Kettag, 3. Zuli 1925 175. Jahrgang Nr. 153 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VnlS und Verlag: Brühl'fche Unlverfität5-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlid)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20% Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: 3. D.i Ehrhard Evers; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Giehen. Erscheint täglich, autzer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblLtter Heimat im Bild. Monatr-Vezugspreis: 2 Doldmark u. 20 Goldpfennig für Tritgerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undGeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: granffurt a. M. 11686. Die -eutsch-französifchen wirtschastsverhandlungen. Unterzeichnung eines modus vivendi am Samstag. Paris, 3. Iuli. (111.) Die französische presse berichtet, dah sich Staatssekretär Trendelen- bürg gestern nach der Unterredung mit L h a u - met telephonisch mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt habe. Eine Antwort der deut- fchen Delegation auf die französische Rote, die heute vormittag übergeben werde, wird nicht vor Samstag erwartet. 3m übrigen wird zugegeben, bah sich die Aussichten aus eine Verständigung erheblich gebessert haben. „L'Avenir" weist darauf hin. dah gestern in den Kreisen der französischen Dirtschaftsdelegation unverkennbarer Optimismus vorherrschte. Lhau- met hofft, dah in der für Samstag in Aussicht genommenen Vollsitzung die Unterzeichnung des provisorischen modus vivendi erfolgen werde. Ueberreichung der Note. Paris, 2. Juli. (WTD.) Handelsminister Cha um et hat heute nachmittag den Staats- felretär Lrendelenburg empfangen, dem er die französische Antwort auf die deutschen Vorschläge betreffend den abzuschließenden Modus vivendi überreichte. Die Unterredung dauerte über zwei Stunden. Die beiden Delegationsführer haben sämtliche strittigen Punkte, die in den zwischen den beiden Delegationen ausgetauschten Roten berührt werden, besprochen. Die französische Delegation hat zugesagt, dah sie morgen mittag die französischen Forderungen formulieren werde, zu denen alsdann die deutsche Delegation unmittelbar Stellung nehmen werde. Die SicherheitspaKtsrage. Wie wir erfahren, verhandelte der Reichskanzler Dr. Luther im Anschluß an den Kabinettsrat mit den Führern der Reichstagsfraltion der Deutschen Volkspartei. Die Reichstagsfraktion der Dolkspartei veröffentlichte nach dieser Besprechung eine Erklärung, in der sie mitteilt, daß die Fraktion von der Einbringung einer Interpellation zunächst absehe, nachdem der Reichskanzler erklärt habe, daß eine Aussprache über die außenpolitische Lage im Reichstag no chin dieser Tagung stattfinden werden. Die Reichstagsfraltion der Deutschen Volkspartei hat Richtlinien für den Abschluß eines Sicherheitspaktes ausgestellt, in denen es heißt, die Deutsche Dolkspartei stimme der Initiative der deutschen Regierung zu, eine Lösung der Sicherheitchrage nicht gegen Deutschland herbeizuführen. Sie fordert, daß die in Gang gebrachten Erörterungen in den Grundgedanken des deutschen Memorandums fortgeführt werden unter Ablehnung jeder Hineinziehung der militärischen Bündnispolitik Frankreichs. Dec Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei vor der Räumung der Ruhr und des 5ant- tionsgebiefs sowie auch der ersten Rheinlandzone undenkbar. Gr setzt weiter ein Festhalten an den Grundsätzen des deutschen Memorandums über den Völkerbund voraus. Wenn auch der Sicherheitspakt den V e r - sailler Vertrag nicht abändere, so könne doch Deutschland keine Verschlechterung der sich aus dem Vertrag ergebenden Lage hinnehmen. 3m Zusammenhang mit einem Sicherheitspakt ergebe sich die Notwendigkeit, das Rheinland- abfommen den veränderten Verhältnissen an- zupassen. Alle Streitigkeiten aus dem Versailler Vertrag, insbesondere auch über die Entmilitarisierung des Rheinlandes, müßten einem Schiedsverfahren unterstellt werden. Jede Wiederaufnahme früherer Sanktionsmaßnahmen fei abzu- le h n e n. Schiedsverträge dürfe Deutschland nur als Subjekt feiner Politik in voller Freiheit abfchließen. Nur bei Wahrung aller dieser Grundsätze scheine der Deutschen Volkspartei der Abschluß eines Sicherheitspaktes mit Deutschlands Interessen vereinbar. Die Sicherheitsfrage im Reichskabinett. Berlin, 2. 3uli. (WTB.) Das Rcichs- lablnett setzte heute nachmittag die Beratungen über die außenpolitische Lage fort. Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stress- ann berichtete über den Stand der Bor- Arbeiten für die Beantwortung der französischen Sicherheitsnote. Cs besteht über die Grundlinien der Antwort Einverständnis. Die Vorlage des Entwurfs im Kabinettsrat ist ehestens zu erwarten. Der deutsch - polnische Konflikt. Berlin, 2. Juli. (DU.) Die deutschen Maßnahmen stellen ein Spiegelbild der polnischen Maßnahmen dar. Sie werden in Einfuhrverboten auf eine Reihe von Artikeln bestehen, die die wesentlichen polnischen Ausfuhrwaren betreffen: vor allem Agrar- Produkte, wie Getreide und Fleisch. Indes gehen trotz dieser Maßnahmen die Be- mühungen weiter, um eine Beilegung des Konfliktes zu ermöglichen. Die polnische Delegation hat ersucht, in der Durchführung der deutschen Gegenmaßnahmen einen kurzen Aufschub eintreten zu lassen, um endgültige Instruktionen aus Warschau einzuholen. Marokkodebatte im Die Schuldfrage. — Die Paris, 2. Juli. (WTD.) Im Senat hat heute nachmittag der radikale SenatorDluhsen über die Marokkopolitik interpelliert. Ministerpräsident Painleve hat sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit erklärt. Der Interpellant erklärte, der (Senat wäre glücklich, durch eine klare Abstimmung an dem Gelingen des in Marokko eingeleiteten Werkes Mitarbeiten zu können. Aach seiner Ansicht müsse man auch dem Sultan von Marokko Dank für seine Haltung aussprechen und einmütig die kom - munistischen Umtriebe tadeln, die die Aktion der französischen Soldaten behinderten. Es sei selbstverständlich, daß man einen baldigen Frieden herbeisehne, jedoch nur unter der absoluten Bedingung, daß die französischen Rechte und die französische Würde vollkommen gewahrt würden. Abd el Krim besitze zwar weder Artillerie noch Flugzeuge, aber genügend Geld. Es sei unrecht, zu behaupten, Frankreich habe Abd el Krim angegriffen. Die Ursache der heutigen Ereignisse seien darin zu suchen, daß es die Spanier nicht verstanden hätten, die ihnen zugewiesene Zone in Marokko beseht zu hätten. Senator Bluhsen gibt Auskunft über die französischen Gesamtverluste, über die Zahl der Kampfflugzeuge, über die Blockade der marokkanischen Küste und deren Wirksamkeit. Er stettt ferner die Frage, ob Spanien bereit sei, in seiner Zone Frankreich eine gewisse Handlungsfreiheit zuzusichern und ob es zur Mitarbeit sich bereit finden werde. Abd el Krim sei ein Rebell gegen den Sultan. Man müsse deshalb von ihm fordern, daß er die Macht des Sultans anerkenne. Senator C h e r o n von der Republikanischen Bereinigung (Partei Poincarö-Mrtterand) erklärt, über den entscheidenden Schlag müsse eine Einigung erzielt werden, da in Marokko das Prestige Frankreichs auf dem Spiele stehe. Eine Frage bliebe ihm am Herzen. Gr wünsche Auskunft über die kommunistische Propaganda. Die Kommunistische Partei erkläre täglich u.rb öffentlich, sie tminshe den Erfolg .Abd el Krims. Das dürfe man nicht dulden. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Uebel- stand zu beseitigen. Der radikale Senator S o u l i e r erklärt, er müsse doch fragen, ob die Partei Cherons durch die Propaganda, die sie für die kommunistische Agitation mache, dieser mehr nütze als schade. Senator C h e r o n erklärt, er müsse auf diese Propaganda Hinweisen und verlangen, daß Frankreich und die Republik vor ihr geschützt werden. Es handle sich um em Verbrechen, gegen das man ankämpfen müsse. Dann ergreift der fortschrittliche Senator Dourgy das Wort, um sich ebenfalls gegen die Kommunisten zu wenden. Er erklärt jedoch, daß er in der Marokkofrage der Regierung das Vertrauen schenken werde. Ministerpräsident Painlevs ergreift hierauf das Wort. Es fei feine Aus- gabe, so erklärt er, die Ereignisse in Marokko auf ihren wahren Umfang zurückzuführen. Innerhalb französischen Senat, kommunistische Gefahr. Frankreichs und außerhalb seiner Grenzen mürben die Ereignisse übertrieben und so dargestellt, als ob man einen Krieg führe, der vielleicht lange dauern könne. Da sei eine lächerliche Fabel, wie es auch lächerlich sei, zu behaupten, man habe in einer schweren Schlacht 1600 Mann verloren. Die Zahl der französischen Offiziere und Soldaten, die seit Beginn des Feldzuges in Marokko getötet oder verschwunden seien, betrage 400. Er verwahre sich dagegen, dah seine Regierung für den jetzigen Krieg verantwortlich sei, denn sie sei es nicht gewesen, die den Ouergha im vergangenen Jahre überschritten habe. Gewiß habe es sich damals nur um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt. Aber Posten im Borden des Quergha zu errichten, habe Gefahren nach sich gezogen. Als er Ministerpräsident geworden sei, seien Einbrüche der Rifleuten erfolgt, die den Weg nach Fez bedroht hätten. Er habe damals viel eher zu einer polizeilichen Operation, als zu einem wirklichen Krieg Befehl gegeben. Die Schwierigkeiten lägen darin, dah der Feind rasch Soldaten ausheben könne. Die A u s - rüstung der Rifleute dürfe man nicht übertreiben. Abd el Krim verfüge nur