UL 199 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage . GiehenerFamilienblätter Monats vezugrpreis: 2 Goldmark u. 20 Gold« Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGiehen. Postscheckkonto: Sronffurt a. M. 11686. Erstes Blatt U4- )ayrgang Montag, 25. August 1924 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhesten Drarf vnd Verlag: VrÄhl'sche Univerfilats-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mir Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re, Klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzoorschrift 20°/o Aust chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Kämpfe um die Londoner Beschlüsse. Der Sieg Herriots. Vertrauensvotum mit 336 gegen 204 Stimmen. Paris, 24 Ang. (Wolff.) Die Kammer hat die Jnterpellationsdebatte über das Londoner Abkommen beendet und der Regierung mit 336 gegen 204 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. Beginnende Einsicht bei denDeutschnationalen. Während die von dem Berliner Lokal-Anzeiger herausgegebeue Montagausgabe über die Frage der Haltung der Deutschnationalen bei der Reichstatzsabstimmung über die Dawesgesetze nichts müzuteilen weiß, glaubt die „Montags- Post" von einer Aenderung der Stellungnahme der Deutschnationalen berichten zu können. Anter dem Einfluß des Parteivorsihenden Ä e r g t, des Großadmirals T i r p i h , des Reichstagspräsidenten Wallraf und des würt- tembergischen Staatspräsidenten Bazille würde die deutschnationale Fraktion für die entscheidende Abstimmung keinen Fraktionszwang beschließen, sondern vielmehr ihren Mitgliedern die Abstimmung freigeben. Das würbe bedeuten, daß die 46 an der Zweidrittelmehrheit fehlenden Stimmen voraussichtlich von den besonnenen Mitgliedern der Deutschnationalen Partei gestellt würden. Für die Annahme des Londoner Protokolls. Der bayerische Minifterpräsident. München, 24. 2lug. Der Zwischen ausschuh des Bayerischen Landtages ist gestern zur Entgegennahme der Regierungserklärungen über das Londoner Abkommen zusammengetreten, Ministerpräsident H eld gab in fast dreistündigen Ausführungen ein Bild der Verhandlungen in London und der Besprechungen bei der Berliner Ministerpräsidentenkvnferenz. Er schloh seine Ausführungen mit den Worten, er könne es mit seinem Gewissen trvh der heftigsten Bedenken und trotz eines gewissen nationalen Aufbäumens nicht vereinbaren, zu dem Londoner Abkommen nein zu sagen. Der Ministerpräsident richtete an alle Parteien den Appell, die ganze Frage losgelöst vom parteipolitischen Standpunkt aus zu betrachten. Die Insassen des Dortmunder französischen Gefängnisses. Beim Reichsminister des Auswärtigen ist folgendes Telegramm eingegangen: Hundert wegen deutsch-nationaler Propaganda im französischen Gefängnis in Dortmund nach Foeiheit schwachtende Gefangene bitten unter allen Amftänden um Annahme des Londoner Abkommens. Rotes Kreuz, Lünen, gez. Balzer, Vorsitzender. Der Reichswirtschastsrat. Der wirtschaftspolitische und finanzpolitische Ausschuß des vorläuftgen Reichswirtschastsrates haben eine Entschließung gefaßt, in der fest gestellt wird, daß wesentliche Voraussetzungen, die von den internationalen Sachverständigen als uner- läßlich zur Durchführbarkeit ihrer Vorschläge bezeichnet wurden, im Londoner Abkommen unerfüllt geblieben sind, und daß ernsthaft bezweifelt werden muß, daß die dem deutschen VolVe im Dawesgutachten auferlegten Lasten tragbar seien. Dennoch seien die Ausschüsse angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Sage, insbesondere auch im besetzten Gebiet, der Ansicht, daß eine Ablehnung nicht möglich sei. Die rheinischen Handwerker. Bonn, 24. Aug. Unter großer Beteiligung sand hier der 40. rheinische Handwerkertag statt. Reichslagsabgeordneter Esser- Euskirchen wies auf die ernsten Folgen der Ablehnung des Sachverständigengutachtens hin. Der Reichsmimster für die besetzten Gebiete, H o e f l e, hob gleichfalls die Folgen der Ablehnung der Londoner Abmachungen hervor und sagte, der eigentliche Zweck des Dcrwesgutachtens sei die Umlegung der bisher vom besetzten Gebiet getragenen Lasten auf das ganze Reich. — Es wurde einstimmig eine Entschließung ingenrmrmen, in der der rheinische Handwerkertag an den Reichstag den dringenden Appell richtet, den Londoner Beschlüssen zuzustimmen, d a deren Ablehnung für das Handwerk den Zusammenbruch bedeuten würde. Kritik in England. Lvndvn, 24. Plug. Der frühere Schatz- kanzler Sir Robert Horne führte in einer Rede aus, das Ergebnis der europäischen Regelung werde sein, dgtz die Lage Englands für einige Zeit schwieriger statt leichter werden würde. Die englische Kohlen-, Eisen- und Stahlindustrie würde in einem Maße bedroht werden, wie es seit dem Kriege nicht erlebt worden sei. London, 24. Aug. Sir John Simon kritisierte in einer Rede die Haltung der gegenwärtigen englischen Regierung gegenüber Frankreich urrd warf bie Frage auf, ob die Regierung das französische Verlangen nach einer Fortdauer der ungesetzlichen Besetzung des Ruhrgebiets tatsächlich unte rstützt habe, und welche Rückwirkung diese überraschende Tatsache auf die Wirksamkeit des Dawesplanes haben werde. Ferner verlangte Simon Aufklärung über den Standpunkt der Regierung inder Frage derKöl- per Zone und des Beginns der Räu- mungs frist en. Paris, 25. Aug. Bei der Abstimmung haben gegen die Vertrauens Tagesordnung gestimmt: 26 Kommunisten, vierzehn Demokraten, 1 Mitglied der radikalen Linken, 30 Mitglieder der demokratisch-republikanischen Linken, 14 Linksrepubli ortet, 99 Mitglieder der demokratisch-republikanischen Union und 20 Wilde. Der Stimme enthalten haben sich 32 Abgeordnete. Alle übrigen A.geordnete stimmten für die Vertrauenstagesordnung. ♦ Der Abstimmung voraufgegangen war eine 15stündige Debatte, di» erst um 4V> Uhr morgens beendet war. Als wichtigste Stellen aus den Verhandlungen entnehmen wir die folgenden dem umfangreichen Sitzungsbericht: Als der Abg. Marin erklärt, niemand könne leugnen, daß die Besetzung des Ruhrgebiets eine Verstärkung der Sicherheit Frankreichs und ein Pfand gewesen sei, das man in Waren umsetzen könne, springt > Herriot zitternd vor Erregung auf und erklärt, es sei ein fundamentaler Irrtum, zu glauben, daß die Besetzung des Ruhrgebiets eine Waffe gewesen sei. Die Wahrheit sei, daß die Besetzung von Anfang an durch die Verpflichtungen Frankreichs eingeschränkt gewesen sei. Frankreich, ob es nun durch ihn oder durch den Redner vertreten sei, könne nicht sagen, ich werde meine Verpflichtungen halten, wenn man nicht bezahlt. (Beifall links.) Wenn ich, schloß Herriot, statt auf dem Boden des Rechts über baS Ruhrgebiet zu diskutieren, daraus durch einen Kunstgriff Wechselgeld gemacht hatte, hätte ich dadurch meinem Lande einen materiellen und moralischen Schaden verursacht, wozu ich mich niemals entschlossen hätte. (Lebhafter Beifall links.) Als Marin weiter erffärte, daß die den verurteilten Deutschen gewährte Amnestie von großer Bedeutung sei, interpelliert Herriot nochmals und erklärt unter allgemeinem Beifall, daß er sich im Ramen der Ehre Frankreichs für eine Amnestie der Separatisten eingesetzt habe, die die Deutschen wegen Hochverrats hätten verfolgen wollen. Er hätte es abgelehnt, daß gegen diese Männer, die mit Recht oder Unrecht gehandelt hätten, wie sie gehandelt haben, vor- gegangen werde und erklärte, daß er die Verteidigung dieser Männer als eine Errungenschaft betrachte. General Rollet erklärte: Sie werden mir die Ehre machen, zu glauben, daß, wenn der Kriegsminister auf seinem Platz ist, er das deshalb tut, weil er mit dem Ministerpräsidenten voll und ga nz zusammen a r b e i t e t,- dessen außerordentlich patriotische Anstrengungen er besser als sonst irgend jemand hat würdigen Binnen. Die Entwaffnung Deutschlands hat seit dem 10. Januar 1923 in vollkommener Weise funktioniert. Damals trat eine Aenderung ein. Die Kontrolle war indessen ausreichend, um sicherzustellen, daß Deutschland nicht serienweise Ausrüstungsgegenstände herslellte. Dann kam die Ruhrbesehung, die deutsche Regierung schloß den belgischen und französischen Offizieren die Türen der Fabriken. Jetzt wird eine neue Geste unter günstigeren, Bedingungen gemacht werden unb die Kontrollkommission wird ihre Tätigkeit im Vollbesitz ihrer vertraglichen Rechte wieder aufnehmen. Der englische Premierminister hat sich verpflichtet zu erklären, daß dann, wenn Deuffchland in den festgesetzten Fristen der Kontrollkommission nicht Genugtuung gibt, Großbritannien sich Frankrerch und den Alliierten anschliehen wird, um auf Deutschland einen Druck auszuüben, um es zu bestimmen, daß es dem Friedensvertrag nachkommt. Man darf nicht vergessen, daß die Entwicklung Deutschlands ein Element ist, von dem die Räumung der Kölner Zone abhängt. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Berlin, 23. Aug. 1924. Präsckent Wallraf eröffnet die Sitzung und verliest den schriftlichen Einspruch des kommunistischen Abgeordneten Dr. Schwarz gegen seinen Ausschluß. Er erteilt dann dem Reichskanzler das Wort. Reichskanzler Marx wird von den Kommunisten wiederum mit den Rusen empfangen: „Amnestie, Herr Reichskanzler!" Die Ruse verfftummen aber nach einigen Minuten, und der Kanzler nimmt zu folgenden Ausführungen das Wort: Die Mehrheit des Hauses hat hie Erklärung der Regierung gebilligt, daß das Sachverständigengutachten eine gee ign^te Grundlage für Ke Lösung der Reparationsfrage sei. Die Aus den Schlußworten Herriots ist folgendes hervorzuheben: Auf'Illusionen, daß Deutschland vernichtet werden müsse, damit Frankreich blühe, hat man versucht, den Frieden zu gründen. Man hat sehr rasch bemerkt, daß, wenn Frankreich eine Bezahlung erhalten soll, zunächst Deuffchland sein Gleichgewicht wiedergegeben werden muh. Wollen Sie Frieden? Dann machen Sie ihn auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Beziehungen, machen Sie Frieden durch einen Handelsvertrag; tun Sie es nicht, wird der Frieden nur ein trügerischer sein, gut für schöne Reden, aber nicht imstande, einer ernsten Prüfung zu widerstehen. (Beifall links und auf der äußersten Linken.) Ich sage Ihnen: Der. Dawesplan verwirklicht mit einem einzigen Schlag das Gleichgewicht und den Frieden Europas. Ich sage Ihnen: Glauben Sie nicht, daß man das Ergebnis, das wir anstreben, erreichen wird a u f dem Wege des Zwanges, indem man zur Gewalt Zuflucht nimmt und indem man seinen Willen auszwingt durch ein System von Ultimaten. Hnfer Land braucht Ruhe, das ist der Sinn der Londoner 'Abmachungen. Wir haben die Hände frei. Sie können die Londoner Abmachungen ablehnen, können den Status quo aufrechterhalten, Sie können an die Methoden glauben, die mehrere Jahre hindurch von Enttäuschung zu Enttäuschung geführt haben, all' das können Sie tun, aber lassen Sie sich sagen, daß es eine ernste Sache wäre. Ein Bruch der Londoner Abmachungen bedeutet die Verwirrung auf dem Gebiete der Wahrung und die Verpflichtung für Sie, die Gewaltpolitik wieder aufzunehmen, mit aller Scharfe. Wir haben unsere Entscheidung bereits getroffen. Die Regierung, in deren Hamen ich vor Ihnen! spreche, macht nicht geltend, daß sie außerordentliche Vorteile erreicht habe und daß sie einen! großen Sieg errungen fjat, sie behauptet vielmehr, ein ehrenvolles Werk errichtet zu haben, ein Werk der Weisheit und Vernunft. Sie schenkt Ihnen nichtßden Frieden, aber sie bringt Ihnen den Gewinn der Hoffnung auf den Frieden. Der Wortlaut der Vertrauensfrage. Der Präsident der Kammer, Pain- l e v 6, teilt mit, daß nur eine einzige Tagesordnung eingegangen sei, welche von den Abg. Pacals, Blum, Violette und Morel unterzeichnet sei, und folgenden Wortlaut habe: Die Kammer beglückwünscht die Regierung dazu, daß sie den Grundsatz des Schiedsgerichts in die Londoner Abmachungen hineingebracht und dadurch es den Unterhändlern ermöglicht hat, in liberalem Geist internationaler Zusammenarbeit und Eintracht zu praktischen friedlichen Lösungen des Reparationsproblems zu kommen. Sie setzt das Vertrauen in die Regierung, daß sie im Verlauf der bevorstehenden Konferenzen über die interalliierten Schulden sofort beim Völkerbund das Werk der Gerechttgkeit und des Friedens, das in seiner Gesamtheit Sicherheit und Wiederaufbau verbürgen soll, fortsehen wird, billigt die Erklärungen der Regierung und geht unter Ablehnung jeden Zusatzes zur Tagesordnung über. Der Abg. Lvucheur erklärt, seine Gruppe werde f ü r die Tagesordnung stimmen. Gegen 4 älhr kommt es zur Abstimmung über die vorliegende Tagesordnung, welche von der Regierung angenommen wird und die die Vertrauensfrage stellt. Tlm V15 llhr tritt eine kurze Pause ein, um die Stimmen zu zählen. Ilm 4 llhr 35 wird die Sitzung wieder eröffnet schweren Bedenken gegen das Gutachten sind von mir nie verkannt worden. Unsere heutige Beschlußfassung hat eine weiter- gehende DÄ>eutung als jene, die das Gutachten als Grundlage zur Lösung des Repara- tivnsplanes annahm Jetzt handelt es sich um tiefgreifende organisatorische Aen- derungen im Deutschen Reich, die in einem Punkte sogar eine Abweichung von den Verfassungsbestimmungen erfordern. Die Reichsregierung wird es sich angelegen sein lassen, das ganze Material eingehend darzulegen und allen Parteien Rede und Antwort zu stehen. Wir rühmen uns nicht eines E r f o l g e s, den wir in London errungen hätten, wir sind uns bewußt, daß die Arbeit, die wir m London zu Vollbringer hatten nicht derart war, daß wir große Erfolge hätten davontraaen können. Das Gutachten der Sachverständigen ist für dadeutsche Doll in seinem innersten Wesen ebensowenig erfreulich wie der Versailler Vertrag. ■ilnferc Aufgabe bestand nur darin, Milderungen zu erstreben und ich glaube feststellen zu dürfen, daß die deutsche ©efegution in London in keinem Falle eine Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Zu stand, in mancher Beziehung aber eine Verbes se- run g erreicht hat. Wir haben uns keinen Augenblick besonnen, mit Entschiedenheit und Offenheit die deutschen Bedenken und Ausstellungen an den Beschlüssen der Alliierten vorzubringen. Zum erstenmal seit Beendigung des Krieges haben wir als Gleichberechtigte verhandelt. Ein großer Teil unserer Gegenvorschläge wurde als berechtigt anerkannt. Es ist mir ein Bedürfnis, auch hier die objettiDe und unparteiische Leitung der Konferenz durch den engllschen Ministerpräsidenten anzuerkennen und ich lege Wert auf die Feststellung, daß der Dorwurf, es sei uns ein Ultimatum gestellt oder ein Diktat auserlegt, durchaus unbegründet ist. Die Loridvner Beschlüsse stellen gegen den bisherigen Zustand einen Fortschritt dar. Wie dem ganzen deutschen Volke, so lag auch der deutschen Delegation in London vor allem die Sorge am Herzen, deutsche s Land von der Besetzung durch fremde Truppen zu befreien. Wenn unsere Bemühungen nicht das erstrebte Ergebnis gezeitigt haben, so ist das in erster Linie dem Tlmstand zuzuschreiben, daß den Parteien in London nach Dielen Richtungen hin die Hände gebunden waren und sich Faktoren: in den politischen Verhandlungen geltend machten, die sich als stärker erwiesen, als