Hr. 253 Erster Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags. Beflogen: GiehenerFamilienblätter Heimat im Bild, »onats Sezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, «och bei Nichterscheinen pon einzelnen Nummern infolge höhrrer Gewalt, llernspr e ch-Anlchlüsse: Schriftleitung 112, Ber- 'ag undGeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» -tchten.Änjei-erSietze». postfchectkonLo: Frankfurt a. M. 11686. blatt ' • 17^. Jahrgang Montag, 27. VNover 1924 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ®n,tf «n» vnlag! Vnlhrsch« llniverfitSts-vuch- und Steindrucke«« R. Lange in «letzen. Schriftleitung und Seschästrftell«: SchuMatz« 7. Annahme von ? -ii für die1agesi.um«er vis zum Nachmitrag vorher ohncjedeBerbindlichkcit. Preis für 1 rom böhe für Anzeigen von 27 mm Brette örllich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v 70mm Brette 35 Goldpfennig, Playvorschrift 20° „ Auf« schlag. - Derantworilich für Politik u. Feuilleton Dr. Friedr. 2Vilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Tirpitz und England. Ans den Dokumenten des Großadmirals. Don Prof. Dr. Fritz Kern, Bonn. Um die vor fünf Jahren erschienenen Tirpitz - schen r®iimTcnmycn,< richtig zu würdigen, muh man sich vor QIxtqcn halten, dah bei ihrer Dieberschrist Deutschlands Kaisertum, Heer und Flotte noch bestanden, bei ihrer Veröffentlichung noch kein Friede geschlossen war. Verschiedene Rücksichten verhinderten also damals den Gr>h- admiral, sein Geheimarchiv vorzulegen. Erst nach dem Vertrag üoer das Dawesgutachten öffnet der greise Staatsnrann seine Schranke ohne jeden Rückhalt. Für den, der das Zeitalter Wilhelms II. kennen lernen will, wie es von innen war, enthüllt sich damit ein Dlld von packender Lebenswahrheit, von zugleich intimem Reiz und gröhten weltgeschichtlichen Perspektiven. Gleich der 2tn- fcmg der jetzt im Cottaschen Verlag erscheinenden .Politischen Dokumente" seht in Erstaunen. Wer hätte das gedacht, dah der alte See recke einmal mit all seiner Kraft eine deutsche Flottenvermeh- umg bekämpft hat, um den Trieben mit England zu erhalten? Diesen Kampf, der lange nur wenigen Eingeweihten bekannt war, kann der Leser jetzt in allen Phasen verfolgen; der Vorteil dieses Tirpihschen Buches ist, dah es durchweg die Geheinrakten ungekürzt bringt, so dah der Leser sich sein Urteil selber bilden kann. Das erste Tirpitzdrama nun, das zu ernstlicher Spannung mit Kaiser und Reich führte und ein 2Dfchiedsgesuch des Admirals zur Folge hatte, fällt in die Aera Bülow. Der Kanzler hatte die englischen Bündniscrnerbiettmgen um die Jahr- hundertweirde nicht ausgenommen und muhte 1904 erleben, dah sich England mit Frankreich verband. Die Bedeutung dieses Umschwungs war keinen Augenblick zweifelhaft. Lord Rosebery hat damals vor dem Abschluß der Entente Cordiale gewarnt mit der Weissagung, sie müsse über kurz ober lang zum Krieg führen. Seit Ende 1904 mehrten sich die Anzeichen, dah die britische Admiralität bcn Gedanken des Präventivkriegs erwog. Dis zum Jahre 1908 hin hat Admiral Fisher feiner Regierung den Rat gegeben, die deutsche Flotte ä la Delsvn zu kopenhagen, d. h. ohne Kriegserklärung zu vernichten. Dach den Tirpihschen Bcmplänen muhte die deutsche Flotte etwa von 1912 ab ein starker Faktor der europäischen Kräfte- bilanz sein; aber 1904 oder 1905 war sie noch ranz unfertig. Einen solchen englischen Präventtv- rrieg befürchtete die deutsche Reichsleitung, als der Zivillord der Admiralität, Mr. Lee, am 3. Fe- sruar 1905 seine berühmte Rede hielt. Die britische Flotte, so erklärte Lee, werde gegebenenfalls den rrsten Schlag zu führen wissen, noch ehe man auf !>er anderen Seite der Nordsee Zeit gehabt hätte, die Kriegserklärung in der Zeitung zu lesen. Diese Fanfare wirkte in Deutschland, wie ein Jahrzehnt früher die Krügerdepesche In England gewirkt hatte. Tirpitz der zufällig gerade den englischen Botschafter <5tr Frank Lascelles zu Tisch geladen hatte, erhielt kurz vor Eintreffen seines Gastes folgendes Handschreiben, das er jetzt veröffentlicht: Berlin, 4. Februar 1905. Lieber Maestro I Sie werden Di: verblüffende Rede des Zivillords of Admiralth mit der offenen Kriegsdrohung gegen uns Wohl eben in der Zeitung gelesen haben. Ich habe eben Lascelles hier gehabt imb habe ihm in einer nicht mihzuver- sleheiiden Weise klar gemacht, dah dieser rache- fchnaubende Korsar morgen von feiner Regierung offiziell rektifiziert werden müsse. Sonst würde in unserer Presse ein solcher Sturm losgehen, wie er nur durch das schleunige Einbringen eines kolossalen Reubautenprogrammes, welches uns durch ,.Public opinion" aufgenotigt worden wäre, abgewendet werden könne. Er ist total zerschmettert und verzweifelt und hat sofort telegraphiert. Er will mit Ihnen noch über die Sache sprechen. Machen Sie das niederträchtigste Gesicht, dessen Sie fähig sind, toemi er kommt, und lassen Sie ihn ordentlich .^peln und Angst kriegen. Ihr Wilhelm J.R. Die Antwort lautete: An das Kaisers Majestät! ©irrer Majestät gnädiges Schreiben soeben erhalten Ich werde dem bei mir zu Tisch befindlichen Lord L cs.elles gegenüber mich den An- Weisungen Eu ier Majestät entsprechend verhalten. von Tirpitz. Staatssekretär. Trotz Der Erregung des Kaisers und der öffentlichen Meinung war indes Tiip h n.chk Der Meinung, ein „kolossales Deubautenprvgranun vor bcn Reichstag za bringen. Sein wichtigster Grund war die Befürchtung, dah daraus eine unmittelbare Krvgsgc.sahr entstünde. Dis zum bruar 1906 dauerte r.un der zähe Kampf, den Tirpitz geg.si e'mfluhreiche Wünsche zu fuhren hatte Der Flottenv-wein griff ihn an. Bülow. Der die Wahrscheinlichkeit eines Kn-eges für nicht w groh hielt tour Darauf bedacht, die Gunst des Kaisers und bei ösfMttichen 2Neinung nicht zu vertieren Bülows Verhalten in diesem langwierigen anb zähen Kampf, des en drarnattfchen Ve.-l.ius b:c Tirpitzsch-m Dokumente wi derg.ben, erinnert an die Eharatterttttk: „®i:i geölter Aal ist em Igel nrix-n Bülow." Sch.iehiich si gte der Admi al. bet nicht zögerte, seinen Ab chi« zu erbitten Der Kaiser konnte sein organisatorisches Solen - nicht enibehien und mur.te >ich fugLi. Der Kaiser war ungehalten, dah Tirpitz mit dem Ricktitti so rösch bei dex Hand war. In seiner drastischen .Art äußerte er, „er schmisse den anberen JKsriUent noch viel tollere Sachen an den Kopf, nxis solle daraus werden, wenn jeder darauf seinen Abschied einreichen wolle?" Man Die Politik der Deutschen Dolkspartei. Eine Rede Stresemanus in Mühlhausen. Mühlhausen (Thür), 27. Oft (TU.) Im Rachmen deS Landesparteitages Thüringen der Deutschen Dolkspartei sprach gestern mittag in einer von Tausenden von Zuhörern besuchten Versammlung der Reichsaubenminister Dr. Strelemann über die politische Lage. Die Deutsche Dollspartei stehe auf dem Boden nationaler Realpolitik. Illusionisten feien diejenigen, die in einer Zeit, in der wir ferne Macht hoben, von Machtpolitik reden und sich dabei auf Bismarck berufen, während doch Bismarck der größte Realpolitiker aller Zeiten war. Der Gedanke nationaler Realpolitik halte sich aber auch frei von JllusionspvliUfern, die da sagen, Deutlch- land brauche nur das, was die andern von ihm fordern, zu erfüllen und dann die Besserung der Stimmung tm Ausland abzuwcrrien. Dr. Stresemann ging auf die Londoner Verhandlungen ein und zeigte, welche Erfolge die deutsche Delegation in die en schwierigen Verhandlungen erreichte. Das sei daß Bedeutsame der Londoner Vereinbarungen, dah die Abmachungen internationales Recht sind, an denen neben den europäischen Mächten auch die Vereinigten Staaten beteiligt sind. Was in London erreicht wurde, sei ein weltwirtschaftlicher Akkord. Dr. Stresemann wies darum den Vorwurf zurück, die Deutsche Vollspartei habe eine Schwenkung in ihrer Haltung vollzogen und betonte dah dos Ziel, die deutsche Dolksge» meinschaft, stets das Endziel der Deutschen Dolkspartei fein und bleiben werde. Wir gehören nicht zu denen, die erklären, dah sie prinzipiell niemals mit den Svz valdemo träten zusammengehen würden. Wir werden eine solche Erklärung schon deshalb für ganz verfehlt hallen, weil kein Mensch in der Lage sei, in die Zukunft zu sehen. Es kommt daraus an, ob die Sozialdemokraten die StaatSnotweudigteiten der Gegenwart anerkennen, Tun sie es, dann ist es recht, auch ihre Hand zu ergreifen wie die jeder anderen Partei, die sich auf den Boden der Staatsnvtwendigkeiren stellt. Der durch die Furcht vor der kommunistischen Agitation erfolgte Austritt der Sozialdemokratie aus der groben Koalition habe jÄ>>ch gezeigt, dah die Sozialdemokratie zur staatspolitischen Mitarbeit noch nicht reif sei. Sie dürfe sich daher nicht beschweren, wenn die Entwicklung eine andere Richtung genommen habe. Der Minister wies dann die demokratischen Angriffe gegen die Deutsche Dolkspartei scharf zurück. Er toieS auf den Widerspruch hin, dah die Demokraten heute erklären, eine Zusarnmenarbeit mit den Deutschnationalen verstohe gegen ihre Der Wahlkampf Grundsätze, während sie noch im Mai mit über den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung verhandelten. Rach seiner Ansicht müsse der Kern der Regierung von den Mittel- Parteien gebildet werden, an den sich die zur Mitarbeit bereiten übrigen Kräfte anfügen mühten. Der Führer der Demokratischen Partei mache gar kein Hehl daraus, dah er die Partei nach links steuern will, um angeblich die Republik zu schüt- zen, obwohl niemand an einen Vorstoß gegen die jetzige Staatsform denke. Dieses demokratische Geschrei, das erhoben werde, um von der Schwäche der eigenen Partei abzulenken, gleiche dem Ruf: Republikaner, vereinigt euch, denn die Deutschnationalen sind im Begriff, sich auf den Boden der Republik zu stellen I Dr. Stresemann ging dann weiter auf die demokratisch-sozialistische Behauptung ein, die Bildung eines Linksblocks sei aus außenpolitischen Gründen notwendig und sagte, das Ausland wird uns niemals achten, wenn wir uns nicht selber achten. Die Einbeziehung der Deutschnationalen in die Regierung ist eine ftaatd- politische Rotwendigkeit. Rachdem Dr. Stresemann auf die Auswirkung eines Regierungseintritts der Deutschnationalen auf einen großen Teil der vaterländischen Derbände hinge- toiefen und betont hatte, daß man durch Ablehnung der Deutschnationalen nur d i e extremen Kräfte stärke und die vernünftigen schwäche, führte er in feinem Schlußwort aus, daß es gelte, alle aufbaubereiten Kräfte Deutschlands zu sammeln. Das nächste Ziel müsse die Bildung einer in sich gefestigten und dauerhaften Regierung fein, deren Arbeit die Grundlage für den Wiederaufstieg bilde und die Rückkehr zur deutschen Freiheit. Die bayerischen Demokraten. Vertrauensvotum für Dr. Geßler und die Parteileitung. München, 27.Oft. (TU.) Gestern tagte in München der Landesausfchuh der Deutsch- demokrattschen Partei. Reichswebrrninister Dr. Gehler entwickelte seine Oluffaffung über die Regierungskrise. Er bertrat die Anschauung, daß man bie Deut sch nationalen zur Veran twvrtung an der Regierung zwingen müsse. Die Politik der Mitte müsse weiter geführt werden. Der Dorsihende der Reichspartei. Reichsminister a D. Koch, e Härte, dah die Partei mit Stolz auf ihre bisherige Haltung zurückblicken könne. Die Ergebnisse der Verhandlungen wurden in den folgenden Ent- schliehungen feftgeftelU: 1. Der Landcsausschuh bet Deutsch-beiw kritischen Partei billigt unter dem Ausdruck bes Dankes und des Vertrauens die von be: R ichs- tagsfrakrion mit Zähigkeit vertretene Politik. Die'e Politik allein hat zum Witt ch.fttichen und politischen Wicä>eraufbau Deutschlands geführt Der Landesausfchuh dankt ber Reichstags- Fratton dafür, dah sie nicht ihre Hand zur da bolle* rung dieser Politik durch die Deutsch nationalen gegeben hat 2. Der Landesausschaß hat den Ausführungen des Reichswehrministers Dr Gehler mit Genugtuung entnommen, dah keinerlei grundsätzliche Meinungsverschiedenheit ötot- schenihmundderdemokratischei'. Par- tei bestehen. Er dankt ihm, sowie Minister Hamm und dem Abgeordneten 6 harter, daß sie trotz abweichender Meinung in der Frage der Taktik der Partei in entscheidender Stunde bie Treue gehalten haben und erwidert Treue mit Treue. Die demokratische Partei in Hessen. In ber am 23. Oktober stattgesundenen Do^ standsfihung ber Deutschen Leinokra ische.i Pu toi in (Sieben wurde nach längerer, redlicher Aussprache folgende En t s ch l ie hu n g gefaßt und der Parteileitung übermittelt: „Der Vorstand de.