Samstag, 26. April 1924 m. Jahrgang Erstes Blatt ermutigend nicht Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichketl. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re» Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Plctzvorfchrift 20' n Auf» schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr.Friedr. 2vilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giefzen. sehr wahrscheinlich überschritten werde. Der Bericht bedeute schließlich nur einen Ausgairgs- Punkt. Jedenfalls aber könne er kein Endziel sein. Das Blatt verhehlt nicht, daß die Anzeigen für eine Verständigung zwischen den alliierten Regierungen bis letzt nicht ‘’S'’”* Landwirtschaft und Reparationen. Eine Rede des Reichsernährungsministers Grafen Kanitz auf der Bremer Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates. phne datz sich vorher die interalliierten Kabinette über die Frage der Brsahungskosten und das Uebergangsregime verständigt hätten. Setz« man voraus, so fährt das „Echo de Pari^' fort, daß derartige Bedenken In der Re- parationskommisfion austauchrn, bann könne man mit einiger Sicherheit annehmen, daß in den nächsten Tagen viel eher die alliierten Kabinette als die Reparattonskommission daS Wort habe. Bei den Beratungen, die zwischen den belgischen Ministern und Poincars und Macdvnald geführt würden, würden alle diese Fragen notwendigerweise aufgeworfen werden müssen. Von der belaßenden oder negativen Entscheidung werde das Schicksal der diplomat schen Partie abhängen, die feit äleb.rreichung der Sachverständigenberichte gestellt worden sei. Das „Echo de Paris" glaubt weitergehend sagen zu können, daß der Bericht Dor einem neuen Separatistenputsch. Berlin, 26. April. (Priv.-Tel.) Das „Derl. Tagebl." veröffentlicht eine Reihe separatistischer Geheimdokumente, u. a. einen ver- traulichen Briefwechsel zwischen rheinischen und pfälzischen Son- de rbün dlern. AuS den Schriftstücken geht hervor, daß der rheinische Unabhaugigkeits- bund und der rheinisch-westfalische Dolksbund nichts weiter sind als eine Maskierung der ehemaligen separatistischen DereineundDerbande, von denen sie sich in den Zielen kaum unterscheiden. Ebenso Vie in den Putschlagen deS vergangenen Jahres plant man die Errichtung einer sogenannten WohlfahrtSdiktatur, wobei man vor gewaltsamen Mitteln nicht zurückschrecken wird. Eine rheinische Schuh wehr ist in der Bildung begriffen. Waffen sind noch ge- migend vorhanden und können jederzeit mit Leichtigkeit beschafft werden, da die Separatisten noch in dem Besitz der von den Desat- zungsbehörden ausgestellten Waffenfcheme sind. Die pfälzischen Separatisten haben sich unter Führung eines gewissen Kunz, der in Marseille geboren ist, unter dem Ramen „Rheinische Arbeiterpartei- zusammengeschlossen. Kunz soll in der Woche nach Ostern, wie er selbst in einem von dem Blatte veröffentlichten Brief an den rhemisch-west. sälischen Unabhängigkeitsbund in Düsseldorf angibt, nach Frankreich reisen, um wahrscheinlich dort für die Beschaffung der für die «Propaganda der separatistischen Parteigruppen erforderlichen Geldmittel zu sorgen. Das französische Heerlager am Rhein. Düsseldorf, 25. April. (WTD) Dor einigen Monaten forderte die französische Te- sahungsbehörde von der Stadtverwaltung Düssel- dvrf den Bau einer Artilleriekaserne Unweit der übrigen Kasernen. Die Stadt Düsseldorf mutzte diese Forderung mit der Begründung ablehnen, datz sie finanziell die Leistung nicht übernehmen könne. Die Pläne für die Kaserne sind dann vvm französischen Hauptquartier in Mainz geprüft und begutachtet worden, ebenso die von der Stadtverwaltung geltend gemachten Gründe der Ablehnung. Runmehr wurde die Stadtverwaltung Düsseldorf erneut aufge- fordert, mit dem Dau der Artilleriekaserne sofort zu beginnen, und zwar sollen die Gebäude bis zum Herbst fertiggestellt sein. Die Herstellungskosten werden auf 16—18 Millionen Goldmark geschäht. Die Stadtverwaltung von Düsseldorf beharrt aus ihrem Standpunkt, datz sie diese Forderung unmöglicherfüllen kann. , Die Antwort der Alliierten. müssen mit allen Mitteln darauf hinarbeiten, die E.sehung der kurzfristigen Perfonalkredite durch langfristige Realkredite zu erträglichen Zinssätzen baldmöglichst zu erreichen, auch durch die Aufnahme ausländifcher Kapitalien und Pfcmdb.iese. Das Ausland verzinst fein Kapital inne.halb der eigenen Wirtschaft mit Zinsen bis au 6 Prozent, es wird also gern einen höheren deutschen Zinssatz mitnehmen. Sofern eine erträgliche Einigung über das Sachverständigengutachten erzielt werden sollte, womit dann eine politische und wirtschaftliche Entspannung chüteten dürfte, wird eine günstigere Atmosphäre für langfristige Auslandsdarlehen zu erwarten sein. Ein grobes, der Landwirtschaft nahestehendes Bank- oder Kredit-Institut könnte bann vielleicht eine wertvolle Garantiebank darstellen. Diese Garantiebank, deren Bonität auch durch die Bürgschaft grober Danken gestärkt werden könnte, würde ihrerseits Anleihegeld an die landwirtschaftlichen Hypothekeninstitute vermitteln, so dab diese wiederum in die Lage versetzt werden, dem Landwirt langfristige Kredite zu erträglichen Zinsen au geben. Rur die richtige Erkenntnis unserer furchtbaren Verarmung, die grundlegende ilm- und Einstellung auf diese, und die mutige Schlußfolgerung, vorläufig ohne Aussicht auf nachhaltige Desserung mit zusammengebissenen Zähnen zu lavieren, zu arbeiten, zu darben und nur demDaterlandezudienen, kann die durch Rot und Leid zusammengeschweihte Einheitsfront schaffen, deren die Landwirtschaft bedarf, um ihre Aufgabe als Hauptsundament der deutschen Wirtschaft im vaterländischen Sinne zu erfüllen. Der derzeitige Steuerausbau, dieser groteske Rotbau, muh baldigst vom neuen Reichstag durch ein vereinfachtes und der Tragfähigkeit der Wirtschaft angepahtes Steuersystem erseht werden; notwendig sind landwirtschaftliche Schuhzölle. Wir dürfen den wirklichen ilrfprung aller unserer Rot nicht vergessen; er ist zu suchen in dem unerträglichen außenpolitischen Druck und in der immer noch fortbestehenden Willkür gewisser ehemaliger Feinde. DaS reichlich optimisttsche Gutachten der Sachverständigen läßt, trotz einiger unbestreitbarer Vorteile gegenüber früheren ähnlichen Arbeiten, eine Rücksicht auf das nationalpoli- ttsche Bewußtsein des deutschen Volkes vermissen. Ein Kulturvolk von 60 Millionen läßt sich nicht mit nüchterner Diagnose und daraus resultierendem Rezept — zwei bis drei Generationen Zwangsarbeit — zum Arbeiten für Andere überreden. DaS Gutachten bietet sicherlich eine Grundlage für die Arbeiten zur Lösung des ReparationsproblemS, nicht aber 5 ist es eine Lösung selbst. Der Mitarbeit auf dem Doden des Gutachtens kann sich kein verständiger Deutscher verfchliehen, folangeernichtsagt, waswerdensoll, wenn wir die Mitarbeit versagen. Man kann das Gutachten nicht ohne weiteres ablehnen. Das Gutachten hat wenigstens das eine für sich, dah Frankreich nun Farbe bekennen mub, ob es wirklich den ehrlichen Willen zur Befriedung Zentraleuropas hat ober ob ihm an einer Reparation gar nicht gelegen ist. Frankreich muh jetzt zeigen, ob es den Frieden will oder ob es auf die Dauer den Krieg im Frieden fortführen will, mit dem deutlich erkennbaren End- Rach Empfang der deutschen Antwortnote stellte bann die Reparationskommission die Be» richte der Sachverständigen den alliierter Regierungen offiziell zu und empfahl ihnen, „die Konklusionen", die deren Kompetenz unterstehen, zur Annahme, „damit die vorgeschlagenen Pläne so rasch wie möglich ihre volle Wirksamkeit erlangen". Die Antwort der Kabinette von London, Paris und Brüssel werden heute erwartet. Poincars hat an den französischen Delegier- ten Barthou, der in der Reparationstommis- sion bekanntlich den Vorsitz führt, ein Schreiben gerichtet, das ursprünglich die offizielle Antwort Frankreichs sein sollte und als solche auch solange figurierte bis Barthou in einer ilnterrebung feinen Herrn und Meister von der Llnzweckmäh>gkeit dieser Art Antwort überzeugte. Darauf schwenkte die Pariser Presse gehorsam ein, Poincarös Bries galt seitdem lediglich als eine Instruktion für den französischen Delegierten. Auch als solche ist sie noch vielsagend genug. Sie zeigt, datz zwischen den Ansichten der alliierten Kabinette außer- ordentliche Widersprüche bestehen. Die Pariser Presse führt ein wahres Sathrspiel auf, um Poin- cares abweichende Meinung den widerstrebenden Alliierten als die einzig natürliche und politisch denkbare einzuimpfen. Der Pressefeldzug begann mit einer längeren Erklärung des offiziellen Ha- vas°Bureaus, die mit anerkennenswerter Offenheit den Kernpunkt des ganzen Probst in seiner heutigen Gestalt, die Ruhr- frage anschnitt. Der Quai d Orsay fühlte sich offenbar so sicher, datz er es nicht mehr für nötig hielt, mit seinen Forderungen hinter dem D.rg zu halten. Die französische Regierung verlangt« in der Havasnote zu wissen, ob die französisch' belgischen Organisationen im Ruh.gibiet — also die Eisenbahnregie und die militärische Besetzung- sofort aufgegeben aber «W in dem Matze abgebaut werden soweit, in dem sie „bie wirtschaftliche Einheit Deulsch- stmds" stören, wenn Deutschland den von den Sachverstänbigen gefaßten Plan zur Ausfül^ Paris, '26. April. (WTD.) Die bereits vorliegenden Antworten der englischen, der belgischen und der französischen Reg'erung zum Dr- schluß'der Reparationsskommillion vom 17. April