Zreitag, 2. Gttober 1925 U5. Zahrgang Nr. 231 Erstes Blatt (L) Erscheint tägUch, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblStter Heimat im Bild. Monats-Bezugspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-AnschlÜsse: Schristleirung 112, Ver» lagundGeschästsstelleöl. Anschrift für Drahtnach» richten. AnzeigerEiehen. Postscheckkonto: Sranffurt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen o.70mni Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/o Auf» schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: ErnstBlumschein;fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'jche Unwerfitätt-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schristleitung nni> Seschästsstelle: Schulftratze 1 Hindenburg. Don Dr. Walther Croll. Reichspräsident von Hindenburg begeht am 2. Oktober feinen 7 8. Geburtstag. Das deutsche Volk kennt den Lebenslauf dieses Mannes in allen wichtigen Daten. Ehe Hindenburg am 26. April d. I. mit erheblicher Mehrheit zum Reichspräsidenten gewählt wurde, war sein Name bereits in aller Munde. Er war der erfolgreichste und populärste Feldherr des Weltkrieges. Er war der gute Genius des deutschen Soldaten, des jungen Kriegsfreiwilligen genau so wie des alten Landsturmmannes. Die Schlachtennamen von Tannenberg und Masuren leuchten durch die Finsternis der letzten elf Jahre wie Sterne am dunklen Nachthimmel. Als das deutsche Volk im Jahre 1916 zu außerordentlichen Anstrengungen aufgerufen wurde, nannte man das Programm dieser inneren und äußeren Rüstung das „Hinden- burg-Programm". Der alte preußische Soldat mit seiner geraden, unkomplizierten Gesinnung, mit seiner tief im Herzen wurzelnden Anhänglichkeit an das Königshaus, gewann es über sich, im Herbst 1919 das zermürbte republikanische Heer in die republikanische Heimat zurückzuführen. Er hat damit einen Grad von Vaterlandsliebe und Pflichtgefühl bewiesen, für den sich schwer in der Geschichte ein Gegenstück finden läßt. Nach Durchführung dieser letzten großen militärischen Aufgabe hat sich Deutschlands ruhmvollster Soldat in das Privatleben zurückgezogen. Er lebte in einer Villa, die ihm die Stadt Hannover zur Verfügung gestellt hatte. In weiten Kreisen des deutschen Volkes wurde Hindenburg als Deutschlands bester Mann geliebt und verehrt. Es war ein geflügeltes Wort geworden, daß dieser Mann zu schade sei, um an einen politischen Posten gestellt und damit dem Parteigezänk ausgeliefert zu werden. So wurde er weder zum Reichswehrminister ernannt, noch in ein Parlament gewählt. Hindenburg selbst äußerte immer wieder den Wunsch, daß er feinen Lebensabend in Ruhe und fern von dem öffentlichen Getriebe verbringen wollte. Da haben sich im Frühjahr 1925 zahlreiche nationale Männer an den Feldmarschall gewandt und ihn inständig gebeten, für die erledigte Reichspräsiden ten- s ch a s t zu kandidieren. Es hat sich gezeigt, daß ein großer Teil der Unpolitischen im deutschen Volke unter der Parole Hindenburg an die Wahlurne gebracht werden konnte. Die Gegner haben den Kampf nicht mit den üblichen Waffen der Gehässigkeit und der Schmähsucht führen können; sie haben andere Register gezogen. Sie bemitleideten den „armen unpolitischen Greis", der sich durch falsche Freunde auf das ungewohnte und gefährliche Parkett der Politik habe hinauslocken lassen. Sie prophezeiten scharfe Proteste der Ententeregierungen und verkündeten, daß die geringen Fortschritte, die Deutschland während des letzten Jahres außenpolitisch gemacht habe, wieder verloren gehen würden. Seit dem Amtsantritt Hindenburgs sind n o ch n ich t fünf Monate vergangen. Diese Zeit hat genügt um zu beweisen, w i e töricht und falsch die Befürchtungen gewesen sind, welche damals von den Gegnern der Kandidatur Hindenburg gehegt und öffentlich propagiert worden waren. Ein großer Teil der früheren Gegner Hindenburgs hat sich wenigstens zu einem achtungsvollen Schweigen über den Mann aufgerafft, der jetzt bald ein halbes Jahr an der Spitze der deutschen Republik steht. Nur die Linksradikalen können es sich nicht versagen, sich über den „Retter" lustig zu machen, unter dessen Herrschaft der Abbau der Not nicht so schnell vor sich gegangen fei, wie manches politische Kind damals geglaubt haben mag. Es ist kein gutes Zeichen für die politische Urteilsfähigkeit unseres Volkes, wenn man immer wieder Aussprüche hört wie: „Hindenburg hat die Räumung der Kölner Zone nicht durchsetzen können" oder: „Unter Hindenburg ist die Butter teurer geworden". Die Kraft des deutschen Volkes ist in jahrelangen schweren Kämpfen zermuM worden; es wird nicht nur jähre-, sondern jahrzehntelang dauern, bis diese Kräfte wieder zu früherer Höhe gewachsen sein werden. Die Rettung des deutschen Volkes ist keine einmalige Tat, sondern ein langwieriges, mühseliges Werk. Als „Retter" seinesVolkes wird ein Mann, und wenn es der stärkste und populärste wäre, erst anerkannt werden, wenn es gelungen ist. Wenn unser Reichspräsident — woran zu zweifeln kein Anlaß besteht — das Ende seiner siebenjährigen Amtszeit erlebt, so wird man vielleicht sagen können, daß in diesen sieben Jahren ein kleines Stück Wegs in der Richtung auf das große Ziel zu- rü cf gelegt ist. Und diese sieben Jahre — die Amtszeit des zweiten Reichspräsidenten — werden als der Wendepunkt unseres nationalen Schicksals erscheinen. Das ist das Vertrauen, das heute am 2. Oktober nicht nur die 14,6 Millionen Hindenburg-Wähler, sondern auch viele Millionen seiner früheren Gegner im Herzen tragen. Für viele Deutsche, denen Staat und Volk in einer Person verkörpert sein muß, wenn sie die richtige Liebe fühlen sollen, ist Hindenburg etwas Aehnliches rote ein Monarch. Mit außerordentlichem Takt hat Hindenburg es vermieden, an feinem exponierten ^Platze etwas zu tun, was von feinen Gegnern als Feindseligkeit gegenüber der bestehenden Staatsform aus» gelegt werden könnte. Man wird es dem treuen Soldaten nicht verdenken, wenn seine Liebe nicht dem republikanischen Regime gehört. Aber er hat Achtung vor dem Willen des Volkes, und der Wille des Volkes hat sich für die Republik aus» gesprochen. Hindenburg ist ein lebendiges Beispiel dafür, daß man als Deutscher seine Pflicht t u n kann, auch wenn einem Äußerlichkeiten nicht gefallen, und auch dafür, daß Arbeit an der Rettung des Volkes höher steht als der Kampf um Staatsform und Staatssymbole. Deutschland und Rußland. Der russische Volkskommissar T s ch i t s ch e - r i n hat auch an amtlichen Stellen als Grund für seinen Berliner Besuch die Notwendigkeit ärztlicher Untersuchungen angegeben. Das wird zutreffend sein. Tschitscherin ist leidend, und die deutschen Aerzte stehen seit altersher mit Recht in gutem Ansehen bei den Russen. Wenn aber ein Außenministerr sich einmal auf die Bahn seht und fremde Hauptstädte berührt, dann ist es selbstverständlich, daß er nebenbei auch Politik zu machen sucht; in diesem Fall kann man sogar zweifelhaft sein, was bei Tschitscherin das Primäre gewesen ist. Denn das er vorher in Warschau Station machte, läßt von vornherein seine Absicht erkennen, seine Reise zu einem großen diplomatischen Kuhhandel auszunuhen. Die russische Diplomatie ist schon seit langem in Hochbetrieb. Sie läßt alle Minen springen, um die Engländer einzukesseln aus Sorge, daß sonst sie selbst eingekesselt würde. Ueberall in Asien, in China, 'in Indien, in Arabien, spürt man russische Hände und russisches Geld. Die Engländer sind vollkommen in die Defensive gedrängt. Sie haben genug zu tun, um ihre Stellung zu behaupten. Aber Rußland wird trotzdem die Angst nicht los, daß es den Engländern doch gelingen könnte, einen gewaltigen Ring zu bilden, der schließlich die Ausfalltore Rußlands nach Norden, Westen und Süden schließt. Hier sitzt auch der Kern des sonst unbegreiflichen Mißtrauens, das die russische Polittk gegen den deutschen Sicherheitspakt hat. Für uns alle war der Grundgedanke, den das Auswärtige Amt bei seinen Vorschlägen in Paris und London verfolgte, selbstverständlich: bei der gegebenen Kräfteverteilung ist in absehbarer Zeit im Westen für uns nichts zu machen; wenn wir polittsch wieder hochkommen wollen, müssen wir im Osten anfangen und den Korridor beseittgen, der wie ein Pfahl in unserem Fleische sitzt. Wenn wir das aber wollen, müssen wir uns vor allem im Westen den Rücken decken. Daher der Sicherheitsvertrag, der auf jede kriegerische Wiedereroberung Elsaß» -Lothringens verzichtete, dafür aber auch die deutschen Westgrenzen, wie sie jetzr sind,^ unter internationale Kontrolle stellt und uns für eine aktive Ostpolitik die Arme freimacht. Den Russen aber leuchtet das nicht ein. Sie sehen nur die Möglichkeit unseres Eintritts in den Völkerbund und aus dem Artikel 16 heraus die Gefahr, daß Deutschlandats Aufmarschgebiet der vereinigten W»e st machte gegen Rußland mißbraucht wird. Sie scheinen sich nicht einmal damit zufrieden zu geben, wenn wir durch eine Interpretation des Artikel 16, die für uns nach wie vor die Voraussetzung für den Eintritt in den Völkerbund bleibt, die Sicherheit gewinnen. daß wir bei allen kriegerischen Aktionen gegen Rußland draußen bleiben. Dabei ist es doch zu natürlich, daß wir Wert darauf legen müssen, die Verbindung nach Moskau hin nicht abreißen zu lafsen. Der Rapallo-Vertrag war der erste Versuch einer selbständigen deutschen Außenpolitik. Wenn auch der Zeitpunkt des Abschlusses denkbar ungünstig war, so blieb doch der Gedanke richtig, daß wir nur durch eine Rückversicherung bei Rußland uns vor einer vollständigen Vergewaltigung durch die Westmächte schützen konnten. D'ese Warnung wurde auch von der Gegenseite verstanden, zumal trotz aller Dementis das Raunen um ein deutsch- russisches Militärbündnis nicht verstummen wollte. Und seitdem war Rußland für uns immer der Trumpf, den wir wenigstens in der Verzweiflung noch hätten ausspielen können. Was wir w i r t s ch a f t l-i ch von dem Rapallo-Vertrag erwartet haben, hat sich allerdings nicht erfüllt. Die Handelsbeziehungen, die sich anknüpften, brachten keinen nennenswerten Ertrag, aber do- litisch war der Erfolg doch unverkennbar. Aber jetzt find wir in der etwas schwierigen Lage, daß MoskauundLondonunsindieZange nehmen möchten. Tschitscherin droht bei einem Abschluß des SicherheitsVertrages, daß er ein Bündnis mit Polen und Frankreich schließen und dabei den Polen gegen uns den Rücken stärken wiU; die Engländer dagegen geben zu verstehen, daß, wenn wir den Russen nicht die kalte Schulter zeigen, sie in Köln sitzen bleiben. Wir sind also, so seltsam das klingt, von allen Seiten umworben, nur daß uns, wohin wir uns auch wenden, Nachteile drohen. Deshalb ist es gut, daß die Führer der deutscher Delegation, ehe sie nach Locarno abfuhren, Gelegenheit hatten, sich mit Tschitscherin auszusprechen und ihn davon zu überzeugen, wie unberechtigt diese Befürchtungen sind. Wir denken nicht daran, lediglich im russischen Schlepptau zu liegen, die Kabinette der übrigen Mächte müssen sich lediglich daran gewöhnen, daß wir wieder angefangen haben, eine eigene deutsche Politik zu treiben. Ein Kabinettsrat. Berlin, 2. Ott (Wolff.) Gestern nachmittag fand ein lehler Minister rat vor der Abfahrt der deutschen Delegierten nach Locarno statt. Der Ministerrat beschäftigte sich mit den auf der S icherheitskonf erenz zu erörternden Fragen und des wetteren auch mit den deutsch- russifchen Handelsvertragsverhandlungen, denen wegen der Anwesenheit des russischen Außenkommiffars Tschitscherin in Berlin große Bedeutung beizumessen ist. Heber irgendwelche Beschlüsse ist amtlich nichts bekannt geworden. Wie jedoch verlautet sind die Aussichten für eine deutsck- russische Einigung in der handelsoertragsfrage nicht ungünstig. Die für nachmittags 5 Ahr vorgesehene wichtige Unterredung zwischen S trefemann und Tschitscherin wurde auf den Spätabend verschoben und dehnte sich bis in die Nachtstunden aus. Wie die „D. A. Z." meldet, kamen im Ministerrat die Besprechungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag noch nicht zum Abschluß. Nach Genehmigung des Vertragsentwurfes durch das Kabinett werden einige Herren der deutschen Delegation unter Führung des früheren.Staatssekretärs Exzellenz von Korner sich nach Moskau begeben, um dort den Vertrag zu unterzeichnen. Der von den beiden Delegationen vereinbarte Entwurf enthält nach der in acht Arttkeln verfaßten Einleitung weitere einzelne Sonderabkommen, die Wirtschafts», Handels-, Eisenbahn- und Steuerfragen sowie Schifffahrts-Interessen, ferner das Niederlassungsrecht und gewerbliches und persönliches Recht regeln. Frühstück beim Reichskanzler zu Ehren Tschitscherins. Berlin, 1. Oft. (TU.) Beim Reichskanzler fand heute mittag ein Frühstück zu Ehren des gegenwärtig in Berlin weilenden. sowjet- russischen Auhenkommissars Tschitscherin statt, zu dem folgende Personen geladen waren: Von der russischen Botschaft der hiesige Botschafter K r e st i n s k i. Von deutscher Seite nahmen teil außer dem Reichskanzler der R e i ch s a u ß e n m i n i st e r, der Reichsfinanzminister Dr. v. (3 cf) tieben , der Reichsinnenminister Schiele, der Reichswehrminister Dr. Geßler, die Staatssekretäre Kempner und v. Schubert, Fürst Bülow, der Präsident der Handelskammer von Mendelssohn-Bartholdy, Geheimrat v. B o r s i g, Reichslandbundpräsident Gras Kalkreuth, die Abgeordneten Hilserding, Graf Westarp und Koch sowie die Vizepräsidenten des Reichstages Dr. Bell und R i e ß e r.____________ In der zweiten Septemberhälfte hat Hindenburg die besetzten Gebiete an Ruhr und Rhein besucht und ist in den Provinzen, in welchen seine Gegenkandidaten am 26. April beträchtlich mehr Stimmen erzielt haben als er, von der Bevölkerung mit Jubel empfangen worden. Ende der neunziger Jahre hatte Hindenburg eine Anzahl Kilometer rheinausroärts gewirkt. Er war damals Chef des Generalstabes des 8. Armeekorps mit dem Sitz in Koblenz unter dem damaligen Erbgroß- herzog und späteren Großherzog von Baden als Korpskommandeur. Es soll noch fast fünf Jahre dauern, bis diese Stadt und mit ihr das deutsche Eck frei werden. An das noch u n e r 1 ö st e deutsche Land wird Hindenburg gedacht haben, als ihn die erlösten Deutschen begrüßten. Die Geburtsstadt des Reichspräsidenten und Feldmarschalls ist ein deutsches Kulturzentrum im Osten, das wir im Ver» sailler Vertrag an Polen abtreten mußten: die Stadt Posen. Hindenburg ist also mit seinem eigenen Leben eng mit den großen nationalen Problemen verbunden, die unter seiner Führung der Lösung nähergebracht werden sollen. Während seiner bisherigen Amtsführung hat Hindenburg bewiesen, daß er in hohem Maße die Eigenschaft hat, die den Greis besonders in Notzeiten vor vielen anderen befähigt, an der Spitze eines Volkes zu stehen: Die Weisheit. Es wird wenige geben, die unserem greifen Reichspräsidenten am heutigen Tage nicht von Herzen die Kraft und Gesundheit wünschen, die er braucht, um uns weiterhin Führer und Vorbild zu sein. ■---------_Ä /, ' Tin vorläufiges französisch-amerikanisches Schuldenabkommen. Washington, 2. Oft. Die französisch-amerikanischen Sch. Idenverhandlüngen endeten heute mit einem vorläufigen Abkommen, das sich auf einen Zeitraum von fünf Jahren erstreckt. Das Abkommen sieht eine jährliche Zahlung von 40 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten vor. Weitere Verhandlungen sollen ausgenommen werden, solange die französische Regierung der An- sicht ist, daß die Verhältnisse dies ermöglichen. Rach dem Zusammentritt der Delegation hat Finanzminister E a i l l a u x erklärt, daß er die letzten ame- rikanischen Vorschläge seiner Regierung vorlegen werde. Amerika an seine kleinen Schuldner. Neuyork, 1. Oft (211.) Die United Preß verbreitet die Meldung, daß die Regierung der Bereinigten Staaten die Regierungen der T sch e- choslowakei, Rumäniens und Südsla- Wiens habe darauf aufmerksam machen lassen, daß die Kleine Entente bei den Verhandlungen über die Schuldenregelung keineswegs mit langfristigen Bedingungen rechnen dürfe, wie sie Frankreich gewährt würden. Die Schulden dieser Staaten seien zu anderen Zwecken ausgenommen worden und müßten daher ganz anders eingeschäht werden. Amerikas Rolle im welttrieg. Aus den Memoiren Lord Greys. Paris, 1. Olt (Wolff.) Der „Malin" veröffentlicht heute vormittag aus dem von Lord Edward Grey, dem seinerzeittgen Staatssekretär des Auswärtigen, zu erwartenden Memoiren- band „25 Jahre — 1892 bis 1916“ ein Dokument, aus dem sich ergibt, daß der Freund des Präsidenten Wllson, Ober st House, Ende 1915 und Anfang des Jahres 1916 wiederholt Unterredungen mit Grey hatte, um eine Friedensvermittlung vorzubereiten. Tatsächlich hat Grey ein Memorandum verfaßt, in dem es heißt, Oberst House habe ihm erklärt, daß Präsident Wilson