Nr. 230 Erstes Blatt (L) 175. Jahrgang Donnerstag, 1. Gttober (925 Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats-Vezugrprelr: 2 Goldmark u 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r nfp r e ch-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der. lagundlöeschäftsstelleSl. Anschrift für Drahtnach. richten: AnzeigerEiehen. Postscheckkonto: Zranlfurt a. M. 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oderhefsen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Buch- und 5teindruckerei R. Lange in Sieben. Lchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re« Klame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20°/, Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Preissenkungsaktion der Reichsregierung. Die Bilanz von Genf. Der Völkerbund ist wieder einmal aktuell, was er freilich nicht so sehr seinen eigenen Leistungen verdankt, als der Tatsache, daß um seinetwillen beinahe die ganze Auhenminifter- konferenz in die Brüche gegangen wäre, älnd nur deswegen, weil Deutschland sich aus Loyalitätsgründen für verpflichtet hielt — da nun einmal von der Gegenseite zwischen dem Sicherhettspakt und unserem Eintritt in den Völkerbund ein enger Zusammenhang konstruiert ist —, bevor Lieser ganze Fragenkomplex angeschnitten wird, zu erklären, dah unsere Mitgliedschaft im Völkerbünde keineswegs eine neue Anerkennung der Kriegsschuldlüge bedeutet. Briand hat sich mit einem papiernen Protest begnügt, schon weil er einsieht, dah für Frankreich der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund doch wohl vorteilhaft ist. Denn tatsächlich spielt heute Frankreich in Genf die entscheidende Rolle, England ist ziemlich an die Wand gequetscht, obwohl es der Regierung Baldwin gelungen ist, sich aus der Fußangel etwas gewaltsam zu befreien, in der sich Mac- d o n a l d unter dem Stigma des GenferPro- t o k o l l s hatte fangen lassen. Dies Genfer Protokoll, das für uns unannehmbar war, weil es eine Verewegung des Versailler Anrechts bedeutete, war für Frankreich deshalb so wichtig, weil es praktisch die englische Macht für französische Zwecke ziemlich rest- los zur Verfügung gestellt hatte, And dazu konnte sich ein konservatives englisches Kabinett nicht hergeben, schon weil es auf die Stimmungen in den Dominions Rücksicht nehmen muhte. Das eigentliche Kennzeichen der jetzt hinter uns liegenden Völkerbundstagung ist also dies, dah dasselbe Protokoll, das vor einem Jahr feierlichst unterzeichnet wurde, ebenso feierlich wiedLr begraben wird: das Protokoll, dos der Mlomatische Hans Dampf in allen Gassen Bene sch mit dem Worte gefeiert hatte: „Wir haben den Krieg getötet", während es Chamberlain mehr richtig als höflich als eine Organisation des Krieges bezeichnet hatte. Frankreich hat diesem Lielingskind zwar blutige Tränen nachgeweint, es war aber klug genug, trotzdem mit einigen kriegerischen Worten von der Weisheit Englunds sich damit abzufinden, und gab schließlich die Parole aus, dah es die Aufgabe des Völkerbundes sein werde, durch Sondervereinbarungen zuletzt zu dem Genfer Protokoll zu kommen, während England unter ausdrücklicher Ablehnung des Prinzips des Genfer Protokolls besondere Vereinbarungen nur für besondere Zwecke schaffen will. Das aber läßt sich, wie ja gerade jetzt die bevorstehenden Verhandlungen mit Deutschland zeigen, nur ohne den Völlerbund erreichen, der deshalb auch in diesen Besprechungen vollkommen kalt gestellt ist und nur nachträglich die Freude haben soll, wenn alles in schönster Ordnung ist, Deutschland unter seinen Mitgliedern begrüßen zu dürfen. Wir gehen nicht gerne nach Genf, der Begriff des Völkerbundes ist für uns verknüpft mit dem schreienden Unrecht von Liberschlesien und mit dem Skandal des Saargebietes. Auch die Illusionisten unter uns sind deshalb längst von dem Glauben geheilt, dah uns aus Genf die Rettung kommen könne. Wenn wir unseren Eintritt uns überlegen, so kann das nur auf ruhigen, verstandesmäßigen Erwägungen geschehen, es kann, sich für uns lediglich um die Entscheidung handeln, ob wir politisch ein besseres Geschäft machen, wenn wir draußen bleiben oder wenn wir hineingehen. Die letzten drei Wochen, wo in Genf wieder einmal die Komödie einer Vollversammlung gespielt wurde, reizen wenig dazu an, die Vorteile eines Eintritts irgendwie zu unterstreichen. Der Vorsitzende der Tagung, der französische Kanadier Dandurand hatte denn auch Mühe genug gehabt, in seiner Schlußrede Leistungen zusammenzukratzen, die sich nach außen hin sehen lassen können. Es kommt nicht viel mehr dabei heraus, als humanitäre Beschlüsse, die, so fürchten wir, meistens a u f dem Papier bleiben. In allen Mrnder- h e i t s f r a g e n hat der Völkerbund auch diesmal wieder vollkommen versagt; er hat den Polen Recht gegeben gegen Danzig, er hat die Beschwerde des Ungarn App onyi zugunsten der Minderheiten abgedrosselt, er hat auch vollkommen übersehen, daß in Marokko und in Syrien ein Krieg geführt wird, dessen Verhinderung eigentlich seine erste Aufgabe sein sollte. In beiden Fällen aber war Frankreich beteiligt, und da durfte der Völkerbund nicht mucken. Auch den Streit zwischen England und der Türkei über Moss ul hat man vorsichtshalber vertagt, kurz, das Ergebnis ist dürftig und unbefriäigend und würde vielleicht auch nicht viel anders aussehen, wenn Deutschland einmal Mitglied ist. Trotzdem, wir könnten mancherlei verhindern. An uns hätten die Saar und Danzig ebenso wie Oesterreich eine starke Stühe, die Minderheiten dürften auf unsere Hilfe rechnen und vielleicht wird schon die Anwesenheit Deutschlands genügen, um viel zu verhindern, was heute gleich über die Bühne geht. Voraussetzung aber dabei bleibt immer, daß wir durch unser«! Eintritt keinerlei Verpflichtungen ideeller, materieller und moralischer Ratur übernehmen, die unsere internationale Lage verschlechtern. Ob das möglich sein wird, kann sich erst im Zusammenhang mit den Paktverhandlungen zeigen, und solange bleibt auch die Frage offen, ob die nächste Assemblee die Ehre haben wird, eine deutsche Delegation in Genf zu sehen. Berlin, 30. Sept. (WTB. Amtlich.) Die Reichsregierung hatte in ihrer Erllärung vom 27. August eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, deren Durchführung der damals vorhandenen Tendenz der allgemeinen Preissteigerung entgegenwirken sollte. Diese Maßnahmen sind zum Teil durchgeführt, zum Teil in der Durchführung Gegriffen. Andere mit dem gleichen Ziel haben sich inzwischen angefchlossen. Weitere Maßnahmen werden öor&ereitet. — Im besonderen ist mit Rücksicht auf die am 1. Oktober in Kraft tretende Ermäßigung der Umsatzsteuer von l1/2 auf 1 Prozent bei allen in Betracht kommenden Wirtfchaftsverbänden auf eine einheitliche Preissenkung hingewirkt worden. Die Spihenorganisationen haben sich zur Durchführung bereit erflärt. Entsprechend dem Wesen der Umsatzsteuer kann natürlich die von ihrer Ermäßigung ausgehende Verbilligung am 1. Oktober nur erst dort eintreten, wo der letzte Verkauf im Handel mit einer Umsatzsteuer belastet ist. Die an sich gleichzeitig eintretende Verbilligung der Zwischenumsätze wird sich dann fortlaufend in weiteren Preisermäßigungen der Derbrauchsgüter auswiüen. Auf dem Gebiete der industriellen Erzeugnisse haben die Verhandlungen mit den Verbänden in einer ganzen Reihe von Fällen zur Zurücknahme von beabsichtigten Preiserhöhungen, z. B. in der Kali-, Schreibmaschinen- und Fahrradindustrie, in den Ziegeleien und im Möbeltransportwesen, und zu Preisherabsetzungen geführt, z.B. bei Textilien, Schuh- und Lederwaren, bei Roheisen, Schrott, Maschinenölen und Fetten, bei Benzin, Mauersteinen, Automobilen und Krafträdern usw. Mit Wirkung vom 1. Oktober sind weitere Preissenkungen zum Teil erheblich über das durch die Herabsetzung der Umsatzsteuer bedingte Maß hinaus gesichert, so z. D. für Roheisen, Stabeisen, Kohle, Hausbrandbriketts und Zement, Verhandlungen wegen weiterer Preisherabsetzungen schweben. Gegen eine Reihe von Verbänden, die nach Auffassung der Reichs- regierung unberechtigte Preiserhöhungen in letzter Zeit beschlossen haben, ist bereits mit den Mitteln der Kartellverordnung vorgegangen worden. Mißbräuchen im Kartellwesen wird mit aller Schärfe begegnet. Auf dem Gebiet der Ernährung muß hervorgehoben werden, dah wichtige Lebensmittel, wie z. B. Getreide und Kartoffeln im Preis im Verhältnis zum Teu- erungsdurchfchnitt niedrig stehen. Es ist Vorsorge getroffen worden, dah der D r o t p r e i s dem sinkenden Getreidepreis folgt. Die Fleisch- preise unterliegen fortgesetzter Kontrolle. Bei Richteinhaltung der für das Fleifchergewerbe bestehenden polizeilichen Bestimmungen werden Strafverfahren eingeleitet und gegebenenfalls die Schliehung der Läden veranlaßt werden. Der Margarinepreis ist gegenüber dem Vorkriegspreise nur um etwa 10 Prozent erhöht worden. Die Margarineindustrie hat in Verhandlungen mit dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft sich bereit erklärt, die bisherige Bindung des Kleinhandels an feste Verkaufspreise fallen zu lassen. Zucker ist im Preise wesentlich gefallen. Eine weitere Preisermäßigung wird eintreten, wenn Zucker neuer Ernte auf den Markt kommt. Die (Staats- und Ministerpräsidenten der Länder haben diesen Maßnahmen ihre volle Unterstützung zugesagt. Die zunächst hauptsächlich in Berlin durchgeführten Maßnahmen werden damit bald im ganzen Reiche wirksam werden. Mit dem Einverständnis der Länderregierungen werden in den nächsten Tagen die Leiter der mittleren Preisprüfungsstellen und die Sachreferenten der Landesregierungen mit dem Reichswirtschaftsministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Richtlinien für das weitere gemein- Dar französisch-amerikanische Schuldenabkommen. Paris, 1. Off. (WTB. Funkspruch.) Dem „2Na- tin“ wird aus Washington gemeldet, das Abkommen über die französischen Zahlungen sei im Lause der gestrigen Rachmittagssitzung der Unterkommissionen so gut wie zu einem Abschluß gelangt, es sei nur noch von der Dollkonferenz, die heute vormittag 10 Uhr Zusammentritt, zu ratifizieren. Die Zahlungen erstrecken sich auf 48 Jahre und empfehlen für 12 Jahre verringerte Annuitäten. Es wurde ferner beschlossen, in den Vertrag die Klausel aufzunehmen, daß die Zahlungsbedingungen nachzuprüfen sind, falls beide Selben übereinstimmend feststellen, daß die französische Zahlungsfähigkeit überschätzt worden sei. Die Amerikaner haben ihre jährlichen Forderungen auf 26 Millionen Dollar ermäßigt. In den letzten Tagen herrschte in der französischen Delegation eine recht gedrückte Stimmung, vornehmlich Herr Caillaux war nahe daran, dos Spiel als verloren aufzugeben. Die Amerikaner sind aber im letzten Augenblick doch noch mit einem einigermaßen annehmbaren Vorschlag gekommen. Was sie hinsichtlich der Summe zurückstecken, ist an sich bedeutungslos, viel wichtiger ist das Zugeständnis, auf die französische Z a h lu n g s f ä h i g k e i t Rücksicht nehmen zu wollen. Um dieses Zugeständnis hol Caillaux vornehmlich gerungen. Hält Amerika same Vorgehen sestlegen. Dieses Vorgehen soll sich vor allem auf die Aeberwachung derjenigen Waren erstrecken, deren Preisbildung rein örtlichen Charakter trägt und dem zentralen Zugriff unzulänglich ist. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat zur Anterstötzung der Maßnahmen der Reichsregierung die jetzt gültigen Frachtsätze für die wichtigsten Lebensmittel um 10 v. H. ermäßigt. Außerdem sollen in den nächsten Tagen ermäßigte Frachtsätze für Getreide von Ostpreußen nach dem übrigen Deutschland eingeführt werden. Es ist dafür Sorge getragen worden, daß in den reichseigenen Betrieben die Herabsetzung der Umfatrfteuer überall da zur Ausführung gelangt, wo die Amsatzsteuer in die Preise einkalkuliert wurden. Die Länderregierungen haben die Ueberbrüfung der Preisgestaltung ihrer Betriebe zugesagt. Mit den Kommunen werden die Verhandlungen wegen der Preise für Gas, Wasser, Elektrizität ausgenommen werden. Die Zinssätze für öffentliche Gelder, soweit Post, Reichsbahngesellschaft, Reichsver- sicherungsanstalt und Reichsfinanzministerium in Frage kommen, sind herabgesetzt. Die mit der Weitergabe betrauten Banken verpflichten sich, die Zinsermähigung ihren Kreditnehmern in vollem Umfange zugute kommen zu lassen. Bei dem Dankgewerbe haben die Bemühungen der Reichsregierung nachstehenden Erfolg gehabt: Das Bankgewerbe wird ungeachtet der schwierigen Verhältnisse, in denen sich der Geld- und Kreditmarkt zur Zeit befindet, die Kredit- und Akzeptprovisionen, ab 1. Oktober um 20 Prozent ihrer beseitigen Höhe — nämlich von V, auf Vs Prozent monatlich ermäßigen und die Konditionen als Rormalsätze ansehen. Das Bankgewerbe hofft, der zukünftigen Beruhigung auf dem Geld- und Kreditmarkt in naher Zukunft durch spätere weitere Erleichterungen seiner Konditionen Rechnung, tragen zu können Die Giro- Provisionen für Kredite der Golddiskontbank sind bereits von 3 auf 2 Prozent herab- gesetzt worden. Auch die Girogebühren der Danken bei Reichsbanküberweisungen sind in Fortfall gekommen. Die Reichsbank wird bet ihrer Kreditgewährung auf Einhaltung der vom Reich bei feinen Preissenkungsmaßnahmen befolgten Grundsätze Bedacht nehmen und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Reichsregierung auch weiterhin zu unterstützen. Insbesondere wird die Reichsbank Kreditgesuche derjenigen Kreise einer besonderen Rachprüfung unterziehen, die in letzter Zeit Preiserhöhungen für ihre Waren und Erzeugnisse vorgenommen haben. Die Gesetzesvorlage über die Aushebung der Geschäftsaufsicht wird so gefördert werden, daß sie den Reichstag alsbald nach seinem Zusammentritt beschäftigen kann. Die Frage der Herabsetzung der Gerichts- und Anwaltsgebühren wird im Reichsjustizministerium geprüft. Wegen der Herabsetzung der patentamtlichen Gebühren ist mit den beteiligten Wirtschaftskreisen Fühlung genommen worden. Die Konsumvereine beim Reichskanzler. Berlin, 30. Sept. (WTB.) Der Reichskanzler empfing heute nachmittag Vertreter des Zentralvec. andes und des Reichsverbandes deutscher Konsumvereine zu einer Aussprache über die Möglichkeiten weiterer Preissenkung. Die Vertreter der Konsumvereine erklärten sich bereit, die eingeleitete Preissenkung mit allem Rachdruck zu unterstützen. Die Konsumvereine werden daraus Bedacht sein, daß ihre Verkaufspreise unter sparsamster Kalkulation festgesetzt werden. fein Angebot tatsächlich aufrecht, bann kann der französische Unterhändler ruhig eine höhere Jahresrate unterzeichnen. In Wirklichkeit bestimmt dann nicht Ainerika, sondern Frankreich die Höhe der jährlichen Schuldenabzahlung. Dabei wird sich Frankreich natürlich stets hinter seiner angeblichen Zahlungsunfähigkeit verschanzen, so daß also die amerikanischen Gläubiger auch dann keine wesentlichen Summen erhalten, wenn die deutschen Reparationsleistungen an Frankreich stark g e ft e i g e r t werden. In gewissem Sinne hat die Situation Frankreichs mit der unserigen in den letzten Jahren eine große Ähnlichkeit. Auch Frankreich muß um mildere Zahlungsbedingungen beinahe kniefällig bitten und Schulden abtragen, die fast ebenso drückend sind wie unsere Reparationsverpflichtungen. Die Wirklichkeit wird aber zeigen, daß Frankreich ein Abkommen, wie das eben skizzierte, nur dazu benutzen wird, um sich um jede nennenswerte Zahlung herumzudrücken. Russisck-per sche Verwicklungen Teheran, 30. Sept. (TA.) Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen in Teheran hat die Sowjetregierung die kaukasische Armee an die russisch-persische Grenze gesandt. Diese Maßnahme ist dadurch hervorgerufen worden, daß die Anti-Sowjetparteien den Oluf» stand in Persien dazu benutzen wollen, um nach Sowjctrußland einzudringen und den Kampf mit der Sowjetmacht aufzunehmen. Cs ist anzunehmen, daß in nächster Zeit im Grenzgebiet der Kriegs- z u stand verhängt wird. Die Deutschnatwnalen zum Sicherheitspakt. Berlin, 30. Sept. (TA.) Der deutschnationale Parteiführer, Graf Westarp, nimmt heute abend in der „Kreuzzeitung" in einem ausführlichen Artikel zu dem Thema ..Völkerbund und Sicherheitspakt" Stellung. Einleitend bemerkt er, daß Deutschlands Kampf gegen die Schuldlüge mit dem nun endlich vollzogenen amtlichen Widerruf nicht beendet fei. Run gelte eS erst recht, die Wahrheit mit immer neuem Material z u bekräftigen und für sie in der Welt zu werben. Es bleibe die Aufgabe, zu erreichen, daß die Gegenseite auf diese Beschuldigung verzichte. Die Forderung einer neutralen Untersuchung müsse daher Vorbehalten bleiben. Hinsichtlich des Programmes für die bevorstehende Mini st er besprechun g und ihren Charakter bemerkt Graf Westarp u. a.: Der vorläufige Charakter der Besprechung müsse besonders deshalb gewahrt werden, well nach deutscher Auffassung vor Eintritt in die endgültige Konferenz noch bestimmte Vorleistungen erfüllt fein müssen. Graf Westarp begrüßt die amtliche Mitteilung, daß deutscherseits der Abschluß der Verträge nicht in Frage kommen kann, bevor nicht die unberechtigten Forderungen der Entwaffnung s- nvte fallen gelassen seien und di e Kölner Zone geräumt sei. Treffe dies aber zu, so werde auch die Einladung zur endgültigen Konferenz von Deutschland nicht angenommen werden können, bevor nicht die Erfüllung dieser Forderung gesichert sei. Ferner müsse auch die Revision des Defahungsregimes vor Eintritt in eine Konferenz gesichert fein. Was den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ankangt, so fordert Graf Westarp, daß der Artikel 16, der vom Durchmarsch fremder Truppen handelt, seinem ganzen Inhalt nach durch rechtlich bindende Abmachungen für Deutschland außer Kraft gesetzt wird. Ebenso bedeutsam sei der Grundsatz, daß weder der Eintritt in den Völkerbund, nach der Abschluß von Sicherheits- und Schiedsverträgen einen frei- wllligen Verzicht auf deutsches Land und Volk bedeuten dürfen. Schon bei der Ministerbesprechung dürfe kein Zweifel darüber gemlfen werden, dah nur auf dieser Grundlage weiterverhandelt werden kann. Belgiens Antwort auf die deutsche Note. Brüssel, 30. Sept. (Agence Delge.) 3n Beantwortung der Mitteilung des deutschen Gesandten erklärte der belgische Außenminister, die belgische Regierung sei glücklich, die Rote zu erhalten, nach welcher die Reichsregierung die Einladung zu der Sicherheitspaktkonferenz annimmt, die am 5. Oktober in Locarno stattfinden soll, und stellt mit Genugtuung fest, dah die Rote keinen Vorbehalt enthält. Zu den Erklärungen, die bei der Aeberreichung der Rote abgegeben wurden, ohne jegliche Bedingungen für die Annahme Deutschlands zu sein, ertläre die belgische Regierung, daß in den Fragen der Räumung der Kölner Zone und der Entwaffnung Deutschlands es von der deutschen Regierung selbst abhänge, ihre Lösung durch die Erfüllung der Verpflichtungen zu beschleunigen, an die die Rote vom 4. Juni 1925 sie erinnerte. Die Frage der Kriegsverantwortlichkeit Deutschlands sei durch den Plan eines Sicherheitspaktes nicht aufgeworfen und im übrigen sei sie, was Belgien anbetreffe, nicht nur durch den Versailler Vertrag, sondern auch durch die Erklärungen des Reichskanzlers von Dethmann- Hollweg im Reichstage am 4. August und am 1. September 1914 geregelt. Die italienische Antwort. Rom, 30. Sept. (Stefanie.) Die italienische Regierung, die zugleich mit den übrigen Alliierten Mitteilung von der deutschen Note über die Teilnahme an der Sicherheitspaktkonferenz und von den bezüglichen mündlichen Erklärungen erhielt, wurde über den Meinungsaustausch zwischen den alliierten Regierungen über die Deutschland zu erteilende Antwort unterrichtet. Da der Sicherheitspakt a u f der vollkommenen Lichtung vorheriger Verträge gegründet fein soll, ist es n i ch t möglich, die durch die Erklärungen Deutschlands angeregten Fragen in Erwägung zu ziehen. Die Mitteilung der italienischen Regierung an die deutsche Regierung ist in diesem Sinne gehalten. Italiens Delegation auf der Paktk nferenz. Rom, 1. Oft. (TA.) Rach offiziösen Informationen wird Mussolini wegen des großen faszistischen Rationalkongresses endgültig auf die Teilnahme an der Locarno-Konferenz verzichten. Italien wird durch G r a n d i, den Antcrstaatsjekretär im Ministerium des Äußern, durch den Baron Romaiw Avezzana, den Botschafter in Paris, und den Marquis della Torretta, den Botschafter in London, vertreten sein. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dah Mussolini zur Unterzeichnung des Paktes auf der Konferenz erscheinen wird. Dor der Abreise der deutschen Delegation. Berlin, 1. Oft. Die deutsche Delegation für die Sicherheitskonferenz hat ihre Abreise, die ursprünglich am Samstagabend statlfindea 253ie „Journal" aus Strahburg meldet, wurde dort gestern eine Sammlung veranstaltet. um die für die Befreiung öeS Fliegers Costes notwendige Summe aufzubringen. Innerhalb weniger Stunden seien 3500 Mark gezeichnet worden, die unverzüglich Costes übersandt werden sollen. Abg. Müller-Breslau (Soz.) hält die Akteneinsicht über den Oelser Fall durch den Landtag für notwendig. Es handle sich um einen Wehrlosen, der durch gewissenlose Aerzte unglücklich gemacht sei. Ein Vertreter des Ministeriums erklärt, daß der Fall genau geprüft werde. Abg. Dr. Quast» Fas lem (Dtschn.) protestiert gegen die Verleumdung der deutschen Aerzteschaft. Beim Kapitel „Volkswohlfahrt und Erwerbs losen für sorge" tritt Abg. Dr. W e y l (Soz.) für das S e l b st b e st i m m ü n g s- recht der Gemeinden in Schank- und Konzessionsfragen ein. Abg. K o l l (Dtschnat.) ist auch der Ansicht, daß alles Mögliche zur Bekämpfung des Al- koholismusses geschehen müsse. Die Mehrheit seiner Fraktionssreunde halte aber das Gemeindebestimmungsrecht nicht für Geeignet. Die Abg. Müller- Franken (Wirtsch. Vg.) und Dr. Schuster lDtsch. Vp.) wenden sich gegen das Gemeinbebestimmungsrecht. Bei den einmaligen Ausgaben fordert Abg. Dr. W e i) l (Soz.) größere Mittel für die Erforschung der Krehskrankheit. Das Haus vertagt die Abstimmungen auf Donnerstag. Wettervoraussage. Wenig Aenderung. Der hohe Druck über Deutschland hat sich gehalten^ und teilweise noch verstärkt, während das nördliche Störungsgebiet sich in der Hauptsache nach Mittelskandinavien ausbreitet. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,2, Minimum 5,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 11,4 Grad Celsius. sollte, um einen Tag vorverlegt. Der Son- derzug mit der Delegation wird Freitag abend um 9 Uhr Berlin verlassen. Die Delegation selbst wird s e h r k l e i n gehalten werden. Äußer dem Reichskanzler und dem Austen- m i n i st e r wird sie nur aus dem Staatssekretär v. Schubert, Ministerialdirektor Dr. Gaus, dem Pressechef der Reichsregierung Dr. K i c p und dem Staatssekretär der Reichskanzlei K e m p° n e r bestehen. Die Teilnahme des Völ'erbund- sckrctärs Geheimrat v. Bülow steht no:'> nicht fest. Dazu treten einige Beamte der Reichskanzlei, der Presse-Abteilung und des Auswärtigen Amts und das nötige technische Hilfspersonal. Tschitscherin in Berlin. Berlin, 30. Sept. (511.) Heute vormittag traf pünktlich um 11,30 Uhr mit dem fahrplan- mähigen Expreßzug Warschau-Paris auf dem Schlesischen Bahnhof der Sowjetaußenminister Tschitscherin ein. Zu seinem Empfang hatten sich auf dem Bahnhof als Vertreter des Aus- tixirtigcn Amtes der Staatssekretär v. Schubert und der Direktor der Ostabteilung, von D i r k s e n, sowie der russische Botschafter in Berlin, Krestinski, und mehrere Herren der russischen Botschaft eingefunden. Der Austen- minifler Tschitscherin war lediglich von einem j Sekretär begleitet. Er wird sich vermutlich mehrere Tage in Berlin aushalten. Rachem er seine Karte beim Reichskanzler Dr. Luther abgegeben hatte, folgte er abends mit dem russischen Botschafter in Berlin Krestinski einer Einladung zum Abendessen beim Reichsaustenminister Dr. Stresemann. an dem I u. a. Botschafter Krestinski, der Vertreter der russischen Handelsdelegation D e g g e, Run- I tius Pacelli. der frühere Reichskanzler Fürst Bülow. Exzellenz v. Raumer, Geheimrat Deutsch von der AEG., Dr Sorge. Dr. I C urti u s. Mitglied des Reichstags, der Bruder I des deutschen Botschafters Graf Rantzau, Exzellenz v. Körner. Staatssekretär v. Schubert. Dr. W allrot h und Ministerialdirektor I Dr. Gaus teilnahmen. Haftentlassung des französischen Fliegers Costes. Mannheim, 30. Sept. (T. U.) Der am Diens- I tag wegen Vergehens gegen die deutschen Luftoer. kehrsgesetze vom Freiburger Schöffengericht zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilte französische Flieger Costes ist Mittwoch aus der Haft entlassen worden. Seiner Rückkehr in die französische Heimat steht nichts im Wege. Costes, der sich nach Fällung des I Urteilsspruches zur Annahme der vom sdjöf- I fengericht ausgesprochenen Geldstrafe bereit erklärte, hat, von seinem Verteidiger unterstützt, um einstweiligen Strafaufschub gebeten. Zugleich gab er das Versprechen ab, da st er, nach Frankreich zu- I ruckgekehrt, den Rest der Geldstrafe von 2400 Mark, die er noch als Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen I ZU verbüßen gehabt hätte, von der Luftverkehrsgesellschaft, bei der er angestellt sei, bezahlen lasse. In Anbetrawt der geringen Restsumme hat der Staatsanwalt der Strafunterbrechung und damit der Freilassung Costes zugestimmt. Aus aller Welt. Ein neuer Hauptmaun vvn Köpenik. I Eine große industrielle Firma Berlins ist durch einen in der Verbrechergeschichte kaum Über- bietbaren Gaunerstreich um eine hohe Geldsumme geschädigt worden. Die Firma hatte zwei Kassen boten zu einer Bank in die Nähe des Halle- schen Tores geschickt, die die Lohrigelder holen sollten. Als die beiden Kassenboten die Bank ver° I ließen, tuaten auf der Straße zwei Männer auf sie zu, die sich durch gefälschte Marken alsKrimi- nalbeamte auswiesen, gefälschte Haftbefehle vor. “’Men und die Kassenboten zwangen, mit ihnen den Weg ins Polizeipräsidium anzutreten. Sie beiden Kassenboten wurden in ein leeres I Z i m m e r im ersten Stockwerk des Polizeipräsidiums geführt, wo die beiden falschen Beamten I Auen die gesamten Lohngelder in Höhe von vielen I -taufend Mark abnahmen, in ein Nebenzimmer I gingen und sagten, die Verhafteten möchten warten. I Nachdem die Kassenboten mehrere Stunden I vergeblich gewartet hatten, schöpften sie Verdacht und mußten zu ihrem Schrecken feststellen, daß sie im fPolizeipräsidium Verbrechern in die Hande gefallen waren. Die Kriminalpolizei steht vor I einem Rätsel, da die Täter im Polizeipräsidium I aufs genaueste Bescheid gewußt haben mußten, weil sie aus einer langen Zimmerflucht das einzige leer stehende Zimmer auswählten. Die Verbrecher haben außer gefälschten Haftbefehlen l und gefälschten Kontrollmarken auch gedruckte Ausweise vorgezeigt. Die Nachforschungen sind bisher ohne Erfolg gewesen. Brandkatastrophen in Mittelschlesien. Frankenstein. 1. Oft. (WTB. Funk- I sprach.) Mittelschlesien leidet gegenwärtig unter | fortgesetzten Brandkatastrophen, die zweifellos plan in ästig angelegt werden. Fast täglich I werden Scheunen mit Erntevorräten in Brand gesteckt, ohne dah es gelingt, dev Brandstifter habhaft zu werden. In Grost-Rossen > vernichtete ein Grohseuer die Scheunen und j Schuppen eines Gutes mit großen Erntevorräten. Dom Schnellzug überfahren. Breslau, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Bahnhof Altwasser ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Als der 'Bauarbeiter Hans > Wickel die Geleise des Güterbahnhvfes überschreiten wollte, wurde er von einem he ran» brausenden V-Zug ersaht und so schwer I vorletzt, daß er auf dem Wege nach dem Kranken- | Haus starb. Bahnverbindung München—Mailand über den Fernpatz. Rach einer Meldung der „Münchener I Neuesten Rachrichten' aus Mailand hat sich ein Komitee gebildet, das bestrebt ist. die italienische Regierung für eine direkte Eisenbahn- Verbindung M ü n ch e n — M a i l a n d zu interessieren. Die Bahnstrecke würde von Mün- I chen über Gar misch — Partenkirchen nach I Germ oh führen und die dort bestehende Linie beanspruchen. Der Fernpaß solle durch einen Tunnel überwunden werden, von wo aus die Streck über Inst Landeck to eiter geführt wer- I Öen solle. Don hier aus solle die Linie über I Trafoi nach Sao Paolo und Bel Bist a l führen. Durch einen weiteren Tunnel solle das das P e r i o t a I und dann über Bergamo Mailand erreicht werden. Kältewelle in Italien. In Triest herrschte Dienstag eine Bora von '80 bis 100 Kilometer Windstärke, die mehrere Unglücksfälle verursachte. Ein Kutscher wurde von einem umgeworfenen Wagen getötet. Mehrere Barken sind gescheitert. Die Zahl der Verunglückten wird auf 20 geschäht. In der römischen Campagna wütete ebenfalls ein (Zyklon. Aus T o s l a n a werden größere Schä- I den an den Wein- und Oelbergen infolge plötzlicher Kälte gemeldet. Auf den Bergen von Piemont ist Schnee gefallen. Kunst und Wissenschaft. Neuerwerbungen des Hessischen Landesmuseums. "Darmstadt. 28. Sept. In Öer Sammlung der mittelalterlichen Skulpturen des Lan- desmuseums sind jetzt mehrere Reu» I ertoerbungen ausgestellt worden: darunter I iftein Steinkopf, der dem 13. Jahrhundert an- gefrört, und eine Maria mit dem Christuskind. wwie eine Terrakottaplastik, Johannes den | Saufet darstellend. Die lehgenannte Figur stammt I aus Babenhausen: dem Museum ist es auch gelungen, die zu einer Gruppe von Jüngern gc- I hörige Christusfigur zu erwerben: es handelt sich hier um eine Arbeit des 15. Jahrhunderts. Auch die Sammlung der kunstgewerblichen Gegenstände konnte um einige Stücke vermehrt werden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 1. Oktober 1925. Die Ieppelin-Eckener- Werbervoche. Der Reichsausschuh für die Zeppelin-Eckener- Spende teilt folgendes mit: Bekanntlich gehören die Tage vom 11. bis 18. Oktober dem Gedanken der Ueberfahrt des L. Z. 126 von Friedrichshafen über den Ozean nach Amerika, dem Gedanken des Grafen Zeppelin und der Erhaltung seines Werkes, der Werft in Friedrichshafen. Es handelt sich darum, gerade in dieser Werbewoche den Kampf um diese große Idee immer mehr ins Volk zu trogen: Deutschland, das stolz ist, der Welt den Beweis erbracht zu haben, daß ein Luftschiff in öer Lage ist, alles bisher Dagewesene in öer Ueberqucrung großer Strecken zu schlagen. Die Zeppelinwerft in Friedrichshafen ist aber m Gefahr, ihre Pforten schließen zu müssen, wenn es nicht gelingt, dem Werk des Grafen Zeppelin neue Mittel zuzuführen. Richt darum handelt es sich, was irrtüm- ! licherweise leider vielfach in den Vordergrund gestellt worden ist, ein Rordpolschiff zu schaffen: der Kernpunkt, dieses Kampfes um die Idee ist öer Ausbau unö öie V e-r wp l l k o m m- nung ö e S großen transozeanischen Verkehrsgedankens, ein Problem, das bisher Deutschland allein mit seinen Zeppelin» schiffen der Lösung zugeführt hat. Diesem großen Problem ist öie Zeppelin-Eckener-Werbewoche mit ihren vielseitigen unö umfangreichen Sammlungen getoiömet. (Hiesrener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 220 Pfennig, Matte 40, Käse 70. Wirsing 12 bis 15. Weißltaut 7 bis 8. Rotkraut 15, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Bohnen 25. Anter- Kohlrabi 6, Grünkohl 20. Feldsalat 80. Tomaten 40, Zwiebeln 12. Meerettich 40 bis 120. Rhabarber 20, Kürbis 6. Pilze 40, Kartoffeln 4V2, Falläpfel 5, Aepfel 8 bis 25, Birnen 20 bis 30, Zwetschen 25, Brombeeren 45. Hagebutten 25, Weintrauben 60, Preiselbeeren 55, Gänse 120 bis 130, Rüsse 35 Pfennig: das Stück: Blumenkohl 10 bis 100 Pf., Endivien 15 bis 20, Ober- Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20, Radieschen (Bund) 10 Pf. Bornotizcn. — Lageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Um eines Weibes Ehre". — Astoria-Lichtspiele: „Rollende Räder — Rasendes Blut". — Gießener Schwimmverein, 81 L> Uhr, Hotel Köhler: Generalversammlung. — Lichtbildervortrag. Wir erinnern unsere Leser an den morgen (Freitag) 8.30 Ähr abends im Physikalischen Institut stattfindenden Vortrag von Professor Amelung aus Rom über neuere Funde in Italien u^d Tripolis. recht besitzen, um öie neue Verfassung, so wie sie abgefaßt und vom Ministerrat begründet wurde, zu sanktionieren. Gleichzeitig mit dem Auflöfungsdekret richtet die Regierung eine Botschaft an das Volk, in der u. a. erklärt wird: „Die Rationalversammlung hat seit längerem das Vertrauen öer Ration verloren. Die Reuwahlen werden in vollkommener Freiheit, aber im Rahmen der neuen Staatsform des Landes ftattfinöen. Die Regierung hofft, daß diesem aufrichtigen unö loyalen Programm kein Widerstand entgegengesetzt werden wird. Sie fühlt sich in moralischer und materieller Hinsicht stark genug, um auf jeden Fall ihr Programm im Interesse der Riche unö Wohlfahrt öes Landes durchzusehen. Ihre bisherige Tätigkeit und ihre Vergangenheit verbürgt dafür." 