> Vereins ber D. d P. Gi he:i billigt einmü tig die Haltung der Reictz^agsfr.: t on währ.nd ber Regierungskri e und dankt ih für daZ unerschütterliche Fest halten an den Grund ätzen demokratischer Politik." Der Auftakt zum Ieutrumsparteitag. Der Kamps der beiden Flügel. Berlin, 27. Oft. (Sil.) Als Auftakt zu dem heute vormittag 9 ilhv beginnenden Reichs- Parteitag des Zentrums fanden den gannzen Sonntag über Vorstandsberatungen statt In ber Diskussion nahm besonders Dr. Wirth das Wort zu einer großen Rede, in ber er die Haltung des linken Flügels der Zen- trumsfraktivn im Reichstag verteidigte. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns vertrat ebenso ausführlich den Standpunkt ber Zentrumsmehrheit. dah die Deutschnativ n a l e n, nachdem sie die Richtlinien bes Kanzlers angenommen und sich für die Durchführung des Londoner Pattes erklärt hatten in bie Regierung hä tten aufgenom' men werden müssen. Die Wahlen in Hamburg. Hamburg, 27. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Hier fanden gestern die Wahlen zur Bürgerschaft statt. Rach dem vorläufigen Wahlergebnis in Stadt und Landbezirk werden die wichtigsten Patteien folgende Sitze erhalten: Sozialdemokraten 53 (bisher 69), Deutschnationale 28 (18), Kommunisten 24 (17), Deutsche Volkspattei 23 (31), Demokraten 21 (23), Nationalsozialisten 4 (0), Zentrum 2 (2), Bürgerbund 2, Gewerbetreibende 2 (0), Wohnungsuchende 1 (0). kann es rückschauend nur bedauern, daß andere mehr an ihrer Stellung klebten. Als ber Ka ser erkannte, dah sich ber Abmiral enbgüttig tee gerte, einen beschleunigten Flotten- bau mitzumachen, gab es eine lebhafte Szene im Schloß. „Also bie Schiffe bekomme ich nicht? Das Weitere wirb sich finden", stöht ber Kaiser hervor, unb bann in erregtem Ton, zu Tirpitz gewendet: „Wenn wir nachher keine Schiffe haben? . . ." Dem Kaiser schwebt ein aufgezwungener Krieg, eine verlorene Seeschlacht vor. Tir- pih toirb bann schulb sein, bah Deutschlanb zu wenig Schisse hatte. Der Kanzler schweigt zu dieser Szene unb bemerkt beim Verlassen bes Schlosses achselzuckenb zu Tirpitz: „Mehr konnte ich ja für Sie nicht tun." Seltsam berührt es, auch ben späteren Ka- binettschef ber Marine, Admiral v. Müller, unter ben Anhängern ber beschleunigten Rüstung zu sehen. Er hat 1914/15 bie wesentlichste Mit- schulb daran getragen, daß ber Kaiser bie Flotte nicht zur Schlacht einsetzte, obwohl bie beutsche Flotte damals von Tirpitz für die Seeschlacht für reif gehalten wurde. Die Front, die gleichfalls auf die Seeschlacht unter Tirpitz' Führung brannte, hat Herrn von Müller im Kriege wegen seines unheilvollen Einflusses auf den Monarchen den Ramen ,,-Unfer Rasputin" gegeben. Im Jahre 1905 aber hatte Müller furchtlos dem Weltkrieg ins Auge sehen wollen, ber „unsere Heere nach Indien führt und nach Aegypten", wie er schrieb. Der nüchterne Tirpitz konnte sich in solche Phantastereien nicht verlieren. Er bremste 1905 mit Erfolg die un= Bugen Flottenpläne und er drängte 1914, diesmal ohne Erfolg, dah die vorhandene Flotte zur Rettung eingesetzt würde. In beiden Fällen scheute er die kaiserliche Ungnade nicht. Der Verlauf der Krisis von 1905'06 ist bei der Diskretion aller Beteiligten der Oeffentlich- feit unbekannt geblieben. Soviel aber wurde dem Reistag damals Elar, dah Tirpitz nur das unbedingt -Notwendige fordern werde unb Reibungen mit England möglichst vermeiden wolle. Damit erklärt sich zum Seil die Leichtigkeit, mit ber Tirpitz später beim Reichstag alles durch- geseht hat, was er verlangte. Togo. Gens, 25. Oft. (WB) Die Mandatskommission des Völlerbunbes hat ben Bericht üxr bas Logomandat geprüft. Der Vertreter ber englischen Regierung, Rewlands, teilte mit, dah feit dem 1. April 1924 an Stelle aller beutschen Gesetze für bas Togogebiet bie Gesehgebu ng ber benachbarten Gvlbküste getreen sei. Er machte ferner Angaben über die Bedingungen, unter denen bie Eingeborenen für Straßen bauten verwendet werden unb teilte mit, dah bie englisch-französischen Verhandlungen über bie Vereinheitlichung ber Zölle für bas Importieren von Altohol an ben Schwierigketten scheiterten, die sich aus ber Entwertung des französischen Franken unb bes Unter» schiedes zwischen ben beiden Zollsystemen ergaben. Die Koloniakmandate. Zur Tagung der Mandatskommission. In Genf hat die Mandatskommission des Völkerbundes mit der Prüfung der Mandate über die Kolonien begonnen, die dem Deutschen Reich durch den Versailler Vertrag entrissen wurden. Dieser Kolonialraub ist ein besonders schmerzliches Kapitel für Deutschland, da deutscher Fleiß und deutsche Tüchtigkeit diese Kolonien im Laufe der Friedensjahre in ertragreiche Landstriche verwan- dell hate. Deutschland hat entgegen allen Anfeindungen von feiten Englands und anderer Mächte den Beweis geliefert, daß es unter all den Kolo- nialmchten durch seine Fähigkeiten, zu kolonisieren, an führender Stelle steht. Der Kolonialmächten durch seine Fähigkeiten, zu tobnifie* lüft, weil das viele dort investierte deutsche Kapital verbren ist, sondern vor allen Dingen auch ein ideeller Verlust, tveil er dem deutschen Organisationstalent die Betätigung zum Nutzen fremder Erdteile abfchneidet. Mit einer gewissen Befriedigung kann man aus den Mitteilungen, die der Vorsitzende des Mandatsausschusfes gestern den Vertretern der Presse über die Pläne und Arbeiten des Ausschusses mach e, entnehmen, daß aus den ehemals deutschen Kolonien zahlreiche Klagen von den Eingeborenen und von zahlreichen anderen interessierten Personen und Völkerschaften in Genf eingegangen sind, die über die An der Verwaltung Beschwerde führen. Es ist ja längst bekannt, daß, feit die Kolonien den Deutschen geraubt sind, dort eine erbärmliche Mißwirtschaft herrscht und allgemein die Rückkehr der deutschen Verwaltung ersehnt wird. Der Mandatsausschuß macht sich allerdings die älntersuchung aller dieser Beschwerden sehr leicht. Er erklärt ganz einfach, baß biefd Beschwerden nicht an Ort und Stelle nachgeprüft werden könnten. Die Tätigkeit des Ausschusses müsse sich darauf beschränken, bie ©laubtoürbigfeit ber Beschwerdeführer nachzuprüfen. Was dabei herauskommt, kann man sich denken, da alle Mcmdatarmächte auch in diesem Ausschuß vertreten sind. Don einer überparteilichen Beurteilung kann also keine Rede sein. 3m Gegenteil.. Alles, was für bie Rückgabe der Kolonien an Deutschland sprechen sollte, wird man in den Bereich ber plnglaubwürbigkeit verweisen. Auf alle Fälle wirb ber Mandatsausschuh durch seine Tätigkeit unb Beschlüsse den Beweis dafür zu erbringen haben, dah er jede, auch die verschleierte Form der Annexion ber Kolonien durch bie Manbatarmächte verhindert und ihre Souveränität beschränkt. Er wird auch zu beweisen haben, bah er eine strenge Aufsicht über bie Manbctte führt, wie ber Dorsihende in seiner Rebe hervorgehoben hat. Verlängertes Einreiseverbot für Ost-Afrika. London, 26. Oft. (Sil.) Durch Order vom 5. September ist die Exenemies Restructton Or- boimance 25, nach der kein Angehöriger der ehemaligen Feind st aalen in das Tanganika - Territorium einreif en und dort verweilen darf, um weitere drei Monate, d. h. bis zum 4. Dezember 1924 verlängert worben. — Wie die „Kreuz-Zeitung" erfährt, hat das Auswärtige Amt an die Kolonial-Abteilung des englischen Auswärtigen Amtes eine Anfrage über die Gründe dieser Verlängerung des Einreiseverbotes gerichtet. Die revolutionäre Bewegung in Indien. London, 26. Ott. lWTD) Rach Melbun- gen aus Kalkutta sind auf Befehl des Dizekönigs, Lord Reading, Freitag Mitternacht dreißig bert>orragenbe Persönlichketten verhaftet worden. In Kalkutta selbst wurden bimbcrt Häuser durchsucht unb Korrespondenzen b e • schlagnahmt; in der ganzen Provinz beerben Mtchforschungen durchzeführi unb ix- :»cre Verhaftungen erwartet. Diese Maßilahnu.''. :eien infolge der Aufdeckung eines organi- siertenKomplotts notwendig geworden, um revolutionäre Verbrechen in Bengalien zu unterdrücken. Die gefährliche anarchistische Bewegung sei schon tief eingewurzelt. Ein ruffisch-japanisches Abkommen über China? Reuvork, 26. Oft. ($11.) Der Berichterstatter der „Chicago Tribüne" erfährt aus authentischer Quelle, daß Ruhland und Japan einen Vertrag zur Wahrung ihrer gegenseitigen Interessen abgeschlossen haben. Sn Moskau rechne man damit, daß dieser Vertrag noch in der laufenden Woche unterzeichnet wird. Der Pakt sei hauptsächlich gegen die Politif der offenen Tür gerichtet, und Tschitscherin hofft, dah Amerika durch ihn gezwungen wird, in direkte Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu treten. Die „Chicago Tribüne" gibt ferner eine Depesche auS Konstantinopel w eder, wonach der Dolkstcmm.ssar,für das Kriegswesen Trotz kl gestern das Kaukasusgebiet ve.lieh. um an der chinesischen Grenze den Oberbefehl über die dort zusammengezogenen Sowjettruppen zu übernehmen. De Moskauer Snt.rnat'onale kündig? eine intensive Propaganda, ve b .nden m t der militärischen Dwhang der S^wftts an, um China zu bol- s ch e w i s i e r e n. 50 000 Mann der Kaukasas- armee würden unter dem Befehl Trotzkis eiligst an die chinesische Grenze beordert. Die französische Armeeresorm. Nollets Pläne zur Schaffung der bewaffneten Nation. Paris, 26. Oft. (TU.) Sm »Matin" veröffentlicht Jules Sauerwein ein Snterdiew mit dem Kriegsmini st er Rollet, in dem sich dieser über seine Pläne zur Reugestaltung der französischen Armee äußerte. Rollet erklärte u. a. folgendes: Sch sehe, dah man in der Presse vor allen Dingen meine Erklärungen über die Einschränkung der militärischen Diensb- p f l i ch t wiedergibt. Sch habe sie aus r ei n militärisch-technischen Gründen vvr- geschlagen. Man muh dem Lande ein festes militärisches Statut geben. Das System der Verteidigung darf nichf durch die äuhere Lage oder durch die Bewegung nuferer Bevölkerung umgeworfen werden. De nationale V?r.eidigu g eines Landes stützt slch auf zwei Kräfte: Die erste ist 'die Vorbereitung auf einem Verteidigungskrieg. Dazu g hört die Schaffung der bewaffneten Ration. Sch denke h e.bi hauptsächlich drran, von jetzt ab ein engcs 3- Lmun narbetten zwischen Miss nfchaft und Militär zu schaßen, und zwar derart, dah jede Erfindung zur Stärkung unser er Sicherheit angewandt teirb. @b:n|o müssen die Sndustrie und die Danken bereits im Frieden zu der Rolle hiitzugozogen werden, die sie in einem Kriege spielen. Diese Organisation durchzuführen, bedarf es der Snstruk- 1 i o n s a r m e e. Diese muh ebenfalls zu ihrer zweitwichligsten Aufgabe bereit sein, nämlich zur m i litä rischen Ausbildung der Bevölkerung und zum Schirm, hinter dem der Rest der Ration sich mobilisiert. Diese Armee muh auch den Bedürfnissen unserer Kolonien entsprechen. Frankreich und der Vatikan. • Herr Herriot ist rn den ersten Zeiten j einer Ministerpräsidentschaft mit den Repavationss>rgen si> überlastet gewesen, dah er nicht dazu kam, die Mehr parteipolitisch ihm obliegenden Aufgaben zu mfüllen. Er hat zwar, als er sein Amt antrat, bereits erklärt, dah er die alte radikale kirchenfeindliche Politik fortsetzen würde! damals eine überflüssige Festlegung, die nur dazu beitrug, ihn zu belasten und ferne Stellung unnötig zu erschweren. Setzt, nachdem er das Londoner Abkommen unter Dach und Fach gebracht hat, kehrt er dazu wieder zurück. Er hat im französischen Kammerausschuß durchgeseht, dah die 'Botschaft beim Vatikan mit zwanzig gegen zwölf Stimmen gestrichen wurde and wird auch im Plenum nut feiner Mehrheit diese Forderung durchsetzen. Der Vatikan hat bereits erklärt, dah er die Abberufung des französischen Botschafters als eine Kriegserklärung auf- fassen würde, Frankreich geht also neuen Kulturkämpfen entgegen, und das ist innerpvli- tisch für Herrn Herriot nicht ganz ohne Bedeutung, gerade wegen der Rückwirkungen auf Els ah-Lot bringen, das, in deutschen Traditionen aufgewachsen, ganz andere Auffassungen als das freimaurerische Frankreich hat. Aushebung des Ausnahmezustandes. Berlin. 