über wenige Kanonen. Aber die Rifarmee sei tapfer und wisse vor allen Dinaen bas Terrain gut auszunützen. Man werde nichts vernachlässigen, um den Angreifer zurückzuweisen, aber zu gleicher Zelt auch keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um einen Frankreich würdigen Frieden zu erzielen, durch den seine Rechte, seine Ehre und sein Prestige gewahrt würden. Nicht ein Tropfen Blut werde unnötig vergossen werden. Der Friede aber, den man anstrebe, fei eine heikle Sache, denn der Su l ta n v o n Maro k k o sei da vorhanden, dessen Autorität zu wahren sei, außerdem Spanien, in dessen Zone Abd el Krim Haufe. Man habe Verhandlungen mit Spanien angeknüpft, die auf gutem Wege seien. Aber wer Frieden schließen wolle, müsse bedenken, daß der Wunsch einer Partei allein hierzu nicht ausreich:. Außerdem dürfe man nicht um Frieden winseln und nur über ihn verhandeln, wenn es möglich sei, ohne eines der Rechte Frankreichs zu schmälern. Nach der Rede des Ministerpräsidenten verbreiteten sich einige Senatoren nochmals über die kommunistische Propaganda, was Außenminister Briand zu der Erklärung veranlaßte, daß, wenn man wirkungsvoll gegen die kommunistischen Kräfte ankämpfen wolle, man nicht zögern dürfe, zu propagandistischen Maßnahmen feine Zuflucht zu nehmen. Es sei vielleicht ein Fehler gewesen, daß Frankreich und Spanien nicht früher Fühlung miteinander genommen hätten, denn beide Länder seien, was Marokko anbe- treffe, von dem gleichen Friedensgeist beseelt. Frankreich halte seine Ohren für Friedensvorschläge offen, roeipi sie von demjenigen ausgehen, der dazu berufen sei, sie zu machen. Der Senat hat schließlich der Regierung das Vertrauen ausgesprochen und ihre Haltung in Marokko gebilligt, und zwar einstimmig mit 290 Stimmen. Die Internationale China-Konferenz. London, 2. Juli. (Wolff.) Nach Blällermel- dungen aus Washington wird dort geäußert, wenn P e t i n g auf bie Anregungen bes neuen amerikanischen Gesandten Max Murray befriedigend antworte, bann bestehe guter Grunb zu ber Annahme, baß eine internationale Konferenz, wie sie von bei Washingtoner Abrüstungskonferenz vorgesehen würbe, balb einberufen würbe, unb daß auch anbere Mächte, bie nicht an ber Washingtoner Konferenz teilgenommen haben, barin vertreten sein würben. Nach weiteren Tieibungen aus Washington heißt es, baß bie Bereinigten Staaten bie Heranziehung einer befonberen, aus einem Kommissar unb Sach- verstänbigen deftehenben Kommission erwäge unb bie anberen Vertragsmächte aufforbern werde, einen gleichen Schritt zu tun. Diese Kommission würde bann in Schanghai ober Peking zusammenkommen, um sich mit ber Frage berAufhebungberEx- territorialität zu befassen. Voraussetzung zu einem solchen Schritt würde nach amerikanischer Auffassung sein, baß eine solche Aufhebung nur all» m ä t) l i g erfolge, unb baß eine verantwortliche Zentralgeroatt in China vorhanben sei, bie bie Fähigkeit besitze, ihre Autorität im Lanbe zur Geltung zu bringen. Bezüglich ber Nachricht, nach ber bie Regierung ber Vereinigten Staaten wünscht, baß bie Frage ber exterritorialen Rechte in China als- balb in Erwägung gezogen werbe, wirb barauf hingewiesen, baß bie amerikanische Regierung bie baldige Einberufung einer Kommission, wie sie von ber Washingtoner Abrüstungskonferenz vorgesehen worben fei, als wünschenswert betrachte, bamit Mittel unb Wege gesucht werben, um bie exterritorialen Vertragsrechte in China mit bem chinesischen Rechtssystem in Übereinstimmung zu bringen. Dieser Kommission soll bie Wahrung ber Interessen der amerikanischen Staatsangehörigen anoertraut werben. Es besteht Grund zu der Annahme, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereits Schritte unternahm, um die an bem Washingtoner Vertrag beteiligten Nationen an diese Angelegenheit zu erinnern. Neue Wirtschastsverhandlungen mit Spanien. Berlin, 1. Juli. (WTD.) Rach der am 21. Juni erfolgten Ratifikation des deutsch-spanischen Handelsvertrages ist die Reichsregierung entsprechend ihren bei der Beratung bes Vertrages im Reichstage abgegebenen Erklärungen an die spanische Regierung herangetreten, um sofort neue Verhandlungen über Abänderung der im Reichstag beanstandeten Bestimmungen einzuleiten. Die spanische Regierung hat sich zu Verhandlungen bereit erklärt. Die deutsche Delegation, die aus Vertretern der beteiligten Ministerien besteht, ist heute mittag unter Führung des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld nach Madrid abgereift. Einige Vertreter des Weinbaus und des Weinhandels schließen sich ihr als Sachverständige an. Die Verteidigung im Moskauer Studentenprozetz. Moska u, 2. Juli. (Wolff.) Meldung der russischen Telegraphen-Agentur. Im Prozeß gegen die deutschen Studenten bittet der Verteidiger Duchowskoi um Enthebung von den Pflichten als Verteidiger, da Kindermann mit ihm im Verlaufe des Prozesses keinerlei Kontakt hinsichtlich der Frage der Führung des Prozesses aufrechterhalten habe. Das Gericht gibt dem Ersuchen statt. In dem Plaidoher des Verteidigers Dittmars tritt dieser dafür ein, die Angeklagten nicht die ganze Härte des Gesetzes fühlen zu lassen, obwohl der Tatbestand des Paragraphen 61 einwandfrei als erfüllt zu betrachten sei. Der Verteidiger bittet zu berücksichtigen, dah die bisherige Umgebung Dittmars die Schuld trägt, daß er in die Terrorexpedition hinein- gezogen wurde. Der Verteidiger weist den Vorwurf zurück, daß Dittmar Verrat an seinen Kameraden übte, da durch die Verhandlungen festgestellt fei, dah die Aussagen Kindermanns den Aussagen Dittmars vorausgegangen feien. Der Verteidiger zitiert das Wort Trotzkis, dah Terror gegenüber einer aufsteigenden Klaffe machtlos sei, diese daher gegenüber ihren Feinden Rachsicht üben könne. Hessischer Landtag. Darmstadt, 2. Juli. (Eigener Bericht.) Präsident Dr. v. H e l m o l t eröffnet bie Sitzung um 9.30 Uhr. Die Beratungen werden bei Kap. 42, ,Landes-Heil- unb Pflegean st alten ufw., ausgenommen. Die Einnahmen unb Ausgaben bes Kapitels (3 324 842 Mk. unb 3 542 184 Mk.) werben bewilligt. Zn Kap. 43, „A n ft a 11 für Schwach- unb B l o b^i nige Alicestift" bei Darmstabt spricht '21 bg. Stork (Soz.) gegen die UeberfüUung ber Klassen. Abg. Fräulein Birnbaum (D. Vp.) erklärt: Ist es schon bebauerlid), baß bei normalen Kinbern in ber gegenwärtigen Not ber Zeit bie Klaffenfrequenz zu hoch ist, so muß um so mehr eine tnbi- oibuelle Behcmblung für geistesschwache Kinder gefordert werden, damit aus diesen armen Menschenkindern noch etwas werben kann. Es ist also un- bebingt nötig, baß bie Klassen möglichst klein sind, aber auch bie Auswahl ber Lehrer muh sehr sorgfältig erfolgen; nur bie allerbesten Lehrer dürfen Verwendung finden. Dann ist jedoch auch notwendig, daß sie wirtschaftlich sichergestellt sind. Daß sie in Gruppe 8 kommen, ist ein Verlangen, das wir all« unterstützen können. Das Kapitel (Einnahme und Ausgabe 143 520 Mk.) wirb angenommen, bazu auch ein Antrag Heinstabt, bas Kapitel künftig zu benennen: Anstatt für Geistesschwache „Alicestift" bei Darmstabt. Das gestern zurückgestellte Kapitel 41, Heb- ammenanftalt zu Mainz" wirb sobann beraten. Abg. Frau Roth (Komm, wünscht, baß balb bas Hebammengesetz vorgelegt wirb unb verweist auf ben Antrag ber komm. Partei bazu. Ministerialbirektor Spanier erroibert barauf, baß bas Gesetz möglichst balb vorgelegt werben soll; bie Verzögerung sei burch neue Fortsetzungen über bie Berufsvertretung veranlaßt. Die Abg. Frau H a 11 e m e r (Ztr.), Frl. Birnbaum (D. Vp.) unb 3 o ft (Bbb.) bitten ebenfalls um balbige Vorlegung bes Gesetzes unb bringen noch befonbere Wünsche vor. Das Kapitel mit 123 800 Mk. Einnahme unb 165 778 Mk. Ausgabe wirb genehmigt. Zu Kap. 44, „Volksgesunbheitspfleg e", liegt ein Antrag D r. Werner vor: „Der Fi- nanzausschuß ersucht bie Regierung, balbigft barauf hinzuwirken, alle Vereinigungen unb Körperschaften, bie aus laufenben öffentlichen Mitteln Beihilfen empfanaen, Vertreter ber Regierung unb bes Landtags in ihren Vorstand ober Aufsichtsrat aufzunehmen." Der Abg. Dr. Werner beantragt ferner noch, ben Zuschuß an ben Heilstättenverein für Hessen (Lupusheilstätte) auf 40 000 Mk. zu erhöhen. Der Ausschuß beantragt, bie Anträge Dr. Werner anzunehmen un bbie Ausgabe mit zusammen 103 222 Mark zu genehmigen. Abg. Harth (Soz.) wünscht schärfere Bekämpfung ber Tuberkulose. Abg. Frl. Birnbaum (D.Vp.) fragt an, wie sich bie staatlichen Zuschüsse auf bie Kinberheime verteilen. Ministerialbirektor S p a m e r bemerkt dazu, daß der Staat die Hälfte der Miete trägt. Abg. Frau Roth (Komm.) beantragt, für bie Volksgesunbheitspslege soviel einzufetzen wie für bie Schutzpolizei, unb zwar 4 Millionen. Abg. Frhr. v. H ey l (D. Vp.) erroibert ber Frau Roth, es könnten Gelder für die Schutzpolizei gespart werben, wenn bie Kommunisten ihre Agitation aufgeben. Der Rebner weist in biefer Beziehung auf bie früheren Verhältnisse in Thüringen hin. Die Wohnungsnot ist auch baburch verschärft worben, baß wir bas alte Volksheer nicht mehr haben unb bie jungen Leute jetzt früher heiraten. Eine vom Abg. Harth aufgestellte Behauptung, baß 14 bis 16 Stunben gearbeitet würde, zweifelt ber Rebner an, solche Fälle seien ihm nicht bekannt. Daß Kranke in Werkstätten arbeiten, bereite ben Arbeigebern große Sorge wegen ber Mitarbeiter. Zum Schluß seiner Ausführungen bittet ber Rebner bie Regierung, alles baran zu fetzen, um bie Dolksgefunbheit zu