geneigt sei, wenn er von Frankreich und England erfahren würde, daß der Augenblick gekommen sei, zu veranlassen, daß eine Konferenz zusammentreten solle, um den Krieg zu beenden. Falls die Alliierten diesen Vorschlag annähmen und Deutschland ihn zurückweisen würde, würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich in den Krieg x i e h e n. Oberst House drückte die Meinung aus, daß, wenn eine derartige Konferenz zusammentreten würde, mühte man Friedensbedingungen erlangen, die den Alliierten nicht ungünsttg seien, aber, wenn die Konferenz scheitern würde, würden die Vereinigten Staaten sich als kriegsführender Teil an die Seite der Alliierten stellen. Oberst House habe auch eine günstige Meinung für die Wiederherstellung Belgiens und für die Zusprechung Elsah-Lothrin- gens an Frankreich zum Ausdruck gebracht, und sei dafür eingetreten, daß Rußland einen Zugang zum Meere zugesprochen! werden mühte. Der Verlust von Territorialien durch Deutschland müsse gutgemacht werden durch Konzessionen, die man ihm außerhalb Europas gewähre. Wenn die Alliierten zögern würden, das Angebot des Präsidenten Wilson anzunehmen und wenn später der Krieg sich für sie ungünsttg gestalten würde, so daß der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg wirkungslos werden würde, dann würden die Vereinigten Staaten sich wahrscheinlich von den europäischen Angelegenheiten desinteressieren und ihren eigenen Schuh durch eigene Mittel suchen. Grey unterrichtete von diesem Vorschlag seine Kollegen. Er sei aber der Ansicht gewesen, daß das Kabinett das Gefühl haben werde, daß die damalige Lage es nicht rechtfertige, den Alliierten den Vorschlag zu unterbreiten. Aber da Oberst House eine Unterredung mit Briand und 3ute8 Cambon in Parris gehabt habe, habe er sich verpflichtet gefühlt, Briand durch Vermittlung des britischen Botschafters in Paris von den amerikanischen Absichten in Kenntnis zu sehen. Greh habe dann erklärt, die Franzosen hätten denken können, die Niederlage des deutschen Heeres sei das einzige Mittel, um den preußischen Militarismus niederzuschlagen. Frankreich und Rußland hätten bis zu diesem Augenblick noch viel schwerer gelitten als England. Die Engländer konnten daher nicht die ersten sein, die ihnen den Frieden anempfehlem England war jedoch gezwungen, den Krieg f ort» zusetzen, bis es alle seine noch nicht beschäftigten Streitkräfte in den Kampf geworfen hatte, um seine Alliierten zu unterstützen, Deutschland niederzuschlagen. Cs fühle daher, daß es nicht eine Initiative im amerikanischen Sinne unternehmen konnte. Trotzdem hatte Grey das Dokument des Obersten House Briand ohne Empfehlung übermittelt. Er habe sich alsdann nach Petersburg begeben und an das Kabinett ein Memorandum gerichtet, dem er einen Brief beigelegt habe. In diesem heißt es: Nur die Niederschlagung Deutschlands kann den großen Krieg beenden und den zukünfttgen Frieden sicherstellen. Auf dieses Ziel müssen alle unsere Anstrengungen gerichtet fein. Um es zu erreichen, müssen die Nationen Opfer bringen, wie Deutschland und gewisse unserer Alliierten, Frankreich vor allem, sich ihnen schon unterworfen haben. Jedoch müssen wir darauf bedacht sein, unsere Absicht kundzugeben, den Krieg fortzusehen, um verstehen zu geben, daß es unser Ziel ist, nicht unsere Alliierten zu etwas zu zwingen, sondern sie zu Unterst ü t} en. Wachsende Schwierigkeiten werden uns und unseren Alliierten durch die deutsche Propaganda entstehen. Diese Propaganda läßt den Krieg als eine Rivalität zwischen Großbritannien und Deutschland erscheinen . Sie sagt, daß Rußland und Belgien befriedigende Friedensbedingungen erhalten könnten, und daß sie den Krieg im Interesse Großbritanniens fortsehten, der für die Sicherheit der Alliierten nicht notwendig wäre, aber der nur einzig und allein Großbritannien befriedigen würde. Cs sei möglich, daß diese falsche Auffassung in Frankreich Rußland, Italien und Belgien eine gefährliche pazifistische Bewegung und eine positiv englandfeindliche Bewegung Hervorrufen würde. Dor allen Dingen sei zu befürchten, daß einer der großen Alliierten, wenn er erfahren würde, daß England die Unterstützung an Schiffsfrachten und in finanzieller Hinsicht in einigen Monaten herabsehen müsse, jede Hoffnung auf den endgültigen Sieg a u f g e b e n und verlangen würde, daß der Krieg unter den bestmöglichen Bedingungen zu Ende geführt werde. Wenn Frankreich und England zu dieser Entscheidung I kämen, fei es wahrscheinlich,^ daß der eine dem Beispiel des andern folgen würde, daß Italien | sich zurückzitzhen würde und England vor die Alternative gestellt werde. Friedensverhand- luugen anzuknüpfen oder allein den Krieg fort- zusetzen. Der Staatssekretär fährt dann fort; die Kopie des amerikanischen Vorschlages wurde Briand übermittelt mit der Mitteilung, daß ..ich nicht geneigt bin, mit ihm die Frage zu erörtern, es sei denn, daß er wünscht, sie mit mir zu diskutieren.' Br i and habe sich augenblicklich nichts davon versprochen. Die Kriegskommission sei alsdann davon unterrichtet worden, was sich beim Obersten House abgespielt hat und alle seien einmütig der Ansicht gewesen, daß der Augenblick nicht gekommen sei, den Frieden zu diskutieren. Die Riederlaae Deutschlands sei das einzig befriedigende Ende des Krieges. vorbereitungsn in Locarno. Locarno ist zum Konferenzort ausersehen. Die Rücksicht auf Mussolini, der an der Konferenz teilnehmcn wollte, hat die Regierungen bewogen, ihre Bedenken gegen Locarno zurückzustellen. Wer Locarno in den letzten Tagen besuchte, der wird sich über diese Entschließung nicht gefreut habeir. Ein Beamter, der im Postamt in Locarno die neuen Leitungen einbaute, sagte: „3ft es nicht ein Wahnsinn, eine Weltkonferenz in einen: Fischerdorf, das kaum 5000 Einwohner zählt, abzuhallen?" Der Mann hat recht, Locarno darf tatsächlich als der ungeeignetste Ort angesehen werden. Die wenigen Hotels, durchweg Häuser zweiten Ranges, sind für einen Massenbesuch wie ihn eine so wichtige Konferenz mit sich bringt, nicht geeignet. Locarno verfügt nur über eUva 1000 Fremdenbetten, von denen ein großer Teil bereits am Dienstag beseht war, als Locarno als Konferenzort feststand. Das größte Hotel der Stadt, das Grand Hotel Palace, ist von den alliierten Regierungen, zu denen sich noch die polnische gesellte, bis unter dos Dach belegt worden. • Die Delegationen sind zum Teil sehr stark. So wird die englische z. B. etwa 50 Personen zählen. Die kleinste Delegation ist die französische mit 17 Mann. Reben den Schlafzimmern werden zahlreiche Salons als Arbeitszimmer für die Sekretäre und Schreibdamen eingerichtet, jede Delegation erhält einen Ferntelegraphen in ihrem Hotelzimmer eingebaut. 3m Äntergeschoß des Palace-Hotel befinden sich zwei große Säle, in denen vermutlich die Sitzungen abgehalten werden. Außerdem hat die Stadtverwaltung von Locarno zu diesem Zweck ein öffentliches Gebäude zur Verfügung gestellt. Die deutsche Delegation wird im Esplanade-Hotel untergebracht, das eine Stunde zu Fuß von Locarno in Minus io liegt. Dies Hotel ist in seiner äußeren Aufmachung noch moderner und besser eingerichtet, als das Palace-Hotel, jedoch bringt die Entfernung von der Stadt und von dem Konferenzort mancherlei Schwierigkeiten mit sich. Dr. Luther und Dr. Stresemann werden in der vierten Etage des Hotels Esplanade wohnen. Man ist hierbei einem besonderen Wunsche Dr. Stresc- manns gefolgt, der sich in den unteren Etagen in ällzugrvßer bedrohlicher Rahe der anderen Mitbewohner, besonders der Presse glaubte. Die deutsche Delegation hatte zuerst versucht, gleichfalls im Hotel Palace abzusteigen, da aber bereits die zweite Etage von den Franzosen eingenommen war, so hätte die deutsche Delegation die erste und dritte Etage beziehen müssen, und damit wäre eine Trennung ihrer Teilnehmer durch die Franzosen erreicht gewesen. So fiel die Wahl auf das Hotel Esplanade. 3n dieser Beziehung ist es interessant, dah die Franzosen als die einzigen ihre Zimmer bereits vor einer Woche belegt hatten, während die anderen Delegationen erst am Dienstag sich zu diesem Schritt entschlossen haben. zur Zeit noch zahlreiche Fremde in 2d- catrar weilen, wird die Llnterkunft für die Pressemitglieder sehr schlecht sein. Man rechnet mit dem Eintreffen von ungefähr 300 3ournalisten. die Arbeits- und Schlafzimmer haben müssen. Besonders die Engländer und Amerikaner sind recht anspruchsvoll. Aber sie werden mit den Regierungsvertretern manche Entbehrungen teilen und vor allem auf eigene Badezimmer verzichten müssen, die es in Locarno so gut wie gar nicht gibt. Die zweite große Frage ist es, wie der Verkehr mit der Außenwelt geregelt und ermöglicht werden soll. Seit einer Woche arbeiten schweizerische Erdarbeiter an 12 neuen Linien, die von Locarno nach Bellinzona gelegt werden, wo sie an das große Kabel angeschlossen werden sollen, das Italien mit Deutschland und der Rordschwciz verbindet. Diese Linien werden aber in erster Linie den Regierungen zur Verfügung stehen. So sind die Aussichten für die Liebermittlung der Presfenachrichten nicht sehr günstig. Ober- ingenieur Keller, den die Berner Oberpostdirek- tion nach Locarno gesandt, hat bisher alles Menschenmögliche versucht. Er ist Fachmann auf diesem Gebiet und von seiner Tatkraft wird es abhängen, was in den noch zur Verfügung stehenden Stunden zu erreichen sein wird. Danderveldes Erwartung. Brüssel, 2. Okt. (Xil.) 3n einer Zusammenkunft der Brüsseler Gruppe der belgischen Arbeiterpartei sagte der Außenminister Dan- derVelde zur Außenpolitik: 3n einigen Tagen werden wir großen Ereignissen beiwohnen. Man erwartet mit Hoffnung, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten und am Werk der Weltbefriedung teilnehmen wird. Der Sicherheitspakt wird kein Fetzen Papier bleiben. Er wird garantiert sein und die Garantie wird durch England erfolgen. Dann können wir an eine ernsthafte Vermin der ung der militärischen Ausgaben denken, bei uns und anderwärts. MeInterparlamentarische Union Washington, 1. Okt. (Wolff.) Unter Füh- rung des Abgeordneten Professor Schücking sind gestern abend die deutschen Delegierten zur Tagung der Interparlamentarischen Union im Sonderzug mit anderen Delegierten in Washington eingetroffen. Unter den Delegierten sah man den Reichstagspräsidenten Loebe, den früheren Reichskanzler Dr. Wirth, den früheren Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, Dr. S ch n e e, sowie die Abgeordneten Frau Pfuel, Frau Mende, Hollmann, Emminger, Erkelenz, Gildemeister, Adolf Braun und andere. Zur Begrüßung der Parlamentarier war der deutsche Botschafter, Frhr. v. M a l tz a n , mit dem gesamten Stabe der Botschaft am Bahnhof erschienen. Die Delegierten wohnen in dem neu erbauten, schönen Mayflower-Hotel. Bei der Eröffnung des K o n g r e f s e s der 9ntcrpnrlamcniari(d)cn Union begrüßte Staatssekretär Kellog die 400 Delegierten von 38 verschiedenen Staaten namens der amerikanischen Regierung und erklärte, nichts könne für die Förderung der freiheitlichen Ideale anregender sein oder dem Frieden mehr dienen, als daß Mitglieder verschiedener Parlamente zusammenkommen, um ihre Ansichten über die Fragen des Weltfriedens auszutauschen. Eine Besserung der Lage müsse aus dem Herzen und dem Verstand der Völker kommen. Man müsse sie lehren, sich in friedlichen Gedankengänaen zu bewegen. Sie müßten einsehen, daß es zur Erledigung internationaler Streitigkeiten bessere Mittel gibt als die Zufallsentscheidungen des Krieges. Der immer mehr aufkommende Brauch, Staatsoerträge den Parlamenten zur Ratifizierung zu unterbreiten, bedeute eine kluge Maßnahme zur Förderung des Friedensgedankens. Der Geist gegenseitiger Dul- düng und Bereitschaft zur Unterwerfung unter Schiedsgerichte müsse wachgerufen werden, womit die Achtung vor den Rechten der Minderheiten verbunden sein müsse. Der Reichsfinanzminister zur Wirtschaftslage. Berlin, 1. Okt. (WTB.) Heute nachmittag empfing der Reichsfinanzminister die Vertreter der Beamtenspitzenorganisationen, die ihre Wünsche auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung vortrugen. Sie schilderten die bedrängte wirtschaftliche Lage aller Deamtengrup- p c n . besonders diejenigen der gering besoldeten, und bezeichneten eine Erhöhung der Bezüge als unabweisbar. 3n einer längeren Aussprache wurden alle hierauf bezüglichen Fragen erörtert. Der Reichsfinanzminister machte eingehende Ausführungen über die allgemeine Wirtschaftslage und die Finanzlage von Reich und Ländern, die ernster sei als vielfach dargestellt werde. Eine Erhöhung der Bezüge würde auch den Beamten auf die Dauer keine Verbesserung ihrer Lebenshaltung bringen, da bei einer allgemeinen Gehaltserhöhung der großen Masse der öffentlichen Beamten und Angestellten bei der jetzigen Lage ein Steigen der Preise zu befürchten sei. Die weiteren Folgen auch für die übrigen Vevölkerungsschichten lägen auf der Hand. Der Präsident des Reichsbankdirektoriums habe die Reichsregierung ersucht, allen Beteiligten riufbaltlos den Ernst der Lage unserer Gesamtwirtschaft und der auf dem Spiele stehenden 3nteressen der Gesamtheit vor Augen zu führen. Eine Erhöhung der Deamten- bezüge müsse nach der Ansicht des Reichsbankdirektoriums heute geradezu als ein Unglück vom Standpunkt der allgemeinen 3nteressen und der Gesamtwirtschaft angesehen werden. Rach alledem glaubt der Reichsfinanzminister, daß die Rcichsregierung in Llebereinstimmung mit der Mehrheit der Länderregierungen eine Erhöhung der Bezüge zur Zeit nicht werde verantworten können. Dasselbe gelte auch für eine einmalige Wirtschaftshilfe, die von den Organisationen an zweiter Stelle gewünscht wurde. Ferner wurde die Frage der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses erörtert, die zur Zeit n i d> t erfolgen könne, da dieser an die Mieten angelehnt sei und das durchschnittliche Riveau der Mieten bereits überschritten sei. Endlich wurde die Frage der mehrmonatlichen Vorauszahlungen der Gehälter besprochen, wobei beiderseits das Für und Wider eingehend gewürdigt wurde. Die Vertreter der Beamtenorganisationen bedauerten, dah den Wünschen der Beamtenschaft zur Zeit nicht entgegengekommen werden könne. Die ginspolilik bei Vergebung öffentlicher Gelder. Berlin, 1. Oft (WB.) Der Reichskanzler empfing heute in Anwesenheit des Reichs - ministers der Finanzen und des Staatssekretärs im Reichswirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg die Vertreter des Reichs- stäütetages, des Reichsstädtrbundes, des Landkreistages, des Landgemeindetages und der Deutschen Girozentrale zu einer Besprechung über die Frage der Verbilligung der Zinsen für öffentliche Gelder. Die verschiedenen Vertreter erklärten sich bereit, die von der Reichsregierung vorgeschlagenen Gesichtspunkte für die künftig einzuhaltenden Richtlinien bei der Vergebung öffentlicher Gelder ihren Organisationen zur Befolgung zu empfahlen. Sie betonten jedoch daß dieser ZinSpolitik ein voller Erfolg nur dann beschieden sein tonne, wenn auch von den Privatbanken durch eine entsprechende Zinspolitik sichergestellt werde, daß die eintretende Verbilligung des Geldes tatsächlich der Wirtschaft zugute komme. handel und Gewerbe in Preußen. Preußischer Landtag. Berlin, 1. Okt. (WB.) Das Haus beschäftigt sich mit der zweiten Beratung des Haushalts für Handel und Gewerbe. Berichterstatter Dr. Pinkerneil (D.Vp.) empfiehlt namens des Hauptausschusses, den Haushalt mit Ausnahme einiger Positionen unverändert anzunehmen. Zugleich unterbreitet er dem Landtag 43 Anträge, Die u. a. die not wirtschaftlichen Verordnungen, die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, Handwerkerfragen, Beseitigung der älmsatzsteuer, Kredithilfe, Handelskrieg mit Polen und Handelsvertrag mit Frankreich betreffen. Handelsminister Dr. Schreiber führte aus, es sei zu hoffen, dah der Landtag demnächst ein Gesetz verabschieden könne, das die BeitragspflichtderWirtschaft auf erträgliche Grenzen zurückführe. Als wesentlich neue Aufgabe habe das Handelsministerium das Flugwesen zu bearbeiten. Es sei zu hoffen, daß bei den jetzt beginnenden Paktverhandlungen die unverständlichen Hemmungen des friedlichen Flugverkehrs für Deutschland beseitigt werden. Für das 3ahr 1925 seien insgesamt in Deutschland 62000 Fluggäste und 1,5 Millionen Kilometer von den deutschen Fluggesellschaften im 3n» und Auslande zurückgelegter Flugstrecke an 3ahresleistung zu erwarten. Eine entschlossene Sozialpolitik sei nationale Rot Wendigkeit. Bezüglich der Reichsbahn müsse Preußen erwarten, daß der ihm gebliebene Einfluß nicht noch weiter beschränkt werde. Das sicherste Mittel, die Ausfuhr zu heben und die Einfuhr zu drosseln, wäre die Senkung der deutschen Preise. Eine Senkung der Löhne sei nur mit einem gleichzeitigen allgemeinen Preisabbau möglich, damit der Reallohn nicht finft. Allmählich setze sich wieder der Grundsatz durch: Großer Umsatz — kleiner Ruhen. Dabei sei auch eine Erleichterung der Steuerlast zu wünschen und eine entschiedene Verwaltungsreform. Die wirtschaftlichen Befserungszeichen würden sich deutlicher abheben, wenn die Paktverhandlungen in Locarno zur Befriedung Europas und zur Befreiung Deutschlands führen. (Beifall.) Die Beratung wird dann durch die QI b ft i m- mungen unterbrochen. Die angefochtenen Titel des Haushaltes des Wohlsahrtsministeriurns werden nach den Anträgen des Ausschusses angenommen. Der sozialdemokratische Antrag, dasStaats- minifteriunt möge bei der Regierung die Frage des sogenannten Bodenreformgesetzes anregen, wird in namentlicher Abstimmung mit 187 gegen 149 Stimmen angenommen. Die Aussprache über die Handels- und De- werbeverwaltung wird hierauf fortgesetzt. -Qlbg. Hager (Z.) stimmt den Ausführungen des Ministers im allgemeinen zu. Die Reichsbahn sollte ihre Tarife mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft anpassen. Die Reichsregierung sollte ihren ganzen Einfluß auf die Gemeinden dahin geltend machen, dah sparsamer gewirtschaftet und Handel und Gewerbe weniger als bisher belastet werden. Weiterberatung Freitag. parlamentarischer aur Hessen. Kürzlich hatten der Qlbg. Dingeldey und die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Landtage eine Anfrage eingebracht, weil die Regierung angeordnet hatte, aus Anlaß der Reichsbannertage in Mainz und Darmstadt die staatlichen Gebäude zu beflaggen. Eine gleiche Anfrage ist jetzt auch von der Deutschnationalen Volkspartei ein* gebracht worden. Staatspräsident Ulrich hat jetzt auf die deutschvolksparteiliche Anfrage eine Antwort erteilt, die den Kern der Sache gar nicht berührt. 