einzelheiten aber noch nicht bekannt sind. Auf der anderen Seite lösten dagegen die Meldungen über weitere De rschlech- tcrung der ArbeitsMarktlage in den maßgebenden deutschen Wirtschaftszentren eine stärkere Verstimmung aus. ebenso die Zunahme der Konkurse im Monat Oktober um 20 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Börse neigte daher zu Rückgängen. Eine weitere Unsicherheit wurde dadurch in das Geschäft getragen, daß heute weitere 22 Papiere zum Terminhandel per Medio Rovember zugelallen werden. Am Geldmärkte hörte man für tägliches Geld 10 bis 12 Prozent, Monatsgeld 10 bis 11 Vs Prozent. Am Sebifenmarlt waren keine nennenswerten Veränderungen zu verzeichnen. Die Reichsmark notierte in London 20,34, Amsterdam 59,17. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 31 Oktbr- 2. Novbr. Amtliche Notierung Amlliche Dotierung (Selb Briet «t(b Briei Amft-Noii (68.79 IM,21 168,80 1 M.2-2 Buen.-vircs 1.724 1.128 1.726 1.730 Brss.-Hntw. 19,02 19,06 19 02 10,06 CljrifHania. >2,74 85,96 85,59 85,69 fl open (tagen 101,02 103,28 104.95 (03,21 Stockholm . HellingsorS. 112,29 112.57 113,24 112,52 10.55 10.59 10 555 10,59.. Italien. . . London. . 16.605 16,64> 30,374 16.60 16.44 20,321 20,321 20.311 Wem)ort . . 4.103 4,2)5 4.195 4.20' Paris... 17.6-2 17/6 17,6(1 17,70 Schwei; . . 80,81 dl,04 80 80 81,00 Spanien. . 60.07 60.23 60.0? 00,63 Japan . . . 1,734 1,738 1.743 1.747 »io de Jan. 0.628 0.630 0 628 J.630 Wien tn D-. Ceft. abgest 59,12 60,*20 69,13 69,^7 Prag .... Belgrad . . 12.42 12,46 12.425 12,465 7.41 7,45 7.43 7,45 Audapeft. . Bulaarien. Lissabon . 5,88 0,90 6,845 5,85 8,035 21.175 3.015 -0,225 3,0:15 ZI 175 3,045 21,225 Danftg. . . Konstantin. 80.63 80.80 80,59 80.79 2,865 2,375 2,165 2,375 Athen. . . 5 54 5.56 5.54 5.56 Canada. . . 4.197 4.207 4,197 4,207 Uruguay. . 4,255 4,26 > 4,255 4.265 Berlin, 2. Novbr (Selb Brief Amerikanische Noten ..... 4.176 4.198 RelßisHe 97ctert ...... 18,66 19,06 11)5,23 20,3.8 17,71 169,25 1 >,68 85.81 69,27 Tänileje Noten . ....... 1'14,71 EnglisLr Rote«........ Franiostsche Notea...... HollLndische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Demsch.Oesterr., 5100 Arenen 20,28 17,63 168,41 16,60 85,39 58,97 Rllmönii'che Noten...... — — Schwedische Noten ..... 111.99 112,65 Schweizer Norm....... 80,60 81,60 Svonische Noten....... 59.85 >0.L> Tschechoslowakische Noten . . 12.685 12,4» Ungarische Noten....... 5,83 5.87 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23,50, Roggen, inländischer 17,25, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 24, Hafer, inländischer 19 bis 21, Mais, gelb 18,50 bis 18,75, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 37,50 bis 38, Roggenmehl 24,75 bis 25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10,25 bis 10,50, Erbsen 30 bis 36, Linsen 40 bis 70, Heu, süddeutsches, gut, trocken 9,50, Weizen- und Roggenstroh 5, Treber, getrocknet 18 bis 18,50. Tendenz: Abgeschwächt. Amtliche Notierungen für Speisekartoffeln hiesiger Gegend: Industrie 2,60 bis 2,70, weißschalige 2,20. Tendenz: Ruhig. Frankfurter SHlachtbkehviarkt. Frankfurt a. M., 2. Rov. Auftrieb: 1032 Stück Rinder, darunter 244 Ochsen, 39 Dullen, 749 Färsen und Kühe: 406 Kälber, 345 Schafe, 3634 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Rinder: Ochsen: Dollfleischl^r ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 58 bis 6o, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ällere ausgemästete 48 bis 57, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 40 bis 47; Bullen: Vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 52 bis 58. vollst, jüngere 43 bis 50; Färsen und Kühe: Bollfl. auSqemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 56 bis 63. vollfl. ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Iahren 50 bis 58, wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 55, ältere ausgemästete Kühr und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 49, mäßig genährte Kühe und Färsen 26 bis 38, gering genährte Kühe und Färsen 16 bis 25. Kälber: Feinste Mastkälber 75 bis 82, mittlere Mast- und beste Saugkälber 65 bis 74. geringere Mast -und gute Saugkälber 58 bis 64. geringe Saugkälber 50 bis 55. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48 bis 52. geringere Masthämmel und Schafe 38 bis 45, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 25 bis 33. Schweine: Dollfl. von 80 bis 100 Kg. 91 bis 93, unter 80 Kg. 86 bis 90, von 100 bis 120 Kg. 92 biß 95, von 120 bis 150 Kg und Fettschweine über 150 Kg. 92 bis 94, unreine Sauen und geschnittene Eber 76 bis 87 Mk. Markiverlauk: Bei Rindern ruhiger Handel, bei Kleinvieh lebhaft, bei Schweinen nach lebhaftem Geschäft Abflauen, Schweine nicht ganz ausverkauft. Derllner Produktenbörse. Berlin, 2. Rov. Der Produktenmarkt hatte anfangs behauptete Tendenz, fväter aber nachgebend. Heute wurden die Rotierungen pro Mai ausgenommen. Es notierten pro 1000 Kg.: Weizen «mark.) 215 bis 218, Weizen (Dezember) 233 bis 233.50, Weizen (März) 238 bis 236 bis 237, Roggen (märt) 142 bis 145, Roggen (Dezember) 164-50 bis 163.50, Roggen (März) 174.50 bis 173.50. Roggen (Mai) 178, Gerste (märk.) 188 bis 212, Futtergerste 150 bis 162, Hafer (mäti.) 162 bis 172, Hafer (Dezember) 181, Hafer (März) 186; für je 100 Kg.: Weizenmehl 26.75 biL 30.75. Rvggenmehl 20.75 bis 23. Weizenklcie 11.20 bis 11.30, Roggenkleie 9 bis 9.30. Diktoriaerbfen 26 bis 32, kleine Speise- erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 19 bis 22, Peluschken 18 bis 19. Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 25, Lupinen (blau) 12 bis 12.50, Rapskuchen 14.20 bis 14.30, Leinkuchen 21.30 bis 21.40, Trockenschnihel 8.30, Torfmelasse 9.40 bis 9.50, Karto'lclllocken 13.10 bis 13.50, Soya-Schrot 20.20 bis 20.50. Turnen, Sport und Spiel. Das grohe Berliner Herbstturnier. Der Gelünberttt für ländlich« Reitervereiae. der am Freitag ausgewogen wurde, hatte folgendes Ergebnis: 1. Graunkes Liselotte «Pommern); 2 W. Westphals Rönne VI (Holstein?); 3. GerthS „Wildling" «Hannover); 4. Boes „Wandervogel" (Holstein). Die acht ersten legten den Ritt ohne Fehler zurück. Sie Ergebnisse des ersten TageS in der Autohatte. Materialprüfung für Reitpferde. Oien lingSfl affe: Leichte Pferde: 1. Tattersall Dennanns Gladiator; 2. Tattersall Dermanns Manus. Mittlere Pferde: 1. Prinz Fr. Sigismunds Cis; 2. Stall Westens Cherubim Schwere Pferde: 1. Wilh. Liedtkes InvictuS; 2. Leopold Weigands Kobold. Einspänner (Eignungsprüfung für Wagenpferde): Bis 1.60 Meter Bandmaß groß: 1. Reit- und