hast. । । x?n öen ^Abstimmung fLondoner D Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorfchrist 20°/o Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für dci Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Gießen. tu. 202 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-Vezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnjeigerGiehe». Postscheckkonto: Sranffurt a. M. 11686. SS pas DU Quä(k>iA;*nAt n ÄmSSSEE tragen. Prügelszenen im Reichstag. Aktive Resistenz der Kommunisten. — Der Reichstanspräsident macht von seinem Hausrecht Gebrauch. - Die Abstimmungen nach der zweiten Lesung. ’Me. sich feftftellen: Die Deutschnationalen sind bei der Ablehnung geblieben. In den parlamentarischen Kreisen hat man den Eindruck, daß sich die deutschnationale Reichs- tagsfvaktion in einer sehr schwierigen Zwangslage befunden hat. Sie konnte unmöglich die Stimmung ihrer Wählermassen unberücksichtigt Kissen, die nun einmal gegen die Annahme der Londoner Abmachungen zu sein scheinen. Außerdem hat sich die deutschnationale Reichstagsfraktion von Anfang an f e st g e l e g t, und es konnte sich bei den Verhandlungen einzig und allein darum hairdeln, eine Pa rla^n en ta- rische Formel zu finden, die den Deutsch- nationalen die Zustimmung zu den Aussührungs- gesetzen ermöglichen würde. Eine solche Zustimmung kKnmt ja auch ohne weiteres für diejenigen deutschnationalen Abgeordneten in Frage, die trotz schwerster Bedenken gegen die Londoner Abmachungen der Meinung sind, daß die Verantwortung für eine Ablehnung nicht übernommen werden könne. Die' Hauptfrage ist aber die, ob die Stimmen ausreichen, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Ausführungs- gesehe zu ermöglichen. Die Auflösung des Reichstags kommt den meisten Parteien nicht erwünscht. Darum auch die verzweifesten Versuche, die rettende Formel zu finden. Die Deutsche Volkspartei hatte sich bereit erklärt, sofort nach der Verabschiedung Iber Londoner Abmachungen die Verhandlungen zu erneuern, um die Hinzuziehung der Deutsch- nationalen zur Reichsregierung zu ermöglichen. Dadurch würde dem deutschen Volke ein neuer Wahlkampf erspart, dadurch würde die innerpolitische Lage auf ^nge Sicht hinaus geklärt, da mit Einbeziehung der Deutschnationalen in die Regierung die Mehrheitsfrage im Reichstage gelöst fein würde. Die parlamentarische Regie hat sich sorgfältig vorbereitet, vereinzelte Stimmen können den Ausschlag geben! Die Haltung der Deutschnationalen. Ablehnung der Gesetze durch die Landesverbände. Hebet die Sitzung der deutsch-nationalen Landesverbandsvorsitzenden erfahren wir von deutschnationaler Seite, daß bis 2 Dlhr nachmittags von 42 Landesverbänden 27 zum Wort gekommen sind, von denen nur drei sich für AnnahmedesGutachtens ausgesprochen haben, während alle übrigen sich in scharfer Form für die Ablehnung des Gutachtens durch die Fraktion im »Auftrag ihrer Organisationen ein- sgesetzt haben. Am schärfsten f ü r Ablehnung f sprachen sich die Vertreter der Rhern- lande aus. Die Abänderungsanträge. Wie aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt h>irb, ist die deutschnationale Reichst ags- fraktion gestern abend zu einer Fraktions- sitzung zusamniengetreten, nn noch einmal zu der gesamten politischen Lage Stellung zu nehmen 2lbg. Schultz- Dr)mberg im -neichstag angekündigten Anträge zur dritten Uelung vorz übereilen. Es handele sich um ten in zweiter Lesung angen ommenen vvlks- partetlichen Antrag zum Mantel- g e s e tz, der unter anderem eine frühere Räumung der besetzten Gebiete for- u e r t. Rach Auffassung in deutschnationalen xreuen bestehe keinerlei Aussicht daß sich das Stimmenverhältnis, wie es sich bei den Abstimmungen zur zweiten Lesung gezeigt hat, in der dritten Lesung ändern werde. Die Abänderungsanträge sollen erst heute belannt- gegebcn werden. Die Vorbereitung der Reichstagsauflösung. Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Amtlich. Der Reichskanzler erstattete H ute vormittag dem Reichspräsidenten Bericht über die politische Lage, in deren Beurteilung sich völlige älebereinstimmung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten ergab. Der Reichspräsident erklärte sich mit der Unterzeichnung der Londoner Abmachungen am 30. August einverstanden und stimmte d:m Reichskanzler darin zu, daß die Unterzeichnung auch die Verpflichtung zur Ausschöpfung aller parlamentarischen und verfassungsmäßigen Möglichkeiten für die Verabschiedung der zur Durchführung des Gutachtens erforderlichen Gesetze in sich schließt. Demgemäß erklärte der Reichspräsident dem Reichskanzler seinen Entschluß, den Reichstag aufzulösen, falls die zu beschließenden Gesetze nicht die erforderliche Mehrheit finden. Die rheinische Landwirtschaft für die Annahme. Bonn. 27. Aug. (WTB.) Der Vorstand der L an d wi rt s cha f t s ka m m e r für die Rheinprovinz faßte heute folgende Entschließung: ..Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz hat Kenntnis genommen von der Stellungnahme, welche die Vertreter der Landwirtschaftskammern in den Verhandlungen der Vorstände des Deutsch en Industrie- und Handels- tgges, des Reichsverbandes der deutschen In- cufi rie und des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete zu der durch das Londoner Abkommen geschassenen Lage am 22. August eingenommen haben. Der Vorstand der Landwirt- schaftslammer billigt diese Stellungnahme und stimmt seinerseits der dort angenommenen Entschließung zu, da durch eine Ablehnung die Landwirtschaft des besetzten Gebietes aufs schwerste geschädigt, und einer Zukunft entgegengetrieben würde, bic Wirtschaftl ich und Politisch die schwersten Gefahren in sich birgt und die rheinische Landwirtschaft in ihrer Existenzmöglichkeit erschüttern würde. Dabei spricht aber der Vorstand die zuversichtliche Erwartung aus, daß es gelingen möge, einen Weg zu finden, die Entscheidung über das Londoner Abkommen im Reichstag auf breitester Basis durch alle der Landwirtschaft nahestehenden Parteien herbeizuführen, damit auch die Durchführung der notwendigen Gesetze gesichert ist, wobei weitere Belastungen für die Landwirtschaft angesichts ihrer Lage als untragbar adzulehnen sind, vielmehr der Abbau der als übermäßig längst anerkannten Lasten dringend geboten ist. 3n ähnlicher Weise haben eine große Anzahl von hessischen Landgemeinden S ejung genommen. Alle richten an den Reichs ag die dringende Bitte, das Londoner Abkommen anzunehmen. Schwierige Lage der Macdonald-Regierung. London, 27. Aug. Die „Morning Poft" schreibt, die Schwierigkeiten der sozialistischen Regierung nehmen in schnellem Maße zu. Der Hauptpunkt in Macdonalds Wahlproa^amm sei bekanntlich die Beseitigung der Arbeitslosigkeit gewesen. In drei Wochen habe sich aber die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 7 0 0 0 0 vermehrt. Dieses Ergebnis der Politik der Regierung sei bei Aufgabe der Mc Kenna-Abgabe vorausgesagt worden. Andere Schwierigkeiten, denen sich Macdonatd und seine Kollegen gegenüber» sehen, seien die irischen Schwierigkeiten und der Vertrag mit Rußland sowie die Forderungen der D e r g a r b e i t e r im Zusammenhang mit dem Dawesplan. _ „Die „Westminster Gazette will wissen, daß die Agenten der Arbeiterpartei auf dem Lande vorsichtshalber angewiesen wurden, s ich für mögliche Parlamentswahlen in der ersten Dezemberwoche bereit zu halten- ttitl ^"209. Defa bis w'Ä1« gen de^ Abgeordneten Brodaus gerichtet. Die Abgeordneten Dr. K o r e I l und Dr. Külz (Dem.) stellen sich schützend vor den Platz Brodaufs. Inzwischen bittet Abg. S 1*e 11 e r (K.) um das Wort zur Geschäftsordnung. Bei Beginn seiner Ausführungen steigert sich die Erregung im Saale. Rattonalsozialisten und Kommunisten rufen: Brodaus muh rauf}! Er muh den Widerspruch zurücknehmen. Der sozialdemokratische Tlbgeord- nete Peine stellt sich ebenfalls schützend vor Brodaus auf. Der-i-kTT-Brodauf im Chemnitzer Bezirk gewählte Kommunist Grube dringt auf Brodaus ein und ruft ihm zu: „Mit Ihnen werden wir in Chemnitz abrechnen!" Dabei fuchtelt er mit dem drohend erhobenen Zeigefinger Brodaus fortwährend dicht vor dem Gesicht herum. Inzwischen hatten sich unter dem Andrängen von rechts und links die Abgeordneten vor Brodaufs Platz zu einer dichten Masse zusammen- geballt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Peine, ein Mann von großer, kräftiger Statur, stieß den noch immer vor Brodaus herumgestikulierenden kommunistischen Abgeordneten Grube zurück, der in dem Gedränge gegen feinen Parteifreund Reddermeher schlug. Dieser drängte nun gegen Peine vor und es Tom zwischen ihm und Peine zu einer Schlägerei, die sich schnell auf andere Abgeordnete ausdehnte. In der Hauptsache schlugen Sozialdemokraten und Kommunisten auf einander ein Von den Demokraten kamen nur die Abgeordneten Brodau f und Dr. K o r e ll ins Handgemenge. Dem sozialdemokratischen Ab- georbneten Dr. Hertz wurde von einem Kommunisten die Hand blutig geschlagen. Er verteidigte sich durch Hiebe mit dem Stock einer eingespannten Zeitung. Auf den Tribünen wurden diese unwürdigen Szenen mit lauten Entrüslungskundgebungen begleitet. Der Präsident, der vergeblich versucht hat, Ordnung zu schassen und mit der Glocke nicht mehr durchgedrungen war, verläßt den Saal. Die Sitzung ist damit gesprengt. Die Abgeord^ neten stehen noch lange in erregten Gruppen zusammen. Der Abg. Brodckuf wird von seinen Freunden aus dem Saal geführt. Als nach geraumer Zeit die Faustkämpfer im Saal auseinandergebracht waren, erklärte Präsident Wallraf: „Das unwürdige Schauspiel, das wir so» eben erlebt haben, ist tief beschämend für den Deutschen Reichstag. (Lebhafte Zustimmung auf den Tribünen.) Die Einzelheiten der Vorgänge werden untersucht werden, damit gegen die Schuldigen diejenigen Maßnahmen getroffen werden können, die die Geschäftsordnung vorsieht. Der Aeltestenrat wird zu diesem Zweck um 2 Ahr zusammenzutreten." Außerhalb der Tagesordnung fragt Abg. Frau Golke (Ruth Fischer) (K.), ob Art. 7 des Londoner Abkommens über die Amnestie nicht nur den Separatisten, sondern auch den Kommunisten zugute kommen soll. Sie verlangt Ausdehnung der Amnestie aad) auf das unbesetzte Gebiet. Abg. Soll mann (S.) unterstützt das Verlangen, die Amnestie im besetzten Gebiet möglichst weitgehend auszulegen. Er nimmt die Sozialdemokraten vor dem Vorwurf in Schatz, daß sie in irgendeiner Weise den Separatismus gefordert hätten. Abg. Koch-Weser (Dem.) erklärst, di) Deutsche demokratische Partei bekämpfte alle diejenigen, die gewaltsam gegen die Verkostung vorgehen. Sie fei daher grundsätzlich Gegnerin von Amnestien für politische Verbrechen. (Lärm bei den Rationalsoztalrsten und Kommunisten.) Die deutsche Regierung war gelungen, den separatistischen Landesverrätern Amnestie zu gewahren. Wir seh«.n keinen Grund, dieses Unheil dadurch zu vermehren, daß wir eine allgemeine Amnestie geben. 2lbg. Dr. Fricke (Rat.