3n der Antwort wird zugegeben, daß Die Reichsbannertage Privatvera n st a I» t u n g e n sind, sie wären aber unbestreitbar vaterländisch und Dienten Der Festigung Der Deutschen Republik." Von einem parteipolitischen Charakter des Reichsbanners kann also nicht gesprochen werden." Weiter wendet sich Die Antwort gegen die Bezeichnung Derartiger Tagungen als parteipolitische Reklame. Pflicht der Landesregierungen fei es, Die Farben des Reiches zu schützen. Daraus ergebe sich folgerichtig, daß, wenn andere politische Vereine Tagungen zu Ehren der verfassungsmäßigen Reichsfarben veranstalteten und hierzu Den Wunsch aussprechen sollten, daß Die staatlichen Gebäude mit Den Reichsfarben beflaggt würden, Die Regierung Des Volksstaates Hessen Diesem Wunsche entsprechen würde. Auf eine QInfragc des Abg. Diugeldeh und Der Fraktion der Deutschen Volkspartei wegen Besetzung des Berliner Gefandtenpostens erwidert Der Staatspräsident, daß die Anfrage sich auf unkontrollierbare Gerüchte stütze. Eine „unzweifelhafte republikanische Gesinnung" sei Vorbedingung für den Anwärter dieses Postens. Die Deutschnationale Volkspartei weist in einer Anfrage an die Regierung auf einen Artikel des „Deutschen Vorwärts" hin, in Dem geschilDert wird, wie der Ministerialrat im hessischen Stvatsministerium und sozialdemokratische Landtaasabgeordnete Bornemann vor einigen Wochen nachts 2V3 Llhr beim Heber- kne ipen in einer Wirtschaft abgefaht wurde. Dem zur Feststellung seiner Personalien schreitenden Schupobeamten habe Bomemann entgegengeschrien: „Wissen Sic, wer ich bin? 3ch bin Der Ministerialrat Bornemann; scheren Sie sich hinaus!" Das Amtsgericht habe gegen Bomemann auf einen Strafbefehl von 25 Mark erkannt. Das Justizministerium habe Dann auf ein Gesuch des Ministerialrates Byrnemann hin, Der in Gruppe 13 sei, und erklärt habe, er könne diese hohe Strafe nicht bezahlen, auf 12,50 Mark herabgesetzt. Es wird Dann an gefragt: 1. Beruht diese Schilderung auf Tatsachen, oder wie verhalt sie sich? 2. 3st die Regierung bereit, Dem Landtag das Material in dieser Angelegenheit vorzulegen? 3. Oder hat Die Regierung eine amtliche Untersuchung in der Sache ungeordnet und welches Ergebnis hat diese gehabt? - Tschechenterror im Hultschiner Ländchen. Prag, 2. Okt. ($11.) 3n Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hat das tschechoslowakische Ministerium des Innern mitgeteilt, die Auflösung der Gemeindevertretung der Stadt Krawarn im Hultschiner Ländchen sei aus folgenden Gründen erfolgt: Erstens habe sich die deutsche Mehrheit der Gemeindevertretung geweigert, Dem Antrag der tschechischen Mitglieder zuzustimmen, wonach die Hissung der schwarz-weiß -roten Fahne auf dem Kirchturm Der Stadt in "Der Rächt vor Der Feier Der fünfjährigen Einverleibung des Hultschiner Ländchens in die Tschechoslowakei als 3lloyalität verurteilt werden sollte. Ferner habe dieselbe Mehrheit sich geweigert, eine Festsitzung der Gemeindevertretung am Tage Der Einverleibung einzuberufen und an dieser Feier teilzunehmen. Die politische Landesverwaltung in Troppau habe Darin mit Recht eine die Würde des Staats bedrohende und die öffentliche Ruhe des Hultschiner Landes sehr gefährdende Handlung erblickt und daher die Gemeindevertretung berechtigterweise aufgelöst. Die Beschwerde gegen die Auflösungsverfügung wurde bereits am Obersten Verwaltungsgericht erhoben. Vie europäische Lustkonserenz in Stockholm. Stockholm, 1. Oft. (TU.) Auf Der internationalen Luftfahrtkonferenz in Stockholm wurden in Form und 3nhalt Drei gänzlich verschiedene Anträge gestellt, Die aber Darauf ausgehen, eine internationale Zentralstelle für Die Handelsluftfahrt zu schaffen. Hierüber wurde in zwei Kommissionen verhandelt. An der einen beteiligten sich Die Vertreter Der Staatsbehörden, Die andere war aus Vertretern sämtlicher Luftverkehrsgesellschaften gebildet. Letztere hat beschlossen, sofort eine Kommission zu gründen, die binnen sechs Monaten eine endgültige europäische Luftverkehrszentrale in Vorschlag bringen soll. Als Vertreter Deutschlands wurden in Die Kommission gewählt: vom Deutschen Aero-Lloyd Direktor Wronsky und vom Funkers Luftverkehr Direktor Gotthard Sachsenberg. Die Tatsache, daß dies Den ersten konkreten Entschluß zur Bildung einer internationalen Luftverkehrskammer bedeutet, an der neben Den Ententestaaten Deutschlandvollbeteiligt ist und ebenso die beiden zwischenstaatlichen Organisationen Europa Union und 3atta, ist ein unerwartetes Ergebnis. Die wirtschaftlichen Prinzipien der Handelsluftfahrt scheinen gegen die politischen RachkriegSschranken nunmehr in allen Staaten zum völligen Durchbruch zu gelangen. Deutschland kann dies um so mehr begrüßen, als seine Handelsluftsahrt-Unternehmen stets hervorragende Träger dieser 3dee waren und eben dadurch ihre Stellung in Europa trotz aller politischen Schwierigkeiten weiter ausbauen konnte. Die Spanier vor Ajdir. Paris, 1. Okt. Ein spanisches offizielles Kom- muniqus teilt mit, daß die spanischen Truppen heute mittag die wichtige vor Ajdir gelegene gegnerische Stellung von Adrar besetzt hätten. Von dieser Stellung aus könne man die Residenz Abd el Krims unter Feuer halten. Der Gegner soll nut ganz leichten Widerstand geleistet haben. Der weitere Vormarsch auf Ajdir soll sich in vollem Gcmgq^be- finden. Die Truppen seien durch das Artilleriefeuer der Schlachtschiffe und der bei Alhucemas ausgestellten schweren Artillerie sehr wirksam unterstützt worden, so daß hierdurch der Widerstand der Rifleute stark gelitten bat. Der um 3.15 Uhr nachmittags von General Primo de Rivera von Bord des Kreuzers „Alfonso XIII." ausgegebene Funkspruch besagt, daß infolge der Beschickung durch die (Spanier die Hauptstadt des Rifs, Ajdir, in Flammen stehe. Unter den brennenden Gebäuden befindet sich der Palast Abd el Krims. Im Frontabschnitt des 19. Armeekorps sollen die fran- zösischen Truppen in einer Tiefe von 15 Kilometer weiter vorgerückt sein. Auf einer Frontlänge von 20 Kilometer werde eine Art Fächer gebildet, der nördlich von Äiffane eine Tiefe von 20 Kilometer und auf beiden Flügeln eine solche von 14 Kilometer aufweife. Das durch diesen Vorstoß besetzte Gebiet umfasse beinahe 300 Quadratmeilen. Die französischen Truppen befänden sich seit dem zweiten Tage der Offensive in den Engpässen, die nördlich von Kif- sane in die Ebene des eigentlichen Rifgebietes führen. Kollektivnote der Mächte an China. London, 1. Okt. (WTB. Reuter.) Die Mächte genehmigten die an die chinesische Regierung abzusendende Kollektivnote, in Der Der Wunsch ausgesprochen wird, den Streit über Die Vorfälle in Schanghai vom 30. Mai beizulegen. Qllles nur Mögliche solle getan werden, um Die Lage in Schanghai zu bessern. Alle militärischen Maßnahmen sollen auf gehoben und die QHanne* detachements zurückgezogen werden. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg wird Ende Oktober oder Anfang Qtouember Den süddeutschen Länderregierungen einen Besuch abstatten. Er wird bei dieser Gelegenheit auch nach Darmstadt kommen; an hiesigen amtlichen Stellen ist aber noch mchts Räheres über den Zeitpunkt bekannt. « Die Innenminister der Länder sind für heute nach Berlin berufen worden, wo sie u. a. mit dem Reichsminister des 3nnern über Polizei- sragen im Zusammenhang mit der Cntwafs- nungsnote der QUIiierten und über Fragen des Preisabbaues beraten werden. ch Wie die „Voss. Ztg." erfahren haben will, soll der Staatssekretär im preußischen Ministerium des 3nnern, Meister, demnächst aus Dem Ministerium ausscheiden und einen hohen Derwaltungsposten übernehmen. Staatssekretär Meister, her politisch rechts eingestellt ist, soll mit Dem preußischen Innenminister Se - v e r i n g verschiedentlich sachliche Meinungsverschiedenheiten gehabt haben. Das neue Geschäftsgebäude der unter Leitung des Präsidenten Dr. 6 artet stehenden Reichsbahndirektion Trier wurde eingeweiht. Aus aller Welt. SchifiSbrand im Hamburger Hafen. An Deck des im Hamburger Hafen löschenden japanischen Dampfers „3utuf u Maru" lagerten 147 Kisten mit Filmen. Aus einer brach plötzlich eine Sti ch flamme, die in wenigen Minuten die anderen Kisten explofip- artia in Brand setzte. Die an Bord befindlichen Schauerleute und 'Schuppenarbeiter stoben in wilder Flucht auseinander. Füirfzehn von ihnen wurden verletzt, Darunter drei schwer. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das ganze Schiff in Flammen gehüllt. Ungeheure Wassermassen wurden in den Rumps hineingepumpt, um das Feuer zu löschen. Erst nach vierstündiger harter Arbeit konnte der Brand eingedämmt werden. Die enorme Hitze brachte die Maste und das Gestänge fast zum Glühen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Ein gefährlicher Schwindler. 3n Eisleben wurde der Kaufmann Hilbert wegen zahlreicher Detrugsfälle zu Drei Fahren Gefängnis, hundert Mark Geldstrafe und fünf 3ahren Ehrverlust verurteilt. Dem Angeklagten wurde in 3800 Fällen nachgewiesen, daß er Durch besonders angenommene und durch ganz Deutschland reisendoVertreter Kreditsuchenden Hilfe angeboten hatte, obwohl er über keinen Pfennig Betriebskapital in seiner angeblichen Hypothekenbank verfügte. Wettervoraussage. Heiter bis halb bedeckt, Winde aus nördllcher bis westlicher Richtung, etwas milder, nur stellenweise leichte Niederschläge, Morgennebel. Die Lage ist im allgemeinen unverändert, doch scheint das nördliche Störungsgebiet über Finnland nach Südosten abzuziehen. Die Hochdrucklage ist aber noch nicht gesichert. Ausläufer der nördlichen Tiefdruckkette können zeitweise Störungen bewirken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,5, Minimum 12,2 Grad Celsius.. Heutige Morgentemperatur 14,9 Grad Celsius. Aus Stadt und Land. Gießen, drn 2. Oktober 1925. Die Jagd im Oktober. Das Edelwild befindet sich noch in der Brunft. Starke Hirsche stehen bei den Rudeln, welche bei genügender Aesung die Nähe der Drunftplähe selten verlassen. Die Wechsel sind desbalb zu Anfang des Monats noch sehr unbestimmt. Selbst noch vorhandene Kartoffelfelder versagen jetzt im allgemeinen ihre Anziehungskraft. Starke Hirsche sind abgebrunftet und lohnen kaum die Kugel. Küchenöedürfnissen möge men ein bekanntes Gelttier opfern. Nach der Brunft sucht das Notwild ruhige Dickungen auf. Kräftige Oelsaatfeldcr locken das Wild am meisten zum Austreten. Salzlecken und Futterplähe sind in Ordnung zu bringen. Das Wild beginnt zu färben. — Kastanien, Eicheln, Wildobst sollten rechtzeitig für die Fütterung gesammelt werden. Beim Damwild ist die Brunft im Gange. Da brunftende Hirsche einen wenig begehrenswerten Braten bilden, so sollte der Abschuh guter Schaufler schon in der Feistzeit beendetsein. Bei Bedarf schieße man ein Gelttier. 3m übrigen gilt das beim Rotwild Gesagte. Sauen sind jetzt feist. Wo sie in Nadelbolzrevieren stecken, üben Kartoffelschläge selbst dann noch ihre Anziehungskraft, wenn die Ernte beendet ist. Die Sauen suchen im Oktober die unzugänglichsten Dickungen auf, als ob sie wüßten, daß mit dem ersten Schnee die Treibjagden zu beginnen pflegen. Ein Lieberläufer ist der beste Braten. Will man die Sauen wegfangen, so müssen jetzt die Saufänge in Ordnung gebracht und muh dann mit dem Ankörnen begonnen werden. Die Feistzeit der Rehe ist eingetreten. Sie legen ihr Winterkleid an. Gewöhnlich treten die Rehe erst spät aus. Bevorzugt werden Oel- saatfelder, Klee- und Esparsetteschläge. Die Treib- fagden beginnen. Will man dabei auf guten Erfolg rechnen, so lasse man still treiben; die Sprünge gehen sonst meist durch die Treiber. — Die Salzlecken müssen in Ordnung sein; sie können zur Erhaltung eines guten Rehstandes nicht genug empfohlen werden. Der Dachs ist fett und kann gegraben werden. Da er in seiner Behäbigkeit nicht gern zu weit geht, so bleibt er, vom Tage überrascht, in Dickungen stecken und kommt dmrn mitunter bei Treibjagden dem Jäger zum Schuh. Der srühe Morgenanstand am Dau ist lohnend, wenn man beim Hingehen die Ernlaufseite vermeidet und guten Wind hat. Der Hase rückt mehr und mehr in den Wald. Die Treibjagden beginnen. Auf dem Felde liegt der Hase gerne auf Sturzäckern. Rohrhorsten, Auswuchs, kräftigen Saaten, unter Dornen oder Gestrüpp. Rebhühner sitzen überall umher, halten aber selbst vor einem kurz suchenden Hunde nur noch in seltenen Fällen bei besonders schönem Wetter. Beschossen, streichen sie so weit weg, daß von einer Nachsuche nicht die Rede ist. Die Hühner ziehen sich zu größeren Ketten zusammen, von denen manche, in Aussicht auf bessere Lebens- bedingungen. dauernd andere Reviere aufsuchen. Da die Deckungen fehlen, so ist es doppelte Pflicht, alles Raubzeug mit Schrot und Eisen kurz zu halten. Die Waldschnepfe pflegt unsere Breiten von Mitte des Monats an auf dem Rückzüge nach südlichen Gegenden aufzusuchen. Die Suche mit einem kurz und sicher arbeitenden Hunde ist häufig lohnend. Nach nächtlichem Nebel fallen die Langschnäbel ganz unberechenbar bald hier, bald dort ein. Im allgemeinen liegen sie bei Trockenheit germe in jungem Birkenholz mit Heidekraut oder niedrigen Laubholzbeständen, bei Regen- oder kaltem windigem Wetter im Nadelholz. Gänse und Enten werden auf dem Zuge geschossen. Gänse fallen im Oktober zu Hunderten am Tage auf Saatfeldern ein, und glückt es mitunter, von einem Ackerwagen aus oder neben einem Zug Ochsen einhergehend, mit der Büchse zu Schuh zu kommen. Der Zug ist bei abendlichem Nebel am lohnendsten, da dann Gänse sowohl wie Enten tief und träge ziehen. _______ Hausflure und Treppen beleuchten! Das Polizeiamt weist erneut auf die den Eigentümern von Grundstücken obliegende Der- pflichtung hin, di» Toreinfahrten, Höfe, Hausflure, Gänge und Treppen, sofern und solange sie jedermann zugänglich sind, während der Dunkelheit so ausreichend zu beleuchten, daß für die daselbst verkehrenden Personen keine Gefahr besteht. Die Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von Fabriken, gewerblichen Anstalten und Arbeitsstätten, von Vergnügungs-, Ber- sammlungs- und Schankstätten (den letzteren insbesondere auch hinsichtlich der Bedürfnisanstalten) ob. Pflichtwidrige Hinterlassung der Beleuchtung begründet, falls hierdurch jemand Schaden kommt, die Gntschädigungspflicht, sowie die strafrechtliche Verantwortlichkeit. Die Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter, Mieter usw. übertragen werden. Dies seht jedoch die übereinstimmende Willenserklärung beider Parteien, des Vermieters und des Mieters, voraus. Eine einseitige Erklärung des Vermieters (als solche ist auch der ohne vorherige Verständigung mit dem Mieter erfolgte Aushang einer „Hausordnung" zu zählen), kann die obengenannte Verpflichtung für die Mieter nicht begründen. Bornotizerr. — Tageskalender für Freitag. Vortrag von Prof. A m e l u n g aus Rom: Neuere archäologische Funde in Italien und Tripolis (Phhs. Institut 8i/2 LIHr — G. S. C. 1900 : 8V2 LIHr bei