Erster Blatt N4- Jahrgang Mittwoch, 30. Juli |924 vnick und Verlag: vrShl'sche UulverfitSts-vuch- und St-indruck-rei H. Lange in Sietzen^ Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllftratze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re« Klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/, Auf- schlag. — Verantwortlich für Politik u. Feuilleton- Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil: H ans Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheflen Er. UZ Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-vezugspreir: 2 Goldmark u. 20 Gold« Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Numniern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Zrankfutt a. M. 11686. Französisches aus Polen. Wie im besetzten Gebiet. Wie aus Warschau gemeldet wird, haben die Abgeordneten der Deutschen Vereinigung in Sejm, Karau, Atta und andere an den polnischen Minister für Kultus und an den Innenminister eine Interpellation gerichtet, in der gegen das Aufbrechen der Türen des Schulhauses und -es Betsaales seitens polnischer Polizei im Dorfe Orlowv, Kreis Lipno, Beschwerde geführt wird. Aus der Interpellation ergibt sich folgender Sachverhalt: In dem Dorfe Orlowv hat seit über 100 Jahren eine von der deutsch-evangelischen Bevölkerung gegründete und von ihr unterhaltene öffentliche Volksschule mit deutscher Anter- richtssprache bestanden. Im April ds. Is. hat der Schulinspektor des Kreises Lipno, indem er die augenblickliche Vakanz -er Schule ausnutzte, in dem Schulgebäude eine katholische Schule mit polnischer Unterrichtssprache für 29 Kinder untergebracht. Die Wohnung des evangelischen Lehrers und Kantors besetzte der neu angestellte katholische Lehrer. Aeber 100 deutsch-evangelische Kinder blieben also ohne Unterricht. Die zu der oben erwähnten Schule gehörende deutsche Bevölkerung bemühte sich um einen Lehrer, und da sie einen Kandidaten im Auge hatte, wehrte sie sich gegen die Besetzung der Schule und verteidigte ihre Rechte auf dem gesetzlich vorgeschriebenen Wege. Der Schulinspektor wollte jedoch die Enffcheidung der höheren Behörden nicht abwarten und wandte sich an den Starostan um Zustellung von bewaffneten Kräften zwecks gewaltsamer Durchführung seiner Anordnungen. Am 24. April 1924 kamen nach Orlowv 6 bewaffnete Polizisten und verlangten von dem Schulvorstand Julian Trenkler die Herausgabe der Schlüssel vom Schulhause und Bethaus. Trenkler antwortete der Polizei, daß die interessierten Kolonisten Schritte unternommen haben zwecks Aufhebung der Anordnung des Schulinspektors und bat, von irgendwelchen Gewaltmahnahmen bis zum Eingang der Antwort des Schulkuratoriums abzusehen. Die Polizei legte aber seine Hände in Ketten und brachte ihn über die anliegenden Dörfer nach Orlowv zurück. Nachher erbrach die Polizei mit Den Seitengewehren die Tür des Beffaales und von dort aus die Türen des Schulraumes und der Wohnung des Lehrers. Die auf dem Schulhofe anwesenden Personen H. Gatzke, A. Schmidt, G. Tietz und A. Prill, welche die Absicht hatten, das Scheunendach zu reparieren, stellte die Polizei der Reihe nach an die Mauer. Die Ankunft einiger Wagen mit Polizei lockte die katholische und evangelische Bevölkerung herbei. Die Katholiken lieh man durch, dagegen stellte man die Evangelischen gleichfalls an die Mauer. Daraufhin richtete man gegen sie den Lauf der Gewehre und unterzog sie einer genauen Leibesrevision, wobei es ohne Beleidigungen und Stöhe nicht abging. Darnach wurden diese Personen in das Polizeigefängnis in Wielgie gebracht. Am nächsten Tage fesselte man die Kolonisten H. Gatzke, Adolf Schmidt • und G. Tietz und führte sie nach der Polizeistelle! in Dentlewo. Erst nach einigen Tagen wurden die Verhafteten fteigelassen. Im Zusammenhang mit diesem Vorkommnis wurde am 25. April 1924 der Gemeindevorsteher Gustav Golke aus Orlowv von dem Polizeiwachtmeister aufgefordert, auf die Polizeiwachtstube zu kommen. Als Golke die Schwelle des Lokals überschritten hatte, kam ihm der Poli- zeiwachtmeister Jurkiewicz mit dem Schrei entgegen: „Bist du ein Schulze?! Verfluchter Schwabe!" und schlug ihm achtmal ins Gesicht, bann versetzte er ihm noch mehrere Fußtritte. Nachher wurde Golke in Poltzeiarrest längere Zeit festgehalten. Auf ähnliche Weise wurde der Kolonist G. Fröhlke aus Orlowv, ein Kriegsinvalide, mißhandelt. Diese Gewalttat xief große Entrüstung und Erbitterung hervor. Angesichts dessen fragen die Anterzeich- neten an: 1. Sind den Ministerien die geschilderten Gewalttaten und Mißhandlungen der ftiedlichen Bevölkerung bekannt? 2. Wurden die Schuldigen obiger Gewalttaten bestraft? Z. Ist das Unterrichtsministerium bereit, Anordnungen zu treffen, damit die Schulinspektoren die bestehenden Gesetze respektieren und zu solchen traurigen Vorfällen keinen Anlaß geben? Sicherheit und Abrüstung. Deutsche Vorschläge an den Völkerbund. Berlin. 29. Iuli. (WB) Der Völkerbund hat, wie gestern gemeldet wurde, den von einer seiner Kommiisionen ausgestellten Entwurf eines Vertrages'über die gegenseitige Unterstützung auch der deutschen Regierung zur Stellungnahme übersandt. Das Auswärtige Amt hat den Entwurf einem Gremium von Sachverständigen zur Begutachtung unterbreitet, das sich aus den Professoren Hvehsch, Kaas, Kahl. Ministerialdirektor z. D. Kriege, Prof. Meinecke, General a. D. Graf Montgelas, Reichsminister a. D. Zchiffer und Prof. Schücking zusammensetzte. Die Sachverständigen haben ihre Auffassung in der Denkschrift vom 5. Iuli dargelegt, die nunmehr vom Auswärtigen Amt dein Genera lsekretariat des Völkerbundes mit dem Hinzufügen mitgeteilt wurde, daß die Reichs reg ierung sich die Ausführungen der deutschen Sachverständigen zu eigen mache. Die Denkschrift unterzieht zunächst den Grundgedanken des Völkerbundsentwurfs einer eingehenden Kri- t i f. Der Entwurf geht von dem uneingeschränkten Verbot der Angriffskriege aus. Äe Frage aber, ob ein Angriffskrieg vvrliegt, unterliegt ausschließlich der Entscheidung des Völker bundsrates, der auch die Befugnis haben soll, Maßnahmen gegen die Angreifer, insbesondere die Aufbietung militärischer Machtmittel zu organisieren. Darüber hinaus gestattet der Entwurf, daß der allgemeine Vertrag durch Svnderbündnisse zwilchen d n einzelnen Vertragsstaaten oder einzelnen Mächtegruppen ergänzt wird. Die deutschen SachverstLndiTen erklären ein solches System für ungeeignet, das erstrebte Ziel der allgemeinen Sicherheit der Staaten und der dadurch ermöglichten Rüstungsbeschränkungen zu erreichen. Die Ausführungen der Denkschrift begegnen sich hierbei in wesentlichen Punkten mit der Kritik, die inzwischen auch seitens der amerikanischen und der englischen Regierung an dem Völkerbundsentwurf geübt wurde. Von besonderer Bedeutung ist der von der Denkschrift geführte Rachweis, daß Deutschland angesichts seiner völligen Entwaffnung in eine unmögliche Lage geraten würde, wenn es in einem bewaffneten Konflikt zwischen anderen Staaten auf Grund einer Entscheidung des Völkerbundes seine Neutralität aufgeben und sich an kriegerischen Maßnahmen beteiligen müßte. Die Denkschrift beschräntt sich indes nicht auf negative Kritik, sondern macht wenigstens in großen Zügen auch positive Vorschläge, wie nach deutscher Auffassung das Problem der Sicherheit und Abrüstung gelöst werden könnte. Dabei wird u. a. folgendes ausgeführt: Rur ein organischer Ausbau, nicht ein äußerlicher Anbau verspricht den Erfolg. Richt Häufung von Verträgen und Abmachungen neben dem Völkerbundsvertrag, sondern vertiefte Ausgestaltung tut not. Diese Ausgestaltung kann nicht in der Richtung erfolgen, daß man der Gewalt lediglich durch Gewalt begegnet. Die unrechtmäßige Gewalt kann man nur dadurch aus der Welt schaffen, daß man ihr das Recht entgegenstellt. durch das die zur Abwehr des Anrechts angewandte Gewalt erst gerechtfertigt und geheiligt wird. Man verbiete die gewaltsame Austragung von Streitigkeiten und die gewaltsame Durchsetzung vermeintlicher Ansprüche schlechtweg. Man schaffe neben dem für reine Rechtsstreitigkeiten bestimmten Weltgerichtshof eine Schlich- tu ngsin stanz für politische Konflikte mit allen Garantien einer richterlichen Llnabhängigkeit ihrer Mitglieder. Man gebe beiden Stellen das Recht und die Pflicht zum Erlaß einstweiliger Verfügungen zum Zwecke des Besitzschutzes, insbesondere auch gegenüber an geb'! ich friedlichen Besetzungen fremden Staatsgebiets. Vor allem mache man für alle Staaten die A b r ü st u n g o b'l i g a t o r i s ch. Man sorge endlich dafür, daß berechtigte Wünsche der Bevölkerung wegen Berichtigung der Grenzen auf dem Wege eines geordneten Recfstsver ährens ihre Lösung finden; denn die Entwicklung steht nicht still. Rur so wird man die Voraussetzung für eins kraftvolle Wirksamkeit des Völkerbundes schaffen, nur so die Möglichkeit für eine starke Erweiterung seiner Kompetenzen herauf führen and nur so auch jener älnrversalltät seines Mttglre- derkreises den Weg bereits, ohne den er seine große Aufgabe niemals voll erfüllen kann. Auch Deutschland brauchte alsdann nicht zu zögern, in die Gesellschaft der im Völkerbund vereinigten Rationen, selbstverständlich unter der Voraussetzung voller Gleichberechtigung, einzutreten, am auf dem Boden des Rechtes an der Erhaltung eines dauernden Friedens mitzuarbeiten. Der Tagesbericht über London. Noch keine Einladung an Deutschland.