m. 150 Erscheint täglich, CM%tt Sonn» und Feiertag«, mit d. Samßta9«bdlag«: GietzenerFamiÜenb iütler IHoaats.BtsitgsvreU: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern tnfolg« höherer Gewalt. Fernfprech.Anschlüsie • für die Schrtftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach. richten: »nzeiaerStesteu. p«ftsche«Noato: Zr«mw>r1 a. M. U68S. Erster Blatt R. Jahrgang Samstag, 28. Juni 1924 GietzeimAWiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck miö Verla-: vrühfsche Univerfitats-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Schristleitunz und SefchfttsfteSe: §chufttraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagernummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbiudlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite crtlichö, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne« blame-An: eigen v 70. m Breite .35 Goldpfennig, Plotzvorschrift 20“ „ Aus« schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r Friedr.Wilh Lange; für den übrigen Te l: Ernst Dlumschein, für den Anzeigenteil: Hans Becü, sämtlich in Gießen. Zehn Jahre Krieg. Sarajevo — Versailles — Loudon. • Der 28. Juni 1924 ist ein Gedenktag besonderer Prägung. Zehn Jahre sind heute seit jenem Revolveraltentat von Sarajevo vergangen, dem daS österreichische Thronfolgerpaar zum Opfer fiel, und dessen blutiges Geschehen wie ein schriller Auftakt die weltgeschichtlichen Ereignisse ein- leitete, die nach zehnjährigem Kampfe noch nicht zum Abschluß gebracht worden find. Trotzdem oder weil zwischen dem fiebernden Heute und dem von serbischen Beamten und Offizieren verursachten Morde am Grzherzogthronfolger von Oesterreich jener 28. Juni 1919 liegt, an dem die älnterzeichnung des schandbarsten Llnkultur-Doku- mentes der Menschengesckichte erfolgte. Die ungeheuerliche Erpressung, die heute vor 5 Jahren durch die erzwungene Anerkennung der Lüge von der deutschen Schuld am Kriege und der anderen ehrenrührigen Behauptungen dieses Paragraphenmonstrums an Deutschland ausgeführt wurde, hat eine böse Tat nach der anderen gezeugt. Denn die hohe Politik der „Besieger" Deutschlands hat sich seit der Legalisierung des beispiellosen Wortbruches von Versailles im Kreise bewegt, und es dürfte kaum einen ehrlichen und Flar- bltckenden Beobachter der weltpolitischen Geschehnisse geben, der nach dem Debüt des Herrn Her- riot baran zweifelt, daß zum mindestens versucht toirb, den gut gemeinten Dawes-Bericht zu einem zweiten Versailler Diktat auszubauen. Eine einfache Durchsicht der zahlreichen Auslassungen und Srllärungen des französischen Ministerpräsidenten beweist dies. Die Optimisten in Deutschland erwarteten von der raschen Zustimmung zu dem Sachverständigengutachten und dem zur ehrlichen Verständigung angeblich bereiten Linkskabinett in Frankreich« nicht nur die Aufhebung aller Vertrags- und rechtswidrigen Maßnahmen der Poincar6-Zeit, also Rückkehr aller Ausgewiesenen, Freilassung der Gefangenen, völlige Wiederherstellung der deutschen Souveränität im Westen, Räumung der Ruhrhäfen, des Industriegebietes, der Flaschenhälse. Herriot hat einem Teil der Ausgewiesenen zur Heimkehr verholfen — alle anderen Probleme aber in einer so ungenügenden und zum Teil hinterhältigen und zweideutigen Weise be- Handell, daß er sich in dieser Hinsicht kaum von seinem Vorgänger Poincar6 unterscheidet. Zwischen der Ausführung des Dawesberichtes und der Ruhrräumung konstruiert er Zusammenhänge, die zu den schwersten Befürchtungen Veranlassung geben. Die teilweise Räumung Bann nach Herriot erst dann in Frage kommen, wenn die wirtschaftlichen Garantien vorhanden sind. Tlnd diese find nach seiner Auslassung erst dann gegeben, wenn die Obligationen für die Industrie und Eisenbahn verkauft sind und der Erlös unter Deutschlands Gläubiger aufgeteilt ist. DaS konnte nach der Berechnung maßgebender WirtschasiSpolitiker frühestens in 12 Monaten der Fall sein! Lind dann die Sicherungsforderungen: Beibehaltung der Besetzung der Ruhrhäfen, militärische Kontrolle der Eisenbahnen des besetzten Gebietes, Garantien gegen einen deutschen Angriff — im Hintergründe taucht das Gespenst der Vervolkerbund- lichung der Rheinlande unter französischer Oberaufsicht auf. „Deutschland muh entwaffnet werden, damit Europa in Frieden leben kann," ruft der Rachfolger Poincaräs. Es ist dieselbe Melodie, die feit fünf Jahren von der Seine nach Deutschland dringt, und besonders die gestern von uns veröffentlichten Erklärungen Herriots vor den französischen Senatoren und Deputierten lassen den Lyoner Bürgermeister als gelehrigen Schüler des Lothringer Advokaten erscheinen. „Hand- lungsfrelheit" — „Prozedur bei Verfehlungen Deutschlands" — „Garantien und Sicherheiten" — „^Inantastbarkeit des Versailler Vertrags": Haben wir diese Leitmotive ministerieller älnfrie- Lensgesänge nicht hundertfältig aus dem Munde des „Siegers" Poincars gehört? Genügt nicht die unbedingte Zustimmung des Interpellanten des „Rationalen Blocks", des Deutschenfressers Klotz, zum Beweise der Behauptung, daß nichts weniger angebracht ist, als von dem Kabinett Herriot mehr moralisches Verantwortungsgefühl und ehrlicheren Verständigungswillen zu erwarten, als von par- teipotittsch anders abgestempelten französischen Machthabern? „Deutschland, der Friedensstörer, muß entwaffnet werden", erklärt der demokratische Führer der bis an die Zähne bewaffneten Ration. Als ob nicht eine tausendjährige Geschichte als ob nicht die bekannt gewordenen Geheimabkommen zwischen Rußland und Frankreich, als ob nicht das unlängst veröffentlichte französ.sche G e l b b u ch, als ob nicht Wilsons Memoiren, der Geheimbericht D a - riacs, das Tagebuch des amerikanischen Generals Allen, die Aufzeichnungen des amerikanischen Delegierten Rohes und zahllose andere Dokumente llar bewiesen hätten, daß die französische Gier nach dem Besitz des Rhein- und Ruhrge- bietes die tiefste Ursache des Weltkrieges war und das Kriegsziel noch heute die Eroberung des Rheinlandes ist. Lind als ob nicht der fünfte Teil des „ Friedens"-Vertrages ausdrücklich „die Beschränkung der Rüstungen aller Rationen" vorsieht. Das Versailler Diktat ist für Herriot u n antastbar .Als ob nicht das Ehr- und Schamgefühl jedes vernünftigen Menschen in der Welt sich gegen diesen in 440 Paragraphen verborgenen Wortbruch und gegen die Tatsache aufbäumte, daß dieser „Vertrag" auf der Lüge von der deutschen Schuld am Kriege aufgebaut ist. Einen „Frieden der Gerechtigkeit" will Herriot schaffen, womit er zugibt, daß das Werk von Versailles das Gegenteil bewirkt hat. Wir haben allen Grund, diesen Absichten unsere größte Aufmerksamkeit zu schenken, denn auch Wilson betörte uns mit feinem „Frieden der Gerechtigkeit", der im Versailler Diktat eine so seltsame Gestalt gewann. Cs ist kaum nötig, nochmals an die 14 Punkte und ihre Verwandlung in 440 Paragraphen zu erinnern, oder an die Phrasen vom Schuhe des Selbstbestimmungsrechts der Völker, mit denen als Schlachtruf man 14 Millionen Deutsche der Riedertracht kulturell unter ihnen stehender Völker auslieferte. Aber an eins muh heute, am Jahrestage der Unterzeichnung des schmählichsten Dokumentes der Menschengeschichte, erinnert werden: daß es kein Vertrauen, keine Ruhe und keinen Frieden in der Welt geben wird, solange nicht das ungeheuerliche Anrecht des. Versailler Wortbruchs wiedergutgemacht wurde. Wir wissen, daß Deutschland Waffen- und machtlos ist, und daß auch uns das Hemd näher als der Rock sitzt. Wir wissen, daß wir aus diesem Grunde noch manche Last tragen, noch manches Opfer bringen, noch manche Zustimmung zu harten und folgenschweren Forderungen geben müssen. Aber wir wissen auch, daß aus den 14 Punkten die 440 Versailler Paragraphen geworden sind. Darum haben die deutsche Regierung uird insonderheit die amerikanischen Väter des Sachverständigenberichtes, den wir „des Friedens und der Freiheit halber" auszuführen im Begriffe find, die Pflicht, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die bevorstehende Konferenz von London kein zweites Versailles und der Dawes- Friede kein zweiter Wilson-Friede wird. Die Staatskunst unserer Gegner hat sich feit dem 28. Juni 1919 im Kreise beewgt, aber eine gerade Linie führt von Sarajevo über Versailles nach London. Das Ziel heißt dort wie hier Zerstörung der Macht, Riederhaltung, Balkanisierung Deutschlands, Aufrichtung der französischen Hegemonie in Europa, Ausdehnung der dritten Republik bis zur Ruhr. Wenn wir heute, zehn Jahre nach dem serbischen Signal zum Beginn der Tragödie, fünf Jahre nach dem Wortbruch von Ver- sallles diese Feststellungen machen müssen, kann damit eine Enttäuschung nur für diejenigen verbunden sein, die Worten und Versprechungen, anstatt den Lehren der Geschichte Glauben schenken. Herr Herriot hat eine Kurs änderung der französischen Politik versprochen und sie mit der Aufhebung zahlreicher Ausweisungsbefehle eingeleitet. Gewiß ein Anfang xum Abbau der Kriegshandlungen, aber einer, den die französische Ehre ebenso wie die Gerechtigkeit verlangt und der dazu noch sehr prvblemattsche Bedeutung hat, solange den Heimkehrern nicht die von den Franzosen besetzten Wohnräume zurückgegeben werden. Darüber hinaus hat Herriot in allen RcLen und Handlungen enttäuscht. Der Kriegszustand besteht weiter — die Londoner Konferenz wird zeigen, ob sie nur eine Etappe auf dem alten Wege oder der Beginn einer neuen friedlicheren Epoche ist. Wir hoffen es ohne Illusionen. --------------- -5 Die Ausgewiesenen des Ruhrgebiets. Rückkehr Aller mit wenigen Ausnahmen. Paris. 27. Juni. (WTD.) Wie Ha Vas aus Düsseldorf meldet, hat General Degoutte Vorkehrungen getrosten, um die Rückkehr sämtlicher aus der französischen Zone des Ruhrgebietes und dem Brückenkopf von Köln Ausgewiesenen bis auf einige Ausn ahmen zu ermöglichen, da die französische Regierung. um im beruhigenden Sinne zu wirken, beschlossen habe, den aus dem besetzten Gebiet seit dem 11. Januar 1923 ausgewiesenen Personen gegenüber weitgehende Gnadenmah- nahmen durchzuführen. Diese Entscheidung fei am 27. Juni den Beteiligten mitgeteilt toorben. Des weiteren seien Strafeinstellungen zugunsten der wegen Teilnahme am passiven Widerstand Verurteilten angeordnet worden, denen binnen kurzem die endgültige Begnadigung folgen werde. Die Kehrseite. Erschwerung der Einreise ins besetzte Gebiet. Köln. 27.Juni. (WTB.) Sämtliche Ge- leitscheine zur Einreise in die britische Zone über H ö ch st a. M.. Goldstein und Ludwigshafen sind für ungültig erklärt worden. Die Inhaber solcher Geleitscheine werden aufgefordert, diese mit genauer Adressenangabe an die Paßstelle Köln, Domhof 28, ein- zusenden, welche die Scheine über Honnef gebührenfrei abstempelt und den Inhabern zurückschickt. Ein Jahr Gcsäugnis wegen des Gesangs vaterländischer Lieder. Mainz, 27. Juni. (WTB.) Das französische Kriegsgericht in Mainz hat einen Deutschen Ramens Io st zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er, besonder« in der Hunsrückgegend, Aufrufe verteilt haben soll, worin die Bauern aufgefordert wurden. die Tätigkeit der interalliierten Forstkommission zu verhindern. Drei andere Deutsche, die zu Jost in Beziehungen gestanden haben sollen, denen man aber nur das Singen von nationalen Liedern in Cafes nachweisen konnte, erhielten je ein Jahr Gefängnis. Die Verlängerung der Micumveriräge. Wir konnten bereits gestern mitteilen, daß Herriot den Wunsch der deutschen Regierung, Verhandlungen von Regierung zu Regierung über die Micum-Verträge ftattfinben zu lassen, glatt abgelehnt hat. Heute liegt der Wortlaut der ablehnenden Rote vor, die zwar in höflicher Form gehalten ist, aber an der Ausschaltung der deutschen Regierung in der lebenswichtigen Frage der Reparationslieferungen des Ruhrgcbi.tes festhält. Herriot wehrt sich gegen die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Hoheit Deutschlands im Ruhrgebiet, der Druck auf die Industriellen soll — angeblich auf belgifch es Verlangen — fortgesetzt werden, trotzdem es in Frankreich ebenso wie in Deutschland bekannt ist, daß die gesamte Ruhrwirlschask dem völligen Zusammenbruch infolge der Erpressung der Micum-Lei- stungen und der Kapital- und Kredit-Rot nahe ist. Die Haltung Herriots in dieser Angelegenheit ist um so weniger verständlich, als die Besprechung von Regierung zu Regierung Frankreich nur Vorteile gegenüber der zeitigen Lage bringen und 'von ihm der angeblich so starke Versiändi- gungswille bei dieser Gelegenheit auf die billigste Art bewiesen werden konnte. Oder braucht man neue „Verfehlungen" für neue „Maßnahmen,, ? Die Ablehnung des deutschen Verhandlungswunsches. Berlin, 27. Juni. (WTB.) Die von der französischen Regierung gestern der deutschen Botschaft in Paris übergebene Rote des fran- zöfischen Ministerpräsidenten, in der der deutsche Antrag auf Einleitung von Regierungsverhandlungen über die Ausführung von Reparationskohlenlieferungen nach dem 1. Juli abgelehnt wird, hat folgenden Worllaut: „In Beantwortung der an die französische Regierung gerichteten Roten betreffend die Erneuerung der Micumverträge beehrt sich das Ministerium für die Auswärtigen Angelegenheiten der deutschen Botschaft mitzuteilen, daß mit Rücksicht auf den nahe bevorstehenden Zusammentritt der Konferenz über die Anwendung des Sach - Verständigenplanes es dem Ministerium nicht möglich erscheint, direkte Verhandlungen mit der deutschen Regierung anzubahnen. Im Hin- o'.ick auf den technischen Charakter dieser für die Erneuerung der Micumverträge notwendigen Verhandlungen glaubt das Ministerium überdies, daß sie mit Vertretern der deutschen Industriellen geführt werden sollten. Die französischen und belgischen Delegierten an der Ruhr erhielten Instruktionen, allen Forderungen der deutschen Industriellen Rechnung zu tragen, die ihnen begründet erscheinen. gez. Herriot." Eknwillignug der deutschen TLerk- iciter ausgeschlossen. Essen, 27. Juni. (WB.) Zu den am 28. Juni beginnenden Verhandlungen der Industrie mi* der Micum erfahr: die „Deut ch Bergw cis- zeitung", daß eine Einwilligui g der beulten Werkleiter in die Verlängern ig dec Micumie- träge gänzlich ausgeschlossen sii. Dsi Wecke hätten ihre letzten Kredite verbraucht. Zur weiteren Derwirtschaftung des Resies der ihnen anvertrauten Kapitalien tonnten die in u'trie. en Führer unmöglich die Hand bieten. Die Verantwortung dafür, was aus dieser Situation entstehen werde, falle den Regierungen zu. da lediglich durch Verhtnd langen zw sche i der deu - scheu und der französischen Regierung eine für die Industrie tragbare Regelung an die S e.le der Micumverträge treten könne. Belgien ist der Sündenbock. Paris, 27. Juni. (WTB.) Zur Frage bet Verlängerung der Micumverträge schreibt der „Temps" in feinem Leitartikel, wie die von Herriot verlesene Erllärung bezeuge, habe die französische Regierung sich in der Tat der Ablehnung der deutschen Vorschläge angeschlossen. Aber der Beschluß sei in Brüssel gefaßt worden und der belgische Vertreter in der Micum steht ihm sicher nicht fern. Die veröffentlichte franko- fische Rote gebe also nicht die persönliche Meinung irgendeines französischen Beamten wieder. In Paris wünsche man übrigens diesen Zwischen- fall nicht tragisch zu nehmen. Kommunisten als Volksvertreter Prügeleien und Skandalszenen. Einer Drähtmeldung aus Hannover zufolge kam es in der gestrigen Sitzung der städtischen Kollegien zu einem heftigen Zusarnrnrnftoh zwischen Kommunisten und Sozialisten, der zu einer regelrechten Schlägerei ausartete. Man bewarf sich mit Akten, ging mit Stühlen aufeinander los, boxte und ohrfeigte sich. Oberbürgermeister L e i n e r t rief Schutzpolizei herbei, um die Ruhe wiederherzustellen. Die Sitzung mußte schließlich vertagt werden, ba eine ruhige Fortführung der Debatte nicht möglich war. Die Notlage der Landwirtschaft. Eine Regierungserklärung Int Reichstag. Berlin. 