förbern. Abg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) weist auf bie großen Unterschiebe in ben staatlichen Zuschüssen für bie kinberheime hin. — Nach längerer Geschästs- orbnungsbebatte wirb die Abstimmung über bas Kapitel zurückgesteltt. Angenommen werben bie Ka- pitel 46, ,„S taatsunterstützungskasse' (Ausgabe 91000 Mk.), 49, „F o n b s f ü r ö f f e n t - 1 iche unb gemeinnützige Zwecke" (212 000 Mark Einnahme und Ausgabe), 50, „Nichtstaat - liehe Bausachen" (4000 Mk. Ausgabe), 51, „Hochbauwesen" (443 000 Mk.). Einige Kapitel werden zurückgestellt. Die Beratungen werden nunmehr bei Kap. 53, „Landesamt für das Bildungswefe n", fortgesetzt. Hierzu liegt ein Antrag Dr. Leucht« g e n s unb Glaser vor, 6 akabemische Stellen und 18 von mittleren und unteren Beamten in ber Zen- traloerroaltimg zu streichen. Ministerialrat Ur stabt leitet bie Beratungen mit einer Darstellung ein, wie jetzt in Hessen bie Lehrerbilbung neugeregelt worben ist. Snsbefon- bere spricht ber Rebner über bie Forberung ber Hochschulbilbung, die er für alle Lehrer sortiert. Da Hessen bereits pädagogische Kurse eingereicht hatte, so wäre ber Uebergang zur neuen Lehrerbilbung leicht gewesen; bie Lehrerseminare mürben aufgehoben unb bie Einrichtungen ber Technischen Hochschule in Darmstabt ben Zwecken ber Lehrerbilbung bienftbar gemacht. Die Mainzer Kurse werben von Darmstadt aus geleitet. Die Aus- bilbung ber Lehrer bauert 2 3ahre, wenn auch eine dreijährige Borbilbung für ben Beruf erwünscht fei. Die neue Form ber Lehrerbilbung ist für den Staat billiger, nicht aber für bie Eltern; es ist gleichwohl nicht zu befürchten, baß ein Lehrermangel eintritt, denn bie Konkurrenz unter ben gelehrten Berufen ist so stark, baß viele gern bie Ausbilbungsmöglichkeit ergreifen, um schon nach zwei Jahren einem Beruf zugeführt zu werben. -ivg. beider (Dem.) erfüllet einen Ausschuß- I bericht über einen kommunistischen Antrag, wonach mrpertiche Strafen und Arreststrafen für Schüler verboten sein sollen. Der Ausschuß spricht sich dagegen aus; indessen wird ein Antrag der Kommunisten, der sich aus Schulbäder bezieht, der Regierung c«3 Material überwiesen. Um 11 Uhr tritt eine Pause ein. — Nach Wiederaufnahme derVerhandlungen fragt Abg. Böhm (Dschn.) wegen der Aufhebung des alten Wormser Friedhofes an. Ministerialdirektor Spamer erwidert darauf, daß er in eine öffentliche Anlage umgewandelt werden soll; das Kreisamt habe Einspruch dagegen erhoben. Die Verhandlungen über diese Angelegenheit wären noch nicht abgeschlossen. Abg. G a l m (Komm.) verliest eine Kleine Anfrage des Abg. Dr. Greiner über die Wohnungs- not der Krankenpfleger in Gießen. Ministerialdirektor S p a m e r bemerkt hierzu, daß die Wohnungsnot unleugbar vorhanden sei, Mittel dagegen seien indessen nicht in den Etat eingestellt, weil noch'ältere Ansprüche vorliegen, wofür bis jetzt Gelder noch nicht flüssig gemacht werden konnten. Wenn das jedoch möglich fei, so werde sofort gebaut werden. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) wendet sich bei Besprechung des Kap. 53 dagegen, daß man die Schule nicht in Ruhe lasse, daß die Klassen bald Kinos, bald andere Veranstaltungen besuchen müßten. Das Schlagwort von der Arbeitsschule und die Ueberlaftung des Lehrplans mit allerlei Fächern hätte viel geschadet. Hauptfächer müßten Religion, Deutsch und Rechnen fein. Der Unterricht im Deutschen werde sträflich vernachlässigt. Die pädagogischen Kurse zur Lehrerausbildung wären unzu- | länglich gewesen, die Seminarbildung habe dagegen , große Vorzüge gehabt. In der Reichsverfassung stehe nichts von akademischer Vorbildung der Volks- ' schullehrer; die Einführung der Neuerung wäre 1 nicht so eilig gewesen, aber unter Strecker sei man Schlagworten nachgelaufen. Was man jetzt mache, befriedige die Führer der radikalen Bewegung doch nicht, weil nicht die volle akademische Bildung gewährt werde. Die jetzt eingerichtete pädagogische Akademie sei nichts anderes als eine höhere Schule mit anderer Firma, die der Technischen Hochschule angegliedert sei. Die Seminarbildung sei besser gewesen, wie ihr Ruf; die Seminare hätten nur ausgebaut werden sollen. Don einem Dolksschullehrer müsse man unbedingt verlangen, daß er die Volksschule durchlaufen habe, die künftigen Lehrer kamen nur noch von den höheren Schulen. Die Verteuerung der Lehrerausbildung werde es verhindern, daß sich, wie bisher, Kinder von Bauern und Arbeitern, die oftmals die besten Schüler feien, dem Lehrerberuf widmen. Die musikalifche Ausbildung der Lehrer werde Not leiden; die neuen Lehrer würden ohne sie sein und die allgemeine Volksbildung werde schwer geschädigt. Der Redner verlangt zum Schluß Einschränkung des Beamtenapparates im Landesbildungsamt, gemäß seinem Anträge. Äbg. Dr. Greiner (Komm.) meint, das Schulwesen gebe einer Reaktion entgegen. Eine Scheidung zwischen Volks- und höheren Schulen durfte es nicht geben; wie die Klassenfchule müsse auch der Klassenstaat beseitigt werden, der zum Untergang reif sei. Die akademische Lehrerbildung sei durchaus verfehlt. Für die Jugenderziehung sei die Produk- tionsschule zu fordern; die Kinder müßten in den Produktionsprozeß eingeführt werden, wie in Rußland. Der Religionsunterricht fei abzulehnen. Wenn in der Schule schon die Grundlage zu einem guten Geschmack gelegt worden wäre, so könnten Schundfilme nicht mehr bestehen. In seinen Schlußsätzen tritt der Redner für die in dem kommunistischen Antrag niedergelegten Forderungen ein. Um li Uhr werden die Beratungen abgebrochen; nächste Sitzung Freitag 9 Uhr, Deutscher Reichstag. Berlin, 2. Juli. Das Haus tritt nach Gr- ttedigung kleinerer Vorlagen in die weitere De- .raturrg des Haushalts des Reichs- ^fin an-Ministeriums ein. Abg. Dietrich-Baden (Dem.) ist von dem 'Derwaltungsflatus des Reichsfinanzministeriums nicht befriedigt. Das Heer der Beamten des Finanzministeriums sei viel zu groß. Der Redner wendet sich gegen die heutige Gesehespraxis, die vielfach ad hoc gemacht werde und den Bedürsnissen der Praxis nicht genüge. Nachdem das Reich die Steuern übernommen habe, dürfe auch von den Ländern im Interesse der auch auf diesem Gebiete erforderlichen Stabilität nicht wieder darauf zurückgegriffen werden. Reichsfinanzminister v. Schließen: Der Etat für 1925 weise gegenüber der letzten Regierungsvorlage eine ungünstigere Gestaltung von 754 Millionen Mark auf. Von diesem Betrag seien allein über 500 Millionen Mark für Maßnahmen zum Schuhe der minderbemittelten Bevölkerung bestimmt. Auch bei den Steuern sei das Finanzministerium durch sein Eintreten für die Ausdehnung des Kinderprivilegs und die Veränderungen in der Lohnsteuer den sozialen Rotständen im Rahmen des Möglichen gerecht geworden. Ebenfalls sei in der Aufwertungsfrage, die den Reichstag ! ja in den nächsten Tagen beschäftigen werde, die ' Regierung besonders für die Minderbemittelten ' eingetreten. An der Spitze aller Erwägungen stehe zur Zeit aber Fetzt und in den kommenden Jahren den Etat zu balancieren! Der Apparat des Finanzministeriums sei zwar sehr groß, bei der Fülle der zu erledigenden Ausgaben aber noch nicht verkleinerungsfähig. Die Branntweinmonopolverwaltung sei ein rechtes Sorgenkind für die Reichsregierung. Eine durchgreifende Aenderung werde sich nicht vermeiden taffen. Abg. Rönneburg (Dem.) beantragt, die Beratung des Etats des Finanzministeriums abzubrechen und erst die dritte Beratung des Gesetzentwurfes über die Aenderung der Pachtfchutz- ordnung vom 9. Juni vvrzunehmen. Mit den Stimmen der Lircken und der Völkischen wird dieser Antrag angenommen. Abg. Dr. David (Soz.) setzt sich für den sozialdemokratischen Entwurf ein, der den Pa ch t- schuh verlängern will und sich besonders für den kleinen Pächter und die Heuerlinge Cin^Qtog. Aornie (Korn.) weist die Auffassung zurück, daß die Kommunisten die arbeitenden Kleinbauern enteignen wollten. Rur den agrarischen Großgrundbesitz wollten sie entschädigungslos enteignen. Abg. Sogmann«Hannover (Dschn.) betont unter Bezugnahme auf die vorliegenden Pachtschutzentwürfe der Demokraten und Sozialdemokraten, daß diese Parteien, wenn sie schon einmal den Landwirten helfen wollten, immer zu spät kämen. Es müsse im Jnteresfe von Pächter und Verpächter der Pachtschutz abgebaut werden, damit das freie Spiel der Kräfte einfetzen könne. Abg. Gildemeifter (D. 23p.) spricht sich ebenfalls für den Abbau der Pachtschutzgesetze aus. Er setzt sich für feine Entschließung ein, die um Erwägungen der Reichsregierung darüber ersucht, ob das Verhältnis der Heuerlinge nicht außerhalb der Pachtschutzordnung eventuell durch Landesgesetze geregelt werden könnte. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Schlußabstimmung ergibt die Annahme der Novelle im ganzen mit sehr großer Mehrheit. Ein Ministerium für die besetzten Gebiete? Berlin. 2. Juli. (Wolff.) Im Hauptaus- schuß des Reichstags wurde ein Zentrumsantrag angenommen, wonach das Ministerium für die besetzten Gebiete selbständig zu machen und mit einem eigenen Minister zu besetzen ist. Die Regierungsumbildung in Preußen. B e r I i n , 2. Juli. (WTB.