25. Ott. (TA.) Der Reichs- Präsident hat den noch bestehenden Ausnahmezustand aufgehoben. Die für die Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen bisher zulässige Beschränkung der Persönlichen Freiheit und der Pressefreiheit ist damit beseitigt. Auch das Verbot von Berfa mmlungen unter freiem Himmel, sowie von Umzügen ist dadurch aufgehoben. Rachdem bereits im Frühjahr ein Teil der Best immungen des Ausnahmezustandes aufgehv- ben wurden, ist jetzt endgültig die Dersammlungs- und Pressefreiheit wieder hergestellt worden. Ur- spvmrglich, und zwar im Oktober vorigen Sahres, sah sich die Reichsregierung zur Verhängung des Ausnahmezustandes gezwungen, da sowohl staatsfeindliche Elemente der äuhersten Rechten als auch der äuhersten Linken am Werke waren. Der militärische Ausnahmezustand konnte aber bald in einen zivilen, den man in die Hand des Reichsinnenministers legte, umgetoanMt werden. Aber auch dieser erwies sich bald als überflüssig und höchst unzweckmäßig, so dah man seine Aufhebung die zwar reichlich spät kommt, doch nur begrühen kann. Hergis Rücktritt. Die Deutschnationalen haben die Parteikrise, bee ja doch schon seit der Abstimmung über das Londoner Abkommen auf ihnen lastete, zu Beginn des Wahlkampfes in einer nachahmenswerten Form gelost, obwohl die Gegenlätze bei ihnen sicherlich nicht so groß sind, wie bei den Demokraten, und doch jetzt bei den Demokraten bw Partei darüber cnlseinanderbricht. Allerdings war die Ärife, genau genommen, ja nur «ne Par- Der britisch-russische Konflikt. London, 26. Oft. (WTB.) Die Sowjetvertretung hat die bereits mitgeteilte britische Protestnote nach Moskau gefabelt und erwartet unverzüglich Antwort. Wie der „Star" berichtet,- hat Macdonald die Rote an Moskau am letzten Dienstag entworfen: hat aber feine Rote an Rakowski nicht abgefanöt, ohne einen vollständigen Beweis für d i e Echtheit des wichtigen Dokuments zu haben, das über Riga nach London gekommen ist und im Hauptpostamt von dem Geheimdienst abgeschrieben und photographiert, hierauf wieder versiegelt und an den Zentralausschuh der britischen kommunistischen Partei weiterbefördert wurde. Weber Macdonald noch feine Minister würden weiter für den Vertrag mit Ruhland oder für eine Anleihe eintreten, bevor nicht volle Genugtuung für den gegen England verübten Täuschungsversuch geleistet werde. * Die Veröffentlichung des Briefes Sinowjews hat in England unheures Aufsehen erregt und, wie nicht anders zu erwarten war, am Vorabend der Wahlen Liberale und Konservative zu einem heftigen Sturm lauf auf d i e Regierung Macdonalds vereinigt, die sie für die gesamte Aussenpolitik verantwortlich machen und mit den schwersten Vorwürfen überhäufen. Es muh auffallen, dah die Regierung Macdonalds gerade im gegenwärtigen Augenblick mit diesem Brief hervorgetreten ist, zumal sie sich doch selbst sagen muhte, dah er von allen bürgerlichen Parteien zum Gegenstand einer lebhaften Wahlprvpaganda gemacht werden wird. Anscheinend war aber das Vorhandensein dieses Briefes bereits auherhalb' des Foreign Office bekannt geworden, so dah Macdonald es vorzog, Entstellungen von vornherein den Boden zu entziehen. Wichtiger rft aber wohl die Te wi'ung, dah !dve britische Regerung sich ta.übec klar g w. rden ist, dah die Zeit für ein englisch-russisches Abkommen doch noch nicht angebrochen ist und dah durch bic e Veröffentlichung das Rückzugsmanöver ter englischen Regierung eingeleitet wird. Don einer Fälschung dieses Schriftstück, s, wie die Russen es behaupten, fcnrn jedenfalls keine Rede fein, da alle die Staaten, die bisher mit Ruhland in Fühlung traten, die aller chlechtesten Erf hm gen machen muhten. Ga z besonders D e u t f ch l o« n d kann hiervon ein Lied singen. ‘215er auch auf Fran kreich wird die Veröffentlichu g des Briefes Sin wjttos nicht ohne Einw.rlu g blei en, da Frankreich unmittelbavor der A e fen u g der Sowjet-Regierung steht und ebnen Botschafter in allernächster Zeit nach Moskau entsenden will. Gerade in Frankreich ist heute die Angst vor dem Bolschewismus noch am ausgeprägtsten, io dah Herr Herriot wegen des Senow er- Driofes noch mancherlei Anfeindungen ausgesetzt sein wird. Die Veröffentlichungen haben in den englischen Wahlkampf wie eine Bombe eingeschlagen. Die Arbeiterpartei hat eine ausführliche Erklärung zu dem Fall Sinowjew heraus- gegeben, deren wichtigste Punkte sind: 1. Es wird b e ft r i 11 e n , dah das Kabinett denBriesveröffentlicht hat, 2. dah ein Deamter des Postamts den Brief abgefangen, photographiert und weitergesandt habe, 3. daß Snftruftionen an die Kandidaten der Arbeiterpartei über den Wahlkampf herausgegeben worden seien, wonach sie sich einer Erörterung der Russenfrage und des Russenvertrages zu e n t h a l t e n hätten. Der Premierminister wird, wie es heißt, erst Montag nachmittag Gelegenheit nehmen, sich zu der Sachlage zu äußern. Amtliche Mitteilungen sind nicht erfolgt außer einigen auf amtliche Stellen zurückgehende Meldungen der Zeichnungen, wonach an der Echtheit des Driefesnichtzuzweifeln ist. Die russische Antwort. Das kommunistische Manifest als plumpe Fälschung hingeftellt. London, 26. Oft. (Reuter.) Der russische Botschafter Rakowski sagt in feiner Antwortnote: Die Rote des Foreign Office enthalte unbegründete Anklagen gegen die Svwjet- regierung. Er bezeichnet das der Rote bei gelegte kommunistische Manifest in sehr bestimmten Ausdrücken als plumpe Fälschung und einen dreisten Versuch, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verhindern. Rakowski bemüht sich, nachzuweifen, dah aus dem Sn halt, dem Kopf und der älnterfchrift des Schriftstückes genau hervorgehe, daß es die Arbeit von ßeuten darstelle. die mit den Satzungen der kommunistischen Snternationale nrcht vertraut seien. Der Snhcrlt sei ein GewebevvnSrnn- widrigkeiten, lediglich dazu bestimmt, dre britische öffentliche Meinung gegen die Sowjets aufzubringen. Ferner spricht Rakowski dre Hoffnung aus, dah die britische Regierung Schritte unternehmen werde, um festzustellen, von wem das Schriftstück herrühre. sonalkrise. Aber in der Persönlichkeit Hergts stritten sich eben doch die beiden Richtungen innerhalb der Deutschnationalen Partei. Er selbst hat das eingefehen und sich in vollem Bewußtsein zum Opfer gebracht, um der Partei eine möglichst einheitliche Marschlinie für die Wahlenzu ermöglichen. Wahrscheinlich hätte er bleiben können, beim niemand würde daran gedacht haben, ihm ein Bein zu stellen bis die Wahlen vorüber waren. Er wollte aber nur bleiben, wenn er von allen Parteiinstanzen darum gebeten wurde, und 'das ist nicht geschehen. Deshalb zog er sich zurück. Politisch bel^utungsdoll ist noch die Wahl seines Rachfolgers. Man hat versucht, daraus eine Rechtsschwenkung zu konstruieren, ganz mit Anrecht: daß man Herrn Winkler nahm, war vielleicht nur ein Kompliment für die preußische LandtaHsfrattion, war aber wohl auch bedingt dadurch, daß er keine Kampfnatur ist, sondern ein Mann des ruhigen Vorwärtsgehens, der deshalb in seiner ganzen Art die beste Gewähr für eine vorsichtige Haltung der Partei bot. Er ist auch sicherlich nur als Platzhalter gedacht. Der eigentliche Rachfolger Hergts wird erst gewählt, wenn nach den Wahlen die Stellung der Deutsch- nationalen zur künftigen Regierung festgelegt ist. Das Urteil im Consul-Prozeß. Die Anträge des Reichsanwalts weit überschritten. L e i p z i g, 25. Okt. (WTB.) 3m Prozeß gegen die Organisation Consul verkündete der Se- natspräsident Riedner folgendes Urteil: Gegen Hoffmann, von Killinger, Mül- l e r und Kautter8 Monate Gefängnis, Henrich, Schüder, Siebei, Droeren und Mahn 4 Monate Gefängnis, Henkel und Krebs 6 Monate Gefängnis, Weg elin Freispruch wegen Geheimbündelei, wegen Waffenbesitzes 5 Monate Gefängnis, von Abendroth 5 Monate Gefängnis, Freiherr von Zedlitz- Deukirch, Koppe, Stobwasser, Werber und Wehrmann 3 Monate Gefängnis, Eh- renthraut und Viebig 5 Monate Gefängnis. Die Angeklagten Klimhsch, Seffner, Fritsch und Anders werden freigesprochen. Sn der Begründung des Urteils ging der Vorsitzende auf die Entstehung der O. C. ein und führte aus, daß den eh.mraligen Angehörigen der Marinebrigade im Frühjahr 1921 ein stärkerer Zusammenschluß wünschenswert war: auhenpoli- ttsch sei dafür der dritte Polnische Aufstand und innerpolitisch der mitteldeutsche Auf st and maßgebend gewesen. Damals schon habe man begonnen, einen Verband zu bilden, der im wesentlichen denselben Voraussetzungen entsprach, die dann zur Gründung der O. C. führten. Die Organisation habe damals schon eine Zeitschrift, Wicking, beraubgegeben, deren Snhalt zweifellos erkennen lasse, daß ein Kampf gegen die Regierung, wenn auch nur in Wort und Schrift, energisch geführt werden sollte. 3m Suni 1921 wurde dann die eigentliche Organisation Consul gegründet. Es seien damals die Satzungen besprochen und schriftlichniedergelegt worden. Der Gerichtshof habe sich auf den Standpunkt der Verteidigung gestellt, daß die Satzungen damals nur ein Entwurf gewesen seien. Sn bett Satzungen sei aber nur das schriftlich niedergelegt worden, was tatsächlich die Bestrebungen der O. C. waren: sie seien also gewissermaßen ein Riederschlag dieser Bestrebungen gewesen. Die Satzungen enthielten mehrere Bestimmungen innerpolitischer Ratur. Die Organisation wurde als eine Geheimorgani- fation bezeichnet, die eine Macht werden solle, um im gegebenen Moment zur Stelle zu fein; ein wb)teres Ziel fei der Kampf gegen die antinatio- nale Weimarer Verfassung. Die Angeklagten seien sämtlich als Teilnehmer an einer geheimen Verbindung im Sinne des § 128 anzusehen: nur soweit ihnen das subjektive Bewußtsein gefehlt habe, an einer geheimen Verbindung teilzunehmen, muhten sie freigesprvchen werden. Sm übrigen sei bezüglich des Strafmaßes zu erwägen gewesen, daß die Verhandlung nicht ergeben habe, ob die O C. etwa hochverräterische Pläne verfolgt habe oder eine sogen. Mörderzentrale ggvesen sei Die Erzbeiger- mouber seien aber tatsächlich Mitglieder der O. C. gewesen, ebenso einer der Rathenaumörder und auch die Fäden des Scheidemann-Attentats hätten dorthin geführt. Weiterhin sei zu berücksichtigen getoefen, daß O. C. eine sehr staatsgefährliche Verbindung gewesen sei. Die Angeklagten seien sich dieser Tatsache auch voll bewußt gewesen. Wenn sich einige Angeklagte auf den Standpunkt gestellt hätten der Satzung keine Bedeutung bei» zumessen, so hätten sie etwas sehr Verwerfliches getan: vor allen Dingen hätten sie alle jungen Leute, die sich der Verbindung anschlossen, in den Strudel der Verfehlungen mit hineingezogen. Wenn auch der Vorwurf einer Mörderzentrale sachlich durchaus unberechtigt sei, so sei doch durch die Verhetzung, wie sie seitens der O. C. gegen die Regierung getrieben wurde, eine Atmosphäre mit geschaffen worden, in der sich solche Existenzen wie die Erzberger- mörder und die Scheidemann-Attentäter entwickeln konnten. Zugunsten der Angeklagten mußte gewürdigt werden, dah sie in hervorragender Weise im Dienste des Vaterlandes tätig gewesen seien und auch zum'Schuhe der gegenwärtigen Regierung ihre Haut zu Markte getragen hätten. Smmerhin konnte der Gerichtshof diesen Milderungsgiünden nicht überwiegend Bedeutung beilegen, wie dies die Reichsanwaltschaft getan habe, beim der Staatsgeiich shof zum Schutze der Republik habe die Verpflichtung, die Autorität der Verfassung und der Regierung zu wahren: er würde diese Pflicht nicht erfüllen, wenn er.