27. Juni. Zur gemeinsamen Beratung kommen zunächst die mit Litauen und Esthland abgeschlossenen Handelsverträge und Verträge über den gegenseitigen Verzicht auf Entschädigung für im Weltkrieg entstandene Schäden. Ä Dr. F r e h t a g ° Loringhoven (Dnt.) n Verträgen zu. wünscht aber, daß die deutsche Regierung mehr auf die Respektierung ihrer Stellung durch die Randstaaten achten möge. Litauen dem man das Memelland zugesprochen hat, habe sich nach wie vor dein Inkrafttreten des Autonomiestatuts unerhörte Eingriffe in die Rechte der Memeldeutschen herausgenommen. Obwohl sich nur 2 Prozent der Eltern für die Einführung des litauischen Sprachunterrichts ausgesprochen 'haben, ist jetzt in den Schulen des Me- mellandes Litauisch zur Llnterrichtssprache erhoben worden. Es muh hier ausgesprochen werden, daß es eine Germaniairridenta gibt und daß wir alle des Tages harren, da unsere unerlösten Brüder zu uns zurückkehren. Abg. Graf Reventlow (Rat. Soz.) er- klart, für feine Freunde blieben die Gründe bestehen, die sie schon bei der ersten Lesung zur Ablehnung der Verträge nötigten. Abg. Bredt (Wirtsch. Verein.) begründet eine Entschließung, in der die Reichs regier ung ersucht wird, bei den ferneren Verhandlungen mit Esthland durchzusehen, daß die in Csthland enteigneten Grundbesitzer deutscher Reichsangehörig'- kei nach denselben Grundsätzen entschädigt a>erben, wie die meistbegünstigten Grundbesitzer anderer Staatsangehörigkeit. Es folgt die gemeinsame Beratung der von verschiedenen Fraktionen etngegangenen Interpellationen und Anträge über die Aotlage der Landwirtschaft mb des Weinbaues. Abg. Schiele (dntl.) begründet die Interpellation der Deutschnationalen, in der verlangt wird, daß das Mißverhältnis beseitigt wird, das durch Maßnahmen der Gesetzgebung auf zoll- und handelspolitischem Gebiet zwischen den Prci- sen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse einer,ei s und den landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln andererseits schon durch eine längere Periode wirksam gewesen ist. Wir verlangen die schleunige Rachpcüsung der gesamten St Künstlerin ist drüben nicht minder gefeiert worden, wie auf unserm Kontinent. Die neue Tourn e durch Deutschland bedeutet für Hanne- Lore Ziegler einen neuen Triumphzug. 3n Bonn dieser Tage ausverkauftcs Haus trotz der schlechten Theaterzeit. In Dad-Rauhcim jüngst riesiger Erfolg; fast jede Nummer wurde da rapo verlangt. Sicherlich wissen die Theaterfreunde der Bühnenleitung Dank für die Veranstaltung diese- Gastspiels der beliebten Tänzerin. — Die Berliner Sänger in Gießen. Das Konzert des Berliner Gesangvereins Sängerkranz, das heute abend in der „Reuen Aula- stattfindet, sei allen Freunder des Männergesangs nochmals in empfehlend« Erinnerung gebracht. e ** Veränderung tm Provinzial- tag. An Stelle des verstorbenen Fabrikdirektors Heinrich Schmitz in Hirzenhain ist der Kaufmann Friedrich Lenz zu Ortenberg in den Provinzialtag der Provinz Oberhessen berufen worden. ' Mehrere Gewitter brachten uns im Laufe der Nacht sehr ergiebige Regenfälle, die namentlich gegen 3 Ahr besonders heftig waren. Bon Schäden infolge der Anwetter ist uns bis heute vormittag nichts bekannt geworden. ** Den morgigenWerbetag fürdir Jugendherberge auf dem Hoberodskops möchten wir heute noch einmal dem Wohlwollen unserer Mitbürger enrpfehlen. Man beachte die hett der Würzburger Magistrat in Frack mit weißer Binde zugegen war, um der Feierlichkeit! einen «glänzenden" Rahmen zu geben, wissen wir nicht. Diese kleine Gegenüberstellung zeigt aber, Minister Henrich rühmt die Leistungen des bisherigen Intendanten auf finanziellem und künstlerischem Gebiet. Abg Diehl- Hochweisel (Bbd.) spricht gegen die Bewilligung des Defizits im Theater-Haushalt. Die Ausschußanträge werden hierauf gegen sine Stimme angenommen. Ohne Debatte werden angenommen Kap. 14 (Staatsreuten), Kap. 15 (Ruhegehalte soziale Fürsorge für die im öffentlich m Dienst beschäftigten Personen usw). Ern Antrag Diehl-Hochweisel, 10 000 Mark für die Entfernung von alten Hoheitszeichen zu streichen, wird äbgelehnt und der Ausschußantrag angenommen. , Zu Kap. 19 (Staatspräsident) liegt ein Antrag des Bauernbundes vor, die Kosteil für einen Ministerialrat zu streichen. Abg Dr. Osann (D. Vp) erklärt im Auftrage seiner Frakiion, seine Partei würde die Stelle des Ministerialrats nicht bewilligen, weil ihr Inhaber nicht die Qualifikation dafür h.-be und sein Benehmen im Widerstreiit zu seiner Stellung stände. Es entspinnt sich eine längere Debatte, in der die bekannten Vorfälle in Wimpfen beim Be uch deS Landtags zur Sprache gebracht we.den. Der Ministerialrat hatte damals ein Hoch auf die Republik ausgeb.acht. An der Debatte be e lig- ten sich die Abgeordneten Reiber (Dem.), Lücke! (Soz.) und Kaul (Soz.). Am IV-i Ahr werden die Beratungen abgebrochen. Nächste Sitzung Dienstag. Fortsetzung der Tagesordnung. — Tageskalender für Sonntag. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Ausstellung europäischer Schmetterlinge ab 1 Ahr im Physikalischen Institut, 10 Ahr vornr. erläuternder Vortrag. — Hugendtag: nachm. Festspiele auf dem Trieb. — Auto- und Motorrad- Tournier: vorm. 6,30 Rennen aus der Straße langsam. Sie wollten die Aktion selbst in die Hand Schäffenbe^' nach« 3^% nehmen und planten deshalb ein Unternehmen in kettsprüfungen sÄ der Weise, daß sie zuerst drei Synagogen in die Luft sprengen wollten, um hiermit das Signal sterschaften. ^Lichtspielhaus. Mlhnhofstraße. vor i n einem al laemeinen Auistand au I mittag 11 Ahr Wanderfllm, nachm 3 Ahr flehe ’geben* Ä Samstag " Worw-LiMpiele; in München nicht erhalten konnten, weil die 2ln- “ Palast-Licht piele vorm. 11 Ahr ^lastina- gelegenheit dort noch nicht spruchreif war, faßten W™' h3 ßSL£a3ta9, abbd‘ 8 sie den Entschluß, sich die Waffen von den Gesangsabend Otto Gebühr. ~ ‘ ’■ ' " — AuS dem Stadttheaterbureau nung zur Rein» chfahrten richtet das Kreisamt Gießen im neuesten Amtsverkün- bcn Franzosen. Der franz 5 fische P v- lizeivffizier Malade habe c.in€" !. n,/e s5n*d e^r i^hm" das^Auto und I nicht. Diese kleine Gegenüberstellung zeigt aber, mas^'r brauche zur Verfügung daß man bei aller Sicherheitskommissarerei im vollen werde nur ei ne Bescheinigung „blinden" Hessen doch noch besser auf dem Posten L ^Dsückerbundes sei nötig. Diese ist, als in dem neunmalschlauen Bayerp. And mnrfxHekxb von den besonnereren Führern ver- weil wir bisher den Finger auf dem richtigen Somit sei der Plan ins Wasser gefallen. Loch der Pfeife gehabt und gut gepfiffen haben, D^reter der Anklage, Staatsanwaltsrat so wollen wir auch weiterhin recht Helle fein Rücket b^tta^e gegen Äau acht Jahre und unsere Elektr-ische eifrig benutzen, auch wenn Zuchthaus, gegen Rullmann sieben, gegen sie uns manchmal wieder ärgert damit sie uns stelle sechs u^ gegen Metzger 6V-Iahre Nicht wieder „abgeschraubt und in die Eck ge= IX« «uBct&Äi® die üblichen Neben- stellt" wird. strafen In der Begründung führt er aus, die An- * geklagten hätten den Plan vorsätzlich gefaßt Sie Die Reichs-TeueruNgszlffer. seien sich am 2. März allMmein über ihr Bor- Sie Reichsindexziffer für die Lebenshal-- twr^atteS^Mie als Mitglied des na- tungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, ttonalen Bundes mit den Franzosen in Beleuchtung, Bekleidung) beläuft sich nach den $ VoriwNzen. — Tageskalender für SamStag. Gesangverein „Heiterkeit": 8 Ahr Konzert in der Aula: Gesangverein „Sängerkranz"-Berlin. — Rundfunkhaus, Löberstrahe: Gesangskonzerte. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Kuhverbot". — Astvria-Lichtspiele: „Die Magyarenfürstin". — Palast-Lichtspiele: Disrnarckfilm. Wegfall der Sondersteuer vom Gebäudebesih verlangen, werden in Einzelabstimmungen durch eine Mehrheit, die aus Zentrum, Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten besteht, abgelehnt Einem weiteren Antrag der Deutschen Dolkspartei auf Steuerstundung für Kleinrentner wird zugestimmt und ein Antrag Brauer (Bbd.) auf Steuerstundung wird der Regierung als Material überwiesen. Ein Antrag Dlanck, Hofmann und Gen auf Steuerstun düng wird in Aebereinstimmung mtt dem Ausschußantrag, für erledigt erklärt. Der Ausschuhantrag, die Einnahmen in Kap. 10 mit 29 432 000 Mk. und die Ausgabe mit 1 192 000 Mk. zu genehmigen, wird angenommen; ^m^gen stimmen Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Botts- Partei und Bauernbund. Ferner wird ein Aus- schuhantrag angenommen, die Regierung zu ersuchen, dem Landtag spätestens bis zum ersten Oktober eine Aebersicht über den Eingang aus Sondersteuern vom Gebäude vorzulegen, um h er«* nach darüber Beschluß fassen zu können, wreweit die Mehreingänge für die Förderung des Wohnungsbaues verwendet werden formen. Zu Kap. 7 (Landestheate r), beantragt der Ausschuß die Einnahme mit 852 333 Mk. und die Ausgabe mit 11 137 000 Mk. zu bewilligen. Abg. Dingeldeh (D. Vp.) meint, daß die Wirtschaftsmethode des Theaters unter dem neuen Intendanten wesentlich anders werden müsse. Dom Theater mühten alle politischen Einflüsse fern gehalten werden. , , rti . , . , Abg. Dr. Büchner (Dem.) hofft, daß durch äußerste Sparsamkeit ein größeres Defizit vermieden wird. , t. , _ Abg. Delp (Soz.) schließt sich diesen Worten des Vorredners an. Abg Frau Ha ttemer (Ztr.) fordert, daß am Verwaltungsapparat und bei Neuinszenierungen gespart wird. Der neue Intendant möge mehr Wert auf die innere Ausgestaltung als auf den äußeren Effekt der Aufführungen legen. digungsblatt an die Ortschaften des Kreises, die sich Versäumnisse nach dieser Richtung haben zuschulden kommen lassen. In der Bekanntmachung heißt es u. a.: Die Beobachtung, daß In verschiedenen Gemeinden die vo> geschriebene wöchentlich zweimalige Straße nreinigung äußerst mangelhaft gehandhabt wird, gibt uns Anlaß, die Bürgermeistereien aus die den Anliegern obliegende Reinigungspflicht, sowie auf die Polizeiverordnung vom 8. Januar 1881 und den Artikel 114 des Polizeistrafgesehes aufmerksam zu machen und damit den Auftrag zu verbinden, daß sie die Bevölkerung alSbald nachdrücklichst auf die genaueste Beachtung der vorerwähnten Vorschriften Hinweisen. Der Reinhaltung der Ort sdurchfahrten und der bebauten freien Strecken der Kreisstrahen widerspricht auch die in den letzten Jahren geübte Gepflogenheit, Küchenspülwasser, Waschwasser und selbst Aeberläufe aus Pfuhl- und Hauchegruben und Miststätten aus die Straßen oder in die offenen Gossen der Ortsstraßen und Ortsdurchfahrten laufen zu lassen, zu schütten oder in Rohrleitungen in die Straßengräben zu führen. Die Folge davon ist, daß die Straßengräben an vielen Ortsausgängen zu Schmuh- wasservorflutern und Hauchegvuben werden. Das Leipzig. 28. Juni. In dem Prozeß wegen der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche versuchten Hochverrats und Vergehens gegen das (1,12-Billionenfaches) ist demnach eine Ab-- Sprengstoffgesetz vor dem Staatsgerichtshof zum nähme von 0,9 Prozent zu verzeichnen. Schuhe der Republik In Leipzig ist das Urtext gesprochen worden. Es wurden verurteilt: Bau zu fieben Jahren Zuchthaus und fleben Wietzener Wochenmarktpreise fahren Ehrverlust, Rullmann, Stelle und Metz- am 28. Juni. (Händlerpreise.) ger zu je sechs Jahren Zuchthaus und je kosteten das Pfund: Butter 160 bis 170, sechs Fahren Ehrverlust. Matte 30, Käse 60, Wirsing 50, Römifchkohl 15, In der Degründun g heißt es: Anfang Dohnen80, Spargel 80bis 100, Erbsen 40, Mischvorigen Jahres herrschte unter den sogenannten gemüse 20, Tomaten 80, Zwiebeln 25, Rhabarber nationalen Verbänden und anderen Gruppen der 15, neue Kartoffeln 20, Kirschen 40 bis 50, deutschen Bevölkerung darin Einigkeit, daß es An- Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 50, Erdbeeren fang 1923 zu einer allgemeinen sogenannten natto- no bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumen- nalen Erhebung kommen sollte, um die Republik kohl 80 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken zu stürzen. Don München liefen die Fäden zur 70 bis ICO, Ober-Kohlrabi 15 bis 25; das Bund Untergruppe Frankfurt a. M. Den Angeklagten gelbe Rüben 15, Rettich 40; das Päckchen rote Dau, Rullmann und Hielle ging die Sache zu Rüben 20; alte Kartoffeln der Zentner 380 bis 500; der Schoppen Heidelbeeren 35 Pf. bitc gegeben. Sie kann bei der Verwendung von t Wechselkrediten nicht wesentlich weiter gehen. Die Landwirtschaft bedarf der Reallredite zur Produktionssteigerung und zur Finanzierung der unmittelbar bevorstehenden Erntearbeiten. Dazu kann die Rentenbank nutzbar gemacht werden, wenn sie nach Annahme des Sachverständigengutachtens als Währungs- bankaufgehört hat. Eine schnelle Regelung des Gutachtens wird auch die Möglichkeit geben, der Landwirtschaft ausländische Kredite zu gewähren. Dor übertriebenen Erwartungen in dieser Richtung müsse gewarnt werden. Der Reichsfinanzminister hat die Finanzämter wiederholt angewiesen, bei der Beitreibung der Steuern möglichst Rücksicht auf die Notlage der Landwirtschaft zu nehmen. Eine generelle zinslose Stundung ist nicht möglich, weil sie das ganze Gebäude der Reichs- und Staatsfinanzen erschüttern würde. Die unverhältnismäßig hohe Spanne zwischen Erzeuger- und Kleinhandelspreis wird sich erst nach einer allgemeinen Erleichterung der WirtschastSlcvge vermindern lassen. Das Mißverhältnis der Preise der landwirtschaftlichen Produkte zu denen der Produktionsmittel ist auf die Lage der Rvhstof Industrie zurück; u- führen, die unter dem Druck der Micumverträge leidet. Das wird sich erst nach der Annahme des Sachverständigengutachtens ändern lassen. Die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte wird wesentlich erleichtert werden. Am die dringend notwendige intensive Landwirtschaft zu erhalten, werden Maßnahmen getroffen, die der heimischen Landwirtschaft Schuh gewähren und ihre Preise möglichst unabhängig von den Schwankungen der Weltmarktpreise machen. Abg. Oberdick (Komm.) wendet sich gegen die Regierungserklärung. Gr verlangt Aufteilung der großen Güter zugunsten der Kleinbauern, Siedler und Landarbeiter. Aut Vorschlag des Aeltestenrates werden hierauf die einzelnen Anträge an verschiedene Auss chüsse übertot öfen. Abg. Dietrich (Dem.) fordert den Schuh des Weinbaues durch Wiederherstellung der Zollgrenze. Die grohe Spanne zwischen Erzeugerund Konsxmientenpreis sei auch durch die Re- gierungserllärung nicht ausreichend begründet worden. Die Kreditzinsen mühten ermäßigt, die Düngemittel verbilligt werden. Die Demokraten ständen den Zollfragen nicht doktrinär gegenüber. Abg. Lang (Bayer. Dpt.) beHagt die mangelnde Rücksichtnahme des Reichsfinanzministers auf die furchtbare Notlage der Landwirtschaft. Die steuerliche Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft fei in der Inflationszeit von der Regie» cung weit überschätzt worden. Abg. Dr. Behersdörfer (Dahr.Dpt.) schildert die Notlage der Winzer in der Pfalz und verlangt Einschränkung der Einfuhr ausländischer Weine. Abg. Bachmayer (Wirtsch. Vgg.) verlangt ausreichenden Zollschuh schon für die nächste Hrnte. ' Abg. Kunze (D. Soz.) betont, die Landwirtschaft habe vis zum vorigen Jahre von dem Papierglldschwindel nur Vorteile gehabt. Erst feit der Markstabilisierung müsse sie ihre Infla- ) tivnsgewinne wieder herausgeben. Seit einem ! halben Jahre werde nun der unerhörteste Zinswucher getrieben. Es sei ein Skandal, dah noch kein Gesetz herausgekommen sei, das jeden an den Galgen bringt, der mehr als 5 Proz. Zinsen nimmt. Redner verlangt die Verstaatlichung des Kreditwesens. Abg v. Richthofen (Dntl.) ist von der Regierungserklärung nicht befriedigt und Hilt vor allem die Hoffnungen auf das Dawesgutachten für verfehlt. Abg. Weiden Höfer (Nat.