Nr. 27r Erstes Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags. Beilage«; GiebenerFannlienblätter Heimat im Bild. Movair-Vezilgspresr: 2 Goldmark n. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernspre ch.Lnschlüsse: öchristleitung 112, Verlag undGeschästssteNe 51. Anschrift für Drahtnachrichten: LnzeigerGiegeN. votscheckronlo: Siantfort a. M. 11688. öiatt V4- Jahrgang Montag, 24. Novemder 1924 General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UnfverfifälL-vuch- und Steinörudcrei R. Lanze in Giehen. Sdfriftleitung und Geschäftzstelle: 5chulftratze 7. NRnahme von Äu^y'1 für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorhe' ohne iebe‘I>crbinbüd)heiL Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örllid)8, auswärts 10 Goldpsennig; für Re- klame-'Anzeigen v TOmui Breite 35 Goldpfennig. Platzoorschrist20' Ausschlag. - 'BfrantöortHib für Politik u. Feullleton Dr. Frirdr Witt). Lange. für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für de» Anzeigenteil: Han» DeH. sämtlich in Giesjen. Die Finanzpolitik des Reiches. Eine Unterredung mit dem ReichS- finanzminifter. Berlin, 22 Qlob. (WTB.) Der Reichs- finamnntrrffler gewährte dem Berliner Vertreter der .Wagdeburgischen Zeitung" über die Finanz- pvlitik der Reichsrsgierung eine Unterrebung, die folgenden Verlaus nahm: Frage: Die finanziellen Maßnahmen der ReichSregierung finden, tote Sie wissen, Herr Minister, recht verschiedene Beurteilung Manche Kreise erklären sie für völlig unzureichend, andere beurteilen sie als Wahlmache. 3m Ausland wird sogar behauptet, es werde jetzt also offenkundig, daß das Deutsche Reich bisher die finanzielle Rot nur vorgctäuscht habe. Auch die sonstigen vom Aeich^kabinett in der Erklärung vom 6. Rovember angekündigten Maßnahmen über die Milderung der Rot de« Volkes finden die gleiche widerspruchsvolle Beurteilung. Wie man sich nun auch stellen mag, auf jeden Fall gewinnt man den Eindruck, daß bei der Regierung gerade auch bei Ihnen persönlich eine Kursänderung vorliegt. Antwort: Aber selbstverständlichl Eine bewußte, gewollte Kursänderung. Oder sollte ich z- 2 die übermäßigen Steuern, die ich von jeher nur als vorübergehend tragbar bezeichnet habe, unberührt weiter bestehen lassen? Wir sind doch politisch und wirtschaftlich an einer Wegbiegung angekommen: da muß man eben den Kurs andern, wenn man auf der Fahrbahn bleiben will. Frage: Sie wollen also, Herr Minister, den bisher von Ihnen geübten Fiskalisrnus aufgeben? Antwort: Sie sagen FiskalismuS? Anders werfen mir einseitige Einstellung zugunsten der Wirtschaft vor. Richtig ist folgendes: Ich habe bis zur Erreichung der neuen auf Goldwerte gegründeten Währung, die wir jetzt haben, Die Frage der Erhaltung unserer Zwischenwährung In den Mittelpunkt rnrineS ganzen Denkens und Handelns gestellt. Auch jetzt darf dir Währungs- fvage keinen Augenblick vergessen werden: wir fyiben doch an der einen Inflation, denke ich, «alle genug. Aber wir müssen auch die großen Veränderungen im Auge befcnltei, lie :e1t eingetveten sind Um einiges zu nerven: So za> len wir aus dem Haushalt jetzt keine Besah u ng s k o st e n m b; und mü Ten nicht mehr wie im Sommer dazu besteuern, daß die M i c u m- vertrage ausg füh 1 wer c t konn'e'. DaS gilt zwar formell schon seit dem l. Septem er, ist aber erst mit dem in diesen Lagen eingehenden Erlös der Dnvxsanlrih'.' toirfam g to rden, da das Reich bis dahin die Dawesanleihr bevor* schuht Ixit Frage: Aber es fetzen doch bald wieder d'e Zahlungen für Reparativ nszwecko aus dem Haushaltsplan ein. Antwort: 3a, und zwar die ersten Zahlungen durch die Inanspruchnahme dw Beförderungssteuer schon am 1. September 1?2>. Wir muf en desh ilb unsere ganze Finanzposi ik so einrichten, daß auch künftig die wieder steigenden Belastungen des Hau.haltA getragen werken können. Anderer e t« muh Üe Zwischenzeit ausg n. yt