Doller Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Lim eines Weibes Ehre". * ** Würdige Herricht ung unseres Ehrenfriedhvfes. Der schon seit mehr als fünf Jahre bestehende unwürdige Zustand des hiesigen Ehrenfriedhofes soll nunmehr, ohne weitere Rücksichtnahme auf ben Abtransport der italienischen Kriegerleichen, beseitigt werden. In den nächsten Tagen wird mit der Zusammenlegung der Leichen begonnen. Die Leichen der deutschen Krieger werden auf dem ersten und die Leichen der ausländischen auf dem zweiten Teil des Ehrenfriedhofs vereinigt. Der erste Teil wird dann zum nächsten Frühjahr dura- gärtnerische Ausschmückung sertiggesdellt. Der von der Gießener Bürgerschaft, und ganz besonders von den Angehörigen der Toten so lange gehegte Wunsch, den Ort, an dem unsere Helden ruhen, in würdiger Weise zu gestalten, wird damit in Erfüllung geben. Es darf daher erwartet werden, daß die leider unvermeidliche .Umbettung von 80 deutschen Kriegerleichen, die mit der gebührenden Sorgfalt und Pietät ausgeführt wird, die allgemeine Billigung findet. Der für die ausländischen Leichen bestimmte zweite Teil des Ehrenftnedhofes kann allerdings erst nach dem Abtransport der italienischen Äriegerlcichen die vorgesehene gärtnerische Ausgestaltung erhalten. < Fahrplanänderungen zum 4. Ott. auf Bahnhof Gießen. Pz. 781 Frankfurt —Marburg, Gießen ab 8.06 Uhr, nachm. anstatt 8 Uhr nachm.; beschl. Pz. 767 Frankfurt—Kassel, Gießen ab 9.11 Uhr, nachm. anstatt 9.13 Uhr, nachm.; D 77 Frankfurt-Hamburg, Gießen bisher ab 10.18 Uhr, nachm., fällt aus; D 78 Hamburg— Frankfurt, Gießen bisher ab 5.42 Uhr, vorm., fällt aus; D 126 Gießen—Diedenhosen, Gießen ab 8.10 Uhr, vorm., anstatt 8.11 Uhr, vorm.; D 128 Gießen—Trier, Gießen ab 5.44 Uhr, nachm., anstatt 5.50 Uhr, nachm.; Pz. 736 Marburg—Gießen, Gießen an 7.32 Uhr, nachm., anstatt 10.09 Uhr, nackM.; Pz. 778 Hannover- Frankfurt, Gießen ab 8.56 Uhr, nachm., anstatt 8.52 Uhr, nachm.; Pz. 513 Gelnhausen—Gießen, Gießen an 9.52 Uhr nachm. anstatt nur werktags. fpd. Achtzig Jahre M a i n — W e j v r • Bah n. Dem weitschauenden Blick der kurhessischen Regierung in Kassel verdankt die wichtige Berbin- dungsstreckc zwischen Süddeutschland und Rord- deutschland, die Main—Weser-Bahn, ihre Entstehung. Kassel wollte eine Schienenoerbindung mit Hamburg und Frankfurt haben. Der großzügige Plan scheiterte aber an der Eifersüchtelei verschiedener Kleinstaaten. Cj tarn nur am 6. Oktober 1 345 ein Vertrag mit der Reichsstadt Frankfurt und der hesten-darm- städtischen Regierung zustande, der den Bau einer Linie von Kassel über Gießen nach Frankfurt vorsah. Die Kosten für die im eigenen Gebiet liegende Strecke mußte jedes Land selbst aufbringen. Aus kleinen Teilstrecken, deren erste von Kassel bis Marburg 1850 gebaut wurde, entwickelte sich die Bahn im Laufe der Jahre zu einer der bedeutendsten Mitteldeutschlands. Als letzte Bahnstrecke wurde 1852 die Verbindung Gießen—Lang-Göns hergestellt. Die Gesamtkosten dieses 200 Kilometer langen Schienenweges beliefen sich auf 46 280 000 Mark. Die Bedeutung der Main—Weser-Bahn als eine der hervorragendsten Verbindungen zwischen Nord- und Süddeutschland hat der große Krieg wieder mit Eindringlichkeit bewiesen. Aber auch im Frieden erweist sich die Linie als eine sehr wichtige Verkehrsader in der deutschen Wirtschaft. •• Sein 25jähriges Dienstjubi - läum begeht morgen, 3. Oktober, der Loko- motivfi'chrer Otto Meller, Am Steg 14 wohnhaft. " Wiederaufnahme desPo st Überweisungsverkehrs mit Luxemburg. Am 1. Oktober haben die Deutschen Postscheckämter den Postüberweisungsverkehr mit dem Postscheckamt in Luxemburg wieder aufgenommen. Demgemäß können Postscheckkunden Beträge von ihrem Postscheckkonto in Deutschland auf ein Postscheckkonto in Luxemburg und umgekehrt die luxemburgischen Postscheckkunden Beträge auf Postscheckkonten in Deutschland überweisen. Die Lieberweisungen nach Luxemburg, zu denen die innerdeutschen Postüberweisungsvordruüe zu verwenden sind, können in Reichsmark oder in luxemburgischer Währung (Franken und Centimen) ausgestellt werden. Der Betrag der Lieberweisungen ist nicht begrenzt. Die Gebühr beträgt für je 100 Rm. 5 Pf., mindestens 20 Pf. Mitteilungen für den Empfänger sind auf dem Abschnitt der Lieberweisungen nach Luxemburg zugelassen. ** Eine Versammlung oberhessischer Lehrer fand am Montag in der Turnhalle der hiesigen Stadtknabenschnle statt. Cs handelte sich darum, so berichtet man uns, Stellung zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des Artikels 146,2 RD. (Reichs- s ch u l g e s e h) zu nehmen. Der Obmann des Hess. Lanües-Lehrervereins, Reiber- Darmstadt, ging in einem längeren Vortrag näher auf die geplanten Bestimmungen ein und wies besonders darauf hin, welche unheilvollen Folgen dieser Entwurf, wenn er Gesetz wird, auf unsere engere Heimat Hessen hätte. In Hessen besteht schon seit Wer 50 Jahren die Simultanschule, in der die Kinder aller Bekenntnisse gemeinsam unterrichtet werden. Sie hat sich in ihrer ausgleichenden und volksversöhnenden Eigenart aufs beste bewährt und ist bis heute allen Bekenntnissen in weitgehendstem Maße entgegengekommen. Die überwiegende Mehrheit des hessischen Volkes steht sicherlich ganz zu der jetzigen Schulform. Auch die Reichsverfassung sieht in ihrem § 146 die Simultanschule als die R e g e l s ch u l e vor. Nach dem Entwurf aber soll die Bekenntnisschule d i e Schulform sein. Für Hessen würde die Durchführung des Entwurfs ganz unerträgliche Schul- und Llnterrichtsverhältnisse bringen. Daß sich außerdem noch sehr erhebliche Neuausgaben ergeben, sei nur nebenbei bemerkt. Die Lehrer Hessens können zu diesem Entwurf nur die eine Stellung einnehmen: Der Entwurf darf nicht Gesetz werden. Eine in diesem Sinne gehaltene Entschließung fand einstimmige Annahme. ** Der Kaufmännische und der Ortsgewerbeverein veranstalteten am Montagabend im Kaufmännischen Vereinshaus einen Vortrag über „Die Aufwertungsgesetze", der stark be- sucht war. Dr. Ruckelshausen, der Redner des Abends, erntete mit feinen eingehenden und klaren Darlegungen den lebhaftesten Beifall feiner Zuhörer. Auf zahlreiche Anfragen aus der 23er- fammlung gab er bereitwillig Auskunft und zeigte, daß er mit diesem Gebiet voll und ganz vertraut war. Die beiden Vereine dürfen den Abend als einen Erfolg für ihre Sache buchen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen bittet uns, zu dem Bericht über den Hassia- Dezirkstag in Gießen (Nr. 228 des „Gieß. Anz." vom 29. Sept.) als Richtigstellung der dortigen Ausführungen' svlgÄddes mUMeilen: ,ES ist nicht zutreffeW, daß in Sta«ündurg die Zahl der Kriegsbeschädigten im Hasstabund weit stärker ist, als die des Reichsvundcs. In Starkenburg umfaßt der Reichsbund zwei Drille! aller Kriegsopfer, waS an Hand der statistischen Zahlen, die an amtlicher Stelle gemeldet sind, nachgewiesen werden famt. Ferner ist es unzutressend. daß der Reichsbund im Bezirk Butzbach nur noch 2 Ortsgruppen habe. Dort besteht vielmehr der Reichsbund nach wie vor in alter Höhe, keine Ortsgruppe ist bekannt, die zum Hassiabund über- aetreten ist. Die Vertretung der Kriegsbeschä- oigten-Inleressen durch den Reichsbund erfolgt in umfassendster Weise. Der Reichsbund hat gegenwärtig in Oberhessen eine Stärke, wie er sie noch nie zuvor erreicht hatte." — Von anderer Seite wird uns zu den, Bericht über diese Hassia- Tagung noch geschrieben: Bezüglich der Organisation der Landesgruppe der Kriegsbeschädigten hat sich am Schluß des Berichts über den Hassia- tag in Gießen ein Druckfehler eingeschlichen. Es muß richtig heißen: Heute umfaßt die Landes- gruppe bereits 11000 Mitglieder, sie ist auch beteiligt an der Wohnungsfürsorgegesellschast, die den Zweck hat, im Wohnungsbau für die Kriegsopfer zu sorgen. ** Der Verein für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen und Llmgegend, hielt am Sonntag seine diesjährige Herbst* Dressur-Prüsung ab. Als Preisrichter fungierte Herr D r e i t b a ch , Oberlahnstein. Die Durchführung der Veranstaltung lag in Händen des Schriftführers Hermann K e 11 e r , Gießen. Zur Prüfung gemeldet waren 10 Hunde (2,81. Wenn auch die Nasenarbeiten, die auf dem hinteren Trieb stattsanden, durch den herrschenden starken Herbstwind und die niedergehenden Regenschauer etwas beeinträchtigt wurden, so wurde dieser Nachteil durch die im Philosophenwald stattfindenden Gehorsams- und Mannarbeiten voll unö ganz wieder ausgeglichen. Hier wurde sehr gute Arbeit gezeigt. Das bewies auch das von dem Preisrichter bekanntgegebene Resultat der Prüfung, das folgendes Bild ergab: 1. Bärbel von der Lahnmühle P. H., Besitzer und Führer Karl Müller, Gießen: „Sch. H., mit Bewertung vorzüglich !"; 2. Cilly Dom Buseckerthal, Besitzer und Führer C. Bierar, Wieseck: „Sch. H. mit vorzüglich II“; 3. Jenna von Iägerslust, Besitzer A. Schwartz, Hörnsheim, Führer Heinz Gonder, Gießen: „Sch. H. mit 0g. I“; 4. Burga von der Wieseck, Bescher und Führer Otto Langsdorf, Pohlgöns: „Sch. H. mit Sg. II“; 5. Hella (Hebst reit), Besitzer und Führer Wilhelm Derzbach, Gießen: „Sch. H. mit Sg. III“; 6. B a - t o n vom Buseckerthal, Besitzer A. Marr, Führer Christ, Marx, Gießen: „Sch. H. mit G. I“; 7. Droll von Gleiberg, Besitzer und Führer A. Ountrum, Gießen: „Sch. H. mit ®. II“; 8. Lola von Adlerturm, Besitzer Fräulein Sann, Führer W. Weber, Gießen: „Sch. H. mit (3. III“; 9. Hel m a von Adler türm, Besitzer und Führer K. Heckroth, Gießen: „Z. Pr. mit vorzüglich"; 10. Wotan von Tiefen- weg, Besitzer W. Plank, Führer Frl. Virgin. Hüttenberger, Gießen: „Z. Pr. mit sehr gut“. Das Ergebnis der Prüfung ist das beste Zeugnis für Führer und Dressurleitung; sieht man doch daran deutlich, welch große Mühe sich beide Teile zur Ausbildung der Hunde gegeben haben. ** 3 0 Jahre Vereinsheim im „S ch i p - f a p n fj". Am morgigen 3. Oktober sind 30 Jahre verflossen seit dem Tage, an dem der Gesangverein „5) e i t e r k e i t" fein Vereinsheim bei dem Wirt I. Arnold in der Bahnhofstraße 7 auf- schlug. In dieser langen Zeit trafen sich die Sänger zu ihren Singstunden regelmäßig in diesem Lokal, gewiß ein vortreffliches Zeugnis für das gute Einvernehmen zwischen dem Verein und feinem Wirt. Ebenfalls nm morgigen Tage kann Herr Earl Reuter auf eine 25jährige Tätigkeit als Kassierer des Vereins zurückblicken. Auch diese lange Zeit treuen Wirkens spricht für den ausgezeichneten Geist bei der „Heiterkeit". MMMkMWlW ften-3 beseitigen. Wir raten Ihnen, in der Apotheke 30 Grannu Herbex-Kerne zu taufen, bic nur!) bei längerem (^e= brauch völlig unschädlich, dabei sehr wirksam sind. Bestandteile aus der Packung. 0188ss Li. Zimmer zu vermieten [08021 ___Eichwea 7II- Schön möbliertes Zimmer zu vermieten [«m. Kirckenvlaü 23 v. S. Mik sof. a. vertu. 08002 «Melmer Stt. 23 o. Mo-AM igrohl, im Zentrum der Stadt gelegen, zu vermieten. Zu er- ftanen in der Ge- schastsstel e d. GiA Anzeigers. [07998 | Mietgesuche \ Sind. msd. sucht möbliertes mögt, mit Klavier od. mit Möglichkeit, Klavier eittzustellen. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Adolf Ockel. t Gießen (Mühlstraße 4), den 1. Oktober 1925. F Die Beerdigung findet am Samstag, dem 3. Oktober 1925, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Fried- I. N. d. Hinterbliebenen: Frau Anna Koch geb. Foelling Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme an dem uns betroffenen schweren Verlust sprechen wir hierdurch allen unseren tiefgefühlten herzlichen Dank aus. GewerkscbaltsbQDd der Angestellten. Abmarsch Dutcrr« bösen. Jagschlöh» chen. 1.30. Treffpunkt Bahnhof. Nachzüg- ler 3.47. 9148D aktiv 89/90 Pfarrer in Babenhausen (Kreis Dieburg). Der Gießener Wingolf! I. N. u. A.: Sattler, math. et rer. nat. Damen- Kopfrvaschen Frisieren nnd ©n- dulieren 2 Mk.. eleg. Frisur mit nutet Ondulation 1 Mk. 08015 Dnmen-Mer-Salon %rau L. Ztehling, Guanthstraffc 34. TASCHEN-BRAUER ©FFEK3ACW A.M. Verkaufsstelle - Giessen 21 Markfslrasse 21. SltersvereiDioung 1870-1920. 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Oktober, 3 Ahr, Ausflug nach der „Stadt Lich" bei Mitglied Gissel. 82isc Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 Die WMer W. rravs.-GeselW. oon 1898. Sonntag, d. L.d.M. Abfahren vormittaaS 9 Ubr Straffenrennen am „Schützenhans". Nachm. v. 3 Ubr ab auf der „Liebigs- höhe" radsporltiche Veranstaltunae» u. a. m. [9217 D Vereine ^Geilög. fei und Vogel- zacht- Verein LGießen u. Owg. 1897 e. V. Samstag, 3. ©EL, abends l/,9 Uhr: Monats- versammlung tm Pfälzer Hof. ,ta3D Der Vorstand. Nr. 25( ZMites öiütt Geld oder Politik? Don unserem tVl-Dorichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, den 30. September 1925. Nur dem oberflächlichen Beobachter kann es scheinen, als ob Frankreich den Verhandlungen um den Sicherheitspakt ein großes Interesse entgegenbrächle. Sn Wirklichkeit stehen die großen Fragen der Finanzpolitik im Vordergrund. Ganz Frankreich sieht mit banger Erwartung den Verhandlungen Caillaux" jenseits des Ozeans zu. Wohl selten hat eine Kommission mit gemischteren Gefühlen die französischen Gestade verlassen, als die unter Cail- laux' Führung. Schwer, unendlich schwer ist ihre Aufgabe, aber angesichts des Llmstandes, daß Onkel Sam beharrlich seme Tasche zugeknöpft hält und absolut den Franzosen keine Anleihe mehr bewilligen will, sieht man sich wohl oder über gezwungen, den Gang nach Canossa anzutreten. Frankreich hatte schon früher seine besten Männer, u. a. den inzwischen verstorbenen früheren Außenminister V i v i a n i nach Amerika gesandt. Dieser versuchte das schwierige Problem mit schönen Worten zu lösen. Aber selbst die glühendste Veredsamkeit dieses modernen Odysseus vermochte nicht die eisigen Mienen der V^nkees aufzuklären. Richtig in Fluß kam das ganze Problem, als der Dawesplan in Kraft trat. Stärker und stärker wurden die in maßgebenden Zeitungen und Zeitschriften der Union erhobenen Forderungen, daß Frankreich jetzt, wo Deutschland tatsächlich zahle, endlich an die Regelung seiner eigenen Schulden gehen müsse. Senator D o r a h, der Vorsitzende des auswärtigen Senatsausschusses, vertrat den glei-* chen Standpunkt. Dem Druck dieser öffentlichen Meinung konnte sich C o o l i d g e nicht mehr entziehen, und er wies die Banken an, solchen Schuldnern, die einer Regelung der Kriegsschuldenfrage aus dem Wege gingen, keine, Anleihen mehr zu gewähren. Als Morgan dennoch den Franzosen eine Anleihe geben wollte, drohte Coolidge den widerspenstigen Bankiers Repressalien an und diese lehnten nunmehr die Gewährung jeder Anleihe ab. Es mag daran erinnert sein, daß die französische Oeffentlichkeit sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen kann, daß Frankreich aus eigenen Steuermitteln die Regelung der Schuldenfrage durchführen muß. Der bekannte Publizist Stephane Lauzanne hat noch vor einem Monat tm „Matin" ein lOjähriges Moratorium verlangt, bevor Frankreich einen Centime an Amerika zahlen wollte, derselbe Berichterstatter, der sich augenblicklich in Washington befindet, schlägt heute ganz andere Töne an. Unter dein Ernst der Sachlage und dem starken amerikanischen Druck ist von einem Moratorium überhaupt keine Rede mehr und Caillaux macht Zugeständnisse, die ihm sein Ministerportefeuille kosten können, wenn er erst wieder zu Hauso ist und sie vor Parlament und Senat — in welchem hauptsächlich die Hochfinanz ihre Herrschaft ausübt — vertreten und durchsetzen muß. Alle Kreise in Paris verfolgen die Verhandlungen in Washington mit dem größten Snteresse. Der Marokkokrieg ist direkt in den Hintergrund getreten, da die Schuldenverhandlungen den Lebensnerv eines jeden französischen Bürgers empfindlich treffen. Denn daß diese Verhandlungen unvorhergesehene, gar nicht abzuschätzende Opfer an neuen Steuern kosten, darüber ist sich jeder klar, und es bleibt ein großes ungelöstes Rätsel, auf welche Weise diese neuen Steuern herausgeholt werden sollen, besoirders wo man schon jetzt über die unerträgliche „chörts" oder Teuerung im ganzen Lande stöhnt. Bei dem zerrütteten Zustande der französischen Finanzen ist es überhaupt als Wunder anzusehen, daß sich die französische Währung noch auf dem jetzigen Niveau gehalten hat, obwohl alle Voraussetzungen dafür fehlen. Das Vertrauen zum Franken im eigenen Lande ist schon sehr schwer erschüttert, und nur die Bauern in der Provinz find in die Geheimnisse der wie ein schleichendes Gift um sich greifenden Snfla- tion noch nicht völlig eingeweiht und werden von den flügeren Parisern dleserhalb weidlich verspottet und ausgenuht. Wenn man berücksichtigt, daß die französische Schuldenlast sich auf 90 bis 100 Milliarden Goldmark — mehr als ein Drittel des gesamten Nationalvermögens — beläuft, so kann man verstehen, daß Caillaux in Washington sich mit der größten Energie für eine Herabsetzung der amerikanischen Forderung einsetzt, damit er ausführbare Bedingungen mit nach Hause bringt, die nicht den mühsam aufgerichteten Eiffelturm französischer Finanzkunst ganz über den Haufen werfen. Als Briand in London war. um über „Die grüne Flöte". Max Reinhardts Pantomimen-Gasispiel in Dad-Nauheim. Dieser Abend ist eine ganz reife Frucht von dem Baume jener schonen Dekadenz, die ans den Namen Reinhardt und Hofmannsthal blüht. Ueber allem Geschehen liegt ein Hauch von Vollendung, über die hinaus es kein ..Weiter" mehr gibt. Diese Kunst zeigt nicht, zukunftsträchtig, neue Wege in unendlich weichende Horizonte; sie zieht ihre Kreise und füllt sie aus, voll und ganz mit schönheitsschwerer Pracht, um die der Duft morgigen Verwelkens weht. Sie zeigt auf den aus einem Schoße entspringenden Zusammenhang zwischen Marionette und Tanz: „Das Leben hängt an einem Faden". Ein Schulbeispiel für die gesetz- nläßigen Zusammenhänge zwischen dem Rhythmus der Seele mit dem des Körpers. Schauspielerisch-Tänzerisches schwang hier in vollem Einklang mit Musikalisch-Figürlichem Die Puppe, Idealbild einer Tanzbewegung, war erreicht. „Episode im Urwald", ein Papageno- Wotiv. Erinnerung an die Blütezeit des Balletts. Ernst M a t r a h köstlich rein in naturverhafteter Einfalt, zwischen reizenden Mädchen, von Maria Solveg geführt. Wundervoll die einfache Abgeschlossenheit des dichten Waldes, prächtig die Farben und die geschlossene Uniformität des Balletts. Siegener Anzeiger (Generai-Anzerzrr für Gderheffen) wriwcw—ttna—iwiMwuuuujMür 11 m1 • m —i ui mbmb— Freitag, 2. Moder 1925 $>ie schwebenden politischen Fragen zu verhandeln. setzte ihm Churchill, der auch dringend Geld braucht, die Pistole auf die Brust, und für politische Zugeständnisse gab Briand 300 Millionen Goldmark Schuldenzahlungen an England zu. Zuerst war man in Paris darüber entsetzt, aber man machte gute Miene zum bösen Spiel und sandte Caillaux zum endgültigen Abschluß nach London. 