^u derartig milden Strafen kommen wollte, wie sie der ReichSamvalt Vvrgeschlagen habe. Der Erzbergermörder Schulz geht in die Türkei. Budapest, 26. Okt. (WTB.) Die Ausweisung des gegenwärttg in polizeilicher Verwahrung befindlichen Erzbergermör- ders Schulz soll bereits beschlossen sein. Er wird wahrscheinlich schon am Montag an die Grenze gebracht,- von wo er die Reise nach der Tütckei fortsetzen kann. Schulz hat, wie er behauptet, Aussicht, als Offizier in den Dienst der türkischen Armee treten zu können. Aus aller Welt. Schadenfeuer in Hagen. Hagen, 27. Okt. (TU.) Gestern abend brach in den Bergmann-Elektrizi- tatswerken ein Schadenfeuer aus. Das große Lager, die Bureauräume und em Privathaus wurden ein Raub der Flammen. Sn dem Lager befanden sich elektrische Bedarfs- arttkel, schwere Motoren u. dgl. Als Brandursache wird Kurzschluß angenommen. Schweres Explosionsunglück. Berlin, 26. Okt. (WTB.) Laut Berl. Lokalanz. ereignete sich in Stvnih, einem pom- merschen Gutsbezirk, ein furchtbares Explo- sionsungluck. Einige Sun gen spielten mit einem leeren Benzinfaß und zündeten dabei ein Streichholz an. Plötzlich gab es eine Explosion. Ein Sunge wurde getötet, ein zweiter wurde schwer verletzt und ein dritter durch den Luftdruck über den Zaun geschleudert, der vierte verlor einen Fuß. Aus Stadt und Land. Gießen, den 27. Oft 1924. Ein neues Ortsklaffenverzeichnis für die Beamten. WTB. Sm Reichsfinanzministerium wurde im Benehmen mit den Ländern ein neues Ortsklassenverzeichnis für di e Beamten aus der Grundlage der Wohnung s- miete ausgestellt, das dieser Tage im Reichs- besoldungsblatt veröffentlicht wird. Das bisherige, aus dem Sahr 1922 stammende Verzeichnis war auf den Teuerungsverhältnissen aufgebaut. Es hat sich nicht bewährt, weil praktisch die Unterschiede der Teuerung von Ort zu Ort nicht zu erfassen sind und das Verzeichnis mangels einer festen Grundlage nirgends Befriedigung und Beruhigung auslöste. Don allen Seiten'wurde da- nrals die Rückkehr zum früheren System des Wohnungsgeldes oerlangt. Insbesondere hat sich auch der Reichstag in mehrfachen Entschließungen für die beschleunigte Einführung eines Ortsklassenverzeichnisses auf der Grundlage der Mieten ausgesprochen. Es war beabsichtigt, den ganzen Fragenkreis im Reichstag zur Erörterung zu bringen. Durch die Auflösung des Reichstages wurde dies verhindert. Da es wegen der fortgeschrittenen Angleichung der Mieten an die Friedensmieten und den weiteren Steigerungen! nicht mehr möglich war, mit der timgeftaltung des Systems noch längere Zeit zu warten, mußte das neue Verzeichnis im Wege der Ermächtigung in Kraft gesetzt werden. Die Unterlagen für das neue Verzeichnis wurden durch Erhebungen innerhalb der Beamtenschaft gewonnen. She Erhebung erstreckte sich insgesamt auf etwa 600 000 Beamte: die Unterlagen sind also denkbar breit und haben es ermöglicht, die Einstufung der einzelnen Orte auf eine durchaus sichere Grundlage zu stellen. Die unterste Klasse E fällt künftig fort. Andererseits mußte für einzelne Orte eine besondere Klasse geschaffen werden. Herabstufungen ließen sich bei der Umstellung des ganzen Systems natürlicherweise nicht vermeiden. Sn solchen Fällen werden die Beamten eine besondere Entschädigung erhalten. Uebrigens kommen in zahlreichen Fällen auch, abgesehen von dem Wegfall der Klasse E, Höherstufungen vor. Gleichzeitig mit dem neuen Verzeichnis gelangt eine neue erhöhte Wohnungsgeldskala zur Einführung, die das Wohnungsgeld den zu ertoartenben Mietsteigerungen anpaht. Mit den Beamtenverbänden ist es leider zu einer Einigung nicht gekommen, da die Verbände trotz der Mangelhaftigkeit des bisherigen Verzeichnisses für die Beibehaltung des alten Systems waren. Weitere Ermäßigung der Fernsprechgebühren ? Wie der „Deutsche Handelsdienst" von amtlicher Sette erfahrt, besteht bei der Reichspvst- verwaltung die Absicht, über die ab 1. Dezember bereits erfolgte Herabsetzung der Fernsprechgebühren hinaus eine weitere Ermäßigung vorzunehrnen. Ebenso ist damit zu rechnen, daß die S ch e ck g e b ü h r e n. die schon in letzter Zett herabgesetzt wurden, demnächst voraussichtlich eine weitere erhebliche Ermäßigung erfaßen können. Diese Maßnahmen werden durch die zur Zett etwas fluftigere ©elblage der Reichspost erlaubt. Die Reichs-Teuerungsziffer. Die Reichsindexziffer für Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) ist für den 2 2. Oktober nach den Feststellungen des Sta- ttsttschen Reichsamtes gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. Sie betragt das 1,23fache der Vorkriegszeit. Bornotizeu. — Tageskalender für Montag: Schühenverein: 8 älhr im Schühenhaus Herbst-Generalversammlung. — Sozialdemokratische Partei: S1^ Uhr Turnhalle Oswaldsgarten öffentliche Versammlung. — Rundfunkhaus Löberstr., 8.30 Ähr: Sinfonie-Konzert. — Lichtspielhaus Bahnhof str.: „Auferstehung". — Hess. Dilderbühne: „Aus afrikanischen Sagdpsaden." — Der Frauenmissionsverein, eine der ältesten kirchlichen Vereinigungen Gießens, nimmt feine regelmäßigen Zusammenkünfte, die alle 14 Tage ftattfinben, am D ie nstag wieder auf. Es ist erwünscht, dah alle Frauen, die sich der Pflicht der Heidenmission mrd des Segens derselben für unser Doll bewußt sind, sich ju* sammenschließen und an den Zusammenkünften des Frauemnissivnsvereins teilnehmen (siehe Anzeige). a * Zum Kreiswahlleiter desWahl- kreises Rr. 33 Hessen-Darmstadt bei der Reichstagswahl hat das hessische Gesamtministerium den Ministerialrat Bornemann in Darmstadt, zu seinem Stellvertreter den Lega- tionsrat Heinemann in Darmstadt ernannt. ** Falsche 5 0 - R en te n m a rk-Schr i ne. Seit längerer Zett werden in Baden und Württemberg falscheRentenbankschsinezu bOReittcnmark tu Verkehr gebracht, die von den echten Scheinen er* heblich abweichen und deshalb bei einiger Aufmerksamkeit leicht zu erkennen sind. Der grüne Stofsauflauf auf dem rechten Teil der Vorderseite der echten Scheine, in dem die Fasern eingebettet liegen, ist bei den Falschstücken durch Aufträgen eines schmutzig-grauen Tones nachgeahmt, indem die Fasern durch farbige Striche angedeutet sind. Hin und wieder sind auch einige Fasern aufgeklebt. Das Wasserzeichen (Kreuz- und Ringmuster), das sich bei den echten Roten deutlich über den ganzen Schein erstreckt, ist bei den!Falsch- stücken durch einen fettartigen, bald schwächeren, bald stärkeren Aufdruck auf die nichtbedruckten Teile des Scheines vorgetäuscht. Außerdem erscheint das llntergrunbmufter der Vorder- und Rückseite und die Wertzahl 50 in der Mitte Und auf dem Rande der Vorderseite undeutlich und verschwommen. Rur wenn das Publikum auf die angegebenen Merkmale achtet und beim Vorkommen eines Falschscheines der Polizei sofort Rach- richt gibt, kann den Fälschern ihr Handwerk gelegt werden. " 27t« 2rr«ett ver 3rrutTnatl o- italen D olkspartei im 6tabtt>arla- ment. Man teilt uns mit: 3n einer Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Volkspanci berichteten Deren Stadtverordnete über ih-e Tätigkeit im Rathaus. 2lm sgerichtsdireltor Schmahl begründete, warum die Fraktion bei der Beratung des Doransch laues der von der Linsen unterstützten U.perfchustpolMk der Der- waltung entgegentrat. «Ls gelang hierdurch, die Lätze der Grund-, Gewerbe- und Sondersteuer zu ermäßigen Trotzdem wird ein recht namhafter Betrag für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. In der Desoldungsordnung setzte sich die Fraktion für eine Besserstellung der schlecht bezahlten Gruppen 2—6 ein, nachdem sie die Nichtbeachtung des Sparg.'sezes zugunsten der höchsten Gehälter nicht verhindern konnte. Aus die em Gebiete müsse künftig gespart werden, allerdings dürfe aber kein sinnloser Abbau erfolgen ber die Kosten erhöhe statt sie zu mindern. Nach Möglichkeit solle eine Aufwertung der städtischen Anleihen eintreten, wobei die notleidenden Kleinrentner besonders zu berücksichtigen seien. Der Redner schlost seine Ausführungen mit Worten der Genugtuung über die gedeihliche Zusammenarbeit mit Zentrum und Deutscher Volkspartei. Lehrer Kling sprach über seine Tätigkeit im Schulvorstand und in der Schuldeputation. Er gab einen instruktiven Einblick in den Aufbau des Fortbildungsschulwosens, das in den Listen fahren etwas reichlich mit Leitern ausgestattet ivurde. immerhin konnten manche weitgehenden Ansprüche im Interesse der städtischen Finanzen beschnitten werden. Frau Prcfesor Kramer schilderte die Entwickelung des Theaters, das sich in einer guten finanz ellen und künstlerischen Situation befinde. Um so unb.-sried gender sei die Arbeit in der Wohirungskommission. weil der stets wachsenden Nachfrage nach Wohnungen — im September lagen 2032 Gesuche vor — nur ein verschwindend kleiner Vorrat von freien Wohnungen gegenüberftefje. Prof. Dr. Borgmann beleuchtete in fesselndem Vortrag den hoh^i hygienischen und finanziellen Wert des Stadtwaldes, den Oberförfhneifter Schüz mustergültig pjlege' Ihm und der Stadt Giesten seien ilniDerfität und Forstinstitut zu grobem Dank verpflichtet. Gutspächter Gottmann sprach über den Zustand des städtischen Besitzes an Wiesen und Aeckern, der etwa 60 Prozent der Gemarkung umfasse. Insbesondere hätten die Wiesen infolge ihrer vorbildlichen Anlage durch den Wie en- baumeister eine erhebliche Werterhöhung erfahren. Der Ankauf der Hardthof« durch die Sladt zu vorteilhaften Bedingungen sei zu begrüben. Stadtverordneter Becker erörterte den Fortgang im Wohnungsneubau, der nun auch durch erleichterte Abgabe städti chen Geländes an Private gefördert werde. Bei der Vergebung der Arbeiten würden die Gfestsner Handwe fer vorzugsweise berücksichtigt. Auch die Herren Sieber und Loh zeigten in ihnen prägnan.en Referaten, baf> sie in ihren Kommissionen wie im Plenum eine vielfältige und verdienstvolle Tätigkeit ausgeübt haben. Der Vorsitzende. Oberpostinspektor Kohlbr,*» dankte unter dem Beifall der DersammUutg sämtlichen Rednern für ihre gemeinnützige Arbeit im Dienste der Stadt und der Partei. Da es schon auf Mitternacht ging, wurden die weiteren Punkte der Tagesordnung bis xu einer demnächstigen Zusammenkunft zurückgestellt. ** Sicherung des Reichstagswahl- cechts der Ausgewiesenen. Mit Rücksicht darauf, dast ein Teil der aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen wegen der dortigen Woh- nungsverhältnisse an ihren Wohnsitz noch nicht hat zurückkehren können, erliest der Reichsminister des Innern zur Sicherung ihres Wahlrechts folgende Verordnung: Stimmberechtigte, die aus dem besetzten Gebiet (alt- oder neubesetztes) ausgewiesen oder durch Mast nahmen der Besatzungsmächte verdrängt worden sind, insbesondere auch Personen dieser Art, die infolge der Wohnungs- ^rhältmsse noch nicht haben dorthin zuräckkehren tonnen, sind für die Neuwahlen jum Reichstag am 7. Dezember 1924 auf Antrag in die Stimm- "sie ober Stimmkartei ihres Aufenthal^ortes einzutragen, auch wenn sie an diesem Orte feinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. * • Von der Handelskamm c r Diesten wird uns folgendes mitgetcilt: „Aach einer telegraphischen Anweisung des Rcichsministers der Finanzen vom 20. d. Mts. sind vom 21 Oktober 1924 ab Zulaufsgenehmigungen beim ilcbergang von Waren aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet nicht mehr erforderlich." • • Der S ra ntf utter Pf erdemarkt, der heute stattfinden sollte, ist auf den 3 0. Oktober verlegt worden. * * Die Allgemeine Ortskrankenkasse Giesten-Stadt erinnert in unserem heutigen Anzeig nteil an die Zahlung der September-Beiträge. Bis zum 4. November kann noch ohne weitere Kosten gezahlt werden. " Hessische Pfarrfrauen-Freizeit. Der vberhessische Ausschast für Volksmissivn veranstaltet unter Leitung einer erfahrenen Volks- missionarin für die Frauenwelt, Fräulein Hardt aus Stettin vom Zemralausschust für Innere Mission, vom 3. bis 6. November in Schlitz eine zweite Pfarrfrauen-'Freizeit. Nicht nur der Pfarrer, auch die Pfarrfrau steht heute an verantwortlicher Stelle im Gemeindeleben. Der vorjährige Kurs für Pfarrfrauen und Pfarrbräule in Arnsburg stand unter Leitung der bekannten Schriftstellerin Frau Pfarrer H e i t c f u ö in Haiger. und war stark besucht. Infolge von grev- quartieren beträgt bic Kursteilnahme einschlieh- lich Verpflegung nur 6 Mark. Der erste Tagreisetag. Umgebenbe Anmeldung ist erbeten an Ober Pfarrer Knodt in Schlitz. Flugtag in Metzen. Glück must man haben, vor allem mit dem Wetter! Das ist die Hauptbedingung bä der Veranstaltung eines Flugtages. Dieses Glück hatte unser Giestener Flugtag gestern im besonderem Maste. Noch am Samstagnachmittag sah die Sache sehr wacklig aus. Ganz programmwidrig hatte Petrus seinen OicbEannenbeirieb wieder eröffnet und es regnete so strichegal, dah mancher schon geneigt war, feinen Pfifferling mehr fün das Gelingen des Fluglages dvanzufehen. In der Stadt hörte man viele „Schade": hier und da auch ein „O weh" von einem Garantiefvndszeich- ner. Am meisten aber war das Stimmungsbarometer bei den Ausschustmilgliedern im Sinken begriffen. Diese standen sich brausten im Flugzelt stundenlang die Deine in den Leib und genossen das ganz und gar nickt erwünschte Strichregen-Trommelkonzert auf dem Zeltdach. Alle Augenblicke steckte mal einer dieser Herren den Kopf aus dem Zelt, um zu sehen, ob denn alle Hoffnungen zuschanden werden sollten. Aber es regnete, regnete, regnete