-Soz.) weist die Regierungserklärung als durchaus unbefriedigend zurück. Damit schließt die Aussprache. Um 9 Ahr vertagt sich das Haus auf Saikstag. ^2Iuf der Tagesordnung stehen Interpellationen^ und Ayträge über die Notlage dec aus dem beschien Gebiet Ausgewiesenen, außerdem Anträge zur Aufwertungsfrage. Hessischer Landtag. ^Eigener Bericht unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt, 27. Juni. Am Degierungsiisch: Staatspräsident Alki ch. sowie die Minister Henrich und R aa b. Tie Spezialdebatte zum Staatshaushalt 192 4 wird bei Kap.9 und 10 fortgesetzt. (Anteil aus Reichssteuern usw., Landessteuern. indirekte Auflagen usw.) Abg. Dlanck (Zentr.) tritt für S euerstun- dung zu Gunsten der Landwirte und WeinAus Stadt und Land. Gießen, den 28. Juni 1924. Die fahrende Elektrische. Nun ist sie aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt worden, unsere gute Strahenbahn. Gestern tat sie die ersten tastenden Schritte zurück in die Welt des Hastens und Hagens. Mit dem lieben Publikum will sie die Beziehungen aber erst von morgen ab wieder aufnehmen, zunächst will sie sich ihren Weg so zurecht machen, wie es ihr paßt. Das begann gestern damit, dah sie vielen Bäumen, die ihr allzu liebevoll das Gesicht streichen würden, einfach die „Federn" gehörig beschnitt; ganze Wagen voll von diesen „Federn" schaffte sie davon, und obendrein lachte sie dazu mit ihrem hellen Glocken klang. Die Sprechstunden für die Allgemeinheit sollen morgen früh beginnen; wann sie zu treffen ist, steht heute im „Gießener Anzeiger" zu lesen, ob man sie aber auch jedesmal erwischt, oder ob man^ länger als vorgesehen auf sie warten muß, dafür lehnt sie die Verantwortung ab. Sie will geltend machen, | dah derjenige, der so lange wie sie hat schlafen ' müssen, vorerst mal einige Zeit braucht, bis ex wieder recht auf dem Damme ist. Da mach' nun einer was, denn den Vergleich mit dem Verschlafenen kann man nicht gut als unzutreffend bezeichnen, wenigstens für die erste Zeit. Einstwellen steht man da eben machtlos vis-a-vis. Aber eine Gnadenfrist wollen wir — gute Menschen, die wir ja sind — ihr schon von vornherein gewähren. Wenn sie diese Zeit allzu lange ausdehnt, machen wir kräftig Spektakel. Jedoch eins der Hauptsachen hat sie uns bis jetzt noch verschwiegen: sie hat nämlich bislang nicht gesagt, was jetzt die Elle bei ihr kostet. Dem Zuge der Zeit folgend, wird sie natürlich die gute alte Zeit mit dem Nickelzehner nicht wieder aufleben lassen, sie wird halt auch nach Höherem streben. Sie sagt sich jetzt offenbar: Wer meine Preise kennenlernen will, der mag zu mir kommen und die Probe aufs Gpempel machen, und wer das nicht tun will, der braucht meine Preise nicht zu kennen. Das ist kurz, und präzis — ganz große Linie, die nur Phllister krumm nehmen können. Trotz des Sprungs ins Dunkle, zu dem sie uns beim ersten Besuch also zwingt, wollen wir sie aber gern haben, denn schöner ist es doch gewiß, bei barbarischer Hitze in ihr zur Liebigs- höhe oder zum Friedhof zu gondeln, als diese Reise beispielsweise vom Bahnhofs- oder Kliniksviertel, oder von der Stadtmitte aus per pedes zurückzulegen. And wenn wir uns diese Vorstellung machen, so können wir uns doch wirklich aufrichtig freuen, daß wir sie nun wieder haben, die liebe Elektrische, und dah es uns nicht so ergangen ist, wie beispielsweise den guten Bürgern der Musenstadt Würzburg. Dort hat eine besonders hochweise Stadtverwaltung in der Inflationszeit den „genialen" Gedanken gehabt, die ganze Strahenbahn auf Abbruch als altes Eisen zu verkaufen. Dieser „blendende" Streich, der seinen Arhebern unzweifelhaft das Anrecht auf die Mitgliedschaft in der Schild-- bürgergefellschast sichert, hat den ganzen ©traben- bahnkram glatt weggewaschen, dieser Tage wurde der letzte Mast der Stromleitung umgelegt und fortgeschafft. Ob bei dieser „würdigen" Begeben- Das Attentat ausd'e Frankfurter Synagoge vor Gericht. Leipzig, 28. Juni. Dor dem Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik hat in den letzten drei Tagen die Derhandlung gegen folgende Angeklagte begonnen: Adolf Dau, Privatsekre- tär, Kaufmann Willi Rullmann, Wolfgang Hielle, Kaufmann Metzger, sämtlich aus bauern" ein. w I Frankfurt a.. M., wegen "Vorbereitung Abg. Hahn (D. Vp.) wendet sich ebenfalls zum Hochverrat und Vorbereitung zum Verlegen die zu hohen Veranlagungen landwictsch. gehen gegen das Sprengstoffgeseh Die Anllage G'mndstücke. Der Redner bespricht dann einzelne vertritt Staatsanwalt Rickert. Der Qlngcftagte ©leuerfragen, u. a. die Kirchensteuer, und weist Bau war Kreisleiter des Blücherbundes in nach, dah jetzt die Ankosten in der Landwirtschaft Frankfurt a. M. Er behauptet, daß die deutsch- gegen die Vorkriegszeit ganz erheblich höher sind, national gesinnten Kreise im Frühjahr 1923 mit ®ie Deutsche Dolkspartei hat deshalb eine Steuer- einer gewaltigen deutschnationalen Erhebung red)» Herabsetzung gefordert, nicht allein für die Land- neten. Er selbst hatte auf Anordnung des Haupt- wirtschast, sondern auch für dieGewerbetreibenden. bundes in München zwei Kompagnien in Frank- Adg.' Fenchel (Bbd.) zeigt an Einzelbtt- furt organisiert, die auf den ersten Ruf aus Spielen, wie sehr die Steuern auf der Lanvto.rc- München sofort abrücken konnten. Am 16. Fe- schaft lasten und verlangt die Herabsetzung der bruar hatte er eine Zusammenkunft mit Rull- Steuern. Wenn von der Regierung Steuerstun- mann und Hielle. Hierbei sei von Rullmann der düngen zugesagt seien, so tarne doch alles auf die Vorschlag gemacht worden, als Signal zum Los- Turchsührung bei den Finanzämtern an, die Re- schlagen die Synagogen in Frankfurt, gietung solle besondere Anordnungen hierüber Leipzig und Breslau in die Luft zu erlassen. sprengen. Dieser Vorschlag sei angenommen Abg. Jost (Bbd.) zeigt, wie die Steuerstaffe- worden. lunq auf eine Gemeinde wirkt. Bei minder- Zuerst toar der 1. Februar hierfür borge» wertigem Gcm'ind.gelände müßte bei dec Steuer- sehen, da aber noch kern Auto und Spvengmaterial Veranlagung disfere.nziert werden. beschafft waren, wurde beschlossen, das Purim- Abg. L u r (Soz.) setzt sich mit den Dvrred- fest München gefahren, -u $tab 9 werden angenommen. Damit ist die um Unter lagen zu holen. Als Dr. Arnold Rüge Mebreinnahme aus Reichssteuern auf 6 Millionen das Schrlftstück als nicht verfassungsmäßig be- und die Gesamtsumme auf 26 474 000 Mk. festgesetzt zeichnete, verbrannte es Dau. Dau und Rull- iind zugleich damit ein sozialdemokratischer An» mann wollten nun den Plan auf eigene Faust txrrf nicht sein. Venn ein Straßengraben ist kein ständig Wasser fahrender natürlicher Graben, der als Vorfluter für Abwasser geeignet oder hierfür hergestellt ist. Er Vient lediglich zur Entwässerung der Straße und Aufnahme des Regen-- wassers. Einleitung von Schmutz- und Brauchwässern mut) dazu führen, daß die Gräben verrauchen und in ekelerregenden, üblen Geruch verbreitenden Zustand geraten. Der Kreis als Besitzer der Strafen hat lediglich für die Abnahme deö Oberflächenwassers zu sorgen, und muh es unter allen Llmständen ablehnen, das Schmutz- Wasser der Gemeinden aufzunehmen. Wo keine besonders für Aufnahme von Schmutz- und Brauchwässern gebauten Kanäle vorhanden sind, müssen derartige Schmutz- und Brauchwässer in Miststätten. Pfuhl- und Jauchegruben (ohne llebcrläufe) cingeleitet und von dort durch die - Grundeigentümer weggefahren werden. Die Gendarmerie wird hiermit angewiesen, auch ihrerseits bei Zuwiderhandlungen zunächst zur Einstellung dieser Mihstände aufzufordern und sie bei Erfolglosigkeit der Aufforderung unnachsichtlich anzuzeigen. ♦* Unsere Kunst - Ausstellungen. Der Oberhessische Kunstverein hält seine Ausstellungsräume morgen, wie üblich von 11—1 Llhr geöffnet. Die städtische Kunstsammlung mit den Gustav-Dock-Stiftungen im Denen Schloß, Eingang Senckenbergstrahe, ist von 11—1 älhr unentgeltlich dem Publikum zugänglich. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. ** Bestandene Prüfungen. Die Prüfung für die Sekretäre tm Geschäftsbereich des Laichesamts für das Bildungswesen haben bestanden: Oberassistent Dittmar, Kanzlei-Assistent Oe st erreich und Strauch und Der- waltungsgehilfe äl h r h a n, sämtlich bei der Landesuniversität Gießen. •* WohltätigkeitSkvnzert für die Schwesternhäuser. Das friim Besten der beiden hiesigen Schwesterhäuser veranstaltete Konzert der Schüler für höheres Klavierspiel von Frl. Minna Körner, eröffnet durch einen von Dr. F. Heichelheim geschmackvoll verfaßten Prolog bekundete, wie in jedem Jahr, aufs nsu> welche gute pädagogische Kräfte die Anstalt in Frl. Korner besitzt. Die reichhaltigen Darbietungen machen nicht den Anspruch, ein vollendetes künstlerisches Konzert darzustellen, sondern dienen lediglich dazu den zahlreichen Freunden uhb Gönnern des Instituts eine Aebersichl über dessen Bestrebungen im Allgemeinen sowie üb>r die Fortschritte der einzelnen Schüler zu geben. Die teilweise recht geschickten Leistungen Warrn zufriedenstellend. Dankbaren Beifall erhielten sich Frau Dr. Roßkopf-Pfetfer (Gesang) und Herr O. Seeger (Cello), die sich mit ihrer Kunst in den Dienst der guten Sache stellten und das Programm etwas bunter gestalteten. Die nicht mehr zeitgemäßen, etwas sentimentalen Kompositionen von Dräger, Kalliwoda und Kve.izer störte die sonst künstlerisch einwandfreie Dor- tragsfolge. Dicht vergessen sei ein Schüler der Schule für höheres Diolinspiel von W. Schüttler, der durch eine gewiss« saubere Technik und ruhige Sicherheit des Vortrags gefiel. —a. Landkreis Gießen. • Wies eck, 28. Juni. DaS Postamt Wieseck wird am 1. Juli in eine Postagen- tur umgewandelt, die dem Postamt in Gießen zugeteilt wird. Dom gleichen Zeitpunkt ab wird in Mieseck nur eine werktägliche Zustellung erfolgen. Die Zustellung an Sonntagen wird aufgehoben. Postverbindungen zwischen Mieseck und Gießen finde nwerktäglich zweimal und Sonntags einmal statt. Die Schalterdienststunden werden an Merktagen von 8—10 vvrm. und von 3—5 nachm., an Sonntagen von 8—9 vorm. abgehallen. Dec bisher dem Zustellbezirk des Postamts Mieleck zugeteilt gewesene Ort Alten-Duseck und der zum Zustellbezirk des Postamts G eßen gehörende Ort Trohe einschl. Mittelstmühle und Groh- mühle werden vom 1. Juli ab dem Zustellbezirk der Pvstagentur Grvßen-Duseck zugeteilt. Kveis Wetzlar. ' Braunfels, 26. Juni. Das im Schloß neu eingerichtete Familienmuseum des Fürstenhauses Solms-Braunfels wurde zur Besichtigung freiaegeben und damit einem lange gshegten Wunsche Rechnung getragen. In seinen fünf Abteilungen birgt eS viel Sehenswertes so daß es jedem, der für Kunst und Kultur äinn hat, etwas bietet. Das eigentliche Familienmufeum enthält außer anderem familiengeschichtlich Wertvollem viele Erinnerungen an die Königshäuser Hannover und Preußen, mit welchen das Haus Solms durchs die Schwester der Königin Luise von Preußen, die Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelth, nähe verwandt ist. Diese war in erster Ehe mit dem Prinzen Ludwig von Preußen, in zweiter Ehe mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels und in dritter Ehe mit dem König Ernst August von Hannover vermählt. Eine ältere Verbindung mit dem Hause Brandenburg bestand schon durch die Vermählung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm mit der Gräfrn Luise Henriette, der Tochter der Gräfin Amalie zu Solms-Braunfels und des Erbstatthalters der vereinigten Diederlande, Prinz Friedrich Heinrich von Oraiiien. In der nächsten Abteilung sind besonders hervorzuheben die vorgeschichtlichen Gräberfunde aus dem Solm- ser Lande, die sich bischer als Leihgabe im Saalburgmuseum befanden. Die sechc sehenswert« Abteilung für Waffen enthüll neben älteren Schutz- und Trutzwaffen eine vollständige Sammlung von Gewechren des 15. bis 19. Jahrhunderts, sowie Gewehre, die im 18. Jahrhundert von Braunfelser und Wetzlarer Büchsenmachern angefertigt sind und von einer außerordentlich 'hohen Kunstfertigkeit zeugen. In der Abteilung für Gewebe und Stickereien sind u. a. die sehr kostbaren Gewänder und Handarbeiten aus dem Kloster Altenberg bsi Metzlar zu sehen, die bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen, und in der Kapelle neben kirchlichen Gegenständen Erinnerungen an die Heilige Elisabeth und deren Locher, die selig gesprochene Gertrudis. Starkenburg und Rheinhessen. fpd. M a i n 8,27. Juni. Der26jäyrige 2lngest eilte einer hiesigen großen Speditionsfirma hat durch falsche Buchungen nach und nach 11 1 Fasser Sprit unterschlagen und anderweitig verkauft. Ein großer Teil des Sprit wurde von den Franzosen, da er nicht verzollt war, beschlagnahmt. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 27. Juni. Wir berichteten gestern von den Riesenunterschlagungen bei der SpeditionSftrma Ed. Lassen. Jetzt wurde auch der er ste Ge- schäftsführer der Firma, als er von einer Reise zurückkehrte, verhaftet. Er soll an den Riesenunterschleifen, die sich auf viele Hunderttausend« beziffern, beteiligt gewesen sein. — Die Zahl derer, die f r e i w i l l i g aus dem Leben scheiden, nimmt in der letzten Zeit erschreckend zu. In den meisten Fällen dürften eS wohl wirtschaftliche Sorgen sein, die die Leute in den Tod treiben. So werden in der letzten Woche folgende Selbstmorde bekannt: In einem hiesigen Hotel erschoß sich ein hiesiger Kaufmann, am Königsbrunnen ein junger Friseur, in der Falkstrahe vergiftete sich ein 43jahriger Ausläufer, in der Ludwigftrahe erhängte sich ein Hausmeister, und schließlich suchte und fand ein junger Student den Tod durch Morphiumvergiftung. — Der Oberpvst- direkwr Riedel aus Zoppot ist in der letzten Nacht während der Fahrt durch den Distelrasen-Tunnel ausdemO-ZugBerlin — Frankfurtgestürzt. Er wurde später von einem Streckenläufer mit einer großen Kopfwunde bewußtlos zwischen den Schienen aufgefunden. Der Schwerverletzte wurde nach dem Schlüchterner Krankenhause verbracht, wo er noch bewußtlos darniederliegt. Wahrscheinlich hat der ,recht kurzsichtige Herr, der Pch auf der Reise nach Baden-Baden befand, die Toilette des Wagens aufsuchen wollen und hat die Wagentür des Schnellzuges geöffnet. Hermann Haupt. Zu feinem siebzigsten Geburtstag. Am 29. Juni begeht Geh. Hofrat Prof. Dr. Hermann Haupt der ehemalige Direttor der Universitätsbibliothek, seinen 7 0. Geburtstag. In Markt Bibart in Mittelfranken als Sohn eines Dechtsanwalls geboren, erhielt er seine wissenschaftlich« Ausbildung an seiner heimischen Universität in Würzburg, wo er klassische Philologie und Geschichte studierte. Dach Ablegung der Staatsprüfungen (1875) widmete er sich der Di- bliothekslaufbahn in der dortigen Äniversitüts- biblrothek, der er zehn Jahve lang als Beamter angechörte. Wenn er heute auf ein an amtlichen und wissenschaftlichen Erfolgen reiches Leben zurückblicken kann, so werdankt er das neben seiner Begabung und seinem eisernen Fleiß drr ausgezeichneten Schulung, die er in der alten Untbzcfi- tüts° und Dischofstadt genießen konnte. Bereits im Alter von 31 Jahren (1885) wurde er als Vorstand an die llnivecsitätSbibllolchsk Gießen berufen, wo nach dem Tode D o a ck s der berühmte Alttestamentler Bernhard Stade interimistisch das Amt des Bibliothekars verwaltete. In Gießen fand sich Haupt vor einer schwierigen Situation. Sämtliche Beamte der Btblio- thek waren innerhalb weniger Wochen weggr- stvrben. und so stand der junge Direktor, wie ec selbst erzählt, lediglich mit dem Schlüssel versehen vor einem Haus voller Bücher, das ihm bis jetzt noch gänzlich unbekannt war. Wie er die Schwierigkeiten überwand, sich mit seiner Aufgabe vertraut machte, neue Beamte berief, neue Einrichtungen schuf, ist bewundernswert. Ebenso heischt hohe Anerkennung, was er aus der kleinen, vom Staat stets stiefmütterlich behandelten, stets nur mit gänzlich unzureichenden Mitteln ausgestatteten Bibliothek imLaufe derJahre gemacht hat.In jahrzehntelangem, zähem Kampfe hat er bis zu seinem Rücktritt i. 1.1921 den Anschaffunaskredit auf das Fünffache gesteigert, den Deamtenstab auf eine ansehnliche Höhe gebracht und endlich einen Deubau durchgeseht und im Verein mit einem verständnisvollen Architekten nach eigenen Ideen ausgestaltet, ein Gebäude, das heute zu den technisch und künstlerisch besten Dibliothrksbauten Deutschlands zählt und unserer Stadt eine hervorragende Zierde ist. Die Vermehrung des Bücherbestandes zu seiner heutigen Höhe gelang ihm neben der Durchsetzung größerer staatlicher Mittel durch eine seltene Gabe, Freunde der Wissenschaft zu reichen Stiftungen anzuregen, Tauschverbindungen anzuknüpfen u. ä. Haupts Verdienste als Bibliothekar im einzelnen zu würden, ist hier nicht der Ort, tote wir es uns auch versagen müssen, auf seine Tätigkeit als Gelehrter und Forscher näher einzugehen. Mir wollen nur in großen Zügen auf die Bedeutung Hinweisen, die er in der Wissenschaft besitzt. Dach Vollendung seiner historisch-philologischen Diser- tation (1876) wandte er sein Interesse sellengeschichtlichen Studien zu und veröffentlichte als erste Frucht eine Geschichte der religiösen Sekten in Franken, seiner Heimat. Dann waren es vornehmlich die Waldenser, deren Geschichte ihn fesselte, und auf diesem Gebiet hat er hervorragende Merke von bleibendem Wert geschaffen, von denen das 1890 erschienene Buch „Waldenser- tum und Inquisition tm südöstlichen Deutschland" das wichtigste ist. Seitdem galt und gilt er als Autorität in diesen schwierigen Fragen, obgleich er sich seitdem ganz andere Aufgaben