Nr.M Lrfter Trscheinl tägüch, autzer Sonn- und Feiertags Beilagen: GießenerFamilienblLtter Heimat im Bild Monals-Vezngrpreit: 2 Oolbmarh u 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech-Anschlüsse: schriftleilung 112, Per- lagundGeschästsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzefgerGietzeit. Postscheckkonto: granffurt a. M. 11686. Blati IZ5. Jahrgang Montag, 3. August 1925 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Vberhefsen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Stcinörudcret R. Lange in 'Liehen. Zchriftlettung und Sefchäftrttelle: Zchulftrahe 7. annu^mc von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne ledeDerdindlichKeit. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite ortlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen d 7O.i.m Breite 35 Goldpfennig, Olahvorschrift2ü° ,Aus- chlag. - Verantwortlich ur Politik u. Feuilleton: Dr Friede. Wilh Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Diumschein; fürben Anzeigenteil: HansDeck, sämtlich in Gieszen Lärmszenen im Reichstag. Ausweisung kommuniftischer Abgeordneter. Berlin. 1 August. Dor Eintritt in die Tagesordnung gibt Abg. Graf Westarp (Dn.) eine Erklärung ab, in der er Bezug nimmt auf die gestrige Erklärung des Präsidenten Lobe über den angeblich übertriebenen Al- koholgenuft von Mitgliedern des Reichstages Ramens der Deutschnationalen Fraktion stellte er fest, das) an diesen Behauptungen fein wahres Wort wäre. Er müsse sie sowohl für die namentlich genanten Abgeordneten, die sofort Strafantrag gegen die „Rote Fahne" gestellt hätten, wie für jedes Mitglied der Frattivn entschieden zurückweisen. Diese Feststellung sei erforderlich, um einer ebenso unwahrhaftigen wie verhetzenden Agitation einen Riegel vorzuschieben und alles zu tun, was dazu dienen könne, um die Würde des Hauses zu wahren. Die zweite Beratung des Reichsbe wer- tungsgesehes wird fortgesetzt. Abg. Schulz (Soz.) verlangt größere steuerliche Schonung der freien Berufe. Rach der Vorlage sei der Finanzministcr ermächtigt, zu bestimmen, bei ivelchen Künstlern der steuerliche Begriff des Gewerbebetriebes anzuwenden ist. Der Redner beantragt diese Entscheidung einem sachverständigen Beirat beim Reichs» Ministerium des Innern zu überlassen. Ein Regierungsvertreter hält die Aufnahme des sozialdemokratischen Antrages für bas Gesetz für u n z w e ck m ä ß i g. Der Reichsfinanzminister werde selbstverständlich bei der Entscheidung der hier berührten Frage Sachverständige aus Wissenschaft und Kunst zu Rate ziehen. Angenommen wird der Antrag Dr. G e r e k e «Dn_), wonach der Reichsfinanzminister bei oer Entscheidung darüber, ob der Betrieb eines Künstlers als Gewerbebetrieb im steuerlichen Sinne zu betrachten ist, einem vom Reichswirt- fchaftsrat zu wählenden Sachverständigen- aus schuß hören soll. 3m Uebrigcn wird die Ausschußsassung der Vorlage angenommen. Vizepräsident Gräf teilt die neuen Beschlüsse dem Aeltestenrate mit, die auf eine weitere Deschränkung der Redezeit bei verschiedenen Vorlagen hmaaslaufe. (Don den Kommunisten werden diese Mitteilungen mit l ä r- menden Protestrufen ausgenommen.) Polizei säubert den Reichstag. Abg. Hölle in (Komm.): An der Beratung über diese Aenderung der Redezeit halten die Kommunisten nicht teilgenommen. Staatssekretär Dr. P o p i y habe den Reg cvungspavteien seine Vorschläge schriftlich gemacht, aber die Kommunisten nicht informiert. (Lärm und Ruse bei den Kommunisten: ..Die Regierung schreibt die Redezeit vor. Schöne Eunuchengesellfchaft!") Vizepräsident Gräf erteilt Ordnungsrufe. Den kommunistischen Mitgliedern des Aeltestenrales ist die Einladung zur Sitzung des Aeltestenrates so verspätet zugestellt worden, daß sie der Sitzung nicht beiwohnen konnten. Wir protestieren gegen dieses Verfahren. (Hufe rechts - ©egenrufe links. Rufe bei den Kommunisten: Ruhe da drüben!). Der Redner verlangt, daß über die Redezeit noch einmal in Gegenwart der Kommunisten verhandelt würde, sonst würden die Kommunisten Konsequenzen ziehen, die den Fortgang der Arbeiten nicht fördern würden. Bei der Abstimmung über den Vorschlag der Kommunisten, über die Redezeit noch einmal zu verhandeln, stimmen dagegen außer den bürgerlichen Parteien auch die sozialdemokratischen Abgeordneten Mü ller - Franken, Setter i n g und Braun. Die Ablehnung ihres Vorschlages wird von den Kommunisten mit lärmenden Beschimpfungen der Mehrheit, besonders der drei Sozialdemokraten beantwortet. Gegen den Ausdruck „Hausknecht" erteilt Vizepräsident ©räf mehrere Ordnungsrufe. Als dann Abg. Dr. Hertz (Soz.) über Der- kehrssteuevn^ reden will, übertönt ihn der Lärm der Kommunisten. Vizepräsident Gräf droht wiederholt, für den Fall der Fortsetzung des Lärms, die Anwendung der f^rfften Geschäftsordnungsmahnahmen an. Der Lärm steigert sich noch mehr, als Vize- oräsident Gräf den Abg. 3 a da sch (Komm.) :us dem Saale weist und die Sitzung um .2 ilfjr auf 10 Minuten unterbricht. Rach Wiedereröffnung der Sitzung stellt Vizc° oräfident Gräf fest, daß Abg. 3adasch vorher tmrch Weigerung, den Saal zu verlassen, seinen Ausschluß auf acht Tage herbeigeführt habe. (Von den Konnnimisten wird diese Mitteilung mit lärmenden Kundgebungen beant- vortet.) Der Vizepräsident stekll dann fest, daß Abg. 3adasch sich noch im Saale befindet und infolgedessen auf 20 Sihungstage ausgeschlossen sei. 'Denn er jetzt den Saal nicht verlasse, werde er mit Brachialgewalt aus dem Saal entfernt werden. Abg. Höllein und andere kommunistische Redner rufen: „Holt doch die Schupo. Sau- lande Vizepräsident ©räf weist darauf auch den Abg. Höllein aus dem Saal. Da dieser der Aufforderung nicht folgt, wird die Sitzung wiederum auf 10 Minuten unterbrochen. 3n der Pause ipcröcn die Pobllkumstribüacn geräumt Die Kommunisten rufen nach oben: „3hr sollt die Schande des Reichstags nicht mit ansehen." Die Vertreibung der deutschen Optanten aus Polen. lieber die neue deutsch-polnische Grenze sind in diesen Tagen Tausende von Deutschen her- eingekommen, die von der Warschauer Regierung kurzerhand von Oer Väter Erde vertrieben worden sind. Dieser Zustrom war seit Mona- ten, |o, seit Fahren vorauszusehen, so daß die zuständige preußische Verwaltung in aller Stille schon lanae hätte die Vorkehrungen treffen können und müssen, um die Vertriebenen ohne Zeitverlust und ohne neue Leiden und Entbehrungen aufzunehmen. Leider ist hier wenig geschehen. Wenn nicht das Rote Kreuz eingegriffen hätte, so hätte das Trauerspiel von Schneidemühl noch ganz andere Formen angenommen. Wir unterhalten doch eine Gesandtschaft in Warschau, der nicht entgangen sein kann, daß der Geist der polnischen Politik gegen Deutschland immer bösartiger und unduldsamer wurde, besonders seitdem die Verhandlungen über den westlichen Sicherheitsvertrag in Fluß gekommen sind. Weil die öffentliche Meinung der angel sächsischen Länder für eine Bürgschaft hinsichtlich der polnischen Grenze zu haben war, holte die polnische Politik zum Gegenschlag aus, indem sie die geraubten Gebiete zu „nationalisieren" suchte. Das wäre allerdings auch ohne die Verhandlungen über den westlichen Sicherheitsoerlrag geschehen, zumal der polnische Imperialismus, der jebe Warschauer Regierung vorwärts treibt, mit den Grenzen im Westen nicht zufrieden ist. Ehe aber der entscheidende Ritt nach Danzig gewagt werden kann, müssen die Deutschen aus den Grenzgebieten vertrieben sein. Und so sieht Europa heute teilnahmlos zu, wie Deutsche den Boden verlassen müssen, den sie allein in Menschenaltern urbar gemacht haben. Als Fürst Bismarck vor 27 3ähren zur ewigen Ruhe einging, hat er auf dem Sterbelager noch warnend und beschwörend an die res polonica erinnert. Kein Staatsmann hat die Polen so gründlich gekannt, wie der erste deutsche Reichskanzler. Schon als preußischer Ministerpräsident versuchte er in den sechziger 3ahren, die Ostmarken im deutschen Besitz zu befestigen. Er hat dabei von Anfang an den Widerspruch jener Parteien erfahren, die sich auch später, als das große Ansiedlungs- werk in die Wege geleitet wurde, als Polenfreunde aufspielten. Wäre die Besiedlung der Ost marken mit deutschen Bauern und Handwerkern nach dem Sturz Bismarcks so unerbittlich und folgerichtig fortgesetzt worden, als Bismarck das plante, dann wären Posen und Westpreuhen schon vor zehn 3ahren überwiegend von Deutschen bewohnt gewesen. Ob sich dies Versäumnis jemals wieder gutmachen läßt, wissen wir heute nicht. Die Polen aber zeigen uns nun, wie eine rücksichtslose und entschlossene Ansiedlungspolitik beschaffen sein muß. Sie verjagen die Deutschen von Haus und Hof und sie kümmern sich erst recht nicht um die Einsprüche, die von irgendeiner Seite erhoben werden. Sie tun es um so weniger, als sie ja immer noch in Deutschland Verständnis für die handfeste Selbstsucht und Eigenart der polnischen Politik finden. Hat doch selbst der „Vorwärts" erst dieser Tage wieder den fachkundigen Darlegungen polnischer Vertreter bei Wirtschaftsverhandlungen Raum gegeben, die sich nachzuweisen bemühten, daß Dann umringen die Kommunisten in dichtem Kreise den Abg. 3abasch. Als während der Pause Präsident L ö b c sich an den Abg. Höllein wendet, ruft dieser laut: „Wir wollten ja eine Aeltestenratsihung. Gräf hat sie ja abgelehnt. Wenn Sie keine Verständigung wollen, dann müssen Sie die Konsequenzen tragen. 3hr wollt ja die Opposition tot machen!" Nach einer Pause von etwa 20 Minuten betritt Vizepräsident Gräf wieder seinen Platz. Er wird von den Kommunisten mit lauten Rufen „Der Henker!" empfangen. Er stellt zunächst fest, daß Abg. Höllein noch im Saale ist. Er habe sich dadurch automatisch auf acht Tage ausgeschaltet. Auf die nochmalige Weigerung des Abg. Höllein, nunmehr den Saal zu verlassen, erklärt Vizepräsident (9räf, daß er nunmehr auf 20 Sitzungen ausgeschlofen sei. Auf die Aufforderung an die Abg. Iardasch und Hällc in zum Verlassen des Saales ruft Abg. Hallein: „Wir wollen, daß die Henker die Henkers- arbeit ganz zu Ende führen?" Vizepräsident ©räf erklärt, er habe die Pu- dlikumstribüne schon räumen lassen und bitte auch öie Abgeordneten und die Besucher der übrigen Tribünen, den Saal zu verlassen. Auf Aufforderung des vlzepräsideulen erscheinen bann fünf Polizisten in Zivil, denen der Auftrag erteilt wird, die Abgeordneten Iardasch und höllein ans dem Saale zu führen. Verschiedene Kommunisten geraten in Auseinandersetzungen mit den Beamten. Es erscheinen dann fünf weitere Zioilbeamte und vier edjupoleute in Uniform. Don mehreren Kommunisten wird unter Hinweis auf die Beamten gerufen: Diese Kinder sind dach keine Kriminalbeamte, das sind vielleicht Spitzel, aber keine Polizisten'. Auf Ersuchen des Abg. Höllein zeigen die Beamten grüne Legitimationskarten und erklären auf feine Frage, daß sie den Auftrag hätten, nötigen- falls Gewalt artzuwenden.. Darauf ruft Abg. Höllein laut, indem er den Beamten erklärt: Ich weiche der Gewall, aber nicht Polen von Deutschland eigentlich gar nichts Unbilliges forderte. Es wäre eine neue und nicht weniger verhängnisvolle Kurzsichtigkeit, wenn wir Polen durch Zugeständnisse irgendwelcher Art zu veranlassen suchten, nachbarlich und friedlich mit uns zu leben. Die Vertreibung der Deutschen aus Posen und Westpreuhen ist ja kein Zufall, nicht die unbesonnene Tat des wild gewordenen Rationalismus. Es ist der erste Schritt auf dem Wege, die polnische Grenze zu berichtigen, vor allem sie durch die Wegnahme Danzigs abzurunden. 