weiter. Da wurde man an Dr. EckenerS Wort erinnert: „Beim Fliegen kommt es meist anders als man denkt." Der „Betriebsstoss", Marke Niemann-Körner, konnte hi auch nicht viel helfen, er konnte höchstens Augenblickserfolge erzielen. Die belebende Wendung trat erst ein, als einer der Herren die frohe Kurck>e brachte: „Es wird heller", und als bann auch in der Tat die dicke Wolkenwand Reistaus nahm. Nicht lange danach tauchte Henn auch am Horizont das erste Flugzeug, el.ie Junkers-VerkehrsmaschinA auf, bi? n-ah prächtiger Landung m.fyreve (Siebe; er Pu! ag eie ab- setzte, die den Flug von Frarkfurt aus mi-gemacht hatten. Bei diesem De uch blieb es für den Samstag, die Nacht brach h.wein uü> damit war der 5Lugbetrieb am Ende angelangt Ein portrefslich verlaufener Vegrüstungsa.ead im Hindenburg, bei dem der Megeiei begeisterte Worte gewidmet wurden, schlost den Auftakt des Flugtages. Aber ..wie der Freitag, so der Sonntag!" Das konnte man gestern hi rsichtlich des Wet.ers so ungefähr bestätigt sinden. Zwar die Son e lachte nicht so ausdauernd wie am Freitag, aber sie zeigte sich doch so freundlich, dast man von gutem Flugwetter sprechen kann Am Vvnnittag wurden die bcabsich igen Ueberlanbf lüge wegen der starten QlebelbDung allerdings zum Teil ganz unmöglich oder stark behindert. Darvb r werden aber wohl die Hunderte von Menschen nicht böse gewesen sein, die zum Flugplatz gekommen waren, um sich die — mittlerw.ile von Frankfurt auch noch eingetroffenen Dietvich-Go- biet-Sportflug^euge — Ma chinen anzu ehen. Als die Sonne endlich burchgedrungen war, konnte man auch noch manchen tocb gelungencn Fl g bewundern. Von hier an datiert das Glück des Flugtages, von dem wir oben sprachen. Zunächst gab es allerdings noch ei en Mistklang der den Besuchern des Nachmittags eine gewisse Enttäuschung bereitete. Das grobe Iunkersflug^uz durfte nicht fliegen, weil der Platz nicht recht geeignet sei. Wir masten uns nicht an, darüber als Laien ein eigenes Urteil fällen zu tonnen, aber wir müssen beruhten, dast di? in ter Fliegerei doch auch eriah?enen He'senflicger der Meinung Ausdruck gaben, auf die em Platz Ion. e auch das Iunkersflugzeug rhr? Ges hr absti g?n und landen. Dast blef? höchst bedauerlich? Wendung auch beim Publikum eine gewiße Miststimmung hinterlief' ist v.r ländlich Nach diee.n Versagen gaben |ia? die Hessens, leger mit ihrem unermüdlichen Vor i.enter u ib Sporlleiter C n.l Schwarz an der Spitze di? denkbar grofite Mühe, das .Publikum nach Kräf.en scha'.lrs zu halten. Von Frankfurt holten sie tetealwniich noch eine Maschine heran, die gegen 1 _-3 Llhr auf dem Platz ein traf, und nun war im Handumdrehen reger Flieger betrieb im Gang? Mi drei Flugzeugen wurden zahlreiche präch ig? S >or - und Künstflüge ausg fuhrt, die d? nach Tausenden züchtende Zuschauetnrenge zu lebhaften D.i- fallsbezeigungen veranlastte. Was da von den Flugzeugsühiern Heck, Diplom-Ing Katzen- st e i n und Schepe geleistet wurde, verdient in ber Tat auch die vollste Anerkennung. Ihre üleberschlagslüge, Sarrz- und Kurvensl ge Trudeln usw. wurden mit ei :cr Präzision, Elega iz und Schneidigkeit ausgeführt, dast mar nur eh- lich entzückt fein konnte. Dom Echoeiber b.c er Zeilen war d?r erhebende Senust vergönnt, einen Fug mit Diplom-Iagenieur Katzenstein, iem Gewinner des Höhenfluges beim Deutschen Luft- Wett bewerb, mitzumachei und dabei euch zwei Loopings und einige scharfe Kurvenflüg? „mi‘- zudrehen". Aus eigener Ersah ung kann er bestätigen, dast die Fliegerei doch etwas überwältigend Schönes ist. Der Motor arbeitete in allen Teilen des Fluges ausgezeichnet, der Führer hatte fein Flugzeug so sicher in der Hand, dast ein Gefühl der ülnsicherheit keinen Augenblick aufkommen konnte. Der Rundblick von oben war prachtvoll. -Untere Stadt tag klein wie ein schmuckes Spielzeug, das man eben aus einer grosten Schachtel aufgebaut hat, unter uns, und über das Weichbild der Stadt hinaus bot sich ein stets wechselndes, aber immer unvergleichlich schönes Bild, dessen Eindruck jedem Fliegerrekruten als erste Flugerfahrung unvergeßlich sein wird. Und dann die Tausende von Menschen unter uns, die wie ein ins Riesenhafte angewachsener Ameisenhaufen aussahen. Alles in allem, es war ein Bild, das einem zeitlebens als grostes Erlebnis in ber Erinnerung bleiben wirb. Als weiteren bedeutsamen Sportgenust neben ben Kunstslügen konnte man einen wohlgclungenen Fallschi rmabsprung aus etwa 600 Meter Höhe beobachten. Der Fallschirmspringer 2 u ebne r, der anscheinend die Windrichtung nicht genau erkannt hatte, schwang sich abseits vom Flugplatz in der Höhe des Philosophenwaldes aus ber Masch'ne und kam statt auf dem Flugplatz dicht vor Wieseck zu Boden. Manchen Flugpä be- suchern entging auf diese Weise der fesselnde Vorgang, dagegen konnten die Zaungäste bei Wicsea An starkes Plus verbuchen. Bei ben Beobachtern des Absturzes war aber ein starker Eindruck von dem Geschauten unverkennbar. Und nun die Freiflüge Oberbürgermeister Keller als Unparteiischer befummle die Nummern der Eintrittskarten, deren Inhader das Der- Snügen eines Freifluges Haven sollten. Sechs er Glücklichen meldeten sich alSbald zum Antritt des Fluges, darunter eine Dame und zwei Herren aus Giesten, zwei Herren aus Wieseck und einer aus Weitershain Alle traten nach ber Landung des Lobes voll und der Begeisterung voll. Für viele nur allzu früh muhte dann gegen 5V? 11 br mit bei Fliegerei Schirrst gemacht werden. In dem Deausttsein, einen selten schönen Tag verlebt zu haben, verl.es.ea die Tausende von Menschen das Gelände unb brachten nun der Stabt wieder einen sehr starken Dertchr. Die schneidig, n He s s e n s l i e g e r und ihr tatfroher unb umsichtiger Vorsitzender Emil Schwarz haben ihr Versprech-n. uns ein gutes slugsportliches Erleben zu bieten, in vollstem Ausmast eingelöst unb damit auch di? Entlauschung gemildert die ter Iunke.s Ve srgec zeitigte. Wir sind sicher, ban bi? Tausende v n Zuschauern in diesem Urteil mit un- übereinftimmen. Ein Wort ter warmen Anerkennung sei zum Schlust noch fer Polizeibeamt.n chafi unb ter Feue w hr ausg sprechen. Obw.hl d ? Poli-ei- menn ch ft des P.ahes an d es.m Tage eigentlich dienstfrei w r. bjt sie sich ebenso bereitwillig w.e uneigmnützia in den Dienst der Lache gestellt. Polizei, Feuerwehr unb die zahlreichen freiwill'gen Hel er tes Ordn ngsd.enstes h ben die Ab perrung so trefflich unb zug eich taktvoll durchgeführt bist da» ganze Unternehmen ohne L 6.ung unb LInglucksf.uk ncrl e . Ebenso bereit- w llig httte sich auch die F eiwillige Sanitäts- kvlonne un.igennützig zur Verfügung ge teilt, unb auch sie hat brrcchtigten Ansp uch auf die öffent- llche Anerkennung ihrer opserbe eiten Hingabe im Dienste ber Al'.g meinh it. Äie Kapelle unserer 15er unter üb rmuf lmerste - Löbers pe sönlicher Leitung ersreute durch ge-fegen? musikalische Dar- bxiungen, die ben vielen Zuhörern eine Freute waren. Nach dem gut verlauf neu, in unserer Lotalgef chichte benhnürb g?n Fl g p rtt g fand am Abend im Hotel Schütz em g? e lig s Beisammen ein mit den 5 i gern statt, b i hem die Darmstädter Herren in v rbiente - Weis? gefeiert unb bnen herzl chst gedankt wurde. Unb nun begmn es w e5ee zu regnen,... Die F.ieger und die Gfeöener hatten G.ück gehabt Kunst unb Wissenschaft. Aus bem Marburger Musitleben. Marb urg, 25. Oft. Der Marburger Konzertverein bietet seinem Publikum unter ber Leitung Dr. Stephanis ein auster- ordentlich reichhaltiges Programm. Es sind vorgesehen Solokonzerte von Frau P o s - Carlvforti, dem Gelliften Dotter mund, bem Violinisten Prof. Ad. Bus ch, bem Pianisten Kaiser: Quartetlabenbe des Schll-,e-Prisca- Quartetts und des Amar-Hiidemith Quartetts ferner gelangen zur Aufführung Brahms' Deutsches Requiem, Dachs Wcihnachtsoratv- rium, Bruckners achte Symphonie, Dachs Matthäus-Passion, Haydns Jahreszeiten unb ein Symphoniekonzert. Spiclplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Dienstag, 28. Olt: Figaros Sochzeit. Mittwoch, 29.: Tosca. Donnerstag, 30. übin. Freitag, 31.: Der Barbier von Sevilla. Samstag, 1. November: Die Zauberflöte. Sonntag, ?.: Lohengrin. — Schauspielhaus. Dienstag, 28. Otteber: Der Liebestrank. Mittwoch, 29.: Die Cenci. Donnerstag, 30.: Sechs Personen suchen einen Autor. Freitag, 31.: Die Eenci. Samstag, 1. November: Die rote Robe. Sonntag, 2.: QHebea des Euripides. Am 25. Oktober wurde unsere innigstgeliebte Tochter, unsere gute Schwester Emifie im zarten Alter von 13 Jahren von ihrem kurzen, schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Um stille Teilnahme bitten die tieftrauemden Eltern: Heinrich Opper und Frau. Wieseck, den 27. Oktober 1924. Beerdigung: Dienstag, den 28. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Philosophenstraße 13 aus. 8384V Bekanntmachung. Detr : Zugelastene Installateure im Stadt, und ilcbcrlanbgebiet. 3m Nachgang zur Bekanntmachung Dom 28. Mai ds. Is. sind zur Vornahme von Installationen an elektrischen Leitungen, die ihren Strom vom Städtischen Clektrizitätswerk beziehen, ferner zuge- laffen: Für das Stadtgebiet: Installateur Münnich, Oswald, Giesten, Afterweg 29. Für das Heberlanßgebtet: Installateur Münnich, Oswald, Giesten, Asterweg 29, Installateur Röhl, Hermann, Wieseck bei Giesten, Installateur Rühl, Georg, ©runberg t. H., Kirchplatz 6, Schumann-Werk,Mittelstmühleb.Giesten Installateur Schroeder, Friedrich, Grun- berg i. H. Installateur Schmandt, Georg, Watzenborn, Fahrgasie 22. Giesten, den 24. Oktober 1924. Elektrizitätswerk und ileberlanbanlage der Stadt Giesten. Stolle. 8375B Allgem. Ortskrankenkasse Gietzen Stadt. Die rückständigen Beiträge zur Kranken- krasie, Invaliden- und Trwerbslojenversiche. rung für den Monat September b. Is. können noch bis zum 4. November d. Is. ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung unb Kostenberechnung. Die Einzahlung kann Dienstags von 8-1 Uhr bei unserer ftaffe oder auf unser Postscheckkonto, Amt Franksttrt am Main Nr. 10833 erfolgen. Giesten, den 27. Oktober 1924. (8386c Allgem. Ortskrankenkasse Giesten-Stadt. H. Hinkler, Rechner. Tüchtiger, mit allen in der Zigarren-Industrle vorkommenden Arbeiten bestens vertrauter Werkmeister per sofort oder später für Fabrik im Gießener Bezirk gesucht. Schriftliche Angebote unter 8383V an den Gießener Anzeiger erbeten. Preis 50 Pfennig das Halbpfund, Wenn Mutter für die nächste Woche einkauft, darf sie „Schwan im Blauband,t nicht vergessen. Von Tag zu Tag wächst der Kreis der Verbraucher, denn jede Probe bringt feste Kunden. Achten Sie darauf, dass Sie die Feinkostmargarine „Schwan im Blauband(t mit gleicher Sorgfalt behandeln wie feine Süssrahmbutter. 