» I LannMung "WM» «WM rmarni staunt ie reinwollenen lenstoffe ! pgr .. narMk. 7.50 in 7 Farben und Mustern ...........ML27 tfoffe ... von Mk. 1.30 an •rrenhosenvonMk. 4.50 an )amenhetnden. Mk. 325 in allen Preislagen. «* roße Auswahl in ickwesten uhe uen-ö^;" Rabmenware’ ÄeForm- ,pr fenstek^ ung unse . Ä'SSSr* Ur. 204 Erstes Erscheint täglich, anher Sonn, und Feiertag», mit d. Samstagsbeilage: GiehenerFamilienblStter Msnatr-Vezngrpreir: 2 Voldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für di« Schriftleitnng 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger-iehe«. peftschetNonte: SranFtirt a. M. 11686, Blatt U4- Jahrgang Somstag, 30. August 1924 GieheimAiizei General-Anzeiger für Oberheffen Onid mrt Verlage vrSHI'sche Unfoerfität$=Budi= und Stcin6ruderci R. £aitge in Siehen. Sdfriftleitung und Seschäskftell«: Schnl-ttaß- 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichbcit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzcigen v 70irm Breite 35 Goldpfennig, Platzoorschrift 20° „ Aufschlag. - Bcranlworllich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wil'.) Lange; für den übiigcn Teil Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil: Hans Deäi, sämtlich in Gießen. Das Ja des Reichstags. 314 gegen 127 Stimmen. • Der 29. August 1924 Wird att ein histo- rffcher Tag in der deutschen Parlamentsgeschichte verzeichnet werden. Richt, weil es gelungen ist, eine große Partei aus ihrer unbestrert§rr berechtigten oppositionellen Haltung gegenüber ebenso folgenschweren wie unvollkommenen vertraglichen Bindungen zu losen uni) ihre Zustimmung zu schwer bekämpften Gesetzesvorlagen und Abrnachrrngen von noch immer unübersehbarer Tragweite zu erreichen, sondern weil an diesem Tage endlich gesetzlich und vertraglich das gesamte Deutsche Reich und Volk zum Träger der Lasten und Opfer erhoben wurde, die bisher — zum mindesten seit dem 11. Januar 1923 — das besetzte ®ebiet grösstenteils allein übernehmen musste. Gewiß befreit das Generalpfand, wie Dr. Stresemann so treffsicher die neue Form der Lasten nannte, die EinEser des Spezial- Pfands, unsere Brüder an Rhein und Ruhr nicht von all en Ketten, die sie für uns tragen müssen. Aber die gestern erfolgte Zustimmung zu den DaweSgesetzen und den Londoner Abmachungen nimmt dem Mutterland der deutschen Kultur und dem Herzgebiet der deutschen Wirtschaft doch den zur Verzweiflung stimmenden Charakter der „Reparationsprovinz" und beweist den Leidträgern im besetzten Westen, daß deutsche Treue und deutscher Opfermut noch im ganzen Volke lebendig finb, wenn es gilt, deutsche Brüder und deutsches Land zu befreien. Lind dieser Lat können und wollen wir uns als einer im zwiefachen Sinne verheihungs- und bedeutungsvollen Handlung freuen. Die deutschnatronalen Helfer an diesem Werk haben nicht nur diesem großen Gedanken das schwere Opfer einer ehrenvollen Lleberzeugung gebracht, sondern sie haben damit auch einen Schritt getan, der zu der Hoffnung berechtigt, daß die starken imb wertvollen Kräfte, die in dieser Partei lebendig sind, endlich aus dem unfruchtbaren BeharrungSzustand der Verneinung befreit und zu tätiger und poftttver Mitarbeit am Staate int?) Reiche herangezogen weiden. So sehr totr uns bemüht haben, in der Erkenntnis der Rotweichigkeften der Gegenwart und aus der Kenntnis Der Stimmung und der Forderungen deS besetzten Gebietes heraus auch die letzten Vorzüge und Vorteile des Londoner Abkommens gegenüber dem gegenwärtigen Zustand darzustollen, so wenig angebracht wäre es, die Tatsache zu verschweigen, das) die schwersten Sorgen und Kämpfe uns nach bevorstehen. Sorgen und Kämpfe um die Ausführung der bedauerlicher Werse nicht überall und immer ganz klar formullerten Abmachungen durch die Franzosen, besonders das französische Militär, und darüber hinaus um die Beschleunigung der Räumung und die Durchsetzung ber Mindestforderungen, die in London noch nicht erzielt wurde, -lind kein Vernünftiger wird bestreiken, das) zur Vertreibung dieser Sorgen, zur siegreichen Beendigung dieser Kämpfe die Mitarbeit der Deutsch- nationalen, in deren Reihen eine erhebliche Anzahl der Lastenträger aus dem Dawesabkommen sich befindet, nicht nur erwünscht, sondern notwendig ist. Es mag Herrn Her- riot, der unbefugterweise sich anmahte, ein neues Deutschland schaffen zu wollen, welche Einmischung wir uns verbitten müssen, nicht sympathisch sein, mit den Deutschnativnalen verhandeln zu müssen. Aber es ist eine alte Erfahrung, daß Abmachungen viel leichter und wirksamer getätigt werden, wenn die Vertragschließenden nicht durch gesinttungsmätzige und verwandt schaft- liche Beziehungen gezwungen sind, Rücksichten aller Art zu nehmen, die gewöhnlich ebensoviele Zugeständnisse bedeuten, cklnd auch unsere Sozialdemokraten Tonnen als die konsequentesten Vei- fechter des Parlamentarismus letzten Endes selbst den von ihnen bekämpften sogenannten „Bürger- bftxf', der gewitz keinen Jdealzustand darstellt, nur als eitlen Beweis der fortschreitenden 2ln^ Passung aller an die neue Zeit begrüßen, weil diese Konstellation sich folgerichtig aus den auhen- Pvfitischen Verhältnissen und innerpolttlschen Rat- wendi^eiten entwickelt. Allenfalls konnten sie mtt einem gewissen Recht ihre Freunde in Fiankvcich und England und die fehlerhafte Taktik ihrer Parteileitung für diese Entwicklung verantwortlich machen, die eine natürliche F>lge der intransigenten, zweideutigen und egoistischen Politik ist, mit der man die Verständigung mit dem zu allen Opfern bereiten Deutschland einleiten zu müssen für gut hielt. (Wenfalls begrüßen wir mildem Ausdruck freudiger Genugtuung das von uns erh>ffte and erwartete Ergebnis der langwierigen Auseinandersetzungen und der gestrigen Abftimmtng. Es leitet nicht nur für das besetzte Gebiet, um l>as in wenigen Tagen die fvankvbelgischen mittelalterlichen Mauern fallen, sondern für ganz Teupchland eine friedlichere Epoche ruhi- gever Entwicklung ein. Wenigstens wird es nicht an uns Deutschen liegen, wenn dies nicht geschieht. ~ lind Deutschland wird um so eher 5 ir Durchführung einer ehrlichen Verständigungspolitik bereit und geeignet sein, je homogener und je stärker die Zusammensetzung inb die Grundlage der deutschen Regierung ist. Das mag aich -die Gegenseite beachten und ihrerseits durch rasche [Unb durchgreifende Maßnahmen das gewaltige Miht rauen zerstören, das wir Deutschen a if Grund bjähriger Erfahrungen unseren Dertrags- gegnern entgegenbringen. Es ist die Aufgabe der französischen und belgischen, aber auch der englischen und bis zu einem gewissen Grade ebenso die ?>er amerikanischen Politik, dafür Sorge zu tragen, bah ?>as in London ein wenig g?öffnete Tor zur Derstätü)igung nicht durch Hinterlist, Engherzigkeit und Machtgier wieder versperrt, sondern durch Ehrlichkeit, Verständnis und Weitsicht in einem solchen Maste geöffnet wird. !>ah der währe Friede durch diese Pforte in Europa einzuziehen vermag. Er wird nur dann nicht ein Zerrbild seiner selbst, und er wird nur dann nicht der Träger neuer Kämpfe und Kriege sein, wenn er dem deutschen Volke. !>as nicht mehr die führer- und Willenlose Herde von 1918 '19 ist. die Erfüllung jener Forderungen und Bedingungen bringt, die den Frieden auch für uns zu einem ehrenvollen gestalten. Alle Behauptungen von dem Heraufziehen eines neuen demokratischen Zeit- alters ber Freiheit und Gerech'igteit sind heuchlerische Phrasen, alle Verträge, auch die Londoner, bleiben wertlose Fetzen Papier und beschämende Dokumente der Tlnkultur und Unmoral, wenn die rasche Tat nicht den sichtbaren Beweis liefert, dah die Absicht der Bevormundung, der Wille zur Knechtung und Unterjochung des deutschen Volkes endgü ltig aus dem polittschen Programm der Kulturvölker ebenso gestrichen wird tvie die Schuldlüge aus dem Versailler Diktat, dessen vollkommene Revision Die Aufgabe und das Ziel der nächsten Zukunft sein muh. Alles in allem eröffnet also her historische Akt der Zusfimmung bet Vertreter des deutschen Dolles zu den Abmachungen von London Aussichten, die als hoffnungsvoll b«eich- net werden können Die kÄrgerliche Minderheits- regierung und die hinter ihr stehenden Parteien, die den ersten besonnenen und erfolgversprechenden Schritt zur ehrenvckllen Lösung des europäischen Problems taten, verdienen ebenso den Dank des deutschen Dolles wie die Sozialdemokratie, die diese Polittk stutzte, und jene Deutschnationalen, die durch ihre gefunbe Opposition die Stellung der deutschen Regierung stärkten und durch das Opfer ihrer Ueberzeugung den.Beweis lieferten, dah sie dem Vaterlande und nicht der Partei dienen wollen. Wenn wir an die schweren Aufgaben der nächsten Zukunft mit mehr Zuversicht und stärkerem Vertrauen Herangehen können, ist es das Werk dieser Männer. Wir wollen hoffen, dah sie mit ihm nicht nur eine Zeit neuer Opfer, sondern auch eines neuen Geistes in Deutschland ei.igeleitel haben, der allein diese Opfer erträglich gestalten kann. Die entscheidende Sitzung Berlin, 29. August, 10 Tlhr vorm. In der Fortsetzung der dritten Beratung der Gutachtengesehe gibt Reichskanzler Marx folgende Erklärung der Reichsregierung ab: Zu den vorliegenden Gesetzentwürfen ist von verschiedenen Parteien eine Anzahl Anträge und Entschließungen eingebracht worden. Zu den darin aufgeworfenen Fragen habe ich namens der Reichs regierung folgendes zu erllären: Die Anträge beziehen sich in erster ßinie auf das Schicksal der besetzten Gebiete. Die Reichsregierung kann sich die ©nitrit gebauten, aus denen diese Anträge hervorgegan- gen sind, durchaus zu eigen machen. Sie bat es stets als das wichtig st e Ziel ihrer internationalen Verhandlungen über das Sachverständigengutachten angesehen, mit der Heber- nähme der darin festgesetzten Verpflichtungen die Befreiung von Rhein und Ruhr herbeizuführen. So lange dieses Ziel nicht erreicht ist, wird die Reichsregierung das schwere Opfer, das dem deutschen Volke mit den Lasten des Gutachtens zugemutet wird, als vergeblich anfehen müssen. Die Reichsregierung glaubt nach dem Verlauf der Londoner Konferenz darauf vertrauen zu können, dah dieses Ziel schon vor dem Ablauf ber in London vorgesehenen Maximalfrist von einem Jahre erreicht toerben wirb. Jedenfalls wird sie alle ihre Kräfte dafür einfehen, dah dies geschieht. Die Annahme der Londoner Vereinbarungen wird ihr die Grundlage dafür geben, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, dah alle über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete schon erheblich vor dem Ablauf jener Maximalfrist geräumt werden, und dah in den aftbesehten Gebieten eine lohclle und gerechte Handhabung des Rheinlandabkommens sichergestellt wird. Solange dies nicht geschehen ist, ist die Befürchtung begrünbet, baß die normale Durchführung der wirtschaftlichen und finanziellen Desttm- mungen des Sachverstänbigen-Gutachtens beeinträchtigt wird. Die Reichsregierung nimmt an, daß insbesondere auch die bevorstehenden Verhandlungen mit Frankreich und Belgien über handelspolitische Fragen die Erreichung des Zieles der Befreiung von Ruhr und Rhein beschleunigen wird. Die von uns angeftvebte Herbeiführung normaler Beziehungen zu Frankreich und Belgien, iysbe- sondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen beiden Rachburländern erscheint uns nicht in bem von uns gewünschten Mähe burchführbar, solangenicht dieRäumung des Ruhr- undSanktionsgebictesdurchgeführt i st. Wir werden diesen Gesichtspunkt bei den Han- !>elspolirischen Verhandlungen für uns maßgebend sein lassen. Die Reichsregierung kann sich auch den von der Deutschnatl. Dollspartei gestellten Anträgen in ihren Grundgedanken anschliehen; sie kann ihnen indessen in der vorgeschlagenen Form nicht zu - st i m m c n. Die Anträge sind in die Form einer Suspensivbedingung für das Inkrafttreten der Londoner Vereinbarungen gekleidet. Würde diese Form beibehalten, so bestände die Gefahr, dah damit das Ergebnis der Londoner Konferenz zu Fall gebracht würde. Die Reichsregierung ist daher der Ansicht, dah der Grundgedanke der Anträge in anderer Weise verwirklicht werden muh und auch verwirklicht werden kann. Weitere Anträge der Parteien beziehen sich auf die Möglichkeit, dah die Lasten des Sachverständigengutachtens die deutsche Leistungsfähigkeit über ft eigen. Ich möchte in dieser Hinsicht auf die durchaus zutreffenden Feststellungen des Antrages der Deutschen Volks- Partei Hinweisen, wonach sowohl der Ver- sailler Vertrag als auch das Sachverständigengutachten und die Londoner Vereinbarung der Reichsregierung ausreichende Mittel an die Hand geben, jeher Heberfd>rei= tung der Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit entgegenzutre'et. Die Reichsregierung wirb, wenn tatsächlich eine solche Ä«berschrritung droht, von diesen Mitteln recht,zeitig Gebrauch machen. Wie aber bet Herr Reichsminister des Aeuheren bereits gestern bargelegt hat, glaubt die Reichsregierung nicht, daß es zweckmäßig wäre, sich in dieser Beziehung von vornherein auf bestimmte Fristen fest zu le gen. Schließlich liegt noch ein Antrag vor, der die Festsetzung einer Endsumme für die deu t- fchen Gesamtleistungen fordert. Das Sachverständigengutachten selbst weist in seinen Echluhsätzen darauf hin, dah seine Annahme die Grundlage für ein endgültiges uttb umfaßendes Llbkommen über alle Reparations- und verwandten Fragen b'.etar würde. Die Reichsieg e- rung wird wegen einer solchen endgültigen Regelung zu gegebener Zeit mit den Alliierten in Verhandlungen treten. Darauf wird in die Einzelberatung der ersten Gruppe bet Vorlage des Dankgesetzes eingetreten. Abg. K 0 e n e n (Komm.) bekämpft die Gut- achtengesehe und richtet Angriffe besonders gegen die Sozialisten wegen ihrer zustimmenden Haltung. Abg. Schmidt (Dntll) verlangt stärkere Sicherung der Deamtenrechte für die Angestellten der neuen Reichsbahngesellschaft. Abg. Dr. Reichert (Dntl.) behandelt die Dankgesetze. Es sei durchaus falsch, daß die Industrie durch die Annahme der Dawesgutachten Vorteile haben würde. Abg. Freiherr v. Rheinbaben (D. Dp.) verlangt, daß auch von der Gegen feite die friedfertige Gesinnung gezeigt werde, die die deutsche Regierung erfüllt. Damit sei eine Fortsetzung der Ruhr besetz ring aber schwer vereinbar. Weiter werde die französische Oe sentlichkett und Presse durch die unsinnige Legende beeinflußt, in Deutschland arbeite man planmäßig an der Vorbereitung eines Revanchekrieges. Abg. W u l l e (Ratsoz > geht auf den Vorwurf ein, daß die Dölkifchen sich mit den Kommunisten verbunden hätten. Die Rationalsvzia- listen achteten in den Kommunisten die ehr* lichen Gegner und sie betrachteten es als eine Farce des Parlamentes, daß so viele Kommunisten künstlich von der entscheidenden Abstimmung ferngehalten werden. Abg. Dr. Dreitscheid (Soz.) richtete an die Reichsregierung folgende Anfragen der S. P. D. Ist es richttg, dah die deutschnationale Reichs- tagsfraktton einen Preis für ihren Umfall, und zwar den Eintritt einzelner ihrer Mitglieder in das Kabinett verlangt Hal? Ist es richtig, dah der Deutschnativ- n a l e n Vollspartei, wenn nicht für diesen Augenblick, so doch für ehren späteren, noch zu vereinbarenden Termin eine solche Umbildung der Regierung durch den ©intritt deutschnationaler Minister in Aussicht gestellt ist? Ist es weiter richtig, dah die Deutschnattonals Dolkspartei heute morgen noch einen Schandpreis für ihren Umfall gefordert bat, den Rücktritt des Reichskanzlers Dr. Marx sofort oder in einigen Wochen? Ist es richtig, dah der Vorstand der Zentrumsfraktion dieses Ansinnen als absolut undiskutabel abgelehnt hat? (Abg Fehrenbach nickt.) Daß aber die Verhandlungen über den Kaufpreis trotzdem forkgefilhrt werden? (Abg. Fehrenbach schüttel! mit dem Kopf.) Was aber auch der Kaufpreis sein mag, es steht fest dah die Deutschnationalen bereit sind, sich das zweite Versailles abkaufen zu lassen. (Lewrastes Hört! Hört!) Darüber verlangen to.r Klarheit vorder Abstimmung. (Lebhafter B.ifall links.) Reichskanzler Marx kann zunächst nicht sprechen, da bei de 1 Kommunisten und den Sozialdrm.Kraken große ilnr.ile herrscht. Rachd:m Viz-.p.