gestellt hat. Schon 1898 halte er sich mit der Geschichte der alten Würzburger Burschenschaft befaßt, mit den Jahren aber trat die allgemeine Ge chichte der Burschenschaft mit besonderer Betonung ihrer politischen Bedeutung in den Vordergrund seiner Beschäftigung. In zahlreichen selbständigen Schr f- ten und Aufsätzen hat er sich mehr und mehr auf diesem Gebiete betätigt. Selbst alter Burschenschafter. ist er heute fast ausschließlich diesen Studien ur^d dec Sorge für seinen geliebten Verband hingegeben, llns in Gießen interessiert besonders sein Buch über „Start Fvllen und die Gießen« Schwarzen", das der Oberhessische Geschichtsverein im Jahre 1907 der Ludoviciana zur Dreijahrhundertfeier als Festgabe darbrvchte. Bemerkenswert ist, daß er die Geschichte der Burschenschaft nicht eng begrenzt betrachtet, sondern sie in Zusammenhang bringt mit der allgemeinen llniversitäts- und Studentenaeschichte, so wie mit der deutschen Geschichte überhaupt. Deshalb führt auch daS große Quellentoerk, als dessen Herausgeber er zeichnet, den Titel: „Quellen i^nd Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung". Deben diesen Werken verdanken wir Haupt eine Reihe von Schriften zur Geschichte Hessens, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist. «Beiträge zur Reformationsgeschichte der Reichsstadt Worms" erschienen 1897, zahlreiche Aufsätze aus der oberhessischen Geschichte finden wir in den „Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins" und anderen hessischen Zeitschriften und Sammelwerken („Philipp der Großmütige", Festschrift 1904) verstreut. Seit 1912 ist Haupt Herausgeber und eifriger Mitarbeiter einer der verdienstlichsten Veröffentlichungen der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen, der „Hessischen Biographien", von denen bereits zwei Bände vorltegen. Von anderen Werken zur heimischen Gelehrtengeschichte nennen wir nur die Gedächtnisschrift „Karl Renatus Frhr. v. Senckenberg" (1900) und die „Chronik der Universität Gießen" (1907). Diese umfassende Gelehrtenarbeit hat ihre Anerkennung gefunden. Haupt wurde Ehrenmitglied der „Societö d'Histoire Vaudoise" und des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Er ist Mitbegründer der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, der schon genannten Historischen Kommission für den Dolksstaat Hessen, und seit mehr als dreißig Jahren Vorstandsmitglied des Oberhessischen Geschichtsvererns, in denen allen er eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Die Universität ehrte seine Verdienste durch die Ernennung zum Ehrensenator. Haupts Arbeitskraft ist nicht von der Last der Jahre beeinträchtigt. Der Arbeitsdrang, der ihn sein ganzes Lebenlang beseelt und ihn frühmorgens und spätabends an den Arbeitstisch gefesselt hat, ist noch mächtig in ihm. Möge ihm beides weiter lange Jahre erhalten bleiben, dann dürfen wir auch noch manche wertvolle Gabe aus seiner fleißigen Feder erhoffen. Hochschulnachrlchlen. Don der LandeS-Aniversität Gießen. Der planmäßige außerordentliche Professor für innere Medizin an unterer Landesuniversität Dr. Wilhelm Stepp hat einen Rus an die llni- versität Heidelberg erhalten. Der Privatdozent an unserer Landesuniversität Dr. Wilhelm Groh wurde an Stelle des nach Rostock berufenen Professors Dr. Henle zum planmäßigen außerordentlichen Professor ernannt Vermischtes. i Diele laufend Zentner Getreide verbrannt. Stettin, 28. Juni. (MD.) Gestern abend brach in der Brennerei und Spritfabrik L e f e d r e 21.-®. Stettin ein großes Feuer aus. Die gesamte Stettiner Feuerwehr erschien an der Brandstelle, um den Brand zu bekämpfen. Das Dachgeschoß und das oberste Stockwerk brannte vollkommen auS. Das Feuer vernichtete viele tausend Zentner Getreide. Verantwortlich für Polillk und Feuilleton: I. V.: Heinz Gvrrenz. Wie bringen Sie es fertig, liebe Frau Schmitz, trotz der schrecklichen Teuerung sich und Ihre Kinder immer so elegant zu kleiden? Sehr einfach: ich färbe alles selbst nur mit den berühmten echten Heitmann's Farben, Marke FuchSkopf im Stern. Heitmann's Farbe spart den Färber. L. Teitler • Gießen • OammstraBe 25 pari. Kein Laden Hl ■■■Wilf II ’i ■imwini iinifia'irr im n-i yiinm iwrim ■' - Manufakturwaren Auf alle Sommerstoffe 10 Prozent Rabatt! Wer meine niedrigen Grundpreise kennt, weiß, was das bedeutet Weißwaren Damaste, Haustuche, Halbleinen, Hemdentuche, fertige Bett- und Leibwäsche einzeln und garniturweise zu besonders ermäßigten Preisen ßettfedern u. Inletts nur gute Qualitätsware Trikotagen Ab Montag: Herren-Einsatzhemden mit eleganten Brusteinsätzen und mit Schulter- und Aermel- besatz, daher sehr haltbar. Stück Mk. 2.10 Herren-Unteihosen.....Stück Mk. 1.85 Bade-Anzüge sehr billig Elektr. licht- und Kraftanlagen sowie Äaclislroiffllageii jeder Art und Größe werden sachgemäß und preiswert ausgeführt durch 6,01a Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Besonders billiges Angebot! 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Vollzählig erscheinen. 6275d Der Vorstand. |Verschiedenes| Samstag, 28. Juni 1924 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. (50 Zweites Blatt Der Versailler Vertrag im Urteile von Ausländern. Don Dr. Edzard Friese. 3m Verlag von Georg Stilke-Derlin erschien eine Schrift, die betitelt ist „Das Friedenstoerk von Paris und die Rot der Völker" und die die Vorträge enthält, die bei der internationalen Kundgebung in der Aula der Berliner Universität am 26. Februar ds. Is. vor allem von Aus- ländern gehalten worden sind. Wenn auch die Redner nicht zu den offiziellen Persönlichkeiten gehörten, so ist doch in ihren Ausführungen d i e öffentlicheMeinungderWelt und wohl auch die wirkliche, wenn auch nicht offen ausgesprochene Ansicht der offiziellen Kreise zum Ausdruck gekommen. Die Kundgebung, die von Thomas Hall, dem einzigen amerikanischen Professor, der zur Zeit an einer deutschen Hochschule lehrt, veranstaltet war und in der dreizehn verschiedene Ausländer im Ramen von mehr als dreißig Ländern daS Wort ergriffen, verfolgte den Zweck, zu hem Versailler Vertrag Stellung zu nehmen, auf die durch ihn verursachte Rot der Völker hinzuweisen und seine Revision zu fordern. Es soll hier nur auf einige besonders markante älrteile hingewiesen werden, die in dieser für die deutsche Sache hochbedeutsamen und von der deutschen Presse bislang bei weitem nicht ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigten Versammlung über den Versailler Vertrag gefällt wurden. Der Einberufer der Versammlung, Thomas Hall aus Amerika, verwarf in seiner Rede aufs schärfste „das auf nackter Gewalt beruhende Versailler Diktat", durch das den Franzosen und Belgiern, die aus eigener Kraft nicht zu siegen wußten, jetzt die ganze Macht in die Hände gespielt sei, das aber auch die Siegerstaaten nicht glücklich gemacht und bewirkt habe, daß Frankreich außer einigen gekauften Liebhabern keinen Freund mehr auf der Welt habe. Hall richtete an Frankreich die dringende Mahnung, seine Politik zu ändern, und forderte die anwesenden Ausländer auf, in ihren Heimatländern die Männer, die die große Politik machen, zu veranlassen, die Ketten der Friedensverträge zu zerbrechen. Herr Wenzel Franke-Mülle aus Holland legte dar, wie Holland seit dem Friedensschluh unter der französischen Politik gelitten habe. Er wies darauf hin, daß Frankreich jetzt versuche, Holland den Zugang zum Rhein wegzunehmen, auf den es doch unbedingt angewiesen sei, und daß es, besonders feit dem Ruhreinbruch, in seinem ßantc sehr viele Arbeitslose gebe. Auch berühre, wie er hervorhob, der Versailler Vertrag Holland, das als die Heimat von Hugo de Grot und Spinoza für Völkerrecht und Menschenrecht ein besonders feines Empfinden habe und das für viele Jahrhunderte lang der Hort der Freiheit war, aus das schmerzlichste. „Holländische Journalisten", so schloß er, „waren an der Ruhr, am Rhein und in der Pfalz und sahen mit Ingrimm und Abscheu, wie schwarze und kafse> braune Barbaren dort ein weißes lDolk knechten. Daher weg und nieder mit dem Pariser Kriegsdiktat." Der Japaner Shigenori Ikeda nannte dieses Pariser Diktat ein Werk, das Fehler aufweise, die man dem jüngsten Anfänger nicht verzeihen würde. Die ganze Erbärmlichkeit dieses zusammengeschusterten Machwcris H it en die seitdem jedes halbe Jahr stattfindenden Welt- konferenzen gezeigt, von denen keine eine wirkliche Besserung gebracht habe. Einzige Hilfe sei die Beseisigung und Revision,des Versailler Vertrages. Der Vertreter von Spanien und Spanisch-Amerika, H. de la Cscosura. cr- klärte u. a.: „Lüge, Falschheit, künstlich gezüchteter Haß und Habgier sind die Kräfte, die den Versailler Vertrag zustande g.bracht f> ben und Mangel an allem, Hungersnot, A'beitslo.igkeit, Zuchtlosigkeit bedrohen die Menschheit mit dem Untergang der zivilisierten Welt." Die geistige, wirtschaftliche und politische Vernichtung eines Kolosses, wie es Zentraleuropa war u d ist, wo sich die ganze Welt Weisheit geholt hat, sei ein Verbrechen gegen die Zivilisation. Die Bajonette der ganzen Welt seien nicht imstande, die Werke von Goethe und Schl er, von Beethoven und Mozart, von Ka^t und Helmholtz bis zu denen der Gelehrten der neuesten Zeit zu Werken von Hunnen und Barbaren zu stempeln. Tie ganze Menschh.it müsse regen die du ch die Pariser Verträge in juristische Form gekl.idcle Lüge und Habgier in ihrem eigensten Interesse Einspruch erheben. Der Chinese Pi Ling gab zu, daß die Selbstsucht ja leider noch immer für viele Staaten die Triebfeder, daß aber ein so hoher Grad von Selb st sucht, wie er in den Verträgen zum Ausdruck komme, für das in Europa des 20. Jahrhunderts sehr beschämend sei. Ungarische Rhapsodie. Satire von Siegfried Kadner. Der ehemalige Rittergutsbesitzer Herr Dela von Ragh-Körös erzählt in einen Wiener Kaffeehaus seine Revolutionserlebnissei in gesättigter Behaglichkeit berichtet er seinem Freunde Ianos von Miklos-Dasarhely folgendes: „Loh dir sogn, ich biü ein großer Fraind von Revolution. Gerechtigkeit muß sein, k^rem. Also paß auf, grade heute vor fünf Jahren sitz ich in Ragh-Körös bei Frühstück, frugal und ain- foch, wie es sich gehört in sotchenen Zaiten, bissl Lachs, bissl Kaviar, Tafelhonig. Paprikaschnihel, Flaschel guten, alten Tokaier Ain ganzes Haufen Post war da. Aber les ich nix. Denn wozu? Aergert sich nur der Mensch. Schreibt sich Schuster fünfhundert Gulden, Schneider fünfhundert Gulden, Wcinhandler tausend Gulden, zweite Hypothek, dritte Hypothek, vierte Hypothek, wos waiß ich? Les ich nix, schmeiß ich in Papierkvrb, Ainfochhait halber, älnd Zaitungen, aber bitte, steht eh nix drin als wos lauter Gemainhaiten. Hät. Also ich frühstück frugal und ainfoch. Auf ainmol kommt der Joseph mit ibber und ibber rotem Kopf. .Euer Gnaden' sagt er, ,es is aner do.' — ,So,' sog ich, ,ist es ain Herr oder aine Dame?' — ,Rein.' sogt er, ,es is kain Herr und käme Dame, es is ain Kerl, ein svlchener.' «Alsdann ist es der Vailchenfeld und kündigt faine Hypothek ' Der Rorweger Victor Mogens bemerkte, daß die Grundlagedes Friedensvertrages die heuchlerische Lüge sei, daß die Mittelmächte aus schierem älebermut die „friedliebenden" Länder Serbien, Frankreich und Rußland ohne Grund plötzlich überfallen hätten. Es sei unerhört, daß in einem einseitigen Verfahren, das die Rechtsbegriffe aller Zeiten und Völker kränke, indem dieselbe Person Partei, Kläger, Zeuge und .Richter in einer Person war, die Alleinschuld Deutschlands am Kriege ausgesprochen und durch die Drohung mit der Fortsetzung der Hungerblockade, die die Tortur im Mittelalter und alle heidnischen Greuel in den Schatten stelle, die Unterzeichnung des Vertrages erzwungen wurde. Er hoffe aber, daß die wirklich unparteiische äln- tersuchung der Kriegsschuldlüge durch die Rechts- gelehcten der neutralen und unbeteiligten Staaten Rvrwegen, Holland und der Schweiz zur Feststellung der älnschuld Deutschlands und damit zu einer Revision der Verträge führe, an der die Reutralen daS größte Interessen hätten. Der Vertreter Englands, R. de Cvux Steevens, nannte den Versailler Vertrag den abscheulich st en Vertrag aller Zeiten, den dessen Vater, Lloyd George, jetzt gern verleugnen möchte. Seine Revision sei auch im Interesse Englands notwendig, auf das das äln- heil jenes Vertrages jetzt nicht weniger zucück- falle als auf die anderen Staaten, ©ieie: Revision könne aber nur erreicht werden, wenn das Fundament beseitigt werde, auf dem der Vertrag beruht; das sei der Artikel 231, der von Deutschlands Alleinschuld am Kriege handelt. Es zeuge von sehr wenig Einsicht der deutschen Regierungen seit der Revolution, daß siesichnochimmernicht mit aller Kraft gegen die Schuldlüge eingesetzt haben. „Die Frage nach der Kriegsschuw muß in den breitesten Kreisen auf» gerollt werden und eine Revolution in den Köpfen dec Völker aller Länder Hervorrufen. Der Spruch, die dunkelste Stunde ist die vor der Morgendämmerung, soll uns trotz der Rot des Augenblicks die Hoffnung auf eine baldige Besserung geben." Ich glaube, daß das Wenige, das ich hieraus den Reden, die in der Berliner Versammlung gehalten wurden, anführen konnte, genügt, um zu zeigen, daß von allen Kundgebungen, die bislang gegen den Versailler Vertrag veranstaltet wurden, diese die für uns Deutsche bedeutsamste gewesen ist. Aus ihr erkennt man, daß die ganze Welt mehr und mehr die Lüge von Versallles durchschaut und daß der Rorweger Victor Mogens Recht hatte, wenn er am Schluß seiner Rede sagte: „Die Wahrheit ist auf dem Mar che, nichts wird sie aushalten." Diese Reden sollten von jedem Deutschen gelesen werden; Gelegenheit dazu ist jetzt, wo sie gesammelt in Buchform vorliegen, gegeben. Prof. D. Dr. Schian. In den nächsten Tagen wird der ordentliche Professor an unserer Landes-Universität Dr. theol. et Phil. D. Schian unsere Stadt und das Hessenland verlassen, um einem ehrenvollen Rus als Generalsuperintendent für Schlesien mit dem Amtssitz in Breslau zu folgen. Das Scheiden dieses Mannes aus dem geiftigen und öffentlichen Leben unserer Stadt und Hessens bedeutet mehr als sonst ein Weggang eines in seinem Fache hervorragenden Gelehrten und an sichtbarer Stelle wirkenden Mitbürgers; hier ist es für ganz Hessen der Verlust einer Persönlichkeit, deren Geltung und Auswirkung weit über das Durchschnitts- mah hinausreichte. Martin Schian, bisher Pfarrer in Breslau und Privatdozcnt der Theologie an der dortlgen älniversität, wurde am 1. April 1908 als ordentlicher Professor für praktische Theologie als Rachfolger von Paul Drews an die hiesige Landes- Llniversität berufen. Er übernahm von seinem Vorgänger als Lehrer, Forscher und Prediger eine reiche Erbschaft, die er in den 16 Jahren seiner Gießener Wirksamkeit sorgfältig gepflegt und gemehrt hat. Erstaunliche Arbeitskraft, tiefgründiges, ausgebreitetes gelehrtes Wessen, das sich auf alle Zweige der Theologie erstreckt, genaue Kenntnis der besonderen Art der großen Konfessionskirchen wie auch der verschiedensten Sekten, verbunden mit lebendigem Verständnis für die Probleme der Gegenwart, all das setzte ihn in den Stand, als Hochschullehrer nicht nur die mit seinem Lehrauftrag unmittelbar zusammenhängenden Gebiete, sondern auch das weitschichtige Gebiet der sog. Kvnfessionskunde in seinen Vorlesungen zu behandeln. Besonders wertooll war es für die Studierenden. daß er sich mit der Theorie nicht begnügte, sondern öfter mit ihnen einen Ausflug nach Frankfurt unternahm, um ihnen dort Einsicht in das Leben der Sekten zu verschaffen. Al- trefflicher Kenner der neuesten Literatur hat er gelegentlich auch eine für dje Allcemeinhcit bestimm e Vorlesung über „Das religiöse Moment im modernen Roman" gehalten. Auch als Forscher pmmbkw——mmnum 11 — ■ am »LawrmaM ,Rain, Euer Gnaden, der Vailchenfeld is es nicht.' .Alsdann schmaeß ihn raus!' .Euer Gnaden,' stottert Her Joseph, ,es wird sich nicht machen lassen, der Fallot hat at i Auto bei sich, zehn Mann und zwai Maschinengcwerr, drunten aus Hoss.' Also, was soll ich dir fogn? Richtig steht auf dem Hof ain Auto mit ain, zwai Dutzend Kerl, was waiß ich? Hät. Verflixte Schweinerei I Das kommt davon, wann aner nix in die Zeitung schaut. Kann ich wissen, wos sie machen in Buda-Pest? »Joseph,' sog ich, ,loh ihn rain!' Muß ich sogn, so schlecht Hot er gar nicht ausgschaut, ain bissl ramponiert, ain bissl gebraucht war er