2. U. Bon der Landesuniversität. - Der neue Rektor Pros Dr. meö. Bürker hat (beute die Dienstgeschäfte des Rektorats über- I nommen. ** Die Reichsindexziffer für öie Lebenshaltungskosten ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats September mit 144,9 gegen 145,0 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. ** Das 3. Ziel öer städtischen Son - der st euer farm bis zum 9. ds. Mts. noch ohne Deitreibungskosten bezahlt werden. Nachzügler mögen diesen letzten Termin nicht versäumen. ** Goldene Hochzeit. Geh. Kirchenrat D. Georg Schlosser und Frau Maria geb. Rend- torff, feiern morgen, 2. Oktober, in Frankfurt a. M. ihre goldene Hochzeit. Dem weitaus größten Teile der Gießener Einwohnerschaft ist das Jubelpaar bekannt. Schlosser, der am 25. April 1846 in I Darmstadt geboren wurde, kam 1873 als Pfarrvikar I nach Gießen. Im Jahre 1877 wurde er hier zweiter Pfarrer, nachdem im Jahre 1892 die Einteilung in vier Kirchengemeinden vollzogen war, Pfarerr der Matthäusgemeinde und im Jahre 1904 als Nachfolger des Pfarrers Dr. Naumann, dem damals wegen Krankheit ein Vikar beigegeben wurde und der zwei Jahre darauf in den Ruhestand trat, erster Pfarrer, als solcher Vorsitzender des Gesamtkirchen- Vorstandes und des Pfarrkollegiums. Bei vielen der hiesigen Familien erfreut sich das Jubelpaar großer freundschaftlicher Verehrung. ** Dienstjubiläen. Verwaltungsinspektor Wilhelm Muhl begeht heute, 1. Oktober, sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der hiesigen Stadtverwaltung. Der Jubilar erfreut sich bei seinen Kollegen unö in weiten Kreisen der Bürgerschaft großer Wertschätzung. — Sein 25jäh- riges Dienstjubiläum feiert ebenfalls heute der Expedient Heinrich Pages bei der Lackfabrik Wilhelm Zurbuch G. m. b. H. Don der Geschäfts- | leitung unö den Mitarbeitern wurden dem Jubilar herzliche Ehrungen bereitet. "Personalien. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin am Lyzeum und der Studienanstalt i. @. zu Gießen Julie Lass er t auf ihr Rachsuchen vom 1. Oktober ab; der Forst- wart der Kommunalforstwartei Birklar Johannes Engel zu Birklar auf sein Rachsuchen. Ernannt wurrde die Lehrerin an der höheren Bürgerschule Schlitz Lina ® ö r lad) zur Lehrerin an öer Studienanstalt i. E. in Gießen mit Wirkung vom 12. Oktober 1925. ** Geschäftsjubiläum. Aus ein 25° jähriges Bestehen kann heute die Schneiderei unö Tuchhandlung von Wilhelm Engelhardt. Plockstrahe 6, zurückblicken. Landkreis Gictzcn. 1) Li ch, 30. Sept. Die Obsternte öer Stadt L i ch touröe versteigert. Der ziemlich umfangreiche Obstbaumbesih der Stadt hat nur wenige Bäume mit gutem Behang aufzuweisen. Für diese wurden bis zu 25 Mk. geboten. Die Käufer dürften im allgemeinen auf ihre Rechnung gekommen sein. — Zwei Einbrecher versuchten dieser Tage frühmorgens in das Wohnhaus des Bäckermeisters Karl Christian Lotz mittels Leiter einzudringen, wurden aber durch das Hinzukommen eines jungen Mannes gestört unö suchten unverrichteter Sache das Weite. t Grünberg, 30. Sept. Aus der jüngsten Gemeinberatssitzung ist u. a. zu berichten: Das Ministerium hat angeregt, öie Sonder- steuer von 60 auf 80 Pf. für je 100 Mk. ab 1. Sept, zu erhöhen. Diese Heraufsetzung würde für die Gemeindekasse eine weitere Einnahme von 3293 Mk. bedeuten. Die Angelegenheit wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Der Reichfinanzverwal- tung wurde der Platz der Höfetränke als Parteien und Schulgesetz. Der Innenminister Schiele, der sich des sozialdemokratischen Staatssekretärs in der Hauptfache deswegen entledigte, um dem Entwurf des Schulgesetzes eine Form zu geben, die mehr den Wünschen feiner Partei entspricht, stößt nach den Aeußerungen, die aus den verschiedensten politischen Lagern kommen, so gut wie überall auf Widerstand. Die Deutsche Volkspartei übt namentlich in Süddeutsch- lanö heftige Kritik, auch die Parteifreunde Schieles sind nicht ganz zufriedengestellt worden, Demokraten und Sozialdemokra- t e n sind dagegen, auch das Zentrum kann sich für den bekanntgewordenen Entwurf nicht erwärmen, ebenso kommen auch aus dem Reichsrat Stimmen, die dem Schulgesetz nicht freundlich sind, kurz, es sieht so aus, als ob der Reichsinnenminister überall mit seinem Schulgesetzentwurf den Stuhl vor die Tür gesetzt erhält. Demgegenüber mag zur Beruhigung daraus hin» gewicsen werden, daß es sich hier um einen uoch keineswegs fertigen Entwurf handelt, der durch Indiskretionen der Deffent- lichkeit bekannt geworden ist. So bedauerlich die vorzeitige Veröffentlichung auch sein mag, das Reichsinnenministerium erkennt aber doch aus der Stellungnahme der Parteien, wo es den Entwurf abändern muß, um ihn einigermaßen annehmbar zu gestalten. Vorläufig dürften aber noch Wochen ins Land gehen, bis die Vorlage dem Reichstag zugeht, so daß eigentlich JHt &t°$ Ursche -u ernster Beunruhigung Preußischer Landtag. B e rlin 30. Sept. Der Landtag begann öie Einzelaussprache zum Wohlfahrtshaushalt. Abg. Mü 11 e r-Breslau (Soz.) bringt zur Sprache, daß auf dem Schlosse Oels die Tochter eines Lokomotivführers widerrechtlich zurückge» halten werde Der Vater, der sich auf das Schloß begeben wollte, sei für irrsinnig erklärt unö interniert tooröen. (Große Erregung links.) Die Staatsregierung müsse dafür Sorge tragen, öap im Reiche das Irrenschutzgeseh so rasch wie möglich verabschiedet werde. Abg. Quast-Faslern (Dtschnat.): Ein Irrenschutzgeseh ist eine alte Forderung unserer Partei. Was in öer Oelser Bevölkerung qe» i glaubt toeröe, sei eine Wahnidee, der auch der Abg. Müller-Breslau verfallen zu sein scheint. Die Politik der Labour Party. London, 1. Oft. (TU.) In öer gestrigen '-Tagung der englischen Arbeiterpartei in Liverpool wurden die politischen Richtlinien der Par- I tei in einer Reihe von Entschließungen niedergelegt. Die zahlenschwache Opposition des linken Flügels wurde mit erdrückender Mehrheit überstimmt. I 3n der ersten Entschließung setzt sich öie I Arbeiterpartei zum Ziel, den nationalen Wiederaufbau und die Sozialreform auf parlamentarischem Wege durch Erweiterung öer Kontrolle der nationalen Hilfsmittel zu sichern. Eine weitere Entschließung legt den Standpuickt öer Arbeiterpartei in der 21 r - beitslosen frage fest. Die Arbeitslosigkeit könne nur durch gesetzliche Verschmelzung her wirtschaftlichen Hilfsmittel des Landes mit den Industrieunternehmen, I die für das Allgemeinwohl und nicht um den Gewinn Einzelner arbeiten müßten, behoben werden. Eine weitere Entschließung fordert Maßnahmen für öen engeren politischen unö wirtschaftlichen Zusammenschluß Großbritanniens, Inöiens. öer Dominions unö öer übrigen Teile öes britischen Reichs. Die Siedlungsmöglichkeiten im Britischen Reich sollen überprüft unö die Auswanderer zweckmäßig ausgebildet werden. Ferner fordert die Entschließung die Monopolisierung der Lebensmittel unö Rohstoffeinkäufe in öen Dominions zur Stabilisierung öer Preise. Eine andere Entschließung entwickelt ein System für I die Erweiterung öer InlanÖerzeu- j gung von Rahrungsmitteln und für die ilnterftüöung des britischen Ackerbaues. Die Opposition versuchte, durch heftige Reden und Ausfälle Öen ruhigen Fortgang Öer Tagung zu beeinträchtigen, konnte jedoch den scharfen Gegenangriffen der Redner der gemäßigten Richtung nicht standhalten. Macdonald, der besonders heftig angegriffen wurde, verurteilte aufs schärfste die Taktik des linken FlügÄs. Er brachte eine Entschließung ein, die dasii tfeintritt, daß öie öffentlichen Dienste immer mehr nativnali- ficrt werden. Die Industrie müßte in jeder Weisse gefördert werden und ihre 2IrbeitSbeöinqungen mühten so eingerichtet sein, daß alle Arbiter vorwärts kommen könnten Macdonald erklärte, daß die Resolution, im Hinblick auf die 'Bergbau- frifc der ganzen Ration den Weg offenbaren solle, den eine künftige A r b ei t er reg i e r ung zur Klärung innen- und außenpolitischer Probleme gehen werde. Der nationale Ausbau könne nur nach und nach auf sozialistischer Grundlage unter Beachtung parlamentarischer Methoden erfolgen. Auf die Einwendung von feiten der Extremisten, daß das Programm Macdonalds ein liberales und kein sozialistisches sei, fragte der ehemalige Kolvnialminister Thomas, ob es nicht richtig fei, sich den Umständen an - I zupassen. Die Versammlung nahm schließlich den Antrag Macdonalds an. Französische Offensive in Marokko. Paris. 1. Olt. (W.T.B. Funkspruch) Die französischen Truppen haben die Höhen von Bui- dar und Taramara erreicht, die die 2llhu° cemas-Ducht beherrschen. Während des Vorgehens der spanischen Truppen haben die Kreuzer „Paris" und „Metz" die Küste von Lllfrau zwischen Mhucemas und Melilla beschossen, lieber Einzelheiten der Operationen berichtet Havas: Der Kampf, der in den ersten Stunden des Vormittags begonnen habe, fei außerordentlich wichtig, denn er diene dazu, die Basis für die künftigen Operationen festzustellen und den französischen Truppen zu ermöglichen, die Anhöhen zu besetzen, die das ganze Kampfgebiet von Kiffane bis zum Djebel Aknut beherrschen. Die jüngsten Instruktionen, nach denen der Gegner von den Anhöhen und Berrgausläufern gefaßt werden soll, hätten glückliche Erfolge gezeitigt und würden auch weiter befolgt Dadurch seien die Truppen in der Lage, dem Gegner, der nach Rorden durch die Täler und über die Anhöhen zurückflute, zu beherrschen. Drei Brigaden unter dem Kommando eines Divisionsgenerals, bestehend aus 40 Bataillonen mit Unterstützung von 20 Batterien, nahmen an der augenblicklichen Operation teil. Vormittags 8 llhr erreichten öie von öer Basis von Kiffane vorswßenden Truppen die Anhöhen von Ker kor, nördlich von Kiffane, auf dem rechten Ufer des Wedschauja. Sie stießen auf lebhaften Widerstand des Feindes, der sich hier verschanzt hatte. Artillerie nahm die Hauptpunkte Öer feindlichen Stellung unter Feuer. Der französische Vormarsch geht in Richtung Djebel Uefnun unter dem Schutz von Artilleriefeuer weiter vor. Kerkor selbst ist bereits besetzt. Ebenso der Djebel Ajal, auf dem linken Ufer des Wisert. Die Einheiten in der Mitte rüden auf Ammusch vor. Die Riftruppen ziehen sich nach Rorden zurück. Marschall Pe- tain und General Raulin, die in Kifsone angenommen sind, wohnten den Kämpfen bei. Diese werden wahrscheinlich zwei Tage lang dauern. Rach einer kurzen Einstellung der Operationen wird alsdann entsprechend den Umständen Öie Lage ausgenutzt werden. Wie Öer „Temps" mitteilt, sind bei diesen Operationen die französischen Truppen zum ersten Mal auf nicht unterworfenes Gebiet übergetreten. Auflösung der griechischen Nationalversammlung. Athen, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) Das heute vormittag auf Grund eines Beschlusses des MinisterratS veröffentlichte Dekret des Präsidenten der Republik löst die Rationalversammlung auf und erflärt, daß das Datum der Par- kam-ntSw-ihlen durch ein IpäteresDekret Abg. Dr. Böhm e neue Kammer bewiesene Behauptungen, wie die über wird für öie Dauer von zwei Woch^ Revision?- I Oels, hier weiter getragen würden. M ■ n Äamhf ' Seratzr W* 4\Ät? Dagrk., Schiff jn s« L'° ??JWÄ r5" IcfiT; ,™ ober Qehnqt ?u D u ? Derk d z /"den'"lüin. ^ztzix KSiK 'S. tln SBrnRr » mit LüKr 1 -Ää e«matft|„eij( iäis ™Datte 10 %ECOte ®'®tn 10 1U- Mncn 25 Mnf« İi2?* 4i;'. b «?"? bis3< L451 Hagebutten 25 J5, Gänse 120 JA®?d: Aumen- K J5 6,8 20, Ober- ILÄ 10 bis 15. "^Hen (Dunb) io Pi tizcn. it für Donnerstag. r3: eines Weibes ele: .Zollende Zäher - icßener Echwimmderein, Generalversninmlllng. > r 11 a g. Wir erinnern gen (Freitag) 8.30 Ahr n Institut flattfinöen- emr Amelung aus in Italien u^d Tripolis, ondesunidersität. ■ Sr. med. Dürker Hai le des Rektorats über- derzisser für die 'len ist noch den Fest- en Zeichsomts für den eptember mit 144,9 gegen >u unverändert geblieben, ir städtischen Son- m 9. ds. Mts. noch ohne HU werden. ZaWgler min nicht versäumen, leit Geh. Kirchenrat D. ) Frau Maria geb. Zend- Dltobcr, in Franlsurt ,eit. Dem weitaus größten Merschasi ist das 3ubel= der am 25. April 1846 in , kam 1873 als Psarrvilar 877 wurde er hier zweiter re 1892 die Einteilung in Ihoaen war, Ps'arerr der u Jahre 1904 als Nach- Zaumonn, dem daMts ir beigegeben wurde und den Ruhestand trat ^ter sender des GesamtUrchen- kollegiums. Bei vielen her sich dos Jubelpaar großer ’en. »8«6i 5* *.S ibiläum bei da »™lL IMw ■* nert /»»«“Ai s* 6en 3" 'KW1?: ÖMeum und der >.*? iu(ie Lassen Sichen ^luU ~ Forst- lOftirfiar*' ton )25. .Ms ein 25- brlöu.^ridrreiund Mew enti en . S »«> Sie 0. ' ziewlia) «»°L S.M «A«, °L'S ■ .Ä"-°-A 66# wulba" z „r i»*" "s °d «ft, je B ^,d- MERCEDES und BENZ Auto-Schneider er- 30. Sept. Der bl. Herborn, 30. Sept. Runmehr wird lung des Landjugendbundes statt. bl. Herborn, 30. Sept, Runmeyr wrro Aach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden auch unsere Stadt em Krregerdenkmal er- Landwirt ent» der Krankheit und Klauenseuche ist im verstärkt aufgetreten. Manchem steht durch den Wiederauftritt ganz beträchtlicher Schaden halten. Der Kriegerverein beschäftigte sich unlängst mit der Angelegenheit und beschloß, der Stadt die Ausführung des Planes zu übertragen, da der Verein selbst die Finanzierung nicht übi !—! Atzenhain, 30. Sept. Am Sonntag nachmittag fand hier die Dezirksvc r 1 a m m - stieg die Zahl der Erwerbslosen von 6800 auf 7400. Weitere große Vetriebseinfchränkungen mit 3500 Arbeiterentlassungcn stehen bevor. Durch Aotstandsarbeiten. für die der Magistrat 2.5 Mill. Mk. bereitstellte, will er der schlimmsten Aot steuern. Gegen die Stimmen der Rechten gab das Haus seine Zustimmung zu der Aufnahme einer Anleihe im Ausland. Wie man hört, soll es sich um 4 0 Millionen M k. handeln. — 3n der Rächt zum Mittwoch entstand in einem der Kohlenhandlung von Derzbach & Co. gehörenden Gebäude am Hauptgüterbohnhof ein Vra n d, der sich rasch von den Bureauräumen auf die neben den Gefchäftsstuben liegenden Pferdeställe und die Kohlen- und Holzvorräte ausbreitete. Eisenbahner. die zuerst den Brand bemerkten, konnten noch rasch zwei Pferde, deren Mähnen bereits brannten, aus den Flammen retten. Drei der wertvollen Tiere kamen jedoch in den Flammen um. Inzwischen waren mehrere Löschzüge der Feuerwehr herbeiaeeilt. Sie konnten aber zunächst nicht mit Schlauchen vorgehen, da der nächste Hydrant mehrere hundert Meter von der Brandstelle entfernt lag. Erst als die Verbindung hergestellt war, konnte man an die Bekämpfung des Flammenmeeres gehen. Der riesige Feuerschein, der sich in den Fenstern der Festhalle brach, gab Veranlassung zu dem Gerüchte vom Brand der Festhalle und hatte infolgedessen eine gewaltige Menschenmenge nach dem Drandplah gelockt. fpd. Königstein, 30. September. Beim Drachensteigen verwendete der fünfzehnjährige Schüler Anton Hammer einen dünnen Draht statt einer Kordel. Der Drachen überflog die Leitung der Mainkraftwerke. Sa bei berührte der Draht die Hochspannung. Im gleichen Augenblick schlug eine Flamme hochauf und der arme Iunge war in wenigen Sekunden eine Leiche. ANe Wiederbelebungsvers uche blieben erfolglos. x/;—- bei Husten, Heiserkeit |zc /Nimm und Verschleimung FayS echte Sodener Mineral-Pastillen. SSlSss nehmen könne. bl. Dillenburg, 30. Sept. Die Maul- Kreise wieder Bauvlatz zur Errichtung eines Finanzamtes zur Verfügung gestellt. Mit dem Vertrag betr. die S ch r ö d e r s ch e Scheune erklärte man ich einverstanden. Zur Anschaffung von Geräten ür die Mädchenfortbildungsschule teilte man 800 Mk. zur Verfügung. — Bei der t ad tischen O b st v e r st e i g e r u n g hielten sich die Preise in mäßigen Grenzen. Der Zentner Tafel- ävfel kostete schätzungsweise am Baum 6 Mk., Wirt- schaitsäpsci 4—5 Mk., Kelteräpfel 3 Mk. Der Gesamterlös betrug 779 Mk., dem Vorjahr gegenüber ein Ausfall von mehreren Hundert Mark. — Am Sonntag fand hier der Bezirkstag des Haf- siabez.irks Grünberg statt, dem Major Krauße d'Avis als Vertreter des Präsidiums beiwohnte. Der Bezirksvorsitzende, Lehrer Roth- Grünberg, erstattete Bericht über den Verbandstag in Erbach. Es wurde beschlossen, als Bezirksbeitrag 10 Pf. pro Mitglied zu erheben. Eine Tellersamm- lnng für soziale Zwecke ergab 22,50 Mk. Mrciö Friedberg. gb. Butzbach, 1. Ott. (Eigener Drahtbericht ' des „Gieß. Anz.") Amtseinführung des neuen Bürgermeisters. Gestern abend wurde der neue Bürgermeister Dr. Ian- s e n aus Köln durch Kreisdirektor Gebhardt in feierlicher Sitzung in sein Am t einge- fü h r t und auf Grund des § 79 der Stadte- ordnung in Eid und Pflicht genommen. Der Kreisdirektor betonte in feiner Einführungsrede, daß Dr. Iansen auf Grund seiner längeren -bätig“ leit bei der Stadtverwaltung in Köln, sowie seiner guten Vorbildung und der abgelegten Prüfungen in den Staats-- und Rechtswissen- schafteü die Gewähr für eine erfolgreiche Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Butzbach bietet. Er gedachte auch in anerkennenden Worten des ausscheidenden Bürgermeisters Köhler. Stadtverordneter Dr. Schmidt begrüßte namens der Stadtverordneten den neuen Bürgermeister und wies auf die historische Bedeutung der Stunde hin, wonach Butzbach von diesem Augenblick an nicht mehr nach der Landgemeinde-, sondern nach der Städteordnung verwaltet werde. Der neue Bürgermeister bedankte sich für die herzlichen Begrüßungsworte und entwickelte in kurzen knappen Sätzen fein Programm. Am Schlüsse der Sitzung beantragte Stadtverordneter Dr. Schmidt noch die Festsetzung des Dienstalters des neuen Bürgermeisters. Hiergegen erhob Stadtverordneter Oppenheimer (Kommunist) Einspruch da dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung stehe. Rach kurzer Aussprache wurde beschlossen, die Regelung in der nächsten Sitzung vorzunehmen. er Altmeister des Verbandes, Lehrer Hensel- Hirzenhain, das Referat übernommen hatte. Die Versammlung leitete in Verhinderung des Vorsitzenden der Ehrenpräsident des Zweigvereins, Lehrer G e m m e r - Merlau. Wegen der schwachen Beteiligung wurde von einem Vortrag abgesehen, vielmehr mit praktischen Fragen an Herrn Hensel herangetreten, die sich auf die verschiedenen Gebiete der Bienenzucht erstreckten. Diese Art der Versammlungstätigkeit befriedigte die Anwesenden sehr. ES wurde beschlossen, im kommenden Frühjahr einen Exkursion nach Hirzenhain zu unternehmen, um hier am Musterstand des Herrn Hensel mit noch weiteren Fragen der Bienenzucht praktisch und theoretisch bekannt zu werden. Kreis Lauterbach. ß. Lauterbach, 30. Sept. Der Kommunalforstwart Johannes Muth von Altenschlirf wurde mit Wirkung vom 1. Oktober in den Staatsdienst übernommen und zum Förster der Försterei Lauterbach ernannt. Muth versieht diese Stelle bereits seit der im Iuni erfolgten Versetzung des seitherigen Försters Hirschmann nach Wendelsheim (Rheinhessen). Kreis Wetzlar. XX Hohensolms, 30. Sept. Die Gemarkungen unserer Bürgermeisterei zeigen fortgesetzt em verändertes Bild Dies verdanken sie der Zusammenlegung, die jetzt überall in den 10 Gemeinden zur Durchführung gekommen ist. Die alten Grenzen, die oft grasbewachsene steile Ufer bildeten, sind meist verschwunden. Dazu sind die neuen Wege so angelegt, daß möglichst jedes Feld an einen faßbaren Weg grenzt. So wird in Zukunft mancher Streit zwischen den Rachbarn vermieden, und gar mancher Llnzufriedene hat sich allgemach mit der gemeinnützigen Sache befreunden müssen. d. Ried er kl een. 30. Sept. Das hiesige Rathaus, welches schon im Iahre 1705 erbaut wurde, hat durch einen neuzeitlichen Verputz ein sehr geschmackvolles Aussehen erhalten. Das Holzwerk ist bei den Derpuharbeiten freigelegt und mit Oelsarbe gestrichen worden. Der Verputz selbst trägt Braune Farbe. An der Straßenseite befindet sich folgender, in daS Holz eingeschnitzter Spruch, der jedenfalls schon bei der Erbauung des Rathauses dort angebracht wurde: „Kommet her, Kinder, höret mir zu, ich will Euch die Furcht des Herrn lehren. Psalm 34. V. 12.“ Auch die Iahreszahl der Erbauung ist in das Holz eingeschnitten. Starkenburg und Rheinhessen. 0 Darmstadt, 30. Sept. Die Oberpostdirektton beabsichtigt, demnächst Kraftpost- führten zwischen E b e r st a d t (Haltestelle der cleftr. Straßenbahn) und Pfungstadt em- zurichten, die als Vorläufer für die in Aussicht genommene Krastpvst Darmstadt—Eberstadt Pfungstadt—Eich—Eschollbrücken—Hahn — Crum- stadt—Philippshospital—Goddelau gelten sollen. Hessen-Nassau. werden. Wer noch Erbplätze hat, soll dafür auf dem neuen Friedhof kostenlos entschädigt werden. Die Hochwald st raße, an deren Ende am Stadtwalde das neue Krankenhaus erstehen wird, soll im kommenden Winter mit einem Kostenaufwand von 90 000 Mark kanalisiert werden. Die Pläne und der Kostenvoranschlag des Tiesbauamts sanden die Genehmigung der Versammlung. Die Arbeit, die im Winter den Erwerbslosen Beschäftigungsmöglichkeit bieten soll, gilt als Vorbereitung für den Krankenhausbau. Durch die Kanalisierung der durch die ©arten» anlagen unserer Stadt führenden Straße wird wertvolles Baugelände aufgeschlossen. Dem Verkauf von zwei Bauplätzen in der Mittelstraße und in der Frankfurter Straße wurde zugestimmt. Es wurde gutgeheißen, daß die Stadt die Kosten übernimmt, die den städtischen Beamtenanwärtern durch Teilnahme an den Vorbereitungskosten für die Verwaltungsprüfung entstehen. In zwei Fällen wurde die Bedürfnisfrage zum W i r t s ch a f ts- bet r i e b bejaht. Unter Besprechungen regte Frau Dr. Llrbahn die Errichtung einer Volksküche für die Minderbemittelten an. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde einem Vertrag mit dem Haupt Versorgung samt (Berlin) über die Vermietung des städtischen Villen-Doppelhauses Ecke Schiller- und Luisenstraße an die hiesige Reichsversorgungskuranstalt zugestimmt. Ferner wurde die endgültige Anstellung von zwei Ha n d - arbeitslehrerinnen gutgeheihen, während mehrere Gesuche um weitere Baubeihilfedarlehen Ablehnung fanden. Der Ankauf einiger Grundstücke wurde beschlossen und einem Geländetausch am Johannisberg zugestimmt. Kreis Schotten. Schotten, 30. Sept. Die Filiale der Mitteldeutschen C r e d i t b a n k hier ist eingegangen. Das Bankgebäude (das frühere Hotel Post) ging durch Kauf für 16 000 Mk. an die hiesige B e z i r k s s P a r t a s f e über, die sich auf diese Weise ein eigenes Heim geschaffen hat. Das Mobilar, eiserne Kassenschränke u. dgl. wurden mit übernommen. Das Gebäude, inmitten der Stadt gelegen, ist für die Sparkasse wie geschaffen. Durch den Llmzug und das Freiwerden von Wohnungen ist es auch der Stadt möglich der sofortigen Einrichtung eines Krankenhauses im freiwerdenden „Posthäuschen'', einer früheren Pension in der Riddastrahe näherzutreten. Der Gemeinderat beschloß einmütig diesen Ausbau und die Einrichtung Damit wird einem dringend fühlbaren Mangel in Stadt und näherem Bezirk äbgeholfen. — Dem Bade- club, der seine schöne Badeanstalt neu geschmackvoll hergerichtet hat, bewilligte der Ge- meinderat dreihundert Mark Zuschuß. Ebenso stimmte der Gemeinderat einstimmig dem Ausbau der Autolimen Schollen — ^llrich- st ein — Groh-Felda— Riedergemün- den—Alsfeld—Lauterbach zu und billigte die in Alsfeld kürzlich getroffenen Vereinbarungen einer Versammlung der zahlreichen Interessenten. Damit sind glänzende Verkehrs Möglichkeiten vom hohen Vogelsberg nach allen Richtungen hin, Frankfurt—Kassel—Fulda usw, in Zukunft garantiert. Kreis Alsfeld. Gesamt-Sieger der Großen Russischen Prüfungsfahrt Plockstraße 2 Telephon: 1089, 1090, 2435 Marburger Str. 68 Verlangen Sie Unverbindlichvorführung obiger Qualitätsfahrzeuge. Günstigste Preise u. Zahlungsbedingungen Haitz auf 2Va-to-Benz-Qaggenau-Lastwagen l. Preis für Baufestigkeit und Ausdauer. 9108a Kissel auf 16/50-P. S.- Benz-Sechszylinder j. Preis für Wirtschaftlichkeit und I. Fahrerpreis. Dahlmann auf 372-to-Daimler-Lastwagen I. Staatspreis für beste Gesamtleistung. Die Große russische Preisprüfungsfahrt war die schwerste internationale Leistungs- und Zuverlassigkeitspnuung des Jahres 9 . Mehr als 5000 km Strecke, auf schlechten Straßen, z. T. durch weglose Steppen, bei zweimahger Ueberquerung des Kaukasus-Gebirges, Geschwindigkeits-, Wirtschaftlichkeits- und Konditionsprüfungen stellten Fahrer und Fahrzeuge auf die denkbar härteste Probe Wir haben es mit Absicht vermieden, mit Teilergebnissen Reklame zu machen. 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Dern und alle Angehörigen Leihgestern, den 30. September 1925. Die Beerdigung findet Freitag, den 2. Oktober, nachmittags 3V2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt. 9169V Dutenhofen, Gießen, Kl -Linden, Wetzlar, Frankfurt a. M., den 30. September 1925. Bekanntmachung. Auf Grund des Reichsgesetzes über Änderungen deLFinanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, vom 10. August 1925-R. G. BL Ar. 391 6. 259 —, findet eine Besteuerung von Mineralwässern und künstlich bereiteten ®etränf$n im BerbrauchSsteuerbezirk der Stadt Gießen ab 1. Oktober 1925 nicht Aelt.MWkk oö. alleinnel). Zrau die einen HauShalt selbständig versehen kann, au älterem Ehepaar «Dame leidend! mögl. bald nach Friedberg gesucht. Schriftl. Angebote mit Anspruch, und wenn mögl. mit Bild unter 9023V an den Gieß. Anz. erb Die Stämme sind geschält. Nähere Auskunft durch Förster Lucas.Wißmar. Bieter müssen sich den hier geltenden allgemeinen Holzverkaufsbedingungen unterwerfen und dies schriftlich niederlegen. Zuschlag bleibt vorbehalten. Zahlung vor der Abfuhr und Zwar 72 sofort nach erteiltem Zuschläge, der ’ Rest nach 4 Wochen. Angebote, getrennt nach Losen, erbitte je Festmester in Reichs- mark bis zum 6. Oktober 1925, vormittags 11 Uhr, an mich. Krofdorf, den 29. September 1925. Der Bürgermeister: Brockmeier. 9155V Die Beerdigung findet Freitag, den 2. Oktober, nachmittags um 7.3 Uhr, vom Sterbehause aus statt. 9160V bie Unterschrift in der Nachrufanzeige über Herrn Professor Dr. H. Willenbücher Oberstudienrat in Mainz in der Ausgabe vom 29. v. Mts. soll richtig heißen: Die Turnerschaft i. V. C. „Hasso-Nassovia“ Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, den Stellwerksmeister a. 0. August Loh im Alter von 53 Jahren durch einen sanften Tod zu erlösen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Loh geb. Krombach. 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Der Oberbürgermeister. Tel. 240 auch nachts | Verschiedenes | Berftelgemg. Auf dem Sportplatz am Trieb (Kirschenallee) werd. Sflmslßn.öen 3.9fi., oö 2 Hör notömiifogs, 1225 lfd. Mtt. Leithölzer, 445 Pfosten, für Garteneinfriedi- gung besonders geeignet u. 6 Kartenverkaufshäuschen, die als Gartenhaus» häuschen gut verwendbar sind, gegen Barzahlung meistbietend versteigert. Der DauauSschutz für das 32. Mittelrheinische KreiSturnsest. Gestern verschied plötzlich und unerwartet mein lieber, herzensguter Mann, der treusorgende Vater seines Kindes, unser hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Sch wiegervater,Sch wager und Onkel August Dern im Alter von 31 Jahren. 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Zs., vor. mittags 10 Llhr, in dem Gasthaus »3ur Krone^ in Dad-Rauheim, Burg- sttaße, die nachstehend bezeichneten gepfändeten Gegenstände öffentlich zwangs- weise gegen Barzahlung versteigern lassen: 1 Salonschrank, 2 Ealonsessel, 1 Salontisch. 2 Salonstuhle, 2 blaue Klubsessel, 2 Lederklubsessel, 1 Ausziehtisch (Eiche), 1 Sofa, 1 Sessel, 2 Stühle mit Polster, 1 Bücherschrank, 1 Vertiko, 6 Stühle, 1 runder Tisch, 1 Standuhr, 1 Rauchtisch, 1 Nähmaschine, 1 Messingbett (komplett), 1 Holzbett (komplett), 1 Spiegelschrank, 1 Waschtisch, 5 Perserleppiche, 2 Sofakissen, 2 Lüster, 1 Oelgemälde (Kirchgang), 1 Grammophon mit Ständer und 18Plaften, 1 Bowle mit Einsatz, 1 Reihe von Silber-, Porzellan- und Bronze - Gegenständen, ferner 1 Kassenschrank, 1 Schreibmaschine, l Görhglas und 1 Drilling. 91331) Friedberg, den 28. September 1925. Finanzamt (Vollstteckungsabteilung). Bekanntmachung. Die der Evangelischen Kirche und Pfarrei Gießen gehörenden Aecker lollen Montag, den 5. Oktober, nachm. 6 Uhr, im Gemeindesaal Kirchstratze 9 neu verpachtet werden. Gießen, 30 September 1925. Ser Mangel. (SefamtlMjenooW: I. V. Ausfeld gissd Donnerstag, Moder 1925 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) M. 250 Zrvettes Blatt bei bei bei bei ausmacht. Die Länder können diese Sätze zum 1. in des Frie- v. H. der wir sich des Frie- v. H. der sind Die Verstärk unbelasteten Grundstücken nicht mehr als 10 v. H. der Friedensmiete. einer Belastung bis zu 10 v. H. des Fric° denswertes nicht mehr als 15 v. H. der Friedensmiete, der Masse von 1913 gesunken. Heute stehen der sehr ernsten Tatsache gegenüber, dah diese Ziffer weiterhin gesenkt hat. schwersten Bedingungen oder in vielen Fällen überhaupt kein Geld erhält, um die notwendigen Rohprodukte einzukaufen und ihre Betriebe aufrecht zu erhalten, Llnsere Dahnfrachten sind, auch das bewirkt das Dawes-Ab kommen, viel zu hoch, und unsere Lebenshaltung ist biel zu teuer. Zieht man alle diese Faktoren in Detrachr, so ist es verständlich, daß deutsche Erzeugnisse überall im Auslande zu teuer sind. Englische und amerikanische Waren sind billiger. Ebenso steht es mit Waren aus anderen Ländern und immer stärker macht sich im Lieberseehandel die Konkurrenz der Halbinflationsstaaten Belgien, Frankreich und 3tiüien bemerkbar, die nach dem Kriege ihre Industrie ganz bedeutend vergrößerten. einer Belastung bis zu 20 v. H. denswertes nicht mehr als 20 Friedensmiete. einer Belastung bis zu 30 v. H. denswertes nicht mehr als 25 Friedensmiete April 1926 in Kraft. (4) Im übrigen tritt a) die Vorschrift . . . b) die Vorschrift des § 11 zu Ar. 6 b mit Wirkung vom 1. Juli 1925 Kraft . . Zwei Füchse verdingen sich beim Bauern. Von Hans Friedrich D l u n ck. Da war einmal ein alter geiziger Bauer, bei dem es kein Knecht aushielt. Er mußte deshalb die Leute nehmen, wo er sie sand, und sich mit allerhand Gelegenheitsarbeit begnügen. Einmal, das ist noch gar nicht lange her, einmal kamen auch zwei Füchse so gegen Sommersende zu ihm und fragten ihn, ob er nicht Arbeit für sie hätte. „3a,“ sagte der Bauer, „das wäre wohl möglich, aber was sie denn könnten." „Osagte der Aeltere und zwinkerte mit den Augen, „er könnte Gänse für ihn besorgen." „Das ließe sich hören," sagte der Bauer, „dann wollte er ihn man gleich in Arbeit nehmen." Da ging der Fuchs von dannen und in die Stoppelfelder, um für seinen Herrn Gänse zu besorgen. 3nzwischen fragte der Dauer den andern Fuchs, was er denn könne. „Oh," sagte der, „ich kann Wetter machen." „Davon halt ich nichts," sagte der Dauer, „da kommt doch niemand gegen Hans Donnerstag an. Was kann er denn sonst?" „Oh, ich kann Holz kleinmachen und einen neuen Keller graben und auch aus der Dibel vorlesen." Aa, das ist alles noch nichts Rechtes für den Dauern. „Ich merke schon, viel hast du nicht gelernt“, sagt er. „Ob's nicht gut sei, in dieser Zeit einen zum Gänsehüten zu Alben?" fragte der zweite Fuchs schließlich und grinst. Da denkt der Dauer ja an sein eigenes Federvieh auf der Koppel. „3a,“ sagt er, — er ist ja immer etwas mißtrauisch — „wenn du mir deine schöne rote Rute als Pfand da läßt, will ich dich zum Hüten anstellen. Aber wenn eine einzige Gans fehlt, bist du mein, merk dir das." „Sie würden schon miteinander zufrieden sein", sagt der Fuchs. Er macht also den Lohn mit dem Dauern aus und sagt nur, das Ein- und Austreiben müsse der Herr besorgen, er könne sich noch nicht daran gewöhnen, so mitten durchs Dorf zu laufen. „Das verstünde er wohl," sagt der Dauer, die Menschen taugten auch nichts, denen man heute begegne. Aa, nun treffen sich die beiden Füchse ja bald draußen auf der Gänseweide des Dauern Aach eingehendem Studium kommt man zu dem Ergebnis, daß der Gesetzgeber die neue Fassung des § 28 Abs. 5 (künftiger Abs. 3) am 1. April 1926, also zu Deginn des nächsten Rechnungsjahres in Kraft treten lassen will. Die und bereden, was sie am besten tun. Lind wie das bei Füchsen so ist, sie kriegen Hunger und verzehren mit gutem Geschmack die erste Gans. Lind dann muß der Freund Räuber ja auch eine für den Dauern rnitnehmen. Er muß ja beweisen, daß er etwas kann und die Gänse der anderen Leute sind etwas weitläufig. Wie sie nun beim schönsten Rupfen sind, „Sieh mal“, sagt da der Hirt und kriegt einen bösen Schreck, „dort kommt der DauerI" Aa, der Räuber Fuchs mit seiner guten Deute hinter dem Knick und der Hirt, das ist ja der Fuchs ohne Schwanz, mit dem treuherzigsten Gesicht bei den Gänsen. Er hat noch gerade Zeit, die Bratenknochen wegzustopfen. „Sind noch alle da?" fragt der Dauer schon von weitem. „Gewiß," sagt der Fuchs, „brauchst nur nachzuzählen I“ Da fliegen grade ein paar große Erdhummeln bei ihm vorbei. „Tut mir den Gefallens sagt der Hirt rasch, „und summt den faulen Gänsen einmal gründlich um die Köpfe I" Kaum sind die Erdhummeln da, gibt es ja ein gewaltiges Geschnatter und die Gänse mit langen Hälsen und Flügelschlagen auf sie los. Der Dauer muh dreimal von vorn zählen, er kann bei dem Wirrwarr nicht zurecht kommen. Schließlich meint er nur achtundvierzig gezählt zu