der Derständk- gungswille der Führer, in erster Linie das Problem der interalliierten Schulden. Auf der Londoner Konferenz hat zum ersten Male seit Kriegsende wieder ein Geist der Ver» ständigmrg und der ernsthafte Wille zur friedlicher Regelung der traurigen Kriegshbrterlaffenschast geherrscht. Dieser Geist und dieser Wille haben sich angesichts der immer noch vorhandenen Widerstände noch nrcht restlos durchgesetzt. Die deutsche Delegation war nach Ausschöpfung aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel ernmüttg der llebcrzeugung, daß eine Ablehnung der französisch-belgische» Zugeständnisse in der Räumungsfrage auf absehbar« Zeit nicht eine Besserung, sondern eine Verschlechterung der Verhältnisse in dem besetzten Ge- ' biet verursachen würde, und daß zugleich auch die durch das Gutachten und die Londoner Konferenz erstrebte erträgliche Lösung der Reparationsfrage in unabsehbare Ferne gerückt wäre. Die Verantwortung dafür haben wir nicht übernehmen können. Wir haben von den Minister, Präsidenten Frankreichs und Belgiens die bedingungslose Zusage, daß das Ruhrgebiet spätestens am 15. August 1925 geräumt sein wird. Wir erhiellen weiter vom Ministerpräsidenten Herriot das Versprechen, daß die Räumung des Ruhrgebiets diel schneller durchgeführt werden soll, wenn die Verständigung Mischen Deutschland und Frankreich weiter fortgeschritten sei. Zum Beweis seiner ehrlichen Absicht wird Herriot am Tage nach der Unterzeichnung des Londoner Paktes den Befehl zur Räumung der Zone Dortmund, Hörde, Lünen geben. In der gleichen Zeit sollen auch die nach dem 11. Januar 1923 außerhalb des Ruhrgebiets besetzten Ortschaften und Landstreifen rheinaufwärts und rhemabwärts geräumt werden. Dadurch werden rund 900 000 Deutsche sofort von fremder Besetzung frei. Weiter haben wir von Frankreich, Belgien und England die Zusage, daß die Sanktionsgebiete von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort spätestens am Tage der Ruhrräumung frei sein werden. Daß die deutsche Regierung die so getroffene Regelung der Räumungsfrage nicht als endgültig ansieht, es vielmehr als ihre Aufgabe betrachtet, die in Aussicht gestellte schnellere uird vollständige Räumung des Ruhrgebiets zu erreichen, fft selbstverständlich. Indem ich Ihnen das Gesamte zur Annahme enrpfehle, möchte ich abschließend einen Gedanken aussprechen, der bei Ihren Entschließungen eine gebührende Berücksichtigung finben muß. Es ist der Gedanke an die ernste Alternative, vor der wir stehen, welche Folgen wir für unser Volk und unsere heimatliche Wirffchaft zu erwarten haben, wenn die in London erzielte Regelung nicht zur Wirklichkeit wird, sondern der gegenwärtige Zustand auf unbestimmte Dauer fortbesteht. Die Umstellung der amerikanischen Politik, die sich unter dem Banner des Dawes- gut achtens wieder zur aktiven Mitarbeit an dem europäischen Problem entschlossen hat, droht zu scheitern, wenn das Gutachtens eE5er von den Hauptbeteiligten in Europa abgelehnt wird Auf diese Gefahr hknzuweisen, Halle ich für meine höchste vaterländische Pflicht. Wer es verantworten zu können glaubt, die Durchführung der Londoner Vereinbarungen zu verhindern, hat die ernste, heilige Pflicht, einen anderen Weg zu weisen, der unser Doll aus seiner wirtschaftlichen- und finanziellen Rot herausführen kann und uns die Befreiung des besetzten deuffchen Landes sichert. Dieser Weg aber muß gleich beschritten werden und kurz fein, sonst fciru er Deutschland ins Verderben führen, Die deutsche Delegation vor dem Reichstag Eine Mieynung ves Londoner Vertrages ve- deutet zunächst jedenfalls die Zerstörung aller Hoffnungen, die das deutsche Volk und insbesondere unsere Brüder in den besetzten Gebieten hegen. Industrie und Landwirtschaft werden noch mehr unter der Kreditnot zu leiden haben, und ob unsere bisher mühsam aufrechterhaltene Wäh- rung einem neuen Verfall dann entgegengeht, ist eine bange Frage. Die Zunahme der Arbeits- losigkeit aber ist eine bittere Folge davon. Der furchtbare militärische Druck wird auf den besetzten Gebieten unvermindert weiter lastey. Hunderte gefangene Deutsche, die sich für ihr Vater- land eingesetzt haben, werden dann weiter in den Gefängnissen schmachten müssen. Dielen Tausenden Ausgewlesenen wird die Rückkehr in die Heimat weiter untersagt bleiben. Die Entscheidung des Reichstages wird für Deutschland Segen oder Fluch bedeuten. Das ganze deutsche Volk, die ganze Welt richten ihre Augen auf uns. Das besetzte Gebiet, das unsere heißesten Wünsche begleiten, hat uns seinen Willen kundgetan. Seine Hoffnung ist erwacht und darf nicht getäuscht werden. . Daun nimmt, von den Kommunisten mit lärmenden Kundgebungen empfangen, Reichsfinanzminister Dr. Luther dos Wort. Ich toiH vor Ihnen die Tatsachen darlegen, die Sie selbst in den Stand sehen sollen, zu sehen, was wird, wenn der Londoner Abmachung nicht zugestimmt wird. Unsere Gesamtwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Ein guter Gradmesser für den Zustand des Wirtschaftslebens, ist ftet-S die Bewegung der Erwerbslosigkeit. Seit dem Juni hat diese erheblich zugenvmmen, um annähernd 60 Prozent innerhalb zweier Monate, in denen sonst regelmäßig die CrwerbSIosenzahlen gefallen sind, wegen des erheblichen Bedarfs der Landwirtschaft an Hilfskräften. Im Ruhrgebiet sind jetzt schon rund 80 000 Kohlenarbeiter erwerbslos. Das Reich hat seit Stabilisierung der Mark seine dringenden Verpflichtungen erfüllt, allerdings hat das Reich einen erheblichen Betrag einmaliger Einnahmen gehabt, die nicht wiederkehren. Diese ganze Summe von zusammen mindestens 1,6 Milliarden ist bis auf einen kleinen Rest verbraucht. Run hat seit einigen Monaten im Zusammenhang mit der Rvt unserer Wirtschaft die Steuerfähigkeit offensichtlich a b genommen und der Reichsfinanzminister hat möglichst weitgehende Rücksichtnahme auf die Wirtschaftslage des Einzelnen ar.gcoVdnet. In der Wirtschaft hat sich zum Teil unter Führung großer Wirtfchaftsverbände eine Bewegung entwickelt, die grundsätzliche Hinausschiebung von Steuerterminen cder allgemeinen Rachlässen erstrebt. Die sachlichen Grundlagen für ein langes Durchhalten sind unter den jetzigen Verhältnissen nicht gegeben Einer erneuten Herabsetzung der Beamtengehälter und der sozialen Unterstühungs- betrüge stehen die schwersten Bedenken entgegen. Die Ausgabendrosielungen bei den Sachxessorts dürften auch nicht immer auftechtzuerhalten fein. Es wäre zweifellos mit steigenden Ausgaben zu rechnen. Die Wirtschaft des besetzten Gebietes kann die Micumoerträge nicht mehr weiter tragen. Infolgedessen wird die Regierung eingreifen müs- s sen, und, wenn die Mittel dazu nicht vorhanden fein werden, so wird ein völliger wirtschaftlicher und sozialer Zusammenbruch im Ruhrgebiet drohen und damit Die größte Gefahr für ganz Deutschland. Unserer Wirtschaft fehlt Der Kredit. Bei Richtannahme Der Abmachungen würde Die Kveditnot unvermeidlich stark fl eigen. Die Kreditpolitik der Reichsbank müßte erheblich eingeschränkt werden. Auch das Vertrauen zur Renten- marf' würde leiden, und die Reichsbant würde ihr» Hauptaugenmerk Darauf richten müssen, Den Kurs der Rentenmark zu halten. Def Plan, durch Umgründung der Rentenbank die Hunderte von Millionen kurzfristiger land- winschastlicher Kredite in langfristige zu verwandeln, würde gegenstandslos. Die zahlreichen in ^Deutschland la.fmden kurzfristigen ausländischen Kredit? wir er en'tue c nid); oder richt zu > en gleiten Be in yun en ve - längert werden. Die Verschärfung De • Kre^itn t beDcu'.ct Weitere Arueitslo igkeit. Schließlich muh so der Zeitpunkt kommen, daß Reich, Länder und Gemeinden ihre einfachsten Aufgaben nicht m hr erfülle i körnen De Au.- weg aus 'Der Kre.it not durch ei e neu? Inflation ist durchaus unmöglich Wir können nicht in Deutschland zum ,'w itrn Mal- künstliches Geld machen Die Fogerung aus em von mit Entwickel en liegt für mich auf der Hand. Trotz aller Bedenken zwingt uns Der gefam.e Zustand unserer Birllcha.fi zur Annahme der Londoner Abmachungen. Denn durch die Londoner Abmachungen hören Rhein und Ruhr auf, Reparationsprodinz zu sein. Hierauf erhält Reichsauflenminister Dr. Stresemann das Wort. Er wendet sich gegen die äußerste Rechte und schildert, oft von nationalsozialistischen Zwischenrufen unterbrochen, Den Berkau der Verhandlungen über Die Räumung des Ruhrgebiets. Im Vergleich zu dem ursprünglichen französischen Standpunkt in der Räumungsfrage habe London doch sehr wesentliche Vorteile für Deutschland gebracht. Die Rechte bezeichne Hemot auf Der einen Seite als einen Mann, Deffciif Räumungsversprechen nicht aufrichtig sei; au der andern Seite stelle sie ihn wieder als einen harmlosen friedlichen Menschen hin, Der aus einer Ablehnung des Dawesgutachtens gar keine Konsequenzen ziehen würde. Wenn auch nicht formell, so bestehe tatsächlich ein gewisser Zusammenhang zwischen den handelspolitischen Wünschen Frankreichs und der Räumungsfrage. Die deutsche Delegation habe London verlassen, ohne sich Den handelspolitischen Fragen irgendwie zu widmen. Es wäre für Deutschland sicher besser gewesen, in bezug auf Den Endtermin Der militärischen Räumung etwa- nachzugeben, statt für Die künftigen WirtschaftSverHandlungen Die Trümpfe vorher aus Der Hand zu geben. (Lebhafter Beifall.) GS sei in London auch erreicht worden, daß die Frist für die Räumung sechs bis acht Wochen früher ihren Lauf nimmt als Die übrigen Fristen. (Zuruf eines Kommunisten: „Das ist fabelhaft!") Das ist nicht fabelhaft, aber das wird von Denjenigen im besetzten Gebiet begrüßt werden für die 6 bis «8 Wochen eine Rolle tptelen. (Lebhafte Zustimmung in Der Mitte.) Wenn von der Rechten gesagt wird, die G e - t höÜLLLe sofortige RLummur erfordert, so kllnge daS seltsam im Munde von Leuten, die sonst immer betonen, daß sich die Entwicklung Der Geschichte nicht nach Theorien, fonDern nach realen Machtverhältnifsen richtet. (Sehr gut bei der Mehrheit.) Herriot wollte uns durch die ofortige Räumung von Offenburg und Appenweier einen si chtbaren Beweis seines guten Willens geben. ilnD er hat sein Wort gehalten. Das anzuerkennen, nehme ich keinen Anstand. (Lärm bei Den Rationalsozialisten; Beifall bei Der Mehrheit.) Wir können Die Außenpolitik nicht so treiben, daß wir Den Gegner als wortbrüchigen Schuft bezeichnen. (Beifall bei Der Mehrheit.) Daß Der 15. August 1925 Der allerletzte Termin für Die militärische Räumung des Ruhrgebietes ist, darin besteht gar kein Zwei- el. (Rufe rechts: Abwarten!) Sie (nach rechts gerichtet), geben ja den Leuten in Frankreich das beste Material, Die Daran herumdeuteln wollen. Sehr wahr bei Der Mehrheit des Hauses.) Der Kamps um die Befreiung ist mit London nicht beendet, sondern er hat damit begonnen. Die deutsche Regierung betrachtet es als ihre Pflicht, auf eine Beschleunigung der Räumung hinzuwirken. Es ist ganz falsch zu behaupten, das Ruhrgebiet bleibe noch ein volles Jahr beseht. Es ist ein Unbestreitbarer Erfol g, daß ein ganz bestimmter äußerster Endtermin für Die Be- etzimg erreicht wurde. Die Machtbefugnisse Der Repko, unter denen Deutschland so schwer gelitten hat, sind seit London diirchaus verändert. Frankreich hat dort nicht mehr Die entscheidende Mehrheit. In der Sankt ions frage sind w e - entließe Erleichterungen für uns erlangt worden. Ein großer Fortschritt ist Die Durchsetzung des Schiedsgerichts für alle diese Fragen. Das ist doch ein ganz anderer Geist als Der Geist des Diktats, unter dem wir bisher uns befunden haben. Die Mitglieder des Reichsverbandes Der Deutschen Industrie, Die Politisch meist weit rechts leben, haben sich gewiß nicht aus Gesühlsgründen ür das Dawesgutachten ausgesprochen, sondern weil der Verstand es ihnen gebot. Das Ruhrgebiet hört damit auf, Die Reparationsprovinz zu fein. (Rufe rechts: Ganz Deutschland wird Repara-' tionsprovinz!) 3a, und das soll auch so sein; ganz Deutschland hat die Pflicht, für die Reparationslasten zu haften. Dies darf nicht der Bevölkerung des besetzten Gebietes allein überlassen werden. Mit Zustimmung der Rechten wollte schon das Kabinett Cuno aus Der Spezialschuld des Ruhrgebiets eine Generalschuld des Deutschen Reiches machen. Zum Segen des besetzten Gebiets .habe ich das jetzt erreicht. (Lebhafter Beifall, Händeklatschen Der Mehrheit.) Von Versailles bis London war ein weiter Weg, Der DeinungenD genug wax und dessen Schluß Der Anfang einer Entwicklung fein soll, Deren Ziel das Ende der nationalistischen Isolierung und Der Beginn einer neuen Aera Der Verständigung Der Völler ist. (Lebhafter Beifall unD Händeklatschen bei Der Mehrheit des Hauses. Zischen bei Der äußersten Linken und Rechten.) Abg. Katz (Komm.) versucht, ohne das Wort erhalten zu haben, Die sofortige Besprechung der Regierungserklärung zu beantragen. Präsident Wallraf erllärt dazu, er sei allein berechtigt, das Wort zur Geschäftsordnung zu erteilen ober zu verweigern. Abg. Koch (Dem.) erklärt zugleich im Rainen des Zentrums, Der Deutschen Dolkspartei, der Wirtschaftspartei und der Demokratischen Partei, diese Partein feien sich einig Darin, jede Maßnahme des Präsidenten zu unterstützen, Die er zur Wahrung des Hausrechts ergreift. (Beifall bei Der Mehrheit; Lärm bei Den Kommunisten.) Die Abgg. Scholz (D.