3n England und den Vereinigten Staaten geben sich polnische Abgesandte Mühe, in öffentlichen Vorträgen um Verständnis für den Angriffsgeist der polnischen Politik zu werben. So ganz erfolglos ist das nicht geblieben, denn aus Reuyork wird gefabelt, daß die grobe Presse der Union die erbarmungslose Vertreibung der Deutschen gleichgültig mitteile. ilnö Die „Reuyork Times" finden ro a , daß die Vertreibung der Deutsche.! Deutschlands Anstrengungen schwieriger mache, das geraubte Gebiet wiederzuerlangetc. Offenkundiges Unrecht lann nicht Recht werden dadurch, daß neues schweres Anrecht zu dem schon begangenen gefügt wird. Die alten deutschen Ostmarken mit Graudenz und Thorn werden nicht polnisch dadurch, daß die Warschauer Regierung unter Ausnutzung der politischen Schwäche Deutschlands die Deutschen vertreibt, nachdem sie den Vertriebenen zunächst die Hölle heiß gemacht hatte, so daß sie erzwungen „freiwillig" Haus und Hof verließen. Auf Westpreuhen wird Deutschland niemals verzichten, denn es ist seit 3ahrhunderten durch deutsche Arbeit der europäischen Gesittung zugeführt worden. Ebensowenig auf Posen, das über 150 3ahre zu Preuhen gehörte, in welcher Zeit es aus einer sarmatischen Wüste zu einem blühenden Lande wurde, was auch die Raubgier der polnischen Rationalisten zum Teil wenigstens erklärt. 3m Flüchtlingslager Schneidemühl. Schneidemühl, 2. Aug. (Wolff.) Die Zahl der aus Polen ausgewiesenen und hier ein- treffenden deutschen Optanten nimmt in letzter Zeit erschreckend zu. Die Verwaltung des Durchgangslagers leistet übermenschliche Arbeit, um die Optanten unterzubringen und weiter zu leiten. Rur ein kleiner Teil kann in kurzer Zeit weitergeleitet tverden. Die Zahl der im Lager Anwesenden wächst täglich, im Laufe der Woche trafen täglich durchschnittlich 500 bi s 600 Flüchtlinge ein, wovon jedesmal nur 200 Personen weitergeleitet und außerhalb Schneidemühls in den Provinzen untergebracht werden können. Am Mittwoch trafen tagsüber allein rund 465 und im Lause der Rächt noch noch toeitere 240 Flüchtlinge ein. Am Donnerstag kamen wiederum 1000 Flüchtlinge an. 3 m Lager sind zur Zeitt 6000 bis 7 000 Men schen untergebracht, Frauen mit Säuglingen, Männer, Kinder und Greise. Große Lastautos der Schuhpolizet und Rolltvagen, auf denen die Ausgewtesenen dicht beieinander stehen, rattern vom frühen Morgen bis späten Abend (zu den Abgeordneten der Rechten) da drüben. — Abg. Iardasch folgt mit der gleichen Erklärung den Beamten. Die übrigen Kommunisten bringen Hochrufe auf die Ausgeschlossenen aus und singen die Internationale. Der Aeltestenrai ist inzwischen zusammengetre- ten. — Uni 4 Uhr nachmittags wird die unterbrochene Sitzung vom Präsidenten Lobe wieder eröffnet. Runmehr wird die allgemeine Aussprache über die Aenderung der Derkehrssteuer eröffnet. Abg. Dr. Hertz (Soz.) begründet den Antrag feiner Freunde auf Offenlegung aller Steuerlisten. Schon seit 3ahren habe unter Helfterichs Führung vor allem seitens des Landbundes eine planmäßige Bewegung der Steuerfabotage begonnen. „Wir sehen", so führt der Redner aus, „daß die Propagandisten Der Steuersabotage in den allermeisten Fällen Geschäftsführer und Mitglieder des Landbundes sind. Wir erfahren weiter, dah die Gerichte mit geradezu sträflicher Milde gegen diele Schädlinge des Reiches vorgegangen sind. Die Regierung lehnt unser Verlangen nach Offenlegung der Steuerlisten ab mit einer Begründung, die deutlich sagt, daß man aus Rücksicht auf die hinter der Regierung stehenden politischen Kreise die öffentliche Kontrolle der Steuerehrlichkeit nicht zulassen will. Rur die Offenlegung der Steuerlisten kann der Steuerhinterzhieung Dorbeugen. Staatssekretär Dr. Popitz: Wir sind der Meinung, dah alle Mittel angewandt tverden müssen, um die gesunkene Steuermoral zu heben. Die Offenlegung der Steuerlisten wird kaum eine günstige Wirkung haben, aber sie wird ganz allgemein zu einer politischen Verhetzung führen, und in der gegenwärtigen Zeit ist eine weitere Verschärfung der politischen Gegensätze nicht angebracht. Die Vorbeugung von Steuerhinterziehungen werden wir mit anderen Mitteln, die politisch weit weniger be- durch die Straßen, ja selbst biü in die tiefe Rächt hinein. Die kürzlich noch zu Ausstclluiigszwecken verwandten Albatroswerkc sind zur Aufnahme der Flüchtlinge eingerichtet. Sie fassen ungefähr 4 000 Personen. Das Rote Kreuz, dem die Leitung übertragen ist, hat mit unü^crtolnbUtcn Schwierigkeiten zu kämvsen. Es muß anerkann. werden, daß sich die Leitung alle erdenkliche Mühe gibt, das Elend und die Rot der Optanten zu mildern: aber die Mittel, die dem Roten Kreuz zur Verfügung stehen, sind au gering. Wenn man den wachsenden Zustrom sieht, die Hunderte, die immer noch hin- fommen, da fragt man sich: Wie soll es nur möglich fein, mit so geringen Mitteln die Rot zu beheben? Die Einrichtung des Lagers und das, was für die Optanten getan wird, lann nicht über das Elend Hinwegtäuschen. Die ungeheu.cn Massen verteilen sich auf einen verhältnismäßig kleinen Bezirk, der fast eine Stadt ausm.ichen könnte. Der fortdauernde Wechsel der Zu- und Abtransporte geht verttxiltungSmäßig einfach über die eingesetzten Mittel und Kräste hinaus. Die Leitung hofft zwar, vor Anbruch des Winters alle Optanten untergebracht zu haben: bisher sind aber die Aussichten dafür gering. Erschütternd sind die Bilder, die man bei einem nächtlichen Gange durch die Baracken sieht. Draußen unter Dreschmaschinen und Bauernwagen, die von der GrenzmarkauSstettung noch hier stehen, haben sich andere ihr Lager zurecht gemacht. 3m Lehrerseminar und in zwei Volksschulen, wo etwa 1000 der Vertriebenen in der Rächt vom Samstag zum Sonntag beherbergt wurden, sind die Klassenzimmer gedrängt voll. Am Samstag abend zogen die AuSgewiese- nen zwischen den Baracken umher unb fangen hier unb da zur Begleitung der Ziehharmonika das Deutschlandlied und die Wacht am Rhein. Es ist nicht die Schuld deo Schneidmühler Ve- hörden und der Dom Roten Kreuz gestellten Lagerkommandanten, daß die deutschen Optanten nicht eine bessere Aufnahme finden. Was die Lage der Optanten so überaus traurig macht, ist die so spät einsehende Fürsorge. Es fehlt, wie man allgemein der Ansicht ist, an umfassenden und rechtzeitigen Vorbereitungen, Wenn nunmehr von der preußischen Staatsregierung zwei Mill Mk. zur sofortigen Hilfeleistung zur Verfügung gestellt werden sollen, so komntt diese Summe in der Hauptsache hoch nur für die Weiterleitung der Ausgewiesenen, nicht aber für die menschenwürdige Unterbringung in den Lagern. Hand in Hand mit der Fürsorge des Roten Kreuzes arbeitet die amtliche Optan- ten-Dermittlungsstelle. Hier werden die Durchfahrtsgelder gezahll, hier wird den Ausgewiesenen Arbeit im Reich, soweit sie vorhanden ist, zugewiesen. Polnische Schikanen. Schneibemühl, 3. Aug. (T. 1L) Der Sonderberichterstatter der Telunion hatte wiederholt Gelegenheit, mit einzelnen der aus Polen ausgewie- senen Optanten über ihre Erlebnisse wäh - deirllich sind, viel besser erreichen. Wir werden die Buchführung weiter ausdehnen und vervollkommnen. Abgesehen von den Auswüchsen der 3nflationszeit steht die Steuermoral in Deutschland auch nicht tiefer als in anderen Ländern. Abg. Dr. H e u h (Dem.) bezeichnet die Umsatzsteuer als eine sterbende Steuer, deren hemmende Wirkungen sich unangenehm bemerkbar machten. Durch die vorgesehene Senkung der Umsatzsteuer um 1 ( Prozent würden die Regierungsparteien nicht das Ziel erreichen, das sie doch wohl auch erstrebten, das Ziel der H e r - absetzung des Preisniveaus. Der Gedanke der Offenlegung der Steuerlisten verdiene, daß er ernsthaft durchgearbeitet werde. Das Handwerk fange nach dem Kriege wieder an, vorzügliche Arbeit zu leisten und da sei es geradezu furchtbar, zu überlegen, daß eine Handarbeit als Luxus versteuert wird unö nur die maschinelle Arbeit von diesem Sonderdruck frei ist. ES gelte, öie Eigentümlichkeit der deutschen Cdelpro- duktion zu erhalten. Das würde aber nicht möglich sein, wenn die Luxussteuer bestehe unö Öen inneren Konsum an Qualitätsarbeit lähme. Die Luxussteuer sei daher volkswirtschaftlich U n s i n n. (Beifall bei den Demokraten.) Staatssekretär P o p i h betont, dah der Gedanke des Gesetzgebers der Luxussteuer doch einige Beachtung verdiene Die Luxussteuer habe im vorigen 3ahre 120 Millionen Mark erbracht. Diese könne man nicht so ohne wetteres entbehren, noch dazu, wenn man daran denke, Die Umsatzsteuer zu senken. Die Regierung habe aber in Bezug auf die Luxussteuer zugelernt. Die neue Luxussteuerliste stelle einen großen Fortschritt dar. Trotzdem müsse und werde noch eine neue Revision stattfinden. Er bitte, den sozialdemokratischen Antrag anzunehmen, der diese und die Vermeidung der Beeinträchtigung hochwertiger Qualitätsarbeit ausdrücklich im Gesetz zum Ausdruck bringen wolle. lendderFahrtinPolenzu sprechen. Schon Wochen vor der Ausweisung wurden die deutschen Optanten auf das schärf st e bewacht. In Stadt und Land wurde neben starkem Polizeiaufgebot viel Militär Rationiert. Die fanatische ^etze und die Wut gegen die Deutschen kannte keine Grenzen. Die polnischen Geschäftsleute weigerten sich vielfach, den Deutschen Waren zu verkaufen. Deutsche Landarbeiter wurden durch allerlei Bedrückungen von ihren Arbeitsstätten vertrieben. Dafür wurden galiziscbe Arbeiter eingestellt, die fast immer für die kärglichste Bezahlung arbeiten. Die polnischen Behörden taten das Ihrige, den Optanten den Abschied non der Heimat zu erleichtern. Unerträgliche Steuern zwang viele dazu. Hab und Gut zu verschleudern. Der Abtransport der Optanten wurde in der rigorosesten Weise durchgeführt. Männer, Frauen und Kinder wurden in schon überfüllte Abteile hineingedrängt. Auf schwangere Frauen, junge Mütter und Kranke wurde keine Rücksicht genommen. Während der Fahrt wurden die Flüchtlinge von dem polnischen Zugpersonal, das sich über die Rot und das Elend lustig machte, in der gern ein st en Weise beschimpft und.mißhandelt. Minister Severing in Schneidemühl. Schneidemühl, 3. 2Iug. (Sil.) Der preutz. Innenminister Severing traf Sonntag abend hier ein. Er fuhr sofort nach fern Flüchtlingslager. tth.0 der Lagerkommandant Oberst Engel in die Führung durch die einzelnen Baracken übernahm. Der Minister dankte zunächst denr Lagerkommandanten und dem leitenden Arzt des Lagers für die von ihnen geleistete aufopferungsvolle Arbeit und ging dann mitten durch die auf Strohsäcken Liegendm hindurch. Hier und da weinende Kinder. Eine Frau, ein Wann, die sich, aus der Ruhe aufgeschreckt, jäh emporrichten. Hier und da ein paar nackte Füße unter der Decke, die den schmalen Gang hinaus ragen. Der Minister und sein Gefolge schreiten darüber hinweg. Dann wendet er sich an Oberst Engelin: müssen sofort von der Hilfspolizei Matratzen. Decken und Stroh herbeigeschafft werden." Severing fragt dann: „Wieviel Kinder weilen in dem Lager?" Der Kommandant antwortet: „Unter 14 Iahren sind es ungefähr ein Viertel der gesamten Belegschaft." Der Minister fragt darauf: „Wäre es nicht möglich, die Kinder irgendwo anders auf dem Lande unterzuöringen?" Engelin: „Die Eltern werden sich von ihren Kindern nicht trennen wollen.