ä ident Dr Bell ue.d) anhaltendem Schwingen Der Glocke endlich M Ruh' wieder her gestellt hat, erklärt Reichsiaiz • ler Marx: Seitens der Reichsregierung habe ich zu erklären: Das Reichskabinett ha! zu b?r Frag' der Umbildung ter Regierung nicht Stellung genommen. An den Aussprachen, die darb r zwischen den einzelnen Parteien gepslo ci fein mögen, war die Reichsregie ung überhaupt nicht beteiligt. (Große cklliruhe und Widersprach links.) Abg. Dr. Dreitscheid (Soz.): Rachd n. der Reichskanzler erflärt hat, dah das Re chs kabinett an den Verhandlungen über Ne Um. tl bung der Regierung nicht beteiligt gewesen ist frage ich: Kann der Reichskanzler Dar ibe: Auskunft geben, ob das eine ober anders Mitglied tee Kabinetts an solchen V. rh n?- lungen und Besprechungen b.teilt U getoeei ist und wie der Verlauf dieser Derhanblurtgen getvo- Reichskanzler Marx: Rach Erkundigungen, die ich eingezogon habe, hat kein Mitgli^> des Reichskabinetts an den Besprechungen über die ilmbUbung der Reichsregierung. die ftattgefunben haben, tei[genommen. Es haben nur Verhandlungen zwischen den Mttgliedem des Kabinetts über die Ausarbeitung einer Erklärung ftattgefunben, die ich jetzt abgegeben habe. Weiteres habe ich nicht zu erklären. (Gröhe Anruhe links.) Damit ist sdie Einzelberatung über die Gesetze geschlossen. Vizepräsident Dr. Bell schlägt vor, die Sitzung auf P/o Stunden zu unterbrechen. Die Abstimmung. Um 3 cklhr wird die Sitzung vom Präsibenten Wallraf wieder eröffnet. Von den ^ationaI- s0zialisten ist ein kleines Schaukelpferd auf den Tisch des Hauses gestellt worden. Abg. Dr. Frick (Rat.-Soz.) beantragt vor der letzten Abstimmung über bas Reichsbahngesetz und nach der Abstimmung über baZ Manlelgefitz, das die Amnestie rung der Separatisten enthält, die Abstimmung über den Antrag auf Amnestie der politischen Gefangenen auch im unbesetzten Gebiet vvr- zunehmen. Der Antrag wird gegen Die Rakional- fozialisten und Kommunisten avgelehnk. Dic von den Deutschnationalen zum Man- t e l g e s e he gestellten Aenderungsanträge werden abgelehnt, die Aenderungsanträge des Zentrums angenommen. Das Dankgeseh wird in namentlicher Abstimmung mit 259 gegen 172 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen angenommen. Gegen das Gesetz haben auch die Deutschnationalen gestimmt. Das Gesetz über die Liquidierung der Rentenbankscheine wird mit 262 gegen 172 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, angenommen. Die namentliche Abstimmung über das Indust riebela st ungsgeseh ergibt die Annahme mit 260 gegen 176 Stimmen, bei einer Enthaltung. Das Aufbringungsgeseh wird bei zwei Enthaltungen mit 261 gegen 175 Stimmen aw genommen. Das P r i b a t n 0 t e n b a n k g e s e h und daö M ü n z g e s e h kommen in einfacher Abstimmung zur Annahme. Runmehr erfolgt die namentliche Abstimmung über das Reichsbahngesetz, zu dessen Annahme eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist. Mit allgemeiner Spannung wird dabei die Haltung der Deutschnastio- n a l e n beobachtet. Derschiedene deutschnationale Abgeordnete zeigen auffällig die rote Neinkart e*? geben sie aber beim Einsammeln der Karten nicht ab; andere geben die weihe 2a- Karte ab. Das Ergebnis der Abstimmung ist 314 gegen 127 Stimmen. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also erreicht und das Reichs, bahngeseh damit angenommen. §4e Mitteilungen bes Absttrnmungsergeb' nisses werben von Den Kommunisten j n Z Rationalsozialisten mit stürmischer Pfuirufen und lauten Derwünschun' gen gegen Die Deutschnationalen begleitet. einig: Tribünenbesucher ilats. e Beifall. Präsit^nt Wallraf untersagt den Tribünen- befuchern alle Deifallskunbgebungen. Der Präsi- stellt fest, daß beide @rfoti>ermffe für öle Annahme eines verfassungsändernden Gesetzes: elörittel-Präsenz und Zwerdrittel-Mehrheit erfüllt sind. Abg. v. Graefe (Rat-Soz.) ruft: ufcrräterbanbcl Da? Reichsbahnpersonalgefetz wird Mlt 270 gegen 163 Stimmen angenommen. Von den Kommunisten wird den Deutschnationalen zugerufen: Jetzt stimmen Sie wieder tapfer mit Nein, wo es keine Wirkung hat. Bei der dann folgenden Abstimmung über das Mantelgeseh Reicht die für die Durchsetzung der namentlichen Abstimmung erforderliche Zahl der Kommunisten und Nationalsozialisten nicht aus. Das Gesetz wird in einn facher Abstimmung angenommen. Dafür stimmt auch ein großer Teil der Deutsch-National en. Damit sind sämtliche Gutachtenge« sehe angenommen. Die Kommunisten beantragen nunmehr den nach Artikel 72 der Reichsverfassung möglichen EinspruchgegendieVerkündung der angenommenen Gesetze. Wird ein solcher Einspruch von einem Drittelder Abgeordneten unterstützt, so hat er die Wirkung, bah die Inkraftsetzung der Gesetze sich um zwei Monate verzögert und der Volksentscheid darüber vorgenommen werden muh, wenn nicht der Reichstag und der Reichspräsident die Gesetze für dringlich erklärt. Die Kommunisten und Nationalsozialisten stimmen für den Einspruch, die Deutschnationalen geben blaue Enthaltungszettel ab. Für den Einspruch stimmen 73 Abgeordnete, dagegen 274, 89 Abgeordnete enthalten sich der Stimme. Das zur Wirksamkeit des Einspruchs erforderliche Drittel der Stimmen ist nicht erreicht. Die Entschließung der Vvlkspartei, dH sich au fdie Schuldfrage und die künftigen Handelsvertragsverhandlungen bezieht, wird gegen Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die Kommunisten beantworten die Ablehnung ihrer Anträge und Entschliehungen, denen meist nur die Nationalsozialisten zustimmen, mit Schmährufen gegen die Mehrheit. Die Entschliehung der D e u t sch- nationalen über Ruhrräumung und Handelsvertrags - Verhandlungen toirb abgelehnt. Damit ist die Beratung der Gutachtengesetze endgültig erledigt. Die namentliche Abstimmung über das Mißtrauensvotum der Nationalsozialisten führt zur Ablehnung. Dafür werden 94, dagegen 251 Stimmen abgegeben, bei 85 Stimmenthaltungen der Deutschnationalen. Es folgt der Bericht des Haushaltsausschusses über die Fürsvrgemahnahmen zugunsten der Ausgewiesenen und der im besetzten Gebiet Verbliebenen. Der Minister für das besetzte Gebiet, Dr. Hvefle, erklärt die Bereitwilligkeit der Regierung den Vorschlägen des Ausschusses gemäh dem besetzten Gebiet zu helfen. Die Gefangenen und Ausgewiesenen seien des Dankes des Vaterlandes gewiß. (Beifall.) Abg. Hvf f m a nn- Ludwigshafen (Zentr.) schließt sich im Namen der Mittelparteien und der Sozialisten im wesentlichen den Ausführungen be8 Ministers an. Nach weiterer Aussprache werden die Anträge des Ausschusses angenommen. Es folgt dann die Beratung der Amnestievorlage l Abg. Frau Pfülf (SPD.) erstattet den Gericht des Rechtsausschusses. Der Aus- »schuh beschäftigte sich mit den Anträgen der ^Kommunisten und der Nationalsozialisten auf 'Amnestierung der polittschen Gefangenen und mit einem sozialistischen Antrag, der Straffreiheit verlangt für die Teilnehmer an den Weimarer An ruhen von 1919 und für Straftaten, die 1923 bei den Lebensmittelunruhen oder bei der Abwehr monarchistischer Bestrebungen begangen worden sind. Der Ausschuß empfiehlt öle Ablehnung aller Anträge. Die Reichsregierung hat im Ausschuß erklärt, sie könne keine allgemeine Amnestie bewilligen, werde sich aber mit den Ländern in Verbindung setzen, um für Begnadig ingen zu wirken. Die Erklärung des Auh.'nmini.lers Dr. Stresemann im Auswärtigen Ausschuß bei der Vorbereitung der Gutachtengesetze sei nicht als das Versprechen einer Amnestie aufzufassen. Abg. Haas (Demokrat) gibt im Namen der Vvlkspartei, des Zentrums und der Demokraten eine Erklärung ab des Inhalts: Die der Regierung leider aufgezwungene Amnestierung der Separatisten begründet nicht eine Ausdehnung der Amnestie auf alle politischen Straftaten im gan- Reiche. In einzelnen Fällen sei eine wohlwollende Anwendung des Begnadigungsrechts erwünscht. (Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Dr. Frick (Nat.-Svz.) wendet sich, gegen die Regierungserklärung im Ausschuß. Abg. Katz (Komm.) führt aus, ein Hochverrat gegen den gegenwärtigen Staat sei gar nicht möglich, denn die Leiter des jetzigen Staates hätten ihre Macht erlangt durch Taten, die erfolgreicher Hochverrat waren. Als der Redner den deutschen Richtern bewußte Rechtsbeugung vorwirst, rügt der Vizepräsident Dr. Bell diese Bemerkung. 3n den Gefängnissen würden die politischen Gefangenen in sadistischer Weise gequält, so daß schon viele sich erhängt hätten. (Stürmisches Hört, Hört der Kommunisten.) Die Die schlimmsten Quälereien wurden auf Anordnung des preußischen Polizeimiinsters Severin g an den politischen Inhaftierten verübt (Bei diesen Worten schreien die Kommunisten, dem Abg. Severrng zu: Da sitzt der Lump der Hen- ker!) Vizepräsident Dr Bell muh wiederholt um Ruhe bitten. Noch niemals sei die Arbeiter- schäft so brutal verfolgt worden, wie unter dem Regime SevenngS. (Neue Schmährufe der Kommunisten gegen Severing.) Deutschland sei kein Rechtsstaat mehr. Der Ruf Amnestie dürfte nicht mehr verstummen. Die Arbeiterschaft werde die Bastvlle des Reichstages stürmen. (Lebh. Händeklatschen der Kommunisten.) Vom Zentrum, der Vvlkspartei den Demokraten und den Sozialdemokraten ist ein Antrag eingegangen, der die Regie- rung ersucht, iXe verfassungsrechtliche Frage der Lttchsamneslie bezüglich ihrer Wirksamkeit durch Urteil der Länder der anderen Klärung durch den ^«tsseochtshvf zuzuführen. i Abg. Lohmann (Dtschnat.) weist die An- I griffe des Abg. Katz gegen den Richterstand zurück. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) schließt sich den Beschwerden des Abgeordneten Katz über die Justiz und den Strafvollzug an. Es gäbe viele Richter, die aus polittschen Motiven das Recht beugen. Staatssekretär Joel vom Reichs- innenmintsterium weist die Angriffe der Abgeordneten Katz und Rosenfeld gegen den deutschen Richterstand zurück. Abg. Wunderlich (D. Volksp.) verwahrt gleichfalls unter lärmendem Widersprach der Kommunisten den Richterstand gegen die Angriffe der beiden Redner. Abg. Dr. Rosen feld (Soz.) erklärt, er habe den Richterstand nicht in seiner Allgemeinheit angegriffen. Aber er halte daran fest, daß es Richter gibt, die aus politischen Mottven bewußt das Recht beugen. Damit schließt die zweite Beratung. Gegen 10 Uhr Schluß der Sitzung. Nächste Sitzung Samstag vormittag 11 Uhr. Zollvorlage. Feierliche Kundgebung der Regierung. Dank an den Reichstag. - Gegen die Schuldlüge. Berlin, 29 Aug. (WB.) Amtlich. Anläßlich der Verabschiedung der Gesetze über die Londoner Vereinbarung hat der Reichskanzler namens der Reichs regierung folgende Kundgebung erlassen: Der Reichstag hat mit den heute, gefaßten Beschlüssen sein Siegel unter die Londoner Vereinbarungen gesetzt. Damit ist die Entscheidung getroffen, die für das Schicksal des deutschen Volkes auf Jahre hinaus von maßgebender Bedeutung sein wird. Der Reichsregierung ist es Bedürfnis, allen Mitgliedern des Reichstages, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, ihren Dank auszusprechen. Alle Beteiligten haben schwere Bedenken überwinden und vielfach sogar persönliche Ue ber ze u gu n g e n zurück stellenmüssen, um zur Annahme der Londoner Qkreinbarungen zu gelangen. So schtver der Entschluß auch jedem Einzelnen geworden sein mag, so mußte er doch gefaßt, werden, wenn unserem Vaterlande der Weg in eine bessere Zukunfteröffnet werden sollte. Die Reichsregierung kann und will aber diesen bedeutsamen Augenblick, in dem sie in Durchführung des Versailler Vertrages schwere Verpflichtungen auf sich nimmt, nicht vorüber- gehen lassen, ohne in der Kriegsschuldfrage, die seit 19 19 mit s ch wer ein Druck auf der Seele des deutschen! Volkes lastet, klar und unzweideutig ihren Standpunkt darzulegen. Die uns durch den Versailler Vertrag unter dem Druck übermächtiger Gewalt, auferlegte Feststellung, daß Deutschland den Weltkneg durch seinen Angriff entfesselt habe, widerspricht den Tatsachen der Geschichte. Die Reichsregierung erklärt daher, daß sie die Feststellung nicht anerkennt. Es ist eine gerechte Forderung des deutschen Volkes, von der Bürde dieser falschen Anklage befreit z u werden. Solange das nicht geschehen ist und solange ein Mitglied der Völker^melltschaft zum Verbrecher ander Menschheit gestempelt wird, kann die wahre Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet werden. Die Reichsregierung wird Anlaß nehmen, diese Erklärung den fremden Regierungen tur Kenntnis z u bringen. Bürgerblocki-Negterung? (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 30. Aug. Die Neubildung der Reichsregierung soll, wie wir hören, nach Beendigung der demnächst beginnenden Parlamentsferien erfolgen. Man rechnet damit, daß Anfang Oktober alle Verhandlungen abgeschlossen werden können und bis dahin das Kabinett M a r x - Stresemann formell zurücktritt, um einer Regierung des Bürgerblocks Platz zu machen. Nach den vorläufigen Vereinbarungen scheint es, daß Reichskanzler Marx nach wie vor die Leitung des Kabinetts beibehalten wird. Auch Außenminister Dr. Stresemann dürfte auf den dringenden Wunsch seiner Parteifreunde hin die Leitung des Außenministeriums in der Hand behalten. Ein Dementi. > ^erJjn- ,^9 (Wolff.) Aus Kreisen der Deutschen Vvlkspartei wird mitgeteilt daß die Mitteilung der „Deutschen Zeitung", daß die Deutsche Vvlkspartei der Teutschnativnalen Volks- Partei