nr. 77 Erjdjtint täglich, außer Sonn, und Feiertags, nit d. Samstagsbeilage: 8 le^enerFamiliend lütter !Tlonals*l:<3Ucfrrei$: 2 Doldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n \ p r e ch Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten AincigerSiehen. poftschkcklonto: Frankfurt a. M. 11686. Erster Blatt ^74. Jahrgang montog, 3f. Mörz 192^ GietzenerAnzeigel General-Anzeiger für Oberheffen vntck vnd Verlag: vritlfl'sche Universitäts-Bilch- und Sktnörudcrei R. £an^e in Gießen. Lchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen füi die Tagesnummer bis zum Nackmitiag vorher ohne jedcDerbindlichKeit. Preir für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlirlL, auswärts 10 Goldpfenuig; für Re- Klame°An eigen v 70mm Breite 36 Goldpfennig, Plctzvorfchrift 20" „ Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr Friedr.Wilh Lange; für den übiigen Teil: ErnstBlumsche'n;fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Der Mittelstand im Ringen um seine Existenz. Der fünfte Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hannover: Rrichsauhenminister Dr. Stresemann begründet die Reparations- Politik der Reichsregierung. - Deutsche Volkspariei und Vaterländische Verbände. - Die Diktatur. — Die Gröhe Koalition. Die Politik der künftigen Regierung. Hannover 29. März. (Priv-Tel) Sn Hannover trat der fünfte Reichsparteitag der Deutschen Dollspartei unter zahlreicher 'Beteiligung aus ganz Deutschland zusammen. Zu Dor- sitzenden des Parteitages wurden gewählt Geheimrat Pros. Dr. Kahl, Regierungspräsident 5?t. v. (Lampe, Deichsminister a. D. Dr. Scholz und Frau Dassermann. Unter lebhaftem D.i all dec Dersammlung übernimmt Dr. Kahl den Dorsih und führt folgendes aus: Wir find wchl alle diesmal unter dem gesteigerten Pflichtgefühl befonderer De.antwortung zasam- mengctreten. 2lls meine Pflicht und als mein Recht erachte ich es, den Gast zu beschwören, der über unseren De Handlungen walten soll, und den Grund und Doden abzustecken, aus dem unsere Arbeit sich vollziehen soll. Diee- Geist kann k in anderer fein als der der geschlossenen Einmütigkeit des Parteitages, ilnfec G.und und Doden kann kein < öderer sein als der, den unser: Däter gelegt haben und der in bald sechzigjährtger Arbeit bewährt ist, der Grund und Doden des Vaterlandes und der Freiheit. Wir stehen vor einem schweren Wassengang. Gefährdet ist unsere Deutsche Volkspartei nacht und kann fte nicht fein etwa durch den Dorwurs von Miterfolgen, von Mangel an Leistungen. Man nenne die Partei, da? Größeres aulzuweisen hätte an positiven Leistungen und an Erfolgen! Gefährdet kann unsere Partei auch nicht fein etwa durch Angriffe unserer Gegner. Wmn jeder an feiner Stelle seine Pflicht und Schuldigkeit tut, dann wird ein gut Teil dieser Angriffe zurückgeschlagen werden können. Würden wir gefährdet fein, so konnte eS nur geschehen durch Unklarheitm oder Unstimmigkeiten in unseren eigenen Reihen. Zur Kemiz-richnung der politischen Gesamtlage vor diesen Wahlen hat sich ja schon als geflügeltes Wort der Gedanke vom Ruck nach rechts eingebürgert. Soll das heißen: Jmmermehr heran ans Vaterland! Alles bekämpft, was stcralsfeindlich ist und was da reichsseindlich ist, bekä'npft Orriümer und Irrlehran der rechts- oder links- radikalen Parteien? Soll das heißen: Die ge-- steig-rte Opterwillrgkeit, Kampf g gen alles Falsche, Internationale, dann „3 a!“ mit ganzem Herzen! (D ifall.) 3u allen desan Dvigen werdest wir von keiner anderen Partei übertroffen werden. Sollte es aber heißen, abzurücken von den bewährten, in sechzigjähriger Arbeit geschichtlich gewordenen politischeer Methoden unfeier vaterländischen Arbeit, sollte es Heiden, preiszugeben die positive Arbeit unter schwerer Verantwortung, sollte es Peiß in, em?,urüdcn in die Reihen solcher, welch? an verantwortungsloser Regation sich bririlien, dann würden wir arrttoorten muss n: ^Tausendmal Rein!" (Lebhafter Beifall) Untere Gegner spekulieren auf unsere Uneinigkeit. Wenn es gelingt, 'diese Spekulation zu zerstören, dann hat der Parteitag seine Aufgabe gelöst. Im Rahmen des Themas „Der Mittelstand im Ringen um seine Existenz" sprach dann Abg. Dusche über die Lage der Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft, die vor dem Kriege durchsetz iglich Höchstcrnten erzielt, Hal durch den Krieg und durch die zu weit ausgedehnte und zu lange betriebene Zwangswirtschaft außerordentlich gelitten. Die Inflationszeit brachte dem Landwirt wie auch anderen Demfen nur Schrin- ?gewinne. Etwa 50 Proz. sämtlicher Landwirte onnten diese Scheine,« winne zur teilte rsrnWieter- herstellung ihres im Kriege abgewirtschafteten Änventars benutzen. Diese so wie alle übrigen Landwirte erkannten plötzlich, daß sie alle keinen Pfennig Detriebskapiwl mehr hatten, als die Rotenpresse zum Stillstand gebracht und die Rentenmark eingcsührt wurde. Trotzdem ist die deutsche Landwirtschaft S'resemann für die Wiedereinführung einer stabilen Währung dankbar als Grundlage der Voraussetzung gesunder Verhältnisse auch auf landwirtschaftlichem Gebiet. 5)ie Rotlage in der deutschen Landwirtschaft ist zur Zeit eine große. Die Krisis ist größer als die Agrarkrise um das Jahr 1850 und auch größer als die Krise in der Capr ivi zeit, weil zu der übrigen Rot eine nie dagetvesene Kreditnot kommt. Die Preise für die landwirtschaftlichen Produkte sind größtenteils auch heute noch geringer als vor dem Kriege, wahrend die Ausgaben, die der Landwirt zu leisten hat, mindestens die Dorkriegshöhe haben, in vielen Fällen größer sind. Es ist verständlich, dgß der Verbraucher nach den schweren Zei en des Krieges und den noch schwereren der Rachkriegszeit und bei dem Mangel an Dai-Mitteln, unter dem auch er empfindlich leidet, billige Rahrungsmittel verlmgt. Man muß jedoch bedenken, daß das verarm e Deutschland auf die Dauer größere Mmgen von Lebensmitteln aus dem Auslände nicht einführen kann, daß ein Wiederaufbau D?u schlands letzten Endes nur möglich ist bei der Ernährung des deutschen Volkes aus inländischen Rahrungsmi teln und daß daher 3ntenjibierring des deutschen Grund und Dodens Gebot der Stunde ist. W n.t der städtische Verbraucher für die einzelnen Rahrungsmittel teilweise he.he Preise bezahlt, fo liegt bte Schuld nicht am Landwirt, sonder« an den hohen Steuern, vor allen Dingen an den Umsatzsteuern. Die Deutsche Dellspartei ist ihren Traditionen entsprechen bereit, der Landwirtschaft zu geben, was nötig ist zur intensivsten Bewirtschaftung des Grund und Bodens. Erforderlich ist die Behebung der Kreditnot. Kurzfristige Kredite, noch r>azu ggen Bezahlung von unmöglichzu tragenden hchen Zinsen, nützen der Landwirtschaft nichts, weil sie vor Verwertung der Ernte die Kredite nicht zurückbezahlen kann. Korn-Cer» tifikate auf die nächste Ernte, ine von der Reichs bank diskon Irrt werden, sind ersprießlich für manch: G gen den Deu schlands. aber nicht für die kleinen und vielen mittleren Wirtschaf en besonders mit Sandboden, desgleichen nicht für Weidegegenden. Eine hehe Aufgabe haben die Landbund-Genossenschaften du.ch D> fchaffurg der erforderlichen Kredi e für das Warenumschlag^geschäft und für die cinz lnen Betriebe, auch weil sie die Brücke vom einzelnen Landwirt zum großen Wirtschaftsl:b?n darstellen. Die Hauptsache bleibt, daß das Reich der Land- wirischaft Kredite zu erträglichem Zinsfuß zur Verfügung stellt, und daß auch der einzelne Landwirt endlich dm ihm gebührendm. durch die Ein- führmng der Rmtenmarl der deutschen Landwirtschaft zugesicherten Kredit bekommt. Der bereits im Agtarprrgramm der Den schen Votesxariei des Hahres 1919 vorgesehene Zvllfchuh für einzelne landwirtschaftliche Produkte muh trotz der Destimmungm des Veriailler Vertrages unter Füh.ung der Fraktionen der Deutschen Volkspartei von dem demnächst zu wählenden Deutschen Reichstag schnellstens in die Tat umgeseht werden. Gütertarife und Frachten sind den landwirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechend umzugestalten. Der Landwirt muh wissen, daß die Sicherheit seines Eigentums unverletzlich ist. Die Technik ch e R o t h i l f e, bei wir in der Landwirtschaft in den letzten 3af>ren soviel verdanken, muh auch weiterhin von uns gefördert werden, da sie noch unentbehrlich ist. Heber den gewerblichen Mittelstand berichtete Senator a. D Beuthien , M. d. R.: Der gewerbliche Mittelstand (Handwerker, Einzel- fcnufleute, Gewerbetreibende ufto.) muh jedem wahren Freunde der Erhaltung der staatlichen Ordnung und gesunder innerer Volksentwicklung als die Grundlage deutscher Erstarkung erscheinen. Unter der Rachkriegszeit hat von allen schaffenden und erwerbenden Ständen der gewerbliche Mittelstand am stärksten gelitten. Durch die sozialisierende Tendenz dieser Zeit, durch die von uns energisch bekämpfte Abkehr von den Grundgesetzen der Wirtschaft und durch die damit in Verbindung stehende Entwertung unserer Währung ist eine Verarmung des ohnehin geschwächten gewerblichen Mittelstandes eingetreten, die inzwischen in Ansehung der Goldbewertung erschreckend hervortrat. Das Handwerk verlangt die Wiederbelebung der Wvh- nungswirischaft und damit des Baugewerbes als eines mafvgcbenibe.i Schlüsselgewerbes für die gesamte Wirischaft des Reiches und der Länder. Rotwendig ist die Flüssigmachung von Krediten für das Baugewerbe. Alle zum gewerblichen Mittelstände gebärenden Berufe verlangen mit Recht eine vereinfachte klare Steuergesetzgebung. Anzuerkennen ist die dem Einzelhandel zu- gdEilligte Verminderung der Ei n kommen stell e r» Vorauszahlungs-Quote. Dor einigen Tagen hat auch das Handwerk eine entsprechende Vergünstigung erhalten. Die Erhöhung /der P! m sahst e u e r auf 2'/z Prozent muß auf ihre mittel- stand/sschädigende Wiriung genau geprüft werden, weil der «betrieb durch Zurimme rlegung ber- fd>ie?.e:';ev P ro^mktivns stelle r g rosre Teile der Umsatzsteuer ersparen kann. Auch die grundsätzliche Freilassung des Existenzminimums des gewerblichen Unternehmens von der Gewerbesteuer und die geringere Staffelung der Steuer für wirtschaftlich Schwache ist eine Bes'e.ung des früheren Zustandes. Mit der Dermindermng der Steuerlasten muß eine Verringerung der sozialpolitischen Auflagen Hand in Hand gehen. In engster Ve.b.ndung mit den Fragen des gew.rblichen Mittelstände; steht di? Hausbe- sitz- und Wohnungspvlitik. Hier war das Wirken der Deut'chen Volkspariei ba-Yutf gerichtet, ti? Zwangswi.st schift auszuheben b w. die Wege frei zu machen, auf dev-n die freie Wirischaft in Wcchwngs-- und Bauwesen in möglichst für,er Zeit wieder zu erreichen war. Gesetze, diesem Ziel entgegen Strebten, wie das Reichsrnietengefeh und das Gesetz über die Wohnungsbauabgabe hat die D. Vp. abgelehnt. Zur Belebung des Baumarcktes, zur Anstelluni des baulichen Dwsak'eZ der Häufe', zur Minderung der Arbeitslosigkeit und zur Abschaffung der Wohnungsnot ist die Z'oangs- Zwirischaft im Wohnungswesen energischer als bisfer abzubauen mt dem Endziel der Wie- einführung der freien Wirschaft. Eewerkschastsvorfitzenie. Thiel sprach dann über die Arbeitnehmer in der deutschen Wirtschaft. Ich stehe unter dem Eindruck, daß bte tatsächlichen Lebens Möglichkeiten der deutschen Wirtschaft angesichts der durch den Krieg die Revolution. die Eriüliungspolitik, bte in olge der 3n- flaticn Herberge.uh.te Schwächung und bec du ch das Veriailler Diitzat herv.rge.u e ien Knebelu g unserer wiitschastlichen Kräfte allgemein noch viel zu günstig b.urteilt teerten. Ich fürchte daher, daß bitterste Enttäuschungen wnten K. eisen unseres Volkes, die daraus nicht hinreichend gerüstet sind — und zwar nicht nur den Arbeitnehmern — nicht erspart bleiben werden. Angesichts solcher trüber Aus richten müssen die ein- sluf reichsten Persönlichsten in Polttik und Wist- schast alles daran setzen, um rechtzeitig Dafür zu sorgen, daß aus ganz neuen Grundlagen ein besseres Verhältnis zwischen Ar» beitgebern und Arbeitnehmern zustande kommt, und daß eine Sozialpolitik getrieben wird, die unter Vermeidung untragbarer Lasten für die Wirtschaft und den Staat die Arbeitsfreude der großen Massen und die Cei- stungssähigleit der deutschen Gütere-rzeugung in Qualität und Quantität hebt. Aus ten Gesamtverhältnissen sucht der Redner bann die Nervosität, die Verzweiflung und den Fanatismus zu erklären, der deute die Kämpfe zwischen lArbeitgeberschaft und Arbeitnehmerschaft durchzittert, wovon auch bas öffentliche politische Leben fo verhängnisvoll beeinflußt und die Massen zu den Extremen hinge- trieben werben. Angesichts bet geschilderten Lage bedauert und verurteilt der Redner entschieden bas Abrücken gewisser Arbeitnehmerorganisationen von bet Arbeitsgemeinschaft. Aber ebenso nachdrücklich hebt er die Fehler hervor, die auf Arbeitgeberseite gemacht worben sinb. Einen bringenben Appell an Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, ben ehrlichen Arbeitsgemein- schaftsgedanken zu fördern und für die Bildung freiwilliger Schlichtungsorgane zu sorgen, das waren die Folgerungen aus der Betrachtung dieser Dinge. Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter der Last des Versailler Diktats erhebt sich gerade in der jetzigen Zeit mit elementarer Wucht die Frage, was geschehen kann, um die Arbeit der Fabrikarbeiter wieder zu einer größeren Quelle der Lebensfreude zu machen. Auch im einfachen Arbeiterleben muß man einen sinnvollen Aufbau, eine systematische Aufstiegsmöglichkeit für Arbeitsfreudige und Sparsame innerhalb der Arbeiterschaft herbeiführen. Heber „Die Laqe der Beamtenschaft" sprach Reichstagsabg. Albrecht M o r a t h - Berlin. Es ist etwas Besonderes um das Verhältnis des Beamten zu seinem Arbeitgeber, und es bedarf keines Beweises, daß ohne dieses besondere Treueverhältnis des Beamten zum Staat die Allgemeinheit schwersten Schaden leiden würbe. Diel zu wenig hat man bisher den Anteil geschätzt, den die hingebende Arbeit der Beamten an dem beispiellosen Aufblühen der deutschen Wirtschaft in den letzten 40 Jahren vor dem Kriege gehabt hat. Erst als mit „berufsfremden" Elementen „moderne" Anschauungen in die Beamtenschaft sich Eingang verschafften, da sah das gesamte Volk, was es verloren hatte. Es ist klar, daß auch der Wiederaufbau Deutschlands nur gelingen kann, wenn Verwaltung und Betriebe des Reiches, der Länder und Kommunen, wenn Rechtspflege und Seelsorge und Unterricht und alles das, was der Beamtenschaft an allgemeinen Aufgaben an- vertraut ist, von einer Berufsbeamten- schäft geleistet wird, die sachlich auf bas beste vorgebildet, wirtschaftlich sichergestellt und rechtlich unabhängig von den wechselnden politischen Mach'habern ist. Diese Beamtenschaft kämpft seit Jahren um ihre Existenz, um die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Existenz sowohl wie um ihre rechtliche Sicherung. Das Beamteneinkommen war auch früher schon knapp, aber es gestattete ein, wenn auch bescheidenes, fo doch sicheres Geben. Heute reicht das Beamteneinkommen kaum zur B schafsung der notdürftigen Lebensmittel. Die Kaufkraft des Einkommens ist so geschwächt, daß Handel und Produktion ihre Stimme erheben und ein höheres Beamteneinkommen fordern, weil die Ausschaltung der Beamten vom inneren Markt zahllose Existenzen gerade auch der freien Berufe des Mittelstandes gefährdet. Die Beamten stehen vor Trümmern ihrer verfassungsmäßigen Rechte. Solange dir Personalabbauverorbnung besteht, muß jeder Beamte, der sich beispielsweise pclitisch mißNebig macht, fürchten, daß er vcn seinem Vorgesetzten als „minder leistungsfähig" abgebaut wird. Wenn man von gegne i- scher Seit, geltend macht, daß der Re:chZtänzler Stresemann die Personalabbauverordnung unterschrieben habe, dann wol.'en wir daraus antworten. daß es ungerecht und demagogisch ist, dem Mann? eine Schuld auszubürden, der, als der Staatsbancki-ott keine ande.e Wahl ließ, schweren Herzens für die unpopulär? Ausgabe die Derantwo tung übernahm Schuld ha e i doch diejenigen seiner Dorgängn: im Amte, alle die Parteien im Parlament und Kräfte au^rhalb des Parlaments, bk nicht müde wurden, Im verkleinerten und verarmten Deutschland immer neue Behörden und immer neue Deamtensteilen zu schassen, und die sich auch jetzt unkrer Forderung widersetzten, zuerst einmal die Berufsfremden zu be?eitr7,en. Der Deutschen Doll'spartei macht man zum Dorumr-f, bah die Deutsche Allgemeine Zeitung m der unwahrhastigen Hetze gegen die Beamten, die man als schuld an der Inflation bezeichnete, und über deren Einkommen man phantastische Zahlen verbrei'ete, ben Haupt- antril nahm. Es fei deshalb hier noch einmal in aller Oessentlichkeit sestgestellt. daß wir die ersten gewesen sind, die im Hauptausschuß des Rrihstags vom Fmanzministerium eine Zurück- to.iüng jener Hetze und eine Veröffentlichung einwandfreier Zahlen verlangten, und daß wir dabei sestgestellt haben, was jeder Leser bei Deutschen Allgemeinen Zen ung ohnedies weiß, daß nämlich jene Zeitung alles andere als ein volksparteiliches Organ ist. lieber den qciftiflcu Mittelstand sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Otto Sterling. Der Wert der geistig Schaffenden fällt nicht immer sichtbar in die Augen, und doch sollte jedermann wissen, was unser deutsches Volk und alle Völker >er Erde der deutschen Wissenschaft, Kunst und Technik verdanken. Aber diese Geisteskultur und ihre Träger leiden große Rot. Die Stätten und Hilfsmittel der Wissenschaft und die Geistesarbeiter selbst verkümmern durch Entbehrungen. Der grausame Währungsverfall hat in erster Linie die gebildete Mittelschicht, die freien geistigen Berufe, die Aerzte, Anwälte, Schriftsteller, Techniker, Künstler betroffen. Der Ertrag eines fleißigen Lebens wurde zerstört, mit quälenden Leiden, mit kleinlichen Sorgen droht die Verelendung. Unter immer mehr verarmtes deutsches Volk kann die breite, wichtige Kultuv- schicht nicht mehr tragen. Rur, wenn die Ursachen dieser Verarmung aufgedeckt und abgestellt werden, können für den geistigen Mittelstand wieder geordnete Lebensbedingungen geschaffen werden. Die erste Ursache ist das Derlailler Diktat. Daher muh die deutsche Bildungsschicht alle vorhandenen Kulturbeäehungen zum Ausland be-. nutzen, um Gerechtigkeit und Freiheit für die deutsche Entwicklung zu fordern. Die Verelendung der deutschen Kultur kann sonst zur Kulturdämmerung Europas werden. Es ist eine Lebensfrage für den gebildeten Mittelstand, ob es gelingt, die Bahn für eine freiwillig gesteigerte fruchtbar« Glibritfliitung aller Volksschichten freizumachen. Dabei wird der geistige Mittelstand sich selbst sagen, daß geistige Führung von ihm selbst Höchst- lristung fordert. Regierungen und Parlamente dürfen keine Gesetze und Verordnungen mehr hinausgehen lassen, ohne zu prüfen, wie sie auf bi# notleidende gebildete Mittelschicht wirken. Reichstagsabgeordneter Dr. Düringer behandelte da mi den „Schatz des Sparers". Lassen Sie mich zunächst einen ganz kurzen Rückblick geben über die Behandlung der Hypothekenauswertung im Parlament. Als ich vor etwa li/4 Zähren meinen Antrag auf Erlaß eines Spao- ges.-tzes -um Schuhe der Hy p 0 t he ke n gläubiger ei 1 ibrächte, da war der Reichstag für diese Materie offenbar noch nicht reif. Am 18. Mai 1923 war das berühmte 111teil des Darmstädter Oberlandesgerichts ergangen, das entgegen dem längst zur Farce gewordenen Satz: „Rkark gleich Rlark" die Rvtwendigkeit der Erhaltung der Grmndsätze von Treu und Glaube n im Verkehr betonte. Am 28. Rovember 1923 erging dann das Urteil des Reichsgerichts. Cs erklärte, daß der Hypathekenglällbiger nicht verpflichtet fei, das in Gold bingcge'.tene Hhp'ts-ekenlapital sich in entwerteter Papiermark zurückzahei zu lassen und Löschung zu bewilligen. Dieses Urteil gab Millionen das Bewußtsein wieder, daß wir noch in einem Rechtsstaat leben. Aber im Finanzministerium herrschte über diese Erkenntnis b?Ile Empörung. Der nächste Plan war, dieses höchstrichterliche Urteil einfach durch einen Akt der Gesetzgebung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes zu sabotieren und jede Aufwertung schlechthin zu verbieten. Der Plan des Fi- ranzministermms, bie Aufwertung zu verbieten, entfesselte eine solche Empörung, daß der verzweifelte Versuch gcnnacht wurde, zwar an der ursprünglich beabsichtigten Entrechtung der Hhtzv- thekengläubiger im wesentlichen festzuhalten, aber sie mit den Grundsätzen des Reichsgerichts scheinbar in Einklang zu bringen. Das Resultat dieses ungewöhnlichrn Versuchs ist die dritte Cteuernotverordnung. Sie wird m breiteften Schichten des Volkes Rot, Tod und Verzweiflung bringen. Gerade die soliden Krei'e, di: Sparer und Klein« venln.T, sehen sich ihrer letzten Hoffnung beraubt. Dagegen enthält die Vmordnung gleich- z-ritig ein großes Geschenk an die Grohindu« st r i e, das Großkapital und die Banke n. Man bat schon bisher darüber skanddliert, daß die groten Unternehmungen, d e von ihnen aus« gegebenen Obriciationen küvd'.g'en und t.i rocri- fofcm Papiergeld zurückbezahlten. Das kvnntoa an I «Mr Den Monat April bestellt man den Gießener Anzeiger in der Stadt bei der Geschäftsstelle oder den Trägerinnen, auf dem Lande bei den Zweigstellen-^nhabern oder bei der Post. Verlag des Gießener Anzeigers.. Durch eine Verordnung des bayerischen Gs- sanrlministertunrs vom 27 März 1924 sind alle Volksgerichte mit Ausnahmen des Dolls- gerichtS München 1 vom 1. April ab auf gehoben. Diese Ausnahme ergibt sich aus der Unmöglichkeit, bis zu diesem Zeitpunkt das Straf' der-fahren gegen Hitler und Genesen roegen Hochverrats zu beenden. Das Dolksqsricht München 1 bleibt daher so lange fortbcfteben, wie zur Erledigung jener Strafverfahren im äußersten Falle notivendig, nämlich bis zum 15. Mai. halten der augenblicklich beschlagnahmten Pfänder, solange keine befriedigende Lösung der Reparationsfrage erfolgt ist. Diese auf internationalen Abkommen beruhende Regelung wünscht die fron* Sösische Regierung nicht nur, sie wird sogar alles, waS in ihrer Macht liegt, tun, um sie zu realisieren. Alle ihre Bemühungen werden zu gleicher Zeit darauf gerichtet sein, mit der Wahrung der Rechte Frankreichs in nächster Zukunft den Weltfrieden sicherzustellen. Angesichts deS Ernstes der demnächst zu behandelnden auswärtigen Probleme bestehe die Notwendigkeit, ein einiges Frankreich herzu- stellen. Das Beispiel republikanischer Konzentration, das die neu ernannte Regierung gebe, entspreche dem Wunsche des Landes. „Rheinische Republik" und Frankreichs Sicherheit. Paris, 31. März. (WTB.) Wie der „Matln" berichtet, hat General Mangin, der in Brüssel einen Vortrag gehalten hat, einem Redakteur der „Ration Beige" erklärt, ohne Rheinische Republik sei das französische Sicherheitsproblem unlösbar. Ohne die Rheinische Republik seien Belgien und Frankreich immer gezwungen, gemeinsam die Mittel zu suchen, um die germanischen Horden aufzuhalten. Ohne die Rheinische Republik werde der Revanchegeist in Deutschland nicht abdanken. Wenn man daö Rheinland sich selbst Überlasse, werde Preußen nicht den Besitz der großen Fabriken verlieren, die ihm die Bewaffnung sicherten. Wenn man nur mit der "Vernunft rechnen könnte, könnte man sagen, daß Deutschland vor Jahren nicht zu fürchten sei. Alber die Vernunft und die Deutschen bildeten zwei verschiedene Dinge. Vor ihnen sei man niemals sicher. Mcm müsse sich deshalb für alle Eventualitäten bereithalten. Eines Tages werde sicher ihr Instinkt und ihre alte Wildheit sie wieder auf das Gebiet ihrer alten, wilden Taters führen. Kleine politische Nachrichten. In Hannover hielt Reichskanzler Dr. Marx eine Wahlrede, die in der Parole für Wahrheit. Recht und Freiheit gipfelte. • Die feit einiger Zeit zwischen dem Reichs» Postministerium und den Organisationen der P o stund Telegraphenarbeiter gezogenen Tarifverhandlungen konnten nicht zu einem endgültigen Abschluß gebracht werden, weil die Reichsregierung aus währungspolitischen und allgemein wirtschaftlichen Gründen der in Aussicht genommenen Lohnregelung ihre Zustimmung nicht erteilen konnte. Das Reichspostministerium ist mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Tarisverbänden beauftragt worden. (er war Juftizministev geworden nicht wegen seiner Fähigkeiten, sondern allein wegen ferner politischen Parteizugehörigkeit), drittens weil er in gewissem ©mne das Opfer des Angeklagten Möbius war. Infolgedessen ist nicht auf Zuchthaus, sondern auf Gefängnis erkannt worden. Das Programm der neuen französischen Re ierung. Paris, 30. März. (WTB.) Rach Beendigung des heutigen Ministerrats ist folgendes Kommunique ausgegeben worden: Die Minister haben sich, nachdem sie von 4 bis 5 Ahr nachmittags im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten einen Kabtnettsrat abgehalten haben, nach dem E l h s e e begeben, wo sie bis 6.45 Ahr unter dem Vorlsitz des Präsidenten der Republik beraten haben. Dem Präsidenten wurde die ministerielle Erklärung, die morgen vormittag vor der Kammer verlesen wird, bekanntgegeben, deren Inhalt genehmigt wurde. — Alle Unter» staatssekretariate sind beseitigt. Die Dienste uftschiffahrt, so wie sie im Ministerium für öffentliche Arbeiten konstituiert slnd, werden einen einheitlichen Organismus unter der Leitung des bisherigen Unterstaats- «ekretars, Abgeordneter Laurent E y n a c, bll- den, der zu diesem Zwecke mit einer nicht honorierten Mission betraut worden ist. Rach der Havas-Agentur wird die ministerielle Er- kllirung die zu befolgende auswärtige LV? ä^eifelSohne wie folgt definieren: Kein Aufgeben der Rechte Frankreichs, Fest- Aus der Begründung des Urteils gegen Zern, ner geht hervor, daß wegen der Fälle Fried, r i ch s e n (Annahme Den Schmuckstücken), frommer und Dchmerler (Murahme von Pelzen) Areisprechung erfolgt ist. Im Falle der Ak cnbjeitigung sowie im Falle Brandt ist Der- ur eilunq erfolgt. Im letztgenannten Falle wird zweimal ge Bestechung ang.nxntnen, einmal durch bte Annahme von Geld im Eafö Lippold in Dresden, daS zweitemal durch die Annahme der Weihnachtsgans hi Leipzig. In beiden Fällen sollte Zeigner zu pflichtwidrigen Amtshandlungen veranlaßt werden. Als erschwerend fiel bet der Straftat ins Gewicht, daß es sich um den Inhaber des höchsten Staatsamts handelt und daß das Aisehen der sächsischen Rechtspflege schwer beeinträchtigt worden ist. Das Gericht hat trotzdem dem Angeklagten mildernde Umstände zug billigt, erstens wegen seiner psychopathischen Veranlagung, zweitens weil er ein Opfer deS Politischen Systems ist Wvhin gehen die Dinge bei uns? Sie gehen im Dolke nach b:n Extremen hin. Die Sozialdemokratie wird große Verluste erleiden: aber diese Verluste sind auch für u.rZ insoweit wenig erfreulich, als sie die Massen vielfach zum K o m- munismus treib n. Wir hab:n auf der an- be-.eu Seite dir B/w.