sollen Mach dem „Matin" erklären, datz die drei Regierungen >bie Vorschläge der Sachverständigen annechmen üind genigt sind, ihre Ausführungen sicherzustellen. ' Rach^ dem „Echo de Paris" sind die Antworten lakonisch abgefatzt. Sie sollen den Standpunkt der Regierungen nur unvollkommen zum Ausdruck bringen. Die französische Politik verlange: 1. -die Ausarbeitung der verschiedenen von dem Komitee Dawes vorgefchlagenen Empfehlungen durchzuführen; 2. eine Unterscheidung zu machen zwischen den Angelegenheiten, 'bie ber Kompetenz der Reparativ ns kommission unterstehen und deren, die von den alliierten Regierungen behandelt werden können. Dadurch werbe das Unzulängliche der Entscheidung vom 17. April auSgedrückt. Ohne bie Berechtigung der französischen These an- ?uzwcifeln, scheine es, datz man belgischer- eits eine gewisse Kritik an ber ihnen empfohlenen Prvzebur übe. Man bemerkt, datz es der Reparationskommission nicht möglich fei, sich Wirkungsvoll der Aufgaben zu unterbieten, die Poincars ihr vorschreiben wolle, ohne sofort auf grundlegende Probleme zu stoßen, die allein bie alliierten Ministerpräsidenten in ber Lage feien, zu lösen. Beispielsweise könne die Reparations^mmission fein präzises Reparationsprvgramm aufstellen, ohne sich um den Gesamtbetrag der deutschen Schuld Su bekümmern. Rehme man nur den Paragraphen, urch den festgelegt sei, datz die deutschen Zablun- flen für bie Desahungskosten in Zukunft durch bie Annuitäten beglichen, also gegen die bisher beftanbenen Regeln den Oahreszahlungen untergeordnet werden sollen, — genüge nicht allein diese Frage, um die Rotwendigkeit einer Minister- zusammenkunft schlagend zu beweisen? —. Autzer- dem fei die schwierige und gefährliche Frage ber Transferierung ber Kapitalien zu lösen. Werbe nicht zu gleicher Zeit das Problem der interalliierten Schulder und ber Verteilungsschlüssel von Spaa in bie Debatte gezogen? Tellen bie ßngtänber b’.ejen Standpunkt? Ihre erste Sorge sei, rasch voran zu kommen. Wer es scheine auch, datz nach ih^r Ansicht, die Reparationskommission nicht w.sentlich über th.e Entscheidung vom 17. Aprll yrnausgehen könne. Vertrauen! Die Sachverständigengutachten sind seit ihrer Veröffentlichung vor nunmehr 14 Tagen Gegenstand lebhafter Erörterungen innerhalb der beteiligten Kabinette und in der Presse der ganzen Tßelt gewesen. Die Reparationskommission, die sich mit den Benchten der von ihr eingesetzten; Komitees zunächst zu befassen hatte, beschloß mit erstaunlicher Schnelle, die Gutachten als eine praktisch e Grundlage für die rasche Lösung de: Repa- rationsfrage den alliierten Regierungen zur Annahme zu empfehlen, vorher fich aber der Mitarbeit dec deutschen Regierung zu versichern. In Berlin fand die Anfrage der Reparationskom- mission nach der Auflösung des Reichstags bad .Geschäftsministerium Mar»-Stresemann vor, dem b|e Rechtsopposition die Befugnis einer endgültigen Stellungnahme zu den Gutachten absprach, weil hiermit dem kommenden Reichstag in feinen ^Entschließungen vorgegriffen würde und ein etwa itzurch die Parteienverschiebung innerhalb des Parlaments sich bildendes neues Kabinett in der bedeutsamsten Frage deutscher Politik von vornherein auf den alten Kurs festgelegt sei. Dein .gegenüber wurde mit Recht darauf hingewiesen, baß die Reichsregierung wohl kaum die Beantwortung der Anfrage der Reparationskommission bis zu den Reuwahlen und der Konstituierung des neuen Reichstags hinausschieben konnte, zumal da das voraussichtliche Ergebnis der Wahlen 4 sehr unwahrscheinlich macht, datz das neue Parlament ohne eine längere Krisenperiode in der Lag« sein wird, ein aktionsfähiges Kabinett auf bie Beine zu stellen, ilnb mit einer hinhaltenden odei ausweichenden Antwort wäre Deutschlands Sach« schlecht gedient gewesen, wo gerade Deutschland seit Jahren auf Gutachten internationaler Wirtschaftssachverständiger gedrungen hat, und dir vorl egenden Gutachten auch von deutschen Wirtschaftssachverständigen — wir nennen hier nur den Vorsitzenden Im Präsidium des Reichsverbandes der dcutichen Industrie Dr. Sorge — als ein be- beutfamer Fortschritt und eine annehmbare ©ru.ib» läge für Verhandlungen gekennzeichnet wurden. Die Reichsregierung hat im übrigen durch den Kabinettschef selbst, wie durch den zuständigen Autzenrninister und erst neuerdings durch den Mund des den Deutschnationalen besonders nahestehenden Vizekanzlers nicht den geringsten Zweifel darüber gelassen, daß ihr nichts ferner liege als einem künftigen Kabinett vorzugreifen. Dr. Jarres hat wörtlich erklärt, datz die Reichsregierung sich zur Mitarbeit bereit erklären mutzte, weil „fie zur Zeit die Verantwortung trägt und Elle namentlich im deutschen Interesse am Platze ist. Selbstverständlich hat die endgültige Entscheidung der neue Reichstag zu treffen, dem durch die (Borbereituni ber durch das Gutachten notwendig wtzrdendeit Gesetze und Verordnungen nicht vorgegrifsen ist." Die ferneren Ausführungen des Vizekanzlers lassen überdies unzweideutig erkennen, datz bie Reichsregierung nicht im entferntesten daran gedacht hat, sich einem einseitigen Diktat ber Alliierten zu unterwerfen, sondern aus Verhandlungen auf dem Boden der Sachverständigenberichte eine tragbare Lösung des Reparationsproblems erwartet. Das Kabinett hat es auherdem noch für notwendig gehalten, die Vorsitzenden der politischen Parteien und die Staats- bzw. Ministerpräsidenten der Länder zu hören. Erstere, mit Ausnahme der Deutschnationalen, letztere einstimmig. haben die Antwort der Reichsregierung gutgehcltzcn Das ist deshalb le ond:r^lemer.enL- toert, well damit auch die Chefs ausgesprochener Rechtskabinctte, wie Mecklenburg, Ti-uringen unö Bayern sich hinter bie Politik der Reichsregierung gestellt haben, was vielleicht schon Schlüsse aas die Reparationspolitik eines künftigen, weiter rechts orientierten Reichskabinetts zuläht. seien. Eine Pariser Besprechung. Paris, 26. April. (WTD.) Ministerpwäsi- bent Poincars hatte gestern abenb eine Ihder- rebung mit dem englischen Botschafter Lord $re- w e. Der „Petit Parisien" glaubt zu wissen, patz über die interalliierte Militärkontrol le-ge- fprochen werden soll. Das „Echo be Paris" nönmt an dah auch bie Sachverständigen- berichte Gegenstand ber Besprechung waren. ES fragt, ob durch biefe ilnterrebung die gegenteiligen Ansichten der französischen und englischen R-egie- rung beeinflußt worden sei. Abgesehen von den erofrderlichen Mahnahmen der Kredit-, Steuer-, Zolltarif- und Diskowt- politik ist erforderlich: nachhaltige und ungestörte Enlfaltung ber industriellen Produktion, Senkung der Kosten für landwirtschaftliche Produktionsmittel, vor allem für Kohle, unter pllvr- mär iger Ausschaltung aller unproduktiven Ausgaben, äuterfte Anspannung und Verbilligung de- Düngerproduktion, insbesondere bt.fan S tdftof, Sänger, Beibehaltung und Ausbau tzes Systems der R o h st o f f fr e b 11 e, Förderung der Rohstoffeinfuhr und Beschränkung ber Ci fuhr landwir schaflllcher Erzeugnisse auf Das für die Volksernährung erforderliche Mah. Heute abenb fanb ein kurzer Empfang Der Teilnehmer des Datschen Landwirtschaftsnates durch den SenaDder Freien Hanfe- stadt Bremen im Ratskeller und daran an» schließend ein Bierabend im Altbremer Rathaus statt. ßr. 98 erscheint täglich, nutzer Sonn, und Feiertag,, mit d. Samstagebdlage: GetzenerFomllienb lotter Monatr.vezvorpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: für die Lchristleilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten LnzeigerKietzea. Postscheckkonto: Kraukfutt a. Dl. 11«. zweck, ein sinnlos gequältes Volk zu Verzweiflungsakten zu provozieren. Angesichts des Ernstes der Stunde, scheint mir die deutsche Landwirtschast vor zwei Hauptaufgaben zu stehen: 1. Organisatorischer Zusammenschi u h und Schliehung der Reihen, um bie berechtigten Belange wirklich durchsetzen zu können, und . , , 2. als selbstverständliche Erkennung der wirtschaftlichen und deshalb nicht minder patriotischen Ausgaben freudige, stets opferbereiteD e j a h u n g der ©taatdnottoenbi gleiten, die heute wohl mehr denn je in zwei Worten: „R atio- n a l e D i f z i P l i n" zusammengefaht werden kön- neU ®ie Sachlichkeit, mit der ber Deutsche Landwirtschaftsrat arbeitet und bie auch das Kennzeichen des heutigen Tages ist, möge dem neuen Reichstag als Beispiel dienen und ihm zeigen, wie man wirklich patriotische Arbeit leistet. Ich wünsche dem Landwirtschaftsrat und seiner Tagung einen praktischen Erfolg, den unser geliebtes Vaterland so notwendig braucht, und ich möchte über diese Tagung als Leitmotiv bie Worte stellen: „Dienst am Vater Ian dl" (Stürmischer Beifall.) Zur Verhandlung stand daS Thema „Die außen- und inuerlvirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft." Hierzu sprachen Geh. Regierungsvat Prvf. Dr. Gering- Berlin und der stellvertretende Di- ; reltor der preussischen Hauptlandwirtschaftskammer Oetonomievat Keifer- Berlin. Die Deiächt- erftatter schlugen eine Entschliessung vor, in der es heiht: Seit Abschluß des Krieges hat eine schwere landwirtschaftliche Krisis nicht nur Deutschland, sondern sehr weite Gebiete der Erde i ergriffen. Die Erzeugerpreise für Getreide und । Fleisch sind hinter dem allgemeinen Preisstande und demjenigen ber landwirtschaftlichen Produktionsmittel zurückgeblieben; bie Reinerträge sind dadurch gemindert oder geschwunden. Die zentrale Lirsache liegt tn der Vernichtung