vier Ministersitze und den Reichs» kanzlerpvsten ungebeten habe er- f u n d e n i st. Die Deutsche Vvlkspartei hat der Deutschnationalen Vvllspartei keinerlei Mini st e r s i tze oder den Kanzlerpvstenan- ge boten. Mißstimmung unter den Deutschnationalen. Berlin, 30. Aug. Wie unser parlamentarischer Mitarbeiter erfährt, ist der rechte Flügel der Deutschnatioualen mit den getroffenen Vereinbarungen über die Annahme der Londoner Beschlüsse keineswegs einverstanden Die Mißstimmung unter den Mitgliedern des rechten Flügels der deutschnationalen Reichstags- srattion geht soweit, dahmansogar mit den Möglichkeit ernst Hafter Konflikte innerhalb der deut s ch nationa len Partei rechnet. Ein maßgebender deutsch- nattonaler Abgeordneter des rechten Flügels erklärte unserem Mitarbeiter gegenüber, seiner Ueberzeugung nach habe die deutschnationale Reichstagsfraktion schwere Opfer gebracht, in- lre ihre Einigkeit p r e'i s geg e ben habe. Man könne nicht annehmen, daß auf die Dauer die Cinigkett der Partei aufrechterhalten werden kann, wenn man seitens der Leitung der d«llschn attonalen Reichstagsfraktton sich dazu entschließen wil auf eme Politik der Kompromisse und der Koalition elnzugehen. Schacht bei Mussolini. W ^DT?V29/.9Iu9; Aach der .Agenzia Stefans" in 1 An Reichsbankpräsidenten Dr. ? *7 de" Wunsch ausgedrückt hatte, Mus- svlmi ferne Aufwartung zu machen, empfangen. Tagung des völkerbundsrates. Genf, 29. Aug. (WTB.) Die 30. Tagung des Völkerbundsrates ist heute mittag unter dem Vorsitz des belgischen Außenministers Hymans eröffnet worden. Da Leon Bourgeois und Jouvenel erst am Sonntag ein treffen, war- Frankreich durch den Direktor der Völkerbundabteilung am Quai d'Orsay vorläufig bertreten. An Stelle Salan° dras kam für Italien vorläufig Marchese Medici. Die Vertteter der übrigen Staaten sind für England Lord Parinoor, für Japan Jschi j, für Spanien Quinones de Leon, für Schweden Dranting, für die Tschechoslowakei Benesch, für Brasilien Mello Franco, für Uruguay Guani. Zu Beginn der öffentlichen Nachmittagssitzung des Völkerbundsrates, wonach auch der inzwischen eingetroffene italienische Delegierte Sa landra teilnahm, widmete Hymans dem kürzlich verstorbenen Mttglied der RegierungsLvmmission des Saargebietes Espinosadr lvs Monteros (Spanien) einpn kurzen Nachruf. Der Rat trat hieraus in die ersten Punkte der Tagesordnung ein (Berichte des Ausschusses für Bekämpfung des Sklavenhandels, des Opium- und Mädchenhandels sowie der Mandatskommissivn). Besonderes Jntrnesse bvt nur die Frage der Kolonialmandate, über die auf Grund umfangreichen Materials der ständigen Mandatskommission des Völkerbunds Dranting ausführlich Bericht erstattete. Zu der wichtigsten dieser Fragen, der militärischen Aushebung der Eingeborenen in den Mandatsgebieten, hatte die Mandatskommissivn des Völkerbundes in früheren Beschlüssen erklärt, daß jede Aushebung eine Ver- 9 e wa ltigung des Mandatssystems sei, wenn sie anderen als lokalen Zwecken diene. Infolge englischer Einwände hatten neue Beratungen über diese Frage stattgefunden mit dem Ergebnis, daß die englische Regierung schließlich erklärte, auf das Recht der Einreihung von Eingeborenen zu verzichten. Die französische Regierung hat sich diesem Standpunkt angeschlossen vorbehaltlich der im Falle eines allgemeinen Krieges in Art. 3 der Mandatsbestimmungen für Togo und Kamerun vorgesehenen Rechte. Der Rat sprach auf Antrag Dranti ngS der französischen uni) englischen Regierung feine Befriedigung über ihre Haltung aus und ersuchte die anderen MandÄsmächte, auch ihre Stellungnahme zu den Problemen der militärischen Aushebung mitzu teilen. Der Völterbundsrat beschloß seine heutigen Beratungen mit einer längeren Geheimst tz u n g, in der vor allem die Abrüstungsfragen besprochen wurden. Ern großer Teil der Debatte galt der Frage der Militär kontrolle in den besiegten Staaten und dem kürzlich von dem Juristenkomitee ausgearbeiteten Gutachten über bie Nichtbeteiligung der interessierten Staaten an den Beratungen über die Militärkontrolle. Die Ständige Militärkommiffion des Völkerbundes, die gestern jufammentrat, trat ebenfalls in die Beratung der Militärkontrollfrage ein. Panik in der Dobrudscha. Die Folgen russischer Marinemanöver Bukarest, 29. Aug. (WTB.) Nach der Mitteilung des rumänischen Kriegsministers kreuzt die russische Sch warz m eerslotte im Schwarzen Meer und hält Uebungen ab. Das Geschützfeuer ist an der rumänischen imb bulgarischen Küste hörbar. Nachts nähern sich die ruffischen Schiffe der Küste und bestrahlen sie mit Scheinwerfern aus großer Entfernung..Der Bevölkerung der nördlichen Dobrudscha bemächtigte sich große Aufregung: sie flieht in das Innere des Landes. Die rumänische Schwarzmeerflotte verfolgt die Bewegungen der russischen Flotte mit großer Aufmerksamkeit. Sawinbow vor Gericht. Moskau, 29. Aug. Rufs. Del.-Ag. Gestern begann vor dem Obersten Gerichtshöfe der Prozeß gegen Doris Sawinkvw. Sawinkow war der bedeutendste Führer der gegenrevolutionären Verschwörung gegen die Sowjetmacht. Vor Gericht machte Siwinkow umfangreiche aufrichtige Aussagen. Er erklärte, daß er sich in den gegenrevolutionären Gruppen' ge - täuscht habe und die Berechtigung der Revolution anerkenne. Alle Emigranten, die das russische Voll liebten, sollten tne Sowjetmacht anerkennen. Er erwarte fein Todes urteil und bäte nicht um Gnade. Rach dreistündiger Beratung wurde das Urteil verkündet, ivvnach Sawinkow zum Tode berurteilt wird. Angesichts seiner Erklärungen beschloß das Gericht jedoch, das ZentralePekutivkomitee der Sowjets um Milderung der Strafe zu ersuchen. Aus aller Wett. Folgenschwerer gugzusammen- stoß in Indien. 87 Tote. — 102 Verwundete. Glmla, 29. Aug. (WTB.) Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich auf der Eisenbahn- »nie zwischen Multan und Lahore. Bis jetzt find 67 Leichen aufgefunden. Man glaubt, daß sich noch 20 unter den Trümmern befinden. Die Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 102, davon sind 53 schwer verletzt. Als blinder Passagier unter dem Eisenbahnzng von Oberschlefieu bis Hanau. Hanau a. M„ 29. Aug. (Wolff.) Bei der gestrigen Bahnhvfskontvolle wurde von der Kri- minalpolizei ein Ibjähriger Pole namens Ian ^aika festgenvmmen, der von Dormvw in Polnisch-Ober schlesien bis Hanau unter einem Eisenbahnzug gelangt war. Er fuhr anfangs bis Berlin, wo er sich 14 Tage in einer Erdhöhle am Zoo aufgehalten hatte. Bvn dort kam er, sich immer an das Untergestell eines Eisenbahnwagens an klammernd, bis hierher. Sein Ziel war Frank reich. daS er über Frankfurt a. M SS“6- Der Aufgegriffene verficht kein Wort deutsch In seinem Besitz befanden sich toerttwlle Driefmarten, Zigaretten und Postkarten, Ansichten des Berliner Zoo, die zweifellos von einem Diebstahl herrühven. Der Junge war seinen Eltern durchgebrannt, war bereits zweimal von der Polizei aufgegrtffen worden, doch gelang es ihm immer wieder, zu entfliehen. Gerechte Strafe für FriedhofSschauder. Hagen, 29. Aug. (WTB.) Vor dem Hagener Schöffengericht batten sich gestern vier An- geftagte zu verantworten, die vor einigen Wochen Verwüstungen aus dem jüdischen Friedhof i n Hagen-Eilpe angerichtet haben. Nach fünfstündiger Verhandlung verurteilte das Gericht den Fuhrmann Wilhelm de Haas zu sechs Jahren Zuchthaus und zehnJahren Ehrverlust. Dte übrigen Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von zwei, drei und vier Jahren verurteilt. Däuberffcher Aeberfall auf einen Eisenbahnzng. London, 29. Aug. Die „Daily Evenina" meldtt °'K Dnuna, geyn das • Kamtiir Sturm Itejen, Pöite erkennt man gern mg, in der Achter tme 'hart Hauptmann, jttef / sehr Gesundes war. Ernst ' 1813 die Deutschen jum Mi, das war nur mög- die Studenten und die in die LMmaffen htiM- !che Jugend unserer Zeit r gelebt hat, nicht inflnei rpse bä Le Quesnoh, bei i Karpathen. Liesl wm in ld Driesen, so erfährt man, Frömmigkeit bcklmdel hat gepflügter Ackerboden tm sie alles Erhabene und e tReten, tee Mr m ter e Bücher, die vir y» men wk: mrS antertfxti Wand hat recht, wenn er rgendzett «noch ohne Gchchamg, den hm hundertmal gegangen darf daher der Llletvmg. irmmg. Jede ®a«mtton, mMNDkW^. FrömmM und Gemüts« tdn, die nach ihr tarn, ich dm schönen Dorte des ch unterweisen und da dm «nkl« 1*1» "f ten Heber diese Ausgabe Kirchen geredet nach der Anweisung da g^oimtog 8^ W Wen, den 3ungen W« verbitterte, unfteuudW "Ä8& s-äris» ■Sssff&s SSL- irSÄ® eit ist. „eigen juvg i sein. Ost sich durch gedrängt . Descheid^ Ser- * ine l*r ffÄ&S ;Ärti ÄZL? KneO ^ch« MM UM *5? #Ä racpe. Detnape spartmttsche Oe&en«geffcxrtnng und öen unbestechlichen Sinn für GerechttgSeit. 5Xiß seine DattrlandSlreHe etwas Starkes und Wahres war haben feine Schüler und Freunde viel später gesehen, als der Treis das Leid um feine beiden für dos Vaterland gefallenen Söhne, von denen der eine bereits em namhafter Gelehrter war, mit christlicher Ergebung getragen hat. Heute noch segnen viele das Andenken dieses Mannes, der vor Jahresfrist nach einem tätigen Leben, beinahe achtzig Jahre alt, tn daS Grab gesunken ift । H-D. Was man in der Heimat noch entdecken kann. Die „Entdeckung der Heimat", der ich mich tn meiner diesjährigen Ferienzeit wegen der „höheren Gewalt" der Geldknappheit widmen muhte, hat mich bei einer Streife in das DünS- berg-Gebiet mit einem „Fund" belohnt, der verdient, vor der Vergessenheit bewahrt zu werden. Ich habe da einen Gastwirt entdeckt, der wirklich einzig dastehen dürfte. Frühmorgens war ich auf meinem Stahlroh hinauSgegvndelt. Der Himmel, der in diesem Sommer anscheinend überhaupt das Lachen verlernt hat, machte allerdings das gewohnte griesgrämige Gesicht, und richtig stellte sich der täglich fällige Regen bald ein. Um- kehren oder abwcrrten?, das war die Frage, die ich mir nun vvrlsgen muhte. Ich entschied mich für das letztere und wählte ein freundliches Gasthaus als Unterftanb. Damit hatte ich den richtigen Entschluß gefaßt, denn nach etwa zwei Stunden stellte der Himmel seinen Gießkannen- betrieb ein, die Regenwand zerriß und — man staune! — sogar Dee Sonne kam zum Vorschein. Weiter gings nun. Doch am Rachmittag kam das garstige Ende. Schwarz und dick zog es herauf, der Donner grollte immer stärker, und gerade noch zur rechten Zett konnte ich zum nächsten Dorfe gelangen. Hier machte ich nun im zweiten Gasthaus-äditerstand des Tages meine Entdeckung. Das Unwetter hatte noch mehr Leidensgefährten in dieses Asyl getrieben, die alle mit trübseligen Gesichtern da sahen. Draußen goß eS fürchterlich, und es schien, abS ob es gar nicht mehr aufhören wollte. Doch drinnen waltete ein freundlicher Geist in Gestalt des Wirtes. Sein Vier und seine Wirrst waren gut, das Geld war aber anscheinend bei manchen der Reingefallenen nicht fo üppig vorhanden. Da kam ein Schlau- meter auf die Idee, dem Wirt die Gewährung von Schadenersatz für den verregneten Rach- mittag vorzuschlagen. Jetzt war aus einmal die Spannung der Zechbrüder wider Willen gewaltig. Was würde der also Angezapste sagen und tun? Er sagte gar nichts, aber er tat desto mehr. Er hat die Gesellschaft nicht etwa vausgeschmissen, sondern er bekundete humorvolles „Verstehste" für den neuartigen Vorschlag und gab den ganz fremden, knapp beschlagenen Kumpanen zwei Runden Freibier. Alles war baff! Unb Ven Akiba muß sich vor dem Dorfwirt in der Dünsberg-Rachdarschaft geschlagen bekennen. Aus naheliegenden Gründen kann ich natürlich den Rainen und Wohnort dieses wirklich großzügigen Mannes nicht verraten. Wer ihn kennen lernen will, klappere mal an Regentagen als „reingefallener Ausflügler" die Gegend dort drüben ab und mache tn den Kneip-Unterständen auch Schadenersatzvorfchläge. Wenn das Geschick ihm hold ist, führt es ihn zur rechten Zeit an Die richtige Stelle, und Dann wird er mit mir den einzigartigen Gastwirt in dieser trübseligen Zeit loben und Preisen als ein Juwel für alle Zechbrüder. Aber nur betraten Darf er ihn nicht! Teddy. Giehener Wochenmarktpreise am 30. August 1924 (Händlerpreise). Es kosteten: Butter Pfd. 203—210 Pf., Matte 35, Käse 40— 60, Eier Stück 14—15, Wirsing Pfd. 15, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rühm 8—15, rote Rüben 15, Spinat 25—30, Römischkohl 5, Bohnen 20—35, Blumenkohl Sick 103 bis 200, Salat 10—15, Valatgurten 10—50. Einmach. gurken 4, Endivien 15. Ober-Kohlrabi 10—15, Anter-Kohlrabi Pfd 15, Tomaten 20, Zwiebeln 20, Lauch Stck. 8, Rettich 5—10. Sellerie 15—40 Kürbis Pfd. 8—15, Pilze 10. Kartoffeln 5, Fa'.l- apfel 5—6 Aepfel 20-25, Dirnen 10—35, Pflaumen 25, Zwetschen 30, Mirabellen 30, Reine- klauben 25, Honig 25, junge Hahnen Stück 100, Suppenhühner Pfd. 75, Gänse 100. ♦ " Polizei und Publikum. Zu unserer Rvtiz in gestriger Rümmer wird uns geschrieben: Es handelt sich nicht um Prügelei z wi chen jungen Leuten und Sicherheitsbeamten, sondern e i n Student, der von einem Polize,Wachtmeister gefloßen und mit Gummiknüppel über Die Schläfe geschlagen wurde, setzte sich mit feinem Stock zur Wehr. Der Student wurde hierauf verfolgt und von demselben und einem zweiten Schutzmann mit Gummiknüppeln schwer mißhandelt, obwohl er bewußtlos am Boden lag Als er, aus mehreren Wunden blutend, die Beamten um ihre Ramen bat, drohte ihm der eine mit Einsperren auf der Sandgasse, wo er sich auf etwas gefaßt machen könne. — Aehnliche Vorkommnisse Habei sich hier mehrfach ereignet In andern llnioer- sitätsstädten gchöven Zusammenstöße der Polizei mit Studenten zu den größten Seltenheiten. Personalien. Ernannt wurde- Am 12. August 1924 der Eichmeister Johann Heinrich Schmidt zu Gießen zum Obereichmeister an dem Eichamt zu Gießen, mit Wirkung vom 1. August 1924 an. In den einstwelligen Ruhestand versetzt wurde: 2bn 26. August d. Js. der Landesbankdirektor, Geh. Finanzrat Emil Bastian zu Darmstadt auf fein Rachsuchen vom 1. Rovember d. Js. an. — Dem Pfarrer Hermann Römer zu Ulfa wurde die zweite evangelische Pfarrstelle zu Schotten übertragen. " Die Winternothilfe beschloß die Schließung der Volksküche für Ende d. Mts. Ihre Aufrechterhaltung war von vornherein nur für Die Zeit bis zur Erhöhung der Unter- stühungssätze gedacht, Die inzwischen erfolgt ist. Die durch Beiträge der Geschäftswelt, der englischen Quäker und Wohllätigkeitsvevanstaltung-en aufgebrachten Mittel nähern sich der Erschöpfung. Der verbleibende Rest soll als Grundstock der kommenden Winternothilse dienen. Der Arboits- ausschuß der Winternothllfe löst sich nicht auf, sondern bleibt für den nächsten und weitere Winter zusammen. ** Stadttheate.r. Am Dienstag. 