ne son um für unrer innere* Dvll5l bei m gl chst g s n e Gr nd' g n Zu schaffen. Gerad: untc; d ese n letzte en Ge lchts- punkt find auch die a isländischen Cinto.waun en gegen die Ste ere.mäßig ngm völlig unve - ständlich. denn d s iogmannl? Morato- rium des Sachverstand g mplanS ist da ausdrücklich deshalb vorgesehen, damit sich unsere Wirtschaft erholen f?ll. Frage: Ich fürchte, daß zu einer wirklichen Grhvlung der Wirtscha t dre bisher durchgeführten Maßnahmen noch nicht genügen Antwort- Der Staat allein kann es überhaupt nicht schaffen Abc and) von RechS toeg n würde manches durchgreifender gria * r-o-dm fein unD vieles wäre sicher heute schon Mater, wenn n ch: Die ReichStagSauslösung z gerade in demselben Zeitpunkt gekommen märe, wo die WegNegung von der i-b eben sprach, durch den Abschluß der Dawesanl itzc cinceticlen war. Was die Reichs egierung von sich aas vermochte, das hat sie getan, fegar un er Benutzung des unbeliebten Artik lZ 43 ixr ReichZve iallung Schon als die Wegbieg-nrg sich am Ho izonte z-igte. allo nach Verabschiedung der Londoner Gesetze im Reichstag, ist fofort die Umsatz st euer um >.. Prozent ermäßigt worden und zur Linderung der Rot des Boltes ist damals dem zuständigen Reichstagsausschuh der Vorschlag ge macht worden nachdem den in wirtlicher Rot befindlichen Selbstzeichnern unter den Kriegsanleihebesitzern eine Rentenurkunde Zum Austausch angcboten werden sollte. Die Annahme des Vorschlags, die ja Inder nicht erfolgt ist, Litte solchen Heineren Kriegsanleihereichnern eine rechtlich verbriefte Rente in Höhe von 2 v. H. des Kapitalnomrnalwe tes. allo eine zweivro^c:!- tige Derzrns ing gebracht und damit sicher manche große Rot gelindert. Frage: Rachdem nun jetzt. Herr Minister, nach der Auflösung des Reichstages die Rerchs- regieruitg einen zweiten Schritt in der Steucrsrage getan hat durch die nochmalige Ermäßigung der älmsatzsteuer um V« v. H. und durch die Ermäßigung der Lohnsteuer und die Voraus- Die britisch-aegyptifche Krisis. Das Ultimatum. — Aegypten lehnt die Forderungen Chamberlains ab. Iufpitzung der Lage. Haftung der Verbrecher. Um das tiefe Bedauern d.S Landes zu zeigen und der britischen London, 24. Rov (TU.) Die erste Rote, die Samstag abend der ägyptischen Regierung in Kairo durch Lord Allenby, dem britischen Obcrlommiffar, überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: »Der Generalgouverneur des Sudans und Sirdar der ägyptischen Armee, der gleichzeitig ein hervorragender Offizier der britischen Armee toarift in Kairo brutal ermordet worden. Sr. Majestät Regierung betraget i ie et Ak rd, der vollständig der ägyptischen Regierung zur Last fällt, als das notwendige und natürliche Ergebnis einer fortgesetzten Reihe von Feindseligkeiten gegenüber der britischen Regierung und den britischen Untertanen in Aegypten und dem Sudan, eine Feindseligkeit, die eine grundlose Undank- b a r k e i t für die von Großbritannien erwiesenen Wohltaten darstellt und von der Regierung Eurer Hoheit nicht getadelt wurde, sondern durch die Organisationen, die in enger Verbindung mit Ihrer Regierung stehen, noch genährt tourte.. Eure Hoheit wurden erst vor laum einem Monat von der Regierung Sr. Majestät gewarnt und auf die Konsequenzen einer Richtbeachtung der Warnung aufmerksam gemacht. Dieser Feld- Zug der Propaganda gegen England war besonders stark im Sudan. Die Warnung der Regierung Sr Majestät wurde nicht brachtet, die Feindseligkeiten nicht eingestellt. Die ägyptische Regierung hat es jetzt sogar zugelassen, daß der Generalgouverneur des Susans ermordet wurde und hat dadurch bewiesen, daß sie unfähig oder nicht gewillt ist, das Leben der Ausländer au schützen. Deshalb verlangt die Regierung Sr. Rrajostät, 1. daß die ägyp i che Regieiung zunächst eine weitgehende Entschuldigung für daS begangene Untedji abgibt. 