*' Ger Minister: „Olber vielleicht ginge es, ein Kinderheim in nächster Rahe zu errichten/' Der Kommandant antwortete, daß ein solches Kinderheim schon geplant und eingerichtet werden sollte, als man noch mit der Ankunft von 3000 Optanten rechnete. daß aber alte Pläne verworfen werden mußten, als der Andrang zu groß wurde. Im Weitergehen entwickelt sich folgendes Gespräch: Kommandant Engelin: „Die ganze Sache ist aber eine Geldangel eg enheit. Herr Minister." Severing: „An Geld darf es nicht fehlen." Engelin: „Daran hat es aber bisher gefehlt." Der Minister sagt schließlich, daß 3000 Optanten zu je 100 sofort auf 30 Regierungsbezirke verteilt werden müßten und fügte mit erhobener Stimme hinzu: „Das muß unbedingt gemacht werden." Der preußische Minister gewährte einem Vertreter des „Montag Morgen" eine Unterredung, in der er u. a. folgendes sagte: Wenn es nach mir allein gegangen wäre, hätte man das Lager in Schneidemühl nur als Durchgang s- ft a t i o n benutzen dürfen. Aber die Sache geht ja nicht nur Preußen, sondern auch das Reich an. Mein Plan war, die Ausgewiesenen so schnell als möglich über die verschiedenen Regierungsbezirke zu verteilen. Wir waren ja vorbereitet. Wir haben eigens den deutschen Generalkonsul in Posen, der abgebaut werden sollte, dort belassen, und er hat feit Februar an dieser Frage gearbeitet. Ich werde sehen, ob ein zweites Lager schleunigst, etwa in Zossen, nötig ist. Die Schi.* igkeit der Verteilung über die verschiedenen Regierungsbezirke liegt hauptsächlich darin, daß zu viele Stellen Preußens und des Reichs sich verständigen müssen. Sachlich war es durchaus richtig, daß das Re i ch s - .arbeitsminifterium m Schneidemühl eine Arbeitsvermittlungsstelle errichtete. Die Leute sollen sogleich dorthin reifen, wo sie Arbeit fanden. Aber da die Arbeitsgelegenheiten nicht so günstig einliefen, gab es Stauungen in Schneidemühl. Aber wir bleiben bemüht, kein Dauerlager zu errichten. Es handelt sich um 5—8000 Leute, die wir entfernen müssen. Wir werden Leute, die 25 und 30 Jahre in Deutschland waren und deutsch geworden sind, berücksichtigen. Aber im großen und ganzen muß ich diese Aktion konsequent durchführen. All das ist Wahnsinn, ich wollte ihn bis zum letzten Augenblick vermeiden. Minister Stresemann zur Dptcmtenfrage. Berlin, 1. Slug. (WTB.) In einer Unterredung, die Reichsaußenminister D r. Stresemann einem Vertreter der „Breslauer Neuesten Nachrichten" über die Optantenfrage gewährte, erklärte der Minister u. a.: Während deutscherseits seit Jahren der Standpunkt vertreten worden ist, daß die beiderseitigen Optanten zwar das Recht, nichtaberdiePflicht haben, ihren Wohnsitz in den Staat zu verlegen, für den sie optiert haben, ist p o l n i s ch e r s e i t s gellend gemacht worden, daß die Optanten zur 21 b man« berung verpflichtet sind. Nach dem Wiener Abkommen vom 30. Slugust 1924, das in Deutsch, land und Polen Gesetz geworden ist, ist der Optant zur Abwanderung nur dann verpflichtet, wenn er von der Regierung die Auffordeung dazu erhalten hat. Die polnische Regierung hat nun bereits Anfang dieses Jahres von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Daraufhin hat sich selbstverständlich auch die deutsche Regierung zu dem gleichen Schrill entschließen müssen. Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Ich_kann nur auf das nachdrücklichste betonen, Jo schloß der Minister, daß die deutsche Regierung alles getan hat, um in der Optantenfrage zu einer den Grundsätzen eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den Völkern entsprechenden Lösung zu kommen. Wenn trotzdem die Well das traurige Schauspiel mittelalterlicher Austreibung Tausender von Heim und Herd erleben muß, so liegt die Schuld daran wahrhaftig nicht bei uns. Ende des Bergardeiterstreiks im Saargebiet. Saarbrücken, 2. Aug. (TU.) Samstag vormittag tagte hier die beschlußfassende Revier- konferenz des Gewerkvereins christ- licher Bergarbeiter Deutschlands, um zu dem Ergebnis der Lohnverhandlungen mit dem französischen Arbeitsminister und der Bergwerksdirektion in Saarbrücken Stellung nehmen. Die Konferenz faßte folgenden Beschluß: „3n Anbekrachk der schlimmen Tloflage im Saatgeblcf, die eine Folgewirkung des Versailler Vertrags ist, hatten die Saarbergleute ein größeres Entgegenkommen erwartet. Die Konferenz spricht der französischen Regierung ihre Enttäuschung aus. Sie verkennt aber nicht die Schwierigkeiten, die die Erreichung eines besseren Ergebnisses verhinderten. Die Konferenz beschließt daher, das Ergebnis der Ver- handlungen auzunehmen. Sie beschließt ferner, daß am Montag auf allen Gruben im Saargebiet die Arbeit wieder ausgenommen werden sott." Der Vorstand der Bergarbeiter- und Metall- arbellergewerlschasten des Saargebiets wendete sich darauf an die Arbeiterschaft mit einem Aufruf, in dem es heißt, daß d i e A r b e i t a m Montag wieder aufzunehmen sei, obwohl die Lohnerhöhungen gegenüber der Teuerung völlig ungenügend seien. Im Hinblick auf die allgemeine Weltlage des Bergbaues sei jedoch nicht mehr zu erreichen gewesen. So einmütig, wie der Streik begonnen, müsse er auch beendet werden. Esiens Befreiung. Essen, 2. Aug. (SIL) Samstag vormittag 11 Uhr trafen aus dem Essener Hauptbahnhof 600 Mcurn Schupo unter dem Kommando des Polizei-Kommandeurs Thusius aus dem Regierungsbezirk Münster ein. Sie wurden von der auf dem Dahnhossvlatz versammelten gewaltigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Wahrend am gestrigen Tage bis zum Schluß der offiziellen Besetzung keine Flaggen zu sehen waren, erschienen heute im Laufe des Bormittags zahl- Fräulein Fob. Rcman von Andels S i e. 35 Fonletzung (Nachdruck verboten., Anfangs stellte er sich, als müsse er mit "ich selbst kämpfen. And schließlich gab er sich den Anschein, als ob er darüber ins Klare ge- komn.en sei, was das Richtige sei, zu schweigen oder zu reden. Er sagte: „Ich glaube, daß es ein Unrecht von mir wäre, Ihnen vorzuenthalten, was ich weih!" Fob unterbrach sich einen Augenblick und warf einen forschenden Blick ringsum. Der Garten lag leer und verlassen, und über den Baumkronen glitten noch immer schwere, graue Wolken. „Zuerst verlangte er mein heiligstes Ehrenwort, niemandem, wer es auch sei, nur ein Wort von dem zu verra en, was er mir nun erzählen wolle. Ich gab es ihm. Und dann begann er zu reden, und tat dies so schonend wie möglich. Es war vor vielen Iahren, bevor ich noch auf der Welt war. Papa Fili war damals noch nicht Exzellenz, sondern ein kleinerer, aber energischer Fondsmäkler. Ihm waren Wertpapiere in hohen Beträgen anvertraut. Und einmal ward die Versuchung zu groß für ihn: er spekulierte mit einigen der Papiere auf eigene Rechnung. Der Versuch ging übel aus, der Fonds- Mäkler verlor. Run befand er sich in einer schwierigen Situation. Es gab nicht viel zu wählen. Entweder kapitulieren, verschwinden, erledigt fein, — oder — eine Unterschrift und ein paar Briese namens einer anderen Person zu schreiben. Exzellenz, die damals noch immer nicht eine Exzellenz war, wählte den zweiten Weg. Das war zuviel, zu wahnsinnig, zu unmöglich. Ich sprang auf, flammend vor Zorn: „Sie lügen!“ Harrh veränderte nicht feine sanftmütige, teilnahmsvolle Miene. „Aber," sagte er ruhig, „glauben Sie denn, ich würde so etwas erfinden? Wozu? Und wenn ich Ihnen dies jetzt erzähle, so müssen, Sie wissen, daß ich in meiner Hand den Beweis dafür habe.“ Ietzt kam vielleicht die schwerste Stunde, meines Lebens. Auf ruhige und sachliche Weise, die seine Behauptung über jeden Zweifel erhob, deutete Harry an, er besitze ein Papier, das die Wahrheit seiner Erzählung auf das klarste dartue, — und das natürlich Papa auf das furchtbarste kompromittieren könnte. Er lud mich ein, dieses Papier am nächsten Tage in seiner Wohnung zu besichtigen. Es ist klar, daß ich hin ging. Ich kenne Papas Handschrift, auch aus seinen jüngeren Iahren sehr gut, und ich mußte dem Zeugnis meiner Augen trauen. Harry hütete sich, auch nur mit dem unbedeutendsten Zucken seiner Gesichtsmuskeln etwas von dem großen Triumph über dies Ergebnis zu verraten. Er gab mir reichlich Zeit, um mich von diesem Choc zu erholen. Dann ließ er mich mit leisen Worten verstehen, daß es ein sicheres Mittel gebe, dieses Papier vollständig unschädlich zu machen. Ich verstand, ohne daß er näher darauf einzugehen brauchte. Ich bat ihn um Bedenkzeit bis zum nächsten Tag. Sie wurde bewilligt. In Wirklichkeit hatte ich meinen Entschluß schon gefaßt: ich war zu allem bereit, wenn ich nur die sichere Gewähr erhielt, daß dieses verfluchte Papier unschädlich gemacht würde. Zur vereinbarten Zeit rief mich Harry an: „Run," sagte er kurz und geschäftsmäßig, „haben Sie sich entschlossen? 2a oder nein?" „Angenommen," antwortete ich, „ich gehe auf Ihren Vorschlag ein, geben Sie mit dann das Papier?" „2a, — an unserem Hochzeitstag....." Also! Der Hochzeitstag kam. 2ch brauche dir nicht zu sagen, daß ich alles tat, damit er, nur so rasch als möglich käme. Wie sich auch alles Weitere gestalten würde, ich wollte nicht daran denken, — mein Opfer würde ja doch nicht vergebens gebracht worden sein. Aber gerade das war es: ganz und gar vergebens. Harry hielt sein Versprechen nicht. 2ch bekam nie das Papier. Er hat es noch heute in seiner Hand, natürlich derart versteckt, daß es der genialste Detektiv nicht finden kann. Die Drohung hängt schwerer über Papa Fili als nur je. ' reiche Fahnen in den Reichs- und Landes- färben. Vergangene Rächt 12 Ufjr verkündeten von allen Türmen die Glocken die Befreiung Essens. Heute abend finden an zahlreichen Orten, so auch auf dem Gelände der Dau-Ausstellung, Befreiungsfeicrn statt. Der Reichskanzler, der bekanntlich früher Oberbürgermeister von Essen war, sandte ein Telegramm an den Oberbürgermeister der Stadt Essen, in dem es heißt: Die endgültige Befreiung von dem fremden Ioch sei uns eine Verheißung für weiteres Voranschreitenauf dem mühevollen Wege zu Deutschlands Wiederaufstieg. Den Gefallenen auf der Lorettohöhe. Eine Friedensrcde Painlev6s. Paris, 2. Aug. (WB.) In Anwesenheit des Ministerpräsidenten PainleoL ist heute bei Arras auf der Lorettohöhe, wo Hunderttausende von gefallenen Soldaten beigesetzt sind, ein Denkmal für die im Kriege Gefallenen eingeweiht worden, dem man die Form eines L e u ch t t u r m s gegeben hat. Pa i n le oe hielt eine Rede, in der er sagte, die Freiheit bedeute nicht das Recht, daß man sich nach seinen Wünschen und nach seinen Launen gehen lassen könne. Sie fordere vielmehr Selbstzucht und Gerechtigkeitssinn, der durch eine fortgesetzte Anstrengung sowohl zwischen den Bürgern der einzelnen Länder als auch zwischen den Alliierten erzielt werden müsse. So grausam die Kriegswunde war, so heftig sich auch alle schlechten Kräfte gebärden, die unsere alte Welt beunruhigen, wir müssen uns doch bemühen, der Gerechtigkeit zwischen uns und denen, die jenseits der Feuerlinie sich im großen Kriege haben töten lassen, zum Siege zu verhelfen, denn das heutige Europa hängt davon ab. Die Gerechtigkeit ist nicht mit der Macht unvereinbar, die Großmut nicht unvereinbar mit dem klaren Blick. Der Bischof von Arras hat auf diesen Leuchtturm die Worte setzen lassen: Völker seid eins? Menschen seid menschlich! Es wäre zu schrecklich, wenn dieser ungeheure Friedhof den Appell zu neuen Massakres bedeuten würde. Dieser Leuchtturm muß nicht nur unvergeßlich über die Leichname dieser unendlich vielen jungen Leute, die nach so harten Kämpfen im Tode miteinander ausgesöhnt wurden, sein Licht hinaussenden, er muß auch als ein Lichtschimmer in die Nacht dringen, als ein Zeichen von Brüderschaft. Fortdauer der englischen Kohlenkrise. London, 3. Aug. (Tll.) Die Erleichterung, mit der die Rachricht von der vorläufigen Lösung der Kohlcnkrise in der englischen Oeffentlichkeit ausgenommen worden ist. wird von der Sorge über die neuen Lasten begleitet, die die Oeffentlichkeit zu tragen hat. Die Schätzungen über die Gesamtkosten für die neun Monate andauernde Unterstützung schwanken zwischen 10 und 20 Millionen Pfund. __ Lloyd George griff die Maßnahmen der Regierung mit außerordentlich scharfen Worten an. Riernals sei von irgendeiner Regiermrg eine größere Dummheit begangen worden. Der Premierminister habe einen Blankoscheck ausgeschrieben, den der Steuerzahler aus- füllen werde. Der geschaffene Präzedenzfall werde gegenüber anderen Industrien, wie Eisenbahnen und Schiffahrt, sehr schwer abzustreiten sein. Arbeiter und Arbeitgeber würden sich zu- fammentun, um die Steuerzahler zu mellen. Dies sei eine der unkaufmännischsten Handlungen, die diese Regierung vorgenommen habe und sei einer Regierung würdig, die England in den Goldstandard gestürzt habe. Cs gebe nichts Verhängnisvolleres, als eine schwierige Lage von kleinen Leuten behandeln zu lassen. Fremdenmo^de in Nanking. Ranking. 