50 Millionen Goldmark konnte dieser noch abhandeln, aber 12x/s Millionen Pfund Sterling oder 250 Millionen Goldmark oder 1,250 Milliarden Franken zahlt Frankreich jetzt jährlich an England. Der Kanalflug Briands hat die Frage überraschend schnell in Fluh gebracht, und mancher Franzose sieht diese Tatsache nur mit einem süßsauren Lächeln an, denn das dicke Ende kommt nach, wenn die Steuern hierfür bewilligt werden müssen. Auf die englisch-französischen Verhandlungen haben die Amerikaner nur gewartet. Da Frankreich, wie bereits angedeutet, in Amerika vor Regelung der Schuldenfrage keine Anleihe erhält, so haben sie sich jetzt bequemt, den immer deutlicher werdenden Einladungen des Staatssekretärs Mellon Gehör zu schenken und unter Caillaux' Führung eine Delegation nach drüben zu schickem Die Amerikaner haben es vor Eintreffen der Caillaux-Delegation offen ausgesprochen, daß Frankreich nicht besser behandelt werden sollte als England. Die englischen Kriegsschulden an Amerika betragen 940 Millionen Pfund Sterling — also fast 19 Milliarden Goldmark, die französischen Kriegsschulden an Amerika belaufen sich auf 800 Millionen Pfund Sterling, also 16 Milliarden Goldmark oder 82 Milliarden Franken. Nun haben die Amerikaner zuerst Sahres- zahlungen von 150 Millionen Dollar verlangt, das waren nach dem heutigen Stande der Valuta 3,150 Milliarden Franken. Sn langwierigen Verhandlungen ist dann seitens der Franzosen erreicht worden, daß die Amerikaner ihre hochgespannten Forderungen zuerst auf 129 Millionen Dollar und zuletzt auf 120 Millionen Dollar ermäßigt haben. Caillaux bietet nur 100 Millionen. Nehmen wir nun den für Frankreich günstigen Fall, man einigt sich auf der mittleren Summe von 110 Millionen Dollar, so sind das 450 Millionen Goldmark, zuzüglich der England zugesagten 250 Millionen Goldmark, zusammen 70Ö Millionen oder fast 4 Milliarden Franken. Das französische Budget beläuft sich in Einnahme und Ausgabe auf 321/2 Milliarde Franken. Also 4/s der bisherigen Einnahmen müssen durch Steuern neu gedeckt werden. Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Parlamentsstürme Caillaux erwarten, wenn er an die Ausarbeitung der steuerlichen Deckung dieser großen Summen geht. Die Reparationszahlungen, die Frankreich von Deutschland erhält, betragen im kommenden Jahre 1925/26 1220 Millionen Mark an die gesamten Alliierten, davon erhält Frankreich seinen Anteil mit 52 Proz. oder 635 Millionen Goldmark, von denen aber über 3/i Sach- lieferungen sind: Kohle, Koks. Eisenbahn- waggons, Anilinfarben usw. Das restliche Viertel wird in bar überwiesen. Man sieht aus dieser Betrachtung, daß England und Amerika es verstanden haben, Frankreich noch mehr an Schuldenzahlungen abzuknöpfen, als es im laufenden Sah re an Reparationen erhält, und daß die Folgen in politischer Hinsicht für Frankreich äußerst niederdrückend sind, da seine politische Stoßkraft hierdurch immer mehr eingeengt wird. Es ist jeoenfalls sehr merkwürdig und illustrativ für den französischen Dolkscharakter, daß die Verhandlungen über den Sicherheitspakt im Augenblick nicht das Echo finden, das sie unter anderen Umständen gefunden hätten. Nicht einmal der deutsche Widerruf der Kriegsschuldlüge hat anders als in einigen Zeitungen Erregung hervorgerufen. ilnb auch diese Blätter griffen nur einigemal in ihr altes Repertoire von Liedern über den bösen Willen Deutschlands, um sich ebenso schnell bei der ablehnenden Antwort Briands zu beruhigen. Der größte Teil der Pariser Presse bespricht die Washingtoner Schuldenverhandlungen in zwei- oder gar dreispaltigen Artikeln, während dem Sicherheitspakt und den Aeuße- rungen der Berliner Regierung höchstens eine Spalte gewidmet wird. Marokkokrieg und Sicherheitspakt find beinahe vergessen, weil man nunmehr eine Erhöhung der Steuern fürchtet. Da über die Hälfte des französischen Volkes aus Rentnern und Sparern besteht, so betrachten diese breiten Schichten jedwede Politik nur von der Perspektive des eigenen Geldbeutels. Das Ruhrabenteuer wurde solange von der französischen Oeffentlichkeit unterstützt, als Poincare dem Volke goldene Berge versprach. Als sich diese Versprechungen als unwahr heraus- Ein Kabinettstück, hauchzart getanzt, in raffinierter Schlichtheit der Kulisse, das „Spiegelbild". Katta Sterna und Maria Solveg in absoluter SDentität, Bewegung in Bewegung gespiegelt, voll tänzerischer Disziplin seltener Art. Spiegelbild der Straße, aufpeitschend im Rhythmus, an Strawinsky gemahnend in Aufbau und Verkettung der Dissonanzen, ein Gewirr von durcheinander und gegeneinander stoßenden Kräften ist der „B r 0 a d w a y" (Musik Saap Kool). Tempo der Gegenwart, nicht ohne (und das ist Reinhardt) eine leichte, verschminkte Schönheit, die der Groteske jene Klarheit und Schärfe nehmen, die wir bei den Russen des Blauen Vogels (American Bar) lieben. Gleichwohl bleibt auch dies hier eine fabelhafte Leistung, der insbesondere Ernst M a t r a h (Nigger), Maria Solveg (Automobil) und Katta Sterna (Blumenmädchen) Qualität und Gewicht geben. „D ie grüne Flöte" ist ein Problem, das Max Reinhardt ebenso wie der „Sommer* nachtstraum" seit Sahren beschäftigt. Was er heute daraus gemacht hat, steht rund und ganz da. Mozartsche Musik, zumeist der „Zauberflöte" entnommen, und Hosmannsthalsche Anregungen liegen diesem Zaubergebilde zugrunde, in dem alles schwebende Leichtigkeit, in Bewegung geflossene Musik, in zarteste Form gefaßte, märchenhafte Zauberwelt ist: Ein Gedicht in Schwarz und Gold sind Figuren und Rahmen, silbern rauscht hindurch ein Wasserfall. stellten, wurde Poincare gestürzt, und da nun heute die Aussicht besteht, daß nicht Deutschland, sondern der kleine Steuerzahler die Zeche bezahlen soll, die ihm von unfähigen Politikern eingebrockt ist, so ist P 0 i n c a r e der u n populär st eMa nn im ganze« Lande geworden. Gelingt es Caillaux nicht, eine Anleihe mit nach Hause zu bringen — man spricht von nicht weniger als 300 Millionen Dollar — so kann man mit seiner dernnächstigen Demission rechnen, denn Steuern von jährlich 4 Milliarden Franken bekommt er kaum im Parlament und Senat durch. Turnen, Sport und Spiel. Vom 3. Bezirk im Turngau Hessen D. T, Werbetnrnen und Herbst-Waldlauf irr Gedern. c. Zum letzten Male in diesem Sabre riet der 3. Bezirk seine Turner zusammen. Gedern war der Treffpunkt, wo, wie gestern schon kurz berichtet, am Sonntag, der Herbst-Waldlauf stattfand, mit dem ein Bezirkswerbeturnen verbunden war. Wenn auch die Beteiligung gegen die früheren Läufe erheblich zurückblieb, was aber nur auf das schlechte Wetter zurückzuführen war, so fanden sich immerhin doch 43 Läufer und 12 Mannschaften cm, die sich recht harte und spannende Kämpfe lieferten. Das Gelände stellte an die Läufer ganz erhebliche Anforderungen, die noch größer wurden durch die Witterungs- und Bodenverhältnisse. Die Kämpfe nahmen unter der Leitung des Bezirksturnwartes Kraft-Nidda, einen glatten Verlauf. Aus den Ergebnissen ist mrt- zuteilen: Einzelläufe. Turner. 5000 Meter. Bezirksmeister und Ehrensieger Erwin Brack. T. V. 1859 Nidda 18:04. 1. Sieger Hugo Seih,. T. V. Hirzenhain. 2. Alfred Schwarz, T. V. Sahn, Llnterschmitten. 3. Georg Möller, T. D. Hirzenhain. Sugendturner-Ober stufe 2 5 0 0. 1. Albert Becker, T. V. 1859 Nidda. 8 : 352/ö. 2. Richard Lllrich, T. V. Sahn, Llnterschmitten. 3. Herrn. Alker, T.V. 1859, Nidda. Sugendturner-Llnter stufe 1 500. 1. Albrech Feyh, T. V. Wallernhausen 4:521/5. 2. Ludwig Möller, T. V. Hirzenhain. 3. Heinrich Tippeicheuser, T. V. Ortenberg. Schüler, 1000 Meter. 1. Aug. Weber, T. V. 1859, Nidda 3:28-/5- 2. Richard Diehl- mann, T. V. Sahn, plntcrschrnitten. 3. Ludwig Schneider, T.V. 1859, Nidda. Mannschaftsläufc. Turner, 5000 Meter: 1. Sieger Tv. 1859, Nidda mit 10 Punkten (Brack, Seipel, Deck). SugenMurner, 2500 QHete r: 1. Sieger Tv. 1859, Nidda mit 9 Punkten (Becker, Alker, Kraft). 2. Tv. „Sahn", Ginter-Schmitten mit 14 Punkten. 3. Tv. Hirzenhain mit 33 P. SugenMurner, 1 5 00 Meter: 1. Sieger Tv. „Sahn", Unter-Schmitten mit 19 Punkten (Becker, Müller, Klaus). Schüler, 1000 Meter: 1. Sieger Tv. 1859, Nidda mit 11 Punkten (Weber, Schneider, Merz). 2. Tv. Hirzenhain mit 15 Punkten. 3. Tv. „Sahn", Llnter-Schmitten mit 21 Punkten. Turnfest in Gambach. ll. Gambach, 30. Sept. Am Sonntag hielt unser deutscher Turnverein sein diesjähriges A b t u r n e n ab. Für die Turner waren Geräte- iBarren, Reck und Pferd) und volkstümliche Hebungen vorgeschrieben, während die Turnerinnen einen Fünfkampf (Barren, Pferd, Freiweit, Freihoch und Freiübung) zu bestehen hatten. Die von allen Wettkämpfern erreichten Leistungen sind als sehr gut zu bezeichnen und haben den Beweis erbracht, daß unser Turnverein im letzten Sahre vorzügliche Arbeit an der körperlichen Ertüchtigung unserer Sagend geleistet hat. Aus der Siegerliste sind folgende Ergebnisse hervorzuheben: 1. Aktive Turner. Ehrensieg: Otto Schmidt mit 205 Punkten, 1. Preis: Gustav Becker mit 191 Punkten, 2. Preis: Karl Decker mit 186 Punkten, 3. Preis: Wilhelm Fenchel mit 151 Punkten. Oberstufe. 1. Preis: Gustav Zeih mit 202 Punkten, 2. Preis: Karl Diehl mit 187 Punkten, 3. Preis: Gustav Rumpf mit 180 Punkten. Unterstufe. 1. Preis: Paul Ohlemutz mit 155 Punkten, 2. Preis: Gustav Doller mit 149 Punkten, 3. Preis: Heinrich Katz mit 133 Punkten. 2. Turnerinnen. 1. Riege. Ehrensieg: Emma Hofmann mit 157 Punkten, 1. Preis: Emma Buß mit 132 Punkten, 2. Preis: Lina Becker u. Marie Zeih mi 129 P. 2. Riege. 1. Preis: Ottilie Fenchel mit 152 Punkten, 2. Preis: Paula Duß mit 147 Punkten, 3. Preis: Kätchen Buß mit 144 Punkten. 3. Schüler. 1. Riege. 1. Preis: Fritz Boller mit 208 Punkten, 2.Pr.: Rich. Nack u. Wilh. Weisel m. 207 P., 3. Pr.: Wilh. Ohlemutz u. Wilh. Mohr m. 182 P. 2. Riege. 1. Preis: Richard Ohlemutz mit 134 Punkten, 2. Preis: Wilhelm Wißner mit 129 Punkten, 3. Preis: Wilhelm Alt mit 125 Punkten. Sportspiegel. Der Deutsche Eislaufverband tritt am 24. und 25. Oktober in Dresden, der Deutsche Bobsleighverband am 3. und 4. Oft. in Frankfurt a. M. zur diesjährigen Tagung zusammen. Der stärkste Landesverband im Deutschen S ch i v e r b a n d ist der Bayerische Schiverband. Er zählt zur Zeit in 171 Vereinen rund 10 000 Mitglieder. Das nächste bayerische Kreisturnfest findet 1926 in Bamberg statt. Der Sekretär des französischen Rugby Verbandes erllärte, die sportlichen Beziehungen zwischen den deutschen und französischen Verbänden seien grundsätzlich wieder ausgenommen worden. Die Tagung des Deutschen Fußballbundes in Leipzig wird wichtige Neuwahlen bringen, u. a. im Amt des 1. Vorsitzenden. An die Stelle von Hinze- Duisburg dürste ßin nein a n n » 'Berlin treten. Nach dem Vorbild von Oesterreich «hat jetzt auch der Tschechoslowakische Fußballverband energische Maßnahmen gegen rohes Spiel getroffen. Nachdem sich bei dem Tennisturnier in Territet schon Froitzheim die Herrenmeisterschaft der Westschweiz geholt hatte, siel auch die Damenmeisterschaft an eine Deutsche, Frau Friedleben. Auf der Snternationalen Luftverkehrskonferenz in Stockholm wurde eine Kommission gewählt, die die Organisation einer internationalen Luftverkehrs - Zentrale vorbereiten soll. Neben den (Sntenteftaaten wird auch Deutschland voll daran beteiligt fein. Für das Feldbergrennen im Taunus, das der Gau lila des ADAC, am 11. Oktober durchführt, liegen bereits so zahlreiche und gute Meldungen vor,,daß mit einem sportlichen Ereignis zu rechnen ist. Sm Schwabenbergrennen bei Budapest, das auf einer 5 Km. langen Strecke aus- getragen wurde, stellten Graf Kinsky in der Klasse der Rennwagen mit 3:54,8, W. D e (m a r bei den Tourenwagen mit 4:06,8 und Dr. Fe - ledh bei den Motorradfahrern mit 4:00,4 neue Streckenrekorde auf. , Sportvorschau für Sonntag, 4. Oktober. Rasensporrt: Der Fußball bringt das SubUäum des D. F. D. in Leipzig und die dazugehörigen sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, die sich im Sonntag zwar nicht erschöpfen, doch an diesem Tage — wenigstens in sportlicher Hinsicht — in der Schlußrunde um den Dundespokal ihren Höhepunkt erreichen. Vorher das Repräsentativspiel der Junioren Mitteldeutschlands und Brandenburgs, die Subiläumsstaffel u. a. Außerdem bringt der Fußball die üblichen Punktspiele. Sonst hat der Rasensport mehr oder weniger abgeschlossen, nur im Golf ist Hamburg Aus- tragsort von Knopsspielen. Leichtathletik und Turnen: Sn der Leichtathletik ist jetzt die Zeit ein* getreten, die hinter den Sommerveranstaltungen, aber noch vor den Wintersportfesten (in der Halle) liegt, also im großen und ganzen seho ruhig verläuft. Was Den kommenden Sonntag zum Termin gewählt hat, ist kleinerer Bedeutung, so die erstmalig ausgetragene Süd-ostdeutfche Zehnkampfmeisterschaft, mehr oder weniger große (ober kleine) Werbeveranstaltungen, so in Hagen Die Macht der Musik, Gutes und Schönes umfassend, besiegt das Böse. Der Zauberer Wu (M a t r a y) und die Hexe Ho (QI. V. Blum) umgarnen und fangen die schöne Prinzessin Fay-hen (Maria Solveg), die mitsamt den mitgefangenen Prinzen und Prinzessinnen durch den Prinzen Sing-ling (Katta Sterna) befreit werden. Der Zauberer, wechselgestaltig den Befreier bekämpfend, weicht auch endlich der Macht der sühtönenden Flöte. Sn dieser Pantomime ist alles vereint, was Reinhardt und seine Mitarbeiter schaffen konnten: Ernst Sterns Dekorationen und Kostüme, das Fabeltier, die Spinne im Netz, der sechs- armige Zauberer Wu, die Masken seiner Diener, die Vielgestalt der Vorhänge sind unmittelbar rnozartischen Klängen entflossen, wie auch Choreographie M a t r a y s ganz im Rhythmus und Aufbau der Musik schwingt. Wenn man in Salzburg die „grüne Flöte" als den Höhepunkt der Festspiele bezeichnet hat. mag man nicht unrecht getan haben: denn in der Takt ist hier eine selten große Leistung Reinhardts anzuerkennen. Sm großen Haus des Bad-Nauheimer Kur- theaters fand die Vorstellung, trotz der späten Kurzeit, ein sehr zahlreiches Publikum, das sich lebhaft begeisterte. Wenn hier und da Einstimmigkeiten auf der Bühne sich zeigten, so sind die wohl weniger auf das Konto der Gäste als der Dühnenanlage zu setzen; auch traten sie (bis auf Fräulein Blackedders Abgang als Fluß- göttin und die Begrüßung des großen Zauberers Wu — Beleuchtung! —) nicht störend hervor. Deshalb ist Der Abend auch durchaus ein Aktivposten: Für die Kurdirektion, Da» Publilum und das Ensemble. UnD das stellt man gern und freudig fest. e-s. Mareell Salzer. Ein heiterer Abend bei Marcell Salzer — das ist eine Parole, der man in Gießen nur allzu gerne Folge leistet. So war es auch am Dienstagabend, wo sich die große Gemeinde der Salzer-Freunde im Stadttheater wieder mal ein sehr genußreiches Stelldichein mit dem beliebten Vortragsmeister gab. Was Marcell Salzer auszeichnet, ist die frische, allem Mätzchenhaften ferne Ursprünglichkeit seines Humors, die liebenswürdige, feine schalkhafte Art des Vortrages, durch die er feine Zuhörer von Anfang bis Ende in eine Stimmung versetzt, bei Der alles eitel Freude und Wohlbehagen ist, und bet der die Lachmuskeln anhaltend und kräftig in Be- wegung gebracht werden. Der Künstler weiß aber auch, daß selbst das beste Einerlei schließlich er. mudend wirkt, und um diese Klippe auf Der frisch, fröhlichen Fahrt zu vermeiDen, streut er hier unD Da wstliche Rezitationen aus Den Werken unserer großen Dichterfürsten ein, bei Denen Die Hörer Erquickung fmDen unD die Den Abend nur um so reizvoller machen. Diese vortreffliche Mischung bescherte auch am Dienstag wieder Den vielen Gästen einen Abend, der wert war, miterlebt zu werden. Der überaus herzliche Beifall, mit dem man Den Meister auszeichnete, war Denn auch mehr als nur Lank, er schloß die Hoffnung auf ein frohes und baldiges Wiedersehen ein. P. ^Westfalen) ein KreiSkampf Sauerlank>—Siegerland in Leichtathletik und Rasensport. Das Ausland, nämlich Paris, bringt dagegen eine Veranstaltung großzügigsten Charakters. 