des Wohlstandes und der furchtbaren Schwächung der deutschen Produktion und ber Kaufkraft durch das Versailler Friedensdiktat. Die Voraussetzung für den Wiederaufbau der deutschen und der Weltwirtschaft ist eine Herabsetzung ber jährlichen Tributpflicht auf das Matz ber dem deutschen Volk verblicbnen, von den Sachverständigen und der Reparat vnskoinrnifsion. weit überschätzten Leistungsfähigkeit unbi die Einschaltung einer raschen Tilgung vor allem, aber die Wiederanerkennung Deutsch- landsalsgleichberechtigtepolitische Macht. Die innerwirtschaftlichen älr'achen tet deutschen Agrarkrise liegen tn der verfehlten, noch jetzt nachwirkenden Wirtschaf tspoliik ber Kiiegs- und älebergangszeit, der in Deutschland besonders großen Senkung der Produktionspreise und des dadurch bedingten Riedergangs des Reinertrages bis zum völligen Verschwinden. insbesondere auf leichten Grund und Boden, in ter plötzlichen und weitgehenden Entkapi- talisierung der Landwirtschast durch steuer» lichr Maßnahmen und der dadurch erzwungenen Hergabe des größten Teils der vorjährigen Erzeugung zu Schleuderpreisen, unfr schließlich in der Unmöglichkeit der Beschaffung von ausreichendem und wirtschaftlicj- tragbarem Real- und Detriebskredit. Bremen, 25. April. (WTB.) Die Plenar- sihurg des Deulschen Landwirtschaftsrates wurde vom Präsidenten Brandes-Althofs im Bürger- schaftssaale der Bremer Börse eröffnet. Der Präsident begrüßte die erschienenen Gäste, darunter RetchsernährungZminister Graf Kanitz, Reichsfinanzminister Dr. Luther, sowie die Vertreter ber Reichsbahn und ber Reichspost, bes hessischen Wirtschaftsministeriums, bes Reichsarbeils- und Reichswirtschaftsministeriums. Darauf ergriff Graf Kanitz das Wort. Er sagte u. a.: Die innerdeutsche Agrarkrise bereitet Hand In Hand mit der Weltagrarkrise ein Gefahrenmoment von größter Tragweite für tte deutsche Zukunft vor. Die Verschuldung der Landwirtschaft durch Personalkredite nimmt ein bedenkliches Ausmaß an. Rachdem die Golddiskontbank eingespielt fein wird, können wir mit ziemlicher Sicherheit auf eine Erleichterung in der weiteren Hergabe von Personalkrediten seitens der Reichsbank rechnen. Wir GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen vnttk mid vrrlag: vrvhrsch« Unioerptäts Bud!- ond Steinöruderei B. Lange in Sieben. SchrisNeiinng und Seschästrfteüe: Schnlftrahe 7. cun« « »vracht hat. Franrreuy nxa also die tn den Eutachten Mrgcicgten Grmllrsätze zu seinen Gunsten im Interesse seiner impeNinlistischenRheinpolitik in ihr Gegenteil verdrehen. Die von den Sachverständigen al8 Voraussetzung für die Ausführung ihrer wirtschaftlichen Konklusionen geforderte Befreiung der besetzten Gebiete von den Militärlasten, die Wiederherstellung dec wirtschaftlichen Einheit Deutschlands will Frank.eich von der vorherigen Durchführung dieser Konklusionen abhängig machen, also mit anderen Worten, das Pferd beim Schwanz aufzäunen. Deutschland soll zunächst einmal die erforderlichen Gesetze und Verordnungen erlassen. Dann müßten erst die Emissionsbank und die Reichseisenbahn» gesellschaft gegründet werden, dann die Hypothek oer deutschen Industrie errichtet werden, fchließ- lich die verlangten neuen Steuern ausgeschrieben werden. Wenn so Deutschland eklatante De- weise seines guten Willens gezeigt hat. dann, ja dann Kime man weiter reben, aber nicht etwa über eine Räumung deS Ruhrgebiets, keineswegs, nein, einzig und allein über den Austausch des wirtschaftlichen Ruhrpfandes gegen ein anderes Kontrollsystem. Dste franzosiiche Phantasie ist im Er innen immer intensiverer Kontrollmittel unersätllich Porncare will das in dem Gutachten offen gelassene Problem der Garantien und Sanktionen von neuem aufwersen, um endlich das langerstrebte interalliierte Abkommen für einen gemeinsamen Vormarsch unter Dach zu bringen, im Falle Deutschland die ihm ouferlegten Bedingungen nicht erfüllt. Also wiederum ein Schrecken ohne Ende, ein neues feinmaschiges Retz von Sanktionen, das in der entschlossenen Hand des Pariser Gladiatoren zu einer furchtbaren Waffe wird. In der ursprünglich als vssizielle Antwortnote gedachten „3a- fl ruf tim“ für Darthou verlangt Poincare überdies, daß die ReparationStommission ein präzises und vollkommenes ReparationsProgramm auf dec Grundlage der Sachverständigenberichte ausardeite. Dem Deutschen Reiche müßten dann seine Verpflichtungen bekanntgegeben werden, den alliierten Regierungen die Punkte bezeichnet werden, über die diese noch zu verhandeln hätten. Für Macdonald stellt sich das Problem naturgemäß wesentlich anders dar. Er wünscht die politische Atmosphäre von jedem Mißtrauen zu reinigen, das bisher den Verkehr Zwischen ; Deutschland und seinen Gläubigern b ein leises Fünkchen Hoffnung bewegt, mit Hilfe der wärmenden Kraft des Dtznctherms den tückischen Anfall des Gegners zu parieren. Zwar war er sich über das Wie nicht llar. Aber er klammerte sich an diese. . . die letzte Hoffnung. Vielleicht, daß der wärmespendende Stoff, längs der Heerstraße ausgestreut, die Külte so weit paralysierte, daß ein Weilermarsch möglich war. . . Aber was wußte der Mongolen- feldherr von der unangreifbaren Gewalt feiner Gegner? Das Fkugschiff stand neben ihm. Reubelebt glitt er vom Pferd und sprang in das Schiss. Automatisch schlug hinter ihm die Tür ins Schloß. Die toobtige Warme, die ihn hier umgab, wollte ihm im ersten Moment den Atem rauben. Zu groß war der Gegensatz zwischen dem todbringenden Frost da draußen und der belebenden Temperatur hier drinnen. Gr sank in einen Sessel. Endlich rang sich die Frage von seinen Lippen: .Ist der Befehl ausgeführt?- .Er ist ausgeführt, Hoheit. Die Schiffe sind auf dem Wege." .Wie wett sind sie?" „Dor morgen werden sie nicht hier fein können." Mit einem Sprung stand Doghon-Khan vor dem Sprechenden. „Morgen? . . . Morgen! . . . Heute noch müssen sie hier sein!" Der Angeredete erblaßte vor den wutblihen- ben Augen des Regenten. Rur stotternd tarnen die Worte seiner 2btttt>ort „Zu lang . . . zu lang ist der Weg. . . Hoheit ... Dre Arbeit der Schisse, Dynotherm zu streuen, muß schon weit hinten an der Ostgrenze der Dsungarei beginnen . . Die Zähne des Regenten gruben sich ttef in seine Lippen. So weit . . . reichte die Hand des Feindes? „Die Hälfte muß es dort tun! Die anderen Schiffe sofort nach vorn! . . . Bevor die Dämmerung kommt, müssen sie hier sein! . . . Geben Sie telegraphischen D.fehl. Hnser Schiff mit voller Kvafttnach vorn zum Eaisan-Ror!... Mittckhöhel ‘ Langsam fließ, das Schiff vom Boden ab. Dom Stern des Fahrzeuges aus sah der Regent auf die verlassene Straße. Kein lebendla"s We en auf ihr. Rur sein Pferd, das treue Tier, stand regungslos mit erhobenem Haupte, dem wcg- ziehenden Schiffe nachschauend. Durch öie dichten Scheiben hindurch vermochte das Ohr des Regenten nicht das laute, klagende Wiehern zu hören. Sein Auge las es aus den bebenden Lippen des Tieres. Sein Auge blieb darauf geheftet, bis es seinen Dlicken entschwand. . . Die letzte Treue, die sich ihm zeigte. Mrrworr Der rrarrenycyen Titegterung wird morgen erwartet. Sobald sie eingetroffen ist, werden bte vier Schriftstücke veröffentlicht werden. Die Re- parationskomrmfiion hat ferner den frarizösischen Delegierten Darthou und den englischen Delegierten Sir Hohn Dradburh gebeten, sich mü verschiedenen Persönlichkeiten der Finanzwelt in Verbindung zu setzen, um deren Meinung über die Entschließungen der Sachverständigen und die Möglichkeiten der Verwirklichung ihrer Pläne kennenzulernen. Darthou und die Führer dec alliierten Delegationen der Repa- rationskommission sowie der amerllanische Beobachter Logan sind daraus gestern abend mit Pierpont Morgan bei Gelegenheit eines Diners, das ihm zu Ehren gegeben wurde, zusammengetcossen, und haben seine Ansicht über die Möglichkeit der Verwirk- lichung des Planes der Sachverständigen eingeholt. Die Besprechungen sollen heute fortgesetzt wecden. Rach dem „Echo de Paris" werden heute auch Verhandlungen mit dem englischen Finanzmann Montague Ä o r m a n ausgenommen werten und nach Meldungen des „Mattn" kann angenommen werden, daß Verhandlungen mit den Finunzleuten anderer Staaten folgen werden, um Aufklärung zu erhalten über die Möglichkeiten dec Platzierung der nach dem Sachverständig en- bericht vorgesehenen ersten Anleihe von 800 Millionen Goldmark. - - Die Ohnmacht des Völkerbundes. ® e n f, 25. Aprll. (WTB.) Im Völkerbunds-' fehetatiat traf ein Telegramm der deutsch« Kolonialgesellschast. Abtellung Magdeburg, uni ein Telegramm des Präsidiums dar kolonialer Reichsarbeitsgemeinschast ein, in denen gegen dar Raub bet deutschen Kolonien als Bruch dar vor dem Wassenstlllstand erteilten Zusicherungen protestiert und erklärt wird, daß das gesamte deutsch« Doll die Rückgabe der Kolonien fordere und nicht vasten werbe, als bis der unrechtmäßig entrissene Kolonialbesitz zurückarstattet sei. In den Kreisen des Dölkeebundssekretariats ist man bet Ansicht, daß es sich! hier um einen Protest gege n de n Versailler Vertrag handele, der -an die Signatarinachte zu richten wäre, für den bei Völkerbund aber nicht zuständig ist, Da es sich weder um einen Appell von Minderheiten noch um ein Revisionsbegehren eines Mit- gttedstaates handele, sei der Völkerbund nicht zu- flänblg und es käme daher nur eine einfache Empfangsbestätigung in Betracht. Die Entschädigung der deutschen Ansiedler in Polen. G e n f, 25. Aprll. (WB.) Die Beratungen bei Minderheitskom.tees des Völkerbundsrats in Paris Über die Frage der Entschädigung der deutschen in Polen enteigneten Ansiedler haben vorläufig zu einem Abschluß geführt. Danach wird der polnischen Regierung die Zahlung einet Pauschalsumme an die Ansiedler vorgeschlagen, über deren Höhe ein Sachverständiger des Minderheitskomitees sich mit der polnischen Regierung nach Anhörung der Vertreter der Ansiedler verständigen soll. Man erwarte die Antwort der polnischen Regierung auf diese Vorschläge. Gleichzeitig wird hier bekannt, daß die neuen deutschpolnischen Verhandlungen über die S t a a t s a n - gehörigkeitsfrage am 28. April in Wten unter dem Vorsitz des Präsidenten des Schieds- hofeS für Oberschlesien, Kakenbeek, beginnen werden. Der Plan einer württembergischen Tscheka. Stuttgart, 24. Aprll. (WB.) Das gegen bte am 28. 