Nr. 254 Erster Blatt U4. Jahrgang Dienstag, 28. Vttober 1924 GietzenerAmeiger General-Anzeiger für Vberhefsen Dni fernen Parteifreunden als der Führer für jede praktisch mögliche Koalition vor. Hieraus ergab sich eine gewisse Undeutlichkeit und Aebelhaftigkeit in seiner großen Programmrede. Mer den inneren Kampf beobachten konnte, der sich in den letzten Wochen innerhalb Des Zentrums abgespielt hat, ist durch die Rede des Reichskanzlers nicht übemascht worden. Es handelte sich ja darum, Herrn Dr. Wirth und Herrn v. ©ue- rard unter einem Hut zu behalten. Wenn man aus den Beifallsbezeugungen einer festlich gestimmten Delegiertenschaf t Schlüsse ziehen darf, so ist Herrn Marx die Verkittung des gesprungenen Zentiarmsblocks gelungen. Da der Kanzler aber keine eindeutigen Dvrstellungen von der künftigen Bildung von Regierung und Regierungsblock hat, war er gesungen, sich mit denen in einen Widerspruch zu fetzen, die unter den nun einmal herrschenden Umständen die Erweiterung der Regierung nach rechts für notwendig halten. 3n der Rede jedes Staatsmannes von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten kehren fast mit den gleichen Wendungen die Forderungen, Erwartungen und Hoffnungen in bezug auf das künftige Schicksal von Reich und Volk wieder. Reue, eindrucksvolle Prägungen, sind dem Reichskanzler hierbei nicht gelungen. Interessanter war schon das, was er über die Schuld am Kriege und über die Behandlung dieses Problems in der praktischen Politik sagte. Marx wünscht die moralische Reinigung des Volkes und erwartet im übrigen selbst von einer ausdrücklichen Zurücknahme des berüchtigten Artikels 231 keine Ermäßigung der uns auf erlegten Reparationslasten. Richt unwidersprochen bleiben darf die Behauptung des Kanzlers, daß viele Deutsche in der Propaganda gegen Deutschlands Alleinschuld am Weltkriege nur deshalb so eifrig seien, weil sie damit den Verzicht unserer ©laubiger auf ihre Ansprüche erwarten. Der unbefangene Hörer der Marxschen Rede könnte auf den ©edanken kommen, daß die Mehrzahl der Vorkämpfer gegen die Kriegsschuldlüge zu den von Marx gekennzeichneten Illusionisten gehört. Das ist in keiner Weise der Fall. Die Meisten von denen, welche zwar keine Schimpfkanonade, wohl aber eine ziel- bewußte Aufklärungsarbeit in der Kriegsschuld- frage betreiben, wissen ganz genau, daß die deutsche Reparationsbelastung eine Folge der nun einmal bestehenden internationalen Machtverhältnisse ist. Die Lüge von Deutschlands Kriegsschuld gilt lediglich zur Beruhigung derjenigen Gemüter, die ihre Handlungen moralisch drapieren müssen, um sich wohlzufühlen. Darum ist aber die Beseitigung der Kriegsschuldlüge doch ein erster wichtiger Schritt zur Befreiung des deutschen Volkes von politischem und auch ökonomischem Druck. Weiter ist anfechtbar, was der Reichskanzler über die „Volksgemeinschaft" sagte. Es handelt sich hier nicht um ein Ideal, das nur den m politischem Sinne „demokratischen" Parteien zugänglich wäre. Gerade die politischen Machbrrn des Zentrums nach rechts hin sind der Heber- zeuguna, daß die Schaffung einer solchen Volksgemeinschaft die Heranziehung der Deutschnationalen zu den Regierungsgeschäften erfordert. Die beruhigenden Worte, die Marx über die Flaggenfrage sprach, waren- gewiß gut gemeint Der Bruch mit der Vergangenheit, wie er in dem Ersah der Dismarckschen Reichsfarben schwarzweißrot durch die in werter biftorifdjer Vergangenheit liegenden Farben der März-Revolution zum Ausdruck kommt, war ein Angst- Produkt der unrühmlichen Rovember-Revolution. Es war ein schwerer Fehler dec Linksmehrheit in der Rationalvctfammlung, daß sie durch Aen- berung der Reichs färben im deutschen Volke den Streit darüber säte, ob beim Wiederausbau des Reiches an die Srcrbition angeknüpft werden solle oder nidxt. Zustimmen können weite Kreise des recht s- rechtsstcchmden Bürgertums Herrn Marx in ter geftftenung, daß bei den kommenden Wahlen und dann auch bei der Regierungsbildung und der praktischen. Führung der Politik die Außenpolitik im Vordergründe stehen müsse Marr hat sich das Wort zu eigen gemacht, das ter Reichsaußenminister Dr. Stresemavnn r c»h seiner Rückkehr von den Londoner Reparations- Verhandlungen vor den: Reichs agsple um 'Pi »>ch Das Londoner Abkommen sei kein Ende, sondern prn Anfang Mach mä* der Formulierung, die Marx am Monu^ oJ)Üe, können andere Sputeten einverstanden fern, „ For 1 > etz ::nq der biSlxn-igcn Politik wünschen gewiß reidüid; 75 Prozent deS gegenwärtigen und des kommenden Reichstages. Die Frage ist nur, wie diee Fortsetzung aussehen soll. In der deutschen Außenpolitik der nächsten Monate urti) Iah e ruh deutlicher als dies von 1919 bis 1923 schehen ist. uz& auch deutlicher, als dies während der Minderheitsregierung möglich war, das deutsche Lebensinteresse Richtung, Ziel und Tempo angeben. Vie Rede des Reichskanzlers. Berlin, 27. Oft. (TU.) Die Vollsitzung des Zentrumsparteitages am Montag wurde vom Reichskanzler als dem Parteivorsihenden mit 'herzlichen Degrüßungsworten eingeleitet. Hierauf übernahm Ministerpräsident a. D. Sieger wa ld den Vorsitz. Reichskanzler Marx erstattete sodann ein großes politisches Referat, in welchem er zunächst die Frage aufwarf, welche Kräfte in der Zentrums Partei lebendig find. Es seien dies Kräfte der Beharrung, eines gesunden Konservativismus. Es sind Be- jaher der Gegenwart und der Zukunft, die mit starken Händen und mit heißen Herzen die neue deutsche Große aufrichten wollen. Wir haben die Kräfte des leider gesunkenen Mittelstandes, der trotz allem wieder nach oben ringt, wir haben die Kräfte des handarbeitenden Volkes, das in schwerer materieller Rot lebt, das trotz aller Verhetzung nicht radikal und revolutionär ist, das Deutschland durch seiner Hände Arbeit stark machen will, das aber auch von anderen Dolksteilen gleich gewertet und geachtet fein will. Das Geheimnis der Zentrumspartei, die verschiedenartigen Volksgruppen in sich zu vereinigen, liegt in der festgefügten Weltanschauung beß Zentrums, das all die auseinanderstrebenden Kräfte bindet. Hnfet Recht auf Leben als Ration verlangt ein freies Deutschland, frei von allen Ketten, frei von militärischer Bewachung; es verlangt ein Grohdeutschland, in dem die ganze deutsche Ration bereinigt ist, es verlangt ein Deutschland mit Kolonien, damit dieses friedliche Deutschland Absatz- und Austauschgebiete für feine Waren und Rohprodukte hat. Dieses heilige Recht als freie Ration zu leben, haben wir nicht verwirft. Deutfchlands Alleinschuld am Kriege ist eine Mär, die in der geschichtlichen Forschung bereits zufarnmen- gebrochen ist. Das deutsche Doll steht zu der Auslassung, die die Versammlung deutscher Historiker in Frankfurt a. TEL vor einigen Wochen bargelegt hat, daß die Frage der schuldhaften Verantwortung einzelner Länder, Völler, Parteien oder Personen für den Weltkrieg nur nach Oeffnung der Archive der am Weltkrieg beteiligten Mächte durch gründliche und methodische Quellenforschung entschieden werden könnte. Die Beantwortung dieser Frage durch ein Aktenstück der Diplomaten der Siegerstaaten ist eine Ungeheuerlichkeit, die in der Weltgeschichte noch niemals gewagt worden ist. Die erzwungene Unterschrift ist für die Feststellung der w ssenschastl chen Wahrheit oh ne jede Bedeutung De Ann hm: des Waffenstillstandes, des Versailler F.ied.nsver träges, des Londoner Vertrages find für uns Etappen auf dem Wege zur Freiheit unferes Volles. Der Reichskanzler ging sodann über zu den Fragen der innere» Staatspolitik. Die äußere Grundlage des deutschen Staatswesens und der Staatsordnung tft die Weimarer Verfassung, die wir als rechtmäßig und im gewissen verpflichtend anerkennen Die inneren Voraussetzungen für das Gedeihe: des deutschen Staatswesens hängen gewiß entch?fterd von der Entwicklung unserer Außenpolitik ab Im Innern ist dazu aber ein Gemeinschaf tswi lle not- wendig, der sich von innen her entwickeln muh. In dem Bestreben nach der groben Volksgemeinschaft liegt das gvße Ziel der deutschen Zentrumspartei Kar ausgedrückt (sh iften* tum und Katholizismus sollen die auseina ider» strebenden Kräfte zu amme rführen. Au g b der Sozialpolitik ist es, die Gegensätze zu mildem und die Mach gruppen abzrllchwäch n Die Poli.i! soll die materielle Lage des Volkes Der belfern, damit aber jedem Stand seine eigenen Aufgaben belassen. Die Zent rumspar ei ist wahrhaftig die Volksgemeinschaft im Kleinen. Darin beruh: die Kraft unserer Politik. Wir haben auch in der Politik kleine Teile, die in dem Beiernander aller Strömungen eine innere Schwäche eve.i und darum klare Entscheidung wünschen. Solange Deutschland am Boden li gt, und nur unter Zusammenfassung aller Kräfte fein materielles und nationales Da ein fr.fter kann, we - den wir den Weg der Dollsgemainschaft gehen müssen. Das ist der Weg der nächsten Iahrzehn.e. Die Bemühungen der deutschen Regierung, durch den Abschluß von Handelsverträgen der deutschen Volkswirtschaft die ihr gebührende Stellung in der Weltwirtschaft zu verschiffen, feien nicht leicht, weil die Wel.wirtschaft selbst noch nicht toieber gleichnähig funktioniere und well wir als schwacher Staat jede günstige Position uns erkämpfen müssen. Die deutsche Regierung läßt sich leiten von der Ueberzeugung, daß der Export oberste Forderung für uns ist und daß die Erhaltung und Förderung der Produktion im Inlande oberste Aufgabe ist. Man wird objektiv prüfen müssen, ob die Lage unserer Wirtschaft im Rahmen der Weltwirtschaft gesehen, für den Schutzzoll oder für den Freihandel mit mäßigen Finanzzöllen sprich. Die Wirtschaft ist nicht nur ihrer selbst willen da D a s ganze Volk soll die Früchte feiner QfcjcLt pe= niefjen. Einen schematischenAcht stunde n- t a g werden wir nicht mehr ein führen können. Das will auch unsere Arbeiterschaft nicht. Wir werden bestrebt sein, den Achtstundentag möglichst bald wieder einzuführen, wo nicht die Art des Betriebes dem entgegensteht. Für alle Arbeitenden verlangen wir den gerechten Lohn. Die Vorbereitungen werden zur Zeit im Reichs- finanjmiirifterium getroffen, um ungerechte Bereicherungen in der Rotzeit des deutschen Volles wieder zu beseitigen. Eine Inflationssteuer ist die gerechteste aller Steuern. (Lebhafte Zustimmung.) Reichskanzler a. D. Fehrenbach referierte dann über die Haltung des Zentrums in der Regierungskrise. Alsbald nach den Reuwahlen sei auch in der Zentrumspartei grundsätzlich der Standpunkt gebilligt worden, daß die Deutschnationale Volkspartei jetzt zur Verantwortung heranzuziehen sei, weil das die beste Kur für diese Partei sei (Heiterkeit und Zustimmung). Es habe sich aber sofort herausgestellt, daß das nicht möglich war und zwar hauptsächlich vom Standpunkt der auswärtigen Politik aus. Ein Anschluß nach links wäre nicht nur parlamentarisch untragbar, sondern auch aus politischen und kulturellen Bedenken heraus unmöglich. Wenn man sage, die Zentrumspartei stehe nicht geschlossen, so fei das eine glatte Unwahrheit. Die Vertreter des sog. rechten Flügels hätten nicht gemurrt, als das Zentrum mit den Sozialdemokraten zusammenarbeitete, es fei auch zu erwarten, daß die Vertreter der sog. Linken diesem Beispiel folgen würden, wenn jetzt eine Mehrheit Reigung verspüre, nach rechts zu gehen. Man habe sich darüber nicht auf das Programm der Sozialdemokratie festgelegt und werde sich jetzt auch nicht auf das Programm der Deutschnationalen festlegen. Das Zentrum werde auf dem Boden seines Programms Weiterarbeiten. Darauf machte Arbeilsminister Dr. Brauns ergänzende Mittellungen über den Verlauf der Regierungskrise. In der weiteren Aussprache rechtfertigte Reichskanzler a. D. Dr. Wirth die Haltung des sog. linken Flügels des Zentrums. Er forderte vor allem die Geschlossenheit der Partei. Dem Reichskanzler Marx müsse die Möglichkeit gegeben werden, feine bisherige Politik weiterzuführen. Dies Problem sei nicht zu lösen mit der Frage, ob Rechts, ob Links, sondern nur durch die Einhaltung einer politischen Linie, die die Politik der Mitte gewährleistet. Die politische Linie des Reichskanzlers Marx fei vorgezeichnet gewesen durch die Arbeit feiner Vorgän - g e r. Die Politik des Zentrums habe es ermöglicht, daß wir in der Welt Vertrauen gewinnen. Dieses Vertrauen fei abhängig von einer loyalen deutschen Politik und von einer gefestigten Staats- svrm. Ein Abgehen von der jetzigen politischen Linie wäre ein Unglück für die ganze Welt. Es darf im Zentrum weder einen rechten noch einen linken Flügel geben. In der weiteren Diskussion, die bis zum späten Abend andauerte, tarnen noch eine Reihe Redner aus den verschiedensten Teilen des Reiches zu Wort. Alle traten für eine einmütige und gesch lossene Haltung des Zentrums ein und billigten die Politik des Reichskanzlers Marx. Heute vormittag wird die Tagung fortgesetzt. Eine