2. Wird gefordert, daß die Untersuchung zur Ermittlung der Täter des Ver- brechcns mit äußerster Energie und oh e Rücksicht auf Person und Ansehen ihres Standes aiu{genommen wird. 3. Wird von nun an j ede öffentliche politische Demonstration untersagt und rigoros unterdrückt werden. 4. Ist eine Entschädigung von einer halben Million Pfund an die Reg erring Seiner Majestät zu zahlen. 5 Wird innerhalb von 24 Stunden der R ü ck- Zug aller ägyptischen Offiziere und rein ägyptischen R ginnen er aus dem Sudan a ger.net Di: sich dar ms ergeben1 ei Ter ante- lurgen w rdon noch näher erörtert werden. 6. Ist ein zuständiges Depar e rent zu ernennen, damit die Regie ung des Sudans das Dewasserungsgebiet in Gez i ra vergrößert, das bisher durch 300 0'0 Fedda's bewässert wurde und deren Tal weiter erhöht werden s->ll, soweit es das Bedürfnis erhei ch'. 7. Wird die ülnterlaf ung aller Opposition gegenüber ten Wün^ck en Sr. Majest'it Teg erung, die llch auf den Schutz fremder Interessen in Aegyvten beziehen, gefordert. Falls den Wünschen b't Regieru-g S •. Maj estät n.ch' s g'eich in vollnn ilmfa g' ra^g Pm- men w'rd, wird die Rog e una Er Ma eüä: unverzüglich ge ig etc Schri ;e u t?r ehmo , u n i re Interessen in Aegyvte r und den Su ai z-r toasten.“ — Die zweite Role spezif ziert die in der ersten Rote bar gelegten Forderungen der englischen Regierung hinsichtlich des Heeres hn €u\n und des Schutzes der ausländischen Interessen m Aegypten. Aegypten lehnt ab. Berit dignnq der ägyptischen Souveränität. — Rücktritt Paskas? ßonbon, 24. Rov. (WTB. F nkspruch.) Daily Mail" mldet aus Kairo: Di: Antwort der ägyptischen Regierung auf die beiden britischen Roten geb? zunächst dem Ab'cheu an dem schändlichen OZerb rechen Ausdruck und erkläre, daß bic ägyptische Reg,erung b erfür in feiner Weise verantwort- l i ch fct. Die einzige Der antwort st chkeit, bie de ägypt'fche Regierung anerkenne, betref e bie 03 e r- Reg erung Genug.' zu tun, sei sie za eine Entschädigung und zur 3 rh ung der geforberten 500 C00 Pfund Eterl ng bcr.it. Sie sei ferner bereit, Vollskundg bnngen zu verhindern. Die ä^opt.sche Regierung iei aber ber Ansicht, daß dre bezüglich der ägyptischen Armee im Eudan Doigcfd)[.;gene Okve.nbarung in vollem Widerspruch zu der ägyptischen 03er- fass ung stehe, nach der Fuad der Ober- ch e f des Heeres sei und allein das Recht habe, Offiziere zu entlassen. Die Regierung sei der Meinung, daß die Frage der Stellung auswärtiger Beamter bereits durch diplomatische älebereinkommen geregelt sei, die nicht ohne Beteiligung des Parlaments abgeändert werden könnten. Was den Schutz der Fremden im allgemeinen angehe, so habe die Regierung stets die allcrloyalste Pclilil verfolgt, die mit dem Grundsatz der älnabhängigkeit vereinbart sei, aber abgeschcn davon, habe bisher keine andere Macht irgendwelche Ausstellungen gemacht. In einem längeren offiziöser. Kommentar zur britisch:n Rote an Aegypten bemerk e Reuter u. a.: Im ganzen könne man sage t, daß Engl.rnd die Fähigkeit Aegyptens, sich selbst zu regieren, zu optimistisch beurteilt habe, cs fei daher gezwungen, die bekannlgegebenen Schritte zu unternehmen. Das bedeute keine Olbänderung der Erklärung von 1922 oder des Abkommens von 1899. Es sei bedauerlich, daß eine solche Aktion notwendig geworden sei, sie erfolge aber im Interesse der Ausländer, Engländer und der Sudanesen. * Rach einer weiteren Meldung auS Kairo erklärte Z a g I u I Pascha in der Kammer, daS Kabinett schlage vor, die Forderung auf Zahlung einer halben Milllvn Pfund und ebenso die Forderung auf Verhaftung und Bestrafung der Verbrecher anzunehmen, die anderen Forderungen aber abzulehnen. Die Kammer hat diesen Entscheidungen zugestimmt und ein Vertrauensvotum angenommen. Ein Funkspruch auS Kairo von 11.30 Ahr nachts erwartet, daß Zaglul Pascha zurücktreten wird. Die Minister beraten seit mehreren Stunden. Für Montag werden bedeutsame