2. September, gelangt das harmlose und doch so reizende Lustspiel »Die fünf Frankfurter" von Earl Röhler zur Aufführung Das Stück wurde in Bad-Rauheim stets äußerst beifällig aufgenommen und hat in diesem Sommer mehrere fast crusverkauste Häuser erzielt. Hessische Lichtbtlddüyne. Lle Gießen, r Erstausführung des Films .Der Berg bg 6 Schicksals", der ein Vortrag dos Darmstadter Landestheaterintendanten Legal vovaus- gehcn wird, verspricht ein künstlerische Ereignis ersten Ranges zu werden. Das wir in Berliner Blättern über das Filmwerk lesen, berechtigt zu den stärksten Erwartungen. So schrieb die .Doss. Ztg.": Ein Drama aus der Ratur, bei dem die Ratur in genialster und vollendetster Weise auf dw Leinwand gebannt ist. Ein Unaxtk* ll seltsamer Schönheit finD Die tauenden Eiszapfen am Sirs» des Hauses. Tosend schäumt der'Dergbach zu 3#l. phantastische Formen zeigt das Gestern und die hohen Bergspitzen, Die sich tief unten in Dem melancholischen Bergsee spiegeln. Düster und unbezwinglich ragt Die steile Höhe der Guglia del Diavolo und wieder und arieber versuchen die Menschen, die Ratur zu zwingen und den Gipfel zu ersteigen. Bornotizcn. — Tageskalender für Samstag. Wartburg-Derein. Zusammenkunft der männlichmi Jugend V28 älhr im Gemeindehaus. Kirchstr. — 8 älhr im Markussacll: Lichtbildervortrag. — Rundfunkhaus, Löberstr., 8V2 llhr: Kammermusikabend. — Lichtspielhaus. Dahn Hof str.: „Die grüne Manuela". — Astoria-Lichtspiele: „Der große Sensationsprozeß". . — Tageskalender für Sonntag. Reichsbund vaterländischer Apbeilervereine vorm. 10 älhr: MitgliÄ>erversammlung im Deveinslokal Hochscheid. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Frauen aus schiefer Dahn". — Astoria-Licht- spiole: siehe Samstag. — Hessische Bllderbühne. Lindenplatz: „Der Derg des Schicksals". Landkreis Gicsicn. h. Mainzlar, 28. Aug. (Unglücks- s a 1I.) Ein junger erst seit 2 Jahren verheirateter Arbeiter aus Treis a. d. Lda., Der in Der hiesigen Chamottefabrik beschäftigt ist, arbeitete heute an einem neuen, der Fcchrik gehörenden Hause, und zwar wollte er Die Dachkandel des H.ruses reinigen. Dabei kam die Leiter in Berührung mit der nahe vorbei gehenden elektrischen Hochspannung und der darauf Stehende empfing einen tödl ichen elekt rischen Schlag. Sofortige ärztliche Hilfe war leider völlia ergebnislos. Dg. G r. - B u s e c!, 29. Aug. Gemeinderat und Kirchenvertretung haben sich gegen die Abhaltung der diesjäh igen Kirmes am ?! ds. Mts. gewnndt mit Rücksicht darauf, daß vor vier Wochen erst ein größeres Fest stattgesunden hat und unter Hinweis auf die schlechten Ernte- aussichten. Doch scheinen Die Verhandlungen noch nicht endgültig abgeschbossen zu sein. Der Gottesdienst am kommenden Sonntag soll der Erinnerung an die Einweihung der hiesigen Kirche gewidmet sein. Posaunen-, Frauen- und Kinderchor werden unter Leitung des Herrn Pfarrers Kalbhenn zur Verschönerung beitragen. Kreis Friedberg. Sf. Friedberg, 29. Aug. In der gestrigen Stadtverordnetensihung wurde bei Punkt 1 der Tagesordnung, ..Benennung von Straßen", beschlossen, eine neue Straße nach dem um Friedberg sehr verdienten Kommerzienrat Trapp Karl-Trapp-Straße, die andere nach dem bekannten Wette rauer Dichter Peter- Geibel-Straßc zu nennen. — Für das in Offenbach zu errichtende Denkmal des 168. Regiments werden 300 Mk. bewilligt. — Bezüglich der Festsetzung der Gewerbesteuer erhebt sich eine längere Debatte, da die Mehrheit der Stadtverordneten den vorgeschlagenen Sah von 40 Prozent (der Staat erhebt 60 Prozent) nicht genehmigen und nur 30 Prozent bewilligen will. Da der Bürgermeister sich bei diesem Beschlüsse nicht beruhigen, sondern die Sache auf dem Dcr- waltungsgerichtswege anfechten will, wird die Sache zur nochmaligen Beratung zum Schlüsse der Sitzung verwiesen und dann der vorgcschlagene Satz von 40 Prozent genehmigt. — Bei dem nächsten Punkte der Tagesordnung, „Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für Fußsteigherstellun- gcn", erhebt der Stadtverordnete Jakob schwere Anschuldigungen gegen Friedberger Geschäftsleute und wirft denselben sowohl bei dieser Vergebung als auch bei Der Vergebung von Weißbinderarbeiten vorherige Verständigung und Trustbildung vor. Sowohl Der Vorsitzende als auch Der Stadtbaumeister, und besonders die als Handwerker tätigen Stadtverordneten verwahren sich in sehr heftiger Weise gegen Die durch nichts bewiesenen Vorwürfe. Die Angelegenheit soll an den Dauausschuß verwiesen werden und dort einer unparteiischen Prüfung unterworfen werden. — Die Fremdensteuer, Die übrigens nur 2000 Mk. eingebracht hat. soll mit sofortiger Wirkung aufgehoben werben. sp. Aus dem oberen Wettertal, 29. Aug. Infolge drS anhaltenden Regentvetters sind Die Wetter und ein Teil ihrer kleinen Rebenbäche sehr angeschwollen, und teilweise sind die Wasscrmassen über d i e 11 f e r getreten. Soweit es sich um Wiesen handelt, ist kein Schaden entstanden. Anders ist es. wo Aecker überschwemmt wurden. Die Dreschmaschinen sind in die Dörfer gekommen, können aber bei Der Witterung noch nicht arbeiten, da Die Frucht zu naß ist. um heim gefahren zu werden. Hafer und Gerste sind teilweise ausgewachsen, der Wenzen leidet auch schon bisweilen durch den anhaltenden Regen. Hoffentlich tritt bald eine Wetteränderung ein. Hessen-Nassau« spd. Al len darf (Dillkr.). 29. Aug. Hier erkrankten nach Dem Genuß von Tollkirschen zwei 5jährige Zwillinge unter schweren Dergif- tungserfcheinungen. Ein Kind starb bereits, das andere schwebt in höchster Lebensgefahr. Landwirtschaft. Niddaer Dullenauktion. Die Bullenauktion in Rida am 1. September wird mijt 11 Dullen und 6 Ebern beschickt. Es ist fomut den Gemeinden Gelegenheit geboten, gutes Zuchtmaterial zu erwerben. Devcutt wörtlich für Politik und Feuilleton: I. D.: Heinz Gorrenz. Obftverfteigerung. Die Frühbirnen (Gute (Braue) an Der Kreisstraße Dettenhausen - Bellersheim sollen Montag, Den 1. September d. I.» borm. 10 Ußr an Ort unD Stelle versteigert werden. Zusammenkunft nächst Bellersheim. Gießen. Den 27. August 1924. KreiSbauverwaltung Gießen. _________Eellarius._____6640V Bekanntmachung. Mhobstverfteigerung. Mittwoch, Den 3. September 1924, vormittags 9 älhr beginnen!), wirb Das Frühobst Der StaDt Gießen von Den Bäumen an Der KrofDorfer Straße, im Gatten Des Bolksbades, in Der Steinstraße, am Wiesecker Weg, im Lärchen- Wäldchen, AnnervDer Weg, Lutherberg, Steinbacherweg und Obstbaumstück öffentlich meistbietend versteigett. Die Zusammenkunft findet um 88/< Ahr am Schlachthof statt. Gießen, Den 26. August 1924. Der Oberbürgermeister. I. B.: vr. Rosenberg. 66958 Bekanntmachung. Grummetgras - Versteigerung -er Stadt Stehen. Montag, Den 1. September und Dienstag, Den 2. September 1924 soll Das Grummetgras von Den stäDttschen Wiesen öffentlich meiftbietenD versteigert werden und zwar: Montag, Den 1. September a) vormittags 9 Llhr, Zusammenkunft am Echlachthof, von Den Wiesen im Reustädterfeld unD Hohleiche: b) vormittags 101 , älhr in der Restauration von Georg Schttmpf, Kaiser- allee 4, von Den Wiesen im Hegstrauch; c) nachmittags 2 Ußr im Philosophenwald von Den Wiesen am Fürsten- brunnen, im Wiesecktal. von Den Wiesen in Der Gemarkung Wieseck. Dienstag, Den 2. September a) vormittags 9 ilßr an Ott unD Stelle an Der Rödger Straße von Den Ochsenwiesen, von den Wiesen im Stolzen- nwrgen, am llters brunnen u. Altenttsch; b) nachmittags 2 llßr an Ott unD Stelle von den Wiesen in Der Gemarkung Großen-Buseck unD RöDgen. Steigliebhaber, welche Die Wiesen zu besichtigen beabfichttgen. wollen fich an Den stäDtischen Wiesenmeister Bellof, Wolfstraße 15, wenden. Die Bürgermeistereien Der umtiegenDen GemeinDen werden ersucht, vorstehendes in ihrer Gemeinde bekannt machen zu taffen. Gießen. Den 20. August 1924. Der Oberbürgermeister. I. D.: Klingspor. 65058 Arbeitsvergebung. Unter Hinweis auf hen Ministettal. erlaß vom 16. Februar 1893 und seine Ergänzungen werden nachstehende Arbeiten des inneren Ausbaues vom Amtsgettchts« neubau in Altenstadt in öffentlichem Wettbewerb ausgefchtteben: 1. Glaserarbeit, ca. 145 qm Fenster in einem Los; 2. Scßlofferarbeit in einem Los: 3. Treppenlieferung in zwei Losen je 35 Stufen. Zeichnungen, Bedingungen und Ange- botsunterlagen sind auf unserem Amt einzusehen. Die letzteren sind daselbst zum Selbstkostenpreis, so lange Vorrat reicht, ab 30. August erhältlich. Die Angebote find oerschloffen und mit Der Aufschrift „Amtsgericht Altenstadt" bis zum Eröffnungstermin am 12. September 1924, vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlags- frist 14 Tage. Büdingen, den 28. August 1924. Hessisches Hochbauamt. 6705D J. D.: L. Götz, Reg.°Baumeister. Eber- und Vullen- Aultion in Nidda am Montag, dem 1. Sept. 1924, vormittags 10 Uhr. Ium Verkauf kommen 3 Bullen (Simmentaler) und 5 Eber (Deutsches Edelschwein). 6583D ranWMasMllNMk-AiisWtz föt Skeltzesse»._______ Erntestricke am 31. August, abends 8 Uhr in der „Einbe“ zu LOLLAR Wer hott es bann noch net vernomme: ffioures do aale Ieire soll komme, E' Schoppekirmes soll es geroroe Woas notzr dann aach des fchlällchte Löwe Bei Kottlet en Werfchtcher es gout sei' Dozou de' ßenneroirt labt ei' En Musik getts zoum huhe Fest 6661D Dom Linkerklub uffs allerbest'! Vergaßt bes ewig Regennaß En labet oach recht ftisch vom Faß. Woas brengt bes ganze Jammern ei'? Noch aalem Brauch muß Kirmes fei’! Von der Reise zurück Dr. Buchinger prakt. Zahnarzt Sprechstunden von 9—-12 Uhr und 2 5 Uhr. 6679D Dr. Metz wieder da sofort greifbar H. R. Fuhr, Lieh Landwirtschafti. 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Zur Lösung der Karten bitte ich */2 Stunde früher zu erscheinen. DieWettkampfteil- nehmer für Wetzlar treffen sich Sonntag mittag 1.15 Ubr am Bahnhof. M59c I. Sckwimmwart. M6BM6 Evatigslischsr Ärteimereii Morgen Sonntag vor-nittagS 6.42 Uhr Abfahrt n. d. (Saalburg. Trinkb.mttbr. Schuhmacher- Zwangsinnung Gietzen. Wir laden unsere Mitglieder zu der am Montag, dem 1. Septbr., nackm. 3 Ubr, im Hotel ^Fclsenkeller", Bahuhofstrafte, stattfindenden Versammlung derJnteressen- gemeinickaft ergeben ü ein und erwarten vollzähliges und pünktlich.Erscheinen. OTM8° Per Vorgtand. DrmnaiSenaDetSrt liefert in jeder gewünschten «ueltattung pretsmert die DrShlsche UirtverfttSts» Drucherei» R. Lange. bilöDk- ta Löberstr. 12 Heute abend 8.30 Uhr: II. Abend BeethoveDSGher Kammennusik Streichquartett op. 18 Nr. 5 Streichquartett op. 74 Andante favorl Lieder 9.30 Uhr: Pressebericht Wettermeldung Tagesbericht des Rhön-Segelflug- Wettbewerbes 10 Uhr: Offenbacher Stadtkapelle 6555a * Dr. Unblutige Mahnung. Mein ob seiner Grobheit berühmter Kollege Dr. Helm (nicht der ehemalige bayrische Zentrumsführer, der allerdings auch nicht am Herzdrücken ptlrbt, sondern der populäre Berliner Arzt) sagte einmal In einer größeren Damengesellschaft: .Ich bin überzeugt, meine Damen, dad keine von Ihnen einen Fuß brechen könnte, ohne sich vor mir schämen zu müssen.- Das war vor 100 Jahren. Bis vor etwa 2'h Jahren, als Sanitätsrat Dr. med. Campe's Kukirol-Fußbad auftauchte, hatte seitdem die Fußpflege fast keinerlei Fortschritte gemacht, während eine vernünftigere Behandlung der Zähne, mit denen man früher ebenfalls wenig Umstände machte, immerhin schon vor einigen Jahrzehnten begonnen hat. Man weiß jetzt, daß der menschliche Organismus nicht nur durch die Lungen, sondern auch durch die Haut atmet Wenn nun ein so nervenreiches Organ, wie der Fuß, zeitlebens In eine enge lederne Kapsel gepaßt und mit einem Dunste von zersetztem übelriechenden Schweiße umgeben ist, so Ist-das selbstverständlich der Gesundheit sehr schädlich, ganz abgesehen davon, daß der Schweiß die Strümpfe und das Schuhwerk zerfrißt und Wundlaufen und Brennen der Füße verursacht. Es ist eine Tatsache, daß Leute, die unangenehm riechen, sei es aus dem Munde oder aus den Schuhen, das selbst nicht bemerken. Andere bemerken es natürlich, aber weil niemand dem anderen sagen wHl: .Lieber Freund, Du riechst Übel-, so erfährt er es nicht, selbst wenn es so arg ist, daß ein Zimmer, in dem er sich aufhält, la kurzer Zeit .durchduftet" ist Und es sind, genau wie vor 100 Jahren, nicht nur die Angehörigen der unteren Stände, die sich schämen müßten, wenn sie unvermutet genötigt wären, dem Arzt die bloßen Füße zu zeigen. Bessere Fußpflege tut dringend not und dazu Ist Sanitätsrat Dr. med. Campe’s Kukirol-Fußbad da. Nicht seine Nachahmungen, denn Nachahmungen sind meistens Schund, sondern das achte, mit der bekannten Schutzmarke .Hahnenkopf mit Fuß*. Das echte Kukirol-Fußbad enthält als wirksamsten Bestandteil eta Produkt, dessen Herstellungsverfahren durch deutsches Relchspatent geschützt Ist Alle Versuche von Nachahmern, ein dem Kukirol-Fußbad auch nur annähernd gleichwertiges Präparat herauszubringen, werden auch in Zukunft scheitern. Füße, die regelmäßig mit Kukirol-Fußbad behandelt werden, ermüden auch weniger, denn es kräftigt Nerven und Sehnen. Weil die Fußpflege so außerordentlich wichtig ist und weil die Mehrheit erst von der Wohltat des Kukirol-Fußbades durch einen Versuch überzeugt werden muß, hat die Kukirol-Fabrik neben den bisherigen Doppelpackungen eine kleinere Packung herausgebracht, die nur 30 Pfennig kostet und Jetzt in allen Apotheken und wirklichen Fachdrogerien zu haben ist Versuchen Sie es sofort! Sie werden überrascht sein, wie angenehm es gegenüber einem Seifenfußbade wirkt, wie wohl Sie sich danach befinden und wie kräftig und elastisch Sie Fußmärsche bestehen, nach denen Sie sich bisher wie zerschlagen fühlten. Die 30 Pfennig werden Sie bestimmt nicht reuen. Fragen Sie Ihren Arzt, er wird ihnen das alles bestätigen. Verlangen Sie auch von uns die sehr wichtige Broschüre »Die richtige Fußpflege*. Wir senden Ihnen diese kostenlos und portofrei und ohne jede Verbindlichkeit für Sie. 