Dienstag, 1. Dezember 1925 175. Jahrgang Nr. 281 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vruck und Verlag: vrühl'jche Univerfitätt-Vuch- und Stcinöruderei B. Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*/, mehr. Thefrebakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Vlumschcin; für den Anzeigenteil Hans Iüstcl, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Die deutsche Delegation in London. Don Painleve zu Briand. Herr Briand hat gerade nur eben Zeit gehabt, sein neues Kabinett vereidigen zu lassen, und mußte dann zur Unterzeichnung der Locarno-Verträge nach London fahren. . Er will aber schon am Mitt ro-o ch wieder in Paris sein, da er sich dann der Kammer v o r st e l l e n muß und endlich mit der außenpolitischen Rede zu Rande kommt, die er eigentlich schon Ende Oktober halten wollte. Es ist vielleicht mehr als ein Zuasll, daß derselbe Herr Briand, der gestürzt wurde, als in Cannes zum erstenmal die Möglichkeit eines europäischen Friedens am politischen Horizont erschien, wieder Ministerpräsident wird, wo diese Hoffnungen greifbare Gestalt annehmen können. Auch für Frankreich bedeutet dieser Weg von Briand zu Briand, der über Poincarö, Herriot und Painleoö führt, eine starke innerpolitische Wandlung, die, wenn sie nicht durch Einflüsse von außen her unterbrochen wird, der Zuversicht der deutschen Delegation in ihrer Erwartung auf kommende sehr weitgehende Rückwirkungen Recht geben dürfte. Fraglich aber bleibt doch noch, ob und wie lange Briand sich am Ruder wird halten können. Die Klüse hat fast eine ganze Woche gedauert, Painleve, Doumer und sogar Herriot versuchten sich vergeblich an der Bildung eines Kabinetts, bis Briand, der vorher schon einmal den Auftrag zurückgegeben hatte, den zweiten erfolgreicheren Versuch unternahm. Sein Kabinett ist stark links betont. Die charakteristischste Persönlichkeit ist zweifellos der Finmrzminister Lou- cheur, der hinter den Kulissen dauermd eine große Rolle gespielt hat. Er schloß als Münster mit Rathen au das Wiesbadener Ab- k o m in e n rmd fuhr im vergangenen Jahr nach London, um Herrn Herriot klar zu machen, daß die Konzessionen, die er Deutschland geben könnte, abhängig seien von dem Entgegenkommen, das England auf dem Gebiete der Schulden den Franzosen zeigte. Lind weil auch Macdonald auf diesem Ohr taub blieb, war schließlich Loucheuo die Veranlassung, daß die Räumung der Ruhr bis zum 15. August 1925 hinausgeschoben wurde. Der Loucheur von heute soll allerdings in erster Linie bas Finanzproblem lösen, was ja überhaupt wohl die erste und gefährlichste Aufgabe des Kabinetts Briands ist. Was man von Loucheur weih, geht in der Richtung, daß er den Llmweg über eine neue Inflation nehmen will, um der Staatskasse zunächst einmal Luft zu schaffen, daß er dann aber darangehen will, die laufenden Anleihen zu fundieren und gleichzeitig einen großen Spar- topf zu schassen, aus dem heraus die Verzinsung und Amorti'cuion dieser Anleihen sicher- gestellt ist. Der Spartopf selbst soll gespeist werden durch erhöhte Abgaben vom Einkommen und Vermögen. Das Projekt, das Loucheur verfolgt, bas also die Inflation durch Inflation austreibt, ist ein sehr gefährliches Er - p e r i m e n t, an dem sich die Sozialisten nicht beteiligen wollten. And das ist das zweite Charakteristische dieses - achten! - - Kabinetts Briand. daß die Sozialisten weder aktiv noch passiv daran beteiligt sind. Sie bleiben im Schmollwinkel, und die Entwicklung muß dahin führen, daß sie über kizrz oder lang in einen ausgesprochenen Gegensatz zu dem Kabinett Briand gedrängt werden. Man kann deshalb auch andersherum sagen, daß das Kabinett Briand das Ende des Linksblocks bedeutet; bedeutet allein durch die Schuld der Sozialisten, die zunächst von aller Verantwortung frei bleiben wollten, dann plötzlich die ganze Macht für sich beanspruchten und noch in der vergangenen Woche Herrn Herriot, der mit ihnen durch dick und dünn ging, zum Verzicht aus die Kabinettsbiloung zwangen, weil er nicht in der Lage war, die Machtan- sprüche zu befriedigen, die von ihnen gestellt wurden. Auch die große Koalition in Frankreich geht unhaltbar ihrem Ende entgegen. Herriot hätte sie noch aushalten können, allerdings auf die Gefahr hin, dah er darüber in einen Konflikt mit dem Staat geriet. Die Sozialisten wollten aber auch mit ihm arbeiten und sind jetzt in die Opposition gedrängt. Die Persönlichkeiten, die Briand zur Mitarbeit heranzog, sind zwar alle politisch so eingestellt, daß sie mit den Sozialisten arbeiten könnten. Das Programm aber, das sie verfolgen, wird weder aus finanzpolitischem noch aus innerpolitischem Gebiet den Sozialisten gefallen. Denn Briand hat als einen der wichtigsten Punkte seines Programnrs die Wahl- ref orm angekündigt, die Rückkehr zu den alten Arrondissement-Wahlen, die auch äußerlich das Ende des Wahlkartells zur Folge haben müßten. Es wird deshalb wohl kaum lange dauern, bis die Gegensätze zwischen Briand und den Sozialisten so stark werden, daß sie zum unheilbaren Bruch führen. Briand hat deshalb auch schon, seine Mehrheit nach rechts verlängert. Er verfügt über etwa 280 Stimmen, mehr als genug, um auch ohne die Sozialisten sich halten zu können, falls nicht etwa vom linlen Flügel der bürgerlichen Gruppen größere Teile absplittern. Iedensalls ist die Zeit des Kartells vorüber, «s fragt sich nur, Briand stark genug ist, sich mit Hilfe der linken bürgerlichen Parteien zu halten, ober ob er nur, waä für uns wegen ber anderen Interpretation der Locarno-Verträge vom Hebet fein könnte, als Wegbereiter für einen neuen Poincare arbeitet. DaS ist wegen der finanziellen Bedingtheiten Frankreichs Amerika gegenüber zwar nicht wahrscheinlich, ober doch immerhin möglich. In der britischen Reichshauptstadt haben sich die Loconto-Delegationen aufs neue getroffen, ihre Zusammenkunft gilt aber nicht nur der Unterzeichnung des von ihnen am Lago maggiore geschaffenen Vertragswertes, sie steht noch unter einem anderen Zeichen, nämlich dem, die nächsten Etappen bei; europäischen Befriedung schon hier in London zu erreichen. Dazu gehört, was selbstverständlich ist, die Beseitigung des ernstesten Friedenshindernisses am Rhein. Die Delegationen dürsten zwar wegen der Feierlichkeiten wenig Zeit zum Konferieren finden, es sind aber wieder die wichtigsten Persönlichkeiten der einzelnen Außenministerien mitgefahren, was schon eine Gewähr dafür sein dürfte, daß man noch einmal die Fragen der Besatzungs- Minderung bzw. früheren Räumung der zweiten und dritten Zone, der Militär kontrolle und der Luftfrei- h e i t durchsprechen wird. Belgien und England haben es sich nicht nehmen lassen, für eine „freundliche Atmosphäre" zu sorgen: die Brüsseler Regierung hat alle Contumacialverfahren endgültig niedergeschlagen, das britische Kabinett hat den Abtransport der .Kölner' Garnison nach Wiesbaden bereits sichtbarlich in die Wege geleitet. Inzwischen sind in Berlin die Vertreter der Regierungsparteien zusammengetreten, um an die Regierungsumbildung heranzu- gehen. Vom Zentrum aus wird bereits Propaganda für eine Locarno-Koalition gemacht, womit vorläufig nur ein schönes Schlagwort gefunden worden ist, aber auch nichts weiter. Wenn man sich nämlich diese Locarno-Koalition bei Licht betrachtet, entpuppt sie sich als die «große Koalition. Damit will die Deutsche Volkspartei nichts zu tun haben, aber auch die Sozialdemokraten haben bereits ein Haar in der Suppe gefunden. Diese Fühlungnahme dürfte mit der Einsetzung eines Ausschusses enden, dessen Aufgabe eZ sein wird, die Möglichkeiten einer Llmbildung zu studieren. Praktisch bedeutet das eine Verlängerung der Lebensdauer des jetzigen Kabinetts bis in den Ianuar hinein, zumal ja auch fesksteht, daß der Reichspräsident den Kanzler erneut mit der Bildung der Regierung beauftragen will. Die Ankunft der deutschen Delegation. Besprechungen mit Vandervelde. London, 1. Dez. (TU.) Die deutsche Delegation hat die Ueberfahrt Ostende—Dover und die Fahrt zur Victoria Station in London gemeinsam mit dem belgischen Ministerpräsidenten Vander- velde und dem Staatssekretär R o l l i n zurückge- leat. Ferner befand sich an Bord ein Detachement britischer Truppen, die aus Köln abtransportiert wurden. Die Ueberfahrt nach London verlief nicht nur bei schönstem Wetter, sondern auch in voller Harmonie. Vandervelde gab dcr deutschen Delegation ein Mittagessen, bei der sich Gelegenheit zu einem ersten Meinungsaustausch über die Erleichterungen des Besatzungsregimcs und die Abrüstung ergab. Auf der Victoria-Station hatten sich schon lange vor der um 4.30 Uhr erwarteten Ankunft der deutschen Delegation zahlreiche Zuschauer und Vertreter der Presse eingefunden. Der Sonderzug hatte jedoch Verspätung und lief erst um 5.15 Uhr auf dem Bahnhof ein. Inzwischen waren als Vertreter der englischen Regierung Außenminister Cham- b e r I a't n und der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Sir William T y r e l l, ferner der deutsche Botschafter Dr. S t h a m e r und der belgische Botschafter Baron M o n ch e u r erschienen. Die deutsche Delegation befand sich im ersten Wagen des Sonderzuges und als erster entstieg der Re i ch s k a n z 1 e r Dr. Luther, der von Chamberlain aufs Herzlichste begrüßt wurde, dem Zuge. Rach kurzen Gesprächen mit den deutschen Delegierten eilte Chamberlain nach dem zweiten Wagen, wo inzwischen Vandervelde und die übrigen belgischen Delegierten auf dem Bahnsteig erschienen waren. Dann bildeten sich auf dem Bahnsteig zwanglos zusammenstehende Gruppen. Man bemerkte u. a. die hohe Gestalt Lord d'A b e r n o n s , des englischen Botschafters in Berlin. Der deutsche Botschaftsrat D u s our- F e r o n c e war der Delegation gestern früh nach Dover entgegengereist. Rach der Begrüßung begaben sich die Delegierten zu den Wagen und fuhren in ihre Hotels. Chamberlain war die Liebens- mßrdigkeit selber. Er strahlte über das ganze Gesicht als er die einzelnen ihm bekannten Herren begrüßte. Zum Abendessen waren die deutschen Delegierten bei dem deutschen Botschafter ein- geladen. Briand und Benefch in London. Paris, 30. Aov. CSU.) Ministerpräsident Briand ist heute mittag in Begleitung Berthe 1 o t s nach London abgereist. Auf dem Bahnhof waren die Kabinettsmitglieder und verschiedene Botschafter zur Begrüßung erschienen. Man bemerkte u. a. den tschechischen Außenminister Dr. Bene sch, der mit seiner Gattin in demselben Zug nach London fährt. Die Rückkehr Briands ist für Mittwoch nachmittag 3.25Uhr vorgesehen, also eine halbe Stunde vor Zusammentritt der Kammer. Man befürchtet, dah, wenn die schlechte Witterung anhält, eine Verzögerung in der Rückreise des Ministerpräsidenten eintreten wird. Briand traf abends 7.35 Uhr in Begleitung Berthelots in London ein. Mit demselben Zuge traf auch Dr. Benesch ein. Briand wurde am Viktoria-Bahnhof von Austen Chamberlain, Sir William Ty- re l l, Lord C r o w e. dem englischen Botschafter in Paris und dem französischen Botschafter in in London, Grafen de Fleuriau, empfangen. Um 8.30 Uhr begab sich Briand in Begleitung Berthelots auf die französische Botschaft, wo ihm zu Ehren ein Essen gegeben wurde. Briand erklärte einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, es sei die größte Genugtuung feines Lebens, den Vertrag von Locarno im Geiste gegenseitigen Vertrauens und gegenseitigen Wunsches zum Frieden zu unterzeichnen. Briand drückte seine Zuversicht aus, daß nunmehr für Europa eine neue Epoche beginnen werde, daß die Wunden des Krieges nunmehr geheilt werden könnten und gesunde Zustände in Europa wiederhergestellt werden würden. Dr. Benes ch erklärte: In meinem Lande wurde das Locarnoabkommen mit Zufriedenheit von der ganzen öffentlichen Meinung auf genommen. 3m Parlament wurde es von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten angenommen. Ich unterzeichne also mit der ungeteilten Z u - stimmung meiner Landsleute, ausge- nunmehr sich ihren inneren Angelegen- bebeutet, daß nunmehr die ganze europäische Politik, auf zwei Ziele zusteuert: 1. müssen wir möglichst rafch zu einer Einigung mit Rußland kommen; 2. müssen alle Länder West- und Mitteleuropas epischließlich Polen und der Tschechoslowakei nunmehr sich ihre ninneren Angelegenheiten widmen, da die wichtigsten äußeren Fragen jetzt geregelt sind. Das Programm des Unterzeichnungsaktes. London, 1. Dez. (TU.) Die Unterzeichnung der Verträge von Locarno wird heute vormittag in hem sogenannten goldenen Empfangs- saal des Foreign Office stattfinden, der in vergangenen Zeiten bereits mehrfach Zeuge bemerkenswerter historischer Versammlungen und Handlungen gewesen ist. Um 10 Uhr treten Beauftragte der Signatarmächte zur Prüfung der Vollmachten der Delegierten zusammen. Um 11 Uhr beginnt die feierliche Handlung der Unterzeichnung der Verträge. Die Delegierten nehmen an einem großen, mit grünen Tuch bedeckten Tische in der Mitte des Raumes Platz. Die Verteilung der Plätze ist dieselbe wie in Locarno. Am oberen Ende der Tafel sitzt Premierminister Baldwin als Führer der örtlichen Delegation, zur Rechten des Außenministers Chamberlain. Die übrigen Delegierten gruppieren sich in folgender Reihenfolge: Frankreich, die Tschechoslowakei,,Polen, Belgien, Deutschland und Italien. Hinter den Tischen sitzen die diplomatischen Vertreter der Signatar- möchte, die britischen Botschafter in Paris, Berlin und Brüssel, die Mitglieder des britischen Kabinetts und die Hohen' Kommissare der britischen Dominions. Nach Eröffnung der Sitzung teilen die Rechtsbeiräte des Foreign Office mit, daß die Vollmachten der Delegierten geprüft und für gültig befunden worden sind. Darauf wird Chamberlain den Delegierten vorschlagen, die ve fchiedenen Verträge zu unterzeichnen. Der gegenteilige Sicherheitsvertrag wird von öen Bevollmächtigten in der Reihenfolge des französischen Alphabets unterzeichnet werdcm. Für Großbritannien ' erben Baldwin und Chamberlain unterzeichnen. Sie werden dabei eine traditionelle Feder in Form eines Gänsekiels benutzen. Danach werden die Schiedsverträge unterzeichnet werden. Reben die Unterschriften der Delegierten werden die Staatssiegel gedrückt. Darauf folgt die Lleberreichung der verkündigten Kollektivnote über die Auslegung des Artikels 16 des Völkerbundpaktes an die deutsche Delegation und die Unterzeichnung der Verträge zwischen Frankreich und Polen und Frankreich unb^ der Tschechoslowakei burch die Vertreter dieser Staaten. Rach der Unterzeichnung werden die Delegationsführer kurze Ansprachen halten. In jedem Vertrage ist vorgesehen, dah er ratifiziert werden soll, und daß die Ratifi- kationsurkunden beim Völkerbund in Genf niedergelegt werden sollen. Es ist ferner vorgesehen, daß die unterzeichneten Originalverträge ebenfalls beim Völkerbund niedergelegt werden, der den Dertragsmächten beglaubigte Abschriften ausfertigen soll. Rach der Unterzeichnung des Paktes werden Dr. Luther und Dr. S t r e fe m a n n sich im Du ck i n g h ' m - P a 1 a st einschreiben. Dann werden sie das Frühstück bei Chamberlain einnehmen. Auße rb?n übrigen Unter- Zeichnern werden an diesem Frühstück neben arideren Damen auch die Gemahlin des Premierministers und das Parlamentsmilglied Lady Astor teilnehmen. Rach dem Empfang der Delegierten durch den König folgt eine Besprechung Dr. Luthers und Dr. Etresemanns mit Briand. Morgen nachmittag werden die beiden Führer der deutschen Delegation bei Ram- sah Macdonald den Tee einnehmen. Ferner werden, wie schon bekannt, die Delegierten im Lancaster-House von Chamberlain imb morgen abend in Downing-Street von Baldwin bewirtet werden. Chamberlain Ritter des Hosenbandordens. London, 30. Roo. (WB.) Der König hat Chamberlain zum Ritter des Hosenbandordens ernannt und der Gattin Chamberlains das Großkreuz des Britischen Reichsordens verliehen. Der 1350 von Eduard 111. gestiftete Hosenbandorden (Order of the Garter) ist der höchste und berühmteste britische Orden. Der Gründung des Ordens liegt solgende Sage zugrunde: Auf einem Balle verlor die Gräfin Salisbury, die Geliebte Eduards III. ihr linkes blaues Strumpfband. Der König hob es auf und rief aus: „Honi foit qui mal y pense!" (Schande dem, der Schlechtes dabei denkt.) Der Köng soll dann den Hosenbandorden mit diesem Motto gegründet haben, das unter den Ordensinsignien auf blauem Band unter dem linken Knie getragen wird. Die anderen Insignien sind ein breites Band, von der linken Schulter zur rechten Hüfte mit der Figur des heiligen Georg in Gold und Brillanten, ferner ein achteckiger silberner Stern auf der linken Brust. Der Orden st die höchste Aufzeichnung des Britischen Reiches. Beginn der Räumung Kölns. Köln, 30. Roo. (MTV.) Der Abzug der englischen Truppen aus Köln hat heute offiziell seinen Anfang genommen. Ein kleiner Trupp von etwa 100 Mann ging heute vom Kötner Hauptbahnhof nach England zurück. In aller Stille wurde ein weiterer kleiner Transport auf dem Güterbahnhos Gereon zusammengestcUt, dcr morgen früh etwa 220 Mann nach Wiesbaden bringen soll. Bezeichnend für den Räumungsbeginn ist die Tatsache, dah bereits in der Rächt vom Samstag zum Sonntag mit dem Abtransport von Lin- richtungsgegenständen begonnen wurde. Ueberhaupt ist bemerkenswert, dah die Vorbereitungen zum Abtransport hauptsächlich in der Nachtzeit ober den frühen Morgenstunden durchgesührt werden. Wie von maßgebender Seite verlautet, bereitet die Stadt Köln eine Befreiungsfeier vor, bei der man auf die Anwesenheit des Reichspräsidenten hofft. Einstellung der KonLumazial- verfahren in Belgien. Berlin, 30. Nov. (Wolff.) Die hiesige belgische Gesandtschaft teilt mit: Die deutsche Regierung ist durch die belgische Regierung benach- richtig! worden, daß der Beschluß gefaßt worden ist, die in contumaciam noch schwebenden gerichtlichen Verfahren für Verbrechen oder Delikte, welche durch Deutsche in Belgien während des Krieges begangen sein sollen, nicht weiter zu verfolgen. Dieser Beschluß ist wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten in bezug auf gerichtliche Verfahren, welche in contumaciam nach vielen Jahren für die begangenen Taten verfolgt werden und wegen der hohen Kosten dieser Prozesse, die keinen praktischen Wert darstellen, gefaßt worden. Die belgische Regierung ist außerdem der Meinung, daß' nach der Konferenz von Locarno die Weiterverfolgung derartiger Prozesse unnützerweise ein Hindernis für die zu wünschende Beruhigung zwischen beiden Ländern bilden würde. Oie deutschen lftiegerg aber in Zrankreich und Belgien. Berlin. 