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Aber nicht nur auf diesem Spezialgebiet wußte er geistvoll und treffend die Feder zu führen, sondern auch auf politischem Gebiet eignete ihm eine seltene Klarheit des älrteils. Als Erinnerung daran mögen hier die folgenden Zeilen stehen, die der Heim- gegangene vor einigen Jahren schrieb und die rod) nicht das geringste an Aktualität einge- büfjt haben. di« tatsächlich nicht entfernt in zureichendem Maßr bestand. Erst wenn die Lenker von Deutschlands Geschicken und mit ihnen die Gebildeten der Ration nüchterner zu denken und sich von falscher, un- staatsmännischer Phantasie freizumachen wissen, kann es gelangen, den Wagen des Reiches aus dem Sumpfe hm auszuführen. Mord, Banditen, Spionage gegen Sowjet-Ruhland. !nicht viel anders. Staatsmännische realistische- > 22/ Phantasie, d. i. Vorstellungsvermögen, das rru^ * h»H h* nennen, denn wir haben uns an die beispiellosen — milde gesagt — Llnverfrorenheiten bolschewistischer Propaganda bereits gewöhnt. Eine dieser ^lnverfrorenheiten — und noch dazu eine sehr vielsagende und bedeutungsvolle — stellt auch die Heberfenbung der verschiedenen Produkte dieses Begabten bis zu einem gewissen, unter ihn- ständen hohen Grade durch Studium, Devbach- Igefchärftem Wirklichkeitssinn auch entfernt lie- sgende Dinge so sieht, wie sie tatsächlich sind, Hat uns schon damals gefehlt, wir hätten tsonst nicht zu einer so vielfach falschen Einschätzung I neuen Verlages an die Organe der deutschen Presse dar. Doch auch daran haben toir uns bereits gewöhnt. Das Titelbild dec Broschüre ist nicht nur zeichnerisch wirllich vortrefflich, sondern es ist auch in sehr kennzeichnender Weise mit dem Titel „Mord, Banditen, Spionage" in ilebereinftimmung gebracht: im Vordergrund der personifizierte Mord in Gestalt eines heldenmütigen Verteidigers der „Tscheka", hinter ihm einer der Banditen, an denen die Denikin-Armee so reich war, bis Wrangel mit ihnen gründlich aufräumte, und im Hintergründe die Spionage, wohl nach »dem Leben aus einem der wohlgenährten „bürgerlichen" europäischen Kabinette gezeichnet. • Ebenso lehrreich ist auch der Inhalt der Broschüre. Wenn es heute noch Leute gäbe, die den kommunistischen Veröffentlichungen vertrauensselig und unbefangen Beobachtung fd>en» Ten, so könnte die „strenge Sachlichkeit", dieses so beliebte, aber seit langem schon etwas zu fadenscheinige Kleidchen der kommunistischen Propa- zu heft reiten, daß sie von einem entsprechend Begabten bis Die Vertretung der russischen Sowjetrepubliken veröffentlicht unter der Firma „Reu^r Deutscher (!) Verlag" die offiziellen Akten zum Fall Savinkoff (dem bedeutendsten Führer der Gegenrevolution in Ruhland). Die nichtoffiziellen Akten bleiben natürlich unveröffentlicht, denn sie würden den guten Eindruck der Veröffentlichung sicherlich nachteilig beeinflussen. Wir wollen nicht die Frage aufwerfen, wie eigentlich die Verlagsstelle oder vielmehr die Propagandaabteilung der Sowjetregierung darauf kommt, sich ausgerechnet „Reuer Deutscher Verlag" zu tung und Erfahrung erworben werden kann, ^freilich nicht durch parlamentarische Redeschlach- slen. Auch der Führer in den /wirklichen Schlachten des Krieges bedarf einer realistischen Phantasie. Eine solche zu entwickeln, bildete bei uns einen wesentlichen Gegenstand der Generalstabsschulung. Der Wert triegsgeschicht- lichen Studiums bestand für den Offizier vor allem in der Erweckung erres klaren Dor- stellungsvermögens. Was hierin im Generalslabe geleistet wurde, gilt, entsprechend angewandt, mehr oder weniger auch für den Staatsmann. Und noch eines, dessen er bedarf, gab uns die geistige Ausbildung im Generalstabe: die Gewohnheit, - bei jeder Beurteilung der Lage den Ausgang vom Feinde zu neunen. Auch das ist ein Erfordernis richtiger politischer Schulung. Auf dem Gebiet der Politik gilt es ebenfalls stets, sich die Frage vorzulegen: Was will der andere, wie wird diese oder jene eigene Maßnahme auf ihn cmtoirfen? Bei unseren 21«= gierenden aber wurde meist umgekehrt verfahren Sie setzen beim Gegner Auffassungen voraus, wie sie bei uns gehegt werden, schoben ihm Gemüts- regungen zu, die ihm durchaus fernlagen, vertrauten auf die Macht internationaler Interessen, ganda, gewih so manchen etwas stutzig machen. Tatsächlich soll die „strenge Sachlichkeit" der Anklageschrift, der Verhandlung und des Urteilt- spruches gegen Savinkoff zu nichts anderem dienen. als zur älmkleidung der sonst zu nackt wirkenden Präliminarien für seine spätere Aufnahme in die Reihen der Kämpfer der allein- seligmachenben Kommuni st is che n Partei. Abgesehen davon, dah die „mildernden Hmftänbe" für die Begnadigung Savinkoffs, die wohlwollenden Aeuherungen verschiedener führender Kommunisten, seine Enthüllungen" und vor allem die Tatsache, daß Savinkoff in seiner bisherigen Tätigkeit keine Geschäftsmöglichkeiten mehr sah, alle für ein ab geka rtetes Spiel zwischen Savinkoff und den Sowjets sprechen, gibt es" noch Dokumente, die eine auch auf dem genannten Wege mögliche Schlußfolgerung einwandfrei belegen. Es ist auch nichts besonders verwunderungswertes daran, dah diese Dokumente aus der bolschewistischen Zentrale Moskau stammen — denn ebensowenig wie alle Dorschriftsmahnahmen der Tscheka, tonnen die dicken Mauern des Kreml das Zentral-Dollzugskomitee vor „Zugluft" schützen Daneben aber liefern die Enthüllungen so vieler Einzelheiten dec sonst nur In groben Zügen bekannten Aktionen gegen Sowjetruhland viel interessantes Material. Sie geben ein selten vollständiges und klares Bild der Unfähigkeit und Unfruchtbarkeit der „Weihen", „Grünen" und wie sich die Parteien sonst nennen mögen, denen ebenso wenig, wie den „Roten" das moralische und historische Recht der Beherrschung des Volkes zusteht Vor allem erbringen die „Enthüllungen" Savinkoffs eine weitere Ergänzung zur Tatsache, dah die Sanierung Ruhlands, bie völkische Befreiung des russischen Volkes nicht von außen, sondern nur von innen heraus entstehen kann. Die Wetterzeichen für diese Bewegung sind schon vorhanden: Arbeiterstreiks, Mllllrrevvlten^ Dauern- aufstände in den Hungergebieten, Spaltungen in der Kommunistischen Partei und Mach.streit unter den kommunistischen Führern — es fragt heb nur, wie lange sich ein Volk, wie das rusiische, wenn auch durch die Geschehnisse der Übten sieben Jahre zermürbt und gebrochen, vom ^error beherrschen läßt, denn an die schonen Phrasen und Schlagworte glaubt m Rußland niemand mehr — selbst nicht die Kommunisten. Rur die völkische Kraft die in j e dem Volke steckt, kann hier eine Aenderüng schaffen, und dah sie im zermürbten russischen Volle zum Erwachen gelangt, dazu bedarf es nur einer Aenderung in der Ruhland- politik der westeuropäischen Mächte. |ber Psychologie unserer Feinde gelangen können. Der Parlamentarismus hat diesen Mangel noch vermehrt. Die Hoffnung, dah sich auf /seinem Boden eine Fülle von Talenten ent^ «wickeln und so dem Volke in Wahrheit Führer /kommen würden, ist in keiner Weise in Erfüllung gegangen. Rur die Mittelmähigkeit gedeiht bei dieser Regierungsform. Trägt einerseits unsere ganze staalliche Entwicklung die Schuld daran, dah uns Staatsmänner von Weitblick versagt blieben, so darf andererseits nicht verkannt werden, dah der ungeheure wirtschaftliche Aufschwung, den Deutschland seit Begründung des Reiches genommen hat, dahin führte, dah Handel und Industrie mehr und mehr die fähigsten Köpfe an sich zogen. Das kommt jetzt deutlich im Verhalten unserer Gegner zum Ausdruck. Zu den Vertretern unserer Wirtschaft haben sie Vertrauen, nicht zu den Regierenden. Allerdings will es fast so scheinen, als ob in der heutigen, von wirtschaftlichen Interessen beherrschten Welt mit dem Vordringen der Massenhaftigkeit auf allen Gebieten überhaupt für große staatsmännische Talente kein Raum mehr sei. Blicken wir auf die feindlichen Länder, so begegnen wir dort zwar stärkerem Willen, dem nationale Geschlossenheit der Völler und die Gunst der Lage uns gegenüber zu Hilfe kommt, Staatsmännern im vollen Sinn des Wortes aber auch nicht. Wären sie auf der feindlichen Seite vorhanden, so würde nicht ein Versailles herauf» beschworen sein, sondern die llrheber dieses Vertrages hätten die Tragweite ihrer Entschließun- gen besser übersehen müßen: beginnt doch den Einsichtigen unter ihnen jetzt selbst vor den Folgeerscheinungen zu grauen. Es ist nicht zu leugnen, dah die Anforderungen an die Vorstellungskraft der Staatsmänner, die heute den Erdball umfassen muh, gegen früher sehr gestiegen sind. Gleichwohl ist nicht Mit der Bezeichnung „Staatsmann" ist man 'Neuerdings bei uns sehr freigebig geworden. Sie findet Anwendung auf Leute, die allenfalls Politiker und meist nichts anderes als Parlamentarier sind. Zweifellos befinden sich darunter Äuge Leute, aber ihr Gesichtskreis ist meist durch Das Parteiinteresse begrenzt, sie sind beherrscht .von der Doktrin, die ihnen die Parteizugehörigkeit eingibt. Dadurch verfallen sie in den Fehler, |ber schon während des Krieges unser ilngtüd war, Fragen der inneren Politik in den iDordergrund zu schieben, wo unter dem schweren «Druck, dem unser Vaterland von allen Seiten «ausgesetzt ist, solche der auswärtigen Poli- !tik in erster Ginie mahgebend sein sollten. Schon «vor dem Kriege unter dem alten, keineswegs 'fluchwürdigen, aber schwachen Regime war es Aus der Provinz. Kreis Friedberg. vw. Butzbach 26. Ott Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl, die sich nur mäßiger Beteiligung erfreuen formte, gaben von ca. 3200 Stimmberechtigten 67 Proz. ihre Stimme ab. Es wurden gewählt: 1. Stroh. Hch, Reallehrer (neutral), 2. Sauerbier. Adolf. Landwirt (neutral), 3 Dr. Schmidt, Kaspar, Bürgermeister a. D. (Deutschn), 4. Rumps, Jakob (Deutschn.), 5 Ioutz, Louis, Kaufmann (Dv.), 6. Wiehler, Frida, Hausfrau (Dv), 7. Ploch, Rudolf, Eifenbahnoberinfpektor (Dv.). 8. Rühl, Karl, Ingenieur (Dem), 9 Heil, A WUh., Fabri- kannt (Dem.), 10. Hadermann, Wilhelm Kaufmann (Dem), 11. Hey d. Ludw, Dachdeckermeister (D. Dp.), 12. Zink Frz., Lehrer (Zentr.), 13. Mayer, Rik, Prokurist (Zentr ), 14. Wittig, Bruno, Deigeordn., (Soz.), 15. ßtnfmann, Georg, Gerber (Soz.), 16. Garnbs, Ludwig, Schreiner (Soz.), 17. Holzapfel, Hermann, SpenHlermeister (Soz.), 18 Dreller, Georg, Dorzeichner (Soz.), 19 Kleiner. Else, Hausfrau (Soz.), 20. Oppenheimer, Iofef, Kaufmann (Komm.), 21. Jahn, Emil, Iegenieur (Liste der Angestellten und Beamten). Kreis Schotten. -i- Rainrvd, 25. Ott Seitdem unsere erste Lehrerstelle unbesetzt ist, fehlt unserer Kirche der Organist, unserem Gesangverein der Dirigent. Die Gern inbe begrüßt es. wenn bei Wiedeckesetzung der Stelle diese unerträglichenBe- gleiterscheimingen der Zwischenzeit beseitigt sind. -4- Eichelsdvrf, 25. Oft. Die ungeheuren Schäden, die die Ucfberftutung der Ridda in ihrem unteren Laufe in diesem Jahre hervorgerufen, haben nun endlich den Hess. Landtag bewogen, 10 0 000 Mark zur Regulierung der Ridda zu bewilligen. Wir haben besonderes Interesse daran, daß die geplante Regulierung nicht nur den unteren Flußlauf umsaht, sondern aufwärts bis über unser Dorf hinaus fortgesetzt wird. Hochwasserkatastrophen, wie sie fast jährlich eintreten, haben stets lleberschwem- numgen von Ortstellen in Eichelsdorf, Ober- Schmitten, Anter-Schmllten und ganz besonders in Ridda zur Folge. Dazwischen liegende Mühlen müssen, da rasche Hilfe nicht zur Hand ist, erhöhte Gefahren ausstehen. Wenn schon einmal die verbessernde Hand angelegt wird, dann sollte auch ganze Arbeit geleistet werden. Kreis Alsfeld. • Ehringshausen, 25. Oft. 3n einer Versammlung in der Wirtschaft von Weifenbach sprach der Geschäftsführer der Deutschen Bau- und Siedelungsgemeinschaft, Architekt Heilmann- Darmstadt, über „Öen einzigen Weg zur Hebung der Wohnungsnot". Die Haren Ausführungen des ^tragenden, insbesondere über die Lösung der ldbeschafsungsfrage für den Wohnungsbau, wurden von der zahlreich besuchten Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Anschließend an den Vortrag wurden Ortsgruppen der Deutschen Bau- und Siedelungsgemeinschaft für die Orte Ehringshausen und Maulbach gegründet, denen sofort 35 Mitglieder beitraten. Der Redner hat sich auf Wunsch von Versammlungsteilnehmern aus Alsfeld und Merlau bereit erklärt, in nächster Zeit auch in diesen Orten über diese Frage zu sprechen. Kreis Lauterbach. :: Lau ter bach, 26. Ott. Bei der Doranschlagsberatung für das Rechnungsjahr 1924 beschloß der S tadtvv r st a n d, mit der Wiederherstellung der durch die in früheren Jahren ausgeführte Kanalisation schad- halt gewordenen Straßenpflasterilng nunmehr zu beginnen. Für dieses Jahr wurde der Marktplatz bis zum Eingang Bahnhofstraße vorgenommen. Diese Reupflasterung mit beiderseits gepflasterten Fuhsteiganlagm geht jetzt ihrer Doll- endung entgegen. Die Ausführung geschah in tadelloser Weise durch den Dauuntemehmer Georg Huppert in Frankfurt a. M. Auch die llmpflasterung des sog. Oberen Grabens wird von der genannten Firma z. Zt. noch ausgeführt. 3m nächsten Jahre wird die Reupflaste- nmg weiterer Straßen strecken vorgenommen. Starkenburg und Rheinhessen. Offenbach, 26. Oft (WB.) Bei einer Autofahrt nahe bei Friedberg verunglückte der hiesige Mehgermeister Kasimir Alt heute tödlich. Das mit fünf Personen besetzte Auto rannte gegen eine Telegraphen stange, so daß sich das Fahrzeug überschlug. Zwei weitere Personen wurden schwer Der- le Y t Die Frau und der Sohn des Metzger- meisters blieben unverletzt * Darmstadt, 26. Ott. (Gig. Bericht.) In der jüngsten Stadtverordnetensihung schlug Bürgermeister B u x b a u m zur Behebung der Wohnungsnot und um Geldmcktel zum Bauen zu erhallen, eine Steuer vor, die m Montag, 27. VNover (92- einem Sparzwang bestehen soll. 3eöer mußte 1 Prvz. vom Einkommen abgeben. wofür SParma rken zu kleben wären D« Zahlungen sollten» 5 Jahre lang erfolgen: die Einzahlungen wrrdea mit P/; Proz. verzinst. Oberbüigermelfter Dr. Glässing bat die Stadlve.