2. August. (TU.) Einige Engländer und sieben Chinesen sind von Studenten ermordet worden. Die ganze englische Kolonie hat sich an Bord eines englischen Kreuzers begeben. Ein englisches Infanteriedetachement wurde gelandet. Die englischen K r i e g s s ch i f f e in den Gewässern von Schang- Die Hölle, die mit dem Hochzeitstag begann, kann ich dir einfach nicht beschreiben. Ich vermag es nicht. Cs währte Richt lange, bevor ich erfuhr, daß mich Harry nur geheiratet hat, um eine blutige Revanche für jene Rächt zu erhalten, die, wie du weißt, so schändlich für ihm ^geendet hat." „Aber Fob, das ist denn doch übertrieben, was du da glaubst .....“ „Widersprich nicht, Gabbh! Er hat es mir selbst gesagt. Gleich nach meiner Hochzeit kam es außerdem zwischen mir und Papa Fili zu einem Zwist, der mein Dasein nicht leichter machte. Was es eigentlich im Grunde war, weiß ich heute gar nicht mehr. Ich schrieb ihm Brief auf Brief, erhielt aber niemals eine , Antwort. Das war beinahe das Schwerste von allem. Armer, alter, einsamer Papa! Du, das tut weh. wie eine offene Wunde." Gabby, die der — gelinde gesagt — überraschenden Erzählung mit steigender Spannung gefolgt war, stand auf. „Komm!“ sagte sie, „laß uns ein wenig herumgehen. Es beruhigt, unter hohen Bäumen zu gehen." Fob war in ihre alte apathische Stimmung zurückgefallen. Willenlos lieh sie sich aus der Laube führen und folgte Gabbh bis zum äußersten Ende des sich weit ausdehnenden Gartens. Durch einen Spalt zwischen den dichten Laub- maffen schimmerte ein Streif des Meeres durch. Weit draußen am Horizont glitzerte es wie Gold. Die dicke, graue Wolkenhülle begann zu reißen, und schmale Sonnenstrahlen zeichneten sich fächerförmig im Hintergründe ab. . Gabby streckte sich rücklings auf eine Wiese aus, Fob setzte sich still zu ihr. „Meine liebe Fob!" sagte sie, „weißt du nicht, daß du das Opfer der elendesten und lumpigsten Intrige geworden bist, die seit Casar Borgias Tagen ie in einem Menschenherzen erdacht wurde? Ich sollte meine Tränen mit den deinen mengen. Liber ich tue es nicht. Hier muß gehandelt, nicht geweint werden." „Gehandelt?" Fob machte eine müde Handbewegung. Dann fuhr sie aber plötzlich erschrocken auf: „Gabby, du willst doch nicht; Hai haben Befehl erhallen, sich zur sofortige» Abfahrt nach Ranking bereit zu halten« Herabsetzung der Umsatzsteuer? Berlin, 3. Aug. (WTB.) Rach einer Meldung der „Montagspost" haben die christ- lichen Gewerkschaften an die Zentrums« frattion des Reichstags ein Schreiben gerichtet, in dem sie die kommende Zvllbelastung für die arbeitende Devöllerung nur dann für erträglich halten, wenn die Lebensmittel künftig von der Umsatzsteuer befreit werden. Die Reichsregierung, der das Schreiben übermittelt worden ist, soll die Absicht haben, eine allgemeine Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1,5 auf 1,25 Prozent zum 1. Oktober und eine solche auf 1 Prozent zum 1. Ianuar 1926 vorzuschlagen. Die sofortige Erledigung der Steuervorlage hält das Blatt wegen der nötig gewordenen Beratungen über die Fraae der Umsatzsteuer für unmöglich. Kleine politische Nachrichten. Anläßlich des 50jährigen Priester - und B i s ch o f s j u b i l ä u m s des Bischofs von Rottenburg, Dr. von Keppler, richtete der Reichs- kanzler Dr. Luther nachstehendes Telegramm' an Dr. von Keppler: „Euerer bischöflichen Gnaden spreche ich zum seltenen Doppeljubiläum meine wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche aus. Sie gelten dem hervorragenden Kirchenfürst««, dem verdienten wissenschaftlichen Forscher, dem erfolgreichen Schriftsteller und dem feinsinnigen Kenner und Förderer der kirchlichen Kunst. Die Interalliierte Kommission hat das für Sonntag und Montag vorbereitete Sugenbturnen des Maingaues in Groß-Gerau verboten. * Die theologische Fakultät der älniDerfität Gießen hat sich in einem Schreiben an die hessischen Mitglieder des Reichstages für Einführung des Gemeindebestimmungsrechts zur Bekämpfung der Trunksucht ausgesprochen. * Wie der „Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten, mitteilt, gehört feiner der im Mecklenburger Mordprvzeß Angeklagten dem Bund an. Aus aller Wett. Der Breslauer Schachkougretz. In der neunten Runde gewann Grünfelü gegen Blumisch (Damenbauernspiel) durch überlegene Spielführung. In einer englischen Partie gelang es Rubinstein, gegen Reti die Qualität zu erobern und dadurch die Partie für sich zu entscheiden. In einem Damenbauernspiel gewann' Sämisch durch Eröffnungsvortell gegen Wagner. Die Partie Riemzowitsch-Tarrasch wurde durch hervorragendes Spiel des Ersteren gewonnen. Die Partie Becker-Moritz wurde nach achtstündigem Spiel bei etwas besserer Stellung für Becker abgebrochen. Stand nach der 9. Runde: Bvgoljubow 71/». Rimzowitsch 61/’, Rubinstein 51/», Wagner 5, + H.. Dekker unb Reti je 4H2 4- H., Grünfeld 5, Sämisch 4V3 Tarrasch 3V2, Gottschall 3, Blumisch 21/J, Moritz 0, + H. 2n der 10. Runde gelang es Dogol- jubow gegen Becker durch Bauernplus die Partie für sich zu entscheiden. Tarrasch hatte gegen Gottschall bereits die bessere Stellung erlangt, aber durch einen groben Fehler brachte er sich um die Früchte seines Spiels und verlor noch die Partie. Sämisch fiel in eine von Rubinstein tief angelegte Falle und muhte nach 25 Zügen die Waffen strecken. Die Paare Riemzowitsch - Wagner, sowie Reti- Grünseld einigten sich in ein friedliches Remis. Die Partie Moritz—Dlümisch wurde abgebrochen. Stand vor der letzten Runde Dogol- jubow 8V2» Rimzowitsch 7, Rubinstein 61/»» Wagner, Reti, Grünfeld 5i/2, Sämisch 41/’- Tarrasch 31/2. Gottschal 4, Dlümisch 21/3 + H. Moritz 0 + S. Der 18. internationale Esperantokongreß in Genf. Der 18. internationale Esperantokongreß wurde am Sonntag, den 2. August, von Vertretern der Schweizer Regierung in Genf eröffnet, und zwar in französischer Sprache. Dann wird Esperanto die einzig zugelassene Sprache sein. „3a, das will ich, Fob. Ich will den Zweikampf mit dem Herrn Bankdirektor aufnehmen." „Um Gotteswillen, Gabbh, ich beschwöre dich! Fordere Harry nicht heraus! Ich glaube ja gern an deine Freundschaft, an deine SeVst- aufopferung und auch an deinen Scharfsinn^ Aber du kennst Harry nicht. Er ist zu allem fähig. Seine Schlauheit wiegt zehnmal die deine auf. Tue, was du willst, aber laß dich nicht darauf ein, deine Kräfte mit den seinen zu messen. Er ist in seiner Art monumental." „Unsinn!" antwortete Gabby leichthin, „ich habe es schon mit schlimmeren Kerls zu tun gehabt als deinem Harry!" Ueber Fob war die ganz gleiche Stimmung gekommen, in der sie Gabby bei ihrer unerwarteten Ankunft in Warminge angetroffen hatte. „Laß es bleiben!" bat fte, „es nützt ia nichts. Was geschehen ist, kann nicht mehr geändert werden. Was könntest du auch anderes tun, als Harry nur aufzureizen, so daß er neuer- dings eine Gelegenheit hätte, zu triumphieren. Richt nur gegen die Dummheit kämpfen die Götter vergebens." „Ohne irgendwie meine Wenigkeit mit so hochgestellten Wesen vergleichen zu wollen, erlaube ich mir, auf das entschiedenste gegen diese voreilige Behauptung zu protestieren." „Ja, ja und nein, nein. Kümmere dich nicht um mich, sage ich dir. Warum bist du überhaupt hergekommen? Es ist ja ganz sinnlos, alle diese Wunden wieder aufzureitzen. Reise ab von hier, bevor es zu spät wird." Fob verdeckte das Gesicht mit den Händen, um die Tränen zu verbergen, die sie nicht mehr zurückhalten konnte. Da fiel plötzlich ein Schatten über den Wiesenfleck. Es war der Bankdirektor in höchsteigener Person, der aus den Büschen neben denv Gartenweg heraustrat. Er lüftete mit ironischer und spöttischer Miene seinen Hut. „Fob," sagte er, „denk doch ein wenig an dein Aussehen, wie unterhaltend und herzstärkend es auch fein mag, in der Abenddämmerung ein paar Tröpfchen zu meinen. Verzeih die Frage, gelten die Tränen nicht einem gewissen Herrn M?" (Fortsetzung folgt.) . Zu den schon genannten Gästen aud anderen fetifen der D T. ist gestern noch KreiSober- Lrnwart Schmid (Berlin) vom Kreis 111 b mautv auf dec falschen Seite die Kurve ge- f^rdenspacht gefordert, die derzeitigen Pächter " , 60 Prozent au bezahlen, wenn sie 2. U. Don der Landesuniversität kikhen. Die venia legendi wurde erteilt: 1der medizinischen Fakultät dem Assistenzarzt Paul Schumacher für das Fach der ®c- luQshilfe und Gynäkologie: in der veterinär- 7^izinischcu Fakultät dem Assistenten Dr. Mel- c c: Westhues für das Fach der Detecinär- Gcirgie; in der philosophischen Fakultät dem ?.'kierungsrat Dr. Adolf Kraft für das Fach Kr landwirtschaftlichen Betriebslehre. *• ©in Zusammen st oh zweier ?ut os veranlaßte am Samstag abend gegen ■ l-Ihr einen Menschenauflaus tn der Südanlage, int Personenwagen kam aus der Brsmarckstraße Vv. Icharfer Fahrt und streß gegen einen die ©üb« Lige in Dichtung nach Osten durchfahrenden Kraftwagen. Wie wir hören, soll das PerWen dem CBunb an. r Welt, rchachkougreß. töe getoann ®ruM uernspiel) durch über« ’Wr englischen Partie Rett die QuaM ie Partie für sich zu enbauernspiel gctoann urteil gegen Wagner, iorrasch wurde durch Ersteren gewonnen, orih wurde nnch d etwas besserer rbrvchen. Staub nach । Pf2, Aunzowitsch : 5,4- Lester und nfeld 5, Samisch 41/, 3, Aümisch 21/>. Uh- !unde gelang es Legal- Dauemplus die Partie en. Sarrafd) batte eüS bic belfere durch einen gr.bcn tn die Früchte seine- e Partie. Samisch siel es angelegte Falle und die Dassen strecken. ।. Wagner, sowie Reü- ) in ein friedliches )-Dlümisch wurde abgc- ■ letzten Runde Dogol- l, Rubinstein öl/;, Dag- Samisch 41/,. Sam'4 sch 2Vi t Ä W le EsperalltokmlgreZ i°s. . nale AperanwionM i 2. August, von Ler gienmg m Gens er Sprache. Dann wird n gelassene Sprache ^ Zscandenburg) der D. T. hinzugekommen. Er |f: der Führer der aus 17 Mann bestehenden brutschen (Riege beim Eidgenössischen Turn- -kft in Genf gewesen Auf der Heimfahrt von htt hat er es sich nicht nehmen lassen, den Mtt- Iiklrheinern in Gießen einen Besuch abzustatten, loch ganz unter bem Erlebten in Genf stehend, «zählte er von dem trefflichen Eindruck, den die knutschen Turner, die in einer Zahl von insge« '.t»t 200 bei den Schweizern zu Gast waren, m kx Schweiz gemacht haben. Selbst in dem stark rUlchen Genf wurde Urnen ein äußerst frcund- Her Empfang bereitet. KreiSoberturnwart chmitz verfolgte mit regem Interesse die 2et- : ugen der Mittelrheiner. Ec äußerte sich seinen Iltarbcifem gegenüber nicht nur sehr anerfen- iib über den trefflichen turnerischen Geist und : zum Xctl beachtenswerten Darbietungen. Jonen war auch voll des Lobes über die g a st - iiche Feststadt Gießen. Wir begrüßen .