haben und hat fünfzig gehabt. „Was," schreit der Hirt, „da plagt man sich den ganzen Tag und am Ende kommt man noch in Verdat?" -Unö er zählt und zählt fünfzig. Da kommt wie von ungefähr sein Bruder Räuber vorbei. Den rufen sie an und er zählt auch fünfzig. Aa, da meint der Bauer wirklich, daß er sich verzählt hat und entschuldigt sich und geht nach Hause. Zum Abend kriegt er ja auch den schönsten Braten und ist zufrieden. Wie die Füchse sich nun zur Aacht treffen, sagen sie sich, daß es so gefährlich werden könnte. Lind sie gehen zur Grauganskönigin, die wohnt unten im Moor, und sagen zu ihr: „Wir arbeiten jetzt ehrlich beim Dauern, Aachbarin, und versprechen dir, dah wir keiner von deinen Graugänsen ein Leid antun, wenn du uns so viele leihst, wie wir haben müssen, wenn der Dauer seine Herde zählt." „Das läßt sich Horen", sagt die Grauganskönigin: sie errät wohl, um waS es sich handelt, aber sie kann die zahmen Gänse ja nicht aus- stehen. „Das läßt sich hören, aber ich muß ein gutes Pfand haben." Da gibt auch der Räuber seine schone rote Rute zum Pfand und sie gibt ihm einen Federkiel, auf dem soll er blasen, wenn er Gänse haben Will. Knechte dem Dauern, daß sie zu ihren Frauen heim müßten und wollen ihren Lohn. Lind her Dauer kommt richtig andern Tags mit den Talern und dem Fuchsschwanz des Hirten aufs Feld hinaus. Zur gleichen Zeit hat die Grauganskönigin aber ihren Federkiel mit der buschigen Rute des Räubers ausgetauscht. Sie sagt, zu Mittag müsse sie alle Tiere wiederhaben, da wollten sie auf» brechen. Sie ist übrigens sehr zufrieden und meint, den Vertrag würde sie gern noch einmal machen, die Herren sollten sich im nächsten Herbst nur wieder an sie wenden. Wie der Dauer nun zu den beiden Schalksknechten kommt und die Gänse auszählen will, und alle beisammen sind, gibt er dem Hirt ja auch seine rote Rute zurück und dann den Lohn. Etwas hat er ja wieder abgezogen, der Geizhals, aber er meint dafür, die beiden feilten im nächsten Herbst nur wiederkommen, folgendes 3ahr gäb's mehr. „3a," sagt der Hirt und geht einige Schritts abseits, so daß der Bauer ihn mit dem Knüppel nicht mehr erreichen kann, „bann Witt ich auch noch erzählen, was für ein neues Glück dem Herrn wü>erfahren ist. Dem Himmlischen haben seins Gänse so gut gefallen, sie wollen sie zu 6t Martin haben. Gewiß wird es dem Bauern einmal heimgezahlt und hoch angerechnet werden." „Düwel ok," sagt der Dauer, „davon halte er nichts, und seine Gänse gäbe er nur gegen bare Münze ab. „Oh, Oh," sagt der Fuchs und schlägt vorwurfsvoll die Augen auf, „aber das müsse der Herr schließlich selbst mit den Himmlischen ab* machen." In dem Augenblick kommt vom Moor der Pfiff der Grauganskönigin, und alle fünfzig Gänse erheben sich in die Luft. „Wunder über Wunder!" schreit der Hirt und dann seht er sich mit dem Bruder in gute Flucht. „Rasch, rasch, daß wir sehen, wo der Himmel aufgeht." Da lausen die zwei ja, waS das Zeug halten will und der 'Bauer läuft auch hundert Schritt mit. um den Eingang zum Himmel zu sehen. Older mit den Füchsen kann er nicht mit* kommen, nein, die fegen weit vor ihm her. „Düwel ok", sagt der Bauer und bleibt stehen und beginnt zu fluchen und sucht nach einem Stein, aber Füchse und Gänse sind weit von dannen. Und es ist wohl dabei geblieben, daß et daS Federvieh einmal auf den hinnnllschen Lvhg verrechnen muß. Zwecke der Angleichung aneinander oder an die allgemeinen Sähe erhöhen oder herabsetzen: sie können im Interesse einer angemessenen Verteilung der Steuerlast weitere Delastungsstufen mit besonderen Sähen belegen.....usw." Wenn also beispielsweise auf einem Hause mit einem Friedenswerte von 100 000 Mk. am 31. Dezember 1918 eine Hypothek in Höhe von 30 000 Mk. lastete, so hat der Pflichtige einen Rechtsanspruch darauf, dah ihm derjenige Teil der Gesamtsondersteuer (und in diese teilen sich bekanntlich die drei Steuergläubiger Staat, Kreis, Gemeinde) erlassen wird, der 25 Proz. der Frie° densmiete (beispielsweise bei 5000 Mk. Friedensmiete 1250 Mk.) übersteigt. Aach dem bisherigen Rechtszustand muhte ein solcher Antrag abgewiesen werden, wenn die Einsichtnahme im Grundbuch ergab, dah die Belastung eine höhere als 20 000 Mk. im Deispielfalle betrug. Wenn ferner ein Steuerpflichtiger feine aus den Friedensjahren, z. D. 1899, stammende Hypothek etwa im Aovember 1918 zum Löschen brachte, so war sein Antrag auf Herabsetzung der Sondersteuer nach bisherigem Recht abzulehnen, da die Belastung am 1. Juli 1914 noch bestand. Solche Fälle bargen zweifellos eine grobe Härte in sich, denn im Jahre 1918 war die Entwertung unserer Mark noch nicht so groh, dah man sagen könnte, ein solcher Hypothekenschuldner habe damals ein gutes Geschäft gemacht, als er die Hypothek zurückbezahlte. Insofern weist also die neue Fassung des § 28 Abs. 5, der jetzt Abs. 3 geworden ist (infolge Streichung des Abs. 2 und 4), eine Verbesserung für den Steuerpflichtigen auf. Klargestellt ist nunmehr auch, dah Hypotheken der in den §6 1187, 1190 DGB. bezeichneten Art nicht als dingliche privatrechtliche Belastung im Sinne obiger Vorschrift gelten. Gemeint sind Hypotheken aus Inhaber- oder Orderpapieren sowie Höchstbetraghypotheken. Eine sehr wichtige Frage ist nun die. wann alle diese Aeuerungen inKraft treten. Hier muh zunächst festgestellt werden, dah es grohe Mühe und viel Zeit kostet, sich in dem Wulst, anders kann es nicht bezeichnet werden, der Vorschriften des hier einschlägigen § 19 durchzufinden. Dieser Paragraph ist das reinste Labyrinth und ein Musterbeispiel dafür, wie kompliziert unsere heutige Gesetzessprache geworden ist. Für den Laien dürfte es beinahe unmögllch sein, Klarheit ^u gewinnen! Dieser § 19 lautet: „(1) Dieses Gesetz tritt, soweit sich nicht aus § 16 und den folgenden Absätzen etwas anderes ergibt, mit dem 1. Oktober 1925 in Kraft. (2) Die Vorschriften deS § 11 zu Ar. 3 Satz 4 und zu Ar. 5 c und d treten am 1. August 1925 in Kraft. /3) Die Vorschriften des 8 11 zu Ar. 2 Abs. 1, 2 und 3 und Abs. 4 Satz 1, 2, 3 und Absatz 5, zu Ar. 3 Sah 3, zu Ar. b, e, mit Ausnahme des Schlußsatzes, f bis h und zu Ar. 7 treten mit dem Die künftige Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz Don Dr. jur. E. Gretschmann. Regierungsrat. Die Aenderung der 3. Steuernotverordnung durch das Gesetz vom 10. August 1925 hat auf bem Gebiete der SoNdersteuer eine Reihe so wichtiger Aeuerungen gebracht, dah sich nicht bloß der Steuerbeamte, sondern auch der Laie damit vertraut machen sollte. Zunächst ist festzustellen, daß die Hoffnung derjenigen, die an ein Wegfällen der Sondersteuer vom Rechnungsjahre 1925 ab glaubten, zu schänden geworden ist. Die Hoffnung war ja einigermaßen berechtigt, denn 8 32 der alten Fassung besagte: „Die Destimntungen der 8,26 bis 31 gelten so lange, als eine gesetzliche Miete in den betreffenden Landes teilen festgesetzt ist, jedoch nicht über den 31 März 1926 hinaus .. ." Aunmehr lautet 8 32; „Vor dem 1. April 1928 ist rechtzeitig zu prüfen, ob die Steuer von diesem Zeitpunkt ab weiter zu erheben ist . . . Rechtzeitig vor diesem Zeitpunkt ist Reichstag und Reichsrat eine Vorlage zu machen." .. Wir haben also die Gewißheit, daß die tn allen Kreisen unbeliebte Sonder steuer bis zum Rj. 1929 bleiben wird und können uns der schwachen Hoffnung hingeben, daß sie vielleicht ab 1. April 1928 verschwinden wird. Eine weitere Vorstellung von dem. was dem Steuerzahler bevorsteht, gibt das Studium des 8 27 und des neu eingeschobenen 8 27 a. 8 27 der alten Fassung lautete: „ ... Die Länder haben von der ihnen erteilten Ermächtigung in der Weise Gebrauch zu machen, daß die Mieten allmählich gemäß der Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage den Friedensmieten angenähert werden..." Die entsprechende Vorschrift des 8 27 der neuen Fassung lautet hingegen: „Die Länder haben von der ihnen erteilten Ermächtigung in der Weise Gebrauch zu machen, daß die Mieten allmählich gemäß der Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage erhöht werden." Wan begnügt sich also nicht mehr mit der Erreichung der Friedensmiete, sondern sieht von vornherein ein Lieberschreiten dieser Grenze vor. Wie sich das Heer der in Miete wohnenden Lohn- und Gehaltsempfänger dazu stellen wird, deren Bezüge noch weit unter Friedensgrenze liegen, ist natürlich eine andere Frage. Indes bestimmt der neu eingestellte 8 27 a: „Die Reichsregierung, setzt mit Zustimmung des Reichsrats die Mindesthöhe der gesetzlichen Miete im Reiche einheitlich fest. Am 1. April 192 6 müssen die Mieten 100 vom Hundert der Friedensmiete erreicht haben..." Lind aus 8 26 der neuen Fassung erfährt man: „Der Deckung des allgemeinen Finanzbe- darfs dürfen bis zur Erreichung der vollen Friedensmiete nicht weniger als 20 v. H.. und nicht mehr als 30 v. H. der Friedensmiete Vorbehalten werden. Erhöht sich die Miete über die Friedensmiete hinaus, so barf_ von dem Mehrbeträge der Miete höchstens ein Fünftel für den allgemeinen Finanzbedarf beansprucht werden." Von besonderer Tragweite auf steuerlichem Gebiete sind nun die Veränderungen, die 8 28 erfahren hat. Die Steuerbehörde muhte bekanntlich im abgelaufenen und in diesem Rechnungsjahr sehr viel mit der Vorschrift des 8 28 Absatz 3 und des 8 28 Absatz 5 arbeiten. 8 28 Absatz 3 sprach davon, dah, soweit vor dem Inkrafttreten der 3. Steuernotverordnung (14. Februar 1924) auf einem Grundstück eine privatrechtliche wertbeständige Last in ausländis cher Währung oder nach dem Gesetz über wertbeständige Hypotheken vom 23. Juni 1923 eingetragen sei, auf Antrag die Steuer sich um den Wert der aus der Last sich ergebenden laufenden Geldverpflichtung vermindern. Solche Fälle kamen vereinzelt vor. Wichtig war Pflichtigen brauchen also hierwegen erst in einem halben Jahre Schritte bei dem Finanzamt zu unternehmen. Die Ausscheidung des bisherigen 8 28 Abs 3 (Ermäßigung der Steuer wegen der Verzinsung aufgewerteter Hypotheken) tritt hingegen schon mit dem 1. August 1925 in Kraft. Der Vollständigkeit halber sei noch auf den! neu eingestellten § 29 a hingewiesen: „Einfamilienhäuser, die vor dem 1. 3uli 1918 bezugsfertig hergestellt und zu diesem Zeitpunkt mit nicht mehr als 20 v. H. des Friedens- Wertes belastet waren, lind auf Antrag von der Steuer freizustellen, sofern sie ausschließlich vom Eigentümer und seiner Familie bewohnt werden und die Wohnfläche nicht mehr als 70 Quadratmeter beträgt ..." Ein Kriegsgewinnler, der im Jahre 1917 ein kleines Landhaus zum Alleinbewvhnen gebaut hat, müßte demnach für dieses Objekt nur Grundsteuer und gar keine Sondersteuer bezahlen. Warum man gerade den 1. Juli 1918 als Stichtag gewählt hat und den glücklichen Besitzer eines solchen Hauses, der doch immerhin dem Substanzwert seines Vermögens, zum T e i l wenigstens, gerettet und vor den übrigen Pflichtigen: den Mietwert des eigenen Hauses voraus hat. von der Sondersteuer ganz freistellt, ist nicht recht ersichtlich. Wenn man indes weih, daß die heutige Gesetzgebung vielfach nichts anderes als einen Kuhhandel zwischen den Parteien darstellt, wird man sich vielleicht auch darüber beruhigen können. Niedergang im Export. Von Professor Paul F r e h e, Frankfurt a. M. Bei den Verhandlungen vor Llnterzeichnung des Dawes-Abkommens wurde wiederholt von Entente-Leite darauf hingewiesen, daß alles geschehen solle, um dem deutschen Exporthandel günstigere Absatzmöglichkeiten überall auf dem Weltmarkt zu schaffen, ja, man sprach sogar die Hoffnung aus, daß die deutsche Ausfuhr bald wieder den Stand von 1913 erreichen möge, denn nur unter dieser Voraussetzung könne überhaupt der Dawes-Plan verwirklicht werden. In jenen Tagen hatte der deutsche Export mit Mühe und Aot, trotz aller Schwierigkeiten, die ihm in der Tat überall von unseren ehemaligen Gegnern bereitet wurden, 58 Prozent der Gesamtmasse von 1913 erreicht. Als der Reichsauhenminister Herr Stresemann im Frühling dieses Jahres eine Rede in Dortmund hielt und wiederum die Mächte der Entente aufforderte, dem deutschen Handel freie Dahn zu geben, da wir nur so uns erholen und Reparationen: auf Grund des Dawes-Planes leisten könnten, war der deutsche Exporthandel, anstatt wie in London vorgesehen, zu steigern, auf 45 Prozent aber die Vorschrift des letzten Satzes des Absatzes 3: „Soweit eine nicht wertbeständige privatrechtliche Last aufgewertet ist, vermindert sich auf Antrag die Steuer um den Wert der aus einer Aufwertung bis zu 15 vom Hundert des Aennbekrags in Goldmark sich ergebenden laufenden Geldverpflichtung; dies gilt nicht, soweit die Verpflichtungen den im 8 5 Absatz 2 vorgesehenen Zinsbetrag übersteigen." Ich habe weder von den mir unterstellten Beamten, noch von den Laien verlangt, daß sie den Sinn vorstehenden Sahungeheuers sofort verstehen. Wie hoch ist der „Wert der aus einer Aufwertung bis zu 15 v. H. des Aennbetrags in Goldmark sich ergebenden laufenden Geld- Verpflichtung ?" Man tonnte ihn nur feststellen, wenn man über die die Aufwertung betreffenden Vorschriften des Artik I der 3.Steuernotver- ordnung genau unterrichtet war. Hiernach war also der Zinsenlauf aus einer 15prozentigen Aufwertung von der Steuer aus Antrag abzusetzen. 8 5 Absatz 2 bestimmte: „Die aufgewerteten Ansprüche sind bis 31. Dezember 1924 unverzinslich Vom 1. Januar 1925 ab beträgt der Zinsfuß 2 v. H.: er erhöht sich in jedem weiteren Jahr um je 1 v. H., bis der Satz von 5 v. H. erreicht ist." Das ist im Jahre 1928 der Fall. Aunmehr sind durch das Aufwertungs- gesetz vom 16. Juli dieses Jahres sowohl Aufwertungsbetrag, als auch Verzinsung grundlegend neu gestaltet worden. Der Aufwertungsbetrag ist statt 15 Prozent nunmehr 25 Prozent und der Zinssatz beträgt ab 1. Januar 1925 1,2 v. H., vom 1. Juli 1925 ab 21/2 v. H., vom 1. Januar 1926 ab 3 v. H. und vom 1. Januar 1928 ab 5 v. H. Die wichtige Vorschrift des letzten Satzes des bisherigen Abs. 3 hat man nun aus 8 28 ganz herausgenommen und in veränderter Weise in § 27 eingeschaltet. Steuerlich wirkt sich dies insofern aus, als Anträge auf Verminderung der Sondersteuer wegen des Zinsenlaufes für eine aufgewertete Hypothek jetzt nicht mehr gestellt werden können. Der Gesetzgeber will vielmehr haben, dah der zur Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und des Eigenkapitals erforderliche Betrag in Zukunft in die Miete einkalkuliert werde. Die entsprechende Dorschrist des 8 27 neuer Fassung lautet nämlich: „Den Eigentümern ist ferner in der Miete aur Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und des Eigenkapitals der Betrag zu belassen, mit dem eine vor dem 1. Januar 1918 eingetragene, nach dem Grundsatz des § 4 des Aufwertungsgesetzes vom 16. Juli 1925 aufgewertete Papiermark- hhpvthek zu verzinsen wäre, deren Aennbetrag dem Friedenswerte des Grundstücks entspricht: für die Höhe der Verzinsung gilt der im 8 28 des Aufwertungsgesetzes vorgeschriebene Zinssatz: die Länder setzen für diesen Betrag einen bestimmten Hundertsatz der Friedensmiete in der Miete fest." Eine weitere wichtige Aenderung ergibt sich aus der Aeufassung des 8 28 Abs. 5! Der alte 8 28 Abs. 5 lautet: „Bei Grundstücken, die zu dem im vorstehenden Absatz bezeichneten Zeitpunkt (gemeint ist 1. Juli 1914, Anmerkung des Vers.) entweder unbelastet waren oder deren dingliche private rechtliche Belastung nicht mehr als 20 v. H. des Gesamtwerts betrug, ist der Betrag der Steuer auf Antrag.....soweit herabzusetzen, daß er nicht mehr als 20 v. H. der Friedensmiete aud- macht......" Die Aeufassung bringt nun für zahlreiche Steuerpflichtige eine unbestreitbare Vergünstigung, für die Steuerbehörde allerdings ein gewaltiges Mehr an Arbeit. Sie lautet: „Bei Grundstücken, die am 31. Dezember 1918 entweder unbelastet waren oder deren dingliche privatrechtliche Belastung nicht mehr als 30 v. H. des Friedenswertes betrug, ist der Betrag der Steuer auf Antrag des Eigentümers soweit herabzusetzen, daß er ________ Aun geht ja ein lustiges Leben für die beiden Füchse los. Jeden Tag verspeisen sie eine Gans zum Frühstück und eine zum Mittag, und der Bauer kriegt auch jeden abend eine und denkt, so gute vcyalksknechte hat er noch nie gehabt. Immer aber wenn er bei seiner eigenen Herde vorbeikommt, pfeift der Räuberfuchs rechtzeitig auf dem Federkiel und läßt so viele milde Gänse von der Aachbarin kommen, wie gerade fehlen. Lind wenn der alte Geizhals zählt, findet er alles in Ordnung. Einmal ist der Aeltere just auf einem Weg, als der Dauer