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, fanden heute zur Frage der Regierungsneubildung in Preußen Besprechungen zwischen Vertretern des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten statt. Es wurde zum Ausdruck ge- bracht, daß die weitere Behandlung der Frage bis zum Herbst zu vertagen sei, wenn sich die Deutsche Volkspartei nicht dahin schlüssig mache, zu der Politik der Großen Koalition zurückzukehren. Keine Erhöhung der Hauszinssteuer. Berlin, 2. Juli. (WB.) In der heutigen Vollsitzung des Stadtrates wurde die geplante Erhöhung der Hauszins st euer beraten. Die Regierung hatte eine sechsprozentige Erhöhung der Friedensmiete zum 1. August und eine weitere sechsprozentige Erhöhung zum 1. Oktober vorgefchlagen. Die Erhöhung am 1. August sollte zu einem Drittel dem preußr- scheu Staate und zu zwei Dritteln den Gemeinden, die am 1. Oktober in vollem Umfange dem preußischen Staate zufließen. Im Hauptausschuß des Staatsrates war Einmütigkeit dahin erzielt worden, daß der Staatsrat der Vorlage nicht zu stimmen könne, da die Hauszinssteuer ihrer Ratur nach als eine Steuer für allgemeine Zwecke nicht geeignet sei. Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff wandte sich gegen die Stellungnahme des Staatsrates. Rach längerer Besprechung beschloß der Staatsrat, den Antrag seines Hauptausschusses und denjenigen seiner Mitglieder Dr. Jarres und ©trugt aufrecht zu erhalten. 12% Sparkassenauswerlnng. Berlin, 2. Juli. (Wolff.) Der Aufwer- tungsausschußdes Reichstags hat sich heute mit der Aufwertung für Sparkassengut- haben beschäftigt. Rach längerer Debatte ist ein Kornprornißvorschlag angenommen worden, nach dem die Sparkassenguthaben mindestens mit 12V-Prozent aufgewertet werden sollen, und zwar diejenigen Guthaben, die bis 15. Juli 1922 eingelegt worden find. I -- Sachsen gegen den StaaLsgerLchlshof. Dresden, 2. Juli. (WTB.) Der Sächsische Landtag hat in seiner heutigen Vollsitzung einen kommunistischen Antrag auf Aufhebung des Staatsgerichtshofes in Leipzig einstimmig angenommen. Koblenz englisches Hauptquartier. Frankfurt a. M., 2. Juli. (TU.) Der englische Generalstab hat vorgeschlagen, nach der Räumung Kölns das Hauptquartier in Koblenz zu errichten. Kleine politische Nachrichten. Der Reichspräsident hat am Mittwoch den Generalagenten für die Reparationszahlungen, Setzmoui Parker Gilbert, empfangen. * In Madrid ist die Konferenz der französischen und spanischen Marokko de legierten in Anwesenheit des französischen Innenministers Malvy zusammengetreten. Aus aller Welt. Opfer der Berge. 3n Steiermark wurden seit Dienstag 13 Touristen aus Wien, Gcaz und Linz vermißt. Sieben von ihnen wurden teils auf dem Hochtor, teils auf der Planspitze erfroren ausgefunden. Alle sieben waren tot. Die andern sechs konnten in völlig erschöpftem Zustande aufgefunden werden. Heber das Touristenunglück in den österreichischen Alpen hören wir aus Graz: Eine Gruppe von vier Wiener Touristen, die am letzten Sonntag trotz des schlechten Wetters eine Klettertour ins Gesäuse unternommen haben, wurde an der Rordwand des Hochtors erfroren aufgefunden, llnter den Verunglückten befindet sich der Gründer des Alpenvereins ..Dvnauland", der trotz eines künstlichen Beins die schwierigsten Gebirgspartien bewältigte. Die seit Beginn der Woche unterwegs befindliche Rettungsexpedition stieß ferner beiderPlanspiheaufzweiweitereEr- frorene Wiener Alpinisten. Die Begleiterin dieser Herren konnte noch lebend, wenn auch in ganz erschöpftem Zustande zu Tal gebracht werden. Schließlich blieb noch em siebenter Wiener Tourist auf dem Oedstein vor Erschöpfung liegen und wurde später tot angetroffen. Seine drei Wandergenofsen hatten nur mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte das Tal erreichen können, um Hilfe zu holen. Der älteste Deutsche: 101 Jahr alt. Bad Kreuznach, 2. Juli. Wohl der älteste männliche deutsche Staatsbürger ist der am 24.11.1824 * in Langenschwalbach im Taunus geborene Greis mit langem, weißem Bart, der dieser Tage mit rüstigen Slhritte durch die hiesigen Badeanlagen schritt. Geistig und körperlich ist er noch vollkommen auf der Höhe, kann ohne Brille lesen und hat nur im Lause des Jahrhunderts das Schreiben verlernt. Seine Brust zierten die Erinnerungsdenkmünzen aus 1848, 1864, 1866 und 1870/71 sowie das Eiserne Kreuz 1. Klasie. Von Berus Grubenschreiner, hat er noch bis 1920 in saarländischen Gruben gearbeitet. Der von der Polizeioerwaltung in Saarbrücken ausgestellte Paß bestätigte die Richtigkeit der gemachten Angaben des noch lebensfrohen Greifes. Das Hochwasser in Galizien. Die lleberfchwemmungen in Galizien scheinen ihren Höhepunkt überschritten zu haben. I« Westgalizien betragen nach amtlicher Angabe die von.den Heberschwemmungen angerichteten Schäden 20 Millionen Zloty. 21 800 Morgen Saat wurden vernichtet. 40 000 Menschen sind obdachlos. Folgenschwere Explosion. Aus Langenargen (Bodensee) wird gemeldet: Durch die Explosion einer Benzinflasche haben der Apotheker Baß, seine Frau und das Dienstmädchen schwere Brandwunden erlitten. Die Frau und das Mädchen sind inzwischen gestorben. Baß ist schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Der Königsberger Gemäldediebstahl. Die Berliner Kriminalpolizei hat den Dieb- stahl von sechs Gemälden aus der Königsberger Schloßgalerie aufgeklärt. Cs gelang ihr, sechs der gestohlenen Bilder, die sich in einem Koffer in einer Charlottenburger Pension befanden, zu beschlagnahmen. Zwei Gemälde fehlen noch. Der Dieb, ein Kunsthändler W o h l- gemuth, ist anscheinend ins Ausland entkommen. Der Landrat von Liebenwerda verhaftet. Der Landrat Vogel wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft verhaftet. Gleichzeitig sollte in Berlin der Sparkassendirektor des Kreises Liebenwerda, Merres, verhaftet werden. Wie es heißt, hat Merres jedoch ein ärztliches Attest über seine Haftunfähigkeit vorgelegt. Aulo-Unfall des spanischen Thronfolgers. Aus Madrid wird gemeldet, daß das Auto, in dem der Erbprinz saß, mit einem Omnibus zu- fammenstieß. Der Erbprinz trug leichte Verletzungen davon. Das königliche Auto wurde vollständig zertrümmert. Tvaldbccmd. In der Nähe des Stadtforstes von Jastrow an der Neustettiner Bahnstrecke entstand ein Wald- brand, der auf das Gebiet der Oberförsterei Plietnitz Übergriff. Etwa 600 Morgen Wald sind vom Feuer betroffen. Als Brandursache wird Funkenauswurf bezeichnet. Ein Kommando der Schneidemühler Schutzpolizei im Verein mit den Feuerwehren der umliegenden Dörfer gelang es, das Feuer einzudämmen. Neuer Nordpolflug Amundfens. A m u n d s e n plant eine neue Nordpol- expedition, für die wiederum Großflugzeuge des Dornier-Typs vorgesehen sind. Ob ein Zusammenarbeiten Amundfens mit Nansens Zeppelinexpedition zustande kommt, hängt von dem Ausgang der angebahnten Verhandlungen ab. Wahrscheinlich wird jedoch Amundfens Expedition schneller vor sich gehen als die für 1927 in Aussicht genommene Zeppelinexpedition. Hochschulnachrichten. Der Fall Lessing. Die Danziger Sludenlenschasl zum Fall Lessing. Der Danziger Hochschulring Deutscher Art hat mit einer Entschließung zu der Affäre des Prioat- dozenten Dr. Lessing von der Technischen Hochschule Stellung genommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, 'daß der Danziger Hochschulring mit Befremden von der Entwicklung der Angelegenheit und mit Entrüstung von der Stellungnahme des Preußischen Kultusministeriums Kenntnis genommen hat. „Alle Auslanddeutschen legen schärfsten Protest dagegen ein, daß ein Mann wie Dr. Lessing, der die heiligsten Ideale des deutschen Volkes verletzt hat, noch weiter als Führer der Hochfchuljugend tätig fein darf . . Die Berliner Studentenschaft zum Fall Lessing. Das Presseamt der Studentenschaft der Universität Berlin teilt mit: Anläßlich der merkwürdigen Stellungnahme des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum Falle des Professors Lessing in Hannover hat der Vorstand der hiesigen Studentenschaft folgendes Telegramm an die Technische Hochschule in Hannover geschickt: Studentenschaft der Universität Berlin verurteilt das einseitige Vorgehen des Ministers gegen den „Kampfausschuß gegen Lessing" und spricht Dank und Bitte um Fortsetzung des Kampfes aus. Aus Stabt und Land. Gießen, den 3. Juli 1925. „Die Kalle Pracht". Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Ausdruck überall verstanden werde. Aber er ist doch wohl auch hierzulande üblich. Jedenfalls hörte ich ihn häufig nennen, und zwar in ganz bestimmten Kreisen, in denen auf die „kalte Pracht" etwas gegeben wurde. Sie haben zwar ein mokantes Lächeln aufgesetzt, wenn sie heute davon sprechen, aber es gehörte früher zur Selbstverständlichkeit, eine „kalte Pracht" zu besitzen. Man versteht darunter die gute Stube. Jenes Zimmer, das besonders sorglich gehütet und vor den neidischen Blicken böser Nachbarn beschützt wurde, weil gewöhnlich in ihm alle die Dinge ihre Aufbewahrung sanden, die man schnell aus der Hand setzen und anderen nicht zeigen wollte. Es war manchmal zu komisch, wie sorgfältig gerade diese Tür geschlossen wurde, als führte sie in das dreizehnte Zimmer des Hauses und nicht in den Raum, auf den man hätte besonders stolz (ein können. Es mag unterschiedlich gewesen fein, aber unsere „kalte Pracht" daheim glich während der meisten Monate des Jahres einem Raritätenkabinett mit allen möglichen Kuriositäten, und meine Mutter wurde sehr empfindlich, wenn man diesen wunden Punkt berührte oder sich luftig darüber machte; das verstand unsereiner eben nicht. Wenn dann die Zeit der üblichen Winterbesuche kam, wurde aufgeräumt, geheizt und alles für die gastliche Ausnahme für Menschen eingerichtet, wah- renb es vorher nur eine Art Zeughaus war, wo man gelegentlich auch einmal feinen Zyllndechut oder einen Stoß Bücher vorübergehend deponieren durfte. Wie strahlte nun die „kalte Pracht", wenn die schwatzenden Menschen unter den großen elektrischen Lampen saßen, die in jeden Winkel hineinieuck. teten! Die Gäste konnten ja nicht wißen, daß wir uns selber eigenllich auch als Gäste in diesem Zimmer fühlten und es um nichts besser kannten, als sie auch. Oder ob sie ahnten, wie es sich in Wirklichkeit verhielt, weil es bei ihnen auch so war? Heute ist die Glanzzeit der „kalten Pracht" ner* schwanden. Entweder wohnt ein „möblierter Herr" darin, rücksichtslos, wie diese möblierten Herren meistens sind, oder man hat eine kleine Separatwohnung für die verheiratete Tochter daraus gemacht, oder man mußte selber das Zimemr begieben, weil Zwangsmieter in die Wohnung gesetzt wurden. Dabei stellte sich heraus, wie unpraktisch diese gute Stube gewesen war: nur zum Anschauen, nicht zum gebrauchen. Die Möbel zu zierlich, der Teppich zu kostbar; von den Nippes seligen Angedenkens schon gar nicht zu reden. Und von Jahr zu Jahr stirbt die „falte Pracht" immer mehr aus. Die Menschen sind nicht einfacher geworden, aber ein wenig praktischer, sie wollen nichts mehr wissen von kostspieligen Nutzlosigkeiten. So fahr denn hm, du „kalte Pracht"! H. W. ** Deigeordnetenwahl in Gießen. 