fit. H9 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblStter Monats-Vezugspreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-AnschlMse ■ für die Schriftleituug 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehe». Postscheckkonto: Srtntffnrt a. M. 11686. Erstes Blatt 174- Jahrgang Keltag, 27. Juni 1924 GietzenerAnjeiger General-Anzeiger für Werhessen vrvck Md Verlag: Vrülsl'fche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleltung und Geschäftsftefie: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örttichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20". Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. m3 Achtstundentag und Politik. Sft Genf findet zur Zeit eine „Internationale Arbeitskonferenz" statt, zu der auch eine Reihe deutscher Vertreter der Regierung, sowie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber geladen und erschienen sind. Es war vorauszusehen, daß diese Konferenz einen erheblichen Teil ihrer Beratungen der Frage der Arbeitszeit widmen würde. Denn das Problem der Beschränkung der Arbeitszeit bewegt seit Jahrzehnten die Arbeitnehmer aller Länder, ohne bisher einer Lösung entgegengeführt werden zu können. Wohl besteht ein Washingtoner Abkommen über die Durchführung des Achtstundenarbeitstages, aber es ist nicht ratifiziert worden. Wohl ist am 1. Januar 1919 die achtstündige Arbeitszeit in der deutschen Republik eingeführt worden, aber die unerhörte Ber- schlechterung der Produktionsmöglichkeiten durch das Bersailler Diktat und besonders die Zerstörung unseres Wirtschaftslebens durch die französischen Gewaltakte in Rheinland-Westfalen haben im Verein mit den Anforderungen von Reparationsleistungen Zustände geschaffen, die eine Durchführung des schematischen Achtstundentages unmöglich machten. Die deutsche Regierung sah sich aus diesein Grunde genötigt, die bekannte Verordnung am 21. Dezember 1923 zu erlassen, die unter besonderen ä.lmständen eine Tleberschrei- tung des Achtstundenschemas gestattet und dem 'Arbeitgeber das Recht cinräumt, an 30 Tagen im Jahr eine Mehrarbeit bis zu zwei Stunden zu fordern. Es erscheint überflüssig, an dieser Stelle auf die Einzelheiten dieser Arbeitszeitver- vrdnung einzugehen, die vor allem auch dem Willen zur Mehrarbeit Einzelner Rechnung trägt, den die Revolutionsgesetze nutzer Betracht lietzen. Jedenfalls hätte man annehmen können, dah dieser Wille zur Mehrarbeit, dec nicht zuletzt aus dem Zwange, Reparationsleistungen zu tätigen, und aus der durch die Schuld der französischen Eindringlinge ins Ruhrgebiet entstandenen katastrophalen Wirtschaftslage entsprang, bei unseren Gegnern dankbarer Anerkennung begegnen würde. Weit gefehlt! Sie sehen in der Mehrarbeit eine Schädigung ihrer Interessen, und sie suchen ohne Rücksicht aus die deutschen Produk- tions- und Lebensmöglichkeiten und ohne Rücksicht auf die Yon der ihrigen grundverschiedenen Lage in dem ausgepowerten und ausgeplünderten .Deutschland uns in ein Schema zu svannen, das anzunehmen nicht nur aus wirtschaftlichen und Derrrunftgründen unmöglich 4st. Der Grund für diese Haltung liegt nahe und ist rein politischer Art. Eine Anerkennung der deutschen Mehrarbeit würde eine Verurteilung der wirt- schafts- und friedensfeindli^hen Versailler Bestimmungen und der Gewaltpolitik und Zwangsmatz- nahmen gegen die deutsche Wirtschaft darstellen. Deshalb wird 'in Genf von den Franzosen und ihren politischen Satrapen Sturm gegen die deutsche Arbeitszeit gelaufen und versucht, möglichst viele Ländervertreter davon zu überzeugen, Latz das harmlos friedliche Frankreich keineswegs die deutsche Wirtschaft so zerrüttet hat, datz sie mit dem schematischen Achtstundentag nicht mehr auskommen kann. Auch die Arbeiterver- vertreter Belgiens, Frankreichs und Englands, die Herren Mertens, Iou- h a u x und P u l t o n bestritten nach den vorliegenden Berichten energisch die These, wonach die Mehrarbeit in Deutschland für die Erfüllung der Reparationen nötig sei. Ihnen assistierte selbstverständlich der französische Arbeitsminister Godart und der tschechoslowakische Regierungsvertreter Stern, der außerdem noch aus die Gefahren hinw'.es, die aus der Mehrarbeit in Deutschland für die anderen Länder angeblich erwachsen. Mit Recht erinnerte der deutsche Regie- rungsvertreter, Geheim rat Lehmann, daran, daß Deutschland seit 1918 den Achtstundentag strenger als saft alle anderen Länder durch- gefühct habe. Lind mit Recht führte er dann folgendes aus: Im Herbst 1923 sei dann durch das Zusammentreffen einer Reihe von Tlmständen eine Aenderung der ganzen Wirtschaftslage einge- treteir. Die Ruhrbesehung und ihre Folgen, die hohen deutschen Frachten, der Währungszusammenbruch und die sogenannten Micumverträge hätten die deutsche Wirtschaft völlig zerrüttet, Industrie, Handel und Verkehr zum Stillstand und die Zahl der Erwerbslosen zeitweise bis auf 5 Millionen gebracht, wobei besonders schlimm der Mangel an Kohlen wirkte. -Unter dem Zwang und 8?r Wucht dieser Verhältnisse und nach eingehender Beratung aller in ihr vertretenen Parteien sah sich die Regierung damals gez'wungen, von der Durchführung eines starren Achtstundentages abzusehen und auf tariflichem Wege in vielen Industrien seit 1923 eine Verlängerung der Arbeitszeit einzusühren, während sie noch in anderen wichtigen Industrien, wie im Bergwerksbetrieb, in der Glasindustrie und im Baugewerbe den Achtstundentag weiter durchführte. Die Regierungserklärung endet mit folgen Öen Worten: „Ob es gelingt, der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden, steht noch nicht fest, wie auch nicht zu übersehen ist, wie sich die Verhältnisse gestalten werden, wenn erst die Reparationszahlungen in voller Wucht auf uns lasteii. Das zur Zeit geltende Acbeitszeitgeseh vom Dezember 1923 ist ein Rotgesetz, mit seiner Aenderung ist unter günstigeren und besser übersehbaren wirtschaftlichen Verhältnissen zu rechnen. Die deutsche Regierung ist aber außerstande, über den Inhalt, Umfang und Zeitpunkt solcher Aende- rungen zur Stunde Bestimmtes zu sagen, sie muh sich vielmehr darin völlige Freiheit Vorbehalten. In ihrem Ramen möchte ich aber auch erklären, bah der in dem Bericht des Herrn Direktors des Arbeitsamtes zur Erörterung gestellte Gedanke, eine Art internationaler Kontrolle über unsere Arbeitszeit einzuführen, für uns un diskutabel ist. Ein solcher Eingriff in die Souveränität wäre für uns wie für jedes andere Volk unerträgl ich, zumal es sich nach Lage aller Umstände keineswegs um ein soziales Dumping handelt. ■ ** Als Vertreter der deutschen A r b ei ter anerkannte Hermann Müller die schwierige wirtschaftliche Lage Deutschlands infolge der Reparationen und Gewaltakte, erklärte aber weiter, dah die deutsche Arbeiterschaft fordere, die Grundsätze des Achtstundentags ohne Veränderung aufrechtzuerhalten. Eine Erhöhung der Arbeitszeit dürfe nur mit Willen und Zustimmung der Arbeiter erfolgen. Ebenso dürfe eine Kontrolle der Arbeitsbedingungen in Deutschland nur dann stattfinden, wenn sie auch in allen anderen Ländern ausgeführt werde. Im Gegensatz zu Hermann Müller erklärte der deutsche Arbeitgebervertreter Vogel, dah die Arbeitgeber durchaus nicht Gegner des Achtstundentags, aber seiner schematischen Anwendung seien. Sie seien der Meinung, dah die Arbeitszeit in Einklang gebracht werden müsse mit den An- sorderungen der Produktion. Diese Ansicht konnten die Arbeitgeber, fuhr der Redner fort, in Washington seinerzeit nicht geltend machen, ba sie dort nicht vertreten waren. Sie müssen des- halv auch die juristische und moralische Veranl- wvctung für die Washingtoner Konvention ablehnen. Der Redner schilderte dann die heutige schwierige Lage der deutschen Industrie infolge der hohen Zinssätze, infolge der allg.meiner Belastung durch die hohen Tesahungstosten, die sozialen Lasten usw., die auch von führenden deutschen Arbeiterkreisen anerkannt worden sei. Die Erklärung Iouchaur, dah der Ertrag der Mehrleistungen der deutschen Arbeiter nicht zu Reparationszahlungen, sondern zur Be-ämpfung der Arbeiterforderungen verwendet werde, müsse er als eine frivole Behauptung bezeichnen, solange Herr Iouhaux nicht Tatsachen zum Beweise seiner Behauptung an führen könne. Gegenüber dem deutschen Avbeiterde legierten Müller betonte der deutsch? Arbeitgeberdelegierie Vogel, dah seinerzeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausdrücklich vereinbart lporden sei, dah der Achtstundentag nur dann in Deutschland durchgeführl werden könne ucnn er in allen Kulturländern gleichmähig eingesührt sei. Das sei aber bis heute durchaus nicht der Fall. Die dreitägige Debatte wurde gestern mit einer Rede des Direktors des Arbeitsamts, Albert Thomas, abgeschlossen, die sich ausschließlich. auf die Frage des Achtstundentages in Deutschland bezog. Thomas spracht größte.itcils unmittelbar zu dec deutschen Delegation gewandt, indem er im einzelnen die Rede, die der deutsche Regierungsve treter Geheimrat Lehmann gehalten bäte, durchging. Thomas gab zunächst zu, datz Deutschland in den vergangenen Jahren den Achtstundentag aus das strengste durchgeführt habe, und daß auch die 'Neuordnung den Grandsatz des Achtstundentags beibehalte, der in einzelnen Industrien auch tatsächlich weiterbestehe, hob dann aber nachdrücklich, und zuweilen leidenschaftlich. hervor, daß die Tatsache der Mehrarbeit in Deutschland eine internationale Ge-- Gcsahr bilde, und verurteilte vor allem die Abkehr in der Metallindustrie vom Dreischichtensystem. Er begrüßte die Erklärung Lehmanns, dah es sich in Deutschland bei einer Mehrarbeit nur um eine vorübergehende Mahnahme handele, und verlas eine Stelle des Sachverständigengutachtens (§ 8 B Teil 1), wo es als ungerecht bezeichnet wird, dah die Alliierten im industriellen Wettbewerb durch höhere Tlnkosten und auch höhere Gehälter als der deutsche Konkurrent behindert werden. Thomas faßte dann seine Darlegungen folgendermaßen zusammen: Von einem autoritativen Eingreifen in die deutsche Souveränität ist niemals die Rede gewesen, aber helfen Sie mir, die internationale Garantie zu finden, die alle beunruhigten Staaten gegenwärtig von Deutschland fordern können, nämlich bei der Reparationskommission, beim gen der Sachverständigen und vor allem bei der Sachverständegenbericht und den Schluhfolgerun- wahren Methode, die für die Konferenz in Betracht kommt. Konflikt im Berliner StadLparlament. Der Konflikt im Berliner Rathaus zwischen den bürgerlichen Parteien und dem sozialdemokratischen Stadtv rordnetenvorsteher hat sich gestern weiter verschärft. Die bürgerlichen Parteien gaben in der Stadtverordne.en- Versammlung eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie den Stadtverordnetenvorsdeher Haß der Parteilichkeit beschuldigen und ihm ihr Mißtrauen aussprechen. Der Stadtverorkn - tenvorsteher erklärte, dah er sein Amt nicht niederlegen werde, weil er sich keinen Verstoß gegen die Geschäftsordming habe zu chulden kommen lassen. Die bürgerlichen Parteien verl'eßen daraufhin als Pro est den Saal. Eine darauf vorgenommene Auszählung der Stad verordneten ergab die D e s ch l u h u n f ä h i g k e i t des Hauses. Die Sitzung wu^de daraufhin ausge- h oben. Eine auf heute nachmittag angesetzte Sitzung der Stad'verordnetenver ammlung dürste das gleiche Schicksal erleiden. Die Tagung des Berliner Stadtparlaments dürfte wah.'cheinlich solange unmöglich gemacht tverd n, bis das Oberpräsidium oder als zweite Instanz das preußische Innenministerium sich zur Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung genötigt sieht. Rückkehr Von 60000 Ausgewiesenen i Derlin, 26. J::ni. Amtlich. Ser französische Ministerpräsident hat die deutsche Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß seine in der französischen Kammer abgegebenen Erklärungen über die Freilasssung der Gefangenen und die Wiederzulassung der Ausgewiesenen bereits durch entsprechende Weisungen an die französische Desatzungsbehörde in die Lat umgesetzt worden sind. Wie Meldungen aus Len besetzten Gebieten bestätigen, sind diese Weisungen schon seit einigen Lagen in der Durchführung begriffen. Visher ist schon für den französischen BesetzungsaLschnitt Les altbesetzten Gebiets 7500 Familien, also etwa 30 000 Personen, die Rückkehrerlaubnis erteilt worden. Am 25. Juni hat die Rhein- landkommissron die Aufhebung weiterer Ausweisungen aus dem altbesehtm Gebiet in etwa dem gleichen Amfonge beschlossen, so Laß im ganzc n etwa 15 000 Familien bzw. 60 000 Personen die Rückkehr in die rheinische Heimat ermöglicht ist. Die gleichen Maßnahmen sollen für das neubesehte Gebiet ergehen. Sonach ist damit zu rechnen, daß in kürzester Frist dem größten Leil der Ausgewiesenen die Rückkehr ermöglicht und der Mehrzahl der Gefangenen aus der Zeit des Ruhrkampfes die Freiheit wiedergegeben wird. Früher sind bereits auch die deutschen Gefangenen aus St. Martin Le Re und anderen französischen Strafanstalten gemäß der, Zusage der französischen Regierung in Gefängnisse des besetzten Gebietes zurückgeführt worden. Ansere Wünsche in dieser, dem deutschen Volke und deÄ deutschen Regierung so sehr am Herzen liegenden Angelegenheit sind durch die Initiative der Regierung des Herrn Herriot ihrer Verwirklichung einen erheblichen Schritt nähet gebracht. Möge das Echo, das dieser den französischen Derständigungswillen bekundende Entschluß in Deutschland sicherlich finden wird, mit dazu beitragen, daß auch die jetzt noch bestehenden Ausnahmen baldigst aufgehoben und damit baldigst sämtlichen Gefangenen und Ausgewiesenen die Freiheit und di« Heimat wiedergegeben werden. .