30. Rov. (WTB.) Heber ben Zustand bet beutschen Kriegergräber in Frankreich und Belgien erfährt bas WTB. von zu- stänbiger Stelle folgendes: 3n Frankreich sind bis jetzt rund 400 000 Gräber, d. h. drei F ü n f - t e 1 alter auf französischem Boden befindlichen Grabstätten deutscher Kriecer durch den Direktor deö Zentra lnachweisamt es für Kriegerverluste und Kriegergräber, Geh. Oberregierungsrat Horning, besichtigt worden. Die Besichtigung hat ergeben, daß die französischen Stellen erhebliche Anstrengungen gemach! haben, die vertragsmäßige Verpflichtung zur Unterhaltung der Gräber ^u erfüllen. Die französische Gräberverwaltung unterhält nicht nur die von deutschen Truppen angelegten Friedhöfe, soweit sie nach den Hmbcttungen bestehen geblieben sind, sondern sie läßt sich auch tbie Pflege der von ihr neu geschaffenen Sammelfriedhöse und Friedhofserwciterungen angelegen fein. Dabei verfolgt sie den Grundsatz, daß die deu tschen Friedhöfe in gleicher Weise wie die französischen inst andgesetzt werden. Dah die von den Franzosen angelegten Sammelfriedhöfe, auf denen fortgesetzt raxf) neue Beisetzungen stattfinden, zur Zeit noch einen kahlen, unserem Empfinden nicht entsprechenden Eindruck Hervorrufen, war nach Lage der Dinge nicht zu vermeiden. Deutscherseits ist ab r der Wunsch ausgesprochen worden, daß auf bieten neuen Anlagen möglichst bald die Grabstätten mit Efeu und die Friedhofsanlagen mit einigen Bäumen bepflanzt werde--. Rach dieser Richtung hin liegen bereits gewisse Zusagen des französischen Oräbet- dtenstes vor, deren 'Bestätigung durch die französische Regierung die Herstellung eines würdigen Zustanbes der deutschen Fried» Höfe gewährleisten würde. Verhandlungen hierüber sind im Gange. Auch in Belgien ist nunmehr der größte Teil der deutschen Kriegerfriedhöfe durch Mitglieder der deutschen Gesandtschaft in Brüssel besichtigt worden. Dabei ergab sich, daß der überwiegende Teil der Gräberanlagen zu wesentlichen Ausstellungen keinen Anlab bietet. Insbesondere sind die von deutschen Truppen im Etappengebiet angelegten schönen Friedhöfe fast durchweg unversehrt erhalten. Roch nicht befriedigend ist hauptsächlich der Zustand der im Gebiete der flandrischen Kampfzone gelegenen Grabstätten. Verhandlungen, die auf eine durchgreifende Besserung in dieser Hinsicht abzielen, sind eingeleitet. Die KommunalWahlen in Preußen. In ganz Preußen, mit Ausnahme von Grob- Berlin. fanden am Sonntag dw Wahlen zu den Provinzial-Landtagen und den Kreistagen statt. Die Wahlbeteiligung hat durchaus nicht der Bedeutung entsprochen, die diese Körperschaften einmal für den Gang der Verwaltung in den Provinzen und Kreisen, andererseits aber auch für die Gesetzgebung Preußens haben. Äird diese Bedeutung kann sich in Zukunft noch mehr steigern, wenn erst der vorgesehene Ausbau der Provinzialantonomie mehr in Erscheinung treten wird. Die Hauptbedeutung der Provinziallandlage besteht jetzt vor allen Dingen darin, daß der Preußische Staatsrat aus Vertretern der Provinzen besteht, die vom Provinzialparlament gewählt werden. Da in Preußen weiter d.e Hälfte der Acichsratsvertreter durch die Provin- zialausslyüsse bestimmt werden, sind sie auch nicht von unerheblichem Einfluß auf die Zusammensetzung des Reichsrates. Der Versuch der Parteien, diesen Wahlen einen politischen Anstrich zu geben, hat die Wahl- nrüdigkeit selbst durch zündende Parolen nicht überwinden können. Die Wahlbeteiligung hat an feinem Ort 50 Proz. wesentlich überschritten, in den meisten Bezirken war sie sogar vrel geringer und lag etwa bei 30 Prozent. In Trier konnten überhaupt nur 21 Proz. der Wahlberechtigten an die Urne gebracht werden. Die bisher vorliegenden Resultate lassen im wesentlichen schon erkennen, daß sich die Linksparteien: im allgemeinen im Rahmen der schwachen Wahlbeteiligung gehalten haben, besonders die Kommunisten und diese scheinbar noch auf Kosten der Sozialdemokraten. Die stärkere Wahlbeteiligung bei diesen Parteien scheint doch darauf zurückzuführen zu sein, daß es ihrer Wahl- provaganda gelungen ist, die Anhänger von der Bedeutung für die künftigen Geschicke Preußens zu überzeugen. 1 Die Wahlbeteiligung der bürgerlichen Parteien war sehr gering, geringer als man eigentlich nach Locarno erwartet hatte. Die Verluste dieser Parteien sind sehr erheblich, sie sind zum Teil bis auf ein Sechstel ihres bisherigen Standes zusammengeschmolzen. Lediglich die Wirtschaftspartei, die Haus- und Grundbesitzer, ver- mochten sich einigermaßen zu halten. Im allge- wird man also damit rechnen können, daß viele Körperschaften über eine sozialistisch-kommunisttsche Mehrheit verfügen werden. Obwohl man kaum mit einem einheitlichen Zusammenarbeiten der beiden Linksparteien zu rechnen haben wird, werden die bürgerlichen Parteien die Interessen- -losigkeit ihrer Wähler schwer büßen müssen, wenn es nicht gelingt, alle Splitterparteien unter einen r Hut zu bringen. Ob das bet den großen Fragen, die sich auf den preußischen Staat beziehen, nun ' der Fall sein wird, dürste nach den Erfahrungen . doch recht fraglich sein. Die Wahlergebnisse in Hessen- Nassau. Kassel, 1. Dez. (TU.) Die Provinz Hessen- 'Nassau zerfällt in die zwei Regierungsbezirke K a \- s e l und Wiesbaden, die beide zum Kommu- nallandtag gewählt haben. Beide Kommunallandtage bilden zusammen den Provinzial- l a n d t a g. Regierungsbezirk Kassel: Soz. 1U6 635, Bereinigte Rechte 109103, Zentrum 51543, Demokraten 18 462, Kommunisten 22 234 Stimmten. Regierungsbezirk Wiesbaden: Soz. 93 940, Deutschnationale Bolkspartei 16547, Deutsche Dolks- partei 19 175, Zentrum 69 288, Demokraten 16 736, Kommunisten 19 556, Wirtschaftspartei 40 724, Arbeitnehmer 6921, Kreisarbeiter 1135, Schutzverband 1145, Soz. Arbeitnehmer 853, Unabhängige 1248, Wirtschaftliche Vereinigung 1458, Arbeitsgemeinschaft 43 993. Der Kommunallandtag im Regierungsbezirk Kassel setzt sich wie folgt zusammen: Hessen- Rassauische Arbeitsgemeinschaft 15 Sitze, Sozial- demoftalen 15. Zentrum 7, Demokraten 3, Kommunisten 3, zusammen 43 Sitze. Bisher setzte sich der Kommunallandtag aus 20 Vertretern der Deutschna ionalen, der Deutschen Volkspartei und der Völkischen, die sich diesmal zur Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, ferner 19 Soz'a'demck a'.en, 7 Zentrumsleuten, 4 Demokraten und 1 Kommunisten zusammen. Die Zusammensetzung des Kommunallandtags des Regierungsbezirks Wiesbaden wird wie solgt sein: Sozialdemokraten 16, Kommunisten 4, Demokraten 3, Zentrum 12, Deutsche Volkspartei 3. Deutschna tonale 3, Hefsen-Rafsauische Arbeitsgemeinschaft 8, Wirtschaftspartei 3, zusammen 52 Abgeordnete. Die Provinz Hefsen-Rassau deckt sich mit dem preußischen Land agswah'.k.eis Hessen - Ra sau. Bei den letzten Landtagswahlen im Dezember 1924 wurden hier abgegeben: Sozialdemokraten 366 253, Deutschnationale 214192, Zentrum 197 755, Demokra en 96 945, Kommunisten 63 689, Deutsche Vollspur,ei 145 001, Völkische 27 710, Wirtschaftspartei 26 201 Stimmen. Der Provmzial!andtag der Rhemprovmz. ’ Düs s eldo rf, 30. Rov. (TU.) Bei den Wahlen zum Provinziallandtag wurden insgesamt 1,73 Millionen Stimmen abgegeben. Rach der Zahl der Wahlberechtigten, die rund 4,6 Millionen betrug, haben noch nicht ganze 50 Prozent der Wähler ihrer Wahlpflicht genügt. Bon den rund 1,73 Millionen Stimmen entfielen auf das Zentrum 767 123 (1 354 367). Sozialdemokraten 251 609 (452 596), Deutsche Bocks- Partei 16.' 9.27 (307 538), Deutschnationale 173 804 (351 543), Kommunisten 192 142 (408 741), Demokraten 38 568 (132 386), Bund für Aufwertung 57 075 (2 628), Christlich-Soziale 16 383. Deulich- Bölkische 12189 (29 631), Polen 4 430 ( 5 923), 05au- em und Winzer 21 206 (14 215), Sparerbund 19 603, Unabhängige Sozialdemokratische Partei 2 763 (11 471), Wirtschaftspartei 55 092 (74 048). Im neuen Provinziallandtag werden sich die Sitze etwa wie folgt verteilen: Zentrum 73 (73), Sozialdemokraten 24 (31), Deutsche Volks- parteil6 (20), Deutschnationale 16 (14), Kommunisten 18 (14), Demokraten 4 (5), Sparbund 2, Bauern und Winzer 2, Wirtschaftspartei 5. Die übrigen Parteien haben kein Mandat erlangt. Der letzte Provütziallandtag umfaßte 159 Sitze, während der neue 163 Abgeordnete haben wird. DerVergleichmitdenholMMmt Das Ergebnis der Vermögeusans- einaudcrsetzuttg. Berlin, 30. Rov. (WTD. Amtlich): Die Arbeiten im preußischen Finanzministerium an dem Vergleich der Staatsregierung mit dem ehemaligen Königshaus sind abgeschlossen. Angesichts der Tatsache, daß phantastische Ziffern über diesen Vergleich im Umlauf sind und weiter angesichts der für Dienstag zu erwartenden Reichstags de batte seien hier die wichtigsten zahlenmäßigen Angaben des Vergleichs gegeben: Rach dem vergleich soll der Staat erhalten: Die Äronschlösser mit dem historischen Mobiliar und den Werten, die Kunstwerke in den Berliner Museen und die Schack-Galerie in München, die K r o n i n s i g n i e n, die Verfügung über das Hohenzollern-Museurn, die Hausbibliothek und das Hausarchio nach Maßgabe besonderer Bestimmungen ,die Theater mit dem Theaterfundus, 111 000 Morgen Land und Forst, de Hausgrundstücke in Berlin und Potsdam mit einigen Ausnahmen, ferner die Kronfideikommißrente. Das vormalige Königshaus soll erhalten: Einzelne Schlösser (das Palais Kaiser Wilhelms I. und das Niederländische Palais, Bellevue und Babelsberg), einzelne Hausgrundstücke, das Gebrauchsmobiliar und den Familienschmuck, den restlichen Land- und Forstbesitz (rund 290 000 Morgen) und 30 Millionen Reichsmark. Die 30 Millionen entsprechen etwa dem Werte des dem Staate zufallenden Grundbesitzes (Güter, Forst- und Nutzgrundstücke). Das preußisch: Finanzministerium hat sich, nachdem die Richtlinien vom Staatsmiilisterium gebilligt waren, zu diesem Vergleich entschließen müssen, weil das Reich bisher den Ländern eine Ermächtigung, die V. e ' :seinanbersetzung unter Ausschluß des Rechtsweges gesetzlich zu regeln, nicht gegeben hat, und weil andererseits angesichts des bisherigen Verlaufs der Prozeßführung die Entscheidung über die Auseinandersetzung den ordentlichen Gerichten nicht überlassen bleiben konnte. Der Fall Schillings. Eine Erklärung des Intendanten. Berlin, 1. Dez. (TU.) Herr von Schillings übergibt eine Erklärung der Oeffenttichkeit, in der es heißt: Der Kultusminister hat einer Konferenz der Pressevertreter ein Anklagematerial oorgelegt, das schwerwiegende Anklagen, die zum Teil auch meine persönliche Ehre berühren, enthält. Es ist dasselbe Material, das der Kultusminister mir im Frühjahr dieses Jahres mündlch zur Kenntnis brachte, es aber nach langen Erwägungen fürzu leicht be- fand, um mir sein Vertrauen zu entziehen. Es ist dasselbe Material, von dem ich erklärte, es fei so schwerwiegend, daß die formlose Zurücknahme der Vorwürfe seitens des Herrn Ministers mir nicht genügen könne, sondern daß es nun Gegenstand einer regulären Untersuchung gegen mich sein müsse. Man hat mich wissen lassen, daß man geneigt sei, den übereilten Schritt meiner'fristlosen Entlassung, die als unhaltbar erkannt worden ist, z u r ü ck z u n e h m e n unter Umständen, die für mich ehrenvoll sein sollen. Ich muh ein solches Kompromiß ab lehn en und auf vollständige Klärung aller Vorwürfe und aller mit diesen Vorwürfen und Anklagen zusammenhängenden persönlichen und sachlichen Fragen dringen. Seit Ausbruch des Konfliktes bin ich Zielpunkt aufrichtiger Wünsche und Sympathiekundgebungen aus allen Teilen Deutschlands geworden. Ich würde dieses Vertrauen nicht in der richtigen Weife lohnen, wenn ich nicht entschlossen wäre, ganz ohne Rücksicht auf mein persönliches Wohl und Wehe der Oeffentlichkeit Rechenschaft darüber zu geben, welche persönlichen und sachlichen Mißstände mich schließlich zwangen, in den Kampf um meine von mir als gut erkannte Sache einzutreten. „Wahre Kultur"! Berlin, 30. Nov. Nach einer Meldung des „Verl. Tagebl." aus Bozen ist dort eine Verordnung erlassen, nach der der W a l l h e r p l a tz , auf dem das Denkmal Walthers von der Vogelweide steht, in „Platz des Königs Viktor E ma n » e l" umbenannt wird. In der Begründung wird gesagt, es bestände fein Anlaß, in der italienischen Stadt Bozen einen Platz nach einem deutschen Dichter zu benennen. Die Bewohner von Südtirol hätten allen Grund, dem König von Italien dankbar dafür zu sein, daß er ihnen „Freiheit und wahre Kultur" gebracht habe. Die Wirren in China. Paris, 30. Rov. (WB) Havas berichtet aus Peking, Marschall Tschangtsolin sei der meuternden Truppen von Mukden wieder Herr geworden. In P e k i n g hätten die Kommunisten die Häuser des Polizeipräfekten und des Finanzministers, der ebenso wie der Innenminr- sler ins Diplomatenviertel geflüchtet sei, geplündert. Die Kantontruppen näherten sich Kuang Tscheuan. Dorthin sei ein französisches Kriegsschiff angegangen. Rei Tsinanfu fand ein heftiges Gefecht zwischen den Truppen Tschangtsolins und den Truppen von Honan statt. Letztere wurden geschlagen. Mine politifdje Nachrichten. _Tf. hessischen Landtag hüben die Abg. Kaul (Soz.) und Reiber (Dem) folgende Anfrage eingebracht: Die Pressepolemik, die sich an die Ernennung des Prof. D r. Goldstein angeknüpft tat, macht es wün- schenswert, den Sachverhalt einwandfrei aufzuklaren. Wir fragen deshalb an: Rach welchen t Geftchtspuntten ist die Berufung Prof. Dr. Gold- I steins erfolgt? 1 In der Zeit vom 1. bis 15. Rovember 1925 ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der E r w e r b s l o s e n f ü r s o r g c von 364 000 auf 471 000, d. h. um rund 29,5 Prozent gestiegen. Die Steigerung ist an sich beträchtlich, doch darf nicht überfein werden, daß dieser Zunahme eine ungewöhnlich starke Abnahme der Erwerbslosen im Frühjahr gegenübergestanden hat. Die gegenwärtige Ziffer liegt nicht wesentlich höher als diejenige vom 15. Rovember vorigen Jahres (426 000) und entspricht fast genau der Ziffer vom 15. Oktober vorigen Jahres (472 000). Der deutsche Reichskommissar Freiherr Langwerth v. Simmern stattete dem Oberkommissar der Rheinlandkommission Tirard einen Besuch ab, den dieser bald darauf erwiderte. Der Reichskommissar reist jetzt nach Spanien, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Die geschäftlichen Beziehungen mit der Rheinlandkommission wird in der Zwischenzeit Ministerialrat Geh. Regierungsrat Graf A d e l m a n n ausüben. ZchMre ZchkagMtiereWlosion. Auf den Zechenanlagen „L o t h r i n g en IZH“ in Gerthe bei Bochum hat am 30. Rovember, mittags am Ende der Mittags- s ch i ck) t eine Explosion stattgesunden,, durch die vier Bergleute getötet und dreizehn verwundet wurden, von denen sich fünf Mann in Lebensgefahr befinden. Die Explosion ist anscheinend eine Schlagwetterexplosion gewesen. Die Enlzündungsursache ist noch nicht einwandfrei feflgesiellt worden. Die betreffenden Strecken waren durch Gest eins ft aubspecren gesichert. Diese Gesteinslaubstchertmg Hal ein Uebergreisen der Explosion auf den Kohlenstaub verhindert und sie nach verhällnismähig kurzem Verlauf abgelöscht. Weiters Leute sind nicht in Gefahr. Die betroffenen Baue sind wieder befahrbar. Die bergbehördliche Untersuchung ist im Gange. Reben dem günstigen Wirken der Gesieinsstaub- sicherung ergab sich der günstige Umstand, daß die Explosionsgase durch die S ch a ch t l ü f t u n g in der fünften Sohle, in der sich das Unglück ereignete, unverzüglich nach dec vierten Sohle abzog und dort durch die Schachtlüflung ausgefühct wurden. Die Zechenarlagen von „Lothringen" find modern aus- gebaute Schächte, die in den letzten Jahren feit 1912 von jeglichen Unglücksfällen verschont waren. Das leßke Unglück forderte im Jahre 1912 80 Opfer. Die Zeche fördert Fettkohle und ist in vollem Betrieb. Aus aller Wett. Auf dem Meere erfroren. Rördlich des Leuchtfeuers Augustenhof bei Rorburg an der schleswigschen Küste wurde ein Doot an Land getrieben, in welchem sich die erstarrten Körper zweier Knaben befanden. Sofort angefteHte Wieder- bekebungsvers uche waren erfolglos. Die beiden Knaben, die von der Insel Fühnen stammen, waren zum Fischfang aufs Meer hinausgefahren und dabei vom Schneesturm überrascht worden. Durch ein notlandendes Flugzeug getötet. Ein Sport-Flugzeug, das von Darmstadt nach Böblingen fliegen wollte, wurde durch Schneegestöber von der Richtung abgedrängt und muhte bei Würzburg notlanden. Dabei wurde ein Mädchen getötet und das Flugzeug zertrümmert. Die Insassen sirrd anscheinend nicht verletzt. Wettervoraussage. Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, Niederschläge. Das englische Fallgebiet ist langsam in östlicher Richtung weiiergezogen und liegt heute über Mitteleuropa. Die vorausgesehene Milderung unserer Witterung ist inzwischen cingetreten und wird morgen noch anhalten, um dann später bei neu einsetzender nördlicher Luftströmung erneuter Abkühlung zu weichen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,4 Grad Celsius, Minimum: minus 1,9 Grad Celsius. Niederschläge 4,3 Millimeter. (Schneedecke 1.2 Zentimeter.) Heute morgen: 2,0 Grad Celsius. Aus der ProvinMlhaupWdt. Gießen, den 1. Dezember 1925. Dom Tabakbau in Hessen. Rach einer jetzt von der Zentralstelle für die Landesstatistik veröffentlichten Aufstellung hat im Jahre 1924 die Zahl der T a b a k p f l a n z e n in Hessen gegenüber dem Vorjahre ftarf abgenommen. Die Abnahme ist darauf zurückzuführen, daß sehr viele Pflanzer, die für ihren eigenen Hausgebrauch Tabak pflanzten, den Anbau eingestellt haben und ihren Bedarf nunmehr wieder aus dem regulären Handel decken. Im allgemeinen wurde Pfälzer und in geringem Umfang auch Amersforster und Gunditabak eingebaut. Der Ausfall der Ernte war befriedigend. Soweit der gewerbsmäßig angebaute Tabak nicht in Herstellungsbetrieben Hessens Verwendung fand, ging er hauptsächlich nach Baden. Die erzielten Durchschnittspreise für 100 Kilogramm sind: Obergut 74—125 Mk., Sandblatt 80 bis 140 Mk., Grumpen 25—50 Mk. Die meisten Tabatpflanzer sind in den südlichen Gebieten der Provinz Starkenburg und in der Gegend von Worms: andere Gebiete fallen nicht ins Gewicht. Die Zahl der Tabakpflanzer ist von 2342 im Jahre 1924 auf 1565 zurückgegangen. Die mit Tabak bepflanzte Fläche umfaßte 1924 29 977 Hektar und 1923 27 983 Hektar: der Anbau hat also, trotz der Abnahme der Tabakpflanzer, zugenommcn. Die Menge des geernteten Tabaks betrug in durchreistem Zustand 522 363 Kg. (1923 468 211 Kg.). Tabater- zeugnifse und Halberzeugnisse wurden wegen des hohen Zolles nur m vereinzelten Fällen in ganz geringen Mengen, die nicht in Betracht kommen, in Hessen eingeführt. Die Ausfuhr von Tabakerzeugnissen war sehr gering. Infolge der hohen Preise für gute Erzeugnisse und wegen der von den einzelnen Ländern eingeführten hohen Zölle sind deutsche Erzeugnisse auf den ausländischen Märkten nur wenig gesucht. Die Nachfrage nach Pfeifentabak hat sich verringert. Zum Teil ist eine Zunahme der Zigarettenherstellung auf Kasten der Zigarrenher- fielhmg beobachtet worden. Im Laufe des Jahres 1924 ist in Hessen eine 'Anzahl von ^Betrieben abge- melbct worden. Diese Abmeldungen wurden durch Neuanmeldungen großenteils wieder ausgeglichen. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Zigorrenher- stcllungsbetriebe von durchweg feinerem Umfange. Erweiterungen von Großbetrieben auf Kosten der mittleren und kleineren Betriebe haben nicht stattgefunden. Die Biererzeugung in Hessen. Die Hessische Zentralstelle für die Landesstatistik gibt jetzt die Ziffern über die Biererzeugung und die aSierbefteuerung im Freistaat Hessen während des Jahres 1924 bekannt. Hiernach hat die Biererzeugung gegen das Vorjahr (1923) wesentlich ju genommen. Diese Mehrerzeugung ist auf den erhöhten Verbrauch, der durch die bessere Beschaffenheit der Biere veranlaßt wurde, zurückzuführen. Es wurden nur untergärige Biere hergestellt, und zwar hauptsächlich Voll- und Starkbier und in geringem Umfange auch Schankbier. Das letztere hatte einen Stammwürzgehalt von 8—9 Proz., das Vollbier 10—14 und das Starkbier über 14 Proz. Zn einem Hektoliter Schankbier wurden durchschnittlich 12 Kg., zu einem Hektoliter Vollbier 18 Kg. und zu einem Hektoliter Starkbier 25 Kg. Gerstenmalz verwendet. Der Weingeistgehalt beträgt für Schankbier 2 Proz., für Vollbier 3 Proz. und für Starkbier 4 bis 5 Proz. Edlere oder besondere, unter einem eigenen Namen bekannte Biere wurden nicht hergestellt. Die Durchschnittspreise der Biere bei Abgabe aus der Brauerei betrugen für ein Hektoliter Schankbier 25 Mk., Vollbier 30 bis,40 Mk. und Starkbier 45 bis 60 Mk. Die Aussche^.kpreise der Wirte bewegten sich zwischen 5 und 12 Pf. für 0,1 Liter. An Braustoffen sind verwendet »orben 122 497 Doppelzentner Malz und 1938 Doppelzentner Reisgrieß. Am Schlüsse des Rechnungsjahres 1924 waren in Hessen 5 2 Brauereien vorhanden (ohne Hausbrauer), und zwar in den Hauptzollamtsbezirken Darmstadt 17, Offenbach 10, Gießen 10, Mainz und Bingen 10, Worms 5. Es sind 804 704 Hektoliter Bier erzeugt worden, 767 918 Hektoliter wurden versteuert, 12 645 Hektoliter wurden ausgeführt, 13 553 Hektoliter als Haustrunk abgegeben und 10 589 Hektoliter an französische Militärkantinen abgegeben. Die Biersteuer erbrachte einen Ertrag von 4 220149 Mk. in ganz Hessen. Geflügel- und BriefLauben- AussteAung. zr. Der Geflügel» und Vogelzuchtverein Gießen und Umgebung 1897 hielt am Samstag und Sonntag auf der Liebigs- höhe eine Lokalschau für Geflügel und Brieftauben ab. Die Veranstaltung, nur von Gießen und Amgegend beschickt, legte Zeugnis ab von Zuchterstreben und Züchterkönnen. Sicher ist, daß ein Züchter ohne Ausstellungen gar nicht auskommen kann. Will er doch seine eigene Züchtung bewertet wissen und am dargebotenen sonstigen Ausstellungsgeflügel urteilen, wie der Fortschritt der Züchtung überhaupt ist. Die Zucht muß dauernd verbessert werden, denn nur tadurch läßt sich der Rutzwert der ©eflügelraffen heben, ilnö darauf kommt es an. Richt etwa sportlichen Interessen sollen solche Schauen dienen. Für jede Hüh-nerrasse ist ein bestimmter Standard zugrunde gelegt, eine Richtschnur, die bei jeder Rasse klar und deutlich angibt, wie die Tiere beschaffen sein sollen. Er gibt das Zuchtziel an, das erreicht werden soll. Für jede Rasse ist der Standard ein anderer. Auf der Ausstellung ist reichlich Gelegenheit zur Prüfung und zum Llrteil gegeben. MM itr Biimeraöen Wl! Daß bei einer Ausstellung von über 500 Stück, eng begrenzt durch einen kleinen Ausstellungsbezirk, nicht alles erstklassig und vollwertig sein kann, liegt auf der Hand. Aber dennoch war das hier ausgestellte Material durchweg gut, vielfach sogar hervorragend. Es ginge zu weit, an dieser Stelle all die Rameir der Züchter anzuführen, welche mit Anerkennung und Preisen bedacht wurdem Besonders gut abgeschnitten hat das Institut für Tierzucht Hardthof-Gießen und Herr Helmold in Ban- tarn. Die Zahl der ausgestellten Hühnerrassen war reichlich. Die alten deutschen Rassen wie Rheinländer. Hambur er Italiener, heute gerne Cdelleghuhn genannt, in rebhuhnfarbig, silber- halsig und schwarz, ostfriesiscke SiWermöven waren nebst fremden, nun aber längst eingebürgerten Rassen, wie Brahma, Wyandottes, Sussex, Rhodeländer, Plymouth Rocks. Minorka, Phönix, amerikanischem Leghorn und Bantam vertreten. Auch die noch verhältnismäßig wenig verbreitete Züchtung der Aeichshühner war durch die ausgestellten Tiere des Vereinsvorsihenden Funk vertreten und mit Ehrenpreis bewertet worden. Gerade die Reichshühner, die man zu Beginn des Jahrhunderts überhaupt noch nicht kannte, und erst in mühevoller Zücht ungsarbeit heranentwickelte, sind eine kräftig entwickelte, mit- telschwere Rasse, die, soweit dies überhaupt in einer Rasse möglich ist, Fleisch- uird Eierproönk- tion in sich vereinigt. Geradezu reizend muß die muntere Schar der ausgestellten kleinen Zwerghühner genannt werden. Deren Zucht scheint gerade in der Stadt, wo es gar zu vst um den Raum zur Haltung großer .Mhnerrassen schlecht bestellt ist, Fortschritte zu machen. Die allerliebsten kleinen Dinger legen freilich kleine Eier, sind aber dennoch sehr wirtschaftlich. Sie sind sparsam im Futter, dennoch fleißige Leger, brauchen wenig Platz. Wws an Wassergeflügel und Truthühnern ausgestellt war, kam leider weniger zur Geltung Die Käfige dieser Tiere standen zu ebener Erde, und so erschienen die schönen, Enten unscheinbar und selbst die Truthähne in ihrer majestätischen Pracht konnten nicht zur vollen Geltung tommeiL An Tauben konnte man _ wiederum ganz prächtige Schläge sehen, sie füllten allein 300 RuMmerv. Da waren Brieftauben in 5 Klassen ausgestellt, je nach der Reise, die sie schon hinter sich hatten, von über 500 Kilometer bis über 100 Kilometer, und die Iungmannschaft der ungereisten Tauben, die ihre Leistungsfähigkeit im Fluge durch da3 unsichere Reich der Lüfte noch zu erbringen haben. Wenn bei der Geflügelschau gar mancher Züchter seinen Fleiß belohnt iah und sich Lorbeeren für seine Zuchtergebnijse holte, so soll es nicht nur ihm und auch seinen weniger erfolgreichen Mitbewerbern ein Ansporn zu neuem Tun sein. Die Ausstellung erfüllt erst dann ihren Zweck voll und ganz, wenn weitere Kreise für die Geflügelhaltung gewonnen werden. Hoffentlich Hai die Schau auch nach dieser Richtung hin recht anregend gewirkt. * ** D i e Reichsindexziffer für d i e Lebenshaltungskosten im November. Die Neichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten ist nach den Feststellungen des Statistifchen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats November mit 141,4 gegenüber dem Vormonat (143.H) um 1,5 v. H. zurückgegangen. Der Rückgang ist auf das weitere Nachgeben der meßen Lebensmittelpreise in der ersten Monatshälfte ztirückzusührcn. a. M. im «W Uhren- und Goldwarenhaus 20-25 Prozent Rabatt Bahnhofstraße 49 Die Serien umfassen: Moderne Wanduhren,Küchenuhren,Wecker,Tischuhren,Taschenuhren, Gold-und Silberwaren i «amm Glaste. Wort legte, wozu dann Verwendung von 2ln- Unterstützung durch den man nun auch den Saft» die manuelle Betätigung wert auf das gehörte allmählich durch die fchauungsmaterial die Gesichtssinn trat, will und Muskel'inn durch larer Male bierungra über, di zu dem : Dptitmc. c schwers Not unseres Volkes. Im obersten Stock- roerl c unter vielem anderen eine tadellos ein- g«richtete Bauernküche und Bauernstube mit schönen alten Möbeln und Gebrauchsgegenständen. In einem großen Glasschrank sehen wir Bauern- siguren in hoctiseinen ländlichen Trachten, Hochzeitskleid usw. Behaglich eingerichtete Barock- und Biedermeierzeit lassen einen gewissen Neid erstehen. Alles in allem ein Werk, auf das Wetzlar und seine Bewohner in hohem Maße stolz fein können. Möge die Bürgerschaft recht reichlich aus seinem Inhalt lernen. Nach Schluß des Einweihungsaktes begaben sich die Teilnehmer in die Räume des Hotels Herzogliches Haus, wo die Stadt ihren Gästen Kaffee und Kuchen reichen ließ. Hier hieß Bürgermeister Dr. Kühn die Erschienenen nochmals herzlich willkommen und erstattete erneut den Dank der Stadt an alle die ab, die ihre Kraft zum Gelingen des Werkes gegeben hatten. Als Vertreter der Gaste sprach bann Stubienbirektor Ringel in herzlichen Worten den Dank aller derer aus, die an der historischen Feier teilnehmen dursten. Im weiteren Verlauf des Beisammenseins wurden noch manche dankbare Reden gehalten. _____________________ schossen, die Kopfsteuer im neuen Bezirksjahr von 60 Pf. auf 1,20 Mk. zu erhöhen: sie ist nur von aktiven Mitgliedern zu zahlen. Als Entschädigung wurden für den Geschäftsführer 600 Mk. eingesetzt. Die nächsten Meisterschaften sollen nach folgendem Modus ausgetragen werden: An der Vorrunde nehmen zunächst die Verbandsmeister (Nord, Süd und Brandenburg), sowie der Altmeister teil. Die beiden Sieger bestreiten sodann das Endspiel. Falls die Altmeister zugleich Landesverbandsmeister ist, nimmt er eo ipso an der Endrunde teil, und die beiden anderen Landesmeister aualisizieren sich in einem Vorspiel für die Entscheidung. Der nächste Verbandstag findet im Avril 1926 in Hannover statt. Gleichzeitig wird dort auch das Entscheidungsspiel um die deutsche Meisterschaft aus- getragen. Die Festsetzung für die Termine der drei noch ausstehenden Repräsentantivspiele wurde dem neugewählten Vorstand überlassen. Zum Schluß gab Professor Ullrich- Heidelberg noch einige Regeländerungen bekannt, die demnächst den Vereinen im Druck zugehen. Das aus Anlaß der Tagung angesetzte Rugby- Repräsentativspiel zwischen Nord- und Südbeutschland fiel infolge der schlechten Witterungsverhältnisse aus. Dafür land am Vormittag zwischen dem Turnverein 60 Frankfurt und Wacker München ein Freundschaftsspiel statt, das 0:0 endete. Wacker hatte bereits am Samstag in Aschaffenburg gegen die dortige Viktoria gespielt und 8:0 gewonnen. Formen mit Ton, und empfahl besonders den Ton aus Homberg dafür. Im 2. Schuljahr tritt das ma- lende Zeichnen mit Hilfe des Buntstiftes dazu. Alle Fächer bieten Gelegenheit für diese Betätigung. Mit dem 3. Schuljahr beginnt das Kleben mit Buntpapier. Es steht im Dienste der Geschmacksbildung des Kindes und soll durch die ganze Schulzeit hindurch geführt werden. Auch das Falten gehört hierher, mit ihm kann schon auf der Unterstufe begonnen werden. Anfangs hat es den Charakter des Spieles, pätcr tritt es in den Dienst des Unterrichts . Schulrat Fischer dankte den beiden Rednern und gab selbst noch einige praktische Winke für die Anwendung des Gehörten. Der nächste Punkt der Tagesordnung beschäftigte ich mit den Mädchenfortbildungsschulen. Es gilt, die immer noch bestehende Gegnerschaft durch positive Leistungen zu besiegen. Dahin gehört vor allem die Einführung der 17jährigen in die Geheimnisse der Kochkunst. Bei gutem Willen der Beteiligten wird es schon möglich sein, daß jedes Mädchen an diesen Unterricht — teilweise durch Zusam- mcnlegung mehrerer Orte — teilnehmen kann. Sodann wurde der Versammlung eine Reihe wichtiger Mitteilungen gemacht: 1. Dr. Se 11 aus Lindenfels, der Leiter der Lungenheilanstalt, will in ganz Hessen Vorträge über die Tuberkulose und ihre B e - f ä m p f u n g halten und erbittet dafür die Unter- tützung der Lehrerschaft. Ebenso will Dr. Orth, )cr neue Amtsarzt in Gießen, über die G e - chlechtskrank heilen sprechen. Die Versammlung begrüßt beide Absichten. 2. Da sich das 3 u g e n b f e st immer mehr zu einem Volksfest entwickelt, bat der Vorsitzende, es in dieser Weise weiter auszugestalten. Ab Ostern 1926 gilt der 1. Mai als Stich- tag für bie Schulaufnahme. 4. Die Anlage von Babeeinrichtungen in jedem Dorfe wird bringend empfohlen. 5. Die Lehrer müssen den Schulaborten erhöhte Aufmerksamkeit widmen und dürfen nicht dulden, daß diese wochenlang nicht gereinigt werden. Damit schloß der Vorsitzende die Versammlung und übertrug den Vorsitz an Lehrer Sommer- Lang-Gön?, den Vorsitzenden des Kreislehrervereins. Es galt, die Mitglieder der Kreisschul- kommission und ihre Ersatzmänner zu wählen. In einer Versammlung am Dienstag im Gasthaus „Hindenburg" in Gießen hatte man sich auf die alten Mitglieder: Sprengel- Bellersheim, Rausch- Reiskirchen und Zöller- Hausen geeinigt. Als Ersatzmänner wurden Keller- Lollar und Schmitt- Hungen vorgeschlagen. Die heutige Wahl geschah schriftlich und geheim. Das Ergebnis wird später bekanntgegeben. An die Versammlung schloß sich ein einfaches Mittagessen an. Bezirk Lich-Hirirgerr. : Hungen, 28. Rov. Hier fand heute die Amt tliche Herbstkonferenz für die Lehrer des Bezirks Lich-Hungen statt. Nachdem der Vorsitzende, Kreisschulrat Fischer, in der üblichen Weise d"s Ablebens des verdienten Lehrers Graulich- Rieber-'Dessingen gedacht hatte, wurde in zwei Referaten der Hauptpunkt der Tagesordnung, der Werkunterricht, behandelt. Zunächst gab Lehrer Meckel- Lich eine psychologische Degrünoung desselben. Während die alte Schule den Haupt- «k .6eÜen. ? im S4'“.«ung 924 Cft»' 9e9'n basV'er- 'n men D*)lcti merh; Siele b«r SifcUt b,n nur ^nbÄfall»on Wolltet VJj'J'er ZU einem frtbl,r für iöolfi^fr11 ' ^l-re •«hÄ Worms 5. Es fin! f ®orfr 761918 ÄA'tOliter w' et Qk 4austnmk ob- lani Hessen, neslauben- mg, Vogelzucht- "'Setzung 1897 lag auf der Liebigs- r Geflügel und Tanftaltung, nur von al, legte Zeugnis ob [tmönnen. Sicher ist, Wfungen gar nicht *a) leine eigene Züch. dürgebotenen sonstigen, wie der pi isi. Die Zucht mH denn nur dadurch Jeflügelra/sm heben, licht etwa sportlichen M dienen. Für jede ' Standard zugrunde bei jeder Rasse klar Tiere beschaffen fein el an, das erreicht e ist der Standard lung ist reichlich Sc- zum Urteil gegeben. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 2. Dezember. 4.30—6 Uhr: Rachmittagökonzert des Hausorchesters: Heitere Ouvertüren. 6—7 Uhr: Die Stunde der Jugend. 7—7.30 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7.30—8 Uhr: Schachstunde. 3—9.30 Uhr: Übertragung aus dem großen Saal des Saalbaues, Konzert des Schuler'schen Männerchores. 9.45 Uhr: Die schone Koloratur. _____________ Samstag und Sonntag fand in Frankfurt „ ... Klubhaus des Deutschen Rugbymeisters .,Sportclub 80" bie 2 7. Tagung des Deutschen Rugbysußballoerbanbes, bie zu- gleich als 25. Jubiläum des Deutschen Verbandes für Rugby hätte gefeiert werben sollen, statt. Der bisherige Vorsitzende, Freunb ° Berlin, teilte zu Beginn mit, baß bas Jubiläum verlegt wurde und erst mit den deutschen Kampfspielen 1926 in Köln gefeiert werben soll. Daselbst finden auch zugleich fünf Repräsentativspiele statt. Die Maßnahmen des bisherigen Vorstandes wurden gebilligt und ihm einstimmig Entlastung erteilt. Sodann wurde unter Leitung des Seniors "des deutschen Rugbysportes, Professors Dr. Ullrich- Heidelberg, zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. 1. Vorsitzender wurde der bekannte Rugbypionier S. W. Müller, der einstimmig gewählt wurde. 2. Vorsitzender wurde Dr. Schwärzet-Berlin, Geschäftsführer Fiene - Hannover, Kassierer Fritsch- Hannover, Beisitzer Kove 1 - Heidelberg, <5 p i 11 n e r • Hannover und Oppenheimer- Berlin. Das große Schiedsgericht und der technische Ausschuß besteht aus folgenden Herren: Pros. Dr. Ullrich- Heidelberg, Oskar Kreuzer- Frankfurt, Goersch - Hannover und Heinicken - Hamburg. Ferner wurde be- 'ung Don über 500 •inen Seinen 2lus- Massig unü valider Aber ZgeMe Material c hervorragend. EL teste ast die che mit Anerkennung kn. Besonders gut Mut für Tierzucht Helmold in Dm- Men Hühnerrasscn ätschen Aasten M staliener, heute gerne i-ebhuhnfarbig, Mr- nesische Sildermoven aber längst cingebur- Wyandottes, GuJfcj, 'ckö, Minorka.O>n>., id Bantam vertaten, tiüa «JÄ «säSä EHM-reis bewertet iftjner, die man » xVÄL L entwickelte, dies überhaupt " fr und Eterprodu!' muntere Echac S-.