2. verhafteten Kommunisten eingekt at« Ermittlungsverfahren ist nunmehr zum Abschuß gelangt und hat folgendes Ergebnis gezeitigt: Sieben der fest genommenen Pacsvnan bildeten unter Füh.amg eines Russen, der angeblich Go- re fs helftt, eine Tschekagruppe der KPD. und hatten den Auftrag, Verräter innerhalb der Partei und besonders gefährliche Gegner durch Mord zu beseitigen. Goreff wurde in Berlin verhaftet. Hnter dem beschlagnahmte» Material fanb man große Mengen von Spreng, stoffen unb Dumdumgeschossen sowie Alten- tatspläne gegen General von Seeckt und den württembergischen Minister des Innern Bolz. Kleine politische Nachrichten. Wie verlautet, wird die Plenarversammlung des hessischen Landtags nicht vor Mitte oder Ende Iuni zusammentreten. ♦ Die Potsdamer Stadtverordnetensitzung wählte Bürgermeister Arnold Rauscher auf zwölf Jahre zum Oberbürgermeister. Rauscher ist feit 1914 Bürgermeister in Potsdam und gehört polttifch der Deutschnationalen Partei an. Mit schweren Schritten drehte er sich um und trat am den Bug des Kreuzers. Dec hatte jetzt Höhe getoennen und schoß in schneller Fahrt vorwärts. Das Auge des Regenten haftete am Außenthermometer. Mit düstere n Gesicht verfolgte er das langsame, aber unaufhörliche Fallen des Zeigers. 40 Grad... 40 Grad unter Rull! Sv stand der Zeiger, als er ihn das erste Mal betrachtete . . . Oetzt war er schon auf 46 gesunken. Kitemeter auf Kilometer stieß daS Schiff nach vorn . . . und mit jedem Kllometer fiel der Zeiger. Schon lag In nebliger Ferne der Kesiel des Saisaw-Ror. Sprunghaft fiel jetzt der Zeiger. Dom langen Hinstarren schwammen die Augen das Tvghcm-Khan. Mit diesem furchtbaren Sinken des Zeigers sank jede Hoffnung in Ihm, Ohne zu denken. . . ohne zu fühlen, starrte er auf den Apparat. Ein schwerer Stoß, der das Schiff seitwärts traf, brachte ihn ins Wanken. Er packte den Fenstergriff unb hielt sich aufrecht. Das Schiff lag schwer nach Dackbord über. Er hörte wie durch Rebel, wie der Kornmandant den Befehl gab, höher zu (teigen. Er glaubte die Erschütterung der mit äußerster Kraft arbeitenden Trieb- schrauben zu spüren. Dann drehte das Schisst in neuem jährn Ruck ganz nach Dackbord um „Dvlle Kraft aufwärts!" Der Befehl des Kommandanten klang an fein Ohr. (Fortsetzung folgt.) ifrer yroene ytuerprozetz. München, 25. ApE (Wvlsf.) 2lm dritten jDechln^lungstag des Prozesses gegen den Hitler- Stoßtrupp wurde mit der Zeugenvernehmung besonnen. Der Hausmeister voller schilderte die Zerstörung in der „Münchener Post". Der Zeuge gibt an, braß er beim Oeffnen des Tores m i t Erschießen bedroht wurde. Der Direktor Würringer wurde von Berchtold mit v ) r g L - haltenem Revolver für verhaftet erklärt. 3m 'Bureau sei- alles kurz und klein geschlagen worden. Die meisten entwendeten Gegenstände wurden nach einigen Tagen wieder zurückgebracht. Verschiedenen Qlngeflellten feien ihre Ersparnisse gestohlen worden. Hierauf schilderte Frau Auer die bei ihr vvrgonommene Haussuchung. Die Zeugin will in Maurice be° stimmt den Mann wiedererkennen, dec sie unter Drohungen in ein Zimmer gestoben habe: er sei auch derjenige gewesen, der in der Wvhnung mit dem Gewehrkolben verschiedene Sachen zertrümmert habe. Sachverständiger Buchdruckereibesitzer Lind gibt an, baf) sich der Schaden bei der „Münchener Post" nicht fest stellen lasse. Oberkvmmtssar FuchS sagt aus, er habe den Befehl bekommen, zur „Münchener Post" zu gehen uiti) im Ruftrage Pöhners die Einstellung der Zerstörungen zu fordern, was dann auch geschehen sei. 3n der RachmittagSVerhandlung ertlärte der als Zeuge vernommene Erste Bürgermeister von München, der sozialdemokratische Rdgeordnete Schmid, daß am 9. R)- vember die svzralistrschen Stadtröte aus der Sitzung im Rathaus heraus verhaftet wurden. Er selbst sei vom Stuhle heruntergerissen worden. Unter beleidigenden Bedrohungen seien die verhafteten Grisein über den Marienplatz zu einem Lastkraftwagen geführt worden. Bei i^m Einstellen de r Geiseln in den Demonstrationszug der Ratimal- sozialisten fei gerufen worden, da st, ffalls ein Zugteilnehmer falle, die Geiseln erschlagen werden würden. Der Zeuge erkennt in den Angeklagten Kn opp loch denjenigen wieder, der den Befehl zur Tötung der Geiseln gab. Die Beweisaufnahme wurde geschlossen. Morgen beginnen die PlaidoherS. Aus Stadt und Land. Gießen, den 26. April 1924. Die Reichs-Teuerungsziffer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Kleidung, Heizung, Beleuchtung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 2 3. A p r i l auf das 1,13-billionenfache der Vorkriegszeit. Ge- genüber der Vorwoche (1,12-billionenfache) ist emnach eine Steigerung von 0,9 Prozent zu verzeichnen. $ Gießener Wochenmarktpreise am 24. April. (Händlerpreise.) ES kosteten: Butter, per Pfund 2,20, Matte 0,30, Käse 0,50 bis 0.70, Wirsing 0,70, Weihkraut 0,40, Rotkraut 0,60, gelbe Rüben 0,20, rote Rüben 0,30, Spinat 1,20, Unter-Kohlrabi 0,08, Grünkohl 0,70, Feldsalat 2,50 bis 3,00, Zwiebeln 0,30, Meerrettich 0,70 bis 1,50, Schwarzwurzeln 1,00, Rhabarber 0,80, Aepfel 0L5 bis 0,30, Suppenhühner 1,00; Eier, das Stück 0,12, Blumenkohl 2,00 bis 4,00, Lauch 0,10 bis 0,20, Sellerie 1,00, Radieschen, das Bund 0,30 Mark. Weitere Erschwerung des Verkehrs mit dem besetzten Gebiet. Wie die „Köln. Ztg." aus Koblenz berichtet, ist gestern die neue Verordnung 256 in Kraft getreten, die die Rheinlandkommission zur Zusammenfassung und Abänderung der Verordnungen wegen der Einreise in das besetzte Gebiet und des Aufenthalts daselbst erlassen hat und durch die die Verordnungen 125, 236 und Artikel 1 der Verordnung Rr. 144 aufgehoben werden. Die neue Verordnung umfaßt 17 Artikel. U. a. heißt es darin: Personalausweise sind von den deutschen Behörden nur den im besetz ten Gebiet ständig wohnenden Personen auSzuhandigen. Keine Person kann als solche betrachtet werden, bevor sie nicht m i n - oesrens einen tzBonat Däne Unterbrechung im besetzten Gebiet gewohnt hat. Ausweise oder Sichtvermerke können nicht als ordnungsmäßig visierte Personalpässe für die Einreise in das Gebiet des angrenzenden Staates angesehen werden. ♦ ' Aufruf des RotgeldeS der Hessischen Landesbank. Durch Bekanntmachung des Reichsfinanzministers ist das auf Papicrmack lautende Aotgeld, bellen Aussteller im unbesetzten Gebiet Hessens ihren Sitz haben, mit Wirkung vorn 1. Mai 1924 an aufgerufen. Die Einlösungsfrist lauft bis einschl. 31. Mar 1924. Tas auf Grund des Beschlusses des hessischen Gesamtministeriums vom 17. August 1923 ausgegebene Rotgeld der Hessischen Lande s b a n k verliert hiernach mit dem 31. Mai 1924 seine Gültigkeit; bis zu diesem Tage emschl. coird cs von der Hessischen Landesbank tn Darmstadt, Paulusplah 1, eingelost. •’ Zu r Ueberf üfjrung abgebau ter Beamten In Privatbetriebe. Der Reichsminister der Finanzen hat in einem Rundschreiben an die Reichsressvrts darauf hingewiesen, daß bei Vergebung von Staatsaufträgen, b.c die Einstellung neuer Arbeitskräfte be.l’.gen, p i baten Unternehmern möglichst eine vertragliche Bedingung auferlegt wird, abgebaute Beamte ober Staatsangestellte zur Beschäftigung heranzuziehen. Gleiches soll auch bei der Vermietung von Räumen oder Verkäufen staatlicher Grundstücke zu gewerblichen Zwecken an private Unternehmer gelten, sofern die Heranziehung der Arbeitskräfte in Frage kommt. Ausgabe der Landcs- ämter für Arbeitsvermittlung wird fein, die Durchführung dieser Fürsvrgsmatznahme mit sicherzustellen. I Erhöhung der Erwerbslosenunter st ützung. Das Reichskabinett hat am 24. April eine Erhöhung der Erwe rbs lose nun ter- stühung um durchschnittlich 20 Prozent mit Wirkung vom 5. Mai ab beschlossen. ** Straßensperre. Wegen Vornahme von Bauarbeiten durch das Stadtvaucnnt hat das Polizeiamt die Sperrung des vorderen Biegel- Pfads zwischen Lieb g° und Ludwigstrahe für jeglichen Verkehr bis auf weiteres angeordnet. * Der Erreger der Maul- und Klauenseuche gefunden. Rach einem Bericht der „Germania" ist es Prof. D a h m e n von der Tierärztlichen Hochschule in Berlin gelungen, den Erreger der Maul- und Klauenseuche in Reinkultur zu züchten. Die Arbeiten zur Bekämpfung der Seuche, die nunmehr wirklich aussichtsreich geworden sind, werden von Dahmen fortgesetzt. •* 40 Jahre Gießener Gast Wirteverein. Am Mittwoch abend beging der Verein der Gastwirte für Gießen und Hmgegenö im dichtbesehten Saale der Liebigshöhe seine 40jährige Jubiläumsfeier, zu der sich auch die Vertreter der Stadt und zahlreicher anderer Behörden eingefunden hatten. Die Kapelle des hiesigen Bataillons konzertierte unter Leitung des Obermusikmeisters L 5 b e r. Der Vorsitzende eröffnete die Feier mit einer Begrüßungsansprache. Der Leiter des Main-Rhein- Verbandes, Schnau ber - Darmstadt, beglückwünschte den Gießener Verein, der stets ein tüchtiges Glied des deutschen Gastwirteverbandes gewesen sei. Besonders begrüßte er sodann die Gastwirte aus dem besetzten Gebiet. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterland. Bürgermeister K r e n z i e n überbrachte dem Verein die Glückwünsche der Stadt, welche es dankbar anerkenne, daß der Verein es verstanden habe, den guten Ras der Gast lichkeit Gießens zu stärken, und er wünschte, daß der Verein der Stadt diesen Ruf auch weiterhin erhalte, zum Besten von Verkehr, Handel und 'Wandel und damit zum Vorteil der Stadt selbst. Der Vorsitzende des Reichsverbands deutscher Gastwirte, Köster- Berlin, toastete auf den Iubelverein. Jas kows kh-Offenbach (früher in Gießen und damals Vorsitzender des hiesigen Vereins) feierte die drei ältesten Mitglieder desselben: Kaspar Stein, Karl Or big und Heinrich Wagner. Diplome bezw. Auszeichnungen wurden überreicht an Weißmüller- Mainz, Hillesheimer- Ingelheim, sowie an Mitglieder des hiesigen Vereins: Zeichner, Hammschläger und Bä u l te - Gießen, H. Hörr-Al en Lors und G. Schneider - W'.escck, Eine Anzahl Angestellter des Gastwirtegecrerbes in Gießen wurde für langjährige Arbeit durch Ehrentafeln geehrt. Die Vertreter der auswärtigen Gastwirtevereine überbrachten dem Bruderverein ihre Glückwünfche. Zur Verschönerung der Feier trugen die Sologesänge des Tenoristen Kurt ar t <91 e r und die TanzetnLrgen bet, Dte Tanzlehrer Bäulte einstudiert hatte. Ihren Abschluß sand die Feier durch einen Tanz. Pornotizen. — Tages kalender für SamStag. Palast-Lichtspiele: Der sprechende Film. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Filmvortrag — Rund» fuvshaus Löberstraße: 81/» Mr Konzert (Das Volkslied). — Lageskalender für Sonntag. Stadttheater: 7 ilfcr „Der Verschwender". — Lukasgemeinde: 8 Ähr im Lukassaal Familienabend mit Vortrag — Rundfunkhaus Löberstr.: 8 Mr Sonderkonzert Franz Schrecker. — Lichtspielhäuser Programm wie am Samstag — Oefsentliche W ä h l e r v e r s am m- lungen. Heute, Samstag, 8*/< Uhr: Demokratische Partei in der Turnhalle (Oswaldsgarten), Völkisch-sozialer Block 81/* Mr im Felsenkeller. — Morgen, Sonntag, lV/t Mr vormittags, Deutsche Volkspartei Turnhalle (Oswaldsgarten), 8 Ähr abends. Deutschnationale Vollsparter Turnhalle (Oswaldsgarten), 8 Mr Zentrumspartei im Katholischen Vevemhaus. — Feuerwehren. Montag abenb Haupt- Übung. (Siehe Anzeige.) — Turnverein von 1846. Am 3. Mai Bühnenschauturnen. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage Zunehmende Bewöllung, tagsüber warm, zeitweise auffrischende Winde, geringe Riederschläge. Landkreis Gietzcn. )) L i ch, 25. April. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates legte der Bürgermeister den städtischen Voranschlag für das Jahr 1924 vor. Die Gesamtsumme aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 313 600 Mk. Davon entfallen aus den Betrieb 183 600 Mk., auf die Vermögensrechnung 130 000 Mk. An Umlagen sind neben den Ueberweisungen an Reichs- stcuern 2Z 000 Mk. erforderlich. Die Einnahmen aus dem "Wald sind recht erfreulich, allerdings besteht für dieses Jahr die schwierige Aufgabe, das infolge der Geldentwertung zerronnene Be- trUbskapital der Stadtkasse wieder einzufammeln. @ntg:gen dem Vorschlag des Bürgermeisters wurde die an Stelle von Sprunggeld im vorigen Jahre erhobene Haferumlage für die Faselhaltung gestrichen. Die allgemeine Verwaltung erfordert eine Ausgabe von 21 000 Mk. Für die Schule werden 9700 Mk. benötigt, für die öffentliche Sicherheit 3900 Mk. Die Straßenunterhaltungskosten betragen 11 300 Mk„ die der Kanäle 2000 Mark. Für landwirtschaftliche Zwecke werden 9215 Mark verausgabt. Der Ortsbürgemuhen hat wieder gleiche Höhe, wie in der Vorkriegszeit. Armenpflege und soziale Fürsorge verursachen eine Ausgabe von 8521 Mk., die öffentliche Ge- sundh.itspflege 1520 Mk. An größeren Arbeiten sind vorg.f.hen: der Ausbau z wei e r S t r a - ß e n nebst den zugehörigen Wasser- und Kanalleitungen, der Reubau einer städtischen Zuchtvieh st ation, die den Faselstall- und das Gestüt aufnehmen und auch eine Wärtec- wöhnung enthalten soll, ferner ist die Beschaffung des Platzes und die Projektbearbeitung für ein neues Schulhaus beschlossen worden. Kreis Schotten. § Ulrichstein, 25. April. Die hiesige Jugendherberge, mt acht Personen belegbar. ist eröffnet und über Ostern schon fleißig benutzt worden. AuchQuartter in Scheunen steht zur Verfügung. Anmeldungen an PsarrerK 0 turn a n n - Lllrichstein, mindestens acht Tage vorher. — In den letzten Tagen wurde hier ein H u t h- scher E m p f a n g s a p p a r a t für Radiorundfunk vorgesührt. Das Programm des Frankfurter Senders war, soweit es musikalische Teile enthielt, sehr gut zu hören, Gesprochenes dagegen war wegen manchmal sehr starker Rebengeräusche nicht immer so gut verständlich. Kreis Friedberg. • Butzbach, 25. Apoll. Die Butzba ch— Licher Eisenbahn beabsichtigt eine größere Bcrlegung ihrer Bahnstrecke zwischen Butzbach und Ob erkleen , und zwar soll die Strecke zwischen Butzbach und den Me- guinwerken, die jetzt mitten durch diesen Industriebetrieb hindurchfuhrt, aus bie'em herausgenommen und links am Werk vorbei geführt werden Dadurch wird auch eine Verlegung der Kreisst raße Buhba ch—G i e 6 e n erforderlich wobei u.a. eine neue Lieberführung der Straße über den Bahnkörper in Betracht kommt. Zur Bereitstellung des erforderlichen Geländes TtrtD guipuc gnmgmmguuenuya et anberaumt worden. >.---- > — , q I Kunst und Wissenschaft. SLdwestdevtfche Kunstausstellung Darmstadt 1924. Da r mstadt.,25 April. (Eigene Bldbung.) $te Beschickung der Ausstellung auS Karlsruhe und Stuttgart (die geschloffenen Sammellendungen sind bereits unterwegs) bietet ein sehr erfreuliches. Bild. Es werden sich darnach beteiligen auS Baden 43 Künstler mit 47 Gemälden, 67 Werken der Graphik und 15 der Bildhauerei. Aut Württemberg sind es 56 Künstler mit 55 Gemälden, 72 Blättern und 9 Vildhauenoeiten. Der Schlußlag für die Ablieferung der Hessischen Werke auf der Makhlldenhöhe ist der 1. Mat Das Schiedsgericht ist folgendermaßen zusammen^ gesetzt: Roland Anhe ißer-Jugenheim. Rich Hoelscher, Karl H u ber-Offenbach. Mathilde Huber und Bruno Panitz auS Mainz, Alexander Posch, Paul The sing. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde«. Gießen. .©onntag, 27. April. Quasam>vvgrnM StadMrche. 91/,: Pfr. Mahr. Konfirmation bei Kinder a. d. Matthausgem. Feier des hl. Abend mahls. 6: Pfr. Becker. IohanneSkirche. 9'/,: Pfr Ausfelb. Konfirmation ber Kinber tu b. Johannes- unb Militärgem. Feier bes heiligen Abendmahls. 6: Pfairaff- Hertel. — Wieseck. 9: Beichte. 9*/,: 3m Anschluß Feier bes heiligenAbenbmahls. I1/,: Kin- derkirche. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl Abendm. f. b. alten ©emeinbcglleb. v. Saubringei u. Ruttershausen; nm. IV,: Lollar. Katholische Gemeinde». Gießen. Samstag, 26. April. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, b. 27. April. 6'/, Beichte, 7 Messe, 8 Kom. 9 Hochamt m. Preb., Feier bet ersten Hb Komm d. Kinder, 11 Messe. 21/» And. m. Segen, Frertax 6*/, Segensmesse, abbs. 8 Maianbacht. Grün berg Sonntag, 127. Aprll, 91/, Wesse m. Pred. -Tabletten hervorragend bewährt bei £ r hexenschuh, Gicht, hexenschuh, Rheuma, Nerven-und Ischias, Ropsschmerzen Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt In allen Apotheken erhältlich. 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Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Ang st- gefühle, Unsicherheit beim Sprechen, Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit, Taubwerden einzelner Glieder oder Haut st eilen, U eberempfindlich- feit gegen Geräusche und Gerüche, Melancholie, Aeigung zu starken Getränken, Sehstörungen und viele andere Symptome, die einzeln oder zu mehreren vereint auftreten könnten. Wo ist Hilfe? Rervenleiden sind Erschöpfungszustände, veranlaßt durch Ueberanstrengung der Rerven, z. B. durch Überarbeitung, Ausschweifungen, Aufregungen, Kummer usw. und können nur durch eine wirksame Kräftigungskur beseitigt werden. Jede Arbeit verbraucht Rähr- ftoffe, die Arbeit der Rerven vor allem. Diese müssen ihnen in ausreichender Menge zugeführt werden. Es ist nun der medizinischen und ber chemischen Wissenschaft gelungen, diese Stoffe in höchster Konzentration zu isolieren und sie zu einem äußerst wirksamen Präparate zu verarbeiten, dem bekannten Rerven-Rährmittel „Rervisan" von Dr. med. Robert Hahn. 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Schriftliche Angebote unter 019561 an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers erbet. Bekanntmachung. 3n unser Genossenschaftsregister wurde heute bei dem Landwirtschaftlichen Konsum- verein eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Hausen eingetragen: Die Genossenschaft hat sich in eine solche mit beschränkter Haftpflicht um- gewandelt, die Firma lautet jetzt: Landwirtschaftlicher Konsumverein, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Hausen. 32326 Gießen, den 19. April 1924. Hessisches Amtsgericht. Montag, den 28. April 1924, nachm. 2 Uhr, versteigere ich in Wieseck (Restauration Karlsruhe) zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Büfett, 1 Füllofen, 1 Flurgarderobe, 1 Küchenwage und 1 Regulator. Junker, Gerichtsvollzieher Gießen. 