Fahrschule Elmshorn- Pampa; 2. Desselben Holfat. Ueber 1,68 Meter Bandmaß groß: 1. Wolsf-Wietzos Rorm; 2. Desselben Dämon. Dressurprüfung für Reitpferde der Klasse L: 1. O. Leidloffs Sultan; 2. Tattersall Bermamrs Bolt. G ruppe n spr i ng e n, paarweise zu reiten: 1. Prinz Fr. Sigismund und Gräfin Almassy; 2. Graf und Gräfin W. Hohenau. Eignungsprüfung für Damen- pserde, welche an solchen Prüfungen schon tell- genommen, aber noch nicht gesiegt haben: Leichte Pferde: Major Gottschalks Abeick>sonne; 2. Frhr. v. Schierstedts Herz-Bube. Schwere Pferde: Pferde: 1. Zeilers Decan; 2. Fr. Reichmanns Melona II. Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 3. Rovember. 4,30 bis 6 Uhr: Rachmittagskonzert des Haas- Orchesters: Tschaikvwky ({• 6. Rovember 1893). 6 bis 7 Uhr: Die Stunde der Iugend. Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan. Dollrad und Ilse, eine Geschichte aus der Zeit nach der Römerschlacht im Teutoburger Walde. (Für Kinder vom 10. Jahre ab.) 7 bis 7,30 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für alle Systeme (Diktat von 150 Silben ab aufwärts). 7,30 Uhr: Uebertragung von Hamburg (Aufführung der „Rvrag"). „Götz von Derlichingen mit der eisernen Hand". «Sin Schauspiel von Goethe. Büchertisch. — 21 ei ne Fresse! Eine Ladung Frontwitze. Herausaegeben von Sigmund Graff. Mit einer Titelzeichnung u. zahlreichen Illustrationen von Karl Prühäußer. Mit einem Anhang enthaltend das berühmte .Lied vom „Etappenschwein" und dessen Antwort. (Preis 2 Mk., Eulen- spiegel-Derlag, Leipzig, Talstr.2/3.) Köstlich« Laune in Wort und Bild zeichnet diese auch kulturhistorisch hodjbebeutjamc Sammlung aus, die den unverfälschten Humor der Front in allen seinen Spielarten und Wesenszügen aufs glücklichste erfaßt hat, und von dem bekannten ,Iugend"-Mitarbeiter Karl Prühäußer mit „überwältigenden" Karikaturen geschmückt wurde. 636 — „Klang e". Gedichte von August Kruhm. Verlag W. Stromer & Co., Frankfurt a. M. Ein schmales Bändchen Gedichte, vornehm ausgestattet, mit einer Radierung von Fried Stern versehen, vermittelt besten Eindruck von dem dichterischen Wollen eines jungen Frankfurter Autors. 627 — E. Sellin, Einleitung in das Alte Testament. 4., neu bearbeitete Auflage. Leipzig, Quelle & Meyer. Diese „Einleitung" in die Entstehung des Alten Testaments und feine einzelnen Schriften hat die große Verbreitung, die sie gewonnen hat, bestimmten Vorgängen zu danken: ihrer großen Knappheit, Uebersichtlickkelt, sowie der Zuverlässigkeit in Darstellung uno Urteil. Sie zeigt, wie heutzutage die konservativere Strömung in der alttestamenllichen Wissenschaft di« Probleme ansiebt. In der neuen Auflage sind besonders die Abschnitte über die großen Propheten, Psalmen und Sprüche neu durchgearbeitet worden, aber auch sonst ist die neue Forstung sorgfältig beachtet. Zur Orientierung auch für nichttheologische Interessenten ist dos Büchlein gut zu brauchen. 567 — Professor Dr. Heinrich Herne r: D i e Fabrik in Wirtschaft und Technik. Wissenschaft und Bildung Nr. 215. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. — Wir alle wissen heute, von welcher ausschlaggebenden Bedeutung die Organisation eines Fabrikbetriebes für feine Rentabilität ist. Das Taylorsystem ist ihr höchster Ausdruck. Aber immer noch gibt es eine Menge, insbesondere kleinerer Betriebe, die sich um diese Dinge nicht kümmern zu müssen meinen. Sie alle sollten zu diesem lehrreichen Buche eines erfahrenen Praktikers greifen. Schematische Zeichnungen. Muster für Kartotheken usw. erleichtern das Verständnis und sind für die Praxis besonders wertvoll. 562 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) gum Lohnkampf in der chemischen Industrie. TB. 5. K. Frankfurt a. 2TL, 2. Nov. Wie wir hören, hat das R «l ch s a r b e i k s m ln ifl«- rium die streitenden Parteien der chemischen Industrie auf Donnerstag, 5. November, zu einer Aussprache nach Berlin eingeladen. Für Biervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Bpeztelkuranitilt Hob beim !. Tauen bei Frankfurt a M Behagl. eingerichtet. vormJaliehe Verpflegung (auch Diät-Kuren). Mäßige Preise Prospekt durch Dr. H. Schulze - Kahley«», Nervenarzt Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 53. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Im Juli brach ein Ausstand aus. Als Engelhardt, der immer schlecht schlief, den Morgen hereinbrechen sah und den Klang der Hämmer, das Knarren der Winden, das Keuchen der Bagger nicht hörte, wußte er nicht, ob die Welt stillstand, otfer ob er selbst ihr entrückt worden sei. Dann sah er die braunen Männer mit den bunten Schärpen müßig um ihre Kantinen stehen und die Lokomotiven den Dampf abblasen. Den ganzen Tag fehlte ihm etwas. Gegen Abend ging er hinaus. Die Helme von zwei Gendarmen blinkten. Aber die Arbeiter faßen friedlich auf den Baumstämmen und qualmten billige Schweizer Zigarren. Er stieg zum Rhein hinunter. Das Bad war schon verschwunden. Ein Betonklotz ragte aus der Tiefe. Der Trockendamm stieß die Strömung nach den, anderen Ufer. Riesig erschien das Gerüst für das Stauwehr, und Engelhardt sah mit Staunen, wie tief sich die Bagger in die Ufer gefressen hatten. Als am andern Morgen die Arbeit wieder ausgenommen wurde, atmete er auf, so hatte er sich an ihren dröhnenden Gesang gewöhnt. Bon Hanns Ingold sahen sie wenig, nur manchmal seine Silhouette, wenn er die Arbeiten am Ufer überwachte. / Am 22. Juli räumten sie den ganzen Ostflügel des Hauses. Nun blieben noch vier Stuben und der Turm mit seinem unbewohnten Gelaß. Der Verkauf war vollzogen. Dr. Engelhardts Sanatorium hatte aufgehört zu bestehen. Ingenieure zogen ein, im Refektorium stand das Modell der Turbinenanlage. Im Lazarettraum lagen drei Arbeiter, einer mit einer ungeheuren Knieschwellung, zwei mit offenen Wunden. „Ich will mir den Burschen mit dem Elefantenbein einmal ansehen. Meinst du. das geht?" fragte Engelhardt seine Tochter. „Sie werden sich sogar freuen. Warum praktizierst du eigentlich nicht? Das wäre ja prächtig!" „Alles Messer- und Nadelarbeit," antwortete er grob, aber er ging hin und half dem Kranken zu einer Packung und Salizyl. Fortan ging er täglich zu den Kranken, und dann holten sie ihn in einem Notfall ins Jtaliener- dorf, und er ging willig. „Napoli" hatte der Volksmund die Ansiedlung getauft, und die Arbeiter selbst nannten sie nicht mehr anders. Frauen und Mädchen bewegten sich mit südlicher Unbefangenheit zwischen den Baracken, und Engelhardt stand lange vor- dem Pritschenbett, auf dem das blutjunge schwarzhaarige