-gunt der deutsch-völkischen JJar'ei. Keiner weiß, welches Gefühl m ihr ftär- Cer ist, der Kommunismus nach innen oder das nationale Gefühl nach außen, beides Gefühle, von denen wir k.-inm Gebrauch mach n lö neu. Die Deutsch-Ratioaalen e Kä e i sich bereit, einen Anteil an der Regierung zu übernehmen oder sie mindestens maßgebend zu be.influff:irt. Wir können das nur begrüßen und unser Bedauern ausD.icknr, daß sie sich nicht längft dazu durchge.uugen haben. Wenn die Deutsch-Rationalen an der Regierung t.-ilnehmen werden, werden sie in wenigen Wock-en sehen, wie ganz anders die Dinge sich darstellen, wenn man verantwortlich handelt, als in den Wahl- i>.T,ammIurg n Eine deutsch-nationale Regierung wlrd den Deamtenabbau nicht aufgeben und den SteuerDruck nicht vermiede n. In der Außen» Poltlik w.rd sie^ genau so gebundru sein durch die Konsequenzen des verlognen Krieges wie wir Wir werden uns weiter von den Grundsätzen leiten ld. die ums in den letzten Jahren geleitet haben. Ich habe die feste Uebvr.ymgung, daß die Politik .ku-nstigen bürgerlichen Regierung zum Mrttelvunkt die Auffassung haben wird und muß, die sich mit unserer Auffassung deckt. Das Urteil im geignerprozetz. . „Leipzig, 30. März. (WTB.) Die Ur. teilsderkirndnng im Zeignrrprozetz erfolgte am SamStrg nachrntttag. Dr. Zeigner wird we- gen emeS Vergehens nach § 331 Absatz 1 des eftafgefeijbiidM und zweier Ve brechen nach § 332 3U brcl Jahren Gefängnis und drei .Jahren Ehrverlust, ModluS wegen Beihilfe und Unterschlagung zuzweiJah- ren Gefängnis und zwei Jahren Chrdsr- lust verurteilt. Briden Ang^lagten wird die Untersuchungshaft voll angerechnet. Die Verhandlungen zur Beilegung deS Streiks auf den Hamburger Seeschiffswerften, die unter Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns stattgefunden haben, sind trotz aller Bemühungen Dr. Brauns nach lkstündiger Dauer ergebnislos abgebrochen worden, nach- . dem eine Einigung zwischen den Parteien nicht M erzielen war und diese auch nicht bereit waren, sich dem Schiedsspruch eines Unparteiischen zu unterwerfen. * Der mecklenburgische Minister 'deS Innern, Frhr. Brandenstein, hat mit sofortige» Wirkung folgende V e r b o t e von Verbänden und Parteien aufgehoben: 1. des Verbandes national- Srfhmter Soldaten, 2. des Stahlhelms. 3. des ungdeutschen Ordens, 4. der Rationalfoziallstl- schen Deutschen Arbeiterpartei, 5. der Turner- schäften der Deutschvvlkischen Freiheitspartei. Aus Stabt und Land. Gießen, den 31. März 1924. Zur Festsetzung der April-Miete. Das Hess. Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hat, wie gemeldet, die Wohnungs- miete für den M o n a t A p r i l auf 32 Prozent der Friedensmiete festgesetzt. In diesem Prozentsatz sind auch die B e t r t e b s k o st e n mit enthalten, die also künftig nicht mehr umgelegt werden. Die Betriebskosten umfassen: Grundsteuern. Wassergeld. Schornstein» fegeraeld, Haftpflichtversicherung, Treppen- und Flurbeleuchtung. Verwaltungskoften. Um Zweifel zu beseitigen, die bei der Auslegung dieser Vorschrift entstanden sind, gibt daS Ministerium jetzt noch folgende Klarstellung bekannt: ES ist selbstverständlich, daß alle diejenigen Steuern. Gebühren und öffentlichen Abgaben, die im Monat März ober weiter zurückliegend entstanden sind, aber aus verschiedenen Ursachen von dem Hausbesitzer erst spater erhoben werden, von diesem noch auf die Mieter umgelegt wer- den können. Beispielsweise kann Wassergeld für den Monat März, dessen Berechnung von dem Werkbesitzer dem Hausbesitzer erst int Trotz allem Leid hat das deutsche Volk aber nicht bas Recht, die Hände mutlos in den Schoß zu .legen ober große Worte zu machen. Treu und zäh haben to;r zu arbeiten, um aus dem Elend herauszukommen. Wie wir vor aller Welt die Lüge von der deutschen Kriegsschuld zurückweisen, fv fordern wir auch auf Drund unserer Vergangenheit und unserer 2e» benskvast Gleichberechtigung unter den Völkern der Erde. Was den schwarzen, braunen imb gelben Stämmen als Selbstrerständlich- teit eingeräumt wird, läßt sich das deutsche Volk, seines Wertes auch im Unglück bewußt, nicht versagen. Wir sind stolz auf das. was das deutsche Volk in dem furchtbarsten aller Kriege geleistet bat Wir haben die Folgen unserer Riel^rlage zu tragen und werden sie tragen; alier bk Rieoerlage tilgte in der deutschen Ration nicht das Menschenrecht In einem darf es keine Trennung und Meinungsverschiedenheit geben, nämlich im eiiunütigen Ginstehen des ganzen deutschen Volkes für unsere Brüder und Schwestern — Rhein, Ruhr und Saar. axxr doch mir die tun, die nach khoem Tilgung-- plan zur Kündigung ober Heimzahlung berechtigt waren. Jetzt wird diese Kündigungsbefugnis aU- flcnrcbt eingeführt; die Auftve.iung auf nur 15 Prozent, zahlbar nach dem 1. Januar 1932, tritt ein. aanz gleichgültig, ob es sich um ein schwach- fundiertes oder ob es sich um das kapitalkräftigste Unternehmen handelt. So wird der Sparer, der mittlere und kleinere Geschäftsmann um sein CBer- ■mögen gebracht. — Ich bin durchaus kein Gegner des Kapitalismus, ich halte ihn im Gegenteil für eine notwendige Deg te.tr scheinung jeder menschlichen Kultur. Ausdrücklich habe ich im Reichstage erklärt, daß ich ein Gegner der marxistischen Irrlehre bin. Aber ebner so schamlosen Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen, wie sie die dritte Steuernotverordnung bringt, trete ich mit aller Entschiedenheit entgegen. Man erfasse lieber durch wiederholte Erhebung der Rhein- undRuhr- abgabe oder der DrotversorgungSabgabe oder durch Zuschläge zur Einkommensteuer die starken Schultern, aber man raube nicht den Aermsten den Rest ihres Besitzes. Aufgabe des neuen Reichstages wird es sein, vor allen Dingen diese tief in das Derfassungsleben des Rechts- und Wirtschaftslebens eingreifende Materie neu nach den Grundsätzen des Rechtes und der Billigkeit zu regeln. * Im Mittelpunkt der Sonntagsveranstaltungen stand die Rede des Parteivorsitzenden Reichsministers Dr. Strejemann über das Thema: Durch Opfer und Arbeit zur FreiheitI Er führte u. a. aus: Wir haben den Ruhrkainpf aufgegeben und zeigten dabei die Bereitschaft, Im Rahmen dessen, was möglich ist. Leistungen zu übernehmen. Es war die schwerste Belastung für unsere Partei, daß sie berufen wurde, führend an der Regierung zu sein, als es sich nur noch Darum handeln konnte, diesen Ruhrkampf zu liquidieren. Es gibt heute noch viele Leute, die glauben, daß dieser Ruhrkampf ein Fehler gewesen ist, weil er vergeblich war. Rein: der Ruhrkampf ist kein Fehler gewesen. Die Kämpfe Der Bevölkerung haben Der Welt gezeigt, daß Das Deutsche Volk für Das Deutschtum zu kämpfen unD zu leiDen vermag. Ohne Den großen passiven WiDerflanD hätten wir nicht Die Augen ‘Der Welt auf Das Unrecht gelenkt, DaS am Rhein iunD an Der Ruhr geschah. Ich lehne es sogar ab, ein VerDammungsurteil auszusprechen über Die Männer, Die über Den passiven WiDer- flanD hinauSgegangen finD. (Slirmischer Beifall unD Händeklatschen.) Wir werden kämpfen für die Freiheit aller Gefangenen, Die irgenD» wo wegen ihrer VaterlanDsliebe verurteilt worden sind. Wir werden dafür kämpfen, daß wir über unser Land zu gebieten haben, das uns nach Dem Versailler Vertrag gehört. Aber wenn man von einem Sieg Frankreichs an Der Ruhr spricht so glaube ich nicht. Daß es sich als glucklic^r Sieger fühlt. Frankreich blutet an Den WunDen seiner Kriegs- unD Rachkriegspolitik. Es lelDft unter Dem Währungsverfall, Wehl Dem Schlimmsten. WaS einem Volke wiDerfahren kann, toeil das der Vorläufer des schlimmsten Marxismus ist. weil Davon feine Gxpropria- /tion ausgeht. Die schwere Krisis knüpft sich 'an Den Versailler Vertrag. Wenn er I wirklich Den FrieDen gebracht hätte, warum kämen dann bk Staatsmänner alle Jahre oder mehrmals im Jahre zusammen, um sich mit Der ! Weltlage und Der Weltwirtschaft zu beschäftigen? । Diese Konferenzen, auch Die Der Sachverständigen. finD ten, denen er sich unterworfen har. Rechte. Wir haften für die Pflichten be8 Reiches, für unsere Rechte hastet uns die Gesamtheit der Alliierten, die den Vertrag mit unterzeichnet haben. Wir stehen vor der grundsätzlichen Entscheidung, ob wir die Entlastung von großen Bürden höher schätzen als die Freiheit Rutschen Landes, oder ob wir die Freiheit per deutschen Lande höher schützen, als die Bürden, die wir zu übernehmen haben. Es wäre ein Schandfleck in der heutigen Zeit, wenn wir die Lasten nicht auf uns nehmen wollten, um damit die Freiheit zu eremgen. Wenn wir ecnwilligen, aus der Reichsbahn eine Aktiengesellschaft und aus der Reichsbank eine inter- nafo.ial beaufsichtigte Währungsbank zu machen, so tun wir das für die besetzten Gebiete. Es ist unsere Pflicht, alle erträglichen Lasten zu übernehmen, um die deutsche Freiheit zu erwirken. (Lel-Haftes Händeklatschen und Bravorufen.) Daß es eine Grenze deutscher Leistungsfähigkeit gibt, habe ich mit aller Deutlichkeit ausgesprochen. WaS die vcirländischen Verbände und Or» ganisationen betrifft, die insbesondere auch die Jugend an sich ziehen, so lehne ich den Kampf gegen diese Organisationen ab. Wenn auch manche von ihnen uns bekämpfen; es sind Verbände, denen, glaube ich, wenn wir jung wären, auch wir angehären würden. Sie sind der Ausdruck des Empfindens, daß wir hiuaaZ- Drängen über den Parteigeist gur Zusammenfassung alter Kräfte tn einen täte ländischen Geist. Und wenn diese Verbünde weiter durch daS, was fte tun und treiben in körperlicher Ertüchtigung einen Ersah schassen wol en für baS, was uns verloren gegangen ist, Durch das erjtoingene Ausgeben Der allgemeinen Wehrpflicht. a>?r oon uns wollte sich gegen diesen Gift toe.iDen? Was wir fordern müssen, ist die Verantwortlichkeit der Führer. Wir müssen fachem, daß man die Jugend, die in Dieser Bewegung steht, frei von Verhetzung macht und sie hinführt z im großen nationalen Gedanken. Und: Hände we; von Der deutschen Reichswehr! Sie gehört keiner Partei, sie gehört dem ganzen deutschen Volke. Was ich vielfach vermisse, das ist die Achtung vor Dem Reiche in seiner heutig en Gestalt u O F ihvang. Es Darf keine Schirnpfsreiheit bestehen gegenüber der Leitung des Reiches und seinem Präsidenten, tote Dies in München geschehen ist, ohne haft Der Vorsitzende Dies ausreichend zurückgewtesen h at. (Sei)r rihtig) Wir müssen zu einer Entwicklung kommen, die das Rationale nicht zu einer Parteifrage macht, sondern zur Frage Des gan>*n Deutschland. DaS große vaterländische Ernpftnden muß Geneingut des ganzen Volles teeri:en. Deshalb nicht Bekämpfung der Verbände sondern hinein in die Derbände mit unserem Geist. (Lebhaster Deisall und Händeklatschen.) Unsere QDe?, die wir Immer betont haben, war daS Zu'ammengehen von rechts bis zu einer staatZbejaheniten Sozialdemokratie. Wir standen aber Hemmungen aus beiden Sriten gegenüber. Die Sozialdemokratie hat ih e Hemmungen, sich bewußt zu der staatlichen Aufbauarbeit mit den anderen Parteien zu bekennen, zu bezahlen gehabt mit einer großen Inneren Zersetzung und großen Verlusten ihrer Anhänger. Der S ch r e i n a ch de r D i k t a t u r war der größte politische Dilletantismus dec sich in unserer Entwicklung abgespielt hat. Die Schaffung einer wertbeständigen Währung ist die stärkste antimarxistische Tat, die seit der Revolution in Deutschland vor sich gegangen ist. Der Kampf um den Rhein. Hagen, 3D. März. (WD.) Der Verband der rheinisch-westfälischen Presse hielt in Hagen in der Stadthalle einen rheinisch-westfälischen Pressetag ab, der den Zweck verfolgte, in aller Öffentlichkeit Die Belange deS deutschen Westens erneut zu vertreten un> die Anteilnahme an dem Schicksal des beseh en wie des Randgebietes wack zu halten sowie gleichzeitig für die Freiheit und Sicherheit der deutschen Presse einzutreten. Der ReichZinnenminisler, Vizekanzler Dr. Jarres, besprach hier eingchend die Stellung der Reichsregierung zu aftueilen Pressefragen, und erwähnte die geplante Errichtung von paritätischen Pressekammern, von Schi ist- leiterkammern und Presse Ehrengerichten durch ein Prchgrseh. txtd vor allem a ch die gechäf liche Un- sicherh.ic des Jvumalistenberafs, die mangelnde Vorbildung der Journ.rlisten und den Rückgang des Rachwuchses abstellen soll. Der Vizekanzler führte dann zur allgemeinen Lage u. a. folgendes aus: Die letzten Verhandlungen im englischen Parlament zeigen, daß selbst im Lager unserer früheren Feinde sich, wenn auch langsam, Dfc Auffassung Dahn bricht, daß eine Aenderung tte3 jetzigen Zustandes im Westen unseres Vaterlandes eintreten muh. Rach Aufgabe des passiven Widerstandes Durfte Das deutsche Volk Darauf rechnen, Daß bis zur enDgültigen Lösung Der Reparationsfrage wenigstens ein moDus vivo n D i gefunDen würDe, Der FreunD unD FeinD gerecht werDe. Das ist nicht gelungen. Das Reich ist nich^ Wetter imstaude, den er- vrückendrn feindlichen Panzer zu tragen, der