Erstes Blatt \W Jahrgang Montag, 28. Jun |924 vnick und Verlag: vr«hl',che UnIversttSts-vuch- und Stcinörutfcrci N. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschäftrftelle: Lchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorhei ohnejedeVerbindlichKeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/o Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Nr. 175 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-vezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Zrantfurt a. M. 11686. GietzenerAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen Der Schatten Poincares. Nach einer Londoner Meldung des „Berliner Tageblatts" soll Herriot auf die Frage, ob ec den Derrnittlungsvoischlag der Bankiers in der Sanktionsfrage annehmen wolle, geantwortet haben: „3a, wenn er den Frieden und die Regelung brächte. Aber alles, was er bringen wird, ist ein neues Kabinett Pvincar6I" Dieser Ausspruch des derzeitigen französischen Ministerpräsidenten umfaßt in wenigen Worten die ganze tragische Verkettung nicht nur des Reparationsproblems, sondern der gesamten europäischen Politik überhaupt, mit der Person Poin- cares, des bösen Geistes Frankreichs und der ganzen nach Frieden lechzenden europäischen Welt. 3n der Tat, noch immer steht der Schatten des Lothringers wie dos Gespenst eines riesengroßen Dämons des Hasses und der Vernichtung über allen Versuchen, die von Staatsmännern der europäischen Völker zur Liquidation des Krieges und feiner unheilvollen Folgen unternommen werden. 3n London lähmt der Geist Poincares den französischen Unterhändlern Wille und Zunge, insofern er nicht in den Personen Peretti della Roccas, Seydoux' und wohl auch — Rollets verkörpert, selbst das Wort führt. Die Vertreter der Sukzessärstaaten des europäischen Ostens, Machtbildungen von Gnaden Poincares, sind auch in London willige Verkünder Poincareschen Geistes. Sogar das alte England, den großen Traditionen seiner einstigen Staatskunst in unbegreiflichem Versagen untreu werdArd, war nahe daran, vor Poincares Schatten zu kapitulieren und nur die wirtschaftliche Vernunft des jungen Amerikas hat wirklich entschlossen den Kampf mit Europas Dämon ausgenommen. Roch ist dieser Kampf nicht entschieden. Der Geist Poincares, hartnäckiger fast als der vierkantige Lothringer selbst, sträubt sich verzweifelt, vor t>er klaren Logik der amerikanischen Geldgeber zu kapitulieren. 3hm ist es zuzu schreiben, daß die Konferenz von einem toten Punkt zum anderen gleitet, daß eine ergebnislose Beratung der anderen folgt, daß die enttäuschte Welt, daß vor allem das aus tausend Wunden blutende Deutschland noch immer des Heiles warten muh, das aus London kommen soll. Wird es überhaupt kommen oder werden nicht am Ende doch die Beschwörungsformeln des finsteren Lothringer Hexenmeisters den Heiltvank, der in London gebraut werden soll, in ein Giftgemisch verwandeln. Auch über den besetzten Gebieten Deutschlands lastet noch immer der Alpdruck des Poincaröschen Schattens. Als der Sozialist Herriot. von Deut ch- lands demokratischem Volk mit aufrichtiger Wärme begrüßt, den Befehl zur Aufhebung der Ausweisungen gab, da erschien er allen gutgesinntem Deutschen gewissermaßen in der Gestalt eines licht- brinaeaden, fiiedenverkündeiOen Daldr. Es sieht beinahe aus, als ob auch diese Hoffnung trog, als ob Herriot-Baldr in dem Schatten Poincares seinen Höder gefunden habe. Die Desatzunqs- bürokratie und Generalität nahm die Befehle des französischen Ministerpräsidentea zwar entgegen, aber die Ausführung der Befehle zeigt immer deutlicher, daß der Sinn der Herriotschen Friedensbotschaft von denen, die sie ausführen sollten, nicht verstanden worden ist, absichtlich nicht verstanden werden wollte. Geist vom Geiste Poincares setzten die de Metz, dir Tirards und De- gouttes den Anwcisungen Herriots passive Resistenz, wenn nicht offene Sabotage entgegen. Das zeigt sich vor allem in der Praxis der Ausgewiescnenfrage. Abgesehen davon, daß kaum mehr als die Hälfte dec erlassenen Ausweisungsbefehle bisher aufgehoben worden ist. machen die Besahungsbehörden namentlich im altbesehten Gebiet von ihrer Befugnis mit einer geradezu raffinierten Systematik nur soweit Gebrauch, daß sie die gesamte Intelligenz und namentlich die Beamtenschaft, auf deren Wiedereinsetzung in ihre früheren Aemtec Deutschland im Interesse der Wiedererrichtung seiner Derwaltungshoheit den en Wert legen muß, beinahe ratlos von der ehr ausschalten. Den Vogel hat natürlich in dieser Hinsicht wieder General de Metz abgeschos- sen, indem er nachgewiesenermahen aus einer ihm von der Rheinlandkommission zugehenden Liste aufgehobener Ausweisungsbefehle eine ganze Reihe von Ramen von Persönlichkeiten, die ihm unangenehm waren, selbstherrlich ausstrich. Vergegenwärtigt man sich ferner, daß der teilweisen Aufhebung der Ausweisungen noch keine einzige andere Milderunasmaßnahme gefolgt ist, bah im Gegenteil die Beschlagnahmungen von Wohnungen, die Eingriffe in die deutsche Rechtspflege und Derwaltungshoheit, die Verbote von Zeitungen und Versammlungen munter weitergehen, daß die französischen Kriegsgerichte weiter wüten, daß auch noch nicht eine einzige der widerrechtlich erlassenen Ordonnanzen aufgehoben worden ist: so wird man die Richtigkeit unserer Behauptung, daß der Geist Poincares in den De- sahungsbehörden weiterlebe und wie ein Alpdruck noch immer auf dem Rheinland laste, zweifellos einsehen. Poincares Schatten am Rhein und in London, Poincares Schatten über ganz Europa. Am Rhein entschied sich schon immer das Schicksal des Kontinents. Auch die Konferenz in London Mht daher letzten Endes um den Rhein, dessen Stromgebiet in Deutschlands Besitz sein muß, wenn Deutschland überhaupt am Leben bleiben will. Solange Poincares Schatten, als der letzte Ausdruck der Jahrhunderte alten traditionellen Eroberungspolitik Frankreichs, der den Rhein nicht aus lebensnotwendigen Gründen, sondern nur der Machterweiterung wegen erstrebte, über dem Rhein lastet, solange gibt es in Europa keinen Frieden. EL gilt, diesen Schatten für immer zu verbannenl Dre militärische Räumung. Tin Brief Macdonalds. — Franzosen und Belgier verlangen weitere Das Wochenende hat naturgemäß keine nach außen hin bemerkbare Aenderung der auf ein totes Geleise gefahrenen Londoner Konferenz gebracht. •Um so mehr dürften bei der Zusammenkunft der Delegierten gelegentlich der britischen Flottenschau die Versuche fortgesetzt worden sein, eine befriedigende Formel zu finden. Tlnd es ist immerhin nicht unwahrscheinlich, daß Macdonald, wie der nachfolgende Pariser Bericht besagt, die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets angeschnitten hat. Der deutsche Standpunkt in dieser Angelegenheit ist klar, und es wurde an dieser Sleihe des öfteren ausgeführt, daß — besonders nach den Erfahrungen mit den Sabotageversuchen der französischen Bejahung gegenüber den Veisöhnungsmaßnahmm Herriots — die wirtschaftliche Befreiung der widerrechtlich besetzten Gebiete ohne die militärische Räumung sinnlos ist. Deutschland muh auf einer raschen Befreiung dieser Gebiete von den Schikanen und dem Terror franko-belgischen Militärs bestehen, und es ist eine echt französische Verdrehung der durch den Wortlaut des Sachverständigenberichts klar gekennzeichneten Tatsachen, wenn Herriot behauptet, der Dawesplan habe mit der militärischen Räumung nichts zu tun. Dieser Versuch, die Anschauung und Meinung der Poincaristen sich zu eigen zu machen, trägt erfreulicherweise dem französisch. Ministerpräsidenten selbst im eigenen Lager scharfe Kritik ein, wie überhaupt ein täglich wachsender Teil der Pariser Presse der durch die amerikanisch-englischen Finanzleute geschaffenen Lage gerecht zu werben versucht. Die heutigen Besprechungen in London und die morgen beginnenden Debatten in der Pariser Kammer und im Senat werden zeigen, welche praktischen Ergebnisse der heute noch unentschiedene Kampf um die amerikanischen Versuche, der Vernunft zum Siege zu verhelfen, zeitigen wird. Es ist immerhin eine interessante Entwickelung, wenn das führende Pariser Blatt, der „Temps" sich gestern aus London drahten läßt, daß das Vertrauen in den Erfolg der Konferenz, das einige Tage hindurch erschüttert war, wiederzukehren beginne. Man bemerke, daß man sich zu lange mit Fragen aufgehalten habe, deren Interesse nicht aktuell sei, wie die Frage der Sanktionen im Falle einer Verfehlung. Man erkläre, die beste Garantie gegen den Gebrauch einer Aktionsfreiheit, die Frankreich für gewisse Eventualitäten sich Vorbehalte, sei, den Reparationsplan erst einmal zur Ausführung zu bringen. Der heutige Tag ist nach dem „Temps" von großer Bedeutung. Die englischen Tlnterhändler seien sich ihrer Verantwortung und der ernsten Folgen bewußt, die ein teilweiser oder vollkommener Mißerfolg der Konferenz nach sich ziehen werde. Manseijeht entschlossen, den Bankiers alle Garantien wirtschaftlicher Art, die für die Anleihe wünschenswert scheinen, zu geben. Sicher ist, und Havas bestätigt es, daß die deutschen Vertreter nicht vor Abmachungen gestellt, sondern Gelegenheit haben werden, über den Fragenkomplex mit den Alliierten zu verhandeln. Von ihrer Haltung wird letzten Endes nicht nur das Schicksal der Londoner Konferenz, sondern auch die Entwickelung der innerpolitischen Lage in Deutschland abhängen. Die Rede, die am Samstag im Reichstag der bedeutende Außenpolitiker de'- Deutschnationalen, Professor Dr. H ö tz s ch, gehalten hat, gibt verschiedenen Fragen und Erwartungen Raum. Wenn die Zeichen nicht trügen, stehen wir auch in bezug auf die Gestaltung unserer innerpolitischen Verhältnisse vor bedeutsamen Entscheidungen. (Ein Brief Macdonalds. Paris, 28. Juli. (WB.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" meldet: Die Frage der m i l i t ä r i s che n Räumung des Ruhrgebiets sei in einem Brief aufgeworfen worden, den Macdonald den französischen und belgischen Delegierten am Freitag abend geschrieben habe. In dieser sehr kurzen Mitteilung erkläre der englische Premierminster klar: Angesichts der von den Bankiers geforderten Garantien scheine der Augenblia gekommen zu fein, die Frage der militärischen Räumung aufzuwerfen, deren Regelung vielleicht einen Ausweg aus der Lage, in die man fetzt geraten fei, bringen könne. Macdonald frage deshalb, zu welchem Datum die Regierungen von Paris und Brüssel sie vorzunehmen gedächten. Angesichts eines solchen direkten Angriffs hätten sich Herriot und Theunis nur schwer entschließen können, als sie mit Macdonald im Sonderzug nach Portsmouth zusammengetroffen fein, vom ersten Augenblicke an zu präzisieren, daß die militärische Besehungsfrage nur Frankreich, Belg ien und Deutschland angehe, daß die Frage der Räumung des Ruhrgebiets nicht offiziell in einer Vollsitzung der Kon ferenz besprochen werden könne und daß auf keinen Fall die Räumung des Ruhrgebiets durch die französischen und belgischen Truppen, die für die Durchführung des Dawesplanes nicht notwendig seien, erfolgen werde, wenn nicht entfpre- chendeweiteceKonzession en geboten würden. Soweit sei die Diskussion über diesen Punkt fortgeschritten. Dem „Intvrnsigeanten", dessen Aachrichten mit Vorsicht aufzunehme i sind, Konzessionen. wird aus London gemeldet, Ministerpräsident Herriot habe als Gegenleistung für die schrittweise Räumung des Ruhrgebiets und gewisse Zugeständnisse hinsichtlich der Vollmachten der Repurationskommislion in Sachen der Verseh un- gen und der Sanktionen diemilitärischeüln- terstühung Englands unter gewissen Voraussetzungen 8ugejagt erhalten. Die Verhandlungen h.erüber seien im Gange, doch werde weitgehende Diskretion gewahrt. Das Rechtsgutachten über die Einladung Deutschlands. Paris, 28. Juli. (WTB.) Heber den Inhalt des Rechtsgutachtens der Sachverständigen Fromageot und Sir Cecil Hurst über die Einladung Deutschlands meldet der Londoner Korrespondent des „Petit Pansien": Der Bericht umfaßt fünf mit der Maschine geschriebene Setten. Er beginne mit den Ausführungen über den Friedensvertrag, insbesondere über den Brief, den Clemenceau im Jahre 1919 an den Grafen Brockdorff-Ranhau richtete, als er ihm den Text des Vertrages übermittelte. Dieser Brief enthalte die Erklärung, daß die Alliierten zu keiner Einmischung in die deutsche Gesetzgebung befugt seien. Die Sachverständigen stellen fest, daß der Dawesplan Zahlungsmittel vorsehe, die im Friedensvertrag nicht in Betracht gezogen worden seien, und die eine Einmischung in die deutschen Regierungsangelegonheiten voran s s e tz e, namentlich was die Goldnoten- bank, die Eisenbahn-Gesellschaft, die Industrieobligativnen und die Abgabe von Zollerträgen anlange. — In einer Entschließung hätten sich Fromageot und Sir Cecil Hurst auf den Standpunkt gestellt, daß die Londoner Konferenz ihren Abschluß i n drei Protokollen finden müsse, die im Anschluß an die Unterhandlungen aufzustellen seien, je nachdem, ob sie zwischen der Repko und den Deutschen, Franzosen und Belgiern einerseits und den Deutschen andererseits, oder zwischen den Alliierten sich abspielten. Die Einladung der Repko nach London. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 28. Juli. Rach den letzten Informationen, die das Auswärtige Amt aus London erhalten hat, muß damit gerechnet werden, daß entsprechend dem Gutachten der juristischen Sachverständig n ein?