3m Stadium zu Colombes treffen sich die hervorragendsten Leichtathleten Frankreichs. Schwedens, Rorwegens, Finnlands, Hollands, der Schweiz, Amerikas u|nx Man darf hier, günstige Witterungsverhältnisse vorausgesetzt, erstklassige Leistungen erwarten. Auch die Turner haben nur Veranstaltungen geringerer Bedeutung; erwähnt fei, das Drei' städte-Wetturnen Frankfurt—Darmstadt—Mannheim um den Fritz von Opel-Wanderpreis in Darmstadt. Schwimmen: Die Schwimmer eröffneten ihre Wintersaison mit drei verbandsoffenen Wettschwimmen, und zwar in Berlin durch die S. AI. TleuEilln in Hildesheim durch den dortigen S. S. C. und in Pforzheim durch den 1. Badischen S. C., zu denen die besten Kräfte aus allen Teilen des Reiches ihre Meldungen abgegeben haben. Aus Anlaß eines 15jährigen Jubiläums bringt der S. C. Reptun-Aachen eine kreisoffene Veranstaltung zum Austrag. Fechten: 3n Hannover entscheidet die Deutsche Turnerschaft ihre Fechtmeisterschaften. Zur gleichen Zeit führt der Deutsche Fechtklub Aussig die Fecht- Meisterschaften der Deutschen in der Tschechoslowakei durch. Motorsport: Motorsport: Die 'Motorrad-Rennfahrer versammeln sich zu einem Bahnrennen in Hannover, wo die deutschen Fahrer auf beste internationale Klasse ft oben. Weiter kommt ein Bahnrennen in Rordhausen und in Leipzig auf dem dortigen Sportplatz zum Austrag. Der Gau 1 Berlin-Brandenburg des A D. A. C. bringt seine Gaumeisterschaft und seine Klubmeisterschaft aus dem Buckower Dreieck zur Entscheidung. Bei Waldhof veranstaltet der M C. Mannheim ein Dreiecksrennen, während der Landesbezirk Saar ein Herbstrennen bei Blieskastel zur Abwicklung bringt. Radsport: Das größte Interesse im Radsport findet wohl der Große Preis von Deutschland, der auf der Sladionbahn in Köln-Müngersdorf seine Erledigung finden soll. Sieben dem deutschen Meister Oßmella werden auch bewährte ausländische Kräfte, wie Mazairac, Leene-Holland, Gebr. Jensen-Dänemark an den Start gehen. Deutscherseits nehmen auch Krewer, Roßbach, Steffes, Duschenhagen, Frankenstein und andere teil. Berlin sieht die Austragung im 100 Km. Mannschaftsmeisterschaft der D. R. II. und in Treptow gut besetzte Bahnrennen. Auch die Radrennbahnen zu Dreslau-Grüneiche, Elberfeld, Küstrin, Ludwigshafen erfreuen sich einer guten Beteiligung. Filmzensur und Hermannslaus. vo. Der Hermannslauf der Deutschen Turnerschaft, der bekanntlich gefilmt worden ist, hat nicht in allen Teilen Gnade vor dem Rotstift des Zensors gefunden. Aus dem Text, der in jeder Hinsicht sachlich gehalten ist und alles vermeidet, was irgendwie Anstoß erregen und etwa als politischer Tendenzver- such ausgelegt werden könnte, ist allerhand gestrichen tooröen. Dabei handelte er sich gar nicht um einen besonders zurechtgemachten Text für den Film, sondern für die Beschriftung sind nur die Texte der nach Detmold gebrachten .Urkunden verwandt worden. Da ist im 1. Akt aus dem vollen Wortlaut der Urkunde der O st - »Preußen „lein Schmachvertrag" herausgestrichen. In der Urkunde von Wesel hieß es: F.,3n Wesel verbluteten Elf im Sand. Run suchen wir wieder im heimischen Land, ob Hermann, • ob Schill ..." — da ist der zweite Satz de,n Rotstift zum Opfer gefallen. Der Text der Urkunde der Pommern vom Ulanenbenkmal in Demmin, der schon etliche hundert Jahre alt ist, denn er stammt aus dem Ribelungenlied, hat gleichfalls keine volle Gnade vor dem Zensor gefunden. Die Worte: „Ich will die höhnische Dämonenbrut nicht lieben. So lang sie in Germanien protzt, ist Hatz mein Qlmt und meine Tugend Rache" sind gestrichen worden. Wenn die beanstandeten Titel politischen Zwecken gedient hätten, wenn der Film überhaupt irgend eine politische Tendenz herauszuarbeiten versuchen würde, so könnte man das Vorgehen der Filmzensur allenfalls verstehen, daß aber die Ur ku n den t e x t e, die entweder alten dichterischen Kunstdenkmälern entnommen sind und vor aller Welt offen darliegen, ober gar nur den Wunsch auf Besserung des bestehenden Zustandes ausdrücken, verboten werden, das wird in weiten Kreisen des deutschen Volkes nur ein allgemeines Kopfschüt- teln — zum mindesten — erregen. Aus der Provinz. # Lich, 1. Okt. Zu dem Artikel „Der farbige Hausan strich" in Rr. 226 vom 26. September ist ergänzend und berichtigend nachzutragen, daß die Anregung zur farbigen Behandlung der Friedhofskapelle und des städtischen Hauses zu Lich von dem derzeitigen Bauleiter, Vausekretär Kalisch-Gietzen ausgegangen ist, unter dessen Leitung auch die Arbeiten ausgeführt wurden. • Lang-Göns, 1. Ott. Am Sonntag veranstaltete der Frauenchor „Wieseck" unter Leitung von Lehrer Stoll in der hiesigen Kirche eine kirchen musikalische Feierstunde. Es wirkten mit der Posaunenchor Lang-Göns und Stadtorganist Lehrer Heinrich Simon - Gießen. Dem Leiter der Veranstaltung war es gelungen, für die erkrankte Solosängerin Frl. Stoll. Frau Zie- piecht-Gießen zu gewinnen. Die Leistungen des Chores waren hervorragend und zeugten durch feine Aussprache, Tonfärbung und Reinheit von einer guten Schulung. Frau Zieprecht gelang es, in den beiden Gebeten durch ihre weiche und ansprechende Stimme und besonders durch den seelischen Ausdruck ihres Vortrages die Herzen der Hörer zu erwärmen. Sowohl bei den Solovorträgen wie auch bei der Begleitmusik zeigte sich Herr Simon als ein Organist, der seine Orgel kennt, sie in allen ihren Klangfarben und -stärken und vor allem auch technisch meistert. Der Posaunenchor unter der bewährten Leitung des Herrn Karl Doller- Lang-Göns zeichnete sich besonders durch zarten Ansatz und fein abgetönten Zusammenklang aus. Die Ruhe während des Konzertes zeugte wohl am besten davon, mit welcher Andacht die Gemeinde den Darbietungen folgte. • Daubringen, 2. Oft. Gestern nachmittag ereignete sich hier in der Mühle ein schwerer Llnfall. Der 20jährige Spengler Karl Ruppert aus Lollar war mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Dabei geriet er in das Getriebe, wobei ihm der linke Arm sehr schwer verletzt wurde. Zwei rasch herbei- gteilte Acrzw legten die ersten Verbände an und ließen den Verletzten durch die Gießener Freiwillige Sanitätslolonne mit dem Auto nach der Chirurgischen Klinik verbringen. Rach Ansicht der Aerzte hofft man, den Arm, der an vielen Stellen gebrochen ist. zu erhalten. wa. Weickartshain, 1. Okt. Wegen Absatzmangels hat die Gewerkschaft Louise am 30. September ihren Betrieb geschlossen und sämtliche Arbeiter entlassen. Sie hat etwa 4000 Tonnen gewaschenes Eisenerz bei ihrer Verladestelle vorrätig auf Lager — Durch das anhaltende Regenwetter steht Der Wicsengrund im Seental großenteils dauernd unter Wasser. Dadurch geht viel Grummet verloren. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 1. Okt. Zu der Ab- s ch i e d s f e i c r von dem seitherigen Bürger- meister Köhler waren sämtliche Stadtverordnete, die Mitglieder aller städttschen Ausschüsse, die selbst nicht Stadtverordnete sind, sowie die Leiter der städtischen Bureaus als Vertreter der Beamtenschaft eingeladen worden. Die Feier sand im Rathaussaal statt und nahm einen würdigen und feierlichen Verlaus. Im Auftrag des Stadtvorstandes begrüßte Stadtv. P l o ch die Erschienenen und sprach dann dem scheidenden Bürgermeister unter ehrenden und anerkennenden Worten den Dank für alle der Stadt geleisteten treuen Dienste aus. Er überreichte ihm als Andenken eine Photographie von einem historischen Bild, das den Marktplatz im Jahre 1824 darstellt. Hierauf sprachen namens der Oberrealschule Ooerstudiendirektor Dr. Bürel, namens der Stadtschule Rektor Hen- s e l, namens der städtischen Beamtenschaft Betriebsleiter S t r i p p e l, namens des Wohlfahrtsausschusses Stadtv. Frau Wießler und Stadtv. L i n k m a n n ebenfalls Worte des Dankes und der Anerkennung aus. Bürgermeister Köhler dankte mit bewegten Worten für die ihm bewiesene Anerkennung und Verehrung. Vor dem Rathaus hatte die Feuerwehrkapelle Ausstellung genommen, die dem Scheidenden noch ein Ständchen brachte. Rach der offiziellen Sitzung fand im „Hess. Hof" noch ein gemütliches Beisammensein statt, das durch treffnche Reden, Musik- und Gesangsvorträge, sowie sonstige Darbietungen einen sehr harmonischen Verlauf nahm. Bad-Rauheim, 1. Oft. Rach der anstrengenden Arbeit der Sommermonate, die hier alle Kräfte in Anspruch nimmt, gibt die „Kirmes", das Saisonschlußfest, Gelegenheit zpr Ausspannung. Sie wird nach altem Brauch am nächsten Sonntag und Montag im Mittelpunkt der Altstadt, auf dem Marktplatze, in großem Rahmen gefeiert und übt erfahrungsgemäß aus die ganze Umgebung eine starke Anziehungskraft aus. Alles steht hier schon in den Vorbereitungen für das große Volksfest. — Die Ortsgruppe des Hessi - schen Iagdklubs veranstaltete als Auftakt zum Aufgang der Hasenjagd bei starker Beteiligung ihr Herbstkugelschießen. Für die Sieger standen zahlreiche Ehrenpreise zur ‘3er- fügung. Die beste Gesamtleistung erzielte Dickert- Bad-Rauheim. Von auswärtigen Teilnehmern erwähnen wir Förster Textor-Lich, der beim Schießen auf die 100-Meter- Scheibe 5. und beim Schießen auf die Bock- scheibe 13. Sieger wurde. tz Aus der Wetterau, 1. Oft. Teherans reichlich ist in diesem Jahre die Ruß- ernte ausgefallen, besonders in den am Taunusende gelegenen Gemarkungen, in denen infolge günstigen Klimas der Walnußbaum fast in jedem Garten und auf jedem Baumstück Heimatrecht hat. So stark wie in diesem Jahre waren die Ruhbäume feit langen Jahren nicht behangen. Wie das andere Obst, werden auch die Russe im allgemeinen leider viel zu früh geerntet, was bann ihre Haltbarkeit beeinträchtigt. 3m Preise stehen die Rüsse trotz der Refordernte noch sehr hoch. Aus den Märkten und in den Obsthandlungen müssen 70 bis 60 Pfg. für das Pfund bezahlt werden. Selbst der Preis von 40 bis 50 Pf., den Private nehmen, erscheint noch reichlich hoch. Kreis Büdingen. „?" Ridda, 1. Oft. Der Termin für das nächstjahrigeGauturnfest des Turn- gaues Hessen, das dem hiesigen Turnver- e i n übertragen wurde, ist diesmal recht frühzeitig bekanntgegeben worden, um zu verhindern, dah andere Festlichkeiten in der Provinz auf denselben Tag verlegt werden. Es findet in den Tagen vom 3. bis 5. Juli hier statt. Man hofft, den Turn hallen Neubau soweit fördern zu können, daß er anläßlich dieser Festlichkeit geweiht und benutzt werden kann. — Der Schleppmotor, der in den gröberen Städten bereits häufig zu sehen ist, ist jetzt auch hier ein- geführt worden. Gestern erregte et das 3nter* esse .der Einwohnerschaft, als ec mehrere hoch- belabene Mehlwagen aus unserem Städtchen in die Umgebung schleppte. Das Droschkenpferd ist schon von dem Auto und der Elektrischen verdrängt worden. Die Lasttiere werden folgen. 1). Ridda, 1. Ott. Die Ortsgruppe Ridda der Deutschen Doltspartei hielt eine Mitgliederversammlung ab, zu der eine größere Anzahl Herren und Damen von hier und au8 einigen Rachbarorten erschienen waren. Amts- gerichtörat Muhl, der Vorsitzende der biefigen Ortsgruppe, gedachte eingangs der groben Verdienste bc£ Reichspräsidenten v. Hindenburg, der am 2. Oktober seinen 7 8. Geburtstag feiert. Das Hoch auf den greifen Helden fand bei den Anwesenden begeisterten Widerhall. In längeren Ausführungen beantwortete, dann der Provinzialgeschäftsführer der deutschen Volkspartei für Ober Hessen, Weiher auS Giehen, die Frage: „Was bedeutet für unS der Sicherheitspakt?" Rach einer geschichtlichen Darlegung der Entwicklung des Paktes ging er auf seine innen- und außenpolitische Bedeutung ein. Mit reichem Beifall dankten die Zuhörer dem Redner für seine interessanten Aussührimgen. Hierauf wurden die bevorstehenden Wahlen zum Kreis- und Provinzialtag erörtert und dazu Stellung genommen. Wie bereits aus anderen Bezirken des Kreises Büdingen geeignete Kandidaten für die genannten Verwaltungskörperfchaften festgestellt sind, so wurden auch aus heni Bezirk Ridda einige Parteifreunde als Kandidaten in Vorschlag gebracht. Die endgültige Aufstellung der Wahlvorschläge soll bald in einer Versammlung der Bezirksvorstände aus dem Kreise Büdingen in Stockheim erfolgen. Auch für die in Kürze hier stattfindende Gemeinderatswahl will die Partei einige ihrer Mitglieder auf die Wahlliste gesetzt sehen, obgleich Partei- interessen nicht in einer Gemeindevertretung ausschlaggebend sein dürfen. Eine K o m m i s s i v n von fünf Mitgliedern wurde bestimmt, diese Angelegenheit mit den Vorständen der anderen hiesigen politischen Parteien zu regeln. Schließlich wurden auf Antrag des Provinzialgeschäfts- sührers Weißer regelmäßige Versammlungen der hiesigen Ortsgruppe, die alle zwei Monate abgehalten werden sollen, einstimmig beschlossen. In denselben sollen wichtige Partei- und politische Ereignisse durch berufene Redner behandelt werden. Kreis Schotten. --- Schotten, 1. Okt. Mißtrauisch gemacht durch die zahlreichen vorausgegangenen Regentage, arbeitet man hier mit ganzer Kraft an dem Einbringen der Grummeternte. Bis die großen Wiesengründe, die zu unserer CMnatfung gehören, abgerntet sind, vergeht noch einige Zeit, und Sonnenschein ist sehr vonnöten, soll die Arbeit rasch zu Ende geführt sein. Ig. Gedern, 1. Okt. (Aus dem (Sern ein berat) Bei der Prämiierung von Blumenfenstern wurde der Schule der erste Preis mit 20 Warf zugesprochen, die im nächsten Frühjahre zum Ankauf von Dlu- menstöcken Verwendung finden sollen. Außerdem konnten 10 weitere AauSfassaden prämiiert werden. Die Preise bestehen in Blumenstöcken und je einem Anerkennungsschreiben der Gemeindeverwaltung. — Als Weidegeld pro Schaf soll für 1925 wieder eine Mark festgesetzt werden. — Bei künftigen Markten sollen die Sähe für Karussells auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. — Die Pacht für Steinbrüche auf Gemeindegelände soll erhöht werden. An Stücksteinen soll für die Gemeinde ein gewisser Vorrat bereit gehalten werden, der jederzeit greifbar ist. — Die Diskussion über die Ausbildung einer zwei- ten Hebamme soll zurückgestellt werden bis zum März des nächsten Jahres und dem neu zu wählenden Gemeinderate die Beschlußfassung über diese Angelegenheit Vorbehalten bleiben. — Beschlossen wird ferner das Rachpflanzen der Apfelbäume auf gemeindlichen Grundstücken. sowie bei zugrunde gegangenen Lindenbau me in der historischen Lindenallee am Großen See. — Dem Verein zur Förderung der Blindenbildung wird eine Unterftüt$ung bewilligt, ebenso dem Tierschutzverein für Hessen. — Die Beteiligung am Gemeinde- rundfunk wird abgelehnt. — Das mit einem größeren Kostenaufwand hergestellte Wehr am Ried ist beschädigt worden und 4. bis 7. Oktober 1925: 802 ab Gießen an 906 832 M Nauheim A 832 840 y Friedberg M 822 912 an Frankfurt ab 736 9131ss Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Ich werde ja noch lange zu laborieren haben, aber feit ich sehe, daß ich wieder in den Besitz meiner Kräfte komme, fjat die ganze Welt ein anderes Gesicht. Ausgeschaltet sein ist einfach ein unerträgliches Gefühl. Mir fehlt der Betrieb der Arbeit, dah ich manchmal ver- sucht bin, irgendeine tolle Spekulation anzuzetteln, nur um etwas zu tun zu haben." „Das ist ein gutes Zeichen, Herr Tylander. Genesungssieber nennt es Papa." Ruth reichte ihm den Arm. Es kamen ein paar rohe Stufen auf dem Fußpfad, den sie durch die Weinberge hinunterstiegen. Er zögerte, legte dann aber die Hand in ihre Ellbeuge und spürte die Rundung ihres Armes unter den Fingern, die wieder fühlen und gehorchen gelernt hatten. Als sie der Dorfstrahe nahe waren, tagte er rasch und bestimmt: „Ich bin gewohnt, dem Arzt Vollmacht zuzugestehen, aber