Ientrumsentfchlietzung gegen die Sozialdemokratie. Köln, 27. Oft. (TU.) Der Arbeitsausschuß des Beirates für Landwirtschaft und OB.in bau der Rheinischen Zentrumspartei nahm in seiner Sitzung vorn 22. Oktober einstimmig folgende Ent- fchließung an; „Die a ah en politische Linie des Zentrums hallen wir für richtig und wünschen deren Durchführung und Sicherstellung. Der bellagenswerte Ausgang der Verhandlungen über die Regierungsumbildung hat in der rheinischen Landwirtschaft Unmut und Enttäuichung ausgelöst. Den t es wen Grund für das Richtzustandetommen der Reg.erungs- ertoeiterung erblicken die Landwirte in dem iett Jahren scharf zugespihten Kampf innerhalb der nichtsozialdemokrati- schenParleien. Sv sehr wir es begrüßen, daß das Zentrum stets betont, daß uns von der Sozialdemokratie eine scharfe Kluft trennt, fo wünscht doch der Beirat eine noch s chär f ere äußere Frontlinie gegen die sozialdemokratischen Parteien, in denen das Landvolk nach wie vor seinen grundsätzlichen Gegner erblich. Der Landwirtschaftliche Beirat spricht die Erwartung aus, daß es dem Zentrum als Partei der Mitte gelingen möge, alle christlichen Elemente zu gemeinsamer Arbeit zrsammenzufchließen ai«b daß der bevorstehende Wahlkampf in diesem Geiste geführt werde. In Verfolg vorstehender Richtlinien halt der Beirat es für dringend notwendig, daß Zentrum und Bayerische Volkspartei sich möglichst bald wieder zu gemeinsamer politischer Arbeit zusammenfinden." Das Wahlprogramm bei Bayerischen Bolkspartei. scharfe ffront gegen die Sozialdemokratie. München, 28. Oft. (TU ) In einem länge» ich Artikel entwickelt die Bayrische Vollspar-tei- Korrespvndenz ihre grundsätzlich.' Auifassung zu den bevorstehenden Reichstagswahftn. Es Yeitzt in ihm u. a.: Die Reichslagsauflösung ist das Ergebnis der zielbewußten Politik der S o z i a l d e in o t r a t i e, eine Einigung der nichtfozialdemokratischen Bürgerlichen aus ein gemeinsames Regier ungsprog ramm §u bIntert r ei 5e n. Die Sozialdemokraten hoffen, bei den in Szene gesetzten Neuwahlen im Verein mit den ihnen nahestehenden palitiichen Elementen am linken Flügel des bürgerlichen Laders so gestärkt zu werden, daß im neuen Reichstage die Frage einer bürg.'rlich u. sozia- listenfrcien Reglerung überhaupt nicht zur Diskussion stehen könnte. Diese Hoisnung der Sozialdemokraten zu zerstören ist oder soll wenigstens die Ausgabe aller nichtsozialLe.nolratischen bürgerlichen Parteien in diesem Wahlkampfe sein. An die Demokratische Partei. Die Antwort Professor (Herlands. Berlin, 27. Okt. (T. U ) Der bisherige stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei, Prof. Gerland, h.ll auf das Schreiben des Parteivorsitzenden Reichsmimster a D. Koch in einem längeren Briefe geantivortc:, i.i dein er entfd>ieben in Abrede stellt, daß die demokratische Partei nach wie vor eine Partei der Milte fei. Dem stehe entgegen, daß ein so prominentesPartei- mitgfieb wie Hummel gerade jetzt der. Satz geprägt habe, die Demokratische Partei sei keine Partei der Mitte, sondern eine Linkspartei, und daß Rcichsminister Koch selbst ausgeführt habe, wenn es zu einer Spaltung koinnre, stehe di- demokratische Partei links, sie stehe neben und an der Seite der Sozialdemokratie. Danach gab die Partei trotz aller Wahl, aufrufe die Politik der Mitte auf. Ferner bestreitet Prof. Gerland, daß die Partei irgendetwas getan habe, um zum mindesten die Auswüchse des Pazifismus zu bekämpfen. Sie habe Schöneich und Outböe trotz ihres Auftretens wieder in der Partei geduldet. Das unter Mitleitung des Ministers Koch stehende Danner Schwarz-Rot» Gold habe Basch in seiner provokatorischen Redl geschützt und zum Schluß begeistert die Internationale mit am gestimmt. Die Dölkerbundsagitation innerhalb der Partei habe Formen angenommen, die vom außenpolitischen Standpunkt aus unbegreiflich seien. Jede Tagung der Parteiinstanz fei ausgefüllt gewesen mit Verhandlungen über unerhörte Ang risse gegen Geßler und feine Amtsführung. Das fei Pazifismus in Reinkultur gewesen. In der Wirtschaftspolitik sei die äußere Einigkeit eine leere Form gewesen und Herr Minister Koch werde am besten wissen, wie einig die Partei in der Frage der Schutzzölle gewesen und noch sei. Der Dries schließt damit, daß eine solche Politik der Mitte viel richtiger als eine Politik der Halbheiten zu bezeichnen fei. Regierungspräsident Dr. Hagemei st er in Mrnden ist aus der Deutschen Demokratischen Partei ausgetreten und hat sich der Deutschen Dolkspartei angeschlofsen. Deutschlands Finanzlage. (Sune Rede des Reichsfilkanzmiuisters. Hamburg, 28. Ott. (TU.) Reichsfinanz» Minister Dr. Luther betonte in einem Vortrag vor dem Ueberfetttub, daß das Londoner Abkommen, fo sehr es einen Fortschritt gegenüber ter Willkürlichkeit beä Versailler Vertrags bedeute, immer noch eine unendlich schwere Last für daS deutsche Voll t>arfte[le. In Versailles habe man fest gestellt, was Deutschland zahlen soll, in London auf der Grundlage des Dawes-Planes habe man feftfl eilen wollen, was Deutschland zahlen kann. Eine Reihe Fragen feien allerdings überhaupt nicht behandell worden, z. D. nicht die Frage der Endsumme und der Wiedergut- schriften auf Reparalionskvnto. Einos möchte ich mit voller Bestimmtheit betonen, daß Deutschland sich auf feinen Fall zu der verlangten Leistungsfähigteit entwickeln tonn, wenn es nicht in den freien Weltverkehr wieder mit eingespannt wird. Eine gelähmte deutsche Kraft kann die verlangten Leistungen keineswegs vollbringen. Der Mimst er kam bann auf die gegenwärtige inner w irtschaft liche Lage zu sprechen. Zunächst ist sich die Regierung darüber klar geworden, daß wir Auslandkredite brauchen. Die Vorstellung jedoch, daß uns die 8Ov-Million?n-An- leihe diese Kredite bringen soll, ist eben ft verbreitet wie falsch. Trotzdem darf man bV vall- tische Bedeutung biefer Anleihe keineslvegs verkennen, die mit ihrer großen Ueberzeichnung ein offenkundiger Beweis dafür ist, daß d«c S im- mung gegen Deutschland sich wesentlich gebc'izd hat. Selbst verständlich kann jetzt b’e Reichs bank nicht Kredite in der gleichen Höbe der Anle-H- gewähren. Wir folften kerne Kvr^tte aus Dem Ausland aufnehmen, die ntche unmittelbar ftroäuttioiwi *Jn untere Wirtschaft nach öte frische Lust des freien W e t t b e tpe rbs hinein. Wir kommen nicht anders dmrch, wenn nicht überall die wirtschaftlichen Gesetze ihre Geltung haben. Dazu gehört in der Lage, in der wir uns augenblicklich befinden, der völlig freie Wettbewerb. Rückgabe von Regiezechen. Gelsenkirchen, 28. Oft. (Priv.-Tel > Die gesamten ÄnKigen des Kotereibetriebes auf der Zeche Rheinelbe, die der Gel'enlirchener Dergwerts-A.-G. gehörten, sind gestern von der französischen Verwaltung geräumt und dem deutschen Eigentümer zurückgegeben worden. Für heute oder morgen erwartet man die Aeber- yabe der drei noch von den Franzosen und Belgiern betriebenen Zechen. Bayern zum „Consul"-Prozeß. München, 28. Oft. (LU.) Dvn amtlicher Seite wird der „Telegraphen-Union" mitgeteilt: Für die Hauptverhandlung, die in der vorigen Woche vor dein Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik stattfand, ist nach Pressemitteilungen die Berufung der Mitglieder in Äner Weise erfolgt, die mit dem Abkommen zwischen der bayerischen Regierund und der Reichsregie runZ über die Bildung des süddeutschen Senats des Staatsgerichtshoses nicht vereinbar zu sein scheint. Die bayerische Regierung hat unverzüglich die erforderlichen Schritte bei der Reichsregierung unternommen. Hitlers Staatszugehörigkeil. Wien, 27. Oft. (TU.) Auf eine Anfrage der Groh deutschen Dolkspartei über die Staatszuge- hörigkeit Hitlers antwortete der österreichische Bundeskanzler, dah die bayerische Regierung die Absicht geäuhert habe, Hitler aus Bayern nach Oesterreich abzuschieben und dah diese Absicht von der österreichischen Regierung nicht ohne weiteres akzeptiert werden forme. Seine Staatsangehörigkeit sei nicht geklärt. Polittsche müsse er wohl als Bayer angesehen werden, weil er sich in hervorragender Weife in Bayern politisch betätigt habe und solche Eingriffe in das politische Staats leben Bayerns gemacht habe, dah die bayerische Regierung ihn wohl als Staatsangehörigen betrachten müsse. Rach dieser Mitteilung Seipels ist anzunehmen, dah der Uebertrttt Hilters auf österreichisches Gebiet nicht gestattet wird. Blutiger Znsammanstoß in Striegau. Berlin. 27. Oft. Der „Derl. Lok lan z." meldet aus Striegau: Zu Zusammen stö hen zwischen S t ci h l h e l m l e ut e n und Mitgliedern des Reichsbanners kam es am Sonntag in Striegau. Auf beiden S.i ei sind Schweiversetzte festgestellt worden Die Polizei nahm Bei. Haftung en vor. Der Zusammen stoh ereignete sich nach einer Vers ammlung des Stahlhelms. Als sich der Zug über den Markt bewegte, wurde er von Reichsbannerleuten beschossen. I ------— Rußland leugnet weiter. Eine zweite russische Note zum Konflikt mit England. London, 28.Oft. (TU.) Der russische Geschäftsträger in London, Rakvwsfi, hat gestern im Auswärtigen Amt eine zweite ^Protestnote übergeben. Die Sowjetregierung »Wäre für die Handlungen der kommunistischen '3ntemationale nicht verantwortlich. Die Sowjet- ^regicrung wäre in der Lage, kategorisch zu erklären, dah der angebliche Brief der kommunistischen internationale, der als Grundlage der englischen Rote dient, eine unverschämte Fälschung darstelle, deren Zweck es sei, den englisch-russischen Derttag unmöglich zu machen und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ruhland und England zu zerstören. In anbetracht dieser Fälschung einer offiziellen Urkunde werde die ©otpjetregierung auf einer entsprechender Entschädigung sowie Bestrafung der Privatpersonen und der Beamten bestehen, die an der Fälschung beteiligt wären. Rakowsky schlägt die Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts zur Klärung des Tatbestandes vor. Das englische Auswärtige Amt steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dah der Brief e ch t sei, doch hat sich Macdonald in einer Rede in Cardiff in dieser Beziehung mit einem Vorbehalt ausgesprochen und seine Aeuherungen über die Echtheit des Briefes klingen nicht absolut überzeugend. Er müsse aber, ehe das Gegenteil bewiesen ist, an dem ihm zur Der.ügung stehenden Deweismaterial fest halten, zumal, da er nicht ferne . eigenen Beamten tm Auswärtigen Amt opfern und sie zum Sündenbock erküren kann. Auch Lloyd George hat sich in einer gestrigen Rede wiederholt mit dem Brief beschäftigt. Er Der trat den Standpunkt, dah es sich um ein echtes Dokument handle und dah die Svw'etregierung bereits früher einwandfreie Beweise, die gegen sie sprachen, einfach abgeleugnet habe. Frankreich erkennt Rußland an. Paris, 28. Oft. (TU.) Wie „Journal" heute morgen mitteilt, soll die Entscheidung der französischen Regierung übrr die de jure Anerkennung noch heute der russischen Regierung und der Reichsregierung scheinlich, so meint das Blatt, da>h die französische Regierung Her bette nach Moskau als Vertreter entsenden wird. Der offizielle Vertreter Ruhlands, Rakvwsfi, der sich gegenwärtig an der Spitze der russischen Handelsdelegation in London befindet, hat in Frankreich studiert und gilt deshalb als genauer Kenner der französischen Verhältnisse Gegen die Zarenkandidatur Kyrills. Paris, 27. Oktober. (WTD. Funkspruch) „Temps veröffentlicht einen Brief der Kaiserin-Witwe Maria von Rußland, in dem sie sich zunächst gegen den Grvhf'ür- sten Kyrill, der sich vor kurzem in Kvburg zum Zaren aller Reuhen erklärt hat, wendet Sie gibt der Befürchtung Ausdruck, dah hierdurch eine Spaltung eingetreten sei und die öagr der in der Verbannung lebenden Russen sich verschlechtere. Auch Grvhsürst Ricola i Aicolaijewitsch, ber diesen Brief der Zeitung übermittelte, spricht sich gegen den Grohsürsten Kyrill aus. Die revolutionäre Bewegung in Indien. Englische Sicherheitsmaßnahmen. K a I f u 11 a, 28. Oft. (TA.) Englische Truppen sind gestern krtegsgrrüstet durch den indischen Stadtteil von Kalkutta marschiert. Panzerwagen durchfuhren die (Straften. Es galt, die Anruhen zu beschwichtigen, die durchs die Verhaftung einer groben Ai^ahl von Revolutionären entftanben sind. Die Bevölkerung hat die Maßnahmen äufter* lich ruhig ausgenommen. Eine Meldung der Uni» ted Pveh besagt, dah eine starke .Unter» ftrömung von Unzufriedenheit vorhanden wäre, die auch vorgestern bei den Massenversammlungen in Kalkutta zum Ausdruck kam. In den Versammlungen wurden schärfste Protestresolutionen gegen das Vorgehen der Regierung angenommen. Der nächste Samstag wird als Trauertag in der ganzen Provinz Bengalen begangen werden. Der gestrige Tag war ein Festtag der Hindus und es ist daher schwierig, ein zutreffendes Bild von der Stimmung der Bevölkerung 8u_ erhalten. In europäischen Kreisen ist man über den Ernst der reoolut nnären Bewegung in Indien überrascht. Der Führer der Amb.)