2n der gestrigen nichtöffentlichen .Sitzung der Stadtverordneten-Dersammlung wurden'die unbesoldeten Beigeordneten Justizrat Dr. Rosenberg und Kommerzienrat K l i n g s p o r, deren Amtszeit ihr Ende erreicht hatte, auf eine weitere Amtszeit von sechs Jahren wiedergewählt. Beide Herren stehen feit 1919 in ihren Aemtern. L.Tl. Von derLandes-Tlniversität. Die Mainzer Verlagsanftalt und Druckerei A.-G. hat gelegentlich des 75jährigen Bestehens des „Mainzer Anzeigers" der Lan desuniversttät 25 000 Mark für wissenschaftliche Zwecke überwiesen. — Der Verleger des „Gießener Anzeigers", Herr Richard Lange, stiftete aus Anlaß des 175jährigen Bestehens seines Blatte- 10 000 Mark, deren Verwendung er Rektor und Senat anheimgestellt hat. ** Personalien. Ernannt wurden der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Friedrich Schnitzspahn zum Ober- landesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht m Darmstadt mit Wirkung vom 1. 6. 1925; der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg a. d. Ohm Karl Bachmann zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein; der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein Amtsgerichtsrat Adolf Schudt zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Homberg a. d. Ohm; der Gerichtsassessor Karl Leon- Hard Groß in Alsfeld zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Ulrichstein mit Wirkung vom 15. Juni 1925. ** Die Benutzung der Jugendherbergen. Man schreibt uns: In Allen- stein hat der diesjährige Reichs-Jugendherbergstag stattgefunden. Für die jugendlichen Wanderer find folgende neuen Bestimmungen von Wichtigkeit: Der Bleibenausweis (50 $f.) wird künftig an alle 14- bis 20-Jährigen verausgabt. Es wird indessen erwartet, daß alle verdienenden Jugendlichen ihre Ehre darein setzen, das Herbergswerk durch freiwillige Mitgliedschaft zu unterstützen. Schüler und Studenten über 20 Jahre müssen fortan die Mitgliedskarte haben. Jugendliche bis 20 Jahre unter verantwortlicher Führung brauchen in Zukunft keinen Bleibenausweis. Die Mitgliedskarte bzw. der Bleiben ausweis des Führers mutz mit Lichtbild versehen fein. Jugendliche Einzelwanderer müssen, wie bisher, den Bleibenausweis mit Lichtbild haben. Letztere Bistimmung ist wichtig für die zahlreichen Jugendgruppen von Vereinen, bei denen also in Zukunft, sobald sie in Gruppen wandern, nur der Führer den entsprechenden Ausweis haben muß. Vorn: Uzen. — Lageskalender für Freitag. Stadttheater: 3/46 Uhr „Carmen". — Verein Creditreform: 6 Uhr Vereinsbureau Hauptversammlung. — D.H.C.: Monatsversammlung bei Hopfeld. — „Die Wanderer" Rad.-Ges.: „Frankfurter Hof" Monatsversammlung. — Von der Gießener Waldbühne wird uns geschrieben: Es sei an dieser Stelle nochmals auf die Wohltätigkeitsvorstellung der Gießener Waldbühne zum Besten der Kriegsblinden am Samstag, 4. Juli, aufmerksam gemacht. Die in dem Märchenluftspiel vorkommenden Tänze werden von Frl. Lotte Riegel, einer jungen Künstlerin aus der Tanzschule von Frl. Toska, Frankfurt a. M., aus« geführt Erwähnt sei ferner, daß das Lustspiel eigens für die Waldbühne geschrieben ist. (Näheres in der heutigen Anzeige.) Wettervorauss age. Heiter bis halb bedeckt, wechselnde Winde, warm, nur strichweise Riederschläge. Während der Kern des Hochdruckgebietes nördlich Skandinaviens liegt, dringt von Frankreich her ein Tiefdruckgebiet vor. Doch hat es den Anschein, als ob wir einer abermaligen Schönwetterlage zusteuern, da das Tief bald abgezogen sein dürfte. Aussicht auf stärkere Riederschläge ist zur Zeit nicht vorhanden. Landkreis Gießen. -l Treis a. d. 25 a., 2. Juli. Zu dem Bericht über das Gefangvereinsfest ist berichtigend zu bemerken, daß nicht ber ©efang- verein Hachborn, sondern der Gesangverein G e r- mania-Dellersheim in der 4. Klasse mit 136 Punkten einen 3. Preis errungen hat. n Vom oberen Wettert al, 2. Juli. Die S ommerf rucht hat sich im ganzen recht gut entwickelt. Roggen und Weizen werden eine gute Ernte geben. Auch der Hafer, der etwas kurz geblieben war, hat sich noch gemacht. Die Heuernte ist noch nicht beendet, da viele Wiesen bis gegen zwei Stunden weit liegen; die Kleeernte war vorzüglich So ist dieses Jahr kein Mangel an Futter. Auch die Hackfrüchte entwickeln sich im allgemeinen gut. Dagegen hat die Obsternte schlechte Aussichten. Es gibt wohl etwas Aepfel, aber kaum Dirnen. Kirschen gab es auch recht wenig. Die Zwet- sch e n c r n t e wird auch recht mittelmäßig werden. Die Schädlinge, vor allem die Blattläuse, haben überall große Verheerungen angerichtet. Kreis Friedberg. sf Friedberg, 2. Juli. Die Schülerinnen der Schillerschule und der Stauen» feinet Hhei"/. STifeS fc'1’ -er H-E! unter &»>6C S Ss k>"L exfWy Ä' Ms 15 Pfennig, J talung der stad MrimUel der Schulräume wurd -en der StadisH Monsapparaies Migi. Die Obe vvn 34000 folterten Mer muh. Om ganjen Mark in Wv *■ BxiKungNtcn® «Mer, für M soziale Fürsorge 20000 M, für M. Obligationen ftrvefonds für m 29000 M. vvrg« düngen ergaben b QHad und einer - Reingewinn von Wbe auf 1200 1 kiMwrk w 35 000 M., web bauten verwand Ar Mba, ßi^elsborf, b ^gestempeltes Kall Kauf anbot, wurde Vergehens gegi gefeg zu 500 Ü Werdern wird da- veröffentlich! und bi iajei feines Heimat zehn Tagen Wann nd. Nidda, Setterauer Teil bei Kirfchenpflan, Hausfrauen muffen Bezirk Altenstadt b Kirfchenorle Weber und Enzheim. Tägli ter aus den genann und bieten ihre S durchweg gefunb ut E 50-60 Pfennic Mhanbler zahlen" A-50 Pfcnnil «n Wn öfters an ptaHfa. Sie 0" «u tN) 501 «. △®eif5.n die otrahe$ eine Unterfi Gießen-Gelnhm Uder ISjähch Rodenbacher K Daumeun-zv ^Ugenzu, !*fe nach eii mJ! .Stendel schwerem Leid ÄmS »fe M Azoren Mtn Xoftj?0 dHer Stelle noch- L Die in dem Mar- ze werden °on^- „ftünfüerin aus b« 'Herten ft L^raus flh Taschen-Vrauer Stammhaus Offenbach a. M. W* . ^de lvechM Wt. Einzelverkaus: Giehen 6526D nur 21 Marktstr atze nur 21 Größtes Spezialgeschäft am Platze für Freitag, men". - 2erm Bureau Hauptver rer" vt>erg- gerinne" |[U> bald oi* rhanden- ou dem .. 2. ift h nw1 PL,;n@er' ®5Iffa!’c mil 01 U® fvlt -rrun^Ti. 3ufi; ette.^ jvrian huW» e bis 20 Jahre ang brauchen in wm. Die Mit- ausweis des Füh- hen sein. Jugend- , wie bisher, den b haben. Letztere die zahlreichen Jubel denen also in ?en wandern, nur den Ausweis ha- , a> u l e mit dem gefamie.i xicorecperionai in einer Kopfzahl von über 800 machten gestern einen R he in au S f lu g. der. begünstigt von dem schönsten Sommerwetter, einen prachtvollen Verlauf nahm und allen Teilnehmern eine bleibende Erinnerung sein wird. Mit einem Extra- Auae ging es über Hornburg nach Kastell, wo Atoei gemietete Dampfer die Reisegesellschaft auf- nahm. Die Fahrt ging bis St. Goar. Die eine Abteilung besuchte das Viederwalddenkmal. Die andere die Ruine Ehrenfels. Abends IIV2 Uhr brachte ein Extrazug die frohe Schar in der angeregtesten Stimmung zurück. — In der hiesigen Stadtkirche fand gestern abend die Hauptversammlung des S t a d t ki r che nb a nder eins unter Leitung von Kirchenrat Kleber g e r statt. Der Derein, der sich die bauliche Unterhaltung der Liebfrauenkirchezum vAcl gesetzt hat. zählt gegenwärtig 101 Mitglieder mit 113,50 Mark Beiträgen. Die Mitgliederzahl ist gegen früher sehr zurückgegangen und sollen deshalb neue Mitglieder geworben werden denn die Ziele und Aufgaben des Vereins sind durch die Wiederherstellung der Kirche noch lange nicht erschöpft, da fortwährend neue Reparaturarbeiten nDt! Dto'H'S u b a d>, 2. Juli. Am Dienstag und Mittwoch fanden hier wichtige Stadtverord- netensihungen statt, die mit der Aufstellung des Voranschlages für 1925 ausgefüllt waren. Da die Einnahmen des vorigen Rechnungsjahrs hinter den Ausgaben (die 349 000 Mk. betrugen) um 111000 Mk. zurückblieben, so wurden zur Deckung des Fehlbetrages folgende Steuern festgesetzt und zwar für je 10 0 Mark Steuerkapital bei der Gebäudesteuer mit 15 Pfennig, bei der Grundsteuer 24 Pfennig, bei Anlage- und Betriebskapital 80 Pfennig, bei der Sondersteuer 45 Pfennig. Als einzelne wichtige Posten heben wir hervor: Besoldung des neuen städtischen Bürgermeisters 7 bis 8000 Mark, für das Stadtbauamt 7600 Mark, für Straßenunterhaltung 25 000 Mark, Unterhaltung der städt. Gebäude 7900 Mark. Für Lehrmittel der Stadtschule und Llnterhaltung der Schulräume wurden 5700 Mark, zur Bestreitung der Kosten für die Fortbildungsschule 3000 Mk. in den Voranschlag eingestellt. Außerdem wurden der Stadtschule zur Beschaffung eines Projektionsapparates noch besonders 1500 Mark bewilligt Die Oberrealschule erhält einen Zuschuß von 34 000 Mk., da die Stadt die von ihr geforderten Unter- und Oberprima unterhalten muh Im ganzen wurden für Schulzwecke 62 000 Mark in Ansatz gebracht. Für allgemeine Verwaltungskosten wurden 34 000 Mk., für Ruhegehälter, für Witwen» und Waisengelder und soziale Fürsorge 22 000 Mk., für Armenpflege 20 000 Mk.. für Zinsen zur Aufwertung der städt. Obligationen 10 000 Mk. und in den Reservefonds für unvorhergesehene Fälle wurden 29 000 Mk. vorgesehen. Die städtischen Waldungen ergaben bei einer Einnahme von 26 000 Mark und einer Ausgabe von 12 000 Mk. einen Reingewinn von 14 000 Mk. Die Jagdpacht wurde auf 1200 Mk. erhöht. Das städtische Elektrizitätswerk erzielte einen Ueberschuß von 35 000 M?., welche Summe für städtische Neubauten verwandt werden soll. Kreis Büdingen. Nidda, 2. Juli. Ein Landwirt aus E i ch e l s d 0 r f, der, wie seinerzeit berichtet, nicht abgestempeltes Kalbfleisch hiesigen Metzgern zum Kauf anbot, wurde vom hiesigen Amtsgericht wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz zu 500 Mark Ge 1 dstrafe verurteilt. Außerdem wird das Urteil in zwei lokalen Blättern veröffentlicht und durch Aushang an der Gemeindetafel feines Heimatsortes auf die Dauer von vierzehn Tagen bekanntgegeben. nd. Nidda, 1. Juli. Hier und im ganzen Wetterauer Teil des Kreises Büdingen sind größere Kirschenpflanzungen nicht vorhanden. Die Hausfrauen müssen deshalb die Kirschen aus dem Bezirk Altenstadt beziehen. Bekannt sind als gute Kirschenorte Nieder-Mockstadt, Rodenbach, Himbach und Enzheim. Täglich kommen jetzt die Kirschenzüch- 1er aus den genannten Orten in die hiesige Gegend und bieten ihre Kirschen an. Die Früchte sind durchweg gesund und dick. Der Preis ist allerdings mit 50—60 Pfennig für das Pfund noch recht hoch. Die Händler zahlen für das Pfund direkt vom Baum nur 25—30 Pfennig. Auch Heidelbeeren werden schon öfters angeboten. Die Verkäufer kommen aus der Rhön. Sie verlangen für ein Liter 60 Pf., für ein Pfund 50 Pf. △ Geiß-Vidda. 2. Juli. Zur Zeit wird die Straße Dauernheim — Vidda unweit des Himmelsbachschen Sägewerkes verlegt und eine -Unterführung im Bahnkörper der Linie Dießen—Gelnhausen hergestellt. △ Altenstadt, 2. Juli. Am Samstag fiel der 15jährige Sohn des Försters Poth im Rodenbacher Feld beim Kirschenpflücken vom Baume und zog sich schwere innere Verletzungen zu, an denen er im Düdinger Krcm- kmhause nach einer Operation verstarb. )( Ortenberg, 2. Juli. Auf unserem Schloß weht die schwarzgelbe Stolberger Fahne aufHalb - mast Gestern früh um 9 Uhr entschlief nach langem unb schwerem Leiden Gräfin Kuno zu Stol- berg-Roßla, geb. Hedwig Prinzessin zu Psen- bura-Büdlngen. Die Berstorbene wurde am 1. Noo. 1863 zu Büdingen als Tochter des Fürsten Bruno Casimir zu Psenburg-Büdingen und seiner Gemahlin Mathilde, geb. Prinzessin zu Solrns-Hohen- solms-Lich geboren, vermählte sich am 27. Sept. 1883 mit Fürst Botho zu Stvlberg-Rvßla und nach dessen Tode (8. November 1893) mit Graf Kuno zu Ltolberg-Roßla am 31. August 1902. Gräfin Kuno nar mit hohen Gaben des Geistes unb Gemütes ausgezeichnet unb wegen ihres leutseligen Wesens KOFFER ] in Holz, Leder, Dulkanfibre u. Hartpappe J Reisetaschen-Rucksäcke sowie alle übrigen Lederwaren. D. Red.) gum Prozeh Mngerftein Trinkt ,Schwalbacher-Stahlbrunnen‘ Das vorzügliche natürliche kohlensaure Mineralwasser. 65591) WelMsWen für Kleinbetriebe z. Abrichten, Kehlen, Nmen,Jräsen,Lang- lochbobren und für Kreissäge; ferner Patent' mefierroefien mit u. obneSubebör, Vager, Riemenscheibe usw. zum Selbiianfert- sowie alle and. Maschinen. Schr. Angeb. unter 65t6D a.d.Giefr An». Großer Preisabschlag Verkaufe Samstag 056« prima Pferdefleisch 4 M1M sowie prima Fohlenfleisch empfehle tägl. Gulasch, Sauerbraten, warme Wurst, gute Biere und Branntwein. M Segler, Nimm. den Wagen in schnellster Fahrt auf einer Strecke von 12 Metern zum Stehen zu bringen, und dies ohne die geringste Belästigung der Passagiere. Die weitere Fahrt brachte die Teilnehmer durch Gießen, wo zunächst die voraussichtliche Strecke — Oftanlagc, Südanlage, Frankfur- ter Straße, Liebig st raße, Bahnhof — durchfahren wurde, während der Rückweg, um die Beweglichkeit des Wagens in engen, aber stark belebten Stadtteilen zu zeigen, durch Seltersweg, Sonnen st raße. Schul st raße, Walltor- st r a ß e genommen wurde Hochbefriedigt und überzeugt von der Ueberlegenheit dieses Sechsradwagens über alle zur Zeit eriftierenben Verkehrsmitte', verließen bie Teilnehmer ben Wagen in Wieseck, wo sich für die offiziellen Teilnehmer eine kurze Besprechung anschloß. Die ungemein freudige Aufnahme, die das Auftauchen des Planes der Autoverbindung bei ollen Behelligten fand, steigerte sich impulsiv, als sich bei Erscheinen des Probewagens herausstellte, wie weit die Angelegenheit in so kurzer Zeit gediehen war. In allen in Betracht kommenden Ortschaften gibt es nur noch eine Stimme: Dies ist für uns das gegebene Verkehrsmittel! Verhandlungen, die sich aller Voraussicht nach schnell und glatt abwickeln werden, haben für die einzelnen Gemeinden nur die S i ch e r st e l l u n g des Anschlusses zum Ziel. In Wieseck besteht Einmütigkeit darüber, dos nun einmal begonnene Werk bis zur letzten Möglichkeit auszugestalten. Möge es ein Werk wer- ben, das befruchtend auf das öffentliche Leben aller in Betracht kommenden Gemeinden wirkt. (Ein Mitglied imfercr Redaktion hatte Gelegenheit. an der Probefahrt dieses Autobusse- von Gießen nach Wieseck und zurück teilzunehmen. Es war festzustellen, daß der Wagen in der Tat nach jeder Richtung hin als hervorragend an- zusehen ist und seine Benutzer Dank der sehr gediegenen Einrichtung zweifellos in höchstem Maße befriedigen wird. Die guten Eigenschaften, die der vorstehende Bericht an dem Wagen mit Recht hervorhebt, verdienen alle Anerkennung. lillsleiD-tioiile alle Größen lagernd im 846a Modehaus Salomon. Limburg, 2. Juli. (TU.) Dor dem Schwurgericht in Limburg beginnt am kommenden Montag der Prozeß gegen den Massenmörder Fritz Anger st ein aus Haiger, der im Dezember vorigen Jahres seine ganze Familie und einige fremde Personen umgebracht bat. In dem Geständnis, das er abgelegt hatte, berichtete er, seine Frau habe in Köln einem Straßenbahnunfall erlitten und sich eine schwere Verletzung des Rückgrats zugezogen, die ein lebenslängliches Siechtum zur Folge hatte. In der Mordnacht sei er wieder zum deutlichen Bewußtsein ihres Leidens gekommen. Er habe seine Frau von ihren Schmerzen befreien wollen und mit einem Dolchmesser besinnungslos auf sie eingestochen. Der Anblick der toten Frau habe ihn dann derartig wahnsinnig gemacht, daß er den Beschluß faßte, alles aus dem Wege zu räumen. Am Morgen sei die Schwiegermutter in das Zimmer der Tochter gekommen und habe beim Anblick der Leiche furchtbar zu schreien begonnen. Darauf sei er auf sie zugestürzt und habe sie mit einem Veilhieb niedergemacht. Auch das Dienstmädchen, das herzueilte, wurde auf diese Weise getötet. Die Schwester seiner Frau, die morgens von einem Vergnügen heimkehrte, wurde gleichfalls mit dem Veil erschlagen. In gleicher Weise endeten die beiden Gärtnergehilfen und zwei Angestellte der Firma. Der Prozeß wird, wie schon berichtet, mindestens eine ganze Woche in Anspruch nehmen. Die Anllage wird durch Oberstaatsanwalt Dac meist er und Gerichtsassessor Dr. Hofmann vertreten. Es sind 150 Zeugen und 27 Sachverständige aufgeboten. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Llmschau".) Samstag, 4. Juli. 12 Ubr: Vachrichtendienst. 4 Mr: Wetterbericht der Gießener Wetterdienststelle. 4 Uhr: Wirtschastsmeldungen. 4.20 Ubr: Vachrichtendienst. 4.30 bis 6 Ubr: Vachmittags-Konzert: Internationales Tanzturnier. 6 bis 6.30 ilfcr: Jugendstunde: Aus dem Roman „Unter den Geiern" von Karl May. 6.30 bis 6.45 Mr: Briefkasten. 6.45 bis 7 Mr: Aus Historie und Fantasie (Anekdoten und Rätsel). 7 bis 7.30 Ahr: Vortrag von Postinspektor Sinz: „Die Einrichtung moderner Telegraphenämter, 1". 7.30 bis 8 llbr: Vortrags-Zyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau. Vortrag von Reg.-Rat a. D. Dr. Keck: „Der gegenwärtige Stand der Steuerreform". 8 bis 8.30 Mr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung. Vortrag von Dr. Schuckmann: „Was ich bei einem Sonntagsausflug in den Taunus biologisch sehen kann". 8.30 bis 9.30 Mr: Turcrndot, Prinzessin von China. Ein tragikomisches Märchen nach Gozzi von Friedr. v. Schiller. 10 bis 11 Uljr: Die Entwicklung der Vivlin-Sonate. Ein Zyllus, zweiter Abend. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. Religionsgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge (Eüdanlage). Samstag, den 4. Juli. Dorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 9.00 u. 9.4reiU schwerfällig und maifig sieht sich der vorgeführte Wagen von außen an. Betritt man das Innere, so ist man angenehm überrascht zunächst von der soliden unb vornehmen Einrichtung. Um die Aufmerksamkeit des Wagenführers nicht abzulenken, befindet sich der Eingang am hinteren Teil. Durch einen Perron gelangt man ins Innere. Ein genügend breiter Gang in der Mitte teilt die Sitzgelegenheiten in zwei Hälften, die jede für sich immer noch breit genug sind, um zwei bis drei Personen Platz zu bieten. Man fühlt sich in einen modernen V-Zug-Wagen verseht: Schöne bequeme Sitze, die Sitzplätze und Rückenlehne mit Lederpolster, laden zum Sitzen ein — und mancher und manche, die die erste Probefahrt nicht mitmachen konnten, ließen sich wenigstens einmal mit einem gewissen Wohlbehagen in die ungewohnten Polster fallen. Diesen war das schon ein Genuß! Schöne breite Fenster nach beiden Seiten ermöglichen einen guten Umblick in die Landschaft, Vorhänge können bei Sonnenbrand zum Schutz der Passagiere vorgezogen werden. Die Dentilationsanlage ist vorzüglich angeordnet und schafft eine angenehme Temperatur im Wageninnern. Elektrische Beleuchtung und im Winter elektrische Heizung mit Hilfe des Motors sorgen weiterhin für das Wohlbehagen der Fahrgäste, die Stehplätze auf dem Hinterperron sind durch Kokosmatten gegen die Kälte von unten her geschützt, im Wageninnern hat man im Gang einen Läufer aus Gummi angebracht. Unter den Sitzplätzen ist genügend Raum zur Unterbringung von Handgepäck vorhanden. In der vorderen Wand befindet sich eine weitere Tür, die zum Führersitz führt, wodurch bei starker Besetzung ein rasches Aussteigen ermöglicht wird. Inzwischen hatte der Gemeinderat, wozu sich eine weitere Anzahl Gäste gesellte, int Wagen Platz genommen, ein paar kurze Erläuterungen des anwesenden leitenden Beamten der Firma über die unterwegs anzustellenden Versuche, und für die Passagiere völlig unmerkbar, ohne Rucken und Stoßen, fast geräuschlos ging die Fahrt los. Vorher hatte man sich geeinigt, die Strecke Alten - Duseck — Großen - Duseck — Beuern zu befahren. Das sind die Orte, die nächst Wieseck ein besottders großes Interesse an einer Verbindung mit Gießen haben. In flotter Fahrt war Alten-Bus eck erreicht und durchfahren — von der Bürgermeisterei Wieseck bis in die Mitte Alten-Busecks wurden 6 Minuten gebraucht! —, wobei zu beachten ist, daß der Wagen von etwa 40 Personen beseht war. In Alten-Duseck wurde der streckenunkundige Führer durch recht schmale und winllige Gassen geführt, damit sich die beobachtenden Insassen von der leichten Lenkbarkeit des Wagens überzeugen konnten. Mit verblüffender Sicherheit wurden die schärfsten Kurven genommen. Wenige Minuten später war Großen-Duseck erreicht, und 15 Minuten nach dem Abfahrtsignal in Wieseck stand der Wagen vor der Bürgermeisterei in Beuern. Die immerhin beträchtlichen Steigungen zwischen Großen-Buseck und Beuern wurden spielend, ohne die Geschwindigkeit zu mindern, überwunden. In kurzer Zeit war ganz Beuern auf den Deinen, um sich die „Beuerner Eisenbahn" anzusehen. Auch hier vollste Anerkennung über die Gediegenheit des Wagens und ermunternder Zuspruch an die Wiesecker, die Sache so schnell wie möglich zum Abschluß zu bringen, sie seien schon da, „Wenns fehlt"! (Bewegung mit Daumen und Zeigefinger.) ilnb die Hauptsache: „Fahrt bis nach Beuern, wir brauchen etwas derartiges, wie das tägliche Brot!" Einige besonders besorgte Hausmütter fanden den Aufenthalt im Wagen sogar so verführerisch, daß sie befürchteten, ihre Ehe- gesponste möchten dann den Weg nach Gießen öfter machen, als unbedingt notwendig ist. Ein besonderes Kunststück wurde in Beuern noch vollführt. als es galt, den großen Wagen für die Rückfahrt zu drehen. Dor sich eine schmale Dorf- straße, vom Omnibus fast ausgefüllt, in der Fahrtrichtung keine Seitenstraße, also gings in den nahen Wald, bis man an eine Schneisenkreuzung kam, wo mit Leichtigkeit gewendet wurde! Schnell wurden die führenden Männer Beuerns mit aufgeladen, damit auch sie die Probefahrt mitmachen konnten. Der kurze Aufenthalt auf der Rückfahrt in Großen-Duseck wurde benutzt, um eine weitere vorzügliche Eigenart des Wagens zu zeigen. Fährt nämlich der Wagen auf der Strecke mit der einen Seite über ein Hindernis, einen besonders großen Stein und dgl., so ermöglicht es die eigenartige Anordnung der drei Achsen, daß dies für die Passagiere kaum zu merken ist. Zu diesem Zweck wurde vor das eine Hinterradpaar ein unverhältnismäßig großer Holzklotz gelegt, der etwa eine Höhe von 20 Zentimeter hatte. Der Wagen fuhr ohne jede Schwankung darüber^ das den Klotz überfahrende Rad hob sich, während die übrigen fünf Räder in ihrer Lage nicht verändert wurden. Auch hier gesellten sich zu den Fahrgästen einige Vertreter der Gemeinde mit dem Bürgermeister an der Spitze. Das Interesse der Einwohner von hier sowohl wie von dem nun erreichten Alten- Bus eck bekundete sich in begeisterten Zurufen. Man hatte unbedingt den Eindruck, daß das Erscheinen dieses, Autos in der vom Verkehr seither sehr stiefmütterlich behandelten Gegend wie eine Erlösung wirkte. In Alten-Duseck wurde die Zahl der Mitfahrenden abermals um einige Mitglieder der Gemeindeverwaltung vermehrt, und nun gings in flotter Fahrt nach Wieseck, wo abermals, um die Lenkbarkeit zu prüfen, durch das enge Unteröorf gefahren wurde. Die auf der Fahrt noch vorgenommenen Bremsproben zeigten einen weiteren Vorteil des Sechsradwagens, es gelang, Weihbinder und 6561V Anstreicher fürfl“b Gebt. Nicolaus. Wir suchen eine jüngere Verkäuferin. Nur schriftliche Offerten unter Angabe der GebaltSanlvrüche und Betsüguna von Zeugntsabschrtften an 650OD Fritz Nowack MS. MSesabrik u. MsstoMuzsshaas. zur 5 im nahezu vollendeten 63. Lebensjahre. 05647 Die Gießen (Bahnhofstraße 54), den 2. Juli 1925. Klein-Linden, den 3. Juli 1925. 6554D im Alter von 18 Jahren. Gießen (Frankfurter Straße 149), 2. Juli 1925. £mmj Reutzel. buch- Separater Beratungsraum. Keinerlei Kaufzwang. gesucht. 6558D Gießen, den 3. Juli 1925. 6534D | Empfehlungen] In Betrieb. 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Die Beerdigung findet Samstag, den 4. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof Statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 6551c Nach langem, schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden verschied am 2. Juli nachmittags 3 Uhr im Alter von 64 Jahren meine liebe Frau, meine herzensgute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Marie Görnert Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen, des Herrn Georg Diehl, Baigieraei* i. H danken herzlichst die trauernden Hinterbliebenen. Samstag. 4. Juli, 8'/r Uhr abcndS: Monats- versammlung int Vereinslokal: „Universitäts-Restaurant". Tagesordnung wird am Abend bekannt gegeben Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung iMiitel- rhein. Turnfest u. a. m.) bittet um recht zahlreich. Erscheinen 6567c der Vorstand. Leichtmotorrad „Alba", 1.5 P. 8.. für 350 Jt zu verk. 0s<39 O. Kalbfleisch, Saafeu, Jestplatz. 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Aachstel hinter § 14 § 14 a. nisplahes e ist die Tn Einzelgrabi Gesuchs ist einen 6ad zutragen. Wenig fallen an öen Erw durch Einhä den Erwerb Für je! wachsenen o lasse zu ent M der Lc rats bestimm § 14 b. Verkäufe [ Sitzliege- Wagen fast neu, preiswert abzugeben 05643 Walltorstr. 71 v. Sole. Echter SSWlzei Oarner khesler Somemöert RWefvrk EmmeiiAler oßne Binbe ngmaöoüt üMbiikger sleks Mslv emo- fieölt 6528c Heute vormittag 11 Uhr verschied nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, unser lieber Sohn, Bruder und Enkel Karl Hansel Haben Sie Schmerzen an dieser Stelle? Laufen Sie die Absätze sehr rasch ab? Knickt Ihr Fuß leicht um? WerdenSiedurch Hühneraugen geplagt? I ) Haben Sie verkrümmte Zehen? \ -z Findet sich Hornhaut unter der Sohle? Ermüden Sie rasch? Werden Sie durch Schmerzen an den Ballen belästigt? Sind dort rote Stellen? Haben Sie Senkfuß oder Hohlfuß? Schmerzen Ihre Fersen oder Waden? Verloren: BtieftaMe mit Geldinhalt, auf dem Wege Sudans., Weit ans.. Rod- Heimer Str., Aus- weispapiere ins besetzte Gebiet, sowie gerichtliche Papiere. Der ehrliche Binder wird dringend gebeten, dieselbe aus dem Jundburca« des Polizeiamts gegen hohe Belohn, abzugeben, da ich durch den Verlust der Gerichtßvaviere Unannehmlichkeiten bekomme. 05637 ftöbUcb in ein. Nacht vinol» In Pak. bzw. f. Insekten an Tieren in ausgiebigenSpritz' dosen erhält!. bei Drog. J. W. Knrx Nsobl.,Neustadt 11, Drog. Gg. Wallen kels, Marktvlatzäl. Drog.Gnst.Wsltsi-. Mäusourg. 6: richten. Zur Platzes ist d statte ist der Reichsband d Zivil- dienstberecbtig{en. Samstag, 4.7., 8'/,: Monatsverfamml. „Stadt Lich". Sonntag, 12. 7.: Spaziergang nach d. Schtffenberg nut den Marburger und Wetzlarer Kameraden. Näheres in der Versammlung. 058* ©®ese©Q©®eee Gießener Waldbühne. Samstag, 4.3uli, nachm. 472 Uhr: Ein SoHrlrainn in Dinteliiih. Lustspiel mit Musik und Tanz von HeltanihuS. 5nm Beftea der MMÄSK. Kasseneröffnuna 4U' Ende nach 6 Ubr. 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Juli im Saalbau Sauer amOSwaldSgarten,4Uhrnachmittags: Gründungsversammlung 8 Uhr abends: Festakt anschließend: gemütliches Zusammensein Zu dem Festakt und der Abendunterhaltung sind auch die Familienangehörigen herzlich willkommen. Sonntag, 5 Juli. nachmittagS: MilleMsslugiiW öemSdilrienbetg Treffpunkt 3.15 Uhr Ludwigsplatz. 