-Rtl.) und Leicht (B. V.) schließen sich für ihre Partein den Er- tlärungfin des Abg. Koch an. Präsident Wa llraf crklärt, er fe^e, daß er das Haus hinter sich habe und er werde nun nach Den hier ausgesprochenen Grund jähen verfahren. Hierauf wird ohne Aussprache Der Einspruch des A q Dr. Schwa-z gegen f-ine Ausschließung abgeleh it, rur d e Kommunisten stimm en Da e-v n. Präsident Wallraf schägt vcr ie n. ch e Sitzung am Montag um 12 Uhr abz?Hilten m t der Tagesordnung: erste und zweite Oefung Der Gutach engesetze. Anträge Der Kommunisten. Deutschnationalen und der Rä'ionalfozialisten auf Aenoerung Der Tagesordnung werde i ab elehnt. Es bleibt beim Vorschlag des Präsidenten. Aus aller Welt. Die Feststellung des Erzberger- Mörders Schulz in Budapest. Budapest, 24. Aug Die Oberstadthaupt- mannschaft v röffentlicht folgende Mitteilung: Der wegen des Verdachts Der Teilnahme an der Ermordung des deutschen Reichsministers E r ft b e r g e r auf Der Oberstadthauptmannschaft in Haft befindliche angebliche Fo er st er wurde ftwe i deutschen Kriminalbeamten gegenübergestellt, Die ?u Me ern Zw ck nach Budapest gekommen sind. Die Kr.mrnalbeamten glauben in dem Genannten den des Mordes verdächtt en 31jährigen Kaufmann Heinrich Schulz aus Sanl- seld zu erkennen. Dieser beftrei ei aber, Der gesuchte Schulft zu sein. Er wurde behufs eines weiteren Verfahrens der Budapester Staatsanwaltschaft übergeben. Die nach Den Mördern Erzbergers fahndenden deutschen Kriminalbeamten waren in Dem Zimmer des Oberstadthauptniannstellvertreters, wo Die Konfrontierung mit Dem verhafteten Förster statt- fand, mit verschiedenen Photographien des Mörders Schulz erschienen. Ein deutscher Kriminal- beamtrr. Der Schulz persönlich kannte, trat sofort auf Förster zu und identifizierte ihn als Mörder Erzbergers. Förster versuchte sein Alibi zu beweisen, die deutschen Kriminalbeamten erflärten jedoch Den Beweis für hinfälli g. Rach der Konfrontierung wurde Förster alias Schulz der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Der ungarische Iustizminister hat sich dahin geäußert, daß die Regierung zur Frage Der Auslieferung noch keine Stellung genommen habe. Gr vertrete Den Standpunkt, daß der Gerichtshof Darüber zu entscheiden habe, sobald sich herausstellt, daß es sich tatsächlich um Den MörDer Erzbergers handelt. In diesem Falle würde die Auslieferung ordnungsgemäß eingeleitet werden. Der Mörder seiner Braut. Vor dem Charlottenburger Schöffengericht hatte sich Der 23jährige Kaufmann Kohschmar zu verantworten, der in ferner Berliner Wohnung seine Braut, Die 16jäyrige ‘JlCarte Majewski erschossen und mit Hilfe feiner Mutter die Leiche im Walde bei Beelitz vergraben hat. Dec Angeklagte, Der angab, daß ein Unglücksfall vorliege, wurde toeyn fahrlässiger Tötung zu einem Iah; sechs Monaten Gefängnis verurtrilt. Aus Eifersucht zum Mörder. Gestern vormittag feuerte in Reukölln ein 30jähriger Techniker auf seine Braut mehrere Revolverschüsse ab und richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Das junge Mädchen ist kurz nach Der Einlieferung in Das Krankenhaus g.stor- ben. Der Grund Der Tat ist angeblich Eiferjucht. Kommunisten gegen Reichsbanner. Am SamstagabenD kam es in Köpenick in einer Versammlung zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Angehörigen Des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Gummiknüppel, Stuhlbeine und Schlagringe spielten Dabei eine Rolle, 15 Personen würben Verletzt, Darunter zwei schwer. Der Saal wurde polizeilich geräumt. Unter dem Verdacht des Gattenmordes Wie aus Berlin gemeldet wird, hat die Kriminalpolizei Die 55jährige Witwe Marie Krüger wegen Verdachts des Gattenmvr- d e s Verhaftet. Im September 1923 wurde in Hammer in der Rahe von Landsberg ai. D. War.hr Der 73 Jahre alte Landwirt uno Stellmacher Krüger in seinem Wohnzimmer mit durchschnittener Kehle aufgefunDen. Frau Krüger gab an, Daß ihr Mann in geistiger Umnachtung Selbstmord begangen habe. Als nun Frau Krüger, die schon dreimal verheiratet war, kaum ein Jahr nach dem Tode ihres drttten Mannes auf Heiratsanzeigen in Berliner Blättern antwortete und Dabei, wie schon früher, alte Männer, bevorzugte, wurde die Polizei auf sie aufmerksam. Ermittelungen ergaben, daß der letzte ihrer Drei Männer, Krüger, von frember Hand getötet worden ist. Es wird angenommen, daß Die Frau ihre beiden anderen Männer durch Gift um» gebracht hat, um sie zu beerben. Aus Stadt und Land. Gießen, den 25. Aug. 1924. Herr Quebeker will sich erholen. Von Dr. W. Schweisheimer. Die Menschen sind verschieden wie Die Kaulquappen. Eins von diesen Lebewesen hat einen großen Kopf, das andre einen langen Schwanz. Das eine rudert ungestüm, das andere läßt sich langsam treiben. Wohl suhlt sich jedes nur, wenn es seiner inneren Ratur gemäß einher- fl rubeln Darf. Eine objektive Rorm läßt sich zwar gesetzmäßig errechnen. Mit ihr lockt man leinen Kaulquappenhund hinter einem Sandkorn hervor. Herr Quebeker ist überarbeitet, nervös angespannt, geistig überlastet. Er will sich erholen. Seine Rerven müssen wieder zur Ruhe kommen. Wec findet ihm das Richtige, das rasch und sicher Hilst? Gleichgewicht seelischer Einzelstrebunaen wieDerherstellt? Reizbarleiten verschwinden läßt? ♦ „So geht Das nicht, Herr Quebeker," mahnt wohlwollend sein Chef. „Sie müssen unbedingt etwas für Ihre Gesundheit tun. Da gibt es mir eines: Die ganze Lebensweise so einstellen daß Sie täglich Zeit zu Erholung und körperlicher Krästigung gewinnen. Die Rerven müssen hxi» niert werden! Bei offenem Fenster schlafen. Iedeß Morgen zehn Minuten müllern. Sehen Sie mich an! Mich hält Das morgendliche Turnen frisch, schlank und jung. Dor Dem Bureau ein einftün- Diger Spaziergang. Abends Drei Minuten kalt Duschen. Dann Atmungsgymnastik, fünf Minuten lang. Bor Dem Schlafengehen nochmal fünf Minuten Freiübungen. Am Sonntag eine Wanderung, eine Bergtour, Daß Sie abends vor Müdig- leit umsinken. Machen Sie Das einen- Monat lang und Ihre Rerven werden von Stahl werden — Sie haben doch schon gemerkt, daß meine DaS sind? — Ihre Konstruktion wird eisern sein!" * „Da gibt's nur eins," sagt überzeugend Der Arzt, nachdem er einen ausführlichen Klagebericht entgegengenommen hat. „Sie müssen heraus aus Dem Beruf, heraus aus Dem Alltagsleben. Vollkommene Ausspannung Der Rercen ist nötig. Morgen schließen Sie Ihre Tätigkeit ab, teilen Ihrem Vertreter mit, was er wissen muß unD übermorgen fahren Sie fort, an einen ruhigen, idyllischen, waldreichen Platz. Da essen Sie gut, schlafen lang, machen schone Spaziergänge nicht anstrengend, nur zur Anregung des I Stoffwechsels, gehen früh ins Bett. Die Rerven müssen abgeregt werden! Kein Kurortbetrieb, kein gesellschaftlicher Verkehr. Rur Ruhe, ländliche Stille schone Ratur, Einsamkeit ja Langeweile. Und vor allem keine Zeitung! Keine Post nachschicken lassen! In drei Wochen sind Sie ein anderer Mensch. Sie sind erholt und leistungsfähig, Ihre Rerven neuen Anforderungen gewachsen." „Verehrter Herr Quebeker, da gibt es nur ' eins,“ meint der welterfahrene Geschäftsfreund und' streicht über Den schwarzen Bart. „Sie müssen an einen K irort, müssen sich einer Heilquelle nkur unterziehen. Die verloren gegangene Rervensubstanz muß erseht werden. Wissen Sie, Lecithin und Phosphor unD Mineralsalze. Sie trinken täglich Ihren Brunnen, Da werden Die nötigen Mineralsalze in wirkungsvollster Form ziigciührt. Warme Bäder helfen von außen nach. Da wird Der Körper gründlich Durchgespült, von Den Giftstoffen Der verbrauchten Rervensubstanz befreit, Platz für neue Stosse zur Anlagerung geschaffen. Ich habe mich intensiv mit dieser Materie befaßt, spreche auch aus eigener Erfahrung. Glauben Sie mir, mir eine Badekur wird Ihnen helfen!" Freudig schlug Herr Rervenfest Dem Er- holungsbeDürftigen auf Die Schulter, als er hörte, um was es sich handle. „Erholung? Da gibt’S nur eins. Sie haben hoffentlich keinen Dottor um Rat gefragt? Doch? Da schlagen Sie sich diese grauen Theorien nur gleich aus dem Kopf. Die Rerven müssen auf» gepulvert werden! DaS Ganze ist eine Erschlaffung der Rerven durch immerwährende gleichförmige Tätigkeit. Hier muß Mumm rem! An- regung! Aufputschung! Musik brauchen Sie, moderne Schlagermusik, Tanzlokale, da haben Sie gleich auch die körperliche Bewegung, Die man Ihnen sicher an geraten hat. DarietH! Wenn Da bei der Pointe irgendeiner Sensattonsnummer ein atemberaubender Trick auSgeführt wird, daß man weiß, ein AuStutschen. ein Falschzugreifen — unD Der Mann stürzt ab, und wenn Der ganze Zuschauerraum Den Atem anhält, wenn Die Musik schweigt unD nur Die Trommel noch aufgeregt rollt, wenn Sie selbst von Dem aufregenden, gefährlichen DilD Legschauen möchten und Doch Den Blick nicht abwenden können, — lieber Freund dann spüren Sie Ihre Rerven wieder und fühlen DaS Elixier, Das Sie in neue Spannung versetzt. Sensation I Aufregung! Amüsement! DaS bringt Ihnen Erholung!" Run wußte Herr Quebeker, was ihm not tat. Er stand Da, wie noch einmal Buridans Esel, zwischen einer Menge verlockender, verheißender Heubündel. So konnte er sich auch zu nichts entschließen. Er stand und dachte nach. Und kam zu keinem Ende. Dann ging er inS Bett. Schlief vierzehn Tage lang, von kurzen Ellenspausen unterbrochen. Schloß gleich die zweite Hälfte feines Urlaubs an und schlief nochmals vierzehn Tage. Da war er wieder frisch und wie neugeboren. Und war in Der glücklichen Lage, seinem FreunD, der Erholung brauchte, ohne Hemmung, ohne Wimperzucken Den „ einzig richtigen" Weg dazu verraten zu können. Metzen und der Rhönsegelflug. Eines Der größten sportlichen Ereignisse, tie sich augenblicklich in erreichbarer Räh_- cbspi.le i, ist der Rhönsegelflugwettbewerb auf DewW a )» serkuppe. Er ist um so interessanter, als er die durch Den FrieDenSvertrag in Der raffiniertesten Weise geknebelte Deutsche Technik und Industrie auf ganz neuen, ungeahnten Bahnen sieht. Erfreulich, wenn auch eigentlich selbstverständ.ich, ist Das große Interesse, Das ganz Deutschland an- Dem Rhönsegelflug nimmt. Um so ausfälliger ist Daher für jeden Rhönbesucher die Tatsache, daß *rhan auf Der Wasserkuppe so gut wie kaum einen Gießener antrifft. Interessierte Kreise auS Frankfurt, Darmstadt unD anderen Orten Der weiteren Umgebung beherrschen fast ausschließlich das Feld. Und hier sind es keineswegs nur Ingenieure, Techniker, Spvrtsleute, Die zum Studium Des Segelfluges Die Wasser dippe besuchen, nein, Vertreter aller Bevölkerungsschichten nehmen regsten Anteil an den kühnen Unternehmungen unserer Flieger. i Wie kommt es nun, Daß Gießens sonst so vielseitig interessierte Bevölkerung sich diesen weit über lokale Bedeutung hinausgehenDen Veranstaltungen auf der Wasser kuppe fast ganz fernhält? DeS Rätsels Lösung scheint uns in den schlechten Verkehrsverhältnissen zu liegen. Der neue Fahrplan hat Die Verbindungsmöglichkeiten zwischen Gießen und Der Wasserkuppe durch Den Fortfall des Frühzugs nach Fulda so wesentlich verschlechtert, Daß man brüte einen Ausflug zur Wasserkuppe in einem Tage kaum mehr machen kann. Der Morgenzug Gießen ab 8,16 ist erst 2,33 nachm. in Hilders. Der lebte j Zug mit Anschluß nach Gießen verläßt Hildes bereits 8 Minuten später, lieber Gersfeld ist Die Verbindung nicht viel besser. Arn Sonntag, der ja für die meisten Ausflügler in erster Linie in Frage kommt, ist Die Verbindung von Gießen aus völlig ausgeschlossen. Der, Fahrplan Dec Reichsbahn berücksichtigt die Gießener Beange so wenig, Daß man Die Rhön von Gießen aus auf'Dem schnellsten Wege über Frankfurt erreicht. Hier hat die Eisenbahndiiektion für glänzende Verbindungen in jeder Richtung gesorgt. Diese stiefmütterliche Behandlung Der oberhesfischen Metropole in ihren Verkehrsver- bindungen mit ihrem weiteren Hinterland hat naturgemäß noch erheblich weittragendere 2lach° teile ftir Gießen zur Folge, als den nahezu gänzlichen Ausschluß vom Rhönsegelflug. Erwähnt seien nur die sehr erschwerten Anschlüsse an die Schnellzüge nach Leipzig. Hier ist eS Sache des Verkehrsvereins, der Handelskam- mer und letzten EndeS deS Stadtparlaments, alle Hebel in Bewegung zu sehen, um eine gründliche Abhilfe zu erreichen und für Gießen die Bahnverbindungen durchzusetzen, auf die eS als wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt Der Lande zwischen Weser und Main unbedingten Anspruch hat. Unveränderter Lebenshaltungsindex. Die Reichsindexziffer für Die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Deleuch hing und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für Mittwoch, den 20. August, auf das 1,1 Millionenfache der Vorkriegszeit. Sie ist gegenüber der Vorwoche damit unverändert geblieben. Bornotjzcn. — T ageS kalender für OKon taff. Schneider-Zwangsinnung, 8 Uhr bei Hopfeld: Monatsversammlung. — Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stadt. 8V2 Uhr im „Postkeller": Ordentliche Ausschußsihung. — Rundfunkhaus, 8V2 Uhr: Bläser-Kammermusik. — Lichtspielhaus: „Die Taucher". •• S tadtt Heater. Wir machen nochmals auf die Aufführung am Dienstag, den 26. Aug, aufmerksam und hoffen, Daß Die alte Anziehungskraft des so trefflichen Schwankes „Charley's Tante" von Brandon Thomas sich auch diesmal bestens bewähren wird. Gegen daS rücksichtslose Drauf- losfahren von Automobilen und Krafträdern macht eine Verordnung des Kreisamts mit Recht scharf Front. Rarnentlich in den Ortsdurchfahrten der Dörfer, aber auch auf unübersichtlichen Straßen und selbst in Gießen hat der Kraftwagenverkehr teilweise Formen angenommen, Die für die Bewohner der Ortschaften und Die Straßenpassanten eine stete Gefahr bedeuten. Das Kreisamt fordert die zuständigen Aufsichtsorgane auf, mit aller Energie gegen diese Unsitte einzuschreiten und bedroht rücksichtslose Fahrer mit dauernder Entziehung der für DaS ganze Reich gültigen Fahrterlaubnis. ** Maul- und Klauens euche. Schon wieDer ist Die Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen erneut auSgebrochen. j nachdem Der Kreis einige Wochen seuchenfrei gewesen war. Wie schon wieDerholt in früheren Fällen, ist Die Seuche eingeschleppt worden Durch Vieh, das, von einem Händler gekauft, in einen landwirtschaftlichen Betrieb eingestellt worden war. Der Fall beweist wieder, welche Vorsicht man beim Zukauf von Vieh walten lassen muß. " Die Hessifche Lehrervereinigung nach dem Kurzschristsystem Stolze- S ch r e y. hielt in Darmstadt eine gut besuchte Hauptversammlung ab. Richt nur aus Darmstadt selbst, sondern aus der ganzen Provinz Starkenburg, von Oberhessen und Rheinhessen, I Hessen-Rasfau und den Qtacbbaraebietert waren zaylreicye -Denreter anto4eni>. net-Frankfurt a. M. hielt einen ansgezeichne e r fachwissenschaftlichen CBvrtrog, woran sich eine Aussprache schloß. Aach Er^digung einer Reihe interner Dereinsfragen tourte zum Dorsitzenden einstimmig Herr Heyl - Offenbach gewählt. Empfehlend wurde auf die demnächst in der Frankfurter Alniberfität abzuhaltenden Vorträge für die Dorbereitung auf die Fachprüfung hinge-' wiesen. ''Personalien. Sn den Ruhestand verseht wurde der Dorstand der Landwirtschaftlichen Schule zu Büdingen, Landwirtschastsrat Alfred Andrae, auf Rachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 an. •* Eine erledigte Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer wird für die Dolks- schule zu Rod heim (Kreis Gießen) ausgeschrieben. Dienstwohnung ist vorhanden. •* T e l eg ramme nach Polen. Die polnische Telegraphenverwaltung hat wiederholt wegen unvorschriftsmähiger Bezeichnung der De» siimmungsanstalten in den nach Polen gerichteten Telegrammen Klage geführt. Six hat u. a. gedroht, Telegramme, bei denen die Angabe des Bestimmungsortes nicht mit der Bezeichnung im „Amtlichen Verzeichnis der für den internationalen Verkehr geöffneten Telegraphenanstalten" übereinstimmt, zukünftig als unbestellbar zu behandeln. Alm den Absendern und der deutschen Verwaltung Alnannehrnlichkiten zu ersparen, sind die deutschen 'Telegraphenanstalten angewiesen worden, die vorschriftsmäßige Bezeichnung der De- stimmurrgsorte in Telegrammen nach Polen entsprechend den internationalen Vorschriften durchzusehen. Den Abserrdern wird dringend empfohlen, in Telegrammen nach Polen zukünftig den Bestimmungsort in der Schreibweise des genannten amtlichen Verzeichnisses anzugeben. Sm Zwei- felsfalle geben die Telegraphenanstalten bereit- nülligst Auskunft. Landkreis Giefzen. sk. Reiskirchen, 24. Aug. Gestern nachmittag zwischem 4 und 5 Alhr ging hier ein furchtbares Hagelwetter nieder. Straßen und Felder waren weiß wie miten im Winter, der Hagel lag 10 Zentimeter hoch. Das Wetter war begleitet von einem Gewitter, wie es in diesem Sommer noch nicht da war. Soweit bis jetzt fest- gestellt werden konnte, scheint der Schaden nicht so groß zu sein, wie ihan anfänglich annehmen mußte. Dies mag darin seinen Grund haben, daß das Wetter nicht von Sturm begleitet war. Alte Leute wissen zu berichten, daß