-Soz) weist die Anschuldigungen des Abg. Koch zurück. Richt völkische Zurufe hätten die Szenen von heute vormittag provoziert, sondern der ganz unverständliche und vom ganzen Reichstag verurteilte, Widerspruch des Abg. Brodaus. Abg. Dr. Q u a a tz (Dntl.) erklärt, er hab? in der zweiten Beratung nicht gegen das Reichsbahngeseh zu sprechen brauchen, Denn er hätte sich nur den inhaltreichen und formvollendeten Ausführungen des tommunistischen Abgeordneten Rosenberg anschließen können. In der weiteren Auseinandersetzung zwischen Demokraten, Völkischen und Kommunisten, die sich unter allgemeinem Lärm vollzieht, erteilt Vizepräsident Dr. Riefer verschiedene O'dnangörusL Obwohl nach den letzten Meldungen Zweifel die endgültige Abstimmung harte stattftn^ni kann wird in parlamintarischen Kreisen versichert, daß heute mit allen Mitteln eventuell unter Zuhilfenahme der Rachtstunden das zu einem erheblichen Teil überflüssige Gerede um feststehende Gesetzesvorlagen zu Ende geführt werden oll. Inzwischen hat seit gestern die Lage Swur insofern eme V e r s ch ä r f u n g erfahren, als die Vorsitzenden der Landesorganisationen der Deutschnationalen Volkspartei fast einstimmig die Ablehnung verlangt haben, aber eine Klärung ist noch immer nicht erfolgt. In letzter Stunde wollen die Deutschnationalen Abände- rungsvorschläge zum Mcmtelgeseh machen deren Annahme den zu einem Ja geneigten Fraktionskollegen die Abstimmung erleichtern soll, doch ist kaum damit zu rechnen, daß der Reichstag. diese Vorschläge annehmen wird. Die Abstimmung wird demnach zum Hasardspiel, dessen Ausgang niemand Vorhersagen kann. Vor der Entscheidung. Don unseremBerliner Vertreter. Berlin, 28. August. In dem Augenblick, wo die entscheidend« "---------J über Annahme oder Ablehnung der , Vereinbarungen im Reichstag vor sich gebt, ist es von größter Wichtigkeit, alle Eindrücke festzuhalten, die man als scharfer Beobachter aus dem Hin und Her der parlamentarischen Hochspannung empfängt. Im Mittelpunkt stehen die Deutschnationalen. Es steht außer 3tocifcl, daß sie entschlossen sind, abzulehnen. Wichtige Verhandlungen sind hinter den Kulissen geführt worden, bei denen nicht nur Kompromiß- fvrmeln auf gestellt wurden, sondern auch Pro- Lbleme, tote die Umbildung der Reichsvegierung Wund die Einführung eines Rechtskurses im Reiche Mund Preußen, wurden eingehend erörtert. Rur r wenige eingeweihte Persönlichkeiten wissen, rnaä in den letzten 48 Stunden hinter verschlossenem Türen vor sich gegangen ist. Rur das eine ließ Im Reichstag kam es gestern mittag — wie wir in einem Teil der gestrigen Auflage bereits meldeten, zu einem unerhörten Zwischenfall, der die Erregung bis zur Siedehitze gesteigert hat. Zum ersten Male ist es im deutschen Reichstag zu einer regelrechten Sch lägerei getemmen, an der sich über 20 Abgeordnete beteiligten. Der beschämende Vorgang rief ungeheure Aufregung hrvor. Die Tribüne n besuch er brachten ihie Entrüstung über das unwürdige Schauspiel durch st ü r m i s ch e Pfuirufe zum Ausdruck. Der Vorgang spielte sich nach Einern Bericht unseres parlamentarischen Mitarbeiters solgeirdermaße.n ab Der nationalsozialistische Abgeordnete Frick, der aus dem Münchener Hitlerprozeß bekannt ist, stellte unter Zustimmung seiner Freunde und der Kommunisten den Antrag, eine allgemeine Amnestie für die p o- litischen Gefangenen in Erwägung zu ziehen, nachdem die Reichsregierung sich in London verpflichtet hat, die bestraften separatistischen Landesverräter zu amnestieren. Wenn niemand Widerspruch erhebe, so könne dieser Antrag sogleich dem Rechtsausschuß überwiesen werden. Trotzdem das Haus im allgemeinen einverstanden schien, trat ganz unerwartet der demokratische Abgeordnete Brodaus hervor und erhob Einspruch. Dies rief bei den Rationalsozialisten und bei den Kommunisten eine derartige Erregung hervor daß mehrere Abgeordnete von der äußersten Linien auf ihn einstürmten und ihn mit Fäusten bearbeiteten. Zahlreiche Abgeordnete suchten sich schützend vor Brodaus zu stellen, wurden aber ebenfalls angegriffen. Dadurch entstand eine wüste Schlägerei, die minutenlang andauerte, ohne dah der Reichstagspräsident in der Lage gewesen wäre, Ruhe zu schaffen. Gegen 20 Abgeordnete waren art der Schläger-i beteiligt, mehrere von ihrer wurden ziemliche üb:l zugerichtet, lieber die weiteren von den Kommunisten verursachten Zwischenfälle, die zu der in der Geschichte des Reichstags beispiellosen Entfernung zweier Abgeordneten durch Kriminalpolizeibeamte führte, unterricht.t der untenstehende Sitzungsbericht. Sitzungsbericht. Berlin, 27. August. Aus der Tagesordnung steht zunächst der Ausschußbericht über den kommunistischen Antrag auf Zulassung aller ausgeschlossenen und inhaftierten Abgeordneten zur entscheidenden Abstimmung über die Gutachtengesetze. Der Geschäftsordnungsausschuß empfiehlt Ablehnung des Antrags. Der vom Berichterstatter, Abg. Hampe (D.-Hann.) vorgeschlagene Aus- schußbeschluh wird von den Kommunisten mit P s ui rufen ausgenommen. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragt wenigstens die vom Präsidenten ausgeschlossenen Abgeordneten zur Abstammung über die Gut- achtengesehe zuezulassen. Das würde sich aus die kommunistischen Abgeordneten Rem'mele und Dr. Schwarz beziehen. Präsident Wallraf erklärt, er werde erst nach Annahme des Antrages zu dem darin enthaltenen Ersuchen Stellung nehmen. Abg. Scholem (Komm.) empfiehlt nochmals den kommunistischen Antrag. Cs sei bezeichnend, daß die Deutschnationalen im Ausschuß gegen den Antrag geftimmt haben, also die Oppositton gegen den Londoner Sklavenvertrag schwächen wälten. Unter Pfuirufen der Kommunisten wird gegen d ie Kommunisten, Sozialisten und Rationalsozialisten der Ausschußantrag angenommen, die Zulassung der Ausgeschlossenen also abgelehnt. Abg. Frick (R. S.) beantragt nunmehr, den früher abgelebten Antrag auf Amnestie der politischen Gefangenen nochmals dem Rechtsaus- schaß zu überweisen. Die Situation habe sich jetzt insofern geändert als am Donnerstag der Reichstag mit der Annahme des Dawesgutachtens auch die separatrstischen Landesverräter amneftieren werde. Als Präsident Wallraf fragte, ob niemand gegen dre Uebertoeifung des von den Ttationalsozialisten eingebrachten Amnestte- antrages an den Ausschuß widerspricht, erhob Abgeordneter Brodaus (Dem.) Widerspruch und machte bamit die Erledigung des Antrages in dieser Sitzung unmöglich. Dieser Widerspruch führte zu unerhörten Szenen« Don den Kommunisten und Rationalsozia- listen wurden Pfuirufe und laute Drohungen ge174. Jahrgang T---------- MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen —vruSnndVerlag, vriihl'fche Univerfilätr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. 5chnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Der Tag der Entscheidung Die Lage noch immer ungeklärt. Donnerstag, 28. August Annahme von W- für die Tagcsnum^^u zum Nachmittag » ohnejedeDerbindlichK^ preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm <). ln Tiehmer - U Krählung .Der u eines von Ws (Dunb ist, Der. K dH zusammen» Ne und Abgründe unl> besser machen, R hat Auch tzn Don Lieb uni) "s erstgenannte ün ngen erschienen >e Erzählungen, bte verdienten Anklang Kalender aus das htum und für alle wische Gedanke mit zeln geschlagen hat a Ocherwih. Lerlaz reis 1 Wl. ßausbühne", di» [eben und im Derürg erschienen tfl (Preis msche Spiele für den agung heraus, .dah Heaters nicht besieg mchne vieler kleines iber Ärdfe, bab die inö Land, Familie m. der ÄMteMvu echche und technisch ne ‘Blüte und Frucht" \ er eme Leihe werb hier zusammenstellte, euem Leben erfüllen Zmaterial geben, das iti und durch ferne für die Kreise, denen >en Wert besitzt Das t heiteren Dresdener 48 W origt* T cllägestattet ist, ist tscher Hauskunst, vor ihre HauÄühnemr er roerben fie ^ os dem Dimsch «r Ü entspricht lil und Zeuilletra: Iorrenz. iches. irriger val-HA ,-SSSZ yÄS ab. SJ fiertet. Ter» S Mkung ZU befolg«^ gab'den E uird Kir» !*&**£! eite «ni* Deriese^r D-tle t hat dürste, M Le d -c M gegen- cdt»^>«r’h ,§vch fe-sk 'N. ' . < reÄ ig^ Oer Alte aus Topper. Roman von Hanns von Zobeltitz. 54. Fortsetzung. (Nachdruck Verboten.) Der Gestrenge lacht dröhnend. „Schau doch, die kleine Kröt'!" Der Junker sieht perplex, möcht' am liebsten nachlaufen, den fliegenden Rock haschen, sieht grab' noch den zierlichen Fuß, zierlich den groben Stiefeln zum Trotz. Weif) nicht recht, soll er lachen tote der Herr Großvater? Soll er heulen? Bleich unb weh ist ihm ums Herz, als toär' drin etwas zerrissen, zersprungen. Aber Tränen! Um solch ein Mädel! Reckt sich aufs neue, rafft sich zusammen, ist Leibpage Seiner Ma'e'tat. Kurier im Allerhöchsten Auftrag — und toär' beinahe ein dummer Junge geworden! Nimmt der Mutter Hand, küßt sie mit leichter Verbeugung: r$te gnädige Frau Mutter mögen verzeihen, der Ritt heut toar recht fatiguant — wenn die Frau Mutter vielleicht etwas zu essen für mich hätten." Freilich, er merkt wohl, die Mutterhand ist anders tote vorher. Merkt auch daß sie sich zwingt, die liebe, liebe Frau, als sie antwortet: „Was mögst du gern haben. . . Kaspar . . . im Vaterhause . . Doch er gibt nicht nach, hat e*t fröhliches Lachen bereit: „Speckeierkuchen ... so es noch Speck und Eier hat." Da nickt sie und geht. Erst in die Küche, dann schnell hinauf, um ein heißes Gesichtchen leise und trostreich zu streicheln, And dann wieder herunter zu ihrem Jungen. Der sitzt in der Herrenstube, rechts den Großvater, links den Ohm, raucht Kanaster tote ein Alter und erzählt. Um s/4 xkc 8 Ayr totrb die Sitzung auf 5 üpi- unterbrochen Präsident Wallraf kommt nach ihrer Wiedereröffnung mit Worten tiefen Bedauerns auf die Prügelszenen des Vormittags zurück. Er ruft den Abg. von Graefe (Rat.-Soz.) zur Ordnung wogen der beleidi- Mqenden Zurufe, die er gegen den Abg. Brodau r gerichtet hatte. Der Präsident fährt fort: Die Prügelszenen, die sich wohl zum Schmerz der über- miegenden Mehrheit unb des Präsidenten hier zu- getragen haben, haben bis zur Stunde nicht restlos aufgeklärt werden können. Richt alle, die sich einer gröblichen Verletzung der Ordnung des Hauses schuldig gemacht haben, sind einwandfreiermittelt. Fest steht indessen, daß als Angreifer sich beteiligt haben die Abgg. Gru,he (K.), Reddermeyer (K.) und Eppstein (K.). Wegen Lieser gröblichen Verletzung der Ordnung des Hauses schließe ich die drei genannten Abgeordneten von der Sitzung aus. (Die Kommunisten rufen: Warum nicht Koretl, Peine und Hertz?) . Abg. Stöcker (Komm.) ersucht ums Wort zur Geschäftsordnung. Der Präsident erklärt, er könne das Wort erst erteilen, toerm die drei ausgeschlossenen Abgeordneten den Saal verlassen. Als nach mehreren Minuten die Ausgeschlossenen noch im Saal siich, unterbricht der Präsident die Sitzung. Rach Wiedereröffnung der Sitzung stellt Präsident Wallraf fest, daß die drei Ausgeschlossenen noch immer im Saale sind. Er erklärt, sie hätten sich dadurch den Ausschluß für 2 0 Sitzungen zugezogen, nachdem die erste Weigerung ihren Ausschluß für acht Sitzungen herbeigeführt hätte. Dann sagte der Präsident: Nach der Reichsverfassung hat der Reichstagspräsident das Hausrecht im Reichstag und Widerstand gegen seine Maßnahmen sind Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die rechtmäßig ausgeübte Staatsgewalt. (Lärm bei den Kommunisten und Rufe: Schupo! Schupo!) Wenn der Täter auf frischer Tat ergriffen wird, schützt ihn nicht die Immunität. (Lärm bei den Kommunisten.) Nunmehr sind die Tribünen für das Publikum zu räumen. (Die Publikumstm- bünen werden geräumt.) Ich bitte nunmehr auch die Herren von den Regierungssitzen, die Herren der Presse und die Abgeordneten den Saal zu verlassen. Dieser Ditte wurde von der Presse und den meisten Abgeordneten entsprochen. Die Kommunisten bleiben im Saal und singen die Internationale. Kriminalbeamte erscheinen dann im Saal und führen die Abgeordneten Eppstein