65440 Der vorbereitende Ausschuß. Chaiselongues, Diwans und Auflegematratzen Gesucht gelernter, über 25 Jahre alter Auto- Monteur. Schritfl. Bewerb, unter 65330 an den Gieh. Anz. erbeten. Braver [e Msilämmer und 1Ä* >r 70 bis 78. ‘ Mot'»- <5 (Säte grg°nü^ -SZZ ÄÄ 3u,‘5 204 616 218. IMpKj1 »32 bü sgr&B ■Ä •Ä 22 "M 2 J*” grat" * Fraulein Fob. (Roman von Anders E j e. 11. Fortsetzung. (Nachdruck oerboten.) Du wirst ganz klug und richtig einwenden, daß das, was jetzt eintraf, nichts anderes war, als was ich vorausgesehen und zu dessen Verhinderung ich die ganze Zeit — bildlich gesprochen — die Finger an der Dakuumbrcmse hatte. Gewih. Das Ganze erscheint mir rasend einfach, — jetzt, nachträglich. Ich hätte nur futg und bündig zu sagen brauchen: rühren Sie mich nicht an, ich bin die Tochter der Exzellenz Thorben. Kein vernünftiger Mensch kann iXivan zweifeln, dah dies Wort augenblicklich gewirkt hätte. Aber, mein Liebling, es ist Tatsache, ine kleine Fob war der kritischen Situation nicht gewachsen, sie war einfach aus dem Konzept gefallen. Auf alle Fälle muh ich um Hilfe gerufen haben, denn auf einmal wurde eine Tur gesprengt, ein Vorhang wurde entzwei gerissen, cs zerbrach etwas ..... . , .. Die nächste Sekunde — wenn es überhaupt so lange dauerte, - war ich frei. Ist es nicht lächerlich, Gabby, wie schlecht unser Beobachtungsvermögen entwickelt ist, wie sich immer unwesentliche Dinge in den Vordergrund schieben, wenn wir uns des Hauptsächlichen erinnern wollen. Das Erste, was ich an meinem Retter bemerkte, war, dah er nicht einen Gesellschaftsanzug, sondern ein dunkelgraues Sakko trug. Hnö dann wunderte es mich, dah er nach der Kraftanstrengung, mit der er Herrn Fellips an das andere Ende des Zimmers geschleudert hakte, gar nicht keuchte oder heftiger atmete. Die ganze Geschichte schien ihm keine größere Mühe gekostet zu haben, als wie sich eine Zigarre anzuzünden, — er half mir ruhig in den Mantel — Gott weih, wo er diesen auf einmal her hatte, — und sagte freundlich und etwas onkelhaft, ich konnte mich darauf verlassen, dah mir nichts geschehen werde. Ich konnte natürlich nicht einen Laut hervorbringen, aber höre mein Geständnis, Gabby, ich schämte mich, und gleichzeitig schämte ich mich, dah ich mich schämte. Kannst Du Dir dies erklären, mein Liebling? . Erst als ich die Stiege hinunterschritt, gelang es mir, die äleberreste einer bedeutend über- schähten Geistesgegenwart zu sammeln. Erinnerst Du Dich noch, wie hochnäsig ich immer aus meine presence d'esprit war und wie ich deren sicher war? Das war einmal, mein Mädchen. Jetzt war davon kaum soviel übr G geblieben, um einen Blick aus ein paar erstaunten Augen aufzufangen, die sich unten in der großen Hall des Hotels Savoy vom Abendblatt des Telegraphie zu mir erhoben. Der Herr trug einen langen, graugrünen Ulster mit Gürtel, und einen weichen, breitrandigen Filzhut. So verschwindend auch der Bruchteil jener Sekunde war, den sich unsere Augen begegneten, ich würde den Mann heute noch wiedererkennen. Aber wer es ist. kann ich nicht sagen. Drauhen auf der Straße machte ich eine andere Entdeckung. Richt genug, dah das Bild meines Retters in mir ein sehr undeutliches war, ich kannte nicht einmal seinen (Hamen. Der allgemeine Eindruck von ihm (vom grauen Sakko abgesehen, war der eines breitschultrigen, ziemlich unbedeutenden Herrn von gewöhnlichem Aussehen. 3d) könnte an ihm auf der Straße Vorbeigehen, ohne das mindeste Zucken in den (Heroen zu verspüren, das nach unserer alten Anatomie die sympathischen Sinneseindrücke anzeigt. Aber was sollte ich tun. Die Umstände droben in Herrn Fellips Separö ließen kaum eine zeremonielle Vorstellung zu — sie wäre auch gar nicht comme-il-faut gewesen, nicht? Ich möchte nur wissen, wie die beiden Herren die Affäre erledigen. Duelle sind zwar unmodern, und Herrn Fellips Hände erscheinen mir so schmal und weih, dah ich sie für wenig geeignet halte, einen Boxkampf durchzuführen. Das Traurige an der Sache ist auherdem, dah ich so bald in dieser heiklen Geschichte keine Klarheit gewinnen werde, — wenn sie mir überhaupt jemals vergönnt sein wird. Papa Fili und ich reifen nämlich morgen nach Kairo, so hat mein liebenswürdiger Papa noch in der gleichen schicksalsschweren Rächt beschlossen. Dieser Beschluß wurde wie gewöhnlich im Handumdrehen gefaßt: ich hatte wahrheitsgemäh und ohne Entstellung erzählt, was sich zugetragen, — Papa hatte zuerst gelacht, und dann wurde er ernst. Darauf dachte er ein wenig nach, sah auf die Uhr, und sagte: „Wir reifen übermorgen mit dem Rachtzug nach Kairo, Fob." Du kennst Papa. Wenn er etwas sagt, ist es ebenso undenkbar, zu fragen ober eine Einwendung zu machen, wie auf der Post um eine Briefmarke zu feilschen. Man gehorcht, weiter nichts. 3a, meine liebe Gabby, das Ergebnis meines kleinen Abenteuers im Hotel Savoy sind also drei Herren: einer, den ich kenne, von dem ich aber nicht weih, wer er ist, — der Herr in der Halle, — einer, den ich nicht kenne und von dem ich auch nicht weih, wer er ist, — mein Retter, — und einer, den ich sowohl kenne und von dem ich weih, wer er ist (oder richtiger gesagt, wie er ist) — Herr Fellips. Der Gedanke an alle drei irritiert mich, ich bin aber gegenwärtig außerstande zu sagen, welcher von chnen mich am meisten irritiert. Da hast Du also die sogenannte Sachlage, mein Mädchen. Vielleicht schreibe ich Dir eine Zeile aus Kairo, vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle werde ich recht oft an Dich denken. Deine Fob. IV. Konfrontation. „Du schneidest auf 1“ „Unmöglich!“ "Flach hat Gespenster gesehen!" Herr von Flach ließ die Proteste um seine Ohren hageln. Er drehte eine Havannazigarre zwischen den Lippen, eine, deren Deckblatt sich zu lösen drohte. Unverantwortlich, eine so teure Zigarre! Leutnant Carlton tarn ins Zimmer. „Worüber streiten die Herren?" „Flach will uns Ammenmärchen erzählen." „Latz hören." So, jetzt war die Zigarre geheilt. Rur etwas Geduld, mit ein wenig Geduld kann man die unglaublichsten Dinge ausrichten, philosophierte Flach, während er die übrigen Herren reden ließ. Schließlich erhielt Ritt das Wort. „Stell' dir folgendes vor," bat er und zog einen Stuhl in die Mitte. „Hier sitzt Fräulein Fob, charmant wie gewöhnlich, vielbegehrt wie gewöhnlich, umgeben von einem ganzen Stab hofierender Kavaliere, — auch wie gewöhnlich. Rur Leutnant Carlton wird vermißt. Man vermutet, daß er abgehalten ist." „Whisky und Soda sind immer ein Grund." „Weiter" „Die (Belagerung ist in vollem Gang. Spähe und Schmeicheleien aus Stücken verschiedenen Kalibers bombardieren die Festung von der Front und von den Flanken, aber die Infanterie hat noch keine großen Aussichten, sich zu rühren." „Die Infanterie trinkt Grog," murmelte Flach. „Die Festung Fob scheint uneinnehmbar zu sein, wie nur irgendwas, und es nützt nicht viel, daß der Angriff mitunter in den Händen eines Majors der Festungsartillerie liegt Die Regimentsmusik spielt „Quand l’amour meurt“ mit unbewußter Ironie in den Trompetenstößen, aber weit weg in einem Winkel halten drei junge Damen, die der Umstände halber sich in die Reserve verseht sehen, geheimnisvollen KricgS- rat über die Aussichten, in die erste Linie zu kommen. Wer bezweifelt, daß diese Photographie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, wird ersucht, unverzüglich das Terrain im blauen Salon zu rekognoszieren, zwei Minuten von diesem glänzenden Generalstabsguartier entfernt.“ „Ritt ist unerträglich mit seinen allegorischen Kriegsschilderungen," entschied der Jüngste in der Gesellschaft. „Geduld," .nahnte Flach. Ritt blies den Rauch feiner Zigarette stoßweise aus Mund und Rase. „Jetzt komme ich," sagte er, „zu der von Flach korrekt berichteten Episode. Es geschieht folgendes: Der Major der Festungsartillerie hat sich gerade einer seiner sichersten Projektile auS- gedacht und bereitet sich für den kritischen Augenblick des Ausschusses vor, von der Festung mit fast höhnischem Interesse beobachtet. Ein avancementlüsterner Subalterner hat schon die Hacken zusammcngeschlagen, um vorschriftsmäßig über den Treffer jubeln zu können. Man wartet nur auf den Schuh, auf den Knall, auf daS Hurrarufen und die maliziöse Erwiderung seitens der Festung. Aber — der Schuh kommt nicht — — — er kommt überhaupt nicht." „Rein," bezeugte Herr von Flach, „er kommt nicht." (Fortsetzung folgt.) PRINGMANNS SCHUHE G 8 ESS EM, Bahnhofstraße 58 ■ FULDA, Marktstraße 17 Wir haben eine große Anzahl regulärer Schuhe wesentlich im Preise herabgesetzt! J75 Gelegenheitskauf! Schwarze Schulstiefel mit holzgenageltem Boden Braune Ledersandalen Brat 750 s? ■ 31-35 31-35 2.95 AISON-AUS VERKAUF WO PfiEGWEOT Wir bitten um Besichtigung unserer Fenster! 6408 a Nur noch kurze Zeit! Rindleder-Schnür-Halbschuhe für Garten und Feldarbeit, Größe 36-42, Herren-Halbschuhe Shimmyform......... Herren-Rindleder-Stiefel kräftige Qualität, gutes Fabrikat . . Schwarze Damen-Halbschuhe runde Form, amerik. Absatz...... 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Oktober M 9. November 7. Dezember Z MreroanMen^Une1 »«fagrtSÄoft»"® la Handkoffer sehr billig 1606c &L Carl Schunck Bürgergesellschaft | Samstag, den 4. Juli, S1^ Uhr Sommernachtsball I Philosophenwald 6546V t Gemäh Beschluß des Ausschusses vom 15. Juni ds. Is. treten ab 29. Juni 1925 folgende Veränderungen in den Lohnstufen ein: Lohnstufe 1 Täglicher Verdienst bis 1 (Brunblohn 1 Beitrag pro Woche Gesamt-Anteil der Versicherten pro Woche zur Krankenkasse zur Invalidenkasse zur Erwerbs- losen-Fürs. X 6.50 6. 2.94 1.- -.42 2.67 ,