® n a uni der Repa ations- kommission nach London erfolgen wird. Rach der Meinung der Juristen hätte die Reparationskommission sich mit denjenigen Teilen des Sachverständigen-Gutachtens zu beschäftigen, die nicht über den Versailler Vertrag hinaus neue Bestimmungen für Deutschland erhalten. Diejenigen Maßnahmen des Sachversländigen-Gut» achtens, die über den Versailler Vertrag hinausgehen, sollten danach nicht zur Zuständigkeit der Repko gehören, sondern sollten der Tleberwachung durch einen des onderen Kontrollausschuh unterliegen. Rach Ansicht der deutschen Regierung ist dieser Standpunkt gänzlichunhaltbar, weil das Dawes» Gutachten e in unteilbares Ganzes bildet, wel- ches nicht in verschiedene Teile zerrissen werden kann, die von verschiedenen Kontroll-Instanzen überwacht toerben. Die Reichsregierung würde sich keinesfalls einverstanden erklären, daß der Reparationskommission wiederum die Befugnis zuerkannt würde, irgendwelche Sanktionen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Deutschlands zu verhängen. Die Reichsregierung sieht daher in diesen Beschlüssen eine verhängnisvolle Erschwerung der Verständigung und hofft, daß die englischen und amerikanischen Bankiers sich einer solchen Regelung ebenso energisch wider seh en werden, wie sie es bisher in der Sanktionsfrage getan haben. Die Gesetze zur Ausführung des Sachverständigen-Gutachtens über die Ausgabe der Industrie-Obligationen und die Umwandlung der Reichsbahnen werden in kürzester Zeit von der Repko genehmigt fein. Man erwartet nicht, daß irgendwelche grundlegenden Aenderungen an den deutschen Entwürfen vorgenommen werden. Kritik in Herriot-Lager. Paris, 27. Juli. Die „Ere Rouvelle", die dem französischen Ministerpräsiden- ten nahesteht, veröffentlicht einen Leitartikel, in dem sie sagt, man würde ein Tinrecht begehen, wenn man verheimlichen wollte, daß der Verlauf der Londoner Konferenz in steigendem Maße die republikanischen Kreise beunruhige. Alle diejenigen, die am 11. Mai gegen die Politik Poincares gestimmt hätten, wunderten sich, daß derSchattenPoin- caräs noch bei den Debatten in Downing-Street entdeckt werde. Aus Höflichkeit und Rücksicht habe Herriot nicht brüsk mit der Politik seines Vorgängers brechen wollen. Er habe sich bemüht, eine Llebergangsmethvde zu verfolgen zwischen der Formel Poincares und der vadikalen und sozialistischen Politik, die die wirtschaftliche Frage in den Vordergmnd stelle. Jetzt f/aufe der französische Ministerpräsident Ee^ fahr, das Opfer dieser Methode zu werden. Er sei in ein Dilemma gerat.-n, das durch die Haltung der amerikanischen Tan- kiers jafl unlösbar geworden sei. Entweder müsse man die deutsche Schuld koin - merzialisierenundaufpolitischeund militärische Sanktionen verzichten oder aber man müsse das Recht aus Sa'tt.ktionen beibehalten und auf die Kommerzialisierung der deutschen Schuld, d. h auf Re para- tionrszahlungen verzichten. We n Pro- bleone von solcher Wichtigkeit ausg.-worfen se en, dürfe man, fügt die „Ere Rouvelle' hinzu, lein Kompromiß suchen. Es wäre nach der Ansicht des Blattes besser gewesen, vor der- Abhalt ung der Konferenz die Bankiers aller Rationen einschließlich der deutschen Ba tkiers zu konsultieren. Man hätte nach Von* doq- mit dem bestimmten Willen gehen müssen, zuerst die wirtschaftliche Frage zu teg ein. Vielleicht sei das auch die Absicht der fca .nzösischen Tlnterhandler gewesen. I'itlerpeUationen in derKammer. Paris, 28. Juli. Dem Kammerpräsidenten gingen bereits drei Interpella tionen zu,, die sich auf die Londoner Konferenz beziehen. Sre. gehen aus von dem Radikalen dllar» g a.i n e , dem Sozialisten Blum und dem K7ommunisten Marcel Cachin. Im Hin» b(W auf die Beratung dieser Interpellationen mrüdeten sich bereits zwei Redner der Rechten fü r die Diskussion zum Worte, der ehe- mt'ilige Vorsitzende der Reparationstommrssron Liniis Dubois und der ehemalige Kolonial- mtznister des letzten Kabinetts Porncaro, Fabry. Herriot erscheint nicht zur Aussprache. Paris, 27. Juli. (WB.) Die in Paris zurückgebliebenen Minister werden am Dienstagvor- miUag einen Kabinettsrat abhalten, um sich mit der Tagesordnung des Parlaments, das am gleichen Tage seine Arbeiten wieder beginnt, zu beschäftigen. Inzwischen ist der Generalsekretär des Ministerpräsidenten, Israel, heute vormittag aus London zurückgekehrt, nachdem er sich m it Herriot verständigt hat. In einem Coinan u nique wird mitgeteilt: Angesichts der Verhandlungen in London könne Ministerpräsident Herriot am Dienstag beim Zusammentritt der Kammer und des Senats nicht in Paris anwesend fein England zeigt der Konferenz seine Macht. London, 27. Juli. (WB.) Der König mohm gestern die große Flottenparads bei Spühead ab, an der 19 6 Kriegsschiffe jeder Art und Größe und zahlreiche Flugzeuge mit einer Besatzung von zusammen 30 000 Mann teilnahmen. Die königlich? Bucht, Iler mehrere Schiffe mit den Führern Wer alliierten Missionen der Londoner Reparationskcnferenz, den Mitgliedern des Ka- Ibinetts und zahlreichen Parlamentsmitgliedern sjvlgteni^uhr die Reihen dec Kriegsschisje entlang, die eine Front von etwa 400 Meilen bildeten. Die englische Sonntagspresse zur Lage. London, 27. Juli. Der „Sundah Times" zufolge besteht aller Grund zu der Annahme, daß während des Besuches der Konferenzteilnehmer in Spithead Besprechungen von einer gewissen Bedeutung st attfanden und daß diese eine wesentliche Wirkung auf die Vollkonferenz am Montag haben werden. Der Rachdruck, mit dem die Ba n k i e r s auf ihre Forderungen bringen, verursache eine gewisse Besorgnis. In Konferenzkreisen glaube man jedoch, daß eine befriedigende Kompro - mißf ormel möglicherweise bis morgen vereinbart werde. Daher werde die allgemeine Zuversicht auf ein günstiges Ergebnis aufrechterhalten. Der „Observer" schreibt, gestern sei allgemein erwartet worden, daß Macdonald den toten Punkt durch einen kühnen Schritt überwinden werde. Man habe gefragt, ob die britische Regierung es nicht wagen könnte, selb st für die Anleihe zu haften unter der Bedingung, daß Herriot die erste Theunis-Formel annehme und dadurch Frankreichs Recht zu einer Sonderaktion opfere. Reuhork sei offen genug, nicht zu verheimlichen, daß es abgeneigt sei, Geld in irgendeinen europäischen Konzern zu stecken, wenn nicht die britische Regierung die letzte Sicherheit biete. Die Frage werde erörtert, ob d i e Anleihe nicht ohne Amerika ausgegeben werden könne. Die Schwierigkeit sei jeboeb, daß der Erfolg einer derartigen Losung ausschließlich von London abhänge, und es sei zweifelhaft, ob die Regierung ein derartiges Risiko übernehmen könnte, das letzten Endes auf die Häupter der bereits überlageren Oteucrsapicr guruafanen würde. ® ar Din erklärt im „Obseroer", das Scheitern der Konferenz wäre eine K a t a st r o p h e und würbe veryangntsvoll für Her - riots und Macdonalds Regierung. Die Bankiers müßten die Staatsmänner zur Vernunft bringen. Das Ruhr gebiet sei eine Wolke, ine die Konferenz überschatte. Darvrn spricht die Hoffnung aus. daß die Bankiers auf ihrer wesentlichen Bedingung b e st e h e n werden. Eine k)l° leLtive finanzielle Htlfe bedeute eine k ) l l e k - tive Kontrolle der Sicherheit. Der Dawesbericht sei unvereinbar nut der Luhrmethode. Protest der deutschen Eisenbahnbeamten. Der Dorstand der Reichsgewerkschas t Deutscher Eisenbahnbeamten wendet sich in einer Zuschrift an den „Vorwärts" entschieden gegen den Plan, französische und belgische Eisenbahner im rhein.- we st fäl. Eisenbahn nehzubelassen. Die Zuschrift betont, daß bei Anwesenheit dieses Fremdkörpers nur gefährliche Konflikts- stvffe und stetige Reibungsflä chen im deutschen Eisenbahnwesen entstehen würden. Das deutsche Eisenbahnpersonal denke nicht daran, im schwierigsten Cisenbahngebiet der Welk sich dauernd fremdländische Eisenbahnbedienstete einschieben zu lassen. Gerverkschastsring und Reparationsproblem. Berlin, 26. Juli. (WTD.) Am Freitag abend veranstaltete der Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamten- verbände im Reichswirtschaftsrat eine öffentliche Kundgebung zu dem Problem der Reparationspolitik und ihrer Auswirkung auf die deutsche Sozialpolitik. Rach eingehenden Darlegungen des demokratischenReichstags- abgeordneten Erkelenz auf Grund seiner politischen Erfahrungen in Frankreich sowie des Generalsekretärs des Gewerkschaftsrings, Lemmer, als deutscher Delegierter auf der letzten internationalen Arbeitskonferenz in Genf nahm die Dersammlung unter lebhaftem Beifall eine Entschließung an, in der u, a. erklärt wird: Die Ordnung Europas und die endgültige Wiederherstellung des Rechtszustandes unter Öen Völkern ist nur möglich auf dem Bo den der sozialen und politischen Demokratie freier Völker. Die deutsche Unternehmerschaft ist bereit, an dieser Regelung zu helfen. Ein Weg zum Ziel ist die allgemeine Durchführung des Sachverständigenberichts. Die deutschen Arbeitnehmer werden ihren Anteil an den Reparationslasten tragen, um die nationale Freiheit Deutschlands zu sichern. Der Versuch, die Reparationslasten auf die Arbeitnehmerschaft allein abzuwälzen, würde die gesamte europäische Arbeitnehmerschaft verelenden, und nur zu weiteren Hochschutzzöllen für die deutschen Waren führen. Die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ist erforderlich, falls gleichzeitig England, Belgien und Frankreich diese Ratifizierung vornehmen. Die Regelung der Reparationen macht ein ehrliches Abkommen zwischen Llnternehmerschaft und Arbeitnehmerschaft notwendig. Wir sind zur Mitwirkung an einem solchen Abkommen bereit, sobald in der deutschen Llnternehmerschaft der Geist ehrlicher Verständigung und Arbeitsgemeinschaft mit den Gewerkschaften wieder lebendig wird. „Nie wieder Krieg." * Mannheim, 27. Juli. (WTD.) Eine Massenkundgebung unter der Losang „Nie wieder Krieg!' hat im Anschluß, an eine stark besuchte Versammlung die Friedensgesellschaft Mannheim und Ludwigshafen auf besetztem Mannheimer Gebiet veranstaltet. Es sprachen Professor Palmain von der französischen Liga für Menschenrechte und der sozialdemokratische Rcichstagsabgeordnete S t r o e b e l. Wegen des außerordentlichen Andrangs zu der Veranstaltung mutzte noch eine Parallelversammlang abgehalten werden. Deutscher Reichstag. Vertrauensvotum für die Regierung. Annäherung der Deutschnationalen au die Regierung. Berlin, 26. Juli. Abg. Schultz (D.-R.) führt Beschwerde darüber, daß, im Ausschuß das Verkehrsministerr rm bei Der Erörterung der Verkehrsfrage nicht vertreten war, ebenso wie jetzt im Plenum. Ersboan- tragt, daß. der Reichsverkehrsmini ft er sofort zum Erscheinen veranlaßt we.de. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Darauf beginnt die dritte Beratung deS Notetats. Abg. Dietrich (Dem.) berichtet über die Etatsb^alung im Haushaltsaasschuß. Die Aleb:r= sicht über die Finanzlage des Reiches sei jetzt mach der Abtrennung der Post und der Eisenbahn von der allgemeinen Finanzrerwaltung sehr erschwert. Im Ausschuß fei bedauert worden, daß über die Anlage der Gelder dec Reichsbahn eine ausreichende Auskunft nicht za erlangen war. Nerchsvertrhrsminifter Oeser, der während der Berichterstattung erschienen ist. erklärt zu der Frage der Verwendung der Gelder "der Reichsbahn: 3n der Zeit vom 5. Rovember bis zum 1. April hätten die Einnahmen der Reichsbahn 1.138 Milliarden Goldmark betragen, denen Ausgaben in Höhe von 1,097 Milliarden gegen« übergestanden hätten, so daß ein Aleberschuß von rund 40 Millionen Mark erzielt worden sei. Dieser Aleberschuß ist verwendet worden zur Einlösung des Notgeldes der Eisenbahn und zur Abtiagung anderer dringender Schulden. Die Finanzen der Reichsbahn würden vor allen Dingen belastet durch die besetzten Gebiete, in denen die Derwallung noch hohe Ausgaben, aber keine Einnahmen zu verzeichnen habe. Deshalb könne auch mit der Tarifermaßigung noch nicht weiter fortgeschritten werden. Für den neuen Eiat werde ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von85 Millionen Goldmark ausgewiesen. In der Aussprache über den Rotetat äußert Graf von. Lerchenfeld (Bayer. Dollsp.) icywere roeventen gegen oas Dawes- gutachten. Die deutsche Regierung müsse der Kriegsschuldlüge ein Ende machen, nur dann könne sie auf die Alnterstüyung der Bayer. Dolkspartei rechnen. Abg. Dr. Dred t (Wirtschaftspartei) st i m m t der Erklärung öer Mit telpar teien zum Dawesgutachten zu. Die Wirtschaftliche Vereinigung habe aud sachlichen Gründen für die Resolution zugunsten des Gutachtens gestimmt, aber sie lehne es entschieden ab, wenn daraus gefolgert werde, daß sie der Regierung dadurch ihr Vertrauen ausgesprochen habe. W i r stehen politisch in entschiedener Op- Position zur Regierung. Abg. Hoetzsch (Dtschntl.) bedauert, daß der Reichsauhenminister noch nicht zum Reichstag gesprochen habe. Wir haben im Wahlkampf und nachher erklärt, daß die bedingungslose Unterzeichnung des Sachverständigengutachtens ein zweites Versail les bedeutet. Verhandlungen über das Gat- achten dagegen haben wir nie abgelehnt. Später hat aber die Deutsche Volkspar- t e i unter Mitwirkung des Außenministers Strese- mann Beschlüsse gefaßt, die sich unserem Standpunkte sehr näherten und die die Annahme des Sachverständigengutachtens von sichtbaren Bedingungen abhängig machen sollten, und aus der gestern von dem Abg. Fehrenbach verlesenen Erklärung der Regierungsparteien kann man eine ganze Reihe u n - verzichtbarerDedingungen für die Annahme des Sachverständigengutachtens herauslesen. Für uns ist eine der Grundbedingungen die Wiederherstellung der fiskalischen Oberhoheit und der Verwaltungseinheit nicht nur in dem neu besetzten Gebiet, sondern auch in den a l t besetzten Gebieten. Die militärische Räumung des besetzten Ge- bretes ist überhaupt noch nicht auf der Tagesordnung der Londoner Konferenz erschienen. (Hört, hört rechts). Herrivt hat sich ganz dem Standpunkt seines Vorgängers angeschlossen und erklärt, daß die Räu- mungsfristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen haben. Wir müssen aber die unbedingte Einhaltung des Rheinlandabkommens verlangen, das auch die Unterschrift Amerikas trägt. Das sind unverzichtbare Dorbehaltex deren Klärung erst erfolgt sein muß, ehe über das Sachverständigengutachten selbst verhandelt werden kann. Auch die deutschnationale Fraktion ist bereit, für die Reparationen Opfer zu bringen: aber das ist nur möglich, wenn unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, unsere nationale Würde und unser bißchen Autorität bestehen bleibt, das wir noch haben. Die fu n damentale Bedeutung der Kriegsschuldfrage kann bei dieser Gelegen- heit nicht übersehen werden. Wir haben zu der jetzigen Reichsregierung mit ihrer schmalen Dasis nicht das Vertrauen, daß sie die von uns gestellten Bedingungen so vertreten wird, wie wir es verlangen müsseit. Wir müssen unbedingt daran festhalten, daß gewisse Teile des Gutachtens unbedingteineZweidrittelmehrheit erfordern. Abmachungen, die diesen unseren Bedingungen nicht entsprechen, werden wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen. Der Herr Außenminister solle bedenken, daß wir bei wichtigen Entscheidungen einen sehr langen Hebel haben, und daß unsere Mitwirkung sehr wichtig ist. Abg. Bartels (Komm.) wendet sich gegen das Dawesgutachten. Abg. Sch roeder (R.