Montag, 30. Iuni 1924 171 Jahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvckmid Verlag: vrilhl'sche Univerfitötr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Hnnaiime von Anzetgrn für die Tagesnummer big zum Tladjmittag vorher ohne jedeDerbindlichkcil. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite cr"ich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re Klame-Anzeigen u.70nm Breite 35 Goldpfennig Plahvorfchrift 20°/„ Auf schlag. - Derantwortliö für Politik u. Feuilleton Dr. Friedr. Will). Lange für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für bei Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Giehen. Nr. 151 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: G ießenerFamilienb l&ttct Monats.vezugrpreis: 2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer GewaU. F e r n s p r e ch-Anschlüise * für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: An;eigerSieh«N. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Die Aufhebung der Ausweisungsbefehle. Die eine Hand gibt - die andere versagt. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, sind alle seit dem 11. Januar 1923 von französischen DesahungSbehörden vollzogenen Ausweisungen mit Ausnahme von etlichen 60 aufgehoben worden. Unter den nicht zurückgenommenen Ausweisungsbefehlen befinden sich namentlich solche gegen höhere Beamte. Die Aufhebung der Ausweisung schließt die Wiederzulassung zum Amt nicht in s i ch, dazu ist vielmehr einbesonderer Antrag erforderlich. Außerdem scheint eine besondere Genehmigung zur Einreise verlangt zu werden. Die entsprechende belgische Anordnung steht noch aus. Unter den ausgewiesenen Beamten, denen die Rückkehr in das besetzte Gebiet nicht gestattet wird, befindet sich der Regierungspräsident von Düsseldorf, Grühner, der Landrat von Essen, Schöne, der Chef der Polizei in Düsseldorf, Oberregierungsrat Oexle und der Polizeichef von Essen, Riedereher. Weitere 1OOOO Ausweisungsbefehle aufgehoben. Paris, 28. Juni. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Düsseldorf hat die Rhein- landkommission in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, weitere ' 10 000 Ausweisungsbefehle zurückzunehmen, die in der französischen Be° setzungszone erfolgt sind. Die Rachricht stellt ausdrücklich fest, daß es sich um eine weitere Be- gnadigungsmahnahme handelt, die zu der vom 25. Juni komme. 3m ganzen würden damit bisher 24 850 Ausweisungen annuliert worden sein. Eine deutsche Amnestie als Gegenleistung. Berlin, 30. Juni. (WB.) Anläßlich der zugunsten der Ruhrgefangenen und Ausc,ew.ebenen vom französischen Ministerpräsidenten getroffenen Maßnahmen wurde französifcherfei s angeregt, zur weiteren Befriedung diejenigen Deutschen zu begnadigen, die während des RuhrramPfeS den französischen Behörden mittelbar oder unmittelbar Hilfe geleistet haben oder sich der Anwendung der Verordnungen der interalliierten Rheinlandkommission nicht widersetzt haben. Der Reichspräsident entfchllh sich daraufhin, die Begnadigung derjenigen Deutschen in Aussicht zu stellen, die sich gegen die vom Reichspräsidenten erlassenen Verordnungen vergangen zu haben, soweit sie sich nicht des Hoch- oder Landesverrats schuldig gemacht haben, Degoutte beschlagnahmt weiter. Düsseldorf, 29. Juni. (Wolff.) Die Desatzungsbehörde hat etwa die Hälfte des Düsseldorfer R e gie ru n g s g e - bäudes beschlagnahmt und verlangt, daß die beschlagnahmten 17 6 Räume ihr bis zum 10. Juli zur Verfügung gestellt werden. Cs handelt sich um eine Maßnahme, deren Tragweite über die örtlichen Interessen weit hinaus- geht und die für die gesamte Verwaltung des Regierungsbezirkes Düsseldorf von größter Bedeutung ist. Wenn die Beschlagnahme wirklich zur Durchführung gelangt, dürsten die Folgen gar nicht zu übersehen sein. Es wäre dann bestimmt damit zu rechnen, daß große Teile der Verwaltung einfach stillgelegt würden und daß bei anderen Abteilungen große Schädigungen eintreten, wie sie schlimmer nicht gedacht werden können. 3n den 176 angeforderten Räumen sind gegenwärtig 700 Beamte und Angestellte nicht nur der preußischen inneren und allgemeinen Polizei, der Landjägerei, Kataster-, Schul- und Forstverwaltung, sondern auch die großen Kassen des Finanzamts, des Katasteramts, des Dersorgungsamts, des Dersorgungs- gerichts und des Oberversicherungsamts beschäftigt, abgesehen von einer Anzahl umfangreicher Registraturen, die in drei Stockwerken, Kellergeschoß und Dachgeschoß untergebracht sind und deren Beschlagnahme die Verwaltungsgeschäfte geradezu unmöglich machen würden. Um die Micum-Verträge. Düsseldorf, 29. Juni. (Wolff.) 3n der gestrigen Verhandung hat die Micum ihre Fo>- d e r u n g auf Lieferung der Reparationskohle auch für den Juli in vollem Umfange aufrecht erhalten und jede Diskussion über eine ganze oder teilweise Bezahlung oder Kreditierung und über eine Decring.-rung dec zu liefernden Kohlenmengen abgelehnt. Dage en bot sie eine Ermäßigung der Kohlensteuer bis zur Hälfte und unter Umstünden auch etwas darüber hinaus an. Ebenso hat sie eine Verminderung der Ein- und Ausfuhr — sowie der Der- rehrsabgaben für Rebenprodukte auf die Hälfte zug.standen. Diese Erleichterungen sind im Ver- ^hältnis zu der Gesamtbelastung ganz außerordentlich gering. Die Sechserkom- Mission hat den Standpunkt vertreten, daß angesichts der trostlosen Wirtschaftslage im rheinisch-westfälischen Bezirk zum mindesten die Ko Philen st euer und die sonstigen geldlichen Belastungen vollständig wegfallen müßen, Berlin, 30. Juni. (WTB.) Die Vertreter des Ruhrbergbaues haben am gestrigen Sonntag in der Frage der Micumverträge mit kurzerUnter- brechung von 11 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends mit der Reichsregierung verhandelt. Auf Grund der ihnen erteilten Instruktionen iverden s.e morgen Die Verhandlungen mit der Micum in Düsseldorf wieder aufnehmen. Gegen die Schuldlüge von Versailles. Kundgebungen in Berlin und im Reiche. Der fünfte Jahrestag der Uirterzeichnung des Versailler „Unfriedens"-Diktats wurde vom A - beitsausschuß d ut cher Verbände zur De: an la su g großer Kundgebungen genommen, die der For e- rnng der Aushebung des berüchtigten § 231 des Diktats, in dem Deutschland als Urheber des Krieges bezeichnet u^d für alle Schäden haf bar gemacht wird, eine gewaltige Plattform schaffen sollten. Es ist nicht mir das gute Recht, sondern die heilige Pflicht des deutschen Volles, immer und immer lvieder mit stärkstem Rachdruck diese Forderung zu stellen, deren rascheste Erfüllung für die Mitunterzeichner des Versailler Diktates eine elementare Pflicht der Ehre und der Moral sein sollte. Mag man über Kundgebungen und Resolutionen denken, wie man will — dieser 28. Iunr durfte nicht ohne sie vorübergehen. Gerade am Vorabend der Londoner Konferenz, die erneute schwerste Opfer vom gesamten deutschen Volke erheischt, mußte unser Wille zur Verständiging unterstrichen und begrenzt werden durchs den feierlichen Protest gegen die beispiellosen Beschuldigungen im Versailler Diktat, deren Anerkennung vor 5 Jähren von dem am Boden liegendens Deutschland erpreßt wurde. Wir begrüßen aus diesem Grunde die gestern im Reichstagsgebäude in Gegenwart der Mehrzahl der Ka° binettsmitglieder veranstaltete Kundgebung, über die wir folgenden Bericht erhalten: Berlin, 29. Juni. Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände, dem rund 700 Organisationen aller Parteirichtungen angehören, veranstaltete heute im Reichstag eine machtvolle Kundgebung gegen das Friedensdiktat von Versailles und gegen d i e Kriegsschuld l ü g e in Anwesenheit des Reichska nz- l e r s und der Minister S t r e s e m a n n, Luthe r, Jarres, Brauns, Gehler und Hamm. Ein Kinderchor trug „Ich hab mich ergeben" vor, worauf der Vizepräsident des Reichstags, Geh. Rat Dr. R i e ß e r, die Eröffnungsansprache hielt. Die Abgg. Prof. Dr. Kahl (D.Dp.), Prof. Dr. Hösch (Dntl.), Osterrvth (Soz.) und Dr. Dernburg behandelten dann in ausführlichen, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Reden das Thema des Tages, worauf einstimmig folgende Entschließung angenommen wurde: Die aus Anlaß der fünfjährigen Wiederkehr der Unterzeichnung des Versailler Diktates am 29. Juni 1924 im Reichstagsgebäude versammelten deutschen Männer und Frauen aller Schichten und Parteien wünschen Frieden, einen Frieden der Gerechtigkeit. Die Versprechungen des Wilson-Programms sind nicht gehalten worden. Am fünften Jahrestag des Versailler Diktats ist Deutschland, ist Europa, ist die ganze Welt im Instand völliger Unordnung. Deutschland hat ehrlich abgerüstct. Die anderen Völker sind diesem Beispiel nicht gefolgt. Trotz des kraftvollen Widerspruchs der Bewohner im Rorden, Osten und Westen wurden dem Deutschen Reich wertvolle Gebietsteile genommen. Mit der Lüge der kolonialen Schuld wurde es seiner überseeischen Besitzungen beraubt, mit der Lüge von der deutschen Schuld am Kriege und der deutschen Schuld im Kriege wird es heute noch in der ganzen Welt verleumdet. Am Tage von Versailles gedenkt das deutsche Volk mit Trauer und Teilnahme der qualvollen Leiden der deutschen Brüder und Schwestern in den ot>getreten en upd besetzten Gebieten, die es m i t allen Kräften unterstützen wird in ihrem zähen Widerstand gegen alle Bestrebungen, ihre Heimat vom Vaterland loszureihen oder wie das Saargebiet zu neutralisieren. Das deutsche Volk wird sich nach, wie vor mit seiner ganzen Kraft wehren, gegen alle Versuche, das Reich zu zerschlagen, die deutsche Wirtschaft zu zerstören und die deutsche Dolkskraft Vernich end zu treffen. Es wird sich nach wie vor mit aller Entschiedenh.it gegen die Verleumdung des deutschen Ramens in der Welt wenden. Die deutsche Reg e.ung hat durch Oeffnung ihrer Archive der Wahrheit die Dahn geöffnet. Der derzeitige Reichsauhenminister hat die amtliche Aufrollung der KriegLschuldfrage zu- gesagt. Wir werden uns einmütig hinter jede Reichs- regierunß stellen, die in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung und in Übereinstimmung mit dem ganzen deutschen Volke in amtlich-diplomatischen Verhandlungen erklärt, daß die Schuldanklage den geschichtlichen Tatsachen widerspricht und daß daS Schuldbekenntnis vom deutschen Volt in wchr Loser Stunde unter Protest erzwunge n worden fist- Wir verlangen endlich Recht und Gerechtigkeit und einen wahren, dauerhaften Frieden. Wir fordern Wiederher st ellung unserer F reihe it und unserer Ehre, wir fordern Ansehen und Gleichberechtigung in der Welt. Massenkundgebung in München. München, 29. Juni. Anläßlich der fünfjährigen Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Friedens veranstaltete der Deutsche Kampfbund gegen die Kriegsschuldlüge 'heute vormittag eine Massenkundgebung ,ber auch u. a. der neugewählte Ministerpräsident Held, der frühere Ministerpräsident Knilling und Graf D o t h m e r beigewohnt haben. Der Protest Württemberg. Stuttgart, 28. Juni. (Wolff.) Im Landtag verlas Staatspräsident Bazille eine Kundgebung der würtkembergischen Regierung, in der es heißt: „Heute, am 28. 3unl, sind fünf Jahre seit der Unterzeichnung des Vertrages von Versa i l l-e s verflossen, ohne daß der Friede in Europa eingekehrt ist. Deutschland hat diesen Friedensvertrag nur unter der Drohung neuerlicher kriegerischer Handlungen unterzeichnet. Es wäre zwecklos, dies hervorzuheben, da besiegte Rationen beim Abschluß des Friedens stets unter Zwang handeln, wenn die Unterzeichnung des Friedensvertrages nicht gleichzeitig die unlerschriftliche Anerkenntnis der verbrecherischen Schul d>D eutsch- lands am Weltkriege bedeute. Dieses an- gebtiche Geständnis des angeklagten deutschen Volkes ist entgegen dem Rechte aller zivilisierten Rationen durchDrohungmit Gewalt erpreßt worden. Wenn die württembergische Regierung wiederholt ausgesprochen hat, daß Deutschland sich mit allen seinen Kräften am Wiederaufbau Europas beteiligen will, so muh sie am 5. Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrages feier- lichst Verwahrung dagegen einlegen, daß als Basis seiner Leistungen die ihm zur Last gelegte ver- brrLherische Schuld am Kriege angesehen wird. Die Ehre Frankreichs verlangt, daß es sich der For- deming anschließt, die Frage der Schuld am Kriege dem Urteil eines unabhängigen internationalen Gerichtshofes zu unterwerfen. Frankreich kann es auf die Dauer nicht ertragen, daß seine Regierung Rechts- grundsähe mißachte, die das französische Volk in einer der größten Zeit seiner Geschichte erkämpft hat. Die neue Regierung in Bayern. Am Samstag wurde vom bayrischen Landtag — wie wir in einem Teil unserer Auflage vom 28. 6. bereits melden konnten — der Führer der Bayrischen Dollspartei, Geheimrat Held, mit 68 von 107 Stimmen zum Ministerp r ä s i- denten gewählt. Geheimrat Held erHärte, daß er die Wahl *um Ministerpräsidenten annehme Das neue Kabinett tverde er am Mittwoch vorstellen und die Regiei-ungsgrundsätze entwickeln. J)räsident Königbauer dankte dem neuen Runisterpräsidenten für die Uebernahme des schweren Amtes. Beim Schluß der Sü u ig erklärte Landlagspräsident Königbauer unter Pfuirufen der K o mmun i st e n, daß er zukünftig gegenüber Störungen scharf vorgehen werde. Der Geschäftsordnungsausschuß werde sich demnächst mit der Frage der Abänderung der Geschäftsordnung zur Sicherung der Ruhe und Ordnung im Landtag befassen. Unter Protest der Kommunisten wurde die Sitzung geschlossen. Bei dem Wah gang gab auch der Völkische Block weiße Zettel ab. Kommunisten stören die Grundsteinlegung zu einem Schlageter-Denkmal. Wie aus Berlin gedrähtet wird, fand gestern in R e u b r a n d e n b u r g die Grundsteinlegung zu einem S ch l a g e t e r de n km u l in Anwesenheit der Gener.cke Luden dorff und Lietz- man n statt. Hierbei kam es zwischen Kom- m u n i st e n und Deutsch-Völkischen zu einem Zusammenstoß, wobei einige Personen durch Stiche und Hiebe zum Teil schwer verletzt wurden. L/*- fct ----------- Neue Haftbefehle wegen des Hiklerputschcs. Rürnberg, 29. Juni. (WTB.) Dem „Fränkischen Kurier" zufolge hat der Oberreichsanwalt neue Haftbefehle gegen den Kaufmann Derchtold und den Hauptmann