■.;i Gast aus der Mark Brandenburg herzlich n unserer Mitte. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. MMetrheinisches Kreisturnfest 8 ^lhr, Kon» in der Festhalle. — Lichtspielhaus Bayn- sstrahe: .Zridencus Rex"' 3. und 4. Seil. — toria-Lichtspiele: .Hyänen des Meeres" 2. Seil ö Schluß. - Wettervoraussage. Zeitweise aufheiternd, wärmer und Aachlassen Irr Aiederschläge, doch wieder zunehmende kiübuna. linier Bezirk liegt heute aus der Ruckselle fcr starken nordöstlichen Störung. Bon Südwesten |t hoher Druck nach Mitteleuropa vorgestoßen, ter jedoch an seiner Westseite von neuem ge- sihidet ist. Riederschlagsmengcn' Bvm 1. August 7,25 l-H bis 2. August 7,25 Ilhr früh 7,2 Millimeter tnv vom 2. August 7L5 früh bis 3. August 7,25 llyr früh 13,2 Millimeter. 3ic Gesamtzahl der Besucher deS Kongresses eläuft sich auf etwa 1000 Personen auS 31 rt> aalen. Aus Deutschland sind etwa 550 'Iperantisten eingetrof’en. Die ReichSregierung il durch Professor Wietter, Leipzig, ver- rtten. Erdstöße im Vogtland. 3m oberen Vogtland, namentlich in Falci, st e i n und Dorfstadt. wurde ein ziemlich eftiger Erdstoß verspürt. Schaden wurde nicht ngerichtet, doch hat sich der Bevölkerung eine rgehcura Erregung bemächtigt prähistorische Junbe in Westfalen. Beim Ausbaggern des neuen Livvebettes wur- -sn bei Dorsten zwei fossile Menschenschädel ge- enden, die von Sachverständigen wegen der flachen >:imbitbunfl und anderer Merkmale primitiver Ent- • rflung für Schädel prähistorischer Menschen gehal- ie« werden, die zu Beginn der letzten Eisperiode hror etwa 25 000 Jahren) gelebt haben. Utnia^J5 s m { JSuat «ne Ostung J92». dor. > är n-?euer. 2' <&£ 3en$tieh . richtete xJ. chstrhendes J°PpeljubEL0nühtn ®WünR m<,nt t. 8 Ren”er und röfjrsä limmeren ä« Aus Stadt und Land. Gießen, den 3. August 1925. Don den Saarturnern. Unsere lieben Turngäste aus dem Saarland uirb dem übrigen besetzten Gebiet werden . EeraU herzlich begrüßt und aufgenommen. In den iwftn>irl|d)aften und Kasseehäusern der Stadt, wo ia gestern abend Einkehr hiesten, waren sie überall higenstand herzlicher Ovationen. Heute nachmittag - d mehrere hiindcrt Saarturncr Gäste der Stadt inü Turnerschaft Bad-Nauheim. Heute abend uGranftaltcn die Saarturner hier eine Abschieds- |ai e r. Wie wir erfahren, treten unsere Saargäste in argen früh 9.35 Uhr die Heimreise mit Sonder- ig an. Wir wünschen, daß sie von den Gießener ugen ein reiches inneres Erlebnis mit in das katsche Saarland nchmen. .Mögen ihnen die hie- Den Eindrücke und die mit Vertretern aus allen tcuen des Mittelrheingebietes geknüpften neuen -eundschaftsbande eine weitere Stärkung geben i dem von ihnen geführten heroischen Kampf für rchaltung deutschen Volkstums in der hartbedräng- n Westmark. Wir haben den vortrefflichen deut- twm Geist unserer Turnbrüder von der Saar, der R ofel und dem Rhein in diesen Tagen in innerem rieben kennenaclernt, er hat uns mit Bewunde- rüg und Dankbarkeit erfüllt und uns selbst wieder mju ange|pornt, in unentwegter Treue zu unseren trübem im Westen zu stehen. Ein weiterer Turnersührer als Gast. armen, das Lastauto dagegen kein Signal ge- }P'?n haben. Der Personenwagen erlitt am -. en Vorderrad eine Panne, so daß ber Reifen ;rrchselt werden mußte. Weiterer Schaden tfl tlj: entstanden. Auftrieb auf dem heutigen Frank- ' rter S ch l a ch t v i e h m a r k t: 389 Ochsen, 49 8 ten, 867 Färsen und Kühe, 581 Kälber, 115 C*i)le, 2 ßr ge- ft itM«»',’6 ttiiunDSi«® ein. Su«» nuuk' g'L> 'Ä &••&??* ■ < '«Ml cmeui upke uit: ovIH':OullU uc» y a t * e hnoffe" aenannt, zahlreich und mit sehr schönen Pferden erschienen waren. Dienstags war Vieh - und Schweinemarkt, nach- mittags war die Verlosung, bei der eine trächtige Kalbin, ein Fohlen und andere begehrenswerte Dinge als Preise winkten, und später Tanz ber Ulrichsteiner. Am Mittwoch kam bann ber Krä » mermartt, ber reich beschickt war, und am Nachmittag der allgemeine Tanz. Die Verkaufs- und Dergnügungsbuden stunden diesmal vom Zimmer bis fast zur Schule, und im Nahmen der Haupt- straße, überragt vom wieberhergestellten Kirchturm unb dem ausgebauten Spritzenhaus, entwickelte sich ein buntes Treiben. Den Höhepunkt des Diehmarkts bildete zweifellos die Prämiierung am Diens- tagnwrgen, zu der eine Menge Vieh, durchweg von hervorragender Qualität, aufgetrieben war. An Preisträgern erscheinen erwähnenswert: 1. Vogelsberger Bullen, Versuchsgut Selgenhof, 1. Pr.; 2. ältere Vogelsberger Kühe, Heinrich Fritz, Wohnfeld, Ehrenpreis der Stadt Ulrichstein: Adam Rühl, Unter-Seibertenrod, 1. Preis: 3. jüngere Vogelsberger Kühe, Heinrich Fritz, Wohnfeld, 1. Preis-, 4. Vogelsberger Kalbinnen, Versuchsgut Selgenhof, 1. Preis: Karl Stein IL, Unter- Seibertenrod, 1. Preis: Karl Momberger IL, Unter-Seibertenrob, 1. Preis; Förster Gebharb, Rubingshain, 1. Preis; 5. Simmentaler Bullen, Ge- meinbe Stumpertenrob, 1. Preis; 6. Simmentaler Rinber, Wilhelm Fuchs, Stumpertenrob, 1. Preis; Bürgermeister Appel, Ulrichstein, 1. Preis; 7. Simmentaler Kühe, Konrab Eckstein, Stumpertenrob, Ehrenpreis ber Stabt Ulrichstein: Wilhelm Fuchs, Stumpertenrob, 1. Preis; 3ohs. Rau L, Meiches, 1. Preis: 8. Familien: Lanbwirt Horst, Stumpertenrob, ein Diplom: Wilhelm Fuchs, Stumpertenrob, zwei Diplome. Die Preis- richterarbeit mag recht schwierig gewesen sein: bas Vieh war burchweg hochwertig. 3m ganzen würben 89 Preise, Anerkennungen unb Diplome zuerkannt. Als Preisrichter amtierten für Simmentaler Vieh bic Herren Dr. geifert, Schotten, Bürgermeister Morschrob, Zeilbach, Lanbwirt Heinrich Orth, Nieber-Breibenbach, für Vogelsberger Vieh: bic Herren Deterinärrat Dr. Wagner- Gießen, Guts- besiher Theobor Fischer, Hof Zwiefatten, unb Dr. Schmibt - Schotten: außerbem waren von ber Lanbwirtfchaftskammer tätig bie Herren Zucht- Inspektoren Richtberg unb Bürler, beibe von Gießen. — Der Markt scheint wieber einen bebeutfamen Aufschwung zu nehmen, wozu wir in Anbetracht ber früheren Bebeutung bes Marktes nur vollen Erfolg wünschen können. Kreis Büdingen. )( Ortenberg, 1. Aug. 3n ber Frühe bes Dienstagmorgen starb plötzlich unb unerwartet ber langjährige Stabtredjner, Herr Philipp Winter, im Alter oon 70 3ahren. Wie beliebt unb geachtet ber Entschlafene war, baoon legte ber lange Leichenzug ein berebteg Zeugnis ab, ber sich gestern vor unb hinter bem neuen Leichenwagen her, ber zum erstenmal in Gebrauch genomen würbe, burch bie Straßen unseres Stäbtchens zum Friebhof bewegte. Der Militär- unb Deteranenoerein, ber Schützen- verein unb Gesangverein nahmen geschlossen mit ihren Fahnen baran teil. Am Grabe angekommen, zeichnete ber Ortsgeistliche ein wahrheitsgetreues Bilb bes bewährten, treuen, beulfchen Mannes. Dann ließen ber Kirchenoorstanb, ber Schützcnverein, ber Vorschuß- unb Krebitverein, bie Stabt Ortenberg, ber Kreisrcchnerverbanb, ber Veteranen- und Mili- täroerein und Familie Kalb prachwolle Kränze mit entsprechenden Widmungen niederlegen. Der Militärverein feuerte seinem Ehrenpräsidenten eine dreifache Ehrensalve über das offene Grab. --Ortenberg, 1. Aug. Nach wie oor beschäftigte bic Frage ber Wasserleitung lebhaft bie Gemüter. Nachbem es Enbe ber oergangenen Woche zwei Tage ununterbrochen geregnet hotte, kein Gartenbesitzer also zu gießen brauchte, auch bie inbustriellen Werke kein Wasier nötig hatten, blieb am Sonntagmorgen in ben höher gelegenen Teilen ber Stabt bas Wasserabermals aus. Woran lag bas? Entweber nur an ber Rücksichtslosigkeit einzelner, bie in ber Nacht unnötig bas Dosier fortlaufen ließen, ober aber, unb däs ist wahrschein. licher, daran, weil die Ceüung einfach nicht mehr ausreicht. Man muß bedenken, daß in den letzten 3ahren einige Großverbraucher an das Dasierlei- tungsnetz angefchlvsscn wurden, die, wie einer der- selben allein ün Jahre 2500 Kubikmeter Wasser, also etwa den 20.—25. Teil des ganzen Vorrats verbrauchen jollen (die Rich'.igkeil kann nur durch Sachverständige nadjgeprüjt werden). Will die Ge- nosienschast bei solchem Mehrverbrauch die Leitung nicht erweitern, dann muffen eben solche Großver- braucher auf die Anlage einer eigenen Wasicrleituvg hingewiesen werden. Ob die ganze Frage dadurch gelöst werden kann, daß man einzelnen Abnehmern jetzt Wassermesicr setzen lassen will, eine Maßnahme, die bei den Betrosfenen große Erbitterung hervor- gerufen hat, aroßc Kosten verursacht und vielleicht überhaupt nichts Hilst und zudem rcchttich vielleicht ansecknbar ist, ist sehr zu bezweifeln. Diele der 'Betroffenen weigern sich zudem, den Wasiermesscr fetzen zu lasten, wenn nicht zugleich alle damit bc- bad)t werben. Die beste Lösung wirb baher bie fein, entweber die inbustriellen Werke abzufchatten, was sehr rückständig wäre, oder den Wasserzusluß zu vergrößern, den Behälter zu erweitern oder |c nach Bedarf das Wasser des Stadtbrunnens durch einen Motor, was technisch durchaus möglich sein soll, direkt in das Drtsncji zu pumpen. Dann ist, was von einer richtigen Wasserleitung verlangt werden muß. Master für alle Abnehmer und für alle Zwecke da. Buntes Allerlei. EineWunderhöhle imSauerlanb. Haben die Bergsteiger im letzten halben 3ahr* hundert sich hauptsächlich der Bezwingung ber stolzen Hvchgipfel zugewendet, so suchen sie jetzt mehr und mehr, da bie wichtigsten Höhen erobert sind, tief unter der Erde oder im Dunkel des Innern der Berge ihren Endeckungs- und Abenteuereiser zu befriebigen.Die Höhlenforfchung ist modern geworden und seitdem 1910 die Dachsteinhöhlen unb bald darauf die gewaltigen Eisriesenhöhlen im Sennen- gebirge bei Salzburg erschlossen wurden, haben sich überall Vereinigungen deutscher Höhlenforscher gebildet, die den Wundern der Tiefe in Aacht und Eis nachgehen. Deutschland besitzt in Westfalen eine Tropfsteinhöhle, die zu den schönsten unb größten gehört unbeineSehenswürdigkeit allere r'ten Ranges ist. ES ist die Attendorner Tropfsteinhöhle, die bei der alten Hanfaftadt Attendorn im Sauerlande liegt. 3bre Wunder fchildert Geheimrat G. G. Winkel in „AeclamS Llniverfum". Die Höhle liegt von der Stadt eitoa eine Viertelstunde entfernt, ihr Eingang ist unmittelbar an der Straße, und sie tfl daher leicht zugänglich. Man hat dieses großartige Aaturdenk- rnal nut zum Teil bisher erschlosten. 