-V “Sss er, 0}®?' Mter, d fP*'jg W. -rauchen ä/nern gel ■ loenl9e, £cr Erde, indcn za ^scheinbar in ch§,,ung lvrnme" [^ü>md«.2 dir Wes Ar manchs , änlä 's l”K 6ie BZ- Turnen, Sport und Spiel. Handball der Turner. Turn- und Sportverein 1860 Marburg — Mtv. Gießen 2:2. Am Sonntag weilte die Handballmannschaft der Männerturner in Marburg, um gegen die des dortigen Turn- und Sportvereins 1860 ein fälliges Pflichtspiel auszutragen. Das Treffen fand auf dem verschneiten Platz des Stadions statt und nahm trotz der ungünstigen Bodenverhältnisse einen span- nenben Verlaus. In ber ersten Halbzeit sind bie Männerturner infolge vorbildlicher Zusammenarbeit überlegen und erzielen kurz hintereinander zwei Tore. Ein« Fehlentscheidung des Schiedsrichters verhilft den Marburgern zu einem Erfolg. Bei verteiltem Spiel gelingt es den letzteren, gleichzuziehen und somit ein Unentschieden herauszu- holen. Westdeutscher Fuhball vom Sonntag. Ruhr-Bezirk: Schwarz-Weih-Essen— V. f. B. Dortmund = 10:0. S. C. Dortmund 08— Preußen-Essen - 2:2. Essener H. D. 99—Arminia- Maarten = 1:0. Langendreer 04—E. öt F. Bochum = 2:1. Riederrhein-Dezirk: V. f. B. Ruhrort -Preußen-Duisburg 2:2. Union-Hamborn— Rasensport-Mühlheim --- 8:2. Preußen-Krefeld— Hamborn 07 — 3:3. Weiderich 06- 0.03. Duisburg 08 = 2:4. Bergisch-märkischer Bezirk: Fortuna-Düsseldorf—2. C. Düsseldorf 05 — 5:4. F. C. Kronenberg—Turu-Düsseldorf ausgefallen. F. C. Solingen—F. u. S. Elberfeld 1:1. Rhein-Bezirk (S ü di: Turu-Bonn— Mühlheime'r F. V. = 2:2. V. f. R. Köln—Koblenz 1900 *= 4:0. Vietoria-Köln—Kölner 2. C. =4:0. Kölner El. f. R.-Sp.V.G. Köln 07 = 1:1. W e st f a l e n - 2 ezi r k: Victoria-Recklinghausen—V. f. 2. 2ielefeld — 1:1. Osnabrücker F. D.—Sl. f. G. Hamm — 2:5. Arminia-Diele- feld—Weslfalia-Ahlen ----- 5:1. Preußen-Münster —Westfalia-Schernebeck = 5:2. Union-Herford— Union Recklinghausen — ausgefallen. 2 ezirk Hessen-Hannover: Kurhes- sen-Kassel - Sp.V. (Saffet - 2:1. Hessen 09- Kassel—Germania-Osterode = ausgefaUen. Gießen 1900—F. L. Weylar ----- 1:7. Göttingen 05— SP. D. G. Hannover ----- 12:0. 27. Tagung des deutschen Rugbyverbandes in Franksurt bes Schülers im Unterricht nutzbar machen. Gleichzeitig soll hierdurch an Stelle passiven Aufnehmens mehr und mehr eine selbsttätige Erarbeitung des Stoffes durch den Schüler treten. Die Entwicklung läßt sich also durch b;e Wort? Hör-, Seh-, Tatschule kennzeichnen. Weiterhin ging der Vortragende auf die verschiedenen Strömungen auf diesem Gebiet, das ja noch Reu land sei, ein. Während es der einen Hauptrichtung, die Kerschenfteiner vertritt, hauptsächlich um die Ausbildung der Handfertigkeit ohne Rücksicht ruf den sonstigen Unterrichtsstoff zu tun ist, will die andere Richtung die Handbetätigung gerade in den Dienst der Slosferarbeitung stellen. In diesem Sinne und nur in diesem könne unsere Volksschule den Werkunterricht in ihren Lehrplan aufzunehmen. Rach diesen theoretischen Darlegungen führte Lehrer Welter-Ronnenroth in die Praxis des Werkunterrichts ein, indem er auf die verschiedenen Techniken, wie Formen, malendes Zeichnen, Falten, Ausschneiden und Kleben einging und Winke gab, wie sie sich in den einzelnen Unterrichtsfächern verwerten lassen. Rach einer längeren Aussprache gab der Vorsitzende noch verschiedenes bekannt, u. a. daß der Leiter einer Lungenheilstätte bereit sei, auch im Kreis Gießen Vorträge über die D ek ä m p f u n g der Tuberkulose zu halten, was die Versammlung dankbar begrüßte. Aus der großen Zahl der Mitteilungen sei noch hervorgehoben, daß, wo irgend möglich Ladeeinrichtungen geschaffen werden sollen. Zum Schlüsse wurde noch die Wahl der drei Vertreter für das Kreisschulamt vorgenommen. Rach einem gemeinsamen Mittagessen im „Solmser Hof" sprach nachmittags noch in nichtamtlicher Zusammenkunft der Ehrenobmann des Landes- Lehrervereins, Stadtschulrat Bach-Darmstadt über die brennendsten Vereinsfragen, wie Rcichsschulgesetzentwurf, Besoldungsfragen und die Reugestaltung der Lehrerbildung. Museumseinweihung in Wetzlar 3 Wetzlar, 29. November. Der B ü r - germcifter hatte namens der Stadtverwaltung auf Freitag nachmittag 3 Uhr eine stattliche Feftgemeinbe zur Einweihung des neuen ftäbtifchen Museums eingelaben. Neben dem Vertreter des Regierungspräfibenten, Vizepräsident Manb, sah man den Landrat Geh. Negierungsrat Dr. Sartorius und bie Krei s- bürgerrneifter als Vertreter des Kreises, weiter die Spitzen aller staatlichen und kommunalen Behörden der Stadt, die Mitglieder des Ge- ift die Sammlung „Kirche und schule" untergebracht, enthaltend besonders wertvolle Funde aus der Bauzeit des Wetzlarer Dorns und Bilder aus den anderen Kirchen der Stadt u. a. Eine sehr reichhaltige Sam ' Hing befindet sich im ersten Geschoß, benannt die Zeit des Reichskammergerichts und die Zeit Goethes. Weiler sehen wir äußerst wertvolle Erinnerungen aus den Tagen der Befreiungskriege, der Schlacht bei Wetzlar, der Jägerzen und auch der 48er Jahre. In einem anderen Zimmer ist das Wetzlarer Zunftwesen reichhaltig dargestellt. Wir sehen in weiteren Zimmern die staatliche und kommunale Verwaltung der Stadt in Urkunden usw. bis wehr als 1000 Jahre zurück illustriert. Wetzziehen mit schönen Gemälden und Ra- i zwei anderen Räumen an uns oor- vaigniffe der heimischen Industrie bis gen Tag. sei es der weltberühmten es der graphischen, sei es der Hanb- . erregen unsere Bewunderung. Eine —. — Das Liebig-Museum ist in den letzten Jahren um wichstge Reuerwerbungen bereichert worben. Briefe Liebigs, Urkunden und Bilder aus der Zeit des großen Forschers hat der Leiter des Museums. Geheimrat Prof. Dr. Sommer, für dieses zum Teil geschenlweise erworben. Die Spenden geben einen vorzüglichen Einblick in das persönliche und wissenschaftliche Leben Justus von Liebigs von seiner Studien- zeit über die langen Jahre der Gießener Wirksamkeit hinaus bis zum Schluß seiner Tätigkeit in München. Besonders wichtig sind die dem Museum überlassenen Briefe an seine Schüler QI W. von Hofmann und Kapp, sowie die Briese Chemuer seiner Zeit, z. 2. von Berzelms. Auch aus Gießener Kreisen sind dem Museum zahlreiche Erinnerungen an das Privatleben Liebigs zugeflossen. Ein Stammbuchblatt Liebigs „27c- morabilia“ aus feiner Studienzeit 1822 trägt den Rhenanenziriel. Liebigs 2riefe an seinen Schüler Kapp, Chemiler in Heidelberg, und über neunzig Briese, weiche Frau von Hofmann dem Museum überließ, sind außerordentlich interessant. Erwähnt seien ferner Briese aus München. Briese von Fresenius-Wiesbaden, ein Lek- lionslatalog der Universität von 18'2. 3h einem Brief aus Paris vom 3ahre 1823 schildert er die Verhältnisse in Frankreich. Ein Tagebuch Liebigs aus dem Jahre 1821 schildert seine Reiseeindrücke in Tirol. Wir finden ferner ein G: emsslar der Hessischen Zeitung vom 22. Oktober 1837. Die Liebigs-Medaillen, welche 1903 aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstags Liebigs in Darmstadt, München usw. geprägt wurden, sind ebenfalls erworben worden. "* Gestohlen wurde aus einem hiesigen Institut ein grauer Gabardinmantel, 2aglan- schnitt, mit je zwei Seiten- und Innentaschen. Aus der Innenseite befindet sich die Firmenbezeichnung Bamberger und Herz, Frankfurt a. M. Vor Ankauf wird gewarnt. *' Fe st genommen wurde hier eine auswärtige Perion wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen, sowie eine Person wegen Fahrrad» diebstahls. ** Die Zahl ber Otunbfunftcil- nehmer am 1. Rovember. In dieser Rotiz in unserer Ausgabe vom vorigen Freitag ist ein Sehfehler enthalten, der einer Richtigstellung bedarf. Es muß richtig heißen, daß an jenem Tage in Berlin 394 492 Rundfunkteilnehmer vorhandeit waren, nicht 894 492. Bornotizen — Tageskalenber für Dienstag. Stabttheater: 7.30 Uhr „Baumeister Solneß" (Ende nach 10 Uhr). — Volkshochschule: 8 Uhr Großer Hörsaal ber Universität C.-F.-Meyer-Abenb. — Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: 8.30 Uhr Gewerkschaftshaus Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Töchter ber Wüste". — Der Alice- Frauenverein, Abt. Bienenkorb, hält am kommenden Samstag von nachmittags 4 Uhr an im Gesellschaftsverein einen Weihnachtsmarkt ab. Räheres im heutigen Anzeigenteil. — Radioklub Gießen. Nachdem ber hiesige Rabioklub kürzlich mit einer interessanten Saut« fprecherschau an bie Öffentlichkeit trat, läßt er in seiner zweiten größeren Veranstaltung am Donnerstag, 3. Dezember, abenbs 8.15 Uhr, im Hörsaal des Physikalischen Instituts, Stephanstr. 24. einen bekannten Fachmann' auf bem Gebiete ber Funktechnik, Dr. Bergmann von ber Universität Marburg, zu Worte kommen mit einem außerordentlich aktuellen Thema „Die Bedeutung der kurzen Wellen aus bem Gebiete ber drahtlosen Telegraphie und Telephonie". An den Vortrag schließt sich eine kurze Nachschau einiger nachträglich eingetroffener Lautsprecher an. (Siehe gestrige Anzeige.) — Der Verband Deutsche Frauen- rieibung und grauentu Itur beabsichtigt, am Donnerstag und Freitag im Saalbau Sauer eine Ausstellung von deutscher Wertarbeit und eine Kleiberschau zu zeigen. Dieser Verband ist, so wird uns geschrieben, eine Vereinigung deutschgesinnter grauen, die sich die Förderung der Kultur ber grau als wesentlich für die Entwicklung bes ganzen Volkes zur Aufgabe fetzt und um bie Mitarbeit aller Gleichbenkenben wirbt, grau Heibe Herwig aus granffurt a.M. wirb bei dieser Gelegenheit über die Bedeutung und Ziele des Verbandes sprechen. Näheres siehe im Anzeigenteil unserer Sams- tagausgabe. Lehrer-Konferenzen im Kreise Giehen. (tzicften-Land. O Großen-Buseck, 26. Noo. Dieser Tage fanb hier im neuen Schulhaus eine Versammlung der Lehrer des Bezirks Gießen- Sa n b unter bem Vorsitz des Schulrats Fischer statt. Lehrer Meckel- Lich sprach über den Werkunterricht in ber Volksschule. Er ging aus von bem Begriff ber Arbeitsschule unb zeigte in einem geschichtlichen Ucberblid, wie verschieden im Laufe der Zeiten dieses „moderne" Schlagwort verstanden wurde. Der Redner versteht darunter den Werkunterricht, wo die Schüler mit Ton unb Papier arbeiten unb ber Unterricht burch biese Beschäftigung eine Vertiefung erfährt. Hergestellt wird das, was der Unterrichtsstoff gerade bietet: man darf allo den Werkunterricht nicht mit dem Handfertigkeitsunterricht verwechseln, der die Ausbildung ber Hand in den Vordergrund stellt. Nicht jeder Lehrer kann diesen Unterricht ohne weiteres erteilen; dazu cehört Interesse unb Begabung. Da aber demnächst Richtlinien über diese neue Art des Gesamtunterrichts he^auskommen, ist es für jeden Lehrer wichtig, sich damit bekannt zu machen. . Lehrer Welter- Nonnenroth ergänzte die,e theoretischen Ausführungen durch praktische ^Vorschläge unb Anregungen. In Zukunft sollen die aa)u= ler und nicht mehr die Lehrer allein Versuche in Physik, Botanik usw. anstellen. Dafür sind technische Grundlagen notwendig, unb die vermittelt eben der Werkunterricht. Redner forderte für das 1. Schuljahr schichtsVereins unb andere im Sehen der Bürger- schäft hervorragende Personen, nicht zuletzt auch bie Mitglieder des Stadtverorbnetenkollegiums. Es gibt wohl im Lahngebiet wenige Städte, die auf eine so reiche Geschichte zurückblicken können, wie gerade Wetzlar. Schon der Eintritt in den Hos des Deutschordenshauses stimmt recht weihevoll. Linker Hand sehen wir das Haus des damaligen Amtmanns Suff, des Vaters der berühmten Charlotte Buff aus ber Zeit Goethes, in bem sich bas Lottezimmer, selbst ein kleines, aus mehreren Zimmern bestehendes Museum, befindet. Rechts hinten in der Mauer eines kleinen Gartens das große Kreuz des Johanniterordens und links davon das große Deutschordenshaus selbst, das wie. kein anderes Haus in Wetzlar geeignet war, bas neue städtische Museum aufzunehmen. Um es gleich vorweg zu nehmen, was die Stabt Wetzlar hier geschaffen hat, was das Herz des Besuchers immer wieder zu voller Begeisterung aufflammcn läßt, ist so hervorragend, so reich an geschichtlich Wertvollem, daß man bei den Rundgängen aus dem Staunen nicht herauskommt. Die g e i e r spielte sich in einfacher würdiger Weise ab. Sie mußte in den Flur des Treppenhauses verlegt werden, weil die Witterungsverhältnisse eine Abhaltung im Freien, wie vorgesehen, leibet nicht zuließen. Stabtbaurat Kleemann, ber bas Haus mit echter Künsllerhanb innen unb außen vornehm unb mürbig hergerichtet hatte, ergriff zuerst das Wort, um die fertiggestellten Räume bem Bürgermeister als Oberhaupt ber Stabt in Schutz unb Obhut zu übergeben. Hierbei ging der Redner auf die Gründe ber Schaffung unb besonders der Art des neuen Museums als die einer modernen Heimatstätte ein, bie nicht nur dem Alter, sondern auch der Jugend die Geschichte der engeren Heimat, die Liebe zur Arbeit ber Väter unb bie hohen Ideale zum Dorwärtsstreben auf bem geschichtlich Gewordenen vor Augen führen soll. Ferner gedachte der Redner besonders dankbar auch der lawrzehntelangen Vorarbeit des Wetzlarer Geschichtsvereins und besonders der unermüdlichen Schaffenskraft des Leiters des Museums, Professor Dr. (91 o e I (Wetzlar). Nunmehr übernahm Bürgermeister Dr. Kühn in einer warmempfundenen Rede das Haus in den Schutz der Stadt. Er blickte zurück auf bie Vergangenheit und bie so wertvollen Vorarbeiten des Wetzlarer Geschichtsvereins, bie erst bie Grundlage zu dem abgegeben hätten, auf bas wir heute so stolz sein kannten. Wir wollten keine Vergleiche anstellen mit den Museen in Nürnberg ober München, ber Zweck des Wetzlarer Museums sei ein ganz anderer als der der genannten. Wenn heute das Werk so vollendet dastehe, so sei es in erster Linie Männern zu verdanken, wie Professor Dr. Heinrich Gkoel ober Ludwig Seher. Sein Gruß galt den erschienenen Vertretern der (Staatsregierung und den Spitzen ber Behörden sowie allen sonstigen Teilnehmern Ler Feier, sein Dank aber weiter allen Stiftern aus Handel, Industrie unb Bürgerschaft. Der Reba er übergab hieraus das Museum in die treuen Hände seines Verwalters, Professor (91 o c (, ber nunmehr bas Wort ergriff, um in kurzer Ansprache nochmals auf ben Zweck ber neuen Stätte hinzuweisen und auch seinerseits den Dank für bie wertvolle Hilfe an alle biejenigen ab« zustatten, bie mitgeholfen hatten, das schöne Werk zu vollenden. Sodann wurden die Festteilnehmer zu einem Rundgang durch das Museum eingelaben, ber in Gruppen zu etwa 20 Personen unter sach- unb fachkundiger Führung etwa eine Stunde dauerte. Wie wir bereits zu Anfang bewerteten, ist hier ein Werk geschaffen worden, das alle Teilnehmer zu voller, herzlichster Begeisterung immer wieder entflammte. In vier Stockwerke sind die reichhaltigen Sammlungen äußerst übersichtlich geordnet. Wir sehen im Erdgeschoß zur Linken Die Bibliothek, zur Rechten im vorderen Zimmer Sammlungen aus ältester Zeit, darunter auch ben wertvollen Steinborfer Funb; im Zimmer nebenan schuhind .. . erregen unsere Bewunberung. Eine ng Wetzlarer Notgelb aller Art in einem erinnert an eine kaum vergangene Zeit Mein Laden wird heute neu eröffnet Emil Otto Ich gebe auch ferner auf verschiedene Serien meiner Waren Siegen (Frankfurter Straße 9), den 28. November 1925. Gießen, den 30. 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November 1925. 11323D Walnüsse... .. Pfund 0.58 Gießen, Marktplatz L2. 11' d Korsetts, Wenhatter, LrikotWN, ÄniennWe, LDrzen, Dame«- und Kindersirmpse, TasLeotSlher. 3t* Relrl W Walltorttraste 73 1. Stock. Kein Laden! Kein Laden! AlleinverkaussstellederBerlinerKorsett- Fabrik W. & (9. Neumann. «»4 Größtes Korsetthaus Europas. Chemische Fabrik sucht ' tüchtigenVertreter aus feste Rechnung für Bez. Giesten— Marburg—Wetzlar a. Berkaus ihrer Svez.-Aietallputz. Äiefferschntirgel, Bohnerwachs, Funbodenöl. Tretb- riemenwachs u Universalsetfe f. Industrie anVerwaltungen.Kranlen!)., Hotels, Industrie usw. Hobe Berd.- Mögt Für Lager etwa Allk. 500 eif. Singebote au „Sckiliestsach 1333“, Frankfurt a. M. Wett. U336ss , NÄHMASCHINEN ZMÄWAW- _______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________. ___________________________________________________________________________________________________________ I Heute morgen entschlief sanft mein geliebter Mann, unser treuer Vater, Schwiegervater, Bruder und Großvater Herr Otto Kippenberger im 72. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Charlotte Kippenberger geb. Neff Bergassessor Otto Kippenberger und Frau Maria geb. Göring Bankdirektor Hans Kippenberger und Frau Gertie geb. Oechclhäuser Dr. Albrecht Kippenberger Leonhard Gontermann und Frau Marie geb. Kippenberger Gerhard Kippenberger und 6 EnkelKinder. 11347D Drucksachen allerim KÄTS’Ä vrühl'fcke Universitatr-Vrnckerei. R. Lange. Giesten. Schulstr. 7 Relcbsverband Deutscher Kriegskeschähigier und KriegshlDterblieheeeD Ortsgruppe Gießen Mittwoch, den 2. 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K., Pfd. 35 Pf. im Ausschnitt Pfd. 40 Pf. Goldbarsch o. K., Pfund 35 Pf. Bratschcllfische, Pfund 30 Pf. Frische Fischkoteletts, Psd.45 Pf. WMmeM Bahnhofstr. 27 ,1MSc Fernspr. 1631 gf: Vermisst Mein 16jähriger Sohu Karl Mahr wird seit Samtztag, dem 28. November, vermtstt. Bekleidung: Heller Anzug, gelbe Mätze mit braunen Streifen und Schild. Besonderes Kennzeichen: An der Oberlippe ist eine Narbe. Auskunft erbeten au Bürgermeisterei Daubringen oder telephonisch an mich selbst. Frleilrleh Mahr, Danbringen. I Miner, junger bin (gelernter Warn, I. Gehilfenjalir) der auch perfekter Stenograph und Maschinenschreiber ist, bei sofortigem Eintritt'nach Giesten in Dauerstellung gesucht. Osferten m. Gchallsansvrüchen | u. Zeuanisabschrist. erbet. u.F. I. D. 8291 an Rudolf Moste Frankfurt n. M. B Ich suche zuverlässigen Herrn, für dessen Wohnort mit gröberem Umkreis sofort eine Filiale errichtet werden soll — Beruf und Wohnort gleichgültig. Dauerndes Monatseinkommen circa 300 Mark. 