a. D. Müller wegen Beihilfe zum Hochverrat anläßlich des Hitlerputsches erlassen. Die Nnhrkredite in der französischen Kammer. Die französische Kammer stimmte nach einer längeren Debatte am Samstag über die Kosten det Ruhrbesehung ab. H e r r i o t erklärte im Laufe der Aussprach«, daß Frankreich seine Rechte nicht aufgeben und die Ruhr nicht räumen wmde, während es verhandele. Er stellte die Vertrauensfrage, nachdem der Führer der Sozialisten, Abg. Leon Blum, erklärt hatte, daß er und seine Freunde sich der Abstimmung enthalten würden, weil sie stets gegen die Rührbesetzung gelämpft hatten. Trotzdem gaben nur 61 Mitglieder der sozialistischen "Fraktion weis)« Zettel ab, während die größere Hälfte der Partei für die Kredite stimmte. Das Vertrauensvotum wurde mit 456 gegen 26 Stimmen bei 75 Stimmenthaltungen angenommen. Die ägyptische Freiheitsbewegung. Rücktritt Zaglul Paschas. Kairo, 29. Juni. (WTB.) Zaglul Pascha ist zurückgetreten. Zaglul teilte seinen Beschluß im Laufe der Kammerdebatte mit. Er berichtete über die Mitteilung der britischen Regierung, daß iedenSudannichtaufgeben und ihrer Politik vom 28. Februar 1922 treu bleiben werde, an welchem Tage erklärt wurde, daß das Protektorat über Aegypten aufgehoben und Aegypten als unabhängiger Staat anerkannt werde, wobei sich die britische Regierung ihre Entscheidung über verschiedene Fragen, namentlich die Frage deö Sudans, für die Zukunft vorbehielt. Zaglul betonte, Aegypten werde niemals seine Rechte auf den Sudan aufgeben und niemals einwilligen, auf der Grundlage der Politik vom 2 8. Februar zu verhandeln. Die Kammer sprach auf diese Erklärung ZaglulS hin diesem ihr Vertrauen aus und protestiert gegen seinen Rücktritt. Aber Zaglul erklärt trotzdem, daß er die Angelegenheit dem K ö - n i g unterbreiten werde. Als der König das Rücktrittsgesuch ZaglulS ab lehnte, erbat Zaglul Bedenkzeit, um sich mit seinen Amts- kollegen zu besprechen. Einer Reutermeldung aus Kairo zufolge demonstrierten größere Massen vor dm auswärtigen Konsulaten und Tertretungm. Die Demonstration, die vor dem Parlament ihr End- fand, verlief im allgemeinen ruhig. 1 • ' ■ ------------------------ ' • T3 Ausgewiesenen-Debatte im Reichstag. Berlin, 28. Juni. Gin Qlntrag der nationalsozialistischen Freiheitspartei, die Privatllage gegen den Abg. Fritsch für die Dauer der Sitzungsperiode aufzuheben, ruft eine lebhafte Debatte hervor. Im Hammelsprung wird die Rückverweisung an den Ausschuß mit 128 gegen 124 Stimmen beschlossen. Auf Vorschlag des Ausschusses wird herauf ohne Debatte die Einstellung des Verfahrens gegen die kommunistischen Abgeordneten Buch- mann, Florin und Schlecht beschlossen. Die vom Oberreichsanwalt nachgesuchte Genehmigung zur Zeugenvernehmung des Abg. Radel wird verweigert. Dann kommen zur gemeinsamen Beratung Interpellationen und Anträge der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemokraten, die sich mit der Notlage der Ausgewiesenen und der aus dem besetzten Gebiet Vertriebenen beschäftigen. Abg. Korell (Dem.) begründet eine Interpellation seiner Freunde, in der darüber SLage geführt wird, daß die Beihilfen der Ansgewresenen unzureichend und ungerecht abgestuft sind, daß die Entschädigungen für requirierte Güter zu langsam gezahlt werden, daß die ausgcwieenen Beamten abgebaut werden und daß dem Lande Hessen keine Entschädigung für die za hlre chen beschlagnahmten Gebäude des öffentlichen Verkehrs gewährt wurden. Der Redner d'nki unter lebhaftem Beifall den Bewohnern des besetzten Gebietes für die dem Reiche bewiesene Treue. Abg. Esser (Z.) bedauert, daß die von dem Kabinett Cuno den Ausgewiesenen gegebenen Zusagen nicht gehalten worden sind, namentlich die Maßnahmen des Reichsverkehr s - minifteriumS müssen die ernsteste Stritt! herausfordern. (Lebhafte Zustimmung.) Dei Redner begründet dann den Antrag, unverzüg- lich einen Sonderausschuß einzusehen, der bü Aufgabe hat, die Fürsorge für die aus den alt- und neubesehten Gebieten und aus den abgetretenen Gebieten Ausgewiesenen oder Gefangenen insbesondere die volle Wahrung der wohlerworbenen Rechte der Betroffenen, zu überwachen. Abg. Dr. v. Dryander (Rntl.) unterstützt den Antrag auf Einsetzung eines Sonderausschusses. Das schwer leidende besetzte Gebiet müsse als Ausnahmegebiet behandelt werden, das besondere Maßnahmen verlangt. Der Redner bedauert die Stellungnahme des Deutschen Beamtenbundes zur Frage der ausgewiesenen Beamten. Er verlangt, daß kein Beamter aus der Ausweisung einen Rachteil in seinen Beförderungsverhältnissen erleidet und schließt mit den Worten des Dankes an die Beamten und Arbeiter des besetzten Gebietes. Abg. Sollmann (Soz.) begrüßt die Rückkehr der Ausgewiesenen als erstes Zeichen der Entspannung zwischen Frairkreich und Deutschland. Seit dem Ausscheiden Poincarös zeigen sich in Frankreich Ansätze zu einer politischen Kultur, wie sie den beiden großen mitteleuropäischen Völkern würdig sei. Don der tkutfdycn Regierung und den deutschen Kapitalisten sei den Ruhrkämpfern ein schmählicher Undank zuteil geworden. Man hatte ihnen den Achtstundentag genommen (Saute Rufe der Kommunisten: Der Sozialdemokrat Mehlichl). Tiefstes Bedauern verdiene das Verhalten des Reichsarbeitsminister3; zu verurteilen sei auch die Haltung des Rciciis- verkebrsministeriums, das unter anderen 2400 schwerkriegSbeschädigte, am Ruhrkamps beteiligte I gründet einen Antrag, der die Aufwertung vor Eisenbahner, abgebaut habe. (Hört, hört!) Der allem für Kleinrentner, Kriegsanlerhezeichner und > dem An- beantragt, 28 Mit. der Auf. langen vor. Abg. Feder (Ratsoz.): Wir halten die Auf- ioertungsvorschriften der dritten Steuernotverordnung für ein unerhörtes Anrecht. Grundsätzlich müsse eine lOOprozenttge Aufwertung durchgeführt werden. Abg. Dernburg (Dem.) weist darauf hin. das) die melften Opfer der Geldentwertung ohne jede eigene Schuld ihr Eigentum verloren hätten. Die traurige wirtschaftliche Entwicklung lasse srch nicht mit einem Gesetz umkehren. Die Aufwertungs- Vorschrift der dritten Steuernotverordnung habe die Lösung des Problems nur erschwert. Abg. Dr. Emminger (Bahr. Dp.) bezeichnet die Aufwertung als eine Forderung des primitivsten Gerechtigkeitsgefühls. Der Redner be- solche Gläubiger verlangt, deren Guthaben durch gesetzlichen Zwang mündelsicher angelegt werden Redner schließt mit dem Wunsche, daß Frankreich nunmehr auch die Unterstützung der Separa- ^bg. Fehrenbach (Z.) stimmt _____ .... trotz auf Einsetzung eine^ besonderen Ausschusses zu wird behalt sich die sachliche Stellungnahme zur Aufwertungsfrage für die Ausschuhverhand- Abg. Stinnes als unfair zurück. Er die Einsetzung eines Ausschusses von gliedern, der unverzüglich die Lösung wettungsfrage in Angriff nimmt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Juni 1924. Das Schwimmen. Reben dem Turnen, das den gcui^en Körper harmonisch durcharbeitet und durchbildet, gibt es kein System der Leibespflege, das in gleicher Weise ertüchtigt und kräftigt wie das S ch w i m - men. Wenn man die rein gesundheitliche Wirkung betrachtet, muß