— Der neue französische Vorschlag. — Die Ruhrräumung. London, 29. Juli. Wie Reuter erfährt, kann nach Ansicht eingeweihter Kreise der gegenwärtige Stand der Konferenz als hoffnungsvoll bezeichnet werden. Was die Einladung an Deutschland betrifft, so ist darüber noch nichts bekannt. Sie wird erfolgen, wenn dieHaupt- delegierten den Zeitpunkt für gekommen erachten. Die Tätigkeit der alliierten Konferenz beschränkte sich heute auf die Zusammenkunft der Hauptdelegierten am Vormittag und auf die Sitzung des Inristenkomitees am Rachmittag. Wahrscheinlich findet morgen keine Vollsitzung der Konferenz statt, aber eine Sitzung der Hauptdelegierten. Am morgigen Rachmft- tag wird die französische Delegation damit beschäftigt sein, den Entwurf einer Formel auszuarbeiten, die der Konferenz unterbreitet werden soll, zu bem Zweck, die Vertreter derDan- kiers zuf riedenzu st eilen. Sie hofft, daß diese Bemühungen für jedermann befriedigend sein werden. Der neue französische Vorschlag. Paris, 30. Iuli. (WTB.) äleber den neuen Kompromißantrag der französischen Delegation zur Frage der Verfehlungen und Sanktionen, der in der ersten Kommission behandelt wird, wird aus London berichtet, der französische Vorschlag bestehe in großen Zügen darin, daß man jedesmal dann, wenn die Repko über eine Verfehlung Deutschlands sich auszusprechen hätte und nicht imstande wäre, allgemeine dereinst irn- mung zu erzielen, eine schiedsrichterliche Entscheidung in Anspruch nehmen würde. Die Repko würde in diesem Falle die Beschlußfassung an ein Komitee von beispielsweise drei Mitgliedern, darunter einem Amerikaner, verweisen. Es verlautet, daß Macdonald die leitenden Gedanken dieses französischen Entwurfs gut ausgenommen habe. Der englische Sachverständige William Fisher, der ftüher einen ähnlichen Entwurf bearbeitet habe, werde gemeinsam mit dem französischen Sachverständigen Aaron von der Repko einen gemeinsamen 'Text vorbereiten. Rach Auffassung der französischen Delegation wäre die Annahme dieses Kompromisses davon abhängig zu machen, daß Frankreich seitens der dritten Kommission Zugeständnisse in der Frage der Sach- lieferungen gemacht würden, die einer Garantie von Seiten Deutschlands bedürften. Die Räumungssrage. Paris, 30. Juli. (WTB.) Der Son- derberichterstatter des „Echo de Paris" berichtet, die markanteste Tatsache, die er zu verzeichnen habe, sei die Wandlung Herri o t s in bezug auf die militärische Besetzung des Ruhrgebiets. Das Verdienst dafür, dessen Bedeutung man allerdings nicht über- tteiben dürfe, müsse man General Rol- l e t zuschreiben, der seit drei Tagen nicht aufhöre, Herriot zu bestürmen. Es sei jetzt wahrscheinlich, daß die militärische Räumung etappenweise erfolgen werde. Rach dem Sonderberichterstatter des „Matin" will man französischerseits verlangen, daß die progressive Räumung auf zwei Jahre verteilt werde. Man will versuchen, die britische Besetzung der Kölner Zone mit der Anwesenheit der Franzosen im Ruhrgebiet so lange zu verbinden, so lange die militärische Räumung nicht durchgeführt sei. Der gleiche Berichterstatter meldet, daß gestern nachmittag ftanzösische und belgische Sachverständige gemeinsam die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets geprüft haben und versuchten, einen Räumungs- plan aufzustellen. Herriots Bericht an Kammer und Senat. Paris, 29. Iuli. (WB) In Kammer und Senat, die bttde H ute nachmittag ihrs Sitzungen ausgenommen haben, wurde ein Telegramm Herriots aus Bonbon verlesen. Zu Beginn des Telegramms wird gesagt, bie Regierung hätte gewünscht, sich heute selbst vor das Parlament begeben zu können, um ihm den Text ein s Abkommens zu übermitteln. Aber trotz der Anstrengungen seien bie Beratungen noch nicht beendet. Ministerpräsident Herriot erklärt a.s- bann daß bie Erste Kommission, die sich mit den Verfehlungen und Sanktionen zu beschäftigen hat, einmütig Beschlüsse angenommen habe, die die Vertreter der Anleihezeichner für unbefriedigend erklärt hätten, um den Erfolg dec vorgeschriebenen 8 0-Millionen--Anleihe zu sichern. Aas diesem Grunde hätten auf der Konferenz Konklusionen noch nicht angenommen werden können. Di« französische Delegation sei bereit, den Anlekhezeichnem alle .Sicherheiten zu geben, Die Zweite Kommission habe über bie Wie> derherstellung der fiskalischen and wirtschaftlichen Einheit Deutschlands Beschlüsse gefaßt, jedoch bleibt die Frage de r französischen und belgischen Eisenbahner die auf dem linken Rheinufer zurückgelassen werden sollen, noch zu regeln. Die Dritte Kommission, bie sich mit den Sach- luferungen und der Transferierungsfrage zu beschäftigen hat, sei auch noch zu keinem Ergebnis gekommen. Schli^ich wird in dem Telegramm mitgeteilt, daß über die Zulassung de r De u t s che n zur Londoner Konferenz leicht ein Einvefftändnis über die Vorschläge erzielt worden sei, die ein französischer und ein britischer Iurist übermittelt hätten. Herriot gab dann Kenntnis von dem gestern gefaßten Beschluß und fuhr fort, die Verhandlungen der Konferenz, die noch viele Schwierigkeiten 6ereiten, würben noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die französische Regierung werde mit dem besten Willen die Verteidigung der Rechte Frankreichs, die. Wiederherstellung eines interalliierten Einverständnisses und die Verteidigung des Friedens fortsetzen. Enttäuschung in Berlin. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 30. Juli. Die abermalige Verzögerung der Einladung Deutschlands zur Londoner Konferenz hat in den Berliner Regierungskreisen eine schwere Enttäuschung hervorgerufen. Die deutsche Delegation, die für Mittwoch die Abreise nach London vorgesehen hatte, wird kaum vor Sonntag oder Montag Berlin verlassen können, da deutscherseits nicht beabsichttgt ist, sich in London die Rolle eines Türstehers zuweisen zu lassen, den man auf den Eintritt warten läßt. Man verhehlt nicht, daß die Hinausschiebung der Hinzuziehung Deutschlands entwürdigend empfunden werden muß, nachdem die deutsche Regierung bereits Ende der vorigen Woche von den Londoner Konferenzmächten ersucht worden war, eine Delegatton zur Abreise bereit zu halten. Wenn die Konferenzmächte darauf bestehen sollten, sich vorerst über die Grundlagen der Durchführung des Sachverständigen-Gutachtens zu einigen, ehe man Deutschland hinzuzieht, so ist es auch jetzt noch unsicher, ob die angekündigte Einladung Deutschlands für Anfang nächster Woche nicht noch eine weitere Verzögerung erleiden sollte. Jedenfalls ist die optimistische Stimmung der Berliner polittschen Kreise erheblich gesunken, und man glaubt heute, daß die Schwierigkeiten der Lon-, doner Konferenz von Tag zu Tag größer werden. Während man bisher der Meinung war, daß ein Scheitern der Konferenz ganz ausgeschlossen sein würde, hält man es heute nicht fürunmöglich.daßinLondon über- hauptkeineErgebnisseerzielt werden. DiedeutscheRegierungi st jedenfalls nicht gewillt, sich auf eine Taktik des Feilschens einzulasse n, und man hält es daher für notwendig, auf die Tatsache hinzuweisen, daß die deutsche Delegation ihre bestimmten Vollmachten hat, über die unter keinen Umständen hinausgegangen werden kann. Die Beilegung des Streites mit Rußland. Gegenseitiges Entgegenkommen. Berlin, 29. Iuli. (WB.) Heute mittag ist im Auswärtigen Amt vo.i Dr. S t r e s e m a n n und dem Geschäftsträger der S. S. R., Botschaftsrat Dratmann-Brodowski. ein Poo okoll über die Beilegung des deutsch-russischen Zwisoen- falls unterzeichnet worden. Das Abkammen besagt u. a sollendes: 1. Die beiden Regierungen sehen den Notenwechsel über den Zwischenfall als abgeschlossen an. 2. Die deutsche Regierung erflärt, daß das Vorgehen der Polizeibehörden in Berlin gegen die Handelsvertretung am 3 5. eine eigenmächtige Aktion der deutschen Polizei darstellt. Sie mißbilligt dese Aktion und Bebavert, daß der Zwischenfall dadurch eine solche Ausdehnung erhalten hat. Sie bringt der Sowet- regiecung zur Kenntnis, daß der Leiter der Aktton seiner bisherigen Diensttätigkeitent- hoben wurde. Die schuldigen deutschen Beamten werden bestraft. 3. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, den von den deutschen Beamten in dem Gebäude der Handelsvertretung verschuldeten 91t a t e ' rials cha de n in entgegenkommender Weise zu ersetzen. 4. Die Reg ierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bestätigt, vaß sie in Heber etn’ilimmung mit den geschlossenen Verträgen auf der Grundlage bec Gegenseitigkeit allen ihren Beamten und Angestellten, also auch den Mitarbeitern der Handelsvertretung, verboten hat, in irgendeiner Weise an dem innerpolitischen Leben Deutschlands teilz anehma «i. 5. Beide Regierungen ernennen an, bafji durch Öen Zwischenfall die Rechtsstellung der Handels- vertretung, wie sie sich aus den geschlossenes Vertragen ergibt, nicht geändert wurde. Da sich jedoch Meinungsverschiedenheiten über bte Tragweite der nach diesen Verträgen der Handelsvertretung zustehenden besonderen Vorrechte ergeben haben, sind die beiden Regierungen über- eingekomnren, daß von der Gesanttheit der gegen- nxirttg zur Handelsvertretung gerechneten Räumlichkeiten ein zusammenhängender Komplex von Räurnlichkoiden der eigentlichen Handelsvertretung, der- einen eigenen S trabeneingang besitzt, alsunverlehlichabgesondert wird. Als eigentliche Handelsvertretung gilt die Gesamtheit der exterritorialen Mitarbeiter mit den zugehörigen Räumlichkeiten. 6. Beide Regierungen werden dafür Sorge tragen, daß die beteiligten Dienststellen etwaige aus Anlaß des -Zwischenfalls getroffene Maßnahmen beseitigen, den durch diese Maßnahmen veränderten Zustand, wie er vor dem Zwischenfall bestand, wieder Herstellen und keine Neuen derartigen Maßnahmen mehr treffen. Die deutsche Industrie und das Abkommen mit Rußland. (Eigener Znfvrmationsbericht.) Berlin, 30. 