-S.) betont gleichfalls, daß das Dawesgutachten zur schlimmsten Ausbeutung der Arbeiterschaft führen werde. Damit schließt die Aussprache. Der R o t e t a t wird in der Schlußabstimmung in der dritten Lesung gegen die Kommunisten, Sozlatisten und Rationalsozialisten angenommen. Ein Antrag der Kommuni st en auf Erteilung der Ausreiseerlaubnis für 800 unterer» nährte Kinder nach Frankreich wird gegen die Antragsteller und die Sozialisten abgelehnt. (Die Kommunisten rufen darauf dem Zentrum zu: „Kindermörder".) Es folgt die namentliche Abstimmung über den Mißtrauensantrag der Nationalsozialisten Vor der Abstimmung gibt Abg. Schultz (Dntl.) die Erklärung ab. die de u t s chn a t i o - n a l e Fraktion habe nach der Ablehnung ihres letzten Mißtrauensvotums gegen die Regierung keinen Anlaß vor dem Abschluß der Londoner Konferenz ihre Stellung zu der Regierung erneut zum Ausdruck zu bringen. Sie werde sich deshalb der Stimme enthalten. (Rufe bei den Kommunisten: „Das ist der Almfall'") Für den Mißtrauensantrag stimmen die Kommunisten und die Rationalsozialisten Stimmenthaltung üben die Deutsch- nationalen und die Wirtschaftler. Der Mißtrarrensonttag wird darauf mit 172 gegen 62 Stimmen bei 79 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Anträge der Rationalsozialisten und Kommunisten auf Aufhebung des Ausnahmezustandes werden dann, dem Antrag des Rechtsausschusses entsprechend, abgelehnt. Alm 1/46 Alhr schließt Präsident Wallraf die Sitzung und erhält die Ermächtigung, Termin und Tagesordnung der nächsten Sitzung selbst zu bestimmen. Die Unwellerschäden in in Oberhessen. Eine Anfrage an die Negierung. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Darmstadt, 26. Juli. Wegen der Ain» Wetterschäden in Oberhessen haben die Abgeordneten Dr. von Helmolt, Wolf und Stein (Bbd.) eine Anfrage an die Regierung gerichtet, worin diese um Auskunft gebeten wird, was ste zur Milderung der Rotlage der Landwirte zu tun gedenkt und ob sie bereit ist, Kredithilfe, insbesondere auch zur Beschaffung von Saatgut, zu gewähren. Wegen der Auswinterung des Roggens m dey höher gelegenen Orten Oberhessens fragen die Abgeordneten Jost und Wolf (Bbd.) bei der Regierung an, ob sie bereit ist, für den Ankauf von Saatroggen im Herbst 1924 Mittel in genügendem Maße zur Verfügung zu stellen. Herbsthossnungen der Separatisten. Am vergangenen Sonntag fand in der Rach- barfchaft von Bonn eine Führerkonferenz des „Rheinisch-Westfälischen Dolksbundes" statt. Die Versammlung war streng geschlossen, der Eintritt zu der Versammlung war nur mit besonderen Ausweisen möglich. Auch die Polizei der De- sahungsbehörde blieb ununterrichtet. Ein Antrag wegen vorussichtlicher Aufgabe des Ruhrgebiets, den Ramen in „Rheinischen Volksbund" umzuändern, wurde „vertagt". Die „Republikanische Schuhwehr (R. E. R. O.)" soll den Alntertitet „Rheinbanner grün-weiß-rot" erhalten. Innerhalb des Dolksbundes hat sich, wie das „Kölner Tageblatt" berichtet, ein „Schutzbund der Angestellten und Arbeiter bei den Besatzungsmächten" gebildet, dem Regie- und Zollbeamte sowie Arbeiter der Besatzung in großer Zahl angehören sollen. Das Referat des Herrn Matthes bewegte sich in den von ihm gewohnten großspurigen Phrasen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß sich die rheinischen Separatisten vom kommenden Herbst recht viel versprechen. Sie sind zweifellos im In- und Auslande hinter den Kulissen regsam wie die Maulwürfe. Das französische Militär als Separatistenanwalt. Bezeichnende Amnestiefordernngen. Zwei bekannte Pfälzer Separatisten namens ßuöaxg Schellhaas und Ludwig Lang aus Lauterecken in der Pfalz haben an den franko» sischen Oberkommissar in der Rheinlandkommis sion ein für das fortgesetzte Zusammenarbeiten zwischen Separatisten und französischen Besahungsbehörden charakteristisches Schreiben gerichtet, in welchem sie unverhüllt fordern, daß Frankreich und die Alliierten von Der deutschen Regierung als Gegenbedingung verlangen sollen, daß die deutsche Regierung allen Personen, welche wegen politischer Vergehen, die sie im besetzten Gebiet verübt haben, angeklagt oder verurteilt sind, in jeder Beziehung vollständige Amnestie gewährt. Es befänden sich eine große Anzahl von Separatisten in Gefängnissen rechts des Rheins. Ferner seien durch die Pfalzzentrale in Heidelberg und andere geheime deutsche Dureaius einige tausend Personen, welche im besetzten Gebiet wohnen, als Separatisten oder Pazifisten und Freunde Frankreichs bei der deutschen Regierung denunziert. Die deutsche Regierung warte nur auf den gegebenen Zeitpunkt, um an diesen Leuten Rache zu nehmen. Frankreich dürfe nicht zugeben, daß fanatische deutsche Rationalisten begnadigt, während seine Freunde weiter von der deutschen Regierung verfolgt werden. Weiterhin verlautet, daß am 7. Juli in Lauterecken eine separatistische Versammlung in Anwesenheit des französischenD0lmetschers Dehler von der dortigen Bezirksdelegat i v n stattfand, die sich mit der durch die französischen Besatzungsbehörden zu erzwingenden materiellen und und moralischen „Rehabilitierung" der Separatisten auf dem Wege einer allgemeinen Amnestie befaßt. Die Separatisten erklärten, Frankreich müsse die „Waffe der Ausweisung" solange in der Hand behalten, bis diese Rehabilitierung von der deutschen Regierung erzwungen sei. Der demokratische Parteitag. Der Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei hat nach einer Drahtmeldung aus Berlin beschlossen, den nächsten Parteitag vom 16. bis 19. November in Breslau abzuhalten. Die Gewerkschaften und der Achtstundentag. (Eigener Informationsdienst.) D e r l i n, 28. Juli. Nachdem die Frei e n Gewerkschaften ihre Bvrbereitungsarbeiten zur Herbeiführung eines Volksentscheides über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens beendet haben, werden die Führer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Afa-DundeS und der Freien Gewerkschaften und des Allgemeinen Beamtenbundes am 1. August eine gemeinschaftliche Besprechung mit de nFührern derChristlichen und D e- mokratischen Gewerkschaften abhalten,um eine einheitliche Stellung bei den kommenden Reichstagsverhandlungen in dieser Frage zu erzielen. Man rechnet nicht damit, daß sich die Christlichen Gewerkschaften dem Volksentscheid anschliehen, aber man hofft, sie veranlassen zu können, im Reichstage bei der Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation über das Washingtoner Abkommen sich für die Beibehaltung des Achtstundentages einzusetzen. Von der Stellungnahme der Regierung gegenüber dieser Interpellation wird es abhängen, ob die Freien Gewerkschaften im November oder Dezember den Volksentscheid beantragen werden. Die Demokratischen Gewerkschaften werden sich in der Hauptsache dem Standpunkt der Freien Gewerkschaften a n s ch l i e ß e n. Die Mißernte in Rußland. Ern "Appell der Sowjetregierung. Moskau, 27. Juli. (WTD.) Die Qeiting der russischen kommunistischen Partei richtete einen Appell an alle ßofalorganifationen, welcher Weisungen für die Bekämpfung der Folgen der Mißernte enthält. Es heißt darin: Die allgemeine Entwicklung der Landwirtschaft ist wiederum auf ernste Schwierigkeiten gestoßen. Die Trockenheit yat die Hoffnung auf eine gute Ernte erheblich verringert und in einigen Territorien geradezu eine Mißernte verursacht. Davon sind betroffen: das mittlere und südliche Wolgagebiet, ein bedeutender Teil Südostrußlands, ein nicht großer Teil der Ost Ukraine, insgesamt etwa 6 bis 7 Millionen 1®tnu>ur. '^er Vorteil gegenüber der Mißernte von 1921 besteht darin, daß der Staat gegenwärtig große Drotge- treiöeDo träte besitzt. Wenn die Mißernte dem Staate auch erhebliche Schwierigkeiten Der» Ursachen kann, so kann doch nicht von einer verzweifelten Hungersnot und hoffnungslosen Lage gesprochen werden. Auf dem Programm der Regierung befindet sich die Ge- währung von 30 Millionen Goldrubel zur Versorgung der Bauernschaft mit Getreidesaat, die Gewährung einer Anleihe von 300 Millionen Goldrubel unter Verpfändung des Viehes und die Gewährung von 20 Millionen Goldrubel zur Versorgung der Bevölkerung mit Getreide, wovon 14 Millionen für die Erwachsenen bestimmt sind, und zwar in der Weise, daß ihnen Beschäftigungen bei den öffentlichen Arbeiten verschafft werden und 6 Millionen für Kinder, welche Heuer nicht aus den von der Mißernte betroffenen Gouvernements weggeschafft werden. Diese Pläne sind aber, wie es in dem'Aufrufe heißt, noch nicht Tatsachen. Damit sie solche werden, muß die Landwirtschaft selbst zum Kampfe gegen die Trockenheit und deren Folgen herangezogen werden. Die Maßnahmen der Regierung bleiben daher lediglich auf dem Papier, wenn sie nicht von der ^Landwirtschaft wirksam unterstützt werden. Kommunistisches. Liebliche Zustande im Dortmunder Stadtparlament. Dortmund, 28. Juli. Die bürgerlichen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung haben dem kommunistischen Stadtvevordneten- vorsteher mitgeteitt, daß sie infolge der letzten Vorgänge den Stadtvevordneten-Sitzungen s v - lange fernbleiben a>üd>en, bis sichere Gewähr geboten sei, daß derart unerhörte und unwürdige Zustände sich nicht mehr ereignen würden. In der letzten Sitzung hatte der Kommunist Wünnenberg der Rechten zugerufen: „Die Faust der Proletarier muß sich um die Gurgel der Kapitalisten legen, die sämllich an den Laternenpfahl gehören." Der Kommunist Hark hatte das Zentrum beschuldigt, daß es seine Politik und Religion auf Blut aufgebaut habe. Putschpläne in Oberschlesien. K a 11 © to i ö* 27. Juli. Wie der „Ober- schlesische Kurier'^ meldet, entfalten die Kommunisten eine große Agitation, um einen Generalstreik herbeizuführen. Ein Aufruf der Kommunisten fordert die oberschlesischen Insurgenten auf, mi| den Waffen in der Hand zu einem Kongreß am 27. Juli in 'Katto- witz zu erscheinen. Die ftüheren Aufständischen sollten den Hauptbestandteil der Roten Armee bilden, um die kommunistische Räterepublik in Oberschlesien zu erkämpfen. Ein englisches Kriegsgerichtsurtcil. Köln, 28. Juli. (WTB.) Der Kölner Kommunist Frantzen wurde Dom britischen Kriegsgericht wegen Waffenbesitzes, gefälschter Stempel und einer falschen Einpfund-Note zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Fall Matteotti. Enthüllungen des verhafteten Pressechefs Rossi. Rom, 27. Juli. Sämtliche Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Alntersuchungsverfahren in der Sache Matteotti, das nach den Aeuhe- rungen des Angeklagten Rossi und dem Briefe Farinaccis eine Wendung genommen habe. Das Unabhängige Mittagsblatt „Sereno" bringt die aufsehenerregende Nachricht, daß Rossi, der ehemalige Pressechef des Ministerpräsidenten, vor dem Alntersuchungsrichter erklärt habe, daß das, was er getan und gesagt habe, nur a u f höheren Befehl geschehen fei. Seine Beziehungen zu General di Bono, Fingi,Azerbo und Bianchi seien deshalb manchmal sehrge - spannt gewesen. Farinacci habe ferner erklärt, über Dokumente zu verfügen, die beweisen würden, daß Rossi mit hohen Persönlichkeiten der Opposition, darunter auch An« tifaszisten des Auslandes, in Verbindung gestanden habe, die die Beseitigung Mat- teottis beschlossen hätten, um eine Krise und damit den Sturz Mussolinis herbei- zufiihren. Farinacci betont laut „Sereno" ferner, daß er schon seit längerer Zeit Rossi und andere bekannte Persönlich ketten des Faszismus aus guten Gründen als Feinde Mussolinis betrachtet habe. Farinacci wird von fast sämtlichen Zeitungen und selbst von mehreren faszisttschen Persönlichkeiten scharfangegriffen. Man wirst ihm vor, er wolle durch seine Erklärung das Alntersuchungsverfahren in falsche Dahnen leiten. Die Erklärung vor dem Alntersuchungsrichter, auf höheren Befehl gehandelt zu haben, erregt das größte Aufsehen, da damit die höchsten Persönlichkeiten der Regierung kompromittiert werden. „Impero" sagt, es sei klar, daß man die Person Mussolinis verdächtigen wolle. Sollte die Oppositton durch diesen Skandal, über dem bis zur Stunde noch Dunkel herrscht, an die Tore des Palazzo Ehigi zu gelangen suchen, dann würden sie dort Schwarzhemden finden, die jeden vernichten würden, der die Haltung Mussolinis angreifen würde. Die Revolte in Brasilien. Washington, 26. Juli. (WTB.) Der amerikanische Botschafter in Rio de Janeiro übersandte den Text der von dem brasilianischen KriegSminister veröffentlichten Proklamation, in der die Einwohnerschaft von S a v P a 0 l 0 aufgefordert wird, die Stadt zu verlassen und die Rebellen ihrem Schicksal zu überlassen. Der Minister hofft, daß die Zivilbevölkerung seinem Rufe Folge leisten wird und daß ihr somit während der Operationen, die in einigen Tagen ausgeführt werden sollen, alle Leiden erspart bleiben. Mißgeschick; die euren dürfen schon früher be- Laßt uns ganze Menschen sein! H. * Gießener Wochenmarktpreise im 26. Juli (Händlerpreise). Es kosteten: Butter Pfd. 1,80—1,90 Mk.. Matte Psd. 30-35 Pf., Käse Stück 5-6 Pf., Eier Stück 13 Pf., Wirsing Pfd. 20-25, Werkkraut Psd. 20—25 Pf., gelbe Rüben Pfd. 10 bis 15 Pf., rote Rüben Pfd. 10—15 Pf., Römisch- W Pfd. 10 Pf., Dohnen Pfd. 10—15 Pf., Blumenkohl Stück 10—50 Pf., Salat Stück 3—10 Pf., Salatguicken Stück 8—50 Pf., Einmachgurken Stück 3—4 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 5—10 Pf., Erbsen Pfd. 15—20 Pf., Tomaten Pfd. 50 Pf., Zwiebeln Pfd. 15—20 Pf. Rettich Stück 5—15 Pf., Pilze Pfd. 20 Pf., Kartoffeln Pfd. 6 Pf., Frühäpfel Pfd. 20 Pf., Dirnen Pfd. 25 Pf., Kirschen Pfd. 40 Pf., Heidelbeeren Pfd. 35 bis 40 Pf., Stachelbeeren Pfd. 25—30 Pf., Johannisbeeren Pfd. 30—35 Pf., Honig Pfd. 25 bis 30 Pf. i Aus Stadt und Land. Sieben, den 28. Juli 1924. Halbe Menschen. Wir haben ein feines Gefühl dafür, ob einer 'ein ganzer Kerl ist oder ob es rhm 'am Letzten, Besten, Wichtigsten fehlt. Erne Wette kann er wohl feine Mängel verstecken, aber dann offenbart er schließlich doch, daß er ein „Halber" rst, kerne Dollnatur, kein Mensch, der unser Mitgefühl za -fesseln tveih, sondern einer von den vielen, deren es allzuviele gibt. i i 1 Das Leben spielt oft sonderbar mit den Menschen. Es hebt die einen hoch empor und drückt die andern in das Dunkel zurück, aas dem sie sich nutzlos rns Lrcht sehnen; dre einen! begünstigt es, ohne daß sie es verdienen, sie haben „Glück" — die andern verfolgt es mit ** Ermähigung der Sonder st euer vorn bebauten Grundbesitz. In unserer Mitteilung