man sogar sagen, daß das Schwimmen von allen Leibesübungen an erster Stelle steht; kommt doch hier zu Luft, Licht und Bewegung noch ein weiterer Heilfaktor, das Wasser. Schwimmen befördert die Tätigkeit des Blut- kreislaufes und regt 'hervorragend zu neuer Blut- bildung an. Schwimmen bewirkt eine gründliche Hautreinigung, deren Bedeutung für die Gesundheit Wohl nicht erst näher ausgeführt zu werden braucht. Schwimmen kräftigt die Muskeln, insbesondere die wichtigen Bauchmuskeln. Schwimmen "heilt und stählt das Rervensystem und erzieht außerdem, wenn man es sportmäßig betreibt. zu all den geistigen und sittlichen Eigenschaften, welche die Begleiterscheinungen jeden vernünftig betriebenen Sports bilden. Schwimmen kräftigt aber in allererster Linie die Lungen durch die mit ihm zwangläufig verbundene Atemgymnastik. Schwimmen dehnt den Brustkorb und stärkt damit auch den Herzmuskel. Ramentlich ein kühles Schwimmbad ist von ausgezeichnetem Einfluß. aus eine gesunde und kräftige Entwicklung des Herzens. Diese Einwirkung ist besonders grob in der Zeit des Wachstums zwischen dem 13. und 20. Lebensjähr. Oft es nach Aufzählung dieser unbestreitbaren Vorteile des Schwimmens also nicht eine selbstverständliche Forderung, daß. jeder Mensch, wie er lausen lernt so auch schwimmen lernen muh? Jahr für Jahr ertrinken in Deutschland 8—10 000 Personen, die meisten, weil sie des Schwimmens unkundig waren. And weiter haben die Feststellungen ergeben daß, den größten Prozentsatz der Ertrunkenen die Jugendlichen bilden. Man rechne sich nur einmal den ungeheuren wirtschaftlichen Schaden aus, den ein Volk durch den Ausfall so vieler arbeitskräftiger Menschen erleidet, ganz abgesehen von dem unendlichen Leid, das durch, solch gewaltsamen Tod in Tausende Don Familien getragen wird. Was bedeuten da gegenüber dem hohen gesundheitlichen Ruhen des Schwimmens, gegenüber dem gar nicht meßbar hohen Schaden der durch. Richtschwimmen- tönnen herbeigeführten Verluste die bureaukra- tischen und finanziellen Bedenken, die gegen die zwangsmästige Erteilung des Schwimmunterrichts an unsere gesamte männliche und weibliche Jugend immer wieder erhoben werden? Es ist hier leider wie bei der Forderung nach der täglichen Turnstunde: viel schöne Worte, viel schöne Erlasse von Ministerien und anderen Behörden; aber es geschieht nichts oder wenig. Erfreulicherweise haben in neuerer Zeit eine Reihe von großen städtischen Gemeinwesen den Schwimmunterricht als Pflichtfach an ihren Schulen eingerichtet: andere sorgen wenigstens für Förderung des Schwimmunterrichts durch Einrichtung von Kursen und Anterstuhung mußten. ..... Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Dgg.) verlangt, daß sich die Aufwertung nicht nur aus die Hypotheken, sondern auch auf ihr Objekt, das Haus, beziehen müsse. Auch der Wert der Häuser fei durch die Zwangswirtschaft zerstört worden. Der Hausbesitz könne die Zinsen der ausgewerteten Hypotheken nur dann zahlen, wenn die 'Vertrags^ freiheit im Wohnungswesen wieder hergestellt wird. Damit schließt die Aussprache. Angenommen wird der Antrag auf Einsetzung eines Sonderausschusses von 28 Mitgliedern zur Prüfung der Aufwertungssrage. An diesen Ausschuß gehen die vorliegenden Anträge. Abg. Graf Reventlow beantragt die Anberaumung einer neuen Sitzung, in der noch heute zu der Antwort auf d i e Militar- kontrollnote Stellung genommen werden soll. Er spricht dabei von der sogenannten Regierung und erklärt, wir hätten jetzt gar keine deutsche Regierung, sondern nur ein ausführendes Organ des inlernationalen Kapitals. Bei diesen Worten entsteht große Anruhe im Saale. Diele Abgeordnete rufen: „Zur Ordnung!" Abg. Katz unterstützt den Antrag Reventlow und verlangt auch die Besprechung der Affalre in der russischen Handelsdelegation. Er erhält einen Ordnungsruf, weil er von den Regierungskulis gesprochen hat. Abg. v. Gusrard (Z.) bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses. Dadurch erreicht die schwach besetzte Sitzung um 3/<7 Ahr ein Ende. Der Präsident wird Termin und Tagesordnung der nächsten Sitzung bestimmen. listen einstellen möge. Minister Dr. Hoefle schließt sich im Ramen der Regierung dem Dank an die Bevölkerung des besetzten Gebietes an; er dankt auch besonders dem Roten Kreuz für seine getreue Mitarbeit. Er teilt dann mtt, daß General Degoutte verfügt habe, daß die auS dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen, deren Zahl 142 000 beträgt, sämtlich zu- rückkehren können mit Ausnahme von 75 namentlich Aufgeführten, meist höheren Beamten. Der Minister betont die Schwierigkeiten, die sich einer aus.eichenden Hilfeleistung des Rerches für die Devöllerung des besetzten Gebietes entgegenstellen. Er geht dann auf die einzelnen Maß-- nähmen der Regierung ein und spricht die Erwartung aus, daß nach dem Abbau der Regie und der Besetzung schneller und wirksamer als bisher die Schäden ausgeglichen werden können. Er begrüßt die Einsetzung des Sonderausschusses und erhofft von ihm ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit der Regierung zum Besten der besetzten Gebiete. (Beifall.) Abg. Kalle (D.Dpt.) dankt den Rheinländern für ihr treues Ausharren trotz Willkür und Drangsalierung. Jetzt müsse dem Recht der Weg gebahnt werden, damit das Rheinland vor neuen Sanktionen bewahrt bleibe. Abg. v. Ramin (Rat.-soz.) bezeichnet es als eine Schande, daß Deutschland sich die unerhörten Defangenenmißhandlungen immer wieder gefallen lasse. Abg. Dahevsdoerfser (Bayer.Dpt.) beklagt die bureaukratische Einstellung der Behörden zu den Leiden der Bevölkerung des besetzten Gebietes. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge werden dem neugebUbeten S onderauss chuß für das besetzte Gebiet überwiesen. Oßne Debatte werden dann die Der träge mit Estland und Litauen in dritter Lesung endgültig angenommen. Hierauf folgt die gemeinsame Beratung der Anträge zur AufwertungLfrage, hx denen die Aenderung oder Aufhebung der dritten S te u e r n o t ve r or d n u n g verlangt wird. Abg. Hergt (D.