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Unter größter Spannung aller Anwesenden begann nun das Experiment: die feste Platte wurde von Kaihodenstrahlen von wechselnder Stärke bestrahlt. Plötzlich beginnt die Platte in grünlichem Licht zu leuchten. Und als der Strom ausgeschaltet wird, leuchtet die Fläche in abnehmender Stärke noch fünf Minuten fort, eine durchaus gleiche Erscheinung, wie beim Nördlich!, dessen grüne Farbe noch sunf Minuten sortleuchtet, wenn alle anderen Farben bereits erloschen sind. Damit war die Hypochcse Vegards glänzend bestätigt und erwiesen, daß unsere Erde von einer feinen Hülle aus kristallinischem Stickstoffstaub umgeben ist. Vegard kam durch weiteres Ueberlegen noch zu anderen bedeutungsvollen Erkenntnissen. Er stellte fest, daß der Luftmantel nicht in Kugelform die Erde umlagert, sondern daß die Staubmassem am Pol in etwa 350 Kilometern, in der geographischen Breite von 60 Grad dagegen in 800 Kilometer Höhe auftreten (was aus der Messung der höchsten Nordlichtstrahlen einwandfrei sich ergab). Die größte Höhe erreicht die Staubatmosphäre am Aeguator, womit das Rätsel des Zobiakallichtes (oder Tierkreislichtes) eine klare und einwandfreie Lösung findet, da es als eine reflektorische Erscheinung anzusehen ist. Noch ein anderes Probleni konnte geklärt ^werden, nämlich die Frage, weshalb die drahtlose Telegraphie auf weite Strecken (z. B. von Europa nach Amerika) nachts wesentlich erleichtert, am Tage dagegen schwieriger ist. Der Grund ist die kristallinische Staudhülle, die am Tage infolge der Sonnenwirkungen sich in Gasform auflöst, in der Nacht dagegen neu bildet und die drahtlosen Wellen aus- ge-eichnet reflektiert. Die gleiche Erklärung gilt für die Tatsache, daß der Schall (}. B. Geschützdonner) auf weite Strecken besser zu hören ist als auf kürzere. Die Schallwellen werden von der Staudhülle wie von einer Wölbung zurückgeworfen und werden wegen der Höhe dieser Kuppel auf sehr große Entfernungen weitergeleitet. Die Feststellungen Vegards gehören unbestritten zu den bedeutsamsten physikalischen Erkenntnissen des letzten Jahrzehnts und bilden die Grundlage neuer wissenschaftlicher Forschungen. Die Erforschung der höheren Luftschichten ist in letzter Zeit mit besonderem Eifer beirieben worden. Im April d. I. wurden u. a. auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel bei Hamburg durch die wissenschaftliche Flugstelle der deutschen Seewarte Höhenaufstiege ausgeführt, wobei einer der Flieger die beträchtliche Höhe von 7200 Meter erreichte. Dabei wurde eine Temperatur von 44,6 Grad Kälte festgestellt. Auf Java, wo die Witterungsverhältnisse für Luftforschungen besonders günstig sind, erreichte ein Registrierballon die Höhe von 22 000 Metern. Das Registrier-Instrument, das durch einen Fallschirm unbeschädigt zur Erde kam, verzeichnete in 11000 Meter Höhe 55 Grad, in 17 000 Meter Höhe 85 Grad unter Null. Es konnte sogar ein Weltrekord von 91 Grad unter Null erreicht werden. In noch größeren Höhen nimmt die Temperatur wieder zu. Bei einigen anderen Ballonaufstiegen auf Java wurden Rekordhöhen von 32 000 Metern erreicht. Auch über die Windverhältnisse in den größten Höhen hat man in letzter Zeit bemerkenswerte Aufschlüsse erhalten können. Der bekannte deutsche Luft- schisfer Professor Hergesell hat sich um die Erforschung der Winde in Höhen bis zu 20 Kilometern besondere Verdienste erworben. Er stellte fest, daß in der Höhe von 2 Kilometern die Windstärke 7 Meter in der Sekunde betrug, bei 4 .Km. 9 Metersekunden, bei 6 Km. 13 M.-S., bei 8 Km. 16 M.-S., bei 10 Km. 18 M.-S., bei 12 Km. 17 M.-S.. bei 14 Km. 14 M.-S., bei ILKrn. 12 M.-S., bei 18 Km. 11 M.-S. und bei 20 Km. Höhe 11 M.-S. Die Ziffern zeigen, daß die Windstärke bis zu Höhen von 10 Kilometer zunimmt, in den noch höheren Schichten dagegen wieder nachläßt. Nicht ohne Interesse dürfte sein, daß die Windrichtung über Europa fast ausschließlich west-östlich ist und daß im Winter eine'schwache südliche Ablenluna sich beobachten läßt. Alle diese Forschungen, deren Ergebnisse auf so verschiedenartige Weise gewonnen wurden, zeigen die ungewöhnliche Erweiterung unserer Kenntnisse Die Lufthülle der Erde. Ilm Lauf der letzten Jahre sind auf dem Gebiet der Luftfvrschung bedeutende Ergebnisse erzielt worden. Während man m fru- Heren Zeiten allgemein annahm, daß Der Luft- mantel der Erde nur einige Laufend Meter in die Höhe reicht, ist man neuerdings zu der Erkenntnis gekommen, daß die Lufthülle mehrere 100 Kilometer Höhe aufweifen muffe. Aber schon, bevor diese letzte große Entdeckung gemacht wurde, hatte man durch das Phänomen der Sternschnuppen auf eine weit größere Höhe der Luftschicht, als früher angenommen wurde Schlüsse ziehen können, und zwar deshalb 'weil die Höhe der Sternschnuppen mit 50—100 Kilometer über der Erdoberfläche bestimmt werden konnte und das Aufleuchten dieser kosmischen Splitter auf die Reibung mit der Lust zurückzuführen ist. Die neuen Erkenntnisse über die Hohe, sowie über die Zusammensetzung der höchsten*lt- mospharenschichten sind dem norwegischen^ Phv° fiter am Geophysikalischen Institut in «Lromfo, Lars Vegard, zu danken, der bei der^Untersuchung des Aordlicht-Spektrums das Geheim- nis der grünen Farbe entdeckte und durch kühne Schlüffe das Rätsel der Atmosphäre loste. Wie das Licht unserer Sonne im Prismenglas sich in ein Regenbogenfarbenband (Spektrum) zerlegen läßt, aus dem man die Grundstoffe zu erfennen vermag, aus denen die Sonne besteht, so hat jede Lichtquelle ein solches Spektrum. Im Spektrum des Rordlichts hatte man über breifeig Linien (blaue, violette und rote) festgestellt, von denen man wußte, dafe sie vom Stickstoff herrührten. Rätselhaft blieb nur der Ursprung der grünen Linie. Vegard kam auf den genialen Einfall, anzunehmen, daß in einer gewissen Höhe die Stick- stoffdümpfe in eine feste Form übergehen, d. h. daß die höheren Luftschichten aus feinem kristallmlschem Stickstoftsiaub bestehen, dessen Gewicht das Gewicht • von Eis nicht ganz erreicht und infolge seiner elektrischen Ladung hi der Atmospare zu schweben vermag. Wenn nun in dem luftbunnen Raum die Ka- thodenstrahlen von der Sonne diese Stickstoffkristalle die Schule der christlich religiösen Weltanschauung nicht nehmen zu lassen, ist es nicht unangebracht, auch auf diese Schulart andere Länder einmal die Blicke zu lenken, zumal es z. B. gar nicht der Art des Preußen entspricht, unrentabel zu wirtschaften. Jene alte Schule der christlichen Weltanschauung wollte die Menschen vor allem 'zur Ehrfurcht er- ziehen. Ihr Ziel ist nicht eine protzenhafte Diel- wisserei nach dem System: „Wissen ist Macht", das nun in Familien und Gemeinden, ja im Volks- ganzen so verhängnisvoll sich auszuwirken beginnt, daß eben jeder sein Wissen nutzt gegen den Irn Reuen Theater ging eine mödie in Szene, die als Stück ganz und gar nebensächlich ist „Frau Lohengrin" — die aber einer Künstlerin von ergreifender Innerlichkeit und einer tiefen Melancholie der Komik, nämlich Gisela Werbezirk zum ersten Male Geleghenheit gab, sich dem Frankfurter Publikum bekannt zu machen. 41nd das war ein Erlebnis. Das Stück spielt in dem allerdings humorreichen, travestierenden Iaraonmilieu von Czernowitz: es erinnert hier und da an die Herrnselds, für Leute, die im Theater das Massive und Grobschlächtige als positive Kunst emp- sinden, die sich gern an die Tränendrüsen und das Zwerchfell rühren lassen, mag es eine recht unterhaltende Komödie sein. Riveau bekommt die Geschichte von her ältlichen, häßlichen Rebekka Lieblich, die iyren jungen Ehemann zum Tenor ausbilden läßt, ihn an eine hochstaplerische Gräfin verliert und chn nach 3afjren als stimmlos gewordenes Lebenswrack wieder als Portier ihres neuen Hotels aufnimmt durch die große Kunst der Gisela Werbezirk. Diese Frau ist nicht bloß ein famoser weiblicher Komiker, sie ist eine feinfühlige Menschendarstellerin: sie besitzt Töne und Uebergänge, die ergreifend wirken, und in denen der ganze älnverstand der Schicksale, das Leid mißhandelter Persönlichkeiten, der resignierende Schmerz heißer Liebe schluchzt. So erlebt man durch die von wahrer Kunst geadelte Persönlichkeik einer feinfühligen Darstellerin etwas rein Künstlerisches, etwas Tragisches in der Komödie: man erblickt vermittels des Mediums dieser Frau den Abstand zwischen konventioneller Theaterhandwerkerei im Schau- spielertum und abseits der schmissigen Schablone des Virtuosentums die Künstlerin, die aus den sentimentaleii S.tuationen wie aus der drastischen Komik der Situation das Menschliche in einer ungewöhnlichen Form herausholt. Daß sich dieses Können zu einem glänzenden Erfolg gestaltete, ist selbstverständlich. L. W. Hier heißt es für uns Evangelische: Klare Wett- anfchauung, klares Btbelwort: Das Wort, sie sollen lassen stahnl Bei alledem haben wir damit noch keinen An- lafe, uns für ein Schulgesetz einzusefeen, das möglicherweise in seiner praktischen Auswirkung einer Zerreißung und Zersplitterung nichtkatholischer Volksteile Tür und Tor öffnet. Die Frage ist bloß, ob sich bei einer evangelischen Formung und Fas- jung des Gesetzes nicht ein brauchbarer Entwurf her stellen ließe, der alle jene Bedenken beseitigt. Und das erscheint durchaus möglich, wenn einmal in deutschen Landen der Terror der Draanifationen ge brachen ist, und unser deutsches Volk wieder zu sich kommt. Wie der Staat, dessen prominente Vertreter z. 4.. religionslos sind, nicht das Recht hat, Kinderseelen zu vergewaltigen, so kann man unmöglich dem Staate die Verpslichtzing zuweisen, für jeden eine Extraschule zu schassen. Für den Staat gilt als oberstes Gesetz: Gleiches Recht für alle. Das heißt in die Tat umgesetzt: Es hat keiner das Recht, zur religiösen Erziehung eines Kindes den Staat finanziell höher zu belasten als der andere. Es wird leider ein frommer Wunsch bleiben müßen, daß jeder, der deutsche Jugend unterrichtet, auf christlichem Stand punkt stehe; aber der Staat, der beim Eid, in sozialer, zivil- und strafrechtlicher Beziehung durchaus christliche Gedanken zur Auswirkung bringt, müßte von jedem Deutschen verlangen, daß er einmal in seiner Jugend erfahren hat, was Christentum ist. Später kann er es ja dann halten, wie c rwill. Zum mindesten muß er aber auch als Gegner des Christen- tums wissen, was es ist, worüber er schimpft. Das, was der Staat verlangen kann, wird — sehen wir vorn Judentum ab — innerhalb der beiden großen Religionsgemeinschasten geleistet. Wer außerhalb dieser Religionsgemeinschasten etwas Besonderes erstrebt, kann es tun nach eigenem Belieben. So wird es auch in vielen Staaten gehalten, die in ihren Finanzen außerordentlich sparsam wirtschaften. Unter diesen Voraussetzungen ließe sich sicher ein brauchbarer Gesetzentwurf ermöglichen, der auch in Hessen an vielen Orten die Einführung der jedenfalls idealen Bekenntnisschule, d. h. der freien Schule der christlichen Weltanschauung ermöglichte. Einst hat trotz aller feindlichen Gegenwehr der römische Staat sich davon überzeugen müssen, daß er die besten durch das Christentum in seinem Volk entwickelten Kräfte, die er selber doch nicht schaffen konnte, nicht zu entbehren vermochte, und machte darob die Religion zu einer Sache des Staates, ohne zu merken, daß er damit dem Christentum seinen ursprünglichen Charakter nahm und seinem eigenen Unheil etwa so den Todesstoß versetzte. Die Folge war, daß unter dem staatlichen „Schutze" das lebendige Christentum erstarrte und die religiös-sittlichen Kräfte erlahmten, bis dann ein deutscher Held es aus jahrhundertelangem Schlafe wieder wecken mußte. Gleicherweise wird der heutige Staat sich klar werden müssen, daß auch heute hier wieder Kräfte sind, auf die er in der Zeit der sittlichen Not erst recht nicht verzichten darf, daß aber heute wie einst jede staatliche Reglementierung der Religion ihm selbst, wie der Jugend und dem Elternhaus zum Unheil geraten muß. Ober sollte das Land der Reformation das einzige sein, wo die Heranwachsende Jugend in der wichtigsten Zeit ihres Lebens durch staatlichen Zwang größtenteils von der religiösen Gemeinschaft abgeschnitten ist, der sie doch die Eltern schon in frühester Jugend feierlich an- oertraut? . Angesichts der verzweifelten sittlich-religiösen Verfassung unseres deutschen Volkes, die sich schon in der Ueberfüllung der Anstalten und Rettungs Häuser sowie dem rapiden Geburtenrückgang kund tut, wäre es geradezu verhängnisvoll, wenn man eine Lösung dieser Frage vom Standpunkt der äußeren Macht und Gewalt oder nach Rücksichten einem Stande gegenüber versuchen wollte, statt daß beide. Schule und Kirche, sie zu lösen suchen nach dem Maße der Kräfte, die jedem verliehen sind. Hier muß sieb ein Weg finden, der nach dem Maße der Kräfte jedem sein Recht gibt und ein reibungsloses Zusammenarbeiten möglich macht, oder die religiösen Gemeinschaften müssen den Terror des Staates brechen und wie in anderen Staaten, Amerika, Frankreich, Belgien u. dgl. selber für die Erziehung ihrer Jugend sorgen. Eine Lösung aus diesem Konflikte, der durch die Trennung von Kirche und Staat entstanden ist, ist nur möglich durch die freie Schule der christlichen Weltanschauung. Sie gibt dem Lehrer der höheren Atmosphäre und Hilden ein gutes Fundament für die Bestrebungen, diese Slrbeiten mit ermutigtem Fleiß fortzufetzen. Frankfurter Theater. Körper durchpulst. Das Kind lernt auch in den anderen Stunden wie Geschichte, Deutsch, Natur- lehre und dgl. die Welt mit den Augen des Christen schauen, und eine Stunde nimmt nicht, was die andere gegeben hat. Hier ist die Schule erweiterte Erziehung des religiösen Elternhauses und gibt den Eltern in ganz anderer Weise die Möglichkeit, mit Lehrern, die ihnen schon religiös nahe stehen, sich zu besprechen. Die Schule der christlichen Weltanschauung fördert und vertieft jede besondere Art und wirkt darum gemeinschafts- und volkstumbildend. Während die staatliche Zwangsgemeinschaftsschule eine Uniformierung erstrebt, indem sie nur das Gemeinschaftliche pflegt und fördert, bewirkt sie ein Los- reißen von Art und Wesen, von alten Sitten und Gebräuchen der religiösen Gemeinschaften, in denen das Volkstum wurzelt, ja löst auch die zarten Wurzeln des Glaubens, in denen das deutsche Volksleben haftet, ohne etwas anderes dafür zu geben. Träger des Volkstums ist darum in erster Linie die religiöse Gemeinschaft, deren lebendig^ Zelle die Familie ist, nicht aber der Staat. Wo der Staat von sich aus die Volksgemeinschaft bilden wollte, hat er wie in Polen, Lothringen immer Unheil angerichtet, und im Grenzlandkampf des Deutschtums gegen Dänemark wird sogar die staatliche Unterstützung als ein Hindernis empfunden. Aus dem gleichen Grunde wirken unsere Auslandschulen auf dem Balkan keineswegs volkstumfördernd wie z. B. die französischen, weil es bloß Lernschulen sind, hinter denen keine Weltanschauung steht, wie ein Kenner des Balkans mir bestätigte. Wenn die neue pädagogsche Religionswissenschaft etwas Brauchbares gezeitigt hat, dann ist es: Veranschaulichung des Stoffes und Illustrierung in der Betätigung. Diese Erkenntnis kommt nur allein in der christlichen Weltanschauungsschule zur vollgültigen Auswertung, weil hier jeder Lehrer in jeder Stunde bei der Betrachtung des gesamten Stosses die religiöse Bildung des Kindes fördern muß. Die ftaatliche Zwangsgemeinjchaftsschule, die kein Volk der Erde hat, muß nach den Gesetzen der Schwerkraft mit der Zeit zu einer Gemeinschafts- und Einheitsreligion führen, nach dem Rezept: „Christ, Jud' und Hottentott, sie glauben all an einen Gott." Sie kann auch direkt den Uebergang zur weltlichen Schule bilden, mit welcher man heute schon zu drohen beginnt. Es ist jedenfalls nicht Zufall, daß in Hessen nach fünfzigjährigem Bestehen der Simultanschule eine von gewisser Seite erfundene Einheits- ober Deutschreligion, in der die deutschen Dichter als die neuen Propheten gelten sollen, schon vor Jahren unliebsames Aufsehen erregte, und viele dieser Gefahr erlagen. Hier ist eben die Religion zu einem erstarrten Dogma geworden, zu einem Ragout, das sich jeder einzelne nach dem Maß seines Erkennens und feiner Belesenheit, wie es ihm am besten schmeckt, selber macht. Nur ist die Frage, warum man das nicht auch jedem Kinde selber überläßt, wenn man so jeden feine eigene Religion sich machen läßt. Geistige Inflation, Infusion und Konfusion'. Welch ein Irrtum zu meinen, es fei die Konfession überwunden! Man übersieht hierbei völlia, daß der Unterrichtende, der ein Stück seiner Seele gibt, niemals seine Weltanschauung auf die Dauer verleugnen kann, falls er eine solche hat, sodann daß Weltanschauungen sich nicht vermengen lassen, und drittens, was noch die Hauptsache ist, daß Religion etwas lebendig Wachsendes, nicht aber etwas Totes ist. So möchte man einen religiösen Unterbau schassen, auf den sich dann später der konfessionelle Ausbau nach Belieben setzen lasse. Die Behandlung der Reformationsgeschichte, der gewaltigsten Epoche deutschen Geisteslebens, die für die Simultanschule schon sowieso eine heikle Sache ist, würde dann bei dieser schemenhaften Religionsbetrachtung überhaupt Blut und Farbe überflüssig werden. Der Gedanke dieser konfessionslosen Einheitsreligion hat in der Tat etwas Bestechendes! Er verkennt nur ganz, daß es bei einer Religion nicht ist wie bei totem Gestein, sondern daß es hier ist wie bei einer Pflanze, in der sich das Leben von der Wurzel bis zur Spitze regt, und der Strom des Lebens