schon. Erscht hat er ainen Ausweiszettel herzeigen wollen. Aber wozu lesen? Stimmts, is nicht gut. Stimmts nicht, is auch nicht gut, und Maschinervgewerr stimmt immerr I .Euer Gnaden, Herr Baron sind kein Baron mehr, indem daß es die Republik verboten hat. Euer Gnaden, Herr Baron müssen marschieren.' So ungefähr fangt dec Mensch also an. .Kösenem,' sog ich, .belieben sich zu sehen, ain klanes Frühstückeri gefällig, erst dejeunieren, dann dischkurieren, dann marschieren, ülnd Jost ph, schau, daß die Herrn, wos mit der Exzellenz gekommen sein, nix verhungern und verdursten.' Kerem szerem, hob ich mich mit dec Exzellenz verstanden wirklich gvnz ausgezeichnet. Beim zwai- ten Flascherl hoben wir naie Republik Magyap leben [offen, beim fünften Flascherl Andenken Pflegte er die verschiedensten Gebiete. Erst unlängst hat er in seinem „Grundriß der praktischen Theologie" (Gießen, Töpelmann, 1922) ein Handbuch geschaffen, das rafch in die weitesten Kreise drang. Im Auftrag des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses hatte er im Jahr vorher den ersten umfangreichen Band einer Darstellung der „Deutschen evangelischen Kirche im Weltkriege" veröffentlicht. Das Rektorat der älniversi- tä t führte er in dem schweren Kriegjahr 1916/17, und seitdem hat er seine große Sachkunde durch eifrige Teilnahme an den Arbeiten der Ausschüsse immer wieder in den Dienst der älniversitätsver- waltung gestellt. Wie er als Predige r auf den Kanzeln unserer Kirchen und in den akademischen Gottesdiensten gewirkt hat, wird unserer evangelischen Gemeinde dauernd in gutem Gedächtnis bleiben, ebenso wie er in unermüdlicher Bereitschaft durch Vorträge über mannigfache Gegenstände im besten Sinne aufklärend zu wirken wußte. Sein kirchliches Interesse betätigte er weiter eifrig und erfolgreich als Mitglied des Kirchenvor stan- d e s und des Vorstandes der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission, sowie durch seine fürsorgliche Tätigkeit für die hiesige Herberge zur Heimat. Auch ist er einer der Gründer der „Konferenz für evangelische Gemeindearbeit", die den Zweck hat, die streitenden Richtungen in der Kirche zu praktischer Arbeit zu vereinigen. Der furchtbare Zusammenbruch unseres Vaterlandes im Rovember 1918 und die verheerenden politischen Stürrye der ersten Rachkriegsjahre trieben Prof. Schian aus seiner stillen Gelehrten- und Pr<ä>igerarbeit hinaus in das brausende polr- tische Leben. Ihm war, wie er selbst einmal sagte und wie seine ganze Haltung im politischen Kampfe beweist, die politische Arbeit nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck, zur Wiederaufrichtung unseres Volkes und Vaterlandes. Dieses hohe Ziel hat er von Anbeginn seiner politischen Tätigkeit «in unbeirrbar gerader Linie verfolgt, und er hat es mit Mitteln erstrebt, die man in gleicher Vornehmheit heutzutage leider nur sehr selten in der politischen Arena findet. Ende 1918 schloß Schian, der bis dahin ohne parteipolitische Bindung gewesen war, sich derDeutschenDolks- Partei an, die ihn im Jahve 1920 als oberhessischer Abgeordneten in den Hessischen Landtag schickte. Dort hat er sich durch seine Ritterlichkeit auch dem schärfsten politischen Gegner gegenüber durch seinen großen Arbeitseifer, seine Beredsamkeit und nicht zuletzt durch seinen guten politischen Instinkt bald eine hervorragende Stellung erworben. Seine Reden und Gedanken wurden vom Landtag und von der Regierung mit großer Aufmerksamkeit angehört, und sie gaben manchen Anlaß zu ernster, fruchtbringender Arbeit im Lande. In den kurzen fünf Jahren seiner politischen Betätigung hat Schian in der politischen Frontkämpferstellung einen der beachtetsten Plätze eingenommen. Seine Einwirkung auf das öffentliche Leben war stark. In ganz Hessen fanden seine von tiefstem nationalen Empfinden geleiteten Reden ernste Beachtung und ständig wachsenden Widerhall und ebenso fruchtbar wurde der Boden für besonnene, nationale Wiederaufbauarbeit gedüngt durch seine vielen Zeitungsartikel,. die er oft auch in den Spalten des „Gießener Anzeigers" veröffentlichte. Wenn das verantwortungsbewußte, besonnene, unbeirrbar nationale Empfinden heute in der Bevölkerung Hessens einen weit ausgebreite- teren und festeren Boden hat als 1919 und 1920, wo so mancher gute Deutsche und Hesse an unserem Volke und seinem Wiederaufstieg beinahe verzweifelte, so ist das mit ein hervorragendes Verdienst Schians, dem keine Mühe zu groß war, wenn es galt, irgendwo auf dem Lande oder in einer Stadt das nationale Gewissen der Mitbürger aufzuwecken, zu schärfen, gute Ratschläge zu geben oder mit der Waffe der Kritik, die er aber immer in vornehmster Weise führte, auf Des'erung hinzuwirken. War der nun von uns Scheidende in derart vielgestaltiger Weise für die gesamtdeutschen Interessen und die aufbauenden Tendenzen in Hessen bemüht, so stellte er darüber doch dis Belange unserer Stadt Gießen und der Landes- älniversitat keinen Augenblick zurück. Daher ist es nur natürlich, daß auch die Stadtverwaltung den Weggang Schians schmerzlich bedauert und daß sie jetzt noch einmal Gelegenheit nahm, durch ein Schreiben des Oberbürgermeisters Keller an Pros. Schian, welches am Sonntag nachmittag bei der Abschiedsfeier für den Scheidenden von Prof. Krausmüller öffentlich verlesen wurde, zum Ausdruck zu bringen, daß er als Landtagsabgeordneter „in ausgezeichneter Weise den Interessen der älninerfität und der Stadt Gießen gedient" hat, und dann am Schlüsse jenes Briefes sagt: „Für alles das, was Sie so (der Brief würdigt die vielgestaltigen Verdienste Schians in und um Gießen) in vielfältiger Weise der Stadt Gießen und ihrer Bevölkerung gewesen sind, möchte ich Ihnen, hochverehrter Herr Professor, hiermit herzlichsten Dank sagen Bewahren Sie der Stadt Gießen ein treues Gedenken und seien Sie überzeugt, daß Ihre hervorragende Tätigkeit In der von gute, ölte Kaiser Ferenz Joseph. Eljen! Bei siebente Flascherl war Exzellenz selig entschlummert. Die Herrschaften, wos mit ihm gekommen sain, hoben sich inzwischen ferr gut unterhalten im Keller, mit ganzes Fasset ölten Ungar- wein. .Joseph,' sog ich, ,es hilft nix, wir müssen marschieren.' — Und guter, olter Joseph packt Kisten, Koffer und Kasten voller Klaider, Essen, Trinken und Silberzeug; olles in das Auto von der entschlafenen Exzellenz. Ain ferr, ain schöner Wagen! Und der Joseph und ich hoben aine Träne zerdrückt, leb wohl, liebes Ragy-Körös, teure HeimatI Wer soll nun daine Schulden und Hypotheken bezahlen? Wos soll machen der Dail- chenfeld? Untröstlich war ich. Dann sain wir .gefahren. Wos soll ich dir f>gn? Ausgezaichnet ist der Wagen. In drai Stunden waren mir über die Grenze. Drai Wochen später hob ich das Auto verkauft für zehntausend Goldkronen. Wie gejagt, ich hob nix gegen die Revolution. Ich sog selber: Gerächtigkait muß sain." Der Hund im Sack. Eine wahre Geschichte von Otto DrattSkoven. Eines Tages kommt ein Dauer an die Zollgrenze, die den Freistaat Danzig von Ostpreußen abtrennt. Der Zollbeamte untersucht die in dem Wagen liegenden Sachen und stößt schließlich auf einen Sack, in dem sich etwas Lebendes befindet. .Was haben Sie darin?' Stadt Gießen in treuester und dankbarster Erinnerung verbleiben wird." Daß die hessischen Parteifreunde Schians seinen Weggang ganz besonders schmerzlich empfinden, ist erklärlich, denn ihnen war dieser Mann, den sie auch im Zentralvorstand ihrer Partei sahen, ein außerordentlich starker Aktivposten in ihrer politischen Rechnung. Darüber 'hinaus hat oder auch die Allgemeinheit in Hessen und vornehmlich in Oberhessen allen Grund, das Scheiden Schians aus unserem Lande zu bedauern, denn er stellte immer in echt vaterländischer Weise das Wohl der Allgemeinheit über die Interessen seiner Partei und hat sich stets als ein selbstloser, vorbildlicher Diener des Dolksganzen erwiesen. Die Juni-Miele. Die Miete für den Monat Juni beträgt 38 v. H. der Friedensmiete. In dieser Summe sind 12 v. H. für laufende, 8 v. H. für große Jnstandssetzungskosten sowie 18 v. H. für Betriebskosten enthalten. Betriebskosten sind (Steu^s, Gebühren und öffentliche Abgaben, also insbesondere Grundsteuern, Kanalbenutzungsgebühren, Stratzenreinigungsgebühren, Wassergeld, Schornsteinfegergeld, Haftpflichtversicherung, Treppen- und Flurbeleuchtung usw. und Derwaltungs- kosten. Wassergeld ist jedoch nur bis zu 2y2 v. H. der Friedensmiete in dem Satz für die Betriebskosten enthalten. In denjenigen Gebäuden oder Gebäudeteilen, in denen der Verbrauch 2V2 v. H. der Friedensmiete übersteigt, kann die Mehrausgabe auf die Ruh ungsberechtigten nach den bisherigen Grundsätzen umgelegt werden. Richt einbegriffen sind ferner in dem oben genannten Satz für die Betriebskosten die auf Grund der dritten Steuernotverordnung erhobenen Sondersteuern des Landes oder der Gemeinden vom bebauten Grundbesitz. Diese sind von dem Grundstücksbesitzer auf die Rutzungsberechtigten umzulegen. Demzufolge sind zu entrichten: Monatliche Friedensmiete: Ounimiete; Mk. G.-Mk. —.25 —.10 —.50 —.19 —.75 -.29 1 — —.38 2 — —.76 3 — 1.14 31/3 1.27 4.- 1.52 5 — 1.90 6 — 2.28 6^/3 2.54 7 — 2.66 8.— 3.04 9.— 3.42 10.— 3.80 15.— 5.70 20 — 7.60 25.— 9.50 30.— 11.40 35 — 13.30 40 — 1520 45.- 17.10 50 — 19 00 55- 20 90 60 — 22 80 65 — 24.70 70 — 26 60 75.— 28.50 80.— 30.40 85 — 32.30 90.— 34.20 95.— 36.10 100 — 38 — Die Beträge sind auf volle 10 Pfg. nach oben abzurunden. Ist der genaue ^Betrag der Friedensmiete, beispielsweise 18 50 Mk., in der Tabelle nicht enthalten, so ist der Mietbetrag, wie nachstehend erläutert, durch Zusammenzählung zu ermitteln Friedensmiete: 10.— 8.— —.50 18.50 Mk. Ounimtete: 3.80 3.04 —.19 rund 7.10 G.-Mk. Die Bekämpfung des älngeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. 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Der Bauer fängt schließlich an zu schimpfen und zu fluchen. Der ratlose Zollbeamte redet auf den Bauer ängstlich ein, und schliehllch einigt man sich auf die Möglichkeit, daß der Huich vielleicht in den Hof zurückgelaufen sein könnte. Fluchend fährt der Bauer wieder nach Hause zurück. Rach zwei Stunden rückt der Dauer endlich wieder an und wird von seinem Zollbeamten ängstlich in Empfang genommen. Er atmet erleichtert auf. als der Dauer c»n- fangen will, den vollen Sack vom Wagen herunter zu nehmen. Er läßt ihn gar nicht dazu kommen, und gibt dem Dauer lachend Bescheid, daß er passieren körcnte. Schmunzelnd fährt der Dauer ab. Das Schwein im Sack hat er in Elbing mehr als glänzend verkauft. Abteilung Wirtschaftswäsche 0.75 1.40 1.45 1.85 0.90 0.85 1.25 1.15 0.95 1.35 Drellhandtuch weiß, kräftige Ware....... Drellhandtuch weiß, Halbleinen, 48 cm breit . Gerstenkornhandtuch prima Halbleinen Damasthandtuch weiß, Halbleinen...... 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Während der Weißen Woche auf alle Steppdecken 10 Prozent Sonder-Rabatt Vollvoile 1/15 cm breit, beste Schweizer Ware in allen Modefarben 2.85 vH Fritz Nowack Wäschefabrik und Ausstattungshaus Metzen _______________________________________________________________________________________________________-'"«iiiniinih,, Prinzehröcke, vollkommen weit und lang, nur gute Qualitäten, 9.40, 7.25, 5.75 * Auf Unter- röcke und Prinzehröcke in Seide, Seidentrikot, Satin usw. ebenfalls 10 Prozent Sonder-Rabatt Ca. 1000 Frottierhandtücher.......°°n Weihe Woche Abteilung Sommerstoffe-------— 1.951 Badevorlagen schwerste Qualität, 65x100 cm 2.45 4» Seidenbatist in allen Farben, 115 cm breit Abteilung Taschentücher-- Damen-Taschentücher 0.95 Herren-Taschentuchrotl6' gebrau^f"ti9e İi 195 » Damen-Taschentücher o.35 * Herren-Taschentuch farbig« «an.-..»/, ®u6«nb 2.25 * Saison-A us verka uf im Modehaus Salomon, Gießen Außerdem zu ganz bedeutend zurückgesetzten Netto-Preisen finden Sie untenstehende Artikel: 1 Gießener Aluminiumhaus oiie« Wilhelm Rockel Neuen Baue 15 Prima 1277V Billigste Preise •m* Wir haben für die Zeit vom 30. 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Man t Knochenerkrankunge land grassieren, un man einst Annens« Oesterreich geholfen der es dankbar an Wohltat annehmen ■ Hand, die uns em1 das amerikanische 2 dah erst der Kg« diese Art der Kriex vertrag für Wirkt muhten? Mcm trof und begreifen, sv le fähiges Dvik auf de erst, wo wir scheut Toden liegen, wie da besamt man sich Mm erweist uns früheren Feinde, d schwach, das zu tui Clenen Jahre d aus dem befer genommen. . -?°m Aechte al leider nie d ^^tvir derla dmil begnü S$uIaKto auf unser Döings erst da die Lü schuld am Krs ?^m^f7ng1 ÄSy -ÄS am 28. und 29 ? Achen Kindern ft bmmen. Ez j HA Mn« Ot> O»fer .,lekr und nw rni onngei * SÄifS ?°nfQgS3JntQ9. 2 8>en. *oi ^Nten,lDei^n A Bettwäsche Kopfkissen la Qualitätm.Feston u.Einsätzen 4.-, Bettbezüge la Damast, völlige Größe. . . .15.—, Bettücher Baumwolle und Halbleinen .... 9.50, Augenarzt Dr. Nussbaum von der Reise zurück Friedberg (Hessen) Kaiserstraße 115 I. p^D Trockenes WeMkllkW liefert jede Menge frei Haus ** Carl Haas jr. 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Zwar sind diese Transporte wesentlich kleiner und nicht mehr so häufig, wie In den vergangenen Jahren, aber immerhin werden durch dre Freundlichkeit unserer Nachbarn doch noch einer ganzen Reihe von deutschen Kindern ein paar frohe, schöne Wochen der Erholung geschenkt, die im Winter ihre Früchte tragen. So dankbar wir für dieses Geschenk an sich sein müssen, so wird sich doch nur allzu leicht in die Freude darüber das bittere Gefühl mischen, daß wir es nötig haben, unsere Kinder als Gäste in ein anderes Land zur Erholung au schicken. Immer wieder drängt sich der Gedanke auf, muhte es so weit kommen? War dieser Aushungerungskrieg, der sich mit seinen verheerenden Wirkungen vor allem bei den Kindern und Alten fühlbar machte, nötig? Hätte nicht em Wutschrei der Empörung durch die ganze Welt hallen sollen und müssen? Statt dessen mehrten sich unsere Feinde, und die wenigen Stimmen derjenigen. die für Deutschland sprachen, verhallten im Kriegsgetümmel. Warum kommt die Einsicht so spät? Vielleicht kann man bei Holland und der Schweiz sagen, dah die Möglichkeiten für diese beiden Länder, uns im Kriege wirtschaftlich stärker beizustehen, durch die Bedrohungen Frankreichs eingeschränkt wurden: wenn aber heute in Amerika die grobzügigsten Sammlungen für die deutschen Kinder veranstaltet werden, so müssen sich doch, so sehr man die Tat an und für sich anerkennen mag. der Gedanke der Sinnlosigkeit dieser Handlungsweise aufdrängen. In dieser Woche jährt sich zum fünftenmal der Tag des Friedensvertrages von Versailles, dieses Friedensvertrages, der mit bewuhten Absicht ein oVlk von 60 000 000 Menschen erdrosselt und der nach einem jahrelangen Aushungerungskriege die Billigung der gesamten gesitteten Welt gefunden hat! Dieser Krieg, das kann kein Mensch leugnen, ist zugunsten unserer Feinde einzig und allein entschieden worden durch das Eintreten Amerikas. Es wäre falsch, zu behaupten, dah der gebildete Amerikaner an seine gerechte Sache geglaubt hätte, aber dem Volk wurde eS erzählt, und es glaubte, im übrigen, „bufineh is busineh", und da man leider versäumt hatte, Amerika finanziell an einem für Deutschland günstigen Aus-, gang des Krieges zu interessieren, sondern in biederem Stolz seine Mittel für die Kriegführung selbst aufgebracht hat, so folgte man dort seinem geschäftlichen Scharfblick. Aun ist bei dem Amerikaner bekanntlich neben dem ausgezeichneten Geschäftssinn eine jtarte Gefühlsseligkeit vorhanden, und so weih man sich heute nicht genug zu tun mit Schilderungen der Not der deutschen Kinder. In allen Distrikten haben sich, meistenteils mobilisiert durch General Allan, dem Kommandanten der amerikanischen Rheinarmee, Komitees gebildet, die grvhzügige Sammlungen für Deutschland veranstalten. Man ist sich in Amerika vollkommen über die Wirkungen des Krieges klar. Man spricht von den 7 000 000 hungernden Kindern, von der entsetzlichen Sterblichkeitsziffer, dem erschreckenden Geburtenrückgang. Man weih, dah Tuberkulose und Knochenerkrankungen schlimmster Art in Deutschland grassieren, und man will helfen, genau wie man einst Armenien, Syrien, Sowjetruyland und Oesterreich geholfen hat. And genau wie diese Länder es dankbär annahmen, müssen auch wir die Wohltat annehmen und müssen dankbar sein dec Hand, die uns einst geschlagen! Sollte aber das amerikanische Volk so bar jeder Phantasie sein, dah erst der Augenschein es lehren konnte, was diese Art der Kriegfü-Hrung, was der Friedensvertrag für Wirkungen im Lande Hervorrufen muhten? Man wollte augenscheinlich nicht sehen und begreifen, so lange wir noch als konkurrenzfähiges Volk auf der Weltbühne standen und- jetzt erst, wo wir scheinbar für immer geschlagen am Boden liegen, wie die Shrier und Armenier, erst da besinnt man sich seiner Menschlichkeitspflichten. Man erweist uns Wohltaten von feiten unserer früheren Feinde, denn auch England bemüht sich schwach, das zu tun; es hat sogar schon im vergangenen Jahre eine Reihe von deutschen Kindern aus dem besetzten Gebiet zur Erholung ausgenommen. „Vom Rechte aber, das mit uns geboren, von dem ist leider nie die Rede." And das ist es gerade, was wir verlangen müssen. Wir dürfen uns nicht damit begnügen, uns Wohltaten erweisen zu lassen, wir müssen immer und immer wieder auf unser gutes Recht pochen, das allerdings erst dann Geltung gewinnen kann, wenn die Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege verschwinden wird. ' Der deutscke Frauenausschuh zur Bekämpfung der Schuldlüge, der seine Hauptaufgabe, wie der Rame sagt, in dem Kampf gegen die Lüge von Deutschlands Kriegsschuld sieht, hat den schönen Gedanken gehabt, zum Jahrestage der Anterzeichnung des Friedensvertragrs, am 28. und 29. Juni, einen Opfertag im ganzen Reich zu veranstalten. Die Sammlungen sollen deutschen Kindern, der kommenden Generation, zugute kommen. Es ist zu hoffen, dah das deutsche Volk in seiner Opferwilligkeit nicht hinter dem Ausland zurückstehen wird. Reben dem Geldopfer sollte aber jeder Deutsche an diesem Tage das Opfer eines großen inneren Entschlusses bringen: Richt immer gedanken-, tat- und mutlos an den Tatsachen, wie sie nun einmal sind, vvrbeizugehen, sondern Kopf und Herz zu stärken, um jederzeit sich mutig einzusehen für unser gutes, altes, deutsches Recht. H. MargiS. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 29. Juni: Lohen- grin. Montag, 30.: Frasquita. Dienstag, 1. Juli: Aida. Mittwoch, 2.: Madame Butterfly. Donnerstag, 3.: Der Troubadour. Freitag, 4.: Fras-> guita. Samstag, 5.: Tannhäuser. Sonntag, 6.: Operrrferien: von Sonntag, 6. Juli bis einschlieh- lich Samstag, 16. August. — Schauspielhaus. Sonntag, 29. Juni: Im weihen Röhl. Montag, 30.: Rath an der Weise. Dienstag, 1. Juli: Dame Kobold. Mittwoch, 2.: Bummel- studenten. Donnerstag, 3.: Die Braut von Messina. Freitag, 4.: Anarchie in Sillian. Samstag, 5.: Im weihen Röhl. Sonntag, 6.: Bummel- istudenten. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 28. Zuni (Y2H Wirtschaft. Wirtschaftliche Wochenschau. Börse und Geldmarkt. Anmittelbar vor dem Quartalsultimo trat merkwürdigerweise eine gewisse Entspannung der Geldmarktlage ein. Die Ar- fachen diesec EZchünung sind wohl hauptsächlich m der beginnenden Mobilisiei-ung der Warenlager m den re.minderten Ge.dansprächen der Industrie, die ja bei den jetzigen Sätzen überhaupt nicht mehr mit Leihkapital arbeiten kann, und bis zu einem gewilsen Grade auch in den Ausleihungen der Golddiskontbank zu suchm. Geld» flüifigkit war vor dem Kriege eine typi che Be- gleiieischeinung der Wirtschaftskrise. Wi haben noch keine eigentliche Geldslwsigkeit, aber im Vergleich zu den vergangenen Wochen doch immerhin eine gewisse Eileichterung Es zeigt sich, jetzt sehr deutlich, dah die verzwafelte Lage zahlreicher Unternehmungen, vor allem solcher des Dankgewerbes und des Warenh-rnde s in den ver ,an» genen Wochen zu ganz ung sunden Verhältnissen am Geldma.kt geführt hat. Es ist ein? Art Kette n h a n d e l mit Leihkapital e t.tanben, bei dem naturgemäß die geringen verfügbaren Mittel unter fortge eht steigenden Zins,ätzen von Hand zu Hand geschoben tour-.'et, ohne dah es möglich gewe.en wäre, diese flüssigen Gelder dorthin zu lenken, wo sie hätten pcoduknv wirken können. In dem Maße, wie die mocichen Unter- nehmungen der Geschättsaufsicht und drm völligen Zusammenbruch anheimfielen, hat sich natürlich auch diese Nachfrage und dieser Kettenhandel verringert. Trotz alledem sind wir von normalen Zuständen am Geldmarkt noch sehr wert entfernt; es besteht noch gar feine Aussicht, dah Industrie und Landwirtschaft zur Finanzierung ihrer Produktion hinreichende Mittel erhallen konnten. An der Börse hat die eingetretene geringe Entspannung .der Lage die Spckulationslust etwas angeregt. Hu lebhaftem Geschäft käm es vor allem am Anleihemärkte. Trotz verschiedener Erklärungen der Reichsbank erhält sich mit Hartnäckigkeit das Gerücht, dah diese große Bestände an Kriegsanleihen aufkaufe. Was hier borge!)t, ist vorläufig noch sehr unklar. Es besteht die Vermutung dah amtliche Stellen die augenblickliche Geldflüssigkeit der Reichsregierung benutzen, um im Hinblick auf einen den Reichstag vorliegenden Antrag, der die Aufwertung der Reichsanleihen bezweckt, so viel als möglich von diesen Papieren aufzukaufen. (Das Wolfsbureau veröffentlicht gegenüber diesen Vermutungen die folgende Rach- richt: „Die neuerliche Bewertung der Kriegsanleihe auf dec Börse hat zu Gerüchten über eine anleihen auf der Börse hat zu Gerüchten über eine Anlaß gegeben. Es muh festgestellt werden, dah diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren.") Wirtschaft und Politik. In einer ganz verzweifelten Situation befinden sich jene Industrien der besetzten Gebiete, auf denen die Micumverträge lasten. Die Hoffnung, dah nach der angeblichen Wendung der französischen Politik nunmehr Verhandlungen über die Micumverträge von Regierung zu Regierung geführt werden könnten, ist bitter enttäuscht worden. Die französische Regierung hak die direkten Verhandlungen mit der Begründung abgelehnt, daß die Verhandlungen von der Micum geführt werden sollen. Man will offenbar auf französischer Seite eine weitere Verlängerung dieser Verträge erzwingen. Die Rühr- industrie ist gegenüber diesem neuen Erpressungsversuch beieits völlig machtlos. Bestehen die Franzosen auf ihrer Absicht, so ist unübersehbares An- glück zu erwarten. Wie katastrophal die Lage ist, ergaben die Verhandlungen in der Generalversammlung der Dergwerksgefellschaft Alte Haase Es handelt sich hier um ein Anternehmen, das noch in neuester Zeit einen vielversprechenden Schacht abgeteuft und wertvolle Reuanlagen geschaffen hak. Aus Mangel an Betriebskapital und unter dem Drucke der Micumlasten droht dieses Anternehmen völlig zu erliegen. Die Regierung le'hnt es ab einzugreifen, da sie keinen Präzedenzfall schaffen will. Es besteht die Gefahr, daß allein auf den Zechen Alte Haase in wenigen Wochen 2000 Arbeiter brotlos werden, und dah man die Schächte ersaufen lassen muß. Sind die Schächte aber erst einmal ersoffen, so besteht keine Möglichkeit, sie in einem späteren Zeitpunkt wieder in Gang zu setzen. Die Anlagen über Tage können dann größtenteils nur nmh als Schrott und Abbau verwendet werden. Es handelt sich hier nicht um einen Einzelfall. Andere Zechen befinden sich in der gleichen Lage. Derartige Vorgänge zeigen aber, wohin unsere Ruhcindastrie durch die Micumverträge gekommen ist. * • Geschäftsaufsichten in Offenbach. Das Amtsgericht Offenbach gibt bekannt, daß in der Zeit vom 13. April bis 15. Juni über 13 Firmen seines Bezirks Geschäftsaufsicht angeordnet wurde. Die Betriebe befinden sich mit einer Ausnahme in Offenbach, 8 von ihnen sind Lederwarenfabriken, Lederhandlungen. Anter Geschäftsaufsicht befindet sich auch die Hansabank, deren Zweigstelle in Offenbach zur Hauptstelle erklärt wurde. Dr. C. Schleußner AG., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung genehmigte die Regularien und den Vortrag des Reingewinns von 82 481 Dill. Mk. auf neue Rechnung. Rach Mitteilung der Verwaltung war der Geschäftsgang im allgemeinen befriedigend, abgesehen von den letzten Monaten, in denen eine erhebliche Geschäftsstille eintrat. Angaben über die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres sind unter den derzeitigen Verhältnissen nicht möglich. • Norddeutscher Lloyd, Bremen. Der Aeberschuh von 150 240 Dill. Mk. wird auf neue Rechnung borget ragen. Die Flotte hat sich im Jahre 1923 erfreulich vergrößert. Es ist gelungen, sie auf über ein Drittel ihres Vorkriegs- bestandes zu bringen. 44 Seedampfer mit 286 327 Tonnen befinden sich in Fahrt, 6 weitere Seedampfer mit insgesamt 66 500 Tonnen sind noch im Dau. Das Passagiergeschäft war auf allen Linien lebhaft. Das Frachtgeschäft wurde wegen des Tonnageüberflusses der Welt und der wirtschaftlichen Verhältnisse ungünstiger. Doch konnte die Gesellschaft ihre immer noch verhältnismäßig geringen Frachträume im Durchschnitt gut beschäftigen. Gläubiger werden mit 49 177 924 Dill. Mark, Schuldner mit 22 961 491 Billionen Mark auSgewiesen. * Beantragte Verlängerung der G eschä f t s a u f s i ch t beim Stahlwerk Becker. Die Verwaltung des Stahlwerk Becker A. G. hat beim Gericht um Verlängerung der Geschäftsaufsicht ersucht, da die angestrebte Sanierung des Werkes bisher noch nicht durchführbar war. * Oberschlesische Eisenbahnbedarfs- A G., Gleiwiy. Die bereits crwähn- ten Veikau.sve.Handlungen to gen dec Frie e s butte sollen derart beiqjleu.iig. wercen, dah | e spätestens Mitte Juli erledig- sind Es haben sich inzwischen verschiedene neue Res ek-anten g - meldet, so daß mit einem Verkauf des Wer.es bestimmt gerechnet wird. * Z u der Frage derMagdeburger Zuckernotierungen hört die „Magdeb. Zig." von zuständiger Seite, dah die zur Regelung der Frage eingesetzte Kommission beschlossen hat, künftig fortlaufende Notierungen über jedes abgeschlossene Geschäft zu veröffentlichen. Außerdem soll ein amtlicher Tendenzberichl yerausgegcben werden. Diese Beschlüsse unterliegen noch der Genehmigung der Hand.lskammer. Devisemnark! Berlin—Scart Zf urt a. T/L § (ftn Bl'uonen Marl cmf’.ieörntft. Bueuu»-8Itr?<, London. Neu» Dort, üavcin. Wir. de fta. dro für eine CHnfiett, IDicn u >b Budaveii iur i00000 Ein denen. alles übrtfle fnr 100 Lmhellrn.! Lelegiavyts che Auszahlung. (Ohne Gewähr.) «. Juni ’7 Juni Repart. Ärmliche Notierung 'MU 111 9' 'Mo | OUT I. ’ Ttif 26. 12L <*rl9 | Brie' Amlt.- Ron 157, 1 157,2/ 15.,70 158, 0 voll voll Brss. Antw 19,35 19,i5 19, 5 19,45 voll voll £(>riftinnln . 55, 6 56,84 56,65 56,91 voll voll Kovrnbag.'n C9.8 69/8 6 ,63 rg,97 voll voll Stockholm . 111,12 111,63 111,12 111,63 - voll Hclsingfors. Italien . . . 10,46 10,42 10,40 10,52 1 Oll voll 18,15 18,25 18,15 18,2 voll voll London. . . 18.H5 11,226 16,1 5 18,! 45 voll voll Ncnyork . . 22% 4,21 4,i 1 4,?l vollwoll P.u'S. . . . 22,435 22,21 22,36 doUIdoII Sckwei; . . 24,16 54,54 «4,13 74, 4 voll voll Sva ü’ii . 66,26 66,54 06,26 >•6,54 voll voll Wien in D- OffL abgeft 5,92 5,94 6,92 6,94 voll voll Prag . 12,291 12,45 , 12,37 12,43 voll voll Budapest - Duen. Aires 5,09 1,345 6,11 5,03 5,11 voll voll 1,365 1,343 1,85 voll voll Bulgarien 3,016 3,055 2,99 3,01 voll voll Japan . . . 1,755 1,761 1,76. 1,77ö voll »oll ♦Ho de Ian 1,44 1,43 1,44 0,4 h 'J0>. voll Belgrad . . 4,765 4,785 4.69 4,71 voll voll Lissabon . . 11.62 11,68 11,62 11,68 voll voll Da n knoten. IFfrUn 27. Juni fflelb | Brie' Frankfurter Börse. voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll Nevarl. 19,20 6 J, 53 18,"0 22,»4 157,11 14,12 55,56 5, >2 1,75 110,97 74,16 56,11 12,37 1,99 4,21 19, 0 69,87 16,30 27,36 157,99 18,22 56,84 5,94 1.77 111,53 74 M 56,39 12,43 5,01 Amerikanische Noten..... Belgische Noten...... , Dänische Note«....... Englische Note« . Französische Note» ..... Holländische Noten Italienische Noten . Norwegische Noten Deuksch-Oesterr, ä ioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ....... Frankfurt a. M., 27. Juni. Tendenz: Behauptet, Anleihe schwächer. — Das Anleihegeschäft ist heute stark reduziert. Es wird angenommen, daß die Dlankvkäufe zum größten Teil Deckungen erfahren haben, so daß die stürmische Nachfrage einem normalen Geschäftsgang Platz machte. Die Notizen liegen daher heute auch für alle Anleihen etwas schwächer, besonders für Schuhgebietsanleihen. Der Ren enmarkt dagegen ist gut behauptet, wenn auch hier und da leichte Kurseinbuhen festzustellen sind. Ein lebhafter Handel findet immer noch auf Zolltürken, Bagdad 1 und II statt. Gut gehalten ist der Markt für industrielle Papiere, frier macht besonders die Veröffentlichung der Erklärung der französischen Regierung guten Eindruck!, dah jetzt ein großer Teil der aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen wieder in ifrre Heimat zurückkehren dürfe. Man erwartet noch weitere Erleichterungen für die Bewohner des besetzten Gebietes, namentlich auch hinsichtlich der Zollschranken, so dah ein lebhafter Geschäftsverkehr mit dem besetzten Gebiet sich entfalten werde. Das Geschäft in industriellen Werten war allerdings flein. Doch wurde das zu etwas erhöhtem Kurse herauskommende Material ziemlich leicht ausgenommen. Wohl sind frier und da kleine Kurseinbuhen zu verzeichnen, doch sind diese so flein und fo selten, daß sie kaum Erwähnung verdienen. Sehr klein ist das Geschäft auf dem freien Markte geworden. Dort geht fast gar nichts mehr um. Api 21Decker- Stahl 2, Becker-Kohle 472» Denz 21/a, Drown Doveri l7/a, Grvwag 0,175, Hansa Lloyd 0,500, Kunstseide 45, Tiag 0,750, Asa 4^2- 21uf dem Devisenmarkt ist das Geschäft ganz still. Das Angebot ist wieder im Zu nehmen begriffen. Paris ist gegen London vollkommen unverändert, 81,5. Beide sind aber gegen Reuyork etwas fester. Berliner Börse. Berlin, 27. Juni. (WTD.) Rach wie vor vereinigt sich das Interesse der gesamten Börse aus die aufsehenerregende Kursbewegung der Kriegsanleihe. Auf das Sementi, in dem angebliche Aufwertungsabsichten energisch in Abrede gestellt werden, trat zunächst eine gewisse Ernüchterung bei der Spekulation ein, die von einem Rückschlag des Kurses bis 220 begleitet war. Da aber weiterhin die geheimnisvollen Käufe anhielten, über deren Arsprung die Börse sich den Kopf zerbricht und die auch den Grund für die umlaufenden verschiedenartigsten Kombinationen gegeben haben, kam die rückläufige Bewegung bald wieder zum Stillstand. Der Kurs setzte amtlich mit 238 ein und schwankte dann zwischen 220 und 250 und 275. Das Geschäft trug zwar nicht mehr den stürmischen Charakter wie gestern, war aber noch umfangreich genug, um auch die anderen Börsenbe- sucher aus den geschäftsstillen Sälen hierher zu locken. Aehnlich war die Bewegung auch bei den alten Reichsanleihen und preußische Konsols, die von ihren gestrigen Gewinnen einen ansehnlichen Teil wieder bergeben muhten, später aber wieder anzogen. Die Spezialbewegung in Reichsbankanleihen, die am gestrigen Schluß gegenüber dem Kassakurs von 311/4 mit 37 notierten, ist wieder abgeflaut; der Kurs hielt sich bei kleinen Am- sähen ungefähr auf 36. Wie schon gestern blieb auf den anderen Marktgebieten die bisherige hoch- S obige Geschäftsstille unverändert bestehen, wo- i die Kurse mit wenig Ausnahmen fast überall mähige und nur bei einigen Papieren eine Billion Prozent erreichende Abbröckelungen erfuhren, die mit den Schwierigkeiten bei der Erneuerung der Micum-Berträge zu begründen versucht wurden. Sonst verlief die Börse vollkommen uninteressant. In den Verhältnissen am Geld- und Devisenmarkt hat sich nichts geändert. Börsenkurse. ün Billionen Prozent Frankkurra ‘0 Berlin Schluh- Rurs Schi - Schlul;-! Schluß Datum: ’5. S. 27 26. 5. 2.3. 5% Deutsche fHefd)6au1et^e 0,26v 0. -o9 0,27 0,240 i°l„ Deutsche Reichsanleiye - 0,4 0,-10 Ü, ÜJ 37i°/o Deutsche Neichsanleihe — 0,4-0 ,41U 0,375 3°/ Deutsche Reichl nileihe 1,100 0,9 0 1.1U0 0,300 r'eutschc Sparpramienanleihe o,!6; 0,199 — 4°/o Preußische Konsols . . . 0 4 j0 0,430 0,425 0,415 0 4 0 0 660 0 4,0 Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 4,2 4,2 4 2 4,? dto Doll Schatz-Anrreimg.') 76,5 76,0 78,5 76,95 Zolltürkcn......... 6,76 6,4 6,5 6,20 Äoldmexikaner..... - — 37,75 87,5 Berliner Handelsgesellschaft. 4 23,75 22,70 2 ,5 Commerz- und Prioat-Lwnk 3,9 ,6 4 3,73 s nemft. und Na.ionalvant . 8 7,6 7,60 7/7 8,75 8,6 8,37 8,3 Deuiscve Bereinsbank .... 0, 75 0,360 Tisconto Eommandit ... 9 8,65 8.9 8,5 ’.VLctciUbant........... 12,20 12,20 — Ulnleldeuliche Creditbank . . 2,05 2,1 2 1.9 Ocste reichische Kreditanstalt 0.3 23 0,305 0,300 0,325 Weitdank............ 0,25 0,:00 _ 0,3.0 Bochumer Guß........ 46,5 Buder, s............ 8 7,90 8,20 7,75 Caro ............. 