-R.) begründet einen Antrag auf Aushebung der dritten Steuernotver- vrdnuNg. Die Sachverständigen betrachteten die inneren Schulden Deutschlandss als getilgt durch die Entwertung. Darum glaubten sie Deutschland so stark belasten zu können. Seine Partei beantrage die Aufhebung der 3. Steuernotverördnung und für den 1. August ein neues Gesetz, das eine gerechte Lösung der Auftvertungsfrage bringe. Abg. Dr. Hertz (Soz.) richtet an die Deutschnationalen die Frage, warum sie denn nicht die von den Derbänden der Inflationsgeschädigten längst ausgearbeiteten Gesetzentwürfe als Antrag übernommen haben. Der Redner begründet den sozialdemokratischen Antrag wonach die in der Steuernotve.ordnung enthaltene Mietsteuer sowie ihr Ertrag zur Förderung des Wohnungsbaues verwendet wird, durch eine Wohnungsbauabgabe in Höhe von 10 Prey. der Friedensmiete ersetzt werden soll. Abg. H ö klein (Komm.) bezeichnet die On- flativnsperiode als einen beispiellosen Raubzug der Großkapitalisten gegen das arbeitende Volk und den Mittelstand. Stinnes habe betoußt den Sturz der Mark bet beigeführt und seinen Raub so geschickt untergebracht, daß das Reich bei seinem Ableben von dem ungeheuren, dem Volke geraubtem Vermögen nicht einmal Erbschaftssteuer erhalten habe. Abg. Dr. Düringer (D. Vp.) weist die Angriffe des Vorredners gegen den verstorbenen Ausstellung „Krantfurter Künstler" int «unstoerein. Diese Ausstellung zeigt wieder einmal mit erschreckender Deutlichkeit das Regative, Anschöp- serische unserer heutigen Kunst, das im letzten Grunde auf dem Mangel an Persönlichkeit beruht, der allmählich zu einem Kriterium (nicht nur der Kunst) der Zeit, die wir miterleben, zu werden scheint. Da wir also den Maßstab der absoluten Persönlichkeit nicht anlegen können, begnügen wir uns mit dem der relativen, der die einzige Möglichkeit gibt, hier überhaupt kritisch zu werten. Entschieden das stärkste Talent zeigen die Sachen von Julius Bogel. Seine zwei stilisierten Landschaften. „Höhenblick" und „Traumland", sind bewußt persönlich gestaltet. Der Künstler seht bei beiden den Hauptteil des Bildes aus mosaikartig nebeneinandergesetzten Farbenflächen zusammen, die durch den im wesentlichen einfarbigen Hintergrund Aufamrnengefaßt werden. Bei beiden führt eine stark bewegte Schlangenlinie, in die Tiefe die das Chaotisch-Bewegte, das Hauptmotiv der Bilder, in reiner Abstraktion vor Augen führt. Das eigentliche Wollen und die Grenzen des Künstlers kommen deutlich in der unorganischen Art zum Ausdruck, wie der Hintergrund gleichsam als Abschlußwand die Bewegung des Hauptteiles gewaltsam stoppt. Farbig-dekorativ sind beide Bilder gut. Dasselbe gilt von all seinen übrigen ausgestellten Werken. Sic lassen sich in zwei Gruppen leMen: Biblische Stoffe, die in gewissem tnnne literarisch-illustrativ gebunden sind, und reine Figurenkompositionen. Zunächst die erste Gruppe: Auch bei der „Anbetung" ist die Masse noch im Fluß. Hier fallen die harten, starken Farbkontraste besonders auf. Das Wollen des Künstlers bricht elementar durch in der Komposition des Kreises der Hirten und Engel um das hl. Paar, der doppelt gebrochen wird durchs das von oben kommende himmlische Licht, das nicht ganz glücklich fast das ganze Bild durchschneidet. Unbefiizbigenb und fast oberflächlich ist die Anlage des Bildes „Christus und die Frauen", sowohl in der Gesamtheit wie in den Einzelheiten. Es fehlt hier jeder innere Zusammenhang zwischen den einzelnen Gruppen. Typisch dafür ist die äußerliche, primitive Art wie allein durch die Blickrichtung der Engel auf die Gruppe unten die Verbindung zwischen beiden hergestellt wird. Gleichfalls nicht sehr stark ist die Kohlezeichnung der „Beweinung". Auch hier wieder das Beschränken quf die äußerlichsten Mittel. Wir ipachen, als charakteristisch für die Art des Künstlers nur darauf aufmerksam, wie hier durch den Felsblock im Hintergrund einerseits die einzelnen Figuren zusammengefaßt werden, und andererseits das Lastende der Trauer symbolisiert wird. Zur zweiten Gruppe leitet das „Mysterium der Liebe über, das gewisse äußerliche Anklänge an Munch zeigt. Auch hier finden wir wieder die äußerliche Zusammenfassung der zwei Figuren, ebenso fehlt auch wieder der letzte Gesühlsaus» druck. Wenn wir nun den Kreis schließen, freuen wir uns, noch ein paar gute Sachen nennen za können. Farbig glänzend sind »Die Fischer". DaS der Schwimmvereine. Es soll anerkannt werden, daß dies einen erfreulichen Schritt nach vorwärts bedeutet. Es soll auf der anderen Seite auch nicht einfach weggeleugnet werden, daß an zahlreichen Orten, wo es an Schwimmgelegenheit in freier Landschaft fehlt und Hallenbäder nur ungenügend zur Verfügung stehen, die Schwierigkeiten der Einführung eines obligatorischen Schwimmunterrichts besonders groß sind. DaS alles darf aber nicht davon abschrecken, dem .Ziel, daß jeder deutsche Qlta n n und jede deutsche Frau schwimmkundig sein müssen, mit allen Kräften zuzustreben. Werbewochen müssen der Bevölkerung den Rutzen und die Rotwendigkeit des Schwimmens immer wieder vor Augen führen. Die Behörden, namentlich die Schulbehörden, dürfen nichts unterlassen, die Elternschaft auszuklären und darauf hinzuweisen, daß Schwimmen eine Volkspflicht ist. •• Die Elektrische hatte gestern einen ausgezeichneten Detriebseröffnungstag. Schon in den ersten Stunden ihres Wiedererscheinens hatte sie allerlei Zuspruch, in den Rachmittags- und Abendstunden aber gab es Massenverkehr, der sich hauptsächlich zum bzw. vom Trieb abwickelte, wo die kraftfahrsportlichen Veranstaltungen der Hauptanziehungspunkt waren, während aber auch vielfach die dortige Haltestelle zum Ausgangs- bzw. Endpunkt von Spaziergängen gewählt wurde. Bei dieser Gelegenheit konnte man sehr häufig Aeußerungen der Genugtuung darüber hören, daß die Dahn nun wieder fährt, und aus ihnen konnte man erst in vollem Umfange erkennen, w i e sehr die Bürgerschaft dieses Verkehrsmittel doch vermißt 'hat. Run, da sie es wieder besitzt, muß sie es aber auch eifrig benutzen, damit der städtische Zuschuß im Interesse des Ganzen möglichst niedrig gehalten wird. Uebrigens wollen wir bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß die liebe Bahn in punkto Fahrpreis doch nicht so duckmäuserig ist, wie am Samstag hier' zu lesen war. Sie hat die Höhe des Fahrpreises der Oefsentlichleit am Samstag vor der Detriebsauf- na'hme nicht verschwiegen; sie nimmt für die Kurzstrecke 15 Pfg., für eine große Fahrt 20 Pfg., also Beträge, die man schon ertragen kann. Von diese Reuigkeit hatte uns der hinterhältige Setzerlehrling, der uns häufig auch mit Rachrichtenstoff aus den Bürstenabzügen der Annoncen versorgt, am Samstag ausnahmsweise mal nichts mit- geteilt. Wir selbst sähen den Salat erst, als uns Vie serttggevruckte Samstag-Zeitung auf den Tisch gelegt wurde, und da wars so gerade d i e Zeit, wo wir das angestellte Malheur nicht mehr gulmachen konnten. s ** Eine oberhessische Tagung für evang. kirchliche Jugendarbeit wird von heute bis Mittwoch in unserer Stadt abgehalten. Der erste Vortrag findet heute abend in der Stadtkirche statt. Landesjugendpfarrer Zentgraf spricht über ein sehr zeitgemäßes Thema. Alle evangelischen Ge° meindemitglieder sind dazu willkommen. Räßeres im Anzeigenteil unserer SamStag-Rum- mer. ** F ahrplanänderung auf der Strecke Ridda — Schotten. Dom 1. Juli 1924 ab treten auf der Strecke Ridda—Schotten folgende Fahrplanänderungen ein: Zug 4183 (S), Ridda ab 9.35, Schotten an 10.16 vm. verkehrt täglich, die Züge 8965 (W) und 8966 (W), Ridda ab 9.28, Schotten an 11.09 vm., ab 12.30, Ridda an 2.02 nm. fallen aus. An Werktagen wird folgender Zug, 4186 (W), Schotten ab 12.55, Ridda an 1.39 nm., neu eingelegt. Dornott;cn. — Tageskalender für Montag. Rundfunkhaus, Löberstraße: Rezitativnsabend — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Golibri". — Asto- ria-Lichtspiele: „Die Qltagßarenfürftin. — Palastlichtspiele: nachrn. 4 älhr Bismarcks ilm, abends 8 -Uhr Gesangskonzert. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der morgige Tanzabend von Hanne Lore Ziegler wird dadurch noch ein besonderes Gepräge erhalten, daß in Herrn Joses Streif feier von Köln ein Pianist von hervorragenden Qualitäten zur Begleitung der Künstlerin gewonnen worden ist. Herr Streisseler wird die älmkleidepausen des Gastes durch wohlangepaßte Vorträge auf dem Flügel ausfüllen, wie er das bereits in Bonn und Aachen mit geradezu außerordentlichem Erfolge getan hat, so daß das Tanzgastspiel sich zugleich als interessenter Konzertabend darstellt. Landkreis Gietzen. * Klein-Linden, 29. Juni. Unter sehr starker Beteiligung feierte heute der hiesige Posaunenchor sein siebzigjähriges Bestehen. Zweihundert Musiker aus 12 auswärtigen Posaunenchören hatten sich eingefunden, um die Jubelfeier des ältesten Drudervereins verschönern zu helfen. Selbst aus dem entlegenen Vogelsberg waren Bläser erschienen. Unter den Energische Angespannte, der Anstrengung des Reheinziehens kommt gut in der Gestaltung der Bewegung der Figuren heraus. Gut ist auch die unterschiedliche Gestaltung des Lebensgrfühles weiblicher und männlicher Jugend in der „Jugend am Strande" und den „Badenden". Die ausgestellten Werke Bogels zeigen, als Ganzes betrachtet daß für ihn, wenn er sich,, frei vom Literarisch-Illustrativen, auf das rem Landschaftliche und auf das rein Figürliche beschränken wollte, die Möglichkeit einer Synthese in Zukunft nicht ausgeschlossen ist, und somit aus dem Chaos ein. Kosmos werden kann. Die übrigen ausgestellten Werke bleiben meist im Konventionellen stecken. Eine gewisse Ausnahme machen die symmetrisch und zentral komponierten beiden Landschaften von Weber-Scheid, die abstrakt ihr Thema symbolisieren. Lino Salini ist mit Porträts, Karikaturen und einer „Italienischen Landschaft" vertreten, die starke Thoma- Anklänge zeigt. Seine Porträts beschränken sich meist auf das Objektive, d. h. die Darstellung des Menschlich-Wesentlichen der dargestellten Persönlichkeit, ohne besondere malerische Eigenwerte zu geben, was wohl aus der Anlage Salinis zum Karikaturzeichnen zu erklären ist, der man in einer ganzen Anzahl von Blättern nachgehen kann. Karl Mergell gibt herkömmlich au(gefaßte Radierungen, Landschaften und Stilleben. Ebenso gehen die beiden Sachen von Gust. Schrägte nicht über den Durchschnitt hinaus, ebensowenig wie dis Radierungen von E. Quirin. Paul Kratz und Kraumann sind mit kunstgewerblich aufgefaßten Kleinplastiken vertreten H. O. D. Gästen befand sich auch der Evgl. Arbeiterverein aus Gießen. Das Fest fand im nahegelegenen Walde statt. Der große Massenchor der Bläser eröffnete unter Leitung des Dirigenten Ioh. Germer den FestgotteSdienst durch die „Hymne" von Chr. Fr. Schneider. Pfarrer Ackermann sprach namens der Gemeinde und des Bereins herzlichste Degrußungsworte . Chöre des hiesigen Kirchenchors und Gesänge der Gemeinde mit Begleitung des Bläserchors wechselten ab. Die Festpredigt hatte Pfarrer Germer, ein geborener Klein-Lindener, übernommen. Missionsinspektor Weishaupt aus Leipzig sprach über Heiden- mission und gab der Hoffnung Ausdruck, baß die deutschen Missionare bald wieder zur Missionstätigkeit bei den Heiden zu gelassen werden möchten. Pfarrer Ackermann erteilte der Gemeinde den Segen, und der Posaunenchor schloß die Feier mit dem gewaltig schallenden Chor „Israel, hoffe auf den Herrn", ilm 2i/2 Ühr wurde ein Festzug aufgestellt, der sich durch das Dorf nach dem Wald« bewegte. Hier hatte sich eine riesige Menschenmenge aus der gesamten Rachbarschaft eingefunden, so daß die Sitzgelegenheiten bei weitem nicht ausreichten. Pfr. P o t s ch a r aus Ebsdorf war der Prediger der Rachmittagsfeier. Missionsinspektor W e i s h a u p t ermahnte die Gemeinde zur ilnterftüßung der Heiden-Mission, Stifts- Dechant Lenz aus Lich, ein Klein-Lindener Kind, schilderte Werdegang und Wirksamkeit des Jubel- Vereins. Im Auftrag der obersten Kirchenbehörde und in Verhinderung des Superintendenten Dr. Petersen - Daimistadt überbrachte Psr. Groth- Rödgen als Vertreter des Dekanates Glückwünsche. Der Massenchor der Bläser schloß das schön verlaufene Fest mit dem Musikstück „Gib Frieden, Herr, gib Frie "'n“ von Reinecke. -QUit beiden Gottesdiensten eine Kollekte für die Heiden- Mission verbun n, die einen namhaften Betrag ergab. Der Posaunenchor und Missionsverein wurde 1854 gegründet, ist also der älteste Posaunenchor und Missionsverein des Hessenlandes. Rach seinem Vorbild haben sich im Laufe der Jahve in Oberhessen und in den benachbarten preußischen Gebieten zahlreiche Posaun enchö re gebildet. Kreis Schotten. □ Laubach, 27. Juni. Heute mittag ver- unglürfte der Knecht des hiesigen Maurermeisters Fritz Rühl Louis D ie tz aus Alten- Hain, anfangs der 40er Jahre stehend, auf der Staatsstraße Schotten-Laubach unw.it der Brücke des Schellenbachs. Gr fiel vom Brette oberhalb der Deichsel eines belaßenen Heuwagens. Der Rumpf wurde durch das Rad völlig in zwei Teile geschnitten. Starkenburg und Rheinhessen. * i® o r m fl a b t, 29. Juni. In den Tagen vom 28. Ouni bis 2. Juli findet hier ein großes Trachtenfest statt. Den Höhepunkt bedeutete Wohlsein Trachtenzug, der sich heute mittag durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte. Man sah hauptsächlich oberbayerische Trachten, aber auch schwä'-zwälder und oberhessische. An dem älmzug beteiligten sich u. a. Gebirgstrachten-Erhaltungsvereine aus Oberhessen, Mainz, Worms, Mannheim, iLudwigshchen, Frankenthal, Kaiserslautern und Speyer. Das Fest brachte Tausende von Besuchern nach Darmstadt, so daß die Dahn- Verwaltung Sonderzüge zur Bewältigung des Verkehrs einlegen mußte. Auf dem Festplotz werden historische und Volkstänze von verschiedenen Tiachtenvereinen vorgeführt. Im nächsten Jahre soll Hier wieder ein Trachtenfest stattfinden, aus dem alle Volkstrachten des deutschen Sprachgebietes gezeigt werden. — Im Vorort Eber- st a d t ereignete sich während der letzten G e • meinderatssihung ein seltsamer Vorfall. Ein 21 jähriger ©bemann legte unter Wutgeschrei einen Säugling aufdenTisch des Sitzungssaales und verschwand wieder. Der Schuhmann im Rathaus muß'e das schi-eiende Kind aus dem Saale tragen. Der junge Ehemann hatte nicht die freigewordene Mietwohnung im elterlichen Hause erhalten, da vom Kreisamt ein anderer Mieter einquartiert worden war. Der Gemeinderat sollte nun das Kind nehmen, weil er in der Wohnung, die er mit seinen Eltern schon seit einem Jahr teilt, keinen Platz mehr hätte. Der Gemeinderat war ob der plötzlichen „Vaterschaft" vollständig aus der Fassung geraten. Er war dann schließlich doch der Auffassung, daß er auf die vom Kreisamt verfügte Maßnahme keinen Einfluß hat. Das Kind wurde später wieder von der Mutter vom Rathaus abgeholt. t Hessen-Nassau. i Hanau, 28. Juni. (WTB.) Am Donnerstag nachmittag wurden am Main am rechten Ufer in der Nähe der Kesselstädter Badeanstalt zwei weibliche auSge» wachsens Kindesleichen, anscheinend Zwillinge, gefunden. Die Leichen waren in ein altes Tuch eingewickelt und mit je 8 Pfund schweren Hanteln beschwert, sowie mit isoliertem Kupferdraht zusammengebunden. Die Karte eines