die Gemarkung seit dem Sahre 1668 von keinem derartig starken Hagelwetter heimgesucht wurde. sk. G r ü n b e r g , 25. Aug. Rachdem hier am Samstag nachmittag gegen 3 Alhr ein Gewitter mit starkem Regen niedergegangen war, folgte eine Stunde später ein Hagelwetter, wie man es im Hochsommer seit vielen Sahren nicht erlebt hat. Die Stadt hatte für kurze Zeit ein winterliches Aussehen bekommen. Roch am Abend war in den Gossen und an den Gebäuden der Hagel zu sehen. Kreis Schotten. □ Laubach, 23. Aug. Rachdem im vorigen Sahre der Friedrich-Rlagnus-Dau, der östliche Flügel des gräflichen Schlosses, im STonern neuhergerichtet worden war, ist nunmehr auch der Friedrich-Ern st- Dau, der West- flügel, im Snnern wiederhergestellt. Arn 8. September wird Georg Friedrich Graf zu Solms-Laubach mit Svhanna Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich, der jüngsten Tochter des am 26. Suli 1920 verstorbenen Fürsten Karl, Hochzeit halten. Am 18. September wird der feierliche Einzug des neu- vermählten Paares stattfinden. Der Gemeinderat der Stadt Ärubach hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich an den Empfangsfeierlichkeiten zu beteiligen. — Sm Ott ober d. Ss. wird Geh. Sanitätsrat Dr. Vogel, der seit 1886, vorn allgemeinen Vertrauen getragen, hier wirkt, seine ärztliche Tätigkeit au (geben und nach Stuttgart ziehen. An seine Stelle wird Dr. Philippi (gebürtig aus Obbornhofen), bisher in Rlünzenberg als prakt. Arzt tätig, treten. Der neue Arzt beabsichtigt, im hiesigen Sohamr-Friedrich--Stift auch eine chirurgische Tätigkeit zu eröffnen. Hierfür sind im dortigen Krankenhaus (an der Schotten er Straße) 15 Betten bereitgestellt worden. — Der hiesige Gemeinderat beschäftigt sich zur Zeit eifrig mit der Errichtung eines Volksbades. Eiirige erklären sich für eine Ausschachtung des Obersees. Andere befürchten hier Wassermangel und ziehen eine Anlage an der Wetter oder Schellenbach vor. — Zu Anfang der kommenden Woche soll ein Sage n d f e st auf dem Ramsberg stattfinden. Realschule und die Stadtschulen werden sich daran beteiligen. Voraussetzung ist natürlich ein Umschwung der bisherigen regnerischen Witterung. Kreis Büdingen. + Büdingen, 25. Aug. Die Vorderer- -hingen zu dem am 7. September dahier ftatt» finiienben Ländesfest des Evangel i schen Bundes schreiten rüftig vorwärts und finden in ten Gemeinden unseres Dekanats lebhafte Unterstützung: bie Anmeldungen aus den verschiedenen Gemeinden sind bereits so zahlreich eingegangen, daß die beantragten Extrazüge wohl gesichert sind. Das Fest wird eingeleitet durch einen De- grußungsabend, an dem der bekannte Heimatforscher Lehrer Heusvhn aus Lorbach einen Vortrag über die Reformation in Büdingen bauen wird. Sm Festgottesdienst am Sonntag wird der verdienstvolle Bundcspsarrer Eckel aus ßam- perl heim predigen. Am Rachmittag findet dann nach einem Festzug eine große Volksversammlung stall, bi der verschiedene Redner über die „Erang. Kirche und die deutsche Zukunft" sprechen werden. Der Abend bringt in mehreren Sälen Festabende, der Montagmorgen die Abgeordneten- und Mitgliederversammlung, in der neben den geschäftlichen Tangen der Vorsitzende torechen wird über „®er Evang. Bund ein Volksbund aller Evangelischen". Sn fast allen Dekanats» gemeinten, etwa 22, finden am Sonntag vormittag ebenfalls Festgottesdienste statt, in denen bekannte äuswärtige Bundespfarrer predigen werden. )( Ortenberg, 25. Aug. Der Ende Oktober ftattfintente Kalte Markt wird bereits eifrig tenbereitet. Sn diesem Sahr wird zum erstenmal seit 10 Sohren auch wieder eine Verlosung statt- linden: etwa 250 Gewinne Winken den glücklichen Gewinnern, als erster Preis wurde, wie üblich, rin Fohlen bestimmt. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 24. Aug. Der Verband hessischer Zimmermeister beschloß, den Verbandssitz von Darmstadt nach Mainz zu verlegen. Die Geschäftsführung hat die Mainzer Sn- übernommen. — Der Geschaftsführende Ausschuß der Deutschen Dolkspartei, Landes verband Hessen, ist für Sonntag, den 31. August, zu einer Tagung nach Darmstadt einberufen Worten. — Eine GvangelifcheWelt- anschauungswoche soll in Darmstadt in den Tagen vom 15. bis 19. September veranstaltet werden. Am Abend jedes dieser Tage wird ein Vortrag über die Eigenart der evangelischen Chrrstus- religion im Unterschied von ter außerchristlichen Religiosität dargeboten werten. Hessen-Nassau. S a ch s e n b e r g, 20. Aug. Von einem Bienenschwarm überfallen wurden die Gänse des Müllers Mann in ter Al. Duhmühle. 15 Stück wurden totgestochen und waren nachher termasteil mit Stacheln bedeckt, daß man sie zum menschlichen Genuß nicht mehr gebrauchen konnte, sondern begraben mußte. Die restlichen zwei Gänse sind durch Stiche erblindet. Dieser Fall kann manchem Smter, ter die Versicherung seiner Dienen gegen Schaden in den Wind schlägt, zur Warnung dienen. Landesverband des Hessischen Einzelhandels. Eigener Bericht unserer Darmstädler Redaktion. D a r m st a d t, 24. Aug. Auf der Haiupl- Versammlung des Landesverbandes des Hessischen Einzelhandels, die heute hier stattfand, hielten Vertreter der Regierung, der Handelslammern und anderer Korporationen Begrüßung San sprachen. Reichstagsabgeordneter Deythien hie t einen Vortrag über die „Beziehungen zwischen Einzelhandel und Parlament". Die Vorstands- Wahlen ergaben die Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Wilhelm K a l b f u h - Darmstadt: zum zweiten Vorsitzenden wurde Kaufmann H o r n - Gießen gewählt. Die Verhandlungen gipfel en in der Annahme der nachstehenden Gntschlietzunzen: Das Lieber Hand nehmen des Wanderlagergewerbes, des Hausier- und Straßenhandels gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß, daß das Publikum mit Waren miiterwertigster Art ütettchtoemmt wird. Der Einzelhandel erwartet von ter Regierung, daß auf 'ihn als volkswirtschaftlich wichtigen Warenverteiler und Steuerzahler Rück icht genommen wird, zumal bei dem Wandergewerbe die Steuerkontrolle auf große Schwierigkeiten stoßt. Das Snteresse des Publikums erhäscht aber bei ter heutigen Geldknappheit eine Versorgung mit guten und billigen Waren, nicht eine Ale.e schtoem- mung mit minderwer igen, daher teuren A tikeln. Eine weitere Entschließung wendet sich gegen die augenblickliche Steuerbelastung des Einzelhandels, die untragbar ist, da sie weit über die Leistungsfähigkeit tes Standes hmausgeht. Unter voller Würdigung der finanziellen Schwierigkeiten und des Steuerbedarfs von Reich Staat und Gemeinte muß jedoch bei der kommenden Steuerreform unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse des Einzelhandels eine gerechtere Verteilung der Steuerlasten angestrebt werden. Sn ganz besonderem Maße trifft dies auf die Almsah steuer zu, die in ihrer jetzigen Form außerortentlich preisverteuernd wirkt. Der Gedanke einer Kleinhandels steuer (Umsatzsteuer ter letzten Hand) ist als undurchführbar a b° zulehnen. Die letzte Entschließung fordert Abbau der Ausnahmegesetze gegen den Handel, insbesondere ter Preistreibereiverordnung und ter Verordnung über die Preisprüfungsstellen, da die Versorgung der Bevölkerung mit Gegenständen des täglichen Bedarfs in vollem Maße gesichert sei. Sm Anschluß an die Tagung fand die Eröffnung einer Handelsausstellung in Gegenwart des Provinzialdirettors Kranzbühler und anderer Vertreter staatlicher Behörden statt. Das Unternehmen/ das einen größeren Umfang hat, gibt ein gutes Bild von der Leistungsfähigkeit des hessischen Einzelhandels. 9. Verbandstag des Hessischen Schuhmachermeister-Verbandes. EigenerDer ichtunsererDarmstädter Redaktion. Darmstadt, 24 Aug Der 9. Derbands- tag des Hessischen Schuhmachermeisterverbantes wurde heute vormittag in Gegenwart vor Vertretern des Kreisamts, der Handwerkskammer, der Handwerker-Zentralgn vs'e schuft svw.e za 1° reicher Meister aus allen Teilen Hessens a gehallen. Den Vorsitz führ e Schuhmachermeister Wilhelm Weber- Darmstadt, der den Geschäf s- bericht erstattete, der genehnift tourt e, auch ter Kassenbericht tourte gutgeheißen und Cem Haushaltsplan nach ten Vorschlägen zugestimmt. Die Wahlen zu ten Dorstandsämtern ha ten nachstehendes Ergebnis: Rothe erster Vorsitzender, S. Loh zwei er VvrsitzeiDer, Bischoff Kassierer, Fritz Schriftfüh er. Sämtliche Dorsta ds- mitglieter haben ihren Wohnsitz in Darmstadt. Als Beisitzer aus dem besetzten Gebiet wurde Gehres-Mainz gewählt. Der bisherige Vorsitzende Wilhelm Weber wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Ver ammlung beschloß, die Wohlsahrtskasse tes Verbandes, deren Bestand in Frage gestellt war, w.i.er zu führen. Sn einem Vortrag von Schuhmachermeister Weber über „Kalkulationssystem und Geschäftsunkosten" legte der Redner dar, daß nicht mehr allein die Gestehungskosten bei der Preisberechnung zugrunde gelegt werden mühten, sondern auch der Arbeitslohn zu berücksichtigen fei. Rach dem Lohnsystem beträgt der Verdienst an einem Paar Herrenstiefel 3,42 Mk., statt 3,90 Mk. in ter Vorkriegszeit, also 48 Pf. weniger. Sm Anschluß an diese Darlegungen sand eine längere Aussprache stall, in ter namentlich die Frage ter Geschäftsunkosten erörtert wurde. Zum Ort tes nächstjährigen Verbandstages tourte Mainz gewählt. Sm Anschluß an ten Verbandstag fand im Städtischen Saalbau die Eröffnung einer Fachausstellung für das Schuhmachergewerbe statt durch den Handwerkskammer - Sireltor Schüttler in Gegenwart von Vertretern des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft und der städtischen Behörden. Das Schuhmacher-Gewerbe ist auf ter Ausstellung mit höchst anerkennenswerten Leistungen vertreten. Kleine Strafkammer. Gießen, 28. August 1924. Das Töchterchen der Elisabeth Hebbel in Bad» Rauheirn verkehrte im Sommer 1923 mit ter gleichaltrigen Sahnchen Gr. Diese wurde von ihrem Vater im Geschäft mehrfach dazu angestellt, Geldscheine zu zählen. Die Ehefrau H., die dies erfuhr. Terror 'X*r. \Dun- j nung veranlaßte daraufhin öle kleine Gr., sich öfters von dem Geld des Vaters äu nehmen und ihr, ter H, zu bringen. Das Geld wurde von ter H. wieder dadurch unter die Leute gebracht, daß sie mit ihren Ämtern und ter kleinen Gr. Kinos, Kondttoreien und Kirchweihen besuchte. So fuhr man eines Tages in ter Droschke nach Steinheim zur Kirchweih für 7 Millionen, nachdem die Gr. zuvor 40 Millionen überbracht hatte. Sn einer Konditorei sol/n einmal 17 Portionen Eis verzehrt worden i\in. Als die kleine Gr. nicht mehr zum Geldzählen zugezvgen wurde, ihr Vater vermutete Gelddiebstähle, legte Frau H ter kleinen Gr. nahe, ob sie sich nicht einen Schlüssel zur Kasse ihres Vaters verschaffen und auf diese Weise auch weiterhin Geld bringen könne. Der Gr. gelang dies auch. Aus Grund dieses Tatbestandes hatte ter Einzelrichter in Dad-Rauheim die Ehefrau H. wegen Diebstahls zu 6 Monaten G e- fängnis verurteilt. Shre Berufung wurde von ter Strafkammer verworfen. Die Angeklagte leugnete zwar nach wie vor. Sie wurde jedoch durch das erdrückende Beweis material als überführt angesehen, und wegen Ansttftung zum Diebstahl zur erstinstanzlichen Strafe verurteilt. Mit Rücksicht auf die niedrige Gesinnung, die aus ter Handlungsweise der Angeklagten spricht, erschien diese Strafe angemesien, obgleich die Angeklagte bis jetzt noch nicht vorbestraft war. Der Weißbinder Karl R. von Pohlgons hatte Ente vorigen Sahres an zwei junge Leute Zigaretten geliefert. Zur Abzahlung ihrer Schuld brachten sie ihm eines Abends 2 Zenter Briketts ins Haus, die sie auf dem Bahnhof Pohl-Gons gestohlen hatten. Vom Einzelrichter in Butzbach war R. wegen Hehlerei zu 2 Monaten G e f ä n g - n i s verurteilt worden. Die Strafkammer hob das Airteil auf und sprach ihn frei. Rach ihrer Auffassung brauchte R. unter den damaligen Verhältnissen nicht mit einem Diebstahl zu rechnen. Sieben Angeklagte aus Altenhausen und Schwarz (Kr. Alsfeld) saßen auf ter Anklagebank wegen Körperverletzungen und Beleidigungen, die sie am zweiten Weihnachtsfeiertag vorigen Sahres in Altenhausen gegenseitig begangen hatten. Die Angeklagten gehörten zwei feindlichen Dorfparteien an, die an jenem Abend in zwei verschiedenen Wirtschaften ihre Tanzmusik hatten. Sn vorgerückter Stunde suchten Vertreter ter einen Partei die Wirtschaft ter Gegner auf. Es kam zu Schlägereien und und Beschimpfungen, die z. T. recht nachdrücklicher Art waren. Dier- glas, Aschenbecher und Lattenstücke spielten dabei keine unerhebliche Rolle. Der erstinstanzliche Einzelrichter in Lauterbach hatte auf Geldstrafen von 50 bis 300 Mk. erkannt. Die Strafkammer bestätigte im wesentlichen das erstinstanzliche Airteil. Dom Fliegerlager auf der Wasserkuppe. (Von dem Spezialberichterstatter tes „Gieß. Anz.) Wasserkuppe, 20. Aug. Heute ist das Wetter eine Spur besser, gegen Mittag machen verschiedene Flugzeuge Miene zu starten, aber erst im Lause tes Rachmittags finden wirklich Flüge statt. „Margarete" ter akad. Fliegergruppe Darmstadt ist wohl die Maschine, die am meisten startet. Aleberhaupt sind die Darmstädter sehr eifrig. Schate, daß ihre Mittel allem Anschein nach sehr beschränkt sind. Der afatem. Fliegergruppe Darmstadt gehört auch ter einzige Gießener an, Rolf Weinl ig. ter ein Flugzeug angemeltet hat. Leider tourte es nicht fertig, so daß es dieses Sahr nicht am Wettbewerb teilnehmen kann. Rach ter Meldeliste ist es ein Eindecker, mit dem Sitz unter ter Fläche, einer Spannweite von 12 Meter und einer Länge von 5 Meter. Die Tragflächen haben 14,4 Quadratmeter Flächeninhalt. Weinlig baut sein Flugzeug vollständig allein. Es wäre ihm zu wünschen, daß sich in Gießen Gönner fänden, die ihn mit Rat und Tat unterstützten, damit unsere Stadt wenigstens im nächsten Sahr unter ten startenden Flugzeugen vertreten wäre. Wenn man tage- und wochenlang hier im Fliegerlager Gelegenheit hat zu sehen, wie unsere Fliegerjugend sich abmüht, wenn man sieht, wieviel Sdealisrnus in ter Segelflugbewegung steckt, dann kann man nur wünschen, daß möglichst Wei e Kreise unseres Volkes von diesem Stealismus ergriffen werten, der einmal ein wirksamer Schutz gegen die Rote unserer an Stealen so armen Zeit darstellt, andererseits aber auch eine hohe Wirtschaf.liche Bedeutung hat, dadurch, daß durch die intensive Arbeit an dem Bau von bra.ichbaren Segelflugzeugen unsere Flugzeugindustrie Li den Stand gesetzt wird, trotz ter Fesseln des Versailler Vertrags Ersah ungen zu sammeln, die eines Tages in der Schaffung von Leicht- oder Kleinflugzeugen für ten Verkehr durch die Lust ihren Riederschlag finden werden. Der erste Anlauf hierzu stellt die Zulassung und Beteiligung von Segelflugzeugen mit Leich motor zum diesjährigen Rhän-Se'elflug-Wellbewerb ter. Heute sind zum ersten Male solche Motorflugzeuge gestartet. Flüge von 5 uick> 3 Minuten erzielte „Habicht" mit Hentzen als Führer. Die Maschine hat einen S. & H.