alle Zellen gleicherweise durchdringt. Es ist wie bei echtem Wem, bei dem es sich nun einmal nicht machen läßt, daß man erst eine Art Einheitswein fabriziert und dann durch die nötig erscheinenden Zutaten und Etiketten die verschiedenen Sorten nach Verlangen herstellt. Das gäbe auch im geistigen Heben eine ganz üble Panischeres sondergleichen. Die freie Schule der christlichen Weltanschauung. Bon Pfarrer Weck- Steinfurth. Nachdem vor kurzem Herr Kreisschulrat Fischer-Gießen hier zur Simultanschule Stellung genommen hat, geben wir im folgenden einem Anhänger der Konfessionsschule das Wort, ohne uns mit den Darlegungen beider Herren zu identifizieren. D. Red. Wer heute die vielen von gewisser Seite oeschriebenen Artikel lieft über das Thema: Konfessionsschule oder Simultan- schule, der muß den Eindruck bekommen, daß die Konfessionsschule geradezu einen Zustand überlebter Barbarei darstellt, und es ist für die, welche es eigentlich zunächst angeht, nämlich die Eltern, eine schwere Sache, sich in einer Zeit Gehör zu verschaffen, in der die wogende Leidenschaft eine sachliche Betrachtung kaum aufkommen läßt. Wenn man in gewissen Blattern lesen kann, daß die 'Einführung der im neuen Schulgesetz vorgesehenen Konfessionsschule oder Weltanschauungs chule uns 50 Jahre zurückwerfe, dann wird man ich auf einmal erst klar, auf welcher Höhe unsere Schulen in Hessen, Baden und Nassau eigentlich stehen, und wie sehr doch in dieser Beziehung alle anderen Staaten Deutschlands, ja der. christlichen Welt gegen uns rückständig sind. lur wenn man zuweilen mal die Jugend betrachtet, die leider alles ach nur zu gut weiß, ja besser weiß, und seine eigenen allen Lehrer und Ettern sich vergegenwärtigt, dann kommt einem in nachdenklichen Stunden cm gewissen Besinnen, war denn eine Zeit, vor 50 Jahren, nein, sagen wir einmal 100 Jahren, da man Ehrfurcht als das höchste Ziel aller Erziehung lehne, wirklich qualitativ so sehr im Rückstand gegenüber einer Zeit, die in so vielen wechselnden Methoden, Experimenten und Spielereien sich verliert, ja eigentlich gar kein festes ideales Ziel hat ? Denn was soll z. B. heißen: „Erziehung zum Staat", vor der man so viel Heft? Schon die Uebcrfefeung Bekenntnisschule gibt einen Begriff der Enge und erinnert an das Wort „Dogma", das auf viele Menschen die Wirkung hat, die ein rotes Tuch auf ein gewisses Tier ausübt, und das Wort Gemeinschaftsschule hat etwas so überaus Einschmeichelndes. Sollte die Benennung: Freie Schule der christliche.! Weltanschauung und staatliche Fwangsge- meinschaftsschule nicht ganz anderes den Kern der Sache treffen? Ich gehöre nicht zu denen, die die alle Simultanschule prinzipiell verwerfen und gebe zu, daß sie in manchen konfessionell gemischten Gegenden unseres Landes unter Umständen angebracht ist, aber will man klar sehen, dann muß man sich erst mal das Blickfeld frei machen von^all den Dingen rein äußerlicher Art, bei denen die Fragen: Was kostet's? Wer soll das bezahlen? Woher sollen die Lehrer kommen? Was will Rom? u. dgl., und man muß vor allen Dingen sich hüten, diese Frage« al- eine Standessrage anzusehen, die zum Wohl unseres Volkes vom Gesichtspunkt einer Organisation zu lösen wäre. Denn die Beantwortung aller dieser Fragen hat man schon qar oft ganz anders gelesen, wenn man etwa von den vielen abgebauten Lehrern schrieb, die, mit 80 Prvz. abgebaut, nun zur Untätigkeit verdammt fein sollen ober für die unbeschäftigten Tausende von Junglehrern staatliche Subventionen zu erlangen sucht, ober wenn man die zum Ueberdruß gebrauchten schönen Worte immer wieder hören mußte: Für unsere Jugend ist das Beste gerade gut genug. Ebenso vermag die Berufung aus die Reichsver- fafjung, deren Entstehen uns in die wunderbaren Zeiten eines A. Hofmann zurückführt, kaum zu überzeugen, denn es gibt gar viele Eltern, denen nun einmal die Reichsverfassung nicht der Weisheit letzter Schluß ist, und wenn die |o ort als unfehlbar hingestellten Methoden der Schule wie die Moden wechseln, dann darf man sich ja mit Recht fragen, warum denn gerade die Reichsverfassung ewig rückständig bleiben solle. einer Zeit, ba so mancherlei Niedergangser- scheinungen in unserem Volke unb besonders in unserer Jugend sich bemerkbar machen, die Schule ihre Verbindung mit Eltern, Staat unb Kirche mehr als je verloren hat — bie Eltern haben lediglich die Kinder zu liefern, der Staat für Gehalt und gehobene Stellungen zu sorgen, alle aber nichts zu sagen —ja in einer Zeit, in der man in den großen Staaten Deutschlands sich in Etternkreifen rusiet, sich verspüren. Auch.will diese Schule nicht zum Staate, dem toten Schema, das nach der Stärke der Parteien wechselt, zu dem Vielerlei der Parteien erziehen, von denen natürlich jede es besser weiß wie die andere, sondern sie hat ein überparteiliches, überweltliches Ziel, das niemals in der Parteien Hader hinunterzusinken vermag: Ehrfurcht und das, was sie voraussetzt, Pflicht, Treue, Gehorsam bzw. staunendes Achten ober achtenbes Staunen vor dem, was um uns, unter uns und über uns, ja zuletzt, was in uns ist, wie einmal ein Großer es fo fein gejagt hat. Es ist schwer zu sagen, was heute unsere Zeit nötiger braucht. Diese Schule der religiösen Weltanschauung gibt den Ettern doch noch einigermaßen Gewißheit, daß ihre Kinder doch wenigstens von christlichen Persönlichkeiten erzogen werden, leben wir doch in einer Zeit, da Tausende und Abertausende sich von der Christusreligion abgewendet haben und sich Geheimreligionen menschlicher Erkenntnis und mystischen Wahns zuwenden ober aus dem Gottmenschen sich Menschengötter machen, bzw. dem religiösen Nihilismus verfallen: unb dabei gibt es kaum eine beamtete Arbeit, die in ihrer Gesamtheit si chdermaßen dem öffentlichen Urteil entzieht als der Unterricht unmündiger Kinder durch gar oft selbst noch nicht fertige Menschen. Wenn man ein Kind Musiker werden lassen will, dann sorgt man, daß das Kind in seinen Lernstunden mit Menschen zusammenkommt, die mit Lust unb Liebe baranhängen, die Sache verstehen und treiben. Ja selbst der Dogelliebhaber wacht ängstlich darüber, daß seine mehr ober minber gelehrigen Lieblinge nur zu guten Sängern kommen, damit sie nicht verdorben werden. Ist Religion überhaupt lehrbar, dann kann es hier doch nicht anders sein, zumal man heute doch allgemein den Grundsatz anerkennt, daß nicht bloß der Unterricht, sondern auch Vorbild. Beispiel und Anschauung erziehen. Es muß doch gerade als eine Versündigung an der Kindesseele erscheinen, wenn man Eltern, die ein Kind zur Schule senden, zwingen will, ihr Kind dauernd und zwangsweise mit Menschen zu- sammenzutun, die über bas, was der Kindesseele heilig ist, anders denken, oder gar darüber spotten. Gerade die der Kindesseele geschlagenen Wunden brennen tief unb schwer. Wie schützt man doch bie Tiere gegen alle möglichen Krankheitskeime, nur die Kindesseele setzt man schutzlos allen möglichen Bakterien aus, statt die Zeit abzuwarten, bis die junge Seele sich gefestet. Die Schule der religiösen Weltanschauung erzieht zur religiösen Gemeinschaft. Etwas vom Schlimmsten, was uns bie Lernschule vielerorts gebracht hat unb auch offen in Zeitschriften zugegeben wirb, ist, daß man bas Kind lehrt, Religion unb Kirche seien zwei verschiedene Dinge. Man könne Religion haben, ohne in die Kirche zu gehen. Das wird den Kindern nicht bloß gesagt — man will sie doch von der Kirche weg zum Staat erziehen — sondern das wird auch den Kindern vielerorts von Männern vorgelebt, die dem Kinde unbedingt ein Vorbild und Beispiel sein sollten. Nichts aber ist schlimmer als halbe Wahrheit. So wird das Kind vom Mutterboden seines Glaubens entwurzelt, es verliert das, was ihm für das Leben einen Halt gibt, und sein Glaube stirbt in der Külte des Lebens. Wo aber der Erzieher weiß, daß er nicht bloß Kenntnisse zu vermitteln hat, sondern auch über der Kinder Seele zu wachen, sie zu erziehen, da wird er, schon innerem Zwange gehorchend, wissen, was für ein Vorbild er schuldig ist. Die Schule der religiösen Weltanschauung bietet den religiösen Anschauungsunterricht in der erreichbar bestmöglichen Form. Hier ist Religion md)t em tfaa) neben andern Fächern, das man wie die «chuolade im Krämer laden auf Wunsch zieht oder drinnen läßt, sondern hier erscheint Religion als tue Sonne, bie bie ganze Welt des Kinbes, Unterricht und Leben durchwärmt und durchsonnt, der. Herzichlag all seines Schauens und Denkens, der den ganzen größere Verantwortung und stellt ihn darum höher, weil sie ihm Größeres zutraut und zumutet, sie er« hält dem Staate ein gesundes Volkstum und gibt auch den Eltern, die in ihren Kindern dem Staate noch Höheres anvertrauen als Geld und Gut, die Gewißheit, daß von alledem nichts fehlt, was zur Sicherung des seelischen Gedeihens ihrer Kinder gehört. Nur da, wo ein solches Zusammenarbeiten möglich ist, und wo inan nicht mehr die Jugend, pochend auf die staatliche Macht, zwangsweise hinter den hohen Mauern der Schule gegen Eltern und Kirche absverrt, kann auch für die Heranbildung der geeigneten Kräfte in der bestmöglichen Weife gesorgt werden. Aber die geeignetsten Kräfte werden nichts helfen, wenn sie nicht in geeigneter Weise am geeigneten Plaße zur Wirkung kommen. Oderhessen. Uaudtreis Gicsren. f. Klein-Linden, 1. Dez. 3n der jüngsten öffentlichen Gemein deratssißung wurden als endgültige Gemeiiideumlagen 1925 festgesetzt an Sondersteuern 75 Pf.. Gebäude- steuern 32 Pf., bebauten Grundbesitz 60 Pf., Gewerbe- und Betriebskapital 1 Mk. auf je 100 Mk. BeranlagungSkapital. Bei der Gewerbesteuer schlägt das Finanzamt vor, für Die Zeit vom 1. April bis 1. Oktober 1925 feine Nachzahlung zu erheben; der Steuersatz wurde hier auf 70 Pf. ab 1. Oktober 1925 festgesetzt. Auf die Eintreibung der bisher noch nicht bezahlten Gewerbesteuer für 1924 verzichtet Die Gemeinde, da das Finanzamt das gleiche tut. Ein Antrag auf tauschweise Aeberlassung eines Bcnrplatzes wurde vertagt, da der Wert des an- gebotenen Grundstückes bei dem Feldbereinungs- t> erfahren zu hoch angesetzt sei und erst noch einer Nachprüfung bedarf. 3n der Fra nk- futter Straße, Richtung Großen-Linden, wird die Straßenbeleuchtung weiter ausgebaut. .Herso"-Gießen ersucht um Genehmigung zur Anbringung einer Rekl a m e - täfel am Spritzenhaus. Gegen eine Vergütung von jährlich 25 Mk. auf jederzeitigen Widerruf wurde das Ersuchen genehmigt. Auf Grund geleisteter Meliorationsarbeiten wurden die Pacht- sätze verschiedener Grundstücke hinter dem Friedhof herabgesetzt. Die Straßen- lampen sollen im W nter ab morgens 1 »6 älhr eingeschaltet werden. Als Vergütung für Benutzung des Saales auf der ..Burg" zum Ab- halten der Mädchen-Fortbildungsschule wurden festgesetzt: für die Sommermonate je 15 Mk.. im Winter je 25 Mk. einschließlich Reimgung und Feuerung. Betr. die Beleuchtung einer Cifenbahnunter- suhrung in der Frankfurter Straße lehnte die Gemeinde jede Verantwortung ab. da die Eisenbahn zur Beleuchtung an dieser Stelle verpflichtet sei. Anschließend fand eine nichtöffentliche Sitzung statt, in welcher über den evtl. Ankauf eines Grundstückes verhandelt wurde. — Die Gemeinde hat sich vor einiger Zeit beim Ministerium um die Genehmigung zur Aufnahme einer Auslandanleihe beworben. Die Anleihe 'oll zum Erbauen einer Wasserleitung, als für eine werbende Anlage verwandt werden. Lollar, 26. Nov. Heute abend fand hier eine sehr gut besuchte Dersammlung des Veteranen - und KriegervereinsLol- lar statt, des ältesten Vereins des Kriegerbundes Hassia. Der Verein war vollzählig vertreten. Aus der Nachbarschaft waren die Kriegervereine Staufenberg und Saubringen aus dem Gießener, Fronhausen, Sichertshausen. Bellnhausen aus dem ^Marburger Kreise anwesend. Der Vorsitzende des Bezirkskriegerverbandes Gießen, Professor Dr. ’Krämer und Graf Schwerin - Friedelhau- r sen waren zugegen. Die Hauptrede hielt Oberst z e i t s t a g" von Otto Steknbach wurden gestern in zwei gut besuchten Vorstellungen von Direktor M. Halter und seiner Truppe unserer Gemeinde dargeboten. Altbekannte Gestalten wanderten über die Bühne: die Höhepunkte im Leben des großen Reformators gewannen Leben und prägten sich tief ein. Die von heiligem Ernste ge- ttagene Darbietung hinterließ einen tiefen Eindruck. In der Abendvorstellung begleitete der hier im Vorsommer entstandene Musik verein die allgemeinen Gesänge. .itreis Alsfclo. Alsfeld, 30. Nov. Am 28. und 29. November fand in der neuen städtischen Festhalle auf dem Lindenplatz die 1. Allgemeine Geflügel- und Kaninchenausstellung des Kreisgeflügelzucht oe rein s Alsfeld statt. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung erfolgte am Sonntagmittag mit einer Begrüßungsansprache des Lehrers Stoll (Altenburg) namens des Kreisgcslügclzuchtvereins, in welcher der Redner aus die allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung der Geflügel -und Kleintierzucht hinwies. Zu der Eröffnung war als Vertreter des Kreisamts Regierungsrat Strack (Alsfeld) und für die Stadt Alsfeld Bürgermeister Dr. Völsing erschienen. Die Ausstellung wies eins gute Beschickung auf, besonders in Hühnern, Tauben und Kaninchen, die sehr schöne Exemplare aufwiesen. Die Stiftung zahlreicher wertvoller Ehrenpreise ermöglichte eine gute und reichliche Prämiierung. Der Besuch der Ausstellung am Samstag litt etwas unter der Ungunst der Witterung, da der reichlich gefallene Schnee manchen Besucher vom Lande abhielt. m. M ü ck e , 30. Nov. In den Kirchen zu Flensungen und Merlau predigte Missionar I d - mann von der Baseler Mission. Nach den Gottesdiensten wurde eine Kollekte zum Besten der Baseler Mission erhoben. Konfirmanden verteilten Missionsschriften. Abends hielt Missionar I d - mann im Schulsaal zu Merlau einen Lichtbildervortrag, der auch von auswärtigen Zuhörern besucht war. K. Nieder-Gemünden, 30. Nov. Unsere kürzlich eingeweihte neue Glocke, die wohl dem Ton nach in die Harmonie der beiden anderen, die uns nur infolge ihres hohen Alters im Weltkrieg erhalten blieben, paßt, will sich in Bezug auf Klang- farbe den alten wenig anschmiegen. Der Sachverständige will nun die Ursache in dem Umstand sehen, daß sowohl die Klöpfel als auch die Anschlagflächen zu stark abgenutzt seien, der Anschlag also auf eine zu große Fläche erfolge. Die Glocken müßten also neue Klöpfel erhalten, ferner um einen Winkel von 90 Grad gedreht werden, um neue Anschlagflächen zu bekommen. Ehringshausen, 30. Nov. Der ältestc Fleischbeschauer im Kreise Alsfeld ist wohl Karl Kaspar aus Nieder- Gemunden. Er steht jetzt im Alter von 84 Jahren und erfreut sich noch einer selten körperlichen und geistigen Frische. Noch jetzt legt er den mehr als einftunbigen Weg von Nieder-Gemünden bis Ehringshausen, um hier seines Amtes zu walten, zu Fuß zurück. Starkenburg. • Darmstadt, 30. Aov. In Wiebelsbach t O. wollte gestern ein Bahnsteigschaffner auS Höchst i. O. die Bahngeleise überschreiten. Dabei wurde er von einer Lokomotive erfaßt und schwer verletzt. WEN. Offenbach, 29. Nov. Ein Beamter des Finanzamtes Offenbach-Land ist wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung verhaftet worden. Wie wir erfahren, handelt es sich um einen Obersekretär, der fdion lange im Amte ist und durch Fälschung von Unterschriften Gelder unterschlagen hat. Der Beamte ist in Untersuchungshaft genommen worden. Rheinhessen. WSA. Mainz, 30. Aov. Die hiesige Schulbehörde hatte auf dem Wege der Submission die Vergebung von Anstreicherarbeiten ausgeschrieben. Das interessante Ergebnis war, daß die niedrig ft fordernde Firma 582 Mark, die Höch st fordernde 5 7 8 5 ,85 Mk. forderte. WSA. Worms, 30. Aov. Sn einem Hause der Speyerer Straße geriet der neben dem Ofen stehende Korb, in dem das 3jährige Kind des Chauffeurs Müller schlief, auf bisher un- bekcmnte Ursache in Brand. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald nach der Verbringung ins Krankenhaus st a r b. Preußen. .VifeWetzlar. m. Braunfels, 30. Nov. Bürgermeister Ziegler vo hier ist für die Stadt Braunfels für eine fernere zwölfjährige Amts dauer zum Bürgermeister wiedergewählt und bestätigt worden. Xx Aus dem Kreise Wetzlar, 30. Aov. Wohl kaum in einem Sahr zuvor war die Sagd auf Wildschweine im Krei e Wetzlar so ergiebig, wie diesmal. Der Sagdpächter von A l l c n d o r f, Dr. Maas aus Hamborn (Rheinland), erlegte eine Bache von ca. 15Ö Pfund, Hilfssörster Diehl, Heisterberg, schoß zwei und Jagdaufseher Anschütz, Dissenberg, sogar fünf Schwarzkittel. — Auf die Gemeindejagd Hohensolms wurde bei der jüngsten Verpachtung als Höchstgebot 820 Mk. erzielt. XX Atzbach, 29. Aov. Am Samstagnach- mittag wurde unter reger Beteiligung der Veteran Friedrich Fabel beerdigt. Der Krieger- verein gab über dem Grabe seines treuen Mitgliedes eine Ehrensa ve ab, die Gießener Reichswehrkapelle spielte in öanl.'swerter Weise Trauermelodien. sz. Hochelheim, 30. Nov. Bei einem Kes- feltreibenauf Hasen wurden am Samstag in unserer Gemarkung 4 1 Hasen erlegt. h. Dornholzhausen, 30. Nov. Das Dach unseres Kirchturms wird gegenwärtig instand gesetzt. Die Ausführung der Arbeiten ist dem Dachdeckermeister Heyd zu Butzbach übertragen. Unangenehm bemerkbar macht sich für die Dauer der Instandsetzung allerdings, daß die Kirchenglocken während dieser Zeit nicht geläutet werden können. d. Groß-Rechtenbach, 29. Nov. Die Eheleute Wilhelm B r ü ck e l feierten im Alter von 74 und 71 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit. Brücke! ist besonders in Fuhrmannskreisen als „Hof-Wilhelm" weit über die Grenzen unseres Dorfes hinaus bekannt. w. Münchholzhausen, 28. Aov. Die hiesige Gemeinde hat einen Teil des von dem Fürsten zu Solms-Braunfels erworbenen Grundbesitzes an hiesige Ortsein- lvohner öffentlich meistbietend verkauft. b. '21 u 5 dem Hü ttenberg, 29. Nov. Bei der Vergebung der diesjährigen Holzsällungs- arbeiten wurden im allgemeinen höhere Preise als im Vorjahre gefordert. So betrugen im Durchschnitt die Forderungen für die Fällung von einem Festmeter Stämme und Stangen 1. und 2. Klasse 2 Mk., von einem Raummeter Derbholz 2,20 Mk., von einem Raummeter Stockholz 3,50 Mk., für Reiser 0,90 Mk., für Rückerlohn 0,20 Mk. und für Stangen 4. dis 6. Klasse 3 Mk. Die Holzakkordanten erhalten durchschnittlich 2 Proz. der Hauerkosten für ihre Mühewaltung. Mi t den Holzfällungen, bei denen in erster Lineie auch geeignete Erwerbslose zu beschäftigen sind, wird schon in diesen Tagen begonnen werden. ftreid Marburg. |( Marburg, 29. Nov. Die evangelischen Bahnhofsmissionen Hessens hielten hier Ende dieser Woche eine aus der ganzen Pro- oinz gutbesuchte Arbeitskonferenz ab. Nach einem vorangegangenen Werbeabend im großen Saale des Philippshauses, bei dem die Leiterin der Kasseler Bahnhofsmission, Frl. Kröger, Lichtbilder aus der Tätigkeit der Mission zeigte, die durch einen Vortrag der Generalsekretärin der deutschen Bahnhofsmission, Frl. Reinicke aus Berlin, erläutert wurden, folgte anderen Tags die Hauptversammlung im Haus Freidhof. Außer den Vertretern der Landes- und anderen Behörden hatten sich auch viele andere Interessenten eingefunden. Ansprachen hielten u. a. der Landesjugendpfarer Schmidt aus Kassel und Konsistorialrat Prof. D. Born- Häuser aus Marburg. Man besprach die wichtigsten Fragen der Bahnhofsmission und ernannte zum Schluß einen Arbeitsausschuß für Hessen und Waldeck. Nachmittags fand eine gemeinsame Be- j sichtigung der Elisabethkirche statt. ftreitf Biedenkopf. XX Biedenkopf, 28. Nov. Vor dem Weltkrieg betrugen die städtischen F ü r s o r ge - ausgaben pro Jahr rund 3530 Mk, mithin auf den Kopf der Bevölkerung 1,17 Mk. Vom 1. April 1925 ab beläuft sich der gesetzliche Beitrag der Stadt zu den Kosten der örtlichen Fürsorgeausgaben mit 30 Proz. auf 5000 Mk. oder pro Kopf rund 1,50 Mk. Biedenkopf zählt nach der jüngsten Zählung 3371 Bewohner gegen 3015 im Jahre 1910. Mangau. Frankfurt a.M,' 30. Aov. WSA. Der Täter, der den Kriminalbeamten O t to Sack in der Savignystraße erschoß, ist, wie von Anfang an vermutet wurde, in Zuhälterkreisen zu suchen. Wie wir erfahren, soll aus diesen Kreisen (es handelt sich um den bef r ten ..Zuckerverein") die Drohung gekommen sein, daß noch eine Reihe weiterer Beamten, nahezu ein halbes Dutzend, erschossen werden solle. Es ist bereits die Festnahme eines Mannes erfolgt, gegen den gewisse Verdachtsmomente vorliegen. Die weitere Untersuchung wird ergeben, inwieweit er als Täter in Frage kommt. — Sn letzter Zeit tritt hier ein Schwindler auf, welcher für eine angeblich am 2. Weihnachtsfeiertage ftatt- findcnde Weihnachtsbescherung der Kinder von Kriegsbeschädigten und Krie- gcrhintcrbliebenen der K r i e g e r k a m e i a D - schäft Sammlungen vornimmt. Der Schwindler legimiert sich durch Vorzeigung eines qefälsch' ten Ausweises und legt dann eine Einzeichnuna»- liste vor. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei. Kirche und Schule. Reformationä-Crinnerungsfeicr in Alsfeld. >■* Alsfeld, 30. Aov. Zu einer erhebenden und imposanten Kundgebung der evange- tischen Kirchengemeinde Alsfeld gestaltete sich die am gestrigen ersten Adveitts- somttage in der festlich geschmückten Walpurgis- lirche abgehaltene Feier zur Erinnerung an die 400jährige Einführung der Reformation in der Stadt Alsfeld durch Dr. Tilemann Schnabel im Sahre 1525. den ehemaligen Mönch des Alsfelder Augustinerklosters. ein naher Freund von Dr. Martin Luther. Sn dem um 10 ilbr stattgefundenen ■ Festgottesdienste hielt Pfarrer Hechler- Alsfeld die tiefempfundene Festpredigt über die Bedeutung der Einführung der Reformation für die christliche Welt, lvährend der Superintendent der Provinz Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner in einer zu Herzen gehenden Ansprache anknüpfend an den Brief an die Hebräer über die Kraft und Macht des göttlichen Glaubens sprach und die andächtig lauschende Gemeinde ermahnte, auch heute wie damals die führenden Manner der Reformation denselben Mut und dieselbe Entschlossenheit zu bewahren. Zwei Sähe aus dem von Felix Mendelssohn vertonten 42. Psalm „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" und „Was betrübst du dich, meine Seele", welche der Kirchen- , gefangnerem mit Orchester und Orgelbeglcitung unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Meinhardt aus Alsfeld in wundervoller Reinheit und Klangschönheit zu Gehör brachte, umrahmten die erhebende Feier. Das geräumige Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Abends um 8 Uhr fand noch ein evangelischer Gemeindeabend in der Walpurgiskirche statt, welche wiederum voll besetzt war. Eingeleitet wurde der Abend durch den vom Kirchengesangverein vorgetragenen Chor ..Was ist das Fest" nach dem Chorsah des bekannten hessischen Kirchenmusikers Prof. Arnold Mendelssohn aus Darmstadt. Aach einem Gemeindegesang folgte eine Ansprache des Dekans -Dr. Unverzagt-Alsfeld. worin er namens des Dekanats Alsfeld der evangelischen Gemeinde seine Grüße und Glückwünsche zu der Erinnerungsfeier darbrachte. Den Höhepunkt des Abends brachte der Dortrag des Prälaten der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl über Bilder aus der 400jährigen Vergangenheit der evangelischen Gemeinde Alsfeld. Sn überaus fesselnder, schwungvoller Weise gab der Vortragende ein anschauliches Bild über das Leben, die Äot und die Kämpfe des Reformators von Alsfeld, Dr. Tilemann Schnabel, und über die geistige Größe dieses unerschrockenen Kämpfers der neuen Lehre, der 1525 die Lehre Luthers in Alsfeld einführte und hier 30 Sahre segensreich wirkte. Der Vortrag klang in die Mahnung an die Gemeinde aus. irach dem Beispiel der tapferen Dorlämpfer der Reformation auch in der heutigen schweren Zeit unseres Volkes auszuharren im Glauben an die göttliche Vorsehung aus eine bessere Zeit. Mit dem gemeinsamen Gesang des 4. Verses des alten Lulherliedes „©in’ feste Burg" schloß die Feier, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird.________ Bei Korpulenz oder Veranlagung raten wir. In der AvoiMke 60 Gramm erbte T olnl> n -.Kerne ui kaufen tue unfdiäblirbe, dabei fehr wirksame den TVcttaniaij reduzierende Stoffe cntljalien. Bestandteile auf der Packung. 91 8ss Srgenö etwas mutz geschehen für den armen Puppenpeter." „Srgenö etwas muß geschehen", wiederholte Wiesenstelz wie ein Echo. 2lber was? Das war der schwierige Punkt. Der alte Luginsland war sehr klug, ja, aber seit die Welt bestand, war Rürnberg nie der Schauplatz einer so verwickelten Geschichte gewesen. Man konnte es den Aürnbergern gar nicht ve" argen, wenn sie ihrem Unmut Ausdruck gaben. Wenn ein Spitzbube wie ein Spitzbube handelt, dann wundern sich die Leute nicht darüber, sondern lassen ruhig der Gerechtigkeit ihren Laus; wenn aber ein Mensch, den man für ehrlich hielt, sich als ein Gauner entpuppt, dann fühlen sich alle, die ihn achteten, betrogen und können ihm nicht verzeihen. Man darf daher die Nürnberger nicht verdammen, wenn sie von Anfang an so grausam mit Puppenpeter verfuhren. Aachdern Luginsland lange Darüber nachgegrübelt hatte, wie den Aürnbergern auf die Spur der Wahrheit geholfen werden könnte, kam et zu feiner tiefen Beschämung zu dem Schluß, daß hier all feine Weisheit versage, denn die Unwissenheit der Menschen ist so groß, daß sie nicht einmal die so einfache Sprache der Störche verstehen. Srnmerhin. einiges konnte man ja versuchen. Zum Beispiel einen Spaziergang auf den Dächern, wie es Bringglück vorgeschlagen hatte, mit Luginsland an Der Spitze, Schnabel- spitz hinten unD Wiesenstelz in Der Mitte. Schnabelspitz war eine etwas schrullige Störchin, Die, Gott weiß warum, nicht mit den anderen Zugvögeln wandern wollte. Sie hatte sich ein behagliches und sicheres Heim auf einem Der vier großen runden Türme eingerichtet und nährte sich von Mäusen und allerhand Abfall- stoffen. Dazu eigensinnig und hochnäsig, war sie keine recht vornehme Gesellschaft für Luginsland und Wiesenstelz, aber im Grunde genommen hatte sie ein gutes Herz. Als sie Die Geschichte mit Der Münze erfuhr, war sie ganz starr. Sie strich hastig ihr Gefieder zurecht, putzte sich Den Schnabel unD schloß sich Dem Zuge an. (Fortsetzung folgt.) von Nachdruck verboten. 4. Fortsetzung. I Kauft Offenbacher Kunsthauslose! 11317V Hanptausgabestelle: Offenbach a.M., Frankfurter Str.45. Loseverkauf bei den bekannten Loseverkaufstellen überall in Hessen. Pelzmärtel. Ein Nürnberger Spielzeugroman. harn ein Kunststück beibringt, Das ihn sehr befriedigt, denn sein Gesicht verzieht sich in hunDert Falten, und in jeDer nistet ein Lächeln." „Und Dann?“ fragte Wiesenstelz klopfenDen Herzens. „Dann übergibt Abraham Der Tante Berta schließlich einen größeren Gegenstand, etwas Rundes, das in der Sonne Feuer zu fangen scheint » glitzert es. Die abgerichlete Tante Berta Liegt wie vorher Damit nach Der gewohnten Mauerritze, kriegt aber diesmal bei der Rücklehr leine Rosinen. Abraham Schloß packt sie vielmehr bei den Beinen wie ein Huhn und schließt das Fensterchen, um sie Daran zu verhindern, Die Münze zurückzubringen, wie sie es mit Den Steinchen gemacht hatte. Daraus verläßt er Den Taubenschlag unD verkriecht sich wieder samt seiner Amsel, seinem Papagei und Der Elster in seiner Höhle. Sch glaube, er wirb sie am Ende noch erdrosseln vor Angst, daß man sie bei ihm findet." „Das hätte sie verdient", bemerkte Wiesen- stelz. „Hm — und Der Schrank?" „Der Schrank steht wieder an feinem Platz und verbirgt Die bösen Streiche dieses Abraham Schloß. Sst Dir nun alles klar?" „Sa, vollständig klar." Sn großer Erregung ging Wiesenstelz auf um) ab, und dazwischen blieb sie sinnend bald auf Dem einen, bald auf Dem anderen Deine stehen. „Wie schrecklich." sagte sie endlich, „daß wir den Menschen niemals begreiflich machen werden können, was Du mir eben erzählt hast." „Richt können?" polterte Der Großvater. „Wir m ü ssen können! Vergiß nicht, daß wir Zurückgebliebenen die einzigen sind, die in diesem kritischen Augenblick das edle Volk Der Störche repräsentieren, Das gegenüber solchem Unrecht nicht gleichgültig bleiben kann. Bringglück ist in heller Aufregung, sie will trotz ihres Leidens aufstehen, über Die Dächer humpeln, sich allen Aürnbergern zeigen, um sie Darauf aufmerksam zu machen, daß es mit der Gerechtigkeit in Nürnberg nicht weit her ist. Lind Bringglück hat recht. Für 1 Mark ein schlüsselfertiges Fünfzimmerhaus das an jedem gewünschten Ort aufgestellt wird. Rach Dem S alienischen Der Teresah erzählt Gustav W. (Sb e r (ein. Copyright 1925 by A. Scherl G.m.b.H., Berlin. Luginsland erzählte Wiesenstelz nun fol- endes: „Vor zehn Tagen ungefähr, es war herrliches Wetter, stand ich auf Dem Der Wohnung des Puppenpeters gegenüberliegenden Taubenschlag, unter Dem sich — höre mir aufmerksam zu — Die Kammer befindet, in Der Abraham Schloß wohnt. Es ist eine wahre Höhle, in Die er sich in feiner freien Zeit verkriecht, wobei ihm eine Amsel, eine Elster und ein ruppiger Papagei Gesellschaft leisten, seine Vögelchen, wie er sagt. Innen führt eine Wendeltreppe in den Taubenschlag hinauf, Deren Zugang durch einen Sch.ank verstellt ist, so daß feine Besuche, wenn er solche empfangen sollte, gar nicht auf öen Gedanken kommen, her schlechte Geselle könne durch den Taubenschlag auf das Dach gelangen. Gr muß das verstohlen tun, weil Der Taubenschlag nicht ihm gehört, sondern dem Hausherrn. Bist Du soweit nachgekommen?" „Sa“, sagte Wiesenstelz nachdenklich. „Aber eines verstehe ich nicht: wie kannst Du Denn etwas von einer inneren Wendeltreppe und einem verdeckenden Schrank wissen?" Der alte Luginsland plusterte sich auf, um seine Verlegenheit zu verbergen. Dann antwortete er wichtig: Wer Augen hat, Der sieht: wer Ohren hat, der hört: unD wer Verstand hat, überlegt. And wer neugierig ist, macht sich keine Gewissensbisse, wenn cs etwas auszuspionieren gibt. „Fahr fort", sagte Wiesenstelz. Sm ftiUeii dachte sie, daß Spionieren eigentlich eines rw k_ juaa»niaKct3i>»iaiMnn»B Dienstag, L Dezember 1925 Börsenkurse. Die Entwicklung der deutschen sondern^in^'das Sbcn stellt, braucht Klarheit und Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahlung. Banknoten. Proz. I oi-, je I 48.5 41 51.5 4 t : sich vor dem Menschen- erschienen die Vertreter der Ausnahme des der unbemerkt Letzte Nachrichten. Die Verträge unterzeichnet. London, 1. Dez. (TU. Funkspruch.) Wie der amtliche englische Funkspruch meldet, sind die Verträge von Locarno und die übrigen Abkommen, die am 16. Oktober paraphiert wurden, heute mittag im Foreign Office unterzeichnet worden. Die Ausfahrt der Delegationen. London, 1. Dez. (TA. Funkspruch.) Die Unterzeichnung der Locarno-Berträge begann heute kurz nach 12 Ahr mittags M._Z. Bei der Auffahrt der Delegationen hatte Konferenzgebäude eine große menge angesammelt. Als erste Italiener, dann folgten die englischen Regierung mit Premierministers Baldwin, i durch eine Seitentüre eingetreten war. Als dritte erschienen die Franzosen, an ihrer Spitze Ministerpräsident B r i a n d, gleich darauf der belgische Außenminister Bänder- velde mit der belgischen Delegation. Die deutsche Delegation wurde bei der Ankunft mit lebhaften Beifallskundgebungen der Zuschauer begrüßt. Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann dankten, indem sie den Hut lüfteten und freundlich lächelten. 40 a. M. Aufträge des Reiches und der Behörden in Ländern und Städten haben, liegt daher vor allem auch darin, daß sie Beispiele aktiver Kunstpslege aufstellen. Daher mag es kommen, daß der amtlichen Kunftpflege gegenwärtig eine solche Beiwutung beigemessen wird. Aus dem gleichen Grund ist die kirchliche Kunstpflege erneut in den Vordergrund getreten. Bei dieser Lage der Dinge, die uns in einer Zeit des Wandels findet, wird es von entscheidender Bedeutung sein, daß möglichst wenig Dinge die abgelebten Formen des Gestern weiterzuschleppen suchen. Was wir auf dem Gebiete der Kunstpflege tun, soll vielmehr planmäßige Weg- bereilung für die Zukunft sein. Denn über alle praktischen Bedeutung, die die Durchdringung des Lebens mit künstlerischen Werten hat, steht die Tatsache, daß der schöpferische Künstler, auch wenn er fern vom Leben ringt, prophetisch die Zukunft vorausahnt. Wo daher ein Volk ehrlich nach neuem Anstieg strebt, ist es eine seiner entscheidenden Lebensfragen, daß es die Vorzeichen d e r Z u k u n f t versteht, wie sie im Schaffen des Künstlers erkennbar sind. bis 4 Proz. erreichten. Starkes Interesse konzentrierte sich auf den Schiffahrtsmarkt, für dessen Werte starke Begehr bestand, wie überhaupt die feg. amerikanischen Freigabewcrte sich großer I Kauflust erfreuten. Als günstiges Moment ist auch die I Besserung des französischen 'Frankenkurses zu be- Düchertisch. — Das schönste Rind. Anleitung zur Beurteilung der Körperbeschaffenheit des Rindviehs. Vierte Auflage, neubearbeitet von Prof. Dr. Kraemec, Direktor des Tierzuchtinstituts der Universität Gießen. Verlag von P. Parey, Berlin. Preis 13 Rm. — Das von Prof. Dr. K r a e m e r - Gießen neubearbeitete, treffliche Werk bringt in klarer, leicht verständlicher Darstellung, die durch gute Abbildungen aufs beste unterstützt wird, einen Uederblick über alle Punkte, die für die Beurteilung des Rindes maßgebend sind. Der Titel des Buches „Das schönste Rind" könnte den Eindruck erwecken, als ob das Hauptaugenmerk bei der Beurteilung auf die Formen des Tieres zu richten fei. Eine Durchsicht des Buches ergibt aber, daß dies nicht der Fall ist; vielmehr wird besonders betont, daß neben dem Begriff der Schönheit steis der Begriff der Zweckmäßigkeit im Bau des Tieres zu stehen hat, daß Schönheit des Tieres mit guten Leistungen verbunden fein soll. Daß auf diesen Gesichtspunkt, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht, größter Wert gelegt ist, macht dasselbe in der heutigen Zeit, in der die Zucht auf Leistung immer mehr in den Vordergrund treten muß, besonders wertvoll. Jedem Züchter und Landwirt, der sich in der Beurteilungslehre des Rindes gute Kenntnisse erwerben will, wird das Buch die besten Dienste leisten: seine Anschaffung kann deshalb aufs wärmste empfohlen werden. (791) Schlicht. Wirtschaft. * R o r d d c u t s ch e r Lloyd. Bremen. Bon den 32 Millionen Rm. neuen Aktien, zu deren Ausgabe die Berwaltung des Rorddeut- schen Lloyd von der am 17. Dezember 1924 ab- gehaltenen Generalversammlung ermächtigt worden ist, ist bekanntlich Anfang ds. Is. ein Betrag von 8 Mill. Rm. begeben worden. Dieses Aktienpaket befindet sich im DrUhe des Bankenkonsortiums des Rorddentschen Lloyd, das diese 8 Mill. Reichsmark jungen Aktien in den nächsten Tagen zur Zeichnung auflegen wird. Bezüglich der zur Durchführung der Fusion mit der Rolandlinie. der Hamburg-Brcmer-Afrikalinie und der Reederei Horn notwendigen Begebung weiterer zwölf Millionen Rm. Aktien auf Grund der Ermächtigung vom 17. Dezember 1924, die zur Durchführung des Aktienumtausches gebraucht werden sollen, wird, wie mitgeteilt, eine Generalversammlung des Rorddeutschen Lloyd am 31. Dezember ds. Is. beschließen. Die Kosten den Durchführung der Fusion werden auf etwa 4?0 000 Reichsmark geschätzt. * Phönix A. G. für Bergbau und j) ü 11 e n b e t rl e b e, DüsZeldors. Wie der DHD. von Verwaltungsseite erfährt, wird das vor-, übergehend stillgelegte Grobblechwalzwerk in Lie- renfeld wieder in Betrieb genommen werden, da es der Gesellschaft gelungen ist, einige größere Aufträge für Grobblech zu erhalten. Die Bemühungen um Aufträge, welche die Wiederinbetriebnahme des Lierenfelder Röhrenwalzwerke zum Ziel haben, werden fortgesetzt, so daß man hofft, in absehbarer Zeit hier wenigstens seine Röhrenstraße in Betrieb nehmen zu können. Berliner Börse. Berlin, 1. Dez. Stärkere Beachtung als die Bewegung am Effektenmärkte fanden bei Beginn der Börse die großen Schwankungen am Devisenmärkte. Zunächst setzte sich der Verfall der polnischen Währung rap.ide fort. Warschau war gegen Mittag gegen Dollar bis auf 10 gesunken. Die Baissebewegung wurde stark angeregt durch d i e Flucht von der polnischen Währung. 