ängigkeis- bewegung in Indien yat sich gestern nach Kalkutta begeben. Er verurteilt das Vorgehen der Regierung in Bengalen, das er als Angriff auf das politische Leben in Indien und besonders gegen die Unabhängigkeitsbewegung bezeichnet. Die Mossulsrage vor dem Völkerbund. Brüssel, 27. Oft. (Havas.) Der Dölfer- bundsrat ist hier unter Leitung Hymans zur Erörterung der Mossulftage zusammengetteten. Lord P a r m o v r als Vertreter Englands er- Härte, es handle sich keineswegs um die Feststellung der Grenze zwischen Irak und der Türkei, d. h. um die Regelung des Schicksals von Mossul und seines Dilajets, sondern einzig und allein um die Aufrechterhaltung der Lage, die der Friedensvertrag von Lausanne in der Gegend festgelcgt habe, durch die die neue Grenzlinie gehen würde. Die vom Völkerbundsrat eingesetzte Kommission für die Regelung der Mossul- angelegenheit könne ihre Mission nicht erfüllen, weim eine andere Lage geschaffen würde als die, die im Jahre 1923 bestanden habe, zu welchem Zeitpunkt sich die beiden Parteien bereit erklärt hätten, die genannte Frage dem Völkerbundsrat zu unterbreiten. Fethi Bey, der Vertreter Angoras, erklärte, in Lausanne sei von den beiden Regierungen keine andere Verpflichtung übernommen woroeu, als dab 'das Schicksal des Dilajets von Mossul Vorbehalten bleibe. Infolgedessen habe die türkische Regierung das Recht, ihre Souveränität über die benachbarten Gebiete auszuüben, die ihr gehörten. Der Völkerbundsrat hat alsdann beschlossen, dah der schwedische Ministerpräsident Dran- ting die beiden Thesen prüfen und Sachverständige anhoren soll, um dem Plenum die Möglichkeit einer Entscheidung zu geben. Die Lage in China. Peking, 27. Oft. ($11.) Der Staatsstreich vom Donnerstag hat noch keine Klärung geschaffen, wie man ursprünglich erwartete. Wubei- fu gewinnt an Boden. Er ist am 26. zu einem Besuch in Tientsin eingetroffm. Daraus ergibt sich, daß General Fengyuahsiang wohl Peking aber nicht Tientsin beherrtcht und dah Wupeifu die Verbindung nach dem Süden offen steht. Er steht auch in telegraphischem Verkehr mit den ihm freundlich gesinnten Provinzen und er soll in der Lage sein, seine Anhänger außerhalb der Zerckralprovinzen zusammenzubringen. Er richtete an das diplomatische Kov-s eine Erklärung, in der Fengyuahsiang als Verräter bezeichnet wird. Er tellte weiter mit, dah er eine Armee von 100 000 Mann zusammenbringen werde, um Fengyuahsiang zu beseitigen und die Ordnung wiederherzustellen. Wupeifu hat einen Teil der Eisenbahn nach Peking im Besitz. Feng soll seine 40000 Mann aus Peking zurückgezogen haben. In Peking ist eine Bewegung im Gange, die Tu an T s ch i I u i zum Präsidenten ausrufen wlll. T s ch a n g T s v Lin hat sich noch nicht entschlossen, Peking zu besuchen. Er fordert die Ausweisung Wu P e i Fus und soll die Führer von Tschili nach Mulden zu einer Besprechung eingefaben haben. Wellington Koo, der Minister für auswärtige Angelegenheiten und frühere Premierminister, soll von den Truppen des Generals Feng OJu Hsiang verhaftet worden fein. Aus aller Welt. Weitere amerikanische Ehrungen für Dr. Eckener. Reuhork, 28. Oft. (TA.) Anlählich des 25jäfjrigen Stiftungsfestes der Vereinigten deutschen Gesellschaften Reuyorks hatten sich mehr als 5000 Amerikaner deutscher Abstammung im großen Dcillsaal des Waldorf-Astoria-Hotels versammelt. Die Feier gipfelte in einer groben Ehrung für Dr. Eckener und die gesamte Besatzung des Z. R. III. Offizielle Vertreter der Stadt hielten Ansprachen, in denen sie das deutsche Luftschiff und seine Mannschaft feierten. Nachdem dann Dr. Eckener einen Vortrag über den Verlauf der Ozeanfahrt gehalten hatte, wurde unter allgemeinem Beifall eine Resolution angenommen, in der Präsident Coolidge gebeten wird, den Einfluh der Vereinigten Staaten auszuüben, um die Zerstörung der Zeppelin- werftin Friedrichshafen zu verhindern. In der Resolution wird daraus vermiesen, dah hervorragende amerikanische Luftfahrtofsiziere ertlärt haben, eine Zerstörung ber Friedrichshafener Werke würde den Fortschritt in der Luftschifffahrt um 50 Jahre zurückwerfen. Wiedereröffnung des deutschen Archäologischen Instituts in Nom. Rom, 27. Oft. (WTD.) Das deutsche archäologische Institut in Rom, welches durch den Krieg fein altes Heim auf dem Kapitol verloren hatte, hat nun im evangelischen Gemeindehaus ein An- terfommen gefunden. Am 30. Oktober findet eine interne deutsche Eröffnungsfeier statt. 2lb 3. Ro° vemver wtro Die veruymie Bibiwryer Den Studierenden wieder zugänglich fein und am 9. Dezember, dem Geburtstage Kinckelmanns, wird die erste feierliche Sitzung mit internationalem Charakter stattfinden. Tödlicher Absturz Münchener Dergststeiger. München, 27.Oft. (TA.) In den bayrischen Bergen auf den Ruchenköpfen ist der bekannte Münchener Bergsteiger Gartz und fein Begleiter namens Cohen gestern abend abgestürzt. Die Leichen sind bereits geborgen. Aus Spielerei zum Mörder. In München setzte ein Handlungsreisender der Tochter seiner Wirtsleute, der 23jährigen Verkäuferin Erna Fischer, eine eben gekaufte Pistole auf die Brust und drückte, in der Meinung, dah sie nicht geladen sei, ab. Das Mädchen wurde durch den Schuh sofort getötet. Bergmannstod. Aus ber Zeche Arenbeck bei Gladbeck wurden drei Bergleute von herabfallenden Gesteinsmassen verschüttet. Zwei von ihnen konnten mit schweren Verletzungen noch lebend, der dritte nur als Leiche geborgen werden. Aus dem Dvaunkohlenschacht bei Elsnig wurden zwei Bergleute durch hereinbrechendeErd- massen begraben. Beide konnten nur als Leichen hervorgezogen werden. An verdorbenem Impfserum gestorben. Wien, 28. Oft. (T. A.) In dem Kinder- säuglingsheirn in Baden bei Wien erkrankten zwei Kinder an Diphtherie. Sechs andere im Alter von zwei Monaten^ bis zwei Jahren, die mit den Crttankten in Berührung gekommen waren., mürben vorsichtigerweise m i t einem Schutzserum geimpft. Das Serum war offenbar verdorben, denn innerhalb weniger Stunden sind a11e 6 Kinder gestorben. Die Erhebungen in der Angelegenheit sind im Gange. ' 21 Personen ertrunken. London, 28. Oft. (TA.) Reuter meldet aus Stockholm, dah der schwedische Dampfer F tz l g i a" der Svenska- Llohd- Li nie während eines schweren Sturmes bei Oe'-esund gesunken ist. Die Besatzung von 21 Mann ist ertrunken. Aus Stahl und Land. (Sieben den 28. OIL 1924. Zum Todestag Boelckes. (28. Oktober 1916.) Acht Jahre ist es her, als an einem trüben Herbsttage, am 2 8. Oft ob er 1916, die un- fahl che Kunde vom' Tode unseres Meister- f Lege bä Doelcke von Mund zu Mund eilte. Kurz nachdem er das 40. feindliche F ugzeug zur Strecke gebracht h.ttte und sich zu neuen Angriff anschickte, ereilte ihn durch einen tückischen An- glücksfall sein Geschick. Fliegerlos! Kein Feind konnte sich rühmen, ihn bezwungen zu haben. Flir- wahr, ein Heldentod im wahrsten Sinne des Wortes, ein erhobener Opfertod. In unvergleichlicher Heldengröhe steht Doelcke auch heute vor uns. Nichts vermag das strahlende Bild zu schmälern, das wir Deutschen alle von ihm im Herzen tragen Ansterblich ist unser Doelcke! Worin liegen nun aber die besondere Bedeutung und hervorragend-en Verdienste, die sich der junge Volks Held um unser Vaterland erworben hat? Richt bloh wegen der ganz neuen Angrtfss- tartck und Technik, die er damals in die Iagd- fL.egerei cingcfuljrt hat, feiern wir in besonderem Mähe sein Andenken, sondern vor allem,, weil er uns Deutschen und zumal unserer Jugend immer und immer wieder em unvergängliches Vorbild gegeben hat in allem und für alles, was Treue und Tüchtigkeit, Mut und Mannhaftigkeit heiht. In unsagbar schwerem Kampfe lagen im Sommer 1916 unsere tapferen Truppen an der Somme, unsere Flieger kämpften gegen eine gewaltige Aebermacht. Da wurden einige zum Symbol für alle. Euer war Oswald Boelcke. Er zwang durch die Macht seiner Persönlichkeit das Schicksal. Seine eiserne Pflichttreue, die ihm ste.s neue Kraft verliäh, machte den Jüngling frühzeitig zum festen Mann der Tat. Er führte die Seinen immer wieder durch finstere Täler auf lichte Höhen. Von neuem siegten wir im Banne dieses Führers. Aber trotz seiner einzig dastehenden Leistungen und aller ihm zuteil gewordenen Ehrungen ging Doelcke still und bescheiden feinen Weg und fand sein Herzensgenügen in dem Bewusstsein, für bas Vaterland seine Schuldigkeit getan zu haben. Wir haben deshalb gerade an seinem Todestage die Ehrenpflicht, ihm erneut zu danken für das, was er vollbrachte und für uns getan hat. Wie er uns ernst bei Lebzeiten führte, soll für uns und unsere Jugend ber Rame „Doelcke" ein leuchtendes Flammenzeichen auf dem weiteren Weg in eine glückliche Zukunft fein. Einpslanzen wollen wir in die Herzen unseres Nachwuchses sein siegreiches Kämpfen und sein ritterliches Sterben. Ohne ihn waren ein Manfred Frhr v. Richt- hofen und all die dielen anderen Flieger mit klangvollen Rainen nie möglich getreten. Sie eiferten ihm alsMeister cm Kühnheit und Können nach und nahmen in sich den Treuschwur auf, den Oberstleutnant Thomsen als Losung unserer einstigen kampsbewährten, ruhmreichen Fliegertruppe am offenen Grabe sprach und den wir heute erneuern wollen: „Ich will ein Doelcke werden!" Am 28. Oktober machen wir Halt und gedenken zugleich aller ber Helden der Lust, die für unsere Idee ihr ganzes, reiches Selbst dnhin- gegeben haben. Wir bekennen uns zu den Zielen, die ihnen vorschwebten, als sie in den Tod gingen, unb geloben: Sie sollen nicht umsonst gefallen sein! Das ist die Frucht, die unsere stolze Trauer an ihren Gräbern uns fragen must. Ansere Luftfahrt unb unsere Rhönerfolge fingen von neuem Werden und Hoffen. Ansere im letzten Jahre auf dem Flugfeld ber Ehre gebliebenen Kameraden: Etandfuß-Rhön, Linnekogel-Kassel, Kypke unb Rosenstirn-Magdeburg, v. Krohn-Colum- bien sowie Gnädig-Liegnitz sind Männer, die alle Verzagtheit und schwächliches Klagen bannten und uns ebenfalls in ihrem Heldentum zu neuem Sieg wiesen. Möge der Doelcke-Gedächtnistag mit dazu beitragen, den starken Fliegergeist kühnen, wagemutigen Kämpfens und selbstloser, unbedingter Aufopferung aller Kräfte für die Ehre. Macht und Gröhe unseres Vaterlandes wach zu halten bis zu dem Tag, an dem das uhd L-genrot mer besseren Zeit unsere efjemaltgj Flieger zusammenruft, um Deutschlands Lusffahr erneut zur Geltung zu bringen. Luftfahrt ist not! Trachten wir danach, dH deutsche Luftfahrt im Wettbewerb ber Döi» ber Menschheit neue Entwicklungsmöglichteit^. erschließt. Im Gedenken an die Pioniere deutel schen Flugwesens, die unserem unvergetzlichen Doelcke im Tode vvrangingen und ihm folgten, aber wollen wir bas Dichterwort erfüllen: „Begrabe deine Toten Tief in dein Herz hinein Sv werden sie drin leben, Lebend'ge Tote sein." Schreiber, Hauptmann a. D. Gießener Wochenmarktpreife am 28. Oktober 1924 (Händlerpreise). Es kosteten: Butter Pfund 200—210 Pf., Matte 75, Käse 75, Eier Stück 18, Wirsing Pfb. 8. Weißkraut 5, Rotkraut 9—10, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 40, RömiscAohl 8, Bohnen 30, Blumenkohl Stück 30—150, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 8, Anter-Kohlrabi Pfb. 5, Grünkohl 15, Rosenkohl 60, Feldsalat 40. Tomaten 70, Zwiebeln 12—15, Lauch Stück 5—15, Rettich 10, Meerrettich Pfb. 30—40, Sellerie Stück 5—30. Schwarzwurzeln Pfb. 60, Kartoffeln 5, Aepfrl 7—20, Birnen 6—15, Gänse 100, Rüsse 60 Pf. * Wettervoraussage. Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, geringe Riederschläge. ® ** Gietzen in der Desvldungs- klasse A. Bei der Reufestsetzung des Ortszuschlags für die Deamtenbefvldung wurde zugleich eine Reueinteilung der Klassen vorgenommen. Dabei wurde unsere Stadt in Klaffe A eingeorbnet. Nach der jetzigen Regelung ist Gießen, das brs- her in Klasse B war, mit Darmstadt und Offenbach gleichgestellt. Die Besetzung der Straßenbahnwagen. Don der Direktion der Städtischen Straßenbahn wird uns geschrieben: Die schon vor der Einstellung des Strahenbahnbetrie- bes sehr oft als lästig empfundene Angewohnheit der Fahrgäste, auf der vorderen Plattform des Straßenbahnwagens stehen zu bleiben, hat sich jetzt wiederum in erhöhtem Maße gezeigt. Es kann sehr oft beobachtet werden, daß Wagen fahren, die int Wageninnern und auf der Hinteren Plattform vollständig unbesetzt sind, während die vordere Plattform vollbesetzt ist. Dieser Mißstand hat einmal zur Folge, daß das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste zum und vom Wageninnern außerordentlich erschwert wird, und außerdem wird dem Wagenführer die zur Ausübung feiner Handgriffe unbedingt erforderliche Bewegungs- sreiheit unterbunden. Es muß erwartet werden, daß die Ansammlungen auf der vorderen Plattform auf Grund dieses Hinweises verschwinden, da andernfalls die Maßnahme spruchreif würde, den Aufenthalt auf der vorderen Plattform während der Fahrt überhaupt zu unterlagen. Das diese Maßnahme gegebenenfalls durchgeführt würde, muß im Hinblick auf die außerordentlich zahlreichen Straßenbahnunfälle der letzten Zeit in anderen Städten gefordert werden, da ein Wagenführer, wenn er behindert ist, in Gefahrfällen naturgemäß nicht so sicher handeln kann, all wenn chm die volle Bewegungsfreiheit gewährleistet ist. ** Flugtag-Ausklang. Als Zeichen ihres Dankes für die sehr gute Aufnahme, die frte in unserer Stabt gefunden haben, veranstalteten die Hessenslieger gestern nachmittag noch mehrere hochinteressante Kunstflüge, die wieder einen außerordentlich starten Eindruck auf das zahlreich anwesende Publikum machten. Den wackeren Fliegern wurde auch gestern erneut unb mit Recht begeistert zugejubell. Leider brachte der Tag am Ende noch ein kleines Malheur, das durch einen Diebstahl verursacht wurde. Von den Fähnchen, die den Startplatz abgrenzten, waren einige am Flutgraben bei dem großen Gedränge entwendet worben, anscheinend wohl von Kindern. Als nun ein Flugzeug vom letzten Flug des Tages tarn, konnte der Führer beim Landen mangels der Grenzfähnchen das Ende des Startplatzes nicht schen und fuhr, glücllicher- weise in ganz langsamem Tempo (da der Motor im letzten Auslaufen war) in den flachen Graben. Hierbei brach ber Propeller zur Hälfte ab, im übrigen blieb das Flugzeug unversehrt, ebenso der Insasse. Hilfsbereite Männer waren sofort zur Stelle und brachten den großen Vogel wieder auf die glatte Dahn. Daß der Vorfall allgemein nur als eine Folge des Fähnchen diebstahls angesehen wurde, konnte man im Publikum von allen Seiten hören. Das Vertrauen zu unseren Hoffen- fHegern hat dadurch jedenfalls keine Einbuße erlitten. ** ©rünbung eines Hessischen Sängerbundes. Eine große Versammlung, die am Sonntag im Städtischen Saalbau in Darmstadt ftattfanb, zu der viele Männergesangvereine aus allen Teilen Hessens Vertreter entsandt hatten, gründete einen Hessischen Sängerbund. Dieser wird dem allgemeinen Deutschen Sängerbund angeschlossen, der in diesem Jahre in Hannover seine große Tagung abhielt, wo alle deutschen Stämme vertreten waren, außer Hessen Der neugegründete „Hessische Sängerbund" ist die an Vereinen unb Mitgliebern stärkste Bereinigung von ®efangneretnea in Hessen. DieGrün- dungsversammlling wurde von Oberregierungs- rat Dr. Siege rt geleitet. Als Ehrengäste wohnten der Gründungsfeier u. a. bei: der Minister des Innern v. Brentano, Generalmusikdirektor Dakling, der Leiter der Oper des Landes- theaters, sowie Musikdirektor W. Schmidt, der Leiter ber Etädt. Akademie für Tonkunst. Der Deutsche Sängerbund war durch Amtsrat Schlicht-Berlin vertreten. Der Gründungsakt bestand in einer akademischen Feier, die mehrere Liedervorträge von Gesangvereinen brachte. Ober- rsgierungsrat Dr. Siegert wurde zum ersten, Dr. Roon- Mainz zum zweiten unb Musikdirektor Müller- Friedberg zum dritten Vorsitzenden des Hessischen Sängerbundes gewählt: Schriftführer wurden die Herren Treu sch und Häuf, Schatzmeister Herr Bitter. ** Die Stadtkasse Gießen gibt im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes die 2kb- gaben bekannt, die bis zum 8. November bezahlt sein müssen. Wer bis dahin nicht berappt hat, muß mit unangenehmem Besuch rechnen. ken Kimen, nur m ir, ntilbe, D ernte langem gen yuuven Vrxtz tmro eS wohl ein kleiner Tto- torbefeft gewesen sein. Nach ungefähr einer Stunde verliehen uns die seltenen Gäste, einige Schleifen fliegend, wieder. Die Propaganda, obwohl ungewollt, war für den Gießener Slugtag eine glänzende. Man formte es am Nach- mittagszuge bemerken. «Die Notlandung erfolgte, wie wir aus eigener Kenntnis der Dinge bemer- Ätz ldung-. deS Ortt. de zugleich Men. Da, :nfltothnet. - bag 6tf. 1 Ofsenbich Kreis Scholten. Freienseen. 27. Ott. Die Buchelu - tft in diesem Jahre so ergiebig, wie seit nicht. Das Sammeln ist indessen nur „ ll erschwerten Orienlierungsmöglichkeit. Dah die Maschine vollkommen in Orbnung war, hat ihr Führer nachmittags durch seine glänzenden Leistungen bewiesen. D. Red.) traben, der Ötäbti» ben: $ie rahnbetrie. üngetvohw Plattsorn eiben, ha! gezeigt. 6i Sagen sah. ?r Hinteren ährend die Mihstand und Auj. agenlnnem auherdrm bung (einet Jüocgungg. tet werden, eren Platt- rschwinden, hreis würde, tfom väh- agen. Das lurchgesühv ife eile). -210 P, ]■ ^vien i' d'Psd. 5 d. Aeiiih ), 2epi1 : 60 Gröhe der Anlage, tue im Jahre iz3c der Ober» salzgvüfe Waiy von Eschen zu Salineuzweckeu schuf. Ausgefifcht wurde der große Deich zum letzten Male vor 30 Jahren. ' Friedberg. 27. Oft. Auf Ginladung der hiesigen Militärvereine bat sich unter dem Dorsitz des Bürgermeisters Dr Se tz d und des Oberst a. D Soldan ein vorbereitender Aus - f ch u h gebildet mit dem Zweck, de i im Weltkrieg Gefallenen und an ihren Vecwaa- düngen später verstorbenen unserer Stadl da Ehrenmal zu setzen. Don der Bürgerschaft erwartet man Geldspenden für das edle Werk. Mit Genehmigung deS Kivisamtes finden daher im Monat November Haussammlungen statt. auf einzelne Distrikte beschrankt. -+- EichelSdors, 27. Olt. Der Schäfer Heinrich Link steht jetzt 50 3obre ununterbrochen im Dienst der hiesigen Gemeinde. Der nun 77jährige, dem die frische Berglust die Runzeln des Alters aus dem Gesicht strich und Körper und Geist erstaunlich jung erhielt, wal'et noch jetzt mit g e chbieide i^er Um- sicht und Sorgfalt seines Amtes. Wind und Wetter und der Last der Jahre mit der füllen Heiterkeit des abgehärteten Naturmenschen trotzend. lg. Gedern. 27. Oft. 3n der vergangenen Nacht brannte die Scheuer deS Landsvirts < ?gler mit sämUichen Getreidevorräten nieder. Auch fiel der Dachstuhl eines Nachbarhauses dem verheerenden Element zum Opfer. Deut schnellen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr gelang es. das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist beträchtlich, lieber die Ent- stehungsursache ist nichts bekannt. Kreis Lauterbach • Lauterbach, 27. Oft. Nach der Per» fonenstcuidSaufnahme vom 10. Oft beträgt die Einwohnerzahl unserer Stadt 4718 Per» fönen. 3m 3ahre 1919 waren eS 4400Personen. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt. 26. Oft. (Eig. Bericht.) 3n der Kirche $u Güttersbach sind an bat Wänden und hn Ehorgewölbe Malereien entdeckt worden, die etwa auS der Zeit kurz vor der Reformation (1517) stammen. Sie sind erst zum Teil frei gelegt. Dem Fund kommt eine besondere Bedeutung zu. Hessen-Nassau. spd. Frankfurt c. M., 27. Oft. Aus dem Sportplatz am Riederwald erschienen am Sonntag, während der Fußballverein „Eint rach t" gegen den Verein für Rasensport spielte, eine starke Abordnung der städtischen Steuerzahlstelle und beschlagnahmte die gefamten Glnnahmegelder wegen rückständiger Steuern in Höhe von 20 000 Mark. Der Verein hatte wegen der angeforderten Summe aber schon den Verwaltungsweg beschritten und im Falle eines Unterliegens der Stadt die Zahlung der strittigen und rückständigen Summe zugesagt. Die glatte Pfändung der gesamten Einnahmen erregte natürlich bei den Besuchern lebhaftes Aussehen. * Born Versorgungsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Die den Offizieren inb Beamten der früheren Wehrmacht und den Hinterbliebenen für den Monat November zu- stehenden Ruhegehalts- asw. Bezüge werden am 29. d. MtS.. vorm 10 bis 1 Uhr voll ausgezahlt. Der DünSberg-Derein veranstaltet am nächsten Sonntag auf dem DünSberg eine Srirmerungsfeier, zu der er im Anzeigenteil unseres Blattes einlädt. •• Die französische Eisenbahn» regte gibt bekannt, daß sie zwecks Erleichterung und Vereinfachung der Liquidation der Abrechnung in den Bahnhöfen, die am 16. November stattfindet, ab 28. Oktober keine mit Dar- vorschüssen oder Nachnahme belasteten Sendungen mehr annehmen wird. Bornotizen. — TageSkalender für Dienstag. Stadttheater. 7V, Uhr: ^Kreuzfeuer". — Runk^ funkhaus Löberstrqße, 8V2 Uhr: Kammerkunstabend. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: .Auferstehung". — Hess Bilder bühne. .Wüstenrausch". — Aus dem 6 t ab 11 b e a t e r b u r c a u wird unS geschrieben: Da der Zug. den die Frankfurter Operettengäste benutzen müssen, etwas später gelegt worden ist, so kann auch der Beginn der Operettenvorstellungen später, auf 63/4 Uhr, gelegt werden. Um nicht zu vielerlei Anfangszeiten zu schaffen, werden in Zukunft alle Vorstellungen, bie bisher um 6V2 Uhr begonnen haben, um 63/i Uhr anfangen. Es dürfte dies keinerlei Unzuträg- lichkeiden haben, da bie auswärtigen Besucher unseres SbadttHeaters, denen der Fahrplan überhaupt eine Rückfahrt ermöglicht, in allen Fällen den Vorstellungen bis zum Schluß beiwohnen fönnen. — 3n der Vorstellung von .Polenblut" am kommenden Donnerstag, die also 63/i Uhr beginnt, fingen als Gäste vom Frankfurter Opernhaus Herr Riedel und Frau Wellig- Dertram. — Literarische Gesellschaft. Man schreibt uns: Wie bereits angekündigt, wird Dr. Herbert Eulen berg, der bekannt ' Dichter, am Donnerstag, 30. Okt)ber, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität aus seinen Werken lesen. Aulenberg ist (ein Führer einer literarischen Epoche, sein Schaffen aber ist vm gesunder Wirklichkeit erfüllt, er gibt sich seine eignen künstlerischen Gliche, er führt Gestalten vor, in denen alle Mit lebenden sich erkennen, vor allem zeigt er bei voller Anschaulichkeit der Motive weite Horizonte der Schönheit auf. Man darf mit berechtigter Spannung seinen Vortrag erwarten. Bei dieser Gelegenheit werden alle Freunde der Literarischen Gesellschaft gebeten, um dem Boten bie vielfach vergeblichen Gänge zu ersparen, ihre Abonnementsscheine umgehend an den Vorstand (Deutsches Seminar, Ludwig- f,rabe) gelangen zu lassen. Landkreis Gießen. -.- Watzenborn-Steinberg, 26. Oft. Unferm Dorfe wurde heute, Sonntag, morgen eine seltene und deshalb um so liebere Freude gemacht. Einer der In Gießen nachmittags fliegenden Hessenflieger landet e auf den Wiesen vor dem Dorfe. Eine beträchtliche Menge Schaulustiger sammelte sich um den stäh- lernen Vogel. Die Ursache der Landung erfuhr man nicht, da die beiden 3nsassen sich m Schwei- t Grünberg, 25. Oft. Sitzung des Gemeinderats. Gemeinderatsmitgl. Schm i b t II. hatte gemäß dem früheren Gemeinderatsbeschluß den Gemeinderat zu einer Sitzung mit der Tagesordnung „Deigeordnetensrage" eingeladen. Unter dem Vorsitz des an Lebensjahren ältesten Gemeinderatsmilglieds Schäfer beschloß der Gemeinderat, daß Gemeinderat Schmidt II. fernerhin die Verhandlungen bezügl. der Deige- orbnetenfrage mit dem Kreisamt führen soll. — Weiter nahm der Gemeinderat Kenntnis von einem Schreiben des Kreisamts Gießen vom 21. Oktober 1924, worin mitgeteilt wird, dah Bürgermeister Ranft unter dem 11. Oktober dem KreiSamt mitgeteilt habe, er lege sein A m 1 am 1. November d. 3. wegen Krankheit nieder, und daß dieser Antrag nach Artikel 87 der Landgemeindeordnung als begründet angesehen worden sei. — Der Bürgerverein hielt heute abend in der Gastwirtschaft Hoffmann eine Versammlung ab. Der Vorsitzende Schweisguth verlas ein Schreiben der Eisenbahnverwaltung, wonach der Theaterzug ab Gießen 10.45 Uhr abends nicht eingelegt werden kann, auch könnten keine fahrplanmäßigen Aenderungen der beiden Züge, die um 652 und 7.38 Uhr in Gießen abgehen, eintreten. Die Verwaltung begründet diese Ablehnung damit, daß der Theaterzug sich nicht rentiere, der Nachtdienst zu kostspielig sei und im 3ntereffe der Reisenden die Abgangszeit der beiden anderen Züge nicht geändert werden könne. Die Verwaltung gibt aber der Hoffnung Ausdruck, daß bei Neuaufstellung des 3ahres- fahrplanes die geäußerten Wünsche der Stadt in Erwägung gezogen werden körutten. Don Herrn Schmidt II. wurde dann die Frage gestellt, ob bet Bürgerverei n für einen Berufs - oder einen ehrenamtlichen Bürgermeister sei. Diese Frage sei für dis anwesenden Gemeinderatsmitglieber von großer Te'eu ung. Nach verschiedenen Acuherungsn t»n Mi g/c- dem ergriff der zufällig antoe e.rbe Dürgermeister Stauf aus Bad Lauterberg das Wort u d erläuterte die Vorteile und Nachte le eines De- vufsbürgeimeisters und die eines ehrenamtlichen Bürgermeisters. Man kam zu dem Sch uß, dvs Kreisamt zu befragen, wie lange bie Wthlzrft, wie hrch bas Gehalt und die Pension ei es De- rufsbürgermeisters gegenüber einem ehrenamtlichen Bürgermeister fein werde und nach Erhalt dieses Bescheids endgültig Stellung in der Dürgcrmeisterfrage zu nehmen. Ei c u-verbindliche Abstimmung ergab, bah sämtliche Anwe enden mit 2 Stimmenthaltungen für einen De - rufsbürgermeister waren. Ferner wurde beschlossen, vor der Hauptsitzung des Stadtrats in der Dürgermeisterfrage nochmals eine Dür- gervereinsversammlung einzuberufen, und dah bis zu dieser Zeit die verschiedenen Organisationen durch ihre '-Vorsitzenden ihre "Dünsche bezügl. der Düvgermeisterfvage bei dem Dürgervevein Vorbringen sollen. Kreis Friedberg. 