3ult Aus Exportkreisen der deutschen Industrie wird mitgeteilt, daß in denjenigen IiÄustriezweigen, die schon bisher Wirt- '.schaftsbeziehungen zu Rußland unterhalten haben, auf eine sehr willkommene Wiederbelebung des deutschen Exportgeschäftes gehofft wird. Es hat sich herausgestellt, daß die russische Regierung in anderen Staaten nicht das nötige Entgegenkommen in wirffchastlicher Hinsicht gefunden hat, und daß die Einfuhr nach Rußland aus anderen Ländern während der Periode des Boykotts deutscher Erzeugnisse sehr gering gewesen ist. Da nun der Bedarf in Rußland, besonders in bezug auf landwirffchaftliche Maschinen, inzwischen sehr gesteigert ist, ist damit zu rechnen, dah das deutsche Ausfuhrgeschäft binnen kurzem eine erhebliche Wendung erfahren wird. Dazu kommt noch, dah 1 in den neuen Abkommen, die infolge der Beilegung des Konflikts zwischen Deutschland und Rußland vorbereitet werden, eine ganze Reihe von Erleichterungen für den Warenaustausch zwischen Deutschland und Rußland vorgesehen sind. Ein neuer bedeutsamer Erfolg der deutschen Wissenschaft. Der frühere Leiter der Erdbebenwarte Bochum und Lehrer an der Bochumer Berg schule, Dr. M i n d r o p. hat einen Apparat erfunden, mit Hilfe dessen es möglich ist, K o h l e n -, Erz-, Salz - und Oelvorkvmmen in der Erde fest zu st eil en. Alle bisher mit dem Apparat -gemachten Versuche haben vollen Erfolg gehabt. Die holländische Etaatsbergbaudirek- tion will mit Hilfe des Apparats ihre Kohlenfelder .Hendrik" und »Maurits" untersuchen Mssen. Die gukunst des Reichswirtschaftsrates. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 30. Juli. Za der Eingabe der Gewerffchaften an die Reichsregierung, ein Ge- s-.r vo.>ulegen, wonach der Abbaa des Reichs- wütschastsratts verhindert und die Defagnisse di-ser Körperschaft endgültig geregelt werden sollen wird von unterrichteter Seite erklärt, daß diese Eingabe einer sorgfältigen Prüfung ber den maßgebenden Stellen unterzogen werden wird. Es kann weiter bereits mitgetält werden, daß auch von anderer Seite Anregungen und Bitten ,an die Regierung gelangt sind, die sich internem ähnlichen Sinne aussprechen. Richt nur von Arbeitnehmerseite, sondern auch von beachtenswerten - Stellen der Arbeitgeber-Organisationen würde man es bedauern, wenn die Einrichtung des Reichswirtschaftsrates, der auch in der nächsten Zukunft wichtige Aufgaben erfüllen könnte, verschwinden und damit ein Werkzeug aus der Hand gegeben würde, das in der Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitneh-. mern teilweise schon erfreuliche Ergebnisse gezeitigt hat. Es wird wesentlich davon abhängen, wie sich das Reichsfinanzministerium aus simin- ziellen Gründen zur Wetterführung dieser Einrichtung stellt, ob der Reichswirtschaftsrat bereits in absehbarer Zeit wieder mit seinen früheren Der Blutsteck. Zch sitze auf dem Dach eines jener klotzigen Auto buffe, die mit wütendem Gehupe über den AsphaltBerlms rattern, fauchen, schütteln und toben. Immer haarscharf geht es an den elektrischen Bahnen vorbei, den einzigen Verkehrsmitteln, die es an Gewicht mit den elefantenhasten Autoornnibufsen aufnehmen können. Das kleine Geziefer der Privatmaschinen wird kaum beachtet. Das muß ständig auf der Hut sein, solch einem Koloh nicht unter die Walzen zu kommen. Da oben also sitze ich und halte mich fest, so fleipn foul. Ich beuge mich etwas über das umfriedigende Gitter, um mir eine passende Stelle für die Asche meiner Zigarre auf dem Fahrdamm auszusuchen. And sehe, ja wirllich, uiid sehe, wie em Herr von der vorderen Plattform einer Elek- Irischen herauskippt, herausschlägt, heraussaust wie ein gefällter Baum und der Länge nach auf bei Straße liegt. Das Sonderbare ist, daß ich den Herrn kenne. Ich kenne ihn bestimmt, er. . . warten Sie einmal ... wie heißt er doch? . . . Es geht alles sehr schnell. Ein Schlächterwagen bremst dah der Gaul einen Augenblick ^nkreaft auf der Hinterhwtd steht. Ein darauf folgendes Auto bremst, dah es wie ein Gummi- ball etwa einen Meter zurückfedert und in eine Qostkarre hineinprellt. Die Himbeerkörbe kollern herunter und streuen ihren Inhalt unter die Reifen. Meine Milfahrenden sehen über die Brüstuna des Verdecks. Keine Miene verzieht sich. Riemand sagt ein Wort. Der Hevausgefallene hat blitzschnell den Kopf eingezvgen. Sein neuer Strohhut liegt zwischen den Füßen des Fleischevgaules. Der schwarzglänzende Spazierstvck mit silberner Krücke wirkt auf DDer gar noch daruver hinauSgehenden Aufgaben betraut werden kann. Jedenfalls wird von amtlicher Seite versichert, es könne keine Rede davon sein, daß die Regierung ein Interesse daran habe, den Reichswirtschaftsrat gänzlich abzubauen, was schon aus verschiedenen verfassungsrechtlichen Gründen unmöglich sei. Kleine politische Nachrichten. Was die Besatzung nicht gestattet. Rach einer Meldung aus Düsseldorf hat die Besatzungsmacht eine einfache Feier anläßlich des Verfassungstages gestattet. Verboten dagegen bleibt die für den 3. August geplante Gedenkfeier für die Gefallenen, die von der Reichsregierung angeordnet war. •( Falsche Gerüchte über den Kaiser. Amsterdam, 29. Juli. Zu der vom „Paris Midi" verbreiteten Rachricht, daß der ftühere Kaiser Wilhelm Holland verlassen habe und sich bereits auf hoher See an Bord eines transatlantischen Dampfers beftnde, erfährt die Riederländische Telegvaphenagentur aus zuverlässiger Quelle, daß diese Meldung nicht den Tatsachen entspricht. Der ftühere Kaiser befindet sich nach wie vor auf Schloß Doorn. Ein englisches Kriegsschiff für Brasilien. London, 29. Juli. Im Oberhause teilte Lord Parmoor mit, daß das britische Kriegsschiff „Curlew" den Auftrag erhalten habe, nach Brasilien in See zu gehen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Juli 1924. Fliegen und Mücken. Ich habe mich in die Berge geflüchtet. Ich habe mir auf einer wunderschönen Blumen- matte in einem kleinen Häuschen mein Heim aufgeschlagen. Hier will ich ungestört träumen und ausruhen von der Last des Alltags. Hier ist gut sein. Aber nun geht die erste los; die erste große Brummfliege nämlich, die sich in meine schöne KlauSnerei verirrt hat. Gradlinig geht fie brummend durch den Raum, rennt mit einem jähen Krach irgendwo an, summt einen Augenblick etwas höher und kommt auf der gleichen Dahn zurück. Amsonst, dah ich Tür und Fenster öffne. Sije will doch hinaus; aber sie sieht nichts; sie fliegt immer in der gleichen Linie unter der Decke, fünfzigmal. Run ist sie erwischt, fort Aber da ist auch, wie programmmäßig sich einstellend, schon die zweite. Was wirst du dich durch einen solchen Drummer stören lassen? Aber warte. Bei dem siebenten Drummer, der fünfzigmal die gleiche Aebung mit gesteigertem Drummwn macht, gebe ich mutlos den Kampf auf. Ich eile hinaus und klettere in die Derge; fernab von allen Menschen. Ein köstlicher, einsamer Pfad über Granitblöcke nimmt mich auf, in einen Dergkessel, wo der blaue Eisenhut blüht und ' ' ene nordische Steinbrecharten sich erhalten .. en. Aber plötzlich merke ich Begleiter. Ein Schwarm kleiner, schwarzer Fliegen geht mit Er umkreist meinen Kopf, wie ein Haufen Monde seinen Planeten, unermüdlich. Amsonst alles Schlagen, Wedeln mit dem Taschentuch. Das ist wie Pech, das man fortstöht und zugleich wieder heranzieht. Ich halte es nicht mehr auS; ich flüchte in die Ebene hinab, an das blaue Meer mit seiner reinen Salzluft. Mückenschwärme, Meteorringe von Mücken durch die ganze Atemluft, bei Tag, bei Rächt. Der Staub der Landsttahe, der würzige Kiefernduft, das heilige Schweigen des Buchenwaldes, der Salzatem der See — alles durchsetzt, versetzt, verstopft sozusagen mit Mücken. Jedes dieser Anglückswesen ist ein wahrer Spektakelapparat, ein ganzes Or- chesttion am einzelnen Leib: es lärmt mit den Flügelschwingungen, mit den aufeinander geigenden Hinterleibsringen, mit besonderen Stimmorganen der Brust. Dabei besitzt jedes eine zu langem Rüssel verlängerte Lippe, in der Rüsselröhre stecken die Kiefern in Gestalt jener spitzen Stilettdolche. Mit diesem raffi- bem grauen Asphalt wie ein Ausrufezeichen. Da steht er plötzlich auf den Beinen. Die Aktenmappe an die Brust gedrückt, die Bügelfalten tadellos. Ich kenne. . . ihn . . . doch . . .? Er hebt feinen Hut auf, greift fernen Stock und sprmgt auf die Elektrische, von der er eben heruntergefallen ist. Kein Wort fällt. Kein Gesicht zeigt Anteil- nahme. Plötzlich neben mir ein Schrei! Ein entsetzlicher Schrei der die Stille in tausend kleine Fetzen zerreißt. ’ Eine Frauenstimme gellt: „Ein Blutfleck!!" Ein abwehrend ausgestreckter Frauenfinger deutet auf die Stelle des Asphalts, wo unter dem Auto — der Himbeersaft eine große rote Lache bildet. Die Dame neben mir fällt in Ohnmacht. Der Autobus rattert los. Die Elektrische zieht frei» J$enb cm. Die ganze aufgehaltene Schlange von Verkehrsmitteln setzt sich rasselnd in Bewegung. * kenne ahn doch, den Heron, der die Aktentasche so fest an sich preßte, als er da unten lag imb beinahe überfahren worden wäre? Das geht mir durch den Kopf, während ich mich um die Ohnmächtige bemühe.1 ?ie Dame kommt langsam zu sich. Hätte ich sie nicht festgehalten, wäre sie sicher irgendwohin gefallen. Sie schlägt die Augen auf: „Entsetzlich, .toaß“ lag? ich, „Himbeersaft. Da stoßt sie mir mit der Säuft vor ^^Vistm und schreit: „Sie Rohling!" Dann rafft sie die Rocke und flettert die Wendeltreppe herunter. Ich höre, wie sie immer das Wort „entsetzlich murmelt. Ich steige etwas später aus. And ich denke: ”die wohl den Leuten von dem Blutfleck erzählen wird! Wie doch Gerüchte in dieser Stadt entstehen! Aber den Herrn mit der festgehaltenen Aktenmappe kenne ich doch? Es ist. . ." Sakra menen Henrerwertzeug fairen sie übe> ...icy her. In jedem Einzelfall kann das Werkzeug tödlich vergiftet sein, diese Räuberoperateure kennen ja keine Antiseptis..... Wenn ich mich mit Flügeln der Morgenröte flüchten könnte! Ich schließe mich im Geist den kühnsten Wanderern dieser Erde an. Mit Sven Hedin ziehe ich durch Asiens Wüsten zum Wundersee Lop-nor, der im Lauf der -Zeiten seinen Platz wechselt wie ein kriechendes Tier. Aber ich lese bei Sven Hedin: „Flußabwärts nehmen Bremsen, Mücken und Moskitos in beängstigendem Grad zu, und wo sie sich zusammentun, hat man keine sonderliche Freude am Dasein. Sie sind außerordentlich gesellschaftlich und übertreffen einander an Aufmerksamkeit. Doch gegen sie zu kämpfen, ist ganz vergeblich; man zieht dabei in jedem Fall den kürzeren." „Zieht den kürzeren!" — sagt Sven Hedin, der sich als Pilger verkleidete, um das unnahbare Lhassa in Tibet zu erreichen, wo man Fremde, wenn sie erkannt wurden, lebendig röstete oder zerhackte... • ** Eine Kreistagssitzung