3n diesem heute zugänglichen Teil der Höhle, die etwa 50 größere und kleinere durch ein Labyrinth von Gängen und Treppen miteinander verbundene Grotten, Kuppeln und Dome umfaßt, sind überall Wege angelegt, Brücken gefchlagen, elektrische Lichtanlagen durchgesührL 3m letzten Jahre haben bereits über 60 000 Besuchet sich durch sachverständige Führung mit diesem märchenhaften Dergpalast bekannt machen lasten. Da die Höhle sich zweifellos noch viel weiter etsttett, sollen im kommenden Winter Aeusotschun- gen gemacht werden, um noch weitere Teile zu erschließen. Die Höhle ist vor ähnlichen Gebilden durch die übettafchend hohe Zahl großer und schönet Tropfsteine ausgezeichnet. An einer Stelle, der Kerzenhalle, gibt es an die 50 schlanker, zum Teil bis 5 Meter hoher alabastetweihet Trop'steinsäulen die bis zur Decke reichen. Das Merkwürdigste aber sind mehrere größere Gruppen von langhincjezogenen, farbig gestreiften Gardinen, Vorhängen und Seaeln mit Mustern an den Kanten, die von einet geradezu erstaunlichen Regelmäßigkeit sind. Ein wundervoller Kronleuchter hängt oben von der Decke herunter. 3n dem als Ruhmeshalle bezeichneten Saal befindet sich ein hoch aufsteigendes Siegesbenkmal. während die Decke darüber mit mehr als 30 Troplenstein- Fahnen prachtvoll behängt ist. Sine große Grotte erschimmert unter einer farbigen Glühlampe in zartroter Glut und zeigt eine Kapelle mit Orgel, Altar und Tausstein. Aus dämmernden Schluchten drängen sich Wastetfälle und Gletscher hervor. Mit allerlei phantastischem Getier, mit Wanderern und Zwergen scheinen die Wände belebt, unb dem phantasievollen Blick quillt aus diesen stets wechselnden Formen eine Äebersülle von Gestaltungen entgegen. Taufende und Abertausende von Waster- tropfen hängen an den Wänden, die beim Schein der 600 elektrischen Lampen aufblihen, während die Lichtstrahlen von den Kristallen in buntem Regen- bvgenglanz gebrochen werden. Hundstage. Die Hundstage, die kalendermäßig am 24. 3uli beginnen, warfen diesmal ihre Schatten oder vielmehr ihr grelles Sonnenlicht bereits voraus. Woher kommt mm der merkwürdige Rame dieser Wochen, woher der Aberglaube an allerlei schlimme Ereignisse, der sich mit ihnen verbinden foll*? Die Hundstage sind ein vieltausendjähriges Vermächtnis, das die altägyptische Astronomie bis auf unsere Tage vererbt hat. Spielte doch der Sirius, dieses Gestirn erster Größe im Sternbild des Großen Hundes, den die Untertanen des Pharao Sothis nannten, bei ihnen eine große Rolle. Zunächst hatte in Aegypten als 3ahresanfang der Beginn der Rilüberschwemmungen gegolten, die mit ihrem fruchtbaren Raß für das ganze Land stets von größter wirtschaftlicher Bedeutung waren. Dieses große Ereignis, das in die zweite Hälfte des 3uli fiel, kündete sich nun astronomisch dadurch an, daß die Sonne beim Hcrannahen der Periode mit dem Sirius gleichzeitig aufging: dieser hellste Stern am ranzen Firmament war in der Morgendämmerung zu sehen. Da die Aegypter den Sochis wegen seines strahlenden Glanzes hoch verehrten, so brachten sie diesem „helialifchen Aufgang" des Sternes mit der Rilüberschwemmung in Verbindung. und er galt als der Vorläufer, gleichsam als der Dringer dieser segensreichen Fluten. Der Beginn des 3ahres wurde gesetzlich gleichzeitig mit dem Erscheinen des Sirius in der Morgendämmerung festgesetzt und der Stern als einer der segensreichen Götter angebetet. Zunächst rechneten die Aegypter ein reine- Sonnenjahr mit 360 Tagen, aber bald merkten sie, daß bei dieser Annahme schon nach wenigen Fahren der Beginn der Rilüberschwemmung und der des gleichzeitigen Aufgangs deS Sirius mit der Sonne sich sehr beträchtlich gegeneinander verschoben. Wie der Mythos erzählt, soll der Sonnengott Thot der Wondgöttin 3siS im Brettspiel' fünf Tage abgewonnen haben, die er den Menschen zu den bisherigen 360 Tagen des IahreS als Zugabe hinzuschenkte, so daß sie nun 365 Tage im Fahre besaßen. Aber auch diese Tageszcchl im Fahre bewirkte, wenn auch nicht so rasch, so doch allmählich eine Verschiebung deS helialifchen SiriusaufgangeS gegen den Jahresanfang, alle vier Fahre betrug diese einen Sag, fo daß also erst nach je viermal 365 oder 1460 Fahren der gleichzeitige Aufgang deS SiriuS mit der Sonne mit dem Fahresauigang -ufammenfiel. Diele große Periode. die die Aegvpter die Sochls-Periode nannten. ist ein Beweis dafür, daß die alten Astronomen die Dauer eines Fahre- bereit- \u 365’/* Sagen bestimm» hatten. Diese Fahresberechnung der alten Aegypter bildete dann die Grundlage für den von 3u- liuS Cäsar eingeführten Fulianifchen Kalender, ber ja mit Veränderungen nod) heute gilt. Die HundStage stehen demnach auch mit unserer gegenwärtigen FahreSeinteilung noch in enger Beziehung. Die plückverheihende Bedeutung, die man dem die Rilüberschwemmung verkündenden SiriuS in der Morgendämmerung zuschrieb, trat aber allmählich mehr und mehr zurück. Mit den fruchtbaren Wassern lam nämlich zugleich die Zeit der großen Hitzen, der gefährlichen Seuchen und des fchlimmen Steroens. Aus dem zurückbleibenden Schlamm des FlufseS fliegen giftige MiaSmen auf. und nach dem Segen kam das Elend, für daS man ebenfalls ben Sothis verantwortlich machte. Die Griechen, die dem Hunds-Gestirn den Ramen SiriuS beilegten, übernahmen nur diesen Glauben an die unheilbringende Macht des Sternes: sie sahen in ihm den sagenhaften Hund der Unterwelt, den Jupiter dem Sotenrichter MinoS gefchenkt und der dann an das Firmament versetzt worden war. Ptolemäus gibt ihm eine feuerrötliche Farbe, und zu 'Beginn der ..HundStage" opferte man einen roten Hund, um das schlimme Gestirn zu versöhnen und günstig zu stimmen. Rach den Angaben des HippvkrateS, dem sich die römischen Raturforscher anschlossen. „beginnt an dem Sage, da der Hundsstern fich erhebt, das Meer zu kochen: der Wein wir> schlecht, die Hunde bekommen die Sollwut. beim Menschen vergrößert sich die Galle und wird gereizt. alle Siete verfallen in Schlaffheit und Srübsinn: die Krankheiten, die diese Zeit am häufigsten hervorruft, sind die heißen und andauernden Fieber, die Datmkatharte und Tobsuchtsanfälle". Bei der ungeheuren Autorität, die Hippokrates im Mtttelalter besaß, ist eS kein Wunder, daß der ®tau6e an die Gefährlichkeit der Hundstage das ganze Mittelaller hindurch bi- in die neuere Zeit hinein bestehen blieb. Rach den alten Medizin- und Rezeptbüchern muß man in dieser Zeit besonders vorsichtig fein, sich tüchtig zur Ader lassen, nicht haben, wenig essen, nicht zu viel schlafen usw. f Büchertisch. — Die neue Nummer ber .Illustrierten Zeitung" (Verlag 3. 3- Weber. Leipzig) steht mit üjrer Titelzeichnung „Die Thomaskirche in Leipzig" von C. Streücr unb bem Eingangsartikel ..Neue Wege ber Bach-Forschung" von Dr. W. Hitzig im Zeichen ber 175. Wieberkehr bes Tabestages^ von 3ohann Sebastian Bach am 28. 3ulL Eine Frage von großer Tragweite betjanbelt ber Aufsatz „Die ÄuUuraufgabc ber beutschen Frau in ber Gegenwart" von Marie Sdjcmpp. Einen großen Raum nimmt in ber vorliegenben Nummer Die Kunst ein. Die Tagesereignisse bes 3n* unb Auslanbes treten in trefflichen Bildern und einer oorzüglichen Zeichnung oon A. Reich lebendig vor das Auge. — Der Piper-Bote für Kun ft und Literatur, bic Hauszeitschrist bes Münchener Verlages R. Piper Le Co., laßt soeben sein Sommer» heft hinausgehcn. 3n seinem Mittelpunkt stehen Aussätze über Landschaft unb Baukunst. Das Heft wirb eröffnet von einer farbenreichen Reiseschilbe- rung Mercschkowskis über einen Besuch ber Akropolis. Der soeben viel zu früh gestorbene Moeller van ben Bruck zeichnet P o t s b a m unb seine Lanbschast. H. Seblmayr entwirft ein Bild vom Schaffen des großen Barockbaumeisters Fischer oon Erlach, dessen Ruhm die Bauten in Salzburg. Prag, Wien, Bres'au verkünden, lieber die Gattin Dostojewskis, deren Lebens- erinncrungen zu den schönsten Frauenbüchern zählen, die wir besitzen, schreiben drei grauen: Helene Döhlau, Helene Raff und Auguste Supper. So bietet der Piper-Bote mannigfaltige Anregung und legt zugleich Zeugnis ab oon ber rüstigen Weiterentwicklung eines unserer angesehensten Verlage. Rudolf Dietz: KoPPsalat 2. 3m Selbstverlag des "Verfassers. (Rudolf Dietz, Wiesbaden, Schühenhofstr. 14.) 50 Pfg. Das neueste Heft deS volkstümlichen Mundartdichters enthätt in „25 Abschnitten" eine reiche Fülle erfrischenden HumorS. von E. 3. Frankenbach vielfach mit treffendem Witz ein- gerahmt. Diesmal sind es fast durchwegs harm- >se kleine Erlebnisse .vom Lande", wahre ®e- schichtchen und heitere Elrifälle, die den Leser erfreuen und ihn hell auflachen lassen. — Paul Casberg: Hundepack. Zehn handsignierte Originalrad.erungen mit einer Einführung von Max Osborn, lVolksverband der Bücherfreunde. Wegweiser-Verlag G. m. b. H.. Derlin^Charlottenburq 2, Berliner Straße 42/43.) Hier spricht einer, der mit tiefem Wissen von der Gestalt und der Gestaltensülle unb von den psychologischen Rätseln des Hundes zu berichten weiß. Der zugleich mit großer zeichnerischer Sicherheit und reit er Technik die Radel führt und die Raffinements der Achkunst beherrscht. Die Treue und Klarheit der Beobachtung, die Beseelung des Linienspiels, der aus angeborenem 3nftinft gefundene Ausdruck, die bedachte komvositionells Eingliederung der Tierfiguren in Fläche und Raum madjen diese ■ Blätter zu künstlerischen Leistungen. Mit meisterhaften Strichen w:iß der Radierer die Lebendigkeit jeder einzelnen hier festgehaltenen Situation herauszubringen und erreicht eine starke Originalität Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spsiialkeranstalt Hol- beim I. Tannas bei Frankfurt a. M Behatrl. eingerichtet, vorzügliche Verpflegung fauch Di St-Kuren I. Mäßige Preise Prospekt durch Dr. !fl. Schulze - Kahley**, Nervenarzt 9ür, Uhr sländic H Set Wtan tommin, fettet, bet bxndsra fir.' Lrschei" Son" Aiehen S" mono 2 Gold Ptfi aul j Zeit von 2,081/5 und die 4mab-100»Qtteter»©taffcI in 454/5 an sich reihen. Auch in der Olympischen Staffel setzte Böltlingen gut an, konnte aber gegen die blendende Besetzung der Mainzer nicht auf kommen, die unangefochten in 8,312/.5 gewann; auch die 3maI»lOOO=‘2tcter=(5taffeI holte sich der Mainzer Tv. von 1817 in 3,493A. während die 4mal-100-Meter-Stafsel der Turnerinnen mit 56*/$ an Offenbach fiel. Eine Iugendseierstunde fand gegen 12 Slhr in der Stadtkirche statt. Der Besuch war befriedigend, denn die Kirche war vollbesetzt, immerhin wäre die Teilnahme zweifellos noch viel stärker gewesen, wenn in' dieser Stunde nicht der starke Regen niedergegangen wäre. Pfarrer B e ck e r hielt Die Predigt, hierauf hörte man einen Prolog, daran schloß sich eine Ansprache des Kreisjugendwartes Professor Dr. Bender- Frankfurt a. M- Die Weihestunde wird den Teilnehmern noch lange im Gedächtnis bleiben. Turnen der Baue. — Riegenturnen der Vereine. —o— Sonntag, früh 8 Slfjc begann auf dem Turnplatz das Turnen der Gaue mit anschließendem Riegenturnen der Vereine aus den jeweiligen Gauen. Sinter der Leitung des Kreiswartes für das Männeriurnen Franz Friede lFrankfurt a. M) trat als erster der Saar-Bliesgau in die Schranken, um die aus den allgemeinen Freiübungen durch das Los bestimmte Siebung den zuständigen Kampfrichtern vorzuführen. Doch — der Wettergott hatte diesmal zur entscheidenden Stunde das übliche Einsehen nicht wie an den beiden Vortagen, er lies; seine Schleusen geöffnet, wenn auch mit großer Zurückhaltung, — immerhin, es regnete und machte auch nah, langsam, aber sicher. Dieser Slnentschiedenheit der Wetterleitung setzte indessen die Kreisleitung ihre bewährte Entschiedenheit entgegen, das Turnen begann und wurde mit echt turnerischem Humor fortgesetzt. Die sämtlichen 28 