6 Buhbach 27. Oft. Der rührigen Tättg- keit von Oberstleutnant a. D. Leßner ist eS zu danken, dav hinfere Stadt eine der eifrigsten Abteilungen der Deutschen Kolvnialgc- sellschaft besitzt. Keine zweite Stadt von der Große Duhbachs kann eine so starke Ortsgruppe ausweisen. Den Bemühungen des Vorsitzenden ist eS auch zu danken, baß hier allwintertich Dor- träge veranstaltet werben, wie sie sonst nur in größeren Eläbten ftattfinben ftjnncn. So spricht am kommenden Donnerstag abend hier Major a D. Dr. Detzner, der iü.bmlid>rt bekannte Erforscher 3nner-NeuguinsaS, der durch sein Buch »Vier Jahre unter Kannibalen" besonders bekannt geworden ist. Die seltene Gelegenheit, Dr. Deyner in einem interessanten S?id)tbiibcrvortrag hören zu können, wird auch aus der Umgcgenb manchen Kolonialfreund und Verehrer deutschen Helden- und Forscherlebens zum Besuche an- zichen. Am Mittwoch spricht Dr. Detzner bereits in Bad-Nauheim, wo eine Abteilung der Deutschen Kvlonialgesellschast auch von Oberstleutnant Lehner gegründet worden ist. s Duhbach, 27. Oft. Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen erhielten Ettmmen: Sozialdemokraten 595, Kommunisten 92, Zentrum 178, Liste Heil-3ouh (bürgerlich) 604, Neutrale Liste 232, Deutschnutienale Liste 235, Liste der Angestellten und Beamten 98. 21 Dad-Na uheim, 27. Oft. An dem Konkurrenzsingen des 7. Bezirks des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes, das an den beiden letzten Sonntagen im Kurhause stattfand, nahmen etwa 60 Vereine, darunter zahlreiche ober hessische, teil. Es wurden gute, zum Teil anerkennenswerte Leistungen In den einzelnen Klassen geboten. Als Preisrichter waren Herr Weigand und Da rtsch aus Frankfurt a. M. tätig. Das Ergebnis des Wettfingens wird den Vereinen schriftlich mitgeteilt. — Unfer Teich, der nun ein großes Schlammbecken darstellt, nachdem sein Wasser 13 Tage taug ununterbrochen zur Ufa abgelaufen ist, war gestern und heute das Ziel so ziemlich aller Nauheimer und auch zahlreicher De- wohner von Friedberg und Umgebung. Heute vollzog eine westfälische Groß ischerei den ange- kündigten Fischzug. Man hatte mit einer ©mte von 80 bis 100 Zentnern gerechnet. Schätzungsweise sind es aber nur 40 bis 50 Zentner, die man in großen Fässern barg. Hauptsächlich wurden Karpfen gefunden, darunter Tie e bis zu 15 Pfd. Gewicht. Auch einen Zander bekam man ins Netz, außerdem etwa 100 Aale. 3n größerer Zahl fanden sich Barsche und Karauschen unter der Deute. Die Fischerei benutzt viele der gefangenen Tiere für Zuchtzwecke, indem ste sie zum Laichen anderswo einseht. Das Fischen, das sich zum größten Teil vor dem Abflußkanal abspielte, nahm den ganzen Tag in Anspruch und bildete für die ständig wechselnden Zuschauer eine angenehme Unterhaltung. Schulllassrn benutz en bie passende Gelegenheit, um das interessante T(erleben des Teichrö an Ort und Stelle zu beobachten. 3m Frühjahr soll junge Drut in den großen Teich eingesetzt werden, man spricht von 20—30 000 Karpfen, Barschen und WeißBpfen. Der jetzt wafserloseTeich g bt einsnD gr.fs von der i erordenllich ten Zeit Ip 1 ein Da- tesahrsällep kann, all getvährlci- K.1*,,nt ttes Suchst lls Zeichen mhme, bk raiftalttiai Mag noch bk wieder 1 ,d auf das chlcn. Sct erneut und iber brachte i Mlheur, tpurbc. 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Beginn 12 Uhr, wozu wir unsere Mitglieder, alle Wander- vereine und freunde deS DunSberaeS herzlichst einlaben. Gemeinsamer Abmarsch 8 Uhr oon der Laimbrücke. Fahrgelegenheit nach Bieber 8.20 Uhr; Rück- fahrt ab Bieber Uhr._________8400V Bekanntmachung. Folgende Abgaben werden zur Zahlung mit Frist bis zum 8. November d. Z. gemahnt: Bekanntmachung. 3n unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Arn 27. Mai 1924 die Firma Friedrich & Rudolf Gödicke, Gießen. 3n Butzbach ist eine Zweigniederlassung errichtet. Gesellschafter sind Friedrich Paul Gödicke, Kaufmann in Gießen und Rudolf Werner Gödicke, Schlaffer in Gießen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. März 1924 begonnen. Arn 17. Oktober 1924 bei der Firma Gärtner & Weber, Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 24. Oktober 1924 a) die Firma Otto Winter, Gießen. 3nhaber ist der Kaufmann Otto Winter in Gießen. Der Otto Winter Ehefrau, Maria geb. Maaß zu Gießen ist Prokura erteilt; b) bezüglich der Firma Carl Ehr. Pfeiffer, Gießen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 25. Oktober 1924. 83928 Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. Es hat sich herausgestellt, dah die Fahrgäste mit Vorliebe die Plätze auf der vorderen Plattform der Straßenbahn einnehmen, was auf das Ein- und Aus- fteigen der übrigen Fahrgäste außerordentlich verkehrsstörend wirkt. Außerdem ist eine ileberfüttung der vorderen Plattform geeignet, den Führer in der Ausübung feiner Handgriffe zu behindern. Wir erwarten von der Derkehrsgewandtheit der Fahrgäste, daß es nur dieses Hinweises beöarf, da wir uns andernfalls gezwungen sehen würden, den Aufenthalt auf der vorderen Plattform während der Fahrt zu verbieten. Die Direktion der Straßenbahn __Stolte. ______8397D Mittwoch, den 29. OKI. 1924, vormittags 11 Uhr, soll am Güterbahnhof Giehen aufRechnung dessen, den es angeht, öffentlich meistbietend geg. Barzahlung versteigert werden ein Waggon Speise-Kartoffel Industrie, gelbfleischig. 02*408 Dern, Gerichtsv., Gießen, Steinstr. 13. lltflDgemseDßWeiDgrotadlg. Trierw M sucht für den dortig. Platz einen tüchtigen besteingeführten, fachkundigen Vertreter Verheirat. Herren mit best. Emvfehlungen wollen nch unter Angabe von Referenzen, mit ausführlichen Bewerbungsschreiben wenden an 8351ss ERhumbler&Co., Trier BeHfedern werden aui Wunsch in wenigen Stunden tadellos gereinigt. 024584 Mmi (Roon, KÄS Filiale LelterSweg 25, Telepb. 869. Holz-Vertreter. LcittunaöräbigeS Säge-, Spalt- und Hob Iwerk in Cberbahcrn sucht tlicht, der bei der Stonfumen« len'Kundschaft gut ein- geführt ist, für (Sieben u Umgegend gegen gu e Prooiston. Schristl. Angebote unter 83760 an den (Siebener Anzeige r______ Bekanntmachung. Beim Städtischen Volkskindergarten zu Gießen ist die Stelle einer geprüften Kinderpflegerin (Kindergärtnerin II. Kl.) zu besetzen. Die Anstellung erfolgt auf Grund Privatdienstvertrags. Vergütung gemäß Gruppe 3 der Reichsbesoldungsordnung. Bewerbungen find schriftlich unter Beifügung eines Lebenslaufes und von Zeug, nisabschriften bis zum 15. November 1924 beim Städtischen Wohlfahrtsamt einzureichen. Gießen, den 23. Oktober 1924. Der Oberbürgermeister (Wohlfahrtsamt). Dr. Freu. 8268c ttotolata in reichcrAuswahl. ßiwtriifitr ° Sortn'ßrptilition Nndenplatz 1. z------------ Handels-Schule „Hermes“ Gießen Bahnhofstraße 60. Bis 3. Novbr. noch täglich Aufnahme für dio neuen Kurse. X——F In [024149 Damenhüten biete ich große Auswahl aller Neuheiten 1924er itaL Hühner, ttnotljeu’ müblen liefert |M,id BellfiBelhol.Mergent- heltn 233. Matal, frei. zerlegbare Ställe, Merke: Tekhbon 840 f. Autofahrten. 7707D vornehmen Geschmacks bei billigster Berechnung F.Mandlei Gr. Steinweg 15 p. IKein Laden! Altes Blei (Bletröhrem kauft BrühlscheTruckerei •urD Schulstr. 7/L Statt Karten! Frankfurter Straße 85 Bahnhofstraße 5 Gießen, 28. Oktober 1924 8410V Lauterbach, den 25. Oktober 1924 CAFEAMEND Mittwoch, den 29. Oktober, abends 8 Uhr 5. Sonder-Konzert Gießen, den 27. Oktober 1924. gesucht. 024581 024578 S415c MA ÖMisen 7733a Geheimnis Wüstenrausch Bahnhofstraße 48. Haushalt, Schulen u. Ge- für 83980 Gegründet 1879. 8411c ein glänzendes Beiprogramm 1 Uhr 024586 Hess. Bilderbühne Hcnielstrake 6 ll. B Carl A. Hartmann Wäschefabrik, Aussteuergeschäft Eintritt frei! Eintritt frei! 8325V 8412V für tagsüber gesucht. Borzustellen 11 btS ist der große 6-Akter-Film betitelt, der im traumhaften Orient mit seiner heißen Sonnenglut und seinen maßlosen Leidenschaften spielt. Der Kampf Mensch gegen Mensch, Mensch gegen Tier kann kaum wirkungs- Für die beim Heimgang unserer heben Entschlafenen erwiesene Teilnahme sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Ulllllllllllllllllllllllllllllllll) Bess., kinderliebes Mädchen durchaus sauber u. zuverlässig, evtl, einfache Stütze bet gutem Lohn und guter Behandlung gesucht. Schrisil.Angebote unter 024597 an den Gies?. Anz. 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England wird in den Ring um Deutschland einbezogen. $03© 3u den entsch.idenden Ereigni sei der Dorgeschichte des Krieges, ouä öenea sich die Einkreisung Deutschlands mit einer geradezu mathematischen Gewißheit beweisen läßt, gehört die ^Aeise nach 'Rußland, die Poincaro als französischer Ministerpräsident and Außenminister in den ersten Augusttagen 1912 unmittelbar nach dem Zustandekommen der marinetechni chei Abmachungen zwischen Rußland und Frankreich, nach ^tersburg unternahm. Aus den neuen Iswolski-Dokumenten*) ergibt sich mit Deutlichkeit. wie die'e Rei'e auf das engste mit den militäris chen Abmachungen der verbündeten Lander zusammenhing Sei Gedanke dirier Reie entstand anlässlich verschiedener Mißverständnisse zwischen Pa. iS und Petersburg in aktuellen Fragen der Politik, und ihr Zweck war zunächst einmal eine rückhaltlose Auseinandersetzung zwischen dem sranzösischen Ministerpräsidenten und dein »u s.'chen Außen- Minister, wobei der erstere den letzteren zu seinem Standpunkt bekehren wollte. Als nun das Ereignis in den ersten Augusttagen wirklich eintveten sollte, wurde es mit einem recht erheblichen Lärm in «S^ene gesetzt. Marcel Huttn brachte am 3. August im „Gch) de Paris" einen Aus'atz, der die Behauptung ausstellte. Ruh- land habe in Anbetracht des Umstandes, daß Deutschland seine offensiven Linien an ber Oft* und Westgrenze txrftärft habe, sein Mobilisationszentrum vornehmlich nach Polen »legt „Es ist nicht unmöglich, bah infolge d.e'er ilmitänte eine au sgedehn ie re Umgestaltung der französisch - russischen Konvention als ununrgänglich ang sehen werde" Am 6. Aug. brachte dasselbe Blatt einen neuen Artikel, der folgende <^ätze enthielt: „Gegenstand der Reise des H Poincar^ nach St. Petersburg ist vermutlich die Stärkung des defensiven französisch.russischen Zusammenarbeitens als Balls der nationale t Politik beider Länder . . . Das Volk des britischer Sn'el- reiches muh die Lage verstehen, und die Regierung zeigt ihm den Weg, indem sie für vier oder fünf Ioch-rc die ^Karine an den ersten Platz ihrer Bemühungen stellt. In diesem Zeitraum muh England zur gemeinsamen De- fenfibe mit Frankreich und Ruhlan d bereit fein.“ Rur nebenbei sei darauf hingewie'en, daß im französischen Sprachgebrau h Kri gsrüstu gen deutscherseits als offensiv und solche der En entr als defensiv bezeichnet wurden. Schon damals wurde die Lüge von Deutschlands Schuld im Kerne propagiert Der äußere Re.laus ter Reise des Ministerpräsidenten läßt sich folgendermaßen zusammenstellen : Am 5 August erfolgte die Abfahrt vom Rördlichen Bahnhof in Paris. Dann ging die Fahrt über Dünkirchen und das Meer, also nicht über Deutschland, was zweifellos näher und bequemer gewesen wäre. Am 9. August, nachmittags 3 Uhr, erfolgte die Ankunft Poincares auf dem Kreuzer ,Cond6 in Kronstadt; er wurde vom russischen Marineminister und dem französischen Botschafter empfangen. Am 11 Aug war er zur Au d ie n z beim Zaren in Pe- terhos. Davan schloh sich ein Frühstück bei Äon kowtzow dem russischen Reichskanzler, an. zu dem als einziger Richtrusse oder Rrchtfranzose der englische Botschafter in Petersburg. Buchanan, zugcz gen war. Am 12. August fand eine große Truppenschau in Kiasnoje Selo statt. Am 13. August lehrte Poincarä wieder nach Petersburg zurück, um ich von dort aus für zwei Tcr.e nach Moskau zu begeben und am 16. August trat er von Kronstadt aus die Heimreise an Iswolski war die gang? Zeit über gleichfalls zugegen. Außerdem erzählen uns die ..Times", daß zu einem Frühtück bei dem russischen Ministerpräsidenten Kokowtzow auch der englische Botschafter Buchanan zugezogen tourbe. Hebei den Inhalt der gepflogenen Verhand- (ungen schweigen die Papiere Iswolskis ganz. Eine Schilderung aus der Feder Poincarc's verrät b zeichnenderweite au’n nich.s We entliches. Wohl- aber ersah.en wir aus einem ziemlich umfangreichen Bericht Sasa n o w s , des russischen Kiicgöministers, der zum Schluß für den Zaren •) „Der Diplomatische Schrif.w ch el Iswolskis 1911—1914". Aus den G hei matten der Rulll- schon Staatsarchive. Im Qäif.cigt des Deut'chen Auswärtigen Amtes in deutscher Uebertugrng herausgcg^.e: von Friedrich Stiere. D u f±e Derlagsgescllfchaft für Politik und Geschichte in Berlin. angefertigt wurde, rocht viel über den Gegen- stand der Besprechungen. Es ist äußert ledrr ich. die einzelnen Hauptpunk-e dieses