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DDT. 3m vierten Heft des von der Russischen Sowjet-Regierung herausgegebenen „Roten Archivs" sind vor lur- -em die geheimen Tagebuch-Aufzeichnungen des ehemaligen Russischen Ministeriums des Aeußeven veröffentlicht worden. Die Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen hat die ganze Deröffent- lichung ins Deutsche übersetzt und gibt sie, als zweite Publikation ihrer Schristen- reihe Beiträge zur Schuldfrage", soeben, zur zehnjährigen Wiederkehr der Kriegsausbruchtage, im Derlage der Deutschen Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin in Buchform fjerauS1 2 *). Der folgende Aufsatz aus der Feder des Herausgebers bildet eine Wiedergabe des Inhalts dieser Veröffentlichung, die geeignet ist, Sensation zu erregen. Zu Swerbejews Berliner Schlutzbericht. Die Auffassung des Berliner russischen Bot- schafters Swerbejew, daß in Deutschland die Heberzeugung herrschte, England werde neutral Bleiben, traf, jedenfalls soweit die Berliner Regierung in Frage kommt, nach dem abendlichen Besuch Bethmanns bei dem englischen Botschafter Sir Edward Goschen am 29. nicht mehr zu. Swer- , 6ejeto ist aber beizupflichten, wenn auch er hervorhebt, daß nach seiner Meinung eine klare Sprache aus London den Frieden hätte erhalten 'können. Diese klare Sprache hätte aber, wenn man nicht mit Rußland und Serbien gehen wollte, in erster Linie in Petersburg erfolgen müssen. Ein ausführlicher Bericht über die Unterredung Swerbejews mit 3agow ist uns aus dem 'Telegramm Rr. 140 des Telcgrammwechsels Berlin-Petersburgs) bereits bekannt. Die Auffassung Swerbes^ws über die Art und Weise, wie Oesterreich Serbien hätte behandeln müssen, weicht von den tatsächlichen Verhältnissen, »wie sie zwischen den beiden Rationen Vorlagen, zu sehr ab, um näher darauf einzugehen/ Wie die Dinge wirklich lagen, war dem Botschafter anscheinend nicht bekannt. Auch irrt Swerbejew, wenn er sagt, das;Oesterreich gewußt hat, Rubland werbe nicht tellnahm- los einem bewaffneten Zusammenstoß zuschauen. Die Erinnerungen des Feldmarschalls Conrad zeigen, daß leider In Oesterreich eine große Unklarheit bezüglich der Haltung Rußlands herrschte, und daß man über die Haltung Frankreichs und Englands anscheinend überhaupt kaum ernstlich nachgedacht hatte. Man muß hierbei berücksichtigen, daß die Aufmerksamkeit Oesterreichs durch die unsichere Haltung Rumäniens und Italiens stark abgelenkt war. ES ist mittlerweile genügend bekamrtgewvr- den, daß Deutschland von dem Ultimatum kaum mehr wußte als die übrigen Regierungen. Der Wortlaut ist Deutschland jedenfalls vorher nicht bekannt gewesen. Wie Swerbejew erwähnt, hat ihm Iagow selbst gesagt, daß Deutschland lediglich jdr eine Strasexpedition gegen Serbien war. Daß die Oesterreicher einen regelrechten Krieg daraus machen wollten, hat die deutsche Regierung leider erst zu spät erfahren. Wenn Swerbejew die Teilmobilmachung Rußlands gegen Oesterreich damit zu rechtfertigen sucht, daß er selbst Material bekommen habe, welches beweise, daß in Galizien weitgehende militärische Vorbereitungen getroffen wurden, bandelt es sich hier voraussichtlich wieder um unzutreffende militärische Agenten-Rachrichten, die bei der Entstehung des Krieges leider eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Die Meldungen mögen zum Teil darauf zurückzuführen sein, daß möglicherweise in Galizien einzelne Reservisten eingezogen worden sind, die zu dem Korps gehörten, die gegen Serbien mobil gemacht worden sind. Solche geringfügigen militärischen Vorbereitungen können aber nicht als ein zu Recht bestehender Grund für die Mobilmachung gegen Oesterreich angesehen werden, zumal Rußland seit dem 26. durch Anordnung der Kriegsvorbereitungsperiode an seinen Grenzen ausreichend geschützt war. Auch aus der Bemerkung Swerbejews, daß er verläßliche Meldungen darüber habe, daß Deutschland „unausgesetzt seine Kräfte gegen uns konzentriere", geht deutlich hervor, daß Swerbe- /jew selbst den wildesten und unmöglichsten Agenten-Rachrichten Glauben geschenkt hat. Eine Konzentration von Kräften ohne vorherige Mobilmachung war 1914 eine militärische Hnmöglich- keit, die auch ein Botschafter begreifen konnte. Die endgültige Anordnung der allgemeinen Mobilmachung. „Die im Laufe der Rächt (29./30.) einge- troffenen Rachrichten", die in allen die Lieberzeugung erstarken ließ, daß man sich unverzüglich zu einem ernsten Kriege vorbereiten müsse, werden nicht näher angegeben. Wenn die Bemerkung einen Sinn haben soll, so müssen es Rachrichten gewesen sein, die den Kriegswillen Deutschlands erkennen ließen, denn gegen' Oesterreich war man Mobilmachung der vier südwestlichen Militärbezirke genügend gerüstet. Wenn man von falschen, unkontrollierbaren Agenten-Rachrichten absieht, können derartige Rachrichten nicht Vorgelegen haben. Im Gegenteil wußte Sasonow, dah Pourtalss ernstlich bemüht war, die allgemeine Konflagration zu vermeiden. /) Beginn des Krieges 1914. Tages- Aufzeichnungen des ehemaligen russischen Außenministeriums. Heoausgegeben von der Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursache mit einem Vorwort von Alfted von Wegerer. Deutsche Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte. Berlin 1924. 2) »Telegrammwechsel Berlin — Petersburg währetü» der Iulitrise 1914.“ Herausgegeben von der Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen. Berlin 1923. Bei der aus 3 Hhr nochguttagS festgesetzten Audienz Sasonows im Beisein von Tatischtschew gelang es, der. Zaren für die Anordnung der allgemeinen Mobilmachung zu gewinnen. Hm den bedeutsamen Beschluß sofort in die Tat umzusehen, eilt Safonow sofort an das Telephon, um Ianusch» kewitsch zu benachrichtigen. Man wird unwillkürlich an die Worte Ianuschkewitsch erinnert, welche er bei Mitteilung dieses Befehles an den General Dobrorolski richtete: „Alors, faires vos ordres mon general, et enfuite . . . dispavarssez pour toute la journee.“ Es fragt sich nun, welches waren die Beweggründe sür den Zaren, um diesen wichtigen Entschluß zu fassen, der den Weltkrieg unvermeidlich gemacht hat. Man hat lange geglaubt, daß die falsche Meldung deE „Berliner Lokal-Anzeigers" einen Einfluß auf die Entschließung des Zaren ausgeübt habe. Wo man dies nicht annahm, sprach man ällgemein von Rachrichten, die aus Berlin eingegangen sein sollten. In den Auszeichnungen finden wir aber nichts Räheres über derartige Rachrichten. Als einziges Motiv für die Anordnung der allgemeinen Mobilmachung bleiben also die militärischen Schwierigkeiten, in die man sich durch die Teilmobilmachung selbst gebracht hatte und die uns Dobrorolski in seiner Schrift eingehend auseinandergesetzt hat. Auch die bereits erwähnten „Verabredungen" mit Poin- care dürften mitgesprochen haben. Hätte man sich bei der Teilmobilmachung begnügt, so hätte dieser Druck wohl ausgereicht, um Oesterreich zu bestinzmen, dem deutschen und englischen Wunsch nachzugeben und seine Ziele zurückzustecken. Die Verantwortung für die voreilige Anordnung der allgemeinen Mobilmachung fällt — auch nach den Tagebuch-Aufzeichnungen — ausschließlich der russischen Regierung zur Last. Die Wirkungen der russischen Mobilmachung Der Wunsch Sasonows, die allgemeine Mobilmachung geheimzuhalten, zeigt, daß er sich selbst keiner Täuschung hingab, welche Wirkung dieser Schritt in Berlin Hervorrufen würde. Im übrigen sind die Aufzeichnungen an diesem Tage tendenziös und zielen darauf hinaus, die Wirkung der allgemeinen Mobilmachung, namentlich auf Graf Pourtalös, abzuschwächen. Welchen Eindruck das Bekanntwerden der allgemeinen Mobilmachung tatsächlich auf Graf Pourtalös machte, und was er alles unternahm, um die Rückgängigmachung des Befehles zu erreichen — sofortige Vorstellung beim russischen Auswärtigen Amt, telephonisches Gespräch mit Sasonow, Audienz beim Zaren, Besuch beim Grafen Fredericks — ist uns aus den Aufzeichnungen des Grafen Pourtalös^) bekannt. Die russische allgemeine Mobilmachung bedeutete den Krieg. Wenn der Zar wirklich geglaubt hat, daß fein feierliches Wort, das er Kaiser Wilhelm in dem bekannten Telegramm vom 31. (Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch, Ar. 4874)) gab, und worin er sagte, daß seine Truppen keinerlei hervusfordernde Haltung einnehmen würden, so lange die Verhandlungen Oesterreichs wegen Serbien andauern, den Frieden hätte erhalten können, beweist nur, wie wenig er von militärischen Dingen verstand. Die russische Mobilmachung bedeutete deshalb den Krieg, weil sie durch eine deutsche Mobilmachung in ihrer Wirkung in dem bevorstehenden Krieg nach zwei bzw. drei Fronten nicht ausgeglichen werden konnte. Eine bis zu Ende durchgeführte Mobilmachung Rußlands und der automatisch einsetzenden Mobilmachung Frankreichs hätte es Deutschland unmöglich gemacht, den Krieg mit der geringsten Chance auf Sieg beginnen zu können. Deutschland wäre von vornherein in diesem Fall schachmatt gewesen. Auf die Haltung der russischen Truppen kam es zunächst gpr nicht an. Abgesehen hiervon dürfc^ wir rückschauend heute sagen, daß das Ehrenwort eines Zaren, hinter dessen Rücken beinahe die ganze Armee mobil gemacht worden wäre, praktisch nur wenig bedeutete. Riemand wird behaupten wollen, daß es dem Zaren «gelungen wäre, nach der allgemeinen Mobilmachung die russische Armee an der Grenze festzuhalten, wenn der Großfürst Ri- kolajewitsch es anders haben wollte. Daß aber der beschränkte, skruppellose Rikolajewitsch den Krieg gegen Deutschland wollte, wird man erst recht nicht in Zweifel ziehen dürfen. Die Tagebuch-Aufzeichnungen stimmen, im allgemeinen betrachtet, mit dem Bild überein, das die neuere Forschung über die Vorgänge während der Iuli-Tage in Petersburg aus dem bisher vorliegenden Material gewonnen hat. Abgesehen viervon sind aber wichtige Einzelheiten und mehrere bisher unveröffentlichte Telegramme im Wortlaut bckanntgeworden, die für eine sachkundige Beurteilung der Kriegsschuldfrage nicht entbehrt werden können. Dem Tagebuch sowie dem Bericht Swerbejews haftet ein eigentümlicher Geruch des Mißtrauens am; der bezeichnend ist für die europäische Lage vor Beginn der großen Tragödie. Dieses Mißtrauen, das dazu geführt hat, jede Aeuhe- rung des beglaubigten Botschafters Deutschlands oder des deutschen Außenministers in Zweifel zu ziehen, wilden Gerüchten militärischer Agenten aber blindes Vertrauen zu schenken, gehört mit zu den Imponderabilien, die die diplomatischen Verhandlungen während der Iulikrisis zum Scheitern gebracht haben. s) Graf Pourtalös: „Am Scheidewege zwischen Krieg und Frieden". Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin. *) Deutsche Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin. Landwirtschaft und Gartenbau Rettung der Haustiere bei Feuersgesahr. Don H. von Grünau. Man hat noch nie soviel über Feuersbrünste gelesen tote in diesen Monaten. Trotz aller möglichen Dorsichtsmaßnahmen finden gerade nach der Ernte nicht selten auch Brände auf Grundstücken und Gehöften statt, die mit einem Schlage Eigentum und Wohlstand vernichten, wenn nicht mit Kaltblütigkeit und Ruhe an die Rettung herangegangen wird. Gewiß, Ruhe und Kaltblütigkeit zu bewahren bei dem Gedanken, das in jahrzehntelanger Arbeit erworbene Hab und Gut verlieren zu müssen, ist nicht immer leicht. Selbst der bedachtsamste Mensch kann «zu Heber- stürzungen verleitet werden, wenn eS sich nicht nur um die Rettung von Menschenleben, von Geld und Wertsachen, sondern auch um die Bewährung der Hausttere vor Schaden unb Untergang handelt. Wie mancher Tierzüchter und Landwirt muhte zusehen, wie seine Hausttere, auf deren Rutzungs- und Derkaufswert er seine Hoffnungen setzte, elend unb qualvoll zugrunde gingen, weil ihnen keine Rettung wurde, und vor allen Dingen, weil die Rettungsbeflissenen ohne Um« sicht und Erfahrung bei der Hilfeleistung zu Werke gingen. Gut und empfehlenswert wäre es daher, wenn jeder, der Tiere zu halten gezwungen oder zur Hilfe bei Feuersgefahr aus ersehen ist, sich darüber Kenntnis verschaffte, was in Fällen der Rot zu tun ist und was zu unterbleiben hat. Bei allen Rettungsarbeiten ist es erforderlich, daß jedes Lärmen, Rufen oder Schreien möglichst unterbleibt. Ie weniger die Tiere, auf deren Rettung man bedacht ist, beunruhigt werden, um so leichter wird die Gefahr überstanden. Dor allen Dingen aber vergesse man nicht, die Feuerwehr schnellstens herbeizurufen. Auch wird es immer gut sein, unbekannte Personen vom Rettungswerk fernzuhalten. Gerade in solchen Rotfällen erweist sich die Wahrhaft des Sprichwortes „Gelegenheit macht Diebe". Dann ist es aber auch, wenn andere Hilfe noch nicht möglich ist, iwtwendig, für Bewegungsfreiheit zu sorgen: Auf den Zugängen zur Brandstelle stehende Wagen, Gerätschaften usw. sind zu entfernen, damit die Feuerwehr, wenn sie etntrifft, ohne weiteres ihr Rettungswerk beginnen kann. Hält die Wehr es dann für notwendig, die Hilfe Fremder in Anspruch zu nehmen, so hat sie das Recht, dies von den Anwesenden zu fordern. Der § 360 Absatz 10 des Strafgesetzbuches ermächtigt sie dazu. „Mft Geldstrafe bis zu einbunbertfünfjig Mark oder mit Haft axirb bestraft, wer bei Hnglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Rot von der Polizeibehörde oder deren Stellvertreter zur Hllfe aufgefordert, feine Hilfe leistet, obgleich er der Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr genügen konnte." Zunächst ist weiter auch darauf hinzuweisen, daß Bei dem heute noch vielerorts anzutreffenden, ebenso ungesunden wie zweckwidrigen Ställen die Rettung der Hausttere feine Kleinigkeit ist. Da sind Futtermittel, Sttoh und bergleichen, Decken und andere leicht brennbare Gegenstände im Stalle für Grobtiere untergebracht, für das kleinere Hausvieh sind schwer zugängliche Holzstallungen geschaffen worden und was dergleichen Derkehrt- heiten mehr sind. Reben der Feuersgefahr ist dann die Erstickungsgefahr vorhanden 2Iber selbst in solchen Fällen, die durch Vorbedacht hätten vermieden werden können, ist es dem, der Tiere zu behandeln a>eih und ihre Gewohnheiten kennt, r och möglich, sie in Sicherheit zu bringen. Wenn die Tiere 'in den Ställen von der Flamme des Feuers geblendet werden, so drängen sie sich zu einem Rudel zusammen und ziehen sich, wenn es ihnen möglich ist, in die entfernteste Ecke des Stalles zurück oder wüten tote wild, wenn sie ihre Koppel nicht zerreißen können. Wenn bet einem Stalle Türen angebracht sind, die nach innen aufgehen, so kann es Vorkommen, daß die Tiere gerade vor diesen Türen Posten fassen und mft aller Gewall dagegen drücken. In einem solchen Falle ist es ratsam, sofort die dem Feuer entgegengesetzte Wand zu durchschlagen und die Tiere dadurch ins Freie zu bringen. Aber auch dann, toenn die Türe zu öffnen ist. muß sachgemäß vorgegangen werden. Man hört zwar oft, daß es nur nötig sei, eines deri Tiere ins Freie zu bringen, worauf bann die anderen folgen. Das tfl aber selber bei Schafen, die sonst hinter ihrem Leithammel herzutraben gewohnt sind, nur in seltenen Fällen richttg. Zunächst flüchten die Tiere, bevor sie bis an die Tür gekommen sind, in den brennenden Stall zurück, und das geschieht um so schneller, je mehr der Feuerschein außerhalb des Stalles bemerkbar ist. Daher müssen selbst Schafe sehr oft einzeln aus brennenden Ställen getragen werden. Bet den allermeisten Bränden gilt es, zunächst das Großvieh zu retten. Pferde und Kühe stehen in der Regel angebunden vor ihren Futterkrippen. Machte man die erschreckten Tiere zu gleicher Zett los, sv würden die Retter leickft in die Gefahr kommen, erdrückt, von den Husen der Pferde erschlagen, oder von dem Hornvieh verletzt zu werden. Die Tiere dürfen nur einzeln befreit werden und müssen mit einer Dycfe oder sonst irgendwelchem