unter dieser äleberschrift in der Samstag-Rümmer ist durch ein Versehen bei der Aus- roechselung von Korrekturzeilen im vorletzten Sah eine bedauerliche Verstümmelung der wichtigen Nachricht vorgekommen. Zur Richtigstellung geben wir den fraglichen Sah hier noch einmal wieder: „Wenn z. B. der Steuerwert des bebauten Grundbesitzes 20 000Mk. ist, die Belastung am 1. Juli 1914 nicht höher als 4000 Mk. (20 Prozent) war und die Friedensmiete beispielsweise 800 Mk. betragen hat, so ist die Sonder- steuer .zu erlassen, soweit fie 20 Prozent der Friedensmiete = 160 Mk. übersteigt." Daran schlieht sich dann der Schluhsatz, wie er am Sams- tag zu lesen war. ’* Hessische Filme. Die Hessische Filmstelle gibt mit der Lehr- und Kunstfilmgesellschaft in Wiesbaden von den verschiedensten Teilen Hessens Filme heraus, die im In- und > Aaslande verbreitet werden sollen. Insbesondere soll der Blick auf die charakteristischen Schönheiten der Landschaft und der wichtigsten Orte, außer» dem aber auf die leistungsfähigen Prodakttoas- flätten der heimischen Indurie und des Handwerks und vor allem auf die angenehmen Krr- und Erholungsmöglichkeiten in unserem Lande hingelentt werden. * * Frühzeitige Beschaffung des Winterbrandes. Von unterrichteter Sette wird uns geschrieben: Der Abbau der Brikett- preife ist inzwischen erfolgt. Beim Einsehen des .yausbvandbedarfs in den Herbstmonaten sind er» sahrungsgemäh große Stockungen im Verkehr der Eisenbahn und Verzögerungen zu erwarten. Diese Schwierigkeiten werden erhöht durch die Tatsache, daß infolge des Geldmangels nur geringe Bestände auf den Kohlenlagern vorhanden sind. Den Hausbrand-Verbrauchern muß daher zur Sicherstellung ihres Bedarfes dringend empfohlen werden, schon im August mit einer teilweisen Eindeckung zu begannen, zumal beim Eintritt der Ernte bei den Gruben bekanntlich der Leerwagenmangel einseht, da dann zunächst die Eisenbahnwaggons der Landwirtschaft zur Verfügung stehen müssen. * * Die Erleichterung bei Geldeinzahlungen am P o st s ch al ter, die wir vor einigen Tagen als bevorstehend meldeten, wird seht mit der nachstehenden amtlichen Mitteilung bekanntgegeben: Bei Einzahlungen auf Zahlkarten und Rentenmarkpostanweisungen sowie bei Einlösung von Nachnahmen und Postaufträgen, die auf Rentenmark lauten, werden von den Postanstalten fortan bis auf weiteres Beträge bis 50 Rentenmark für jede einzelne Zahlkarte oder Rentenmarkpostanweisung auch in Reichsbanknoten oder anderen Zahlungsmitteln, die zu Zahlungen an Postkassen zugelassen sind, entgegengenommen. • • Schnelle Aburteilung der Feld- ttnb Forst diebe in Preußen. Wie der ^mrkliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Iustizminister aus Anlaß der bevorstehenden Ernte eine allgemeine Verfügung an die Strafverfolgungsbehörden erlassen, wonach- Personen, die bei Felddiebstahl auf frischer Tat ertappt werden, zweckmäßig nach Möglichkeit in einem beschleunigten Verfahren nach dem § 212 der Strafprozeßordnung abzuurteilen sein werden. Auch gegen Forstdiebstähle soll in Anbetracht der Drennstoffknappheit schnell und energisch eingeschritten werden. * * Reichsbanner Schwarz - Rot - Gold. Dir Gründungsvecsammlung, die am Freitagabend im Katholischen Vereinshause stattfand, war so starf besucht, daß der große Saal voll besetzt war. Gewerftchaftssekretär Ottilie sprach nach kurzen Degrüßungsworten über „Zweck und Ziel des Bundes", der zum Schutze der Republik gegründet sei. Studien-Assessor Schö-n schilderte die Gründung und die Entwicklung des Bundes, der aus kleinen Anfängen entstanden sei. Die Gründung habe erst im Februar stattgefunden und heute zähle der Bund schon eine Million Mitglieder. In 31 Gauen des Reiches sei der Aufmarsch fcyon vollzogen, nur in den Gauen des besetzten Gebietes habe noch nichts geschehen können. Redner schilderte dann das Streben des deutschen Volkes nach Herstellung der Reichseinheit, besonders seit 1813, und gab bann der Hoffnung Ausdruck, daß, einst das Deutsche Reich alle Deutschen vereinigen werde. Richt durch Kampf und Gewalt wolle man das Ziel erreichen, sondern durch das Selbstbe- sttmnrungsrecht der Völker. Das Ideal des Bundes sei ein Großdeutschland, das alle Menschen deutschen Stammes und deutscher Sprache um- fasse. Alle Grenzpfähle innerhalb dieses Gebietes müßten einmal fallen und nur ein Danner werde dann wehen über Groß,deutsch land: Schwarz-Rot-Gold. Die Organisation, so erklärte der Redner, umfasse alle wehrfähigen Männer, besonders die Frontkämpfer, aber die Kriegsteilnehmer würden einmal aussterben, und deshalb seien Iugendgruppen zu gründen. Monarchisten und Kommunisten müßten ausgeschlossen sein, weil sie Gewaltpolitik trieben. Der Bund wolle den Dürgerkrieg verhindern, er sei gleichsam die politische Rothilfe der Republik. Die Mitglieder sollten sich nicht scheuen, die Abzeichen des Bundes zu tragen: Blaue Sturmmühe, schwarzrotgotdenes Dand und Windjacke. Redner schloß mit einem dreifachen Frei Heil auf die Republik. Rektor Schmidt erklärte, die Republik müsse gesch-üht werden, denn sie würde rwch Jahrzehnte gefährdet sein. Er sprach sich für die Organisation von Iugendgruppen a :s, die Jugend müsse unbedingt diszipliniert werden. Bloch» Lollar gab der Ansicht Ausdruck, daß nicht nur in der Stadt, sondern auch a if -dem Lande gearbeitet werden müsse. Es sollten deshalb überall Kveiseinteilungen neben den Stadtausschüssen gebildet werden. Gr könne als Vertreter des 1. Vorsitzenden Kreiling-Heuchelheim feststellen. daß die Werbetätigkeit auf dem Lande schon Verständnis gefunden und Erfolge gebracht habe. Auf Vorschlag des Reallehrers Hebermtzhl als Vertreter der Demokratischen Partei wurde ein Vorstand gewählt, der aus folgenden Herren besteht: 1. Vorsitzender Studien-Assessor Schön. 2. Vorsitzender Regierungsbaumeister Schneider, Beisitzer Ottilie, Beckmann jun.» Kreiling -Heuchelheim, Bloch- Lollar. Der Versammlungsleiter gab zum Schluß, noch bekannt, daß die Formierung der Truppe etwa in Form von einer Kompagnie noch vor dem Dersassungstage erfolgen solle, sie werde am Verfassungstage aufmarschieren. Dieser solle am 10. August gefeiert und zugleich das erste Dun» desbanner eingeweiht werden. ** Bund der Versicherungs- Vertreter Deutschlands. Der in früheren Jahren schon bestehende Verband Gießen hat sich in einer für Freitag nach dem Eisenbahn-Hotel einberufenen Versammlung nach einem von dem Generalsekretär des Bundes E. M ü l l e r -Berlin gehaltenen Vortrage neu gebildet. Die Vorstandswahl ergab das folgende Resultat: H. Reinschmidt, Vorsitzender; Kurt Mohr, stellv. Vorsitzender; Alois Pe tzel, Schriftführer; Carl Schwalb, Schatzmeister. Außer dem Wiederbeitritt früher ausgeschiedener Mitglieder konnten mehrere neue dem Dund zugeführt werden. Vor nvtncu. — Tageskalender für Montag. Rundsunthaus, Löberskvaße, 8V2 älhr: Kammermusik. — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Zalamort, die Erlebnisse einer schönen Fcau". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wir weisen nochmals darauf hin, daß die Vorstellung am Dienstag,29. Juli, um 8 äl h r beginnt. Gegeben wird das reizende Lustspiel „Die Dame mit dem Schridungsgrund", das in Bad-Rauheim einen glänzenden Erfolg erzielt hat. — M. T. V. Morgen abend Jugend-Versammlung. (Siehe Anzeige.) Landkreis —D— Großen-Linden, 28. Juli. Der Gesangverein „Harmonie" wird nächsten Sommer sein 7 5. Stiftungsfest feiern und damit einen größeren Gesangwett st reit verbinden, der für jeden Gesangverein offen ist. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. " Ettingshausen, 27. Juli. H:ute feierte unter Beteiligung des Radfahrgaus Ober- hesfen H der hiesige Ra d f a h re r ver ei n „W a n d e r l i e b e" sein Stiftungsfest, das mit der Banner weihe verbunden war Ein stattlicher Festzug, dm die hiesigen Schulllassen, die Ortsvereine und die Mädchen unseres Dorfes eröffneten, denen die verschiedenen Radfahrcrver- einc folgten, imd den der feiernde Verein schloß, bewegte sich um 2 älhr durch die Straßen nach dem Fest platz. Rach einem Liede des hiesigen Männergesangvereins „Concordia" begrüßte der Dereinsvorsitzende Ernst Keil die Festteilnehmer und bot ihnen herzlichen Willkomm. Der Gauvorsihende und nach ihm Gastw rt Jakob von Ober-Dessingen verbreitern sich über die Bestrebungen der Ra dfahrervereine und suchten das sportliche Interesse zu wecken. Die Ansprache zur eigentlichen Dannerweihe schilderte die Dedeutung dieses Symbols als Wahrzeichen deutscher Treue, als Mahner zu deutscher Zucht und Ordnung, als Lehrmttlter echter Kameradschaftlichkeit und Einigkeit und als Wegweiser rechten Zielbewußtseins und Strebens. Mädchen aus der Gemeinde begrüßten daun den jubilierenden Verein durch sinngemäße Ansprachen in Poesie und Prosa und überreichten die schöne fehlen, die andern müssen ewig ducken und gehorchen. Das Glück ist eben scheinbar blind, und man hort recht kluge Leute oft sagen: eine Handvoll Glück sei mehr wert als ein Kopf voll Verstand. Ich glaube, daß auf die Dauer die klugen Menschen doch Glück haben werden, soweit sie Persönlichkeiten sind, d. h. ganze Menschen. An die Rockschöße eines „halben" sah ich noch nie das Glück sich lange hängen. Sie könnten es 'nießt ertragen, und würden es in ihrer Laune ab» schütteln, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Jeder Stimmung laufen sie nach; jede Reuig- leit erfüllt sie ganz; ihr Auge ist nicht scharf genug, das Unwesentliche von der Hauptsache zu unterscheiden; sie stehen einmal auf dem einen Dein, das andere Mal wieder auf dem andern; nur höchst ungern aif beiden zugleich, so daß sie hinken und humpeln, wie einer, der in den Hüften lahm ist. I Sie taugen nicht zur Freundschaft, Liebe, zum Opfern und zu heiliger Begeisterung. Wohl können sie aufflammen, aber nur wie ein Strohfeuer — wohl können sie ihr Herz verschenken, aber nicht lange — wohl können sie sich für etwas ein» sehen, aber der Zweifel kommt zu früh, ob «nicht ihre Hingabe nutzlos ist. Es fehlt ihnen bieyinnere Gleichgewichtslage, auf die sie sich stützen könnten. [ Solchen „Halben" geht es wie den Schissen, die kein Kielblei in sich haben: fte schaukeln hin und her und neigen sich vor jedem Wind. Freilich, der Charakter ist eine Belastung, aber eine, die fähig macht, die Lasten des «Lebens mit Gleichmut und Sicherheit zu tragen. Mag man oft den „Leichtsinn" dieser Ewig-Gedanken- iüfen beneiden — letztlich behält die Lebensweisheit Goethes recht, die da sagt: „Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit." Faynenschleife als Gave der Jungfrauen Unterer Gemeinde. Da nach den Regentagen das Wetter sich aufgehellt hatte, entwickelte sich auf dem schön gelegenen Festplatze bald ein frohes Treiben bei den Klängen einer gutbesetzten Musikkapelle. 0= Ober-Bef fingen, 26. Juli. Dor- einigen Tagen zog ein Trupp Zigeuner hier durch, der von einem dressierten Hund begleitet war. Beim Dorfe angelangt, schnüffelte der Hund alle Holz- und Reiserhaufen ab. Sehr rasch meldete das Tier, daß in dem Holz etwas verborgen sei, und kurz daraus kam er mit einem Igel heraus. So ging es von Holzstoß zu Holzstoß. Als Iagdresultat ergab sich ein ganzer Sack voll Igel. Wir mißgönnen den braunen, oft recht unbequemen Gästen, den „leckeren Braten" nicht. Doch möchten wir die Behörden auf dieses Treiben aufmerksam machen, damit in solch sinnloser Weise nicht einer der besten Freunde der Landwirtschaft, der Igel, mit der Zeit gänzlich vernichtet wird. Einesteils wäre es schade um das harmlose Sier, andemteils erwächst durch die Ausrottung ein nicht unerheblicher Schaden, denn der stachelige Geselle ist unstreitig unser bester ünge» zieservertilger. Kreis Friedberg * Friedberg, 26. Juli. In einer Besprechung in Rieder-Florstadt, die auf Veranlassung des La-ndtagsabg. Lux stattfand, und zu der Vertreter der Oberpostdirektion, des Kreisamts Friedberg, der Stadt Friedberg und der Gemeinden Ossenheim, Rieder- und Ober- Florstadt uno außerdem drei Vertreter der Handelskammer Friedberg erschienen waren, wurde die Gründung eines Zweckverbandes zur Errichtung einer Automobillinie zwi- schen Rieder-Florstadt und Friedberg beschlossen. Mit einem Anlagekapital von 33 000 Mk. soll ein Personenauto mit Anhängewagen, zusammen 60 Personen fassend, und ein Lastwagen beschafft werden. Die jährlichen Ausgaben sind auf 17 650 Mk., die jährlichen ©in» nahmen auf 18 450 Mk. veranschlagt, die Rentabilität erscheint also gesichert. Die Berechnung ist aufgebaut auf einen Tagesverkehr von drei Fahrten hin und zurück, und zwar je zwei Fahrten für den Arbeiterverkehr und eine Fahrt hin und zurück für den übrigen Verkehr. Dem Zweckverband gehören die Stadt Friedberg und die Gemeinden Ossenheim, Rieden- und Ober-F^orstadt •an. Die Gemeinde Rieder- Florstadt übernahm 20 000 Mk. Stammanteile, Friedberg, Ober-Florstadt und Ossenheim je 5000 Mk. Dem Kreisamt Friedberg wurde die Ausarbeitung des Statuts und die notwendigen Vorarbeiten übertragen. Eine fertige Halle mit Werkstatt ist vorhanden. Falls das Geld für den Ankauf der Autos flüssig gemacht werden kann, dürfte damit zu rechnen fein, daß die Lime bis zum 1. Oktober eröffnet werden kann. fpd. Friedberg, 27. Juli. Vor einigen Rächten wurden dieKirchen von Beienheim und Melbach von Dieben heimgesucht, die die Opferst ocke zu plündern versuchten und eine Anzahl Orgelpfeifen herausrissen und beschädigten. Der Tat verdächtig sind drei Personen, die in der Einbruchsnacht in Melbach beobachtet wurden. * H 0 ch w e i f e l, 26. Juli. Der 54jährige Landwirt Heinr. Dämon wurde beim Durchgehen seines Pferdes vorn Wagen geschleu» dert und brach das Genick. Kreis Schotten. * L a u b a ch, 26. Juli. Gestern, am Freitag, gingen die ersten der hier untergebrachten ausgewiesenen Eisenbahner mit ihren Familien in die Heimat — Heidesheim und Gaulsheim zwischen Mainz und Dingen — zurück. Die anderen werden bald folgen, da ihre Ausweisung auch bereits zurückgenommen ist und nur noch einige Formalitäten zu erledigen sind. Lieber ein Jahr waren die Leute ihrer Heimat fern. * Schotten, 28. Juli. Der hiesige Som» mermarft findet in der üblichen Weise am 4., 5. und 6. August statt. Räheres ist «aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. Kreis Lauterbach- * Lauterbach, 27. Juli. Am Freitag brachte der „Lauterbacher Anzeiger" einen Bericht über die Reueinrichtung der Amtsräume der Bürgermeisterei. Darin wurde u. a. mitgeteilt, daß die Räume „durch einen schön wirkenden Anstrich und kunstvolle Täfelung einen Zimmerschmuck erhalten haben, der sich wahrlich sehen lassen kann und an Behaglichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.