Ding mit der klaren braunen Haut in schlimmen Wehen lag. Er schickte eine Frau mit einem Zettel an den Kollegen in Rheinau und zur Hebamme, blieb solange am Bett sitzen, versuchte die Leidende mit lateinischen Brocken zu trösten, die er ins Italienische umbog, und ging erst, als die wahre Hilfe eintraf. Auf dem Rückweg hielt ihn ein Arbeiter an und drang mit heftigen Fragen auf ihn ein, zwei andere schrien dazwischen. Hanns Ingold, der gerade vorbeiging, rief ihnen ein paar Worte zu, sie antworteten mit einem ganzen Schwall und kehrten zu ihrer Arbeit zurück. Ingold zog den Hut und ging weiter. Sein Gesicht war noch schärfer modelliert, die Schultern schienen breiter, wie geeignet zum Tragen der ungeheuren Verantwortung, die auf ihnen lag. Er hatte keinen anderen Gedanken mehr als den Bau seines Werkes. Die Verlobung Ruths mit Gerhart war ohne Eindruck auf ihn geblieben. Er hatte nur rasch daraus den für sein Werk wichtigen Schluß gezogen, daß Lylander nun auch durch andere Fäden als rein materielle mit dem Kraftwerk am Lauffen verbunden sei. Alles andere war aus seinem Empfinden und seinem Gedächtnis getilgt, verzehrt von dem in unendlicher Glut wirkenden Gedanken an sein Werk. Der Rhein war nicht mehr der Rhein, der Grund nicht mehr Heimaterde, die Arbeiter nicht mehr Menschen, alles war nur noch Sache, eigene Gestalt hatte nur noch der Bau, der ingewaltigen Wehen aus der Erde und dem Felsenbett des Stromes gehoben wurde. Ingold trat ins Bureau. Durch die dünnen Backsteinwände drang die Sommerglut. Das Hämmern und Pochen der Maschinen erfüllte die leeren Räume mit dumpfem Getöse. Er ging in fein Privatzimmer und riß die weihe Arbeitskutte vom Nagel. Tief bückte er sich über den Plan. Seit Hermann ihm geschrieben hatte, war die innere Hemmung überwunden, und obwohl er dem leidenschaftlichen Brief, in dem der Bruder die Partei des Vaters nahm, keine große Bedeutung beimaß, war er doch getrieben worden, die Sache einmal anders anzupacken. Er arbeitete bis tief in die Nacht. Still und dunkel lag das große Arbeitsfeld, als er das Fenster aufriß und sich hinauslehnte. Gigantisch ragten die Gerüste; durch die eisernen Gittertürme, die die Drahtrollen trugen, rann das Mondsilber. Und plötzlich hörte er den Lauffen rauschen, und dann sah er den Schattenriß des Klosters St. Joseph aus- dem Dämmern der Sommernacht tauchen. Vom spätblühenden Holunder strömte herber Duft. Er hatte eine neue Lösung gefunden. Das Haus des Vaters konnte stehen bleiben, wenn er den Untergrund durch einen Zementklotz verstärkte und der Strömung durch Versenkung von betonierten Steinmassen glatte Bahn schuf. Es war eine Ausgabe von 25—30 000 Mark. Für die Gesellschaft war es hinausgeworfenes Geld. Das Werk gewann nichts durch die Variante, die, technisch genommen, feine Verbesserung darstellte. Aber er hatte seine Freude daran, und der ganze Plan schien ihm gewonnen zu haben, seit er dem alten Mann das Haus gerettet hatte. Am frühen Morgen ging er zum kaufmännischen Direktor nach Rheinau und erklärte sich bereit, die Kosten auf fein Konto zu übernehmen. „Und wenn Ihr Vater stirbt, steht das Haus auf seinem Sockel am Wasser wie ein Mausoleum. Wollen Sie Ihrem alten Herrn nicht lieber die 30 000 Mark über den Enteignungspreis