gerade zur Hand befindlichen Material geblendet werden. Sie folgen dann leichter ihrem Retter. Hierbei ist aber immer zu betonten, daß manche Tiere von Ratur aus störrisch sind und immer dementsprechend behutsam behandelt werden müssen. Am besten ist es, wenn die Rettung der Großttere von zwei bis drei kräf- tigen Männern ausgeführt wirb, die mft Heber- legung sich gegenseitig in die Hände arbeiten, und zwar so, daß einer die Tiere losbrntot und für die Augenblendung sorgt, während der zweite die Tiere aus dem Stalle hinausführt unb der dritte sie.in Sicherheft bringt. Kann der Besitzer selbst an ton Rettungsarbeiten teilnehmen, so ist dies um so vorteilhafter, ba die Tiere seine Sttrnme kennen und williger folgen. Am meisten Mühe macht die Rettung der Schweine. Befinden sie sich in Holzställen, so reihe man ton Stall schnell nieder und zerre ober trage die Tiere hinaus. Vor einem Biß darf sich da der Retter nicht fürchten. Ist es möglich, ton Tieren einen dicken Strick oder eine zusammen gerollte Decke hinter ton Vorderbeinen um ton Leib zu schlingen, so tut man dieses. Das Hinausschleifen gelingt bann ohne Zeitverlust. Beim Federvieh muh der Retter ton Stall betreten und die Hühner, Enten, Gänse und sonstiges ®ef lüget in Säcke stopfen unb hinaus tragen. Die Tiere müssen weitab vom Feuer in Sicherheit gebracht werben. Gibt man ihnen vorher die Freiheft, so fliegen sie ins Feuer zurück und gehen dann trotz aller Mühe zugrunde. Am gefährlichsten werden die Rettungsarbei- ten, wenn in der Rähe der Brandstätte Bienen vorhanden sind. An ihre Rettung ist erst zu denken, wenn Feuerspritzen am Platze sind oder sonst Wasser herbeigeschafft werben kann. Die erregten Dienen stechen jeden, der ihnen zu nahe kommt, unb machen überhaupt jede Rettungsarbeit unmöglich. Es ist zunächst in die aufgeregten Schwärme gehörig Wasser zu giehen oder zu spritzen. Die Dienen ziehen sich durch das kalte Wasser beruhigt, in ton Stock zurück, der hierauf Samstag, 30. August 1924 burch den Schieber, oder, wenn ein solcher nicht vorhanden ist, durch eine Handvoll feuchte Erde zu schieben ist. Dann müssen die Stöcke einzeln und so schnell wie möglich in einem dunklen Raum gebracht werden, wo sofort das Flugloch zu öffnen ist, damit die Dienen nicht ersticken. Ratürlich muh sich der Retter schnell entfernen. Die Dienen suchen sofort das Freie oder beruhigen sich im Dunkeln schnell, wenn der Raum etwas kühl ist. Die Düngung der Wintersaaten. Don Dr. 21 u g u ft Kilbinger. Erntezeit — Erntesegen, aber auch in Dietern fruchtbaren Iahre Erntesorgen! Die Tücke des letzten Winters hat viel an der Wintergelreide- emte verdorben. Rur hin und wieder sah man iw ton letzten Monaten so ausgeglichen bestandene, dunkelgrüne Roggenfelder, wie wir das in ton letzten 3obren schon gewohnt zu werden anfingen. Diese schönen Ausnahmefeitor waren wohl durch gute Lage begünstigt, aber sie verrieten auch daß hier keine Zurückhalttmg auch auch nur kurzsichtige Sparsamkeit in Düngemitteln und speziell in der Stickstoffvorwendung geübt war. Immerhin wird man bei Beurteilung des gesamten Saatenstandes anerkennen müssen, dah der deutsche Landwirt es auch in dieser schweren Zeit nicht an der gewohnten peinlichen Sorgfalt der Feldbestellung hat fehlen lassen. QRan merkt, wie allmählich die Ergebnisse der Landwirtschafts-- Wissenschaft die Praxis zu befruchten beginnen. Vieles ist zwar noch zu tun, um unsere Landwirtschaft noch mehr zu intensivieren. So ist es z. B. mit der Frage der Saatzeit. Für die Wiifteisaat dürften im allgemeinen die beiden ersten Oktoberdrittel als richtiger Zeitpunkt angesprochen werden. Ein anderer Grund tos ungünstigen Standes der Wintergetreitoselder war offenbar die häufig viel zu reichliche Saatmenge, — trotz übermäßigen Aufwandes also verschlechterte Gewinnaussichten. Durch ein geben to Versuche ist längst erwiesen, das durch dünnere Saat bei guter Düngung ein viel üppigerer unb gefunberer Saaten st and her- vvrgerusen werden kann. Wichtig ist auch der Zeitpunkt der Stickstoff» Verwendung. Während man Kali und Thomasmehl schon im Herbst vor der Saat streut, soll man bas schwefeisaure Ammoniak nur zu einem Drittel im Herbst geben, um die Bestockung anzuregen, unb die übrigen zwei Drittel im Frühjahr vor Erwachen tot Vegetation. Der Stickstoff ist der Rährstoff, der bekanntermaßen dem Boden in weitestem Umfange zu fehlen pflegt. Es wird daher vor allem daraus ankom- men, ihn dem Boden zuzuführen. Der Stickstoff ist bereits auf etwa 75 Prozent tos Friedenspreises gesunken und ist auch im Verhältnis zum Roggenpreise billiger geworden als vor Dem Kriege. Er ist somit der billigste unter ton Pflanzennährstvffen und der billigste der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel überhaupt. 3m allgemeinen sind letztere im Verhältnis zu ton landwirtschaftlichen Produkten viÄ zu teuer. Die Herbsttostellung tos Ackers steht twr der Türe, und es ist schwer für ton Lanto-iri, bas nötige Geld zum Ankauf tor Düngemittel aufzubringen. Es darf aber nicht verkannt werden, dab ohne künstliche Düngemittel eine Erhöhung deS Betriebskapitals unmöglich ist. Rur die rationelle Anwendung der Düngemittel macht der deutschen Landwirtschaft ein Heberwrnton der jetzigen schweren Krise möglich. ES muß daher vor falscher Sparsamkeit entschieden gewarnt werden, zumal das Stickstoff- syndikat durch seine neuen Sontorbedingungen ton Bezug von Stickstoffdüngemittelft aber wesentlich erleichtert hat. Hm ton Landwirt mit den neuen AnbaumetHoden vertraut zu machen, wird jedem auf Wunsch die Schrift: „Anbau und Dün- gung der Winterhalmfrüchte" kostenlos zugesandt. Vom Ausreisen der grünen Tomaten. Es wird auch in diesem Sommer Vorkommen, wenigstens in rauheren Lagen, daß doch nicht alle Tomaten ausreifen. Es werden, wie all« jährlich so auch Heuer, noch immer einzelne grün« Früchte am Stocke hängen,1 toenn die ersten Rachtfröste drohen. Dann aber müssen DU Tomaten sofort abgenommen und zu: Rachveife an ehren warmen Ort gebracht ererben Oft wird empfohlen, die unreifen Früchte ir Kisten ober Schachteln gut zugetockt an einen» warmen Orte Nachreifen zu lassen. Doch dieses Erfahren ist nicht empfehlenswert, denn nach meiner eigenen Erfahrung gehen viele Der unreifen Früchte in tor dumpfen Wärme in Fäulnis über, noch ehe sie rot und reif geworden sind. Häufig werden auch die unreifen Tomaten auf die nach der ^Sonnenseite gelegenen Fenster- gesimfe gelegt, um hier durch die Wärme tor Sonnenstrahlen die rote Farbe und Die Vollreife zu erzielen. Das wird aber nur mangelhaft erreicht, da besonders an Herbsttagen die falte Luft durch die Fugen der Fensterrahmen strömt, so daß die Steife nur langsam vor sich geht. 2lm besten ist es, wenn man die unreifen Tomaten auf ZeitungSpapier hoch hinauf auf K ä ft e n und Schränke im Zimmer und vor allem in der warmen Küche legt: tonn oben ist die Lust immer am wärmsten. Im vergangenen Iahre ließ ich viele grüne Tomaten auf Den Schränken in Der Küche unb im Wohnzimmer ausreifen. Sie wurden schon rot, faulten nicht unb blieben tadellos fest. Allerdings muß fleißig nachgesehen werben. Es können dann immer die reifen Früchte ausgelesen und heruntergenommen werden. Besonders wenn einmal geheizt wird, geht das Rachreifen sehr rasch vor sich. Marie Führer. Inder Rächt vom 26. zum 27. August gegen 2 Hhr überraschte Der Wächter A. von der Rheinischen Wachgesellschaft zwei Männer, die einen Aus- Hängekasten im Seltersweg zertrümmerten. Einen Der beiDen nahm Wächter A. Dingfest unD führte ihn auf Das Polizeirevier 3. WieDer ein Vorfall, Der Darauf aufmerksam macht, Daß ein Anschliehen an Die Rheinische Wach« gesellschast für jeDermann eine Beruhigung in Den kommenden Dunklen Winternächten ist. Anmel- Düngen werDen jeDerzeit entgegengenommen: Sleinstraße 53, Telephon 33. 022911 •Sarnen, ELeta um» Je±n und» mit ttrschroten Lippen. I 3a im, Rotkopf — ist nvch nicht aller Lage Abend. 56. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) LOHNS Wasch-Extrakt mit dem ist in 30 Jahren erprobter zweckmäßiger lü Auf nach Linnes zur Kirmes!! Sonntag, den 31. August, und Montag, den 1. September W91< Die gesamte 022951 männliche Jugend von Londorf Gießen (Hofmannst^lße 8), 30. August 1924 ML Möbelfabrik Utphe, 30. August 1924 Kein Laden P. .ML 6685c 6667D Der Führer von Gießen 022960 erhältlich. 6714h Btrltltüotrti» Sieget t B. Has Sov Alle Männer der Markus-Kirchengemeinde werden hiermit für Dienstag, den 2. September, abends 8 Uhr in den Gemeindesaal Kirchstraße 9 herzlich eingeladen. Es sollen wichtige Angelegenheiten des Lebens in .der Gemeinde erörtert werden. Ihre Vermählung geben bekannt Heinrich Arnold, Lehrer Otty Arnold geb. Krebs N steil« bei c in 0 sich im t <11 Vorzii >ur| Der Alte auf Topper Nvman von HannS t>on Zvbeltih. Nun sitzt sie wieder und lauscht. Man merkt's ihr an, sie fängt jedes Wort auf. Nun ja. . . kann sie haben . . . Ermeländer und ostpreuhische Pferde darunter mehrere egale Gespanne zum Verkauf Ihre heute in Frickhofen vollzogene Vermählung geben bekannt Assessor Dr, jur. Hans Kowarzik und Frau Elli geb. Jung Dringenden Wünschen meiner geehrten Kundschaft entsprechend, habe ich meinem Spezialgeschäft für moderne solide Korbwaren u. Korbmöbel eine 6*tr, Woche. Es a0®1 Sc den wti Konrad Sann Emma Sann geb. Rück Vermählte Gießen (Riegelpfad 42-, 30. August 1924 Bauinspektor H. Philippi und Frau Großer Lteinweg 16 Ab Mittwoch, 3. September kommen in unseren Stallungen OoH unS öfter niche stören. Du, rvasp-ar, frtegß heut den Ehrenplatz, hier neben, mir! Komm —“ Sv sahen sie um den großen Eichentisch, und bei aller Qlot der Zeit hatte Frau Beate den doch so festlich beschickt, wie eS eben anging. Aus dem leeren Keller tonnte freilich auch sie nichts heraus-aübern, ober einen guten Aufguß aus eingemachten Brombeeren hatte sie bereitet, mtt dem sich auch anstohen und prosten lieh. Balde, so sagte der Großvater wieder: „Erzähl', Kaspar, wie war das doch bei Torgau, als der König dich Papier und Gänsekiel besorgen hieh!" Und der Ztanter lieh sich nicht bitten. Manchmal, wahrend er so erzählte, dies und das und noch einiges, blickt er in der Nunde und verwundert sich ein weniges, dah der Ohm gar nicht mehr arg elend und vergrämt ist. Der schaut ganz froh aus, ruft mal dazwischen: „Kaspar, f[untre nicht!" und stützt mal die Frau Mutter leis mit dem Ellenbogen an: „Sieh dem Jungen keimt's wahrhaftig schm unter der Nase!" llrö lacht. Als ob er das Lvttchen Lasow ganz verwunden hott'. Manchmal bückt der Zunker aber auch zur Ruch hinüber. Die sitzt fein sittsam, wie ein rechtes Iüngferlein, zwischen ihrer Mutter und dem Gvohvater, hat Hand an Kant und die Augen ewig gesenkt. Wetterchen, Wetterchen, ist das Mädel hübsch! Tut ihm doch leid, dah er's mit ihr verscherzt hat. Einmal gibt ihr Frau Beate eine Kommission. Soll etwas holen, muh aufstehrn. Llnd wie sie zurückkommt, fügt sich's, dah ihre Augen sich ^Guten Tag' sagen — im Zufall, kann aber auch Absicht sein. Die Guckerchen, Pvhblitz! ilnb das füfce Mäulchen dazu. Sv recht ein Mäulchen zum Dann stand der Gestrenge auf und schritt, den Seinen und der Gemeinde voran, zur Tür. ilni) wie sie hinaustraten, sahen sie es: und es war ihnen wie ein Wunder: da war der Mond aufgegangen und leuchtete silberhell über dem glitzernden Schnee. Ganz stille hatte drinnen der 3unfer gesessen, in frommen Gedenken und guten Vorsätzen. Nun drängte es ihn zum Grotzvater, dah er ihm die Hand küssen muhte und ihm sagte: »Wie schön habt Ihr geredet, Herr Großvater —“ Toch der Alle wehrte, hob nur die Hand, stand im Mondenschein uirb lieh die Gemeinde an sich vorüberziehen. Wie sonsten immer in besseren Zeiten. Nickte dem zu, und hatte für den und jenen ein gutes Wort. War dabev sehr ernst. Dis schliehlich die Kinder kamen, paarweise, sv es ihnen Balthasar, der sie gern mit Rute und Bakel drillte, eingetrichtert. Da erhellten sich des Greises Mienen. Er strich hie und da einem Blondkopf über den Schopf, klopfte dem andern väterlich auf die Schulter: ,2a, schaut nur, mir hat das liebe Christkind etwas besonders Gutes gebracht! Den Herrn Junker her, Leibpagen Seiner Majestät. Kommt just heut aus des Königs Feldlager! 41 nd nun geht nach Heime und seid fröhlich —heut ist Weihnachten!" ,Zetzv — nun wollen wir fröhlich sein!" hat er nachher auch in der Herrenstube gesagt. „Kann euch keine Cadeaux machen, wie wohl sonsten. Herzlichen Dank für die uns anläßlich unserer silbernen Hochzeit in so reichem Maße erwiesene Aufmerksamkeit Musik und Tanz im freien und im Saal:: Jazzband Parkett und prima neuer Tanzboden. Gedeckte Hallen. Montag: Gröhes WschoDtllko»zert mit Ritseilhaspel »sw. Für prima Speisen und la Getränke ist bestens gesorgt. (Es laden freundlichst ein 022954 die Burschen zur deutschen Siche. Hranz Rathenow. Gebe. Isenberg, Gießen Telephon 862 Wlllltorftrahe 71 Telephon 862 chen. Küßt dem Grotzvater die Hand und Be Srau Mutter, drückt dem Ohm ttüstiglich dk Rechte. Nimmt den Ntessingleuchter. »Ich komme nachher zu dir, Kaspar," mein! Frau Beate. »Will nur erst noch in der Küche nachsehen, ob alles in Ordnung." Sv geht Erst ganz vermessen, drauf im Sturmschritt die Treppe hinauf, als hüll' er gar keine Zeit zu verlieren. Steht dann auf bem groben, weiten Boden. Da ist allerlei Gerümpel alte Spinde, wacklige Tisch und Bänke, und der schmale Lichtschein fällt fast gespenstisch dazwischen, malt dunkle Schatten in Ecken und Winkel. Aber der Junker kennt sich aus: dorten ist sein Kämmerchen und dicht daneben das von der Frau Magister und dem Rotkopf. Wand an Wand. 3a, die Ruth! Mit ihr hat et oft genug Berstecken gespielt hier oben zwischen den dicken Wänden und dem morschen Gelump. Da hinter der Räucherkammer hat sie mal gesessen, ganz zusammengeduckt im dunklen Eckchen. Erst hat er ihre Augen gesehen, die leuchteten wie Katzenaugen aus der Nacht. Lind dann haben sie sich gejagt in wilder Hatz, zuletzt die steilen Leiten' hinauf zum Oberboden. Gekriegt hat er sie doch und drauf saßen sie in der Luke und ließen di« Deine ins Freie baumeln. Mit einem Male knarrt eine Tür. Schnell stellt er den Leuchter hinter sich auf" den großen Tisch deckt das Licht mit dem Rücken. Ta ist sie — Ruth. Hat einen irdenen Krug in der Hand, die Tür schon hinter sich zugedrückt, steht unsicher, sieht ihn noch nicht, aber den fremden Lichtschimmer. Geht ein paar Schritte weiter zur Treppe — ________ (Fortsetzung folgt) Werkstätte für Neuherstellung und Reparaturen 111 hi 111 n 11 im in 11 in i iiii ■ in 11 lt 11 in । it in ■ n 11 ii i in 111 ii । ii 11 n 11 im । ti i ■ i, 11 Ri । mi i um........... 111 ii 11 m ■ ■ n i ■■■■ ■ n ■ ■ ■ l( ■ t l(l von Korbwaren sowie für Stuhlflechterei iiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiimiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiii ungegliedert. Auch in diesem Geschäftsbetrieb werde ich nach meinem bewährten Grundsätze ~~ Beste Leistung bei angemessenen Preisen "" verfahren und bitte ich, das mir bisher in höchstem Maße bewiesene Wohlwollen auch auf diesen Geschäftszweig zu übertragen Oberhessisches Korb warenhaus:: Heinrich Heß Schulstraße en gras - en detail Telephon 368 - 6690c Wascheinrichtungen Badeeinrichtungen jeder Art 6688a ------Großes------ Lager aller Wasch- und Toiletten - Gegenstände bei Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Also fegt der Günter erst recht los, grad' so, wie man wohl am Derwachtfeuer renommiert. Er watet bis hart an die Knie durch Blut: jeder preußische Offizier ist ihm ein Leonidas, jeder Grenadier ein Held. ilrtb wie der Eehdlitz mit den Kürassieren einhaut! Welch armseliges Knäb- lein der alte Odysseus gegen den listenreichen Bieten gewesen — Lacht der Stabskapitän dazwischen: „Kaspar! Kaspari Wo hast du das Ausschneiden gelernt ?