Berichtes heraus- zugreisen. An der Spitze steht die sranzösifch- rufsifche Ma ri ne k o n vent i o n: .Zunächst haben wir eine unserer ersten Zusammenkünfte dazu benutzt, um uns g gc i- feilig unsere Befried gung über den Erfolg auszusprechen. den die kurztihen Unte.han. lun en zwischen den beiden Mnniralstabschefs geh bi haben. Der in Paris von den Adrnirolen Rudert und Fürst Lieven unte.zeich ete Entwurf zur Marinekonvention Hal die Allerhöchste Genehmigung gefunden, und ich bin alergnäbigst ermächtigt worden, meine Unterschrift darunter zu sehen. Da die vor 20 Iahrer. zwischen Rußland und Frankreich abgeschlossene Militärkonventivn seinerzeit durch einen besonderen Notenaustausch ratifiziert tooröen ist, wurde in Uebereinstimmung mit H Pomcarö beschlossen, auch diesmal dasselbe Verfahre i bei der Marinekonvention aiizuwen en. Dementsprechend hat am 2. unb - 3 August zwischen Poiruaro und mir ein Schriftw«hiel stattgefunden. der die Erklärung beider Parteien enthalt, daß sie sich durch die Marinekonvention für gebunden erachten." Der zweite Punkt in Sasonows Rapport trägt die Uebcrschrist: .,S 11 ateg i f eße BerkehrS- ftraßen" und lautet: ,.H. Poincar^ sagte, er lege ber Berwirk- lichung des vorn französischen Gei eoal'tao ausgesprochenen Wunsch.s, nach einer Eihö hu ng der Leistungsfähigkeit unseres der Westgrenze zuführenden Eisenbahnnetzes durch den Dau eines zwei- t e n Schienen st ranges auf den vom Generalstab tezetchneten Linien einen sehr großen Wert bei. Ich erwiderte, daß ich von diesen Wünschen Kenntnis habe uw) daß sie wahrscheinlich in den Grenzen des Möglichen m Erwägung gezogen würden." Qlcußerft aufschlußreich ist dann der dritte Punkt, den Sasonow anführt, und der über die englisch-französischen Beziehungen folgende Einzelheiten enthält „Die französi ch-eng'.ischen Beziehungen traten zwilchen 5> Poincaro und mir G genstand eines besonders offenherzigen Gedankenaustausches. Rach einem Hinweis darauf, daß im Lau'e der letzten Zeit, unter dem Ei if uß ter aggref- siven Politik Deutschlands gegen Frankreich, diese Beziehungen den Charakter ganz besonderer Intimi äl angm-mmei hätte i, vertiau e der französische Premierminister mir an, daß zwischen Frankreich und England zwar kein schriftlicher Vertrag bestehe, daß jedoch die General - und Admiral st äbe beider S l aa t e n nichtsdestowen g.r i n enger Fühlung miteinander ständen und sich ununterbrochen und mit voller Offenheit über alles, was sie interessieren könnte, gegenseitig verständigten. Dieser dauernde Ideenaustausch habe zu einer mündlichen Vereinbarung zwischen den Regierungen Frankreichs und Englands geführt, in der England sich bereit erklärt hab.', Fr.rnk- rcich mit feiner Land- und Seemacht zu Hilfe zu kommen, falls dieses von Deutschland angegriffen würde. Engl.md habe versprochen, Frankreich zu Lande du ch ein an die belgi ch? Grenze gesandtes Detach.ment in Stärke von 100 000 Dlann zu unterstützen, um einen vom französischen Generalstab erwartete' Einbruch der deutschen Armee durch Belgien abzuwehren. H. Pvincare hat mich dringend gebeten, unbedingtes Stillschweigen scher diele Information zu betvahren und selbst den Engländern nicht Veranlassung zu einer Vermutung zu geben, daß wir darüber unterrichtet feien. Als wir von der Hilfe sprachen, die England und Frankreich zu Wasser-sich (npnfcttig zu bringen beabsichtigten . . . fragte er mich, ob ich nicht meine demnächst bevorstehende Reife nach England dazu ausnutzen wolle, ti me nen Unterredungen mit den Leitern der englischen Politik Die Frage eines gemeinsamen Vorgehens der russischen und englischen Flotte im Fallt eines Konfliktes der Dreiverbandsmächte mit Deutschland zu erörtern. Ich antwortete H Poincaro. daß diese Frage eine eingehende HeberIcgung erfordere " Taß schon früher die englische Hilfs- aktionzu Lande in dem nunmehr von Poin- car- angegebenen Sinne geplant war. geh. mit voll ger Deutlichkeit aus dem Protokol' der französischen und russischen Generalstabschefs vom 31. August 1911 hervor. Rach diesem Schriftstück erklärte der General Duball. .daß das französische Heer ebenso rasch wie das deutsche konzentriert wird, und daß es vom 12. Tage (der Mobilmachung) an in der ist. gegen Deutschland — mit Hilfe der englischen Armee auf dem linken Flüg l — die Offensive zu ergreifen." Wenn wir h'.r zu nehmen, daß nach be.n glei hen Protokoll „die ersten großen Zu'anrTnenstöße tra' r- scheinlich in Lothri' gen. Luxim urg unb B lg cn zwischen dem 15. und 18. Tage stattfinden, ' so ergibt sich daraus die Uebroeinstimmung mit Poincares Angaben: die englischen Truppen sollten in Belgien angeseht werden. Der Giehener Anzeiger bietet neben den Vorzügen einer unabhängigen,ausdenGebieten des öffentlichen Ledens schnell und zuverlässig unterrichtenden Tageszeitung im November neunmal die Unterhaltungsbeilage Gietzener Familienblätter viermal die oberhessische Bilderbeilage Heimat im Bild sechsmal die November-Sonderbeilage Wietzener Hochschulblätter Man bestelle den Gießener Anzeiger sofort in (Biegen bei der Geschäftsstelle oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den gweigstelleninhabern oder bei der Post Lieferung bis Ende Oktober an Neubesteller kostenlos Seltsame HlMerWocheii. Roman von Arnalb Fredericks 31. Fortsetzung (Rachdruck verboten.) Sobald der Arzt fort war. nachdem er die Kopfwunde besorgt hatte, nahm Duvall einen kräftigen Schluck Br'.ndv und setzte sich zu Stapleton an dellen Schreibtisch. Dann begann er alle Einzelheiten des Kindsraubes. die ihn bekannt waren, nochmals außuz.hlen. Er dache laut und zog Stoplcton ins Vertrauen, benn so konnte er feine Gedanken am besten in feste Form bringen. „Herr Stapleton" ragtc er. .ich gestehe daß ich mich durch den Fortschritt. den ich bisher in dieser Sach: gemacht b'te. ober vielm.hr dessen Fehlen sehr gebemätigt fühle Ich bin jedoch entschlossen, die Burschen ausfindig zu machen, and wenn ich meinen gaiyeat Sommer dazu brauche." .Eie werden rascher zu arbeiten haben, Herr Duvall," bemerkte der Bankier kühl. .Ich ha.e Dorsorge getroffen, mein Kind morgen abend hier zu haben." .Sie wollen also die Verbrecher auszaslon?" n3a" „Die?" „Das sage ich nicht. Meine Pläne sind ce nug durchkreuzt worden. Weder Sie noch die Polizei haben etwas erreich . F äulein Goncou.t weiß, was ich am will sie gab mir jedoch i r Wort darauf, nicht dazwischen zu treten. Wenn Sie etwas erreichen wollen, muß es vor morgen abenb acht Uhr fein.“ „Gut. Ich werde mich entsprechend einrichten." ..Was wollen Sie Um?" „Das kann ich augenblicklich nicht lagen Ich glaube jebvch, zuerst sollte ich herauszufinden trachten, wer die goldgeränderten Zigaretten raucht." Er zog den Rest bet Zigare ie, die er gefunden hatte, aus der Tasche, legte ihr auf den Tisch vor sich hin und betrachtete ihn nach- denllich. Stapleton gähnte. „Welche Marke ist es? Exquisites?" „3a. Woher Tennen Sie die?" Der Bankier lachte. .Einfach genug. Meine Frau raucht fie." Der Detektiv sah rasch auf „Wirklich? Dringt sie aus Amerika mit vermutlich?" „3a." Duvall begann in Gedanken die verschiedenen Personen aufzuzählen, die die vor ihm liegende Zigarette gtraucht haben konnten Er glaubte nicht m hr. raß Valentin in Frage käme. Seine Anwesenheit im Au o mit Grace am Abend vorher bewies, daß er nichts mit den Erpressern zu tun hatte. Blieb Frau Stapleton. Duvall hatte mit ihr gesprochen — und ihren Schmerz gesehen. Er war zu guter Menschmkeneer um ih, euch nur einen Augenblick für v rg.sp eg lt zu hal e'. „Wer sonst?" Da fuhr hm ein Gelaick durch den Kopf.' Er wunderte 'ich, baß r ihm nicht früher gekommen war. D ? Wärterin! Er erinnerte sich deutlich der Spuren, b.o .e aus dem Schreibtisch in ihrem Zimmer in Reuyor. bemerkt hatte. „Ist March Qanahan zu Hause?" fragte er Stapleton. .3a. Warum?" .Wollen Sie so freurrdlich fein, sie hierher» lornnTen zu lallen?" Stapleton drückte stlll^chweigend auf einen Knopf an seinem Schreibtisch. Einige Minuten später war die Wärterin durch eine der anderen Dienerinnen h.rbeigrhalt worden. Sie war scheu vor Kummer und Furcht. Duvall Ii<$ s'e Platz nehmen unb begann ihr einige offenbar unwichtige Fragen betreffs der Entführung zu stellen Sie antwortete off3rte er ein schwaches Rascheln. Er stürzte sie auf feiner Handfläche um. Eine Menge Asche unb die üebarefte einiger Der Vorschlag des fi-anzöstschm QRt lifterprä- sidenten. M? Möglichbtil eines x u aimrÄninivfenil zwischen bei englischen unb roslischen Flotte jr untersuchen, wurde, wir dir Ak e r crzstdLen. genau befolgt. In einem Bericht Sa sonows über keine Reise nach Balmovrt im September 1912 lesen wir . . . Rach dem ich Grey (den britischen Staatssekretär des Ausw ) vertraulich über die wesentlichsten Punk e un'erer Ma. i ek nvention mit Frankrcich unterricht t und b inerkl hatte, daß auf Grund des adge'ch o f ne r Vert.mges die frairzösische Flotte un ere Intet esse' auf dem südlichen Kriegs chaupl.rtz iurd> Veh.nde- mng der Oesterreick ilchen Flöt e, in i.'ai Schwarze Meer vorzudringen, zu sichern bestreb: fein werde, fragte ich ob Eng.and keinerseits uns dieselben Dienste im Rorde i leisten könnte, indem es bi? deutschen Ge'chrvabe. v>n unferci Ostseeküsten fernhält Ohne Dece iken erklärte Grey, wenn di? voraurge eh? en Umstände ein- treten sollten, s o würde England alle Anstrengungenmachen.umderdeut- schen Seemacht den empfindlichsten Schlag zu versetzen . . Aus eigenem Antriebe bestätigst? (Siel) mir bann, was ich bereits durch Pvincaeö wußtet eS besteht zwi chen Frankreich unb England eine Vereinbarung, nach der im Falle eines Krieges mit Deutschlanb England die Verpflichtung eingegangen ist. Frankreich nicht allein zu 'Da f?r Hilfe z r bringen, sondern auch zu Lande durch eine Truppenlandung auf dem Kontinent. Der König berührte in einer feiner Unterredungen mit mir bieefbe Frag? und drückte sich noch weit fchärser aus als sein Minister Als ich in sichtlich erregtem Ton crwähkrte. Deutschland versuche mit feiner Seemacht der Englands gleichzukommen. rief Seine Majestät aus, ein etwaiger Konflikt würde nicht nur für die deutsch? Flotte, sondern auch für den Ue be r see ha n de l Deutschlands unheilvolle Folgen haben, denn die ®ng länber würden jedes deut sche Handelsschiff. das ihnen in d'.^. Hände fiele, versenken. In diesen Werten schienen mir nicht allein die persönlich n Ge ühle Sei er M'.jestät Ausdruck zu finden, sondern auch bi? der öffent- lichenMeinung, wie sie in England gegenüber Deutschland v rherrsck^nd ist. Fassen wir das alles zusammen, so erkennen wir. welche umfassenden Umfarrg die KriegSvor- bereitung n der Ententemäch e schon damals ai- nommen hatten. Sin enges llketz war um die Mittelmächte gelegt. In der Rordsce sollten die englische und die französische 'Flotte gemeinsam vorgehen. Daran anschließend fügte sich eine englische Landarmee von 100 000 Mann in Belgien dem linken Flügel des französischen Heeres an, das von dort bis Lothringen den möglichst raschen Vorstoß gegen Deutschland duochzuführen hatte. Im Mittelmcer verfolgte die neuerdings dorthin verlegte frarrzösische Flotte den Zweck, die österreichischen ©eeftreitträfte in Schach zu halten, unb an ber russischen Grenze sollten alle nur erdenklichen Vorkehrungen getroffen werden, um corch den Aufmarsch ber Truppen des gewaltigen Zarenreiches für den Ernstfall nach Straften zu beschleunigen. Das waren in ber Tat gigantische Pläne durch ganz Europa hin, die durch Poincares Eingreifen in Rußlarrd In wichtig» Teilen ausgebcmt und gefördert wurden. Kunst und Wiffenschast. Ausbau des OsthauS-ArchivS. Der hervorragende deutsche Sammler unb Kunst-Mäzen Karl Ernst Osthaus hat zwei bedeutende Kultur-Institute hinterlassen. Das bekanntere ist das glänzende Folkwang-Mu- seum in Hagen in Westfalen, das zweite ist das Ost Haus-Archiv, eine hochbedeutende Sammlung künstlerischer Lichtbild-Aufnahmen fast aller hervorragenden Werke deutscher wie auch ostasiatischer Architektur und Plastik. Ein Teil des Archives, dessen Verwaltung und Fortführung von den Erben Osthaus' dem bekannten Münchener Verlag Georg Müller übertragen worden ist, wurde in Tafelwerken schon der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. Unter Leitung namhafter Gelehrten soll das Archiv, das sein Material auch für Dortragszwecke und wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung stellen will, unter Einschluß aller Kulturen weiter ausgebaut werden. Eine Goethe-Reliquie unter dem Hammer. Ein Stammbuch, bas eines der srühesten dichterischen Dokumente des jungen Goethe enthält, wirb demnächst bei einer Terfteigevu g des Antiquariats Walter Schatzki in Frankfurt a M. versteigert teerten. Es handelt sich um das Stammbuch des IugendfreurrdeS Goethes, halbgeiauchter Zigaretten fielen heraus. Mit zufriedenem Lächeln warf er "ie wieder in die Vase hinein unb kehrte in bie Bibliothek zurück „Mary, <Äe können jetzt gehen," sagte er. Als das Mädchen traußn war. wandte er sich an Stapleton. „Es war Mary Lanahan s-lbst, die bi? von mir im Gras gefundene Zi- garette geraucht Hot." sagte er. „Gut! Was weiter'?" Die Tatsache schien dem Bankier ohne alle Bedeutung zu sein." „Sie hatte sie zweifellos Fvau Stapletov gestohlen." „Wohl möglich. Da ist nicht viel dabei." „Rein. Aber cs ergibt sich die Frage: warum übetgab sie bie Schachtel Dalnrtin unb forberte ihn später auf, sie zu vernichten?" „Kann ich mir nicht beulen." „Und warum tourten dies? Zigaretten nachher Dalemin gestohlen, soviel ich verstanden habe?" „Das ist zu viel für mich. Wohin zielen Sie damit?" „Ich habe eine Theorie, Herr Stapleton, aber ich kann jetzt nicht tagen, welche — noch nicht. V^i dieser Gelegenheit, wo ist Francois heute abenb?