findet am kommenden Samstag, vormittags 10 Ahr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Ausschlag der Kreis um lagen für das Rj. 1924; 2. Wahl der Mitglieder der Körkommission. ** Auf geh obene Straßensperre. Die Sperre der Kreisstvaße Gießen—Steinberg ist wieder aus gehoben worden. ** Schulgeld-R eure gelang. Die Stadtverwaltung gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß das Schulgeld an der Höherei, und Erweiterten Mädchenschule mit Wirkung vom 1. August an neu festgesetzt wurde. Es ha.rdett sich um eine Erhöhung der Sätze entsprechend dem Vorgehen des Staates für die staatlichen Lehranstalten. ** Bes ch werden in Versorgungsangelegenheiten. Es wird halbamtlich darauf hingewiesen, daß es unzweckmäßig ist, wenn sich Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene bei Beschwerden über das VersorgungSamt an das Deichsarbeitsministerium oder auch an andere Dienststellen, in Fragen der Abfindung für Versorgungsanwärter beispielsweise an den Reichsfinanzminister, wenden. Durch diesen unrichtigen Weg wird die Bearbeitung der Beschwerden unnütz verzögert; denn sie werden lediglich dem Hauptversorgungsamt als der dem Versorgungsamt zunächst vorgesetzten Dienststelle zugeleitet, ohne daß der Beschwerdeführer mit einer Abgabemitteilung rechnen kann. ** Der Anbedenklichkeitsvermerk des Finanzamtes. Das Finanzamt stellt jedem, ber zu geschäftlichen Zwecken oder zur Erholung ins Ausland reifen will, gegen eine Gebühr von 10 Mk. den Anbedenklichkeitsvermerk aus, der für eine Dauer von vier Wochen -gilt Es bestehen aber in weiten Kreisen noch Anklarheiten über die Gültigkeitsdauer dieses Vermerks. Diese vier Wochen haben nämlich mit der Aufenthaltsdauer des Reisenden im Ausland nichts zu tun. Wenn er die Grenze überschritten hat, kann er so lange im Ausland bleiben, als ihm das ftxmde Visum gestattet. Er muß nir die Reife innerhalb der vier Wochen, für die ihm der Anb.'denklichkeitsvernrerk g'geben ist, antreten. Wurd^ ihm z. B. der Vermerk am 28. -Juli gegeben, so ist der 24. August der letzte Tag, an dem er die Grenze ins Ausland überschreiten darf. Fährt er später, so braucht er einen menen Vermerk und muß neue Gebühren bezahlen. Rach Deutschland kann er nach beliebigem Aufenthalt, z. D. auch erst im September, zurückkehren. ** Leichenländung. Die Leiche des Mädchens, das vor einigen Tagen in selbstmörderischer Absicht in die Lahn gegangen war, wurde jetzt gelandet. Es handelt sich um ein Mädchen aus Lich, das hier in Stellung war. ** Festgenvmmen wurde hier ein junger Rkann, der sich an zwei verschiedenen Stellen je ein Fahrrad erschwindelte und diese dann zu einem außergewöhnlich niedrigen Preise wieder absetzte. ** Ein herrenloses Fahrrad, das vor einigen Tagen vor einem hiesigen Hotel gefunden wurde, nahm die Polizei in Verwahrung. Das Rad tragt die Fabr.-Rr. 86 766, ist ohne Markenschild und rührt vermutlich von einem Diebstahl her. Der Eigentümer des Rades möge sich bei der Kriminalpolizei melden. ** Diebstähle in der Badeanstalt. In letzter Zeit wurden in einer hiesigen Bade- da hatte ich beinahe unter dem Autobus gelegen. Der Fahrer flucht mir ein Donnerwetter auf den 5>alä. Er schließt: „Olla Dussel, beinah hätt ick dir zu Blutwurscht verarbeit!" Hm, der Dag fängt scheint's blutig an. 2Iber den Herrn muß ich doch kennen? Oder .... sollte es mir mit dem Herrn so gehen wie der Dame mit dem Blutfleck? Ich erschrecke. Bin ich ebenso urteilslos wie jene Ohnmächtige, der ich so turmhoch überlegen war vorhin? 21m Ende . . . . o Menschenkirü», armes stolzes Hascherl, miserables .... Der Blutfleck hat mich beinah zum Philosophen gemacht. Hannes. * Die Massenvergistung durch Erdbeerspeise. Aus den Antersuchungen anläßlich der Massenvergiftung, die sich in einer der bekanntesten Lungenheilstätten Deutschlands ereignete, und die bei 4 Personen — darunter den Stellvertteter des ärztlichen Leiters — zum tödlichen Ausgang führte, geht hervor, daß es sich bei der plötzlich aiifgetretenen Massenerk'.ankung um „Paratyphus- B handelt, hervorgerufen durch Bazillen, die in der genannten Evdbeerspeise in ungeheuerlichen Mengen gefunden wurden. Diese Krankheit tritt gewöhnlich bei Massenvergistungen durch verdorbenes Fleisch von Schlachttieren auf, die infolge großen Wachstums des „Bazillus Parathphi-B" oder des diesem nahverwandten „Bazillus Gärtner enteridis" erkrankt sind. Rur wenn das Fleisch rah oder nicht genügend durchgekocht ist, können Fleischvergiftungen auftreten. Gelegentlich kann jebod) das Fleisch noch nach der Schlachtung mit den genannten Bakterien infiziert werden. Denn die Erreger der Fleischvergiftung find auheror- anjiair eine silberne 3>errenubr mit feingliedriger Kette, ein braunledernes Geldmäppchen mit Inhalt, ein silbernes Halskettchen sowie ein Reisepaß und Studentenkarte, auf den Ramen „Ernst Axt" lautend, gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen zur Ermittlung des Täters erbittet die Kriminalpolizei. Bornotizen- — Tageskalender für Mittwoch. Rundfunkhaus, Löberslraße, 8V2 Ahr: Literarischer Abend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Scheik". — Die Modelle für das Ehrendenkmal des 1 1 6er-Berbandes werden in den Räumen des Kunstvereins im Turmhaus am Brand öffentlich ausgestellt. (Räheres siehe im heutigen Anzeigenteil.) ; — AbonnementskonzertderReichs-' Wehrkapelle. Man schreibt uns: Mit dem 8. Abvnnementskonzert am morg. Donnerstagabend finben diese ihren Abschluß. Für diesen Abend hat Obermusikmeister L ö b e r das Sarosche Tongemälde „Erinnerung an die ruhmreichen Kriegsjahre 1870/71" in die Musikfolge aufgenommen, und zwar unter Mitwirkung der Spielleute des Bataillons. Das Programm ist wieder sehr geschickt gewählt und bringt außer -CCÖerten von Wagner, Weber, Ricolai die D'Alberffche Fantasie „Tiefland". (Siehe Anzeige) Landkreis Gießen. A Klein-Linden, 29. Juli. Der älteste hiesige Gesangverein „Eintracht" feiert nächstes Jahr fein 60jähriges Bestehen In ferner gestrigen Hauptversammlung beschloß der Verein, aus Anlaß des Jubiläums Anfang Juli nächsten Jahres einen großen Gesang- wett st r e i t in mehreren Stadt- und Landllassen abzuhalten. )) Lich, 29. Juli. Gestern wurde der Sommermarkt, verbunden mit Schweine- und Krämer markt, Bullen- und Schaf- bockauktion hier abgehalten. Zum Auftrieb gelangten ca. 500 Ferkel, 45 Zuchtbullen und 25 Schafböcke. Der Markt war sehr gut besucht und ein reges Geschäftstreiben zu beobachten. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel wurden mit 10 bis 15 Mk 9 bis 12 Wochen alte mit 16 bis 30 Mk. bezahlt' Jin Mittelpuntt des Marktes stand die von dem Landwirtschaftskimmerausschutz für Ober Hessen in Gießen geleitete Bullenauktion. Zum Verkauf standen 45 schöne Tiere. Von weither waren zum Ankauf beauftragte Kommissionen der Gemeinden erschienen. Der Höchsterlös für ein Exemplar betrug 1040 Mk. Für die von der Stan des Herrschaft Lich zur Auktion gelangten 25 Schafböcke wurde pro Stück bis zu 300 Mk. gezahlt. Es darf als sicher angenommen werden, daß in Lich ein derartig großer Marktbetrieb noch nie beobachtet worden ist. Kreis Friedberg. • Dad-Rauheim, 29. 3yli. Die Stadt- verordnetenversammlung hatte in ihrer jüngsten Sitzung über denGas-undElektrizitäts- Preis zu beschließen. In Anbetracht der herabgesetzten Kohlenpreise schlug der Lichtwerksaus- schuh vor, den Preis für Gas auf 20 Pf. Hera b- zusehen und, da der Staat den Preis für elektrischen Strom ab 1. April um 33/8 ermäßigt 'hat, für Licht 50 Pf. und für Kraft 40 Pf. AU erheben. Diese Sätze sind Anfangspreise für Kleinabnehmer, die Großabnehmer erhalten auf Gas und Elektrizität enffprechenden Rabatt. Der neue Gaspreis wurde vhie wesentlichen Einspruch gutgeheißen. Bei Elektrizität stellte die Arbeitsgemeinschaft der Mitte den Antrag, daß den Verbrauchern eine Rückvergütung auf die feit 1. April gezahlten Beträge gewährt würde. Auf Einspruch des Vorsitzenden wurde dieser Antrag abgelehnt und der, Vorschlag des Ausschusses angenommen. — Die schon seit langem geplant- Herstellung eines geräuschlosen Strahen- Pflasters in der Kurstrahe will man jetzt verwirklichen. Zunächst soll ein Kostenvor- anschlag eingeholt werden. — Von der in der vorigen Sitzung beschlossenen Klage gegen den Polizeirat Schildwächter wird Abstand'genommen, da das Mieteinigungsamt mittlerweile zu seinen Gunsten entschieden Hut. Kreis Schotten. 8 Alr ich st ein, 29. Juli. Der Jakobi- markt stand dieses Jahr im Zeichen der deutschen Wirtschaftslage. Der Großviehmartt wie der Schweinemartt brachten vielfach den Verkäufern nicht den Erlös, der erwartet war; dazu wa- ren die Preise zu niedrig. Der dritte Tag brachte dann einen ausgedehnten Krämermarkt; auch das beinahe ausgebliebene Karussell drehte sich emfig und die Tanzmusik erscholl bis spät in die Aachü Leider war das Wetter recht ungünstig. * Götzen, 30. Juli. - Am Freitag, 1. August, vormittags, findet hier eine vom Landwirtschafts- kannnerausschuß veranstaltete Schafbockauk- deutlich verbreitet. Einige Stunden nach dem^Ge^ nutz einer verdorbenen Speise austretende Ver- gistuitgserfcheinungen sind nicht auf die Wirkung des Paratyphusbazillen selbst, sondern auf die von ihnen abgefonoerten tierischen Gifte — sog. zurückzuführen, die übrigens auch nach Erhitzen auf höhere Temperaturen noch wirksam Eben können, während sich die dem eigentlichen "Typhus' ähnelnde Form des „Paratyphus" nur allmählich entwickelt und auf das Wachstum und Wirken der Dazlllen als solche zurückzuführen ist. Die vorliegende Massenvergiftung ist nun unzweifelhaft durch den Genuß von Erdbeerspeise hervorgerufen, die aus Eiern, Erdbeeren, Gelatine, Zucker und nachgewiesenermahen einwand» freier Milch hergestellt war. Wie sind nun die Bazillen in die Speise hrneingeraten? Da Milch Eier, Zucker, Gelatine als Träger des Krankheitsstoffes ohne weiteres ausscheiden, so bleiben nur die Erdbeeren übrig, die wahrscheinlich von Ratten im Garten