“ Auch „der Herr Beigeordnete besitzt nun ein eigenes Zimmer". Dieser Bericht hat bei einem Teil unserer Bürgerschaft recht gemachte Grs. hle ausgelöst, w e aus einer „B e scheidenen Anfrage" hervorgeht, die im gestrigen „Lauterbacher Anzeiger" in folgendem Wortlaut zu lesen ist: „Mit eigenartigem Gefühl haben wir die gestrige Beännt- maeßung .über die kostspielige, kunstvolle und „behagliche" Reueinrichtung d:r Arn.sräurne der Bürgermeisterei gelesen. Wie muß diese Darstellung aus diejenigen wirken, welche nun schon so lange vergeblich auf eine, wenn auch noch so geringe Verzinsung ihrer Darlehen warten. Mit welchen Worten wurde man wohl z. D. einen Gewerbetreibenden bezeichnen, der behauptet, zahlungsunfähig zu sein und gleichzeitig mit der „behaglichen" Reueinrichtung. seiner Werkstatt prahlt. Mehrere leidtragende Gläubiger der Stadt Lauter&ach." Auf der Bürgermeisterei dürfte es nun wohl etwas lange Gesichter geben üb:r diese sicherlich nicht erwartete Wirkung des Berichts. Man darf gespannt sein, welche Antwort die erbittertem Fragesteller erhalten werden. wiurtciib...ß tinö Nheinhessen. * Darmstadt, 26. Juli. Ein Löffel- sch lucker, der schwer vorbestrafte 23jährige Dienstknecht HansWefers aus Rheydt (Rhoin- provinz), ist aus dem städtischen Krankenhaus entwichen. Er ist kürzlich in Dortmund zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden und sollte sich jetzt vor dem Darmstädter De- zirksschofsen geeicht wegen eines Einbruchs in Lindenfels verantworten. Er verschluckte einen Löffel, um ins Krankenhaus zu kommen, aus dem er jetzt entwichen ist. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M, 27. Juli. In dem Vierteljahr Apr-il bis Juni wurden in der Stadt 10 2 Reu bauten einschließlich Schuppen errichtet, davon waren 14 reine W 0 hnge- bäude. Die Zahl der entstandenen Wohnungen belieb sich auf 30. Durch Um» und Aufbauten wurden weiter 36 Wohnungen hergerichtet. Im Rechnungsjahr 1923/24 belief sich der Rein^ugang an Wohnungen auf 754, darunter 32 mit einem Zimmer, 389 mit zwei und 220 mit drei Zimmern. Hochschulnachrichlen. Ehrendoktoren der Technischen Hochschule Darmstadt. Darmstadt, 26. Juli. (WB.) Rektor und Senat der Technischen Hochschule haben auf einstimmigen Antrag der allgemeinen Abteilung den Direktor Walter Hildebrand in Freiberg in Sachsen in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Verfeinerung, Typisierung und den Bau geodätischer Instrumente, ferner auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Architektur den Architekten WilhelmMaus in Frankfurt a. M. in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die künstlerische Raumbeleuchtung die Würde eines Dr.-Ing. h. r. verliehen Gerichtssaar. Darmstadt, 26. Juli. Das Bezirksschöfsew gerußt verhandelte unter Ausschluß derOessentlich- feit gegen den 52 Jahre alten praktischen Arzt Dr. KarlKraus aus Lampertheim, der wegen Verbrechen nach § 176, Abs. 3, St.G.B., angeklagt war. Er hat sich an Mädchen unter 14 Jahren vergangen. Das -Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus, abzüglich 3 Monate der Untersuchungshaft. Turnen, Sport und Spiel. Die Gießener Studentenschaft beim deutsch-akademischen Olympia in Marburg. Von der Gießener Studentenschaft nahmen 35 Wettkämpfer und 20 Gymnasiasten an dem deutsch-akademischen Olympia in Marburg teil. Außerdem wurde die Sportausstellung in Marburg reichlich beschickt (Zeichnungen, Pläne, Photographien der sportlichen Anlagen, Semesterberichte über den Stand der Leibes-Uebungen seit 1920, Sportphotographien). Für die Handballwettspiele stiftete die Dozentenschaft der Universität Gießen dem deutsch-akademischen Olympia einen Wanderpreis. Bei den 55 ausgetragenen Wettbewerben wurde Gießen dreimal 1. Sieger (Hochschulmeister), fünfmal 2. Sieger, zweimal 3. Sieger und dreimal Sieger im Reunkampf und Gerätezehnkampf. Da sich an den 55 Wettbewerben 45 Hochschulen beteiligten, hat Gießen also sehr günstig abgeschnitten. Im einzelnen sind die Gießener Sieges-Ergebnisse folgende: H 0 ch s ch u l m e i st e r in der 4x50--Meter- Staffel im Schwimmen für Stubentinnen wurde die Mannschaft der Universität Gießen mit skud rer. Pol. Kübel, skud. Phil. Bischof, stud. Phil. R a i f e r, stud. Phil. Anbei. Hochschulmeister im Fechten auf Florett stud. chem. Hans Thomä. Hochschulmeister im Fechten auf Säbel stud. chem. Haus Thomä. 2. S i e g e r im Schwimmen, 100 Meter Brust für Studentinnen, 100 Meter beliebig und Springen, stud. Phil. Helene Raiser. 2. Sieger im Gerätezehnkampf für Altaka- bemifer. Dr. Meyer. 2. Sieger im Fechten auf Degen stud. chem. Hans Thomä. 3. Sieger im Schwimmen-Mehrkampf (100 Meter beliebig) Springen, Tauchen) stud. med. Theo Eck. 3. Sieger im 100-Meter-Drustschwimmen für Studenten stud. med. Werner Kalbfleisch. 5. Sieger im Gerätezehnkampf für Altatä- demiker Dr. L u l e y. Sieger im Reunkampf (Geräteturnen, Schwimmen, Leichtathletik) stud. chem. August Becker, stud. jur. Emil Geismar. Neue Erfolge Gießener Ruderer. Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1 8 7 7 hatte zu der gestern in Hanau stattgefundenen Regatta nur ihre beiden Skuller, Müller und Georgi, je in einem Rennen, im Großen Einer bzw. Iungmann-Einer, gemeldet. Müller siegte mit etwa drei Längen in schöner Form, Georgi schlug seinen stärksten Gegner nach erbittertem Kampf über dreiviertel der Strecke im Endkampf mit mehreren Längen ganz überlegen Die Gesamtzahl der von der G. R. G. gewonnenen Rennen erhöht sich mit den zwei neuen Erfolgen auf 137. Deutsche Rad-Meisterschaften. Köln, 28. Juli. (WTB.) Im Kölner Stadion gewann heute die Meisterschaft für Deutschland im Radrennen über einen Kilometer Oßmella (Köln) gegen Roßbach (Köln), der Zweiter wurde, und Walter R ü 11 jun., der Dritter wurde. Die Meisterschaft für Deutschland über 25 Kilometer wurde von Miethe «Köln) gewonnen. Zweiter wurde Krewer (Köln), dritter Ma- t h e i s (Mainz). Berlin, 28. Juli. Die deutsche Be - rufs-Radsportmeisterschast gelangte gestern auf der Dahn in Chemnitz in Anwesenheit von 20 000 Zuschauem zur Entscheidung. Die Stehermeisterschaft über 100 Kilometer gewann Saidow, bte Fliegermeisterschaft Lorenz. Ein neuer Rekord beim deutschen Marathonlauf. Berlin, 28. Juli. Beim deutschen Marathonlauf in Berlin über eine Strecke von 42,2 Kilometer stellte Hempel vom Sportklub Charlottenburg mit 2 Stunden 42 Minuten 5,2 Sekunden einen neuen deutschen Rekord auf. Verantwortlich für Politik und Feuilleton: I. D.: Heinz Gorrenz. Mit bester und reinster Alveumilch snnlcirf) näbven Sie Ihr Kind, wenn Sie ibm Nestle'S Kindermehl neben. Neitle'S .Qinbcrmebl besteht a»S reiner Allgäuer Snbnenmilcb in Serbinbung mit Rohrzucker, Weizenzwiebackmehl und Maltose. Gö scdlänt immer nut an, krä'tigt die Binder, fcbmeifi und bekommt ihnen ausgezeichnet und vermag die Kleinen und Kleiniien über Seiten allgemeiner Manen- und Darmstörungen gut himvegzubringen. Jllustr. Broschüre über Säuglingspflege kostenlos und unverbindlich durch: „Llnda"-Gesellschasl in. b.H., Abt. 5. Berlin W 57, 31528f 11!. 15 Neuheit Neuheit keit abzurufen. Großen-Buseck, den 28. Juli 1924. 022074 6927[) Heuchelheim, den 26. Juli 1924. geboten. 5936V 022081 mieten. 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Juli, nachm. 3*/- Uhr, vom Sterbehaus Bachstraße 56 aus statt. bringt sich bei Bedarf in empfehlende Erinnerung und bittet um Besichtigung der 10 Schaufenster und der ausgedehnten Ausstellungsräume Nebenverdienst! Vertreter überall gesucht, Beamte, Damen usw. Patenl-Neolißil! Selbstfüllfederhalter. Muster f. jederrn. St.4Mk.sranko Verkäufer guter Verdienst. Ml3ss S Vereendhani IEmll Burger, Heidelberg, Sofienstr. 7 a. Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Juli, nachmittags y,2 Uhr, vom Sterbehause Weidengasse 7 aus statt. 022075 Heute abend 8.30 Uhr Romantische Kammermusik Beethoven, Schöberl Brahms. Anschließend Nachrichtendienst 10—11 Uhr Zigennermusik. Morgen abend 8.30 Uhr Klassisches Flötenkonzert. 5935a Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis ihres lieben Entschlafenen sagt herzlichen Dank Danksagung Für die überaus vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Blumenspenden danke ich allen von Herzen, auch im Namen meiner Kinder. Theodor Rabenau Lehrer i. R. mir gut. Zeugnissen für tagsüber gesucht. Frau Henntz Petri 022079 Bleichstr.30 III. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Dambmann I. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabethe Loth Wwe. geb. Menges im 86. Lebensjahr in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Loth. penflon Btanöl Neuen Baue 22. Gut möbliertes Zimmer frei. Telephon 1085. 022077 Für die Glückwünsche zu unsrer Vermahlung danken wir herzlich Dr. Otto Michel und Frau Paula geb. Müller Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine liebe, herzensgute Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabethe Dambmann geb. Wagner am Samstag vormittag V211 Uhr nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 52 Jahren zu sich in die Ewig- verAW pariser l Ä Lrir 54 unb‘v -bell Die Dame mit öem Scheidungrgrund Wenn 3 Ulten oonSnöneoffianlif (tollt Mn) Vorverkauf ab Montag, 28. Juli, zu den bekannten Geschäftsstunden an der Theaterkasse. 5861v Hink- tans Löberstr. 12 Verreist bis 18. August 2lm 28 AS Ätz Ätz Posten V* mar 01 Ä®* gtii Proverser, £ Wn Hunde sondern auch Beamten unr Ms tat Zuerst er für den erd Oeslerreichs die ErweLlt Seine w schönen Krrcl Wtderrmg. Mn Seiten tige Mann sie fest an » tergrund zu (Mt Leben Ulöfil. Zimmel an ruhigen Herrn, »u vermieten. iM,o«s Weeerstr. 20 II, Th. VrürS MSvettabM Inhaber: Th. 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Xaver Mitterer heißt der hervorragende deutschsüdtiroler Geistliche, der am 28. 7. 1824 in Laurern im deutschen Ronsberggebiet als Sohn wohlhabender Bauern geboren wurde. Als er im Jiahre 1856 irr der Rachbargemeinde seines Geburtsortes, rn Proveis, zum Pfarrer gewählt wurde, erkannte er schnell, daß sowohl das geistige als auch das wirtschaftliche Leben dieses auf vorgeschobenen Posten lebenden Deutschtums schwer gefährdet war und von der Berwrlschung bedroht cvirde. 1400 Meter über dein Meer, arm, vom Gesamtdeutschtum durch Gebirge getrennt, dagegen offen nach dem wohlhabenden aber welsck^n Süden, wohin die Iungmannschaft aust, Arbeit 50g’ bröckelte langsam aber stetig das Deutschtum ab. Immer mehr welsche Worte fanden Raum in der Mundart der Ronsberger, vornehmlich der Proveiser, die nicht nur kernen deutschen Geistlichen hundert Jahre hindurch gehabt 'hatten, sondern auch von Eies aus von österreichischen Beamten umverständlicherweise italienisch verwaltet wurden. 1 Was tat nun Mitterer? Zuerst ermöglichte er durch einen Kirchenbar, für den er das Geld in allen katholischen Teilen Oesterreichs und Deutschlands gesammelt hatte, die Erweckung eines neuen religiösen Lebens. Seine KirchenTinder wurden nicht nur darch den schönen Kirchen bau angelockt, sondern die Bewunderung, die dem schönen Gotteshaase von allen Seiten gezollt wurde, dann aber der prächtige Mann, der auf der Kanzel stand, zogen sie fest an die Kirche heran. Der moralische Untergrund zu Mitterers großen Arbeit war ge- 4egt. Reben der Kirche förderte Mitterer in allererster Linie die Schule. Seiner Gemeinde mußten vor allem aber auch wirtschaftliche Gnt- wicklungsmöglichkeiten geboten werden. Er schuf eine, Spitzenklöppelschule für die Frauen and Mädchen, für die Männer aber eine Korbflechterei, die beide dank des ausgesprochenen kaufmännischen Talents, das er besaß, wirtschaftlich blühten und die Gemeinde zu bescheidenem Wohlstand gedeihen ließen. Genossenschaft und Rarff- eisentasse folgten später. Solche Avbeit erscheint uns heute nicht sonderlich. Bor 50 bis 60 Jahren aber gab es noch kaum ein System auf dem Gebiete der Caritas und sonstiger Hilfe. Ruch hatte man nicht erkannt, daß allein nur die Selbsthilfe zähe macht und besonders im GreMlande dringend notwendig ist. Wer überhaupt hatte in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Auge auf die Grenzländer deutscher Art, wer wußte etwas davon, daß Slawen und Italiener anfingen, die alte deutsche Ostmark Oesterreich zu benennen? Kaum jemand. Erst als Bismarck das Reich gründete, wurde der polttische Blick unseres Volkstums etwas schärfer, um dann freilich nur zu bald mit dem Gefühl der Sattheit weiter hinzudämmern. Die Reichsgrün- dung aber hatte tn Oesterreich eine Menge von Menschen aufgerüttelt, denn sie waren außerhalb geblieben! Der „Deutsche Verein" wurde gegründet und aus ihm heraus entwickelte sich die Parier, die gewillt war, selbst als Opposition, die Rechte d«8 Deutschtums zu verteidigen. Bedroht aber war es hauptsächlich an den Sprachgrenzen. Der Frankfurter Arzt Dr. Statz brachte zur selben Zeit ein Büchlein über eine Rerse im südtiroler Grenzgebiet heraus. In ihm schilderte er Mitterers Wirken, und diese bisher in weiteren Kreisen unbekannt gebliebene Dolkstumsarbeit zündele in Wien. Der „Deutsche Schulverein" wurde gegründet und nun begann man überall nach ähnlichen Gesichtspunkten zu arbeiten, wie Mitterer dies tat. Hunderte von Schulen wurden gegründet, tausende unterstützt, zusammen mit dem kurz darauf in Berlin gegründeten „Verein für das Deutschtum im Auslande". Diese Schulvereinsgründung aber wurde der Anstoß für das Entstehen vieler anderer Schuhvereine. Die Gefahren wurden stetig größer, mit ihnen aber wuchs, gefördert durch die Cchuharbett, der Abwehrwille. Wievrel schlechter stünde es aber heute um die Grenzen unseres Volkstums, hätten diese Vereine nicht gearbeitet. So ganz aber kann der Reichsdeutsche die Arbeit nur erfassen unb verstehen, wenn er die Zeit der Abstimmungen im Osten übersieht und das, was in den letzten Jahren in den abgerissenen Gebieten an Schuharbeit geleistet wurde. Der nur auf staatlichen Schutz eingestellte Reichsdeutsche der Ausschluß Deutschlands von der pariser Aunstgewerbeausstellung. Das deutsche Kunstgewerbe ist