8t64D Holzsnbmission. NachverzeichnetesHolz aus denWaldungen der Gemeinde Ruttershausen soll auf dem Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Fichtenstämme: Klaffe 3 8 Stück = 10,79 Festm. „ 4 6 „ = 5,17 ff „ 5a 47 „ — 25,39 „ „ 5b 209 „ = 58,16 „ Angebote sind getrennt in Klaffen mit der Aufschrift Holzsubmisfion bis spätestens Donnerstag, den 1. Mai, nachmittags 3 Uhr bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Derkaufsbe- dingungen eingesehen werden können Iu» schlagsfrist 5 Tage. 3242D Ruttershausen, den 25. April 1924. Bürgermeisterei Ruttershausen: Schwarz. holzversteigerung. Montag, den 5. Mai, vormittags 8'/, Uhr beginnend, werden auf dem Hofe des Oberförstereigebäudes zu Treis a. d. Lda. aus dem Distrikt Hain buch der Försterei Climbach versteigert: Scheiter, Rm.:37 Buche, 6Eiche-Knüppel, Rm.: 88 Buche, 173 Eiche, 30 Kiefer, 2 Fichte; Knüppelrelslg, Rm.: 10 Kiefer; Reisig, Rm.: 88 Buche, 274 Eiche, 25 Kiefer; Stöcke, Rm.: 18 Buche, 34 Eiche, 9 Kiefer. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen, da spätere Einwendungen wegen Güte usw. nicht berücksichtigt werden. Die blau durchstrichenen Nummern werden nicht ausgeboten. Weitere Auskunft durch Herrn Forstwatt Leyerer in Climbach und die unterzeichnete Stelle. 3266D Treis a. d. Lda., den 26. April 1924. Obecförsterei Treis: I. V. Schneider. s» Jugendliche haben Zutritt. 3262c Erhöhte Eintrittspreise! Scherenschleifer. 8. Zitherspieler. Eine kleine Oper: Papageno und Papagena, Szenen aus Mozarts Zauberfldfce. „Reka“, der vielseitigste Instrumentalkünstler Europas. Der sprechende Film bringt: Die Kammerkunst: Hobellied aus; „Der Verschwender11. Arie der Susanna aus» „Figaros Hochzeit“. Violin - Cello - Vortrag» Arie von Haendel. Der sprechende Film bringt: Das Dorfidyll: Ein Tag auf dem Bauernhof. Ferner offenbart uns der sprechende Film zum Schluß seine Geheimnisse und läßt uns einen Blick hinter die Kulissen werfen. Palast-Lichtspiele VorfQhrungszeiten: an Wochentagen 4, 6 und 8 Uhr, Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr. Während der Vorführung bleiben die Saaltüren geschlossen und ist nur in den Zwischenpausen Einlaß, um alle Störungen zu vermeiden Nicht zu verwechseln mit Sprech- oder Singfiimen, die bisher gezeigt wurden. Moilf Oie geradezu verblüffende Lösung eines Problems, das die Technik nCU IV ■ seit dem Tage beschäftigt, wo der erste stumme Film über die Leinwand ging, ist lawU ■ Der sprechende Film Man muß sich darüber klar werden, daß diese Tatsache eine Umwälzung in der ganzen Kinematographie mit sich bringen wird. Der sprechende Film bringt: Ein vollständiges Variet6-Programm: 1. Balalaika - Spieler. 2. Kunstpfeifer. 3. Tierstimmen - Imitator. 4. Musikalische 5. Negertanz auf Glasscherben. 6. Step - Tänzer. 7. Russisches Duett „Wanka Tanka“. Der sprechende Film bringt: Italienisches und westerwoldisches Raygras sind schnell wachsende Futtergräser, die vorteilhaftVerwen- dung finden zur Zwischensaat auf Kleefelder! 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April, 8 Uhr abends, in der Turnhalle (Oswaldsgarten) sprechen Herr proseffor Dr. Ferdinand Werner über „Vie deutschen Zchidsalswahlen" Herr handelrf.-Sqn-ikns Dr. h.c. lUcesmann über „Solide wirtjchastrpMil". ößklW VWkllklfßVRlW Alle deutschgesinnten Wähler und Wählerinnen aus Stadt und Land sind willkommen. Die aus dem besetzten Gebiet ausgewiesenen Landsleute sind besonders freundlichst eingeladen. Montag Rechnen Handels- betriebslehre Buchführung Kurzschrift Masch.-Schr. Englisch Mittwoch Rechnen Wirtschafts- Erdkunde Donnerstag Deutsch Handels- Formulark. Dienstag Deutsch Handela- Brief wechsel Buchführung Kurzschrift Schönschreib. Französisch Buchführung Kurzschrift Schönschreib. Englisch Freitag Rechnen Wechsel- und Sehet kkuude Buchführung Kurzschrift Masch.-Schr. Französisch Krupp baut Registrier-Kassen prompt lieferbar Kropp Registrier-Kassen Gesellseiiall M Berlin W 8, BehrenstraOe 3—4. Auskunft durch den Beilrksvertreter: Erich Kneisel, Frankfurt a. M. 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April 1924 der Bedauerlicherweise war die tiefe Kluft Mi- Di e meisten waren armselige Gestalten, die ent- I schen dem Bürgertum und dem logenannten Prole- weder sich durch die Flucht und durch Versteckt-- | tariat und zwischen Arbeitgeber und Llrbeii- Zur Psychologie der Cifenbahnunfälle. Das furchtbare Anglück auf der Gottyardbahn erhalt eine besondere Rote durch die romantische Alpengegend, in der es erfolgte. 3m übrigen aber ist es ein Eisenbähnunfall, wie sie leider immer wieder Vorkommen, solange mit der menschlichen Anvollkommen'heit gerechnet werden must. Der Grund für die Katastrophe lag wie bei den meisten Anfällen in einer Abweichung von dem gewöhnlichen Ablauf des Betriebes. Das gewöhnliche Gleichmaß war durch die Verspätung des Güterzuges gestört worden, der vor dem Baseler Schnellzug läuft. Solche an und für sich Harmlose Störungen sind in ihren Auswirkungen in den meisten Fällen die Ursachen der Eisen- bahrrkatastrophen. Zu diesem Ergebnis gelangte der amerikanische Eisenbahningenieur Keyes, der sich wohl am eingehendsten mit der Psychologie der Eisenba'hnunfälle beschäftigt hat. Gewiß liegt stets eine „Fahrlässigkeit" vor: sie ist eine Augenblicksschwäche des Gehirns, wie sie jeder im täglichen Leben an sich beobachten kann, und dies^ Versagen der Aufmerksamkeit oder des Gedächtnisses wird gewöhnlich durch die Störung im Betriebe ausgelöst. Solange die Dinge von der Alltäglichkeit nicht abweichen, ist die Gefahr für kehren wollte: „Alter Kamerad! Last dich umarmen, du. Deutschester aller Deutschen! Wir wollen Zusammenhalten für ewig ... 3ch war blind dort unten in dem gepriesenen Sonnenlande, ich bin wieder sehend. 3ch war trunken. Hetzt ist mir wieder frei und klar im Kopfe. 3ch fühle mich stark genug, eine Welt umzustülpen wie einen Handschuh! Freund, hast du ins Volk gesehen? Alles flammt in Begeisterung. Wir leben in einer groben Zeit. Wir vollbringen, was Jahrhunderte vor uns nicht vermocht .. . Heute lachen sie (die Gegner Huttens) noch über unsere Ohnmacht, morgen sollen sie vor dem freien, einigen Deutschland zittern. Ein deutsches Volk schaffe ich, ein freies deutsches Volk." Sickingen äußert einige Bedenken. Auf das Volk sei wenig Verlast. Hutten läht dies nicht gelten: „Das Volk muh Teil haben am Werke. Selber muh es sich befreien." Später erscheint Hutten in Worms mit Luther, Zollern und anderen Geistesführern jener Zeil. Zollern sagt zu Hutten: „Dein vorwärtsstürmender Geist fehlte uns. Wir sitzen faul auf unseren Re- stern und — „Hutten: „Handeln nicht! Deine Hand, Zollern, ich bin entschlossen, das Große zu beginnen. Du wirst mich nicht im Stiche lassen. Mich lüstet es, ein Gericht zu halten über die Henker des Vaterlandes ... Das Alter ist der lästige Hemmschuh. Wir Jungen wollen zu» sammenhalten und eine Zukunft bauen wie einen mächtigen Dom, vor dem die ganze Menschheit staunt und anbetet ... Zollern, du wirst mich verstehen, du vielleicht von allen. Befreie deine Seele von auer Kleinlichkeit unserer Zeit... Das heilige römische Reich deutscher Ration geht in Trümmer. Es ersteht ein deutsches Volk von freien Männern. Der Dichter Helfferich stand also auf der Seite Huttens und des Volkes, besonders der unterdrückten Dauern. Die Enttäuschungen Huttens sind bekannt, und in einer Szene mit Sickingen gesteht Hutten niedergedrückt: „Was bin ich? Ein Träu- mer, ein leerer Schwärmer, ein Poet! Du Sickin- Ende März ist de r letzte Truppenteil _ Reichsheerverbände, die fünf Monate vorher tn Sachsen und später in Thüringen -einrückten, in Mit der Reichsheertruppe durch Sachsen und Thüringen. Von Oberst a. D. Kleinhans. halten einer Rachprüftrng ihrer Gesinnung entzogen. oder bei ihrer Festnahme aus Sorge, für ihr Verhalten haftbar gemacht zu werd«!, den Anschuldigen spielten. Die Gefolgschaft dieser Leute wird eingesehen haben, dast sie das Opfer von Maulheldentum gewesen ist, das versagte, als zur Tat geschritten werden sollte. 