vorbeikommt. Der Räuber läßt dem Bruder den Fedeickiel ja nicht, weil er die Rute zum Pfand gegeben hat, und der Hirt kommt in große Verlegenheit. „Was," schreit der Dauer, „da sind ja bloß noch zwanzig Stück?" „Denk dir an,“ sagt der Hirt und legt die Hände vor der Brust zusammen, „denk dir an, Dauer, welches Glück uns widerfahren ist! Vorhin kam eine von den Himmlischen vorbei und besah sich die Gänse und sagte, die hätten nicht genug zu fressen. Ja, sagte ich, das ist ja auch nicht wie bei euch mit der Weide. Da sagte sie, sie wollte selbst ein paar durchfüttem und hat an die dreißig Stück mit auf die himmlische Weide genommen. Aber heut abend komme nfie zurück, das hat sie mir versprochen." In dem Augenblick kommt der Fuchsräuber entlang und sieht die Verlegenheit seines Bruders. Rasch Pfeift er und die dreißig Graugänse kommen angeflogen und lassen sich gleich unter die andern nieder. Ha, der Bauer macht ja Augen wie einer. Es tut ihm leid, daß er dem Hirt wieder mißtraut hat. Er hat ja auch den Schwanz zum Pfand, was soll er sich da Sorgen machen. „Sonderbar sehen sie ja aus!" meint er noch. „Ja", sagt der Fuchs, und merkt seine Gedanken. „Das kommt wohl von der himmlischen Weide, da kriegen sie sicher feine Sachen zu fressen. Ach, waren wir nur auch erst sowett, Bauer!" Solche Wünsche mag der Dauer nicht recht hören und macht sich von bannen, aber es gefällt chm doch, daß ferne Gänse auf die himmlische Weide gehen. Am nächsten Tage sind die Gänse wieder vollzählig da und so geht eS noch einige Male. Schließlich find ja alle Tiere aufgefressen, eS ist auch gerade so well, daß die Graugänse auf Wanderung gehen wollen. Da sagen du? beiden Verschiedene schwerwiegende Faktoren es, die solchen Aiedergang bewirkten. Steuerschraube wurde angesichts der armung des deutschen Volkes zweifellos zu angexogen. Schwer lastet die Dawes-Abgabe auf der deutschen Industrie, die obendrein nur unter Untei solchen Llmständen bat der deutsche Kaufmann in liebet fee heute einen sehr harten Stand. Dazu kommt, das; ihm überall im Auslande noch die größten Schwierigkeiten bereitet werden. Man soll nicht wie der Vogel Strauß den Kopf In den Sand stecken und diese Dinge nicht sehen wollen. Vein, wir müssen die wahre Lage unserer Handels-- und Wirtschaftsoerhält- Nisse klar erkennen, wir müssen dem Ausland mit aller Energie die Tatsache vor Augen führen, daß unter solchen Bedingungen ein tiefgedrücktes und verarmtes Volk nicht in der Lage ist, ad infinitum schwere Reparationsabgaden zu zahlen. Die Passivität unserer Handelsbilanz zeigt in drohender Weise, wohin das Abzapfen der letzten deutschen Kraft führen mutz. Man stellt an uns heute dauernd nur aller- schwerste Verlangen und Forderungen ohne indessen zu wirklich ausgleichenden Gegenleistungen bereit zu sein. Sieben 3cü>re nach dem Kriege fährt man rücksichtslos fort, uns zu schröpfen und obendrein fordert man von dem militärisch ohmnächtigen Deutschland, daß es Eicherheitspakte nach dem Willen und Wunsch unserer bis an die Zähne bewaffneten Vachbarn unterzeichnet. Wenn Frankreich und die übrigen Mächte unserer ehemaligen Gegner ehrlicb nach toah- rem Frieden streben, dann muß diese 'Bebrüt kungs- und Ausfaugungspolitil aufhören. Vor allem gebe man uns die Möglichkeit, unseren Außenhandel wieder auf zu- bauen. Vicht dauernde Bedrückung und Aussaugung Deutschlands, sondern, wie es ja auch der Dawes-Plan vorsah, nur und einzig und allein st ä r k st e Fördern zig unserer Industrie und unseres Handels kann uns vielleicht die Möglichkeit geben, unseren cingc gangenen Verpflichtungen einigermaßen gerecht zu werden. Vur solche Stützung Deutschlands kann zum wahren Weltfrieden führen. Deutschland ist ein großer Industriestaat. Vor dem Kriege lebten 65 Prozent der Bevölkerung von Industrie und Handel, besonders aber vom Ausfuhrhandel. Wenn das heute nicht der Fall ist, so bedeutet das einen fchwerkranken Zustand, dem unbedingt ein Ende gemacht werden muß. Deutschlands geätztes Kindererholungsheim. von Jugenb- und vormundschaftsrichler F. G l s s. (Nachdruck verboten.) Tief im Süden Deutschlands liegt der Heu- berg, in der Rauhen Alb. dem einstmaligen Uebungsplay des XIV. Armeekorps. Während des Krieges diente fein Laaer der Ausbildung junger Truppen. Ein kleiner Friedhof, der „Russenfriedhof". zwischen Wald und Heide gebettet, erinnert an Jene, die dort als unsere Gegner in deutscher Erde die ewige Ruhe fanden. In der Nähe des Lagers liegt ein stilles Kirchlein, die Dreitritten- kopelle, die aus einer Nürnberger Spielzeugschachtel stammen könnte. Das Kirchlein ist ein köstliches Stück deutscher Romanttk. Wer es einmal dort sah, wird es überall finden und sehen zwischen Wald und Heide. Die Bahnstationen für das Heubcrglager sind S t o r z i n g und Thiergarten. Gute Waldstraßen führen von hier aus hinauf nach Stetten „am kalten Markt", allwo dereinst im Sommermonat ein armer Geisbock ausgerechnet — erfroren fein soll. Wenige Minuten von Stetten liegt auf gleicher Ebene unsere Kinderstadt, achthundert Meter übcrni Meere. Der Platz, an dem einst Maschinengewehre knatterten und Kanonenschüsie erdröhnten, dient jetzt im Wandel der Zeiten der Pflege und Gesundung der an Leib und Seele pflegebedürftigen Jugend aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes. Wer sich etwa das Heuberglager als ein „Barackenlager" vorstellen würde, wie es hier in Gießen einst das Gefangenenlager auf dem Trieb war, täuschte sich sehr. In allen seinen Teilen besteht es vielmehr aus festen Häusern — wohl an 150 —, darunter ein stattliches Kasino, und ist in der Lage, erlichen Tausend kleinen ober großen Menschen Unterkunft zu geben. Quellwasserleitung und Kanalisation nebst Klärbeckenanlage fehlen nicht. Dieses Heuberglager ist jetzt das größte Kindererholungsheim Deutschlands. Aus allen Gauen, aus allen Volksschichten kommen sie hinauf^ Buben und Mädels zwischen sechs und vierzehn Jahren. Die einen schwäbeln, die andern sächseln, wieder andere s—toßen sich an einem s—pitzen S—tein. Sind schon alle fröhlich, so sind es doch ganz besonders die Rheinländer. Gesoiett, gelungen und gejubelt wird überall. Und auch „geschafft". Da stehen die einen an einem riesigen Bottich aus Zement und waschen wie geübte Wäscherinnen das Hemd, die Strümpfe, wohl gar auch die Unaus- Hemd ist äußerst wichtig — Das Heubergkind wäscht selber tüchtig , unb anbere ziehen hinaus in bie buftenbe, blühende Heils mit wehenden Fähnlein unter fröhlichem Gesang. Sie schwärmen in spielender Jugendfreude dahin unb borthin, über Stock unb Stein, ziehen über das gewellte Land, durch den hohen Forst, ziehen auch ins D o n a u t a l, dessen Helle, steile Kalkwände keiner der Knirpse erklimmen kann, die, wie im Harze der granitene Jlsenstein, Roßtrappe und HeIentanwlatz, vom Zauber alter Sagen und Märchen umwoben sind. Ja, man muß auf der Burgruine Hausen oder dem Eichfelsen hoch überm Donautale gestanden und nach dem hochgiebeligen MIM 1111 ■ III» Der gefessetteötroin. Vornan von Hermann Stegemann. soreHlichen: 7,Ein sauberes 24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Vorher fahren wir noch einmal nach Elfenau. Da fließt der Rhein ganz ruhig und die Reiher stehen auf den Weidenköpfen und starren ins Wasser, das Schilf hat lange braune Fahnen aufgesteckt und die Linken glödein Tag und, Rächt Der Rhein hat dort zwei Betten. 3m allen wächst jetzt Korn, und Reben klettern an der Halde hinaus. Das hat er vor fünfunb- vierzig Jahren verlassen und ist ins neue gebrochen. Halb Elfenau hat er damals fort- gerissen, und viele Häuser haben jetzt noch den Fuß tief im Wasser und einen hölzernen Oberstock, den sie damals daraufgeseht haben." „Ich hasse den Rheins rief Lo ungeduldig in seine Schilderung und blickte ihn herausfordernd an. Scheu tastete er nach ihrer Hand. Seine Stimme war heiser. „Ich wäre dir nachgesprungen, ich kann so aut schwimmen wie der Hanns, aber das Ruder hat mich mitgerissen. Lo, glaubst du mir, daß ich dir nachgesprungen wäre?" Sie schwieg. Er wartete noch eine Zeitlang und wiederholte dann seine Frage. Sie fuhr mit der Zungenspitze über die Lippen, schien sprechen zu wollen, verstockte sich aber wieder in Schweigen. „Adieu, Fräulein Lo?" Er drehte ftch um und suchte den Rückweg. Blitzschnell rutschte Lo vom Tisch und faßte ihn am Aermel. Er blickte über die Schulter zurück. „Was ist?" stieß er hervor und machte ftch frei. Einen Augenblick zögerte sie noch, aber als er wieder gehen wollte, rief sie heftig: „Sv frag' doch nochmal!" Ihr Gesicht war blaß geworden und verschwamm im Schatten. Der Gewitterhimmel neigte sich tief herab. Heiße Windstöße schüttelten die Bäume. Felsenschlosse Werenwag unb dem finsteren, trotzigen Wildenstein geblickt haben! Solche „heroische" Landschaft gibt's kaum ein zweites Mal in beuifchen Lanben. Im Wiesgrunb aber, tief brunten an ber Donau, sitzt auf einer Mähmaschine, bieser Errungenschaft moberner Technik, in seiner dunklen Kutte ein Mönch, während anbere bienenbe Bruder bas Grummetgras ausbreiten. Beuron ist ja so nahe, die alte Benebiktinerabtei,« in ber bie Mönche der Arbeit, ber Wissenschaft unb ber auf hoher Stufe stehenben „Beuroner Kunst" bienen. Sie alle leben noch in ben gleichen Gebankenkreisen wie Jene, bie vor Jahrhunderten — wie sie — bie gleichen Klostergelübbe ablegten. Doch vorn Heuberg, bem so nahen, will ich ja erzählen. In jener schönen Gegend leben, spielen unb wanbern bie erholungsbedürftigen Kinder unb atmen bie herrliche, nervenstärkenbe, von keinem Fabri^schlote unb keiner Este verdorbene Höhenluft der Rauhen Alb. „Tanten" führen sie ans, kräftige für ihren Beruf ausgebildete junge Mädchen spielen mit ihnen, gewöhnen sie, wo es fehlt, an Ordnung, Sauberkeit und Reinlichkeit und bringen sie des Abends^ zu Bett, in bas große so harte aber so gesunbe Sok batenbett, wie sie ihre Schar bes Morgens roieber aus ben Betten Heraushalen. Solche Tätigkeit ist keine kleine Aufgabe. Wenn ber Teufel so einen Sack Buben ober Möbels irgenbwohin ausschüttet — ja, so ist's eben ber Teufel gewesen, unb auf all bie vielen, vielen Teufelskerlchen muß wahrlich scharf aufgepaßt werben, baß keines sich bie Nase blutig fällt ober gar ben Fuß verstaucht. Aber bie vielen Kinbertanten könnten nicht leben unb ihre Schützlinge konnten nicht leben unb in ben ihnen zugemessenen sechs Wochen nicht tugelrunb unb pausrotbäckig werben, wenn die Kasinoküche unb bie vielen Lagerküchen nicht wären, wo unter ben Küchenleiterinnen junge Hauswirtschastslehrerinnen unb brave Küchenmädchen in hohen, Hellen Räumen an Riesenherben unb großen Kochkesseln mit entsprechenden Kochgerätschaften unverdrossen bei frohem Liederschalle für alle die vielen hungrigen Mäuler leckere Speisen bereiteten. An bie dreihun- bert „Tanten" sind broben auf dem Heuberg unb fast ständig sind ae dreitausend Kinder zu warten und zu pflegen. Das sind Zahlen! In ben letzten fünf Jahren würben annähernb sechzigtausenb Kinder — in jebem Jahre über elftausend — aufgenommen. Ihre gesundheitliche Ueberwachung liegt in den Händen von fünf Aerzten. So können die Eltern, die ihre Kinder in die weite gesundende Ferne geben, jeder Sorge bar fein. Dort können ihre Kinder nur gedeihen. Unb bie Stabtoerwaltungen, bie ihre er- holungsbebürftigen Sorgenkinber auf ben Heuberg schicken, dürfen wissen, baß ihr Gelb nicht nutzlos ausgegeben wird. Denn Gesunbheit bebeutet Reichtum. Unb die Armen- und Krankenlasten werden sich künftig gewiß vermindern, wenn ein an Leib unb Seele gesünderes Geschlecht herangezogen wird. Aber nicht nur „erholungsbedürftige", sondern auch kranke Kinder finden auf dem Heuberg denkbar „Glaubst du mir, Lo?" fragte er endlich Sie schwieg, aber sie nickte krampfhaft. Zuletzt sagte fte auch noch deutlich: „3a." Hermann atmete tief auf. Vun faßen fte stumm nebeneinander. Auf einmal zog er sein Messer hervor und begann in die Tischplatte die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zu ritzen. Lo reichte ihm einen Stein, damit klopfte er auf den Griff, und so ging es besser. Sie achteten nicht auf das nahende Wetter. 3m Garten wurden Rufe laut. Die Damen flüchteten, Tylanders Fahrstuhl knirschte auf dem Kies. 3m heißen Windwirbel kam das Gewitter gefahren, und plötzlich stand alles in blauem Feuer, krachend rollte der Donner und polterte in dumpfen Sähen das Flußtal hinab. „Lo, Lo!" rief Frau Manderfeld. Der Wind war auf einmal erstorben, kein Blatt flirrte, am Himmel kugelten sich die Wolken, und nun noch ein Blitz. Blaurot flammte das Tal. Diesmal bebte der Boden, so furchtbar krachte der Donner. Da umfaßte Hermann Ingold die blaffe Lo mit beiden Armen, und fie drückte sich eng an ihn, Wange an Wange. lieber dem Lauffen schoß eine Feuergarbe auf, gelber Rauch qualmte breit, ein Flammenwirbel stieg reißend in die tote Luft. „Bie Brücke brennt“, stieß Hermann leise hervor. Die gedeckte hölzerne Aheinbrücke brannte. Das lange schwarze Dach hatte einen Feuerbusch aufgefteat. Der Lauffen lief rot wie Blut. Gold- und scharlachsarben glänzten die Dünste des stäubenden Wassers. Die ersten Regentropfen schlugen schwer durch die Blätter. „Sieh nur. wie furchtbar schön das ist" flüsterte Lo. Da küßte Hermann Ingold sie in grenzenloser Verwegenheit auf die Wange. Sie schien es gar nicht zu merken, und er wagte kaum noch zu atmen nach dieser Tat. Lautlot reckten sich spitze Feuerzungen vom I Brückenstr st, die Wolken hatten die Berge Der- I schlungen und füllten das ganze Tal, laut rauschte beste Pflege. Weitab von den Unterkunftshäusern bei gesunden Jugend stehen die Heilstätten ber andern, al.gestattet mit allen Hilfsmitteln der modernen Wissenschaft, von ber Liegehalle im Freien bis zum Röntgenraum unb ben Apparaten für künstliche Höhensonne. In bieser .Kinderstadt ist für Kinder. Wie ich hörte, wurde im Winter 1924/25 erstmalig ein Versuch unternommen, um die Einrichtung des Heubergs auch in ber kälteren Jahreszeit den erholungsbediirftigen Kindern zugute kommen zu lassen. Das sächsische Arbeitsministevinm entsandte 20 fortbildangsschulpflickstigeMadchen hierher, deren Gesundheitszustand so schwächlich war, daß sie den Anstrengungen der beruflichen Arbeit noch nicht gewachsen waren. Vom 1. Dezember 1924 bis 22. 2lpril 1925 blieben diese jungen Mädchen auf dem Heuberg. Sie erhielten eine besonders gute Verpflegung, machten regelmäßig Liegekuren durch und empfingen daneben ben Fortbilbungsschulunter- richt. Der Erfolg war ausgezeichnet, sowohl nach ber gesundheitlichen wie der erzieherischen Seite. Auf Grund dieser günstigen Erfahrung hat die Anstaltsleitung des 5)euber$5 beschlossen, im näch - st e n Winter diese Einrichtung foktzuführen unb zu erweitern. Es sollen 100—120 fortbilbungsschul- pflichtige junge Mäbchen in ber Zeit vom 1. Dezember 1925 bis 31. März 1926 auf dem Heuberg untergebracht werden. Darüber, baß für biese Einrichtung ein wirkliches Bedürfnis besteht, kann kein Sttett sein: denn es gibt eine Fülle von jungen Mädchen, die in der Not der Kriegsjahre geboren unb aufgewachsen sind unb infolgebeffen so wenig widerstandsfähig aus ber Volksschule entlassen mürben, daß sie den Strapazen des Berufes noch nicht gewachsen sind. Diesen jungen Menschen kann und soll durch einen mehrmonatlichen Winteraufenthalt in gesunder Luft bei tadelloser Pflege eine solche Stärkung und gesundheitliche Kraft mitgegeben werden, daß sie nunmehr getrost in die Arbeit eintreten können. Das sind Heubergsziele! Und so sieht es in Deutschlands größter Kinder- erholungsstatte aus, bie ein Gesunbhettsbrunnen in bes Wortes bester Bebeutung ist, bie von einer vortrefflichen Verwaltung, an beren Spitze Oberbürgermeister unb Staatsminister a. D. Dominicas als Chef steht, mustergültig geführt wirb unb bie hoffentlich immer größeren Zudrang finbet. Auch aus unserem Gießen unb aus einigen Dörfern ber Umgegenb waren in biefem Jahre etliche siebzig Kinber gegen billige Verpflegungssätze bort auf bem Heuberg. Alle sinb sie gesund und wohlbehalten, gestärkt an Leib und Seele zurückgekehrt, mit roten Wangen unb zum Teil erheblichen Gewichtszunahmen. Sie unb ihre Angehörigen werben es, bas steht zu hoffen, benen zu danken wissen, die ihnen diese Erholungsmöglichkeit in fürforgenber Nächstenliebe ermöglicht haben. Unb so mögen sich auch heute schon b i e freuen, bie sich erwartungsvoll nach solcher Kur sehnen. Ihnen möge, so Gott will, geholfen werben. Deutsch- lanbs gesunbe Jugenb ist unb bleibt sein bester Besitz zu aller Zeit. Hessischer Sanitätskolonnentag. 