auf seiner Weststankr liegt, feinen Atem beklemmt und die Herztätigkeit zum Stocken bringt. Die in ihren wesentlichsten Teilen am 15. April ablaufenDen Micumver träge können nicht verlängert werden. Die Reichsregierung hat irgendwelche Verhandlungen über eine Verlängerung über Den 15. April hinaus nicht geführt und kann sie auch nicht beabsichtigen; denn das Reich ist ganz außerstande, die Lasten dieser Verträge zu übernehmen. Hefctn diesen politischen und wirtschaftlichen Fragen stellt das traurige Schicksal Der Gefangenen unD Ausgewiesenen eine Herzensangelegenheit unD Ehrenfrage Des ganzen Deutschen Volkes Dar. Aoch immer sinD runD 1500 Deutsche in Gefangenschaft. In Diesen Tagen fanD ein schlichter Deutscher Arbeiter, Der wegen angeblicher Sabotage — von Deutschen verraten! — zum Tode und Dann zu lebenslänglicher Haft verurteilt war, int Deportiertengefängnis 6t Martin de Re noch qualvollen Leiden Den Tod Glaubt man in Frankreich, daß ein solches Erlebnis geeignet ist, Den GeDanken Der Verständigung zu fördern? Hier handelt es sich nicht mehr um politische Gegensätze, sondern um Fragen einfachster Menschlichkeit Für eine französische Regierung, die wttNich« Verständigung will, sollte die Frage der Aus- gewiefenen und Gefangenen doch längst keine Frage mehr sein. Trotzdem schmachten noch 42 Deutsche int fron- ! zösischen Strafanstalten, t-eren Einrichtungen aus ‘ Den Anfängen des vvrig-n Jihrhunderts stam- 1 men. Würde die französische Politik etwas ver- # Heien, wenn Frankreichs Regierung diese Ge- fa igenen, deren Handeln durch politische Ereignisse zu erklären ist, da sie einfach ih.e Pflicht gegenüber ihrem Vaterlands getan haben, auch als politisch Demi teilte Mxmtela würde? Auch deute noch werden rund 140 000 ausgewiesene Deutsche von ter Heimat zwangsweise fern- gehalten. Die Feststellung der Tatsache, daß dieser Frie- -en-keine Epoche ruhiger Entwickelung ge- schaffen hat, sondern daß er den bestehenden Mefruhr der Welt zu einer Dauere'mrichtung milchen wird, wenn man nicht zu einer Verständigung kommt. Das Zusammenwirken der Sachverständigen, ihre ehrliche Absicht von der ich überzeugt bin, diese ^Poc-kleme objektiv zu losen, zeigt an sich das Bild einer gewissen Sntspatv'rung, aber die Frage ist berechtigt, ob dieses Komitee sich auch ein richtiges Bild von der deutschen Leistungsfähigkeit verschafft hat. Ich möchte eines grundsätzlich bemerken, zunächst die deutsche Reichsregierung steht den Entschließungen der Sachverständigen in voller Freiheit gegenüber. Sie wird ihrerseits alles tun, um zu einer Verständigung mx kommen, soweit das deutsche Volk die Leistungen, die sich aus dieser TecftänD'lgung ergeben, tragen kann. Aber sie wird auch bestimmte G.'undsähe aufrechterhalten ntüfte.t Es wird wieder die Frage kommen, ob wir etwas unter- schreiben sollen, das toir glauben, nicht leisten zu können, und die Entwicklung gerade Der letzten vier Jahre hat gyeigt, daß nichts den Frieden jber Welt und das Verständnis Der Völker mehr erschüttert, als eine Unterschrift, auf die sich Einzelne als Rechtstitel berufen können. Das ■ zweite ist die Aufrechterhaltung Der uneingc» ischränkten deutschen Verwaltung für die deutschen ■ Eisenbahnen und für ein wie immer zu fchaffendes i Reichsbankwesen und die Forderung Der Vermei- > hung einer Majorisierung durch Ausländer in dem Aufsichts- und Derwaltungsrat dieser In» ftltuticnen. Ich gehe nicht den Weg derjenigen, ; die sagen, daß sie auch die Mitwirkung des Aas- landes in diesen Institutionen abkehaen. Wenn man suchen muß, fremdes Kapital zu erhaltzm, Darm können wir — so schmerzlich das ist — hier nicht eine Prestigefrage k-evart aufwerfen, daß wir überhaupt eine Mitwirkung Der ausländischen Geldgeber bei uns ausschließen. Wen» das fremde Kapttal brteillgt ist an der Dclwendigkstt der Verzinsung deutscher Repa- ratiouScmleihrn, wenn eS interessiert ist an der Verzinsung großer deutscher Bankinstitute, wenn es bi der Verwaltung dieser Institute rnttwirkt, dann wird es mit uns in dasselbe Interesse verflochten, diese Hemmungen zu beseitigen, um die Reparationslerftungen zu erhöhen. Ich darf hier eine weitere grundsätzliche Stellungnahme aufzeigen, daß nämlich alle verantwortlichen Stellen das eine sagen: Jede Zustimmung zu deutschen Reparationsleistungen, zur Wiederaufnahme deutscher Leistungen^ an die alliierten und assoziierten Ratiicmen ist abwegig davon, Da-ß uns zuerst die Wiederverfügung über Das Ruhrgebiet, über seine Wirtschaftsquellen, über seine Steuertraft, über seine Verwaltung, über alles das, was uns gehört, als deutsches Land gegeben wird. (Stürmischer Beifall.) "DSeiter gehört dazu die Herstellung verfassungsmüßiger Zustände im Rheinland und in der Pfalz, weiter die endliche Regelung über den Fortfall bet Besetzung nach Ablauf Der vertragsmäßigen Fristen. Jeder Der- toaQ gibt auch für den Unterlegenen neben Pflich- ♦ * Die Rentenbank-Amlage muh von morgen ab bis spätestens zum 7. April bezahlt werden. Arn 7. April läuft die Schon-- frist ab. Die Zahlungen sind in Rentenmark ßu leisten. * * Keine Lustbarkeiten in der Karwoche und am Ostersonntag.Das Polizeiamt weist darauf hin, daß nach der auch jetzt noch zu Recht bestehenden Vorschrift des Artikels 229 des Hessischen Polizeistrafgeset- ges alle öffentlichen Lustbarkeiten in der Karwoche. einschließlich des Palmsonntags (Lan- deS-Buß- und -Bettag), sowie am Ostersonntag verboten sind. Es werden daher für diese Zeit öffentliche Tanzbelustigungen, auch solche in geschlossenen Gesellschaften, nicht gestattet, ferner für Me gleichen Tage, mit Ausnahme des Karfrei.ags und Palmsonntags, an welch beiden Tagen Lustbarkeiten jeder Art (z.B. auch ernste Aufführungen im Theater und Vorführungen in Lichtspielhäusern) zu unterbleiben haben, nur dann genehmigt, wenn die Darbietungen ernsten und belehrenden Inhalts und der Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt sind. • * E i n Muttertag. Wie in vielen anderen Städten, so sind zur Zeit auch in Gießen Bestrebungen im (Stange, voraussichtlich am zweiten Sonntag im Mai einen Muttertag zu veranstalten. der eine Mutterehrung nach mehrfacher »vvrsieh-t. Verstorbenen Müttern soll an rge ein Blumengruß aufs Grab gelegt >und für in Rot befindliche Mütter sollen durch Straßensammlungen und Dlumenverkauf Unter- siüyungsspenden aufgebracht werden. Beranstal- tungen dieser Art haben bisher im Auslande viel Anklang gefunden, und man hofft, daß sie auch in unserem Lande die opferfreudige Sympathie der breitesten Volksschichten finden werden. * * Wichtig f ü r Kriegsbeschädigte. Auf Anordnung des AeichsarbeitsmvnisteriumS wird in Durchführung der erlassenen Abbaumahnahmen die beim Verso.gungsamt bn Gießen bestehende Orthopädische Versorg'^ ngsstelle ab 1. April aufgelöst. Die bisher durch diese Dienststelle versorgten Bezirke werden der Orthopädischen Versorgungsstelle Frankfurt a. M. zugeteilt, mit Ausnahme der D.ffchädigten deZ bisherigen Bersorgungsamrs Marburg, die durch die Orthopädische Vrrsich.-rungsstelle Kasel versorgt wev- den. Einträge von Beschädigten der Versorgungsämter Gießen. Wetzlar und Limburg, die mit orthopädischen Hilfsmitteln ausgestattet sind, müssen jetzt an die Orthop. Vers.-Stelle Frankfurt i. M, Ginnheimer Straße 46, gerichtet lverd.m. Ferner ist beabsichtigt, allwöchentlich (Mittwochs) cxrare v« yzronan, zugeht, selbstverständlich noch von den Mietern gefordert herben. Ebenso verhält es sich mit Steuern, die in das Rechnungsjahr 1923, also in den Zeitraum bis zum 31. März 1923, fallen, deren Erhebung aber aus besonderen Gründen erst später erfolgt. * Der Personenverkehr auf der Biebertalbahn. Das vereinte und nachdrückliche Vorgehen der Gießener Stadtverwaltung und der Bürgermeister der Biebertalgemeinden in der Frage des Personenverkehrs auf der Diebertalbahn hat jetzt zu einem erfreulichen Ergebnis geführt. ES ist den Verwaltungen gelungen, bei der Biebertalbahngesellschaft den Vertragsbestimmungen wieder in vollem Umfange Erfüllung zu verschaffen. Die Gesellschaft wird mit Wirkung vom 15. April ab täglich wieder vier Zügenach jederRichtung laufen lassen. Dieser Zugverkehr gilt auchfürdieSonn- tage, so daß man also im Sommer Gelegenheit haben wird, an den Sonntagen unter günstigen Verkehrsbedingungen auch im Biebertal Erholung zu suchen. Mit dieser Regelung ist den Verkehrsbedürfnissen Gießens und des DiebertaleS endlich wieder die erforderliche aufmerksame Beachtung gesichert worden. einest orthopädischen Sprechtag beim '^erfvraungS- amt in Gießen abzuhatten, bei welcher ®etemn«= beit Beschädigte ihre Anträge persönlich fteilen können. ' Der Radclub Germania, der. wie man uns schreibt, durch seine sportliche ‘Betätigung Im Bund Deutscher Radfahrer, ganz besonders aber im Lahngau allseits beliebt ist, feiert in diesem Jahre sein fün'undzwanzlgjahrizes Jubiläum. Aus diesem Anlaß wurde ihm vom Gau die Leitung und Abhaltung des Gausommerfestes übertragen. Gr wird bestrebt fein, in Gemeinschaft mit den Gießener Bürgern im Juli ein radsportliches Fest zu veranstalten, „toie es In Gießens Mauern noch nicht gefeiert worden ist." Dlrrch reichliche Stiftungen von wertvollen Ehrenpreisen wird es dem Verein gelingen, die im Radsport berühmtesten Vereine des ganzen B. D. R. nach Gießen zu bringen. Als Festplatz ist der Oswalds- garten von den städtischen Behörden zur Verfügung gestellt worden. ** Die Schußzeit fürWaldschnep- f e n ist vorn Ministerium des 3nnem für ganz Hessen bis zum 12. April einschl. verlängert worden. Bornotizcn. — Tageskalender für Montag: Deutschnatl. Volkspartei: 8'/« Ahr im Gewerbehaus Mi fgliedervers ammlung.—Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8'/s Ahr in der Stadt Lich Monatsversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: . „Fridericus Rex". — Palast-Lichtspiele: „3nrl“. — Aus dem Stadttheaterbureau: Die „Elga"--Aufführung, die am Dte.rstag zum ersten Male herauskommt, ist unter der Spielleitung des Herrn T e l e k y auf das Sorgfältigste vorbereitet. Die Titelrolle hat Frau Rubner inne, in weiteren Hauptrollen sind Herr 3 u h n k e und Frl. Marcks beschäftigt. DaS interessante Wert Gerhart Hauptmanns ist ja von früheren Aufführungen her bekannt. Unterstützt wird die Darstellung durch die Mitwirkung von Mitgliedern des Bauerfchen Gesangvereins, die die Mönch-Schöre, die die etfi^ln -n Bilder verbinden, singen werden. Besonders hervorzuheben ist, daß die „®lga" die letzte große Rolle sein wird, die Frau Rose Rubner hier darstellt, was sicherlich die zahlreichen Freunde, die sich die Künstlerin in den Jahren ihres hiesigen Wirkens erworben hat, lebhaft interessieren dürfte. — Der Bauersche Gesangverein wird am Samstag, 5. April, abends V/2 Uhr. und am Sonntag, 6. April, nachmittags 4 Uhr, aus Anlaß seines GOjabrigen Bestehens 2 Konzerte in der Aula der Universität geben. Das erste Konzert ist mit vorausgrhenbem Festakt für die Mitglieder des Vereins und die geladenen Gäste bestimmt, das zweite ist öffentlich. Zur Mitwirkung sind gewonnen: Professor Dr. Hans Joachim Moser aus Halle a. S. (Bariton), Fritz C u j 6 aus Frankfurt a. M. (Klavier), sowie die Kapelle Weller- Gießen. Das Programm enthält Chö e a cappella und solche mit Orchesterbegleitung, sowie Soli für Klavier, Bariton und Tenor, letztere gesungen von dem Mitglied Curt Richter. Landkreis Gieszen. Wieseck, 30. März. Eine eigenartige Passionsfeier bereitete gestern abend der Gemeinde unser Wartburgverein. Die liturgische Feierstunde war in Lied, Dichtung und Schriftleitung, in dre sich Sprecher und Sprecherinnen mit bem Geistlichen teilten, eine eindrucksvolle Wanderung durch die Karwoche. Die Höhepunkte waren unterstrichen durch drei Chöre der Gesangsabtelluna, die sich in der letzten Zeit vergrößert und nach der Konfirmation durch den Zuwachs aus der Hungfchar eine weitere Verstärkung erfahren wird. * Klein-Linden, 28. März. Gin Veteran von 1870/7 1, der Weichensteller erster Klasse Philipp Weigel, wurde unter starker Beteiligung heute zur letzten Ruhe gebettet. Am Grabe legte der Eisenbahnberufsverein einen Kran; nieder. Einen warmen Rachruf widmete der Vorsitzende des Kriegervereins, Friedrich Schimmel, dem Berstorbenen, war dieser doch Gründer und Ehrenmitglied des Vereins. Die Spielleute des Gießener Bataillons nahmen an der Beerdigung teil. Weigel konnte noch vor kurzem seine goldene Hochzeit feiern. " Drohen-Buseck, 30. März. Troy der falten Tage und Nächte steht im Garten eines hiesigen Einwohners ein K l r s ch b a u m bereits im Blütenschmuck. Kreis Schotten. * Schotten, 29. März. Der Kreis- Obst - und Gartenbauveretn beschloß in seiner jüngsten Mitgliederversammlung, im Oktober in Alfa Tritt Stornfels und in Lau- bach mit Wetterfeld OrtSobst- und Ge- müseschauen zu veranstalten. Beim Kreis soll die Errichtung einer Baumschule bei Schotten beantragt werden. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 2 Mark und für Gemeinden und Verwaltungen auf 10 Mk. festgesetzt. Kreis Lauterbach. rr. S ch l i tz, 29. März. Der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe der D e u t s ch e n D o^ks- p a r t e i hat einsttmmig eine Entschließung angenommen, welche die Politik D r. Stresemanns durchaus billigt und das Vorgehen der Nationalliberalen Vereinigung aufs schärfste verurteilt. — Der Gemeinderat hat In seiner letzten Sitzung die Anschaffung einer Feuersirene und die Einführung einer Getränke st euer beschlossen. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 29. März. Dor Eintritt In die Tagesordnung der gestrigen Stadtver - ordne t.ensitzung gedachte der Beigeordnete Leuchtgens In warmen Worten der großzügigen Tätigkeit der Winterhilfe, welche es ermöglicht hat, während des Winters an 485 Personen warmes Mittagesten unentgeltlich zu verabfolgen; diese wird am Montag dea Betrieb einstellen. Auch der Bürgermeister schließt sich den Worten an. — Eine Anzahl Baugesuche, darunter der Reubau eines zweistöckigen Wohnhauses in Fauerbach, werden genehmigt. — Die neue Gebuhrenord""n-' 'n Beerdigungen wird mit 15 gefen 8 Stimme t ^eneh nigt, die Kosten für Einäsch.rangen mieten _ auf 30 Goldmark für Einheimische und 50 Gin. für Auswärtige .festgesetzt, für Mint^rbemlttelte soll auf besonderen Antrag eine Ermäßigung auf 20 Gm. eintreten. — Die als Sportplatz benutzte städtische Seewiese soll drainiert werden, die betreffenden Vereine sollen sich an den Kosten beteiligen. Die Stadt soll die benötigten Schlacken stellen. Da aber die benötigte Waste etwa 300 Kubikmeter betragen soll und die Stadt über einen derartigen Vorrat z. 3t nicht verfügt, soll die Sache noch einmal zurückgestellt werden. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 29. März. Die Stadtver- ordneten-Dersammlung genehmigte den städtischen Haushaltsplan. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 693 439 Mk. ab. Heffen-Naffau. fpd. F r a n k f u r t a. M., 3m Palmengarten kam es am Freitag abend während einer Wahlversammlung des Deutschvölkischen Blocks zu stürmischen AuSeinander- setzung.-en mit sozialistischen und kommunistischen Gegnern, die schließlich In Tätlichkeiten auSarteten. Hierbei wurden einige Personen verletzt. Erst die Polizei konnte die Ruhe wieder herstellen. Auf der Straße setzte man jedoch die Streitigkeiten fort, wobei es am Opernplatz und an der Bockenheimer Warte zu erheblichen Schlägereien kam, die ebenfalls erst durch die Polizei beendet werden mußten. — Der 21jährige I o s e f W e i n i g aus Gersfeld hat hier und in der Amgebung viele Firmen dadurch um erhebliche Summen geschädigt, daß er sich den Geschäftes gegenüber als Beauftragter seines Vaters ausgab und auf dessen Namen große Bestellungen machte, die auch meistens erledigt wurden. Die Waren hat der Schwindler dann verkauft und das erlöste Geld verpraßt. Turnen, Sport und Spiel Turngau Hessen. -v- Gießen 31. März. 21m Sonntag waren die Turner des 2. Dezi rks (Gießen-Wetzlar) hier zusarnmengekommen, um in der Turnhalle des Turnvereins 1846 (Steinstraße) ihre Kraft und Gewandtheit an den Geräten (Reck, Darren und Pferd) im Wetttampf zu erproben. Mtt der Einrichtung dieser Dezirks-Gerätewett- turnen hat die Gauleitung ihren sechs De- zirken eine wertvolle Anregung und besondere Gelegenheit zur ersten Heranbildung guter Geräteturner an die Hand gegeben. Unter Leitung von Vezirkstumwart Paul Schüler (Wetzlar) begann der Wettkampf um 9 Uhr: die Leistungen zeigten, daß die Winter- arbeit In den Turnsälen mit Ernst betrieben werden war. Es beteiligten sich 146 Turner, insbesondere Zugendturner und Schüter, da ja die sortgeschrlttenen (Gerateturner ihren Wettbewerb In den Gaukärnpsen haben. 'Bei der Prelsoerin- lung gegen 2 Uhr richtete Bezirlsvertteter Universitäts-Oberinspektor Erle (Gießen) kernige Worte an die Turner und ermahnte sie zur treten Weiterarbeit für die große Sache. 98 Sieger gingen aus dem Wetturnen hervor: Aktive Turüer. 1. ©leg Balth. Amend, 2. Hch. Becker, Tv. Treis a. d. Lda., 3. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen. — Ferner: Mtv. Gießen 6. Gg. Hofmann und 15. Hans Stecker: Tv. 1846 9. Arthur Kreiling und 16. Gg. Schäfer: Tv. Großen-Linden 17. Hch. Keßler. Iugendober stufe: 1. Friede. Falsch, Tv. Wetzlar: 2. Hch. Vetter und 3. Hans Wilker, Tv. 1846 Gießen. — Ferner: Tv. Heuchelheim 4. Franz Reuschling und 12 Ernst Reuschling: Tv. 1846 Gießen 5. Hch. Wulkau und 10. Rudolf Paul: Tv. Großen-Linden 8. Karl Weiß und 12. Albert Keßler. Zugendunterstufe: 1. Werner Rohl und 2. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen, 2. Karl Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 3. Richard Seht. Tv. Großen-Linden. Ferner: Tv. Großen-Linden 4. Hch. Mehl und 12. Ernst Seht: Tv. 1846 Gießen 4. Wilh. Reih, 6. Lorenz Schlamp, 8. Otto Hemstadt, 11. Ludw. Schwinn: Mtv. Gießen 6. Heinz Meyer und 7. Rudolf Spuck: Tv. Heuchelheim 13. Ernst Sack. Schüler: 1. Karl Schick, Mtv. Gießen, Hch Hettche und 3. Konrad Schaaf, Tv. Treis a. b Lda.: 2. Albert Reeh, Tv. Krofdorf: 3. Fritz Arnold, Tv. 1846 Gießen und Hans Steinmüller. Tv. Heuchelheim — Ferner: Tv. 1846 Gießen 4. Walter Krömmelbein, 7. Karl Marx, 10. Otte Günther, 13. Wilh. Gisenbrandt. 16. Karl Schwinn und Heini Schmieder, 17. Philipp Schlamp, 19. Fritz Werner, 23. Wilh. Loh: Tv. Grohen-Linder 7. Karl 3ung, 8. Walter Schvcge, 10. Walter Hunter, 13. Albert Leun, 17. Karl Weinandt, 23. Albert Volk und Hch Größer: Mtv. Gießen 13. Heinr. Mosbach, 14. Hch. Wagner, 15. Otto Lindenstruth, 22. Erich Ploch, 23. Rudolf Eifert: Tv. Heuchelheim 22. Walter Schimmel. Deutscher Dadreunsieg in Paris. Paris, 31. März. (WD.) 3m 50 Kilo* meter-Rennen hinter Motorrädern die gestern auf dem Rennplatz Buffalo bet Partt ftattfanben, siegte als 1. der Deutsche Karl Wittig, 2. wurde der Belgier D a n b e r - stuhft, 3. der Amerikaner Chapman mit 9 Runden hinter Wittig, 4. der Franzose Pari s o t mit 18 Runden hinter Wittig. Die 50 Kilometer legte Wittig in 43 Min. 25 Sek. zurück Wettervoraussage Zeitweise aufklärend. Rächtfrvstgefahr, trocken. frfotee beweisen, daß eine Reihe von Pflanzen Stolle enthalten, die von ganz wunderbarer Wirkung aul das Haar sind. Einige regen die Blutzirkulation an, andere begünstigen die Ernährung und das Wachstum der Haare. Im JAVOL sind alle diese, den Haarboden krältigende Pllanzenstoöe vereinigt Darum pflege Dein Haar nur mit J a V O I ! Ueberall zu haben. 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März 1924, Bürgermeisterei Beuern. 2432D 3. D.: Arnold.__________ Der Voranschlag der Gemeinde Langsdorf für 1924 liegt von Dienstag den 1. April d. IS. ab eine Woche dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Ein» sicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich erhoben werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizuttagen haben. Langsdorf, den 31. März 1924. Bürgermeisterei Langsdorf. 2431D Dender. Auskunft u. Vorverkauf von Meßausweisen im Zigarrenhaus S. Loeb, Lieven, Bahnhofstraße 52a, Fernruf 2196. . . MW in Wer vertauscht ein im Mittelpunkt der Stadt gelegenes älteres HAUS mit 4—5 Zimmern, gegen ein noch neues im Liebigstraßen • Viertel, enthaltend 4x3 Zimmer, öchr. An« geböte u. 018731 an "den G. Anz. 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Aerzll. empfohlen Zu haben bei: Faul Scholz Reformhaus I «reuzp ah 5. \ W,D Ch i r». nr. 77 Zweites Blatt Der Sektsoldat. Man schreibt mir aus dem besetzten Gebiet am Rhein: Wie der deutsche Rundfunk (den man hier in der französischen „Gefangenschaft" trotz strengsten Verbotes ja doch abhört!) soeben meldete, enthält der vorläufige Reichshaushaltsplan für 1924 einen Posten: „Versailler Vertrag". Cr lautet: Ausgabe 640 Millionen Goldmark. Darunter allein die Defa tz u n g s k o st e n : 360 Millionen Mark. Dies also die finanztechnische Folge des De-- schlusseS. den die Berliner Regierung faßte, um Deutschlands guten Willen zu bekunden: Die Desatzungskosten werden weiter bezahlt! Gleichzeitig, also noch nicht einmal durch die Schrcckenszahlen deS neuen deutschen Budgets beeinflußt, übt ein Teil der englischen P r e s s e die heftigste Kritik an der Verschwendung des deutschen Rationalvermögens für die militärische Fremdbesatzung an Rhein und Ruhr. Die Alliierten hätten davon gar nichts, und Deutschland werde so dauernd unfähig gemacht, überhaupt noch Reparationen zu bezahlen. Offenbar haben auch die Engländer die Eingabe gelesen, die das Direktorium der R e n t e n b a n k an die Reichsregierung richtete und worin eö für unmöglich erklärt wurde, die Rentenmark vor einer Wiederholung der Onflation und vor Entwertung zu schützen, wenn die Zahlungen für die 'Besatzungskosten Im bisherigen Ausmaß fortgesetzt würden. Run, die Zahlungen werden fortgesetzt. Die Ansprüche der französischen und belgischen Besatzung, statt abgebaut und vermindert zu werden, wachsen ins Ungeheuerliche. Wir können mit neuen Angaben dienen: Monsieur T i r a r d, der Vorsitzende der Rhein» landkoinmlssion, hat sich nicht mit der Wohnung des Oberprälidenten in Koblenz begnügt. Cr verfügt jetzt über 17 Wohn-, Rauch-, Speisezimmer und Salons, sowie 22 Schlafzimmer nebst reichlichstem Zubehör an Wirt- fchastsräumen. Außerdem muß für ihn Im ersten Hob s Wiesbadens ständig e.n Absteigequartier bereit gehalten werden, bestehend auö einem Appartement von vier Zimmern mit Daderaum. Man rechne nach, was das allein den beutfeßen Steuerzahler kostet? Llnd wie der Herr, so das Gescherr! Der Stellvertreter des Vorsitzenden der Rhein- landkommission bewohnt eine der vornehmsten Koblenzer Villen mit 19 Zimmern und zahlreichen Rebengelassen. Alles mußte funkelnagelneu eingerichtet werden. Richt bescheidener sind die Bedürfnisse der Delegierten der französischen Zone. Der 'Dezirküdelegierte hat Anspruch auf sieben Herrschaftszimmer mit Salon und Speisesaal nebst zwei Dienstbotenzimmern. Der Kreisdelegierte verlangt fünf Zimmer. Dir Adjutanten der Besahungs- gewaltigen beanspruchen für sich allein mindestens drei Zimmer nebst Dienstbotenräumen. Auch die zweiten Adjutanten sind höchst komfortabel untergebracht. Zufrieden ist keiner. 2n P i r m a s e n s paßte einem Kreisdelcgier- ten die für seinen Vorgänger luxuriös eingerichtete Wohnung in einem eigens für diesen Zweck angekauften Hotel nicht. Cr suchte sich die schönste Villa der Stadt heraus, b e - schlagnahmte sie und setzte deren Bewoh- ner innerhalb 48 Stunden a u f d i e S t r a ß e. Statt fünf Zimmer bewohnt er nun ein ganzes Haus mit neun HerrfchaftSzimmern. ZnGer - merSheim bewohnt ein Delegierter, ein Junggeselle, ein dreistöckiges, nach hinten dop- pelflügeligeS Wohnhaus mit Garage und Stallungen. Viele Franzosen haben Doppel- wohnungen, von den Immer üppiger werdenden „Geschäftsräumen" gar nicht zu reden. Gehen wir herunter bis auf den einfachen Besatzungssoldaten. Er kann nach einem Reglement der Rheinlandkommission verlangen: Duhescssel, Buffet, Kreteazti'ch. Ausziehtisch mit Teppich, ein kleines rundes Tischchen, Salatservice, Obstschale, zwei RadieSschus eln, je eine Gemüse^, Salat-, Saucen und Kompot- Me grohe Landgräfln. Zum 1 50. Todestage Karolincns von Hessen-Darmstadt am 3 0. März. Von Ernst Edgar Reimördes. (Rachdrock verboten.! Don den hervorragendsten G.-istern ihrer Zeit bewundert, geliebt und verehrt vo r ihren Landes- kindern, gehört Karoline von Hes er-Darmstadt zu den wenigen Fürstinnen, de.xn Gedächtnis heute noch lebt, obwohl bereits 150 Jahre feit ihrem Tode vergangen sind. _ Kein Geringerer als Friedrich der Dro"re würdigte sie seiner Freundschaft, cr rannte sie „d'.e Zierde und die Dewunleung des Zahrhctndeets" und errüchtete ihr einen Gedenkstein, aus den er die Worte setzte: „Fomina sexu, ingenio viri“ (Weib dem Geschlecht nach, Mann durch Geilt). W^-'n ch, der ebenso wie Goethe urvö Herder, wiederholt als Gast an ihrem H^,e woilre, m-o uj.i xu* rrline, sie müsse, wenn er einen Augenblick Herr der Schicksale wäre, die Königin vvt Europa teeren, und der Altmeister von Weimar gab ihr zuerst ten ehrenden Beinamen .Die große Landgräfin", unter dem sie in die üln terollchtelt cln- gegangen Es müssen h'son e:c Gaben des Geistes uru> des Herzens gewesen fein, die diese Sim auszcich.eten, die nicht einmal selbst Herrscherin, sondern nur Gattin eines klenm Fürsten war. Vielleicht wäre sie als Gewählt i eines b*'- deiitend n Her sch«'S irxm'gec hervvrgetreten und hätte nicht solche Beachtung gciu u en. Jl;: Gatte aber besaß kci -esw.'gs hervorragende Charakter- eigenschasten, seine größte Tugen) war sein echt d«itsches Wesen, der alles Welsche tief verachtete. — Karoline Henriette Christiane wurde 1721 als Tcchter des Pfalzgrafen Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld geboren. Aach dem frühen Tode ih es Vaters siedelte sie nett ihrer Mutier nach Bergzabern über, wo sie der Erbprinzen Ludwig von Hessen-'Z^i'mftadt fernen lernte. Der damals als Verwalter der zu Hessen gehörerrden Grafschaft Hanau-Lichtenberg im nahen BuchsSiebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) schüssel, sechs gewöhnliche Gläser, sechs gute Weingläser, sechs S e k t g l ä s e r, sechs Likörgläser, eine runde Schüssel, zwei Karaffen mit Kriftalluntersätzen usw. Da aus Scliglä- sern gewöhnlich nicht Bier, sondern Champagner getrunken zu werden Pflegt, so heißt das, daß der französische Soldat über dieses kostspielige Getränk zu verfügen In der Lage ist und ein solch luxuriöses Dasein für jene Gelder führen kann, d i e d a 6 d e u i s ch e Reich S- budgetaufzubringen hat. Zn einer Zeit also, In der der deutsche Beamte, der Zntellektuelle, der Mittelftändler, der Arbeiter trotz der Rcnlenmark sich vielfach kaum eine Fleischmahlzelt wöchentlich leistet, sitzt der Desatzungssoldat an Rhein und Ruhr auf seinem Ruhesessel, das „kleine runde Tischchen" vor sich, und schlürft mit seinen Kameraden Sekt, für den die Gläser zwangsweise zur Verfügung gestellt werden müssen. Wie lange noch sollen wir das bezahlen? Wie lange müssen wir die Blutegel dulden? Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 23. März 1924. (Schluß des Berichts.) Extrahieb im Stadtwald Die Sondersällung von 2000 Festmeter im Stadtwald wird einstimmig genehmigt, nachdem Sladtv. Prof. Dr. Borgmann dargelegt, daß es sich dabei nicht um einen Eingriff in die Substanz des WaldeS, sondern lediglich um die durchaus pflegliche und wirtschaftliche Nutzbarmachung von Waldüberschuß handelt, die sogar dem besseren Wachstum des Waldes zustatten toipmen wird. Freie Lernmittel. Für die Gewährung freier Lernmittel an der Volks- und Fortbildungsschule für Kinder unbemittelter Gemeindeeinwohner im Schuljahr 1921 wird die Einkommensgrenze bei einem volts- oder sortbildungsschulpflichtigen Kinde aus jährlich 700 Goldmark festgesetzt. Für jedes weitere Kind unter 18 Zähren wird die Einlommens- grenze um 100 Mark erhöht. Kinder mit eigenem Einkommen über 50 Mk. jährlich bLi ,en bei der Kinderzahl unberücksichtigt. Zn einzelnen, beson- ders bedürftigen Fällen sind die Rektoren ermächtigt, nach eingehender Prüfung auch über die festg setzte Einkommensgrenze freie Lernmittel zu bewilligen. Für die Beschaffung der Lernmittel soll im Voranschlag für 1924 ein Kredrt von 4900 Mk. bereitgestellt werden. Rotstandsarbeiten. Von der Bildung einer Kommission zur Bekämpfung der A.b itslosigkeit wird abgesehen, da solche Angelegenheiten durch die Baudeputation bereits behandelt werden. Die Beschlußsassung Über die Bewilligung kleiner Rotstandsarbeiten, hinsichtlich deren die Stadt nicht Unternehmerin ist. wird der Deputation für den Arbeitsnachweis übertragen. Te.fSiebenen Vereinen und Organisatibnen wird für Arbeiten, die von Erwerbslosen auS- gesührt werden, im Hinblick auf die Gemeinnützigkeit der Unternehmungen die Förderung aus den Mitteln der ErwerbSlosenfürsorge gewährt. Zum V e b a u u n g s p 1 a n an der Licher Straße. wird beschlossen, die Straßenbreite zwischen der Oberhess. Bahn und der Zugang Zstraße zur Kaserne von 30 auf 22,50 Mrier herabzusetzen. Kreditbewilligungen. Der für die Kühlwasserversorgung des Schlachthofs erforderliche Äre?it von 6000 CM nnarf wird genehmigt, ebenso e t Kie- d-it von 5410 Goldinark für die Znstzindse'ung Der Kühlmaschine nanlage imSchlacht- hof. Für d'.e Ausführung b;r Kanäle an dem Anschlußgl.13 Margiretenhütte i 11 d?r Licher Straße w.-rdrn 7800 M'. b.-ret g fleht. (SrtocrbSl s: feilen diese A b i en a iffül) en. Zur Herstellung einer Zeniralschaltung fürdieS' raßenbeleuchtung w.-rlen 6000 Mark bew Illg. Die Auoteechslurg des Elek'r:-Motors im Gaswerk g gen c n - Dampfmasch ne und der hierzu crforberiU’c Kredi vo i 20?0 Goldmark auS Betriebsmitteln werden genehmigt. we'l.-r residierte und hstusg auf Besuch herüber- kam. Die lieureii-cifa, kluge, sittlich hochstehende P inzessia bitte es ihm angetan, und da auch sie ih.n ihre Reigung sch.nrkte, tim es zur Verlobung und im August 1741 zur Vennählu vg. — Karoll :e halte keinen leichten Stand b.n ihrem Gatten, da feine Liodhibeivi für Soldaten sich zur Schwäche auswuchs und mit der Zeit alle anderen Interessen in ih n ertötete. — Rach >em Dabprinz Ludwig den ersten schlesischen Kr.eg mitgemacht hotte, kam er als Regimentskvmmanl'eur nach P.enzüru. wrhin ihm feite Gemahlin nur im- e n folgte. Die Trostlosigkest des Aufenthalts ht dem f.'einen uckermärktfch^i Städtchen, die Liunen» h stigkeit ih.es Ge:wahls und der QUangcI an Verkehr mit gleichgestimmte i Seelen laste en schwer aus ihr. Ölber mutig ertrug sie alle Wüer- teärtigfeite i und suchte cm Dri'.ft'wvchle^ mit ih en Verwan''/tm und mit bedeuten en Persönlich-keitcn einen Ausgleich (Th e zahlieichen, stilistisch bc- merle -.sw rten D leie, voi b.itett ein g ost r Teil im hessisck-ei Staatsarchiv au «"».'wahrt wird g chan Kunde von ten seltene i Ehtraktercigenschas ■ n dieser Frau, ton ih am schar,en Versta ch.-, ihrem Seist und ihrer vog-m Pl^rndas'.e. — Seit 1748 lebte Karol ine mit ihrem Gnt'ei in PirmasenS. Hier tr.e'i dieser seine S.l>tte-.ilie habrrci ärger alS je zuvor. Die übelsten Snstje'te a.is aller Herren Länder wurden -.mgtwordeu und ein p?- drillt, und inmitten dieser roh.n Soldateska entwickelte sich ixtS Leben deS erbpriatzlichen H, ses. Wie sehr die f^einfühlerde, geistvolle Prinzessin in dieser Umgebung Litt, lässt sich denken. Es bedurfte all ihres Taktes und iher Klugheit, um das Ansehen ihres Hauses einigermaßen zu wahren und die Schroffheiten ißreS Ge.nahlZ zu miloern. Di der grösste Teil des erbpriirzlichen Einkommens für die S Idakenwirtschaf t drauf ging, nruß-te die Hofhaltung äußerst sparsam eingerichtet werden. Auch hier bewies Karoline ihre Tüchtigkeit und Umsicht, ihr allein war es zu verdanken, daß die Finan^n nicht völlig zerrüttet wurden. Roch schwerere Pflichten erwuchsen ihr, nachdem ihr Gemahl 1768 als Ludwig IX. den Für die Unterkellerung deS TorhauseS R e u st a d t 66 luerben 1000 Alt. ausgeworfen. Kleinere Vorlagen. Mit Wirkung vorn 1. Oktober 1923 wird die gesamte Straßenbeleuchtungsanlage außerhalb des Elektrizitätswerkes aus dessen Eigentum ausgeschieden und In den Besitz der Stadtverwaltung übernommen. Als Absinduirg hierfür toerben dem Elektrizitätswerk 10000 Gm. gutgebracht. Die durch Ueberlafsung des Stadttheaters zur Veranstaltung eines Rhein - undPfalz- t a g e s entstandenen Kostet! in Höhe von 400 Goldmark werden auf die Stadtkasse übernommen. Der Jahresbeitrag zur Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen wird für das Geschäftsjahr 1923 auf 50 Gm. und für das Geschäftsjahr 1924 auf 100 Gm. festgesetzt. Die Gebührenordnung für die Baupolizeibeant ten wird entsprechend den Anforderungen des Ministeriunrs abgeänbert (es handelt sich dabei um gewisse Gebührenermächtigungen) und gilt damit als genehmigt. Einer Polizeiverordnung über die Benutzung der Schornsteine für Zentralheizung wird zugestimmt. Mit der Vergebung verschiedener Arbeiten und Lieferungen un.> mit cl ter Reihe von Daugesu che n edlärl sich das Haus ein- verstanden. Gin Antrag zur Wohnungsbaufrage. Die Freie Q3erci ug-mg bean v.igt, dl: Stadt möge die pdvate Biulä ig eit dadur h zu beleben versuchen, daß sie Ihr preiswer.e Bauplätze zur Verfügung stelle. Zur Begründung wird angeführt, Die Baulust Li in wu er Kr l en der Bevölkerung sehr stark, das städt. Bauland sei aber zu teuer. Die Stadt möge nach dieser Richtung hin möglichst weit en gtgenlomm n. Dü geimeister Kreuz len crHär., bieje Frage werde schon in allernächster Zeit behandelt werden. Sod)fd)ulnad)nd)ten> Preisaufgaben der Universität Gießen für daS Jahr 1924/25. Für das Hahr 1924/25 werden folgende Preisaufgaben gestellt: Von der theologischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Der Begriff und die Bedeutung des Glaubens bei Zwingli. 2. Für den Leydhecker-Preis: Die Wisfenschast der praktischen Theologie In der geschichtlichen Entwicklung ihrer Stellung zur Mission. Von der juristischen Fakultät: Die Reichsexekution nach der Wein>.irer Reicchsver- sassung, in;besondere an der Pelchsexekutlon gegen Sachsen erklärt. Von d.r medizinischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Welche Bed-eutung hat die Alchuzcnölähmung bei Mittelohrentzündung? 2. Für den Balserpreis: Zodausscheidung nach Eingabe von Zodopyrin. Von der veterinärmedizinischen Fakultät: Die neueren Zmmunisierungsversahren gegen Geflügeldiphtherie und Geflügelpocken sind auf ihre Wirksamkeit näher zu prüfen. Von der philofopylfchen Fakultät: 1. Aus der alten Geschichte: Die römische Kalser- geschichte im Lactantlus, De mortibus persecu- toru n. 2. AuS der neueren Geschichte: Rapolcons Heirat mit Marie Louise. 3. Aus der Kunst- g.fchichte: Die Miniaturenhandschnflen der ©r?ßencr Universitätsbibliothek. Die zehn toert- t>ollen Bi'd.-r^aer-schrislen der ®iei;encr ilnitxrft- tätsblbliothek aus dem 11. bis zum 15. 3aßn> hundert sollen kunstgeschlchtlich beschrieben, untersucht und ernigev'chiet werden. 4. Als der Ratio- ra o ono iU- er uchu e . urWi tchast'pvU.ik in Hessen-Darmstadt im Zeitalter des Merkantilismus. 5. Aus der Physik: Der Emerganz- wlnkel einer Erdbebenwelle ist für den einfachsten Fall einer auf eine ebene Grenzfläche elnfallenden Planwelle auf theoretischem Wege abzuleiten und daS Ergebnis durchzusprechen. Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens In einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Uniücrfttät Gießen immatrikuliert gewesen fein. Hede Te- weckbungsschrifl darf nur einen Verfasser haben. Die Bewerdungsschrift ist in der Sprache abzufassen, In der die Aufgabe gestellt ist. Aus dem Titel ist ein Kennwort anzubringen. Die Dewer- bungsfchrift ist vor dem 1. Apinl 1925 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem hessischen Thron bestiegen hatte. Da dieser keine Lust verspürte, sich von Pirmaseus und fein'u geliebten S.-ldaten zu trennen und feine landes- herrlichen, Pflichten arg vernachlässigte, siedelte Karoline mit ih.e-n 7 Kindern nach Darmstadt über, um an seiner Stelle die Lasten der Regierung auf fich zu nehmen. Sie griff mit festen Händen zu unb vermöge ihrer cifenxcn Wlllens- k.ast, ihres schrrse.i Blickes, ihrer hohen Intelligenz gelang es ihr, alle Schwierigkeiten zu über» wiiü>en. Die Landgrüsin sorgte für die Ter- besse.ung ber Sintin^en und des Unterrichts, förderte Ltndustrle und Landwirtschaft und tat unendlich viel zur Hal'ung der stark gesunkenen Moral des Volkes. Bei der Besetzung der Staatsäm'er zeigte sie einen sicheren Blick, für das A nt des ersten Ministers gmxnrn sie In der PeZoa Mosers eine tüchtige Kraft. Ebenso gelang eS ihr, für die Landesunlversität die ge-ipd.ten Kräfte Ceran- zu ,iahen. Ihren Kindern ließ sie eine vortreffliche C z'e mrg zut ll werden, um die Kosten best oei en zu fö n»n, opferte sie sozar einen Teil ihres Ge- schme'des. Obwohl ihr nur äußerst geringe Mittel zur Q)e fi'gung standen, brachte sie es doch fertig, gel gentlich iwch Geld für Ideale Zwecke zu erübrige x, so gab sie auf Ihre Kosten die Elegien u ö Oden Kl' pstocks h r ius! — Da dir Töchter ie." Lamdg asm von H ssen als die bester^ogen-n ke ltschen F rstentöchter galten, fehlte es t')nei nicht an Be o -rberm. Frie neich der Gro> wählte für feinen Reffen und Thronerben, den späte en König F-r edlstch Wilhelm 11., eine der Töchter seiner Frown-dru als Gemahlin aus, wobei er auS>rücklich betonte, baß dabei einest\ un) allein die vortr sflichen GigAlschafte:^ drr Mut ec ausschlaggebend gewesen seien. Auch Katlea ina II. von Rußland wünschte alS Gemahlin für ihren Sohn Paul eine der landgr-äslichen Töchter. Karo- li e war mit dieser Verbindung Im Anfang keineswegs einverstanden, denn die leichte Moral der Kaiserin flößte ihr Bedenken ein. Sie beschloß deshalb, bevor sie den ..ehrenvollen Antrag" annahm, persönlich die Verhältnisse am russischLn Montag, 31. März 1924 Kennwort der Arbeit versehenen Briesumschlag-, der die Ausgabe des Verfassers uub feiner Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu rießten. Beim Hahressest der Universität am l.Zuli 1925 verliest der Rektor die Urteile und verkündigt die Ramen der preisgekrönten Bewerber. Gicftcncr Jugendgericht. 3n der Sitzung deS ZugendgerstchteS vvM 28. März, In der als Zug enhschöf f en Frau Kar o- line Pfeiff und Karl Voigt, beide von Wieseck, mitwirtten, standen drei Fälle zur Verhandlung. Der bereits fünfmal wegen Diebstahls vorbestrafte 17 Jahre alte arbeitsscheue Za»ngszög- tl:g Ludwig F. von Gießen ist vssensichtlich unverbesserlich. Am 13. Oktober v Z fanden auf dem Marktplatz zu Gießen aus Anlaß der Steuerung Mas euanfammlungcn statt. Während dieser Z-eit drang F. mit drei anderen In ein Bäcker- geschäft In der Löwen iassr ein und erzwang dort von den b .'tagten D ickersl-aut^n, ohne an Bezahlung zu de cken, die Hergabr mehrerer Laibe Brok ©eine Angabe, er habe sie noch am selben Tage bezahlt, ist unwahr. Don der Löweirgasse zogen die vier Leute nach der Bahnhofstraße, in der sie auf einen Zug fließen, der unter der Führung ite3 Zeigen Br. stand. Drv Atgeklagte L. F. rief Ex»r Menge zu, „sie solle zu Bäcker K. ziehen, dort gebe es Brot". Zeuge Br. widersetzte sich ?tem Ansinnen des F. und wurde daraufhin zu Boden gew.