-ordnet.n, bie Vorschläge zu prüfen. - Der hessifäx Staat gewährt den ‘Beamten der Gruppen I bS VI eine einmalige betondere Wirisch aftSbei- hilfe, deren Sähe sich, abgeftuft nach dem Familienstand und den Grupven. zwischen 30 und 70 Mt bewegen. Die 6tavtreiorbn.tent»crfamm» lung beschloß, daß den städtischen Beamten die gleiche Beihilfe zuteil roirb, und bewilligte hierfür 27 000 Mk. Hessen-Nassau ][ Marburg, 25. Oft. 3n feierlicher Weise erfolgte heute in der Aula die Einführung des neuen Rektors der Universität für daS Amtsjahr 1924 25 Konfistorüilrat Prof. D. Dornhäuser. Rach dem die Eyargierten der Korporationen und die Angehörigen des Lehrkörpers unter Fanfarenllänaen in die bis auf den letzten Platz besetzte Aula ein gezogen waren, gab der scheidende Rektor, Professor Dr. Schäfer, einen Rückblick auf das verflossene Amtsjahr, das, anfangs unter dem Zeichen der Inflation stehend, recht schwierig gewesen sei. (Sc gedachte der verstörbenen ilniversilätslehrer Vogt und Ratorp, der Veränderungen im Lehrkörper und der sonstigen Geschehnisse Der ätniverfilätsbund habe durch die Inflation das gesamte Vermögen verloren, besitze aber 2000 Rlitglieder, die jedenfalls ihre Hilfe nicht versagen dürften. Am Ende seines Berichtes angelangt, übergab er seinem Amtsnachfolger die Insignien der Rellorwürde. Letzterer hielt dann einen Vortrag über die Frage „Sprach Jesus griechisch?" Damit hatte die Feier, die von Gesangsvorträgen des unter Leitung des Uniberfi- tätsMusikdirektors Dr. Stephani stehenden Chores umrahmt wurde, ihren Schluß erreicht. ]l Marburg, 25. Oft Der Kreistag wählte den aus dem besetzten Gebiet hierher gekommenen seitherigen Verweser des Canbratä- amts, Landrat S ch web e ( mit großer Mehrheit zum Landrat des Kreises Marburg.— Bei einer seitens der Polizei vorgenvm- menen nächtlichen Razzia wurden in einer Feldscheune im Stadtgebiet acht obdachlose Männer festgestellt. bl. Dillenburg, 25. Ott Der vor etlichen Jahren begonnene Bahnbau der Strecke H a i - ger-Gusternhain wurde wegen finanzieller Schwierigkeiten, nachdem man etwa die Hälfte fertig gestellt hatte, nicht weitergefördert. Zur Linderung der Arbeitslosigkeit soll nun bis zum nächsten Jahre die Bahn bis nach Rabenscheid auf dem Westerwald gebaut werden, von wo das Endziel schnell erreicht ist. Mll dieser Verbindung zu der Köln—Gießener Strecke schließt man für Industrie und Bevölkerung ein wertvolles Gebiet endlich auf. — Der reiche Wildbestand in den ausgÄ)ehnten Waldum gen unseres Kreises zieht dir Iagdlustigen, vov nehmlich aus den rheinischen Gebieten, zur Ausübung der Jagd an. Das Rotwild tritt am stärksten auf. Die Pachtpveise smd erschwinglich und infolgedessen kann man einen erhöhten Iagdbetneb wahrnehmen. S. Frankfurt a. M„ 26. Oft. Die Ar- beitS m arktlage in Frankfurt hat gegenüber der Vorwoche eine leichte Besserung erfahren. Die Gesamtzahl der Unterstützungsempfänger hat um 400 abgenommen Rur im Baugewerbe ist eine weitere Verschlechterung eingetreten Die Zahl 6er Arbeilsgesnche betrag 12 647. Die Zahl der Hauptunterltützungsemp- fänger beträgt 5208. — Hier wird eine Herabsetzung der Straßenbahntarife angestrebt, die bisher bis 2 Kilometer 15 Pf., bis 5 Kilometer 20 Pf., über 5 Kilometer 25 Pf. kosteten. Hanau, 25. Oft. (WTB) In Anwesenheit zahlreicher Bertreter wirtschaftlicher Korporationen, des Oberpräsidenten Schwänder und des Präsidenten der Landekfinanzkammer von Laer wurde heute vormittag de von <3tabtbau- rat Ehrich erbaute Main Hafen eröffnet Die Festrede hielt Oberbürge innfle Dr Bla um, der die Bedeutung des Hafens eingehend würdigte. Die Feierlichkeiten wurden heule abend mit einer Festvorstellung im Stadtthrater beendet. Wirtschaft. Dr. Schacht über die künftige Neichsbankpofitik. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht äußerle sich in einem Gsoräch mll einem Vertreter des „Berliner Tageblattes" über die k ü n f t i ge Poli t i l der Reichsbank. Wir nttiehmen diesen Ausführungen folgendes: Die Bankpvlitrk würde durch daö Hereinfließen des Geg.nwrrte- der 800-Millionen-Anleihe giundsätzlich nicht berührt werden. Gewiß, der Don der Herdflamme zum elektrischen Licht. Die Sage werden wieder kiir-rr, und immer früher muß das Licht in unseren Wohnungen aufflammen. Das ist heute eine höchst einfache Sache: man „knipst" es einfach an. Aber noch vor einem halben und gar erst vor einem ganzen Jahrhundert war die künstliche B leuchtung der Wohnung eine recht schwierige Angelegenheit Wir erinnern uns noch der Sorgfalt, mit der d e Petroleumlampe geputzt werden mu^te, dam t f.e gut brannte, und die Menschen der Goethezeit hatten noch sehr viel mehr mit den Kerzen zu tun, die alle Viertelstunden einmal „geschneuzt werden mußten. Bedenken tot, daß man vor 100 Jahren in den guten Bürgerfarnilien die Winterabende beim Licht einer einzigen kerze verbrachte und daß nur be: festlichen Gelegenheiten mehrere Kerzen angezündel wurde so verstehen wir ganz den ungeheuren Fustschritt auf dem Gebiete der Zimmerbeleuchtung. Und doch war auch die Lichtlerze bereits das einer langen Entwicklung der WohnungserHeilung, die sich du.ch viele Jahrhunderte erstrectt hat 'Den alten Sermonen erfcr. djtete Herds gesellige Fl '.mme" zugl ich das Gemach. Rur in seltenen Fällen wurden Fackeln aus Schilf, oder Stroh verwendet. So erzayll , -A ®r€gor von Tours, wie man em ducrklcs Schlaf gemach durch en angezündetes Strrhb.uüel erleuchtete Zweifellos wurden in dieser F.ühzeit der deutschen Kullur auch schon Kienspäne verwendet da tman die Eignung dL Harze - ;u b.c em Zwecke' erkannte. Die Bezeichnung „Feckel" für einen solchen Kienspan ist schon urgeananifd). Auch das Wort Kerze dürfte deutscher Herkunft sein und mit „Werg" zusammenhängen. Die Kerze war zunächst geharztes oder gefetteies Wergaeflecht auf einem Holzftock. Auch des tierischen Fettes hat man sich früh zur Beleuchtung bedient Dazu genügte ein irdener Rapf, der einen Henkel hatte, und in d m solches Fett geschmolzen wurde, während ein mitten darin hefind- licber Docht aus Binsen, Holz oder Werg das Ansttcken ermöglichte. Diese Brennäpfe ti> rei im 1 Jahrtausend der deutschn Ge richte sehr per- breitet Da sie leicht zu Feuersbrünsten führten, so wurde der Rapf oben d ckelart g g-nvölbt und mit einer Ocffnung für den Docht versehen, näherte sich also in der Form der antiken Lampe. Für die Rächt blieb die Herdflamme die wichttgste Lichtquelle: auch der Kienspan wurde weiter benutzt So erzählt Gregor von Tou.s. daß man bei nächtlichen Gastmählern in den Hallen der Großen Pas Licht der Herdflamme dadurch steiger'e, daß Diener mit brennenden Fackeln aufgestellt Das Oel, dieses vornehmste Drennm sterial her Antlle und des Südens, war zunäe) t dem Deutschen ganz unbekannt. Mit der Parabel von den klugen und törichten Jungfrauen, die mit ihren Oellampen dem Heiland entgegengek)en sollen, wissen die frühesten Derdeutscher des neuen Testamentes, der „H lland" und Otsrid, aus diesem Grunoe nichts anzufangen. Erst durch die Kirche wurde das Oel aus Italien un& dem südlichen Frankreich, zunächst zu Speisezw.xken. eingefuhrt, und dann war es nur noch e n Schritt, auch die ewige Lampe im Gotteshaus mit diesem reinlichsten und praktischsten Brennstoff zu nähren. Die Kirche brachte auch zunächst die Lampe aus Glas oder Metal! auf und führte die antife Laterne ein. Ihr verdankt auch die Kerze, zuerst in der Form des großen Kerzcnstocks, ihre Entstehung. Statt des Wergdochtes wurde der F rdend.-cht als Kern gewählt, um den die 'Bremunaf'e in der Art gelegt wurde, w e das dann lange Jahrhunderte hindurch durch das sog. Licht^ehen geschah, indem man näml.ch die von einem Brett niederhängenden Dochte durch den flüssig gemachten Talg ober durch Wachs zog. Der Wachsstock ble.bt aber zunächst der K rche vorbehallen, und nur die vornehmsten Herrschaften s cherten sich durch die Wachs! eferungen der Dauern dieses ed e Brennmaterial. Während Herdflamme und K.enspan beim niederen Dolk noch auf lange hin das hauptsächliche Deleuchtungsmittel blieben, wurden bei den Vornehmeren die tierischen und pflwiz- lichen Fette allgemein ve-wendet. Dvr aus schlechtem Talg gefertigte Uiqchlittk«ze ist seit dem 14. Jahrhundert auch beim Kleinkrämer zu haben, und zu derselben Z-stt bilden sich die ersten Innungen der Kerz-rngießer Hauptfächlich aber wirb die älnschlittterze, das g wöhnliche Be- leucytungsnunu bis ins 19 Iah huniert hinein, im Hause selbst angefertigt. Auch im allen Brrnn- napf wird noch Unschlitt gebrannt Zumeist aber stecken die Kerzen in Stand- und Wcuidleuchtern, auch in Kronleuchtern Das heimische Brennöl w.rd erst seit dem 16 Iahrhunde t mehr benutzt: daneben dient der Tran zu Leuchtzwcken, das Fett des Walfisches, das schon durch seine holländische Form, gebildet aus „Träne", seine Herkunft anzeigt. Die Laterne, die zunächst die Kirche^ von den Römern übernahm, bürgerte sich im ibäteren Mittelalter als tranepartab.es De- leuchtungsgerät für Haus und Straße ein Große Helligkeit, die bei seltenen Frsten als wahres Wunder gemeldet w.rd, wurde durch zah.reiche Wachslichter erzielt, die von der Decke herabhingen, auf den Eßtischen standen und bei den Wandleuchtern durch dsth nter angebrachte bianfe Schirme zurückgeworfen tourb n Diese Ker;en- beleuchtung, im Rokoko verstär.st durch die Lichtbrechung der Glasttonleuchter, bio b die schönste und festlichste Beleuchtung bis ins 19 Jahrhundert, das um 1850 die Petroleum!ampe, dann das Gaslicht und schließlich das elekttische Licht brachte. ördon-f an 'Jteicfydbontrroten fbiuK stch um 800 Millionen henre^rcn, wenn das Reich nach und noch den Gegenwert der bei der Reichsdank ein* gezahlten Devisen für Sachlieferwrgen. Tes in der Internationalen Automobilausstellung in Paris darbietet. Frauen sind es, die hier nach genauer Untersuchung ihren Urteilsspruch über die Eignung der Wagen fällen. Weißbehandschuhte Frauenhände hatten das Steuerrad umfaßt, zierliche Füßchen in Atlasschuhen berühren den Gashebel, während ein gehorsamer Mann, ergebe^ des Urieilspruches harrend, Daneben steht und sich der höheren werblichen Einsicht beugt. Dieser Wechsel im obersten Richteramt bedeutet eine folgenschwere □Teuerung, die eine Einstellung der gesamten 3nbuftrie auf die Wünsche der weiblichen Kundschaft zur Folge haben muh. In früheren Zellen war es stets der Mann, der dis Prüfung eines Autos vorn ahm. Er hob die Haube, prüfte den Motor, versuchte die Bremse, während die Frau sich mit der Rolle einer stummen Zuschauerin begnügen muhte. Heute, da die Frau daS Auto wählt, tst ihre Forderung nach Schönheit der Linien und der Farben das erste Gebot. Die neuen Wagen erstrahlen in leuchtendem Zitronengelb, in Blau, Orange, Rot und Grün. Im Innern sind sie ein molliges Rest von Kissen mit vernickelten Behältern für Kleiderbürsten. Ein Hauch des Bouroirs schwebt über dem Ganzen. UeberaU sind verstellbare Spiegel angebracht, bamit die Dame sich immer wieder übecfrzugen kann, ob ihre Frisur in Ordnung oder ihr Teint einer Ruance von Rot bebürftig ist. Entgegenkommende Erzeuger erklären sich auch bereit, das Innere des Wagens in jeder von seiner Besitzerin gewünschten Farbe auszustatten. Die moderne Limousine hat bie Bestimmung, bte Frau deutlich dem Beschauer sichtbar zu machen; die wellen Fenster sollen ungehindert den Blick ins Innere bringen lassen, um, wie in einer Thoaterloge, die Besucherin gegen die taubengrauen Kissen gelehnc zu zeigen. Kleine rosa Lichter sind an der Decke befestigt und in Reichwelle der Hand sind silberne Flacons für Parfüm, eine silberne Zigarettendose, ein Keiner Behälter für einen Lippenstift und für die Puderdose angebracht. So kommt also das moderne Auto den lebensnotwendigsten 'Bedürfnissen der Frau entgegen, und cs ist daher kein Wunder, dah sie sich mit Leidenschaft ihrem neuen Richteramt hmgrbt. Die Zunahme der Langlebigkeit. Wie sehr das Leben des Menschen durchschnittlich im Laufe der Jahrtausende sich verlängert hat, geht aus Statistiken hervor, die von Pariser Blättern veröffentlicht werden. Danach war die durchschnittliche Ledenslänge eures Menschen im Rom der Kaiserzeit 18 Jahre. Diese kurze Lebensspanne wurde hauptsächlich durch die sehr grobe Kindersterblichkeit hervorgerufen. Das durchschnittliche Lebensalter in Fnantteich vor der Revolution belief sich auf 28 Jahre, im Jahve 1800 auf 32. 