ich war versucht, Professor Laß- mann den Gehorsam zu kündigen, als er mich nach Rheinau schickte. Hatte mein Levtag nichts davon gehört. Lahmann muh mein Erstaunen gemerkt haben. Er gab mir noch Ausschluß über die Persönlichkeit Ihres Herrn Vaters, und ich dachte: Rützt es nichts, so schadet eS nichts. Lahmann trägt die Verantwortung. Er die seine, ich die meine. Ich ging." „Wir waren daraus gefaßt, dah Sie uns nach drei Tagen wieder durchbrennen würden", entgegnete Ruth lächelnd. „Ich war drauf und dran, nur zu elend dazu. Acht Tage später war ich zur Einsicht gekommen, dah Lahmann recht gehabt hatte." Ruth errötete vor Freude. „Warum führt Ihr Vater eigentlich seinen Prosessortitel nicht, gnädiges Fräulein? Er hat doch ein Recht darauf." Sie erblich. „Wenn Professor Laßmann Ihnen eine Andeutung gemacht hat, so wissen Sie auch, dah Papa früher Chirurg war. Eine unglückliche Operation und was sich alles daran hing, hat ihn aus der Dahn geschleudert. Er will den Titel nicht mehr hören." ■ „Wissen Sie, was hier am stärksten auf mich gewirkt hat, Fräulein Engelhardt?" fragte Tylander nach einer Weile. Er war wieder stehen geblieben. Es war an einer letzten Treppenstufe . Um sie her drängten sich die schwerbeladenen Reben, über die Dächer hinweg sahen sie in den wallenden Strom. Abendkühle wehte vom Duschwald herauf. „Die Ruhe", erwiderte Ruth langsam. Er nahm den Hut ab. Sein Gesicht war gestrafft, der entschiedene Ausdruck zurückgedräng- ter Spannung darin. Fast brutal in seiner Energie mit den niedergedrückten Brauen und dem hartgeschlossenen Mund. ..Rein, so stark die glückliche Raturheilgabe Ihres Herrn Vaters, der absolute Verzicht auf alles, was an anderes Leben und Treiben erinnert. und die idyllische Landschaft auf mich gewirkt haben, am stärksten haben Sie auf mich eingetoirft, Fräulein Engelhardt. Ich bitte um die Erlaubnis, Ihnen das sagen zu dürfen. Wie ich es meine, das überlasse ich ruhig Ihrem Gefühl." Sie hatte abwehrend die Hand erhoben, beinahe erschrocken, vom Blut verlassen, das den Weg nicht mehr in ihre Wangen fand. Da ergriff Gerhart. Tylander ihre Hand und führte sie mit einer so zarten Huldigung an die Lippen, dah die herrische Spannung in seinen Zügen Lügen gestraft wurde. Ohne' ihren Arm zu nehmen, ging er die Stufen hinunter. Sie wechselten kein Wort mehr, bis sie die anderen erreichten. Ruth drängte zur Eile. Zu lange schon hatte sie den Vater allein gelassen, saß er ohne sie über dem schillernden Wein, der hellrot in den Gläsern stand. Tylander folgte ihr gern. Ruth war ihrer Ueberraschung Herr geworden, und es war von diesen Dingen nicht mehr die Rede zwischen ihnen. Doch als Tylander Ende September nach Berlin zurückkehrte, verabschiedete er sich von ihr nicht mit einem Lebewohl, sondern sagte ernst: „Ich darf doch hoffen, Sie in Berlin wiederzusehen, Fräulein Engelhardt." Ruth stand neben ihrer Schreibmaschine. Ein seiner Regen ließ das Zimmer grau erscheinen. „Wie sollte ich nach Berlin kommen, Herr Tylander?" antwortete sie lächelnd. „Run, zum Beispiel mit Ihrem Herrn Vater. Cs gibt immer Gelegenheiten, nach Berlin zu gehen." Sie schüttelte abwehrend den Kopf. „Gut, dann sehe ich Sie also erst nächsten Sommer wieder. Vier Wochen Rachkur schlage ich auf alle Fälle noch heraus." Er hatte rasch und laut gesprochen. Doktor Engelhardt, der eben ins Zimmer trat, konnte jedes Wort hören. „Das geht nicht. Sie haben die See oder das Hochgebirge nötig. Rheinau war für den seßhaften Patienten. Für einen wieder beweglich gewordenen, bald hergestellten Menschen Ihrer Anlage wäre unsere stille Einsamkeit der Tod." Tylander lachte. , Als er Ruth die Hand gab, umfing sie sein prüfender, Erinnerung suchender Blick noch einmal von den blonden Haaren und den dunklen Augen zu den schlanken Gliedern, und sie sah seine Augensterne fick vertiefen und spürte einen festen, lange wirkenden Druck seiner Hand. „Ich glaube, ich komme doch noch einmal hierher", sagte er kurz. Dann war Ruth allein. Sie wußte, dah der Mann um sie warb. Vielleicht war seine Reigung ein Erzeugnis der stillen Monate und der Genesungszeit in St. Joseph, vielleicht vergaß er sie, sobald er wieder in der Welt lebte, in die er gehörte. Es war eine Welt der Arbeit, von atemraubenden Impulsen beflügelt, und Tylander selbst glich dem Motor, der dort draußen in dem großen Reiseautomobil arbeitete, daß der Wagen wie von Fieber geschüttelt auf den Augenblick zu warten schien, der ihm die Freiheit gab. Jetzt stieg er ein. Sie stand am Fenster und nickte. Er hob die Mütze, blickte ernst, mit einem gehaltenen Lächeln zu ihr herüber, und surrend schoß der Wagen davon. Bläuliches Gas stieg zwischen den Obstbäumen empor und wurde vom Regen aufgezehrt. Vielleicht vergaß Gerhart Tylander sie auch nicht. Es war etwas an ihm gewesen, das nicht danach aussah. Sie setzte sich vor die Maschine. auf der sie für ihn so manchen Brief geschrieben hatte. Roch vierzehn Tage und das Haus war leer, sie war wieder allein mit dem Vater, und die Welt stand still. Hanns Ingold hatte nicht oft geschrieben. Seine Briese waren von Bitterkeit erfüllt. Lind nur zuweilen schlug seine Leidenschaft durch und sand ein paar heiße Worte, die Ruths Blut in Glut versetzten. Er war beim Minister gewesen und kalt abgewiesen worden. Eine Versammlung, die er in Mannheim gehalten hatte, war ihm mit Gleichgültigkeit begegnet, und daS hatte ihn mehr erbittert als die heftigste Gegnerschaft. Run war er daran, eine zweite Broschüre zu schreiben, in der er seinen Plan eingehender entwickeln und vor allem die Reitta- bilität nachweisen wollte. Wenn Ruth sich nicht täuschte, war er jetzt in der Rähe, denn er fuhr und ging von Gemeinde zu Gemeinde, von einem Industrieherd zum anderen und erkundete überall die Bedürfnisse an Licht und Kraft, .studierte das Bahnwesen und hatte sogar einen Cisenbahntechniker angeworben, der ihm die Berechnung übet die Llmwandlung der Rebenbahnen im Oberland in solche mit elektrischem Betrieb aufstellen sollte. „Ich habe niemanden, ich spreche nur zu Dir davon, Du glaubst an mich!" Dieser Satz kehrte in drei Briefen wieder. Ruth antwortete ihm, daß sie nie aufhören werde, an ihn zu glauben. Oft packte sie in der Stille, die jetzt im Rheintal eingekehrt war, die Sehnsucht nach dem Ruhelosen, der keinen anderen Gedanken und kein anderes Ziel mehr hatte als die Errichtung dieses Werkes am Lauffen. Sie spürte, daß der Widerstand und die Geringschätzung, die er gefunden hatte, sein Gemüt verwundet und geschädigt hatten. (Fortsetzung folgt.) 3931D Jakob Vogt, Bezirksbeamter, Riegelpfad 26. NDMÖCK j O H SLfAatt werden Moder nrcht, stets wird eine Lebensversicherung von Nutzen Nen. SSäjt* *■ in ^rzEAus bem Tr. tobt b?t’gLUn9 vvn S?Ä^t ' a“f bm Dege der vs- ! vergeben werden. - ^uche auf Gemeinde. Sn ^»^tücksteinen iolt Vorrat bereit» Mt greifbar ist. _ Ausbildung einer zwei« zmckgestellt werden bis :?i Rohres und dem neu «ote die Veschluhfafsung !'l Vorbehalten bleiben.- r das Aachpslanzen aus gemeindlichen Gnind- runde gegangenen Lin. Ntorischen Lindenallee am Verein zur Förderung der wird eine Unterstützung liierschuhverein für gung am Gemeinde- gelehnt. - DaS mit stenaufwand hergrstrllle it beschädigt worden und ■ Fäj* PM Gruppe fe *rA* iCwidte. ernft. »* »'°r 5'.*«a*6e* Ä as a" »» 2l°* aste nicht A^Aecfü^ , aten von g durch lug l<7J Md den. & ,hon ©int,1?, gewiesen Rotten fiottc' ■ t. und das E Ä N " v.f er selnen ^uiü' ' ”nt »°r ’^ij stch ' ££* <Ä; ifl« °"h 6«U= H” ejL, btt V> ÄS* C»-" nandev' Mieder- B an ff M " ^ören lTit in }5 rje n'e ? in lf ihm. Mp}t packe t war. gla^intal ein0elrt keine" im ^-tlosenr -LS- Oktober 1925: äßen an G tuheim 1 W iedberg R 8- •ankfurt ab 75 » auseinander Die 25 g Palmin L W. ä uh erst beifällig auf. 1 P. Dr.Octkcr’sVan.-Zuck. | tfcfiärjen Modehaus Salomon, Gießen, Schulstraße Eine gute und doch billige Einen Wagen gutes lviefen-heu MhmaWm Pfentemärkie: 9187c 9192V zu kaufen gesucht. 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September enthält: Wahl der Stadtverordneten, der Gemeinderats-, der Kreistags- und Provinzialtagsmitglieder. — Errichtung einer Zwangsinnung der Spengler und Installateure für den Kreis Gießen. — Feldbereinigung Allendorf a. d. Lda. — Dienstnachrichten. Rian fragt sich nun im südlichen Hinterland: Warum soll diese Verbindung nicht weiter durchgeführt werden bis zu unfern Amtsstädtchcn Gladen bach? Früher brachte uns das zwischen Rodheim—Frankenbach verkehrende Post- wägelchen einigermaßen Gießen näher, leider hat die Post trotz wiederholter Bitten den Wagen eingehen lassen. Würde dagegen der Autoverkehr über „Eiserne Hand" vis Gladenbach fortgesetzt, dann kämen nicht nur Wilsbach, Roßbach, Riederweidbach, sondern auch Gemeinden des Kreises Marburg (Kirchvers, Rodenhausen) in bequeme Verbindung mit der Zentrale Gießen. (Wir empfehlen den maßgebenden Stellen diesen Vorschlag unseres Berichterstatters zur Beachtung. D. Red.) Frankfurt a. M, 1. Oft. (WTB.) 3m Industriehaus wurde ein Monteur bei Ausführung von Arbeiten an der Starkstromleitung durch den Strom getötet. Hochschulnachrichten. ][ Marburg. 30. Se.pt. Der a. o. Professor der Prähistorischen Archäologie an der hiesigen Universität, Dr. Phil. Walther Bremer, wurde zum Kurator der irischen Altertümer im Rationalmuseum zu Dublin ernannt. Der 1887 in Wismar geborene Gelehrte, der als einer der tüchtigsten jüngeren Archäologen bekannt ist, reiste gestern nach feinem neuen Wirkungskreise ab. — Am 1. Oktober ds. 3s. wird GcH. Rat Prof. Dr. Theodor Zincke 50 3ahre Ordinarius an der hiesigen Universität sein. Seit 12 3ahren lebt der jetzt 82 Jahre alte Gelehrte, unter dessen Amtszeit das neue Chemische 3n» stitut erbaut wurde, im Ruhestand. Kleider-Sch ürzen prima Zephir mit ’/a Acrmel modernste Kittelformen . Jumper- Schürzen allerbeste bunt bedruckte Satins, moderne Formen.. 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Oktober in der Zeit von 3—6 Uhr nachmittags an der Kaffe in der Vorhalle des Stadttheaters abiuholen. Tie zu zahlende erste Rate beträgt für: Profzeniumsloge, Rangloge und 1. Rang Voroerplatz.....25 JUC 1. Sperrfitz und 1. Rang Mitte . 20 „ 2. Sperrsitz und erster Rang Rück- Platz ............15 „ 3. Sperrsitz und 2. Rang Vorderplatz ...........10 „ 2. Rang Mitte ........6 „ 2. Rang Rückplatz.......5 „ Die Ausgabe erfolgt nur wie ange- gegeben; die am Dienstag, den 6. Oktober, abends 6 Uhr, nicht abgeholteu Abonne- ments sind verfallen. Da die eingegangenen Abonnements- Bcstellungen überaus zahlreich sind, konnte den von den Bestellern geäußerten Wünschen nicht in allen Tellen entsprochen werden, und eine Unterbringung von etwa 200 Abonnenten war nicht möglich. An diese erfolgt die Abgabe der bis zum 6. Oktober nicht abgeholten Abonnements am Donnerstag, den 8. Ottober, an derTheatcr- lafse in der Zeit von 10—1 Uhr norm, und 3—5 Uhr nachm. Gießen, den 3. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister. 9202B F. V.: Klingspor. Arbeitsvergebung. Tie nachstehenden Arbeiten und Lieferungen für den Anbau an die Bezirksschule an der Westanlage sollen Freitag, den 16. d. M., vorm. 10 Uhr öffentlich vergeben werden. I. Trägerlieferung, II. Spcnglerarbeiten, III. Dachdeckerarbeiten. Die Unterlagen liegen bei uns offen und sind Angebote auf Vordruck spätestens zum genannten Termin bei uns abzugeben. — Zuschlags frist drei Wochen. Gießen, den 1. Oktober 1925. Stadtbauamt. 9201B_______________I. V.: Grobe. Bekanntmachung. Die Lieferung von 200 Zentner Hafer und 20* Zentner drahtgepretztes Roggen« ob. Weizen stroh ist Hu vergeben. 9203C Bedingungen können bei der unterzeichneten Verwaltung eingesehen werden. Angebote sind bis einschl. 11. Okt. 1925 einzureichen. Zuschlagsfrist vier Tage. Verwaltung der Beterinärklmike«. Kartoffellieserung. Dür Lieferung von zirka 1500 Zentner Speisekartoffeln soll vergeben werden. Es kommen nur ausgelesene, gesunde .Industrie" in Frage. Die Bedingungen können am 5. und 6. Okktvber d. 3-, vormittags zwischen 9 und 12 Uhr hier eingesehen werden. Angebote, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind unter Anerkennung der Bedingungen bis zum Donnerstag. 8. Ottober I. FS., vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. Die Lieferung kann geteilt werden. Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, den 30. September 1925. Direktion 9176V Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen. Achtung! Mein diesjähriger großer Verkauf in bekannt gutem Ml- imö WWW findet morgen Samstag von 8 Uhr ab auf dem Brandvlatz statt. Als Tafelobst kommt tn Frage: Schöner von B oSkov.Ede!-Apsel,Gold- varmene, Herren - Apfel, Danziger Lrant, HarbertS'Nencttc, Holländische Renette, Landsbergen-Renetle.Renelte von Blenheim usw. 08028 Bitte deshalb meine über 60 Körbe kein sortierte-, ausgestelltes Obst auch ohne Kaufzwang besichtigen zu wollen. Krau Huhn, Steinstr. 70 SÄusnahiuetaga Bis einschl. Samstag, den 3. 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Bei den vorstehenden Notierungen ist zu berücksichtigen, daß die mit einem Stern versehenen Aktienwerte nur noch per Medio oder Ultimo gehandelt werden. * jiir, aber noch eine Ermäßigung der Maklercourtage, die im Juni erhöht wurde und deren Wiederermäßigung jetzt am Platze wäre. Der Geldmarkt hat sich nicht verändert. Tagesgeld 10 bis 11 Proz., Monatsgeld 10 bis 11* Proz. Int Devisenverkehr verzeichnete lediglich Oslo eine neue Befestigung auf 23,92 gegen London. Im übrigen hörte man Dortagskurse. Die Reichsmark notierte in London 20,35, Paris 5,03z, Amsterdam 59,21*. Frankfurter Abenbbörse. Frankfurt a. M., 1. Okt. Die Stimmung an der Abendbörse war bei lustlosem Verkehr und kleinster Geschäftstätigkeit erneut schwächer. Auch Anleihen gaben im Kurse nach. Die Abendbörse schloß in lustloser, schwächerer Haltung. Deutsche Anleihen: 5prozentige Reichsanleihe 0,232’ . Ausländische Renten : 4prozentige türkische Bagdad II. 7,05. Bankaktien: Commerzbank 94, (Medio), Darmstädter Bank 105 Med., Dresdner Bank 100 Med., Deutsche Bank 104,75 Med.. Mitteldeutsche Creditbank 93,25 Med., Reichsbank 134, Oester re ich ischo Kreditaltien 7,25. Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 66,50 Med., Harvener 101 Ried. Chemische Aktien: Badische Anilin 121,12, Rütgerswerke 70. Schiffahrtsal- tien: Rordd. Lloyd 65,50 Med. Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer 39,25, Hammerson Spimrerei 20, Junghans Gebr. 57,25, Lahmeyer 75, Frankenthalzucker 58, Offsternzucker 55. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Dilltonen Mort auSgebrüdt. BuenoS-AirrS, London, Neu« York, Japan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraph ische Auszahlung. flift M auf ei#«' I hebliche Komplexe, Warenbestände und Produktionsmittel und Anlagen. — In den Hauptversammlungen wurde berichtet, daß der Geschäftsgang beider Gesellschaften günstig sei, und daß die Umsätze eine erfreuliche Steigerung erfahren hätten. * Hugo Stinnes-Riebeck-Montan- und Oelwerke A.-G. Halle. In der Hauptversammlung wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1924/25 genehmigt, und zwar gegen 3 Stimmen einer kleineren Oppositionsgruppe. Danach wird der Reingewinnrest von 350 000 Reichsmark auf neue Rechnung vorgetragen. Die Firma wurde durch Beschluß geändert in A. Riebecksche Montanwerke A.