römischen Legionärs. Ein überaus interessantes Fundstück, das bei den letzten Grabungen zu Salihiyehd in der Rähe von Damaskus entdeckt wurde, war der Gegenstand eines Vortrages, den der französische Archäologe Franz Cumont in der Pariser Akademie der Inschriften hielt. Es handelt sich um den Teil eines Schildes, auf dessen Lederbespannung eine Karte aufgemalt war, wie sie die römischen Legionäre zu ihrer besseren Orientierung mit sich führten. Der Schild gehörte einem Bogenschützen aus dem 3. Jahrhundert. Aus der Karte ist das Meer blau gemalt, Schiffe sind darauf angebeutet; das Land ist rot gegeben mit blau eingezeichneten Flüssen. Auf der Karte sind in Griechisch die verschiedenen Stationen ausgezeichnet, an denen die Legionen auf ihren Märschen Haltmachen sollten, und die Entfernungen sind in Meilen babei angemerkt. Die Route Beginnt mit dem Abmarsch von Odessas, dem heutigen Varna und geht dann über Callatis (Mangalia) und Toni (Konstanza) nach der Donau und dann quer durch Bessarabien und Südrußland nach Heraclea Cher- sonesus (Sewastopol) in der Krim. Die Karte ist ein Beweis dafür, daß die Romer unter dem Kaiser Severus Garnisonen in Südrußland, zu Tyras (Akkerman), Olbia (an der Münoung des Bug) und auf dem Chersones besaßen, die durch gute Chausseen verbunden waren, and daß sie Artaxata besetzt hielten, das also nicht, wie man b Sher angenommen, unter Lucius Severus zerstört worden sein kann. Automobil- und Krastrader-Rennen in Giehen. Öttfere Stadt hat Festem ein hervorragendes sportlich^ Ereignis erlebt. Automobile und Krafträder {Daren der Trumpf des Tages. Es galt den Wettbewerb für Kraftfahrzeuge auSzufahren, den der Hessische Motorsport k l u b und der Oberhesfische Automob i l H u b. beide in Gießen, veranstaltet hatten. Fr ffoar in zwei Abteilungen gegliedert, und zwar in daS Schiffenberg-Rennen, das vormittags . stattfcmd, und in die Geschicklich - feitSprÜfungen, die nachmittags auf dem Sportplatz auf dem Trieb vor sich gingen. Schon am Vortage, am Samstag, konnte auch ein Unkundiger wahrnehmen, daß Gießen ün Zeichen des Kraftfayrsports stand, denn zu den zahlreichen einheimischen Kraftfahrzeugen üxnvn noch auswärtige hinzugekommen, die namentlich gegen Abend, nach der Fahrzeug-Abnahme, mit ihren Startnummern versehen, das Verkehrsbild der Stadt erheblich belebten. Gestern, am Renntage. fauchten und knatterten schon zu früher <5tunte die Fahrzeuge auS ter Stadt, und mancher Sonntags-Langschläfer wird da etwas derb aus Morpheus Armen gerissen worden sein und denen, die ihn so zeitig geweckt hatten, vielleicht auch einen wenig liebenswürdigen Wunsch mit auf den Weg gegeben haben. Otter dafür waren viele Hunderte andere, die den Kraftfahrern mit ganz anderen, mit freundlichen Gefühlen gegen- überstanden. Diese bekundeten ihr sporttegeist erles Interesse dadurch, daß sie schon zu sehr früher Morgenstunde sich auf den Weg gemacht hatten, um die Ränder der Rermsttaße zu besehen. Als wir kurz vor 6 Uhr nach der Rennstrecke fuhren, war schon eine recht anse'hnliche Völkerwanderung nach dort unterwegs, ater viele andere, die n o ch früher aufgestantea waren, hatten sich schon weit draußen an ter Strecke postiert, da ja die Dahn von 6 Uhr an für alle Fußgänger und Verkehrs- fährzeuge gesperrt war. Der Hauptandrang der Zuschauer galt erklärlicherweise den Kurven, wo man natürlich die interessantesten Momentbilter des Rennens erwarten konnte: besonders begehrt war ein Platz an ter sehr scharfen Hausener Kurve, wo es den auch so etwas wie Nerve n- kihel gab. Aber auch die glatten Bahnstrecken waren von Schaulustigen weit umsäumt, so daß man alles in allem feststellen kann, daß das Interesse unserer Mitbürger an diesen nicht alltäglichen Ereignissen sich sehr stark bekundet hat. Für ihren Sporttag hatten die Veranstalter einen vorzüglichen Vertrag mit Petrus gemacht. Glänzendes Rennwetter war ihnen beschießen, und ebenso vortrefflich war es am Rachmittag bei den mehr gesellschaftlichen Darbietungen. Das i Dergreimrn zum Schiffenberg begann um 6.30 Uhr früh. Der Start lag nahe vor den Gisteichen bei Km. 2 auf ter Straße nach Hausen, das Ziel etwa 300 Meter vor dem Einfahrtstor zum Schiffenberg. Die genaue Länge der Rennstrecke bezifferte sich auf 4,250 Meter. Unter der straffen Turnier-Leitung, für die Dr. med. R e i n e w a l d, Reg.-Daurat Steinbach und Hauptmann Faulenbach verantwort! ch zeichneten, nahmen die Rennen einen so flotten Verlauf, daß die Kämpfe bereits eine gute Stunde vor der veranschlagten Zeit beendet waren. Erfreulicherweise verliefen alle Rennen ohne ernsteren (Unfall, fo daß die Streckenärzte Dr .med. Geher und Dr. med. Stecher gänzlich untätig bleiten konnten, ebenso die dort stationierten Mitglieder der Freiw. Sanitätskolonne, und der Arzt am Ziel, Dr. med. Wolf, mit den hier anwesenden Mitgliedern der Sanitätskolonne beinahe ebenso arbeitslos war. Die Krafträder fuhren zuerst, ihnen folgten die Kraftwagen. Von den Kraftrad -Rennen ist besonders die Leistung Henkes von Frankfurt zu erwähnen, ter in der scharfen Hausener Kurve stürzte und dabei mit dem Kopf reichlich unsanft einen Baum te- rannte. Da der Daum ter stärkere Teil dieser Degegnung war, bezahlte die Sturzkappe diese programmwidrige Bekanntschaft sehr gründlich, der Fahrer blieb ater erfreulicherweise auf dem Posten, setzte sich flugs wieder auf seine ganz intakt gebliebene Maschine und sauste weiter dem Ziel zu, wo er zwar mit einem Heinen Rerven- chock an kam, ater trotz allem Unheil bei seiner Fahrt noch die beste Zeit seiner Klasse gefahren hatte. Rach einer kleinen Verarztung und kurzer Ruhezeit war alles wieder gut O. G r o h e» Wietf eld von hier- kam sogar zweimal zum Sturz, blieb auch rennfähig, konnte sich aber freilich nur auf die letzte Stelle seiner Klasse plazieren. Etwas mehr unfreiwillige Hemmungen waren bei den Kraftwagen - Rennen zu verzeichnen. Auch hier war die scharfe Hausener Kurve die Stelle des Unheils. Aug. Schneider geriet dort mit seinem Wagen in den Graben und kippte um, konnte aber mit Hilfe des Publikums das Auto schnell wieder aufrechten und forsch weiterfahren: Ankunft am Ziel mit einer zer- fchundenen Rase und defekter Wiirdscheibe, sonst aber gesund, Platz allerdings als letzter. Dr. Dönges auf dem Wagen von Rinn u. Cloos fuhr gleichfalls den leidigen Graben ab, kam aber im übrigen glatt davon, nur verlor er an Zeit. Heinr. Dietz von Lich verbog seinem Adlerwagen im Graben ter Hausener Kurve die rechte Hinterachse, blieb aber, wenn auch mit arg wackeligem Hinterrad, fahrfähig. Otto Göbel auf feiner großen Kanone kam infolge ter hohen Geschwindigkeit an der brenzlichen Stelle geichfal.s in den Graben, dem Fahrer und Wagen passiere glücklicherweise nichts, nur ging Zeit verloren, da ter Wagen erst wieder von der Anfangsgeschwindigkeit ausgehen mußte; trotzdem hat Göbel die 4% Kilometer in 3,42 Min. durchmeßen! Gegen 12 Uhr konnte alles, sehr befriedigt von den ausgezeichneten sportlichen Leistungen auf ter famosen Rennstrecke, wieder der Stadt zupilgem, im Auto, auf dem Kraftrad, dem Fahrrad oder per Petes. Als Extragabe hatte man bei ter Gelegenheit natürlich unbegrenzten Stauteenuß: ater schließlich, das gehört dazu, und die Kleiderbürste daheim will doch auch was zu tun haben. Am Rachmittag schlossen sich auf tem Sportplatz auf tem Trieb die Geschicklichkeits- Prüfungen an, die Sehenswertes in vielerlei Gestalt brachten. Das Publikum — das man nur noch in viel größerem Maße auch zu diesen Darbietungen gewünscht hätte, denn der weite Platz bot noch Raum — spendete den Vorführungen reichen Beifall. Rachstehend lassen wir zunächst die Zeiten- Liste der Rennen und dann die Siegerliste folgen. Fahrerxebnisse des Krafttoagenrennens. Klasse I. Name d. Meldenden Fabrikat Fahrer Zeit W. Letsch, Gießen Wanderer selbst 5.25B/6 Otto Göbel, Gießen Fafag K. Weil 5.39 G. PH. Gail, Gießen Wander. ®r.