mit Bazillen verseucht wurden. Das vor der Zubereitung erfolgte zweimalie Abspülen hat natürlich nicht die Bazillen beseitigt Bazillenträger, wie z. B. Küchen>angesteNte, kommen als Infekttonsguelle nicht in Frage, da amt» licherseits nachgewiesen wurde, daß sich hn letzten halben Jahre feine Bazillenträger in der Anstalt befanden. Die mit den Erdbeeren in der Speise gelangten Bakterien haben sich nun, während die tags zuvor bereitete Speise ca. 18 bis 20 Stunden im Kühlraum stand, in dem hervorragenden Rähr- boden aus Eiern, Zucker, Gelatine und Milch ungeheuer vermehrt und nach dem Genuß dann die schweren Vergiftungen verursacht. Das geschilderte Ereignis gibt uns Anlaß, nachträglich darauf hinzuweisen, daß im heißen Sommer möglichst nur frisch gekochte Speisen genossen werden sollen. tzchN Hon fjatt. Näheres ist aus der heutigen Anzeige fcu ersehen. Kreis Büdingen. Orten berg. 29. Juli. Einen frohen Wend bot gestern unserer Gemeinde eine Wan- berspTelgruppe der Bad-Nauheimer Oberrealschule im Saale des Gasthauses »j?ur Post . Sie führte zwei alte deutsche Dolks- auf Als erstes ging „Der Roßdieb" von Hans Sachs über die Bühne. Die ganze Anmittel- varkert und Arwüchsigkeit, die den Spielen dieses alten deutschen Dichters innewohnt, kam infolge der natürlichen Darstellung der jungen Schauspieler zur vollen Wirkung. Eine noch bessere Wiedergabe fand das zweite Spiel „Die Zauber- gelge" von Blachetta. Die Darstellung war hier Aum großen Teil, von einzelnen Ülebertreibungen abg^ehen, so vollendet, daß die Lachmuskeln der Zuschauer nicht zur Ruhe kamen und das Spiel öfters von dröhnendem Beifall unterbrochen wur^, einige Berfeinerungen im Spiel würden ledoch die Wirkung des ganzen Stückes nur erhöhen. Dazwischen boten die Schüler musikalische, komische und ernste Dorträge, die von einer bewundernswerten Vielseitigkeit der Anlagen und Talente zeugten; auch hier durften die Darsteller wohlverdienten Beifall ernten, der ihnen ein schöner Dank gewesen sein mag für die unermüdliche Hingabe an die schöne und edle Sache, für die sie ihre ganzen Ferien opfern. Der Abend war eingerahmt von pvachtvollen Volksliedern, die der Krrchengesangverein vortrug, sowie von einer eröffnenden Begrühungs- sowie dankenden Schl uhan spräche, tn denen der Ortspfarrer auf den schönen Zweck des Abends hinwies, einen Baustein zu stiften für die im nächsten Jahr zur Erbauung kommende Gustav-Adolf- Kapelle in Obermörlen. Da der Abend zusammen mit einer Schülervorstellung am Nachmittag 60 Mk. Reinertrag brachte, dürfte wohl noch mehr als ein Baustein gestiftet wviden sein. Tturtcuburg nnd Rhcinhc^en. * Darmstadt, 29- Juli. Ein Schwindler versetzte in der letzten Zeit hauptsächlich Geschäftsleute dadurch in nicht geringe Aufregung, daß er sie von einem demnächst auf ihr Geschäft geplanten E i n b r u ch in Kenntnis setzte. Es war ihm dabei natürlich nur um die Erlangung von Geschenken zu tun, was ihm in vielen Fällen glückte. Es gelang jetzt der Kriminalpolizei, den Täter zu ermitteln und hinter Schloß und Riegel zu bringen. Hesscn-Nassau. Ipd. Frankfurt a. M., 29. Juli. Dir Aeberiälle am Hellen Tage inmitten der Stadt mehren sich in auffallender Weise. Am Montag wurde in der Großen Eschenheimer Gasse ein Lehrling von einem jungen Manne überfallen und seiner Handtasche mit 500 Mk. Bargeld beraubt. Der Lehrling schrie um Hilfe. Den Passanten gelang es, den Räuber einzuholen und f e st z a n e h m e n. Es handelt sich um einen gewissen Emil Rutz. — Rar kurze Zeit war ein 1 9jähriges Mädchen bei einer hiesigen Dame in Stellung. Sie benutzte aber die Tage zu Dieb st äh len großen Amfangs an Wäsche und Kleidungsstücken und Schmucksachrn im Gesamtwerte von mehreren tausend Mark. ■ Das Mädchen wurde verhaftet, die Sachen konnten restlos wieder herbeigeschafft werden. — Auf der Homburger Landstraße bei Riedereschbach stieß der M o t o r f a h r e r Völker in voller Geschwindigkeit mit einem aus einem Feldwege kommenden Fuhrwerk zusammen. Der Mvtorfahrer wurde vom Rade geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er heute früh, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, im Marienkcankenhuus ver- st a r b. — Zn der Gemarkung des Vorortes Praunheim richtete eine Windhose starke Verwüstungen an. Der Wirbelsturm knickte zahlreiche Obstbäume um, deckte viele Dächer ab und richtete auf dem Kornfeldern arge Verheerungen an. Besonders schwer wurde das Haus des Landwirts Geisel mitgenommen. Die Windhose kreiselte dann mit unerhörter Schnelligkert durch das Niddatal aufwärts und zerstörte auch in den Gemarkungen Ecken he im und Preungesheim zahlreiche Obstkulturen. Gießener Ltadttheater. „Die Dame mit dem Scheidungsgrund." Lustspiel von Shdnev Garrick (Ernst Vajda). Deutsch von Ludwig Hirschfeld. Seitdem die Einfuhr und Aufnahme der Affen-Tarzan-Geschichten eine Art Dankerott- erklärung des guten Geschmacks seitens eines Teils der deutschen Abnehmer dargestellt haben, konnte man auf allerhand weiteren Import „geistiger" Erzeugnisse durch die nach allen Himmelsrichtungen offenen Löcher in der Grenze gefaßt sein. Denn es ist ja eines der Erbübel des Volkes der Dichter und Denker, daß es auch die miserabelste geistige Nahrung noch an- und aufnimmt, wenn sie aus dem Ausland kommt, And wenn es gestern auch nicht ganz so schlimm kam, wie die Jahreszeit, das Ursprungsland, der Titel und das internationale Sammelsurium von Verfasser- und Rollen träger-Namen befürchten liehen, so gehört doch auch dieser „bescheiden" Lustspiel benamste Import-Schwank des Herrn Ludwig Hirschfeld zu jenen Aeberflüssigketten, die wir selbst in diesen verdrehten Hundstagen entbehren können. Akt I. Ter erste Hochzeitsgedenktag: Er als Anwalt Scheidungsspezialist, Sie: die vernachlässigte Frau. Dazu der Freund des Hauses. Der geplante Besuch des gottlob imavinären Theaters, in dem das Stück mit dem Titel der Komödie gespielt wird, - kann nicht erfolgen, weil a) die Frau des Freundes des Hauses nicht mit ihrer „Toilette" fertig wird, b) der Anwalt eine interessante Klientin „verarzten" muß und von seiner jungen Frau ein Tintenfaß an den Kopf geworfen kriegt und c) der Verfasser diese Geschehnisse braucht, um drei Akte um sie herum zu schreiben. Im zweiten ist natürlich der Schei- dungsspezialist selbst geschieden und hat eine Wittib kennen gelernt. Liebe auf den ersten Blick, Heirat binnen 3 Tagen mit Dispens. Als der erste Kuh gewechselt werden soll, erscheint Frau Nr. 1. um sich von ihrem Mann Nr. 2 scheiden zu lassen, alldieweil sie Mann Nr. 3 heiraten will. Für den Anwalt also eine interessante Klientin. Szene in Akt 1 wiederholt sich, Frau Nr. 2 verläßt diesmal das verrückte Haus, um den Hochzeitstag mit der Einreichung der Scheidungsklage zu beschließen. Natürlich hat Frau Nr. 1 geflunkert. Mann 2 war Phantasieprvdukt, .Mann 3 wird als edeler Ritter verabschiedet, damit zum Schluß, um den ethischen, moralischen und geistigen Bankerott vollkommen zu machen, Frau Ar. 1 am Hochzeitstage ihres Mannes Nr. 1 mit Frau Nr. 2 mit diesem auf die Hochzeitsreise ziehen kann, während Frau Nr. 2 beim Konkurrenten die Scheidung beantragt. And dabei *hat einmal ein gewisser Stückeschreiber Schiller behauptet, die Bühne sei ein Erziehungsinstitut und eine moralische Anstalti Die Darsteller wurden im großen und ganzen ihrer Aufgabe gerecht, allen voran Carl Lambertin, der seine männliche Primadonnenrolle mit einer nicht nur auf den Frack bezüglichen sicheren Eleganz „erledigte" — und Karl V v l ck als hetzender, rettender, helfender Freund der Echeidungsfpezialistenfamilie. Fred Schüler erfreute als temperamentvoller Flieger-Marchese das Publikum, trotzdem er das Italienische durch einen östlichen Jargon zu charakterisieren beliebie. Die Damen Elfriede Basedow, die besonders im 2. Akt ihre Gabriela mit sprüh^rchem Leben verkörperte, und Else Koop schlossen sich den Genannten ebenso wie Karl Juhnke würdig an. Es fiel keine der zahlreichen Eindeutigkeiten und Anzüglichkeiten und keines der minder zahlreichen Bonmots unter den Tisch, so daß sich die Zuhörerschaft sichtlich größtenteils ausgezeichnet unterhielt. „Die Armut kommt von der Powerteh", hat Fritz Reuter behauptet. —z. Aus aller Welt. Nach Ermordung eines Schülers flüchtig. Am 24. Juli war auf der Landstraße zwischen Kraiburg und Mühldorf in Niederbayern der 14jährige Realschüler Fritz Gretinger von zwei jungen Burschen überfallen, durch mehrere Stichs ins Herz getötet und seines Fahrrades beraubt worden. Die Mörder, die man zuerst für Schüler oder Studenten gehalten hatte, wurden nunmehr als der 24jährige Bäcker Franz Schneider aus Preimsseld bei Markt Heidenfeld und als der gleichaltrige Mechaniker Otto Poehl aus Linden bei Hannover fest gestellt. Beide Täter sind flüchtig. Ein -weiteres Telegramm vom 29. Juli aus München besagt: Die von der Staatsanwaltschaft in Traunstein steckbrieflich verfolgten FranzSchnei- der und Otto Poehl, welche bringend verdächtig sind, den Raubmord an der Sttahe Mühldorf— Kraiburg an dem 14jährigen Realschüler Fritz Gretinger verübt zu haben, wurden heute nachmittag in Bayreuth fest genommen. Opfer der Berge. Nach einer Drahtmeldung aus München find die Studenten Deck aus Augsburg und Scherer aus München im Karw-endelgebirge abgestürzt und tödlich verunglückt. Ihre Beerdigung hat in Scharnitz stattgefunden. Folgenschwerer Brückenemsturz. Herford, 29. Juli. Gestern nachmittag ereignete sich ein schweres Anglück in dem benachbarten Rödinghausen in der Nähe des Rangierbahn Hofes der rheinisch-westfälischen Kalkwerke. Aeber eine etwa 12 bis 13 Meter lange Drücke war ein Anschlußgleis gelegt worden, um Siegeln abzufahren. Am Samstag war die Drücke von der Dahn zum erstenmal benutzt worden. Als gestern nachmittag ein mtt 3000. Ziegelsteinen beladener Wagen die Drücke passierte, brachen die Nieten, die den Querträger in der Mitte hielten. Die Drücke brach zusammen, und der Wagen stürzte in die