--G. Halle. Der Aufsichtsrat, der in seiner Gesamtheit zurücktrat, wurde durch Wahl von 27 neuen Vertretern in seiner Zusammensetzung geändert. * Verlängerung der Geschäftsau fsicht bei der Aga. Nachdem die Gläubiger sich fast einstimmig für eine Verlängerung der Geschüftsaufsicht ausgesprochen haben, ist, wie der DHD. erfährt, von Gerichtsseite diese Verlängerung um 2 Monate festgesetzt worden. Man erwartet, daß in der nächsten Woche die Arbeiten der Treuhand-Gesellschaft beendet sein werden, und daß man dann über das evtl. Fortbestehen des älnternehmens entscheidende Beschlüsse fassen kann. Die zur vorläufigen Aufrechterhaltung der Agä notwendigen Betriebsmittel sind sichergestellt. * Konkursnachricht, äleber das Vermögen der Firma Metallwarenfabrik und Verzinkerei, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Groß-Zimmern wurde das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 28. Oktober beim Amtsgericht Dieburg anzumelden. Börsenkurse. '*■ m 2.5q k2.5q Stück 1.50 :hü|straße Berliner Dorfe. (Eigener Drahtbericht des «Gießener Anzeigers".) Berlin, 1. Okt. Das Ereignis des heutigen Börsentages war die Wiederaufnahme des offiziellen Effekten-Terminhandels, nachdem dieser seit nunmehr 11 Jahren ausgesetzt war. Mit dieser Maßnahme waren einige organisatorische Aenderungen in dec Maklergruppierung verknüpft, so daß bei Beginn des Verkehrs der Börsenbesuch sich zunächst mit den neuen Geschäftsusancen vertraut machen mußte, so daß die Effektenabschlüsse aus diesem Grunde gering blieben. Eine Belebung der Umsätze, wie Optimisten dies erwartet hatten, war aber nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil ist das Geschäft eher noch stiller geworden als bisher. Von dem Ultimo handel werden gegenwärtig 26 Papiere betroffen, darunter die wichtigsten Motan-, Elekiro-, Bank- und Schiffahrtsaktien. Für diese Werte genannte Kurse gelten künftig nur für das Medio- bzw. Ultimogeschäft. Die Tendenz war bei Eröffnung an den Aktienmärkten freundlicher. Auch heimische Anleihen waren bei etwas regeren Umsätzen befestigt. Anregend wirkte die nun doch erfolgte Ermäßigung der Bankprovision. Man vermißt Wirtschaft. Der deutsche gahlungsmittelumlaus. Der deutsche Zahlungsmittelumlauf hat sich int Laufe des Jahres 1925 allmählich vergrößert, jedoch nicht gleichmäßig und stetig. Die Entwicklung war vielmehr Schwankungen unterworfen, die durch den Geldbedarf der Wirtschaft hervorgerufen wurden: am Monatsende stieg die Geldmenge regelmäßig an, um dann in der Regel bis Mitte des nachfolgenden Monats wieder zurück- .zugehen. Vergleicht man aber den Zahlungsmitte l u m l a u f an den Altimotermi- n e n, also an den Monatsenden, so gewinnt mqn den Eindruck eirtcr ständigen Zunahme der Amlciufsm engen. Betrug doch der gesamte Umlauf an Zahlungsmitteln (Reichsbanknoten, Privatnoten, Rentenmark und Münzen) am 31. Dezember 1924: 4,27 Milliarden Reichsmark: am 28. Februar 1925: 4,39 Milliarden Reichsmark, am 30. April: 4.50 Milliarden Reichsmark, am 30. 3uni: 4,77 Milljcrden Reichsmark und am 31. August rund 5 Milliarden Reichsmark. Der Umlauf am 31. August 1925 setzte sich wie folgt zusammen: rund 2,59 Milliarden Reichsbanknoten, rund 1,71 Milliarden' Ren- tenbankscheine, etwa 183 Millionen Privatbanknoten und 509 Millionen Scheidemünzen. Die Frage erhebt sich nun: Ist der heutige Umlauf an Zahlungsmitteln durch die wirtschaftliche Läge gerechtfertigt und volkswirtschaftlich unbedenklich? Da wird man sich zunächst vor Augen halten müssen, daß sich in keinem Fall eine allgemein gültige Grenze ziehen läßt, die der Umlauf an Geldmitteln nicht überschreiten darf. Man wird in jedem Falle nur aus der Betrachtung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landes sich ein Urteil über die Berechtigung des Zahlungsmittelumfangs bilden können. Ein Hinweis darauf, daß in dem Deutschland vor dem Kriege mit seinem ungeschmälerten Gebietsstand und mit wachsender Produktion und lebhaftem Güterumsatz nur 6 Millionen Mark im Verkehr waren, wird an sich nicht die Behauptung begründen können, unser jetziger Zahlungsmittelumlauf sei in Anbetracht des verkleinerten Reichs- umfangs, der eingeschrumpften Produktton und des verringerten Güterumschlags zu hoch. Man muß vielmehr dabei auch berücksichtigen, daß das Gold, die Grundeinheit des Zahlungsverkehrs, sich im Verlauf der letzten 10 Jahre internattonal um annähernd ein Drittel im Wert vermindert hat. Daher wird auch der .Umlauf an Geldmitteln in Deutschland heute höher fein müssen, als man lediglich aus der Produktionsund Absatzlage Deutschlands schließen könnte, schon deshalb, weil er angesichts der starken Kapitalluappheit und der drückenden Kreditnot unerläßlich ist, um das ungestörte Weiterarbeiten der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen. Vor einer unverhältnismäßig großen Vermehrung des Zahlungsmittelumlaufs schützen im übrigen die stren- ten Deckungsvorschriften der Reichsvan k, die fordern, daß ausgegebene Reichsbanknoten zu 30 Proz. in Gold und zu 10 Proz. in deckungsfähigen Devisen gedeckt sein müssen. Dmse Deckungsvorschriften sind bisher streng inne» gehalten worden, und sie werden auch in Zukunft aufs genaueste beachtet werden. Das Deckungsverhältnis ist sogar bisher immer besser gewesen, als es das Reichsbankgesetz vorschreibt, weil der Goldbestand der Reichsbank sich erheblich vergrößert hat. Er betrug am 31. Dezember 1924: 759,6 Millionen Reichsmark, am 15. September 1925: 1144 Millionen Reichsmark überdies gibt die Organisation der Reichsbank und eine zielklare Reichsbankpolitik in jedem Falle die Gewähr für eine gesunde und stabile Währung und für eine dem Bedarf des deutschen Wirtschaftslebens angemessene Höhe des Geldmittelumlaufs. Kirche und Schule, e. Ridda, 1. Okt. In der jüngsten Versammlung des Bezirks-Lehrervereins Ridda legte Reltor Gatzert, Ridda, das Amt als Vorsitzender nieder, veranlaßt durch seine geschwächte Gesundheit und sein Alter, die ihm die rechte Ausübung des Amtes nicht mehr gestatten. Fast zwei Jahrzehnte hatte Herr Gahert das Amt mne und versah es mit größter Pflichterfüllung und voller Berufsfreude. In dieser Zeit war er vielen feiner Kollegen ein väterlicher Freund und Ratgeber. Seit langen Jahren ist er auch Obmann des Kreislehrervereins Büdingen, den er mit Umsicht und Tatkraft leitete. An seine Stelle als Bezirksobmann für den Lehrerverein Ridda wurde Lehrer Ganz, Ober-Widdersheim, gewählt. lg. Schotten, 1. Okt. (Kreislehrerkon- serenz.) Gestern tagte hier in der Turnhalle unter dem Vorsitze des Kreisschulrats Kinkel die amtliche Kreislehrerkonferenz. Im Mittelpunkte der Tagung stand ein Licht-- bildvortrag nebst Lehrprobe des Kreisschulrats Lorenz aus Lauterbach, der als Autorität auf dem Gebiete der pädagogischen Verwertung des Lichtbild- und Kinowesens anzusprechen ist. An Hand eines Kinoapparates, der auch feststehende Bilder in buntem Verein mit Lebebildern auf die Leinwand zu projizieren gestattet, und eines Leitzschen Epidiascopes suchte der Redner dem Thema seiner geographischen Lektion: „Eine Fahrt ins Wettersteingebirge und Besteigung, der Zugspitze" gerecht zu werden. Erzeigte, in welch vielseitiger Weise das diaskopische Lichtbild, wie auch das Lebebild dem älitterrichk dienstbar gemacht werden kann und denselben zu beleben imstande ist. Besonders wurden die Vorzüge des Epidiaskopes iirs Helle Licht gerückt, zumal es gestattet, Ansichtskarten, Duchillustra« tionen, Ausschnitte aus Karten, undurchsichtige Gegenstände usw. einem größeren Personenkreise vor Augen zu führen und so ziemlich unabhängig vom Diapositiv zu werden. Durch diese verhältnismäßig leichte und billige Dildbeschaffung gibt gerade die epidiaskopische Projektion die Möglichkeit, denselben Unterrichtsstoff von den verschiedensten Gesichtspunkten zu betrachten und ihn so zum geistigen Eigentum der Kinder werden zu lassen. Die von umfassender Fachkenntnis des Redners zeugenden Ausführungen sanden den lebhaften Beifall der Versammlung. In der sich anschließenden Diskussion sprach man eingehend über die verschiedenen Wege zur Apparat- und Bildbeschaffung. Es wurde beschlossen, einen vorhandenen stehenden Geldbetrag zur Anschaffung eines Epidiaskopes und einer größeren Anzahl von Lichtbildern anzuwenden, die dann leihweise kostenlos den einzelnen Schulen des Kreises zur Verfügung stehen sotten. Rach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten, u. a. der Wiederwahl der Lehrervertreter im Kreisschulamt, fand die äußerch anregend verlaufene Tagung ihren Abschluß. tinbet uberläfRge sicher 1 eingestellt. olaus, (Ziehen ^nsgeschäst, 9191h lt= und Luruöivaien m L November gesichi, y Käuferinnen per I licht. Rassen | Schwaben ■ Läuse i Flöhe ■ ganzen ■ Bänse ■ Latten ■ Dinol $t03.wy E,n=" *nfeir * Weiterer Rückgang der Groß- handels-Richtzahl. Die auf den Stichtag des 30. September berechnete GrohhandelS- Richtzahl des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stand vom 23. September (124,9) um 0,6 vorn Hundert auf 124,1 zurückgegangen. * Rütgers-Wer ke A.-G. -Deutsche P e- troleum A.-G. -Deutsche Erdöl A.-G. In den Generalversammlungen der Deutsche Petroleum A.-G. und der Rütgers-Werke A.-G. wurde die Aufhebung des zwischen beiden Unternehmungen bisher bestehenden Jnteressengemeinschaftsvertrages genehmigt. Wie bereits angekündigt, tritt an die Stelle der bisherigen Jnteressengemeinfchft ein noch innigeres Verhältnis, das durch Einbeziehung der Deutschen Erdöl A.-G. eine bedeutende Erweiterung erfährt. Der Schwerpunkt des neuen Zusammenschlusses liegt in der Deutschen Petroleum A.-G., die sowohl von der Deutschen Erdöl A.-G., als auch von den Rütgers-Werken alle Unternehmungen übernimmt, die reine Petroleumgeschäfte führen. Auf der anderen Seite wird dagegen die Deutsche Petroleum A.-G. ihrerseits eine ganze Reihe von Beteiligungen an die Rütgers-Werke abtreten, und zwar solche Unternehmen, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Petroleumgeschäft stehen. Auch die Deutsche Erdöl A.-G. (DEÄ) wird also an die DPAG. ihre Petroleumproduktions-, Handels- und Transportgesellschaften übertragen. Sie erhält dafür von der DPAG. einmal die 11 Millionen RM. neuen Stammaktien, um die die DPAG. von den Rütgers-Werken aus deren Beständen als Abgeltung für die von der DPAG. an die Rütgers- Werke abgeftoßenen Beteiligungen überwiesen werden. Reben der Kapitalserhöhung um 11 auf 35 Millionen RM. wird die DPAG. auch eine Emission von insgesamt 4,5 Millionen RM. Genußscheinen vornehmen, die zu % an die Deutsche Erdöl und 8U •/g an die Rütgers-Werke übergehen. 9m übrigen werden die DEA und die Rütgers-Werke in eine besondere Holding-Gesellschaft 75 Proz. des Kapitals der DPAG. einlegen. Beide Gesellschaften werden in diesem Holding-Unternehmen je zur Hälfte beteiligt fein. Die künftige Hauptgesellschaft, die DPAG., wird nach Durchführung der Transaktion etwa 55 Tochtergesellschaften besitzen, außerdem er- ätiler Woche ein- I M 40 Pf. 10 M' orueheilung. eibeteii WMW lMcringe 3 isie Norweger Live > 3 2tüa ca •/, M . finite Norweger 'tüt 6a H c MM ,27 Feruivr. 1631 (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 1. Oft. Es wurden notiert: Weizen Wetterauer 22,75, Roggen, inL 17,50, Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 26,50, Hafer, inländ. 19,50 bis 20,50, Mais (gelb) 20. Weizenmehl, inländ., Spez. 0 37 bis 37,50, Rog- genmehl 25,50 bis 26, Weizenkleie 10, Roggen- lleie 10. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtbiehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 1. Oft. Auftrieb: 32 Stück Rinder, darunter 14 Ochsen, 1 Dulle, 17 Färsen und Kühe; 695 Kälber, 900 Schafe, 988 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 85 bis 90, mittlere Mast- und beste Saugkälber 75 bis 84, geringere Mast- und gute Saugkälber 65 bis 74; Schafe: Mastlämmer und Mast- hämmel 50 bis 55, geringere Masthämmel und Schafe 40 bis 48, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 25 bis 39; Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 90 bis 93, unter 80 Kg. 80 bis 89, von 100 bis 120 Kg. 92 bis 96, von 120 bis 150 Kg. 92 bis 96. Marktverlauf: Kleinvieh lebhaft gehandelt, norddeutsche Mast- kälber über Rotiz. Schweine gedrückt und Hefter* stand. Berliner Produktenbörse. (Berlin, 1. Oft. Der Produktenmarkt hatte ruhiges Geschäft, bei wenig veränderten Preisen. Das heutige Inkrafttreten der Einfuhrscheine machte sich kaum bemerkbar. Cs notierten pro 1000 Kg.: Weizen (märk.) 200 bis 204, Weizen (Oktober) 219 bis 220.50, Weizen (Dezember) 225 bis 225.50, Weizen (März) 230, Roggen (märk.) 145 bis 148, Roggen (Oktober) 158 bis 158.50, Roggen (Dezember) 167 bis 168, Roggen (März) 173 bis 175, Gerste (märk.) 206 bis 230, Futtergerste 169 bis 174, Hafer (märk.) 172 bis 178, Hafer (Oktober) 171, Hafer (Dezember) 182.50, Hafer (März) 188; für je 100 Kg.: Weizenmehl 27 bis 30.75, Roggenmehl 21.50 bis 23.50, Weizenkleie 9.80 bis 10, Roggenkleie 8.75 bis 9, Viktoriaerbsen 26 bis 31. Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 23 bis 26, Rapskuchen 15, Leinkuchen 21.50, Trockenschnihel 11.20, Tors- melasse 8 bis 8.20. Kartoffelflocken 15.60 bis 16, Zucker 20. _______________Datum: 5% Deutsche Rcichsanlcihe . 4% Deutsche Ncichsanleihc . 37a% Deutsche Rcichsanlcihe 3% Deutsche RcichSanleihe . Deutsche «sparprämicnan leihe 4% Preußische Konsols . . . 4°/o Hessen 3V2% Hessen y/0 Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Ank. dto. Doll.-Schay-Anweisng.*) 4°/o Zollturken......... 5% Goldmerikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pnvat-Bank Darmst. und National!)ank . Deutsche Bank........ Deutsche Bcreinsbank .... Disconlo Coonnandit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Ocste^eichische Creditanstalt. Wcstbank Bochumer Guß ....... Buderus. . ......... Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . aener Bergbau vcrke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. .... Laurahütte . . » Oberbedarf ........ Phönix Bergbau ...... Rheimtahl Ricbcck Montan ....... Tellus Bergbau ....... Hamburg-Amerika Paket.. . Norddeutscher Lloyd . . ... Cheramische Werke Albin . . »Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Hottmann ..... Anglo-Cont -Guano ..... Badische Anilin..... .. Chemische Mayer Alavin ♦ . Goldschmidt .. Griesheimer Electron . • .» Höchster Farbwerke ..... Hottvertohluug Nütgerswcrkc . ....... Scheideanstalt ....... Zllg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamlrastwerke ....... Schuckert . Siemens & Halske ...... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligenstaedt. . ..... Mcguin........... . Motorenwerke Mannb^m . Frankfurter Armawren . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellichaft Fraukfutt. Set. Union A.-G. r...... chuhsabrik Herz...... Sichet..... Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 30 Septbr. 1. Oktbr. Amtliche Nokt.rung Amtliche Notierung Geld Bries Geld Bries Amst.-Non. 168.6a 1119,11 168.64 169,06 Buen.-AireS 1.700 1,701 1.701 M07 Brss.-Antw IS,57 18,61 18,83 18,85 Ehristianta. 83,89 84,11 85,14 85,66 Kopenhagen 101, 2 101,78 101,52 101,78 Stockholm . 112,6« 112,94 112,61 112,92 HelsingforS- 10,56 10,60 10,56 10,60 Italien. . . 17,08 17.11 17,03 17,0. London. . 20,318 20,366 20,3 8 20.368 Nenyork . . 4.195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . 19,88 19,92 19,87 19,91 Schweiz . . 80 96 81,16 80,93 81,13 Spanien. 60,22 60,38 60,17 60,34 Japan . . . 1,719 1,72 t 1,717 1,721 Mio de Jan. Wien in D-- 0 585 1.587 0.585 0,587 Ceft. abgest. 59,20 69,34 59,20 69,3d Prag .... 12.42 12,46 12,42 12,46 Belgrad . . 7,425 7,44i 7.44 7,46 Budapest. . 5,875 5,8'5 5,872 5,882 Bulgarien . 3,065 3,075 3,065 3,075 Lissabon 21 075 21,125 21.075 '.0,125 Danzig. . . 80 61 80.81 80.61 80.81 Konstantin. 2,325 2,335 2,325 2,335 . Athen. . . 6 11 6.10 6.14 6.16 Canada. . . 4,197 4,207 4.197 4.207 Uruguay . . 4,185 1.195 4.19 4,20 Frankfurt a.M. Berlin Schlich» fiur» Sd)lu6ft. AbcnS- tSrie Schluß. Rurs Schluß Mittaq linrl« 39. 9. i la | 30. 9. 1 10 0.2375 0 2325 J 2375 0.24 — — 0,290 0.2975 0.3 0,245 0,285 0,29 0,45 0,430 0.450 ti.455 — 0,13 0.1475 0.1425 0.275 0.27 0.275 0,2725 — — 0,275 0.27 — — 0,27 0.26 — 0,25 0,27 0 27 90,25 90.25 91,75 91.75 95,35 95.25 95,25 95 3 7,62 8,9 7,7 7,8 — 40 — — 124.5 123.75 124,5 125* 94,75 94* 94,75 95* 106.25 1U5* 106,75 105* 107 104,7* 59 107 105* 58 102 101 102 101,5* 77,5 78 — 93,5 93,25* 93.5 93,5* 7,4 7.25 7,40 7.1 0.028 0,028 — 0,03 — — 67,75 66 13* 46,75 46 5 47 46,9 39.25 39,25 39,5 40,5* 68 66.5* 68.4 70,75 71* 71 70,75* 102 101* 100 25 101,5* 116,. 116 5 116,1 114,25 124,5 124,5 18.7 • 8,1 36.75 36.5 37,8 35,1 50 5 50,25 50,6 1 75 70,5 73" 55,5 55, 5 55.6 55.75- 74.75 74,75 74,13 75,5 68.25 60 — 59 51.75 59.5 60,25* 64,75 65,5 65,13 67,13* — — _ 65 65,25 — — 55,1 55,1 55 56,25 — — 94,13 96,5 121, 121,13 121 25 121,25 68,5 67.5 68,75 68 117,4 117.25 117,5 116.75 117 118 117.5 117,25 55 55 — 72,25 70 <2.5 70,1 93 — 93,5 93,75* 93 92.25* 72.5 73 73 72.5 77 77 — 61.5 62 61.5 61,75* — 76 76 76* 40 39,25 39.5 39,25 39.2 39,7a 40 39 28 28 — — 36 36 35,5 36 — — 49 — 0,3 0.3251 — — 100 99,751 _ _ 62 91.5 60.25 60,25 — 27 31.75 30 4,1.3 4,5 4 4 87 86 87,4 85 58.1 58 ■— 56 65 55,5 55 Berlin, 1. Oktbr. Geld Brief Amerikanische Noten . . . .. >,19 4,21 Belgische Noten . ....... Dänische Noten ...... 18,73 101,25 18,77 101,75 Englische Noten ....... 20,286 20,386 Französische Noten ...... Holländische Noten...... 19,89 168,28 19 99 169,12 Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., ä ioq Kronen Rumänische Noten...... 17,11 17,19 85,49 85.91 59,00 59,30 Schwedische Noten...... 112,32 80,83 »0,10 12,885 112,83 81,23 60,40 12.445 Schmetter Noten ....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... 5.83 5,87 I|ahmd X faittetgXekfi Herbst- und Winter-Neuheiten v in verbürgt guten Qualitäten und Ausführungen für Herren, Jünglinge und Knaben sind in unerreicht großer Auswahl ▲ in verbürgt guten Q eingetroffen. 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