®g.®aiI5.22% Peter Jäger, Gießen Opel selbst 5.06 Ferd. Buch, Siegen Luwo selbst 6.05 Klasse II. K. Euler, Gießen Aga Dauster 5.00 Aug. Schneider, Gießen Aga selbst 5.18 Wilh.Heiliger, Lauterb. Adler selbst 4.42'/, Otto Göbel, Gießen Adler selbst 4.47% Klasse III. O. E. Kobe, Marburg R. S. U- selbst 5.23'/, Rinn & Eloos, Heuchelheim Benz Dr.Dönges 6.03% Ehr. Inderthal, Gießen Selve W.Indetthal 4.54% Presto 4.40 selbst selbst 3.42 Fahrergebnisse des Krafträderrennens. aufgegeb. Zündapp S. Cohen, Gießen Harley D 4.17% 5.39 5.07 6.07% 5.15 6.19% 4.44% 4.18% Ardie Restoria 6.19 5.57% 6.30 4.25% Dr. Erb, Gießen Rud. Weil, Gießen Aug. Peter, Butzbach O. Schmidt, Wetzlar Pullig, Frankfurt Walther, Frankfurt 5-07% 4.43 5.29 6.15'/, 10.10 6.08 6.10% 5.58 4.46 6,33 Fahrer selbst O. E. Kobe, Marburg Victoria O. Große-Wietfeld, Gießen „ Dr. Erb, Gießen G. C. Schmidt, Gießen H. Steiber, Siegen Ph. Karres, Frankfurt C. Braun, Frankfurt Dr. S. Pribram, Gießen Dr. ®g. Gail, Gießen Herrn. Steiber, Siegen Alb. Hammerschmidt, Siegen Th. Zutt, Gießen H. Schäfer, Marburg Otto Göbel, Gießen Rob. Zeih, Gießen R. Bruch, Rieder- dielfen Grödel, Frankfurt Daap, Frankfurt Henke, Frankfurt Wanderer Trumpf-As B. M. W. R. S. U. Sarolea K. G. Klasse V. Name d. Meldenden Curt Beyer, Siegen Breidenbach, Siegen Heinrich Dietz, Lich Dänninger, Gießen Louis Loh, Gießen W- & G- Schuchard, Gießen Wegener, Blihenrod N. S. U. Wanderer K. Wolf felbst Fabrikat Benz Selve Adler N.A.G. Dr. N. A. G. Klaffe IV. Dr. Georg Gail, Gießen Benz Klaffe V. Otto Göbel, Gießen Adler Klasse III. Derad W. Ämend selbst Zeit 5.49% 6.34 5.02 9.23 7.20 N. S. U. Dolf Brand Fahrer Zeit selbst 5.24% selbst 5.13% selbst 5.15% .E.Paulh 7.10% Carl Lotz 7.09 aufgegeb. 4.13% 4.34% 4.54% 4.13 4.33% Klasse I. Name d. Meldenden Fabrikat H. Wagener, Gießen Hecker L. Kann, Gießen Iuho Hans Braun, Frankfurt Cocorell Fritz Pullig, Frankfurt Heuler, Frankfurt Evans Schaum, Frankfurt Klasse II. Ernst Hebstreit, Gießen D. K. W. Prof. Dr. Knell, Gießen D. K. W. N. A. G. Gg.Schuchard 6.38 selbst 5.11 Schwalbe Klasse IV. N. S. U. Die Siegerliste vom Echiffenberg-Nennen. Kraftwagen: Absolut schnellste Zeit: Otto Göbel, Gießen. Klasse I: 1. Preis Dr. Gail, Gießen, 2. Pr. Letsch, Gießen, 3. Pr. Peter Jäger, Gießen. Klasse II: 1. Pr. Wilhelm H.iliger, Lauterbach, 2. Pr. Otto Göbel, Gießen, 3. Pr. Dauster. Gießen. Klasse III: 1. Pr. Interthal, Gießen, 2. Pr. Kote, Marburg, 3. Pr. Curt Beyer, Siegen. Klasse IV: 1. Pr. Wegener, Blihenrod, 2. Pr. Breidenbach, Siegen, 3. Heinrich Dich, Lich. Krafträder: Absolut schnellste Zeit: Pullis, Frankfurt a. M. Klasse I: 1 Pr. Hans Braun. Frankfurt a. M.. 2. H. Wagner, Gießen, 3 Hebstreit, Gießen. Klasse II: 1. Pr. Philipp Karres, Frankfurt a. M., 2. Pr. Etcuber, Siegen, 3. Pr. Dr. Erb, Gießen. Klasse III: 1. Pr. Henke, Frankfurt a. M., 2. Pr. H. Schäfer, Marterg, 3. R, Zeitz, Gießen. Klasse IV : 1. Pr. Pullig, Frankfurt a. M., 2. Pr. Rudolf Weil, Gießen, 3. Pr. Walter, Frankfurt a. M. Klasse V: 1. Pr. Hermann Steiber, Siegen 2. Pr. Dr. Gg. Gail, Gießen. Klasse VI: 1. Preis Hammerschmidt, 2. Pr. Dr. Pribram. Die Sieger beim Geschicklichkeitswettbewerb. K r a f t w a g e n. 1. Pr. Curt Beyer, Siegen, 16.22/5 Lastpunkte 2. Pr. Dr. Gg. Gail, Gießen, 162% Lastpunkte 3. Pr. A. Geiße, Gießen, 168 Lastpunkte, 4. Pr Dr. Gg. Gail, Gießen, 170'/-, Lastpunkte, 5. Pr Aug. Schneider, Gießen, 183% Lastpunkte. Krafträder. 1. Pr. Hammerschmidt, 133 Lastpunkte, 2. Pr. Friedrich Grau, Gießen, 135 Lastpunkte, 3. Pr. P. Karres, 1352/5 Lastpunkte, 4. Pr. Schaum, 135 Oastpunkte, 5. Pr. H. C. Schmidt, 145 Lastpunk.e. Fuchsjagd. 1. C. Braun, 0,092/5, 2. Pr. Wagener, 0,30. 3. Pr. R. Zeitz, 1,45%. Amtsgericht. Gießen, 26. Juni. Zwei Leute aus tem besetzten Gebiet sind wegen Beleidigung eines hiesigen Geschäftsinhabers verklagt. Da fic trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen und auch nicht vertreten sind, wird ihre Vorführung durch die Gendarmerie zum nächsten Termin angeordnet. Die Privatklage eines Kaufmanns von hier gegen einen hiesigen Makler endete mit einem Vergleich. Letzterer erklärte, daß es ihm fern- gelegen habe, tem Privatkläger den Vorwurf eines unehrenhaften Verhaltens gegenüber feinem Arbeitgeber zu machen, worauf die Privatklage zurückgenommen wurde. Im vergangenen Sommer fuhren ein Lehrer und ein Kaufmann zusammen in einem Abteil von Frankfurt nach Gießen. Infolge der Ueberfüllung des Zuges muhte letzterer stehen. In Bad-Rauheim wurde ein Fensterplah frei, worauf ihn der Lehrer, der bis dahin daneben gesessen hatte, einnehmen wollte.L Da sich aber gleichzeitig der Kaufmann ebenfalls auf den Eckplatz setzen wollte, entstand zwischen den beiden ein kleiner Wortwechsel, in dessen Verlauf letzterer den ersteren schließlich an der Schulter faßte, mit Gewalt aus der Ecke herausschob und sich selbst dorthin setzte. Au chsagte er zu dem Lehrer, der seiner Entrüstung Ausdruck verlieh: „Seien Sie still, sonst passiert Ihnen noch etwas anderes, gehen Sie doch nach P a l ä st i n a.‘‘ Im heutigen Termin wurde die Sache durch einen Vergleich erledigt. Der Kaufmann erklärte, er bedauere den Vorfall, und übernahm sämtliche Kosten. Ein Land- und ein Gastwirt aus Oppenrod, die nebeneinander wohnen, sind feit langen Jahren miteinander verfeindet und verklagen sich ständig gegenseitig. Der Gastwirt hat feinem Nachbarn einige Zeit vor Ostern, wie schon früher wiederholt, vorgeworfen, er habe einen Meineid geleistet und sein halbes Vermögen zusammengestohlen. Auch diese Sache endigte mit einem Vergleich. Der Angeklagte nimmt die beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern zurück, verspricht, in Zukunft den Landwirt nicht mehr zu beleidigen, zahlt eine Buße von 300 G 0 l d - mark zugunsten der Kriegsblinden und übernimmt sämtliche nicht unbeträchtlichen Kosten. welche eine zarte, weisse flaut u. blend, schönen Teint erlangen u. erhalten will, wäscht sich nur mit dei die beste Lilienmilchseife von Bergmann # Co., RadebeuL Überall erhältlich. Krenx-Drog. Angnst Noll, P. J. Föbs, Drog. Qeor| Wellentals, Mrog. 0. WtaterholL 4146c BEWÄHRT SEIT 30 3AHREN Am 1. 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