* So unerfreulich Ton und Inhalt der untenstehenden Erklärung des französischen Minister« Präsidenten Herriot sind, so stark wird die Genugtuung über die Rachricht vom Beginn der Rückkehr eines erheblichen Teils der im Ruhr- abwehrkampf von Haus und Hos verjagten Rheinländer sein. Die Rheinlandkommission hat nach einer Havasmeldung diese Aushebung von Ausweisungsbefehlen am 25. Juni beschlossen und nach derselben Quelle sind ähnliche Maßnahmen auch vom belgischen Oberkornmissai für die belgisch besetzte Zone vorgesehen, so daf die Gesamtzahl der Heimkehrer sich noch um einige Tausend vermehren dürfte. Immerhin bleibt eine mindestens ebenso große Zahl noch weiter in der Verbannung, und es ist zu erwarten, daß die deutsche Regierung energisch darauf dringt, Latz die von ihr verlangte Aushebung aller Ausweisungsbefehle raschestens durchgeführt wird. Jedenfalls ist ein Grund zum Jubel über diese immer noch halbe Maßnahme durchaus nicht vorhanden. Das beweist nicht nur die Rede Herriots vor dem Senat, sondern auch die Tatsache, daß er den Vorschlag der deutschen Regierung, in der Frage der Micumverträge in Verhandlungen von Regierung zu Regierung einzutreten, glatt abgelehnt hat. Der Hinweis auf die Londoner Konferenz im Verein mit der Bemerkung, daß die deutsche Regierung den Zeitpunkt schlecht gewählt habe, kann kaum als stichhaltiger Grund für diese schroff ablehnende Behandlung der für uns lebenswichtigen Frage gelten. Eme neue Erklärung Herriots. „Deutschland muß entwaffnet werden, damit Europa in Frieden leben kann". Paris .26. Juni. (Wolff.) Der Senat ist heute nachmittag zu einer Sitzung zusarnmeage- treten. Der neu gewählte Präsident de Sel- v e s übernahm sein Amt und hielt die übliche Eröffnungsrede. Es ergreift sodann Senator Lucien Hubert das Wort, um an den Ministerpräsidenten 10 Fragen über den Charakter, die Ergebnisse und die Folgen der in London und Brüssel geführten LInterredungen zu stellen. Ministerpräsident Herriot verliest eine schriftliche Erklärung, die in der Hauptsache wie folgt lautet: „Ich habe mich infolge einer herzlichen Einladung des britischen Premierministers nach Che- quers begeben, um mit ihm die Arrangements zu diskutieren, die geeignet sind, den S achv erst ändigen-Plan zur Ausführung zu bringen. Ich vertraue auf die Annahme diesesPlanes. Die Alliierten müssen nun die Sicherheit erlangen, dah ihre Forderungen an Deutschland einen kommerziellen Wert haben. Was die militärische Besetzung des Ruhrgebiets betrifft, so ist keinen Augenblick die Rede davon gewesen, die Handlungsfreiheit der französischen und belgischen Regierung aufzu- geben. Es war notwendig, die Verfehlungen Deutschlands im Dawesplan ins Auge zu fassen. Ramsah Macdonald hat mir bestätigt, daß für den Fall, dah Deutschland versagen werde, Grohbritannien als Hüter des Vertrages sich feierlich verpflichten würde, an der Seite der Alliierten zu bleiben. Aber unsere Tlnterredung hat sich auch auf die Frage einer Garantie für Frankreich erstreckt gegen einen deutschen Angriff. Ich habe die Sicherheiten, die der Friedensvertrag gibt, nicht auf geben können. Was die Gebiete betrifft, die der französisch-belgischen Re- g i e unterworfen sind, werden die Sicherheftsbe- dingungen militärischen Sachverständigen unterbreitet. Damit Europa in Frieden leben kann, muß Deutschland entwaffnet fein. Erklärungen und Versprechungen können uns nicht genügen. Ich habe mich überzeugen können, daß in dieser §iage die Ansicht Macdonalds mit der meinigen absolut überein stimmt. Auch die Minister Theunis und Hymans haben sich, nachdem sie sich über die Einzelheiten unserer Verhandlungen unterrichtet haben, mit ans vollkommen einverstanden erklärt. Von feiten der deutschen Regierung war der Zeitpunkt schlecht g ew ä h l t, wenn sie einen Ve handlungsmodus oder ein neues Regime anstreben wollte, während die Alliierten zum 16. Juli die Konferenz einzaberufen beabsichtigen, die die rasche Durchführung des Sachverständigenplanes ermöglichen soll. Die deutsche Regierung hat selbst eine Interesse daran, ihrerseits so schnell wie möglich die für die Ausführung des Sachverständigenplanes notwendigen gesetzgeberischen Bestimmungen zu schaffen. England wünscht, dah sich Deutschland durch eine unterschriebene Verpflichtung bindet. Ich habe alle Borsichtsmahregeln ergriffen, damit diese Verpslich ungen keinerlei Reuerungen des Vertrages von Versailles schassen. Ich habe mich durch endgültige Abmachungen nicht gebunden. Das letzte Ergebnis äiefer Verhandlungen ist die Festigung des einmütigen Wunsches der Vertreter Englands, Frankreichs und Belgiens, einen Frieden der Gerechtigkeit dir schaffen. Wir haben erklärt, dah an dem Tage, cm dem Deutschland die Verpflichtungen erfüllt hat, die ihm der Vertrag von Versailles auferlegt, es nur von ihm abhängen werde, in den Dö lker b und einzutreten. Wir haben uns dann verständigt, zu erklären, dah Deutschland nicht beunruhigt werde, wenn es loyal sei, dah aber, wenn es nicht loyal sei, ihm nichts erspart bleiben würde." Als Herriot seine Rede beendet hatte, wurden ihm vom Senat regelrechteOvativnen bereitet Senator Lucien Hubert stellte fest, datz die Erklärung des Ministerpräsidenten ihn im ganzen befriedigt habe, allerdings unter dem Vorbehalt weiterer Auseinandersetzungen. Ich will unter st reiche n, sagte er, daß Herriot erklärt, datz im Einverständnis mit unseren Alliierten Deutschland emwaffnet werden müsse. Wenn der Ministerpräsident sein Programm durchführen kann, wird er sich um das Land sehr verdient gemacht haben. In der Kammer, in der der Abg. Klotz Anfragen an die Regierung über die Verhandlungen von Cheguers richtete, gab Herriot dieselbe Erklärung ab. Auch Klotz versicherte, dah er befriedigt sei. Skandal im Tschechischen Landtag. Emer Drahtmeldung aus Prag zufolge kam es in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses bei den Verhandlungen über die Aufhebung der Immunität des deutschnationalen Abg. Dr. Schollich zu großen Skandalszenen. Schollich sagte in einer Erklärung, er nehme für den ihm zur Last gelegten Ausdruck (er hat in einer Versammlung gesagt, wenn die Regierung auf der Beschlagnahme des deutschen Waldes bestehe, bann werbe der Wald in Flammen und Rauch aufgehen) die Verantwortung auf sich. Er trage auch die Verantwortung für einen zweiten Ausspruch, den er hier wiederhole: „Wennes wiederzueinemKriegemit Deutschland kommt, so werden wir nicht so dumm sein wie 1 8 6 6 und auf unsere Brüder schiebe n!" Diese Worte entfesselten stürmischen Widerspruch auf tschechischer Seite und trugen dem Redner die Entziehung des Wortes durch den Präsidenten ein. Da Schollich trotzdem weiterspricht, wird er für fünf Sitzungen ausgeschlossen. Da er trotzdem die Rednertribüne nicht verläßt, erteilt der Präsident die Anweisung, den Abgeordneten durch die Par - lamentswache aus dem Saale entfernen zu lassen. Die sich bei der Abführung des Abg. Schollich abspielenden t u m u l t a r i s ch e n Szenen veranlassen den Präsidenten, die Sitzung zu unterbreche n. Rach Wiedereröffnung der Sitzung gaben sämt liche Oppositionsparteien eine Erklärung ab, worauf sie den Sitzunassaal verließen. Deutscher Reichstag. Berlin, 26. Juni. 1924. Am Regierungstisch ArbeitSmimster Dr. VraunS. Auf der Tagesordnung stehen 45 Anträge aller Parteien über sozialpolitische Fragen: verbunden wird damit die sozialistische Interpellation über die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit und ein Antrag der Rationalsozialisten auf Vorlegung eines Geschenttvurfes, der den deutschen Frontkämpfern die Vorrechte im Staate einräumen soll, die sie sich mit ihrem Blute vor dem Feind erstritten haben. Abg. D e i d t (Deutschn.) richtet den Appell an das Weltgewissen, den Rotruf eines sterbenden Volkes zu hören. Der Redner dankt den barmherzigen Menschen, die die Volksspei- sungen ermöglichen und dadurch Tausende vom Hungertod erretteten. Die brüderliche Gesinnung sei nienrals so stark gewesen wie in diesen Zeiten der Rot. Aufreizend wirke jedoch die Schlemmerei gewisser Kreise. An einzelnen Forderungen stellt der Redner im Sinne der deutschnationalen Anträge aus Erhöhung der Renten der Kriegsbeschädigten und der Verstümmelungszulage, Schonung Der wirklich Geschädigten beim Personalabbau, berufsständigen Umbau der Sozialversicherung Aenderung de8 Gesetzes zur Erhaltung leistungsfähiger Kranlenkasfen. Erwerbslosenfürsorge auch sür Jugendliche, keine Durchbrechung des Rachtbackverbotes und der Durchführung der Sonntagsruhe, Einrichtung von Arbeitsgerichten in Verbindung mit den ordentlichen Gerichten. Zur Arbeitszeitfrage erklärte der Redner, daß die Deutschnationalen nicht gewillt sind, den Achtstundentag zu bekämpfen, aber er dürfe auch nicht als Dogma aufgestellt werden. Abg. Grap mann (S.) richtet an die Mitglieder der Rechten die Aufforderung, ihre Zustimmung zu den warmherzigen sozialpolitischen Ausführungen des Vorredners dann nicht zu vergessen, wenn es ans Bezahlen gehe. Das einzige, worauf das kaiserliche Deutschland hätte stolz sein iönnen, wäre seine soziale Gesetzgebung gewesen. Wir wehren uns dagegen, daß diese Sozialpolitik jetzt immer weiter abgebaut werken soll. Die deutschen Unternehmer verlangten Preise über den Weltmarktpreisen und auf der anderen Seite zahlten sie Löhne, die weit unter den Welt- mar ltlöhnen liegen. Der Redner sucht dies an zahlreichen Beispielen nachzuweifen. Gr verlangt vor allem eine Senkung der Rohstoffprei'e durch eine scharfe Kartellgesehgebung. D e Produktionssteigerung sei nicht durch eine Verlängerung der Arbeitszeit zu erreichen. Der Redner ging dann auf die Anträge seiner Fraktion ein. Diese Anträge verlangen Erhöhung der Renten der Kr e s- beschädigten und Kriegshinterblieberen, Aufhebung der Verordnung über die Fürsorgepflicht und der Verordnungen über die Vereinfachun .ea in der Sozialversicherung und über die Krankenversicherungen. Weiter wird gefordert, die Kran- kenversicherungspfltcht der S^eleuie. Erhöhung der Invalidenrenten, Reform der Erwe-bsioenfür- svrge, Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag und Aufhebung der preisverteuernden Kartelle. Hierauf wird die Beratung durch die gestern verschobenen Abstimmungen über die Anträge zur Deamtenbesoldung unterbrochen. Rach längerer Geschäftsordnungsdebatte und der Ablehnung verschiedener Anträge wird der Antrag des Hauptausschusses unverändert angenommen' Er besagt, das) die zur Verfügung stehenden 71 Millionen ausschließ- lich zur Aufbesserung der Gruppen 1 bis 6 verwendet und außerdem die Frauen- und Kinderzulage in allen Gruppen erhöht werden sollen. Das Ergebnis der Abstimmung wird von den Kommunislen mit Pfuirufen ausgenommen. Sämtliche Anträge zum Personalabbau Serben auf Antrag des Zentrums dem Haupt» cmsschuß überwiesen. Die Anträge auf Aende- nmg des Reichsbeamtengesehes und des Pen- s^onsergänzungsgesehes werden dem Beamtenausschutz überwiesen. Angenommen wird gegen Zentrum, Deutsche Volkspartei und Demokraten ein sozialdemokratischer Antrag, den weiteren Personalabbau solange auszusehen, bis der Gesetzentwurf über eine zweite Abänderung der Personalabbauverordnung vom Reichstag verabschiedet ist. Damit find die Abstimmungen erledigt, und die sozialpolitische Aussprache wird fortgesetzt. Abg. Frau Teuschmann betont, das Zentrum habe immer mit allem Eifer die Sozialpolitik gefördert. Wir verlangen ein Obligatorium für die Familien-Krankenversicherung, vor allem eine Ausdehnung der Familien-Wochcn- hilfe. Die Verwaltung der Sozialversicherung muh vereinfacht und verbilligt werden. Der Gesetzentwurf über die Erwerbslosenversicherung sollte möglichst schnell verwirklicht werden. Für die Erwerbslosenfürsorge in dem besonders schlecht gestellten besetzten Gebiet müßten auch Zuschüsse aus dem unbesetzten Gebiet geleistet werden. Die furchtbare Rot de Kkeinrentner erforderte die schleunige Herausgabe der Ausführungsbestimmungen zur Fürsorgeverordnung. Wir halten nach wie vor am normalen Achtstundentag fest, aber er darf nicht zum starren Schema werden, sondern muh sich den Produktionsnotwendigkeiten an- passen. Ein Arbeitsgerichtsgeseh mutz schleunigst vorgelegt werden. Abg. S t e t t e r (K.) bezeichnet es als eine widerliche Heuchelei, wenn diejenigen Parteien über die Sozialpolitik sprechen, die durch ihre Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz erst den Abbau der Sozialpolitik ermöglicht hätten. Von diesem Reichstag, diesem Geldsackparlament könne das Proletariats nichts erhoffen, es müsse sich selber helfen. Abg. Thiel (D.Vp.) fordert In erster Linie eine bessere und direkte Versorgung der Kriegsopfer, denen in der Inflationsperiode bitteres Unrecht angetan worden sei. Die Sozialversiche» rnug muh dem sozialistischen Monopol entzogen und auf einer berufsständigen Grundlage auf- gebaut werden. Die Erwerbslosenfürsorge mutz in eine Erwerbslofenversicherung un gewandelt werden. Ein Dogma des Achtstundentages bestehl für vernünftige Arbeitnehmer nicht, aber die Bemessung der Arbeitszeit darf nicht der Willkür des Arbeitgebers überlassen werden. An Stelle des Schlichters sollte eine Körperschaft über die Derbindlichkeitsercklärung von Schiedssprüchen entscheiden. Abg. Fahren horst (Rat.