Gaue des Kreises waren in acht Gruppen eingeteilt in Anlehnung an die sechs Gcm- verbandc. Jeder Gruppe standen 40 Minuten Zur Durchführung des Lumens zur Verfügung, die ersten 20 Minuten für die Freiübungen, die jeder Gau geschlossen turnte und an denen sämtliche Wett- und Musterriegenturner teilzunehmen verpfkichtet waren; die letzten 20 Minuten waren dem Turnen an den verschiedenen Geräten zugemessen. Die allgemeinen Freiübungen standen unter der Geltung der zuständigen Gauoberturn- warte und boten in ihrer durchweg schneidigen Ausführung eine schöne Siebersicht über die Arbeitsweise im Mittelrheinkreis. Der Saar-Bliesgau hatte die Siebungen der 1. Gauverbandsgruppe unter der Leitung seines Obmannes C o l b u s . St. Wendel, eingeleitet; es folgten in derselben Gruppe die Gaue Rahe-Idarlal, Miliebnosel-Saar, Bbes und Saar. Die 2. Gruppe bildeten unsere Hessen- t urner unter der Leitung des Gauoberturn- warts W i l h. Will, Gießen, und so zogen m ununterbrochener Reihenfolge sämtliche Gaue unseres Mittelrheinkreises am Auge der Kampf- rkhter und der immer zahlreicher werdenden Zuschauer vorbei, häufig begrüßt vom Beifall, der unter den schützenden Schirmdächern hervorrauschte zu den im Regen ausharrenden weißen Scharen der Turner. Sobald ein Gau mit seinen Freiübungen fertig war, rückte er, in seine Beweine aufgelöst, zum Riegenturnen an den Geräten vor auf den vorderen Teil des Turnplatzes. Barren, Reck und Pferd aber waren nah und bargen so Gefahren, die von den Turnern auch überwunden wurden. Dauernd wurde an den Holmen und Stangen abgetrocknet, dauernd aber ging auch ein feiner Regen nieder; trotzdem standen die Leistungen durchweg auf bewertens« werter Höhe und fanden ein zahlreiches, schaulustiges Publikum. Gleichzeitig wurden auf dem vordersten Teil des Turnplatzes die Wettkämpfe der Frauen duvchgeführt. Für den Reunkampf lagen 176 Meldungen vor, für den Sechskampf 265 und für den Dreikämpf 47 Meldungen. Es wurde in nur einer Stufe geturnt, die Teilnahme toar offen für alle Turnerinnen der Jahrgänge 1908 und frühere. Der Reunkampf umfaßte eine ?eecl'. Barren- und Pferdpflichtübung, eine Äür- upung an Reck oder Barren, eine Keulen- und Freiübung, schließlich die drei volkstümlichen Siebungen: Lauf über 75^Meter, Hochsvrung über die Latte lohne Brett) ab 0,80 Meter und Kugel- stoben ab 6 Meter mit 3»/4 Kg. Diese drei Volks- tumllchen Siebungen waren zugleich abgezweigt alS Dreikämpf, während die ersten sechs Geräteübungen zum Sechskampf zusammengefaßt waren. Sinter der Leitung des Kreiswartes für Frauen- turnen Zoh. Poller (Saarbrücken) traten die Turnerinnen in 24 Riegen an. Ihre im Verhältnis zu der oben geschilderten Entfaltung der 28 A^ue im Männerturnen geringe Zahl von rund 500 Teilnehmerinnen wurde ihnen zu einer wirksamen Waffe im Kampf mit dem nassen Element- kurz entschlossen räumten sie das nächste Bierzelt aus und verlegten alle dazu geeigneten Siebungen r!2cin’/e12061X11 auch oft in drangvoll-fürchterlicher Enge — sie erreichten ihren Zweck und brauchten nur zum Lauf. Hochsprung und K,gel- stoß mit wühlendem Fuß hinauszuwaten und auch dabei machten sie noch von dem bereitliegenden Sägmehl ausgiebigen Gebrauch. Was für ein schönes Bild hätte doch an oiefem Sonntagmorgen der weite Turnplatz ge- botm. wenn der Himmel gewollt hätte! „Gießen rEht seinem Ramen Ehre," hörte man gelegen!- llich -von Fremden sagen, „es gießt!" Auch im Fläche der Kampfbahn verteilt. Ein herrliches Bild! Die weiße Schar der Turner, flankiert von der grünen Blätterwand des Philofophenwaldes und in das großartige Panorama der weiten Bergland- schäft hineingestsllt. Leider konnte die Sire;-länger« schäft diese erste Gelegenheit, bei einem Kreisfest mit« zuwirken, nicht nützen, denn die Zeit war kostbar und der neue Platz nicht dafür geeignet. Dagegen kam die Ehrung der Gefallenen in der vorgesehenen Weise zur Ausführung. Die Musik spielte zwei Strophen des Liedes: „Ich halt' einen Käme« roden"; die Turner standen still, die Fahnen senkten sich, die Zuschauer nahmen die Kopfbedeckung ab und alles verharrte in andachtsvollem Schweigen. Unter Leitung des Kreisoberturnwartes Georg F r e y (Mainz), der seine Anweisungen durch Flaggensignal vom Besehlsturm des Turnplatzes aus gab, kamen nun die allgemeinen Freiübungen zu guter Durchführung. Kreisturnwart Franz Triebe lenkte die Hebungen als Vorturner vom Befehls« türm aus, die Musik begleitete die Taktzeiten. Reicher Beifall lohnte die aufgewandte Mühe und die exakte Ausführung. Während nun die Turner mit Gegenzug nach innen den Platz räumten, vollzogen gleichzeitig die Turnerinnen ihren Aufmarsch in fünf Säulen und gingen zur geöffneten Ausstellung über. Wenn sie sich diesmal auch in kleinerem Ausmaß darbot, so entschädigte dafür die Anmut der Hebungen, die aus einem fließenden, rhythmischen und einem straffen, zügig^ Teil bestanden mit einer Zwischenübung aus dem Schlaghops mit nachfolgendem Wiegentritt und dem Spreizgehen in der kleinen Kette. Unter der Leitung des Kreisfrauenturnwarts I o h. Poller (Saarbrücken) kamen auch diese ^Freiübungen zu ausdrucksvoller Darstellung, wahrend die Musik spielte und die beiden Vorturnerinnen Frl. K a ft e n (Frankfurt) und Frl. W e g e r (Wiesbaden) die Hebungen lenkten. Der Beifall war hier noch ausgiebiger, und freudig-elastischen Schrittes verließen die Turnerinnen die Kampfbahn. An den Absperrungsschranken hatte sich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, die sich nunmehr über den Festplatz zerstreuen mußte, denn für heute war nichts mehr von dem vorgesehenen turnerischen Programm zu erwarten. Die Kreisleitung war zufrieden, unter den überaus schwierigen Verhältnissen soviel erreicht zu haben, zumal mit dem Schluß der Freiübungen wieder ein kräftiger Regen einsetzte. Ergebnisse. Zahlreiche Siegerliften konnten vorn Berechnungsausschuß noch am Sonntag abend abgeschlos- f£n werben. Aus ihnen ist u. a. mitzuteilen: Volkstümliche Mehr- und Einzelkämpfe (Kreismeiiterfchaften) Vierkampf-Turnerinnen. 1. Müller, G., Tv. 1817 Mainz. 435 P.; 2 Albrecht, Hubertine, Tschft. St. Johann, 358 P.; 3. Müller, Else, Tv. Vorwärts Bockenheim, 243 P.; 4. Remy, Luise, Tgm. Reunkirchen, 308 P.; 5. Assion, Leni. Tgm. Reunkirchen, 299 P.; 6. Schulz, 3ba, So. 1860 Koblenz, 297 P.; 7. Holl. Hedwig, Tv. Koblenz-Lützel. 290 P. 1500-Meter-Lauf, Männer. 1. Thiriot, Ludwig, Tv. Völklingen, 4,233/6 Min.; 2. Dölp, Tv. Pfungstadt, 4,24V» Min.; 3. May, Kuno, Tv. Bad-Rauheim. 4,25 Min., 4. Bitte!, Hans, Tges. Koblenz, 4,27 Min. Schlagball-Weitwurf, Turnerinnen. 1. Reuth, Johanna, Tges. Ober-Ingelheim. 57,92 Meter; 2. Becker, Kathi, Tv. Vorwärts Oppenheim, 56,20 Meter; 3. Appel, Marianne. Tv. Braunfels, 55,70 Meter. Schlagball-Weitwurf, Turner. 1. Krieger, Karl, Tb. Algenrodt, 107,60 Mir.; 2. Bär, Helmut. Tv. Bornheim. 103,63 Meier; 3. Kaiser, Otto, Tv. Heddesdvrf, 96,50 Meier. Diskuswurf, Turnerinnen. 1. Gieß, Gretel, Tv. Offenbach a. M., 22,47 Meter; 2. Müller, Else, Tv. Vorwärts. Bockenheim, 21,58 Meter; 3. Remy, Louise, Tgmde. Reunkirchen, 21,23 Meter. Kugelstoßen, Turnerinnen. 1. Merler, Anna, Tv. Bad-Rauheim, 9,28 Meter; 2. Müller, Else, Tv. Vorwärts Bockenheim, 9,13 Meter; 3. Schmitt, Els<^ Tges. Koblenz, 9,01 Meter. 800-Meter-Lauf, Turner. 1. Diehl, Tv. 1817 Mainz, 2,06»/» Wl 2. Schüller, Tv. Riede r-E r l e n b ach, 2,O64/0 Min.; 3. May, Kuno, Tv. Bad-Rauheim, 2,07-/» Min. 200-Meter-Lauf, Turner. 1. Helbig, Tv. 1817 Mainz, 232/5 Sek.: 2. Schuler, Willi, Tv. Reu-Zsenburg, 23»/» Sek.,- 3. Schumacher, Otto, Tv. 1878 Völklingen, 23V» Sek.; 4. Hettler, Adam, Tges. Sachsenhausen, 234/» Sek. 5000-Meter-Lauf, Turner. Fechten. ging es gestern vom frühen Morgen bis zum späten End unentwegt weiter. Die Fechter, die sich vom Fechtboden im Freien auf die Bühne in der Fest- dalle zurückgezogen hatten, sanden dort für ihre JDarbietungen ständig einen lebhaft interessierten xU*«rau!rfrei9, handelte sich beim Fechten um Die Ausscheidungskämpfe für die Kreissonder- flaffen, die zur Teilnahme der Besten bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover berechtigen. « ^lDrc^ araren am Samstag und Sonntag saft o ^"chtigten auf der Kampfbahn, 21 an der Zahl- In harten, teilweise erbitterten Kämpfen wur- oen in Florett Kreissonderklasse: J- Lofsler, Tv. 1860 Frankfurt a. Ma.; 2. H. Schön- bube, Eintracht Frankfurt a. M.; 3. Dr. Kalk, Ein- tracht Frankfurt a. M.; 4. Thomae, To. Offenbach ?■ : 5. Eisenecker, Eintracht Frankfurt a. M : b- Eisner, uw. Bretzenheim; 7. Heim, 8. Dehe (beide To- Offenbach); 9. Zörb, Mtv. Gießen, 10. Titzer, Tgde. Hanau. .. Die 5 fr1 Do* Äin ® w kn An handle oti ton ar nach- heil betj zung d dost k Äito, .Dolkerku ^anzj "lfchen 9i Mer Zu ^*6in LV dankte er der gesamten Gießener Bevölkerung in herzlicher Weise für die wunderbare Ausschmückung der Stadt und für den freundlichen Empfang, ebenso, sagte er herzlichen Dank der Stadtverwaltung für die prächtige Aufnahme des Kreisturnfestes, wodurch erneut bewiesen sei, daß in Gießen echt turnerischer Geist herrsche. Mit dem Wunsche, daß Gießen weiterhin in segensreicher Weise wachsen, blühen und gedeihen und eine kräftige starke Turnerjugend heranbilden möge, ließ der Redner seine begeisterte und begeisternde Rede ausklingen. Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes bildete einen würdigen Abschluß dieser Ansprache. Mit dem Gesangsvortrag von Kurt Richter „Ich, hatte einst ein schönes Vaterland" und mit dem von der Militärkapelle schneidig zu Gehör gebrachten Armeemarsch „Preußens Gloria" schloß die eindrucksvolle Feier. ^Begrüßungsfeier. Am Samstagabend hatte sich in der F e st - halle eine Menschenmenge von etwa 4000 Köpfen versammelt, um teilzunehmen an der Begrüßungsfeier zu Ehren der Turn- gä ft e. Die Veranstaltung nahm in allen Teilen einen außerordentlich beifällig auf genommenen Verlauf. Die Darbietungen der Kapelle unseres 1. Bataillons J.°R. 15 unter Leitung von Obermusikmeister Löb er fanden insbesondere bei den Gästen aus dem Rhein-, Mosel- und Saarland jubelnden Beifall, da es diesen Volksgenossen ein erhebendes Erlebnis bedeutete, wieder einmal deutsche Militärmusik zu hören. 