und Grube, die keinen Widerstanö leisten, hinaus. Abg Reddermeyer war beim Erscheinen der Polizei nicht mehr im Saal. Als Präsident Wallraf die Sitzung wieder eröffnet rufen die Kommunisten: Riecher mit diesem Polizeiparlament! Rieder! Rieder! Rieder! Der Präsident bedauert, dah er zur polizeilichen Entfernung von Abgeordneten genötigt gewesen sei. Es sei hoffentlich das letzte Mal gewesen, dah die schwere Verletzung der Würde des Hauses solche Mahnahmen erforderlich mache. (Beifall bei der Mehrheit, Lärm bei den Kommunisten.) Hierauf folgt die Abstimmung über die Gutachtengesetze in zweiter Lesung. Die Kommunisten beantragen namentliche Ab- stimnrung über das Bankgesetz. Die zur Durchsetzung dieses Antrags erforderliche Unterstühung von 50 Abgeordneten wird dadurch erreicht, dah sich auch die Nationalsozialisten mit den Korn- -munisten erheben. Die namentliche Abstimmung ergibt die Annahme des Dankgesehes mit 249 gegen 1?1 Stimmen. Dagegen haben die Deutschnatio- .nalen, Nationalsozialisten, Kommunisten und . Deutschsozialen gestimmt. Abg. Brodaus (Dem.), Imit einem großen weihen Verbände versehen, gibt seinen Stimmzettel besonders ab. Zwei Ab- ^geordnete haben sich der Stimme enthalten. Vor der Abstimmung über einen Aenderungs- antrag zum Privatiwtenbankgesey gibt Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz ) folgende E r -> kl ä r u n g ab: Die nationalsozialistische Fre h. its- partei ist der Auffassung, die Entschließungen und Anträge zum Datocsgutachten reden sämtlich am Kernpuntt der Vorlagen vorbei und stellen .lediglich den Versuch dar, der deutschnationalen Volkspartei Brücken zu bauen. Die nationalsozialistische Freiheitspartei nimmt deshalb keine Stellung zu den Entschließungen und Anträgen und enthält sich hierbei der Stimme Abg. Di t t mann (S.) gibt dann für die sozialdemokratische Reichs agsfcakt oa cine lün eie Erklärung ab des Inhalts, daß die Sozialdemokratie niemals eine Alleinschuld Deutschlands am Krieg zugegeben habe und dah sie auch in den übrigen Punk- • ten auf dem Boden der in den Entschließungen und Anträgen der Mittelparteien ge e l- ten Forderungen stehe. Diese Entschließungen und I Anträge könnten aber an dem bestechenden Rechts- zustand nichts ändern. Ihre Annahme solle lediglich zur Verschleierung der Tatsache dienen, dah versucht wird, die Deutschnationalen durch Einräumung von Regierungsstellen und wirtschaftlichen Zugeständnissen zu einer Aenderung ihrer bisherigen Haltung zu bewegen. Die Sozialdemokratie werde deshalb diese Anträge und Ent- schliehungen ablehaen. Das Privatnotenbankgeseh, das Gesetz über die Liquidierung der Rentenbankscheine und das Münzgeseh werden in einfacher Abstimmung in zweiter Lesung unverändert angenommen, das Gesetz über die Industriebelastung in namentlicher Abstimmung mit 247 gegen 173 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Zum Aufbringungsgesetz werden die bolksparteilichen Aenderungen angenommen, die auch die öffentlichen Betriebe belasten wollen. Die Gesamtvorlage wird angenommen. Vor der Abstimmung über das Reichsbahngeseh zieht Abg. Bredt (Wirtsch. Vgg.) seinen An- loag zurück, wonach zur Annahme des Gesetzes die einfache Mehrheit genügen soll. Die Reichsregierung habe sich leider ohne Reichstag und Auswärtigen Ausschuß zu fragen, in London auf die Bedingung einer Zweidrittelmehrheit f eftg e legt. 2lbg Stöcker (Komm.) verliest dann eine längere Erklärung, die es verurteilt, dah Abg. Brodaus durch seinen formellen Widerspruch die Beratung des Amnestiegesetzes verhindert und Abg. Korell die Erregung gesteigert habe durch den Ruf: Die politischen Gefangenen würden in Haft bleiben, solange die Demokraten die Macht hätten. Als Abg. Stöcker auf die erregten Szenen dorn Vormittag eingeht, wird er vom Präsidenten Wallraf wiederholt zur Sache gerufen. Nach dem dritten Rufe zur Sachs', befragt der Präsident das Haus, ob dem Abg. Stöcker das Wort entzogen werden soll. Als dies beschlossen ist, richten die Kommunisten Entrüstungsrufe gegen die Sozialdemokraten, deren Mehrheit für die Wortentziehung gestimmt hatte.^ Komma- nisten und Nationalsozialisten setzen gemeinsam die namentliche Abstimmung über das Reichsbahngesetz durch. Darauf rufen sozialdemokratische und Mitglieder der Mittelparteicn laut: Ludendvrff und Katz zusammen! Heil! Heil! Die namentliche Abstimmung ergibt 248 Stim- men für und 174 Stimmen gegen das Reichsbahngesetz. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit Ware damit nicht erreicht. Das Gesetz über die Personalverhältnisse wird in einfacher Abstimmung angenommen. Vor der c , Abstimmung über das Mantelgeseh zum Lon- doner Abkommen erklärt Abg. Schultz- Dromberg (D.-N): Für den Fall der Annahme des Aenderungsantrages der volksparteilichen Forderungen der beschleunigten Ruhrräumung usw. behält sich die deutsch- nationale Partei Abänderungs anträge für die dritte Lesung vor. (Hört, hört!) 2lbg. Schultz-Bromberg: Jawohl, hört, hört! Abg. Koch-Weser (Dem.) erklärt, die Anträge enthalten, glatte Selbstverständlichkeiten. Die Demokraten würden diese Anträge ablehnen. Die Anträge der Volkspartei werden gegen dre Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und Deutsch-Sozialen bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten angenommen. In namentlicher Abstimmung wird «chann das Mantelgeseh mit 248 gegen 175 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Damit ist die zweite Beratung der Gutachtengesehe abgeschlossen. Nach 8V* Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 10 Uhr vormittags. Auf der Tagesordnung stehen neben kleineren Vorlagen und dem Amnestieantvag der Nationalsozialisten die dritte Beratung der Gutachtengesetzr Die Aussichten der Schutzzollvorlage. (Eigener Informattonsdtenst.) Berlin, 28. Aug. Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion hat gegen eine sofortige Verabschiedung der Schutzzollvorlage durch den Reichstag Einspruch erhoben. Aus diesem Grande wird die Schutzzollvorlage nach der ersten und weiten Lesung dem Ausschuß überwiesen. In ten der Regierung nahestehenden Kreisen wird darauf hingewiesen, daß im Falle einer Reichstagsauslösung die Schutzzollvorlage hinfällig würde. Erst nach dem Ausgang der Neuwahlen werde sich entscheiden lassen, ob dann eine Re- gterung gebildet wird, die bereit wäre, die Schutzzollvorlage d:s Kabinetts Marx-Strefemann ebenfalls dem Reichstag vorzulegen. Aus aller Wett. Ein furchtbares Automobilunglück. Im vollbesetzten Autobus verbrennen zahlreiche Kirmes-Gäste. A m st e r d a m , 27. Aug. (WTB.) Ein schwe- res Automobilunglück ereignete sich heute nacht auf der Chaussee zwischen Heino und Raalte in der niederländischen Provinz Overijssel. Ein vollbesetzter Autobus, dec von einer Kirmes m Heino zurückkehrte, geriet auf ungeklärte Weise in Brand und war nach wenigen Sekunden vollkommen ausgebrannt. Es entstand in dem Wagen eine unbeschreibliche Panik, da die beiden Wagentüren abgeschlvs- ten waren und die Schlüssel in der Verwirrung nicht gefunden werden konnten. Vorbeifahrenden Radfahrern gelang es, einige Personen durch die Fenster ans dem Wagen herauszuziehen. 2 i e übrigen Passagiere verbrannten vollständig, so daß die genaue Anzahl der Opfer noch nicht festgestellt werden konnte; sechs Lerchen wurden bisher identifiziert. Ein Insasse saß noch aufrecht, aber völlig verkohlt im Wa- gcn. ©er Chauffeur und die wenigen Geretteten mußten infolge ihrer schweren Brandwunden ins Krankenhaus geschafft werden. Goethes Geburtstag in Weimar. •Bum heutigen 175. Geburtstag von Goethe haben sich zahlreiche Fremde in Weimar ein- gcfunben. Das Goethe-Nationalmuseum und die Häuser um den Goetheplatz sind mit Girlanden reich geschmückt. Die Feier Begann mit der Eröffnung einer Goethe-Ausstellung, die sehr wertvolle Handschriften ,des Meisters aufweist. Wcrkftättenfahrt des Amerika-Zeppelin. Uebcr eine gestern stattgefundene Werkstättenfahrt des Amerikaluftschisfs Z. R. 3 wird mitgeteilt, daß sie sich über das ganze Gelände auf der deutschen Güte dsss Bodensees erstreckte und vor allem der Erprobung der Motoren und der Fahrgeschwindigkeit sowie der Tragfähigkeit, Manöverierfäh gkeit und der Vermessungstätigkeit diente. Das Schiff bewegte sich in der. allgemeinen Höhe von 400 Meter. Trotz des regnerischen und böigen Wetters verlies die Fahtt in allen Teilen zur vollen Zufriedenheit. Die Teuerung in Polen. Warschau, 27. Aug. (WTB.) Die Regierung hat, um der fortschreitenden Teuerung in Polen entgegenzuwirken, den Beschluß gefaßt, die Ausfuhr von Ge treibe aus Polen v o l l st ä n d i g z u v e r b i e t e n. Gleichzeitig soll eine Kreditaktion eingeleitet werden, durch die ein weiteres Ansteigen der Preise für Getreide und Brot verhindert werden soll. Granatenexplosion beim Lehrkursus. Warschau, 27. Aug. (WTB.) Heute explodierte in der Warschauer Zitadelle im Lehrzimmer des Anteroffizrerkursus eine zu Schul- 3wecken aufgestellte Granate französischen llr- prungs. 14 Personen wurden verletzt. Aus Stabt und Laub. Gießen, den 28. Aug. 1924. Die Großmutter von heute. „Großmutter hat keinen Feiertag," diesen Satz aus dem bekannten Schwabschen Gedicht „Das Gewitter" scheint in unseren Tagen einen nie geahnten Sinn und Umfang zg erhalten. Wenn man unter „ Feiertag" ein behagliches Ausruhe.i rat) des Werktags Hast und Mühen versteh, einen Lebensabend, der cingetaucht i t in den Goldgkanz der Märchenerzählerin, die für die Eiikelkinter aus altem Sagen- und Eeschich'egvorrat st.ts neue bezaubernde Bilder h rvorkramt. dann ist di.ser gemächlichen Beschaulichkeit freilich ein Ziel ge- etzt worden. Unb das begann schon in der Kciegszeit. Die Kri^gerfraue i ging 'n auf Arbeit, versahen in einer Menge von Betrieben den Dienst der Männer, dieweil ihre Mütter dah im den Hausstand besorgten, die klei ei Km er warteten oder bei schönem Wet.er auch ausführten. In den Anlagen sah man sie sitzen in Scharen, das Strickzeug in den fleißigen Händen die K n e :<= wagen schiebend, in nie ermüdender Geduld immer von neuden Ball oder RAen aufhebend, de die unruhigen kleinen Spielhänoe hingeichleadert hatten. In der Rachkreg'zeit blieb be e • Dienst bestehen. 2Ib:r die Sieb tejäh ige.n st.ll en sich nicht nur als emsige Hilfsarbeiterinnen d.r Tochter, der Schwieg.rtochtrr zur Verfügung, — sie mußten sich oft genug auf die Suche begehen nach eigenem Verdienst. In ten schweren „ Friede's- •ahren", die nur ein teilwei es Aufatmen v^m harten Druck brachten, dursten unsere Frauen nicht alt werden, ober sich etwas auf befonre e Grohmutterrechte hinsichtlich der Fürsorge und Schonung berufen. Aber, wenn man sie befragt, wünschen sie das gar nicht einmal. Sie wollen sich Plagen, mühen, wollen wieder jung sein, well sie es müssen, And das C2M führt zu wunderbaren Verjüngungskuren. Au- die besorgte <$rage: „Aber können Sie das denn noch Liften?