Möhne. Zwei Arbeiter wurden getötet und zwei schwer verletzt. Eine Untersuchung über den Anglücksfall ist eingeleitet worden. Eine unerhörte Friedhofsschandung. Hagen, 29. Juli. (WTB.) Der im Stadtteil Eilpe gelegene jüdische Friedhof wurde in der Nacht zum Montag durch bisher nicht ermittelte Täter verwüstet. Der FriÄ>hof bietet ein furchtbares Bild der Zerstörung. Nur sechs Grabstellen stehen noch. Diele zentnerschwere Grabsteine und Grabmäler sind umgestürzt und die Blumen ausgerissen worden. Am die Steine umwerfen zu können, wurden die Gräber teilweise ausgegvaben. X Der übliche Autounfalk. Königs Hütte, 29. Huli. Auf der Rück- fahrt von Rybnik verunglückte der Fleischer Reck aus Königshütte mit seinem Auto tödlich. Auch der mitfahrende Beamte Barsch war auf der Stelle tot. Zwei weitere Insassen wurden schwer verletzt. Neue Hochwasserkatastrophe in China. Die erst kürzlich von einer Hochwasferkata- strvphe heimgesuchten Provinzen Chinas sind von einer neuen Aeberschwemmung betroffen worden. Nach einem Telegramm der „Neuyorker Times" sind über 1000 Ortschaften völlig überflutet. Auch die Stadt Tientsin ist bedroht. Die Zahl der Woh- nungslosen beträgt 2 Mlllionen. An mehreren Stellen sind die Eisenbahnverbindungen unterbrochen. Für Peking besteht die Gefahr, daß es vom Verkehr abgeschnitten wird. Die ließet» schwemmungen haben ungeheure Ernteschäden verursacht. Verantwortlich für Polttik und Feuilleton: I. D.: Heinz Gorrenz. Neuheit! Heitman n- Entfärber entfernt »UMlSlllSNS Partei! aus bunter u. weißer Wäsch® entfärbt «gS SMC selbst die zartesten Gewebe beseitigt FICCkBll von Obst, Rotwein, Kaffee, 5968c Kakao und dergl. Unschädlich f. alle Stoffe. Mühelose Anwendung Man achte auf die Marke „Fuchskopf im Stern". Erhält!, in allen Drogerien u. einschl. Geschäften. - Eikmeier&Loeb Tabakwaren-Großhandlung Bahnhofstraße 64 Telephon Nr. 1171 Die Geburt ihres dritten Sohnes Alfred am heutigen Sonntag zeigen ergebenst an Generalkonsul Otto Weber Frau Freda Weber geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode Datavia/Weltevreden, den 15. Juni 1924. Koningsplein West No. 7. 5974O Liebigshöhe Donnerstag, den 31. Juli, abends 8 Uhr 8. Abonnements-Konzert der ReichswehrkapeiBe. (Erinnerungen an die ruhmreichen Kriegsjahre 1870/71) IIIIlIII«lIlIIlIlI!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiIIIIIIIIIIIiIlIIIIiIIIIIIIIIIIIIIIIiIII!IlIIIII!II!IliIII»IIIIII!!I 116er-Denkmal Donnerstag, den 31. Juli, nachm. 5 Uhr, findet die feierliche WWilz »er WWW dod Mellen für öos WenSenkMl oes llßer-BErtonoes in den Räumen des Kunstvereins im Turmhaus am Brand statt. — Die Feier ist öffentlich. Don da ab bleibt die Ausstellung bis Sonntag, den 10. August - Sonntags von 11-1 Uhr, werktags von 4-7 Uhr nachmittags — geöffnet. Eintritt 20 Pfg. 5973D Eintritt 20 Pfg. r Bekanntmachung. Schulgeld an der Höheren und Gr» weiterten Mädchenschule. Das Schulgeld ist mit Wirkung vom 1. August 1924 an neu festgesetzt worden. Auf den Aushang in den Anschlagkästen wird hingewiesen. 59836 Gießen, den 25. Zull 1924. Der Oberbürgermeister, f*. 2.: Dr. Seih. BOcu- uni) Wklbrmhch Anmachholz liefert 5886c Carl Haas jr. Frankfurt.Str.5S. 5981a Donnerstag früh 9 Uhr: Prima Seelachs und Cabliau Bratichellfifche und Steinbutt Neue Matjes-Heringe 3 Stück 50 Pf. Neue deutsche Fett-Heringe Stück 10 Pf. Bahnhofstraße 27 Fernsvr. 1631 Mein großer Saism-Aiisverkaui Anfang 1. August — bringt Ihnen Angebote, die Men erregen. Kaufhaus Katz Bahnhofstraße 14. 5947c Billigste Bezugsquelle für Wiederverkäufer zu Original-Fabrikpreisen Zigarren Zigaretten Rauchtabake Kautabake g Erstklassige Fabrikate mit Goldmark- > Banderolen Fabrikniederlagen: Nicolai'sche Tabaksmanufaktur Schwedt, Amsterdam, Berlin Zigarettenfabrik „Delta“, Dresden Echt Emmenthaler Schweizer ff. 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Es ist an der Zeit, dah auch die breiteOeffent- lichkeit. namentlich die berufenen Faktoren sich der Wichtigkeit dieser Frage bewußt werden und die Bestrebungen auf diesem Gebiete fördern Helsen. Bei der großen Bedeutung, die unsere Sparkassen als Geldinstitute für die Kommune, das Privat-, Geschäfts- und Wirtschaftsleben haben, müssen alle Kräfte einmütig mitwirken, den Spar- siim zu pflegen. Alle Rotverordnungen, Schutzzölle und Ausländsanleihen sind nicht in der Lage, unseren: Wirtschaftsleben aufzuhelfen, rvenn das eigene Sparkapital fehlt. So lange den Sparkassen nicht ausreichende Gelder zufliehen, können Kredite zur Belebung des Wohnungsbaues, zur Hebung der Landwirtschaft und des Handels sowie zur Schaffung notwendiger kommunaler Einrichtungen nicht gewahrt werden. Leider ist das Vertrauen zu den Sparkassen schwer erschüttert worden. Ungemein groß ist die Zahl derer, die in ängstlicher Beschränkung ihrer ganzen Lebensführung Pkennig auf Pfennig häuften in Erwartung eines gesicherten Lebensabends. Alle, die in wirtschaftlicher Vorsorge den Sparkassen ihr Geld anvertrauten, deren Bestand und deren Rechtlichkeit über jeden Zweifel erhaben ivar, sie alle stehen heute vor einem Richts. Die Sparkassen als solche sind nicht schuld an diesen Verlusten. Sie haben auch in der Inflation mit derselben Treue und Verlässigkeit die ihnen anvertrauten Gelder verwaltet und gestrebt, ihre wirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen. Durch die Dcmkm sind weit gröhere Kapitalien verlorengegangen, haben einzelne weit empsindlichere Verluste etfitten, ohne daß gegen diese Institute die Erbitterung so offensichtlich sich kund tut wie gegen die Sparkassen. Der Zusammenbruch unseres ganzen Wäh- rungsfystems ist schuld, dah dem kleinen Manne, dem eifrigen Sparer, alles verloren ging. Dennoch: Sparen tut not. Dies muh das Leitmotiv unserer Zeit sein. Es kann auch heute wieder sein, rveil eine Inflation doch wohl undenkbar ist. Die Wiedergewinnung des Vertrauens und die Belebung der Sparbetätigung können nur erreicht werden durch die freudige Mitarbeit der Schule und der Lehrerschaft. Durch- Önde Erfolge sind nur zu erwarten, wenn Errichtung der Schulsparkassen unsere Jugend und indirekt das Elternhaus beeinfluht werden. Die Sparkassen können der Gründung solcher Kassen erst näher treten, wenn sich die Lehrerschaft opferfreudig in den Dienst der guten Sache stellt und die Mehrarbeit im Interesse der Volkswohlfahrt auf sich nimmt. Schulsparkassen bestehen in Deutschland schon seit dem Jahre 1820. Vor Ausbruch des Krieges hatten die Kassen grohe Verbreitung gefunden. Verschiedene Regierungen forderten ausdrücklich die Einführung auf und wiesen nachdrücklichst auf den erzieherischen und roirtschaftlichen Ruhen hin. Die Regierung in Düsseldorf schrieb in dem amtlichen Schulblatte vom 18. Dezember 1911 über Schulsparkassen folgendes: Eine nähere Prüfung der Schulsparkassenverhältnisse, in die wir neuerdings eingetreten sind, hat ergeben, dah die Schulsparkassen eine Förderung verdienen, da sie nach den vorliegenden Erfahrungen ihren Zweck, schon die Jugend zur Sparsamkeit anzuregen und xu Sparern zu erziehen, erfüllen. Gegenüber diesen Vorzügen müssen etwaige Bedenken gegen die Schulsparkassen zurücktreten. Wir ersuchen sie daher, dem in Rede stehenden Gegenstände ihr Interesse zuzuwenden und gelegentlich auf Kreis- Lehrerkonferenzen die Errichtung von Schulsparkassen aryuregen sowie der Lehrerschaft ihre Mitwirkung bei dem gemeinnützigen Unternehmen an- zuempfehlen. Andere Regierungen, wie Potsdam und Gumbinnen, gingen noch weiter, indem sie alljährlich eine genaue Statistik der Schulsparkassen veröffentlichten. In dem Regierungsbezirke Potsdam bestanden im Jahre 1908 in 127 Orten Schulsparkassen, 1912 bereits 295. Die Einlagen von 55 492 Kindern betrugen in dem Jahre 834 454 Mk, die Gesamtersparnisse 4 024 497 Mk. In dem amtlichen Schulblatte für den Regierungsbezirk Gumbinnen vom 12. Dezember 1912 ist ebenfalls eine statistische Zusammenstel- brng über Schulsparbassen enthalten. Danach bestanden in dem Bezirke 597 Schulsparkassen mit 11790 Sparern. Im Anschlüsse an den Bericht schreibt die Regierung werter: „Wir erkennen gern an. dah kmrch die Anregung der Herren Kreisschulinspektoren und durch die opferfreu- dige Hingabe an die gute Sache seitens der Herren Lehrer vielfach recht erfreuliche Ergebnisse er» zielt worden find und sprechen allen denjenigen, welche sich um die Förderung der Schulspar- kassen nrit Erfolg bemüht haben unseren Dank aus. Freilich fehlt noch viel, dah möglichst alle Schüler von der segensreichen Einrichtung der Schulsparkassen Gebrauch machen. Dies aber muh bas Ziel sein. Es kommt nicht auf die Höhe der Beträge an. welche in die Schulsparkassen eingezahlt werden, sondern darauf, dah eine möglichst grohe Zahl von Kindern spart. Die Schul- sparkassen haben in erster Linie eine erziehliche Aufgabe, die darin besteht, den Sparftnn der Schüler zu wecken und anzuregen. Wir ersuchen daher die Herren Lehrer aufs neue itch der Sache mit warmem Interesse anzunehmen und sich die Weiterentwicklung der vorhandenen und die Grüirduag neuer Schulsparkassen ange- legen sein zu lassen. Im Bezirk Düsseldorf bestanden im Jahre 1913 in 389 Orten Schulspavkassen mit einer Iahvesetnlage von 2 112 071 Mk. Im Bezirk Aachen bestanden 344 Schulsparkassen. Der Bezirk Arnsberg zählte 222 Schulsparkassen in 1244 Klassen. Tas erfreuliche an diesen Berichten waren weniger- dk hohen Summen der Sparbetrage als die ausdrückliche Bekundung sämtlicher Lehrpersonen, dah sich erziehliche Mängel in keiner Weise gezeigt hätten. Eine ganz« Reihe von Ley- vern bekundet ausdrücklichst, dah sich sogar der erziehliche Ginfluh in der Familie bemerkbar gemacht habe. Die Notwendigkeit der Gründung von Schulsparbassen gerade in der heullgen Zett wird allgemein anerkannt und zwar nicht nur mit Rücksicht auf die volkserziehliche Bedeutung, sondern auch aus rein wirtschasttichen Gründen. Bei den heutigen Teuerungsverhältnissen kann der Arbeiter von seinem Wvchenlohne, der