1850 auf 37 und 1880 auf 40 Jahre. Dor dem Kxiege war das durchschnlltliche Lebensalter auf 46 Jahre gestiegen. Der Weltkrieg hat diese Entwicklung naturgemäß unterbrochen, aber eine andere Statistik, die das Alter der berühmten Männer berücksichttgt. zeigt eine fortlaufende Zunahme der Langlebigkeit. Es wird im 15. Jahrhundert auf 521/2 Jahve berechnet» im 16. auf 63 Jahre, im 17. auf 5472 Jahre, im 18. auf 67l/s Jahre, im *19. auf 681/3 Jahve und für die Gegenwart wird es mit 71 Jahren angegeben. Die Zunahme des durchschnittlichen Lebensalters ergibt sich auch zweifellos aus den Zahlen der groben Lebensversicherungsgefellschaften. Briefmarken für daS heilige Jahr. Die italienische Regierung gibt zur Feier des heiligen Jahres eine Serie von 6 Erinnerungsmarken im Werte von 20, 30, 50, 60 Centesirni und 1 und 5 Lire hercms, die wah^md des ganzen Jahres 1925 für das l1/2fadje ihres Rorninalwer- tes verkauft werÄen sollen. Die älebsrschüfte sollen dem Komitee für die Feier des heiligen Jahres zuflieben. Die Zeichnungen stellen die vier groben Kirchen Roms, St. Peter, Santa Maria Maggiore, San Paolo-suori-le-rnure, San Giovanni in Latevano ft>wve die beiden Szenen der Oeffming und Schließung der Iubilämnstür dar. Die Devolkermrg der Welt. In dem letzten halben Jahrhundert ist in der Bollszahl der einzelnen Kulturländer eine gewaltige Veränderung vorgegcrngen. Damals stand Frankreich mit 38 Millionen als das volksreichste Land Westeuropas an der Spitze. Dann kam Deutschland mit 37 Millionen und Grvhbritannien mit 30 Millionen, während die Vereinigten Staaten eine Bevölkerung von 36 Millionen besahen. Rach den neuesten Statistiken ist Frankreich well zurückgeblieben. Es hat nur 1 Million Einwohner mehr als vor 50 Jahren, während Deutschland trotz seiner Verluste durch den Versailler Vertrag mit 64 Millionen angefetzt ist, das Vereinigte Königreich von Grvhbritannien mit 49 Millionen. Die Bevölkerung der Bereinigten Staaten ist auf 110 Millionen gestiegen, hat sich seit 1800 verzwetunbzwanzigfacA, seit' 1850 ver- sechSeinhalbfacht. Die Bevölkerung der ganzen Welt wird auf 1800 Millionen geschätzt, von denen 500 Millionen auf Europa kommen, 900 Millionen auf Asien, 200 Millionen auf Rord-> und Südamerika, 150 Millionen auf Afrika. Austratten yat nur ntn MrqcpMtz oer **iuent ne» onaue OMonS etwa 7 Millionen. Büchertisch. — Deutschland 1914 — 1924. EinDvch der Gröhe und der Hoffnung in Bildern. Heraus- gegeben in Verbindung mit dem Reichsarchiv —■ Otto Stollberg & Co., Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin SW 48. In bunter Reihenfolge ziehen hier Bilder des Schicksals unseres deutschen Vaterlandes in dem letzten Jahrzehnt vorüber. Mit Stolz und Freude, Ernst und Trauer betrachtet man die hier zusammengestell- ten Zeugen unserer deutschen Schickung. Als Wegweiser und Kamerad auf dem schweren Schicksalsweg des deutschen Volkes sollte ein jeder Deutscher das Buch sein eigen nennen. 1102 — Martin Luther, vom unfreien Willen, nach der Aebersehung von Justus Ionas herausgegeben und mit Rachwori versehen von Friedrich ©ogarten. Ehr. Kaisers Verlag, München, 1924. 6,50 Mk., geb. 8 Mk. Dah Ge- garien, der Vertreter des gläubigen Radikalismus, gerade diese Schrift des Reformators herausgab und mit einem Rachwori versah, ist zu verstehen. In diesem Rachwori sucht ©ogarten nachzuweifen, „bab nur die Vindung durch di« Wirklichkeit, und das kann nichts anderes briben als durch Sott“, die Welt aus dem Chaos ihrer Schrankenlosigkeit retten kann. Der auch heute noch klaffende Gegensatz zwischen Erasmus und Luther tritt uns in den Ausführungen Gogartens entgegen. 993 — Musikalische Bildung. Don Prof Dr. A. Schering. (Wissenschaft und Bildung Rr. 85.) Preis 1.60 Mk. Es ist ein erfreuliches Zeichen für das in weiten Kreisen lebendige Interesse für die musikalische Bildung, dah von die»' fern vorzüglichen Ratgeber in kurzer Zeit mehr als 15 000 Bände in Umlauf gelangen. Ein Duch wie dieses ist geradezu ein Schlüssel zum Verständnis der Musik. An Hand einer Fülle charakteristischer Beispiele werden die rnusikali- schen Elementarformen und Wirkungen sowie die zusammengesetzten Formen erörtert. Eine Reihe ästhetisch fein empfundener Analysen musikalischer Meisterwerke geben im zweiten Teil gewissermaßen die Anwendung der Theorie auf Vie Praxis. — Pflanzentafeln. Don Prof. Dr. O. Schmeil. 88 farbige und schwarze Tafeln nebst 90 Seiten erläuterndem Text. Preis in Leinenband 3.60 Mk. (Derlag von Quelle & Meyer fn Leipzig.) — Die bekannten meisterhaften farbigen Tafeln des Schmeilschen UnterrichtswerkeS nebst den zahlreichen prächtigen Raturaufnahmen sind hier zum Ruhen aller Raturfreunde in einem stattlichen Dande vereint. Jede farbige Tafel ist das Ergebnis eingehender wissenschaftlicher Beobachtung. Durch die Zusammenarbeit des Raturforschers und Künstlers entstanden, zeigen sie feinste künstlerische Durcharbeitung und technisch vollendete Darstellung. Der Schule ist hier em glänzendes Arbeitsbuch geboten, an Hand dessen Die Schüler im Sinne des ArbeitsunterrichtS selbsttätige Beobachtungen anstellen und sich botanische Kenntnisse erarbeiten können. Der schmucke Band wird Raturfteunde, Lehrer und Schüler in gleicher Weise begeistern. — In Derbindung mll der vergangemetz Herbstmesse hatte das Frankfurter Mehcmll im> Rahmen der Kunstmesse im Römer eine Ausstellung .Das Saarland" veranstaltet. Um die Erinnerung an die Saar- Ausstellung festzuhalten, hat das Metzarnt in seiner bekannte.,, Schriftenreihe als 15. Heft eine Sammlung von Aufsätzen erscheinen lasten, die sich mit der Geschichte, mit Handel und 'Industrie des Saar- gcbietcS usw. beschäftigen. Wer sich über das Saarland zii unterrichten wünscht, «findet hier reichen Stoff zur Orientierung und für gründliche Studien. 1282 ~ edwrMpfarö- die beste Kinderseife Krem-Drog Angast Noll, P. J. fflöbi, Drog. Georg _________Walloniels, Drog. 0. WlnterhoK. 4146c KpanVQOin?Noinl ®e9 Leber-u.Magenleid.,selbst tangj. m ÖUnöulU! HD 111! hilft best. ttarlssprndel viskirchen H hatte der Mann mll dem Revolver Duvall, der über den crusgestvecften Wann gebeugt war, schon einen Schlag auf den Kopf verhetzt; dann ergriff er feinen Genossen beim Arm und sie eilten zum Zimmer hinaus. „Richard I Richard!" rief ©race und schlang die Arme um ihren besinnungslos baliegenben Mann. Stapleton, der eingetreten war, sah sie bestürzt an. „Was tun Sie?" rief er aus. Grace erhob sich, schmerzlich bleichen Gesichts. „Einen Arzt! Schnell! Er ist verletzt — Gott im Himmel, sehen Sie beim nicht, dah er verletzt ist?" Im Sprechen fiel sie ohnmächtig zu Boden. Zwölftes Kapitel. Als Richard Duvall eine Stunde später wieder zum Dewuhtsein kam, lag er aus einem Sofa in der Bibliothek. Ein rasch h.nbngerusener Arzt beugte sich über ihn. Stapleton sah grimmig dreinschauend in einem Lehnstuhl. Sonst war niemand im Zimmer. „Ist meine Frau hier?" rief der Detektiv, indem er sich auszurichten versuchte. Der Arzt druckte ihn sanft zurück. „Fassen Sie sich, Monsieur," sagte er besänftigend. „Sie sind nicht schwer verletzt. Rur vorübergehend betäubt. Ein leichter Schlag — das ist alles. In einer halben Stunde sind Sie wieder ganz wohl." „Aber — meine Frau!" Er sah sich traurig im Zimmer um. „Was meinen Sie, Duvall?" fragte Stapleton ruhig« „Warum glauben Sie, daß Ihre Frau hier ist?" Seltsame Uitterwochen. Roman von Arnold Fredericks. 30. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) „Rasch Ramvnd!“ schrie er, „nichts wie fort!“ Da war Grace schon im Zimmer. Sie wusste, bab sie das Ausreiben der Leute verhindern michte, aber wie — wie? Sie sahen sie unheilverkündend an. Der jüngere der beiden zog einen Revolver hervor. Riemand hatte nur Zeit gehabt, ein Wort zu sprechen, als die Dienerin zum drittenmal erschien. Ihr Gesicht war b.ech wie der Tod — ihre Knie schlotterten vor Schrecken, als sie den Revolver funkeln und den Mann am Boden liegen sah. „Herr Duvall ist hier," stich sie hervor und blieb schweigend stehen. Der am Boden liegende Mann kam zu sich pnd "begann, mit den Füben um sich zu schlagen. Da drang Duvall hinter der erschrockenen Dienerin ins Zimmer ein. „Rasch, Herr Duvall!" rief der Kerl mit dem Revolver. „Ich bin von der Präfektur. Ich habe einen der Räuber gefesselt. Der andere — er deutete auf den sich abmühenden Mann am Boden — will mir ausreiben. Helfen Sie mir sofort!" ©oace war durch das plötzliche Erscheinen ihres Mannes und über des Schurken Worte so ^erstaunt, bab sie die Sprache verlor. Duvall warf sich aus ben Mann am Boden und packte ihn am Kvagen. „Richard! Richari)!" kreischte Grace und vergaß Lesevoe und ihre Derlleibung. „Paß ‘auf I" Sie hatte die Worte noch im Mund da „Eine Spur von Delirium. In einigen Minuten fühlt er sich wieder ganz wohl. Gewöhnliches Symptom in diesen Fällen," flüsterte der Doktor. Ich hörte ihre Stimme. Sie rief mich Beim Damen, gerade als der Schurke mich traf.“ „Mein lieber Herr, Ihre ©ebanfen gehen irr. Bleiben Sie ruhig liegen, bitte." Der Arzt versuchte seinen Patienten in die Kisten zurückzubrücken. Duvall fuhr sich völlig verwirrt mit der Hand über die Stirne. „Ich könnte schwören, ihre Stimme vernommen zu haben," rief er aus. „Es war Fräulein ©oncourt, die junge Dame von der Präfektur, die Sie gehört haben, Duvall,“ bemerkte Stapleton ruhig. — Er sagte dem Detektiv nicht, bab ©race, als sie zu sich kam und vom Arzt horte, Richarbs Wunbe sei oberflächlich und gar nicht ernst, sie beide beschworen hatte, über bas Geheimnis StillschweiMn zu bewahren, bie Sache sei eine rein persönliche unb könnte ihr nur viel Unannehmlichkeiten bereiten, falls sie verraten würde. Stapleton war darauf nur unter der Bedingung eingegangen, bab sie der Polizei inchts von fernem Vorhaben für den folgenben Abend mitteiton würde Sie hatte plötzlich eine heftige Erregung gegen diese Schurken empfunden, die nicht nur sie beide, ihren Mann und sie getäuscht, sondern ersteren noch zum Opfer eines gefährlichen Angriffs gemacht hatten. Sie war entich'o^sen, mit verzweifeltem Ernst den Versuch zu machen, die Verbrecher zu fasten oder das Kind vor dem folgenden Abend ausfindig zu machen. Sie hatte Stepteton versprochen, Lefevre nicht in den Plan der Rückgabe des Kindes, den der schwarz bärtige Mann Vvrgeschlayen hatte, ein- zu weihen. Die Lage der Dinge feuerte sie an. Sie beschloß, der ganzen Sach« auf den ©rund zu gehen, ehe toeüere vierundzwanzig Stunden verloren wären. Rachdem sie das Haus verlassen hatte, rief sie einen Wagen an und hieß den Chauffeur an den Punkt der Versailler Straße fahren, wo sie nach Valentins Aussage das Auw bestiegen hatte, nachdetn sie bei den Entführern gewesen war. Hier, glaubte sie, lag der Ausgangspunkt der ganzen dunklen Geschichte. Als Duvall zu vollem Bewußtsein kam, be» stand er darauf, sich vom Sofa zu crh-ben und mit gleicher Bestimmtheit ans Werk zu gehen. Tie Art, wie er bei Der ganzen Sache genarrt worden war, brachte ihn nahezu zur Verzweiflung. Seine berufliche Geschicklichkeit, in die der Bankier so großes Dertvauen h.i te, schien ihn verlassen zu haben. Er fühlte sich erniedrigt. Staptetons Erklärung !einer Sinnestäuschung betreffs seiner Frau schenkte er ©tauben. Die Ähnlichkeit des Fräulein ©oncourt mit ©race, in Verbindung mit feinen fortwäh enden Gedanken an sie, war, so nahm er an, Dafür verantwortlich. Der Schlag auf den Kopf hatte feine Erinnerung an die Begebenhn'en der Augen^icke vor und nach dem Angriffe sehr verdunkett. Er schlug sich die Sache aus dem Kopf und ging mit erneuter Tatkraft zu Werk. Dis'jetzt hatte er, wie es ihm schien, nur eine einzige Spur von einiger Bedeutung entdeckt: die Zigarette mit Goldrand, die er im Bois de Doulogne gefunden hatte Er wollte dieser Spur folgen, bis er zu einem endgültigen Crgebms gelangt sein würde. (Fortsetzung folgt) 7085V WsZg ihre Garderobe (Herren-, Damen- u. Kinder- liaWA vrUtfl Kleider), Decken, wo!L und seid. Vorhänge, 013 |i SiP Gardinen, Federn, Handschuhe etc. etc. ■ Bmiial bS| Hnßuil Die meisten Gegenstände lassen sich durch kwä. wImwII wlw chemisches Reinigen oder Färben sicher wieder H wie neu herstellen. FärM ttr.hr Laden: Marktplatz 8.