-Mo vr. Außerdem startete der Eindecker ter „Bäumer" G. m. b. H. Hamburg (Führer Blume) mit einem Douglas- motor von etwa 8 P. S. zu einem Fluge von 20 Minuten Dauer und erreicht eine Höhe von 243 Meter über dem Startplatz. Sieht man die Liste ter angemelteten Motorflugzeuge durch so fällt einem auf, wie verhältnismäßig wenig deutsche Motoren dabei Verwendung gefunden haben. Von 17 angegebenen Herstellerfirmen sind 11 englische und nur 6 teu - sche Firmen. Hier dürfte sich für die deutsche Mvtvrenindustrie noch ein dankbares Feld bieten zur Entwicklung eines leistungsfähigen Kleinmotors für Flugzeuge. Die d esjährigen in der Rhön zu sammelnden Erfahrungen werden Wohl wesentlich dazu beitragen, daß dieses Ziel erreicht wird. Dr. H. M. * Wasserkuppe, 21. Aug. Heute hat „Breslau 7 0" Pech. Auf dem Schulhang stehend, zum Start bereits angemeldet, überschlägt sie sich durch einen plötzlichen Windstoß. Obere Tragfläche und Seitensteuer zerbrechen dabei, so daß die Maschine zum allseitigen Bedauern rar läufig und vielleicht endgültig ausscheiden muß. Alnter den Schlachtenbummlern, die im Flug- gelänte besonders auffallen, ist Prinz Heinrich von Preußen wohl der markanteste. Er wird während des ganzen Wettbewerbs hier oben bleiben. Don seiner Anteilnahme an den Ergebnissen des Wettbewerbs zeugt ja der von ihm gestiftete Ehrenpreis. — „Habicht" mit Hen hen startet auch heute wieder, erreicht etwa 70 Meter Hohe, muß aber nach 5 Minuten 50 Sek. infolge 'Bruchs eines OelleitungSrohrs landen. „Margarete" startet heute als erstes Flugzeug am Westhang ter Wasserkuppe und bleibt 10 Minuten 40 Sek in ter Luft. Der Westhang ist das Gelände, von wo bisher in früheren Satiren die längsten Fluge erfolgten. Sn diesem Sahre konnte tert infolge Oer andauernd ungünstigen Windverhältnisse noch niemand starten. Dr. H. M. Wafferküppe, 22. Aug Eigentlich ist ja die Sachlage auf dem Gebiete des Segelflugwesens mehr denn je umstritten. Reiner Segelflug, Segelsiug mit Hilfsmotor, Leichtflugzeug — das sind die Schlagworte, die netenei nunter und gegeneinander gebraucht werten. Hier wird zum Teil die Auffassung vertreten, daß durch Verwendung von Hilfsmotoren die ganze Segelflugsache auf ein falsches Geleise käme. Andererseits wird wieder streng untersch e- ten zwischen Segelflugzeug mit Hilfsmotor u.iö Kleinflugzeug. — Darüber wird gelegentlich noch einiges zu sagen fein. 5jcute'*toar entschieden schon etwas mehr Betrieb als sonst. Das Ereignis des Tages bildeten unstreitig zwei Flüge Aldets, des alten Kampffliegers. Er flog zweimal mit seiner Motormaschine je etwa 15 bis 20 Minuten und erreichte Datei Höhen bis 300 Meter über dem Startplatz. An sich sind das ja keine betonteren Leistunge i. Aber die Art, wie er flog, hielt sämtliche Zuschauer in atemloser Spannung. Sn den engen Kurven fürchtete man jeden Augenblick, ibn kippen ^a sehen, so schräg legte er seine Maschine, und weh- rend er in tem einen Augenblick fast über die Kopfe des Publikums hinschoß, kletterte er im nächsten Augenblick steil in die Höh?. Außerdem fanden einige kleine Sprünge neu angekommener Flugzeuge statt, und die unermüdlich? „Margarete" (T. H. Darmstadt) machte ihre vbligr'e Fahrt über das Tal. Diel bemerkt tourte die Ankunft Mertens' von Fulda. Mit seinem Motorflugzeug legte er ten Weg durch die Luft zurück. Er landete allerdings nicht gaiz glücklich in einer Fichtenschrnrung. Wir rechnen ater für die nächsten Tage mit größeren Flügen, da in den letzten Tagei n.xti bekannte Flieger mit ihren Maschinen anlamcn. Voraussetzung ist allerdings eine anhaltende Besserung tes Wetters, das heule nachmittag durchaus befriedigend war. Dr. H. M Turnen, Sport und Spiel. Jugend-Rndern. Das Drängen ter Sugenb in der Rachkriegszeit nach sportlicher Betätigung hat den Rudersport nicht unvorbereitet gefunden. Der erzieherische Wert, der gerate tem Rudern als einer Mannschaftsübung innetoohnt, toar schon lange vor tem Kriege erkannt worden. Sugenteuterei tourte jedoch zunächst lediglich in der Form des Schüberruterns an den höheren Lehranstalten gepflegt. Heute bestehen wohl in allen Städten, wo Gelegenheit zum Rudern ist, Schüler-Ruder» vereine. Während die Anfänge des Schüler- rudems verhältnismäßig weit zurückreichen, ist das Sugendrudem in der Form der Su- gentebteitungen von Herren-Ruderverein en oder selbständiger Sugend-Rudervereine erst in ten letzten zehn Sahren in Alebung gekommen. Sn diesen Verbindungen hat sich die Sugend zwischen 14 und 18 Satiren zusammen gefunden, die schulentlassen noch keine Oluf nähme in ten Herren- Ruderve reinen erhalten konnte. Den Verbindungen eigenartig ist, daß stets unter ter Aufsicht von sachverständigen Erwachsenen gerudert wird und daß in ten Abteilungen dem Vertreter des Herrenvereins maßgebender Einfluß auf die Leitung gesichert bleibt. Trotz getrennten Aufbaues bedienen sich die beiden Arten der Sugenbrutertetoegung zur Erreichung ihrer Ziele der gleichen Mittel. Sm Rahmen tes Vereins, der Abteilung usw. wird den Sugendlichen möglichste Selbständigkeit in ihrem hanteln zugestanden. Die Erziehung in ter Sugenteuberei geschieht nicht so sehr terch ten Leiter der Sugenteibteilung, als durch die Sugendlichen untereinander. So untersteht in einer Vierer- oder Achter-Mannschaft, aber auch im Doppelzweier ter Sugendliche auf ter Fahrt dein Kommando eines seiner Kameraden, bei ter Fahrteinteilung tem Mehrheits- toiCIen ter Mannschaft. Sahraus, jahrein muß er sich an diese Tatsachen gewöhnen. Wenn er draußen auf tem Wasser im flinken Boot seine Freizeit verleben darf, dann kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, wie er durch diese Alnterorbnung erziehlich beeinflußt wird, wie er allmählich daran gewohnt wird, seine Eigensucht zurückzustellen, tote diese allmähliche Einordnung ihm die Freundschaft und Kameradschaft der anderen einträgt, uni> toie er mit ihnen allmählich zu einer Gemeinschaft verbunden wird, die als eine Art Keimzelle des Gedankens der Staats- und Völls- gemeinschaft ihre Früchte trägt. Daß Wettrennen bei den Sugendlichen nicht dieselbe Rolle spielen toie in den Herren- vereinen, liegt in per Ratur ter Sache. Trotzdem haben sich Sugenteegatten sowie Sugendwett- kämpfe als Teile einer Ruderregatta Heimatrecht erworben. Wer sich in der Sugendpflege in ten Leibesübungen einmal betätigt hat, weih, daß die Sugend zwischen 14 und 18 Sahren den Wettkampf genau so will, wie die ältere. Durch ein- gehettde Alntersuchungen namhafter Sportärzte ist fest gestellt wovden, daß bei genügender Aufsicht unb bei Beobachtung gewisser Richtlinien gesundheitliche Schädigungen durch die Vorbereitung und die Teilnahme an Wettfahrten nicht zu befürchten sind. Großer Wert wird, so wie bei ter Frauen, auf Stilrudern gelegt. Sugendlichen Sie bei einer Prüfung hierin keine einwandfreie Rudertechnik zeigen, bleibt die Teilnahme ar einem Wettkampf versagt. Planvolle Körpererziehung. Die Zahl ter Lehr- und Kulturfilme wird demnächst um einen weiteren bereichert. Ministerialrat Professor Dr. Ottendorf, der Leiter ter Preußischen Hochschule für Leibesübungen, und der durch seine sportpsychologischen Arbeiten und Vorträge bekannte Dozent Dr. R. W. Schulte haben sich zusammcngetan, um diesen Film zu schaffen. Der Film gibt ein Bild von der planvollen Körpererziehung, wie sie von unseren Hochschulen für Leibesübungen betrieben werden. Die Studenten und Studentinnen ter Preußischen Hochschule sind die Darsteller Der Film zeigt im Bild das Ziel ter Hochschule, durch harte Erziehungsarbeit eine kraftvolle Formbeherrschung und Formenschönhcit, durch sportliche Disziplin Wandern, Rudern usw. Lebenslust und Siegfreute zu erwecken. •“'•a M---’ * J 1 1 Ein Posten LUTlSCltzh011(101 mit Ripseinsätzen, schwere Qualität.. Stück LICHTSPIELHAUS Kahnho fetraße 34. Heute: Die Taucher 6Akte. Nach einem Seeroman von Luther Reed. Ferner: Eine tolle Groteske. Ab Dienetag: — Der Massenmörder Haarmann Interessante Aufnahmen aus dem Leben des Massenmörders. 6606c 6559 h sehr schnell, wenn man den Schaum von Zucker's Patent-Medizinal-Seife abends eintrodnen läßt. Schaum erst morgens abwaschen u. mit Zuckooh-Creme nachstreichen. Großartige Wirkung, von Tausenden bestätigt. In allen Apotheken, Droaerien, Parfümerie» u. Frifeurgeschäste«. Alten Friedhof. 022810 Am Samstag morgen rief Gott der Herr meinen lieben Mann, unseren guten Vater und Schwiegervater Herrn Ludwig Wolff heim in das Reich des ewigen Friedens. Die trauernden Hinterbliebenen: Christiane Wolff geb. Steinhäuser Dr. Albert Wolff Clara Wolff Frieda Wolff geb. Schindler. Gießen und Sangerhausen, den 23. August 1924. Die Beerdigung findet statt am Dienstag, um 3 Uhr, auf dem 5207a Hersteller: P. Jos. Mobs, Seifenfabrik, Gießen Gegründet 1878. Hast du deine Wäsche gern. So wasche nur mit Flügelstern! Welche Same bielet die land lOrs Leben ? Gebildeter Herr, von Beruf Techniker und? 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Kreisbauverwaltung Gießen. Cellarius. 65160 L. 3/24. G. P. S. 9. Verf. v. 21. 8. 24. Betr.: Geschäftsaufstcht über das Vermögen der Firma Jakob Theisebach in Gießen. Beschluß! Die über das Vermögen der Firma Jakob Theisebach in Gießen angeordnete Geschäftsaufstcht ist durch rechtskräftigen Zwangsvergleich vom 6. August 1924 beendigt. Gießen, den 21. August 1924. Hessisches Amtsgericht. gez. Meyer.65668 Bekanntmachung. 3n unser Handelsregister Abteilung B wurde heute bei der Firma Zweigniederlassung der Hamburg-Hafsischen Bank,Aktiengesellschaft, vorm. Spar» und Darlehnskasse Aktiengesellschaft zu Steinbach folgendes eingetragen: Michael Johann Heinrich Schuber zu Hamburg ist zum stellvertretenden Vorstandsmitgliede bestellt worden. K. E. Reimer ist aus dem Vorstände aus- geschieden. Gesamtpiokura ist erteilt an Karl Baumann und Ernst Schüder, beide in Hamburg Gießen, den 22. August 1924. Hessisches Amtsgericht. 6567a Die Gemeinde Staufenberg beabsichtigt auf dem Wege schriftlichen Angebots einen fetten Vogelsberger Bullen zu verkaufen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Mittwoch, den 27.1. M.» nachmittags 2 Ähr bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. Bürgermeisterei Staufenberg. ___________Meyer.______65620 Bullenverkauf. DieGemeindeRüddingshaufen beabsichtigt einen gut genährten Simmentaler Bullen (über 19 Zentner), auf dem Wege des schriftlichen Angebots zu verkaufen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis Freitag, den 29. August, nachmit- tags 3 Uhr, auf der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. Bürgermeisterei Aüddingshausen (Post Londorf). Müssig.65640 Ikaria | Vermietungen | Mölkes SWWM mit voller Pension zu vermieten Ebelstrahe 16. Elegantes? Wohnzimmer mit kl. Schlaf und Badezimmer an kinderloses Ehepaar zu vermieten. 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Der mexikanische Besuch in Deutschland Der deutsche Zeitungsleser wird erstaunt fern, welch außerordentliches Interesse die Reichs- ixglei-ung trotj ihrer sonstigen Sorgen gerate -diesem Besuch entgegenbringt General Plutaroo ^Elias Calles, der am 1. Dezember als Rach- B Obregons die Präsidentschaft in der Re- : Mexiko antreten wird, ist schon in Harn- , wo er an Bord des Dampfers „Deutschland" anlangte, mit den höchsten Ehrungen eines fremden Staatsoberhauptes empfangen worden, xmb zur Zeit wetteifern in Berlin die zuständigen ^Behörden und Wirtschaftsorganisationen, dem Hohen Gast das Derweilen in Deutschland so fangendem tote nur möglich zu machen. Dieser' Eifer hat verschiedene, und tote totr «sofort hinzufügen möchten, wvhlberechtigte Gründe kCaLrs ist nach dem kürzlich erfolgten Besuche amerikanischen Staatssekretärs Hughes erst Die zweite polittsche Persönlichkeit von mter» xnatconaljer Bedeutung, die den Boden des neuen Deutschen Reiches nach Krieg und Riederbruch betritt. Die Kundgebungen für ihn sind mcht vttra eine versteckte Demonstration gegenüber England, das bekanntlich in letzter Zeit unatv» gm»Hme 2luSeinandersetzungen mit Mexiko hatte, nmo noch weniger gegenüber den Bereinigten fctaaten von Rordamerika, die sich ja neuerdings imit CalleS' Heimatlande zu verständigen scheinen. Die deutsche Sympathie für den fünftigere -Präsidenten Mexikos hat also nicht den mindesten sRebenzweck, sondern entspringt den Gefühlen der Dinkbarkeit und des besonderen Verständnisses (für dieser amerikanischen Staat. Für die deutschen Kenner Mexikos ist dieses Land, das aller- dingS viele Jahre hindurch durch Auf stände und bürgertrieg in Verruf geraten war, heute durch- aus nicht mtiyr „eine jener anarchistischen süd- amerikanischen Republiken, mit denen es unmöglich ist, normale Beziehungen zu unterhalten." Mexiko ist vielmehr ein Land, in dem man auf Schritt und Tritt auf unbegrenzte Zukinftsmog- lichkeiten stösst. Sein Ruf als polittich vulkani- scher Boden hat sich überlebt. Es wird langsam ein normales, in mancher Hinsicht sogar ein vorbildliches Staatswesen. Die Wahl des Gencoals Calles, der während der Mutigen Tage des Sturzes von Carranza ein Waffenbruder' Obregons war, wird überall als günstiges Vorzeichen für bje weitere Festigung der glücklich eingetretenen inneren Beruhigung Mexikos betrachtet. Deutschland ist auf ein freundschaftliches Verhältnis zu der mexikanischen Republik, mit der es durch stetig wachsende lebhafte wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen verbinden ist, ge- «rdezu angewiesen. Den Deutschamerikanern totrb es unvergeblich bleiben, wie Cal.es seinerzeit während des Weltkriegs als Gouverneur des Grenzstaates Sonora den Flüchtlingen aus den Vereinigten Staaten und anderen mittellosen Deutschen in grohzügigster Weise zu Hilfe kam, indem er ihnen entweder Arbeitsgelegenheit auf einer für diesen Zweck angelegten Siedelung ober Dargeld zur Weiterreise zur Verfügung stellte. General Calles ist. das soll nicht verschwiegen werden, strammer Sozialist und zu Hause Gegenstand des Hasses der mächtigen Grost- grundbesitzerpartei. Aber die von dieser Seite gegen ihn gerichteten Vorwürfe, er sei „Bol- sfchewift aus der Moskauer Schale", sind irrtümlich oder verlogen. 3n seinen gesetzgeberischen Plänen, die er unserem Mitarbeiter in langen iGesPrächen entwickelte, werden die Rechte ehrlich erworbenen Kapitals und ehrlicher Arbeit ausdrücklich gewahrt und nur die Auswüchse des Kapitalismus bekämpft. Seine Partei der „Cooperatista", welche die herrschende politische Gruppe in der Republik Mexiko darstellt, erklärt sich- für die Durchführung aller auch von anderen Parteien anerkannten sozialen Maßnahmen, von der lieber- zeugung ausgehend, das) der Staat nicht eine Mob formale Maschine sein soll, sondern berufen ist, in die sozialen Zustände des Volkes bessernd einzugreifen. Calles' politische Ziele finb: Unbestechlich leit, Arbeiierschutz und Erziehung. „Arbeitsfreude", so lautet sein Programm wöri- Uch, „macht die Stärke einer Ration aus, aber nur wenn die Arbeit menschenwürdig entlohnt ijl, wenn sie eine geregelte Tätigkeit bedeutet jtmb nicht zu Zwecken der Ausbeut ing bient.