3mmerhin hatten diese Heyer vor dem Erscheinen der Truppe mancherorts einen derartigen Einfluß auf die staatlichen und konnnunalen Verwaltungsbehörden, dast diese sich nicht unparteiisch verhielten und deshalb, vor allem in polizeilicher Beziehung weich, nachgiebig, einseitig und selbst ungesetzlich ihr Derwaltungsamt ausübten. Dast bei einer solchen Verwaltung der Weizen übler Demagogie blühen konnte, war selbstverständlich Der seelische Allgemeinzustand der Bevölkerung war derartig, dast niemand dem andern traute. Gernegroße materieller und auch idealer Richtung und geistig beschränkte Gewaltnaturen drängten sich hervor, und der Einflust kommunistisch eingestellter, meist recht jugendlicher Lehrer ohne jede Lebenserfahrung leiteten die Jugend in ein Fahrwasser, in dem ihr jeder standfeste Boden fehlte. Es ist in hohem Maße bedauerlich, in welcher unverantwortlichen Weise junge Menschen geistig rrrege- führt wurden. Aus Riederschriften, die bei Beschlagnahmungen vvrgefunden wurden und in denen zusammenhanglos ganze Absätze und Schlagworte aus Marxistischer Literatur mit peinlicher Genauigkeit und Sauberkeit abgeschirieben waren, konnte man ersehen, wie der Fleiß eines jungen Menschen auf falsches und undankbares Gebiet ohne jeden idealen und materiellen Gewinn gerichtet worden war. Die Eltern solcher jungen Leute waren meist allster sich über die Geistesverfassung ihres Rachwuchses. Mit welchen geradezu lächerlichen Mitteln noch nebenbei gearbeitet wurde, zeigt z. B. auch die Verbreitung der Rachricht, dast zwei Millionen Russen auf dem Marsche nach Dresden wären, um die einrückende Reichswehr zu entwaffnen. Solcher An» srnn wurde ernstlich geglaubt. Verteilung von Lebensmitteln, die auf Veranlassung der Regierung geschah, wurde auf das Wvhltätigkeitskonto der russischen Sowjetbrüder geschrieben. Mit dem Eintreffen der Truppe in einer Ortschaft ging auf Grund der Bestimmungen des Ausnahmezustandes die oberste Polizeigewalt auf diese über. 3m allgemein«! gelang es schnell und gut, mit den Ortsbehörden sich zu verständigen, so dast wohl nirgends bedenkliche Hemmungen im Derwaltungsbetrieb entstanden sind. 3m Gegenteil atmete überall die Bevölkerung auf und der Segen kraftvoll geschützter Ordnung mochte sich geltend. Dies konnte man auf den Kommandanturen beobachten, die von Leuten überlaufen wurden, die in bitterer Rot ihr Anliegen^ vertrauensvoll vorbrachten, ohne befürchten zu müssen, auf ihre Parteizugehörigkeit geprüft zu werden. Wo geholfen werden konnte, geschah es. Vieles ging aber über die Befugnisse und die Machtmittel hinaus und konnte leider nicht befriedigt werden. Ratürlich blieb Angebertum nicht aus. Gebrauch von den zugetragenen Rachrichten wurde nur gemacht, wenn die Angaben zur Feststellung von Persönlichkeiten und Geschehnissen wertvoll erschienen. Befehlsgemäß muhten Führer und Hetzer der durch den Ausnahmezustand verbotenen politischen Verbände festgenommen werden. Sobald sie gesetzwidrig tätig gewesen waren, kamen sie'in der Regel in Schutzhaft. Mit gewaltsamem Rachdruck wurde nur eingeschritten, wenn Widerstand geleistet wurde. D»s war aber nur der Fall bei Leuten, die Anbotmästiglistt als Lebenszweck ansehen und zu den Strasten flegeln gehörten. Politisch tätige Persönlichketten ergaben sich in ihr Schicksal und sorgten dafür, dast ihre Hafttage so angenehm wie möglich verliefen. Originell ist der Ausspruch eines Häftlings, der den Wunsch äusterte, so wie im Lager des Truppenübungsplatzes Ohrdruf, wo eine Zeit lang die Schutzhäftlinge untergebracht waren, müßten die Wohnstätten in ganz Deutschland sein. Wenn auch diese Anerkenntnis für die Milttärverwal- tung des alten so verworfenen Regimes sehr schmeichelhaft ist, so zeugt doch die Auffassung von eigenartigem Kulturempfinden. Wo würden wir hinkominen, wenn solche Gleichmacher, die nicht wissen, dast Kultur und Zivilisation aucß dem Geringsten zu Gute kommt, sich an unserer- Kultur vergriffen. Pflicht der Gebildeten ist es, gegen solche, das ganze Menschentum 'hemmende Lebensauffassung mit allen Mitteln anzukämpfen. gen, bist der Mann der eisernen Tat. Du bist das Schwert, ich nur das Wort. Mit 3deen und Begeisterung seht niemand etwas durch in dieser Welt, wenn sie nicht ein mächtiges Schwert regieren. Mit Gewalt muh man die Menschen zu dem zwingen, was ihnen taugt." 3m vierten Akt läht der Dichter den Rassau sagen: „3n der Diplomatie gibt es eine Kunst: Zur rechten Zeit lügen und zur rechten Zeitgrobwerde n." Sterbend übergibt Hutten dem Sickingen sein „Vermächtnis an das deutsche Volk: „Schreit es hinaus in die Welt, mein letztes Wort, sie müssen ^s hören!" Zwingli besieht das überreichte Schrrft- stück und liest die Aufschrift: In tyrannos! Sehr bald hatte man in Sachsen im Gegen- sah später zu Thüringen den Eindruck, dast den Kommunisten, die sich ausgesprochen austerhalb der staatlichen Ordnung stellten, die einheitliche Führung fehlte. Der damaligen sächsischen Regierung war es auch nicht in dem Maste wie Thüringen gelungen, die Verwaltungsbehörden erfolgreich linksradikal zu beeinflussen. Die Kommunistische Organisation hatte mehr den Charakter einer Art Bandenwesen, dem aber auch die geeigneten Leute als Führer fehlten. Aeber- ha-upt waren unter den sogenannten Führern Und den linksradikalen Verwaltungsbeamten in beiden Ländern nur sehr vereinzelt wirkliche Persönlichkeiten, die für ihre Aeberzeugung eintraten. Blut und Nerven müssen Sie gesund halten. 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Berechtigte Klagen über Wahlbeeinflussung smd nicht erhoben worden. Der Landtag konnte verfassungsmäßig zusammcntreten. Seine Zusammensetzung zeigt, dast dr überwiegende Mehrheit der Wähler auf dem Boden nationaler staattrcher Ordnung steht. Die Betätigung der Reichswehr, die zur Erhaltung des Staatswohles emgesetzt war, entsprach also auch dem Willen der Bevöllerungsmehrhett. Als äusteres Zeichen dieser Gesinnungsgemeinschaft kann tpohl die ungeheure Menschenmenge angqcfxm werden, die dem letzten Besahungs- truppenteil, der mit klingendem Spiel durch dir Stcasten von Weinrar marschierte, auf seinem CEeg zum Bahnhof das Gelett gab. Kreditnot in der Landwirtschaft Die im Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften vereinigten Provinzial- und Landeszentralkassen, denen 25 00C Ernzelgenossenschaften angeschlossen sind, mit mehr als 21/2 Millionen Einzelmitgliedern, vorwiegeÄ Landwirte, haben in ihrer Ausschustsihung am 10. April lfd. Jahres folgende Beschlüsse gefaßt: I. Die von der Rentenbank für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellten Kreditmittel smd, soweit sie über Reichsbank und Preustische Zentralgenossenschaftskasse durch uns den Mit- gliedsgenofsenfchaften zugeführt worden sind, völlig unzulänglich und entsprechen bei weitem nicht der der Landwirtschaft für die Rentenban! a-ls Sicherheit auferlegtenG^undschuld. DieZentral- lassen, als Kredit- und Geldausgleichungsstellen der bodenständigen und auf gemeinnütziger Grundlage arbeitenden Genossenschaften versorgen die angeschlossenen Landwirte, insbesondere den kleinen und mittleren Grundbesitzer, sowie die gewerbliche Landbevölkerung mit Kredit und erblicken hierin ihre Hauptaufgabe. Diese genossenschaftlich zusammengeschlossene Landbevölkerung hat naturgemäß in den Kreditgenossenschaften und diese wieder in den Zentralkassen die einzige Kreditgaelle. 2. 3m 3nteresse der Förderung der landwirtschaftlichen Produltion und somit der Ernährung unseres deutschen Volkes fordern wir eine ausreichende sachgemätze Zuleitung der zur Verfügung stehenden Rentenmarkmittel, in erster Linie durch die Preustische Zentralgenossenschaftskasse, an die genossenschaftliche Kreditorganisation. Wir stellen fest, dast ein plötzliches Abschneiden der Kredite für die Landwirtschaft während der jetzigen Frühjahrsbestellung eine unheilvolle Wirkung für die diesjährige Ernte haben must. 3. Es wird eine Kommission gewählt, die Feststellungen inbezug auf die Höhe und Verteilung der bisher der Landwirtschaft zugeführten Kredit« zu machen hat und erneut bei den beteiligten 3n- stanzen — Rentenbank, Reichsbank, Ministerien — wegen ausreichender Kreditversorgung vorstellig werden soll. nehmet fast durchweg zu spüren. Rur wo die Arbeitgeber vorbildlich und fürsorglich tätig waren, konnte man dies an dem beonnenen Verhalten der Arbetterschaft sofort erkennen Mancher industrielle Arbeitgeber hat noch nicht den Weg gefunden, auf dem er mit dem Arbeiter gemeinsam gehen könnte. Größere Einfachheit in der Lebensführung, zum mindesten in der Oeffcntlich- keit, vornehmer Takt verbunden mit vorbildlicher Arbettstättgkett und sicherem überlegenen Auftreten werden mit wohlmeinender Fürsorge besser wirken als das Flüchten im eleganten Kraftwagen, sobald die Lage politisch bedenkliche wird. Leider begegnete die Truppe mehreren solcher tapferen Fabrikbesitzer, die im Auto davonfuhren und ihr Werk im Stich ließen Auch dem Bürgertum must es durch zweckmäßige Betätigung gelingen, die Hastschürung, das Hauptmittel der marxistischen Propaganda, erfolgreich zu bekämpfen. „Gebt uns was zu essen, dann bekümmern wir uns nicht um Politik!" war ein sehr bemerkenswerter Ausspruch eines Arbeiters, mit dem über die Verhältnisse gesprochen wurde. Auf Anregung der Kommandanturen wurde eine großzügige Hilfs tätigkett ms Werk gesetzt, an der sich Landwirtschaft .und 3ndustrie sehr dankenswert beteiligten. Auch die Truppe gab, .was sie geben konnte. So wurden tausende von Rotleidenden täglich gespeist, und an ebensoviele sind mehrfach zur Linderung der Winternöte Heizmitte! ausgegeben worden. Anparteiisch wurden mit Hilfe der Ortsbehörden die wirklich Hilfsbedürftigen ohne Rücksicht auf politische Zugehörigkeit ausgewählt und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln so reichlich wie möglich bekxtcht. Die Musikkapellen der Truppenteile haben viel dazu bcigelragen, dast durch den Erlös von Wohl- tä tigkc itskonzerten auch Geldmittel aufgebracht wurden. Der Verfasser des Artckels in einer Geraer sozialdemokratischen Zeitung, der beim Beamtenabbau zuerst die Auflösung der Militärkapellen forderte, wird sich nachträglich wohl eines besseren 'besonnen haben. Auch die Promenadenkonzerte wurden überall gern aufgesucht, und andächtig hörte mancher Mustkommunist von Anfang bis zu Ende, dicht an der Kapelle stehend, den Weisen zu. Die Entrüstung einer demokra- tisch<.n studentischen Vereinigung, die sich darüber b-.schiverte, dast der F.iedericus Rex Marsch gespielt wurde, ist in der Antwort auf die Beschwerde durch den Reichswehrminister gebührend zurückgewiesen worden. Auch her machten sich Einzelne zum Sprachrohr von Empfindungen „Vieler", die garnicht vorhanden waren. Die Triebkraft zur politischen Einstellung der großen Masse wird nicht durch die Aeberlegung geschaffen. Zur Zeit schart der Druck der Rot die utteils- los.n bedrängten Volksgenossen um den größten Schimpfer, und sv ist es auch zu erklären, daß bei den letzten Wahlen besonders auch zum Thü- ringischrn Landtag eine starke Ab wände ung aus der Sozialdemokratie zu den Kommunisten stattfand, wo die betreffenden noch weniger für die Besserung ihrer Lage zu erwarten haben. Herabsetzung der Löhne und Arbeitslosigkeit durch Masftnentlassungen, die unausbleibliche Folge der durch die Revolution geschaffenen Verhältnisse, schob die überlegungslosen Wähler tn die krasseste Opposition. Wie schon gesagt. Die 3ntelligenz muß energischer wie bisher diesen Verirrten an bte Hand gehen. Am leichtesten wird ihnen der Begriff des Internationalismus als verkehrte Dolksbeglückung klarzumachen fein. Es steckt in jedem wirklichDeut- schen ein unausrottbarer Rationalismus und ein Hang zum Soldatentum, der Verkörperung der Staatskraft. 