-rfvn. Das Gericht erblickte In dem Tor'ehen des F. In der Bäckerei eine Ervresfung im 6tmtc des § 253 St G.D und in feinen an die Menge gerichteten Wo ten die Aufforlterung ziir Begehung einer strafbaeen Handlung Im Sinne der §§ 110 und 111 St G B Da er zuletzt Irenen Diebstahls Vvn der Strafkammer Gießen nstt sechs Monaten Gefängnis bestraft worden ist, die er im Sommer 1923 verbüßt hatte, wurde gc-en ihn nunmehr auf eine Gesamtgefängnis st r a s e von sieben Monaten e fannt. W-egen Fluchtverdachts wurde auch seine sofortige Derl-aftung angeordnri. Can B.ickerl'.heling von Gießen wurde wegen zweier einfachen und eines schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 6Wochen ix-rurtrilt. Gr befindet sich feit längerer Zelt auf der schiefen Ebene, Sein Vater brachte ihn deshalb bei einem Bäcker in Kolbe unter. Dort stahl er au verschiedenen Zeiten einem Fahrburschen zwei Trauringe unO einem Mitarbeiter verschiede KleiduitgZ- und Ausrüstung6ge;;enstände. In Gießen entwendete er aus einer Bauhütte einen Schraubenschlüssel u. a m. Rach der Erklärung seines Vaters wird die Fürsorge-erziehung das einzige Mittel fein, um den Zungen vor baldigen re-i n Straftaten zu bewahren. Dementsprechend h'elt das Gericht auch Grzlehungsmaßregeln für erforderlich und überließ bereu Aewrduung dem Dornrundschaftsrichter. Aus der Strafhaft in Butzbach wird ein im txrgangcnrn Zahne von der hiesigen Strafkammer in ebne Gefänginlsstrase von acht Monaten verurteilter junger Meirich vorgeführt, um sich noch mögen mehrerer Diebstähle und Feldrnv Wendungen zu verantworten. Er ist in vollem Umfange geständig und scheint nunmehr unter der Einwirkung der Strafe seine Fehltritte zu bereuen. Sein Verfüh^r und Mittäter ist der *ut Zett flüchtige, übel beleumundete K. H. von hter, £c;en welchen nach feiner Verhaftung verhandelt ererben tri.b. Urteil: G e f a in t z u f a tz st r a te r«on sechs Wochen Gefängnis und ,zeyv Tagen Hast. Die Fürsorgeel-ziel/ang des Der» ur.cilten ist schon früher angevrbnet worden. Vermischtes. Schweres LlnglLck beim Mctorrad-Elratzen« rennen. Köln, 31. März. (WB.) Bei dem gefter» vom Kölner Motorradkluib 1923 teranftaltetcn Land st raßen-Renncn f üer Motorräder auf der Landstraße Köln—Godorf ereignete sich infolge les großen Andranges einschwereS 11 n g l ü d. Der Dorjitzende des Klubs, Schmitt- Köln, der das Starteramt ausübte, wurde. alS er ein Auto aufhllten wollte, von rückwärts von dem Kölner Fahrer Berntgens mit ei tern schwere.! Motorrad in rasender Fahrt angefahren. Si-mitt tourte in weitem Bogen fortgeschleudert und blieb t o t liegen. Berntgens erlitt einen schweren Schädelbruch, während fünf Zuschauer leicht verletzt wurden. Schon vor Beginn des Fahren- Hose keim ew,ulernen. Im Mai 1773 verließ sie mit drei Töchtern Darmstadt. Unterwegs fand sie überall eine ebenso glänzende wie herzliche Aufnahme: der Ruf von ihren seltenen Tugenden, ihrer Klugheit und Tüchtigkeit war ihr vorausgeeilt. Besond.rs freundlich gestaltete sich der Empfang in Potsdam am Hofe Friedrichs des Großen^ bei dem sie mehrere Tage veriveille. 3n Travemünde lag n drei russische Kriegsschiffe bereit, die sie nach Püersburg bringen sollten. Bevor sie den heimatlichen Boden verließ, schrieb fi« ten russ'schen Bevollmächtigtem, sie würde liebet unver richteter Sache be mtebien, ehe sie das Glück einer ihrer Töchter gewissenlos opfere. Die trüben Crfah ungen Ihrer eigenen Ehe hntten sie mißtrauisch gemacht. Am russischen Hofe naßm man die Landgräfnl s.-hr freundlich auf, und da fle von den V rhältnissen cim.m günstigen Eindruck empfing, willigte sie in die Verbindung ihrer Trchter Wilhrimine mit dem Großfürsten Paul ein. — Rach der Berrnähsung am 10. Oktober 1773 kehrte Karoline reich lesche.rkt mit ihren zwei Töchtern nach Darmstadt zurück. Die beschwerlickX! Reife, der Aufenthrlt in Petersburg mit feinen zahlreichen ss e t.'ichkeiten und den nrancherlei Aufregungen hatte die Gesundheit der Latzdgräsln stark geschwächt, sie erkrankte schwer, und da fle ih' Ende hera.nrahen fühlte, traf sie mit Ruhe und äleberlegung ihre les'.ten Verfügungen. Aklk welcher Liebe sie trotz aller Enttäuschungen an ih em Gemahl hing, der meist fern von ihr lebte, geht aus einem Brief hervor, den fle noch an ih em Sterbetage an ihn schrien und Hessen Schluß fohltet: „QUein Herz gehört Fhten." — Ruhig und gefaßt schied Karoline in Gegenwart ihrer hochbetagten Mutter und ihrer Kinder am 30. März 1774 Im Alter von nur 53 Zähren aus dem Leben, aufrichtig betrauert von ihrem ganzen Volk, das sie stets geehrt und geliebt hatte. Dem Wunsche der Gntschlasenen gemäß wurde ihre sterbliche Hülle oh re jeden Prunk in einer Grotte deS Englischen Gartens zu Darmstadt bei- gesetzt. war ein Saurer tD»Tfd> r»erl«gt aootsex Die Qteitnen wurden abgebrochen. Siu Skandal in der Wiener Gesellschaft. -Dien. 29. März. (WTB.) Die Blätter berichten als auffcbcne.Tegende« Ereignis In der» Wiener Ee.ellfchaft über dis D e r d a s t u n a der Frau des Präsidenten der Landwirlschajtsftelle, Gestmann, unter dem Verdacht, die Der» glftung ihres Mannes tu ch Deimischu g von Arsenik zum Kaffee versucht zu hoben. iGehmann ist der Sohn des verstorbenen früheren .Ministers und Führers der Chritilich-Sozialen 'Partei, Albert Germann. Seine 3rau ist eine 'geborene Doronin Puttkammer. ©;ä er wurde auch © eb mann selbst verhaftet, weil gegen ihn der Verdacht vorliegt, das Gift in den Kaffee getan zu hoben. Lachende Erben. Bonbon, 29. Mörz. 3n einem kleinen Zimmerchen in Paignton bei Plymouth, dem einzigen Zimmer, dos sie besitzen, empfing der Prediger Sanders und feine Frau den Besuch eines Regierungsvertretcrs. Er brachte ihnen die Rachricht, dast der englische Staat bereit fei, ihnen eine Summe von acht Millionen Pfund Sterling auszuzahlen. Während des amerikanischen F r e i h e t t s k a m p f e S nahm der ßeutnant William Satter« ein amerikanisches Kriegsschiff gefangen. Dafür kamen ihm 7 Millionen Pfund als Prise zu. Der Leutnant .fiel aber im Verlauf eines Kampfes. Da er keine Erben hinterlieh, wurde die Summe in der Dank von England deponiert und wuchs inzwischen durch Zinsen und Zinseszinsen um eme .Million Pfund an. Don Zeit zu Zeit erschien in der englischen Presse ein Inserat, dos die Erben Carters aufforderte, sich zu melden. Diele Jahr- Kehnte lang wurde dieses Inserat nicht beachtet, dis jemand Frau Sonders darauf aufmertsam machte. Die Dame war mit dem gefallenen Leutnant ganz entfernt verwandt und machte ihre Ansprüche geltend. Das war vor vielen Jahren. Seitdem ging der Kampf um daS Geld hin und her, bis jetzt die Regierung die Ansprüche deS -alten PaareS endlich anerkannte. Wirbelsturm in Amerika. Kansas City. 29. März. (WTB.) In Shownee (Oklahoma) sind infolge eines Wirbelsturmes acht Perfo .en ge.öt.-t und ZO verletzt werden. In Kansas sind 233 Häu er ein- gestürzt. Sine Person tourte getötet. 25 Bergleute getötet. E Harle st own sDigmia), 29. März. sDvlsf.) Tel einer G-plvf ion in e.-nem Berg- toerf sind 25 Personen getötet worden. 4 Millionen Dollar für eine Zeitung. Der ikbergang des „Reuh or? Herald" In den Besrtz des (Ägentümers der „Reuyork Tribüne", die bisher dos schärfste Konkurrenzblatt des „Herold" war, erregt in den Vereinigten Staaten, große« Aussehen. Die genaue Summe, für die das Blatt verkauft wurde, wird ja>ar verheimlicht, doch erzählen Reuyorker Blatter, daß der KauspreiS 4 Millionen Dollar betrug. Der Eigentümer des ..Herald" Frank AM u n | c t) erklärte selbst, er habe sein Blatt nur deswegen verlaust, weil er die „Tribüne" nicht kaufen konnte. Der Verkauf soll sich folgendermaßen vollzogen 'haben. Munsey traf den Besitzer brr „Tribüne", Dgden Mills Reid, auf einer Gesellschaft und sagte zu ihm: „Ich will Ihnen 3 Millionen Dollar für die ..Tribüne" geben." Der andere aber erwiderte: „Ich gebe Ihnen 4 Millionen für den „Herold"." cklnd Munsey schlug ein und machte t$n Kauf jKifeft. I Wirtschaft. Der Rcichsbank'TlusweiS vom 22. März. Die Reubranspruchnng von Krediten bet der Aeichsbanl g ng nach dem Bankausweis vom 22. März in dec dritten Marzwoche über das Ausmast der Vorwoche etwas hinaus. Die.gesamte Kapitalanlage zeigt eine Vermehrung um 82,6 (gegen 56,5 vorher) auf 1730.5 .Trillionen Mark. Die Zunahme entfallt ausschließlich auf das Wechs eldis kontgeschä st. Während die Papiermark-Lombardforderungen um 17,3 auf 27,7 Trillionen Mark und die Rentenmark-Lombardforde- rungen um 43 auf 128.2 Millionen Rentcnmark guriidginpen, erhöhten sich dve Portefeuillebestände an Papiermarkwechse l und -scheckS um 33,1 auf 596,5 Trillionen Mark, dos Renten- mark-Wechselkontv um 109,8 auf 977,6 Milliv^r Rentenmark. Der Danknotenumlauf, der in der Vorwoche keine nennenswerte Derän''erung ge- jcigt bitte, nahm in der Derichtswoche um 6,7 auf 603,5 Trillionen Mark ab... Die fremden Gelder erhöhten sich im Papiermork-Dirover- lehr um 29 auf 345,4 Trillionen Mark, Im Renten- mark-Girvverkehr um 45,7 auf 447,1 Millionen DentLmnark. Im ganzen stiegen die Einlagen um 74,7 auf 792,5 Trillionen Mark. Die Reichsbank nahm ein neues Darlehn von 50 Millionen Rentenmark bei der Rentenbank auf, die Darlehnssumme erreichte bamlt 500 Millionen Rentcnmark. Da bte Zuflüsse an Rentanmark von Seiten der Reritrnbank, im Giroverkehr und in sonstigen Geschäften die AuS° leihuiigM von Rentenmark übertrafen, so ergab sich für den Bestand der ReichZbank an Renten- bankschednen eine Zunahme, und zwar um 46L auf 84,1 MillivTTen Rentcnmark. Tie Darleh:sb?stande der RelchSdar- lehnskassen haben sich weiter um 2,9 auf 6,2 Trillivrxm Mark vermindert. Die Bestände her Dank an Darlehnskasscnscheincn gingen auf den gleichen Betrag zurück. Börse und Geldmarkt. Dia Weltbörsen standen biS in die letzten Tags hinein noch im Zeichen der groben Verwirrung, die durch den unerwarteten Aufstieg des französischen Frank im internationalen Devisenverkehr hervorgeausen worden ist. Richt nur die Kreise der eigentlichen Devisenspekulation, sondern auch zahlreiche Mitläufer In den verschiedensten Ländern haben sich am Frank die Finger verbrannt. Die Gröhe der Verluste läht sich schwer abschähen, da die Daniwelt erfahrungsgemäh derartige Dinge sehr diskret behandelt. Die Wirkungen 6er Verluste zeigen sich jedoch an den groben Börsen und Warenmarken sehr deutlich. An den Effektenbörsen von Wien, Paris und Berlin erfolgten ebenso hastige Verkäufe wie an den groben Warenmarkt n Englands. Man muhte um jeden ^Jceiß Geld beschaffen, um die Verpflichtungen in französischen Franks abdecken zu können. Die -Zahl derer, die versuchen, ihre Terminengagemeniä bis Akai btarpMK^otfteR» dürfte nicht mehr sehr grotz sein. Die Berliner Börse, die von Der ausländischen Spekulation einem besonders starken Essektenangebot ausgesetzt war, hat die kritischen Tage veroaltnlsmähig gut überstanden, und es ist zu hoffen, das) auch in Zukunft keine Erschütterungen mehr erfolgen. Gegen Ende der vorigen Woche trat sogar eine recht bemerkens- toeite Belebung der älnternehmungslust in die Et-fchetnung. Die Börse saht langsam wieder Vertrauen in die allgemeinen wirtschaftlichen Der- bältniffe. Die Rervvsität, mit der man bisher den Veröffentlichung m der Sachre stänDi^ei-Kommis- f tonen entgegensah, hat sich etwas gelegt. Eine gctoijfe Beruhigung hat die Erklärung des Reichskanzlers geschaffen, dab die Regierung den Sach- ver,läwdig and Kleinhandel, insbesondere Provisionsreisende, Stenotypistinnen und Verkaufskräfte für fast alle Branchen. * Abschlüsse im Metallbank-Kon- zern. Frankfurt a. M. Die Metallbank trägt 42,8 Billionen Mark Reingewinn vor. Sie hofft, ihre Vorbilanz bald vorlegen zu können. Sie rechnet damit, bab, wie säst alle deutschen Industri.-unternehmen, auch ihre deutschen Beteiligungen, in diesem Zähre ertraglos bleiben werden. In dem Reche.ischaftsbe.ichk heistt es u. 18?5 18,31 1 1 Vonbort , 18,055 18,115 18.05i 1k,14. 1 1 ‘J,?8 3,29 3,-11 voll 50 Japan 1,775 1,7d6 J.775 ',73 3 3 uilc c>e Cf'Ui (,495 8,53 c.'s; i^0 5 8 Briarav . 6,33 6.8 > Voll ti tiuaben 12,98 13» 1 '2.86 13^4 6 S Banknoten. (Ohne Gewähr.) T rrTische Wotee ........ fcinH’Se Noten ....... ftbnxbfltbt Roten........ Äcnänbifae Roten........ Di-uitL-Oetterreich, 4 100 Ätonec Hmmfc^tltbe Ro«e« ....... Englische -)!otcn ......... tztnliennche Rote« ..... PetcHd« Roten ....... Uitaarndj' Raren......... Il<»rd)of8/8 E7.17 111, 8 15,14 6,12 4,21 18,1 20,05 18,1« 4.28 12,79 67,28 c79 14,74 SfeüaST 8 r 8 1 t > • 0 8 3 Voll 8 Märkte. Berliner Produktenbörse. Berlin, 29. März. Gestern nachmittag war in vom Inland angchotcner Lagerware zu erhöhten Preisen noch vermehrtes Geschäft. Heute war am Mittagsrnarkk das Angebot wieder sehr gering, da Die Landwirtschaft neue Zufuhren nur vereinzelt h rauSg'.bt. Die H-aupti a hfrage für Weizen und Rc-ggen z-.ug e sich neben hiesigem Begehr für die Provinz, die teilweise mehr zahlte, als h.er zu erzielen war. Gerste tn gu er Brauware gesucht. aber knapp offeriert. Hafer lohnt durch die erhöhten Forderungen nach Der Küste nicht mehr, ist aber vom Inlands mehr begehr', als hier Material vorlag. Mchl war gleichfalls fester. Auch für Kleie zeig e sich vtelseittger Bedarf. Man notierte für Getreide und Oelfaaten per 1000 Kg (sonst per 100 Kg.) ab Station: Weizen (märt.) 171 bis 176, Roggen (märk.) 133 bis 142, Roggen (pomm.) 131 bis 136, Sornrnerg?rste (rnärk.) 168 bis 187, Hafer (märt.) 125 bis 133, Hafer, (pomm) 122 bis 130. Hafer (meckl.) 