“ »Er besucht seine Verwandten, in irgendeiner Vorstadt." „Ah! Dann möchte ich auch fein Zimmer durchsuchen." „Rur zu! Sie toerben nichts finden, fürcht« ich. Die Polizei hat cs ganz gründlich obg> sucht." Er stand auf. „Kommen Sie, ich gehe mit Ihnerr." (Fortsetzung folgt) 2K d d t i# tn das öer damals loitiyrtge Goethe das berühmte Gedicht eintrug, das mit den Ver- sen beginnt: „Dies^ ist das Bild der Welt, die man für die beste halt. . ." Das Stammbuch ist bis jetzt im Besitz der Familie Moors gewesen und wird nun zum ersten Male zum Berkaus angeboten. Den ersten Teil des Gedichtes hat Goethe, der sich am 28. August 1765 eintrug, in schönster Zierschrist geschrieben, während der zweite Teil gewöhnliche Schrift zeigt, die der des alten Goethe schon sehr ähnlich ist. Auster Goeth? haben sich hier eine große Anzahl bekannter Frankfurter verewigt. Don arideren interessanten Eintragungen ist die wichtigste die Lichtenbergs, der eine von ihm selbst mit grauer Tusche gemalte Dignette in seiner geistvoll-sarkastischen Art erläutert. Eine Reichskunstwoche soll, wie im „Kunstwanderer" mitgeteilt wird, von den großen deutschen Künstlerorganisationen im Februar 1925 in Berlin veranstaltet tocrfcen. Mit dieser Woche werden umfangreiche Daib'.e- tung'en auf allen Gebie en der bildenden Kunst, des Theaters und der Musik usw. rerbunden fein. Die Aufgabe der Veranstaltung ist, den Blick auf deutsches Kunstkönnen und deutsche Kunstarbeit zu lenken, dem Handel durch die Erzeugnisse deutschen Kunstfleitzes Anregung und Antrieb za geben und den Beweis zu erbringen, datz die Arbeit des Künstlers ein wesentlicher und notwendiger Bestairdteil der Dollswirtschaft ist. 3m Mittelpunkt wird eine große Werbekunstschau stehen. Ein Arbeitsausschuß hat sich ge- bildet, dem bedeutende Künstler als Dertreter ihrer Organisationen angehören. Eine kostbare Kunststiflung. Das Landesmuseum in Darmstadt, das bereits durch die Döcklin-Stiftung des Frei- Herrn v. Hehl eine glänzende Erweiterung erfahren hat, ist jetzt durch die testamentarische Verfügung von Friedrich Marx m den DM einer neuen kostbaren Sammlung gelangt. Wie im „Cicerone" mitgeteilt wird, handelt es sich dabei um eine vorzügliche Clfenbeinsammlung, die hervorragende gotische Arbeiten und einige ausgezeichnete Stücke des 17. Jahrhunderts enthält. Altrömische Funde in Trier. Bei Ausgrabungsarbeiten im Süden von Trier hat man wichtige Funde aus der Römerzeit gemacht. So wurden drei Meter unterhalb der heutigen Erdoberfläche 5 römische Ziehbrunnen aufgedeckt. 3n einem dieser Brunnen fanden sich 30 römische Münzen mit dem Bilde des Kaisers Konstantin sowie eine große verzierte Dronzeschüssel. Les weiteren stieß man auf zwei römische Töpferöfen, die aus hartem Lehm erbaut sind. Die wichtigste Entdeckung aber war eine 3 Meter breite Römerst ratze, .die aus großen Kalksteinplatten erbaut ist und zwei Fahrrinnen mit tief eingeschnittenen Wagenraderspuven und einen Fußweg aufweist. Die Trauerfeier für Dr. Osann. .Darmstadl. 26. Ott. (Eigener Bericht.) Gestern fand in der Halle des Krematoriums auf dem Waldfriedhof eine Drauorfeier für den verstorbenen SCba. Dr. Osann statt. Sfe Bs- tdKigung war überaus stark aus allen Schichten der Bevölkerung. Anwesend waren die Armille des Verstorbenen sowie zahlkreicho führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Sarg verschwand fast unter der Fülle von Kränzen. Pfarrer Wagner, dem der Verstorbene irahe- gestanden hatte, hielt die Trauerrede, daran anschließend folgte die Einsegnung durch den Geistlichen: in stummer Trauer senkten sich hierbei die Fahnen der Kriegervereine, denen der Hrirn- gegangeiie angehört hatte, über den Sarg. Land- tagsabg. Dingeldeh schilderte in bewegten Worten den schweren Verlust, den der Tod Dr. Osanns für die Deutsche Vollspartei bedeutet: er legte Kränze nieder im Ramen des Landesverbandes Hessens der Deutschen Vollspartei, der Landtagsfraktion, der Reichsparteileitung sowie des Reichsministers Dr. Sde emann. Cs folg en dann Kranzniederlegungen in großer Zahl un er rühmenden Worten für den Entschlafenen. Es sprachen am Sarge: Rechtsanwalt R e u s chä f f e r für den Anwaltverein und für den Rotariats- oerein, 3ustizminister v. Brentano für das Justizministerium und für die hessische Regierung, Frau D i e r a u - Darmstadt für die Frauen der Deutschen Vollspar.'ei, P äident Adelung für den Hess. Landtag, Oberbürgermeister Dr. Glass in g für die Stadtverwaltung Darmstadt, Justiz rat Bender für den Finanz msschuß der Stadtverordnetenversammlung. Geheimrat Pros. Dr.-3ng. W a l b e für die Fraktion der Deutschen Vollspartei der Stadtverordnetenversammlung, Rechtsanwalt Stadel für dir Ro ariats- kammer, Hauptmann Lotheißen für den Kriegerverein von 1874, Landtagsabg Kindt für den Landesverband Hessen der De rischnationalen Bolkspartei, für die Ortsgruppe Darmstadt derselben Partei sowie für die Fraktion des Bauernbundes und der Deutchnationalen Vo'ks- partei, Abg. Dr. Dehlinger für den Hess. Bauernbund, Stadtverordneter Stemmer für den Verkehrsverein, Rektor Lindemann für die Kreisgruppe Alzey und Rechtsanwalt L u I'e h für die Kreisgruppe und die Ortsgruppe Wo.ms der Deutschen Dollspartei. Die meisten Kränze waren mit Schleifen versehen tn den Farben Schwarz-Weitz-Rot und Rot-Weitz. Kirche und Schule. △ Reiskirchen, 27. Oft. Eine ordentliche Kirchenvisitation wurde gestern hier und in Burkhardsfelden durch dn Superintendenten für Oberhessen, Geheimerrt D. Petersen aus Darmstadt abgehalten. An beiden Gottesdiensten richtete der Visitator eindrucksvolle Ansprachen an die Gemeinden. Es folgten Prüfungen der christenlehrpfsichtigen Fugend und der Schuljugend, sowie Beratungen mit den kirchlichen Körperschaft n. Helle sch'ost sich noch eine Einsichtnahme in d n Reiigion.-unter icht der obersten Schulllassen in beiden Gemll.de.i an. Die Gesamtgemeinde nahm an den Disi- tationsharrdlungen regen A-lleil. Wirtschaft. Der Deutsche Außenhandel im September 1824. Da im September die Zollstellen im besetzten Gebiet noch nicht wieder von deutschen Beamten übernommen waren, blieb auch im September die statistifche Erfassung der Ein- und Ausfuhr des besetzten Gebietes unvollkommen. Die Han- delsstatistik enthält deshalb die gleichen Fehlerquellen wie in den Vormonaten. Die Zahlen können daher nur mit Vorbehalt mitgeteilt werden. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß sie nicht gestatten, eine einwandfreie Btlanz des Außenhandels zu ziehen. 3m September ist im deutschen Außenhandel wieder etn Umschwung eingetreten: Die Einfuhr, die sich in den drei vorangrgangenen Monaten (3uni, Juli, August) ständig verminderte, ist wieder erheblich gestiegen: die Ausfuhr tst dagegen leicht zurückgegangen. Wenn auch die Ein- fuhrsteigerung recht beträchtlich ist (um 175,2 Millionen Gvldmark gegenüber dem Vormonat), so bleibt die absolute Höhe der Einfuhr im September mit rund 623,4 Millionen Goldmark doch noch erheblich hinter dem Monatsdurch ch sitt deS 1. Halbjahres 1924 (746,9 Mcklionen Goldmark) zurück. Fast eberffo beträchtlich liegt die Ausfuhr im September mit rund 564,1 Million m Gold- mavk trotz des Rückgangs (um etwa 25,3 M llionen Goldmark gegenüber dem Vormonat) über dem Monatsdurchschnitt des 1. Halbj-ahrs 1924 (471,2 Millionen Goldmark). Die Bilanz der durch die Statistik erfaßtem Ein- und Ausfuhr weist im September eine Passivität von rund 59,4 Millionen Goldmark auf. Die Einfuhr- fteigerung gegenüber dem Vormonat erstreckt sich hauptsächlich auf Lebensmittel (um rund 54,3 Millionen Goldmark), Rohstoffe und halbfertige Waren (um rund 91,8 Millionen Goldmark) und Fertigwaren (um rund 32,3 Millionen Goldmark). Der Ausfuhrcückgang entfällt hauptsächl ch auf Lebensmittel und Getränke (15,9 Millionen Goldmark) und Fertigwaren (11,9 Millionen Goldmark). * Hessisch-Rassauische Gas A. - G. Höchst a. M. Die Goldbilanz der Gesellschaft sieht eine Llmstellung des Aktienkapitals von 48 Mill. Mark auf 3,84 Millionen Rm. im Verhältnis von 12,5:1 vor. Die Verwaltung hofft, datz bei ungestörtem Fortgang und normaler Weiterentwicklung eine dauernde, angemessene Verzinsung möglich sein und auch für das laufende 3ahr eine kleine Dividende zur Ausschüttung kommen wird. * Konkurs. Lieber das Vermögen der offenen Handelsgesellschaft Luttermann & Edinger in Darmstadt sowie deren beiden Inhaber Karl Luttermann, Kaufmann, und Karl Edinger, Kaufmann, beide in Darmstadt, ist das Konkursverfahren eröffnet worden. Forderungen sind bis zum 1. Dezember beim Amtsgericht Darmstadt I anzumelden. " Konkurseröffnung beim Rihau- Konzern. Lieber das Vermögen des Ritzcm- Konzerns ist mtranefyr der Konfttrs eröffnet worden. Die Frist zur Anmeldung der Kvnkurs- forderungen läuft bis zum 15. Dezember 1924. Die Wahl des Gläubigerausschüsses ist auf den 7. Rovember festgesetzt. Der Konkurs der Ritzcru- Äon^ern A.-G. ist die zwangsmäßige Folge der Zahlungseinstellungen der Llnlergesellschaslen: in ihm tritt jetzt der Zusammenbruch des gesamten Ritzaw-Konzems tn die Erscheinung. * Wayß & Frehtag A -G., Reustadt a. d. H. Der Ausiichts rat beschloß, das Stamm- aftienkapftal von 150 Mill. ML und ixi8 Dor- zugsaktienkapital von 50 Mll. ML auf acht Millionen Rm. uTnzustellen. Der Einzelwert der Aktie beträgt demnach 40 Rm. Die gesetzliche Rücklage wird auf 800 000 Rm. aufgefüllt. Frankfurter Abendbvrse. Frankfurt a. M„ 27. Oft. (TL1.) Die im Verlaufe der Mittagsbörse hervvrgetretene Höherbewegung für deutsche Stadtanleihen nahm an der Abendbörse das gesamte 3nteresie in Anspruch. Aus eine Meldung, wonach die Stuttgarter Stadtverwaltung angeblich beschlosien haben soll, vom 1.3uli ab den Zinsendienst der Anleihen mit 1 Prozent in Gold wieder aufzunehmen, wurden sämtliche, besonders süddeutsche Stadtanleihen, stark nach oben gehandelt. Das Geschäft konzentrierte sich infolgedessen fast ausschließlich auf diesen Markt, doch war die Stimmung nicht mehr so fest und neigte eher etwas zum Rachgeben. Es wurden umgesetzt: Frankfurter 5,5, Stuttgarter 8,5 bis 0,38 bis 025, Dresdner 5,3 bis 0,25, Mannheim 5,3 bis 0,25 Rürnberg 7,13 bis 6,88, Münchener 7,88 bis 8, Kölner 5,25, Berlin 5,75, Hannover 5,3, Mainz 7,38. 3n deutschen Anleihen dagegen war das Geschäft sehr klein und die Werte dieses Gebietes vernachlässigt. Kriegsanleihen 460 minus 7,5, 3,5prvzentige Preußische Konsols 1175 minus 5 Milliarden. Der Aktienmarkt hatte bei stillem Geschäft leichte Besierungen zu verbuchen. 3m allgemeinen setzten sich die Rückgänge nicht weiter fort und die führenden Werte konnten sich auf dem ermäßigten Mittagsstande gut behaupten. Am Mvnbanmarkt notierten Buderus 9,25 plus 0,2. Mansfelder 2,9 Geld plus 0,1, Rheinische Braunkohlen 26 minus 0,5, Tellus 2,35. Don chemischen Werten gingen um: Badische Anilin 17,63 minus 0,1, Chemische Griesheim 15.25 minus 0,35, Scheideanstalt 13, Th. Goldschmidt 11,5 plus 0,25, Höchster Farbwerke 15,63 minus 0,1, Holzverkohlung 6,25. Am Elektromarkt kamen Llmsätze fast kaum zustande. AEG. 7,6 bezahlt und Geld, Licht und Kraft 6,75. Am Bankenmarkt waren die Kurse zumeist behauptet. Berliner Handelsgesellschaft 21 minus 0,8, Kommerzbank 4,3, Darmstädter Bank 8 plus 0,5, Dresdner Dank 6,63, Mitteldeutsche Kreditbank 1,5, Rheinische Kreditbank 2.1 und Oesterreichische Kreditanstalt 0,31. Don Schiffahrtsaktien wurden Rordd. Lloyd zu 4,1 gehandelt. Sonst wurden noch umgeseht: Cement Heidelberg 19, Hoch- und Tiefbauten 1,8 minus 0,2, 3nag 1,2, Julius Sichel 2,95, Badischer Zucker 2,4, Offsteinzucker 2,6. Don ausländischen Renten waren 1913er und 1914er Ungarn um je 0,1 gebessert 16 Billionen Prozent), Bagdad II 8. Die Börse schloß in ruhiger, wenig veränderter Haltung. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Berlin, 27. Oft. Auch bei Beginn der neuen Woche beiß irrt: die Dir je in ihrer Zurückhaltung. Di. F Horen, die jeg iche Unter» nehmungslust zur Hemmung brachten, s nd im wejentl chen folgen e Die ©elbmarftlagc gcfl^et trotz einer ziemlichen F üssigteit für täg» bicht Geld noch keine größeren Transaktionen; die Auslarrdsrreotte fließen infolge der unnaren innerpc Illischen Verhältnisse äußerst spärlich, und die ungeklärte Angelegenhell der Börsen-Umsatzsteuer trifft ebenfalls die Unternehmungslust. Man glaubt auch nicht daran, daß der Reichs- finanzminister von sich aus vor den Reichstags- Wahlen eine Ermäßigung dieser Steuer vornehmen wird. Auch die Frage der Bewertung des Vermögens der einzelnen Aktiengesellschaften bere tet ins f rn noch Schwierigkeiten, als die bisher veröffentlichten Goldmarrbilanzen doch nur sehr unsichere Anhaltspunkte hierfür gewähren. Zu alledem tritt natürlich noch der Druck, den die Wahlkämpfe im Reiche und in den Ländern aus üben. Aich die noch in der Schwebe befindliche neue Verbandsbildung in der Montan- industrie läß: eine rechte Zuversicht noch nicht aus kommen. Inf olgedesien stagn.er t das Börsengeschäft fast vollwrnmen. An den Aktienmärkten waren die Umsätze minimal: die Kurse konnten sich im allgemeinen behaupten. Der Geldmarkt lag unverändert. 3m Devisen- verkehr überwog das Angebot. Börsenkurse. 19,26 19 7,76 0,76 2,95 2,95 Zellstoff Waldhof. . . . Bucterfabrtt Frankenthal Zuckerfabrik Waghäusel 2,4 uuiu «ÜUUUUUICI ... ') Dom Rückzahlungswert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Dan knoten 17,6- 11.5 15,25 15,65 6,26 13 7,65 18 11,25 16 6,25 15 2,7 3 7,6 4,6 8,6 17,75 11,75 16,: 3 15,60 14,65 4,9 8,60 17,75 11,6 16,75 15,90 15^5 2,70 3 7,5 7,65 10,80 35.13 43 1,75 2,75 M 7,7 10,50 84 43,75 1,8 2,7 7.75 V Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M., 27. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wctterauer 22 50 bis 23.50, Roggen, inländ. 22 bis 23, Sommergerste für D a.Zwecke 24 b s 27.50, Hafer, inländ. 19 bis 22, M e s (gelb) 20,25 bis 20,75, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 33 bis 3k, Roggenmehl 29,50 b s 34, Weizeicklete 11,50, Roggenkleie 11,25, Erbsen 30 bis 38, Linsen 45 bis 50, Hm, südd., gut, trocken 11, Weszen- und Rogge istroh 7 b s 7,50, Treber, getrocknet 19 bis 20. Tendenz flau. Frankfurter Schlachtviehmartt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M, 27. Ott. Auftrieb: 1155 Rinder; darunter 293 Ochsen, 47 Bullen, 813 (In Billionen Mart ausgedrückt BoenoS-Utre«, London, fka» York, Japan. Rio be Janeiro für eine Einheit. Wien mid Budapest für 100000 Ein betten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlu ng. Eheramische Werke Albin , . Zementwerk Heidelberg .. . Philipp Holzmann...... Anglo-Eont -Guano ..... Badische Anilin........ Chemische Mayer Alapdl .. Goldschmidt....... GrieSi eimer Electron .... Höchster Jarbwerke...... Holjverkohlung ........ RütgerSwcrke ......... Schetdeanstalt ........ Sllg. ElektritttütS^esellschaft Bergmann........... MaMkraftwerke ....... Schlickert...... ..... Siemens & Halske Ldlerwerke Sie her ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt......... wiegoin............. Sronfhn-ter Armaturen . .. Sonservensabrik Braun . . . Metallgestll>chast Frankfurt. Pet Union A.-G...... . Schuiffabrik Her, Sichel. . . Ffr"**, -7. Oftbr. Amcrtkanilche Noten ..... Belgische Noten..... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ..... Holländische Noten...... Italienische Noten..... Norwegische Noten Deutsch Oesterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten . . . . . . Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten . Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . , . 5ti Simonen Prozent Frankfurt a. M. Berlin Schlutz. Aurs Schlutzk. Abend» hörte Schlub- fiurs Schlustk. Mittag» börse 5>rrhrm: 24. 1D 27. 0. 21.10. 2,. 10. 6% ®entfd)e RelchSanIelhe . 0,465 0,460 0,442 0,461 <% Deutsche NeichSanlet^e . — — 0,8 5 0,8?5 3'/,°/, Deutsche Netchsanleihe — * 0,825 '),818 3®/n Deutsche Reichsnnleide . Deutsche Svurprumienaulethe — — i,2 0,38; 1.88 0 358 preußische KousolS — — 0,94 1,15 6,950 1,15 1,15 3*/»% Hellen.......... 3°/o Hellen........... — — 1.1 — 0,95 0,97 Deutsche Wertb. Dollor-Anl. — — 4,2 4,2 bh>, Doll-Schav-Anwetsug.'! — — 87,5 87,8 4°/o äofitArten ........ 9 — 9 8,8 6% Äoldmeritaner .... . . — — 41 41 Berliner Handelsgesellschaft Eommcrz- und Privat-Bank. 22 4,4 21 4,3 23,60 4,5 8,25 22 4,5 Darrnst. und Nattonalbaiik . 8 8 7,8 Deutiche Bank......... — —■ 10,1 10,10 Deutsche BeremSbank .... — ■■ — —■• DiScoMo Lommandtt .... 11,75 — 11,75 11,65 Mctallbant........... 12,6 — — — Mitteldeutsche Lredttbank. . Oesterreichische Credttanstali. 1,50 1,5 1,5 1,50 — 0,31 0,3 0,350 Wcslbank............ — 0,35 0,375 Bochumer Guß ....... — — — 46.5 BuderuS....... . . . . — 9,25 8,80 8 8 Caro ............. — — 7 9,25 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . — 48,50 49,6 49 2 i 49 9 Harpcner Bergbau...... 79,25 — 79,75 79 5 fiallrotrte Aschersleben. . . . —— — 11 11,39 Kaltwerf Westeregeln. .... — — 13,30 4.4 Lauravülke........... — — 4,30 4,70 Obcrbedars...... • • • . — — 8,50 8,75 Phönix Bergbau ...... Rheinstahl........... — — 35,25 35,61 33,25 32,6 Rtebeck Pioutan........ — — 32,90 33,5 TelluS Bergbau........ 2,4 2,35 — — Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... _ <5 24,375 4 24,25 4,1 24. Oktbr. 27. Okt r. Roxrrt. klmtliche Notierung tlmtlichr ’J welk» | iatizc 111 Br,ei Geld | Bries ?4. 27. NmN-Rott 164,79 185,51 164,99 165,31 voll voll Brll.,?Intw 20,13 20,21 20,08 20,18 !10N voll Cbristi'ania. 59,70 60,05 69,56 59,85 voll voll Kopenliagen 72,29 72,75 71,92 72, 3 ooü voll Stockholm . 111,47 112,03 111,42 111,98 ÖOU voll LftllngsorS- 10,51 10, 7 10, .1 10,57 voll voll Italien. . . 18,22 18,32 18,05 18,15 18,92 voll voll London. . . 18,845 13,93, 18,83 voll voll Neuyork . . 4,11 4,21 4,1 J 4,21 voll voll Paris. . . . $1,9? $2,02 $9,82 19,91 voll voll Schweiz . . 80,65 81,07 82,625 66,06 81,025 voll voll Spanien . bd,06 86,34 66,34 voll voll Wien in D.» De ft abgest 6,915 6,945 6,91 5,94 voll voll Prag . . . 1$, vO 12, 6 12,455 12,555 voll voll Budapest. . Buen.-SlireS 6,48 6,50 6,485 6,515 voll voll 1,54 1,65 1,52 1,53 voll voll Bulnarien 3,04 8,C6 8,05 1,61 3,08 voll voll Japan . . . Wo de Ian 1,606 1,615 1,62 voll oo(l -. C,46 1,47 0,46 0,47 voll voll Belgrad . . 6,006 6,035 6,065 16,46 6,095 voll voll Lissabon . 15,96 16,04 16,54 voll voll Veld Brie» 9tej)arü 4," 4,21 voll 20,19 21,17 voll 71,82 72,18 voll 18,8 18.92 voll $1,83 $1.93 voll -t4,86 165,6 voll 18,05 18,15 voll 59,4 59,75 voll 6,905 6,9'5 voll 2,385 2,405 voll 111,3 1'1.86 voll 80,595 80,97 voll 56.06 66,34 voll 12,45 12,51" voll 6,44 6,47 voll •(Janen uno Kühe, 2 Froster, 250 Kaiver, 309 Schafe, 3489 Scküveine einschl. 268 ausländische. Es wurden bezähll pro Zentner Lebendgewicht: Rinder: Och'en: Vvllft. ausg-wachteae h/chsten Schlachtwerts 52—56, junge, fsisichig?, nicht aus- gemäftete und ältere ausgemästete 45—51, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 43—44; Bullen: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 44—50, vollfteichige jüngere 38—43; Färsen und Kühe: voll fleischige auSge» mästete Färsen höchsten Echlachtwerts 50—54, voll- fleischige ausgemästete Kühe höchsten SchlachtwertS bis zu ? Jahren 42—48, wenig gut entwickelte Färsen 40—48, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 33—41, mäßig genährte Kühe und Färsen 25—33, gering genährte Kühe und Färsen 14—24; Kälber: feinste Wastkälber 72—76, mittlere Mast- und beste Saugkälber 62—70, geringere Mast- und gute Saugkälber 50—60; Schafe: Mastlämmer und Mast- hämmel 40—46, geringere Masthämmel und Schafe 32—38; Schweine: vvllfleischige von 80 bis 100 Kilo 78—82, unter 80 Kilo 70^-77, von 100 bis 120 Kilo 80—83, von 120 bis 150 Kilo 78 bis 82, Fettschweine über 150 Kilo 78—82, unreine Sauen und geschnittene Eber 65—75. Marktverlauf : Rinder, Kälber und Schweine lebihasi * gehandelt, bei Schweinen- geringer Lieberstand Berliner Produktenbörse. Berlin, 27. Oft. Am Produktemnarkt griff eine Beruhigung Platz. Wohl seien ernsthafte Dersilste, aber nirgends ernsthafte Insolvenz gefahren aufgetreten. 3n Mehl ist der Konsum nach wie vor schlecht. Die Rotierungen waren meist unverändert, für Roggen sogar e was höher. Die Mühlen kaufen vereinzelt nur auf Dezembertermine und das Geschäft ist sehr klein. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, ntärf. 205 bis 210, Roggen, märt 197 bis 202, Gerste, märt. 230 bis 256, neue 200 bis 215, Hafer, märt 171 bis 181, Raps 390 bis 400, Leinsaat 390 bis 400; für je 100 Kilo: Weizenmehl 28 bis 32, Roggenmehl 27,50 bis 31,50, 'Weizenkleic 12,50 dis 12,80, Roggenkleie 12,50 bis 12,80, Diktoriaerbsen 33 bis 37, kleine Erbsen 24 bis 26, Futtererbsen 18,50 bis 19,50, Peluschken 17 bis 19, Ackerbvhnen 20 bis 22, Wicken 18 bis 20, Lupinen, blau 14 bis 15, gelb 16 bis 18, Serradelle, alt 14 bis 15, neu 20 bis 24, Rapskuchen 15,80, Trockenschnitzel 10, Kartoffelflvcken 19. Büchertisch. — In eine Sammlung romantisch-mystischer Dichtungen, wie sie der Leipziger Wvlkenwande- rer-Derlag offenbar in sein Programm ausgenommen hat, gehört vor allem der O s s i a n, jener hehre Dardensang aus keltischer Llrzeit, nicht sowohl seiner literarhistorischen Bedeutung, seiner außerordentlichen Wirkung aus Klopstock, Herder, Goethe, der Romantiker wegen, als wegen der schwungvollen, ungekünstelten Kraft der Sprache, dem heldischen Geist dieser Dichtung, die auf unsere Zeit begeisternd und erhebend wirken wird, zumal da sie Franz Spunda uns in so herrlicher Liebertragung vermittelt. Alles Spintisierende, Verweichlichende als Ausfluß übertemerter Kultur zerstiebt vor diesem reinigenden Quell heroischer Dichtung, die menschliches Sein auf die Llrgründe von Liebe und Treue zurückführt, eingebettet tn die wildromantische Landschaft des Rvrdens. Bisher liegt von dem auf zwei Bände berechneten Werk der erste mit dem Monumentalwetk Ossians, dem Fenigal und kleineren (Span in mustergültiger Ausstattung vor. 638 * 3n der bekannten Sammlung moderner Erzähler, die PH. Reclam. Leipzig, aus der Uni- versal-DMiothek tn nett erngeftundenen, handlicher Büchlein sorgfältig zufammenstellt, sind neu erschienen: Hochgreve: 3m Jagdrevier, Gott- Helf: Die schwarze Spinne, Per Hallström: Rovellen, R. I. Lang: Der Lorbeerkranz, Flemming: „Auf und nieder" und als besonders wertvolle Gaben haben Ricarda Huchs entzückend beschauliche und tiefgreifende Rovelen „Der neue Heilige" und „Der Hahn von Quoten» brück" und des Schweizers Jakob Schaffner Meistemovelle „Die Mutter". 1034/37. 1205/05. — Musikanten und Wallfahrer. Erzählungen aus eigenem und fremdem Leben von Leo Weismantel. Bei Herder & Co. G. m. b. H., Verlagsbuchhandlung, Fre bürg im Breisgau Drosch. 0,60 Gm., geb. 1,20 Gm. Das Dändcher fügt sich glücklich in die Reihe von Herders Bücherei zeitgenössischer Erzähler „Der Bienenkorb" ein. Mit einem Bekenntnis des Dichters zum Wort Beginnen die vier Beiträge, eine feine besinnliche Legende folgt, und „Die Brote geiger" und „Der Einsame" sind zwei lesenswerte Erzählungen. 378 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Ein Republikanischer Tag in Potsdam. Berlin, 27. Oktober. (WTD. F inkspruch.f Gestern veranstaltete das Reich-bannee Schwarz- Rot-Gold, OrtSgrr'Hpe Berlin-Brandenburg, in Potsdam einen Republikanischen Sag, mit dem die Wehe des Danners der Ortsgruppe Potsdam verbunden war. Ministerpräsident a. D. Dr. Stalling bllonte in seiner Ansprache, daß die Potsdamer F hnenweihe den (Staat^gebauten för- dem to'I(e und daß das Reichsbanner gegenüber der Llnduldsamkeit den Geist der Menschenrechte und Rächstenliebe verträte. Rur in bi fern Sinne forme das deutsche Volk wiede^ emporsteigen. Das Reichsbanner strebe dahin, daß der Gedanke „R i e wieder Krieg" in die Herzen einziese Aach der Feierlichkeit ist es an drei verschiedenen, Stellen der Stadt zu Zusammenstößen zw - schen Teilnehmern an der Festlichkeit und Mitgliedern rechtsstehender Organisationen gekommen. Es wurden insgesamt 8 P rfonen verletzt, die man entweder in die Krankenhäuser ober .Rettungsstellen brachte. Sie konnte i aber tote''er entlassen werden Ferner sind ins eTamt 20 Personen sistiert und festgestellt w r en, die den PPolizeianordnungen keine Folge geleistet haben 6 Personen durch Gasvergiftung getötet. Halle a. S., 27. Oft. (WTD. Amkspruch.) Infolge eines Gasrohrbruchrs in der Durgstraße drang ausströmendes Gas von der Straße aus durch das Fenster in eine Parterrewohnung ein. Die Familie des dort wohnenden DauarbÄters Wettmann, im ganzen 6 Personen, kamen dadurch ums Leben. Korpulenz ist uuscköu nnd nngeiunb. Wir raten Zhnen, in Ihrer Apotheke 30 g echte Toluba- fterne zu taufen, die unschädliche Stoffe von fett« zehrender Wirkung enthalten