-Soz.) meint, es Set eine Schande, daß man erst vom Reichstag die Pflichterfüllung gegen die Kriegsopfer fordern müsse. Wir verlangen vollständige Aufwertung der den Kriegsbeschädigten gezahlten Abfindungen und Renten, Gefängnisstrafen für -Unternehmer, die Kriegsbeschädigte entlassen, einen Ehrensold von monatlich 100 Goldmark für die Altveteranen von 1864, 66 und 70. Die vorbildliche Sozialpolitik der kaiserlichen Zeit sei von den nachnovemberlichen Regierungen in Grund und Boden versaut worden. Abg. Ziegler (Dem.) erklärt, eine wirksame Sozialpolitik werde erst möglich fein.nach der Lösung des Reparativnspvoblems. Für die Kriegsbeschädigten müsse besser gesorgt werden. Besonders müssen die Verhältnisse der Kriegerwitwen und Kriegerwaisen nachgeprüft werden. In der Krankenversicherung hat sich die Form der Ortskrankenkasse am besten bewährt. Im Arbeitsnachweiswesen ist der Betrieb zu bürokratisch. Wenn es notwendig war, ist die Arbeiterschaft immer zur Leistung von Ueberstunden bereit gewesen, aber der Achtstundentag darf nicht beseitigt werden. Wir hallen es nicht für richtig, datz Juristen an die Spitze der Arbeitsgerichte treten. Abg. Schwarzer (Daher. Vp.) verlangt eine grundlegende Aenderung in der Versorgung der Kriegsbeschädigten. Der größte Teil der Bedürftigen gehe jetzt trotz der Zusahrente leer aus. Die Zusahrente sollte einfach zur Grundrente zugeschlagen werden. Abg. Hetzel (Wirtschastl. Dgg.) bedauert gleichfalls die unzureichende Versorgung der Kriegsbeschädigten und verlangt vom Reich Hilfe für den Mittelstand, der durch die staatlichen Verfügungen in der Inflationsperiode an den Bettelstab gebracht worden sei. Don Art. 164 der Verfassung, der dem Mittelstand den Schuh des Reiches verheißt, sei nie Gebrauch gemacht worden. Abg^ Jen h en (Deutsch-Soz.) betont, Hilfe sür die Rotleidenden und Bedrängten sei der beste Schutz der Republik. Dem Leihkapital, den Wucherzinsen und der Dividendenpolitik der Banken müsse zu Leibe gegangen werden, dann würde auch Geld für die sozialpolitischen Aufgaben da sein. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge, die die Kriegsbeschädigten betreffen, werden einem besonderen Ausschuß, die übrigen dem Sozialpolitischen bzw. Volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Um 7>/2 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag 12 Uhr. Auf Der Tagesordnung stehen Interpellationen über d i e R o t l a g e de r Lan dw i rt schäft unddes Weinbaues. Die Etatberatung im Hessischen Landtag. (Eigener Bericht unserer Darmstädter Redaktion.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9V2 Uhr. Am Regierungstisch: Staatspräsident Ulrich, sowie die Minister Henrich und von Brentano. Die Spezialdebatte zumStaatShaushalt für 1924 wird bei Kap. 9 und 10 fortgesetzt, die zusammen beraten werden. Sie behandeln den Anteil aus den Reichs steuern usw., sowie die Landessteuern, indirekten Auflagen usw. Der Ausschuß beantragt, an Mehreinnahme aus den Reichssteuern 6000 000 Ml. in den Haushalt einzustellen und die gesamte Summe auf 26474 000- Mark festzusetzen. Ferner wird beantragt, einem sozialdemokratischen Antrag zuzustimmen, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß für die endgültige Veranlagung der Reichseinkommen- steuer die progressive Ausgestaltung des Einkommentarifs angewandt wird. Zu demselben Kapitel liegen noch folgende Anträge der Deutschen Voltspartei vor: „Der Landtag möge beschließen, die Regierung um Anweisung an die zuständigen Behörden zu ersuchen: 1. bei Stundungen und bei Erlatzvon Steuerschulden mit Rücksicht auf die bestehende Wirtschaftslage in weitherziger Weise zu verfahren und den berechtigten Wünsch, n der Steuerzahler weitgehendes Entgegenkommen zu gewähren: 2. den Kleinrentnern und denjenigen Steuetpslichtigen. die denRachweis e bringen, daß ihr Kapitalvermögen im wesentlichen aus Hy- pothekenforderungen, Staatsanleihen und Obligationen besteht, auf Anfordern die S teuer - schulden gänzlich zu erlassen." Ferner wird beantragt, der Landtag möge unter Ablehnung des Artikels 1 des Finanzge- sehes beschließen die Regierung zu ersuchen, alsbald eine neue Vorlage des Finanzgesetzes aas- zuarbciten, durch die a) die Sähe der Grundsteuer vom landwirtschaftlichen D e- s i h den Sähen der preußischen Grundsteuer angeglichen werden, b) die Sähe der Gewerbe- steuer um dieHälfte herabgesetzt werden c) die Sonder st euer vomGebäude- besitz in Wegfall kommt. Abg. Lux (Soz.) teilt als Berichterstatter mit, daß von dem ersten Antrag der Deutschen Dolkspartei der erste Punkt vom Finanzausschuß angenommen sei der zweite wurde der Regierung als Material überwiesen. Der zweite Antrag der Deutschen Voltspartei ist abgelehnt worden, Außerdem hat der Ausschuß einen sozialdemo- kratischcn Antrag angenommen, der u. a. vorsieht daß etwaige Erträge aus der Wohnungswirtschafi nur zur Befriedigung des Bedarfs an Kleinwohnungen Verwendung finden dürfen. Ebenfalls stimmte der Ausschuß einem Zentrumsantrag auf Steueifftundung im besetzten Gebiet za. Zu Kap. 10 beantragt der Ausschuß u. a., die Regierung zu ersuchen, dem Landtag spätestens bis zum 1. Oktober eine Uebersicht über den Eingang aus Sondersteuern von Gebäuden vorzulegen, um hiernach darüber Beschluß fassen zu können, wie weit die Mehreingünge für die Förderung deS Wohnungsbaues verwendet werben können. Abg. Brauer (Dnll) verliest sodann nachstehende Erklärung seiner Partei. „Die gestrigen Aeutzerungen des Staatspräsidenten Ulrich über persönliche Verhältnisse des Abg. Kindt veranlassen uns zu der Erklärung, daß wir das Hereinziehen von persönlichen Angelegenheiten von Abgeordneten in die Landtagsverhandlungen, mögen sie erwiesen oder nicht erwiesen fetn, als den bisherigen Gepflogenheiten deS Landtags zuwider aufs entschiedenste zurück w e i s e n müssen." Abg. Dingeldey (D. Vp.) erklärt sich mit dieser (Srllävung einverstanden und wünscht, daß in allen Fällen persönliche Angriffe und Beleidigungen unterbleiben. ■ Staatspräsident Ulrich stimmt ebenfalls der Forderung zu, meint aber, daß in manchen Anträgen ein persönlicher Ton angeschlagen sei. Abg. Schott (D. Vp.) spricht zu Kap. 10. Er zeigt an einer Reihe von Beispielen, wie Landwirtschaft und Weinbau unter den 3m- verhältnissen leiden. Der Redner tritt für Steuer- stundung ein, und empfiehlt die Anträge der Deutschen Volkspartei zur Annahme. Abg. Dr. Büchner (Dem.) bespricht Steuerfragen vom Standpunkt der Industriellen aus. Abg. D i e h l - Hochweisel (Bbd.) setzt sich mit den SteueraufstÄungen des Abg. Lux auseinander. Abg. Dr. Greiner (Komm.) erklärt, diesem Staat würden die Kommunisten keine Steuern bewilligen. Finanzminister Henrrch bemerkt zu den allgemeinen Klagen über die Steuern, er schließe sich ihnen an. Was Hessen mehr als andere Länder an Staatssteuern erhebe, das werde an Gemeindesteuern gespart. Die Anträge der Deutschen Volkspartei bedeuteten einen Ausfall von 17 Millionen. Eine neue Vorlage des Finanz- gesehes auszuarbeiten, sei technisch nicht durch- siihrbar. Bei der Stundung von Landessteuern werde Entgegenkommen gezeigt werden. Um 1 Uhr werden die Verhandlungen abgebrochen. Rächste Sitzung morgen 9 Uhr. Anträge. Dem Landtag ist ein Antrag Brauer und Gen. zugegangen, im Staatsvoranschlag die Stellvertretungs- und Aushilfe- ko st en sämtlicher Hauptabteilungen um 75 Proz. und die Postgebühren um 50 Proz. herabzusehen. Die Abgg. S t u r m f e l s und Gen. beantragen, die Regierung aufzufordern, dem Landtag eine Vorlage über eine Reureg elung der ärztlichen Gebührenordnung vorza- legen. Die Abgg. Sturmfels, H o f m a n n-Sel.. Dr. Werner, Reiber und Greiner beantragen, die Regierung zu ersuchen, die Kreisgesundheitsämter anzuweisen, daß sie die wiederholte Aufforderung zur Impfung "unterlassen, falls der Erziehungsberechtigte, nachdem er einmal wegen Unterlassung der Impfung seiner Pflegebefohlenen rechtskräftig bestraft worden ist, die eidesstattliche Versicherung abgibt, daß er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, seine Pflegebefohlenen impfen zu lassen. • Abg. Reiber beantragt, der Landtag möge besstlietzen, daß der für Den Anlauf von Kunstwerken vorgesehene Betrag von 2000 Mk. auf mindestens 15 000 Mk. erhöht wird mit der Maßgabe, daß die Erhöhung wenn irgend angängig, Hessischen Künstlern zugute kommen soll. Aus Stadt und Land. Gießen, den 27. Juni 1924. Die (Hieszener Jugendherberge auf dem Hoherodskopf. _ „Wer allzeit hinterm Ofen sitzt, Grillen fängt und Hölzlin spitzt, Und anDre Länder nie beschaut. Der bleibt ein Rarr in seiner Haut!" So fang dereinst schon Ha n s Sachs, und wir geben ihm gerne recht, aber „Froh schlägt das Herz im Reisekittel, vorausgesetzt, man hat die Mittel!" reimt Wilhelm Busch sehr t.ef- sinnig, und wir müssen ihm auch recht gebend Da nun heuer gerade die Mittel so rar sind, ganz besonders bei der wanderlustigen Jugend, so muß ein neuer Weg gefunden werden, um den jungen Menschen das Wandern und Rei.en zu ermöglichen, die neben frohem Herzen und leichtem Sinn auch nur mit leichtem Säckel ausgerüstet sind. Dazu sind unsre Jugendherbergen da, die weitverzweigt sich bereits über ganz Deutschland und Oesterreich erstrecken. Eine neue Masche in dem großen Retz soll unsre Jugendherberge au f dem Hoherodskopf werden. Dort steht auf dem höchsten Gipfel, unmittelbar hinter dem Klubhaus, das sogenannte Schweizerhäuschen, ehemals für Zwecke der Obersörsterei erbaut, im, Krieg Russen- quartier und gegenwärtig malerisch verwildert. Leere Fenster- und Türhöhlen grinsen dich an, fehlende Ziegel und ein schlecht eingefugter Kamin geben dem gefährlichen Wasser Zutritt von oben, so daß die Decke unb einige Balken sehr mitgenommen sind. In diesem Frühjahr drohte ihm der Abbruch: da hat es der Verband für Jugendherbergen gerettet, um es zu.einem Heim für die wandernde Jugend werden zu lassen, wo sie nach des Wandertages Mühe eine würdige, einfache Unterlauft finden kann, ohne Verpflichtung und ohne Versuchung zu größeren Geldausgaben, ganz auf sich selbst gestellt, wie es dem Sinn unserer gesunden Jugend entspricht. ■Unb das Häuschen auf dem Oberwald ist wohl geeignet, ein schönes Rest zu werden: nach heimischer Sitte sind die Wände mit grünen Schindeln bekleidet, und freundlich leuchtet daS rote Ziegeldach durch die Bäume. Im Erdgeschoß soll eine Küche unb der Schlafraum für Mädchen eingerichtet werden, der ganze erste Stock soll den Buben gehören, und das Dachgeschoß wird mit Strohsäcken für Her bei gShochbe trieb ausgerüstet. Sogar stärkere Schulllassen sollen im Häusel Platz finden, um Gelegenheit zu haben, den Vogelsberg einmal wirklich kennenzulernen, unb nicht zu denken, es sei bloß ein dunkelbrauner Fleck auf der Landkarte. Auch im Winter wird die Herberge der sporttreibenden Jugend eine gastliche Stätte fein. Jedoch — ich muß auf Dusch zurück- kornmen — unser Heim kann nur werden, wenn totr „die Mittel" zum Ausbau aufbringen können. Eine Haussammlung soll unferm Werk zu Hilfe kommen, und es steht zu hoffen, daß die fugend- lichen Sammler in der nächsten Woche Überall offene Herzen unb Hände finden werden, damit der Ausbau im Laufe dieses Sommers noch erfolgen kann. Dr. F. „ Universitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 29. Juni, vormittags IV L Uhr, fmbet in der Reuen Aula ein älniversitäts- Gottesdienst statt, zu dem in erster Linie die Angehörigen der Uniöerfität eingeladen sind. Selbstverständlich hat auch jeder andere Zutritt. Die Predigt hält Pros. Hans Schmidt. * * Die Besteuerung der von Amerika freigegebenen deutschen Vermögen. Der Treuhänder in Washington hat in seinem Tätigkeitsbericht für 1923 gesagt daß die Rutznießer des Gesetzes vom 4. März '1923 abgeneigt sind, ihr Vermögen zurüctzuerlangen in der Furcht und dem Glauben, ihnen werbe es zum größten Teil aus irgendeine Weise wieder abgenommen. Diese Annahme findet in vielen Zuschriften, die an bte Amerika-Abteilung deS Hansabundes gelangen, ihre Bestätigung. Wit Bezug hierauf hat nun der Hansaband, wie er unS mitteilt, eine Anfrage an den Reichsminister der Finanzen gerichtet, der unterm 17. ds. Mts. darauf folgendes geantwortet hat: „Die von Amerika auf Grund der Winslow Bill freigegebenen deutschen Vermögen unterliegen der Vermögenssteuer 1924, durch deren Entrichtung aber im Hinblick auf die niedrigen Steuersätze (3—71/2 