“ älnd der Herr Großvater, der sich schon fein Pfeifchen angesteckt, meint: „Scharfe Augen geben gute Schützen, sagt der Zager. Da schoß er eine Krähe statt eines Adlers. Aber latz den Stangen schwatzen. Es höret sich All an." Sachte Witt) die flinke Zunge doch müde. Ist schon spät Die Frau Magister steht auf und gleich auch Ruth. Sie gehen um den Tisch reichen jedem die Hand. Grad' die Fingerspitzen kriegt der Gunter vom Rotkopf. Sieh dir mal den Racker an: die Fingerspitzen, wie sie etwa die verzürnte Grande Dame dem malhonnetten Kavalier reicht . Geht gähnt auch der Großvater. Ohtn Christian bekommt solch langen Leidenszug im Gesicht. QUan merkt's, daß er immer noch nicht ganz gesund ist. „Möchf euch gehorsamst gute Nacht wünschen," sagt der Gunter. Und seine Gedarrten sind schon oben unterm Dach aber nicht im eigenen Kämmer- | 5wang$=3mmng I für bas Yäckerhandwerl im Landkreis Gießen. Allen Kollegen zur Kenntnis, daß die erhöhten Mehlpreise uns zwingen, von jetzt ab den Preis für 1 Laib Roggenbrot (ä 4 Pfd.) auf 60 Pf. festzusetzen. Der Vorstand. Erd-, °der ALLES geht oder fährt nach LONDORF Am Sonntag den 31. August und Montag den 1. September 1924 findet unsere Kirmes statt. Unser Wirt, Herr Metzgermeister H. Lieh, trägt Sorge für bestes Essen und gute Getränke. Die gutbesetzte Musik bietet mit unserem neuen Tanzboden (groß und gehobelt) alt und jung schönste Gelegenheit, sich beim Tanz zu erfreuen. Auch ist der Juxplatz gut besetzt. Eintritt für jedermann. - Tanzen für alle verheirateten und weiblichen Personen sowie für Kinder frei. - Es ladet freundlichst ein ist neu erschienen und in allen Buchhandlungen sowie bei Herso, Plockstraße 5, und Lesehalle, Kirchenplatz 9 Zusammensetzung überall wieder zu haben ry wsi aSSaHö -----wo im Schaufenster sichtbar.----- Vertreten Adolf Schmidt, GieBen, Telephon 1086. 5025 D Anfertigung nach eigenen und gegebenen Entwürfen Vorteilhafte Preise - Zahlungserleichterung Reichhaltiges Lager in: Speise-, Herren-, Schlafzimmer — Küchen Büromöbel — Einzelmöbel nnenausbau Karl Hahn, Gießen Loberstraße 17 Nach meinem Ausscheiden aus der Reichssteuerverwaltung habe ich mich als RECHTSANWALT bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen niedergelassen. Mein Büro befindet sich Wolkengasse 27II, Ecke Bahnhofstraße, im Hause der Samenhandlung Heinrich Hahn Wilhelm Luley, Regierungsrat a. D. Fernruf 1409 6664D S Vogtsche^x / Handelsschule Gießen X Goethestraße 32 14, Oktober Beginn des neuen Winterhalbjahres Durchgreifende Fachausbildung in allen Zweigen der Handdswissenschaften Halbjahres- und Jahresklassen . - Höhere Handelsfachklasse - \ Erstklass. Lehrkörper - Schulhausneubau / Anmeldungen, Prosp. u. Ausk. durch die Schulleitung: Dr. Reukauf, Dipl.-Kaufmann, Dipl.-Handelslehrer 6674a Elektr. Licht- und Kraftanlagen sowie Sctahslromlap jeder Art and Größe werden sachgemäß und preiswert ausgeführt durch 6M7a Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Hast du deine Wäsche gern, So wasche nur mit Flügelstern! Hersteller: P. Jos. Mobs, Seifenfabrik, Gießen Gegründet 1878. Vorzugs-Angebot! Gültig bisl.Okt.1924 Rur G.-M. pro Woche. Sie erhalten mit 1 Jahr Garantie pe»»A IBelkaOaMm-ttmi nach Katalogwahl prompt geliefert. Senden Sie sofort 1G.-M. f.Bedingungen Nr.20. Betrag gilt bei BesteUungals Anzahlung. 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Schr.Angeb. u.022889 an den Gieh. Anz. I Einer sagt es dem andern \15.Okt.Bezinn 9------------neuer Nr. 204t Drittes Blatt Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die Börse wurde in der abgelaufenen Woche ,ium größten Teil beeinflußt von der bevorstehen - den Entscheidung im Reichstag. Das Ratens Annahme oder Ablehnung, fehle sich während der ganzen Woche fort, und im allgemeinen hegte die Dorfe einen recht starken Optimismus. Wie weit diese berechtigt ift, kann zur € tunix: kaum gesagt werden. Unzweifelhaft jedoch bleibt es, daß mit Ablehnung des Eisenbahngesetzes und Herausschiebunq der Wahlen eine Senkung des Kursniveaus erfolgen würde, die alle Gewinne der letzten Woche totebcrum illusorisch machen würde Was auch immer gegen den Londoner Pakt zu sagen ist, so handelt es sich vom wirtschaftlichen Standpunkte aus nur darum, zu entscheiden, ob unsere Lage sich durch Ablehnung oder Annahm«,' günstiger gestalten wird. Daß nur die Annahme des Der träges einen endgültigen Wiederaufbäu der deutschen Wirtschaft, ein Hereinströmen der Kn.-dite, kurz eine Atempause gewährt, beweisen die vielen Zuschriften und Entschließungen des Handels und der Industrie. Einen dementsprechenden Standpunkt nimmt auch die Börse ein. "Neuwahlen würden, wie die Ber° hä l linste llegen, nur eine "Verzögerung der Dvr- teilc des Der träges bedeuten Ein anderer wichtiger Faktor für den Effektenmarkt der Dcrgangenen Woche war die Hmstel- ftrng der Berliner HandelSgesellscha ft gemäß dem Gvldmark-Dilanzgesetz. Diese Umstellung, die eine RÄnizierung des Friedens kapi- tals, das seit 1908 nicht mehr erhöht worden ist. im Verhältnis 5:1 Vorsicht, hat an der Börse große Enttäuschung hervorgerufen. Vorbei ist die Zeit, wo man den Traum von den sogenorrnten goldwertigen Aktien mit sogenanntem Friedenskapital träumen konnte. Die Berliner Handelsgesellschaft ist in ihrer Bilanzg^arung schon von jeher für ähnliche ü ntcrnet>nrungen Vorbild ich gewesen, und so dürfte die Börse nicht Hnrechi haben, wenn sie annimmt, daß auch andere Unternehmungen diesem Beispiele folgen werden. Der Erlaß, wonach die Gvldmarkbilanz-Aufstellung bei Nnnen, deren Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr zusammenfällt, noch weiter hinaus- gescl-oben toctiben kann, trägt nur i^rf) dazu bei, die Ungewißheit zu vergrößern und die reservierte Haltung maßgebender Fincrnzkrvite zu verstärken. Am Devisenmarkt machten ftch infolge Hllimorealisatwmm größere Verkäufe bemerkbar, zumal in den letzten Tagen die Aotierungen für einzelne Hauptdevisen etwas in die Höhe gegangen waren. Der Bedarf an blltftnogeldern fühle auch in der vergangenen Woche zu einer leichten Versteifung des Geldmarktes, die den Sah für tägliches Geld ton Va auf 3/< Pro Mille erhöhte. • Der Reichswtrtschaft s m in t ft er über die Erhöhung der englischen Repa ratio nSa bgabe. Dem Hansa-Dund wurde auf seine Anfrage vom Reichs Wirtschafts- minifter das Rachstehende nritgeteiU: Die bisherigen Pressenachrichten über die Heraifsetzing der nach dem englischen Reparation Ree>vereh act zulebt in Höhe von 5 v. H. erhobenen 2ll>- gäbe auf die frühere Höhe von 26 v. H. sind meist mißverständlich gewesen. Die englische Regierung hat allerdörgs der deutschen Regierung ihre Absicht, eine solche Erhöhung vor? irheßnren, bekanntgegeben. Die deutscherseits gegen diesen Plan erhobenen Vorstellungen haben zunächst eine Hinausschiebung deS Zeitpunktes der Wiederhinaufsetzung der Abgabe zur Folge gehabt, und es werden auch Verhandlungen über eine etwaige Abänderung der Erhebungsart an- gestrebt. Für die zur Zeit laufenden Geschäfte liegt jedenfalls ein Grund zu besonderer Dean- rußigang nicht vor. Sollte es demnächst zu der Wiedereinführung der Abgabe von 26 v. H. kommen, so wird die Erstattung so geregelt werden, daß den deutschen Ausfahrhändlern die tpeitere Lieferung nach England Möglich bleibt * Amerikanische Kreditverhandlungen der Stadt Essen. Die Verhandlungen des Industrieverbandes und der Stadtverwaltung Essen-Oberhausen mit amerikanischen Finanzkreisen über Gewährung eines Darlehens über 1 Million Goldmark, stehen unmittelbar vor deitz Abschluß. Das Darlehen soll an hiesige Werke verteilt werden und wird gegen entsprechende Sicherheitsleistung für zwei Jahre gewährt. Bei einer Verzinsung von 13 Prozent im ersten Iahre und 1 Prozent im zweiten Iahre. Die städtische Sparkasse hat die Ausgabe eines Treuhänders übernommen. * Mexikanische Anleihen. Die dem Rcvrganisationspkcme beigetretenen Stücke der mexikanischen Anleihen werden jetzt nach Abstempelung seitens der Depotstellen an die Einreicher zurückgegeben. Den Stücken getrennt bei- gefügt sind die Receipts ftfr die rückständigen Zinsen 1914/22. Ferner sind den Stücken ange= heftet die Cash Warrants gegebenenfalls mit (Serif) receipts für 23/27, die von den Mänteln abweichende Rummem tragen. Aus diesem Grunde ist besonders darauf zu achten, daß Mäntel und Bogen nicht txmeinanber getrennt werden, da die Verwechslung die Lieferbarkeit in Frage stellen würde. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des »Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M., 29. Aug. Tendenz: erhält. Die Vertagung der Abstimmung hn Reichstag hat der Börse ihren Optimismus zurückge- gogeben, indem man an der Börse daraus einen günstigen Abschluß der heutigen Verhandlungen glauben erhoffen zu dürfen. Dadurch hat das Geschäft eine gewisse Anregung erhallen und bei Eröffnung der Börse war eine ziemlich zuversichtliche Haltung zu erkennen. Das Geschäft gesichtete sich lebhafter, als an den letzten Tagen. Groß war wieder das Geschäft am heimischen Rentenmarkt. Dagegen war heute das Interesse für Stadtanleihen äußerst gering. Ausländische Renten waren wenig verändert. Am Aktienmarkt war eine gewisse Z"rückhaltung noch unverkennbar, die Hmsätze bewegten sich hier in bescheidenen Grenzen. Immerhin konnten bie_ gestern erlittenen Verluste auf den meisten Märkten heute wieder auf geholt werden. Am Geldmarkt zeigte sich wie immer gegen den Ultimo eine stärkere Versteifung. Tägliches Geld 6/i6 Pro Mille, Monatsgeld P/16 bis ls/8 Prozent. Das Geschäft am Devisenmarkt ist bei der uchichereu Lage- sehr genug. Der Pariser Gießener Anzeiger (TeimadAnzetger für Gderheffev) Samstag, 30. August 1924 Frank hielt sich auf 82,60 bis 8230 in Pfund- Parität unb auf 18,40 bis 18,45 in Dollarparität. Das englische Pfund hielt sich aus 4,483/1 Dollar, die Mark auf 4,166 Billionen für den Dollar. Der Freiverkehr war geschäftslos. Becker-Stahl 1,7, Decker-Kohle 5Vs, Benz 3V«, Ufa 73/8. Im weiteren Qkrlauf blieb die freundliche Haltung bestehen. 11,93 12,70 0,3 o 17 18 12,7 Börfenknrse. (Ohne Gewähr.) 59 7,25 27 6,75 11,6 18,?0 11,65 16 1,2 2 3,75 MO 3,25 12,25 4/0 11,90 48,65 29,13 8,25 9,75 11,40 14,W 35 43,75 2,3 2,9 1L3 9,SO 15,40 37/ 45,50 2.5 2.9 12 1",25 47,5 60.25 62,1 14,25 19,5 6,9 12.25 34,9 29 37,50 1,9 27 6,55 2,30 2,75 2,6 11,6 0,521 12,'ri r 3.25 4,70 5 <^6 3 SO 5 12,75 19,25 14,13 16,75 16 11,40 46.9 27,25 6 9,13 10,65 123 13 13,12 49 62,60 67,25 16,5 20 7,eo 12,75 37,25 31,75 38,76 1,9 28,30 7,2 2,8 12,6 4,9 29 6,35 9,25 11,4" 0,350 13 13,25 1,91 0,4 0,35 1,90 0,375 0,5 48,50 11,50 12,6 47 50,25 68,1 14 18,75 6,3 12, 0 34,75 29,13 36,?ü 18.<0 12^5 16,26 15,13 6,4 17,75 16,2 9,60 15 7.9 38 1,9 0.37 0,45 50,75 13 13,60 49,50 53,60 67,25 16,90 20,13 7,75 13 37,90 32 38 1,25 1,9 S 4,25 9,50 3,25 19,13 '•,2 13.75 18,75 15.90 6,95 17,9 15,26 9,75 1» 7,5 37 4R 2,40 2,90 2,6 12,5 0,525 1.1 13,1 2,25 4,78 9,40 4,25 3,38 11,50 | 47 | 27,25 5,80 9 10,76 0,350 12,60 12,75 <•/» Zolltürken 6°/« Sofomertfanet . . . . Berliner Handelsgesellschaft. Toonnerj. und Prtvat-Bank Tarmsl. und WatioaalbaiU . Deutsche Bank......... Ternsche VeretnSbank . . . . DiSconto Eommandtt .... Metallbank........... Mitteldeutsche Tredttbank . . Oesterreichische E re ditan statt. Weltbank............ Bochumer (Satz ..... BndernS....... Karo.............. Deuisch-Lnxembnrg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvener Bergbau Kaliwerke ÄscherSleben. . . . Kaliwerk Westeregeln..... Laurohütte........... Oberbedarf Phönir Bergbau....... Rheinitabl Wiehert Montan..... .. TelluS Bergbau..... Hamburg-Amertka Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Eheramische Werke «lbto . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmanu Anglo Cont -Kuano Badische Anilin Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt........ . . GricS> etmer Electron . . . . Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung . . öiütgerStoerke ......... Echeideanftalt......... «Na- Elektrizilätr-Sesellschaft Bergmann........... Maiulraftwerke ....... Schlickert......... Siemens Sc Halske...... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligcnstaedt....... Meguin......... .. ff ran ff artet «rmatnren Konservenfabrik Bremn . . Schnhiabrik Her; Sichel. . . . , . Zellstoff Wakväof....... Zuckersckbrtk fftantartf)e( . . Zuckerfabrik Wogbäulel - . . *) Dom Rückzicchsungswert. Devisenmarkt Derlla—Frankfurt a. W. sstn Billionen «ark anAjebrfltft. Buenos.Aires. London, Rta» York, Japan. Mo tx yaneiro für eine Einheit. Wien nutz Budapest für 100000 tinbdttn. alle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. ___________(Ohne Gewähr.) Dn HIDtonen Prozent Frankfurt a. M. Berlin Sd)luf$- fiure 5d)(nb-l SchUitz- f.urs 1 flure Datum 28. 8. 2.8. 8. a. 29. 8. Drllklcyr 9teid)8tmlefbe . <% Tkutsche ReichSiuilety« . 3 '/,•/-> DcuischeRk tchScmlrth« 3*4 Deutsche Rrtchsanletde . Deutsche Soarpramtenanlethe 4°/o Preußische «onsoU . . . 0,760 1,10 1,10 1,6 0.495 1,375 13 ■J 0,8'5 1.20 1,150 1,70 0,5 1,490 1.4 1,5 1,2 4.2 85,75 0,749 1,15 1,09 1,56 «M 1,3*5 1,5 1,35 4,2 85 1,833 1,73 1,21 1,850 0,5 1,475 1,5 1,38 4,7 85,75 3«,' Hrnen Deutsche Wertb. Dollar-ilnl. bto. Doll -Schatz-Anwetlng.') 28. Aug. 29. Aug. Repart. °. Amtliche Geld Jfotierum Brief Amtliche Notierag, Geld «rief 98. 29. PImft.»Stott 162,39 163,21 162,34 163,16 voll voll Brss.-Antw 21,00 21,10 21,00 21,10 voll voll Gbriftlania. 57,71 57,99 67,71 67,99 voll voll Kopenhagen 67,63 68,17 68,33 66,67 voll ooll. Stockholm . 111,32 111,98 111,32 111,68 voll voll HelsingforS- 10,49 10,51 10,47 10,54 voll voll Italien . . . 