2lber auch die übrige, gewaltige Gästeschar ließ es an dankbarer Anerkennung für unsere 15er nicht fehlen. Gleich herzliche und dankbare Aufnahme fanden die hervorragenden Massenchöre der vereinigten Gießener Männergesangvereine unter der Leitung des Chormeisters G ö r l a ch. Verschiedene Ansprachen, die der Bedeutung des Festes und der Feier Erwähnung taten, waren leider nur in eng begrenztem Simfang vernehmlich. Besonders hervorragende Aufmerksamkeit widmeten die Tausende den verschiedenen turnerischen Darbiettrngen, die Glanzvolles, in unserer Stadt noch nie Gesehenes boten. Diese Leistungen wurden gewertet. Räheres darüber ist weiter unten unter der Sleberschrift "Sondervorführun- gen“ zu lesen. Begeistert von den glänzenden, vielseitigen Darbietungen hielt die vieltausendköpfige Menschenmenge trotz der getoaltigcn Fülle des Raumes bis weit nach Mitternacht aus. Der dritte Tag begann am Sonntag früh um 71/... ^Ihr mit einem Feldgottesdienst auf dem Turnplatz. Etwa 1500 Turner und Turnerinnen hatten sich dort eingefunden. Mit dem Gesang des Chorals „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", den die Militärtapelle unter Leitung von Ober- musilmeiste» L ö b e r begleitete, begann die eindrucksvoll verlaufene Feier. Pfarrer Bech- t v l s h e i m e r verlas zunächst Psalm 103, 1. u. 2. und hielt hieran anknüpfend eine sehr eindrucksvolle Ansprache. Mit Gebet, Vater unser, Segen und mit dem Gesänge des Altniederländischen Dankgebetes, wobei wiederum die Militärkapelle begleitete, fand "die feierliche Handlung ihren Abschluß. Der weitere Verlauf des Tages hatte in bedauerlicher Weise sehr unter der Slngunst der Witterung zu leiden. Dem andauernden Regen in den Rachtstunden folgte ebenso ausdauernd das ergiebige Rah von oben bis in die Mittagsstunden hinein. Daß unter diesen Verhältnissen die Abwickelung des Programms außerordentlich zu leiden hatte und zum Teil gar nicht durchzuführen war, ist in hohem Maße bedauerlich, wurde doch hierdurch gerade der Hauptag des ganzen Festes stark in seiner Wirkung gemindert. Die Turner freilich oblagen am Pormittag ihrer Tätigkeit mit unermüdlichem Eifer, dagegen mußte das Turnprogramm des Rachmittags nur auf die Massen-Freiübungen beschränkt werden, die einen vortrefflichen Verlauf nahmen. In den Abendstunden, gerade f als die Stimmung sich wieder etwas heben wollte, ging leider ein neuer sehr starker und anhaltender Regenguß nieder, der das Publikum zu einer Massenflucht vom Festplah veranlaßte. Die Festhalle war im Handumdrehen riesig gefüllt und vermochte keinen Zustrom mehr aufzunehmen. 3n endlosem Zuge strebten große Massen der Stadt zu, da die Elektrische trotz umfangreichen Dienstes auf die Bewältigung eines so starken Andranges nicht gerichtet war. Froher Turnergeist nahm aber auch dieses Mißgeschick mit Humor hin, andauernd erklangen in den Straßen die frischen Lieder aus sangesfrohem Turnermunde und zeugten von der guten Stimmung, die trotz allem vorherrschte. Die Leistungen sind in Anbetracht dieser Verhältnisse als sehr gut zu bezeichnen. 3m Schlagballweitwurf der Turnerinnen erreichte Frl. Reuth- Ober-Ingelheim die gute Leistung von 57,92, Krieger (Tv. Tiesenstein) konnte im gleichen Wurf der Männer mit . der sehr guten Leistung des Vorkampfes von 107,60 siegen, auch der zweite warf über 100 Meter. Die Turnerinnen bewiesen im Diskuswurf gutes Können, wo die Siegerin 22,47 Meter erreichte, das gleiche ist vom K u g e l st v ß zu sagen, den Frl. M ö r I e r (T v. Bad-Rau- h e i m) mit 9,28 Meter gewinnen konnte. Den 800-Meter-Laus der Männer gewann in gutem Lauf Diehl (Tv. Mainz), dessen Vereinsbruder Helbig auch die 200 Meter in der guten Zeit von 232/» Sek. gewinnen konnte. Der 5000-Meter-Lauf brachte einen scharfen Kampf, Bender, Schlagb.-Verein Saarbrücken, brachte den Sieg an sich. Gut ist gleichfalls die Leistung von Dörr-Bornheim, der im Diskuswurf der Männer 38,30 erreichte. Der Hochsprung der Turnerinnen wurde eine Deute von Frl. Müller- Mainz, die jedoch nur durch Stechen gegen Frl. Sl r - 6 a n - Bruchköbel gewinnen konnte. Hart rieben sich im Steinstoß die drei Besten, die alle das sehr gute Ergebnis von über 8,40 Meter brachten. Der 400-Meter-Laus sand unter scharfer Bekämpfung Händler-Mainz in Front. Eine gute Leistung brachte auch der Hochsprung der Männer, Wiegel -Koblenz sprang 1,75 Meter. Sinter den übrigen guten Leistungen des Tages sind noch besonders hervorzuheben Dreisprung der Männer 13,65 Weitsprung, den Hornberger als Ehrensieger mit 7,15 vor seinem vielversprechenden Schüler P r i e h. der 6,53 erreichte, gewann. 100-Meter- Laus Helbig- Mainz, der allerdings unter der Vorlaufzeit von 10,9 blieb. Sehr gute Besetzung hatten die Staffeln. Tv. Völklingen-Saar konnte hier sowohl die Schwedenstaffel mit der guten Ferner wurden noch als Sieger anerkannt: 11. Bauer. Eintracht Frankfurt a. M.; 12. (Sibert, To. Frankfurt a. M.; 13. Kahlenberg, T. u. Spgde. Mainz und Betz, T. u. Spo. Eschersheim; 14. Sachs, To. Frankfurt a. M. und Wahl, Tgde. Bockenheim. 3m leichten Säbel rangen 24 Fechter um den Eintritt in die Kreissonderklasse. Ktreismerfter wurde, wie in Florett, Löffler, Tv. Frank« f u r t a. M., während in die Kreissonderklasse außer ihm noch eintraten: 2. H. Schöndube, Eintracht Frankfurt a. M.; 3. Graf, To. Frankfurt a. SOI.; 4. Dehe, Tv. Offenbach; 5. 3. Thomson, Tv. Offenbach; 6. Kötting, Tgde. Darmstadt, 7. Betz, T. u. Spo. Eschersheim; 8. Thomae, Tv. Offenbach; 9. Martin, Tv. Frankfurt; 10. Kalk, Eintracht Frankfurt a. M. Ferner wurden Sieger: 11. Schenk, 12. Sachs, 13. Cardow (alle To. Frankfurt a. M.); 14. Krämer, Tgde. Bürgel und Eisner, Tv. Bretzenheim; 15. Ur= sprung, Tgde. Bornheim, 16. Zörb, Mtv. Gießen. Kreisfechtwart Stassen- Hanau, dem ein hochwertiges Kampfrichtermaterial zur Verfügung steht, erweist sich als umsichtiger und äußerst sachkundiger Leiter der sehr interessanten Wettkämpfe im Fechten, die heute früh ihren Fortgang nahmen, indem die Entscheidung im Kampfdegen ausgetragen wird. Der Festzug. Den äußeren Höhepunkt des Sonntags bildete der imposante Festzug, der sich in den ersten Rachmittagsstunden durch die Straßen der Stadt bewegte. Ungeheuere Menschenmassen hatten sich zu 'beiden Seiten der Marschstraßen ausgestellt, alle Fenster bis zum Dachboden hinaus waren von Zuschauern beseht, auf Torpfeilern, Gesimsen, Spalieren usw. usw. hatten sich Sin- zählige plaziert, um nur ja eine Stelle zu haben, von der auS sie das eindrucksvolle Bild, wie es unsere Stadt in gleichem Ausmaße und gleicher Schönheit wohl noch nie gesehen hat, zu betrachten. Leider hatte auch für diese Veranstaltung der leidige Regen manche Vorfreude genommen, desto größer war aber die Genugtuung darüber, daß der Himmel wenigstens während der Marschzeit des Zuges ein Einsehen batte, feine Schleusen geschlossen hielt, ja sogar für einige Zeit die Sonne durchkommen ließ. Sinter diesen günstigen Vmhältnissen nahm der Festzug denn auch einen recht zufriedenstellenden Verlauf. Sieber 100 Vereine, unzählige prachtvolle Fahnen, viele ausgezeichnet toftümierte Gruppen und Festwagen boten ein farbenfreudiges, denkwürdiges Bild. Der Vorbeimarsch des etwa 4 Km. langen Zuges dauerte rund eine Stunde. Zahlreiche Musikkapellen gaben den marschierenden Massen den Rückhalt. Sleber- all auf seinem Wege wurde der Zug mit Herz- lichen Zurufen und mit vielen Blumengaben erfreut, ganz besonders stark wurde diese Ehrung aber und mit Recht den Turnern und Turnerinnen aus dem besetzten Gebiet bereitet. 2ln der Spitze des Zuges war eine sehr eindrucksvolle Gruppe des Kavallerievereins, die den Alten Fritz und seine Offiziere in getreuen historischen SIniformen zeigte. Anschließend folgten die hiesigen Feuerwehren, hierauf im Wagen die Mitglieder des Ehren-Ausschusses und die Spitzen der Kreisleitung des Mittelrheinkreises. Dahinter marschierten zunächst die Mitglieder des Gießener Geschästsführendcn Ausschusses, soweit sie als aktive Turner nicht am Schlüsse des Zuges im Verbände der Gießener Turnerschaft gingen. Anschließend an den Geschäftsführenden Ausschuß zogen sie dann vorbei, von Heilrufen begrüßt und begleitet, die Tausende von Turnern und Turnerinnen aus Rheinhessen, Oberhessen, Hessen-Rassau, aus dem Odenwald und dem Spessart, vom Rhein, Main und Reckar, aus dem Saargebiet und von der Mosel. Fahne folgte auf Fahne und Wimpel' auf Wimpel, zwischm- durch Kapellen, Sim nur einiges aus der großen Fülle zu erwähnen: Sl. a. fielen besonders auf die Sekt- und Weinflaschen aus dem Rhein- und Moselgebiet, Emser Pastillen ans Bad Ems, der Aepfelweinkrug (Sachsenhausen), Bayrische Dierkrüge und ein grofteS Transparent aus Aschaffenburg, der Lauterbacher Strumpf und Westerwälder Basaltblöcke, von Bauern in Ori- ginalkostüm getragen, Hanauer Gelb^rübchen usw. usw. Der Gießener Arttllerie-Derein war in Kostümen und mit einer Kanone erschienen, auch der Verein ehern. Leibdragoner trug historische Slniform. 3m Schützen verein Gießen marschierte der Teil mit seinem Knaben, die verschiedenen Radfahrervereine hatten sich festlich einzeln und n Gruppen geschmückt. Die Gießener Ruderge- ellschaft fuhr in einem riesigen Wikingerschiff einher, dann folgten Wagen mit Mönchen, mit der Loreley, die Metzger und Bäcker batten festliche Gefährte, die Automobiloereine (Auto-Klub und Motor-Sport) folgten in festlich mit Blumen geschmückten Wagen, der Marine-Verein folgte mit einem Sl-Boot-Wagerr, den Beschluß endlich bildete die Gießener Turnerschaft. Eine Huldigung aus der Luft bereitete die Gießener Fluggesellschaft in sehr sinniger und wohlgelungener Weise dein Festzuge. Das Gießener Flugzeug stieg,.als der Festzug sich dem Festplatze näherte, auf, überflog zunächst den Platz, auf den es eine Blumenhlildigung abwarf, hierauf schickte es dem Festzua selbst Grüße aus der Luft und überflog im Abschluß noch einmal den Festplatz, wobei es nun einen Wimpel in den Farben rotweiß abwarf. Diese Huldigung fand allenthalben Anerkennung und wird als besonderes Ge- denkblatt der Kreisturnfestgeschichte sein. Ein besonderes Wort der Anerkennung muß in diesem Zusamenhang der ausgezeichneten Absperrungstätigkeit der Polizei gesagt werden, die in mustergültiger Weise ihres schweren Amtes waltete, ebenso verdient auch das Publikum in Anbetracht feiner einsichtsvollen und besonnenen Haltung eine anerkennende Note. Die Massenfreiübungen. Der Festzug war am Sonntagnachmittag nach flut zweistündigem Marsch auf dem Festplatz zur Auslösung gekommen und hatte schönes Wetter mitgebracht. Daher sammelten sich die Turner alsbald zu den allgemeinen Freiübungen. Aber es zeigte sich, daß der eigens dazu ausgestattete Turnplatz unmöglich benutzt werden konnte, denn er wies bet weitem mehr Wasser- als Latidflächen auf. Die Kreisleitung sah sich daher genötigt, die gegenüberliegende Kampfbahn zu beziehen. Dieser Hmzug «raubte noch ein gutes Stück Zeit, wenn auch jeder an seinem Platze seine Schuldigkeit tat, die Ausführung zu beschleunigen. Endlich konnten die Turner ihren Einmarsch in acht Säuten, sämtliche Fahnen voran, mit Marschmusik bewerkstelligen, und bald waren die rund 3 00 0 Turner in regelmäßigen Abständen über die weite Ridda, 16,48-,, Min.; 5. Datz, Peter, Tv. Finthen, 16,49-/, Min. Diskuswurf, Turner. 1. Dörr, Wilhelm, Tgde. 'Bornheim, 38,30 Meter; 2. Wagner, Wilhelm, Tgde. Sprendlingen, 35,68 Meter; 3. Dern, Heinrich, Tgde. Ried a. M, 33,88 Meter. Hochsprung, Turnerinnen. 1. Rkillcr, Gertrud, Tv. 1817 Mainz, 1,50 Meter; 2. Slrban, Anna, Tges. Bruchköbel, 1,50 Meter; 3. Espach, Tilly, Mtv. Gießen, 1,40 Meter. (Fortsetzung folgt.) Sondervorführungen während des Bearüßungsabends am. Samstagabend in der Festhalle fanden folgende.Wertung: Tv. Butzbach (Gau Hessen» Tungerfrei- übungen „sehr gut". Tv. „Vorwärts"-Bocken- unb Gruppenübungen) „sehr gut“. ^,0. Mamz-Kastel (Bockspringen mit Federbrett) „gut . Aschaffenburg (Barren mit Federbrett) „gut". Auf der Sanitätswache der Freiwilligen Sanitätskolonne waren bis zum gestrigen Abend über 200 Fälle in Behandlung. Nutzer einer schweren und einer leichten Gehirnerschütterung, einem Rippcnbruch und einer Stichverlehung handelte es sich hauptsächlich um rlentere Verletzungen, Hautabschürfungen, Verstauchungen, Muskelzerrungen. MagenversttMM mungen u. dgl. 1. Bender, Albert, Schlagb. V. Saarbrücken, 16,45V» Min.; 2. vom Schloß, Tkl. Reuftadt. 16,4675 Min.; 3. Schneider, Herrn., Tv. Drehen-