4. Dad-Vauheim, 30. Sept. Das Sanitätskolonnenwesen. daS ftch im Weltkriege so verdient gemacht hat, hatte nach dem Kriege, wie so viele andere Organisationen, unter der Wirtschaftsnot sehr zu leiden. In den meisten Kolonnen lag die Tätigkeit fast völlig darnieder. Das Bewußtsein, daß daS Rote Kreuz und die ihm angegliederten DanitätS- kokonnen aber auch im Frieden eine segensreiche Aufgabe irn Dienste der Vächstenliebe zu erfüllen haben, belebte aber bald wieder Die Tätigkeit. Daß gerade in Hessen die letzten Iahre wieder ein erfreuliches Aufblühen der.Kolonnen gebracht haben, dafür waren der äußerst starke Besuch und der glänzende Verlauf des hier stattgefundenen 7. Kolonnentages des Verbandes der Hess. Freiw. Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz ein überzeugender Beweis. Die Anwesenheitsliste konnte einen Gesamtbesuch von 1300 Teilnehmern aus 39 von 42 Kolonnen feststellen, eine Zahl, die noch kein Kolonnentag aufweisen konnte. So stand die Stadt denn auch ganz im Zeichen des Roten Kreuzes. der Lauffen in der Totenstille, dann brach eine Sintflut herein. Loh fuhr auf, hörte Mamas ängstliche (Stimme, sah Hermann noch einmal mit einem seltsamen Blick an, als sähe sie ihn zum erstenmal, lächelte zärtlich, wie sie noch nie gelächelt hatte, und lief davon. Hermann Ingold ließ das Gewitter toben. Er sah den Brand der Brücke unter den Regengüssen zusammensinken und erlöschen. Bächlein zogen über sein Gesicht, denn der Holunder duftete stark, aber schützte schlecht, doch als nach einer halben Stunde die Sonne durch die Trübe schlug und das Gewitter als schwarzblaue Wolke in die Schweiz rollte, über dem Lauffen ein Farbenbogen glänzte und die schwarze Brücke mit nackten Dachrippen. wie ausgeschnitten, vor dem vellchenblauen Himmel stand, sprang er über die Mauer und rannte nach Hause. Etwas ganz Wunderliches war über ihn gekommen. Er hörte Worte, es wogte und klang in ihm, er hatte das Gefühl, als müßte jetzt etwas ganz Großes geschehen, er plötzlich Flügel haben ober wie ein Engel fingen können, daß der Himmel und die Erde davon widerklangen... Es wurde ein Gedicht daraus, zehn Strophen, jede zu zwei Verszeilen, er sagte sie am Abend bei offenem Fenster laut auf, und fie verklangen im Rauschen des Rheins. Als Lo vierzehn Tage später abreiste, lud Frau Manderfeld Hermann ein, sie in Berlin zu besuchen. Sie konnte das unbedenklich tun, denn es würde ja doch nichts daraus werden. Hermann ging an den Bahnhof, aber er blieb hinter dem Glockensignal versteckt stehen und preßte krampfhaft den großen Plötz an sich, den er nachher im Unterricht gebrauchte. Erst im letzten Augenblick tat Lo, als hätte sie ihn eben erst entdeckt und könne nun nicht anders als ihn grüßen. „Mama, da steht Hermann Ingold. Wir müssen ihm doch noch Adieu sagen." Der einfahrende Zug übertönte ihre Worte. Frau Manderfeld und die Iungfer drängten aufgeregt in ben Wagen. Da rannte sie über bas Geleis zu tfjm hin. „Adieu, Hermann Ingold", sagte sie hastig. Eine Handlung der Pietät bildete ein würdiger Auftakt zu ber Tagung. In geschlossenem Zuge ging es nach bem neuen Friedhöfe, wo eine Gebucht nisfeier für ö'c verstorbenen unb gefallenen Kameraben Uattfanb. Der Verband unb die hiesige Kolonne ließen Kränze nieberlegen, unb Pfarrassistent Hofmeyer hielt eine geban!entie,e Gebächtnisansprache. Die Feier war von ergreifenber unb erhebender Wirkung. Die darauf beginnenden Verhandlungen wurden von Hauptmann a. D L o t h e i ß e n- Darm st a b t, bem Vorsitzenden des Verbandes, mit herzlicher Begrüßung eröffnet. Vamens des hessischen Lanbesverems vom Roten Kreuz entbot dessen Vorsitzender, Geheimrat v. Hahn-Darmstadt Gruß unb Willkomm und teilte anschließend die □tarnen bet pflichttreuen und Verdienstbollen Sanitäter des Landes mit, die im abgelaufenen Iahre Auszeichnungen erhalten haben. Das Ehrenzeichen des deutschen Roten Kreuzes wurde verliehen an Hauptmann a. D. Lotheißen-Darm stabt, ©an— Rat Dr. Metternich-Mainz, Kol.-Führer Wal- lau°Mainz, MH.-Rat Dr. Vogt-Butzbach. Kol.-Führer Schmitz-Alzey. Die Auszeichnung des Landesvereins für 25jährige e n ft - zeit erhielten unter vielen andern die fofgen- ben Mitglieder der Gießener Kolonne: Landgerichtsrat Wiener, Kol.-Führer-Stellv. Konrad Graulich, Gruppenführer Paul Hartmann, Zugführer Hrch. Kraushaa- Gruppenführer Hrch Pfeiffer, Ehrenkol.- Führer Hrch. Balser, Gruppenführer Otto Hörig. Es hielten dann weiter noch Begrü- ßungs- und Deglückwünschungsansprachen: für das hessische Ministerium und bas Kreisamt Friedberg, Kreisdirektor Gebhardt, für die Kreisgesundheitsbehörde, Med.-Rat Dr. Ve- bel-Friedberg, für die Stadt Bad-Vau- heim, Bürgermeister Dr. Kayser. Vach Eintritt in die eigentliche Tagesordnung, nahm diese in geschlossener Einmütigkeit einen raschen Verlauf. Gleich zu Anfang war schon die stürmische Begeisterung, mit der ber gef amte Vorstand w iede r g ewä Hk t wurde, ein schönes Zeichen des inneren Zusammenhalts und des gegenfettigen Vertrauens bet Kolonnen. Für bie nächsten drei Iahre liegt bie Derbcmdsleitung also in ben folgenden Händen: 1. Vorsitzender Hauptmann a.D. Lotheiße n - Darmstadt, 2. Vorsitzender Sam-Rat Dr. Metternich -Mainz; Schriftführer Ehrenzug- füfjrer Gg. Greisheimer- Darmstadt: Beisitzer Kol.»Führer Kratz-Gießen. Als Ort für ben nächstjährigen Kolonnentag wurde Ober-Ingelheim befttnunt. das ursprünglich schon für dieses Jahr vorgesehen war. Machen unannehmbare Bedingungen der Besatzungsbehörde, wie in diesem Iahre, bie Abhaltung der Tagung in Rheinhessen unmöglich dann wird Birkenau einspringen unb den Kolonnentag übernehmen. Einen Einblick in die in erfreulichem Maße wieder auflebende Sätigfert geben dann die Berichte der Provinzialinspekteure. Für Rheinhessen lag ein Bericht nicht vor, da der Inspekteur wegen Erkrankung nicht anwesend sein tonnte. Für Starkenburg berichtete Dr. Rackow- Duchschlag, während den Bericht für Oberhesseu Dr. GroS-Gießen unter lebhaftem Beifall der Versammlung erstattete. Er führte u. a. aus: Im Iahre 1924 formten keine Inspektionen der oberhessischen Kolonnen stattfinden, da sämtliche Kolonnen baten, von einem Besuch altzusehen, weil fte nicht entsprechend vorbereitet seien. 3m Frühjahr 1925 fand eine Besichtigung der Kolonnen Dad-Valrheim und Friedberg gemeinsam statt. Die beiden Kolonnen zeigten dabei, daß fie vollkommen auf ber Höhe unb ausgezeichnet ausgebildet sind. 3m September d. 3. fand eine Besichtigung der Kolonne Alsfeld statt. Auch die Alsfelder Kolonne zeigte sich von der allerbesten Seite. Ein Besuch der beiden Keinen Kolonnen Butzbach und L i ch ist für die nächste Zeit geplant. Die 'Gießener Kolonne hat im Sommer fleißig geübt und hat vor 14 Tagen eine größere Alarmübung abgehalten, die von sämtlichen Anwesenden als sehr gelungen bezeichnet wurde und auch in ber Presse eine sehr gute Kritik fand. Auch die Berichte, die die Äolonnenfüfj-rer Kratz-Gießen und H ummel-Darmstadt Er ergriff ihre behandschuhte Hand und drückte fie, die Worte blieben ihm in ber Kehle. Sie wollte lächeln, konnte nicht unb stürzte wieder davon, bllnd an Ruth vorbei, die ihr auch noch Lebewohl sagen wollte, unb schloß den Wagen. Sie mußte ganz Vtill sitzen unb burfte nicht mit ben Wimpern , ucken. Wenn sie sich bewegt hätte, wären ihr die Tränen ganz sicher übergelaufen. Die Mutter seufzte zufrieden. „Gott fei Dank. Va, bas liegt ja hinter uns. Ein bißchen primitiv war's ja, unb bie Geschichte mit dem Rhein, bie wird mir noch lange in ben ©liebem liegen. Aber bie Hauptsache ist doch, baß Lo sich so prächtig erholt hat." Behaglich drückte sich Frau Mcmberfelb in die Polster. Lo sah still zum Fenster hinaus unb in ben öorüberflirrenbeu Tannenwald hinein. Dann wurde es dunkel, der Zug kroch in ben Tunnel unb verschwanb. Der graue Rauch, ber aus dem Bergloch strömte, als der Zug darin verschwunden war, war das letzte, was Hermann Ingold noch sah. Den großen Plötz fest ans Herz gedrückt, das rebellisch klopfte, stürmte er davon. An den Halben von Elfenau gilbte das Reblaub. Die kleinen Beeren hingen klarhäutig unter ben bunten Blättern und hatten nebel- feuchte Bäcklein. Tiefblau stand der Himmel über ben Hängen bes Schwarzwalbes, und die Fernsicht war so klar, baß bas Schneehaupt des Säntis über bem schweizerischen Hügelland in unfaßlicher Körperlichkeit erglänzte. Ruth unb. Thlander hatten sich von ben anberen getrennt. Auf ben Stock gestützt ging Tylander langsam neben Ruth. Sie waren zur Burg Hohen- elfen hinaufgestiegen unb kehrten jetzt von bem kurzen Weg zurück. Elfenau lag dicht unter ihnen. Wie aus ber Vogelschau blickten sie in bie würzigen Gassen. Die Häuser, bie in ben Rhein hineinragten, spiegelten sich in bem blaugrünen Wasser. T^anber blieb stehen. (Fortsetzung folgt) ' Wer die vom 16. dis 20. Sult d. 3. in Stuttgart statkgefundene große Tagung des Reichs- bundes der Freiwilligen Sanitätskolonnen erstatteten, begegneten dem lebhaften Interesse der ganzen Versammlung. Es wurde im Anschluß daran der Wunsch geäußert, daß der Besuch der anregenden großen Tagungen des Reichsbundes auch unbemittelten Kameraden ermöglicht werden müsse. Ein dahingehender Antrag der Kolonne Darmstadt wurde einstimmig angenommen. Einmütigen Beifall fand auch die aus der Versammlung gegebene Anregung, ein Huldi- gungstelcgramm an den Reichspräsidenten v. Hindenburg abzusenden. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Die in Dad-Rauheim zum 7. hessischen Kolonnentag versammelten Hess. Sanitätskc können vom Roten Kreuz senden dem hochverehrten Führer des deutschen Volkes Huldigung und treudeutschen Gruß." Zwei bedeutsame Vorträge über verheerende Dolksfeuchen waren für die Aufklärung und Belehrung der Sanitätsmannschaften bestimmt. Mit gespannter Aufmerksamkeit und dankbarem Beifall nahm die Versammlung die beiden Referate auf. Der hiesige Arzt Dr. Häberlin gab Wer „Einiges zur Alkoholfragc" sehr beherzigenswerte Mitteilungen. Sn der Aussprache wurde aus der Versammlung heraus die Anregung gegeben, aufllärende Schriften über die Schäden des Alkohols verteilen zu lassen. Privatdozent Dr. Rothmann von der Hautklinik in Gießen sprach unter stärkstem Beifall über „Die svzialhygienische Bedeutung der Geschlecht skrankheite n." Das volkstümlich gehaltene Referat war nach allgemeinem Urteil außerordentlich bedeutsam. Am Rachmittag kam dann die Praxis zur Geltung. Die hiesige Kolonne veranstaltete am Grand-Hotel unter Leitung des Kol.-Führers- Stellv. Hanauer eine großangelegte Kolonnenübung. der die Sdee zugrunde lag, daß infolge der durch eine Explosion der nahen GasfWrik hervorgerufenen Detonation im Speisesaal des Grand- Hotels die Decke eingestürzt sei. Es galt, die zahlreichen Leicht- und Schwerverletzten aus der Gesahrzone nach der nahen Trinkkuranlage zu bringen und dort zu verbinden. Die Kolonne Bad-Rauheim entledigte sich ihrer Aufgabe aufs beste. Ihr Verhalten sand die allgemeine Anerkennung der auswärtigen Kolonnen und der zahlreichen Zuschauer au. nah und fern. Reu angewandte Sanitätsgcräte. wie der als Ersah für die künstliche Atmung gedachte Pulmotor und ein neuer von dem Sanitäter Kreiling in Dietesheim konstruierter Schienenapparat erwiesen ihre Brauchbarkeit und fanden besondere Beachtung. Rach der Hebung formierten sich die Kolonnen, und unter klingendem Spier erfolgte ein imposanter Vorbeimarsch an den Ehrengästen und Geheimrat v. Hayn, dem Vorsitzenden des Landesvereins vom. Roten Kreuz, als Dankesbezeugung der Sanitätskolonnen an den Landesverein gedacht. Sn der Turnhalle hielt Med.-Rat Dr. Rebel-Fried- 6 er g die Kritik, die der hiesigen Kolonne das beste Zeugnis ausstellte. Sn seinem Schlußwort dankte Hauptmann v. Lotheißen der hiesigen Kolonne, der Stadt, der Kurverwaltung und auch der hessischen Presse für die treffliche Vorbereitung der Tagung, dir in ihrem erfolgreichen Verlauf ein Markstein in der Geschichte des hessischen Kolonnenwesens bleiben werde. Der Sicher Kirmesmarkt. J) Sich, 30. Sept. Wohl nur wenige in unserer Stadt wissen, welche Bewandtnis eS mit der Kirmes und dem sogen. Kirmesmarkt hat. Schon mehr als 400 Scchre feiert Lich seine „Kirchweihe" zur Erinnerung an die Fertigstellung und Einweihung des im Sahre 1517 (Reformationsjahr) vollendeten, aber bis heute noch nicht ganz ausgebauten Gotteshauses. Phil, v. Solms hat es seiner Gemeinde geschenkt; bis zu seinem und seines Sohnes Reinhard I. Tode hat es dem katholischen Kultus gebient. Dem Grafen Reinhard aber haben wir den Kirmesmarkt zu verdanken. Weil „fein Stettlin Lich (abseits) von den strassen gelegen und bisher mit keinem Marckt fürsehen were. dardurch es einen Zugang seiner narung haben möcht, außer* hglb des Ackerbawens, des sich die unterthanen erneren müßten," so hat er seinen kaiserlichen Freund und Gönner Karl V, (1519 1556) „darauff undertheniglich angeruffen und gebetten, das wir jhme, seinen underthanen und dem gemeinen Mann, daselbst zu Lich, zur fürderung und guttem alle Sar, in demselben Stettlin jtoeen Sar- und alle Wochen, ein Wochen Mark, zuhallen zu vergönnen und zu erlauben, und darzu die Kirchmeß, so Särlichen daselbst zu Lich gehqlten werde in ein Sar Marck zu deren dern und zu werteren, und dieselben mit notturftigen heilten und sicherheitten, zu fürsehen gnedigklich geruhten." Der eine Sahrmarkt soll „als nem- lichen den 2. Sonntag in der Fasten, Reminis- zere genant, und der andere auff Sontag nach Sanct Michels, des heiligen Erzengelstag", gehalten werden, „und alle Wochen aufs Mittwochen ein wochenmarck auffzurichlen, und die Kirchmeß, so alle Sar zu Lich gehalten worden ist, in ein Sarmardt zu verendern und nun hin- fürr nit meher Kirchmeß sonder für ein Sarmardt zu nennen und zu halten ewigklich erlaubt" sein soll. Sn schwulstiger Weise wird diese Erlaubnis noch mehrmals wiederholt, bestätigt und umschrieben, allen geistlichen und weltlichen Machthabern geboten, weder dem Grafen Reinhard noch den Marktbesuchern etwas in den Weg zu legen, was der Stadt Wohlfahrt hindern könne und auch die Strafen an» gedroht, die sie im Falle der Richtbeachtung zu gewärtigen haben, „Reinlich Fünfzig Mard lob* tigs Golds, die ein jeder so offt er frevenlich hiewieder thete, uns Halo inn unser und des Reiches Kammer, und den andern halben Iheil dem obgemelten Graff Reinhartten von Solms und seinen Erben und nachkommen unablahlich zu bezalen verfallen fein soll." „Mit urkundt dits Brieffs beftgelt mit unserm Kaiserlichen an- Hangenden Snsigel. Geben in unser und des Reichs statt. W o r m b s am siebenden tag des Monats Suly Rach Christi unfern lieben Herren gehurt Fünfftzehnhundert und im fünffundviert* zigsten, unsers Kaiserthumbs int fünfundzwanzig- sten und unserer Reiche im dreißigsten Saren. Carolus Ad Mandatum Cesaree Catholice Maiestatis proprium Johan. Obernburger sub“. Der beliebte Kirmesmarkt konnte leider durch die in Rachbargemein den herrschende Maul* und Klauenseuche nicht abgehalten werden. Turnen, Sport und Spiel. Turnfest in Gedern. lg. (9 e b e r n , 30. Sept. (Abturnen und Werbeturnen.) Am Sonntag fand das A b t u r n e n des hiesigen Turnvereins statt. Das Schau- und WeUurnen begann um 8£ Uhrvormittags und wurde ausgetragen in drei aktiven Riegen und brei Schülerriegen, mährend die Damenriege sich nicht am Wetttkampfe beteiligte, der sich in Geräte- und volkstümlichen Wettkampf gliederte und alle Zweige des Turnens berührte. Das Ergebnis des Wettturnens war folgendes (Punktzahl in Klammer): 1. aktive Riege: Ehrenpreis Willi Meyer (202); 1. Preis Wilh. Keil (192); 2. Preis Willi Freymann (180); 3. Preis Rich. Henkel (169). 2. aktive Riege: 1. Preis Eduard Reichert (147); 2. Preis Jean Raumann (125); 3. Preis Werner Stöhr und Wilh. Müller (124). 3. aktive Riege: 1. Preis Walter Hübner (129); 2. Preis Richard Mehring (125); 3. Preis Reinhard Oberheim (119). 1. Schülerriege: Ehrenpreis Hch. Menzel; 1. Preis Otto Jäger; 2. Preis Willi Buß; 3. Preis Willi Mahr. 2. 2 ch ü l e r r i e g e: 1. Preis Otto Crifpenz (173); 2. Preis Karl Franz (159); 3. Preis Otto ßambmann (156). 