“ Man könnte dieses Glaubensbekenntnis des mexikanischen Präsidenten, der in Sietzener Anzeiger General-Anzeiger sSr Gderhessen) Deutschland den Staatssvzialismus -udieren will, Wort für Wort in — das deutsche Mantelgesetz für das Londoner Abkommen übernehmen als eine Art Warnung vor dem Unfug der Reparations-Ausbeutung. Georg H och stet ter- Berlin. Die französische und die deutsche wirtschaft nach Annahme des Sachverständigengutachtens. Dom französischen Standpunkt aus betrachtet ist die Annahme des Sachverständigengutachtens für die Wirtschaft Frankreichs teils günftig, teils ungünstig. Günstig ist sie insofern, als sie Frankreich aus dem Reich der unerfüllbaren Utopien endlich auf den Boden der wirklichen Tatsachen zurückführt, ein Umstand, der auf die Dauer für die französische Wirtschaft nur forderlich sein kann. Vor allem wird der französische Finanz- minifter endlich einen klaren Haushalt ausstellen können, und es wird der französische Staatsbürger gezwungen, ausDmrnliche Steuern zu zahlen, um den Staatshaushalt und die Währung im Gleichgewicht zu halten. Gerade daran hat die französisch: Wirtschaft ein lebhaftes Znteresse, da sie durch das wiederholte Sinken des Franken letzten Endes Substanzverluste zu verzeichnen gehabt hat. Auf die Dauer tann der Franken nur stabil gehalten werden, wenn fein inneren Wert fest bleibt und wenn eine vernünftige Finanzwirischaft betrieben wird, die allerdings mit den bisherigen Methoden eines übermäßigen Militarismus und- einer nicht gut geleiteten? Wiedevaufbaupolittk nicht in Einklang zu bringen ist. Die Lösung dieses Problems wird jedoch nicht leicht fein, da Frankreich nicht weniger als 100 Goldmilliarden Franken Schulden (davon 40 Goldmilliarden äußere Schulden) zu tragen hat: ungefähr 30 Goldmilliarden innere Schulden müssen sehr bald zurückgezahlt werden: es ist deshalb damit zu rechnen, daß für die nächsten Jahre ein Fehlbetrag von mindestens einer Papiennilliarde monatlich von Frankreich aufgebracht werden muß. Ungünstig ist für Frankreich auch der Umstand, daß es in Zukunft nicht mehr in dem bisherigen Maße in der Lage ist, mit dem Mittel des Zwanges den Teil seiner Produktion auf dem Weltmarit unterzubringen, den es im Inland nicht lassen kann. Bisher wurde die Ausfuhr der überflüssigen Produltton betixriftelligt mit staatlichen Beihilfen, mit dem als Ausfuhrprämie wirkenden Mittel des Fran- lenverfalls und dem die deutsche Er,-eugung hemmenden Mittel der Ruhrausbeutung, die die deutsche Industtie fast ganz vom 'Weltmarkt verschwinden ließ. 3n Zukunft wird Frankreich bis zu einem gewissen Grade doch auf diese künstlichen Mittel verzichten und sich mehr auf 3ntelli- genz und Arbeitsambeit verlassen müssen. Für Deutschland ist, abgesehen von der künftigen politischen Einstellung Frankreichs zu ihm wesentlich, ob in Zukunft England ober d e Vereinigten Staaten von Rordamerika größeren Einfluß auf Europa haben werden. England ist in immer größtem Maße aus das europäische Wirtschaftsgebiet als Absahstätte angewiesen, da seine Kolonien sich wirtschaftlich selbständig zu machen bemühen und da ihm die Deoei nig en Staaten in feinen bisherigen Absatzgebieten schärfste Konkurrenz bereiten. England muß also mehr als bisher fein Hauptaugenmerk auf die Beherrschung der europäischen Wirtschaft richten. Daraus ergäbe sich für Deutschland eine ungünstige Lage insofern, als vor allem der englische Bergbau und die englische Eisenindustrie als schärfste deutsche Konkurrenten auftreten würden. Auch würde es die Produkte, die England von Deutschland abzunehmen geneigt wäre, vermutlich sehr im Preise drücken. Die Ausbreitung englischer Herrschaft über Europa würde also größtenteils auf Kosten Deutschlands vor sich gehen, (künftiger wäre für uns die Lage, wenn die Vereinigten Staaten — das ist das Wahrscheinlichere — ihren Einfluß in Europa weiter ausdehnten. Denn in diesem Falle würde es Deutschland unter maßgeblicher Beteiligung amerikanischen Kapitals weitgehend industrialisieren, um einen gewerblichen Vorposten in Europa zu schassen. 3n diesem Falle wären die wirischaft- lichen Lebensbedingungen vielleicht einigermaßen erträglich, wenn auch selbstverständlich Amerika den größten Gewinn davon tragen würde. Das 'Beste wäre, wenn zur Stärkung ihrer beiderseitigen Positionen Frankreich und Deutschland sich wirtschaftlich ehrlich verständigen würden. Solange die politische Haftung Frankreichs sich aber nicht ganz wesentlich ändert, ist an eine Verwirklichung Derartiger Pläne leider mcht zu denken. Das neue Wahlgesetz. Rach der soeben fertiggcftellten Wahlrefvrm- nvveile zerfällt das Reichsgebiet in 156 Wahlkreise. Ostpreußen bildet 6 Wahlkreise, Berlin 10, die Provinz Brandenburg 7, Pommern 5, Schlesien 8, Oberschlesien 3, die Provinz Sachsen 8, Schleswig-Holstein 4, Hannover 9, Westfalen 12, Hessen-Rassau 6, das Rheinland 18, Bayern wird in 18 Wahlkreise, Sachsen in 12, Württemberg in 7, Baden in 6, Thüringen in 4, H e s s en in 4, Hamburg in 5 Mecklenburg-Schwerin mit Lübeck und Mecklenburg-Strelitz' zusammen in 2 Wahlkreise geteilt. Die ßänoer Oldenburg, Braunschweig, Anhalt und Bremen bilden je einen Wahlkreis. Die 156 Wahlkreise werden zu 16 Wahlkreisverbänden zusammengefaht, die mit den bisherigen Wahlkreisverbänden überein- stimmen. 3ober Kreiswahlvorschlag darf nicht über zwei Bewerber benennen und muß ein Kennwort tragen. 3innerhalb des Verbandes gelten die Wahlvvrschläge mit dem gleichen Kennwort als untereinander verbuiüxm. Verbundene Wahlvorschläge gelten den unverbundenen gegenüber als ein Wahlvvrschlag. Bei Verbänden, die sich über mehrere Länder erstrecken, ist eine älnderverbindung für selbständige Ländergruppen vorgesehen. Ein Bewerber kann innerhalb eines Verbandes in mehreren Wahlkreisen kandidieren. Die innerhalb einer Verbindung für eine Partei aufgebrachten Stimmen werden zusammengerechnet. 3&>er Wahlvorschlag und jede Grrchpe verbundener Wahlvorschläge erhält auf je 75 000 Stimmen ein Mandat. Die Rest stimm en werden dem Reichswahlvorschlag zugerechnet. Die auf die Gruppe verbundener Wahlvorschläge entfallenden Sitze werden auf die Bewerber der einzelnen Wahlvorschläge nach dem Hochstzahl- sysiem verteilt. Für die Zuteilung des Sitzes ist also nicht mehr der Platz auf der Liste, sondern die Zahl der erhaltenen Stimmen, assv der Wahl- erfolg des Kandidaten, maßgebend. Soweit infolge außergewöhnlich niedriger Wahlbeteiligung bie Zahl von 399 Abgeordneten nicht erreicht werden sollte, wird eine entsprechende Korrektur vvrgenommen und zwar nach der Gesamt- slimmenzahl der in den einzelnen Reichstoahl- vorschlägen vereinigten Kreiswahlvorschläge. Roch fehlende Sitze werden den Kreiswahlvor- fd)lägen mit den größten Reststtmmenz.ihlen zu- geteilt. Wird die Zahl von 399 Abgeordneten überschritten, so findet ein Abstrich von der Reichswahlliste statt. Eine mannhafte Rede in Deutsch-Böhmen. D. A. 3. Bei der Enthüllung eines Denkmals für die Dauernbefreier in Leipa hielt Abgeordneter Krzepek eine bedeutsame politische Rede. Das Denkmal besteht aus einem eisernen Pflug, der auf dem stehengebliebenen Sockel des entfernten 3osephdenkmals steht. Krzepek erinnerte an die Großtaten des Bauernbefreiers 3oseph und bekannte sich mannhaft für die halbe Million organisierter deutscher Landwirte zu dem Geist des Mannes, dem das Denkmal ehemals galt. Riern and könne dem deutichen Volke den Glauben an seine Kraft und Große rauben, ein großes Millionenvolk könne auf die Dauer in diesem kleinen Staate nicht entrechtet und unterdrückt werden. 3oseph II. habe selbst Hand an den Pflug gelegt, und so sei der eiserne Pflug der würdige Rachfolger seines eigenen Standbildes. Das deutsche Volk habe das Seine dazu beigetragen, daß dieser Staat überhaupt bestehe und bestehen könne. Ohne die Rückkehr zur Arbeit durch das deutsche Millionenvolk gebe es keinen tschechischen Staat. Das deutsche Volk habe nach dem Kriege kein Blut mehr vergießen wollen. Es warte darauf, bis der Tag komme, da ihm als ehrlichem deutschem Volke die Mitarbeit und die ihm zustehenden Rechte nicht mehr vorenthalten würden. 3n diesem Sinne würden die parlamentarischen Kämpfe um unveräußerliche Rechte geführt. Ewig könne die Entrechtung durch eine Mehrheit, die Montag, 25. August 1924 eigentlich gar keine Mehrheit sei, nicht dauern. Wenn das deutsche Volk zur Ueberzeugung komme, daß es auf dem jetzigen Wege nicht mehr weitergehe, daß ruhige Arbeit und Verhandlungen nicht zum Ziele führtest, dann solle dieses Symbol der Arbeit, das man heute enthülle, auch sagen, daß es aus Eisen sei. Das deutsche Volk werde nimmermehr auf seine Rechte verzichten. Kaum sei die Präsidentenreise mit ihren versöhnlichen Klängen vorüber gewesen, da sei der Mann, der an der Spitze der Rationaldemokratischen Partei schon im vorigen 3ahre den Ausgleich zerschlug, nach Pilsen gefahren, habe sich dort noch zu Lebzeiten des Präsidenten Masaryk als Präsidenten begrüßen lassen und habe sich offen dem deutsch- tschechischen Ausgleich zum zweiten Make entgegengestellt. Was sagten die Regierenden dazu? Das deutsche Volk jedenfalls fordere seine Recht« mit Macht. Man mache es ihm nicht unmöglich^ auf dem friedlichen Wege der Arbeit und der Vernunft zu bleiben I Unrentabler Abbau. Von D. Martin U l b r i ch - Magdeburg. Seit 3ahresfrist wird in unserem Vater- lande kräfttg abgebaut, weil man sparen will. Man baut ab beim Reiche, bei den Einzelstaaten, den Kommunen, den Schulen, Danken, Fabriken und vielen anderen Betrieben. Es ist aber die Frage, ob jeder Abbau wirtschaftlich vorteilhaft ist. Das gilt vor allem hinsichtlich der Einschränkungen der Wohlfahrtspflege, wenn man bei vielen Kranken die Anstaltsunterbringung oder das Heilverfahren ablehnt, weil angeblich keine Mittel dazu vorhanden seien. Da ist vor allem die Krüppelfürsorge, die sich durch vieles Sturmlausen das Gesetz vom 6. Mai 1920 erkämpft hat, das allen Krüppelst unter 18 3ahren öffentliche Fürsorge zur Heilung und Ausbildung zusichert und bereits Hunderten zum Segen geworden ist. Gerade hier müßte besonders intensiv gearbeitet werden. Sind doch nachweislich 90 Proz. aller Krüppel gesund geboren, so daß sie aufs Gefundsein hin angelegt sind, iveshalb die Hilfe nichts weiter zu tust hat, als nach Möglichkeit den früheren Rormal- zustand wieder herzustellen. Wie gut kann man im frühen Alter Klump- und Spitzfüße korrigieren, Skoliosen und Kyphosen strecken und Hüftegelenkluxationen beseitigen. Wenn man aber bei allen diesen die rechte Zeit verpaßt, ist nur noch kostspielige Hilfe mit zweifelhaften Erfolgen möglich. Dazu kommt die sittliche Gefährdung 3st es doch bekannt, wie sehr gerade die Krüppel zu Verstoßen wider das Gesetz und zur Vagabon- bage neigen. Am teuersten aber kommen sie, wenn sie vom Vettel leben, indem sie sich vom leichv- gläubigen Publikum reiche Almosen erschwindeln. Ebenso falsch ist es, an den Schwachsinnigen zu sparen, die, frühzeitig von den rechten Erzieherhänden erfaßt, zu brauchbaren Halden oder Vierielkräften werden, während sie, sich selbst überlassen, gar zu gern die Mitläufer bei jedem Unfug machen. Öhre Politisierung hat den linksradikalen Parteien aus ihren Reihen manchen Zuwachs verschafft. Auch stellen sie kein geringeres Kontingent zu den Radaulustigen, Kri-- mincllen und Arbeitsscheuen. Schwachsinniga Mädchen neigen stark zur Prostitution. Wer hier Bescheid weiß, wird die Annahme begründet finden, daß die-Hälfte der Dirnen sich aus den. Schwachsinnigen refrutieti. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß ein minderwertiges Mädchen eine allzusparsame Gemeinde mit drei, vier oder mehr unehelichen Kindern belastet hat, in denen das Manko der" Mutter sich potenzierte. Dazu kommt die Verseuchungsgefahr durch' Geschlechtskrankheiten. Den größten Schaden richtet der Abbau der Tuberkulosenfürsvrge an. Pflegt doch ihr Hinausschieben dazu zu führen, daß viels bisher trockene Fälle floride werden, so daß der Erkrankte jeden Ort, den er berührt, mit feinem Auswurf verseucht. Dazu kommt der Mangel an Sauberkeit, die gemeinsame Benützung von Wohnräumen, Kleidungsstücken und Eßgeräten. So tann es geschehen, daß ein Tuberkulöser, dessen Heilbehandlung man ersparte, in seiner Umwelt ein Dutzend anderer Menschen infiziert und dadurch über sie viel Unglück bringt. Eine besondere Klasse der Tuberkulosen bilden die Luposen, deren aussatzähnliches Leiden sie den anderen unb schließlich sich selbst zum Ekel macht. Man zählt gegenwärtig etwa 30 000 Lupuskranke in Deutschland, deren Krankheit im Anfangsstadium meist hell- Durch Schweden auf denUanälen. Don Dr. Walter Georgi. Am Riddarholm in Stockholm liegen die weißen Kanaldampfer. Die Sonnenlichter Hüpfen über den blauen Spiegel des Mälarsees. 3m Süden recken sich die steilen Granisselsen von Södermalm über dem Wasser empor. 3m Rorden steigt wie ein venetianischer Palast das imposante neue Rathaus aus den Fluten. Vor uns am Kai ein bewegtes Treiben: in letzter Stunde anrollende Frachten, knarrende Ladebäume, Passagiere, Hoteldiener, abschiednehmende Grüppchen. Und doch keine Hast, als ob das „dolce far niente" einer zweitägigen Kanalfahrt von Stockholm bis Göteborg bereits jede Bewegung beeinflußt. Aber unter den Passagieren eine gewisse Spannung und Erwartung vor der Reise, die guer durch Wittelschweden führt mit seinen Seen, Kanälen und feinen reizvollen Landschaftsbildern. Die Turmuhr der alten Riddarholmskirche, unter der Schwedens bedeutendste Herrscher und Paladine Wummern, schlägt die Abschiedsstunde- Taue werden losgeworsen, die Schisssmaschine beginnt zu arbeiten, ein Tücherschwenken von hüben und -drüben. Der Kanaldampfer steuert auf den Mälar- flee hinaus und läßt die bewegte Silhouette der schwedischen Hauptstadt hinter sich, bis eine Felsen- vxmd sie verdeckt. * Man richtet sich in der kleinen Kajüte für die Äveieinhalltägige Reise von der Ostsee $ur Rordsee ein, verstaut seinen Koffer, freut sich an Der sauberen Einrichtung des Schiffleins, erkundet Den Speisesaal auf dem Oberdeck und fühlt sich itoöell heimisch. An den bewaldeten Friseninseln des Mälarsees steuern wir vorbei, überall ockergelbe ober rote Landhäuser mit weißen Fenster- tren^en, die Sommervlllen der Stockholmer. Dann ^Kimgshatt", wo über einem stellen Felsen ein eiserner Hut auf einer Stange an die sagenhafte Alucht eines SchwedenDnigs erinnert, der von Met vor verfolgenden Fremden mit seinem Rosse fc) den See setzte und jenen nur seinen Hut als Torte zurückließ. 