“ lautet die keineswegs mit vedrossener Miene gegebene Antwort fast immer: „Ach, es geht sckon noch, es muß eben sein! Ich bin ja so froh, daß ich noch etwas schaffen kann." And, wenn es sich dann trifft, daß das junge Volk ausschwärmt, die Gelegenheit ergreift, sich durch einen Verwandtenbesuch ober eine kleine Reise aufzufrischen, bleibt Großmutter daheim, hütet das Haus und begleitet mit ihren Gedanken die Fernen. Alls ihren Erfahrungen vermag sie noch immer beizusteuern, was nützen und belehren kann, so nebenher, ganz zwanglos, denn die aufdringlichen Ermahnungen sind bei der Jugend weder beliebt »roch fruchtbringend. Aber es ist eine bekannte 'Sache, daß Großmütter den Weg zum Herzen ihrer Enkelkinder ost schneller finden als die Eltern, die viel leichter die Geduld verlieren. Großmutter ist im Kreis ihrer Familie eine wichtige Person geworden, ohne die man sich ben Haushaltungsbetrieb kaum noch vorstellen rann, zumal sie auch lebhaften Anteil nimmt an altem, was die Ihrigen bewegt, was an sie herantritt. Sie unterlassen es.denn auch nicht, Großmutter in alles einzuweihenT^was sich in ihrem Umkreis abspielt, denn die ehemals gebräuchliche Redensart: „Großchen will ihre Ruse haben, die interessieren die neuen Menschen unb Singe nicht mehr!" hat ihren Sinn eingebüßt. Anstrengender ist der Lebensabend für Großmutter geworden, das ist schon richtig, aber auch inhalt- rei$er. Die Ereignisse rauschen nicht mehr tote Dtlder an ihr vorüber, sie steht noch mitten drin in ihnen, und niemals kann das Gefühl des lieber* flüssigseins sie befallen. Auf den ersten Blick hat es sicher etwas Beängstigendes, wenn man Frauen im Alter der Großmütter nicht nur innerhalb der Familie tätig, sondern auch noch auf den Arbeitsmarkt antreten sieht. Aber nicht in der Suche nach Arbeit liegt das Betrübende, sondern lediglich in der Furcht, keine mehr zü finden, abgetoiefen zu werden, weil man nicht mehr als volle Kraft angesehen wird. Und doch ist das Bild der alten rüstigen Waschfrau, der Ehamisso ein unvergleichlich schönes Denkmal im Liede gesetzt hat, kein Phantasiestück geblieben, zeigt sich uns vielmehr immer |n neuer Umrahmung. E. M Gießener Wochenmarktpreise am 28. August 1924 (Händlerpreise). Es kosteten: Butter Psd. 200—210 Pf., Matte 30, Käse 40—60, Eier Stck. 14—15, Wirsing Pfd. 15, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 8—10, rote Rüben 10, Spinat 30, Bohnen 18 bis 20, Blumenkohl Stck. ICO—150, Salat 2 Stück 15, Ealatgurcken Stck. 10—50, Cinmachgurken 6. Endivien 20-30, Ober-Kohlrabi 8, Linker-Kohlrabi Psd. 15, Erbsen 25, Tomaten 20, Zwiebeln 20, Lauch Sick. 10, Rettich 10, Sellerie 20—30 Pilze Pfd. 20, Kartoffeln 5. Aepfei 15—25. Dirnen 10-40, Zwischen 20—35. Mirabellen 25—30, Aeineklauden 25. junge Hahnen Stück 50—100, Suppenhühner Pfd. 90. * Bornotizen« Rundfunkhaus, Löberstraße, 8V2 Uhr: Volksliederabend. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die grüne Manuela". — Astoria-Lichtspiele: „Der große Sensattonsprozeß". ♦ ** Der Historische Verein für Hessen ernannte den um die Erforschung der Vorgeschichte und der römischen Zeit der Wettevau seit Jahrzehnten hochverdienten Professor Dr. Georg Wolff in Frankfurt zu seinem 80. Oe burtstage zum Ehrenmitglied. "^EinweitererVortr/lgderLand- wir t s cha f t s kamm er. Am Donnerstag, den 4. September 1924, nachmittags 3 Ahr, findet in W e 11 e r f e l d ein Gang durch die Obstgärten und abends 8 Ahr bei Gastwirt Christ. Müller 3. ein Vortrag des Obstbauinspektors Wiesner vom Landwirtschaftskammcr-Ausschuß Oberhessen in Gießen über „Bekämpfung der gefährlichsten Obst- und Gemüseschädlinge" statt. ** Besuch des Rhönsegelflugs. Am 20. berg. Woche unternahmen 2 Semester der hiesigen Maschinenbauschule mit ca. 75 Mann unter Führung der Ingenieure Aih - lein und Schuchmann eine Besichtigung bei Rhön-Segelflüge, die sich auf 4 Tage erstreckte Angeregt durch die Beobachtungen auf der Wssterkuppe wurde von' der Maschinenbauschute beschlossen, den Dau eines Segelflugzeuges, sobald es die Mittel erlauben, in Angriff zu nehmen. Straßensperre. Wegen Strahenaus« befferungSarbeiten hat das Polizeiamt die Sperrung des Selterswegs zwischen Kreuzplatz und Goethestraße für jeglichen Fährverkehr bis zum 31. August ds. Is. angcorönet. Erzählt, und sie hören zu. Don des Königs Gnade und wie er ist, toerm er Sorgen und grantige Laune bat; von der Dataille zu Torgau und dem Hungerlager zu Bunzelwitz; von dem lustigen Winterquartier in Leipzig und dem schlechten heurigen; und dann toieSer vom König. Jedesmal, wenn der Junker so recht aus Herzensgrund von seinem Großen König gesprochen, hat der Alte aufgebrummt, aber jedesmal auf das Grunzen ein hastiges .Weiter — wei er!' gesetzt. Darauf ist der dampfende Speckeierkuchen erschienen, Kaspar hat ihm alle Ehre angetan, aber zwischen dem wackeren Kauen immer mehr erzählen müssen: von des Königs Gefolge, von den Generalen und vom lockeren Zeisig, dem Pirch; von Seiner Majestät Feldküche und den Windspielen, von Friedrichs endlosen Schreibereien und seinen vielen Büchern, von seiner Kleidung — „ja, Frau Mutter, die Weste mit dem Spaniol- dreck drauf, die sollten Sie sehen... die müßt' mal in Ihren Waschtrog!" Und als er endlich ausgeschöpft toar wie ein Drunnen in der Wüste, wenn eine Karawane über den hergefalten, und seine Lippen trocken vom vielen Sprechen, da hat er gebeten: „Und ihr! Jetzo seid ihr an der Reihe!" Da haben sich Frau ‘Beate und der Ohm angesehen, und der Großvater hat geknurrt: „Lieber nicht, mein Jung'. Möcht' mir den schönen Tag nicht verderben." Aber ein Wort hat doch das andere gegeben, bis der Junker das ganze Elend erfahren, und das alles, alles noch viel schlimmer, als es die Frau Mutter ihm geschrieben. Zwischen all dem, was er so vernommen, ist ihm immer wieder die Erinnerung an den Rot- köpf gekommen. Hing ja doch auch mit ihr zusammen: der Tod des guten Magisters, und wie sie wohl hätten Hungers sterben müssen in der Pfarre, Ruth und die Blutter, wenn der Giwh- vater als Patron sie nicht ins Herrschaftshaus genommen. „Hat mich nicht gereut," meinte der Alte. „Die Frau Magister sieht man kaum, und die Kleine ist brav. Kommt auch auf zw i Mäulchen mehr oder weniger nicht an." Dabei hat der Junker gemerkt, dah die Frau Muster ihn so eigen angesehen, fragend und fast tote mit stummer Reprimande. War ihm auch fetter nicht ganz wohl. Etwa so, daß er unsicher sinnierte: .Hast du dich vorhin benommen, wie's dem Pagen Seiner Majestät gebührt oder recht wie ein dummer Junge? Oder gar wie ein eingebildeter Aff'?' Ganz allmählich hat sich die 'Wagschale seiner Uebertegung mehr und mehr nach der Seite des dummen Jungen geneigt. Dis er endlich herausgeplatzt. „Möcht' doch der Frau Magister auch Guten Tag bieten —“ lieber all dem waren ein paar Stunden verflossen; die dicke Liese hatte Kaffee gebracht, der freilich stark nach Eicheln und allerlei gebranntem Wurzelkram schmeckte, ganz anders als der, der in des Königs Feldküche gebraut wurde, wofür die Waffeln desto besser waren; langsam toar die Dämmerung berabgefunfen. And als der Junker nun mit seinem guten Willen kam, nickte die Frau Mutter ihm Deifall. „Dazu kann Rat werden, Kaspar. Balde —denn wir geh:n jetzt alle miteinander zur Kixche.' „Zur Kirche?" / »O ihr Heiden! Hast du denn ganz vergessen, bah unL heute der Heiland geboren wurde?" Uni) der Alte lachte bitter: „Da siehst du, Christel, du auch, Beate, wie es ist im Feldlager des Königs! Was schiert ihn Jesus Christus? Du aber sollst dich schämen, mein Jung —“ Das wollt' der Junker denn doch nicht so hinnehmen. Suchte sich allo mit feinen QUärf_f :n LU exkusieren, wobei allemal der K^le rder zu kur; .käme, und sprach davon, daß Seine Majestät streng« auf die Feldgoties dien sie hielte, und wie schön immer sein Freund, der Cajetan Grolich, dabei predigte, so herzinnig und herzbewegend, wie er sonsten nimmer gehört. Wurde ordentlich warm dabei, sprach und sprgch, bis auf einmal das kleine dünne Toppersche Kirchturmglöcka;en zu läuten begann. Da standen auch schon die Frau Magister an der Tür und Ruth Ganz feierlich sah sie aus und tiefernst, im schwarzen Mantel und mit glattgestrichenem Haar unter der dunklen Ka- potte; das Gesichtchen dazu seltsam schmal und blaß. Sah auch nicht auf, als er jetzt zu ihrer Mutter trat und in artigen Worten sein Beileid aussprach. Frau Beate hatte schon die Lichte bereit gestellt, kleine selbstgszogene Wachslichte, für ic:en eins auf einem Holzbrettchen. Dec Ohm schlug Feuer. And dann gingen sie mit den brenne ib n Lichtern durch die windstille Christnacht znr Ki^ch’. Just so, wie sie es in glücklicheren Jahren getan. And wie in glücklichen Jahren saß die ganze Gemeind», alt und jung, im Gotteshause, and in aller Rot b?r Zeit hatten doch alle ihre 6ren= renden Lichtlein vor sich, die im dunklen Raum leuchteten, wie hundert einzelne Sterne. (Fortsetzung folgt.) - e, 8% Ü&r: W li Dahnhosstrahe: Moria-Lichtspielen wieder Jlcoer irM“ Ä i“ i» fÄ't0' tzr-Zr i,*~Ä *n fann?' ^u- 5Ä jSüS Z58 fiJS«; 355*1 1M ™ fe: ÄS*«* Ä L,'s KE $ä JS.* Blick mo« "E" auch n«4> t *W. Betrüg kme mehr zü ; man nich- ? V- Ad d-ch hL^Ä011' der « M11I im ^iesluck geblieben, ' in neuer Umrafr. E.K "nrktpreise önblerpreise). 3017210 Pf-, Matte -1“, Wring P d 20, gelbe Rüb.-n :t 30, Bohnen 18 150, Salat 2 Stück Cimnachgurien 6, bi 8, Unterhöhl, 20, Zwiebeln 3, Sellerie 20-30 W 15-25, Blc. Mirabellen 25-30, M Stück 50-100, er ein für Sfel« lorschuug der Dor- Zeit der Dettemu len Professor Dr, zu seinem 80. ®fr lied. ir/igderLand- n Jomierstag, den s 3 Uhr. sinkt in rch die Obstgärten ct Christ. Muller S. >ektvrs Wiesner lusschust Oberhessen ng der aesähr- üseschädlinge segelslugs- Arn >n 2 Semester der chule mit cd. <3 Ingenieure W re DesichtigM del i 4 Tage crsttr-Üe chtungen aus der MschlnenöauschaK es Scgelslag Uttel erlauben, m Degen etrabcnauß- olizciamt die Sj« zwischen Kreuzp h Fuhrveckhr bis ter: > ,ie? ** ~i ist im Feldlager fjha Christus? ein Lang - S-JSg .c hielte, und W it;Ä au eunnat M85** rs& Berte« I->" ö « mit W Ä* Sfef -fFk-- ne ** * Personalien. Erncnrrtt wurden: der Ministerialrat im Ministerium des Innern Dr. Wilhelm Wehner zum QRitglieb der Prü» sungskvmmission für das 3 u st i z- und Derwaltungsfach: der Schwerkriegsbeschädigte Georg Metzler zu Friedberg mit Wirkung tom 1. August 1924 an zum Amtsge- hilseir bei der Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft zu Friedberg Am 18. August 1924 ist der Dorstand der landwirtschaftlichen Schule zu Schotten, Landwirtschaftsrat Ernst Metz, zur Seit zu Offenbach, mit Wirkung vom 1. August 1924 an zum Vorstand der landwirtschaftlichen Schule zu Offenbach unter Belassung seiner Amtsbezeichnung als Landwirtschaftsrat ernannt worden: am 22 August 1924 der Landwirtschafts- rat Dr. Philipp Helfert an der landwirtschaftlichen Schule zu Lauterbach mit Wirkung vom 1. September 1924 an zum Vorstand der landwirtschaftlichen Schule zu Schotten: der Landwirtschaftsrat an der landwirtschaftlichen Schule zu Alsfeld Dr. Otto Lehr mit Wirkung vom 1. September 1924 an zum Vorstand der landwirtschaftlichen Schule zu Lich unter Belassung der Amtsbezeichnung als Lardwirt- Fchaftsrat: der Regierungsbaumeister Adolf Dru- sius zu Friedberg mit Wirkung vom 1. September 1924 an zum Regierungsbaurat bei einem Kulturbauamt. “ D i e Höch st reuten nach dem De - sahungSpersonenschadengeseh fit* mit Wirkung vom 1. August laut einer Verordnung des Reichsministers für die besetzten Gebiete in den Jahresgrundbeträgen bei Erwerbslosigkeit mit 1464 Goldmark, bei Hilflosigkeit mit 1980 Goldmark festgesetzt worden. Der Grund- betrag des Kinderzuschlags beträgt jährlich 240 Golbmark. • D ie Stoppuhr nicht beweiskräftig. Eine für Automob Allsten wichtige Entscheidung fällte daS Potsdamer Amtsgericht. Ein Berliner Kaufmann fuhr mit seinem Kraftwagen die Strafe Potsdam—Bornim. Auf der Chaussee trurde der Kraftaxtgen durch einen Landjäger angehalten und die Rümmer festgestellt. Später erhielt der Automobilbesiher einen Strafbefehl wegen zu schnellen Fahrens. Der- Beamte hatte mittels einer Stoppuhr eine Fahrtgeschwindigkeit von 51 Kilometer festgestellt. 