vorn Laufend des steuerbaren Vermögens) eine erhebliche Schmälerung der freigegebenen Beträge nicht eintritt. Sofern das freigegebene Vermögen infolge Erbfalls oder Schenkung den Besitzer gewechselt hat, ist auch Erbschaftssteuer zu zahlen. Von den übrigen in Betracht kommenden Reichs- fleuem sind die freigegebenen Vermögen gemäß 8 18 des Reichsentlastungsgesetzes befreit, sie werden insbesondere auch nicht zur Dermögenszu- wachssteuer herangezogen." * * Die Julimiete in Preußen. Rach einer Verordnung des preußischen Wohlfahrts- ministeriums vom 25. Juni beträgt die gesetzliche Miete in Preußen ab 1. Juli 62 Prozent der reinen Friedensmicte. Aus der gesetzlichen Miete sind nunmehr neben den Betriebskosten sämtliche auf dem Grundstück ruhenden öffentlichen Lasten zu entrichten. In Gemeinden, in denen der Zuschlag zur ^rundvermogenssteuer mehr als 100 Prozent beträgt, ist der Vermieter berechtigt den 100 Prozent übersteigenden Betrag umzulegen. * * Don der Stenographie. Das Hessische Regierungsblatt Rr. 17 enthält eine De- kanntmachung des Landesamts für das Bit dungswesen, wonach für den RachweiS der De- fähigung zur Erteilung des stenographifchen Un- terichts in öffentlichen Lehranstalten ein Prü- funasamt gebildet worden ist. Die Prüfung findet in Der Regel im Januar eines jeden Jahres in Darmstadt statt. Zur Prüfung werdeii in dev Regel nur solche Bewerber zugelassen, die in das zwanzigste Lebensjahr eingetreten sind und den Rachweis erbringen, daß sie die nötige geistig: Reife und allgemeine Bildung besitzen. D;r Prüfung wird vorläufig bis zur Entscheidung über ein Einheitssystem das System Gabelsberger zugrunde gelegt. ’* Auszeichnung Prof. Windersteins. Dem Leiter des Bad-Rauheimer staatlichen Kurorchesters Hofrat Prof. Hans Winde r stein wurde von der hessischen Staatsregierung der Titel „Generalmusikdirektor" verliehen. * * Ernennungen. Ernannt würden der Lehrer Ludwig Philippi zu Rixfeld, Kreis Lauterbach, zum Lehrer an der Volksschule zu Lollar, Kreis Gießen: die Schulamtsanwärter: August A l b a ch aus Ossenheim zum Lehrer an der Volksschule zu Ober-Gleen, Kreis Alsfeld: Jakob Hartmann aus Alsfeld zum Lehrer an Der Volksschule daselbst: Adam Scharlach aus Rordheim zum Lehrer an der Volksschule zu Hemmen, Kreis Lauterbach: Friedrich Vier- heller aus Liederbach zum Lehrer an der Volksschule zu Storndorf, Kreis Alsfeld. * * P u ppen — Gegenstände des täglichen Bedarfs. Die Franffurter Strafkammer als Berufungsinstanz entschied, daß Puppen als Gegenstände des täglichen Bedarfs anzusehen seien. * • Leichenländung. Die Leiche des am Dienstag gegen Abend beim Baden in der Lahn ertrunkenen Karl Dapper ist gestern vormittag in der Rähe des Freibades geländet worden. Der Leichnam wurde nach Dem Friedhof überführt. * * ilnfere Reichswehrkapelle gab gestern abend auf Der Liebigshohe ihr Drittes Abonnementskonzert unter Der persönlichen Leitung Des Obermusikmeisters L ö b e r. Die Kapelle bereitete mit ihren ausgezeichneten Darbietungen, die sie in exaktester Weise zu Gehör brachte, wieder einen vollen Genuß. Das sehr zahlreich versammelte Publikum wurde des lebhaften, stets wohlverdienten Beifalls nicht müde, so Daß sich die treffliche Musikerschar zu zahlreichen Zugaben verstehen mußte, was sie offensichtlich auch sehr gern tat. Auf Grund Der bisherigen gediegenen Leistungen Der Kapelle Darf man ihr für die künftigen Abonnementskonzerte Die beste Empfehlung mit auf den Weg geben. X Der Verband evangel. -kirchl. Frauenvereine in Hessen hielt am Mittwoch im Hindenburg eine stark besuchte vberhessische Parallel-Versammlung zu Der in Darmstadt stattgehabten Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Dekan Gußmann -Kirchberg, verlas Den Jahresbericht 1923. Der Verband zählte zu dessen Ende 121 Vereine. Das infolge der Inflation eingegangene Verbandsblatt soll wieder erscheinen, auch wird eine neue Geschäftsführerin angestellt wer- Den, wozu die Mittel vorhanden sind. ALdann behandelte Dr. meß Happich- Dannstadt das Thema „Gesundheit, Ehe und Familie". Die interessanten Ausführungen gipfelten in Der Forderung der Kameradschaft, genährt aus dem Quell der Religion. Der Vorsitzende schloß mit Dem Wunsch auf die Auswertung des Gehörten die Versammlung. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag. Gießener Goethe-Woche: Geheimrat Prof. Dr. König: „Goethe und die Farbenlehre", 8V2 -Uhr, Physikalisches Institut. — Englisches Seminar: Vortrag Prof. I. A Roh. „Entwicklung und gegenwärtige Lage Kanadas". — Rundfunkhaus, Loberstraße: 8 Ähr Vortrag von Dr. Kohler- mann über Oswald Spengler, 81Uhr Lustiger Abend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Kußverbot". — Astoria-Lichtspiele: „Die Magyarenfürstin". — Palast-Lichtsviele: „Kriemhilds Rache". — Gießener Gvethe-Woche. Man schreibt uns: Als letzte Veranstaltung der Gießener Goethe-Kundgebung findet heute abenb im Physikalischen Institut ein Vortragsabeird statt, art Dem Geheimrat Professor Dr. König über „Goethe und die Farbenlehre" sprechen wird. An Der Hand von zahlreichen und interessanten Vorführungen wird der Redner über Die naturwissenschaftlichen Htudien Goethes berichten und insbesondere Einblick geben in hie sich über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckenden intensiven Arbeiten Goethes an seiner Farbenlehre. Es ist zu erwarten, daß auch dieser vielversprechenden Gocth veranstal.ung all eilig s Cnterei): entgehe i- gebracht wird. (Räheres stehe im gestrigen Anzeigenteil.) Landkreis Gicsten. * Kirin-Linden, 26. Juni. Die 7 0. Jubiläumsfeier des hiesigen Posaun enchors, die am nächsten Sonntag stattfindet, bringt vormittags und nachmittags große Feiern. Am Rachmiltag wird u. a. Freitag und Samstag “*sa Neustadt Str. IE Gießen, den 27. Juni 1924. 021280 1 ßjMSS A WMWW diese Woche bei II II ft n « n Für alle Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange meines lieben Mannes, sagen wir hierdurch herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Thekla Biervert SKTSSESyZiS»^-' —VtM ’pflipirg? Heute entschlief plötzlich und unerwartet meine über alles geliebte Frau, die treusorgende Mutter meiner Kinder Frau Kätchen Gräf geb. Lieh In tiefem Schmerz: Ludwig Gräf, Rechnungsrat und Kinder Darmstadt (Müllerstr. 411), Gießen (Leihgesterner Weg 7/24), den 24. Juni 1924. Beerdigung in der Stille in Gießen. Blumenspenden sowie sonstige Beileidskundgebung dankend abgelehnt. 021292 Ein treues Mutterherz hat aufgehört zu schlagen. Allen Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Tante Frau Elisabethe Müller geb. Kroneberg nach kurzer, schwerer Krankheit von ihrem mit großer Geduld ertragenem Leiden erlöst wurde. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Ludwig Müller, Schuhmachermeister, und Kinder. Heuchelheim, den 26. Juni 1924. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag um 21/, Uhr vom Sterbehause, Bachstraße 67, aus statt 5235D WllllWlM Darmstadl - Gießen! Geboten in Darmstadt: Geraum. 2Ztrn.- Wohnung in. Küche u. sonst. Zubeh., GaS u. elekir. Licht, in best. Lage lNheinstrabe). vlesucht in Gießen: Gleiche ob. gröbere Wohnung. Tausch mühte möglichst halb staufinben können. Schristl. Angeb. uni. -Mßv an den Gietzener Anzeiger erbeten. 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Dazu kamen tüchtige Leistungen auf der Orgel und auf derVwline, von zwei jungen Hamburger Künstlern geboten. Alle Kräfte vereimaten sich m der Bach- schen Kantate über „Wachet auf ruft uns die Stimme" für Chor, Soli, Orgel und Violine. Die ganze Feier war umrahmt und durchsetzt von Orgelspiel und Gemeindegesang. Wir rufen Herrn Robert Meineckemit seiner jungen Hamburger Bereinigung ein herzliches Auf Wiedersehen" zu. Dg Großen-Buseck, 25. Hunt Am Sonntag fand unter Leitung der hiesigen Gruppe des Landjugendbundes eine Sonnenwendfeier statt, an der sich audji auswärtige Verbände beteiligten. Vei Einbruch der Dunkelheit wurde auf dem Altenberg ein Feuer abgebrannt Reden und Lieder charakterisierten den Sinn der Feier. — Heute beging unsre um di, Gesundbeits- und Krankenpflege der Dorfbewohner hochverdiente Schwester Bertha ihren 60 Geburtstag, zu dem ihr zahlreiche Glückwünsche überbracht wurden. Bereits am Vorabend brachte ihr der hiesige Posaunenchor ein Ständchen. »Grünberg, 26. Juni. (Marktber i ch r.) Auftrieb: 284 Schweine. Die Preise zogen gegenüber dem letzten Markt etwas an. Es wurden bezahlt für 5 Wochen alte Ferkel 18 Mk., für 6 Wochen alte 20 Mk., für 7 Wochen alte 23 Mk.» für 10—11 Wochen alte 29—30 Mk. Rachfragen nach Läufern konnten nur vereinzelt befriedigt werden. Kreis Schotten. ♦ Schotten 25. Han. Der Kreistag hielt im hiesigen Rathaussaale unter dein Vorsitz des Kreisdirektors, Geh. Regierungsrat Doeck- mann, eine ordeirtlicheSitzung ab. Der Haushaltsvoranschlag für 1924, der mit 193 534 Mark abschließt wurde genehmigt. Zur Deckung des Bedarfs in'Höhe von 112 004 Mk. sind folgende Steuern vorgesehen: 1. Anteil an den Lieber Weisungen von Reichseinkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer 22180 Mk. 2. 3 Pf. Grundsteuer auf 100 Mk. Steuer wert der Gebäude uub Bauplätze in Gemeinden, 7 Pf. desgl. von land- und forstwirtschaftliche genutzten Grundstücken: 3 14 Pf. Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen in selbständigen Gemarkungen, 30 Pf. von landwirtschaftlichen Grundstücken, 50 Pf. von Wald: 4 15 Pf. von 100 Mk. Steuerwert als Sondersteuer von Gebäuden in Gemeinden: 5. 50 Pf Sondersteuer von Gebäuden in Gemeinden: 5. 50 Pf. desgl. in selbständigen Gemarkungen: 6. 3 Prozent Grunderwerbssteuer in Gemeinden, die diese Steuer nicht erheben und in selbständigen! Gemarkungen: 7. vorläufige Gewerbesteuer von i/g des staatlichen Satzes in Gemeinden: 8. desgl. von 7/8 in fetbftänfoigen Gemarkungen: 9. endgültige Gewerbesteuer nach den staatlichien Grundlagen, wie sie gegen Ende des Hahres fest stehen, im Betrage von 4000 Mk.: 10. Hundesteuer in selbständigen Gemarkungen, 12 Mk. für den Hund. 10 Proz. der Sondersteuer von 4 und 5 werden für Zwecke des Wohnungsbaues verwendet. Der Anschluß des Kreises an den Arbeitsnachweis Gießen wurde als unzweckmäßig und teuer abge- lehnt und die Einrichtung eines eigenen Arbeitsnachweises verlangt. Es wurden drei Resolutionen gefaßt: 1. die Regierung zu ersuchen, bei der beabsichtigten Zentralisierung des Strahenwesens die Interessen des vom großen Verkehr abgelegenen Kreises Schotten zu währen: 2. der Regierung vorzustellen, daß die derzeitigen Steuern unerträglich sind und im Staat mehr Sparsamkeit durchgeführt werden muß: 3. bei der Regierung die Herabsetzung der die Verbände stark belastenden Pflegesätze in den Heil- und Pflegeanstalten wiederholt zu beantragen. Starkenburg und Rheinhessen. • Offenbach, 26. Juni. Unter dem Verdacht denRaubmordan dem Kaufmann Ernst H e n k e an der Offenbacher Schleuse am 17. Juni begangen zu haben, sind in M ü n ch e n ein Anstreicher aus Düsseldorf, ein Gelegenheitsarbeiter und eine Prostituierte aus Frankfurt a.M. fest- genomm en-worden. Die Verhafteten leugnen die Tat. Sie erklären, daß sie erst am 17. Juni in das unbesetzte Gebiet gekommen seien, also an dem Tag der Auftinfoung der Leiche. Bis dahin seien sie drei Wochen von den Franzosen ge- gefangen gehalten worden. Sie wiesen auch einen von den Franzosen am 17. Juni ausgestellten Entlassungsschein vor. Die Festgenommenen sind bereits nach Offenbach gebracht worden. * Darmstadt, 26. Juni. 3m städt. Hallenschwimmbad hat sich gestern abend eine v ie r zi g jähri ge Fr au in der Badewanne durch einen Schuh ins Herz das Leben genommen. Der Grund zur Lat dürste in einem unheilbaren Leiden zu suchen sein. Kreis Wetzlar. • Wetzler, 26. Juni. Ein tragisches Geschick raffte den neuen Leiter der Heilanstalt Waldhof- Elgershausen. Stabsarzt a. D. Dr. mefo. Lange aus dem Leben. Der Verstorbene, der erst vor drei Wochen als Rachfolger von Dr. Liebe die Leitung der Anstalt übernommen Chatte, wurde von einem Insekt gestochen und verschied an der Vergiftung innerhalb wenigerStunden. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M, 26. 3uni. Zahlreiche Angestellte einer großen Frankfurter Speditionsfirma haben sich erheblicher Veruntreuungen schuldig gemacht. Sie haben drei in den Güterhallen des Frankfurter Hauptgüter- und Eilgüterbah choss stehende und mit Waren aller Art beladene Güterwagen künstlich alS überzählig verbucht und dann die Waren untereinander ver- Metzgermeister Aulmann, Marktstratze Kahl, Bleichstratze Kühn, Marktstratze E. L. Sack, Walltorstr. 4 Langjährige Garantie. Günstigste Zahlungsbedingungen. MUGUST FÖRSTER Gießen, Bahnhofstrasse65B und Lieh (Oberhessen) Gegründet 1876. - It. für Freitag- St»? !