3n Jena kam ein Arbeiter, der das Einrücken einer Kompagnie beobachtet hatte und sicher nicht zu den Rechtsparteien gehörte, an den Kompagniechef heran und sagte ihm: „HerrHaupt- mann, zu der Kompagnie kann man 3hnen gratulieren! Dieser gediegene Militarismus ist Gott sei Dank dem Germanen nicht abzugewöhnen. Rach dem Weihnachtsfest sah man nach langer Zeit mit Genugtuung auch wieder die Jungens in Ortschaften, die als rot bekannt waren, Soldaten spielen. Die Kinder hatten es durchgesetzt, daß ihre Eltern ihnen Helm, Säbel und Gewehr auf den Weihnachtstisch legten. Hiermit ausgerüstet ahmten sie eifrig die militärischen Hebungen nach, und so hat auch der jüngste Rachwuchs durch die Anwesenheit der Truppe wieder einen Antrieb zur Wehrhaftmachang des Volkes bekommen. Die Hoffnung der Kommunisten, ihre 3deen in die Truppe einzufchmuggeln, ist vergeblich gewesen. Trotzdem lange Zeit die Soldaten in Dürgerquartieren untergebracht waren, und unter den Quartiergebern gewiß auch mancher Kommu- I den Standort zurückbefördert worden. Die besetzt gewesenen Länder sind nun wieder auf ihre eigene polizeiliche Gewalt zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angewiesen und entbehren in ausgedehnten Gebieten des Rückhaltes, den sie während der Besatzung durch die Reichsheertruppe hatten. Besonders Thüringen hat verhältnismäßig wenig Reichsheerstandorte und wünscht diese zu vermehren. Wieweit diese«. Wunsch erfüllt werden kann, wird die Zukunft ergeben. .Der nationalgefinnte und ordnungsliebende Teil der Bevölkerung beider Länder wird während der verflossenen Wintermonate die Anwesenheit größerer Reichsheerverbände in dankbarer Erinnerung behalten, und die Besatzungstruppe kann mit Befriedigung auf die Zeit zurückblicken, in der sie für die Gesamtheit des deutschen Vaterlandes und im besonderen für die genannten, unter kmnmunist Ischen Druck leidenden Länder mit Erfolg gewirkt hat. Die Tätigkett war zwar für den Soldaten keine erfreuliche. Die Truppe wurde vor Aufgaben gestellt, die ihrem sonstigen Dienst nicht entsprach. Es konnte deshalb nicht ausblei- ben, daß während des Ausnahmezustandes vereinzelt Miß- und Aebergrisie vorkamen, die aber das Gesamtverhalten der Desahungstruppe in keiner Weise nachteilig beeinträchtigten. Diese Entgleisungen sind auf Mißverständnisse und Aeber- eifer Einzelner zurückzuführen. Die Anordnungen der oberen Leitung waren zweifellos zweckdienlich, denn sie haben zu dem gewünschten Erfolg geführt. Als sehr wertvolles Ergebnis der Besahungs- zeit muß hervorgehoben werden, daß die dortige Bevölkerung wieder in nahen Verkehr mit der Reichsheertruppe gekommen ist und die Aeberzeugung gewonnen hat, daß doch noch eine Macht im Staate vorhanden ist, die unüberwindlich sich für Recht und Ordnung einsetzt, und daß das Reichsheer wieder ein Vorbild für Selbstzucht und Vaterlandsliebe ist. Für die Reichsheerangehörigen war der Aufenthalt in Sachsen und Thüringen ebenfalls nicht ohne bleibenden Wert. Aeberall, wo die Soldaten hinkamen, haben sie sich schnell em» leben und mit den Bewohnern der Ortschaften, die belegt wurden, fteundschaftlichst stellen können. Don besonderem Belang war aber der Eindruck, den die durchzogenen Landstriche in politischer Beziehung auf die Desatzungstruppe auggeübt haben. Als Ende Oktober vorigen Jahres die Truppen an der Grenze von Sachsen bereitgestellt waren, mußte auf Grund der bekanntgegebenen Berichte damit gerechnet werden, daß Elemente der linksradikalen Parteien den einmarschierenden Truppen Widerstand, selbst mit Waffengewalt leisten würden. Wenn auch die Parteileitungen einen Zusammenstoß vermeiden wollten, so konnten doch Heißsporne, mit Rücksicht auf die Organisation der proletarischen Hundertschaften und die vorhandenen Waftenlager, wie es ja auch bei früheren Gelegenheiten der Fall war, gegen den Willen der Parteileitung handeln. Der Einmarsch der Truppe erfolgte deshalb vollkommen kriegsmäßig und für die Ortschaften, die zu besehen waren, überraschend. Diese auf die Bevölkerung im ersten Augenblick vielleicht etwas rücksichtslos wirkende Vorsicht hat aber zur Folge gehabt, daß die Parteiweisungen tatsächlich befolgt wurden. Dis aus ganz wenige Fälle kam es erfreulicherweise nirgends zu energischem Waffengebrauch und dem damit verbundenen Blutvergießen. Katastrophen gering. Aber bei einer Abweichung von der Rann ist bei allen Beamten eine erhöhte Rervenspannung notwendig. Dabei ist es belanglos, ob dieser ungewöhnliche Vorfall von der Einschiebung eines Sonderzuges oder ob ein unerwartet anders stehendes Signal plötzlich die Aufmeicksamkett des Beamten auf sich lenkt und damit auf Sekunden oder Minuten aus dem gewohnte.! Gedankengeleise reißt. Mit dieser „An- sichevheit des Menschengeistes" wird man immer rechnen müssen, und alle Bestrebungen, die die Eisenbahnunfälle verhüten wollen, gehen daraus aus, möglichst viele mechanische Vorrichtungen einzuschalten, die unabhängig vom Menschen automatisch die begangenen Fehler verbessern oder ihre Folgen aufheben. So hat man zu Weichen gegriffen, die nur einmal benutzt werden können und sich dann wieder automatisch schließen: man hat Signale erfunden, die sich nicht darauf be= schränken, dem Lokomotivführer die Sperrung einer Strecke anzukündigen, sondern die zugleich auch den Zug automatisch zum Stehen bringen, sobald das Signal auf „gesperrte Fahrt" steht. Diese Vervollkommnung der Betriebssicherheit auf der Eisenbahn hat in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht, und wenn sich auch leider dre Katastrophen nie ganz vermeiden lassen, so sind fte doch sehr viel geringer geworden. 3nteressant ist z. B. die Berechnung, daß die Eisenbahn verhältnismäßig viel weniger Opfer fordert, als die idyllisch alte Postkutsche. Die gemächliche durch das Land trabende Postkutsche hat in der guten alten Zett den Tod von zehnmal mehr Reisenden verursacht, als die moderne Eisenbahn, und zwanzigmal mehr Postkutschen Passagiere wurden verwundet als Benutzer der Eisenbahn. Die amtliche Statiflck der EisenbahnUnfälle zeigt von Hahr zu Hahr eine deutliche Abnahme, und zwar hat Deutschland lange Zett den RÄorch der Betriebssicherheit gehalten, so daß hier die wenigsten Anfälle vorkamen, während sich die meisten in Amerika ereigneten, Helfferich als Dichter. Ein Hugendfreund des so tragisch ums Leben gekommenen früheren Ministers Dr. Karl Helfferich schreibt uns: Karl Helfferich entstammte bekanntlich einer pfälzischen- bürgerlichen Familie. Sein Vater, der Kommerzienrat Friedrich Helfferich in Reustadt a. d. Haardt, Führer der Fortschrittlichen Volks- Partei der Rheinpfalz, besaß eine Textilwarenfabrik, die er aus kleinen Anfängen zu einem großen Unternehmen ausgestaltete. Dort haben wir Hungen zusammen gespielt, gerauft und die Schule besucht. And noch als Studenten haben wir gemeinsam — gedichtet. Abendfüllende Dramen! Roch als Student, als Karl Helfferich an der Aniversität Straßburg zu Füßen des gefeierten Rationalökonomen Georg Friedrich Knapp faß, feilte er heimlich an seiner Lieblingsdichtung: „Al- rich von Hutten", Trauerspiel in fünf Auszügen von F. Erich Helf. Voll Stolz überreichte er mir eine Abschrift des Manuskriptes, vor 30 Hahren! 3d) holte es bei der Kunde von Helfferichs Tode aus alten Papieren hervor. Es ist kein literarisches Meisterwerk. Das Geschichtliche herrscht allzusehr vor. Sine Fülle von Daten und Tatsachen ist zusammengetragen und schlecht und recht dramatisiert. Aber doch: Welche freie Sprache! Welch glühendes Temperament! Karl Helfferich war eben ein Rheinpfälzer, ein echter „Pfälzer Krischer", wie besonders die Reustädter von ihren Rachbarn bezeichnet werden, weil sie lebhafte,heißblütige Leute sind und sehr laut zu reden, zu „kreischen" gewohnt sind. Kein Zweifel, auch Helfferich, der dcütschnationale Führer der letzten Jahre, war im Grunde ein Rebell, ein Kämpfer für die deutsch e Befreiung, wie er sie verstand. Sein altes Drama spricht von diesem Feuerdrang. Ms in dem Stück sich die Freunde Sickingen und Hutten begegnen, ruft Hutten aus — und es ist, als ob der tote Helfferich spricht, der aus dem Vonnenlande Htalien nach Deutschland zurück Der richtige Genuß 69030 liefert mif dem Stern 1 Alleinige Fabrikanten Pascoe L Duschl, 6. m. b. 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