3n scharfer Biegung wendet sich das Schiff nach Süden in den Dockholmssund. Wie zu einer Schlucht verengen sich die steilen Felsenufer, bis die weißen Häuser von Södertelje durch grüne Laubwälder hindurchschimmern. An der ersten Schleuse, die das Schiff passiert, bietet man Kirschen und die als Delckatesse berühmten Söderieljer Brezeln fell. Dann steuert das Schiff in den Kanal hinein. Mtt der ersten Schleuse des Gotakanals öffnet sich uns der Weg durch den „Garten" Scywedens. Don Schleuse zu Schleuse steigt das Schiff in der Rächt die Hohe hinan. Man verschläft Soder- köping und den Roxensee. Rur von Zeit zu 3eit hort man im Halbschlaf das Rauschen des Wassers, das in ein Schleusenbassin hineinströmt, und Kommondorufe, die durch die Rächt bringen. Schon am frühen Morgen ist man auf Deck. Mitten durch das fruchtbare Oestergötland geht jetzt die Reise, vorbei an freundlichen Dörfern, an Wiesen und Feldern, auf denen die goldene Morgensvnne liegt, durch dichte Erlen- und Birkenwälder, die so nahe an das Wasser herantreten, daß die Zweige oft das Schiff berühren. Bald ist das Kanalbett nur mtt Mühe in die Felsen hinein gearbeitet, bald gleitet das Schiff zwischen künstlichen Dämmen dahin, von deren Hohe man in ein liebliches Tal hinabblickt, durch das sich wie ein Silberband der Motalaström dahinschlän- gelt. Bei einem Aufenthalt an irgendeiner Schleuse verläßt man das Schiff, um zwischen den Ducken längs des Kanalbettes zu Fuß einen Teil des Weges zu wandern. Fernes Hämmern uni) Tosen bringt plötzlich an unser Ohr. Wir nähern uns den Eisenwerken von Motala, die wett über Schwedens Grenzen Weltruf besitzen. Dor einem Grabhügel dicht am Kanalbett machten wir halt. Hier ruht Graf Platen, der geniale Erbauer des Gotakanals, unter Ulmen und Pappeln im Anblick seines Werkes. Wahrlich, das schönste Denkmal, das sich ein Mann selbst gesetzt hat! 3n bte wette blaue Wasserfläche des Wettersees hinein steuert das Schiff, vorüber an Dad- fleaa mit seinen Klostergebäuden und seinem befestigten alten Schloß, und erreicht hinter Karls- borg wieder die Kanalstraße. Am Abend ist die Wcssserscheide zwischen Ost- und Rordsee erreicht. Run beginnt das Boot die Schleusentteppe hinabzuklettern. Am späten Abend überqueren wir den Wikensee, der für die tiefer liegenden Schleusen das Wasser liefert. Wie dun sie Gerippe heben sich die Tannen am Ufer vom nordisch Hellen Rachthimmel ab. Heber Wiesen und Feldern liegt das Silberlicht des Mondes. Wie ein leuchtendes Band erstreckt sich die Kanalrinne vor uns. Der Rachtwind streicht durch die Pappeln und Dirken am Ufer und über das Schiff, das 'mtt seinen Lichtern den Uferrand und das in der Strömung sich neigende Schllf beleuchtet. Hier und dort schimmert Licht aus einem einsamen Bauernhof. 3n grenzenloser Wette wölbt sich der Sternhimmel über uns. Wir gleiten durch die traumhafte Rächt in den Schlaf hinein. • Rebel am anderen Morgen auf dem Wenersee. 3n der Rächt sind wir die 19 Stufen bis zu seinem Spiegel hinabgestiegen. Dicker grauer Dunst umhüllt das Schiff. Das eintönige Läuten der Schiffsglocke ist Warnungssignal. Rur für einen Augenblick erkennt man oft durch die Rebelwand die gesvensttgen Umrisse eines begegnenden Schiffes. Kirchenglocken, die den Sonntag verkünden, bringen durch den Rebel und zeigen die Rähe von Wenersborg an. Das westliche Ufer des Sees ist erreicht. e Hier beginnt die letzte Kanalstrecke, die das Schiff zum Kattegatt hinabsteigt, der Trollhatta- kanal, der mit seinen großartigen Schleusenanlagen die weltberühmten Trollhättasi'Ile umgeht. Oberhalb der Katarakte bei dem Städtchen verläßt man bas Schiff, das zum Durchschleusen mehrere Stunden benötigt. Schon von weitem verkündet ein donnerndes To en die Stelle, wo die aus dem Wenersee rbfließenbe ©ötaelf in fünf Stufen durch die tiefe Felsenschlucht hinabbraust. 3n einer ununterbrochenen Kette von Fällen und Strom- schnellen schießen die eingeengten Wassermassen durch die Felsenkluft. Das Brausen der wilden Flut, die sich wie eine zähe, metallgrüne Masse zwischen den Felsen hindurchzwängt, um sich in Schaum und Gischt aufzulösen, verschlingt jeden Ton der menschlichen Stimme. Um den Schneiderfelsen tost die Flut, der seinen Ramen von einem zum Tode verurteilten Schneider erhielt, dem man Gnade versprochen hatte, wenn er, auf dem Felsen sitzend, einen Anzug nähen konnte. Doch als er mit seinem Werk fast zu Ende war, stürzte er, seiner Sinne beraubt, in die brausende Flut und ertrank. Weiter unter der großen Drücke der Fahrstraße hindurch tobt der Fluß zwischen den steilansteigenben Felsenufern hindurch, bis et plötzlich einige hundert Meter weiter unten beruhigt und friedlich zwischen grünen Matten dahinströmt, als sei nichts geschehen. Eine betriebsame 3n- buflrie hat sich an den Fällen an gesiedelt und nimmt oft dem Bilde die Ursprünglichkeit. Aber die Gewalt der Wasser zeigt noch heute ihre un» gebändigte Kraft. Wenn der Mensch einst über sie triumphiert und sie ganz in die Fesseln der Ruhkraft geschlagen hat, bann ist Schweden um ein imposantes Landschaftsbild ärmer. Möge diese Zeit noch lange fern sein! Friedlich zieht das Kanalboot auf der Götaelf dahin. Freundliche Hügel, Heine Fellen berge zu beiden Seiten des Flusses. Dörfer, Höfe, Güter, kleine Fabriken begleiten am Ufer den Weg des Schiffes. 3ede Ansiedlung ist in heimatliches Grim eingebettet. Die runden Türme der Ruinen von Bohns Fori tauchen auf. 3mmer lebhafter wirb der Schiffsverkehr auf dem Strom: kleine Seeschiffe begegnen uns. Wir nähern uns Göteborg, dem Ziel der Reise. Die Silhouette des alten Forts „Skansen Leijonet" erscheint auf dem CBergr rücken über der Stadt. Der Masten- und Schornsteinwald der Ueberseeschiffe taucht auf. Aus un- zähligen Fabrikschloten quillt dichter Rauch. Hinter den Speichern am Kai steigt die Stadt an_ den Felsenhügeln empor. Darrn wendet sich das Schiff zur Landungsstelle im Bomans Haven Wir stehen am Kai und sehen den Schiffen nach, die auf dem Strom hinuntergleiten, und ahnen hinter bar Bergen bas Meer Dar war. AVer wer erfaßte sie tn dieser -ijejirfl 3fl aber der rechte Zeitpunkt verpatzt, dann muh man ihnen durch zehn oder mehr Jahre Siechen-- pflege gewähren, deren Kosten ein rechtzeitiges Heilverfahren mitunter um das Zwanzigfache übersteigen. Blickt man in diese Zusammenhänge, so wird man finden, daß hier der Abbau die verkehrteste Maßnahme ist. Der rechte Abbau wird am sichersten durch die nachdrücklichste Fürsorge getrieben. Es ist unrecht, wenn man hier Ersparnisse zit machen sucht. Besitzt der Staat die Mittel, Zehntausende von 2iechtsverbrechern jahrelang hinter festen Mauern zu ernähren, dann mutz er erst recht die Mittel haben, schuldlos Gefährdeten in der rechten Weise zu helfen. Ze früher und je freigebiger er ihre Rot ersaht, um so reichlicher werden später die Ersparnisse sein. Dazu kommt, daß viele der Geretteten aus der Klasse der Almosenempfänger in die der Steuerzahler übergehen. Aoch größer aber ist der sittliche und soziale Gewinn, der sich nicht in Ziffern aus- drücken läht. Zn jedem Falle ist gründliche Wohlfahrtspflege ein wichtiges Stück der Wiederaufbauarbeit unseres Vaterlandes. Darum weg mit aller unrentablen Sparsamkeit, die in Wirklichkeit keine Ersparnisse ernbringt. Ze intensiver die Hilfe geleistet wird, umso größer wird der Segen sein, dessen Förderung gerade der allerbeste Abbau ist und Ersparnisse einträgt, die niemandes gereuen. Kirche und Schule. Gietzen, 25. Aug. Der Deutsche Pfarrertag, in dem alle deutschen evang. Pfarrvereine zusammengeschlvssen sind, wird vom 22. bis 24. Seplember seine Haupt- und Zahresver- sammlung hier abhalten. Die Tagung wird eröffnet mit einem AbendgvtteÄ>ienft in der Zvhannes- kirche, in dem der Prälat der hessischen evangel. Landeskirche D. Dr. Diehl die Festpredigt halten wttL Zm Mittelpunkt des 1. Haupttages, Dienstag, den 23. September, steht ein Dortrag von Generalsuperintendent Zöllner- Münster über „Der Subjektivismus, seine Berech igung und seine Gefahren für den Pfarrer" (Korreferat hierzu Pfarrer ßic Dach mann- Kassel) und ein 2. Dortrag von Pfr. ßic. S tein weg - Berlin- Dahlem über „Den Pfarrer und die Wohlfahrtspflege". Abends findet in der Turnhalle ein Gemeindeabend statt, bei dem der Bauer sche Gesangverein Mitwirken wird, verschiedene Redner (Superintendent Hoppe, P. Reubaue/r, P. Meier und Pfr. Schnitzer toerben über „Des Pfarramtes Art, Rot und Erfolg" reden. Der Mittwoch bringt nach einer Morgenandacht ton Pfarrer Fritsch in der Sadtkirche die eigentliche Abgeordneten- und Mitgliederversammlung im Gesellschaftshaus mit einem sehr zeitgemäßen Dortrag von Professor D. Zänker- Soest und Professor D. Rie berg all-Heidelberg über „Die praktische Dorbildung der Geistlichen". Eine Reihe Aebenveranstaltungen reihen sich an. So wird der Hessische Pfarrvevein am Montag nachmittag 2 äihr im Gemeindesaal der Zvhannes- kirche seine Hauptversammlung abHalte». Wirtschaft. * Wenrvegelung der Getreideaus- Die Reichsgetreide stelle hat in den letzten zwei oder drei Tagen keine älnbebenklixhL-e^tserklärungen für Getreide ausgestellt. Dtzese Matznahme hängt damit zusammen, Latz eine schärfere Kontrolle über die auszuführenden Mengen GetreDe ernsetzen soll, die 'tn Verbindung mit einer mähigen Derwaltungs- gebühr die Flut der Anträge auf Ausstellung von nbedenklichkeitserklärungen eindämmen soll, um die gute deutsche Gerste in gröberen Mengen dem d e u t s ch e n Konsum zuführen zu können. * Eröffnung der Rheinisch-West- KäbischenTabakmesse. Am Samstag wurde in Essen die im Städtischen Saalbau unterge- bvachte 3. Rheinifch^Westfälische Tabakmesse eröffnet. Die Ausstellung ist von etwa 200 Firmen beschickt. Reben den westdeutschen Zigarren- und Zigarettenfabrikanten sind Aussteller aus allen deutschen Gegenden vertreten, u. a. auch eine Wiener Firma. Die Ausstellung macht im großen und ganzen einen sehr guten Eindruck. * Angestellten - Entlassungen bei Rheinmetall. Wie der „D. H. D." erfährt, wurde am 21. August bei Rheinmetall 300 Angestellten und Beamten zum 1. Oktober 1923 — soweit sie sechswöchentliche Kündigungsfrist haben — gekündigt. * Die Tschechoslowakei und der Hamburger Hafen. Schon im Februar dieses Zahres begannen zwischen einer Abordnung des tschechoslowakischen Ministeriums des Aeußern und des Handelsministeriums einerseits und der deutschen Regierung andererseits Dec- hanölungen wegen der mietweisen Lieber- lassung eines Teiles des Hamburger Hafens samt den dazu gehörigen Einrichtungen. Der Nlie imf Topper. Roman von Hanns fron Zvbeltih. 51. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Der Winter ging zu End' und mit ihm, früher als man's gedacht, die schönen Tage in Leipzig. Denn schon Anfang Mai 1761 ist der König ins Feld gezogen, diesmal nach Schlesien. Alle seine Regotiativnen wegen des Friedens waren vergeblich gewesen, alle seine Feinde standen wider ihn wie im Zahre vorher, Oesterreicher und Russen und Franken und Schweden, meinten, die ^lebermacht müsse ihn schließlich dennoch erdrücken. Mit Müh und Rot, unter unsäglicher Anspannung hat er die Armee retabliert, so gut oder so schlecht es ging. Knapp fünfzigtausend Mann könnt' er aufbringen, mit denen er in Schlesien dem besten Oesterreicher, dem Laudon, gegenüberstand und dazu dem Russen Dutturlin, die zusammen über hunderttausend kommandierten. Muht' sich drchen und wenden, der König, daß sie ihm nicht über den Hals kamen, und könnt' es doch nicht hindern, datz sie sich vereinigten. Da lag er denn, Woche auf Woche, in seinem kunstvollen Lager zu Dunzelwitz ihnen hart gegenüber und wartete hinter Gräben und Schrnzen Tag um Tag, datz sie sich an der festen Stellung Den Kopf einrennen sollen. An jeglichem Abend gog er mit den Grenadieren hinaus in die große Redoute rui. den Pfaffenbepz. „Sorgt für ein Bündel Stroh!" hieß es zu den Pagen, und der König lag mitten unter seinen SoDaten, die alfe Rächte unter Gewehr standen, auf dem Stroh, den Himmel über sich War eine schwere Zeit, die im Hwigerlager von Bunzelwitz, aber die ■.sie Deryanr-rungen wurven aus QRütiti» von Bestimmungen des Versailler Vertrages eingeleitet, nach denen Deutschland vorpflichtet ist, einen Teil des Hamburger Hafens der Tschechoslowakei für ihren überseeischen Verkehr -,u überlassen. Die Konferenz wurde erst mündlich geführt. Da sich aber gewisse Differenzen ergeben, werden sie nunmehr auf schriftlichem Wege fortgesetzt. Auf Grund der Ergebnisse der mündlichen Beratungen sandte die tschechoslowakische CRegierung der deutschen eine Rote/ welche die einzelnen Forderungen enthält. * Erdöl in Obere lsatz. Die Ergebnisse der Bohrungen bei Sundhausen sollen nach fachmännischen Prüfungen und Berechnungen ernstzunehmende Vorkommen im größten Teil des südlichen Oberelsatz erschließen lassen. * D i e russische Mihernte. Rach Berichten aus HÄsingfors bereiten die schlechten Ernteaussichten in Rußland den Sowjets Besorgnisse. Rach den Schätzungen, die Kamenew im Zum gab, sollte Rußland» in die Lage kommen, in diesem Zahre das Doppelte an Getreide aus- führen zu können als im Vorjahre, möglicherweise im Monat' 400 Millionen Pud. Stalin verminderte diese Menge später auf die Hälfte, während andere Sachverständige von 150 Millionen Pud sprachen. Sinowjew glaubt aber nun, man werde auf höchstens 20 Mlllionen Pud kommen. Ein solcher Rückgang der für Rußland wichtigsten Ausfuhr wird eine Vergrößerung des Fehlbetrages im Staatshaushalt zur Folge haben, und wenn infolgedessen die Rotenpresse wieder in Tätigkeit treten muh, wird dadurch der Tscherwoneh gefährdet werden. Es machen sich bedenkliche Zeichen von älnzufriedenheit der Massen bemerkbar und die Tscheka geht wieder besonders scharf vor. Zn Moskau haben sich Stimmen erhoben, die sich für die Beendigung des proletarischen Diktates einsetzen und eine Aussöhnung mit den sozialistischen Parteien befürworten. Buntes Allerlei. Die A-Doot-Flotte der ANoholschmuggler. Werden die Alkvholschmuggler jetzt zur Benutzung der äl-Doote übergehen, um den so streng verpönten und doch so innig begehrten „guten Tropfen" nach den Vereinigten Staaten einzuführen? Mit dieser Frage beschäftigen sich jetzt die Reuyorker Blätter, und sie berufen sich auf das sachverständige Llrteil des Kapitäns Paul König, der feine berühmte Fahrt mit dem äl-Doot „Deutschland" während des Krieges durchgeführt hat urrd jetzt in Amerika weilt. König ist der Ansicht, daß das, was die „Deutschland" während des Krieges ohne große Schwierigkeiten vollbrachte, auch den Schmugglern gelingen kann, so datz sie eine „nasse Ladung" unbemerkt unter der bewachenden Flotte hindurch in den Hafen von Reuyork bringen können. Man spricht davon, datz die Schmuggler im geheimen eine große il-Boot-Flotte gebaut haben, deren sie sich für ihr lichtscheues Handwerk bedienen werden. Aber auch die Heber* wachungsbehörden behaupten, daß sie auf ihrer Hut sind, und dem Doot-Angriff zu begegnen wisien werden. Die Regierung hat eine Extra- summe von 1 Million Dollar bewilligt, um den Kampf gegen die Schmuggler besser führen zu können, und es wird eine neue Flotte gegen sie mobil gemacht. Diese „trockene Flotte", Äe nur den Überwachungsdienst ausübt, besteht aus 20 Torpedoboot-Zerstörern, 2 Minensuchern und aus mehr als 300 kleineren, zum Teil sehr schnellen Schiffen. Alle diecke Fahrzeuge sind mit Maschinengewehren uno Kanonen ausgerüstet. „Wir werden die Alkvholflotte vernichten, bevor der Sommer vorbei ist," erklärte der Admiral dieser trockenen Flotte. „Mögen die Schmuggler Flugzeuge urrd H-Boote verwenden, sie werden uns bereit sinden, ihnen das Handwerk zu legen." Die größte Fensterscheibe. Das größte Stück Glas, das je als Scheibe verfertigt worden ist, befindet sich natürlich auf der Britischen Reichsausstellung in Wembley, wo man die Superlativsucht der Amerikaner übertrumpfen will. Die riesige Fensterscheibe, die 14 zu 