3m Einspruchverfahren vor dem Potsdamer Amtsgericht wurde der Angeklagte mit der Begründung freigesprochen, das) das Gericht eine unbedingte Zuverlässigkeit einer Stoppuhr nicht mehr anerkenne. RDV. Frankfurt — München mit D■ 3ug 9 4. Der D-Sug 94, der eine gute Verbindung von Frankfurt (Main) (ab Frankfurt 8,45, an München 7,00) nach München über Stuttgart herstellt, wird von Frankfurter Reisenden noch immer sehr wenig benutzt. Die Reisenden ziehen es vor, mit dem um zwei Stunden später liegenden l^-Zug 48 abzufahren, obgleich dieser meist überfüllt ist. Auch fährt der O-Zug 48 häufig, da er in Frankfurt im Gegensatz zu O-Zug 94 Anschlüsse abzuwarten hat, verspätet ab und trifft infolgedessen auch in München mit Verspätung ein. Der 0-Zug 94 verlädt dagegen Frankfurt stets fahr- planmäßig und kommt pünktlich in München an, so daß die Anschlüsse in München nach dem Süden immer sichergestellt sind und leichter erreicht wer- den als mit dem O-Zug 48. Es wird noch daraus hingewiesen, dah im Zuge D 94 aufter einen 2. Klasse-Schlafwagen noch ein Liegewagen 3. Kl. läuft. 3m D-Sug 48 verkehren dagegen nur Schlafwagen 2. Klasse. Landkreis (Stegen. • Grünberg, 27. Aug. 3n der gestrigen Gemeinderatssihung wurden folgende Punkte der Tagesordnung besprochen: 1. Ein Danges ach des Gerichtsvollziehers König und des Obe: postsckretärs Müller ruft eine lebhafte Debatte darüber hervor, ob es im 3ntereife der Stadt liegt, den sog. Feldgraben als gewöhnliches Baugelände unter herabgesetztem Preis aus der Hand abzugeben, wie es seither zur Förderung des Wohnungsbaues in der Gattenstraße geschehen, oder ob dieser gröbere und näher bei der Stadt gelegene Platz nicht durch öffentliche Versteigerung ein weitaus günstigeres Ergebnis für die Stadtkasse bewirken solle, zumal mehrere Liebhaber dafür vorhanden sind. Die endgültige Entscheidung wird vertagt. 2. Dem Verlangen der Bäcker, den Preis für das im Frühjahr von der Stadt gekaufte Holz herabzusehen, wird nicht entsprochen. 3. Die Preise für das an Handwerker und Private abgegebene Ruhholz werden festgesetzt. 4. Reben dem bei der Bezirlssparkasse bestehenden Konto soll auch bei dem Dorschuhverein Konto- lorrentverkehr eröffnet werden. 5. Die genfer b- l i cf> e Fortbildungsschule benötigt an drei. Wochenvormittagen einen Zeichensaal, da sie mit Beginn des Winterhalbjahrs den zur Zeit benutzten Raum der Landwirtschaftlichen Winterschule räumen muh. Sobald die letzten: Ausgewiesenen in ihre Heimat abgeretft find, soll der von ihnen benutzte untere Rathaussaal zur Verfügung gestellt werden. 6. Den bei den Räumungsarbeiten an den Brunnenbergteichen beschäftigten Arbeitern wird em Gutschein zur Anschaffung von ein Paar Schuhen bewilligt. 7. Die zur Herstellung einer Wohnung im Rebengebäude des Wasserwerks erforderlichen Arbeiten werden vergeben an die vereinigten Grünberger Schreiner, an Maurermeister Dock Zimmermeister Haas und Glaser- meister Säubert. 8. Gegen den Wirtschafts- Plan für den Stadt wald Tn Etatsiahr 1924/25 werden Einwendungen nicht erhoben. 9. Ein Gesuch des K. Rühl um Regelung der Lieberwandlungsfrage bzw. um Verkauf von Gelände hinter feinem Hause wird vertagt. 10. Wegen der hohen Stempelgebühren bei den Bieh - Märkten werden die Standgelder entsprechend erhöht. t ® rün berg , 27. Aug. Die Dau tä tig- f e i t macht in unserer Stadt erfreuliche Fortschritte. Drei Reubauten sind im Rvhlau ziemlich fertiggestellt und drei weitere Bau lustige reflektieren auf Dauplätze am Färbergraben und auf Feldgraben. Die Stadt gewährt seit kurzem durch die neu verputzten Häuser einen recht erfreulichen Anblick. Besonders die alten schönen Fachwerkbauten auf dem Rlarktplatz, die architektonisch richtig renoviert sind, tragen hierzu wesentlich bei. — Trotz des anhaltenden Regens haben viele Landwirte die paar Stunden Sonnenschein benutzt, um manchen Wagen Frucht unter Dach uitt> Fach zu bringen. Leider ist cd nicht allein die ungünstige Witterung. die der Frucht so sehr geschadet hat, sondern auch die Sperlinge, die in ungeheuren Schwärmen auf den Feldern einfallen und mit ihrer Gefräßigkeit grobe Verheerungen anrichten. Diesem älebelstand tönnle nur dadurch abgeholfen werden, dah die Feldschützen, wie es an anderen Orten bereits der Fall ist, auf ihren Dienstgängen 3agdgewinarckst7,. I KW« der WWnWMMMmM (vormals Palast-Lichtspiele) __ am Sonntag, dem 31. August, mit dem diesjährigen Berg- und Sportfilm N h Schicksals in Uraufführung Spieldauer vom 31. August 1924 bis 8. September 1924. Spielbeginn Sonntags ab 3 Uhr, werktags ab 4 Uhr. Der Film ist für Jugendliche zugelasien. 6626c 022862 Telephon 63. SeWslmöffniW und -WMlW. Einem wetten Publikum von Lich und Umgebung zur Kenntnis, daß ich in Lich, Butzbacher Str. 23, eine UMlM-HMMMM eröffnet habe und bitte um gefälligsten Zuspruch. Karl Hahn, Mechaniker 'Giessen öchulsiraße | Vermietungen r&tnnycecte/^ zum ien$ /Luöfald der- *~l/1ZcLre özhjcL r&ir aiz^erordentfLcft, zzzfrcede/i. Lagcrs ein 6609D Sonderangebot (Klubzimmer), 6607c 2.75 BMfieel ™;2.40 loHUfte 1^2.40 M » M n » Offiziere der f» H cn Über 600 Filialen IWM B*Ü2.» 111^3.40 IV »3.80 V*U40 II »3.00 III »3.60 Heinrich Driesch, Seltersweg 70. g Q tf) S s w o s tfl s « Schokolade Bonbons W sortiert 3 Tafeln fi QK Himbeer u. Drops ß Oft M a 100 Gramm Jt 03 Pfund ä Ü.OÜ | Hamburger Kaffee-Lager Louis Ralph Angelo Ferrari LICHTSPIEL HA U S Heute bis einschließlich Samstag: Dre Geldknappheit oernrsachte eine ungehenere Urnsatz- stockung. Diese zu lockern, muhte ich mich entschließen, trotz der erneut anziehenden Preise, einer verehrlichen Lrundschaft in allen Artikeln meines Vergebung von Pflasterarbeiten. Zwecks Anlage eines Zufahrtsweges nach dem Hof des Kraftwerks Wölfersheim sollen 490 qm Kopfsteinpflaster unter Hinweis auf die Vergebungsvor- fchristen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Zeichnungen und Bedingungen liegen auf unserem Baubureau in Wölfersheim, Heyenheimerweg 25 zur Einsicht offen und werden Angebotsunterlagen zum Selbstkostenpreis daselbst abgegeben. Angebote sind mit Aufschrift: „Pflasterarbeit Kraftwerk Wölfersheim" bis zum 3. September vorm. 11 Ahr in Ariedberg einzureichen, woselbst die Eröffnung in Anwesenheit erschienener Bewerber stattsindet. Zuschlagsfrist 10 Tage. Friedberg, den 26. August 1924. Hessisches Hochbauamt. 3. B.: Schaumburg. 6618V toiNoe1/1 1.25 la Rotwein Meier Sporlclub von ■ Alte- Herren - Vereinigung wichtige Besprechung Leichtathletische Wettkämpfe. Zusammenkunft am Freitag, dem 29. ös. Mts., im Gasthaus Boller Kompletter Treschwagen (Fabrikat Garret (Smit), 35 Ztr. Stundenleistung, in tadellosem Zustande, mit särntl. dazu gehörigen Riemen, 1 Jahr gelaufen, kompletter Motorwagen mit 16,5 P. 8.-Motor, fertig montiert, mit 50 Meter Dreschkabel, nur ein Jahr gebraucht, zusammen zum Spottpreise von Mk. 3500.— gibt ab 66080 Mowag G.m.b.H., Steinstr. 76 Zahlungserleichterung. BMuwet 2.:: Oemüentndje«i», 1.20,1.«, moO.90 Jüan8 1 Ksei"e Tonia / Kinder Personen-V erzeichnis: Manuela......Jucie Labaß (Budapest) Frau Gazul, ihre Ziehmutter . Grete Berger Pedro, ein Stummer.....Artur Bergen Leocadia Barboza, die Besitzerin des „Hohlen Zahns“ . . 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Vielleicht aber auch in aller Ungereimtheit des Ee chehens — und das kann uns zuversichtlich tn>l) allem stimmen — die unerhörte Mannigfaltigkeit und die gesund gebliebene Widerstands traft des deut'ch n Lebens, das die Ttäjolution und bei Ruhrkmg, das Versailles und deutsche Bolschewiken als Volks,,Vertreter" ertragen muhte und erträgt. Gewiß würde der Weltbü.ger Goethe diesem deutschen Volk in seinem verworrenen und verwirrendem Heermeister hatte einen grotesken Hofstaat wie es etwa im Dierstaat der Jenenser Burschenschaften und Landsmannschaften ein Gegenstück gibt. Da gab es außer einem Herzog Minister, Kanzler und andere hohe Würdenträger. Die Ritterliste erschien in feinster Aufmachung, „nobel wie ein Reichstagskalender". Als eigentliche Stifter dieser Rittertafel sah man den aus Gera stammenden H. Gottfried von Dretschneider und den braunschweigischen GesandtschafWsetretär Goae an. Dretschneider, zu vergnüglichem Hlk aufgelegt, bat den gleichgesinnten Gous. „den possenhaften Ritterorden zu erneuern, den dieser vordem in Wolfenbüttel, wo er das Amt eines Hofgerichts-Assessors ntnogeijabt, ins Leben gerufen“. So entstand unter allgemeiner Beteiligung der sich in Wetzlar rechtschaffen langweilenden Rechts- bcattifanten, Sollizitanten und Gegationssekre- täre, denen noch der studentische Hebermut in den Knochen steckte, diese Rittertafel, die sich nun Dieser schwingt in seinen leuchtendsten Worten, seinen erhabensten Gestalten durch unser Geben wie ein ungreifbarer, unauflösbarer Akkord aus fernen Sphären. Der andere, der Mensch, blickt uns aus Bruder äugen an. Ihn suchen wir, wenn wir nach Weimar pilgern und vor den Zeugen und Resten seines Erdenlebens wie vor Dingen stehen, die uns selbst einmal gehört und gedient haben könnten. Rach ihm fahnden wir, wenn wir niemals müde werden, aus immer anderen Federn die Darstellung seines Lebens auf uns wirken zu lassen, den feinen Beziehungen nachzuspüren, welche von seinen Schöpfungen zu seinen Schichalen zuruckführen. Der mythische Goethe thront zu hoch über uns — der geschichtliche zeigt uns, wenn auch 'm nie erreichbarer Vollendung, die Möglichkeiten und Verpflichtungen unseres eigenen Wesens. Und nichts ist uns notwendiger in dieser Zeit, da um uns und in uns alle die vertrauten Gestaltungen zerbrochen und versunken sind an denen wir Halt und Leitung zu finden gewöhne waren — nichts brauchen wir da so dringend als das Beispiel eines Menschen, dem es gelang, den Schranken unserer Gattung sich immer mehr und endlich bis zur Höhe völliger Befreiung zu ent- raffen, durch strebendes Bemühen sich elber za erlösen. Wenn einem unter uns dies Höchste gelang, so weckt das erhabene Schauspiel solcher Selbsterfüllung auch in uns die brennende Se n- sucht, an unserem armen Teile so hohem Ziele wenigstens zuzustreben — und die gläubige Hoffnung, daß es uns, wenn das Schicksal uns Zeit lassen will, vergönnt sein möchte, eine gleiche Vollendung ob auch nicht zu erreichen, so doch über alle Hemmungen und Trübungen, durch alle Bitternis und Wirrnis unserer Zeit und unserer persönlichen Veranlagung ihr wenigstens so nahe zu kommen, als unsere Kraft bei äufjerfter Anspannung emporlangen mag. Denn in jedem von uns lebt ein Ideal von uns selbst, das freilich von der Wirklichkeit unserer Erscheinung noch unendlich viel weiter entfernt sein mag als Triepels Gott von Triepels Geheimrat. Aber daß es einmal einen Menschen gegeben hat, der diesen Weg vom Geheimrat zum Gott in der Erdentoirklichkeit bis auf den Gipfel hat wandeln können — das gibt uns die tröstliche Gewißheit, daß auch uns auferlegt und beschieden ist, die unendliche Spanne, welche heute noch zwischen der Tatsächlichkeit unseres Diseins und unserem Ideal von uns selber sich streckt, in strebendem Bemühen von - Tag zu Tag zu verkürzen. Die beiden Goethe Von Walter D l o e m. In dem reizenden