3. Schüler- riege: 1. Preis Ernst Spielmann (156); 2. Preis Wilh. Röttinger (152); 3. Preis Ernst Ziegler (151). Die Preise bestanden aus Ehrenurkunden und Wert- ae'genständen, die von Freunden des Vereins zur Verfügung gestellt worden waren, für die Inhaber der Ehrenpreise. Im Laufe des Tages wurde weiterhin der alljährlich innerhalb des Bezirks stattfindende Herbst-, Wald- und Geländelauf in zwei Gruppen zu 500 und 1500 Meter und einer Schülergruppe zu 1000 Meter zum Austraa gebracht. Mittags 1 (Ihr wurden die auswärtigen Turner in einem Festzuge unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle nach der Turnhalle gebracht, wo nunmehr das Werbeturnen stattfand, zu dem der 3. Bezirk des Gaues Hessen, dem der festgebende Verein angehört, seine Werberiege geschickt hatte, welche die besten Turner des Bezirks in sich vereinigt. So konnte es nicht fehlen, daß ganz hervorragende Leistungen zu sehen waren, unter denen diejenige des Turners Anton Ries aus Nidda obenan stand. Am Abend des Festtages vereinigten sich die hiesigen Turner mit ihren auswärtigen Gästen und zahlreichen Freunden der Turnsache zu einigen frohen Stunden im Stiebelingschen Saale. Der Vorsitzende des Vereins, Eisenbahnbetriebsassistent Stöhr, begrüßte die Erschienenen. Seine Ansprache kennzeichnete die Ziele der Deutschen Turnerschaft in trefflichen Worten dahin, daß es gelte, die Jugend körperlich und damit auch geistig tüchtig zu machen, denn nur in einem gesunden Körper wohne ejn gesunder Geist. Anschließend wurde unter ehrendem Beifall der Versammlung die Ausgabe der Ehrenurkunden und Ehrenpreise an die Preisträger vorgenommen. Die Pausen zwischen dem nun folgenden Tanz wurden ausgefüllt mit Musterriegenturnen, an de manch die Damenriege teilnahm. Gerichtssaal. * Darmstadt, 30. Sept. Das Schwurgericht verurteilte den Milchhändler Ph. Lehr von Offenbach wegen Verleitung zum Meineid zu zwei Sahren Zuchthaus und den zum Meineid verleiteten Maschinenschlosser F. A. Hofmann von Offenbach zu neun Monaten Gefängnis. L. hatte gewässerte Milch durch H. verkaufen lassen und ihn dann zu falschen Aussagen verleitet. Wirtschaft. Die Frankfurter Herbstmesse. fpd. Frankfurt a. M., 30. Sept. Die Messeleitung sieht, wie sie in einer heute stattgefundenen Pressezusammenkunft mitteilte, der am nächsten Sonntag beginnenden Herb st messe mit Vertrauen entgegen, da einmal nach den schweren Monaten wirtschaftlicher Depression sich wieder etwas Leben allenthalben bemerkbar macht und demzufolge die Zahl der Aussteller und der Besucher gegen die Vormessen und entgegen allen Befürchtungen nicht zurückgegangen ist. Als ganz neuer Ausstellungszweig tritt die Automobilindustrie auf. Die deutsche hält sich allerdings zurück, dagegen stellen etwa dreißig italienische, französische, amerikanische und österreichische Automobilfabriken aus. Man hofft, daß dem Ausland im nächsten Sahr auch die deutsche Sndustrie folgen werde. Ferner beteiligt sich die Hanauer Schmuck- und Edelsteinindustrie zum ersten Mal an der Messe. Ob sie ständiger Aussteller bleibt, hängt davon ab, ob sie hier genügenden Boden findet. Das Feld beherrschen nach wie vor die Schuh- und Lederwaren-Sndustrie und das Haus der Moden. Die Textilindustrie beteiligt stch in geringerem Am fang als sonst. ' P r o v i s i o n s e r m ä ß i g u n g f ü r Zeitgeschäfte. Seitens der Berliner Stempelvereinigung und der Vereinigung der Privatbankiers sind die Provisionssätze für Zeitgeschäfte per Ältimo und per Medio ermäßigt worden, und zwar von 3/10 auf 2/io für den Bankier und von 6/io auf Vio für den Richtbankier. Die Banken haben sich an die zuständige Stelle mit dem Ersuchen gewendet, nunmehr auch für die Courtagesätze eine Ermäßigung eintreten zu lassen, nachdem letztere im Suni dieses Sahres erhöht worden Hnb. * Zur Bildung des westdeutschen Eisentrustes. Wie der DHD. erfährt, sehen die Werke, die an den Zusammenschlußbestrebun- gen in der westdeutschen Eisenindustrie interessiert sind, zur Zeit ihre Verhandlungen ohne die Firma Krupp fort. Daneben werden gleichzeitig mit der Firma Krupp Beratungen geführt. Man hofft Anfang nächster Woche zu einer grundsätzlichen Verständigung über die Quote zu kommen. Lieber die Finanzierung der Vereinigung sind Verhandlungen eingeleitet. Man ist sich inzwischen darüber schlüssig, zunächst eine Dachgesellschaft zu bilden, an die die bisherigen Werke ihre produktiven Anlagen gegen Aktien der Dachgesellschaft verkaufen. Die alten Werke bleiben damit in ihrer bisherigen Form, und zwar als Besitzer der Dachgesellschaft und ihrer Besihstücke, die für die neue Vereinigung ohne Snteresse sind, bestehen. • Große Betriebseinschränkung en bei Benz-Mannheim. Die Firma Benz u. Cie. hat sich wegen Absatzmangels gezwungen gesehen, 900 Mann zu entlassen. Ferner ist beabsichtigt, den Betrieb nur noch vier Tage in der Woche in Gang zu halten. Weiter berichtet die „Arbeiter-Zeitung", daß die Motorenwerke (alter Benz) 50 Mann mit dem heutigen Lage Danziger Börsenkurse. Frankfurt a.M Berlin Datum: das Konkurs- sind bis zum Offenbach an- Mühlheim a. M., wurde ebenfalls verfahren eröffnet. Forderungen 25. Rovember beim Amtsgericht zumelden. * Konkurs der Warschau entlassen haben. Die Firma Lanz hat durch Anschlag die Herabsetzung der Arbeitszeit um eine Stunde täglich in den Betrieben mit Ausnahme der Abteilung Landbaumotoren verfügt. * Vereinigte Königs- und Laura- butte A. G Rach Einstellung des Feineisenwalzwerkes wurden laut DHD. Betriebst inschran- tungen im Stahlwerk und im Martinwerk vorgenommen, und zwar wird ein Martinofen eingestellt werden. Sn letzter Zeit sind einige staatliche Aufträge zu verzeichnen gewesen. Kontur snachrichten. lieber das Vermögen des Snhabers der Firma Rheinische Tischfabrik P. S. Douwer in Worms wurde das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 24. Oktober beim Amtsgericht Worms anzumelden, lieber das Vermögen der Firma M a i n - M e t a l l - W e r k, G. m. b. H. Automobil-, Motor- und Fahrrad-Zubehör zu Bank. Kleber das Vermögen der Warschau- Danziger Bank, die auch in Danzig eine größere Riederlaffung hat, ist nach einer Meldung des DHD. seitens des Warschauer Kreisgerichtes das Konkursverfahren eröffnet worden. Das Verfahren wurde auf Antrag des Warschauer Haupt - ernährungsamtes eröffnet, dem die Warschau- Danziger Dank seit vier Monaten 80 844 Zloty schuldet, ohne die Summe tilgen zu können. Die Bank besitzt Zweigniederlassungen auch in Bromberg, Thorn, Czenstochau und einigen anderen Platzen. 5% Deutsche Reichsanlethe . 4% Deutsche Rcichsanleihe . 3'/-°/° Deutsche Rcichsanleihe 3°/n Deutsche Reichsanleibe . Deutsche Sparprämicnanleihe 4°/0 Preußische Konlols . . . 4% Hessen.......... 3’/o°/n Hessen.......... 3% Hessen Deutsche Wertb. DollarAnl. dto- Doll.-Schatz-Anweisng.') 4% Zolltürken 5% Goldmerikaner ... ■ Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat Ban!. Darmst. und Nationalbant . Deutsche Ban!......... Deutsche Beretnsbank .... Disconto Commandit ■ . . Metallbau!........... Mitteldeutsche Creditbank ■ . Lcsterreichische Kreditanstalt. Weltbank Bochumer Guß . Buderus Caro Deutsch-Luxemburg . Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte......... . Oberbedarf Phönix Bergbau..... . Rhetnftahl Riebe ck Montan........ Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llohd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philivv Holzmann Anglo-Com.-Guauo . . . .. Badische Anilin....... Chemische Mayer Alaich» .. Goldschmidt .. Grieslieimer Electron . ... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ....... Rütgerswerke...... Scheideanstalt ........ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .......... Mamkraftwerke..... . . Schuckcrt...... Siemens & HalSke ..... Adlerwerke Klcyer ...... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt Meguin............. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . MctallgesclliZ>aft Frankfurt. Schuhfabrik Her; . • . . . Sichel.............. Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. tön Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-Air-s, London, Neu- York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Willi und iSudapeft für 100060 Än heilen, alles übrige für 100 Em betten.) Telegraphifche Auszahlung. Schluß Aura Schluß K. Ab-nö- jßrfe Schluß! Rur» ! Schlutzft 9J?ittaq b3rfe 29. 9. | 30 9. | 19. 9. | 30 9. 0 225 1 0 2375 0.235 | 1.2375 — — 0.295 0.290 0,285 0.3 1,2875 i 0,285 0,450 | 0,45 -.460 ; 0.450 1,1475 . 1.1475 0,285 0 275 1,2825 ! 0.275 — — 0,27 0,275 0.29 — 0.2.5 0,27 0,27.5 — 0.24 0,27 90.25 j 90,25 91.75 91,75 95,8 1 95.35 95.25 95,25 7,4 7,62 7,5 7.7 40,5 — 125 124.5 126 124.5 95 94,75 95 94.75 106,75 106.25 107 106,75 108 107 108 107 56 58 — 102.25 102 102,5 102 76.25 77.5 — — 98,5 93,5 94 »3.5 7 4 7.4 7,5 7.40 0,028 0.028 — — 66.5 — 67,75 67.75 48,13 4 ,75 47 47 39.75 39.25 39,5 39.5 68.5 68 68,9 68,4 73 70,75 72,5 71 101.5 102 101,4 100 25 117 25 116,- 116,1 116.1 125 124,5 18,75 18,7 37,6 36.75 39 37,8 bi 50 5 51 50,6 70 .1 73 70.5 55,25 55,5 55.7 55.6 73 74.75 74,25 74.13 60 58.25 — 60 59 60,5 59,5 64,75 64,75 65,5 65.13 65 65 — I 55,75 55,1 55,25 55 — — 94,23 94,13 123 12! 120,25 121,25 68.25 68,5 69 68,75 116,4 117.4 116,5 116.75 117,25 118 117.4 117.5 54 55 — — 72 72,25 72.5 72.5 92 93 — 93 93,5 93,75 93 — 72.5 72,25 73 77 77 — — 61 61,5 61.75 61,5 -6,5 — 76,5 76 39.5 40 .0,25 39.5 39,13 39.2 40 40 28 28 — — 36 36 36 36,5 — — 48 5 49 0,3 0,8 — - 99,5 100 — — 62 62 40 60.25 31 — 31 31,75 4,62 4.13 4.5 4 87.5 87 87.5 87,4 58.1 58,1 —» — 56,25 56 55,25 55,5 29 Septbr. 30. Septbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Bries Geld Brief Amst.- Ron. 168,69 169,11 168.6s 169,11 Buen.-Aires 1.699 1.703 1.700 1.701 Brsi'.'Antw. 18,34 18.38 18.57 18,61 Christinnia. 82,75 *>2,95 83,89 84,11 Kopenhagen 100,92 101,1.8 101, 2 191,78 etodholm • 112,66 112,95 112,66 112,91 HelsmgforS. 10.586 10,602 10.56 10,60 Italien. - 17.0:! 17,0. 17,08 17.1 London. . 40,3 6 20,366 20,318 20,366 Neuvork . . 4,195 4,215 4.195 4.20. PartS.... 19,87 19,91 19.88 >9,92 Schweiz . . 80,96 81,16 80 96 81,16 Spanien. 60,27 60.45 60.22 60,38 Japan . . . 1,714 1,718 0.587 1,719 1,72 i ?Hlo de Jan '1.585 ) 585 '.537 Wien tn D-- Oest. abgrst. 59,20 59,3. 59,20 59,34 Prag .... 12,425 12,465 12.42 12,4g Belgrad . . 7,435 7,455 7,425 ",447 Budapest. . Bulgarien 5,865 3,063 5,885 1,075 .1,875 3,065 >.845 3,075 ütffabon 21,075 .0,125 ’t 075 21,12.1 Danzig. . . 80.57 80,77 SO.61 80.81 Konstantin. 2.307 2,317 2,325 2,335 6.16 Alben. . 6.09 6 11 6 14 Canada. . . 4,195 4.205 4,197 4,207 Uruguay 1 181 4,195 4.185 J ,195 Banknoten. Berlin, 30 Septbr. Geld Briet Amerikanische Noten ..... 1,198 4.298 Belgische Noten ....... 18,49 18,59 Dänische Noten ....... 101,30 101, Englische Noten........ 20,287 20,387 Fran;ösjsche Noten ...... Holläudischc Noten...... Italienische Noten...... 19,81 19 91 168,30 169.14 17,16 17,24 Norwegische Noten...... Deutsch-Lesterr.,5100 Kronen Rumänische Noten...... S-,89 84 31 68,99 59,29 — — Schwedische Noten...... 112,34 02,90 Schweizer Noten....... 80,70 81,10 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Note» . . n0,13 >0.43 12,38 12.44 Ungarische Noten....... 5.83 5,87 ’ Frankfurter Abenddörse. Frankfurt a. M., 30. Sept. Die heutige Adenddörs e war nahezu gefchäftSlvS. Die Sttm- mung war weiterhin lustlos, doch konnten sich die Schlußkurse der Mittagsbörse behaupten, zum Teil waren leichte Besserungen zu verzeichnen. Das Geschäft am Anleihemarkt stagnierte. Für Kriegsanleihe hörte man einen Kurs von 0,23c'/, nennen. Die Äbendbörse schloß still und in leicht gebesserter Haltung. Deutsche Anleihen: Schuhgebietsanleihen 5,300. Bankaktien: Commerzbank 94,75. Darmstädter Bank 106,25, Deutsche Dank 107. Dresdner Bank 100, Metallbank 77,50, Mitteldeutsche Creditbank 93,50, Reichsbank 135,25. Österreichische Kreditaktien 7,40. Mon- tanaftien: Deutsch-Luxemburg 68. Slse Bergbau 94, Kali Aschersleben 116,50, Kali Westeregeln 124,50. Snbuftrieaftien: Adlerwerke Kleher 40, Fuchs Waggon 0,50, Elektrisch Licht und Kraft 93,50, Th. Goldschmidt 68,50, Höchster Farben 118, Holzverkohlung 55, Gebr. Snnghans 58, Badischer Zucker 56, 5proz. Tehuantheves abgestempelt 14,62. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 30. Sept. Die rückläufige Tendenz der letzten Tage wurde heute durch eine mäßige Besserung des Kursniveaus abgelöst. Die Veranlassung hierzu waren mehr positionstechnische Gründe, als etwa wirtschaftspolitische oder sonstige Erwägungen. Sm Gegenteil waren die jetzt wieder zahlreicheren Meldungen über Zahlungsschwierigkeiten selbst bei angesehenen Firmen und neuerliche Betriebseinschränkungen geeignet, der Börsenspekulation Zurückhaltung aufzuerlegen Man hatte aber aus den vergangenen Tagen noch Lieferungsverpflichtungen, zu deren Eindeckung wieder Spekulationskäufe vorgenommen wurden. So hatte der Markt bei Beginn ein freundliches Aussehen. Hiervon profitieren vor allem Montan- und Chemiewerke, ferner heimische Renten. Für ausländische Renten stimulierten Meldungen, wonach die Wiederaufnahme des Zinsendienstes für mexikanische Anleihen nunmehr in den nächsten Tagen bevorsteht. Am Geldmarkt war tägliches Geld stark gefragt und erforderte 10 bis 11 Pboz. Monatsgeld nominell IO1/« bis 11V2 Proz. Am Devisenmarkt stellte sich Warschau gegen Kabel auf 6 bis 6,05 etwas hoher. Roidische Devisen waren unter Schwankungen gefragt. London gegen Kabel 4,84-3s etwas schwächer. Die Reichsmark notierte in London 20,35, Amsterdam 59,22. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 30. Sept. Es wurden notiert: Weizen tWetterauer) 22,75, Roggen (inländischer) 17,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 25 bis 26,50, Hafer (inländischer) 19,50 bis 20,50, Mais (gelb) 20, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 37 bis 37,50, Roggenmehl 25,50 bis 26, Weizen- und Roggeukleie 10, Erbsen 30 bis 40, Linsen 45 bis 70, Heu (süddeutsches, gut. trocken) 9, Weizen- und Roggenstroh 4,50, Treber (getrocknet) 17,75 bis 18. — Tendenz: Stetig. Frankfurter Hautebersteigerungen. fpd. Frankfurt a- M., 30. Sept. Die Gebote auf der heute hier stattgefundenen Versteigerung süddeutscher Gefälle erfolgten zunächst zögernd, bei Schaffellen machte sich ein leichter Preisrückgang bemerkbar. Sonst setzten sich die Preise vom August wieder durch. Auch für Kalbfelle ohne Kopf war die Tendenz fest, ebenso für leichte Häute anderer Tiere ohne Kopf bis zu 29 Pfund. Es wurden an Preisen erzielt: Schaffelle bis zu 56, Kalbfelle ohne Kopf bis 1334 s * */4. Fresser ohne Kopf 112, Kalbfelle Schuß ohne Kopf 738/t, Rinder ohne Kopf bis zu 90 Pfennig alles für ein Pfund. Derlmer ProLukienborfe. Berlin, 30. Sept. Der Produkten,narkt hatte eine etwas festere Stimmung. Das Geschäft blieb jedoch klein. Dezember-Roggen war etwas gefragt. Es notierten pro 1000 Kg.: Weizen (märk.) 200 bis 205, Weizen (Oktober) 219 bis 220, Weizen (Dezember) 226 bis 227.50, Roggen (märk.) 146 bis 150, Roggen (Oktober) 160 bis 161, Roggen (Dezember) 170 bis 171, Roggen (meckl.) 144 bis 147, Gerste (märk.) 206 bis 230, Futtergerste 169 bis 174, Hafer (märk.) 171 bis 177, Hafer (Oktober! 171, Hafer (Dezember) 184 bis 185, Raps 345; für je 100 Kg.: Weizenmehl 27.25 bis 31, Roggenmehl 21.75 bis 23.75, Weizenkleie 10, Roggenkleie 9, Viktoriaerbsen 26 bis 31, Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 23 bis 26, Rapskuchen 15, Leinkuchen 21.50, Trockenschnihel 11.20, Torfmelasse 8 bis 8.20, Kartoffelflocken 16, Zucker 20. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Freitag, 2. Oktober. 4,30 bis 6 Llhr: Hausfrauen-2lachmittag, Programm u. a.: „Annette von Drost e-Hüls* hoff, eine deutsche Dichterin", Vortrag von Albert Schapiro. 6 bis 6,30 älhr: Die Lesestunde: Aus „Don Quichote" von Cervantes. 6,30 älhr: Heber- tragung aus dem Frankfurter Opernhaus, Figaros Hochzeit", Oper in vier Akten von Mozart. UND ZU KUCK 4. bis 7. Oktober 1925: 802 ab Gießen an 906 832 M Nauheim Ä 832 8*0 s Friedberg 8£2 912 an Frankfurt ab 736 Springmann's Schuhe? wie frühen 95 Guts Schuhe 90 45 Mitffun61 Billigste Preise! ©rohe Hus wähl! V» arme Schone «ehr billig: Bahnhofstraße 5S Marktstraße 1 < Landingstraße (> 9128a Freitag,2.Okt. Halüine Karl Keller, Oberbürgermeister 9134 V Peter Gaub. 9149D 9148 D Statt Karten! Ihre Verlobung zeigen an 9127c Heinrich Schmidt II. 9151D 07913 an Batten • Matratzen • Federbetten Generalvertreter 9l43ss Möbel Boldt & Lieske, Bsrlin, Chansieeslraßa 117. Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer 9165a in nur guter Ausführung auf Teilzahlung! J. 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