24 Fuh mißt, wurde in einem eftra an- gefertigten Eisenbahnwagen von Borkshire nach London gebracht. Die Strecke muhte mit Vorsicht ausgewählt werden, um zu niedrige Drücken zu vermeiden, unter denen die Scheibe nicht hindurch konnte. Die Fläche dieses gewaltigen Glasstückes beträgt 336 Quabratfuß, und die Ausladung in Wembley war ein sehr schwieriger Akt, bei dem besondere Apparate in Anwendung gebracht werden mutzten. Man hat aber alle Schwierigkeiten glücklich überwunden, und die größte Fensterscheibe der Welt kann jetzt von den Besuchern genügend bewundert weiden. Aus der Chronik der „ersten Begegnungen". Das ist auch ein Buch, das noch geschrieben werden mühte: die Chronik der ersten Degeg- nungen, die dann zu einer Heirat führten. Es übermächtigen Feinde wagten nicht den Angrisi, entzweiten sich schliehlich und trennten sich wieder, wobei Dutturlins Rachhut noch so heftige Schläge besah, daß er schleunigst bis Hinterpommern zurückwich. Was half's? War ein schlechtes Zahr, das Zahr 1761, das sechste des Krieges. Keine große Bataille, kein Sieg. Za, zuletzt fiel noch das feste Schweidnitz, der Schlüssel Riederschtesieirs. und in Pommern nach heldenhaftem Widerstand das treue Kolbevg. Immer kleiner und enger wird der Kreis, auf den der König angetoiefen ist, will er sich weiter zur Gegenwehr rüsten. .Uni) auch der Verrat lauert — Am 19. Rvvember spät abends, im Quartier zu Woiselwih bei Strahlen, der König arbeitete noch, da hört der Page im Vorzimmer einen Diskurs zwischen der Schildwache vor der Tür unb einer fremden, hastigen Stimme. Gr öffnet und fragt: der Leibjäger Kappel aus Schönbrunn war's, müsse Majestät unbedingt heut noch sprechen. Unbedingt, die Affäre wär' gar zu wichtig. Es ginge um Leben und Sterben, um Ehre und Reputation, sagt er. Hochverrat! sagt er. So eindringlich und voll Erregung spricht er, daß der Page es wagt, wider alle Ordres, Seine Majestät zu stören. Der Herr sind sehr freröroffen, meint wohl, es sei wieder eine Lappalie, bestehlt dann, doch, den Mann vorzu. lassen. älnd da fällt der in die Knie, hat einen Brief, rn Abschrift, den der Baron Warkotsch auf Schönbrunn an den österreichischen General Wallis gerichtet. Liest der König, der den Warkotsch noch selbigen Rach- mittags in Gnaden empfangen: „Es ist nirgends ein Pikett, auch keine Hauptwache, ist ein Haupt- quartier nicht so PompöS, wie bei Zhnen. Furch- gäbe ein Sammelwerk an, zu dem fast federt Mensch etwas hübsches beitragen könnte. Auch folgende Geschichte, die aus Lmwvn berichtet totrb, müßte darin ausgenommen werden. Ein junges und hübsches sportbegeistertes Dämchen macht den Hydepark durch ihre ersten Autofahrversuche unsicher, ein Ehrgeiz, der schließlich mit einem recht innigen Dekanntwerden zwischen dem Auto und einem der vielen schönen Bäume des Hydeparkes endete, wobei sich das Auto umwerfen lieh und seine hübsche geschickte Lenkerin unter sich begrub. Der Retter, der sofort zur Stelle war, und einer der von der „Cieae auf den ersten Blick" Begnadeten war, nutzte das Vorrecht, das er durch seine Samariterdienste bet der nur leicht verletzten kühnen Autlerin hatte aus und hielt gleich am nächsten Tage um ihre Hand an. älnd die in ihrem Selbstvertrauen auf die eigene Sicherheit Wohl etwas erschütterte Hand versagte sich ihm nicht. Der Schluß dieser Geschichte ist eine öffentliche Anzeige, die mit den unheilverkündenden Worten beginnt: „Anläßlich eines Autounfalles," um fröhlich fortzufahren „haben sich Herr T und Fräulein B kennen gelernt und geben hiermit ihre Verlobung betanmt". Ein Hund der Gold findet. Ein Knabe spielte mit einem Hunde in der Rähe von Hill End, einer alten Goldgräberstadt im Wellington-Bezirk tn Rsusüdwales, etwa 250 Kilometer nordwestlich von Sidney. Vor mehr als einem halben Zahrhundert waren hier reiche Goldfelder entdeckt worden, und ein bewegtes Leben hatte sich damals in dieser- Gegend entfaltet. Run ist das Städtchen verödet. Aber der Hund, mit dem der Knabe spielte, hat ihm zu neuem Ruhm verholfen. Der Hund kratzte nämlich aus der Erde etwas Goldstaub hervor, und die? sofort angestellten Nachforschungen ergaben, daß hier eine Goldader gefunden war, die 3 Unzen Gold auf die Tonne gibt. Es wurde sofort mit der Ausbeutung begonnen, und zahlreiche Abenteaer haben sich eingefunden, um nach weiteren Goldschätzen zu suchen. Eine elektrische Bahn von Kairo nach Suez. Alm Kairo mit Suez zu verbinden, soll eine elektrische Eisenbahn quer durch die Wüste gebaut werden. Die Linie, die von Heliopolis ausgeht, wirb Passagiere und Güter über den alten Landweg bringen, der benutzt wurde, bevor der Suezkanal eröffnet war. Die Verbindung zwischen Kair) und Suez wird dadurch um vier Stunden abgekürzt und beträgt nur noch zwei Stunden. Der Bau wird von der elektrischen Eisenbahn-Gesellschaft in Heliopolis ausgeführt, die eine belgische Gründung ist. Das Erdinnere als Motor. Zrnmer wieder taucht der Plan auf, die ungeheuren Wärmemengen des Erdinneren zur Erzeugung von Kraft zu verwenden, und erst kürzlich wieder wurde 6er Plan erörtert, ob es nicht durch sehr tiefe Bohrungen möglich sei, im Grdinnern bis zu den Schichten mit sehr hohen Temperaturen vorzudringen und die Hitze auf die Oberfläche zu leiten. Aber während diese Ideen noch ferne Zukunftsmusik sind, gibt es manche Orte auf der Erde in denen man das unterirdische Feuer ohne besondere Bohrungen verwenden kann. Auf Zsland z. B., auf Neuseeland und im Bellostvne-Park in den Bereinigten Staaten steigen Dämpfe und heiße Quellen in großen Massen aus dem ©rbbtnern empor, und eine Verwertung dieser Kräfte würde sich durchaus lohnen, während man bei Vulkanen natürlich mit den plötzlichen Ausbrüchen rechnen muß. An diesen Stellen aber sind Ausbrüche und Erdbeben unbekannt und daher Fabrikanlagen möglich. Ein interessanter Versuch, die Hitze des Grdinnern als Motor zu verwenden ist in Garbe re I Io, etwa 60 Kilometer südwestlich von Florenz, gemacht worden. Dort gibt es ein Gebiet von mehr als 3 Quadratkilometer, auf dem seit unvordenklichen Zeiten heiße Quellen unb Dampf massen auffteigen. Der Ort war unter den Dauern verrufen, und man vermied die Stelle, an der man im Mittelalter den Eingang tn die Holle vermutete. Aber vor etwa 12 Zähren überwand 'ein englischer Edelmann alle abergläubischen Vorstellungen und schritt zur AuSnrtznmg dieser brachliegenden Kräfte. Es war ein Prinz Conti, der hier einen elektrischen Generator anfegte, der durch den Dampf einer dieser Quellen getrieben wurde. Der Versuch glückte so gut, datz weitere Maschinen hinzugefügt wurden, und heute werden zahlreiche Fabriken bet Garde cello von diesen natürlichen motorischen Kräften gespeist, und der überschüssige elektrische Strom dient zur Befeuchtung fron Florenz, Siena und anderen Städten. Was andere Leute verdienen. Den Steuerveranlagungen nach hatten im Zahre 1922 vier amerikanische Bürger ein Sin- koimnen fron je fünf Millionen Dollar und 63 Steuerzahler ein solches fron einer Million und darüber. teil»lau der ^ranrptrter Suwttlb Opernhaus. Dienstag, 26. Augost: DH Züdrn. Mittwoch, 27.: Ariadne auf Raxos. Do» nerstag, 28.: Frühling. Hierauf: Das kluge Fell» eisen. Freitag, 29.: Cavalleria rusücana. Hierauf: Der Bajazzo. Samstag, 30.: Aida. Sonntag, 31.: Tannhäuser. Büchertisch^ — Die „Gesellschaft der Freunde des neuert Rußland" gibt unter dem Titel „Das neue» Rußland" eine Monatsschrift für Kultur- und Wirtschaftsfragen heraus. Das soeben erschienene Doppelheft Nr.3/4 enthält Beiträge von A. Gu- nats charski, Reichskunsttvart Dr. Erwin Redslob, O. Kamenewa, Prof. N öe-1 maschko, Dr. G. Da gotzki, Prof. Dr. W. Westphal u. a. m. Preis für das vorliegends Doppelheft Rr. 3/4 1 Mk. Geschäftsstelle Berlin- Pankow, Kafralierstraße 10. — Zn dem Roman „Der Sohn der Ha» gar" gibt Paul Keller in meisterhafter Weife eine ®barafterifiif fron all den vielen Gestalten, mit denen er uns in dem Roman bekanntmacht. Heitere und ernste Bilder ziehen an uns vorüber und immer weih Keller sie echt und wirksam zu skizzieren. Ein literarisch wertvolles, echt deutsches Werk: ein Duch das für alle Zetten geschrieben ist, denn all das, was uns hier erzählt wird, kann in jede Zett hineingeslellt werden, immer wird man seinen Verfasser verstehen, immer mit ihm fühlen, mit ihm lachen Dirnen. DormU können wir auch heute das Werk, im Dergstadb Verlag, Breslau, erschienen, nur wieder warm empfehlen. — „Die glühende Gasse" nennt der jedem Romanleser bekannte Paul Rosenhayn seinen neuen Roman — erschienen im Verlag Ernst Keils Rachfolg. (Aug. Scherl), Geipzig, und bringt damit ein billiges und spannendes Buch zur Reisezett. — Zum 100. Geburtstage Kun« Fischers gab die Llniversitätsbuchhandlung Carl Winter in Heidelberg in Gestalt einer kleinen Gedenkschrift eine Auswahl aus der großen Menge der Urteile der berufensten Fachgenosfen und Schriftsteller aus dem Zeitraum von 1852 bis 1924 über Kuno Fischers monumentales Wett! „Geschichte der neueren Philosophie" heraus, bafl von dem oben genannten Verlag jetzt wieder vollständig durch ergänzende Nachträge, auf der Höh« der Forschung gehalten, verlegt wird. — „Schatten des dunklen OstenS" betitelt sich ein neueres Werk von Dr. Antont Ferdinand Ossendowski, das im 3ntematTonaIen Theater-, Konzert- und Derlags-G. m. b. H., Wien XIII, Penzingerstr. 9, erschienen ist. Wie der Tttel des Werkes bereits andeutet, will der Verfasser die Charakterzüge des russischen Volles, die Schattenseiten seiner Gebensverhältnisse und feiner Psychologie skizzieren. Dank seiner eingehenden Kenntnis von Gand und Geuten, Sitten und Moral Rußlands bringt der Verfasser ein lesenswertes Stück Sittengeschichte des russischen Volles. Geschäftliches. Kletterfahrt einer Zugmaschine. Der Königsstuhl, das Ziel vieler LlutomvbS» Bergprüfungsfahrten, sah in den fetzten Sagen zum ersten Male eine Zugmaschine, die mit einer Anhängelast von 100 Zentnern die 430 Meter über die Stadt liege»rde Höhe in einer lunmter* brochenen Fahrt erklettert hat. Trotz des schlechten Wetters waren viele Neugierige mit Znteresse der Fahrt gefolgt. Sie wurde veranstaltet von den Motoren-Werken Mannheim A-G. vrrm. Benz, Abteilung stationärer Mot)renbau, mit- ihrem „Mvdorpferd", der ersten Zugmaschine mit Diesel-Antrieb (15—18 PS.) und 100 Zentnern Anhängelast. Die Fahrt, die einwandfrei gelang, muß als besondere Leistung angesprvchen werden, da Steigungsverhältnisse von 16 bis 18 Prozent zu überwinden und durch den anhaltenden Regen der letzten Tage die Sttaßen zum Tell sehr auf» geweicht waren. Große Ersparnis an Seife sowie Seifenpulver bedeutet es wenn man beim Waschen einen Zusatz von Henko (Henkels Wasch- und Bleich-Soda) nimmt Die stark schmutz lösenden« Eigenschaften dieses altbewährten Mittels unterstützen die Wirkung des seifenhalttgen Wasch» mittels ganz erheblich und "ergeben so eine txd sparsamere Verwendung. Auch als Eincveich- mittel ist die völlig unschädliche Henko von unübertroffener Wirkung. _ welche eine zarte, weisse Hau« e, 6 blend, schönen Teint erlangen u. er» halten will, wäscht sich nur mit de dle b€sle Lilienmilchseite JrMgjgmm von Bergmann ft Co., Radebeet, überall erhlRUch. Kreuz-Dron- August Noll, P. J. IUBbs, Drog. Georg Wallenfels, Drog. 0. WinterholL 4146c •ten Sie sich vor nichts. Sie machen das größte Glück. Zum besten wäre es Montags in der Rächt. Denn ich kann nicht gut davor sein, daß nicht etwa der Bogel Dienstags in der Nacht ausfliegt. Adfeu." Fragt der König: „Woher hat Er den Wisch?" Uni> der Mann meldet in fliegender Hast: wie er, Kappel, hält' den Brief bestellen sollen, sei aber ein treuer Untertan, wittert Unrat, öffnet den Brief, kommt damit in seiner Seelenangst zum Pfarrer Gerlach. Der schließt den Brief wieder, befiehl t, ihn, wie's der Davon Waröotsch ange- ordnet, an den Kuvat Schmidt zu bringen, so den Zwischenttäger gemacht hat: er aber, Kappel, soll sogleich zu Majestät — „Saubere Affäre," sagt der König. Sieht den Pagen an der Türpfofte stehen. „Allons, zieh Er meinen Schimmel aus dem Stall, ohne Aussehen, und rett’ Er, was der Gaul Prästiert, nach Strehlen. Zch schreib', In&cm Er sattelt, die Ordre, daß der andere Vogel ausgehoben wird." So ist der Page durch Rächt umb Rebel gejagt, auf dem Leibroh FriÄ>richs, in der Bruft- tasche des Herrn DesM. Hat gebarst: .Fällt der Gaul, so fällt er. Mordio! Es gibt mehr. Der König soll wisien, wie der Zabeltitz reiten kann/ Zn Strehlen lagen die Zastrowschen Dragoner, und waren schnell alarmiert Aber doch nicht schnell genug. Denn als sie nach Schönbrunn kamen, ist der Vogel Warkotsch schon ausgeflvgen gewesen — hat Lunte gerochen — davon ins österreichische Qager. Als odaß ihi der König nur nachher, in Breslau auf dem Salzring, in effigie hat an den Galgen schlagen lassen tonnen, wobei er lachend gemeint: „Das Pvrttät wird vermutlich ebensowenig laugen, als bas Original selber." Hat sonsten im Winter 1761 wenig Neigung zum Lachen gehabt, der König Friedrich Das war auch für ihn nicht solch Quartier, wie im schonen, sauberen Leipzig. Muhte im Breslauer Schlosse hausen, das noch halb zerschossen von der letzten Belagerung, zwischen Schutt und Trümmern. Das wär' wohl das wenigste gewesen. Aber er hatte, wie er einmal sagte, das Reihen im Kopf, zusammengesetzt aus österreichischen, gallischen, russischen und schwedischen Schmerzen. Mtt dem geschickten Musikus verglich er sich selber, den man fragte, ob er auch auf einer Geige mit nur drei Saiten spielen könnte. Er spielte, so gut es ging, älnb nun mit zweien. Er spielte, doch schon weniger gut Da zerriß man ihm die letzten beiden Satten und verlangte, daß er weiter spielen sollte — Die eine der beiden letzten Satten zerriß ihm jetzt wirklich Der einzige Freund in En-^and, der Minister Pitt, wich vom Staatsruder. Die Hilfsgelder vom treulosen England blieben aus, die dem König bisher so gute Dienste geleistet. War doch nur ein übler Notbehelf, daß die Müiize nun noch schlechteres Geld schlug, faule, polnische .Timpfe'. Aber der nerdus rerum muhte geschafft werden. Unb das war immerhin ein Trost in der Not: tn Wien und Paris sah's mtt dem Staatsschatz noch weit schlimmer aus, denn bei ihm. War auch so schlimm genug — Zehn Tage vor Weihnachten gab es eine, Menge Schreiben zu expedieren: nach Sachsen an den Prinzen Heinrich, nach Magdeburg an den Gouverneur, nach Pommern an den General Goltz. Die Feldjäger wurden abgefertigt (Rortfehuna folgt) Die fre ratifiziert »200 2>llra N MS WM1 (Eiger Berlin 2 ter Seite wird nale ReichsM Entscheids 01 machen."^' MeMM der - neu zu bild« m der die neueDerha, einzuleiten. D« „ach dieser M intern der ank senderDeuts Zentrums schlag ab. 2! feuer Äbmachu regierung er®® am 30. Augu daSLondon dessen wird si Aeichstagsstalt sie bei der 2lb gesche ablehnt i zur Tatsache w Ki*bu de; £o Es liegt < Meldungen üb rung und De der Londoner Lurchzusehen, druck der Mel sagen müssen, ausschuß Les . mens bet 30(X Kurzarbeiter de germeister t aller Pfalz erlassen. Eben! mer Dies' Städtetag. 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