^lifd)ö eemmar- Ä nnn Dr. Ner T W LM« 111 ; rtitafe** Nit »Ä fcs 1 igt z,. ajL’Wnt der I 1 denen der ? ^loi AM I 'ne De, für foy M der JSWfat Un. K in L | ? und d>n SB- sau ML I LLans Din, Evr verliehen nnw würden der u Kreis Volksschule zu Mamtsanwärter: n -um Lehrer crn I u Kreis Alsfeld: ud zum Lehrer an Scharlach aus ® Volksschule zu Sriedrich Jier- ; Lehrer an der Ä Alsfeld, ände des tag, Arter Shaskam, died, bab Puppen oedarss anzusehen & Leiche des am laden in der Lahn tff gestern vor» gdänbti mot» I ch dem Znedyof I rlapelle gab chvche ihr drittes persönlichen Lei- b e t Die Kapelle Men Darbievin- zu Dehvr brachte, das lehr zahlreich )es lebhasten-, stets müde, so dah sich i zahlreichen Zu« »ofscniichtlich auch er bisherigen ge- >fle darf man ihr rkonzette die beste geben. :angel.-kirchl. e n hielt am Milt» eiuchte vberbÄlische in Darmstadt statt- b. Der forschende,. । terfaä den Iah« ihliezudesienEnde r Inflation eilige- der erscheinen, auch -in ange,M wer- ; sind. 2Ldann be- ch-Darmstadt das Samilie". Die in- elten in der Foo .hrt aus dem Quell d- schloß mit dem des Gehörte du teilt. ES handelt sich um bedeutende Mengen Wein, Sekt und Gebrauchsgegenstände aller Art. Der Haupttäter war der mit der Betreuung der Wagen beauftragte L a g e r ch e f selbst. Außer dem Lagerchef tourfoen alle Beteiligten nach dem Verhör wieder auS der älnterfuchungshaft entlassen, da kein Fluchtverdacht vvrliegt. Einer der D i r e k t v r e n ist seit der Aufdeckung der riesigen Veruntreuungen verreist und wird jetzt gesucht. — Sn einer Altstadtwirtschaf t wurde der seit langem gesuchte Einbrecher und Matrose Julius Weller mit seiner Geliebten, der 26jährigen Paula Langer aus Riederrad, verhaftet. Das Paar hatte sein Leben lediglich aus den Erträgnissen von Einbrüchen gefristet, dabei aber soviel erworben, daß es sich aufs feinste ausstaffieren und sich erst noch vor ein paar Tagen zwei wertvolle Fahrräder anschaffen konnte. Ferner wurde bei dem Paar ein bedeutender Gewbetvag vorgefunden. — Am Mittwoch abend wurden in der Rähe des Riederwaldes auf einen Personenzug Frankfurt-Hanau acht scharfe Schüsse abgegeben. Die Täter konnten trotz sofortiger Verfolgung unerkannt entkommen. Don den Reisenden wurde niemand verletzt. — Sm nahm Schwanheim entfernte sich dieser Tage eine junge Frau mit ihrem vierjährigen Sohn aus der Wohnung mit dem Bemerken, daß sie Einkäufe machen wolle. Später fand man am Main Hut und Tasche der Fvau. Aus hinterlassenen Briefen an den Ehemann ging hervor, daß die Frau mit dem Kinde den Tod im Main gesucht und gefunden hatte. Die Leiche der Frau wurde noch am gleichen Tage aus dem Main gelandet. fpd. B a d H o m b u r g v. d. H., 26. Juni. Sn der Stadtverordnetensitzung kam es bei der Erörterung von Wohnungsfragen zu erregten Auseinander!ehungen zwischen den Bürgerlichen und dem kommunistischen Stadtverordneten Riedel. Dieser machte beleidigende Aeuße- rungen und wurde dafür zur Ordnung gerufen. Die Tribünenbesucher, die ihm sekundierten und trotz wiederholter Verwarnungen lärmende Zwischenrufe machten, wurden schließlich von ihren Plätzen entfernt. Als sich Riedel trotz mehrfacher Aufforderung nicht dazu verstehen wollte, die beleidigenden Anwürfe zurückzunehmen, wurde auf Antrag dieSitzungab- gebrochen. fen*, — ---' ^81 üunten, Sport und Spiel. Die leichtathletischen Meisterschaften des Gaues Hessen-Hannover am kommenden Sonntag auf dem Platze des Gießener Sport- Clubs von 1900. Sn diesen Kämvfen werden sich nur dieBesten der leichtathletiktreibenden Vereine von Hessen- Hannover um den Gaumeistertitel bewerben. Rach den bis jetzt eingegangenen Meldungen aus Kassel, Göttingen, Corbach, Marburg, Wetzlar usw. zu urteilen, wird es bei foer in den meisten Kon- ttirrenzen herrschenden Gleichwertigkeit des Materials sowohl in den Bor» als auch in den Endkämpfen hart auf hart gehen. Naturgemäß ist die 100-Meterstrecke am stärksten belegt. Der Kasseler V.f. L. Hessen-Preußen wird hier mit RpanVtoin ? bin I Geg.Leber-u.Magenleib.,selbst langj. MWI! iM! hilft best.ttarlssprudel visNrchen 14 fern « »inmiiwiiw yreitag uno samsiag » Heugras kMgjzxi, prima Futter, 3300 qm abzugeben. ® **** ■■ Marburger Ltr. 56, tzintcrgcbiiiiiic. Diefenbach Telephon 956 Am 24. Juni wurde uns nach Gottes unerforsch- lichem Ratschluß unser lieber, herzensguter, unvergeßlicher, einziger Sohn, Neffe und Vetter Carl im blühenden Alter von 16 Jahren durch Unfall genommen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: i. d. Namen: Carl Dapper. Gießen (Johannesstr. 5 III), Neukirchen, den 27. Juni 1924. Die Beerdigung findet Samstag, den 28. Juni 1924, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus, statt. 011293 dem bekannter Sprinter und meyrmaugen Gaumeister Freund und seinen anderen guten Sprintern Wohl die wichtigste Rolle spielen. Ganz offen wäre das Rennen allerdings, wenn der Gießener Fischer zur Zeit in der Form laufen • könnte, die ihm vor zwei Jahren bei den Gau- metster^chaften in Göttingen mit dem Sieg über Freund in 100 und 200 Meter den Gaumeistertitel eintrug. Allerdings werden sich die beiden Wetzlarer, Waldschmidt und Voß (früher als Mitglied des Düsseldorfer S. C. v. 99 ür Westdeutschland repräsentativ), Paul von Polizeisportverein Kassel und der 1900er Streu« ter auch nicht so ohne weiteres abfertigen lassen. Die 400, 800 und 1500 Meter dürften Deute der Hessen-Preuhen-Leute Wittekind und Pfister werden. Sm 5000-Meierlauf wird wohl der alte Göttinger A. S. C.-Mann Müller in seiner alten Klasse das Feld behaupten. Sn foen Wurf- und Sprungkonkurrenzen erscheinen einige „Kanonen", teils mit internationalen, teils mit repräsentativen Ehren. Sm Diskus und Kugelstoßen wird Hunghenn, Hessen-Preußen, kaum zu schlagen sein, genau so wenig der Kurhesse Adams im Weit- und Stabhochsprung. Das Speerwerfen und der Hocksprung dürften noch eine vollkommen offene Sache sein. Die unbedingt schwersten Kämpfe wird es in den Staffeln geben, vor allem in der 4xl00°Meterstaffel. Die aussichtsreichsten Bewerber sind: Hessen-Preußen- Kassel, Gießen 1900, F. C. Wetzlar und Polizei- sportvere'm Kassel. Sn der olympischen Staffel dürfte man auch mit ziemlicher Sicherheit die Kasselaner in Front sehen. Sn der 3x10000» Meterstaffel geht der akademischen Sp.-Vg. Marburg ein guter Ruf voraus. Bei der Güte und großen Anzahl der eingegangenen Meldungen steht also den Gießener Sportfreunden ein gutes und reichhaltiges Programm bevor, zumal man bei der routinierten Wettkampfleitung des G. S. C. v. 1900 mit einer guten Abwicklung rechnen darf. Zu dem oberhessischen Kraftfahrzeug-Wettbewerb der am nächsten Sonntag in Gießen auf der Straße nach dem Schiffenberg ftottfinfoen wird, find bis jetzt 2 6 Autos und 49Motor* r ä foer als Konkurrenz an gemeldet worden. Die Fahrzeuge werden von bewährten Lenkern gesteuert, so daß mit sehr spannenden Kämpfen zu rechnen ist. Den Siegern winken sehr wertvolle Preise, die im Schaufenster der Auto Handlung Göbel, Schulstraße, ausgestellt sind. Kirchliche Nachrichten. Isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 28.3uni. Freitag abd. 7.50, Samstag vorm. 8.00, Predigt nachm. 4.30. Sabbatausgang 9.40. — Wochengottes, dienst: QHorg. 6.15, abds. 7.15. Verantwortlich für Politik und Feuilleton: S. V.: Heinz Gvrrenz. Sack, Seltersweg Senftier, Frankfurter Str. L. Bogt, Neuenweg. ,roD SMWllllMWk Sonntag, den 29. Juni Leichtathletische Meisterschaften des Gaues Hessen - Hannover IIISMN-, M>- MUMMNMM Dotfömpfe norm. 9.30 M EMUldoog noffim. 2.30 Ahr Eintritt 50 Pfennig _____5233D Die kluge Hausfrau nimmt nur 5207a Für den Vertrieb eines völlig neuartigen, konkurenzlosen, patentiert. Schaufenster- Lichtreklame-AvvarateSiBerk.-Pr.20Dr.) suche tanHerfreler für Oberhessen. Offerten von Bewerbern mit ca. 500 Mk. bar an 2l. 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Juni, Berelneroanöerfahrt nach Odenbausen, Abfahrt vräcis 21L am Vereinslokal. Rege Beteiligung auch der passiven Diitglieder erwünscht 6223D Der Vor»f nd. 8 Ausnahmetage vom 28.Junibis5Juli 2.20 Mk. 0.58 Mk. grau, Paar Auf nachstehende Artikel W Prozent Rabatt Frotte 100 cm breit Voll Voile weiß 80 cm breit, per Meter Mk. 1.65 Hemden-Zephir 80 cm breit, per Meter Mk« 1.20 Damen-Strümpfe schwarz und bananen, la . Seidenflor Paar . . . Mk. l./v Damen-Hemden Kunstseidene Jumpers in all. mod.Farb.u.Fassonsrx en Mk. 18.00 15.00 13.50 und V-DU Herren-Socken Karierte Bettzeuge 80 cm breit Mtr. Mk. 155u. 1.30 Kleiderdruck 72 cm breit Mtr. . . . Mk. 1.45 Herren-Socken bunt, in Farben sortiert r\ na Paar..... , . . . Mk. U./D Herren-Socken bunt, in Farben sortiert 1 m Doppels.u.Hochf.PaarMk LIU Kunstseid. Unterröcke in allen modernen Färb. 11 Mk. 11.50 Kunstseidene Hosen in allen modernen Färb. < nrv Mk. o.yo Schürzenstoffe 120 cm breit, per Meter Mk. 1.85 Bettkattun 80 cm breit Mtr. . . . 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Jeder Zuhörer in unserem Saale ist Preisrichter! 5179a Die Geschich Merkwürdigem 5 keine »• A ob die antike 6fei toten w ftiöbeofül Töp ven >??rQu< 1 dar es x;» .Unfrei RtSrfe einen £ kW ML' eine J US lediglich g eben ä.'fe des WL gitual Dte' "'ÄechdieFw ME reicht wurde. ©1* HTÄi serer slücht'^A Schaffung wnKM Giicjilen. die )tiy u Protektion IraMl men nicht zu sck " “a sind die Dauern tm Spiels. (®ie gHuff Matthes usw " erscheinen mußten. * Gröbere, selbstan M-S-» 5*5 träge verbundenen 1. ren es Äuhland dur Rumänien, Italien stand England. Fra> Zeutschland längst a> Die $ürme und Lau rings um uns. Icn uftD. D. Red.) fl vberungssriedens un gung, vor allem a sallenschast, von dr R^nne kommen, n dieser Ausstellung dann jedes Sreign frtW jugelW u. bare Bewegungen k der Dell so gestell Dille sich durchsetzt, ihre Zeitungen sich aufregen und dieser sm ihrer Gefühle v dah jeder v?eih' nr ztveiselt oder überm jetzt verzichten sif - sehr starke "Gefühl nijsen ein Maschine den Dämpse des?ei bald in jene Röhre, gelangen, w sie nüt Qualm entsteht. Di« Politische Sinn der s jede Situation bis die Aussaat und Pf Gegnern. Finden sic Welch unemestliche Mögen, und nur des Lötvenbräukellei ^lberius hätte im M die ganze lang« ^tche diese deutsch vieg dez Gemütes i. ’Pt Wem aufgenon -oedenken wir tz, ffschen Politik alle II, Zreltag, 27. Zunl m Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Zweites Blatt m. UM selben Gegenstand weit überlegen ist und das Originalwerk sein dürste. Außerdem kommen Porträts der großen englischen Meister des 18. Jahrhunderts. so von Reynolds, Raburne a. a. unter den Hammer. nachgeahmt. Die Bakterien wurden dem Rauch längere Zeit ausgesetzt und dann 24 Stunden zusammen mit einer unberauchten Kontrolle bei 37 Grad C. bebrütet. Es zeigte sich dabei, daß der Labakrauch auf alle geprüften Keime eine deutliche entwicklungshemmende Wirkung ausiibt. Die Keime gelangten auf den dem Rauch ausgesetzten Rährböden nicht mehr zur Entwicklung. In einer zweiten Versuchsreihe wurde die tötende Wirkung des Tabakrauches geprüft. Dabei ergab sich, daß von allen Dakterienkultuoen nur- die sehr empfindlichen Influenza-Dazillen durch die Einwirkung des Tabakrauches abge- thtet wurden. Die übrigen, viel widerstandssährge- ren Bakterien konnten durch den Rauch einer Zigarre von 5 bis 6 Gramm nicht getötet werden. Es ergibt sich also, daß durchs den Laba.krauch eine starte entwicklungshemmende Wirkung auf den Dakterienwachslum ausgeübt wird, aber so gut wie keine abtötende Wirkung auf Bazillen, die bereits zur Entwicklung gelangt sind. „Wenn überhaupt." sagt Wolff, „so kann der Labakrauch nur eine prophylaktische Wirkung zur Verhakung der Ansiedlung von Bakterien in der Mundhöhle ausüben: die Abtötung einer bereits entwickelten Dakteraenkultur lädt sich nicht erzielen, zumal die Verhältnisse in be: Mundhöhle viel komplizierter liegen als in den Versuchsbedingungen des Experiments." Der Tabakrauch hatte dieselbe Wirkung, wenn man ihn duich Watte filtrierte. Da durch die Watte hauptsächlich Rikotin zurück- gehalten wird, so dürste die entwicklungskemmende Wirkung durch die wasserlöslichen Bestandteile des Rauches hervorgerufen werden Trennte man den Rauch von seinen wasserlöslichen Bestandteilen .so hatte er seine Wirkung vollständig verloren.'Daraus ergibt sich, daß die in Wasser löslichen Substanzen des Tabakrauches. Rikotin, Formaldehyt und Pyrrol, den Hauptan e l an der balterienfeindlichen Wirkung des Rauches haben. * Handels- und Gewerbe - D a n k A. G. Frankfurt. Die Generalversammlung, in der 57* Aktionäre 41 949 OOO Stimmen vertraten, genehmigte bei 200 Stimmenenthaltungen die Iah- resschluhrechnung für 1923 und beschloß, den Reingewinn von 18 061 000 Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. Die Erhöhung des Aktienkapitals wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Keine Zahlung mit Devisen im Jnlandverkehr. Es ist in der breiteren Oeffentlichkeit kaum recht bekannt, daß die Berordnun vom 2. Rovem- ber 1923 über die Annahme von Devisen im inländischen Zahlungsverkehr im Juni abgelaufen unt> nicht verlängert worden ist. Damit treten die älteren Bestimmungen wieder in Kraft, wonach die Zahlung mit Devisen im Inland- verkehr verboten ist. Freigelassen sind nur gewisse Geschäfte, z. B. diejenigen der ersten Hand nach der Einfuhr, der ersten Hand vor der Ausfuhr (sogenannte Anschluhgrschäfte), ferner gewisse Transporte und Dersicherungsgeschäfte. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, kann die Währung Deutschlands jetzt als wirklich stabil gelten, so daß kein Zwang mehr vorliegt, im inländischen Verkehr mit Devisen zu zahlen. Man werde natürlich auch in dieser Beziehung bestrebt sein, zu völliger Freiheit zurückzukehren und die Verhältnisse der Vorkriegszeit w eder herzustellen, sobald die Goldnotenbcmk ins Leben gerufen ist. .®itk wrrtilMi “Mi hi Epos „Luise" als ein Glanzpunkt des Festmahls „spanische Erdbeeren auf eiförmiger Schüssel, auch sahnige M ilch in gestülpter, porzellanener Krumme" erwähnt. Der eigentliche Aufschwung der Erdbeerkultur, der sie in manchen Gegenden zu einem wahren Volksnahrungsmittel machte, begann erst im 19. Jahrhundert. Seitdem sind auch noch andere Erdbeerarten eingeführt worden, und man zählt heute weit über 400 Varietäten, von großer Verschiedenheit der Vorzüge und der Reifezeiten, frühe und späte, große und kleine, weiche und feste, süße und herbe. Es gibt in allen europäischen Ländern „klassische Erdbeerstät'en", wie z. B. bei uns die Dierlande in der Rähe von Hamburg, Werder bei Berlin, die Lößnitz bei Dresden. Ein wahres Erdbeerparadies sind die Landschaften Kent und Hampshire in England. Hier werden viele Millionen Pfund Erdbeeren jährlich erzielt, und allein von dem Bahnhof Swanwiek werden alljährlich mehr als 1 Million Körbe abgesandt, von denen jeder 4—5 Pfund Erdbeeren enthält. Die Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag vom 2 4. Juni berechnete Gr oh Handelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande vom 17. Juni (117,0) einen Rückgang auf 112,6 oder um 3,8 Proz., der vor allem durch die Senkung der Getreide- und Fleischpreise, der Preise für Rohbaumwolle, Baumwollgarns und Gewebe herbeigeführt wird. Von den Hauptgruppen sanken Lebensmittel von 99,1 auf 93,2 oder um 6,0 Proz., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 85,6 auf 79,3 oder um 7,4 Proz. (dovon die Gruppe Kohle und Eisen mit 144,2 nahezu unverändert). Inlandswaren haben von 107,0 auf 102,2 oder um 4,5 Proz., Einfuhrwaren von 166,9 auf 164,7 oder um 1,3 Proz. nachgegeben. Kunst und Wissenschaft. Dilderverkaufr aus englischem Kcn'igsbesitz. 40 Gemälde alter Meister, unter denen sich Werke ersten Ranges befinden, werden demnächst bei Christies in London aus dem Besitz des englischen Königshauses versteigert werden. Eines dieser Werbe ist ein wundervolles Porträt eines Geistlichen, das früher dem Jan van Eyck und jetzt dem Meister des Dartolomäus-Altars zugeschrieben wird. Ein anderes hervorragendes Werk ist der „Phllosoph" von Quentin Mas - s 1) s. der anderen Bildern des Meisters mit dem- Desinfiziert Tabastsrauch? Raucher führen häufig die Tatsache für ihre Leidenschaft an, daß der Labakrauch auf die Bakterien der Mundhöhle desinfizierend wirkt. Diese seit langem bestehende Annahme war bisher noch nicht wissenschaftlich unte-sucht worden. Dr. Georg Wolff hat nun die Frage im Laboratoriums-Experiment geprüft und teilt seine Eig bnis)e mit. Er untersuchte zunächst die entwicklungshemmende Wirkung des Tabakrauches und legte zu diesem Zwecke geeignete Dafwrien-Räh höbe i an. die in einer besonders eingerichteten Rauchkammer dem Rauch aufgesetzt wurden. Als Rauchma e. ial dienten verschiedene Sorten Zigarren. Zigaretten und Pfeifentabak, und bei allen Versuchen wurde der Vorgang des natürlichen Rauchens nach Möglichkeit Mi EvmUag, tfli rs. 3nni: Aichg ntf blt »Karls« rrch* zvm behMM Monlottia. Infanß 4 Ahr. Der Vorstand. Lust- und Sonnenbäder im Dienste der Volksgesundheit. Gesundheitspflege ist die Pflege des gesunden Menschen. Ihm zu dienen, zu helfen und zu nützen, muh die Aufgabe all derer sein, die davon etwas wissen und verstehen, ganz gleich, ob durch Studium oder durch Erfahrung. Wie Sommer und Winter, Tag und Rächt einander abwechseln, so wirken auf den gesunden Menschen Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe. Der Sommer ist es, in dem besonders praktische Gesundheitspflege getrieben werden muh. A l das, was sich im Winter im Körper an Schlacken und Abfallstoffen bildete durch schlechte Zimmer- Luft, Heizung und mangelnde Pflege des Körpers muh im Sommer ausgeschieden werden. In weiten Kreisen ist man von der unerläßlichen Rotwendigkeit überzeugt, jedem Menschen in der Sommerzeit eine Crholungszeit, d. h. Ferien zuzubilligen — das ist auch meine Meinung—, aber diese wenigen .Ferientage nützen fast nichts, wenn nicht die Einsicht kommt, dah man ständig Gesundheitspflege treiben muß. Reiche Leute machen Reisen, geben viel Geld aus und kommen meist elender wieder an ihre Arbeit, als sie fortgingen. Arme Leute haben kein Geld (besonders in unserer Zeit) und gehen zu irgendwelchen Verwandten, bei denen sie viel mehr arbeiten, als in ihrem Beruf und kommen müde wieder an ihre Arbeitsstätte. Was soll man tun? Gleichgewichtkünstler werden, d. h. wer bei der täglichen Arbeit viel stehen muß, pflege besonders der Ruhe, wer im Zimmer oder im Fabrikraum arbeiten muh. suche besonders die gute Waldlust auf und lerne recht und tief atmen. Das beste und billigste Kurmittel ist das Luft- und Sonnenbad. Im folgenden seien einige praktische Winke für den rechten Gebrauch dieser Bäder gegeben. Diese Winke sind aus der Erfahrung geboren und einige Jahrzehnte erprobt. Es muh unterschieden werden zwischen Luft- und Sonnenbad. Luftbäder sind eigentlich dasselbe tote Sonnenbäder, nur werden sie bei bedecktem Himmel, im Schatten oder im Zimmer genommen. Luftbäder kann man bei jeder Temperatur, also auch an trüben und kühlen Tagen -nehmen. Gut ist es, wenn man sich im stillen Kämmerlein erst em wenig an Licht und Luft gewöhnt, d. h. mit Zimmerlaft- bä d e r n beginnt. Rur wenn man lebhaftes Bedürfnis hat, verbinde man mit dem Luftbad eine kalte Abreibung. Wasserbad oder Brausebad. Will man ein Wasser-(Schwimm-)bad nehmen, dann tue man es sofort nach dem Entkleiden, trockne sich gut ab und nehme dann erst das Luftbad. Rachdem man sich entkleidet hat, sollte man sich sofort kräftig bewegen (Laufen, Springen, leichte Gymnastik treiben, Turnen, Spielen) und vor allem recht tief atmen lernen. Man bleibe nur solange entkleidet, als es behaglich ist, tritt Frösteln und Gänsehaut auf, so reibe man den ganzen Körper kräftig mit den Händen und bewege sich lebhafter, bis man wieder toarm ist, und kleide sich dann gleich an. Wer nach dem Bade in feinen Kleidern friert, hat falsch oder zu lange gebadet. Da der Kulturmensch der Sonne entwöhnt ist, so darf ein Sonnenbad nicht gleich auf Standen ausgedehnt werden. Man beginnt das Son- netrbad mit einer Zeitdauer von 5—10 Minuten und steigert es allmählich auf eine Stunde. Bei schweren Herzfehlern, ernsten Rervenleiden, vorgeschrittener Tuberkulose usw., bei Arterien oerkal- lltng sind Sonnenbäder zu meiden. Wunder tun diese Bäder bei leichten Katarrhen, Bleichsucht und allen Stofftoechselkrankheiten. Man nehme das Sonnenbad möglichst am Morgen. Im Sommer, wo die Sonne hochsteht, sei man vorsichtig und unterschätze die starken Wirkungen der Sonne nicht, besonders in der Zeit von 9—4 älhr. Man schütze den Kopf und Racken vor den direkten Sonnenstrahlen durch ein Tuch, Schleier oder Strohhut. Man bade nie nach dem Genuh von alkoholischen Getränken. Bei eintretendem Durst genieße man am besten frisches oder gedörrtes Obst, streng zu meiden ist Alkohol, aber auch kohlensaures und Eiswasser. Während des Sonnenbades lege man sich flach auf die Erde und wende von Zeit zu Zeit eine andere Seite des Körpers der Sonne zu. Entzündet sich die Haut trotz der geratenen Vorsicht, — möglich ist dies nur bei sehr empfindlichen Personen, — so nehme man die nächsten 2 oder 3 Bäder mit dem Hemd bekleidet und wasche die Hautstellen zuweilen mit sauberem lauwarmen Wasser ab. Bei regelmäßigem Gebrauch Staates überdauert haben und in der revolutionären. kaiserlichen, bürgerköniglichen und repa- blikanischen Periode dieselben geblleben find. Ihre schärfste Ausprägung erhielten sie durchs Frankreichs größten Staatsmann Richelieu und als Richelieus Testament bilden sie das Schulbuch der französischen Diplomatie und Politik auch heute noch in einem Ausmaße, daß die heutigen Staatsmänner Frankreichs ost die Phraseologie der königlichen Zeit benutzten. Die Waldverwüstung" in der Pfalz. Der amtliche bayerische Pressedienst teilt mit: Die bayeiäsche Staatsregierung hat sich im Interesse der Waldungen der Pfalz schon mehrmals mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt und hat, ebenso wie die anderen unmittelbar geschädigten Bundesstaaten Preußen, Hessen, Oldenburg, das verfügbare Material über die im Ramen der Rheinlandkommission verübten Wald- verwüstungen in Berlin überreicht. Die vier Bundesstaaten haben insbesondere auch aufmerksam gemacht auf die schweren finanziellen und kulturellen Schäden, die mit der Beschlagnahme der Staatsforsten und mit der die Wirtschaftskraft und Reparationsfähigkeit Deutschlands schwächenden forstlichen Verwaltungspraxis der Franzosen verbunden sind. Wie wir hierzu von unterrichteter Seite erfahren. haben die Eingriffe der Franzosen in den Pfälzerwald immer größeren älmfang angenommen. In der .ersten Zeit der im Januar 1923 ausgesprochenen Beschlagnahme haben sie sich darauf beschränkt, das von den deutschen, pfleglich geführten Fällungen herrührende, noch unverkaufte Holz für ihre Kassen zu verwelken. Aber schon im April 1923 schritten sie in dem an .der elsässischen Grenze gelegenen Dienwald zu waldverwüstenden Kahlschlägen von 10 bis 20 Hektar Größe der Einzelfläche. Dieser Holzraub im großen fand neben zahlreichen kleineren Verkaufshandlungen seinen ziffernmäßigen Höhepunkt in einer Waldversteigerung zu Speyer am 30. Ro- vember 1923 bei welcher die Franzosen die Holzbestände einer Gesamtfläche von 475 Hektar (das sind fast 2000 Rheinische Morgen) sichend verkauften: und zwar handelte es sich hier nicht um pfleglich zu führende Fällungen, sondern um Ruhung Burch den Käufer: es handelte sich auch nicht um Bestände von durchschnittlichem Werke, sondern um höchstwertiges Holz. So wurde damals aus dem Pfälzerwald etwa das Vierfache des normalen Einschlages an hochwertigem Eichenholz verkauft. Ein neuer Abschnitt in der „forstlichen Praxis" der Franzosen 6egann mit dem Jähre 1924. Run verließen sie den öffentlichen Verkauf mit dem Erlös auf. Reparation und schritten zum Tausch. Sie mißbrauchten das Recht der Gewalt dazu, um ausgesucht schöne Holzbestände der deutschen Staatsforste mittels stiller Verhandlungen an links- und rechtsrheinisch ansässige Verbände kapitalkräfttger Holzhändler preiszugeben zum Tausch gegen Lieferung von Dalken und Brettern aus geringwertigen Holzarten Für diesen neuen Fischzug haben die Franzosen den bescheidenen Ramen „Ergänzungshiebe" erfunden. Ob die Aera dieses neuen Mittels zum alten Ziele abgeschlossen ist oder neuerdings fortgesetzt zu werden droht, läßt sich nicht sagen. Das Ergebnis schon der bisherigen französischen Forstwirtschaft in den Staatsforsten der befehlen Gebiete ist erschreckend: wirtschastllche Werte von großem Ausmaß sind sinnlos und un- kaufmännisch zerstört, der künftige Rohstofsbezug der bodenständigen Holzindustrie ist erschwert, herrliche Schöpfungen der Ratur sind geschändet oder vernichtet, kulturelle und ideelle Belange schwer gefährdet. Es sei z. D. nur an die Bedeutung des Waldes für die Wasserwirtschaft in den steilen Hängen des Pfälzerwaldes und des Hunsrück erinnert. Frankreichs politisches System. An die Spitze eines Vortrage's: „Das Rhein- prvblem" der von der Rheinischen Zentrumspartei (Köln Rubensstr. 