vor dem Kriege bahnbrechend gewesen, und die Pariser, die in der dekorativen Kunst sehr rückständig waren, haben erst nach dem Kriege von ihren Gegnern gelernt und sind in der neuesten Entwicklung rhres Kunst- gewerbes den Spuren der Deutschen gefolgt. Es mußte ihnen daher recht Pein ich sein, wenn die Vorbilder auf der Internationalen Ausstellung deko- rattver Kunst, die 1925 in Paris stattfindet, in bedenkliche Rähe neben die französischen Rach- ahmungen gerückt worden mären, und sie Haven daher beschlossen, Deutschland und Rußland von der Ausstellung auszuschließen. Diese Ausschließung hat eine recht interessante Vorgeschichte. Man veranstaltete eine Rundfrage unter den führenden Künstlern, die sich in ihrer Mehr^hl für die Beteiligung Deutschlands ausspracheii und ganz neuerdings hat auch das Komitee des Herbstsalons mit überwältigender Mehrheit die Beteiligung Deutschlands gefordert. Trotzdem kam man aus naheliegenden Gründen zu dem Beschluß, die gefährliche Teilnahme der deutschen Künstler zu verhindern. Wie in dem von Pcml Westheim hevausgegebenen „Kunstblatt hervorgehoben wird, empfinden auch SranöOfen, daß dtts eine Blamage für ihr Land darstellt. Sv bespricht Waldemar George in der Zett- schrist „Paris-Journal" den gegenwärtigen Stand der deutschen Architektur und sagt: „IDenn Deutschland auch keine ganz großen Architekten hat so hat es doch das, was uns 'fehlt: eine Architektur. Ganze Städte sind dort tn einem ausgesprochen modernen Geist erbaut. Bahnhöfe, Theater, Konzertsäle, Kinos, Cafes, Hotels zeugen allerorten von seiner fruchtbaren vielformigeni hat im ersten Jahre der Besetzung deutschen Stan» des fast versagt. In dem Augenblick aber, in dem der Schuhvereinsgedanke auch auf dies Gebiet übersprang, wurden die weichenden Fronten fester und heute stehen sie überall, wenn auch noch lange nicht gesichert, so doch von geschulten Kämpfern verteidigt. Die ersten Lehren für den Grenzlandskampf verdanken wir Franz Xaver Mitterer und deshalb sei sein Rame mit goldenen Lettern in die Geschichtsbücher dieses Kampfes eingetragen! Körper und Geist: jedem das Seine. Don Prof. H. Wickenhagen -Dessau. Zurück zur Natur! Der Ruf lenkt die Blicke auf Rousseaus Roman „Emile", nach Goethes Urteil „ein Raturevangelium der Erziehung". Es ist das wuchtige Mahnwort an die Zeitgenossenschaft, die, in einem Pfuhl von Ansittlichkeit und Genußsucht versunken, in ihm, wie die folgenden Jahre der französischen Revolution zeigen sollten, umkam. Nur aus abnormen Zuständen erklärt sich die geistvoll vvrgetragene, aber zu radikale Philosophie des Autors. Alles ist gut, wie es aus den Händen des Urhebers aller Dinge hervorgeht; alles entartet unter dem Einflüsse des menschlichen Zusammenlebens. Die Seele des Neugeborenen rein und bleibt rein, so lange sie der Obhut der Mutter Natur überlassen ist. Man spricht im Leben der Tierwelt vom „Instinkt". Der Ausdruck, über dessen Begriffsinhalt noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, bezeichnet einen Naturttieb, der unabhängig von Verstand und äußerer Beeinflussung zu Handlungen führt, die dem Wohle und Fortbestände des Individuums dienen. Rousseau möchte dieses geheimnisvolle Wirken auch auf die Menschennatur übertragen sehen. Aber wie? Die Lehre von der Reinheit der Kindesseele läßt sich mit dem Bibel- wort „Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf" nicht in Einklang bringen; sie steht für jeden Sehenden auch im Widerspruch mit den Gesetzen der Natur; denn wie im Schoße der Mutter Erde neben der nährenden Frucht die Keime vergiftenden Llnkrauts gedeihen, so liegt im Herzen unseres Geschlechts neben dem Samen des Guten der böser Triebe. Die Lehre zerstört auch den Segen und Ansegen des Gemeinschaftslebens mit seinen mannigfachen Erscheinungsformen; sie läßt den Menschen als „Zoon politikon" nicht mehr gelten. Sein Zeitalter hatte Rousseau zum Misanthropen gemacht. In ihren Folgerungen aber besitzt seine Lehre eine gewalttge Zündkraft, die bis auf unsere Tage wirkt. Auf dem Boden leiblicher Ertüchtigung und Lebensführung, das Ringt aus ihr heraus, erwächst am sichersten das sittliche und geistige Gut: „je schwächer der Leib ist, desto mehr befiehlt er, je stärker, desto mehr gehorcht er." Haben es nicht alle Zeiten der Geschichte bis auf unsere Tage gelehrt? Wenn Rousseau eine planmäßige Ausbildung aller leiblichen, sinnlichen und geistt- gen Organe fordert, aus der allein die Waffe gegen teuflische Kräfte sich schmieden, ein zuverlässiger Wertmesser des Nützlichen und Schädlichen gewinnen läßt, wenn er das An- schauungsvermögen geschärft, das Deobach- tungsbedürfnis genährt sehen will, weil damit Selbsttätigkeit, Eigengesetzlichkeit, das Arbeiten auf selbst erschlossenen Wegen, die Hochachtung vor den Leistungen Gleichstte- bender gefördert wird, so ist er noch heute unser Mann. Aber solche Güter lassen sich nur durch Erziehung, Kräftemessung und -austausch gewinnen, und die größte Schule für diese Aufgaben ist der Staat. Die Aufstel- Lebenskraft. Deutschland hat sich oft geirrt. Es hat unheilbare Irrtümer begangen. Aber es hat eine Bewegung ins Leben gerufen, deren Entwicklung die Welt gehört. And gerade jetzt, wo es seinen eigentümlichsten Ausdruck ftndet, wo es zur Reife gelangt, weigert sich Frankreich, es aus? un eh men zu einer Ausstellung, auf der Chile und Guatemala reichlich vertreten fein werden." Zum Schluß wirst er die Frage auf: „Darf eine Ausstellung, wie sie fürs Jahr 1925 geplant ist, Anspruch auf den Titel „International" erheben, wenn Deutschland dort fehlt? Ist es zu spät, den schweren Fehler, der begangen wurde, wieder gut zu machen? Wenn nicht, was zögert man noch, Deutschland einzuladen? Ich wiederhole es: ein französischer Sieg in Abwesenheit Deutschlands des einzigen Gegners, der zählt, wäre Hohn.' War Robespierre geisteskrank? In Robespierre haben nicht nur die Schrecken der großen französischen Revolution, sondern hat der revolutionäre Terror überhaupt Gestalt gewonnen. Die Persönlichkeit dieses kleinen Advo- taten, der zum falten Massenmörder und Fanatiker des Machtttiebes wurde, ist von unheimlichen Rätseln umsponnen, die zu lösen bisher auch den größten Darstellern dieser Geschichtsepoche nicht gelungen war. Haben wir es hier mit einem großen Verbrecher oder einem armseligen Geisteskranken zu tun? Diese oft aufgeworfenen Fragen werden nun mit allen Mitteln der modernen Psychiatrie und Seelenkunde in einem bedeutenden Werk beantwortet, das der bekannte Münchener Kriminal-Psychologe Hans von H e n 11 g Im Verlag von Julius Hoffmann zu Stuttgart veröffentlicht. Heutig deckt die geheimsten Gedan- lengänge und Schwächen dieses durchaus anormalen Charakters auf und findet eine Fülle von hing eines allbefriedigenden Lehrplans ist sicherlich nie leicht gewesen: Wer soll den Vor- ttitt haben, lautet die Kardinalfrage, Geist oder Körper? Wozu Vvrttitt? fragen wir; einem jeden das Seine! Goethe hat einmal gesagt „wir wollen hoffen und erwarten, wie es in einem Jahrhundert mit uns Deutschen aussieht, und ob wir es sodann dahin gebracht haben, nicht mehr abstrakte Gelehrte und Philosophen, sondern Menschen zu sein". Nun, wie denn? Der Staat macht den Schulbesuch für jeden zur Pflicht. Werden nicht noch immer Sitzarbeit und Stubenkultur weit über Gebühr bevorzugt? And wirklich stets mit gutem Erfolge? Der Junge, das Mädchen wird in der Lernstunde erzogen, erzieht dann selbst, hat sich ein Arteil gebildet und — hält dieses für das allein richtige! Die deutsche Parteienbildung ist in ihren zarten Wurzeln gezüchtet! Der Geschulte, Halbgebildete nimmt um so mehr am Bestehenden Anstoß, wenn das körperliche Wohlbefinden, die Berufsfreude, der Schaffensmut abnimmt. Schillers Wort: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut", hat sich wahrlich am Dichter selbst am wenigsten bewährt. Im Hochflug seines Denkens und Schaffens vernachlässigte, ja, knechtete er den Körper und sank im besten Mannesalter ins Grab. Wie ganz anders sein Geistesverwandter, Goethe, der im „Faust""dem Schüler die Worte in den Mund legt: Ich wünschte, recht gelehrt zu werden And möchte gern, was auf der Erden And in dem Himmel ist, erfassen: Die Wissenschaft und die Natur! Sein Lebensweg war fast doppelt so lang wie der seines Freundes, weil er stets auch dem Körper seine Steuer gezahlt hatte! And doch machen noch immer in der neueren Pädagogik sich psychische und physische Erziehung gegenseitig den Rang stteitig, wenn auch ein Prozeß der Versöhnung unter der Not der Zeit sich anbahnt. Herbart als Ver- tteter der ersteren, bekennt sich zu der Lehre, daß der Unterricht die Grundlage der Erziehung abgeben muß: „Die Lugend ist ein Wissen." Gewiß: die Darbietung der edelsten Lehrstoffe, der Hinweis auf die biblischen Heilswahrheiten, auf die Geistesgrößen und Heldengestalten der Geschichte, auf die wunderbaren Früchte tiefgründiger Verstandesarbeiten haben eine nachhaltige Wirkung auf das Seelenleben und sind Imponderabilien der Jugendpflege, die uns teuer und wert bleiben; aber ob diese idealen Schätze die allein tragenden und treibenden Mittel zu einem kraftvollen Wollen, zu einem erfolgreichen Tun bieten, bleibt eine offene Frage. Nicht nur Kenner, sondern auch Könner brauchen wir. Der Daum der Erkenntnis ist nicht der des Lebens! Die körperliche Schulung hat ihren Hauptvertreter noch immer in Ludwig Jahn. Die Gymnastik soll nach ihm die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, die Aeberfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und angreifen. Wem Deutschland über alles geht, der prüfe, wie er sein Leben sich zu gestalten hat; wir leben in Zeiten, die hohe Ansprüche an jeden einzelnen stellen! Er erinnere sich der Wahrheit des Dichterworts: „In Fährden und in Nöten zeigt erst ein Volk sich recht", beherzige aber vor allem dje Mahnung des Großen Friedrichs: „Der liebe Gott geht nur mit den starken Bataillonen!" Zügen in seinem Wesen, die auf eine geistige Erkrankung schließen lassen. Zweifellos trug Robespierre von früh an Keime der Geisteskrankheit in sich. Der Wandertrieb seines verschollenen Vaters läßt auf eine Vererbung solcher Anlagen schließen; vielleicht auch die Neigung der Mutier, einer Bierbrauerstochter, zu einem kräftigen Trunk. Da er mit 36 Jahren hingerichtet wurde, so kann man nicht entscheiden, ob er sich in den letzten Jahren seines Lebens im Anfang einer fortschreitenden Geisteskrankheit befand: aber feit seinem 32. Jahre gehen deutliche Veränderungen mit seiner Persönlichkeit vor. Während seine Schrift vor 1790 klar und sicher gewesen sein soll, so seh In wir im letzten Jahre seine Manuskripte voll von Druchstreichungen, Wiederholungen und neuen Durchstreichungen; Buchstaben werden ausgelassen; es enstteht ein wüstes, unleserliches Durcheinander. Dafür wird das Selbstgefühl gesteigert, indem an die Ramensunterschrift ein gewaltiger Schnörkel angehängt ist. Eigentliche klinische Symptome lassen sich schwer feststellen. Seine häufigen Abwesenheiten von allen Staatsgeschäften im Februar und Juli 1794 müssen auf Derstimmungszustände zurückgeführt werden, die sich dann regelmäßig in leidenschaftlichen Vorstößen gegen die polittschen Gegner entluden. Rach diesen Zuständen einer Bewußtseins- ttübung treten impulsive Triebhandtangen hervor, wie z. B. der Mord an Danton. Wir sehen ihn, den ängstlichen, vorsichtigen Zauderer, der sich ftüher immer im Hintergrund hielt, sich unter einem geistigen Zwang in die gefährlichsten An- Überlegtheiten stürzen. Es wird erzählt, daß ihm nach heftigen Szenen „übel" wurde, daß er bei aufregenden Mitteilungen „wie von einem elek- trischen Schlage getroffen" war. Das sind Züge eines Epileptikers, ebenso wie seine peinliche Pedanterie, feine Aebereleganz, die amokartige Reizbarkeit. die Mischung von Süßlichkeit und böS- Wirtschaft. Die Ruhreiseninduftrie vor der Stillegung? Von unserem Essener Mitarbeiter wirk uns geschrieben: Die Geldknappheit ist immer noch ausschlag« gebend für die weitere Entwicklung der Etsen- preise, denn bei dem teuren Geld wird die Nachfrage künstlich zurückgehalten und die gewaltsame Verringerung noch vorhandener Läger fortgefetzt. Das Arbeiten auf Vorrat bei den Werken findet seine Beschränkung ebenfalls in der Geldknappheit, so daß die geringe Nachfrage zu einer sehr erheblichen Einschränkung der Produktion (teilweise bis zu 40 Proz.) bei den maßgebenden Werken bereits geführt hat uird weiter führen wird. Die schwierige Stage hat sogar schon dahin geführt, daß offizielle Verhandlungen über weitgehende Detriebseinschränkungsn bei der gesamten Eisenindustrie ftattgefurtben haben; nur aus sozialen Erwägungen hat morn von diesen Plänen bisher Abstand genommen. Wenn nicht bald eine durchgreifende Besserung der Stage eintritt, wird man aber doch wohl wieder auf sie zurückgreifen. Die Anpassung der Produktion an den Bedarf ist notwendig und wirtschaftlich gesund, trotzdem sie nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für die Werke und 'die Verbraucher große Hätten mit sich bringen wird. Die Preise stehen bei wettern nicht im Einklang zu den Produttio.iskosten. Selbst eine weitere Herabsetzung der Kohlen- und Kokspreise würde es den Werken nicht ermöglichen, Stab- eisen zu einem Grundpreis von unter 120 Mk. die Tonne zu produzieren. Auch nach einer etwaigen befriedigenden Beendigung der Londoner Konferenz und nach Annahme des Dawes-Gut- achtens werden vermutlich die Selbstkosten der Werke nicht erheblich zurückgehen. Die Kohlen- und Kotspreise werden zwar, sobald die Mr- cumlasten auf breitere Schaltern gelegt werden, vermutlich herabgesetzt werden; aber wir wer- dcn anstelle der Micumlasten so viel neue Lasten aus dem Gutachten eintaaschen, daß alles in allem die Herabsetzung der Kohlen- und Koks» preise nicht nur ausgeglichen, sondern daß wahrscheinlich sogar noch eine Erhöhung der Selbstkosten eintreten wird. Abgesehen davon sind die Eisenpreise in den letzten Monaten bereits derart gesunken, daß dadurch eine Kohlenpreisermäßigung weitgehend bereits berücksichtigt worden ist. Auch wird allgemein übersehen, daß bei der Ermittlung der Selbstkosten heute ein sehr wichtiger Faktor überhaupt keine Berücksichtigung findet, nämlich die Verzinsung der von allen großen Anternehmungen aufgenommenen hohen Auslandskredite. Wenn