18,55 18,65 18,905 18,55 18,65 voll ooll London. . . 18,815 18,815 18,905 voll voll Neuyork . . 4,19 4,21 4,1) 4,21 voll ooll Porig. . . . 22,97 22,79 22,69 22,61 voll ooll Schwell • . 78,35 79,25 78,35 56.36 79,25 voll voll Spanien . . 65,36 65.64 56.64 voll voll Wien in D-» Qest.abgest 5,92 12,686 5,94 5,91 5,93 12,646 doll Poll Prag . . . . 12,640 12,583 voll voll Budapest. . 5,48 5,50 5,48 6,50 1,425 3,09 1,715 voll ooll Buen.-Aires 1,405 1,415 1,415 voll voll Bulgarien 8,07 3,09 3,07 voll voll Japan . . . 1,705 1/15 1,705 0,41 voll voll Nio de Jan. 0,41 0,42 0,42 voll voll Belgrad . . 5,29 5,31 6,34 6,36 voll voll Lissabon . - 11,97 12,03 11,97 12.03 voll voll Banknoten. Berlin, 29. Aug. Geld | Briet 20,96 68,33 18,80 22,69 162,19 18,70 67,61 6,91 2,04 111,17 78,80 55,21 12,^7 6,39 voll Voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll 21,00 68,67 18.90 22,81 163,01 18,80 57,89 6,9') 2,06 111,73 79,20 55,49 12,63 5,41 Revan. Amerikanische Noten . . . .. Belgische Noten ........ Dänische Noten ....... Englische Noten ....... fframöfiftbe Note« ..... Holländische Noten...... fftalienischc Noten ..... Norwegische Noten...... Deutsch Qefterr-,ä 100 Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten Schweizer Noten...... Cvanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . . . Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger.") Berlin, 29. Aug. Bis zur endgültigen Entscheidung im Reichstag liegen nur nvch wenige Stunden dazwischen und es ist natürlich, daß die Stimmung an der Börse reichlich nervös erscheint. Man schenkt den unglaublichsten Gerüchten nach dieser oder jener Seite hin Glauben. Das Publikum ist wenig beteiligt, auch drs Ausland formte zu Beginn der Börse nicht als Käufer festgestellt werden. Für den Fall der Ablehnung rechnet man, wie schon von einigen Banken an» gekündigt wurde, mit gewaltigen Krediteinschränkungen, die die Lage der Industrie und des Handels recht ungünstig gestalten würden. So seht die Börse zu Begiim recht schwankend ein, konnte sich aber im Verlauf des Verkehrs wieder befestigen, da man von den andauernden Verhandlungen zwischen den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei ein günstiges Resultat erfahren haben will. Auch die gegen 11 Hhc von dem Reichskanzler gehaltene Rede, die für die Deutschnationalen eine Kvmpromihformel offen läßt, wirkt recht günstig und belebt die Hoffnung aufs neue. Am An lei hema r kt war das Geschäft belebt. Der Devifenmarkt ist unverändert und auch die Sätze am Geldmarkt haben feine wesentlichen Aevderunge» erfahren. 3m weiteren Versaus tmrtöe die Gewißheit, daß eine Annahme des fraglichen Estendahngesetzes bestimmt zu erwarten sei, immer größer und dement sprechend formten sich die Kurse auch weiter nach oben entwickeln. Märkte. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des »Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M, 29 Aug Es wurden notiert: Weiterauer Weizen 22.50 bis 23, Roggen, inlänb. 18 bis 18,50, Braugerste 22 50 dis 23,50, Hafer, inlänö. 20 bis 20 50. Mais, gelb 18,25 bis 18,75, Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 33 bis 34, Rvggenmehl 26,75 bis 27,25, Weizen- und Roggenkleie 11,25 bis 11,50. Tendenz: Fest. Berliner Produktenbörse. Berlin. 29 Aug. Der Produktenmarkt lag weiter sehr still. Ostpreußen scheint wegen seiner Ausfälle hier Roggen zu kaufen. Die 'Verkäufer hielten mit Material zurück, solange die Zoll- ftage und andere Faktoren noch unerledigt sind. Einzelne Berliner Mühlen müssen mangels Rohware den Betrieb bereits unterbrechen. Die Ro- ticrungcn werden wahrscheinlich weiter ft eigen. Es notierten pro Tonne: Weizen (märt) 207 bis 212, Koggen (märt) 168—173, Gerste (märt) 205 bis 217, Gerste (neue) 182-187, Hafer (märt) 159—168, Raps 315-325, Leinsaat 415-425; pro Doppelzentner: Weizenmehl 29—31,50, Rrgzcnmehl 24—26,75. Wciz msteie 12,50 Koggen» fleie 11,30—11,50, Viktoriaerbsen 30—33, kleine Erbsen 19—21, Futtererbsen 15—16, Peluschken 14—15, Ackerbohnen 15—17, Wicken 14,50—16,50, Lupinen (blau) 10,50—11, Seradella (alt) 11 bis 11,50, Seradella (neu) 12,80—13,60, Kapskuchen 12, Leinkuchen 22—23, Torfmelasse 8,20—8,40, Kartoffelflocken 20. Turnen, Sport und Spiel. Die Technik beim Fußballspiel! Don Paul Dusch- Dresden. Iede Fußballkritik verlangt eine Zweiteilung: Sie untersucht die technischen Fertigkeiten und die taktischen Fähigkeiten der Spieler. Fertigkeit weist darauf hin, daß die Technik eine Sache des Körpers an sich, eine Angelegenheit der Muskeln ist; Fähigkeit zeigt, daß die Taktik ganz auf dem Gebiet des Verstandes liegt. Die Technik beim Fußballspiel umfaßt d e Lehre vom Stoppen, Dribbeln, Paffen und Schießen. Erste Voraussetzung eines erfolgreichen. Spiel- les ist das Stoppen oder Anhalten des BalleS; denn nur wer es versteht, die rollende Bewegung des Leders zu hemmen, wird in feinen Besitz kommen und kann es dann mit großer Genauigkeit an den Partner weitergeben. Der Ball darf behandelt werden mit dem ganzen Körper, mit Llusnahme der Hände und Arme. Soll das flach ankommende Leder stillstehen am Fuß, dann darf es niemals das fest auf den Boden gesetzte Bein treffen, sonst springt es von diesem wieder ab. Der Ball muß weich gestoppt werden, d. h. das Bein soll in dem Augenblick, da es nrit dem Leder in Berührung kommt, leicht nachgeben, da-- mit die Bewegung zunächst stark gehemmt und dann erst durch das Aufsehen der Sohle auf die Kugel ganz unterbunden wird. — Halbhohe Bälle stoppt der ganze Körper, der weit nach Dom gebeugt sein muß, damit das Leder an ihm herunterläuft, dadurch seine Bewegung immer mehr verlangsamt und zuletzt vom Fuß still auf den Boden gezwungen werden farm. — Das Anhalten hoher Schüsse mit dem Kopf geschieht durch die Stim. genau wie das der Fuß tut, wenn die Kugel flach auf ihn zukommt. Als typische Eigenschaft des elementaren Spieles gilt das Dribbeln ober Laufen mit dem Ball. Ieder, der anfängt, das volkstümlichste aller Spiele zu treiben, hat feine Freude daran, mit dem Leder nach dem gegnerischen Tor zu rennen, denn, ist ihm ein Erfolg vergönnt, dann war das ganz feine Arbeit, haft keiner seiner Mitspieler dazu. Die große Schwierigkeit des Dribbelns besteht darin, immer den Ball zu behalten und dabei nichts an Schnelligkeit einzubüßen. Wird die Kugel weit nach Dom gegeben, barm kann große Geschwindigkeit entwickelt werden, mit Sicherheit aber geht sie an den Gegner verloren. Bei zu kurzen Vorlagen kommt der Spieler nicht recht Dom Fleck, weil ihn das immer vor ihm herrollende Geber an der Entfaltung hoher Geschwindigkeit hindert. Den goldenen Mittelweg gefunden $u haben, das ist die Kunst, die guten Dribblern eignet. Erfolgreiche Außenstürmer beherrschen sie meist DoHtommen. Den besseren Fußball kennzeichnet die Kombination, die auf dem Passen oder Abgehrn zum Nebenmann beruht. Hier wird das Spiel ganz zu dem, was es sein soll: die Leistung einer Mannschaft. Wir unterscheiden hohes und flaches Zugspiel. Der moderne Fußball bevorzugt das letzte, weil bei geringerem Krafteverbrauch der gleiche Kaumgetoinn erzielt wird und bei kürzerer Flugbahn belfere Gewähr für genaue Abgabe gegeben ift. Das Zuspielen soll nie mit der Spitze des Fußes erfolgen. In diesem Falle wird der Ball nur an einem ganz kleinen Teil seiner Fläche getroffen, und es gehört große .Meisterschaft dazu, den richtigen Punkt herauszufinden. Eine geringe Ungenauigfeit gibt dem Leder eine völlig veränderte Kichtung, und der Gegner kommt bann in feinen Besitz. Der einwandfreie Paß erfolgt mit der Innen- oder Außenseite des Fußes. Da wird die Flugbahn des Balles bestimmt von einer viel größeren Angriffsfläche, und ein Fehler kann sich niemals so verhängnisvoll auswirken wie bei einem Spitzenstoß. Beim Fußball zählen die Tore. Die wenigsten Mannschaften sind technisch so gut durchge- bitbet, daß sie bis in den Torraum fom&tnieren können uni) dann nur das Geiler über die Ginie zu schieben brauchen. Ein sehr richtiges Spielprinzip verlangt deshalb, daß von ber Strafraumgrenze an geschossen werden muß. Maßgebend for den Erfolg des Stoßes sind seine Kichtung und seine Schärfe. Für das erste gilt dasselbe, was schon bei der Abgabe des Balles geschrieben wurde: der Anfänger arbeitet mit ber Fußspitze. Dabei nimmt die Kugel in den merften Fällen eine völlig verkehrte Kichtung. Dazu kommt noch, daß ber Schuß oft weit über das Tor geht, weil der Ball zu tief über dem Boden getroffen und dadurch ausgehoben wird. Der geübte Spieler schießt mit der Innen- ober Außenseite Dann fliegt das Leder meist in halber Höhe auf das Ziel zu, und, während der Torwächter wählt, ob er Hand ober Fuß zur Abwehr verwenden soll, schlägt es hinter ihm an die Drahrmaschen. Einen Fehler fret- lich besitzt der Swß mit der Fußseite: die Präzision geht aus Kosten der öcßarfc. Deshalb ift cs Beweis höchster Meisterschaft im Fußball, einwandfrei mit der Spitze schießen zu formen. Übet, Weltrekord für Kleinmotorfahrzeuge. Gersfeld, 30. Aug. (WTD.) Bei bent Rhönsegelflugwettbeverb überbot der ehemalige deutsche Kampfflieger Übet mit 4 Stunden 39 Minuten den bisher von dem Franzosen Farman mit 4 Stunden 17 Minuten gehaltenen Rekord für Kleinmotorflugzeuge. Homburger Tennisturnier. Das Homburger Tennisturnier, das bisher vorzügliche Leistungen gebracht hat, leider aber durch Kegen unliebsam oft gestört worden ist, steht jetzt vor dem Ende. Das Herrendoppelsptel gewannen Froitzheim-Kreuzer gegen Klein- schrvth-Dernasius. Das Herren Einzelspiel fiel kampflos an Froitzheim, da Kahe, ber sich bis zur Schlußrunbe durchgekämpft hatte, zum Länderkampf Deutschland—Holland adsahren mußte. Das Dameneinzelspiel ist Frau Dr. Friedleben nicht zu nehmen, und auch im gemischten Doppel dürste sie mit Kreuzer zusammen den Sieger stellen. Gietzen als Gartenstadt. In früheren Jahrzehnten, als das Schlagwort ,.Gartenstadt" noch ."nicht crfuifocn war, Hai Gießen Anstalten gemacht, eine solche zu werden. Ein Kranz kleiner aber wohlgepslcgter Anlagen umschloß die innere Stadt, schatten spendende Daumreihen wurden durch ba^ Häusergcwirr gezogen, Straßen mit Vorgärten angelegt und eine Polizeiverordaung erlasien, welche es jedem De- siher unter Strafandrohung ans Herz legte, nicht Gemüse und Hnfratü in den Vorgärten zu Pflegen, sondern Blumen. Es war einmal —. Wie es gegenwärtig bei uns aussieht, das zu beurteilen ist offenbar der Einheimische nicht mehr imstande, well fein Auge an den Anblick bereits so gewöhnt ist, daß auch das Haarsträubende mchi mehr auftällt. Hm so bestürzter ist ober der Fremde. Schon der Dahnhvfsplatz mti seinem verschüchtert abseits stehenden Kofen&ect» chen als einzigen Blumenschmuck läßt nicht viel Gutes ahnen. Lenkt er aber auf dem Wege zur Stadt, dem Hauptvertehr folgend, in die Liebig- [fräße ein, so bietet sich ihm ein unvergleichlicher Anblick: Von verwildertem Gebüsch schamhaft halb verhüllt sieht er an der Straßenfront einen Bau, dessen verstaubte, von Spinnweben verzierte Fenster und dessen umgebende Hnfraub- Vegetation aus wildem Hans und Deschreikraut einen Lagerschuppen des benachbarten Zollamtes vermuten ließe, wenn nicht, wie zum Hohn in protzigen Lettern die Lieberschrift stände: Den- Andenken LiebigS. — Gleich daneben weitet sich der Kaum zu einem freien Kafenptaß, durch besten Mitte täglich ungezählte Menschen zum Arbeitsnachweis und Finanzamt schrecken. Aber auch hier sucht sein Auge vergeblich nach einem, die unerfreuliche Wirklichkeit versohneiDen Blumenschmuck. Heber- ständiger, auf Stelzbeinen stehender DuchSbaum, die Heberreffe einer ehemaligen Einfassung umsäumen den Weg des Leidens. Das etwas beruhigende Gefühl, daß der den ganzen Sommer ungepflegt daliegende Platz nun endlich gemäht worden ist, wird leider wieder in ein Lächefo des Mitleides verwandeck, sobald der Blick beim Weitergehen die am Eisengitter ber Einfriedigung eines gegenüberliegenden Vorgartens sich emporrankenden Kartoffelstrünke wahrncknmt. Soll man noch schildern, wie es in den Vorgärten an der belebten Frankfurter Straße, auf dein Wege zu den Kliniken, wie es in den anderen, auch den vornehmsten Teilen der Stadt ausstehl, wo tote Koniferen im Verein mit Franzosenkraut. Kohlstrünken, Melden und anderem Hnkraut sich zu einem Bilde vereinen, das dem Schönheitssinn unserer Bürgerschaft ein Zeugnis ausstellt. das alles andere eher beim schmeichelhaft ist. Hnwillkürlich fragt der Fremde: Wo bleibt die Stadt mit ihrem Apparat von Beamten unb Stadträten mit einem erfreulichen Vorbilde? Wo bleibt die Hniversität und wo bleiben die ®arten» bcru-Vereine? Was unternimmt der Verkehrsverein gegen diese Symptome äußeren Verfalls, die nur $u oft ein Zeichen des inneren sind? Wir möchten uns diesen Fragen anschließen. 2, Kirchliche Nachrichten- Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 31. August. 11. Sonntag n.Tria. Iugendsonntag. Sladtkirche. 8: Pft. Becker. 9*/,: Pfarrass. Hertel. 11: Kinderkirche f. d. Matthäus- gem. Pft. Mahr. — Iohanneskirche. 8: Zugleich Christen!, für die Keufonf. aus b. Lukasgem. Pft. Bechtolsheimer. 91/,: Pft. Ausfeld. 11: Kinderkirche f.d.Iohannesgem. Pft. Ausfelb. — Kirchberg. 10: Iugendgottesdienst f. b. fonf. männliche u. weibliche Jugend. Kollekte f. d. Iugendarbeit. Staufenberg: 1'/,. — Wieseck. 81/,: Christenlehre (männliche Abteilung. 97,. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 30. August. 47, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 31. Aug. 12. Sonntag n. Pfingsten. 67, Beichte, 7 Messe, Kom. d. Iüngl., 8 Kom., 9 Hochamt m.Pr., 11 Messe m. Pr., 27, Andacht, 37, Versammlung der Iünglingskongregation. Aufnahme neuer Mitgl., 8 Iünglingsabend. - Grünberg, Sonntag 97, Messe m. Pred. Schulkinder sind durch den Verkehr mit Schul- und Spielkameraden der Übertragung von Haarkrankheiten besondere ausgesetzt. Um diese zu verhüten und die Kopfhaut von Staub, Fett und allen Unreinlichkeiten zu befreien, sind regelmäßig wiederholte Waschungen mit „SAaumpon“ unerlaß- lieh. Sie erhalten die Kopfhaut gesund, bewirken gründliche Reinigung der Haare TB und beeinflussen in günstigster Weise den Haarwuchs. Man verlange ausdrücklich Schaumpon Marke Schwarzkopf mit der weltbekannten Schutzmarke „Schwarzer Kopf“ und weise Nachahmungen zurück io ollen Mileilüiti L; 11 > 4) 1 l) MINIUM Mk. 1.15 Wischtücher, prima Halbleinen Gießener Alirniiniumhaus NeuenBäuelS Wilhelm Rockel 6689a i Klein & Stiefel !! Die führende deutsche Marke !! SJ Fulda Continental o Fachgeschäft für den gesamten Bureaubedarf Personal ausgeführt Höbe! inbesterVerarbeitiing I fiinbCThoItCT, reine Wolle, in allen Farben. . 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