Tiefurter Schlößchen stehen manchen Anspielungen^ bereichert hatte." Manches nebeneinander zwei Gipsbüsten: beide von Trie- erinnert in Goethes Schilderung ganz auffallend pels Hand. Die eine zeigt einen zur Korpulenz an die heutigen schlaraffischen Gebräuche, so hatte neigenden Herrn in mittleren Jahren mit dünn auch jeder seinen Ritternamen mit einem Beigeworden em, kurz geschnittenem Haar und ver- tvorte Goethe hieß Götz der Redliche Aber, sorgt verschlossenem Gesichtsausdruck. Die anbeie fährt Goethe fort, „in dieses Ritterwefen ver- — einen hellenischen Epheben — nein, einen schlang sich noch ein seltsamer Orden, welcher Sendling des Olymp — mit leuchtendem Antlitz, Philosophisch ijnb mystisch fern sollte und keinen von wallendem Gelock umrahmt, eine Stirn, die eigentlichen Rainen hatte. Der erste Grad hieß ----------- —...... *— ------ *— ■t“!L! des Hebergangs mit Witz, Laune und Komment gesellig versammelte und erheiterte. Goethe war 1772 Mitglied dieser Runde. Der spätere Dichter Gotter aus Gotha, dem Goethe sich vorzüglich anschloh, hat wahrscheinlich das oberste Amt des Heermeisters bekleidet. Auch Graf Kielmannsegge und der junge Jerusalem aus Braunschweig, das unglückliche Hibild des Werther, gehörten mit klingenden Ritternamen dem übermütigen Kreise an. Die verschiedenen Grade haben die Freimaurerei als Vorbild; v. Goue, der eifriger Maurer gewesen sein soll, hat daher toohl diese Einrichtung entlehnt. Don manchen Seiten wird vermutet, daß in den höheren Graden „des Hebergangs" humanitäre Ideen zum Ausdruck kamen, während die Masse der „Ritter", darunter auch Goethe, nichts davon ahitten. Für diese „Profanen" scheinen Freundschaft und Geselligkeit die Zweck dieser Bereinigung gewesen zu sein, wie man es auf der Hniversität als Mitglied eines Studentenordens oder einer Sozietät gewohnt gewesen war. Auch hier zeigt sich eine gewisse Rachahmung der Ritterorden, wie es die damaligen studenti- sche.i Verbindungen auch taten. Ein Zusammenhalten über die Studienzeit hinaus war damals einfach unbekannt. Selbst Goethes „kleine akademische Horde“ in Straßburg hatte ein besonderes Erkennungszeichen, jedoch feaine sonstigen Zeichen korporativen Zusammenschlusses im heutigen Sinne. — Die Rittertafel hat sich einige Jahre hindurch lebendig gehalten: nach dem, was uns überliefert ist, nichts als den Charakter einer heiteren akademischen Stammtischrunde zeigend; mit Goethes Wetzlarer Zeit bleibt aber ihr anspruchsloser Munvnenschanz eng verknüpft. Rvsander. ! 3um Verständnis Goethes Don Dr. Wollgang von Oettingen. Der 28. August dieses IahreS, als der 175- lahnge Geburtstag Goethes, wird an vielen Orten, m vieler Herren gefeiert werden; man freut sich Gelegenheit und CBeranlaffung zu haben, wieder einemal sich zu Goethe zu befennen und im Verein mit Gleichgesinnten oder in der Stille den Bund mit ihm zu erneuern. So ertocift sich Goethe noch immer als eine Macht, als ein wirkendes Element in unserem geistigen Leben, und es ist zu vermuten, daß zur Zeit der Begehung seiner 200- lährigen Geburtstagsfeier dieser Einfluß an Bedeutung noch gewonnen haben wird. Denn die Kenntnis Goethes ist ohne Zweifel in öauernöer Zunahme begriffen. Richt nur bringen seine Werke in die weitesten Kreise und Volksschichten (man denke nur an die Verbreitung des sogenannten Volks-Goethe), f en beim es beginnen auch seine Briefe, seine Tagebücher unb Gespräche in den allgemeinen Besitz überzugehen, Aufschlüsse und Anlegungen zu geben und den Eindruck seiner Persönlichkeit abzurunden. Welche Mengen tiefster Erfahrungen, reifster Weisheit offenbaren diese unmittelbaren Erzeugnisse einer unermeßlichen Geistesarbeit! Ihre Tragweite läßt sich in vielen Fällen nicht einmal völlig absehen — das bleibt wohl künftigen Geschlechtern oorbehal- ten — aber sie bereichern jeden, der sich in sie einzufühlen und sie zu nutzen weiß. Hnd daß dieses ungeheure Material auch denen nicht vvrent- halten bleibt, die nicht in der Lage sind, es sich selbst zu eigen zu machen, dafür sorgt in verschiedensten Formen die biographische wie die räfon- nierenöe Goelhe-Lileralur, ja überhaupt die ganze Presse, insofern diese in zahllosen Artikeln Zitate aus Goethes Besitz, auch selbst schon ganz entlegene, zur Beleuchtung und Stützung neuerer Ansichten bringt. Wenn noch vor wenigen Jahrzehnten nur die zunächst liegenden Dichtungen, der Götz, Iphigenie, Tasso, der erste Teil des Faust, die Balladen unb die Jugendgedichte wirklich Gemeingut waren, so wird jetzt von vielen auch der zweite Teil des Faust studiert, werden die Romane, die autobiographischen Werke und Dokumente, die schwereren Gedichte gewürdigt und begriffen. Man kann sagen, daß kaum eines bedeutenden Menschen Leben und Wirken — Friedrich den Großen vielleicht ausgenommen — so bekannt ist wie Goethes Werden und Sein, und daß seine Schöpfungen in weit höherem Maße als zu seinen Lebzeiten der Welt angehören. Hnwillküu- lich denken wir hierbei auch an Schiller! Seine Dramen, von der Bühne herab der gewaltigsten Wirkungen fähig, und ein großer Teil seiner ©e- dichte werden gleich bei ihrem Erscheinen so volkstümlich, daß ihre Gemeinde damals weit großer war als die um Goethe; aber noch heute liest und kennt man von Schiller kaum mehr als eben diese Gedichte und Dramen, und den Umfang seines erhabenen Geistes ahnen nur wenige, fein tägliches Geben ist nur recht unvollständig bekannt. Goethe dagegen, von seinem ganzen Wirken umgeben und von allen Seiten beleuchtet, steht greifbar da mit allen feinen dämonischen Trieben und rätselhaften Widersprüchen, mit feinen unvergleichlichen Gaben und dem nie rastenden Arbeits- fleih, eine Gestalt wie ein beredtes Denkmal, an dem jede Einzelheit bestimmt und gerechtfertigt hervortritt. Eingehende Kenntnis Goethes ist die Voraussetzung und Vorbedingung für eindringendes Verständnis; je weiter jene sich vollendet, desto umfassender wird dieses sich gestalten, wobei es sich freilich fragt, ob es jemals in vollstem Sinne abgeschlossen wird erscheinen können. Denn da zum Verständnis nicht nur Kenntnisse gehören, sondern auch mitfühlende Empfänglichkeit, so wird jede Zeit nur mit ihrer besonders gefärbten Gesinnung einen Standpunkt zu Goethe gewinnen. Jahrzehntelang war er mit dem Götz der Stürmer und Dränger, der für die ganze Welt dieser Bewegung die Form gab, mit dem Werther der Her- zenskündiger und Erlöser von heiligen Schmerzen, der der Menschheit Wohl und Wehe auf seinen Busen gehäuft und fein eigen Selbst zu ihrem Selbst erweitert hatte: dann zeigte er sich in klassischem Gewände, und die entsprechend gestimmte Zeit jubelte ihm begeistert als dem neuen Griechen zu: noch später drang sein weltweises Olym- piertum durch und in ihm glaubte man den rechten Goethe zu besitzen. Heute suchen wir nicht einer einzelnen seiner Perioden gerecht zu werden, sondern wir streben danach — und wir vermögen es schon ausgiebig — ihn als ganzen Menschen zu verstehen. Er ist soweit historisch geworden, daß ein Heberblick über seine Eigenart allenfalls möglich ist, und diese ist so vieldeutig und weitreichend, daß sie sobald nicht aufhören kann zu gelten. Wir begreifen jetzt den Hebergang vom Stürmer zum Klassiker und werden dem einen tote dem anderen gerecht; wir beobachten das allmählich sich vollziehende Erstarken der naturwissenschaftlichen Interessen des Gelehrten Goethe und finden mit Bewunderung, wie feine Persönlichkeit ihre Grenzen dadurch erweitert, ihre Höhe und'Tiefe steigert: und wenn das Beherrschen fast aller Arten von menschlichen Bestrebungen ihn schließlich dem Hebermenschentum anähert, so erblicken wir darin die organische Entfaltung längstgepflegter Fähigkeiten, also eine notwendige Blüte des mächtig und gesund entwickelten Wunderbaumes, und beugen uns vor ihrer Herrlichkeit, auch wenn vielleicht, einer Vorliebe entsprechend, der junge, noch dumpfe, weniger abgeklärte Goethe uns teurer sein ollte als der vollendete. Das gegründete Erfassen von Goethes Universalität muh uns aber aufs Innigste beglücken: es führt uns an die Helle Quelle seiner Weisheit, zum Anschauen seiner kraftvollen Schicksalsbejahung und zum Miterleben seiner Siege über ich selbst wie über so viele Widerstände. Wir finden in ihm nicht ein Vorbild — denn wer könnte es wagen, ihm nachstreben, nachleben zu wollen? — aber einen vorbildlichen Kämpfer, einen unendlich überlegenen, aber auch unendlich reundlichen Führer. Wäre Freundschaft nicht doppelseitig, so würde man ihn Freund nennen dürfen — so mag er denn ckls Tröster, als Parallel uns gelten, als ein Orakelmund, aus dem Erleuchtung hervortont. Richts Menschliches war ihm fremd, das Mitverstehen machte ihn — trotz oft so schroffer Abwehr — milde und liebevoll- und fein das Schicksal nicht tennt Bride sind gleichzeitig der Hebergang, der zweite entstanden, beide stellen sie Goethe dar. Die eine Hebergang, der dritte des H ift rin Porträt, die andere eine „Idealisierung" gang zum Heber gang, .... nur wiederhole ich, im Geiste ihrer Entsteh ungszett. baß auch nicht ehre Spur von Zweck hinter So leben auch im Bewußtsein des deutschen diesen Hüllen zu finden war.“ Wie in der Schla- Doltes zwei Goethebilder. Das eine zeichnet jenen raffia wurde der Ritterschlag unter Deobach- Goethe, bei- uns aus der Gesamtheit seines rie- tung besonderer Gebräuche erteilt, und man las figen Lebe ns Werkes anschaut und aus den Briefen I babei Abschnitte aus sogenannten kanonischen und Schilderungen seiner Zeitgenossen: den uner- Büchern, wie den Haimonstindern, die dazu ge= müdlichen Arbeiter und Lerner, den Bändiger rechnet wurden. Zweck des „erhabenen Ordens" feiner verzehrenden Leidenschaftlichkeit, den toar angeblich die „Verteidigung des Rechts, die Fürstendiener, Staatsbeamten und Theater- Rettung der unterdrückten Hnschuld". In der Hm- bireftor, den Forscher und Sammler — mit einem gegenb von Wetzlar wurden Dörfer zu Kommen- Worte den Geheimrat. Das andere Bild das I den des Ordens ernannt, ähnlich wie wir es bei unsere Seele bewahrt, zeichnet den Ideal- öen studentischen „Dierdörfern" noch kennen. Eine deutschen, den Erfüller der Sehnsucht des deutschen Mühle ernannte man zur Burg, und den alten Menschen von sich selbst. Den einen, einzige^ | Müller zum Burgherren; und der Präside oder Fall, in dem die problematische Mischung fremdester Grundanlagen und Bildungselemente, -als welche das deutsche Wesen sich darstellt, einmal za widei-spruchsloser Klärung, zu klingender Harmonie sich hindurchgeläutert hat. Den Menschen, der sich zum Gott umschuf. Beide Anschauungen von Goethe sind unseren Herzen gleich teuer, gleich notwendig. Aber mir will scheinen, als ob Uns gepeinigten und entstellten Deutschen von heute ber ringende Mensch doch noch näher stände als der vollendete Gott. Deutschland am Tage Goethes. * Es ist rin Zufall, aber eine zu Dergleichen, Hinweisen and Bemerkungen mannigfaltiger Art beinahe herausfordernde Tatsache, daß just an dem Tage, an dem Deutschland and der größte Tril der Kulturwelt die 175. Wiederkehr des Geburtstages des Titanen von Weimar als einen menschheitsgeschichtlichen Ehrentag begeht, die erkürten Dertreter des Volles Goethes den Schlußstein hinter eine Kämpfperiode setzen sollen, die der in solchen Dingen nicht sehr liebenswürdige Kritiker Goethe vielleicht mit seinem 1807 geschriebenen Urteil kennzeichnen würde: „So viele Köpfe, so viele Sinne. Das ist eigentlich die Devise unserer Ration. . . Sie haben eine Unart, durch übertriebene Forderungen das Geleistete zu vernichten, da sie immer vom Mittelmäßigen leben . . Es liegt uns fern, den Riesen, dessen Seele den gesamten KoSmos umspannte und dessen pro- mriheischer Geist — trotz allem Verbunden sein des Menschen Goethe mit dem Geben und Empfinden des Dolles — hoch erhaben über den Gärm und Streit der Stände und Parteien war, in die Riederung der Alltagspolitik herabzuziehen. Um so weniger, als auch der Minister Goethe and der Herzogliche Geheimbdevath nur Dichter Künstler, geistig Schaffender war, der im hohen Alter seine Stellung zur und seine Ansicht über die Politik in den Sätzen festlegte, die er seinem getreuen (Hermann 1832 diktierte: „Sowie ein Dichter politisch wirken will, muh er sich einer Partei hingeben, und sowie er dies tut, ist er als Poet verloren: er muß seinem freien Geiste, feinem unbefangenen Heberblicke Gebewohl sagen und dagegen die Kappe der Borniertheit und des blinden Hasses über die Ohren ziehen." Rein, wir wollen den Gewaltigen, dem die ganze Welt gerade groß und gut genug zur Einfügung und Auswirkung seines Geistes war, so daß er und nur er die kühnen Worte sprechen konnte: „Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören wie alles Hohe und Gute der ganzen Welt an ...