die Industrie, wie es sich'gehört, bei der Ermittelung der Selbstkosten hierauf Rücksicht nehmen würde, müßte sich vielleicht manches Werk, das heute noch an einer ver- hättnismäßig großen Produktion festhält, schnell zu erheblichen Einschränkungen entschließen. Da sich die Produktion infolge der bereits vorgenommenen und der noch wahrscheinlichen Einschränkungen der Nachfrage angepaht hat, und da auch die Lagervorräte erheblich zurückgegangen sind, ist nach einer befriedigenden Schluhverhand- lung in London ein Anziehen der Preise möglich, um so mehr, als in diesem Fall mit einer Stabilisierung des Franken zu rechnen ist. Bisher ist das gesamte Geschäft durch Kursschwankungen des Franken beunruhigt worden. Die belgischen und französischen Werke werden aber bei einer stabilen Währung nicht mehr zu 6 Pfund Sterling fob. d. t. Stabeisen verkaufen können. Die belgische und französische Regierung wird sich bei ihren Bemühungen, ihr Budget auszugleichen, auch nicht mehr den Luxus leisten können, den Werken den Reparattonskoks zu Preisen zu berechnen, die unter den Deutschland zu erteilenden Gutschttften liegen. Auch in der Gewährung von Exportprämien in der einen oder anderen Form, wird man wahrscheinlich in Frankreich oder Belgien sparsamer werden. Eine sog. Konjunktur werden wir allerdings wohl nicht bekommen. Es wird im Gegenteil bei einer (vielleicht noch weitergehenden als der jetzigen) Einschränkung der Produktion fürs Erste bleiben. Es wäre wünschenswert, daß diese Einschränkungen planmäßig im Rahmen eines Verbandes beschlossen würden, damit nicht einzelne Werke bei der Beurteilung des Verhältnisies von Produktion und Nachfrage sich krügettschen Hoffnungen hingeben. * Zeutralausschutzsitzung der Reichsbank. In der am Freitag stattgehabten Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank betonte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht, daß sich nach den Wochenausweisen für die Zeck artiger Heimtücke, die Amständlichkett des sprachlichen Ausdrucks, das ganze hypochondrische, streitsüchtige Wesen. Diese Veränderungen zeigten sich auch in seinem AeuHeren. Wir sehen auf. den späteren Bildern einen abgemagerten alten Mann mit verzerrten und gespannten Gesichtszügen. Robespierre, der von je verschlossen und mißtrauisch gewesen war, erweist sich immer unfähiger zum gesellschaftlichen Verkehr. Er lebt nur noch in einer Umgebung rückhaltloser Bewunderer, und seine sozialen Beziehungen beschränken sich in der letzten Zeit gaiii auf die politischen Versammlungen. Die Randdemerkun- gen, die sich aus seiner Feder in den Akten des Wohlfahttskomilees befinden, zeigen in ihrer Brutalität und sinnlosen Gewaltsamkeit eine Verrohung, tote sie grabe für den iörperlichen Schwächling mit krankhaften Zügen bezeichnend sind. Schon früh waren in ihm gewisse Mängel des Willens hervorgetreten, die er durch starre Hartnäckigkeit zu verbergen suchte. Auch seine Neigung für Symbolik weist auf eine Geisteskrankheit hin; er neigte zum Mystizismus. Dieses Auseinander- stillen der Persönlichkeit bewittt dann seinen An- tetgang. Im Augenblick der Entscheidung, während Sieg oder schmachvoller Tod auf des Messers Schneide stehen, drängen ihn fein: energischeren Freunde, seine Anhänger zu den Waffen zu rufen. Alles kommt darauf an, wer in diesem Augenblick des Schwankens die furchtbare Waffe der Scheinlegalität an sich reiht. Aber d:r Diktator sitzt zusammengebrochen da; er zaudert, und als man ihn zum Anterzeichnen des Aufrufs veranlassen will, fragt er: „In wessen Namen?" Seine Schrullenhaftigkeit ist in stumpfe Willenlosigkeit übergegangen, und keinem Diktator, sondern einer armseligen, geistig gestörten Antettanennalur zerschmettert im nächsten Augenblick ein Pistolenschuß den Untertiefer. vom 24. Juni brs 15. Juli Vie Lage ver Dank weiter g ü n st i g entwickelt hat. Der Zah- lungsmittelumlaus zeigte faxu eine mäßige Erhöhung, bewegte sich aber noch immer unter 3 Milliarden Goldmark. Heber die Lage am Geldmarkt sprach sich der Veichsbankpvasident dahin aus, daß die Situation nicht mehr so kritisch anzusehen sei wie vor einigen Wochen. Die Zinssätze zeigen eine sinkende Tendenz und die Einlagen bei den Banken eine erfreuliche Entwicklung. In der Zeit von Ende Dezember bis Ende April ist ungefähr eine Verdoppelung der Kreditoren eingetreten; inzwischen dürste sich das Anwachsen fortgesetzt haben. Wenn auch grundsätzlich an der bisherigen Politik der K r e di t b e s ch r ä n k u n g fest gehalten werden muh, so ist doch die Reichsbank iiach wie vor bestrebt, in allen Emzel- fällen, in denen ein Kredit angebracht und vom Standpunkt der Währungspolitik vertretbar ist, zu helfen. Auf dringende Vorstellungen des Reichsministers für Ernährung und Wirtschaft hat sich die Reichsbank entschlossen, außerdem der Landwirtschaft die Finanzierung der Ernte dadurch zu ermöglichen, daß sie der Seehandlung eine Rückendeckung bis zur Höhe von 200 Millionen Goldmark für an die Landwirtschaft zu gewährende Kredite gegeben hat. Mm eine Kapitalbildung für längere Sri ft en zu begünstigen, will die Reichsbank den Kreis der lombardfähigen Papiere durch Einbeziehung von auf Sachwerten basierenden Anleihen erweitern. Diese wertbeständigen Wertpapiere sollen zu denselben BÄüngungen beließen werden wie bisher die Anleihen des Reichs und der Länder, d. h. unter Zugrundelegung einer Quote von 50 Prvz. des amtlichen Kurswertes bei Wertpapieren auf der Basis von Gold, oder einer ausländischen Währung und von 40 Proz. des amtlichen Kurswertes bei Wertpapieren auf Warenbasis. Darlehen köniren im allgemeinen auf die Dauer von 6 bis 8 Wochen erteilt toer= den. Für Danken und Geldinstitute wird die Entnahme auf höchstens 3 Tage beschräntt. Die dem Zentralausschuß vorgelegte Liste der dastir in Frage kommenden Wertpapiere wurde gebilligt. Zum Schluß machte der Präsident noch vertrauliche Ausführungen über die neue Gold- notenbank und die Liquidierung der Rentenbank. • * Deutsch-spanisches Handelsabkomme n. Zwischen der deutschen und der spanischen Regierung ist ein Handelsabkommen geschlossen worden, durch das die spanische Regierung der deutschen die zweite Kolonne des Zolltarifs für ihre Waren einräumt ohne irgendwelchen Aufschlag. Außerdem gewährt sie ihr für eine nennenswerte Reihe von Waren Zollermäßigungen bis 20 Prozent unter der zweiten Kolonne. Tie deutsche Regierung hat der spanischen Degrerung gegenüber die allgemeine Meistbegünstigung und für eine Reihe von Waren Ermäßigung bzw. Konsolidierungen von Positionen des deutschen Zolltarifs zugestanden. Das Abkommen ist bis zu seiner Ratifizierung vorläufig durch Rotenaustausch als modus vivendi vom 1. August 1924 ab in Kraft gefetzt. * Die Zahl der Feierschichten im Ruhrgebiet wegen Absatzmangels hat in den letzten Tagen wieder stark zugenommen. Seit 23. Juli (in vier Arbeitstagen) muhten auf 82 Zechen 151 475 Feierschichten eingelegt werden. Am Samstag waren auf 29 Zechen 51840 Arbeiter zum Feiern gezwungen. Wie die Leitungen aus Horde melden, ist der Phönix-Gesellschaft für ihre dortigen Betriebe vom Regierungsvertreter eine Verfiirzung der Sperrfrist zugestanden worden. Somit werden schon in den nächsten Tagen mehrere Betriebe st i l l g e I e g t uab über 2000 Arbeiter entlassen. 9 * Z toä ngsvergleich bei Stahlwerk D,eder A.-G. in Willich. Wie die „Kölnische Zeitung" berietet, dürfte in dieser Woche ein Zwungsvergleich auf der Grundlage zustande kommen, daß die Gläubiger 40 Prozent erhalten, und zwar sofort 15 Prozent in bar und in zwei Monaten 10 Prozent, während die restlichen 15 Prozent in auf das Werk eingetragenen Obligationen gegeben werden können. Bei der industriellen Dankgesellschaft in Düsseldorf soll eine Sanierung auf der gleichen Grundlage erfolgen. * Benz & Co., Rheinische Automobil- und Motorenfabrik Mannheim, A.-G. Die Gesellschaft legt jetzt den Bericht für das am 30. April endende 25. Geschäftsjahr vor, der nach 208 335 Billionen Mark Abschreibungen mit einem rechnungsmäßigen Heberschuh von 39 671 Billionen Mk. abschließt (im Vorjahre 300 Proz. Dividende aus 1 959 Mill. Mk. Reingewinn), der vorgetragen wird. Heber den Geschäfts!) erlauf besagt der Bericht, daß das Geschäftsjahr unter der Auswirkung der verschiedenartigsten Störungen zu leiden hatte. A^e- sehen von umfangreichen Betriebreinschränkungen um> Aussperrungen, die von Mitte September bis gegen Ende des Betriebsjahres dauerten, sei der Zusammenbruch der Währung von den un- Der Alle aus Lopper. Roman von Hanns von Zobeltih. 27. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Wie er nun dem Lottchen seine Visite macht, jammert die auch und sieht mvrdselend aus. „Du hust gewiß von dem Bin de Champagne getrunken, Lottchen!" meint er mitleidig. Sie lacht darauf, aber es klingt ganz anders als sonst. Es war eigentlich zwischen Weinen und Lachen Hnd bann erzählt sie, daß sie heut in aller Früh eine Post aus Topper erhalten, und zwar einen Schreibcbrief von der Frau Mutter. „Don meiner Mutter? Wegen mir?“ fragte er bestürzt. Da hatte sie wieder ihr wunderliches Lachen. „Wegen dir — ach nein! Frau Beate weiß ja gar nicht, wo der Herr Sohn sind. Es ist wegen . . . wegen meines Bräutigams . . „Geht es Ohm Christian schlechter?" „Ich weiß nicht recht. Mag sein — mag nicht sein. Wie man's lesen will." „Kann ich den Brief nicht sehn?" „Was willst du damit? Rein — nein! Der ist wahrhaftig nur für mich bestimmt!" Hnd wieder lachte sie, und plötzlich wird aus dem Lachen ein Schluchzen, und dabei setzt sie ein feines Ba- tistmouchoir in hundert kleine Stück. „Mach', daß du fvrtkommst!" Es war alles in einem. „Ich will dich nicht mehr sehn!" Hat ihn dabei doch beim Wickel, häll ihn fest mtt Heiden Armen, preßt ihn an sich, küßt ihn rechts vnd links, bis ihm ganz wirblig im Kopfe wird. Topperschen! Shr Topperschen!" Mnb singt plötzlich Halblaut vor sich hin: günstigsten folgen für oas Jayresergevnis gewesen. Hebet die neuere Entwicklung wird nichts gesagt, nur, daß die Interessengemeinschaft mit Daimler zu den besten Erwartungen berechtige. Turnen und Kunst. Diese beiden, scheinbar so weit auseinanderliegenden Gebiete menschlicher Betätigung stehen doch in engerer Verbindung miteinander, als gemeinhin angenommen toirb. Jetzt ist viel von „Kunstturnen" die Rede, und man meint damit gewöhnlich das, was früher einfacher und unmch- verst Südlicher „Gipfelturnen" oder Wett-Turner- schulung genannt wurde. Die Kunst in diesen Zusammenhang mit dem Turnen zu bringen, ist freilich abwegig, denn Kraft und Gewandtheit an sich sind noch nicht Kunst. Man sollte überhaupt auch in anderen Fällen vorsichtiger und sparsamer mit diesem Worte umgehen. Das Verhältnis zwischen Turnen und Kunst läßt sich von zwei Seiten aus beleuchten. Man könnte sie äußere (objektive) und innere (subjektive) Betrachtungsweisen nennen. Wem hat z. B. noch nie das Herz höher geschlagen, wenn er eine sauber und vor allem mit tadelloser Körperhaltung durchgeführte Hebung, sei es eine Reck-, Barten- oder Pferdübung, gesehen hat? Richt ober nur zuletzt war es die Schwierigkeit dec Hebung, sondern die Freude an der Schönheit, die uns begeistert hatte: die Schönheit der De- wegungsfolge und vor allem die Schönheit des Körpers in seinen mannigfaltigen Stellungen. Bei auch technisch einwandfreier Ausführung kann eine solche Hebung nie ihren Eindruck verfehlen. Auch der dem Turnen an sich Fernstehende, der für das Schöne empfänglich ist, wird sich diesem Eindruck nicht entziehen können, um so weniger, wenn, wie bei Vorführungen usw., Verschmelzungen vorgenommen werden, die die Gesetze von Ebenmaß und Taktmähigkeit beim Aufbau glücklich anwenden. Hier ist besonders an Gemeinturnen und Gruppenstellungen zu erinnern. Auch die sogenannten volkstümlichen Hebungen (Kugelstoßen, Springen, Laufen) sind, sofern sie gut beherrscht werden, von hohen Schönheitswerten. Welche Quelle ästhetischen Genusses liegt ferner in den Massenfreiübungen, den kraftvollen der Männer sowohl als auch den taktmäßig betonten der Frauen. Werden diese Formen noch mit Musik gepaart, so haben wir ein künstlerisches Erleben vor uns, das gleichermaßen auf die Zuschauer wie auf die Ausübenden wirft. Hiermit sind wir auf die zweite Betrachtungsweise, die Verknüpfung von Turnen und Kunst, geführt: Turnen als Ausdruckskunst. Da sind es vor allem die Einzelfreiübungen, wie sie im Zwölfkampf der Deutschen Turnerschaft verlangt werden, die dem Turner reichlich Gelegenheit bieten, seiner Gestaltungskraft, ja irgendeiner inneren Einstellung durch entsprechende Körperbewegungen und -Haltungen Ausdruck zu verleihen. Es ist recht lohnend, bei den Zwölfkämpfen neben dem ästhetischen Genießen Studien in der Richtung dieser Ausdrucksfähigkeit zu machen. Zum Schluß dieses kurzen Heberblickes sei noch darauf hingewiesen, daß durch folgerichtig burchgeführtes Turnen im weitesten Sinne des Wortes, in dem jebe Muskel zur Betätigung herangezogen toirb, bie Körpergestalten allmählich denen der griechischen Sbsalg eftalten, die in Marmor unser Entzücken erregen, näher kommen. Wieviel mehr müssen lebensprühende Körper diese Wirkung ausüben können im freien Spiel der Kräfte! Turnen und Kunst bilden also eine edle Gemeinschaft. Es ist aber noch viel Arbeit zu leisten, um bie oben bargelegte Auffassung bieses Verhältnisses Gemeingut werden zu lassen, Arbeit von den leitenden Personen der Turnerschaft, von den Kampfrichtern, die mehr den Maßstab der Schönheit, als den der Schwierigkeit anlegen sollten, Arbeit von den Turnenden selbst und nicht zuletzt vom kunstsinnigen Beschauer. 