Beamte von seinem Monatsgehalt nur wenig ersparen. Es kann sich nur um wöchentlich 50 Pf-, 1 Marl oder 2 Mark handeln. Soll di« Mutter mit diesem Geld« zur SparVasse? Bleibt das Geld im Hause, so wird es meist für unnütze Dinge verausgabt. Don den Sparkassen kann es nicht ersaht werden. Dadurch, dah die Schule diese Rotpfennige der Mutter und die Spargelder des Kindes entgegennimmt, erweist der Lehrer der Familie einen Liebesdienst. Die Schulsparkasse schlingt gleichsam ein neues, gesegnetes Band zwischen Schule und Elternhaus. Schulbehörden, Gemeinde- und Sparkassenverwaltungen beschäftigen sich in letzter Zeit sehr eingehend mit der Schulsparöassenfrage und beabsichtigen deren einheitliche Einführung. Es kommen Sparsysteme in Frage mit handschriftlicher Quittungsleistang und solche, die auf der Verwendung von Sparmarken beruhen. Der Sparkassenverband, der seinerzeit in eine Prüfung der verschiedenen Systeme eingetreten war, hat sich für das vereinfachteMarkensystem entschieden, weil dieses für Schule und Sparkasse die geringste Belastung bedeutet und weil es dem natürlichen Sammeleifer des Kindes entspricht. Dor Ausbruch des Krieges war das System in 3500 Städten und Landgemeinden eingeführt. Die Zahl der Sparer betrug 420 000, die Sparsumme 7,9 Millionen Mark. -ihn das Iugendsparwesen einheitlich zu gestalten, wurde in Essen die Zentrale für Iugendsparwesen gegründet. Sie hat sich die Aufgabe gestellt den Sparkassen und Gemeindeverwaltungen Auskunft und Aufklärung zr geben und sie mit entsprechenden Formularen und Sparmarken zu versorgen, durch Vorträge auf Lehrerkonferenzen, Elternabenden usw. für die Verbreitung zu wirken. Sie will ferner statistisches Material sammeln und durch Herausgabe einer Monatsschrift den Gedankenaustausch fördern. Anfragen sind zu richten an die Zentrale für Iugendsparwesen, Essen, Otmarstrabe 26. Wirtschaft. Vom Getreidemarkt. Die Aufwärtsbewegung an den deutschen Getreide Märkten ist in der vergangenen Woche zu einem gewissen Stillstand gekommen. Die Meldung von der Fortsetzung der Weizen- Hausse in Chicago könnte gröHeren Einfl uh nicht mehr ausüben, da man arch hier an ein bloßes Spekulationsmanöver glaubt. In Weizenmehl entwickelte sich das Geschäft recht schleppend. Der Inlandabsah war, nachdem Mühlen und Konsum sich in den vergangenen Wochen recht stark eingedeckt hatten, sehr geringfügig. Der Ausland- absatz Tonnte, einige Belebung erfahren, und zwar richtete sich die Ausfuhr gröhtenteils nach der Tschechoslowakei, Dänemark und zum Teil auch nach Holland. Roggen konnte ebenfalls in gewissen Mengen ausgeführt werden: allerdings gaben die Preise von ca. 147 auf ca. 134 Mk. nach. Altes Getreide ist im Inland« noch reichlich vorhanden. Doch eignet es sich zur Ausfuhr recht schlecht. Der Inlandkonsum zieht Angebote in neuer Ware vor. Diese Restbestände alter Ernte drüc^n zurzell nicht unerheblich auf das gesamte Preisniveau in Roggen. Gerste war für Kaffeeröstereien einigermaßen gesucht. Für Futtermittelzwecke lieh der Bedarf zu wünschen übrig. Hier begegnet die Gerste der Konkurrenz des Hafers, der in recht guter Ware zu verhältnismäßig billigen Preisen lebhaft angeboten wird. Ganz allgemein läßt sich sagen, dah auf den deutschen Märkten die Spekulation in letzter Zeit wieder recht zurückhaltend geworden ist. An ihre Stelle ist zumeist der reelle und vorsichtig kalkulierende Handel getreten. Man wartet im übrigen auch hier den Ausgang der Londoner Konferenz und das Ergebnis der Schutzzoll-Verhandlungen ab. Ue^r die Witterung kann gesagt werden, dah die in der vergangenen Woche reichlich erfolgten Regenfälle für den Roggenbestand recht günsttg waren, wenn auch der erste Schnitt etwas verzögert wurde. Gerste, deren Schnitt bevor- steht, könnte allerdings etwas trockene Witterung gebrauchen. Am Weltgetreide markt folgten die Preise den amerikanischen nur zögernd. Auch hier haben die Enthüllungen amerikanischer Zeitungen eine Skepsis ausgelöst. Man schenkt den Darlegungen Glauben, die wissen wollen, dah die augenblickliche Getreidehausse am Chicagoer Markte Maschenschaften der Spekulation zur bevorstehenden Präsidentenwahl zuzuschreiben sind. Genauer betrachtet, erscheinen die Preise an den amerikanischen Märkten auch unberechtigt hoch, selbst wenn man dem augenscheinlich schlechten Ausfall der kanadischen Ernte und die Minderung der Anbauflächen in den Vereinigten Staaten in Betracht zieht. Die europäischen Einfuhrländer, namentlich England, die in dem vergangenen Monat unter steigenden Preisen größere Anschaffungen gemacht hatten, sind nunmehr recht zurückhaltend geworden und schieben wettere Einkäufe bis zur Klärung der Lage der amerikanischen Verhältnisse auf. * Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Iull. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Tendenz fest. Rach rascher äleberwindung einer vorbörslich aufgetretenen Rcigung zur Schwäche infolge von Realisationen eröffnete die Börse wieder mit recht fester Haltung. Obwohl die Londoner Verhandlungen Sicherheit und Klarheit vermissen lassen und wieder einmal ins Stocken geraten wollen, hält die Börse an der optimisttschen Auffassung fest, dah durch die Hinzuziehung Deutschlands eine raschere Erledigung in London erzielt werden kann. Cs entwickelte sich eine erneute Umsatz- tätigkeit, die sich nahezu auf fast alle Märkte erstreckte und für einzelne Gebiete eine wesentliche Zunahme des Geschästsumfanges erkennen lieh. Die höheren Bewertungen der Kurse blieben jedoch gegenüber den gestrigen etwas zurück. Tie Kauftust, die namentlich die Spekulation zetgr, wurve aber auch wieder angeregt durch Auslandkäufe. Auch neue Käufe aus dem Publikum lagen vor und trugen zur Belebung bei. Am Geldmarkt hält die Versteifung an. Monatsgeld zog aus l1/»—13/a Proz. an, tägliches Geld ist zu 8/8 pro Mille zu Huben. Im »Valutageschäft ist eine leichte Abschwächung des Pariser Frank zu verzeichnen. Gr ging im heuttgen Usancenverkehr auf 86,50 bis 86,60 in Pfundvarttät, Banknoten. Geld I Brief Rcpart. °/» 4,19 18,95 67,38 18,385 21,15 159,70 18,10 66,36 5,91 1,77 111,17 77,06 65,41 12,38 6,00 doll voll voll Voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll 4,21 10,05 67,72 18.435 21,25 160,50 18,20 56,64 5,93 1,79 111,73 77,41 55,69 12,44 5,02 und auf 19J>5 bis 19,65 in Dollarparität zurück. Das Pfund behauptet seinen Stand mtt 4,393/4 bis 4,40 Dollar, desgleichen die Mark mit 4,166 Billionen für den Dollar. Am Effektenmarkt konzentrierte sich das Interesse hauptsächlich wieder auf den Markt der chemischen Werte, die neue Kursgewinne zu verzeichnen hatten. Der Kassaindustriemarkt wies leickte coei- tere Kurserhöhungen auf. Der Markt der heimischen Anleihen verkehrte nicht einheitlich, die vorbörslich niedriger verkehrenden Kurse konnten teilweise bei der Eröffnung nicht einholen. Ausländisch' Renten lagen ruhig und unverändert. Im fteien Verkehr, wo anfangs Realisa- twnsneigung vorherrschte, konnte sich eine etwas stärkere Haltung späterhin durchsetzen. Api 23/4, Dccker-Stahl V/2, Becker-Kohle 5Vs. Benz I3/^ Krügershall 2,75, Growag 0,140, Ufa 5, Petroleum 13,25. Im weiteren Verlauf war die Stimmung unverändert. Die Kurse konnten sich vereinzelt weiter befestigen. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Berliner Börse. Berlin, 29. Juli. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Die Berliner Börse eröffnete heute bet ruhigem Geschäft in etwas unsicherer Haltung. Die Kurse erwiesen sich auf den meisten Märkten allerdings etwas fester. Der gestrige Beschluß der Londoner Konferenz über die Hinzuziehung deutscher Vertreter an einem nicht festgelegten Zeitpunkt bereitete der Börse eine gewisse Enttäuschung, da man mit einer sofortigen Einladung gerechnet hatte. Außerdem wirkte die Aachricht über den Abbruch der Micumverhandkungen gerade mit Rücksicht auf die Hinauszögerung in der Enffcheidung in London verstimmend. Schließlich hat die gestrige Vernehmung von Sachverständigen *) Vom Rückzahlungswert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark ausgedrückt. BuenoS-Dires, London, Neu« hort, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, alle- übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Berlin, 29. Juli Amerikanische Noten .. ... Belgische Noten........ Dänische Noten ........ Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten ..... Jtaln-nische Noten ..... Norwegische Noten..... Deulsch-Oesterr-, Aioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten . Schweizer Noten...... Spanische Noten . Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten ün Billionen Prozent Frankfurt a M. Berlin Schluß- Kurs Schlur- ku s Schluß. Ku » Schluß« Datum: 29 7. ? . 7 .9. 7. 5% Deutsche Reichsan leihe . 0,297 . 0,2975 C.315 0.294 <% Deutsche RetchSanleiye 0,780 0,780 0,745 0,725 S'/i’/o Deutsche Rcichsanlethe 3% Deutsche Reichsanlethe • 0,725 0, 25 0,6 ".5 0,625 0,122. 0,1225 1,225 1,175 Deutsche Svarpramienanleihe 0.2,0 0,2 0 0,225 0,220 4°/° preußische Konsols 0.650 0,700 0/50 0.700 0,675 0,700 0,643 0,559 37«% Hessen....... . 3% Helfen........... Deutsche Werlb. Dollar-Anl. 0,640 0,640 0,-70 0,700 0,62- 4,2 0,62 a 4,20 0,600 4,2 0, 2 < 4,2 dto. Doll.-Schay-Anweisng.y 81,3 81,80 81,3 81,80 <% Zolltürken......... 7,87 7.75 7,875 8 5% Goldmexikaner ...... 39 — 36,25 37,5 Berliner Handelsgesellschaft. 25,6 26,5 24,65 25,65 Commerz- und Privat-Bank 4,55 4,90 4,50 5 Darmst. und Naitonalbank . 8 7,8 7,8 8.8 Deutsche Bank........ 8,87 9,25 9 9,3 Deutsche Beretnsbank .... 0,320 10,25 0,16 — — Disconto Commandtt .... 10,65 10, U 11 MetaUvank........... 14 14,6 • — — Miiteldeutsche Creditbank. . Oestelreichische Kreditanstalt 2,25 2,20 2,4 2,3 0,335 0,3625 0,3 0,325 Westbank............ 0,250 0,250 0,3 0,35 Bochumer Guß ....... 46,5 — 46,90 47,2 Buderus............ 8,62 9 8,6 9,5 11,25 Caro ............. 