“ wir wollen diesen größten und selbstverständlichsten aller Weltbürger weder als politisches Vorbild, noch als Beispiel« oder gar Banner-Träger für eigensüchtige, politische Ziele von heute aus- rufen. Denn der Mann, der 1817 — nach den Freiheitskriegen I — an Riemer schrieb, „der Patriotismus verdirbt die Geschichte", der in den „Wanderjahren" erklärt: „Richts ist widerwärtiger als die Majorität: denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will . . .“ Dieser Goethe, der 1820 behauptete, „v o r der Revolution war alles Bestreben, nach der Revolution verwandelte sich alles in Forderung", und der 1831 an Zelter schrieb: „Die Hansnarren des Tages wollen den Adel aufgehoben sehen . . . Sie sollten täglich auf den Knien Gott danken, daß man das Altgeprüfte legitim nennen möge . . .“, und der 1826 betonte: „'Warum denn wie mit einem Besen wird so ein König hinausgekehrt? Wären's Könige gewesen, sie stünden alle noch unversehrt. . ." . . . dieser Goethe sollte dem politischen Tagesstreite der Gruppen und Partiten ferne? gehalten werden, als es geschieht. Denn über diesen erhabenen Verächter der menschlich — allzu menschlichen Institutionen stand jener Erkenner der ewig göttlichen Schicksalsmacht, stand der Forscher, Denker und Künstler, dessen Geben Könige und Feldherren, die fvonzösische Revolution unb der deutsche Zusammenbruch, der Große Friedrich, Rapoleon und die Befreiungskriege mit wechselnden Bildern erfüllt hatten, und dessen Weisheit letzter Schluß doch die demütigen Worte waren: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Dieser Goethe mit fernem jubelnden Bekenntnis. „Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkett" .sollte uns und unseren gleichmachenden, prole- tartfierenben, niederreißenden und autvritätslosen Tagen stolzestes, nachahmenswertestes und beglückendes Vorbild fein. Er sollte es. Denn noch immer lähmt der Parieigeist die Freude an der Persönlichkeit, noch immer ist die Führerschaft, der Dienst am Volke ein Geidenspfad, weil nur wenige des Olympiers Rat befolgen und von Gott „große Gedanken und ein reines Herz" sich erbitten. Hnd weil eine Heberheblichkeit auf der einen, eine Hnduldsamkeit auf der anderen Seite herrscht, die im Spiegel des tausendfältig angerufenen „Geistes von Weimar" die ganze Hohlheit und Simiwidrigkeit eines Kultes enthüllen, der das höchste Glück der Erdenkinder nur dann sieht und anerkennt, toerni die parteimäßig äbgetoogene und abgestempelte Gesinnung oder das Verlangen der Hrtellslosen einen Zeitgenossen mit der Dornenkrone einer „Persönlichkeit von Demos Gnaden" schmückt. Zwar würde im Zeitalter des Versailler Dik- tats toohl auch Goethe den Sah von 1828 nicht schreiben. „Eher macht ein Engländer Bankerott, als daß er sich beschimpfen läßt. So handelt das ganze Doll." Aber mit beißender Ironie würde er gewiß die Versuche begleiten, im Romen der Freiheit Dölker zu knechten und im Romen des Rechtes Reiche zu zerstören. „Sie streiten sich, so heitzt's, um Freiheitsrechte: Genau beseh'n sind's Knechte gegen Knechte." Unb Deutschland? Das strebende, ringende, gä- renbe Deutschland? Hngezählte Wunder würden dis Tiefen des Geschehens üjm enthüllen, der noch 1806 Reinhardt erklärte? Zu den charakteristischen Erscheinungen des 18. Jahrhunderts gehören die geheimen Gesellschaften, deren Ziele mehr oder minder verschwommen waren, die aber in der Beobacht ing . .... ____ ______________ gemeinsamer ganz besonderer Dräiche und Zeichen Streben, in feiner ganzen Fehlerhaftigkeit unb vielfach ihren stärksten Zusammenhalt fanden. Hnzulänglichkrit seine besondere Giebe schenken. Freimaurer, Studentenorden, Illuminaten. sie alle Denn mögen wir noch so sehr irren noch so äußer- üblen ihre Anziehungskraft aus und haben sie lich und oberflächlich erscheinen, dieses köstlichste heute noch nicht ganz verloren. Früh schon bildeten Vermächtnis des Titanengristes von Weimar steht sich daneben Gesellschaften und Vereinigungen, doch auch in diesen gärenden Tagen innerer deren Brauchtum und Zeremoniell einen stark und äußerer Rot als Geltstem vor den Sinnen parodistischen Hnterton auftoeifl cvie wir es heule von MUlionen um „Erlösung sich strebend be° noch bei den sehr bekannten und sehr verbreiteten mühender" Deutschen: „Schlaraffen" ausgebildet finden. Daß auch der „Rur der verdient sich Freiheit wie das Geben W6 Goethe in seiner Wetzlarer Zeit einer Der täglich sie erobern muß!" ' wichen -Bereinigung angehort hat, ist wenig be- tennt, trotzdem der Dichter in „Dichtung und Wahrheit" auf das Geben und Treiben der iDUvlyv. „Wetzlarer Rittertafel" zu sprechen kommt: „Wie rn71f ; r - ., , verwundert war ich. als mir anstatt einer sauer- mier Gesellschaft die Sprache, außer den Ritterausdrücken, noch mit wird, txrid>=- D)lksemäh-> Derlauf steigerte »ich dos Geschäft für die Städ'e- anleihen, auch das Geschäft in deutschen Anleihen (x<: , r.' ;----. ***“ iviytiuiuiui jjuare MJH’igt sie sich einen kleinen Pariser Turban. ->u Haremsfrau von heute hat den Kreis ihrer Jede Mutter ist auf dnS Wohl ibreS Kindes bedacht, weih sie doch, dah fein ganzes Sein von ihrer forofamcit Liebe und Pflege nbhäugt. Die Hauptsache bei der Pflege des ÄtndeS bleibt heften Ernährung, und nichts Besseres kann die Mutter tun, als dah sie beim Entwöhnen oder bei unzureichender Stillsähtgkeit dnS altbewährte Nestle'S Kindermehl gibt, denn in diesem Nährmittel sind alle Vorzüge vereinigt, die man an eine tägliche Kost stellen kann: hoher Nähr- und GesundheitS- wert, Wohlgeschmack und leichte Verdaulichkeit Illustrierte Broschüre über Säuglingsvstege kostenlos und unverbindlich durch: „Lind-ri-Gesellschaft m. b. ■£>., Abt. 7, Berlin W 57. 1 Originaldose ist in allen Apoth. und Drog. usiv. für Mk. 1.50 erhältlich Wani (fi Drrli, tlAititr < rtgiming btt tendenziösen S ‘Hämnung bei honet Kocht gestellt to Aanmnng terzeichni machunge ning erwarte Sothnunber derzügliil Der Ui Sieges mc EnM ech iw Lau! bem »g §eutschnatM trägen -u £ Verhandlung /rjcnmg^rt in die sMr Veloeis. 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Er erklärte, dah Ruß- land kein Getreide von dieser Ernte ins Ausland exportieren Formte, Da zum größten Teil eine Mißernte festgestellt werden müsse, durch deren Ertrag die Dol ksernähru n g kaum gesichert sei. ' Die türkische Tabakernte. Die Tabakernte der gesamten Türkei wird in diesem Jahre auf etttxa 60—70 Millionen Oka «etwa 77—90 Millionen Kilo) geschätzt. Davon entfallen etwa 15 Millionen Oka auf das Gebiet von Smyrna-Aidin und Denizli-Earuhau, wo die mi Tabak bebaute Fläche 300 000 Dvnnins (22 560 Hektar) übersteigt. Dieses Ergebnis übersteig! durchaus das Mittel und stellt Diebe st eErnle seitacht Jahren dar. Besonders viel ist von den hochwertigen Tabaksorten Vvrha-nden, nach denen bereits jetzt starke Nachfrage bei steigenden Preisen einzusetzen beginnt. Man nimmt an, Dah für die beliebten Fakta-Tabake von 150 bis 2C0 JMfer für ein Oka erzielt werden können. Bisherige Feststellungen haben ergeben, dah sich auf den Lagern in Smyrna noch 7—ROO 000 Oka Tabak vorjähriger Ernte befinden. Dörfenkurs^ (Ohne Gewähr.) Buntes Allerlei. Die neue Haremsfrau. Die Türkin hat sich zwar aus den Schranken des Harems befreit, aber sonst im Orient besteht er noch fort, und auch in Aegypten herrschen noch Die Haremsfitten, wenn auch freilich in sehr abgemilderter Form. Die neue Haremsfrau, wie Jie uns in der äphptischen Gesellschaft entgegentritt, bewegt sich sehr viel freier als es dem Mo- hamedanerinnen durch viele Jahrhunderte erlaubt *n Dieses moderne Haremsleben des Aillandes läßt uns die Frau des englischen Generalkonsuls Lady Drummond Hay tun. „Jedes Jahr beobachten wir neue Fortschritte und Ber-, anderungen in der Erziehung und im Leben der orientalischen Frau," schreibt sie. „Der undurch- dringliche dreifache Schleier, mit dem sie auf der Straße verhüllt sein mußte, ist jetzt einem dünnen ©etoebe von weißem Chiffon gewichen, das von Ohr zu Ohr befestigt wird und die verführerische Schönheit der schwarz umrandeten Augen nur noch mehr hebt die dahinter leuchten. Der unkleidsame Mantel ist durch ein elegantes schwarzseidenes Adlerwerke vorm. Heinr. Kleher A.-G. Wie die D. A. -Z. meldet, hak die Firma Stinnes ihre Interessen an der Gesellschaft gelöst. Die Stinnessche Beteiligung an den AUerwerken, Die in der letzten Feit etwa 40 bis 50 Mill. Mk. betrug, ist durch Vermittlung der Darmstädter und Aakionalbank an eine Gruppe übergegangen, die zunächst ein bestimmtes Programm nicht offenbart. Die Vermutung, Daß nunmehr ein Anschluß der Adlerwerke an die Interessengemeinschaft Daimler-Benz in Angriff genommen werde, sei aber nicht zu- trefiend. * EinStinnes-Hvtelin Essen. Schon längere Zeit verlautet, daß die Firma Hugo Stinnes ein großes Hotel für fremde Gäste und zur Abhaltung größerer geschäftlicher Versammlungen und Sitzungen zu errichten beabsichtige. Das Projekt an der Delle- und Friedrichstraße scheiterte. Vunmehn verlautet, dah Die Firma Stinnes mit der Stadt Essen in Verhandlungen wegen des Der Stadt gehörenden Hau es an Der Epping» hofer Straße (Zeppenfeldscher Be iy und Vachbarhäuser) getreten ist, um an dieser Stelle das Projektierte Hotel zu errichten. * Keine rus fische Getreideausfuhr. Wie aus Moskau gemeldet tete der Sowjet-Kommissar für Die stellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschatt tn Stuttgart zu Werb^wecken. Staatliche Beihilfen für Jugendherbergen. Verschiedene Regierungen haben in der letzten gelt in anerkennenswerter Weise Beihilfen für dre Zwecke der Jugendherbergen gewährt. Sv bewilligte der Provinz-Landtag Hannover 10000 Mark für den Veubau einer Jugend- b*rbe^^e in der Lüneburger Heide, der Provinz- Landtag in Kiel 1000 Mark, der Provinz- Ausschuß der Rheinprvvinz 11000 Mark die Regierung Arnsberg 3000Mark Schleswig-Holstein 1000 Mark, Bayern 9400 V^ri und das Preußische Wohlfahrtsministerium 500 Mark für Helgoland. Dieses erfreuliche Zeichen eines wachsenden Verständnisses für die berechtigten Wunsche der deutschen Jugend findet hoffentlich recht bald auchanderwärts Vach- ahmung. Gerade hier kann ost mit sehr geringen Mttteln außerordenklich viel geschaffen werden. Verantwortlich für Politik und Feuilletsu: 3. D.: Heinz Gorrenz. *) Dom Ruckzahlungswert. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener blieb gut, während Der Aktienmarkt völlig ruhig blieb. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger.") Berlin, 27. Aug. Die politische Krise in Deutschland hat nunmehr ihren Höhepunkt erreicht. Trotzdem sich Die Aussichten aus Annahme des Vertrages in den letzten Tagen verschlechtert haben, Hofs! man noch immer in Dörsenkreis^n auf eine Kompromißlösung. Gerüchte, die gegen Mittag an Der Börse zu hören waren, wollten sogar bereits etwas von dem Zustandekommen eines solchen plebereinkommens Hülfen. V)m Publikum liegen Qhifträge, wenn auch in bescheidenem Umfange, vor. Arn Anleihemarkt war Das Geschäft wieder lebhaft und Die Tendenz weiter steigend. Die Celdmarktlage blieb weiter unverändert. Am Devisenmarkt sind nennenswerte Veränderungen in Den Votierungen nicht zu verzeichnen. Die Abgabe der Devisen bleibt reichlich. Devisenmarkt Berlin—Franc surr c. Ai. (Fn ®i(lfonen Mart auSvjebrüdt. ®neno<»8fn8, London, Mu« hort, Japan, Rio de ffaneiro für eine Tinbctt, Wien und Vudlwest für 100000 Lui heilen, alle» übriae für 100 Einheiten.» borfiten?lh?’ SS 6t,6 an dämmernde Horizonte borfhegenDer Gedanke und die selbständige Euer- aBteS1^ ?Ersonlichkeit verlechen chm für"eine un- Qhfc|Barc Reihe von Rachgeborenen Die Geltung ^opbeten. Em jeder, Der ihn fragt, erhält er dur^'A^re. ^utwort: jeDe Lebenslage hat unD erläutert sie, jeder Kun st form do» Xtß 6 rn ^^^aucht. Ja, selbst Die neutönen- DeS enh£mIet,?ke- ÄIat^eit und Genauigkeit, auch n Un? öcle vernunftgemäße Wortbildung beiseite lassen, haben ein gewisses Recht, sich auf hte orU afe-Rfen ~.m.an vergleiche Den Aufbau und u®Ju^run9 einiger Chorteile am Schlüsse des ten^^Attersstytes " Wunderlichkeiten des zugespih- ober, in gewissem Maße, Kenntnis und w vorhanden sind und Verehrung hin- Luch unbedingt Dankbar- t 9!l?rÖert'--UnZ> Dankbarkeit wird Goethe dar- trnmer gesittete und gebildete Men- ,n ?ben. Daß so viele Denkmäler und Gedachtnistafeln ihm huldigen, bleibe auf sich wohin man sich auch wende, w-bt^nä -s^udig ist und in feinen Herzen weiter •Ölet,re^)tL.?orm ^ter Dankbarkeit, älnsterblich sein heißt Richtvergessen werden: für fmte9? Wohltaten zollen wir Deut- Stolze - Denn er war un- ^llen mit hoher Achtung vor Dem Deut- l^en Genius auch Die anDeren Völker ihm Den Kranz Der Unsterblichkeit. 9 - Frankfurt a. QU., 27. Aug. Tendenz: Vorkriegs-Stadtanleihen und Vorkriegs-Pfo-nd- briefe sehr fest, deutsche Anleihen erholt, Attien still. — Das Geschäft war vollständig beeinflußt von der Bewegung der Vorkriegs-Stadt- anleihen und Der Dvrkriegs-Pfand- Briefe, die heute eine enorme Vachs rage fanden, zumal man Die Aufwerttrngsmöglichkeit an Der Börse günstiger beurteilte. Die Spekulation, die neue Anregungen sucht, hat sich unter starker Vernachlässigung aller übrigen Märkte mit aller Macht auf dieses Gebiet als neues Spe« kulationsseld geworfen unD tätigt wieder gr,ße Engagements, die zu starken Kursgewinnen führten. R e i chs - u n d L ä n de ra n le i he n sowie der Aktienmarkt kamen infolge dessen stark in den Hintergrund. Immerhin war für diese Anleihewerte noch etwas Interesse zu beobachten Denn Die Kurse zeigten teilweise leichte Vesse^ rungen. Auslandrenten waren behauptet. Für den Aktienmarkt bestand große Zurückhaltung, neben leichten Erholungen waren auch neue Abschwächungen zu verznchnen. Im Devisenverkehr sind keine Veränderungen zu verzech- nen. Wegen des noch ungetoiffen Abstimmungsergebnisses im Reichstag ist Die Zurückhaltung heute noch schärfer ausgeprägt. Im Frühver^ kehr wurDen genannt Die Mark mit 4,21 Billionen, der Pariser Frank mit 83,80 in Psundpo-rität und mit 18,45 in Dvllarparität, das englische Pfund mit 4,491/4 Dollar. Das lebhafte Geschäft an den verschiedenen Anleihemärkten brachte den freien Verkehr fast zur Auflösung. Api 37/r, Decker-Stahl l7/0. Ufa 731. Im hx>iteren B’/o Dcaklche RetchSanleihe . I ^/o Deutsche ReichSanlethe . I deutsche Reichsanlethe I 8®/o Deutsche Reichsnnlethe . Deutsche Lvarvramiencmlethr 'Iteeußtsche «onsolS . . 4° 0 pesten ...... 3'/»% Hessen I 3% Heuen........... Deutsche Wertb. Dollar-Slul. I dto.Doll--Schatz.An»reisng.') I Zolltürten ...... 0% Golbmettkaner ..... Berliner HanbelSaesellschast. Comuierz- unb Privat-Bank. Darmst. unb Nationalbauk . DeuNchc Bank......... Deutsche BeretnLbank .... Tisconto Commanbit .... Metallbank........... Mittelbeulsche Crebttbank. . rdcstel-reichjsche Lrebtlanstalt. Weltbank Bochumer ®n§ ....... Buberns ........ Caro . Dentsch-Lurembnrg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... öialtwerkc Aschersleben.... Kalttverk Westeregeln. .... Laurahütte Oberbebars Phönix Bergbau....... Rhetnttahl RicbeU Montan ..... TelluS Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norbbeurscher Llovb Keramische Werke Albin . . Zementwerk Hetbelberg . . . Philipp Holjmann...... Anglo-Coni-Guano..... Babische Anilin........ Chemische Mayer Alaptn . . Kolbschmibt Gries l etuier Electron . . . j Höchster ss-ardwerke..... Holzvcrkoolnng..... RütgerSwerke ........ E-cheibeanftalt......... Mlg. ElettrizitätS-HeseAchasi Bergmann........ , Mainkrafttverke Schachert...... Siemens lge der vorzüglichen Besetzung steht das Publikum tagtägllch spannende Kämpfe. Das Turnier besteht aus 14 Wettbewerben, deren wertvollster um einen Wanderpreis des Prinzen Adalbert von Preußen, Den Homburger Pokal, geht. Vicht weniger a£8 52 Teilnehmer bewerben sich darum Sport auf dem Land. ®er Arbeitsausschuß Des LandjugendauS- schusses Des D. R. A htev kürzlich in Hannover rine Sitzung ab. Der Dorfitzende, Gehrimrat Hagen, teilte Dabei mit, daß die Ausstellung von Richtlinien ffrrdteDurchführungplan- mähiger und nützlicher Leibes übun - gen Der Landjugend, soweit man bis jetzt fetjen könne, einen günstigen Erfolg go- habt habe. Zum Arbeitsamt der deutschen Bauern Hochschulen in Dresden sollen Beziehungen angeknüpfl weiden. Anläßlich des diesjährigen Fuhrerlehrgangs auf Schloß Oberellen bei @ife>» nach will man mtt dem führenden Bauernhoch- schulmeister Darüber verhandeln. Außerdem find Stuttgart bereits Besprechungen ringelet!et Märkte. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des »Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M, 27. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 22,50 bis 23, Roggen inländ. 17,50 biß 18,50 Sommergerste für Bra.'- zwecke 22,50 bis 23,50, Hafer, inländ. 20 bis 20,50, Mais (gelb) 17,90 bis 18,25 Weizenmehl, inländ. Spezial 0 32,75 bis 33,75, ÄvWOrmehl 26 50 bis 26,75, Weizen- und Rogge.rkleie 11,25 bis 11,50, Treber, getrocknet 15 bis 16 Mk. Tendenz stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 27. Aug. Am Getteidemarkt bleibt das Angebot in Roggen knapp, trotz des Rückganges der amerikanischen Kurse. In verschiedenen Gebieten verzögert Der Regen Die Ernte Der noch ausstehenden Früchte, besonders Gerste soll stark gelitten haben und mir in schlechteren Qualitäten stark angeboten sein, während beste Sorten knapp bleiben. Auf Meldungen über ein polnisches Ausfuhrverbot wurden große Posten Auslandgetreide gekauft. Es wurden notiert pro 1000 Kilo: Weizen, märt, 203—209, Roggen, märt, 155—162, Gerste, märt, 205—216, Gerste, neue 182—187, Hafer, märt, 157—166, Raps 312—325. Für 100 Kilo: Weizenmehl 28—30,50, Roggenmehl 22—25, Weizenkleie 12, Roggenkleie 10,50, Viktoriaerbsen 28—32, kleine Erbsen 18—20, Futteverbsen 14—16, Pellischken 13—15, Ackerbohnen 15—17, Wicken 14,50—16,50, Lupinen, blau, 10,50—11, Seradella, neue, 11—11 50 Rapskuchen 12,50—12,60, Leinkuchen 22—,22 50' Trockenschnitzel 11,60, Torfmelasse 8.10, Karivssel- f locken 21. PrrHn, 27. Aug. Amcrikanischc Noten . . . . . Belgisch Noten ..... Däniiche Noten Englische Noten Frantesische Noten .... vollänbischc Noten ..... Atalientsche Noten ! Norwegische Noten ä 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noren Tschechosiowatische Noten . . Ungarische Noten Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 26. Aug. 27. Aug. Nepart. °h 26. I 27. Amtliche Notierung Amtliche Notieren, Gelb Briet (Selb •Brief Am».-Rott. 162,94 16. ,16- 162,39 163,21 voll voll Brss.-Antw 20,973 21,025 21,00 21,10 voll voll Chrtstiania. 57,61 67,ä9 57,61 57,89 voll voll Kopenhagen 67,73 68,07 67,83 66,97 voll voll Stockholm . 111,32 111,88 111,32 111,88 voll voll HclsingforS. 10,47 10,83 10,49 10,51 voll voll walten . . . 18,55 18,65 <8,55 18,65 voll voll Lonbon. . . 13,825 18,915 18,826 18,915 voll voll Nenvork . . 4,13 4,21 4,13 4,21 voll voll Paris. . . . 22,69 22,81 22,765 22,885 voll voll Schwei» . . 70,15 78,85 78,55 <8,95 voll voll Spanien . . Wien in D-» 65,56 55,84 65,16 65,74 voll voll Oest. Qbgeft. 5,92 8,94 5,915 5,935 voll voll Prag . . . 12,58 12,64 12,69 12,61 voll voll Bubabeft . . 6,48 6,50 6,48 5,50 voll voll Buen.-Aires 1,405 1,416 1,405 1,415 voll voll Bulgarien 3,(M5 3,056 3,05 3,07 voll voll Japan . . . 1,705 1,715 1,705 1,715 voll t'OlI Wo be Jan C.4O5 6,415 0,41 0,42 voll voll Belg rab . . 6,20 5,22 5,26 6,28 voll voll Lissabon . . 11,97 12.09 11,97 12,03 voll voll ür r- en Prozent Frankfurt a. M. Berltu Schluh- flurs Schllch- filir» Schluß. Schlich- flii' 1 Datum: | 26. 8. 27.8. 28. 3. 27. P. 0,325 0,8525 0,849 o,851 1,35 1.35 1,19 1,2 1,25 1,200 1,17 1,19 1,675 1,70 1,65 1,660 0,480 0,499 0,45 0,461 1,225 1,425 1,456 1,430 1,2 1.2 1,3 1,4 0,530 1,025 1.1 1,16 1.27 4,2 4.2 4,2 4,2 86,3 86,9 86,3 8SL 12,40 12,30 12,40 12,13 48 46 — 44 27 28,9 27,4 29,10 6,40 6,40 6,4 6,25 9,4 9,25 9,5 9,50 10,9 11,125 11,1 11,10 0,360 0,350 — — 12,9 12,90 12,9 12,90 13,50 12,80 _ — 1,9 1,80 1.90 2 0,405 0,405 0,425 0.4 0,310 0,360 0,55 0,5 48,5 47 5C 80^ 12,60 12,9 12,3 12,40 13,90 13,5 13,5 13,60 50 48,6 50 49 53,13 52,62 53,90 53,80 66 67,75 64,5 66,5 16,26 16,5 16,4 16,40 19,75 19,75 7,5 19,90 19,9 7,50 7 7,40 13,5 13,375 12,9 13 37 37,25 36,90 37,50 31 31,6 30,40 30, 0 39 37 37,25 37,25 2 — — 27,75 26,5 27 2730 6,96 6,9 6,60 7,1 G 2,4 2,5 — _ 12,76 12.5 — _ 4,70 4,7 4.9 4,90 12,4 12,40 13 12,65 19 19 18,90 18,90 1.3 1,3V — 14,25 14,25 13,50 13,40 16,50 16,75 16,40 16,60 15,70 15,90 15,75 16,76 6,8 6,60 — —- 18,25 18,1 18 17,9 15,6 15,40 — — 9,80 9,8 9,65 9,75 16,626 8,10 15,25 8 15,40 14,80 57.6 — 35,25 37,50 45 46,25 45^ 45,4 Ä 2,35 2,80 2,4 2,8 2,4 2,9 2,5 2,8. — 12,5 12 12,1 12 0,65 0,55 _ 1.1 1,1 1,2 1.4 12,6 18,5 — 2,1 2 13 2 3,35 9.2 3^6 4,75 4.90 4,75 4,75 0,2S 8,75 9 9,40 3,95 4,20 — 3,60 3.45 3,4 3,5 Gelb I Brief Re^art. 4,19 4,21 voll 20,85 20,95 voll 67,71 C8.O5 voll 18,81 18.31 voll 22,76 22,87 voll 162,29 163,11 voll 18,70 18,80 voll 57,53 <7,84 voll 5,91 5.93 voll 2,06 2,08 voll 111,22 111,78 voll 78,50 78,93 voll 55,36 .1,64 voll 12,76 12,62 voll 5,39 5,41 voll 5Ran achte auf den Namen Maggi und die gelb-rote Wurselpackung. ^^Wi's Suppen. Sie brauchen nur noch kurze Zeit ▲Ka a aa !ediglich mit Wasser gekocht zu werden, weil die Würfel bereits MW a^e5 enthalten, was zu einer vollständig fertigen Suppe gehört. Jp la 9 W B B Sorten wie Eier-St»rnchen, Eiernudeln, Erbs mit Speck, ” ™ v* V” ter S v Drünkern, Pilz, Reis mit Gemüse, Reis mit Tomaten, Königin, 6 • Tapioka echt, Windsor usw.