3m Gegensatz hierzu zog Paris im Laufe des Vormittags bis auf 119,87 gegen London an, stellte sich aber gegen mittag bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs wieder auf 122,25 gegen London. Für die Aktienmärkte resultierte aus der günstigen Bewegung des Franken k u r s es eine bedeutende Anregung. Außerordentlich lebhaft waren die Amsähe am Schiffahrts- markte, der gegenwärtig durch verschiedene Anlässe die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch die sog. amerikanischen Freigabewerte blieben weiter stark gefragt. Ferner bestand für ausländische Renten unter Führung von Türken starkes Interesse. Das Gesamtbild der Börse bot somit ein freundliches Aussehen. Die ungünstigen Lageberichte aus dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat und die schlechten Meldungen über die Roheisenmarktlage wirften sich nicht aus. Günstig wirkte die E n t - spannung am Geldmärkte, wo tägliches Geld zu 8 Prozent leicht zu haben war. Anders war dagegen die Lage für Monatsgeld, da diese Ausleihungen mit dem Iahresschluß zusammenfallen und Die Geldgeber daher außerordentlich vorsichtig sind. Im Devis en verkehr waren außer den schon erwähnten Schwankungen der polnischen und französischen Währung keine wesentlichen Veränderungen zu verzeichnen. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,35, Amsterdam 59,20. Frankfurter Börse. Frankfurt, ). Dez. Tendenz sehr fest. Nach dem gestrigen unsicheren und schwankenden Verlaufe fern an der heutigen Börse wieder eine zuversichtlichere Stimmung zum Durchbruch, wobei sich eine gesteigerte Unternehmungslust zeigte. Durch den glatten Verlauf der Ultimo-Abwickelungen und des nunmehr tatsächlich erfolgten Beginns der Räumung der Kölner Zone angeregt, nahm die Spekulation zumeist Deckungen und Rückkäufe vor, was zu Kursbesserungen führte, die vereinzelt 3 Zielsicherheit in der Kunstpslege. Wenn wir zugeben, aß heute der Künstler nicht mehr außen stehen soll, andern daß er ins Leben gehört, so folgt daraus, daß eracinzend zu der lediglich auf Sammeln einzelner Werke gestellten passiven Kunstpflege eine aktive treten muß, die mit bewußtem Willen die Arbeit des Künstlers verlangt und ihn vor Aufgaben stellt, die ihn mit dem Leben des Tages verbinden. Der Wert, den die künstlerischen als etwas gebessert anzusehen, da weitere Meldungen über Schwierigkeiten bis jetzt nicht eingegangen sind. Aus allen diesen Erwägungen war die Tendenz bei lebhaften Umsätzen ziemlich fest, Die Montanwerte wiesen gute Besserungen auf. Schiffahrtswerte lagen sehr fest und konnten ansehnliche Gewinne verbuchen. Elektrowerte waren gesteigert. Chemieaktien schlossen sich dagegen der Aufwärtsbewegung nur zögernd an, die Kursgewinne nahmen hier kein größeres Ausmaß an. Bankaktien waren wenig verändert. Der Kaffamarkt der Jnduftrie- papiere lag überwiegend schwächer. Motoren- und Maschinenaktien waren zumeist gehalten. Von Zuckeraktien erzielten Frankentaler eine Besserung von 2 Prozent. Deutsche Anleihen blieben vernachlässigt. Der Freiverkeyr lag ruhig. Api 0,4, Beckerkohle 39 Proz., Benz 27 Proz., Growag 38 Proz., Brown-Boveri 52 Proz., Krügershall 72 Proz., Ufa 48,5 Proz., Unterfranken 49,5 Proz. Der weitere Verlauf brachte zeitweise Stockungen in das leb-' hafte Geschäft, auch die Tendenz kam ins Schwanken, und vereinzelt zeigten sich auf Gewinnsiche- rungen hin leichte Rückgänge. Die Grundstimmung blieb aber fest. Am Geldmarkt bestand etwas stärkere Nachfrage. Tagesgeld stellte sich auf 9j P Monatsgeld ist unverändert bei 10 bis 11 Proz.. , nach Adresse. Bankdiskonte 7 Proz. Jndustrieakzepte 9 Proz. 3m Deoisenverkchr ist, wie bereits angedeutet, eine starke Erholung des französischen Franken eingetreten. Paris stellte sich gegen London auf 120,25. Die übrigen Valuten sind unverändert. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 1. Dez. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer 25,25 bis 25,50, Roggen, inländ. 18,25, Sommergerste für Brau- ztoeeke 22,50 bis 25. Hafer, inländ. IS,50 bis 21,25, Mais, gelb 20,50, Weizenmehl inländ., Spezial 0 40,75 bis 41,25, Roggeumchl 26,75, Weizenkteie 10,75, Roggenkleie 10,75 bis 11. Tendenz befestigt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 30. Rov. Die neuerlichen schwachen Liverpooler Anfangskurse bctoirltcn an der amtlichen Berliner Produktenbörse für Brotgetreide allgemein merklich niedrigere Kurse. Das Inland- angcbot für Weizen und Roggen bleibt andauernd klein. Demgegenüber steht wesentlich vorsichtige und recht geringe Kaufneigung. Am Lokomarkt hörte man bei Beginn bis zu 4 Mark ermäßigte Rotierungen. Im Zeithandel gingen die Abschläge wesentlich darüber hinaus, und zwar für Roggen stärker als.für Weizen. Don letzterem verlor Dezember 4 Mk., März und Mai sogar 5 bzw. 6 Mark pro Tonne Roggenlieferung für nahe Sicht ging auf 4 Mark unter den Schluß des Samstagniveaus zurück. März büßte sogar 6 Mark ein, Maitermin auf vereinzelte Realisationen 8,50 Mark. Gerste ruhig und ziemlich behauptet. In Hafer erhält sich das Angebot, doch führten auch die durchschnittlich ermäßigten Offerten zu wenig Geschäft. Mehl schwächer, Futter- artikel ruhiger. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märk. 245 bis 248, do. Dez. 258,50 bis 257,50, do. März 268,50 bis 266,50, do. Mai 270 bis 269, Roggen, märk. 154 bis 158, do. Dez. 167,50 bis 169 bis 168, do. 2Närz 183 bis 185 bis 184, do. Mai 188,50 bis 190 bis 189,50, Gerste, märk. 189 bis 213, Futtergerste 153 bis 166, Hafer, märk. 169 bis 179, do. Dez. 170 bis 172, do. März 186, Mais (loko Berlin) 198 bis 202: für 100 Kilo: Weizenmehl 31 bis 36, Roggenmehl 23 bis 25,25, Weizen kleie 11,40 bis 11,50, Roggenkleie 9,70 bis 9,80, Diktoriaerbsen 25 bis 32, kleine Speiserbsen 23 bis 24, Futtererbsen 19,50 bis 20,50, Peluschken 17 bis 18, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 20 bis 22, Lupinen, blau 11,75 bis 12,25, do. gelb 13 bis 14, Serradelle 19 bis 21, Rapskuchen 15 bis 15,40, Leinkuchen 23,20 bis 23,40, Trockenschnihel 8 bis 8,50, Torfmelasse 7,80 bis 8, Kartoffelflocken 15,20 bis 15,60, Soya- schrot 21,40 bis 21,60. ‘ ■ “ ■'" Rahma ■ biuterylemi l_______:_____2_____________________ -- ' ---------------— 3°/, Deutsche Ncichsanleibe ■ 4% Deutsche Ncichsanleibe . 87,% Deutsche Neichsanlcide 3% Deutsche NeichSanlcche - Deutsche Cvarpramienanleche 4°,» Preußische KonsolS • . ■ 4% Hesse«........... 3%% Hessen 3% Hessen........- - - Deutsche Wertd. Dollar-Anl. dto. Loll.-Schav-Anweiing.') 4% Volltürken 5% Goldmcrikaner > - . - Berliner Handelsgesellschaft • (Sommers« und Privat-Bank L armsl. und Nationalvank - Deutsche Bank......... Deutsche BcrcinSbank .... Tisconto (Lommandit ... Metallbank Mitteldeutsche Kreditbank. . Lesterreichifche Kreditanstalt Westbank .......... Lochumer Guß Buden.S . ...••••.• Caro ........ Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Ztaltwerke Aschersleben.... -raliwerk Westeregeln..... Laurahütte Oberbcdarf Phönix Bergbau ..... Rhcinstahl Pie bell Montan ...... TelluS Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... Thcramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Conl.-Guano .... Badische Anilin Chemische Mauer Alapin . . Goldschmidt Gries1 cimer Electron .... Höchster Farbwerke volzverkovlnng ...... RütgerSwerke ......... Echeideanstalt ........ Allg. ElektrtzilätS-Gescllschast Bergmann ......... Mamkraslwerke Schultert..... Siemens L Halske ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligensiacdt Meguin. ........... Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . . Mctallgcsell chaft Frmrkfurt. Pet. Union 5a.«®. Schuhiabrik Herz...... Sichel ...... . Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . besondere auch die bahnbrechende Arbeit der deutschen Bühnenkunst und der reproduzierenden musikalischen Kunst eine neue Einsicht oorbereiten hilft. Meiner Auffassung nach ist bereits ein „nur" als Gelegenheitsgedicht im Auftrag entstandenes Werk wie Fritz von Unruhs „Heinrich aus Andernach", das der Jahrtausendfeier eine für alle verständliche Form zu geben vermochte, ein Symptom dafür, daß die Brücke geschlagen ist. Und überlegt man sich, wie im Gegensatz zur Inflationszeit das Lesebedürfnis des deutschen Volkes, das für das Zeitalter des Kino schon als gänzlich überwundener Standpunkt galt, sich neu belebt hat, so wird man erkennen, daß der innerste Wert des Volkstzims nach einer leben-- feigen Kunst verlangt. Di? Hoffnung auf eine solche I Besserung Kunft nach dem Kriege. Gegenwärtig findet in London eine große Internationale Kunstausstellung statt, auf der auch deutsche Kunst vertreten ist. Aus diesem Anlaß bat unser Berliner Vertreter den R e i ch s k u n st - wart Dr. Edwin Redslob um eine Unterredung über die Lage der deutschen Kunst nach dem Kriege sowie über seine Beobachtungen und Erfahrungen auf diesem Gebiete. Dabei erklärte DrIRedslob: Die geistige und wirtschaftliche Krise der Zeit hat die Grundbedingungen des künstlerischen Lebens in Deutschland entscheidend verändert. Die Zeit vor feem Kriege ließ den Künstler wohl als erfreuliche Nebenerscheinung gelten, wobei man sich seiner Arbeit im Sinne des Luxus freute. Ein inneres Bedürfnis nach der Realisation künstlerischer Arbeit und Auffassung im wirkenden Leben war jedoch nid)t vorhanden. Eine Beibehaltung der Kunst lediglich als einer luxuriösen Nebenerscheinung kann sich die heutige Zeit nicht mehr leisten. Unerbittlich müssen wir Musterung halten und nur das, was feine Berechtigung täglich erweist, für die Zukunst gelten lassen. Das bedeutet nicht Absage an die Kunst, das bedeutet vielmehr erst recht Bejahung der Kunst, die freilich nicht mehr wie früher außerhalb stehen, sondern das Leben wirkend durchdringen soll. Will man sich das Ziel dieser Wandlung klarmacheu, so muß man sich zunächst überlegen, daß wir bisher für unsere Künstler gleichsam nur das Dachgeschoß des Hauses zur Verfügung hatten: Der Dichter träumte im Dachstübchen, wie ihn Meister Spitzweg gemalt hat, feer Komponist war sein Leidensgefährte, und der Maler verbannte sich freiwillig vier Stockwerke hoch in sein Atelier. Es ist nicht nur die Not, sondern es ist auch das Verlangen nach Verbindung mit dem Leben selbst, was heute die Künstler, wieder im Gleichnis gesprochen, ins Erdgeschoß der Häuser holt. Für den Dichter und Musiker ist es dabei freilich häufig noch sehr schlecht bestellt in Deutschland, und meist bedeutet die Verbindung mit der Wirklichkeit lediglich den Ruf zum Film, zum Radio oder zum Grammophon. Am ersten hat der bildende Künstler in Deutschland den Weg gefunden, und zwar, indem er zu den Werkstätten der Industrie und des Handwerks wie auch ins Kontor des Kaufmanns ging. Unter solchen Gesichtspunkten gewinnt der Siegeszug der Gebrauchsgraphik, den wir während der letzten Zeit in Deutschland beobachten konnten, gesteigerte Bedeutung. Unter den führenden deutschen Persönlichkeiten, die Entscheidendes vollbrachten, sind u. a. besonders der verstorbene Karl Ernst O st - haus, der mitten im westlichen Industriegebiet eine Verbindung von Künstler und Kaufmann betrieb, ober Peter Behrens und Bruno Paul gewesen, die sich nicht begnügten, im abgeschlossenen Atelier zu arbeiten, sondern den Stil der Zeit in der Arbeit für die Industrie und das gesamte reale Leben erkennen und erfüllen wollten. So ist vom deutschen Architekten und Gebrauchsgraphiker der Stil unserer Zeit tatsächlich entscheidend beeinflußt worden. Einen Gesundungsprozeß stellt auch die neue Hinwendung der Kunst zum Handwerk dar, das von einigen Leuten bereits totgesagt worden war. Die Entwicklung der letzten Jahre hat aber gerade den Wert der handwerklichen Arbeit als Gegengewicht gegen den Drang nach Typisierung gezeigt. Das hat viele künstlerische Kräfte zur handwerklichen Arbeit gebracht. Man denke an die Entwicklung der deutschen Bildhauerei, wie an die Hinneigung der Maler zu monumentalen Arbeiten und an die einzigartige Belebung der deutschen Graphik lind der graphischen Techniker. Ueberdenkt man diesen sachlich Har erkennbaren Gesundungsprozeß, so muß man sich wundern, wenn immer wieder von einem Rückgang der Kunst in Deutschland gesprochen wird. Allerdings sind die entscheidenden Werte der Kunst nicht mehr so sehr an den Stellen zu sehen, an denen man sie früher suchte. Heute darf sich derjenige, der sich in Deutschland über die Kunst der Zeit orientieren will, nicht mit einem Besuch der Kunstausstellungen und Sammlungen begnügen. Er findet das Schaffen der Künstler vielmehr auf Straßen, in Maschinenhallen, Bahnhöfen, Bühnenbauten, ja, m den Packungen und geschäftlichen Anpreisungen der Waren mehr uub mehr wieder auch in der Kirche, im Stil der Bühnenkunst und der Form der Feste. Sv hat tue einstige Trennung zwischen Künstler und Publikum einer neuen Verbundenheit von Kunst und Leben Platz gemacht. Und wenn sich das Interesse des deutschen Volkes zunächst noch einseitig verhält, so ist doch auch hier eine Wandlung gegen die Vorkriegszeit zu spüren. Auf der einen Seite will man die Nutzbarmachung der Kunst für die Arbeit des Alltags, auf der andern Seite aber ruft eine neue geistige Einstellung nach dem Künstler als nach dem inneren Offenbarer der Zeit. Daher das Verlangen nach' Erstauführungen zeitgenössischer Dichter und Musiker. Daher auch die Möglichkeit, in der Repräsentation von Reich. Ländern und Gemeinden den zeitgenössischen Künstler ganz anders zu Wort kommen zu lassen als früher. Die Künstler verstehen nur nicht immer dieses Verlangen des Volkes nach einem Zusammengehen und einer alle angehenden . Kunst. Auf diese Sehnsucht antworten sie vielfach, indem sie sich ins Artistische zurückziehen. Diese Entwicklung liegt schädigend auf dem Thcaterleben wie auch auf der Musikpslege in Deutschland. Es ist aber zu hoffen, daß die bahnbrechende Arbeit der dem modernen Leben verbundenen Künstler und ins- Frankfun a.M. Berlin 5d)lut^ i t-Udr« Rv.rs flut» Schluh« »ur» Anfang Datum: | 30. 11 1.12 30. 11 1. 12. 0.19 0 195 .1925 ,1925 — *• — 0 195 ■ — 0 19 0.19 ,1925 0.195 0.32 — 0.2 0,310 0.105 0 105 — U 195 — .1925 0,19 —» ; — 0 2 t — — — 0.17 —• — — 0.165 — 90,25 — 91,75 — 97.25 — 9; .6 — 3,3 8.41 8 25 — — 12 1 —— — 135 3' — 136 5' । 133,7* 94* — 94,25* V4' 1U4e .— 104' 101,2- 105' — 105* 105,7* CO, 25 — —■ 1 — 101,2- — 101,5' 101,5' 69,75 — ■e — — 89' — 89.5 6.8 — 6,9 6,9 0.03 — — — — • 65,25' 67.75* 32,75 31.75 33 33,75 — 3»75 36 62,75' 65 5 53.7»' 65* 69, r — 70 25' 72 5' — — 99.5' 10t* 98 99.5 98 5 98 5 103.5 101.5 101,25 — 32 — 31.25 — 40' 40' 62,5' 64' 65* 51,<5* 52.75* 63 63 63,5 49 — — — 76 5' 77.9* 76.5' 78 5* 79,25 81,5' 79,25* 82,75* — — — 54.5 56 — — 41 !' 45 44.9 — — 69 — 114,5' 114,5* 114,2* 115,2' — — — — 56,1 60,5 58.5 62.25 112.5' 113,5* — IIP 111,2' 114 111,75 42,5 — _ - • — 54 - 77 78 — — 92,75' 1 94,75' 93.5* 95* 65' - 66 75 — 66 - — —— — • — 61.25' 62,75* — — 75.5' 76.5 26,5 26 26,5 Z5 — 25.25 26 75 — — — 25 — 25 1 — — 1 — 37,1 19 1 — — — — — — 83 83 — 52,5 52,5 52 25 — 21 ! <2.1 22 — 2.9 I 2,75 — — 73,75 4 ,75 — 30 Novbr. 1. Dezbr. Amtliche Noti runa Amtliche Notierung Geld Brief Geld Briet Amy.-Ron Buen.-Aires 168,64 169,06 168,61 169.06 l.§42 1.738 1.742 1.738 Brss.-Antw- 19,00 85,89 104,37 19,04 19 00 19,04 Christiania. 85,69 85,84 85,56 Kopenhagen 104,63 104,32 104,58 Stockholm . 112,21 112,49 112,21 112,49 HMngforS. 10,55 10,56 10.65 10,59 Italien. . 16,91 16,95 16,91 16.95 20,3;2 London. . 20,324 20,374 20.322 Weutjorf . . 4,195 4,205 4,195 4,20' Parts. . . 16.32 16,36 16,615 16,655 Schwei; . . 80,86 51,06 80,84 81,04 Spanien. . 54,48 59.6'2 59,43 59,79 1,812 Japan . . . 1.808 1,811 1 808 '»io de Ian. 9.592 0.594 ) 589 1.591 Wien in D-- £eft. abgest 59,18 59,32 59,19 59,33 Prag .... 12,42 1'2.46 12,42 12,46 Belgrad . . 7,425 7,445 7,425 7,445 Budapst . . »,877 ».897 .1,875 5,895 Bulgarien . 3.045 ■ ,055 3.045 8,05 > Lissabon . 21,275 1,325 21,275 21,325 Danzig. . . 80.59 80,79 80 .' 9 80.79 Konstantin. 2,269 2.279 2,245 2,255 Alben. . 5 49 a.51 5 49 5.51 Canada. . . 4,197 1.207 4.197 4.2i7 Uruguav • 4,285 4,295 4.285 ; 4,295 Berlin, 30. Novbr Geld Brief Amerikanische Note»..... 4,191 4.211 Belgische Noten........ Dänische Noten ...... 18,9t 104,11 19,01 104,63 Englische Noten........ 20,285 20,38» Französische Noten ...... 16,30 16 38 Holländische Noten...... 168,25 169.09 Italienische Noten...... 16,92 16,08 Norwegische Noten...... 85,11 85 63 Deutsch-Ocstcrr-, aioo Kronen 68.99 59,29 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten...... 111,97 112,53 Schweizer Noten....... 80,63 81,01 Spanische Noten..... . 59 45 Tschechoslowakische Noten . . 12.386 12.44> Ungarische Noten....... 5.827 5.867 zeichnen, auch die wirtschaftliche Lage beginnt man Für Minier und Weihnachtsbedari Cafe Amend .................. .H.i-.nl. 11321a M I HOTEL KOHLER ■"// I 09639 Beste Qualitäten * Biedere Preise '’S F tl34üc em. bei 11343V Spezialität: Hing iiir korpulente km» 53 Lichtspielhaus u £.E Gießen ■ 11111111H1111!11'11'! 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