10,18 9/6 10 9,4 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 46,25 51 46 46 46 48,5 43 47,13 Harpencr Versbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 53,5 7,75 53 7 53 7,2 52,'0 0,80 Kaliwerk Westeregeln..... 11,30 10,80 10,59 11 Lnurahuire........... 3 5 4, 0 4,65 L berdedarf. .......... '0,5 10 10 50 9 75 Phönix Bergbau....... 21,25 26 6 25,1 Rheinsiabl.......«... 23,6 22,75 23 22 25 IHübcil Äiontan........ 31 25 35 50 35'75 Tellus Bergbau........ 1,5 1 40 Homburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloho..... 22 4,75 21,25 4,50 21,90 4,50 20,80 4 25 Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . 7,4 7.S — — Philipp Holzmann...... 2,30 2,20 2,3 2,40 Anglo Cont -Guano..... 9,75 9 8,75 Badische Anilin........ 13 12,75 12,9 12,7 Chemische Mayer Alapin . . 1,2 1,2 Goldschmidt........ . 10,1 10,13 10 9,9 Gries eimer Electron . . . . 10,5 10,4 6,2 10, 0 Höchster Farbwerke...... 9,9 9,65 9,9 9,65 Holzverkohlung........ 6,13 5,75 - Rülgerßwcrke ......... 9.3 9 8.9 9,4 Schcideanstalt......... 12,40 12,6 AUg. Elektrizitäts-Gesellschaft 7,10 6,90 7 6,7 Bergmann........... — 10 13,21 10,5 Mainkrastwerke ........ 6,3 6,2 Schuckert............ 31 29,75 30,75 30 Siemens & Halske ...... 41,5 40,75 41,25 39,75 Adlcrwerke ökleyer ...... 1,4 1,4 1,3 1,3 Daimler Motoren. ...... 2,30 2,05 2,2 2 Heyligenftaedt......... S 2 Meguin............. 9,5 6,76 8.Ä 8,7 Frankfurter Armaturen . . . C,450 0,500 Konservenfabrik Braun . . . — — —• •— Metallgescll'chaft Frankfurt. 11,75 11,75 — — Per Union A.-G........ 1 1.1 0,925 0,975 Schuh'abrik Her; . . . . . . 2,6 ?,6 2 '2,4 Sichel.............. 3,85 3,30 — — Zellstoff Baldhof....... 8 8 6,25 8,25 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 3 2,5 3 2,55 2.9 3.1 •} Dom AuckzahlungSwert. Märkte. Berliner Produktenbörse. De r l i n, 27. Juni. (Wolff.) Die Befestigung am Produktenmarkt machte freute besonders für Roggen Fortschritte. In letzterem waren die inländischen Forderungen bei sehr knappem Angebot auf baldige Abladung höher. Die Mühlen Mitteldeutschlands und anderwärts zeigen anhaltenden Bedarf. Die Forderungen für Roggen neuer Ernte haben sich etwas erhöht. Die Weizenpreise zogen bei Heinen Amsätzen etwas an. Das Geschäft in Weizenmehl zeigt nur geringe Besserung, wogegen Roggenmehl bei erhöhter Nachfrage weiter befestigt war. Für Hafer sind bet den hiesigen Verbrauchern lohnende Preise nur schwer zu erzielen. Die amerikanische Hausse hat in den letzten Tagen manche Nachfrage für das Ausland hervvrgerufen. Futterartikel waren bei vermehrtem Begehr für spätere Lieferung befestigt Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, märt., 136 bis 141 (fester), mitteldeutsch 140 bis 144 (fester), Roggen, märt., 120 bis 129 (fest), pvmm. 116 bis 124 (fest), Braugerste 138 bis 146 (befestigt), Futtergerste 127 bis 1.35 (befestigt), Hafer, märt. 121 bis 131 (fester), Raps 220 (rufrg), Leinsaat 260 bis 280 (ruhig); für je 100 Kilo: Weizenmehl 20,50 bis 23,25 (fester), Rvggenmehs 18 bis 20,75 (fest), Weizenkleie 8,— (ruhig), Roggenlleie 8,— (ruhig), Viktvriaerbsen 19 bis 20, kleine Erbsen 13 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 10 bis 11, Ackerbvhnen 13 bis 14, Wicken 11 bis 12, Lupinen blau 9 bis 10, gelb 13 bis 14, Rapskuchen 8,60 bis 8,70, Leinkuchen 17 bis 18. Trockenschnihel 6 bis 6,20, Kartoffel- flocken 15; für je 50 Kilo: Weizen- und Roggon- strvh, drahtgeb. 0,45 bis 0,60, Haferstroh, draht- gepreßt 0,35 bis 0,50, Gerstenstroh 0,35 bis 0,50, Häcksel 0,70 bis 0,80, Wiesenheu, gut, gesund und trocken 1,75 bis 1,95, handelsübliches Heu 1,15 bis 1,35. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 27. Juni. Es notierten für je 100 Kilo: Wetterauer Weizen 16,25 bis 16,75, Roggen 15,25 bis 15,75, Braugerste 16,50 bis 17, Hafer, inländ., 15,50 bis 16, Weizenmehl, südd. Spezial 0, 27,25 bis 28,50, Roggenmehl 22,75 bis 23,50, Weizen- und Roggenlleie 8,25 bis 8,75. 187* 1924 »Jafore Brauns Farben für den 6-tayshaSfr1 j Neuheiten zum färben ohne Kochen: W ES "Lederfarbe macht Schuhe u. So wrer «eD?d Lede rareren alter Art wie neu/ M Erhältlich Iti allen einschlägigen Geschälten! W Wiihelm Brauns Ub ttGuedlinburg A * _ w *e Stof färb* m la (Helfenform tum Auf und Um färben tron WOHe - BaumuroUc -Serbe ete. jrw eeeWtNJBHA Hine arufBaumruMc-Sodeuemen. M Oer Alte auf Topper. Ttomtm von HannS von Zvbeltitz. 2. Fortsetzung. (Nachdruck verbstön.) Un5 schon weichen auch Friedrichs Grenadiere. Zurück durch den tiefen, leichenübersäten Kuhgrund, zurück über die um die Mittagsstunde mit so teurem Blut erstrittenen Mühlbecge. Geschlossen zuerst, in wachsender Auflösung dann. Zurück — die Preuhen! Auf dem Mühlberg hält der König. Stemmt sich der Fürcht entgegen, ergreift eine Fahne der Prinz Heinrich-Füsiliere: „Mer ein braver Svl- i>at, der folge mir!" Ein kleines, kleines Häuflein sammelt sich um ihn. Auf Augenblicke nur, wird er gleich auch in den wilden brandenden Strudel hineingerissen. Rette sich — wer kann! Schon schweigen die preuhischen Geschütze. Aber die russischen Kanonen hageln in die Flüchtenden; allerorten brechen Laudons, Saltykows Bataillone aus ihren Aetranchements, stosten nach mit Kleingewehr und Bajonett. In dichten, dicken Schwärmen stürzt sich die zahllose leichte Kavallerie auf die Fliehenden. Dom linken Flügel her stürmen die serbischen Husaren, die Ungarn heran, die braunen Reiter vom Don. Der Schreckensruf „Kosaken!" gellt über das Feld — Hält noch immer an der Bäckermühle, der König. Starrt auf die wüst flutende Flucht, starrt auf die dunkel auf wirbelnden Staubballen, starrt auf die feuerspeienden Berge dort drüben. Wie versteinert starrt er: gibt es denn keine Kugel für ihn? Sind sie wirklich gefeit, die Gesalbten des Herrn? r . Bur eine winzig kleine Schar Zietenhusaren ist bei ihm unter dem Rittmeister von Prittwitz. Da brechen aus den Staubwolken, aus dem Pulverdamps Lschugujew-Kvsaken hervor. Eines Atemzugs Länge, und der König, der König ist gefangen — , . . ,, Wenn der Prittwih nicht wäre! Der teuft sich mit seinen wenigen dem Schwarm entgegen. Hunt ein, dah sie stutzen, stocken, Raum lassen und Zeit. Zum letzten Male heut schallt das „ Fridericus Rex" über das Dlachfeld, den Siegern zum Abschiedsgrust. Mit dem Säbel in der AMt bahnt der Prittwih seinem Kriegsherrn ren Weg. Aber hinter ihm ist das Ehaos. Aufgelöst alle Bande der Manneszucht. Zerbrochen alle Ver- bände. Wirr durcheinander gewürfelt die Trüm- mer von Bataillonen, Schwadronen, Backenen. Uebersät die weiten, weiten Wälder mit Flüchtlingen, Versprengten. Tausende gefangen, fast kein Geschütz gerettet. Dis zum HühnerfliA hin, dem der Strom der unaufhaltsamen »iucht sich zuwälzt, der Leichtblessierte, der sich hoch sort- schleppen kann, neben dem Heilen, dem die Wahn- sinnssurcht den todmüden Füy beflügelt: überall, überall weggeworfene Gewehre, Patronentaschen, krepierende Gäule, Kanonen, vor oenen d.e Stränge abgeschnitten, Munitions'arren, Weg und Steg versperrend. Und hinterdrein überall Totlebens Kosaken wie Höllenbrut mit Lanze und Kantschu: Pascholl! Pascholl! Hoch oben in den Wolken aber der schwarze Ew?ld Christian von Kleist Maror vom Regiment Haust. Wollte ein wackerer Feldscher ihn verbinden noch mitten im Kanipfgewuhl doch den traf beim Samariterwerk die tödliche Kugel. Ka men die Kosaken, raubten dem Kleist alles, rissen ibm die Kleidung vom wunden Leibe, liehen ihn liegen. Dis ilm In her Dacht -in paar mitleidige Husaren fanden, auf ein Bund Stroh an ihrem Wachtfeuer lagerten, too ihn am Mor- qen ein wackerer russischer Offizier, der Baron von Stackelberg, entdeckt hat und weitere Fürsorge traf. Zwölf Tage darauf ist er zu Frankfurt seinen Wunden erlegen. t War von vielen, vielen nur einer, der bei Kunersdorf für seinen König blutete. Und ging dennoch ein besonderes Wehklagen um ihn durch die deutschen Lande. Denn der Ewald Ehrtstian von Kleist war des jungen Lessing Freund, war der Dichter des „Frühlings" und der „Ode an die preussische Armee". Also wurde seinem Wunsche Erfüllung: Auch ich, ich werde noch, vergönn es mir, " o Himmel! Einher vor wenig Helden ziehn; Ich seh' dich, stolzer Freund, den kleinen Haufen flieh'n Und finde Ehr' und T'vd im rasenden Getümmel!" Weit jenseits des Schlachtfeldes, unweit Dtvrf- kow, Mitten sich drei in einer Grube mitten im Unterholz der Forst verkrochen: zwei vorn Regiment Prinz Heinrich, einer vom Regiment Knobloch. Kuschten langhingestreckt auf dem Bauch, mit zerschlagenen, zitternden Gliedern, keuchender Brust: wagten kaum einen Ton, immer nur die Todesangst im Herzen vor den Erbarmungslosen, den Kosaken. Lauschten in Wald und Rächt hinaus, schraken vor jedem Laut zusammen. Zerfetzt und 'zerlumpt war die Montierung, leer die Patronentasche. Aber die Kuhfüste hatten sie noch, hielten sie dicht am Leibe. Hungerten und dursteten arg, schier zum Verzweifeln. Um Mitternacht waren sie im Lager vom kurzen Schlafe ausgestöbert worden, hatten noch die Locken drehen müssen und einmehlen, denn die Korporale verstanden keinen Späh und die Kapitäns noch weniger. Auch wo eine Schlacht bevorstand, muhte der Bursche propre sein, sonst drohte die Fuchtel. Dann kam der lange, lange Marsch durch Sand und Gestrüpp und dann das stundenlange, furchtbare Morden. Und immer brannte die Augustsonne auf dem märkischen Sand, beizten Staub und Pulverdampf Augen und K< h e. Da waren die paar Krümel Brot bÄd verzehrt und der letzte Schluck aus der Flasche vertan. Dah dich! Was halfen die Blätter, die sie abgerissen und zwischen die Zähne geschoben hatten? Was half's, dah sie den Sand unter sich mit gierigen Händen aufwühlten bis zum kühleren Untergruirde und die glühenden Gesichter dagegen preßten? Arme Bursche! (Forts, folgt.) 1207 1215 1200 H52 IR22 837 900 915 930 945 IQOO 1Q15 1Q30 1Q45 1100 H15 1130 H45 1152 1 200 1 207 1 2'5 1 222 829*84-1 907 922I937 952 1Q07 1022 1037 1052 1107 1122 1137 1152 1159 1207 12" 1222 1229 737 744 752 722 729 652 707 410 425 440 455 510 Friedhof - Wiesecker Weg - Markt - Bahnhof Nimm nurhatb soviel Wie ton MalzMfeel Verwend’ihn wie Bohnenkaffee-ohne Zusatz. | ---------------------. 653 DEUTSCH E S 3 3 ? IV 6 837 815 852 207 215 222 322 330 337 340 407 422 415 430 422 437 7'5 722 729 752 800 807 922 928 933 usw. alle 71/2 Min. bis 215 222 229 232 222 230 237 240 237 245 252 255 252 300 307 310 307 315 322 325 337 345 352 355 437 445 452 452 500 507 507 5’5 522 515 522 529 707 715 722 730 737 744 737 745 752 807 815 822 937 945 952 352 400 407 usw. alle 71/. Min. bis 145 152 159 952 1000 1Q07 152 2oo 207 900 907 914 Friedhof Wiesecker Weg . . . Markt Bahnhof usw. alle 7l/3 Min. bis 708 723 730 738 745 753 800 808 815)923 830 845 908 923 938 953 1008 1023 1038 1053 1108 1123 1138 1153 1200 1208 1215 1223 1229 700 7151730 737 745 752 800 807'815 5822 830 837 852 915)930 945 1000'1015 1 030 1 045 ll<>0 1115 1130 1145 1 200 1 207 1 2'5 1 222 1 230 1 237' 707^22^737 745|752 800^807 815|822 )830[ j845|90o|922|937 952) IQO?) 1Q22 1Q37 1Q52 H07 1122) H37| H52 1 207 1 215 1 222 1 230 1 237 1 245 w 715 722 730 737 745 752 800 807 8'5 830 852 907 922 937 952 1 007 1 022 1 037 1 052 1107 1122 1137 645 700 715 722 730 737 745 752;800'807[8I5n,‘’nnn n,c'rrm nAC- innn in,R imn 1045 1100 1 1,5 1 130 1145 707 722 729 737 744 752 759 80t 814 822 8291844 „ _ _ Bahnhof....... Markt Wiesecker Weg . . . Friedhof Bahnhof Markt Wiesecker Weg . . . Friedhof Straßenbahn der Stadt Gießen. Sommer-Fahrpian 1924. Gültig ab 29. Jaaaii Grüne Linie. Bahnhof - Markt - Wiesecker Weg - Friedhof Friedhof 152 200 207 2’5 230 245 300 315 330 345 400 415 430)4" 500 5'5) 5?2 530 537 200 207 215 222 237 252 307 3221 337 352 407 422 437| 452 507 522) 53V 537 545 145 837 915 737)74417» ijlin.1829 844:907'922 937! !5Min. 1222 1207 652 usw. 445 500'508 515 523 530 538'545 1553:600!608 6’5'623 630 638 645 653 §700 708 715 icn.rrvi rtt rv. r.-irx -n cru> cm CK iC'.n >C'l7 P.AS 700 |7(Y7 715 722 2001215,230 alle 100 107 110 715 722 730 717 745 1238 1244 1245 1252 1255 753 800 808 815 822 900 907 123 129 934 940 945 13" 137 140 137 144 152 200 202 723 730 737 745 752 800 115 122 125 9’5 922 930 Markt . . Bahnhof. 108 114 1003 1015 1223 1229 1230 1237 1240 1253 1259 953 1000 Bahnhof . . . . Markt Siechenanstalt . Schützenhaus . 823 8'0 Bahnhof . . . . Martzt Siechenanstalt . Schützenhaus . 1015 1017 '1120 / .1214 iz«[ i 12101 11225 | Rote Linie. Bahnhof - Markt - Siechenanstait - Schützenhaus usw. alle 7V2 Min. bis 1 ISO ilte 1 iss kgdff 12061215 ! 113711152:1 159 1 on7 1014! 1992! I |u55l 645 700 715 723[730!738| usw.alle!823j838 900 915'930 usw. alle — 7071722 729.737)744)7* Min. 829 844.907'922'937! 15min. ~ ;c'v- f ~ 235 250 305)320 335 350 405 4201435! 450 5051513 Wiesecker Weg . . 138 145 153 200 20s 223 237 252 307'322 337 352 407 422^37 452 507)515 523 530 |8oo|83?852 [915'94511 ooo, _____ ___ __________ ~______ 723 7301745 752 |807j 837 900 922 952 1007 207)222,^7 15min. 452)507 515'522 530 537 545 552 600',607 6151622 ,630 607 645 652 700'1707 715 722 [730 73717521759 [815 845 907 [930 959 II bis I )517| [5321 ;547 [ [6021 [6'7 j [632) [6471 702) 717 |?32 |755| [817'84? 910)932) Waschelnrichtungen Eadeelnrlchtungen jeder Art 5300a -----Großes----- Lager aller Wasch- und Toiletten - Gegenstände bei RudoltRödiger Walltorstraße 35 Hchützenhaus . . . . Siechenanstait . . . . Markt Bahnhof Schützenhaus . . . . Siechenanstalt . . . . Markt Bahnhof Schützenhaus - Siechenanflalt - Markt usw. ufro.”1 '1205! 12W 6531708 723)730)738 745 alle [330,845.908[923 938 alle 1138 1 200 1 207 1 215^1222! 659 714 729(737.744)752 71/9min.1837|852[9bl!929 944(15 Mim [1144.1207 1214[ 1222 1229[ I 1.4 1 I v5 il I I | 1 bis [ । 1 । ! I - Bahnhof 1235 1230 1 237 1 245 1237 1 244 1 252 125O| 10b) 12521100 i 07'115 1259)107 114)122 120! 122 130 1291137 135; 137)145 144 J52 150) 152 208 159 214 212 215 222 223 238 229 244 usw. alle 15 Min. bis (7421 | 805 1827)849 [920 934 | "7.1 1 OrYl ; 007 oin QW 072 017 I 527, [542[ 1557| |612I" |627) K71 nm K1R OIW ;R0R ß?l R1O R3R 527 542 | 557 |6l2 627; 642/ ^6571 i?l2 727 742 | M5 827 849 [920 934 | 453 508*523 530 538 545 tz53 600 608 6>5 623 630 638 645 [653 700 708 7l5|?23 730 738 )745 800 ; 807,830) 852 [922 937) 1Q00 459 5l4i529 537 544 552 559.607 6'4 622 (629 [637 .644 652.659)707 [714 722 729 737 [745 [752 ,807 [ 8<5 [837 900 [g30 945 [ ] Q07 |752| | [822[845)90?)937)952) 1020 1022 1030 An Sonn- und Feiertagen wird der Betrieb ab Ipo vormittags ausgenommen. Die Wagen verkehren bis 715 Uhr nachmittags in Abständen von Minuten, von da ab wie an Werktagen. 5271 b zu billigsten Preisen Schlafzimmervon250Mk.an Speisezimmervon350Mk.an Herrenzimmer v. 550Mk.an Betten, Matratzen, Klubsessel von 65 Mk. an. J.Ittmann, Inh. A. Brumlik Gießen 5302c Bahnhofstraße 29. der Wagen mit dem geringen Verbrauch und der hohen Leistung fiär die Stadt un4 Br dis Keire nur 972 Ul Benzin u. 2ß0 eramm Del aul wo Hm / För G8.286CQ Hm 1 Satz teton AGA - Aktiengesellschaft für Automobilbau, Berlin - Lklilenberg V H EWM /A ’’-.y BENZ-FAHRZEUGE zu aiien Verwendungszwecken 6283a Nümmer2057 Auto-S chnelder Itril'ill Reparatur-Werkstatt ♦ Ersatzteile ♦ Benzin Flach- und Amateur-Photographen zur Kenntnis, daß ich neuerdings Foto-Artikel und Chemikalien aufgenommen habe. Dunkelkammer steht zur Verfügung. Hans Noll, Neustadtdrogerie, Tel. 626 Photoarbeiten (Entwickeln, Abzügeu.a.) werden wunsch- und fachgemäß unter billigster Berechnung ausgeführt. 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Stadttheater Reslauraol Zur Itoiter-Böm Telephon 2064 Ooethestr. 32 [5204v von [021297 nickest IMt Collbri, ein lebendig sprühender Film ans dem Zirkusleben und der Gesellschaft, spielte Im Frankfurter Schumanntheater wochenlang vor aus verkauftem Hause. zu günstigen Bedingungen billig abzugeben. r. Schlund, Garbenteich. 1,40 „ 1,80 „ 52728 Vogtsche Handelsschule Gießen Gießen, Brandgasse 8 RENOVIERT Gute bürgerliche Küche Ferner offeriere ich meiner werten Kundschaft Pneuma - Herren ■ und Damenhalb, schuhe sowie Stiefel in allen Ausführungen 15. Juli Beginn eines neuen Halbjahres-Kursus Unterrichtsfächer: Einfache und dopp. Buchführung, Handelskunde mit Schriftverkehr, kaufm. Rechnen, Wirtschaftsgeographie, Deutsch, Maschinenschreiben, Stenographie, Schönschreiben. Anmeldungen werden täglich entgegengenommen. Ausführliche Prospekte kostenlos. 