3tl Aus aller Welt. Der Luftpostdienst vo« Reuyork nach San Francisco. Der regelmäßige Luftpvstdienst zwischen Reu- York und San Francisco, der seit dem 1. Juli durchgeführt wird, hat sich zu einem großen Erfolg entwickelt, über den die amerikanischen Blätter begeistert berichten Alle Morgen um 10HH-r verläßt ein Postflieger Reuyork. geht nach vier Stunden raschesten Fluges an einer bestimmten Station nieder und übergibt die Postsäcke einem anderen Flieger, der wieder an bestimmter Stelle abgelöst wird. Auf diese Weise ist die Post am Rachmittag des nächsten Tages um 5 Hhr 45 Minuten in San Francisco. Ebenso fliegt von San Francisco der Postbote um 5 Hhr morgens ab uiTb ist um 6 Hhr abends am anderen Tage in Reuyork. Die Abkürzung der Zeit ist bedeutend, denn auf dem Schienenwege dauert die Briefbeförderung von Reuyork nach San Francisco 5—6 Tage. „Si le roi m'avait donnS Paris, sa grande ville, Et qu’il me fallüt quitter L'amour de ma mie . . . Je dirais au roi Henri: Reprenez votre Paris! J'aime mieux ma mie, 6 que! J'aime mieux ma mie . . . „Ja, so . . . das ist ja nichts für deine Jeu- nesse. Was? Rein . . . nein, mein Jung! Schweig fein still und hol' dir deinen langen Laban. Sch eftimiere, ihr Topperschen, ihr gehört nun mal zusammen ... ihr . . ." Verwundert hat sich der Junker wohl über bas Gehabe unb Getue vom Lottchen Lasow. aber groß den Kopf hat er sich nicht darüber zerbrochen, zumal es am nächsten Tage wieder hinausging in die weite, unruhige Welt, die der frühe Winter mit feinem sanften weißen Tuch überzogen hatte. Es war das nun doch ein anderes Reisen mit dem Feldjäger, denn vorher. Stolz zu Roß, wenn der Gaul auch ein weniges schäbig war. unb mit vier Husaren als Eskorie. Der Gottlieb muhte mit dem Felleisen in der Karrete hinterdreinfah- ren, von Nachtquartier zu Rachtquartier, war s aber ganz zufrieden, toär* mit allem zufrieden gewesen, dietoeil er vorläufig einmal wieder der Korporalsfuchtel entronnen. Soldat des Großen Friedrich heißen, das war ganz schön und war ehrenvoll. Aber sich anschreien und womöglich karbatschen lassen, wenn einmal der Zopf nicht straff genug, das konnte man entbehren. Ging auch jetzt noch ein bißchen kreuz und quer ins Sachsen land hinein, und je weiter man kam, desto mehr merkte man wieder vom Druck und den Lasten des Krieges. Des Königs Hand Die Kaiserkrone von Abessinien als Geschenk. Der englische König hat dem Thronerben und Regenten von Abessinien, dem Prinzen Taf- fati, bei seinem Besuch in London ein kostbares Geschenk für die Kaiserin Judith von Abessinien mitgegeben. Es ist die abessinische Kaiserkrone, die der englische Heerführer Lord Rapier bei der Eroberung der abessinischen Hauptstadt 1868 dem damaligen Kaiser Theodor abgenommen und nach London gebracht hat. Diese denkwürdige geschichtliche Reliquie wurde dann dem Dictoria- und Albert-Museum überwiesen und war dort ausgestellt. Runmehr kehrt dieses abessinische Rationalheiligtum in die Heimat und zu seiner rechtmäßigen Trägerin zurück. Bauliche Erschließung der Alpen. Man schreibt uns: Sm Gebiet der deutsch- österreichischen Alpen sind trotz der Hngunst der Zeiten nun eine Reihe von Schutzhütten, bie in ben letzten Jahren zerstört worden axtren, wieder aufgebaut, einige ganz neu errichtet worden, andere gehen ihrer Vollendung entgegen. Das Hallerangerhaus im Karwendel, durch eine Lawine vernichtet, ist soeben neu erstanden, bie Erfucterhütte im Rosan-Gebirge, die einem Brand zum Opfer gefallen war, wird ebenfalls wieder aufgebaut, ebenso das Alplhaus in der Mie- mingergruppe. Die ebenfalls durchs eine Lawine zerstörte Gaudeamus-Hütte im Wilden Kaiser soll ebenfalls wieder errichtet werden, desgleichen die auch einer Lawine zum Opfer gefallene Richterhütte in der Reichenspih-Gruppe. Am Elm- fee im Totengebirge errichtet die Settivn Wels ein Haus, das den Ramen Pü ringer Hütte erhalten soll. Sn der Hafnergruppe in Kärnten baut die Sektton Kattowitz, am Hochlecken int Höllengebirge (Salzkammergut) die Sektion Vöcklabruck ein Haus. Auf dem Pyrgasgatterl (nördlich des Emstales) hat die Settion Lienz mit dem Dau eines Hnterkunftshauses begonnen. Am Großen Duchstern im Gesäuse eröffnet bie Sektion St. Pölken eine Hütte und am Mittersberg bei Bludenz die Sektion Bludenz. Am Wiembachgries bei Berchtesgaden ist kürzlich eine Hütte dec Münchener „Raturfreunde" dem Verkehr übergeben worden. Die Sektion Landeck hat am Steinsee in den Lechtaler Alpen ein Haus gebaut Auch in der Talregion werden in nächster Zeit Vereins-Häuser für Touristen in größerer Anzahl entstehen. Em „Klavier-Titane". Eine erstaunliche Leistung auf dem Flügel hat ein neuseeländischer Pianist, James Robinson, vollbracht. Wie aus Wellington gemeldet wird, spielte er ununterbrochen 100 Stunden und 10 Minuten Klavier. Als er schließlich aufhorte, war er nach den Berichten noch ganz frisch, nur hatte er Blasen an den Fingern, die ihm das Weiterspielen erschwerten. Einen Rekord hat dieser „Klavier-Titane" aber trotz seiner erstaunlichen Ausdauer nicht aufgestellt. Ein anderer Reuseelänber namens Wright spielte 106 ötunben ununterbrochen hintereinander, und er wurde 1920 von Albert Kemp geschlagen, der in Croydon mit einem Dauerspiel von 110 Stunden die Weltmeisterschaft im Dauerklavierspiel errang und noch heute besitzt. Büchertisch. — SvphieKlverh, Spatenrecht, Friesischer Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege, August Scherl G. m. b. H., Berlin. Sn harter Zett wachsen harte Menschen. Der immer gleiche Kampf mit dem Meere stählte feit uralter Zeit das freie, friesische Dauernvolk zum härtesten deutschen Stamme. Knorrig, festgewurzelt auf ihrem immerfort neu erkämpften Heimatboden stehen die rauhen, wortkargen Männer und bie herben Frauen, bie Sophie Kloerß hier im Gegensatz zu weichen, genußsüchtigen Städtern mit männlicher Hand geschaffen hat. — Deuts che Reden aus fünf Jahrhunderten hat Heinz Amelung für den Dolksverbanb der Bücherfreunde (Wegweiser-Verlag) zu einem stattlichen und geschmackvoll ausgestatteten Bande vereinigt. Das neue Werk wird manchem ein neuer Anreiz sein, die kostenlose Mitglied- schaft des Verbandes zu erwerben, um aif diese Weise das Bezugsrecht der Bücher zu erwerben. Wie schon öfter hingewiesen, werden die Bände nur an De rbandsmttg lieber abgegeben. Der Band bringt eine Auslese des Besten, was deutsche Männer, die von innigster Daterlanbsliebe durchdrungen werden, gesprochen haben, um das Wohl des Vaterlandes zu sichern, das deutsche Wesen zu stärken. Es handelt sich um gesprochene, nicht um geschriebene Worte, und so ist dieser Band den tiefer Schauenden ein Beitrag zur Gefchichte der deutschen Beredsamkeit, deren Bedeut ing unb deren Gefahren wir auf politischem Gebiete gerade in dieser Zeit erkennen gelernt haben. Die Sammlung geht von Luther unb Gellert über Goethe und Schleiermacher, Lassalle und Bismarck bis zu Trettschke und Mareks, am nur einige Ramen zu nennen. — Fritz Roaeiy.Dcyuigeiang, 'SO* lin 1924, Trowitzsch & Söhn. — Ein neues tief» gründiges Werk des durch seine Theorielehoe bekannten ausgezeichneten Methodikers unb Musikgelehrten! Hier kann auf beschränkten Raum nur soviel gesagt werden, daß der Verfasser, äußerlich offenbar durch seine Tätigkeit als Gesanglehrer am Gymnasium zum ©rauen Kloster in Berlin angeregt, vor allem aber innerlich ergriffen von seiner Berufung als Künstler und — Lehrer unter dem Titel „Ein Beitrag zur Revision des K1 assensing un ter- richts" eine Welt von Problemen auf reifet, die der Laie hinter diesen sechs Worten kaum vermutet. Das äußerst klar disponierte Bich „Einblicke, Methodenfragen (Aufgaben, Ziele), die Richt sä nger", das mit den 24 scharf formulierten Paragraphen eines „Lehrplans für den allgemeinen Schulgesangunterricht" and den „Hute rr i ch t s g r u n dsä he n" seines Anhangs allein schon ein schwerwiegendes Kompendrum «rieht, enthält auf 108 Setten, manchmal in stilistisch fein geschlissene Anmerkungen gefafet, eine Fülle z. T. entlegensten, wahrhaft univerialen Wissens. Dies und der heilige Ernst, mit dem hier — Gott sei Dank — ein Lech rer ben □K u fit unb nicht — ein Schalpädagoge za einem mehr als aktuellen Thema das Wort ergreift, verlangen gebieterisch, daß, die Schrift von allen maßgebenden Stellen, die über bie Reform der Schulmusikpflege za entscheiden haben, nicht nar gelesen, sondern in ihren Folgerungen und — Forderungen auch wirklich beherzigt werde. Dr . H. R — Kinberpaftelle. Ein Skizzenbuch aus dem Märchenland der ersten Jugendzeit von Josef Buchhorn. (Wilhelm-Meister-Derlag G. m b. H., Berlin SW 48.) Wir wandern mit dem Dichter in das bunte Reich seines ersten Suchens unb Sehnens, durch seine Heimat, unten am Rieberrhein. Gehen mit ihm durch alte winllige Straßen und Gassen, über Bauernhöfe, durch blühende Gärten, tummeln finberfelig über lärmende Jahrmärkte, abenteuern in finstern Kellergewölben ober unter Scheunendächern, erleben Märchen und erfinden Sagen. Unb in diese ost von einem schelmischen Humor überglänzten, ost aber auch von verhaltener Wehmut umzitterten Pastelle webt der lebenserfahrene Erzähler be* . herzigenswerte Ratschläge und ernste Mahnungen hinein, tote sie nur aus einem gütigen, versuchenden Herzen kommen können. — Tiroler Bilder. Von Etoald Haufe. Geb. 3Gm. Bergverlag Rudolf Rvther, München. Ein Buch aus dem namenlosen Lande, und von einem, dem es zur ztoetten Heimat wurde. Wer sollte, wo immer bie deutsche Zunge klingt, nicht nach ihm greifen, nachdem bei unseren Brüdern unb Schwest ern im deutschen Süden aus der tausendjährigen Scholle — der aus Felsen in ) Gärten verwandelten — schon dem Abc-Schütz bie Muttersprache genommen werden soll? Haufe wollte kein Buch, was ihn in Jahrzehnten an besonders Tiefem, Eigenartigem, Selbsterlebtem und Selbstgeschautem fesselte, schrieb er in Feierstunden nieder, erst Geistesfreunde vermochten ihn zu bewegen, diese Bilder der Rachwelt zu hinterlassen, unb Wohl keine Zeit mehr als die gegen- to-artige, bedarf ihrer als Vermächtnis eines großen deutschen Dolkserziehers. — Abrechnung Roman von Otto Ghsa e. (Volksverband der Düchrrireunde.) Otto Ghsae schürit mit diesem neuen Roman in bie Tiefen menschlichen Fühlens unb Denkens. Die Schärfe seiner Beobachtungen wirb in ihrer unerbittlichen Wahrhaftigkeit gemildert durch den weichen Ton des Menschen, der in reifem Verstehen für alle Verstrickungen, in bie bte Menschenseele gerät, bte natürliche Losung unb Erlösung findet. Etwas vom Rande der Hnenb- lichkett, bis zu dem sich bas Empfinben der männlichen Hauptperson der Handlung emporhebt, weht durch bas ganze Werk, und bie zwangvolle Pein, jebem Gefühl bis zum Doppelquell in Herz und Geist nahekommen zu müssen, die den Helden des Romans durch alle Freuden anÖ Schmerzen treibt, beten ein Mensch fähig ift; offenbart sich hier, menschlich erfühlt unb verstanden in erschütternder Klarheit. Das Buch zeigt Ott) Gysae in seiner ganzen dichterischen Gestaltungskraft unb toirb, da es a ich sprachlich ein s) fein gewebtes Kunstwerk ist dem Mit- gliederkreis des Volksverbandes der Bücherfreunde viele neue Anhänger Werbern ........" I . .1 I _ ______!■ Rpunhoin? Main I Geg.Leber-u.Magenleid.,selbst langj. BiulliküülllIIblII! hilft best.Narlssprudel vttkirchen 14 welche eine zarte, weisse Haut " ß blend, schönen Teint erlangen u. er« halten will, wäscht sich nur mit da die beste Lilienmilchseife JFpJwfäSSEWAvon Bergmann S Co., Radebeul, w Überall erhältlich. Kreux-Drog. Augast Noll, P. J. ülöbs, Drog. Georg Wellentals, Drog. 0. WinterhoH. 4146c lag schwer auf dem eroberten Lande, das ihm Steuern und Rekruten stellen muhte/ soviel es hergeben konnte. Die Dauern stöhnten, aber der Feldjäger machte keine Hmstände. Wo er hinkam, der Fabricius, hieß es: Order Seiner Majestät. Essen unb Trinken her! Hnd bas beste Bett! Hnb die Gäule bis an den Bauch ins Stroh und die Krippe voll Hafer! Sonsten soll euch der Geier holen! Einmal, als am Rachmittag der Junker mit seinem Gottlieb Marzanke vor einem schlechten Kätner Häuslein ftanb und in die Wolken sah. die toeiteren Schneefall zu dräuen schienen, kam ein Trupp Grenadiere vorüber, die Holz geholt hatten, unter Führung eines verwehrten Korporals. Wie der den Marzanke im Dorüberschreiten sieht, 6leibt er stehen, schüttelt ben Kopf: „He. du da, vom Regimente Zastrow, wir müssen uns doch kennen?! Sperr' oculos, mein Sohn, haben doch zusammen in einer Mordsnacht in der Sandgrube gelegen und sind zusammen bis an die Oder retiriert. Möcht' wohl tvisfen, wie's dem Herrn Stabskapitän von Zabeltitz geht?" Sft wahrhaftig der Ernst Werneberg gewesen, Bruder Studiosus ehedem, gewester Grenadier vom Regiment Prinz Heinrich, nun Korporal und ein Mordskerl, tote es schien, dem es gut ging. „Kann man bei euch noch unterkriechon? So — will bloß meine Bursche anhalten. Immer muh man auf die Lausekerle aufpafsen, sonsten macht sich einer dünn, schlägt sich in die Wälder, und man verliert jegliche Reputation." So haben sie nachher in der stickichten Stube um den Ofen gesessen, hinten an der Wand die Bursche, wie die Orgelpfeifen in der Reihe, damit der Korporal sie immer im Auge. Ab und an donnerte er sie an, dah es nur eine Art hatte. Dazwischen aber erzählte er. Kein Renommiste konnte besser erzählen, wie er, immer ein wenig Wahrheit und festes Aufschneiden drum ’tunt W^nn's alles richtig gewesen, hott' er, der Korporal Werneberg, allein die Moskowiter aus Schlesien gescheucht. Aber vom Alten, vom Fritze, da sprach er nur mit gehobener Stimme. Das war einer, ein Groher, Ganzer, vor dem alle Professoren und Doktoren jeglicher Fakultät auf den Knien herumrutschen mühten. „Hab' ich's nicht damals schon gesagt, in der elenden Sandgrube, zu dem Lumpen, dem Schwyzer, der desertieren wollte: Kennst Vater Fritze schlecht, den fliegen die Oesterreicher und Russen nicht an ter! Haben sie auch nicht, hat sie alle in Schach gehalten, trotz der Hnglücksbataille. Hnd ist front g?toeft dabei. Von Schlesien bis Sachfen hat er sich in der Sänfte tragen lassen müssen. Aber jetzo ist er wieder kesch — werdet ja sehen. Junker, ich neid's Euch! So ganz um ihn sein! Hnsereiner — unsereiner kann höchstens sterben für ihn! „Ja, der Kühne, mit dem wir dunnemals zusammen, der lebt noch Schade um den Bursche, daß er ewig salbadern muh, ist sonsten ein braver Kerl, könnt' auch schon Korporal sein. Sst zu weich, zu weich. Sn der Bataille, da tut er seine verdammte P licht und Schuldigkeit, aber vorher und nachher muh er plärren. Sst eben ein Pietist. Wir haben viele von der Sorte unb ftnb sonsten die Schlechtesten nicht. Ja . . . wer toeih ... bie erbeten sich am Enb' doch noch einen beson':eren ' Platz im Himmelreich, wo unsereiner binectiffime in die Hölle fahrt. Vielleicht aber, bah man dorten besonders gute Gesellschaft antrifft 1" Fortsetzung folgte und 2» d-r- geW. Ti ®dWJ“1* festen Deoie * •“’S rr* «E s Zinssa hetz «1 können, o. Sitzung bei o Verwaltung un sjnan-minister nun doch nicht km 15. 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