hinaus anbieten lassen? Er wird doch nicht so verrannt sein, auch das abzulehnen. Er hat doch Kinder." „Kinder? Ja, der Lorenz nähme das Geld, der nähme 11000 und dünkte sich König. Der Junge, der Hermann, nimmt nichts, der ist jetzt in dem Alter und in der Fassung, wo man Welten verschenkt. Und mein Vater, der bleibt in seinem alten Haus, und wenn wir ihm das Gold zu Haufen schütten. Geben Sie nur die Variante beim Bezirksamt ein, in acht Tagen kann die Genehmigung da fein." Es war einer jener Sommertage, an denen bk Sonne mit soerminderter Kraft schien, um an Abend plötzlich mit blendender Strahlenfülle aus dem Gewölk zu brechen. Hanns Ingold ließ die Karte in den Briefkasten fallen, auf der er Hermann kurz und kühl getrieben hatte, daß eine Aenderung des Planes es möglich mache, das Haus am Lauffen zu erhalten. Dann ging er durch das enge, vorn Verkehr brausende Städtchen zur Brücke. Sie stand noch, aber ihre Tage waren gezählt. Sobald der Lauffen gesprengt war, wurde auch sie abgetragen und die Pfeiler gesprengt, an denen jetzt noch das Wasser geflaut aufschäumte. Er blickte auf das Elternhaus hinunter. Das. grünbemofte Dach glänzte wie ein Smaragd in der Abendsonne, die von Westen her das Strombett füllte und den Rhein bis in die Tiefe durchglühte. Die Warntafel am Fischersteg war sogar von hier oben sichtbar. Der Saumweg war schon seit Tagen gesperrt, denn nun hatten die Sprengungen am Ausgang der Enge begonnen, um von dort aus allmählich bis zur Brücke hinaufgerückt zu werden. Die Arbeiten zur Verstärkung des Hauses mußten unver- weilt angegriffen werden. Als er noch einmal hinunterblickt^ -stch er den Vater im Gärtlein. .Hastig wandte er sich ab und ging über die Brücke auf das andere Ufer, wo die Feldbahn schon drei Kilometer weit stromabwärts bis zum Profil der Kammerschleuse ausgebaut und in Betrieb war. Er stieg auf die Lokomotive des Leerzuges und verlor den Lauffen rasch aus dem Gesicht. Ruth hatte ihn noch aus dem Brückenschatten ins Freie treten sehen. Sie war mit Frau Tylander, die asthmatisch war, sehr langsam gegangen, und so kamen die Damen erst jetzt auf der Brücke an. Die Kommerzienrötin blickte etwas gelangweilt auf das Bild und hielt sich von der Brüstung fern, denn ihr schwindelte bei fließendem Wasser. Sie war im Automobil von St. Blasien gekommen und war angenehm überascht gewesen, in Ruth eine Dame von Haltung und einer ihr weit überlegenen Bildung zu finden. Eigentlich hatte sie sich das Mädchen immer als halbe Krankenschwester dop gestellt. (Sortfefiuna lolgt) Filiale in I f Pfund Kaiser’s Kaffee & i-ji - Wir empfehlen: Z o Kaisers Kaffee, erlesenste Mischungen das Pfd. RM. 2.40 2.60 2.80 3.00 3.40 3.80 4.00 4.20 4.40 4.60 Kaiser’s Tee, wohlschmeckend u. fein aromatisch das Pfd. RM. 4.00 - 4.60 - 5.20 - 6.00 - 7.00 - 8.00. Kaiser s hochfeine Schokolade, Pralinen, Napolitains, Kakao, Bonbons, Knuspergebäck etc. Gießen Kirchenplatz 12 Eine praktische Kaffeedose (Altsilber-Imitation) eine Zierde für jede Küche bei Einkauf von Eane Kostprobe der 5 feinsten Marken Kaiser’s Schokolade bei Einkauf für Mk. 1-— (Zucker ausgeschlossen.) /* URATIS-ZUGABEN in unseren oben bezeichneben Filialen vom 29' Oktober - 7. November. 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