5287a I. A.: HEINRICH WEIGAND Geschäftsführer Generalvertreter der Weinbrennerei A. Meyer, Münster i. W. Väcker-Zwangs-Zmmng der Landkreises Gietzen Einladung zu, Versammlung aus Mittwoch, den 2. Juli 1924, nachm. 2l/2 Uhr, nach Gießen, Hotel Hindenburg. Referent: Herr Dr. Maurer Syndikus des Zweigverbandes Hessen. Dr. med.Wasle Goethestraße 301 Facharzt hält ab 30. d. M. [5262D wieder Sprechstunden von 10V2—I2V2 u. 2—3 Uhr Dienstag, 1. Juli» abends 8 Uhr, »MWWOkO SMMMk Am Flügel: Pianist Josef Streiffeier, Köln. Vorverkauf: Sonntag, 29. Juni, vorm von 11-1 Uhr. Montag, 30. Juni, und Dienstag, 1. Juli, je von 10-1 Uhr. Gebe meiner werten Kundschaft während”dieser Zeit Gelegenheit, sich preiswert mit Schuhwaren einzudecken. e-t____—__ braun Boxkalf und schwarz, prima Qualität in Damen>rumps allen Größen Damen-Spangen in allen Farben und Größen Wildleder, imitiert in Schnür und Spangen Schnürhalbschuhe, schwarz, für Herren und Damen Weiße Leinenschuhe Tennis- und Turnschuhe mit Gummisohlen Sandalen zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 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Juni 1924 für Recht erkannt: Der Angeklagte Karl Sier. geb. am 10.4.1863 in Ltch, Händler In Stehen, ist der Beleidigung nach §§ 185, 186, 200 St.S.B. schuldig und wird deshalb zu einer Selb» strafe von einhunderisünszig Soldmark, htlfsweife dreihtg Tagen SefängniS, und zur Tragung der Kosten des Bersahrens verurteilt. Dem Privaikläger wird die Befugnis zugeforochen.den entscheidendenTetl des Urteils binnen zwei Wochen nach der Zustellung der Urteils forme lauf Kosten des Angeklagten durch einmaliges Einrücken In den Siebener Anzeiger öffentlich bekannt- zu machen. [021303 Die Nichtigkeit der Abschrift der Urteils- forme! wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Sieben, den 12. Juni 1924. (L.S.) gez. Pabst, SerichtSschreiber des Amtsgerichts. Für die Abschrift: Leun, Rechtsanwalt. Ein Drehstrommotor, 31/, P. S. Mompl. 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Die Strabenbahnfahrpreise sind ab XW8 k V '19 tauten 20,25,30 und Ilka» mit 21 C*it„ inen, prima QualU ner 16 Mk. 1 reib. 10 Casten , 4 Bä«. 9 MB. mandoli. ।. ' « ODet Oeldistel,Sufl intensives De! sie komm eöc Sauer nicht v Deidebenuhm lauer, beson sSchachtelhaln Deweiden dui sonders toiri Schafe und < Wicklung der einen goldene- sie verbeißen, gras und Di Fen $0^. 2 idcM w'< front, Scha gahnenfub, l unterdrückt, a slöchc einige- benutzt, nachd hochwüchsige Sollte 6icrbu mH er bei 2B flc63en. 0 Käut-r AniT < ES jWcr KLL flachen von er dur-hg^ übrige W werden E daß sie MeV ?rkn. Dren derekonlMd nit oder Raß Tagen verm-i salz auf dm sichalSmr spielt auch n ®i6$ Unser Saisonverkauf hat begonnen Wir haben unsere Preise sehr herabgesetzt, und geben wir jedermann Gelegenheit, moderne beste Qualitätsware AM" zu außergewöhnlich billigen Preisen *98 kaufen zu können Gebrüder lmheuserMsT 5282 D F4 ■ ' Karierte Stoffe Reste von reinwoll. Cheviots besonders billig 031188 L. 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Pf eifer Marktplatz Aufruf I In alle Freunde der Jugend Auf dem Hoherodskopf soll das Schweizer- Häuschen zu einer Jugendherberge ausgebaut werden. Die Mittel dazu soll eine Haussammlung aufbringen. Lasset unsere jugendlichen Sammler in der nächsten Woche nicht vergeblich bitten. SzMckpüiM! Auch der kleinste Baustein ist wertvoll! Verband liir deutsche Jugendherbergen Ortsgruppe Gießen. 6,06D Preiswerte Wollstoffe erstklassige reinwollene Qualitäten Woll-Crepe, Serge, Popline Ripse, Gabardine, Cheviots und sonstige neue Webarten Kostüm- und Herrenstoile außergewöbnlicb preiswert Rockstoffe, Meter von Mk. 1.50 an Alb 1"^©eitag, den 30. Juni meines Gesamtwarenlagers zu bedeutend herabgesetztenPreisen Klubmöbel, Sessel In Leder und Stoff Sofas in allen Stoffarten Chaiselongues mit Decken Patentmatratzen Auflagematratzen In Wolle, Kapok, Roßhaar Peddigrohrmöbel in Jeder Preislage und besterVerarbeitung f. .............................. i Kulante, reelle Bedienung \ Nr. (50 viertes Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 28. Zunl (924 Fragekasten. Frage 32: Meine Ziege melkt Milch mti sehr wenig Blut untermischt. Wie kommt tkiS und wodurch ist dem Llebel abzuhelfen? Antwort: Die Absonderung mit Blut vermischter Milch ist ein Zeichen einer Entzündung des Strichkanals oder des Euters. Die Ursache ist nicht genauer bekannt, vermutlich handelt es sich um eine Einwanderung von Bakterien durch die Strichöffnung. Wenn das Tier vorsichtig gemolken und richtig gefüttert wird — am bestell ist gutes Gras —, so wird das Leiden bald vvrübergehen. Zweckmäßig ist es, morgens und abends etwa ein Viertelliter Leinsamenschleim einzugeben, und das Euter, vor allen Dingen die Striche, an jedem Abend mit etwas Kampfersalb« leicht einzureiben, und danach ein wenig zu mas« fieren. Frage 33: Müssen die jungen Schößlinge der Himbeersträucher entfernt werden, oder läßt man sie jetzt schon stehen? Antwort: Die jungen, aus dem Wurzelstock erscheinenden Triebe bilden die Tragruten für den nächjährigen Ertrag. Sie dürfen daher nicht entfernt werden. Da sie aber in dec Regel so zahlreich sind das; sie sich gegenseitig beengen urrh unterdrücken, läßt man nur die stärksten sich entwickeln, denn je stärker diese werden, um so besser sind die Aussichten für die nächste Ernte. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 29. Juni. 2. Sonntag n. Trin. Stadtkirche. 8: Zugleich Christen!, f. d. Reukonfirm a. d. Matthäusgem. Pfr. Mahr. 91/,: Pfr. Becker. 11: Kinderkirche für die Markusgem. Pfr. Becker. — Iohannessirche. 8: Zugl. Christen!, f. d. Reu- konf. aus der Johannesgem. Pfarrafi. Hertel. 9'/,: Pfr. Bechto!sheimer. 11: Kinderkirche f. d. Lukas- gem. Pfr. Bechtolsheimer. 8: Bibelbefprechung im Johannesfaal. Pfr. Mahr. - Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. konfirm, männliche Jugend. l‘/?: Mainzlar. — Wieseck. 8l/2: Christenlehre (beide Abteilungen). 9'/,. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 28. Juni. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 29. Juni. 3. Sonntag nach Pfingsten. 6V, Deichte. 1 Messe, 8 Kom., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr., 21/, Christen!, u. And. m. Segen. Donnerstag, 3. Juli. 6 Segensamt, 41/? Beichtgelegenheit, Freitag, den 4. Juli. 6 Segensamt. - Grünberg. Sonntag 9'/, Mefle in. Pred. a Das beste Rad VOr GesehAI* und Bert f VOr Spor>und Erholung Landwirtschaft, Die Unkrautbekämpfung auf Wiesen und Weiden kann nicht nach allgemein gültigen Rezepten oder nach der Act, wie sie sich hier und dort bewährt hat, durchgeführt werden. Meistens besteht der sicherste und kürzeste Weg, ein stark verunkrautetes Grünland zu verbessern, darin, daß man es umbricht und neu wieder besät. Besonders solche Wiesen und Weiden, die während des Krieges mit unzulänglichen Mitteln angelegt worden und oft völlig verunkrautet find, werden am besten umgebrochen werden müssen, um des Llnkcautes Herr zu werden. Jedoch gibt es eine Reihe von Grünlandunkräutern, die sich nicht so leicht beseitigen lassen, wie beispielsweise Binsen, Ackerdistel, Rasenschmiele, Schachtelhalm, Huflattich, Herbstzeitlose, Klappertopf. Das zu ihrer Vernichtung empfohlene Jäten läßt sich meistens nur im Kleinbetriebe durchführen oder bei spärlichem Auftreten der Llnkräuter. Zweckdienlich ist es, die Grünlandflächen von einem alten Manne von Zeit zu Zeit durchgehen zu lassen, der jede ergreifbare Llnkraut- pflanze ausrottet. Samenbildende Unkräuter wird man durch wiederholtes Abhauen an der Samenbildung hindern. Dadurch können ein- und zweijährige Pflanzen, wie Klappertopf, Augentrost, weiche Trespe allein schon zum Verschwinden gebracht werden. Länger ausdauernde Unkräuter werden mittels der Sense öfters kurz gehalten, so daß sie schließlich von den Rutzpflanzen unterdrückt werden. Drennessel, Wiesenstorchschnabel und andere können durch reichliches Lleberstreuen mit Kainit oder Kalkstickstosf im Morgentau an sonnigen Tagen vernichtet werden. Die Angabe, daß Kochsalz auf den Schachtelhalm vernichtend wirke, hat sich als ein Irrtum erwiesen. Die Dodenreaktton spielt auch im Leben der Unkräuter eine Rolle; so gedeiht der Sauerampfer nicht nur auf sauren, sondern auch auf neutralen Böden, Hundsstrauh- gras und Drahtschmiele aber stets nur auf sauren Böden. Viele bekannte Unkräuter der Dauerweiden, wie Wegerich, Löwenzahn, Ferkelkraut, Schafgarbe, Gänseblümchen, kriechender Hahnenfuß, Gänsefingerkraut, werden am besten unterdrückt, wenn man die verunkrautete Weidefläche einige Jahre als Wiese zur Heugewinnung benutzt, nachdem man den Boden verwundet und hochwüchsige Oberaräser reichlich eingebracht hat. Sollte hierdurch der Weißklee verschwinden, so muh er bei Wiederbenuhung der Fläche als Weide wieder angesät werden. Anderseits lassen sich viele Wiesenunkräuter, wie Bärenklau, Kälberkropf, Oeldistel, Huflattich, Pestwurz, Herbstzeitlose, durch intensives Deweiden der Fläche zugrunde richten; sie körmen eben den Tritt der Weidetiere auf dre Dauer nicht vertragen. Oft verbietet sich aber die Weidebenutzung, weil die Wiese den für Wiederkäuer, besonders Milchkühe, giftigen Duwok (Schachtelhalm) enthält und weil das andauernde Deweiden durch Pferde nicht zu empfehlen ist. Besonders wirken die hevdenweis aufgetriebenen Schafe und Ziegen nachteilig auf die Weiterentwicklung der Unkräuter ein. Schafe haben zwar einen goldenen Fuß, aber auch ein giftiges Maul, sie verbeißen bei zu langem Verweilen den Rasen Haus und Hof. unerwünscht kurz und schaffen dadurch den Unkräutern Eingang. Anderseits fressen die Ziegen manche Pflanzen, wie Löwenzahn, Butterblume. Wegwarte, Schafgarbe, die von den Rindern gemieden werden, und tragen daher zu deren Einschränkung bei. Rationelle Iungviehauszucht mit Magermilch. In der „Illustrierten Landw. Ztg." wird die Frage aufgeworfen, ob man zur rationellen Jungviehaufzucht nur süße oder auch dicksaure Magermilch zur Mischung mit Vollmilch verwenden kann. Hierzu erllärt ein Sachverständiger auf diesem Gebiet, daß man in erster Linie darauf zu achten hat, daß man Magermilch bzw. die Mischung nur in einem f ü t 1 e r u ngs r e if en Zustand, also entweder ganz sauer oder ganz süß, verfüttern soll. Der halbsaure oder halbsüße Zustand ist unbedingt zu vermeiden. Sobald man mit der allmähligen Entziehung der Vollmilch durch Magermilch beginnt, d. h. also Vollmilch mit Magermilch vermischt, muh man sich dafür entscheiden, ob man überhaupt vollsühe oder dick- saure Mischung verfüttern will. Hierfür sind verschiedene Faktoren bestimmend. Hat man die unbedingte Gewähr dafür, dah Magermilch und auch die Vollmilch stets vvllsüh sind, dann kann man während der ganzen Aufzuchtperiode bei der vollsüßen Derfütterungsweise bleiben. Hat man aber nicht immer die sichere Gewähr dafür, voll- süße, sondern vielleicht etwas angesäuerte Milch zu haben, dann wird man sich für die dicksaure Ber- fütterungsweise entschließen und wird auch hieran während der ganzen Aufzuchtperiode festhalten müssen. Der Rückgang von der dicksauren zur voll- süßen Fütterungsweise ist unbedingt zu vermeiden. Sollten die Tiere in dem Fall, dah man in den ersten Wochen verhältnismäßig früh zur dicksauren Fütterung übergeht, zu Durchfall neigen, dann wird man die vollsüße Verfütterung noch vier bis fünf Tage fortsehen und mit der Entziehung der Vollmilch durch Magermilch etwas langsamer vorgehen. Die gesundheitlichen Verhältnisse der Tiere verdienen natürlich eine ernste Beachtung. Ist man einmal zur dicksauren Fütterung übergegangen, so wird man zur Mischung mit Vollmilch nur dicksaure Magermilch verwenden. Den besten dicksauren Zustand der Magermilch erreicht man, wenn man der Magermilch saure Milch, die man am Tage vorher zurückgestdllt hat, beimengt. Auf 10 Liter Mager- wilch wird man 1/2 bis 1 Liter faure Milch geben müssen. Die dicksaure Magermilch vom Vortage muh mit der aiuusäuernden Mager- bzw. auch Vollmllch unter kräftigem Rühren gut vermengt werden. Die Sommerbehandlung des Weinstockes. Wenn die Reben im Frühjahr richtig, d. h. über das Spalier gleichmäßig und dauerhaft angeheftet waren, so hat man bis nach der Blüde, die in unserem Klima in diesem Jahre erst Ende Juni, vielleicht soaar erst Anfang Juli eintritt, Ruhe. Dann aber heißt es die jungen Überhängen- den Triebe des Weinstvckes zurückzuschneiden und sv ans Spalier zu heften, dah Sonnenlicht und Luft zu allen Teilen des Stockes Zutritt haben. Das Einkürzen geschieht, in der Weise, daß überall da, wo es sich nicht um Reben Handelt, die man im nächsten Jahr« als Tvagreben haben will, die junge Rebe zwei bis drei Augen über der obersten Traube weggeschnitten wird. Tragreben fürs kommende Jahr werden überhaupt nicht oder nur wenig eingekürzt. Daß man hierzu nur die aller- kräfllgsten auswählt, ist selbstverständlich. Das etwa drei bis vier Wochen später vorzunehmende „Geizen" ist eine Arbeit, bei welcher alle die starken Rebcnztoeige entfernt werden, die nach dem Einkürzen sich bilden, und zwar sollte man sie nicht durchs einfaches Ausbrechen fort- nehmen tote es früher üblich toar, sondern man kürzt sie ebenfalls nur soweit ein, daß zwei Augen stehen bleiben. Bei der früheren Methode, dem Ausbrechen, trieben bei warmem und feuchtem Herbstwetter oftmals noch |b viele Augen aus, dah dadurch die Ernte für das nächste Jahr geschmälert wurde. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Weinstock da zu widmen, wo er leicht durch Mehltau unh Peronospora leidet. Gegen die erstere Krankheit ist wiederholtes Schwefeln durch Bestäuben mit Schwefelblüte, gegen die andere Bespritzen mit Kupferkalkbrühe anzuwenden, und zwar ist das wichtigste dabei, vor dem Auftreten der Krankheit. Ist das Hebel erst einmal da, dann ist es in der Regel bereits zu spät. Beide Mittel sind in Samenhandlungen und Drogen- geschäften käuflich. R. Kurze Winke. Einen reichen Rvsenflor für die Herbstmonate sichert man sich, wenn man nach der ersten Blüte die abgeblühten Zweige durch Abschneiden entfernt und wiederholt düngt, entweder durch flüssiges Düngen mit Jauche oder Äeberstreuen und Tlnterhacken von Dlumendünger (Wagners Gartendünger) oder was noch wirksamer ist. durch Bedecken der Rosenbeete mit Torf dünger, der weder das Auge noch die Rase beleidigt.' Mehltau, der sich an manchen Sorten nach kalten Rächten einzustellen pflegt, behandell man vorbeugend durch Bepudern mit Schwefelblüte, eine Arbeit, die nach jedem starken Regen zu wiederholen ist. Das Sammeln der Gewürz-, Tee- und Heilkräuter sollte nur bei trocknem, sonnigem Wetter am Nachmittag, nie kurz nadji einem Regen und niemals in feuchtem oder gar nassem Zustande geschehen. Bei Pflanzen, wo es sich um die Benützung des Krautes oder der Blätter handelt, sammelt man kurz vor der Blüte, bei solchen, wo es auf die Blüten ankommt, wie bei der Linde, dem Holunder, der Kamille, da erntet man im ersten Stadium der Entwicklung. Wurzeln und Knollen gräbt man erst Im Herbst nach dem Ab- sterben der Blätter oder im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb. R. Saison-Ausverkauf Vom 1. Juli bis 10. 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Sie hält jedem Volk einen Spiegel vor, sie zeigt warnend den Weg des Verderbens und trostspendend den Pfad der mühsamen Wiederaufarbeit. In diesen Tagen tut es doppelt not, in die Vergangenheit zurück- zugreifen, unser Hoffen zu stärken und unser Selbstvertrauen zu stählen. Bismarck schuf das Deutsche Reich. Seine Jett, die Geschichte seiner Kämpfe, seiner Hoffnungen und seiner Enttäuschungen ist von begeisterten Künstlern in Wort und Bild festgehalten worden. Nur das modernste aller Aufklärungsmittel für die breiten Volksmassen, der Film war bisher an seiner Gestalt vorübergegangen. Als Beiprogramm: Mit dem Auto durch den Schwarzwald Herrliche Naturaufnahmen. Deulig-Woche, Bilder aus aller Welt Spielzeiten: Samstag 4.00, 6.15,8.30 Sonntag 3.00,5.15 (adds.Olto Gebühr) Montag 4.00, 6.15 (abds. Otto Gebühr) M Sn ellM Wer Lin Lebensbild in 6 Akten Hausrat Gemeinnützige Möbelversorgung für das fl.ö.£. Rhein-,Main- u. Lahngebiet G.m.b.H. 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