122 bis 130, Weiten- mehl 25 biS 27, Reggenmehl 21 bis 23»/2. Weizenkleie 10.80 Roggentleie 8.30 bis 8 63. Raps 300 bi« 310, Leinsaat 410 bis 415, Diktoria-Erbsen 26 bi« 27. Stteine Speiseerbsen 16 bis 17, Futtererbsen 131/2 bis 14. Peluschken 12 bis 13, Ackerboh- nen 16 bis 17, Wicken 14 biS 14i/2, Lupinen (blaue) 12>/2 bte 13, Lupinen (g Ibe) 15'/z bis 16'/., Serra- ^ltz^!3'/Z bte 15. Rapskuchen 11.60, LÄntachen 712^, «4 TrDckenschnihel 9.40, vollwert. Zucker- Wdhrt 1Z bte 22, Torfmelasse 8.20 bis 8.40, Kartoffelflocken 19.20. Svnlvlan Der Frankfurter Theater. bau -Dienstag. 1. April. Tiefland. ®te Doh^rne Donnerstag, 3.: Die Derfaufte CBraat Srrttag. 4.: Die Jüdin. Sams- &l :JlrndU Maskenball. Sonntag, 6.: ßobengrin. — Schauspielhaus. DienStag. 1. April: Hancket tn KrShwtnkL MMwvch, X . nebeneinander. Donnerstag, 3.. Romeo und Julia. Freitag, 4.: Einmaliges Tanzgastspiel von Mary Wigmann und20Wllsterschülesirinen. Samstag,5.: Hamlet in Krähwinkel. Sonntag, 6.: Romeo und Diichcrtisch. — Den Werdegang eine« groben Entdecker« zu verfolgen, bietei desonderen Reiz. Einen tiefen Einblick ut Sven Hedi ns For-scherleben eröffnet der soeben erschienene 23. Band der bekannten Sammlung „Reisen und Abenteuer" (Drockhaus, Leipzig), Der Den Titel „An der Schwelle Innerasiens" trägt. Man lernt hier die ersten Schritte kennen, die der damals 25jährige schwedischc- Forscher tn Dem Gebiete tat, das ihn wenige Jahre Darauf als Den erfolgreichsten (SntD«fer Wiedersehn sollte. Die Ausstattung des Buches mit Bildern ist wieder reich und mustergültig: wir finden darunter eine ganze Ai^ahl Han Drei dj nu ng-en Hedins und auch Bilder nach Zeichnungen dcs berühmten russischen Malers Wereschtschagftr. Der wertvolle Band, Der vom Anfang bis zum Ende in hohem Maste fesselt, wird nicht nur allen Freunden Hedins willkommen sein, sondern auch allen denen, die sich gern über ein Gebiet unterrichten, das heute infolge der politischcn Ereignisse w eder ins Dunkel Der Vergessenheit zurückzusnrken droht. — Die Macht der Drei, der grobe Zukunftsroman von Hans Dominik. (Verlag von Ernst Keils Oiachf. (August Scherl) G. m. b. H., Leipzig). Politische und technische Zukunftsmvg- lichkeiten grössten Ausmastes erscheinen in diesem Roman im Lichte Der WirMchteit. Zwei amerikanisch-japanische Ä liege sind geschlagen. Die Welt steht vor Der größten Kriegskatastrophe, vor Dem Cntscheidungskämpfe zwischen Den „English-Spe- akecs", Den Amerikanern und Engländern. Ein Fluidum unsäglicher politischer Spannung kennzeichnet die Situation. Da tritt, fast unvorhergesehen, ein neuer entscheidender Machtsaktor auf. Der Erfindergeist Der Technik. Drei Männern ist es gelungen, Die im freien Raum gebundene ungeheure Energie beliebig frei zu machen, das Problem Der .telenergetischen Konzentration zr lösen, um dadurch physikalische und technische Wirkungen von ungeheuerlicher Kraft und Gröhe zu entfesseln. Das Schicksal Der Völker und Staaten Ist diesen drei Menschen, dem Deutschen, Dem Schweden und Dem Inder. In die Hand gegeben. Ihre Macht gestattet ihnen, das politische Ränke»- spiel Der Welt zu durchkreuzen, den Lauf Der Geschosse in Den Rohren der Kanonen und Flinten aufzuhallen und ganze Flotten wie SpielbäNe in Den Ozeanen beliebig hin- und herzuziehen. Das groste polltisch-milllärische Würfelspiel beenden die drei kurzerhand unblutig auf ihre Welse. Man hat es hier mit einem Buche zu tun, das viele Anklänge an Den „Dschingis-K^n" hat und das den Leser nicht nur zu belehren, sondern auch mit atemberaubender Kraft von Anfang bte zu Ende zu fesseln vermag. — Richard Gu ringer: G leichniS bei Zeit. (Haessel, Leipzig, br. 1,50.) Ein starker Glaube an Gott and die von ihm ausgehende Lebenskraft geht von diesen feingeschliffenen, in Form und Inhalt gleich kösllichen „Besinnlichen Geschichten" aus. Ein befreien Der Optimismus macht die Lektüre des Düchlelns zu einer Erbauung und Erhebung. — Franz Schnabel: 1789—1919. Eine Einführung in Die Geschichte der neuesten Zelt (B. G. Teubner, Leipzig, geb. 4.00 Mk). Eine kurze, schnell orientierende Darstellung brr Geschichte der neuesten Zelt für weiteste Laienkreise fehlte bislang eigcntllch Die meist en bisherigen Werte, Die in dieser Richstung zielten, waren entweder dickleibige Folianten oder Darstellungen, die durch ihren Mangel an starker Gliederung — in vieler Hinsicht gewih ein auster- ordentlicher Dorzug — ein schnelles Auffinden eines bestimmten Stoffes erschwerten. Das vorliegende Duch eine Sonderausgabe des Grundrisses für die Oberstufe höherer Lehranstalten, vermeldet geschickt beide Klippen. Auf eine zusammen- Hangende Lektüre wird es allerdings daher kaum rechnen dürfen, aber eine schnelle und absolut sichere Orientierung wird durch eine praktisch, Gliederung des Stoffes, unterstützt von einem guten Sachregister, gewährleistet. (An Literatur- verAerchnls bahnt den Weg zu weiterem Studium. Besonders wertvoll sind Die zahlreichen mitgege» Denen Karten und Diagramme, die vor allem auch Die .Segnungen" des Versailler Vertrages in das ihm gebührende Licht rücken. — HanS Bötticher, Dre Woge. Ma- rine-Krtegsgefchichten. Gehestet 3,50, in Ganz» leinen gebunden 5,50 Goldmark. Verlag von Alb. Langen in München. — Dieses Buch des unter Dem Pseudonym Joachim Rlngelnah weithin bekannt gewordenen Autors a>irb trotz aller 2lb- neigung, Die heute gegen Kriegsgeschichten herrscht, mit Situ De begrübt und Dantbar gelesen Merden Denn was Hans Bötsicher in feinen zwölf Ro- veilen erzählt, ist mit echtem Dichterherzen erlebte Wirklichkeit und fern von Dem sentimentalen Kitsch, der in Der sogenannten Knegs- litcratur gang und gäbe war. Dor allem Eenid Bötticher daS Leben auf See wirklich und ist ein starker und feiner Deuter der Deemannspsyche. Richt von strahlenden Heldentaten berichtet er und. dafür aber um so mehr, auch wv er satirisch und grotesk wird, von stillem, ver-sch wiegen em Heldentum Er treibt feinen Aufwand mit Span- nungsmttteln und spannt ans doch fieberhaft Jede dieser von Stimmung gesättigten, oft mit derbem Humor gewürzten Geschichten hat etwas, was unS in ihren Bann zwingt. Fortlaufend Eingang der Frühjahrs - Neuheiten. Jackenkleider und Mäntel Seidene u. wollene Kleider Blusen, KosiUm - Röcke Morgenröcke, Unterröcke Wagen er ^Schlöte! Frankfurta.Mdin OoeibeitreOe 9 u.11 MWMSWW-WN. Cin Roman aus dem 21. Jahrhundert von Ha nS Domtnie. 80. Fortsetzung. lRachdruck verboten.) Sin Rasseln an der Austentür. Ein Poltern. alS ob sie in Trümmern zusammenstürzte. Dann Schritte auf dem Flur. Die Tür zum Zimmer wurde aufgerissen. Rvtgvlden flutete das Licht der Abeirdsmne in den Raum. Dor ihnen stand Georg Isenbrandt. „Hurra! Gerettet!" schrie Wellington Fox. Mit erhobenen Armen eilte Theodor Witt- husen auf den 'Retter au. Doch der sah sie beide nicht. Seine Augei, war«, auf Maria gerichtet, die jetzt wie unter einem inneren Zwange auf 'ihn zuschritt. Ihre Häute verschlangen sich. Ihre Blick: versenkten sich sekundenlang ineinander. .Maria!' „Georg!" * * * \ Mr. Garvin streifte nachdenklich die Asche von keiner Zigarre, Sein Blick glitt über die Abhänge bc*8 Mattevstocks und die blaue Flut des Stillen Ozeans, um dann an der Gestalt von QMIiitgtolt Fox haften zu bleiben, dessen Profil sich scharf gegen den azurfarbenen Himmel abhob. Anders als damals in Wirrny blickte Francis Garvin heute auf den Hournalisten, der in lässiger Haltung auf der schmalen Balustrade säst und vergnügt mit den Deinen schlenkerte, als hatte er eben irgendeine Belanglosigkeit zum besten ge- gdwn. Schon der gute Humor, mit dem Fox seine Abenteuer in ilrga und Karakorum erzählte, hatte dem kühlen Geschäftsmann gefallen. Sin Mann, der mit solchem Gleichmut von schoerstQn Lebensgefahren sprach, muhte doch etwas anderes sein, als Garvin bei dem ersten Hören von dessen Ramen gefürchtet hatte. „Lind niemand hat auster Ihnen bereiten die schwere Gefahr grtamrt und entdeckt, die unser Land bedroht?" \ ..Keine Seele! 2lls ich dem Meister unseres Weihen Ordens hier in Frisko die nötigen Mtt- terlungen machen wollte, feierten sie gerade daS hohe Fest des Holuntermar-kS . . Garvin schaute ihn fragend an. „Was? . . . Was ist das?" ..Was das ist. Mr. Garvin? Ein Huntbug in Reinkultur, der aber von der cm sich guten und gesunden Organisation nicht zu trennen ist. Der Meister hatte gerate die Zeremonie beendet, als ich ihn um eilte Unterredung bat. Ich habe selten ein so erstauntes Gesicht gesehen ir-tc das von . . . Pardon, ich darf Ihnen den dtamen nicht nennen, da Sie nicht Mitglied sind . . . Ein so erstauntes Gesicht bei ein.? Manne, ter doch sonst als kluger und energischer Politiker bekannt ist." > Garvin lachte. „Lind weiter?" ..Ich mustte.es bewundern, uric schnell und richtig er dann aber die Sache Mifohte und seine Maßnahmen traf. Da tixir es im 2blgenblick mit all dem komischen Beiwerk aus." .Wurden Sie nicht daraufhin um dreizehn- undernenhalben Grad hruauftesörtert?" „Stopp. Sir! Wenn Vte tyeiitc tn fechSIVvcyen noch sind, was Sie heute sind, werden Sie es nicht tn letzter Linie dem Weihen Orden und seinen Holundermännern verdanken. Wer unseren Orden mit den alten Ku-Kur-Klan-Leuten vor hundertfünfzig Hahron verwechselt, der befindet sich in einem schweren Irrtum. Die Parole: ..Reinhaltung der weihen Rasse" ist dieselbe ge- blieben. Auch viele von den mittelalterlich an-- nutenden Gebräuchen und Zeremonien haben sich noch erhalten. Aber der Geist ist eilt ganz anderer geworden . . . und andere Wege verfolgt er zu seinem Ziel. In den kommenden Wochen wird er die Feuerprobe bestehen. . ." Garvin wiegte in leisem Bedenken das weist- buschige Haupt. „Ich bezweifle die Richtigkeit Ihrer Mittei- lungen nicht, lieber Fox. Doch möchte es mir scheinen, atS üb Sie die Gefahr als zu grost an- sehen . . Wellingtvn Fox deutete mit der Hand auf die blaue Küste. „Meine Ansicht ist die, Mr. Garvin, dast es sich emps.hleu dürfte, Ihre Jacht fahrbereit Tag und Dacht hier unten zu Ihrer Verfügung liegen zu haben ... Gs sei denn, dast Ihre 'Liebe zu Helen nicht so grost wäre als meine. . „Was ist mit Helen? . . . Was soll Helen?" *21111 einem Sprunge war Helen über den Marmorboden hin auf die beiden zugerilt. Fox glaubte, sie wolle ihm um ter. Hals fallen, fühlte sich aber mit einem energischen Ruck nach vorn ge?,vgen, dast er beinahe mit der Rase den Boden I berührte. Ein kräftiger Klaps von Helens kleiner Hand bewies ihm npch näher, dast er mit seiner ersten Vermutung im Irrtum gewesen war. „Wellmgroni . . . Was bist du für ein fürchterlicher Mensch! . . . Du sitzt da auf der Balustrade wie tn einem KlubsessÄ. während es hinter dir fünfzig Meter in die Tiefe geht. 11 nb du, Pa, siehst das mit an?!" Der alte Garvin schmunzelte. „Ich halt? Mr. For für viel zu fing, um hier herunterzu falle», . . Und wenn er's täte, würde es ihm wahrscheinlich auch nichts schaden." „Pa . . klang es vorwurfsvoll aus Helens- Mund. ..Du bist häßlich! Wie kannst du so etwas sagen. Ich meine, du solltest doch jetzt anders übe, Wrllington denken.*' „Tue ich auch, mein liebes Kind! Meine Hoch- achtung ist, das gestehe ich offen, immer, mehr gestiegen, je länger ich ihn kenne. Jetzt bin ich schon beinahr so weit, dast ich auch das grostc Geschäft, das er mir damals in Aussicht stellte nicht mehr für eine Fata QHorgana holten würde." „Oh, wie freue ich mich darüber, Pa! Einen Kuh für dich und zwei für Wellington!" „Helen, gib deinem Vater auch noch den zweiten mtb bitte auch du ihn, das zu tun. am das ich- ihn gebeten habe." „Was war das?" „Richts für dich, kleine Helen!" .,Oh, schon (Seteirnniffe vor mir? Aber Helen ist nicht neugierig. Pa, du wirst es tim, um was Wellingtn iüch bat.“ „Ich werte es tun!“ Helen fiel ihrem Vater um den Hals. ..Liebster, bester Pa, dafür bekommst du noch zwei Küsse." (Fortsetzung folgt.) 2442D Vertretung zu vergeben. 244389 Die Landsmannschaft Darmstadtia. F. C. I. A.d.C: Völzing 2449 D Verkäufe Menheim, Oberhesten. 2463D sagen wir auf diesem Weg herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Heuchelheim, Wetzlar, den 29. März 1924, vorteilhaft. 018689 Lichtspielhaus Palast-Lichtspiele Bahnhofstraße 34 Bahnhofstraße 34 Kirchenplatz Kirchenplaiz AbheuteJIl.u.lV.Teil g M, ß | । Hppipns«U i 1 1 ISäUi aOittl äIIJA. Passionsspiei mit Gregor Chmara Asta Nielsen, Henny Porten für die Aufführungen von 4 bis 6 Uhr 2435c Großes den Filmen angepaßtes Orchester "ff .HUWMKS des Rechners; 2. Iahresschietzen 3. Verschiedenes. Das Leben des großen Königs Studierende die übliche Ermäßigung Giehen, den 28. März 1924. Goethestraste 46 Für die uns bei unserem Verlust in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sagen wir herzlichen Dank. la MM . . . M. Mel-KNWllk S§MiWS AWl er WsiH!S8-LN!LÄ-8el SM'A . . . . S. MemM N . RWlj-Züger . . G?m8tz!ei!er.Mer. Zetge-Fahrzeng-Werke A.-G. Görlitz/Moys Zn den Messen in Leipzig, Frankfurt a. Main, Stuttgart. M U M. ., W 75 „ tlr. 1,161?. 1.2Ö .. MS. 26 sitz. .. <4 .. .. 4L,. 2458c Der Vorstand Pickel, Mitesser, Flechten verschwinden meist sehr schnell, wenn man den Schaum von Zucker'sPatent-MedizinabSeife abends einttocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen u. mit Zuckooh°Cremc nachstreichen. 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