10,75 11 11,25 Deutsch Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 47 49,62 49,90 50,9 48/0 49, 0 60 51,25 Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . 51/0 58,5 53,8 59 8,1 9.90 8,4 IC,40 Kaliwerk Westeregeln..... Laurayüttc........... 12,50 14,75 12,75 15 5,62 6,30 5,5 6,40 Lbcrbcdarf........... Phönix Bergbau ...... 9 8,90 9 9,5 27,25 27,65 27,625 27,25 Rheiintahl........... 22,25 22,60 22,25 2 ,30 Riebeck Montan........ 34,50 35 34,875 35,26 TelluS Bergbau...... . 1,80 1,80 — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... 22,70 4,75 23,4 6,10 22,2 4,80 22,8 5,1 Cheramische Werke Albin . . 1,60 8,875 2,25 — — Zementwerk Heidelberg . . . 9,875 — — Philipp Holzmann...... 2,65 3,70 3 3,5 Anglo Cont -Guano..... 8,50 9,75 8,50 9,1 Badische Anilin........ 15,26 15,90 15,5 16,13 Chemische Mayer Alapdt . . — 1.18 — — Goldschmidt........ . 10,90 11,5 10,9 11,90 GrieSt eimcr Electron .... 13 14 13,13 13,90 Höchster Jarbwerke...... 12,10 13 12,25 13/3 Halzverkoylung........ 6,40 6,75 — — viütgerswerke......... 12,50 12,90 12 12,70 Scheideanstalt ......... 14,4 14,9 — —■ Allg. ElekkrtzttätS-Gesellschaft 8,90 9 9,1 9,20 12,90 Bergmann........... 12,625 12,5 12,30 Mainkraflwerke........ 7,25 8,5 — — Schlickert............ 34 35,5 33,25 34 «-iemens & HalSke...... 44 — 45,375 44,90 Adlerwerke Kleyer ...... 1,36 1,45 1,40 1,59 Daimler Motoren. ...... 2,50 2,66 2,6 2,4 2,65 Heyligenstaedt. . ....... 2,10 — — Mcguin.............. 9 10 10 10 ffrankfurter Armaturen . . .ilonservenfabrik Braun . . . 0,51 0,5 — — 0,9 0,9 0,85 1 Metallgesell^chaft Frankfurt. 13,40 13,5 — — Pet. Union A.-G........ 1,15 1,2 1,25 1,25 Schuhsabrik Herz . .. .... 2,7 2, 2 2,60 Sichel.............. 4,65 4,65 4,50 — Zellstoff Waldhof. . .... 9,25 9,60 9,50 9,90 Zuckerfabrik Jrankentsial . . Zuckerfabrik Waghäusel • 2,90 2,7 3,10 2,80 2,6 — 28. Juli 29. Juli Repart. Amtliche Geld Notierung Brief Amtlich: Notierun, 28. 29. Geld Brief Amst-Rott 160,00 160,80 159,95 160,75 voll voll Brss.-Antw. 19,20 19,30 19,05 19,15 voll voll Christiania. 66,35 66,64 56,61 56,79 voll ball Kopenhagen 67,73 68,07 67,53 67,87 voll voll Stockholm . 111,47 112,03 111,47 112,03 voll voll HelsingforS- Italien. . . London. . . 10,43 18,10 10,53 18,20 10,43 18,10 10,53 18,20 voll voll voll voll 18,43 18,52 18,415 18,506 voll voll Neuyork . . 4,13 4,21 4,19 4,21 voll voll Paris. . . . 21,40 21,50 21,16 21,25 voll voll Schweiz . . 77,06 77,44 77,06 77,44 voll voll Spanten . . Wien in D.« 55.61 65.89 65,61 65,89 voll voll Oest. abgest 5,91 6,93 5,91 5,93 voll voll Prag . . . . 12,445 5,29 12,505 12,405 12,465 voll voll Budapest. . 5,91 5,24 5/6 voll voll Bucn.-Aires 1,345 1,356 1,355 1,365 voll voll Bulgarien 3,04 3,06 3,04 9,06 voll voll Japan . . . Wo de Jan 1,705 1,715 1,715 1,725 voll voll 0,385 0,395 0,395 0,406 voll voll Bclzrad . . 4,94 4,96 4,g4 4,96 voll voll Lissabon . . 11,27 11,33 11,27 11,33 voll voll im Aufwertungsausschuh des Reichstages viele Illusionen der Börsenspekulation am Anleihemarkt Mrstört. Man ist in Börsenkreisen erstaunt darüber, daß die Sachverständigen sich ausnahmslos gegen eine stärkere Aufwertung ausgesprochen haben. Am Attienmarkt war das Geschäft ziemlich still. Am Geldmartt ist die Lage unverändert. Im Devisenverkehr verfolgt man das starke Angebot in Danziger Gulden mit besonderem Interesse. Wie der Berliner Vertreter der Bank von Danzig mitteilt, ist dieses starke Angebot in Danziger Gulden in den letzten Tagen darauf zurückzuführen, dah angesichts der starken Rachfrage nach der Devise London auf dem internationalen Valutamarkt Versuche gemacht worden sind, in Danzig unter Ausnutzung der in fester Relation zum Pfund stehenden Danziger Währung sich Auszahlung London zu verschaffen. Im Verlauf der Börse gestaltete sich die Tendenz wesentlich fester. Die Kurse ziehen auf den meisten Märkten an. Am ausländischen Rentenmarkt war das Geschäft verhältnismäßig ruhig. Märkte, Berliner Produktenbörse. Berlin, 29. Juli. Von Amerika lagen heute für Weizen leichte Absatzschwierigkeiten, für Roggen, Mais aber viel höhere Preismeldungen vor. Das gab wohl Veranlassung, daß sich bei Beginn des Verkehrs für Weizen etwas leichtere Haltung kandgab, doch lauteten die Auslandforderungen weiter fest. Rach der Tschechoslowakei bestand dauernd Frage, so daß sich aich wieder Käufer für Weizen zeigten. Das Mehlgeschäft bewies bei weiter fester Tendenz heute mehr Vorsicht der Käufer. Recht fest lag Roggen. Tie Provinz ist mit Offerten zurückhaltend, mit Forderungen hoch. Aassahrfrage bleibt bestehen. Auch sonst herrscht hauptsächlich sür Lieferung neuer Ware Kaufneigung. Die schon oben erwähnten höheren amerikanischen Roggenpreise wirkten mit anregend. Gerste, besonders in Wintergerste durch Frage nach dem Rordwesten fest. Hafer eher ruhiger, da der Konsum nur die festen Forderungen nicht bewilligen will. Alle anderen Artikel fast ruhig. Pveisnotierungen: Hafer 172 bis 177, Gerste 190—200, Weizen 190—195, Rog- gcnkleie 107. Man notierte für Getreide und Oel- saaten per 1000 Kg. sonst per 100 Kg. ab Station: Weizen mark. 187—192, Roggen märt. 140 bis 146, westpr. 136—137, Sommergerste märt. 164—173, Futtergerste 157—164, Hafer märt. 149 bis 155, Weizenmehl 25,50—2850, Roggenmehl 21,50—23,50, Weizenkleie 10,50, Roggenkleie 10,30, Raps 280—285, Leinsaat 370, Dittoria- eib,en 21—23, kleine Speiseerbsen 15—16, Futter- erblen 14,50, Peluschken 14, Ackerbohnen 14 bis 15, Wicken 15—16, Lupinen, blaue 9,50—10, Rapskuchen 10,50—10,60 Leinkuchen 20, Trocken- jchnihel 9,10—9,30. Zuckerschnitzel 19—20, Kartoffelflocken 21,50—23. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 29. Juki. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 20,50 bis 21, Roggen, inländ. 17,50 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 18 bis 18,50, Hafer, inländ. 18 bis 18,50, Mais, gelb 17,50 bis 18, Weizenmehl, inländ. Spezial 0, 31,50 bis 33, Roggenmehl 25,50 bis 26, Weizen- und Roggenkleie 10,25 bis 10,75, Erbsen 18 bis 24. Tendenz: Fest. Frankfurter Pferdemartt. spd. Frankfurt a. M, 29. Juli. Der Pferdemarkt auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Vereins zeigte in allen Klassen eine rxcht gute Beschickung. Die Preise waren gegen dn HannS von Zobeltih. & Zu staunend billigen Preisen verkaufe ab heute bis 9. August die von nebenstehenden Artikeln und Sommerstoffen übriggebliebenen rich, mein Aeltester, bet Hohen frieüberg geblieben ols Höchstdero Pagen ins Feldlager beitgnieret Euer Majestät wollen Allerhuldreichst Rachs.cht geben, bah der allem ntertänigst (gefertigte svtaner Orber erst jetzo gehorsamen kann, weilen die Reu- hen unser Land weithin besetzt gehalten und ein In st radieren zuzeiten impvssible war. Indern Euer Majestät der Unterfertigte jetzo den Junker sendet, empfiehlt er Seinem Allergnädigsten König und Herrn das junge Blut zu Gnaden als Seiner Majestät alleruntertänigster Knecht Hans Ehrenreich von Zabeltitz. Laut und deutlich liest der General. Indem erhebt sich der König. Schwer und langsam, unter leisem Stöhnen, mit Assistenz des Krückstocks, der neben ihm auf dem Lehmboden gelegen. Langsam und schwer tritt er zum Tisch, in das Kerzenlicht. llnb da erst sieht ihn der Junker, erkennt ihn — und erschrickt. Immer war das gleiche Bild in seiner Seele gewesen: vor zwei Hahren hatte der Herr Grost- vater von der Messe zu Frankfurt einen Kupferstich heimgebvacht, daraus war der König noch auf feurigem Rosse als schöner junger Kriegs Held dargestellt. Co und nicht anders hatte er sich Friedrich auSgemalt, so muhte er aussehen. Muhte doch auch- der König ist fein Greis, ist Anno 1712 geboren, hat die Fünfzig noch nicht erreicht. -Und nun ist er so ganz anders: da steht im Kcrzcnschein. angetan mit etnent verschabtcn. verschlissenen Rock, ein alter Mann. Lang ist das Gesicht und schmal, und tiefe Falten, wie sie die Sorgen graben, ziehen sich um die Stirn und über die Mangen. Grau, fast weih schimmert über der s 0 War das der Köirig? Fridericus Magnus! Wieder währt es eine Weile. Ein paar Sekunden . eine Ewigkeit . . . Tie Wind pieke lecken den Rest aus der Schüssel. Dis zum letzten, mit spitzen Zungen. Da sagt die kleine Gestalt: „Was will Er?" Unb der General gibt dem Junker einen Rippen st oh. So betet der sein Sprüchlein, denn der Kauernde muh doch wohl der König sein, ist ja sonsten niemand im Zimmer: „Euer Majestät untertänig^ zu melden: Iunter Kaspar von Zabeltitz auf Topper — zur Stelle." Klingt die Stimme hell zurück aus dem Dämmern: „Was will @f, frag’ ich?" Wieder stößt der Lentulus ihm in die Rippen. „Euer Majestät allemntertänigst ein Schreiben meines Grohvaters Hans Ehren reich von Zabeltitz auf Topper zu überreichen." In Wahrheit, etwas mühselig kommt es heraus. „Was soll's damit? Ich kann mich um Lappalien nicht kümmern. Rehm Er und les Er vor, Lentulus." Unb: „Sei modeste, Diche! Willst du wohl . . Dricht der General die Siegel, tritt an die Leuchter und liest: Euer Majestät Gvohmächtigster König und Herr. Euer Qltajeftät haben durch Allergnädigste Order de dato 3. Augusti anni eurrentis des Unterfertigten meinen Enkelsohn Kaspar von Zabeltitz tn memoria dessen, dah der Baker Hans FriedBeinridi ßodiffättei Brandplafj 1 • Capefen, Stoffe,Ceppldie, Linoleum. Fernlpr. 36 -- -------------------------------------- 5978a Bekanntmachung! Der Lagerschein des Hauptzoll» arnts Bietzen, Konto VI/1 über 5 Sack Rohkaffee K. u. K. 3357 Nr. 6—10 = 353 kg der Firma Koch & Kraatz in Bietzen ist abhanden gekommen und soll für kraftlos erklärt werden. EtwaigeAnsprüche sind innerhalb eines Monats dem Hauptzollamt Bietzen anzumelden. Bietzen, den 29. Juli 1924. Hauptzollamt. 022124 Polstermöbel Matratzen sowie Aufarbeiten und Umarbeiten bei bester Verarbeitung, niedrigste Preise 5984d Möbelhaus (E. Leisler, Neuenweg 23. Schluß meines Saison- Ausverkaufs Samstag, den 2. August Versäumen Sie nicht, die günstige Kaufgelegenheit noch wahrzunehmen! Einige Beispiele der vielen Artikel: QetteMotfen Du oh tat