11) als Fmgsch ist decauS- gegeben wurde, stellt Professor Sriedrrch Dessauer folgende Charakteristik der Leitsatz: der französischen Politik: „Was jemals im Lauf der Geschichte Gegenstand eines formalen Rechtsanspruches der Fran- rosen war das betrachten sie als legitim, als unauslöschlichen Anspruch ihres Rechtes, von dem man wohl eine Zeitlang schweigen, den man aber die vergessen darf. Da es kein Gericht gibt, welches solche Ansprüche bestätigt oder ablehnt, so bleiben sie ein Reservoir von Mitteln, die auf ihre Stunde warten. Das ist die erste der Grundlagen der französischen Außenpolitik. (Die von den Krvnjuristen der französischen Könige aufgestellte These, daß der Rhein die Grenze Galliens gervc-en ici und darum die Grenze Frankreichs werden müsse Eine These, die weder historisch noch ethymologisch begründet werden kann. Sie beruht lediglich aus einem, von dem altrömischen Imperialisten Cäsar, ebenfalls aus politischen ©runden ausgesprochenen Satze. D. Red.) Die zweite ist: jede politische Situation prüfen und den maximalen Gewinn aus ihr ziehen, d. h. unter Selbstbeherrschung und kluger Prüfung der Mittel aus dem Reservoir der Rechtstitet diejenigen ans Licht des Tages treten lassen, die irgendwie nützlich sind und die Situation dahin zu prüfen, ob sich vielleicht neue Titel erwerben lassen. (Rachdem weder durch die Frledensvebhandlungen noch durch die Rachkriegspolitik das Ziel der Rheingrenze erreicht wurde, wird jetzt als Zwischenlösung, eine „Reutralisierung" der rheinischen Gebiete hinge- nommen werden. D. Red.) Die meisterhafte Ausnützung jeder politischen Situation geschieht dann mit all den Mitteln, von denen wir einige in .unserer flüchtigen historischen Schau erwähnten: Die Schaffung von Klienten, geistigen oder materiellen Vasallen, wie eS die deutschen Fürsten wie der napoleonische Rheinbund gewesen sind. Solche Klienten die sich in den Schatten der Gunst der Protektion Frankreichs stellen, die man durch einen Goldstrom lebendig erhalten kann — doch nicht zu sehr — und die man kontrolliert, das sind die Dauern im Schachbrett des französischen Spiels (Die gerauften Subjekte Dorten, Smeets Matthes usw., die als sogenannte „Separatisten' erscheinen mußten. D. Red.) Größere selbständigere Figuren sind die politischen Filialen, die befreundeten, durchs Verträge verbundenen Mächte. Vor dem Kriege waren es Rußland durch Rußland Serbien, es war Rumänien, Italien und in einem gewissen Abstand England. Frankreich hat diesen Ring um Deutschland längst weiter ausgebaut und befestigt. Die Türme und Läufer seines Schachspiels stehen rings um uns. (Dänemark, Tschechoslowakei, Polen usw. D. Red.) Dann ist das Mittel des Er- vberungsfriedens und der moralischen Durchdringung, vor allem aber der wirtschaftlichen Da- sallenschaft, von dem ich Ihnen, die Sie vom Rheine kommen, nichts zu sagen brauche. Bei dieser Aufstellung des polttischen Schachs wird dann jedes Ereignis in wechselndem Schicksal politisch zugespiht und durch kleine, fast unmerkbare Bewegungen der Figuren vor dem Theater der Welt so gestellt, daß Frankreichs stetiger Wille sich durchsetzt. Während die Deutschen und ihre Zeitungen sich über pollttsche Wandlungen auf regen und dieser Aufregung durch lautes Rufen ihrer Gefühle vor der Welt Lust machen, so daß jeder weiß: nun sind sie traurig oder verzweifelt oder übermütig gestimmt, jetzt drohen sie jetzt verzichten fie — ist für das französische auch sehr starke "Gefühl gegenüber Politischen Sreig- nissen ein Maschinenmeister bereit, der die heißen Dämpfe des Temperaments klug bald in diese, bald in jene Röhren leitet, so daß sie nur dahin gelangen, wo sie nützen können und kein unnötiger Qualm entsteht. Dieser Maschinenmeister ist, der politische Sinn der Franzosen. Ein drittes Mittel, jede Situation bis zum Maximum auszunuhen, ist die Aussaat und Pflege der Zwietracht unter den Gegnern. Finden sich doch solche Ansätze überall. Welch unermeßlichen Gewinn hätte Frankreich gezogen, und nur Frankreich, wenn der Putsch des Löwenbräukellers in München gestartet wäre. Tiberius hätte im Grabe triumphiert und mit ihm die ganze lange Reihe der F.anzosenführer, welche diese deutsche Verwirrung, du in einem Sieg des Gemütes über den Verstand besteht, in ihr System auf genommen haben " Bedenken wir, daß diese Leitsätze der französischen Politik alle Llmwälzungei des französischen So beglückte die schlichte Walderdbeere Jahrhundertelang Geschlecht auf Geschlecht in deutschen Landen, bis sie dann im 16. Jahrhundert in den Garten verpflanzt wurde und nun zur Modefrucht der feinen Leute wurde. Die große Gartenerdbeere erregte auf der Tafel Aufsehen. Ein fran- zösischer Schriftsteller berichtet, daß um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Frauen nichts lieber aßen als Erdbeeren mit Sahne und Zucker, während die Männer 'die Frucht in den Wein ta'en und so die Erdbeerbowle schufen. Eine besondere Liebhaberin der Erdbeere war die dänische Prinzessin Elisabeth, die im Juni 1582, als sie mit ihrem Mann, dem Herzog ällrich von Mecklenburg, auf den Reichstag nach Augsburg zog, jeden Tag Erdbeeren für ihren Tisch verlangte. Die eigentliche Erdbeerzucht begann aber erst im 17. Jahrhundert. Im Jahre 1629 kam die erste frühreife nordamerikanischs Erdbeere in englische Gärten, und 1715 brachte der französische Gelehrte Frazier die chilenische Rissenerdbeere nach Paris. F mf dieser Frutilla-Pflänz.ben führte er als kostbare Ladung mit sich, mutzte aber zwei der seltenen Pflanzen dem Schiffstapitän überlajien, der sie als Entgelt für das zum Begießen notwendige Sützwasser forderte. Aus den drei nach Frankreich gebrachten Pflänzchen sind dann sämtliche Erdbeerkulturen in Frankreich und anderwärts zurückzuführen, denn erst 1820 wurden weitere Erd- besrpflanzen aus Chile gebracht. Die chilenische Gartenerdbeere wurde ein besonderer Ruhm des französischen Hofes, und da man damals alles nachäffte, was in Versailles üblich war, so verlangten aud> die deutschen Fürsten große Erdbeeren für ihre Tafel. Immerhin fanden die neuen Arten in Deutschland nur langsam Eingang. Ein Regensburger botanisches Buch von 1737 kennt nur die seit dem 15. Jahrhundert elngeführten Gartenformen der Walderdbeere, und zur Zelt unserer Klassiker war die lüdamerikanische Erdbeere noch eine große Delikateste. So werden in Vossens Die Geschichte der Erdbeere. Merkwürdigerweise spielt die Erdbeere im Altertum keine große Rolle. Fast scheint es, als ob die antike Welt an ihr ziemlich achtlos vorübergegangen wäre und erst die Deutschen dies liebliche Kind des Waldes entdeckt hätten. Die Walderdbeere, deren Geschmack unO Aroma noch heute unübertroffen ist, wurde von den alten Germanen sehr geschäht: sie war im deutschen Walde so verbreitet, daß man sie schlechtweg die Frucht oder das Obst nannte. Lange Zeit war die Erdbeere der köstlichste Rachtisch, den der Deutsche im F uhsorn- mer kannte. Sie wird von den Dichtern des Mittelalters in feierlichen lateinischen Versen besungen, und auch mancher Minnesänger preist die Maien- lust, wenn er ausruft: „Seht, da liefen wir Erdbeeren suchen von Tannen zu den Buchen, Über Stock und über Stein." Im ersten Roman unseres Sch i ttum. dem noch late n sch ge hrieoer.en Ruo - lieb wird erzählt, wie die Kinder im Walde die roten Beeren in Töpfe ober Weidenlörbe sammeln und beglückt rach Hau e trage t In der Vv' s ‘a:ibe haben sich noch Bräuche erhalten, die darauf schließen lassen, daß die Erdbeere mit dem altgermanischen Götterglauben verknüpft war. 'Besonders )toar es die gütige Holda, in deren Reich man die Walderdbeeren heimisch machte: sie schenkte den Menschen solche Beeren, und ebenso ta'en die Elfen, ihre Dienerinnen. Wenn beim Deerensam- mein lange Zeit der Brauch herrschte, dah die ersten drei Erdbeeren für die „heilige Maria" auf einen Baumstumpf gelegt wurden, so darf man wohl darin den Rachklang eines uralten Opfers erblicken, das ursprünglich der Holda galt. Erdbeeren wurden öfters auch als Zehn'en gefordert. So heißt es z. B. in der Zimmernschen Chronik: „Die Edelleute von Dalburg, genannt die Kämmerer, haben zu Worms einen Hof, da muß ihnen der Rat jährlich auf dem Pfingsttag zwei große Körbe mit Erdbeeren geben." tti MH Samstag,28.6. *D2tubenten6eim. IST MM.L Mitglieder« Versammlung im BootSbauS. scheinen drinM. ^eiMloUv!“ Jl» ft'M Tage,. NmAkrslA Ldknhaukn, Lm SettlnMolaL gjjp vassiveu Wieder.mlmscht _D Dir Vontni. Löberstr.K Heute iWi 8.00 Ufr Vorfr’0 Aber O,wildSpengl«r jitergangd68 Abendlandes V IL Teil Lustige^6"0 8.30 Sänget^ auf d? M SendesU^ von Luft- und Sonnenbädern nehme man alle 8 bis 10 Tage ein warmes Wannenbad und öle nach diesem die Haut des ganzen Körpers gut ein. Die Lust- und Sonnenbäder dienen dem Gesunden zur Abhärtung, dem Geschwächten zur Reukräftigung und dem Kranken zur Heilung. Richt nur dem Leib wird damit gedient, sondern auch die Seele wird wunderbar von trüben Stimmungen befreit und erhält neue Lebens- und Schaffensfreude. Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel. Dix vom Statistischen Reichsamt vorgelegte Statistik über den deutschenAuhenhandel, die allerdings kaum mehr als eine Statistik des Außenhandels im unbesetzten deutschen Ce- biete ist, weist für M a t einen Passiv saldo von 350 Millionen Mark aus. Die Einsuhr betrug 870185 000, die Ausfuhr 516 217 000 Gvld- mark. Aus diesen Ziffern geht hervor, daß sowohl die Einfuhr als auch die Ausfuhr eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfuhren. Diese Steigerung ist allerdings bei der Einfuhr größer als bei der Ausfuhr. Insbesondere hat sich die Einfuhr von Fertigwaren erhöht. Wie mehrere Blätter melden, will das Reichswirtschaftsministerium die Politik der Einfuhrverbote durch zollpolitische Maßnahmen ersetzen. Das Ministerium legte dem wirtschaftspolitischen Ausschuh des Reichswirtschaftsrats den Entwurf einer Verordnung vor, der zur Anpassung an die sehr erheblich veränderte Situation auf dem Weltmarkt und zur Erreichung eines Ersatzes für die aufzuhekenden Einfuhrverbote teilweise ziemlich erhebliche Zollerhöhungen vorsieht. Ter Ausschuß faßte zu dem Entwurf einen Beschluß, worin unter Ablehnung der Gesetzesvorlage der Grundgedanke a l s wichtig anerkannt wird, durch Schaffung eines Instrumentes für die kommenden HandeksvertragsverHandlungen die Voraussetzung zur Beseitigung der Einfuhrperbote zu schaffen. Der Reichstoirtschafts- rat empfiehlt daher eine rechtzeitige Erneuerung des Ermächtigungsgesetzes für vorübergehende Zollerleichterungen, dessen Geltungsdauer am Monatsende abläuft, auf ausreichende Dauer. Es besteht Me Absicht, die Arttengesellschaft tote» der in eine Genossenschaft zurückzuvecwande!n. * Adler-Margarinewerke A. G., Frankfurt. Der Reingewinn des Geschäftsjahres 1923 beträgt 53 250 Billionen. * e8 Richters gerechtfertigt sei. Büchertisch. — Die Vorgeschichte des Weltkriege s in weitestem Sinne gibt Dr. Paul Harms, der bekannte ehemalige Leitartiller der '„Leipziger Reuesten Rachrichten" in feinem Buch „Vier Jahrzehnte R ei chspolitik". Mit dem gangen Temperament des glänzenden Journalisten gibt der Verfasser ein wenig anmutiges Bild von der ülnzulänglichkeit unserer heimischen Zustände, wie sie sich unter dem schillernden Schleier äußeren Glanzes der wilhelminischen Aera den Blicken eingeweihter darboten. Zustände, die uns unfähig machten, die außenpolitischen Probleme zu lösen, die an uns herantraten. Das System nachbarlicher Regierungskunst in seiner ganzen Ülnzulänglichkeit in Personen wie Snflitutionen wird mit größter Schärfe dargelegt und damit unsere „Schuld am Weltkriege" aufgedeckt, die sich freilich wesentlich anders darstellt als die uns von den Feinden aufgezwungene Schuldlüge von Versailles. Aber diese Schuld eines gescheiterten Systems erkennen, heißt besser machen beim Wiederaufbau unseres Staates. — Don mehr historischen Gesichtspunkten, in der Darstellung jedoch nicht weniger scharf kritisierend ist die Deutsche Geschichte unter Kaiser Wilhelm II. des bekannten Berliner Staatsrechtslehrers Conrad Dornhak (A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig). Das nun in 4. Auflage vorliegende We5 erfreut sich mit Recht zunehmender Beliebtheit wegen der freimütigen, wahrheitsliebenden Art, mit der die Gründe für den Zusammenbruch des Reiches im Weltkrieg dargelegt werden. — Sm Monarchenwinkel, Roman von Wilhelm Harms (bei Grethlein & Co., Leipzig). Es sind drei seltsame „Monarchen", die sich da in dem kleinen mecklenburgischen Landstädtchen zusammengefunden haben um eine lichte Frauengestalt, deren Deichte ein Lebensschicksal, schwer und heldisch enthüllt. Cs ist ein Buch voll stiller Gröhe und Schönheit, besinnlich und ergreifend. — Das Land unserer Liebe, Roman von Walter Dloem (bei Grethlein & Co., Leipzig.) Der neueste Dloem führt nach Hamburg, in die ersten Hahre deutschen Wiederaufbaus nach den furchtbaren Kriegs- und Revvlutionsjahren. Smmer noch durchzucken schwere Schläge den sozialen Körper der alten deutschen Hansastadt, aber in ihren großen Wirtschaftsführern findet sie Männer, die das Leben mit entschlossener Faust anzupacken und zu meistern verstehn. — Eine brauchbare Grundlage zum Verständnis der modernen Geschichte gibt Ludwig Rieh: »Die Dasis des modernen Europas". Aus der großen Weltgeschichte des Verlages R. Oldenbourg (München) ist der Abschnitt von 1648 bis 1789 her ausgenommen und in einem handlichen Dand klar und übersichtlich dargestellt. Das Buch wird auch dec schnellen Orientierung als eingehende Lektüre dienen. — Deutsche Akademiereden von Schillers berühmter Antrittsrede als Geschichtsprofessor in Jena bis zur Gegenwart hat Fritz S t e i ch zu einem stattlichen Dande vereinigt (Verlag Meyer & Hessen in München). Ein buntes Dild deutschen Geisteslebens entrollt sich vor uns in diesen nach Zeit und Stoff so verschiedenartigen akademischen Reden des erlauchtesten geistigen Führers der Ration. Dei aller Sachlichkeit, mit dec hier nach altem Drauch. die Ergebnisse exakter Forschung einem Kreise Gleichgesinnter dar- gelegt wurden, gewährt die Lektüre der Reden eines Schilling, eines Vischer, Grimms, Scherers, Döllingers, Harnacks, Treitschkes, um nur einige zu nennen, einen großen ästhetischen Genuß unb reiche Anregung. Zwischen den Dünen, Roman von Kurt Küchler (bei Grethlein & Co., Leipzig). Ein düsteres Mannesschicksal zeichnet Küchler, der blinde Dichter, groß in seinen Verfehlungen wie in seiner Sühne, geheimnisvoll, schwer und grau wie die Ratuc, in die es hineingesdellt, jene Gestade der jütischen Küste hoch oben bei Skagen, wo die Fluten der Rord-- und Ostsee sich mischen. — „Der blutige Dichter" nennt De- sider Kosztolänhi, ein junger Ungar seinen Rero-Roman, dessen deutscher Ausgabe Thomas Mann ein Geleitwort vorangeschickt hat (bei Oskar Wöhrle, Konstanz). Auch ohne diese Cap- tatio benevolentiae würde dec Roman die ganze Aufmerksamkeit unserer literarischen Welt beanspruchen. Sn dem immer nur geahnten, aber mit diesen spärlichen Strichen plastisch geschaffenen Rahmen der römischen Weltmetropole werden Charaktere gestaltet, die über alles historische, romanhafte hinaus, psychologisch von eminentem .Sntereffe sind. Die geistige Entwicklung Reros als Erziehungsprodukt Senecas ist mit größter Feinheit herausgearbeitet. Briefkasten der Redaktion. S>. S. Anonyme Einsendungen berücksichtigen wir nicht. Geschäftliches. Kurzes Kochen ist besonders an heißen Tagen eine große Annehmlichkeit, deshalb verwendet die Hausfrau mit Vorliebe die kochfertigen Maggi's Suppen. Sie enthalten die natürlichen Destandteile hausgemachter Suppen und schmecken ebenso gut wie die besten, mit Fleischbrühe zubereiteten Suppen. Mehr als 20 Sorten wie Eier nudeln, Erbs, Königin, Ochsenschwanz, Tapioka echt usw. bieten reiche Abwechslung. "Warum gerade P€B€CO? Weil diese Zahnpasta die Zähne nicht nur reinigt, sondern sie auch vor Schaden bewahrt und bis ins Alter gesund und widerstandsfähig erhält Der Alte aus Topper. Roman von Hanns von Zobeltih. 1. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Die Bataille mußte gewonnen werden! Heran rückten die Grenadiere des ersten Treffens, die stolzen Bataillone, mit fliegenden Fahnen. Siegesbewußt dröhnt ihr: Vivat Fri- decicus! Die Trommeln Wirbeln. Sie ziehen an ihm vorbei im dröhnenden Tritt. Pelotonweis rollt ihr Feuer von Flügel zu Flügel. Den Grund stürmen sie hinunter, schließen die Lücken, die die Kartätschen reihen, klimmen behende bergan — Die Schlacht war gewonnen! Umtoenbet sich dec König, ruft laut: „So mögen sie in Berlin Viktoria schießen!" Und spornt den Engelländer — in vorderster Reihe soll der Sieg ihn sehen. Blutigrot leuchtet die Sonne über dem Schlachtfeld. Blutrot färbt sich heut der märkische Sand. Sn Frankfurt aber meldete der Turmwärter von St. Marien, dah er ob Kunersdorf am Horizonte während des ganzen Rachmittags eine dunkle Wolke gesehen in Gestalt eines ungeheuren Sensenmannes, der langsam von Ost nach Westen geschritten. Stunde rann auf Stunde, und immer noch rangen die Preuhen im hähen, ungleichen Kampf: fünfzigtausend gegen achlzigtausend Mann. Zerschmettert waren die Bataillone ves ersten Treffens über den tiefen Kuhgrund zurückgewichen. Reue Regimenter traten an ihre Stelle, und hinter diesen ordneten sich die gelichteten Linien der ersten zum neuen Vorgehen. „Bursche, es muh sein!" brüllt durch den Schlachtenlärm der alte tapfere General Könitz. „Bursche, es muh fein!“ brüllen die Kapitäns ihm nach. „Seid brav, ihr Bursche!" rufen heiser bte Offiziers. „Rechts heran! Rechts heran!" Helfen, wo's not tut, mit dem Sponton nach. Hochrot waren die Gesichter und in Schweih gebadet. Die Glieder bebten vor Anstrengung und Erregung. Ausgedörrt die Kehlen. Blutunterlaufen die Augen. Keuchend die Brust. Doch die eiserne Manneszucht hält sie zusammen, die Bursche. Wieder schultern sie die glühendheihen Kuhfüße — Wieder avancieren sie mit fliegenden Fahnen hangabwärts, durch den tiefen, leichenbedeckten Grund, klimmen im mahlenden Sand bergan. Unb wieder schmettert das mörderische Feuer sie zurück. Unb zum dritten Male schließen sich die Glieder. „Bursche, es muh sein!" Da ist der König selber. „Bursche, es muh fein!“ 'Steinern jft jetzt fein Gesicht. Aber die großen Blauaugen leuchten über den Seinen. Hat wieder den Gaul wechseln müssen: der braune Engelländer muhte beim letzten Sturm dran glauben. „Wir kriegen sie schon, Bursche! Cs muh fein!“ Wirft seine letzten Bataillone in die wogende Schlacht. Vorwärts! Vorwärts! Don Kunersdorf her, vom Mühlberg bonnern feine Kanons. Drüben, auf dem rechten Flügel, hat Finck eine mächtige Batterie weit vom in Position gebracht. Vorwärts! Vorwärts I 4Inb noch einnial stürmen die Bataillone den Todesweg, hinab den Hang, durch den tiefen blutigen Grund, hinauf die stelle Höhe, mit fliegenden Fahnen, unter drohendem Trornrnelschlag: „Vivat Fridericus! Vivat der König!" Mitten unter ihnen ist er. Feuert an, treibt vorwärts. Smmer im dichten Kugelregen. Einmal greift er an die Brust, wankt im Sattel, nur einen einzigen Augenblick; matt ist ein Geschah gegen bas goldene Etui angepcallt, das er in ber Tasche trägt. Einer sieht's, der grab neben ihm ist, ein ©jjjenabier; ber streckt im Vor- wärtslaufen den Arm gen Himmel unb ruft ju- belnb: „Gefeit ist ber Gesalbte des Herrn! Vivat der König!" Brav so, aller Finck! Auch er ist avanciert, über Berge von Leichen hinweg, das Regiment Lebwaldt, die Füsiliere von Zastrow voran. Reicht schon den Stürmenden die Bruderhand. Vorwärts! Vorwärts! Unb plötzlich, jach geht es wie ein Beben durch die starren Linien bes Feindes. Das Feuer stockt. Die zähen Russen weichen, Schritt um Schritt erst, in hallloser Flucht bann. Der heihumstrittene Derg ist genommen — enblich — enblich — enblich — Fünf Uhr nachmittags mag's sein, als bie Preuhen sich festsetzen auf ber breiten Kuppe, Atem holend, sich verschnaufend vom übermenschlichen Tun. Wagen nicht, um sich zu blicken, nicht nach rückwärts: wie hingemäht liegen dort die Kameraden, schreien die Blessierten nach Hilfe, nach einem Trunk Wasser. Aber vorwärts schauen sie. Vorwärts schaut ber König, auf den Feind. Unb seine Stirn um- büftern schwere Schatten. Er fühlt es, er weiß es: halbe Arbeit erst ist getan. Sie sollten doch noch nicht in Berlin Viktoria schiehen! Finck, ber tapfere Finck, behauptet sich nur noch mühsam. Furchtbare Lücken reihen bie feinblichen Kartätschen in feine Bataillone. Sie wanken, sie schieben sich langsam zurück. — llnb schon führt Laudon seine frischen. Weihröcke zum Gegenstoh vor. Reben dem König hält Sehdlitz. Kampsbereit stehen seine Schwadronen unweit, am Mühlberg. Rach dem rechten Flügel deutet Friedrich: „Sehdlitz, mach' Er dem Finck Luft!" Kaum dah er's gesagt, zerschmettert eine Kugel dem Helden von Rohbach die linke Hand. Sft ein Unglücks tag heute. Der Seydlih allein ist ein ganzes Kavalleriekorps wert. And muh nun zähneknirschend von dannen. Soll dec Prinz von Württemberg die Attacke reiten! Wird abgeschmiert unb schwer blessiert. Der brave alte Puttkamer will mit seinen Husaren des Tages Schicksal wenden. Sinkt zu Tode getroffen aus dem Sattel. Sft ein Unglücks tag baute —ein Unglückstag. Da ist der Massow. Da ist Plaien, Exzellenz, tollkühn wie einer. Heldenmütig reiten sie gegen die Berge an, die Markgraf-Kürassiere, die Schoc- lemer-Dragoner. Wehren sich wie bie Rasenden gpgen Laudons Schwadronen, die auf sie hereinbrechen mit gellendem „Vivat Maria TheresiaI" Hauen, stechen um sich wie die Berserker im dichten Staub aufgewirbelten märlischen Sandes, im stickenden Pulverdampf. Müssen doch zurück! Zurück — bie Preuhem (Fortsetzung folgt) Ab Montag, den 30. Juni SAISON-VERKAUF zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen MEYERHOFF & GOSLAR 5221D lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll—lÜ Keren Kajemeth Lejisrael Einladung posaunenchor; ttlein-Linden 1. 2. Kirchenplatz 10 Gießen Ueher 500 FLlalen 15 Prozent Sonder-Rabatt 2lh 3ltton?n 4 «u 5227 a 1 Z I ■IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW der des wird ledaktton. cngen berücksichtigen am Sonntag, dem 29. Juni Feier 9x/a Uhr vormittags. Festredner: Pfarrer Germer,Dingen. Missionsinspektor Weishaupt, Leipzig. Feier 2% Uhr nachmittags. Festredner: Pfarrer Petschar, Ebsdorf. Stiftsdechant Lenz, Lich. Superintendent Dr. Petersen, Darmstadt.orirss iistl t, sondern ne t und bis ins jdst&Werbilt >cs. «sonders an heißen chleü, deshalb Der- liebe die tochsertigen nlhusien die natür* ig:er Luppen und bellen, mit Fleisch- Hehr als 20 Sorten gin, Ochsenschvmz. je Mvrchslung. le :o? ölmöeer-Sntup ^Pfund 51h ßlinöeet-SijtnpÄe 115^ Pudding-Pulver in grober Auswahl statt, wozu alle Mitglieder und Kollegen dringend eingeladen werden. 3n dieser Ver- lammlung spricht Herr Bundesvorsitzen- Daniel und andere Vertreter Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Mainzlar für 1924 Rj. liegt vom 28. d. Mts. an eine Woche lang auf unserem Büro zur Einsicht offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmarker beizutragen haben. Mainzlar, am 26. Juni 1924. Hess. Bürgermeisterei Mainzlar: Bogel. 5217D Offenbacher Lederwarenvertrieb Gießen, Kirchenplatz 8 Mlennöeln . Pfund 2h Maronenet,ta 8rX> Uh iflaronen n . . Pfund llh niWHflnaUfunbZO^ Anrilosen .... Pfund 120-s» Blod-Sfliotolaöe’ffillS^ Blod-5d]ololaöevS-6O^ Wolaöe 3 Tafeln . . . 95^ Pralinen und Bonbons Thams&Garts 3 Mäusburg 3 Telephon 829 5209c "ij'ebei'SllO Filialen Arehhändler-Derein Giehen u. Umgegend Am Sonntag, 29. d. Mts., nachm. 1 Uhr, findet im Hotel Felsenkeller Giehen eine Versammlung der Viehhändler von ganz Hessen Li dez ■ des 1 ' I * VS01' i M I - SchüM Ehrern SÄ 'Ä* L-LiL ässe ft™. Scherers, nur einige -tischen Eenuh uad nen- Vornan von rot & Co., Leipzig), f Kehlungen feie k lchwer und atOll Mgeslellt, jene S-, oben bei Skagen, Ostsee sich mischm chtcr" nennt De- 4tßer Ungar seinen t Ausgabe Sfo. ^geschickt hat (bei ch ohne diese Cap- Vornan die ganze rischen Welt bem- geahnten, aber mit 'asrisch geschaffenen tmetrvpole werden ck/es t)ifk>ril(be, nx h Don eminentem DicHung Ärns als mit gxvtzter Fein- Zur Reisezeit größte Auswahl in Koffer, Reisetaschen, Necessaires in allen Ausführungen a schießen! behauptet lich M jenre-ben^fem> z^U illcme. 6ie WO6®'JSlberS- 21SsS* ick Eettert ein« KZ ttn- Olttackr 'crn%wtbie,fiert feinen wenden- - ein Mks t _ , . Jüdischer Nationalfonds zudemZV.Zubilaumder FUm-Mattne« Gesangverein Heiterkeit) GIESSEN Samstag, den 28. Juni, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität: KONZERT des Gesangvereins Sängerkranz e.V. Berlin LEITUNG: Herr Chormeister KONRAD KORTH unter Mitwirkung des Herrn Hans Kronenberg, Düsseldorf HELDENBARITON - MITGLIED DES VEREINS Es gelangen zur Aufführung: CHÖRE von Schultze, Grell, F. Curti, Hegar, Rietz, H. Jüngst, J. Werth, Abt, F. Nagler und Zelter. - LIEDER von Wagner, Strauß und G. Hentschel. Preise der Plätze: 1. Platz 2.50 M., 2. Platz 2 M., 3. Platz 1.50 M. Vorverkauf bei Herrn Challier, Musikalienhandlung, Neuenweg, sowie abends an der Kasse. 5229D Viehhandels. Die Tagesordnung in der Versammlung bekanntgegeben. Für den Vorstand: Baum, Vorsitzender. 6”°D H8 zu billigsten Preisen miOHH! Schlafzimmervon250Mk.an I M |j | Speisezimmervon350Mk.an |O|1.| I Herrenzimmer v. 550Mk.an jo || U IJ U Betten, Matratzen, Klub- 1,1 “ sessel von 65 Mk. an. J.Ittmann, Inh. A. Brumlik Gießen 5249a Bahnhofstraße 29. Vorführung des neuen FilmS 04n” ßlne Helfe öür® Unläfünn Im 3nöre5683 in den Palast-Lichtspielen am Sonntag, 29. Juni, 11 Ubr vorm. Einleitender Vortrag: Dr. Noack Gotba. Eintrittspreise: Loge 2.50 Mk., 1. Pl. 2 ML, 2. PU IMk., Student, u. Jugendb d.Hälfte. Hans Paasche-Haus Inh.: Otto Jakobi. Sport- und HlanöeransrOftnng neölt Geraten. Locher und Schriften alter Gebiete Zeitschriften. Sonstgetnerde. Itletuotnnst. vomiuie zuSdetieiduno. Surbivureu u lei MkorbinSbeUnMtund weide. Kme KoiisektlonS- ober Stapelware! Echte Werkstattarbeit!! Teilzahlung! ” Das Veste ist im Gebrauch das Billigste. Beachten Sie meine Heilster! Bekanntmachung Durch rechtskräftig gewordenen Strafbescheid des Finanzamts Grünberg vom 12. April 1922 wurde der Molkereibesitzer Werner Rüffer zu Geilshausen wegen vorsätzlicher Hinterziehung von Umsatzsteuer 1920 zu einer Geldstrafe von 12000 Mk. in Worten: Zwölftausend Mark, sowie zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Die Bestrafung ist auf Kosten des Beschuldigten gemäh § 363 der Reichs- abgabenordnung in der Fassung vom 13. Dezember 1919 im Giehener und Grünberger Anzeiger zu veröffentlichen. Grünberg, den 20. Juni 1924. Finanzamt Grünberg. 5215V Klingelhöffer, Regierungsrat. Bekanntmachung. Durch rechtskräftig gewordenen Strafbescheid des Finanzamts Grünberg vom 12. April 1922 wurde der Molkereibefitzer Karl Börger von Geilshausen wegen fahrläsfiger Hinterziehung von Umsatzsteuer 1920 zu einer Geldstrafe von 7200 Mk., in Worten: Siebentausendzweihundert Mark, sowie zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Die Bestrafung ist auf Kosten des Beschuldigten gemäh § 363 der Reichsabgabenordnung in der Fassung vom 13. Dezember 1919 im Giehener und Grünberger Anzeiger zu veröffentlichen. Grünberg, den 20. Juni 1924. Finanzamt Grünberg. 5216V Klingelhöffer, Regierungsrat. auf sämtliche Artikel bis Juli vom I I Juni Weiterer Preisabbau = s Meter Mk. 1 Etagengeschäft Sonneborn s Meter Mk. 1 Alicestraße 11 MltC . . Meter Mk. 0.85 Zephirs für Blusen und Hemden '“rbi£K'E 0.85 •5? SU Meter Mk. Meter Mk. 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