Entwickelungen erwartet. Die Maßnahmen Allenbys. Kairo, 23. Rov. (WTB.) Der Oberkommissar Lord Allenby hat Zaglul Pascha mitgeteilt, daß infolge der Ablehnung der Forderungen 5 und 6 Instruktionen an die Regierung im Sudan gesandt werden würden, um eine Zurück- Ziehungderägyptischen Offiziere und Truppen aus dem Sudan zu bewirken, wobei hin- zugesügt werde, daß es der Regierung im Sudan freistehe, das bewässernde Gebiet bei Gezira in einer unbegrenzten Ausdehnung zu erweitern. Zaglul werde später über die Schritte unterrichtet werden, die Großbritannien wegen der Ablehnung der Forderung betreffend den Schuh der audtoärtigen Interessen unten'(men wer e Di? 03ez.M)lu g der Buße vn er anlaßt, der Sowjetregierung mitzuteilen, daß die englische Regierung nicht in ber Lage sei, bic von Macbonalb abgeschlossenen Verträge dem Parlament zur Beratung und dem König zur Ratifikation zu unterbreiten Die neue Regierung erfüllt damit lcbiglich ein im Wahlkampfe ge gcbenes Derfprechen, das ihrer Partei ben gc waldigen Stimmenzuwachs gebracht hak. Das an R a k o w s k i gerichtete Begleitschreiben Chamberlains, dos sich eingehend mit dem Sinowjewbriefe beschäftigt, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Es wird sestgestellt, daß trotz aller Ableugnungsversuche Rakowskis, die Echtheit des Briefes feststehe. Rakowski habe die Echtheit bestritten, ohne sich mit seiner Regierung in Verbindung zu sehen, und in feinem Dementi durchaus wahrheitSwibrige Behauptungen zur Entlastung angeführt. Außerdem stütze sich die Defchwerde ber englischen Regierung nicht allein auf den Otnotojetobrief, fie richte sich gegendieplmsturzpropaganba, die von ber kommunistischen . Internationale betrieben werbe. Eine solche Propaganda könne sich England nicht gefallen taffen, zumal die Internationale organisatorisch mit der Sowjetregierung verbunden sei. Die durch Rundfunk über die gan e Welt verbreiteten Erklärungen Sinowjews seien ein genügender Beweis für die Richtigkeit der englischen Auffassung. Di.se s hr en-ergische Olbf-ge an die Sowjet! egierung und Zurechtweisung Rakowssts Der dient in diesem Aug-mblicke b sontz re Beachtung weil ja Frankreich dem Beispiel ber Regierung Macbonolbs schnellstens öle Anerken nung Sowjetru^lanbs folgen l'eß. H e r r l o t ha' in einet ber lehten Kammersihungen seine russischen Pläne auseinanber^eseht. unb bebet be sonders auf Englanb hing-wiesen, baS braus unb dran sei, sich bie wirtschaftliche Vormacht in Rußland zu sichern. Daß bie Opposition gegen Herriot aus den englischen Wahlen ihre Lehrei Ziehen wird, steht schon jeht außer Frage, und es erscheint burchaus nicht au*g?ff)Ioffen. baß sie sobold bie Verhandlungen laufen, auch zur Oppv sition übergehen wird, beim es ist boch anzu« nehmen, baß sich bie Eowjetpropaga.nba gerade in Frankreich nicht zurückhalten wirb, wo ber Boden für derartige Dinge viel günstiger ist als in England. Zu begrüßen ist, daß mit dem englifchän energischen Vorg-Hen, endlich einmal der UmsturzPropag'-nba ©o'ii'trurl'mb3 zu Leibe gegangen wird. Sie wird virlfticht auch für andere Länder einen nicht zu unterschähenben Rückhalt bieten. Zahlung auf bie Einkommensteuer, ist bar= aus zu folgern, baß auch in ber Dufwertungssrage von Ihnen ein weiterer Schritt bsabfichtigt ober empfohlen wirb? Oluttoort: Auch in ber Eteuerftage wirb ber Reichstag noch vieles zu tun haben, brionbers hoffe ich, baß mit einer brüten Senkung ber älmfah steuer in absehbarer Zeit gerechnet werben kann. Die Aufwertungsfrage borf nicht, wie bies in ber Oeffentheb- feit (ciber vielfach geschieht, als cm Ding für sich betrachtet werben. Sie ist nur ein Teil ber großen allgemeinen Frage, in wie weit über das jetzt bestehende Miß hinaus eine Teil- entfchäd.gung ber Kriegs- unb Inflationsopfer möglich ist. Jede Oöeaatwortung biefer Frage muß feLbftverstänblich auch, nachdem bie von mir erwähnte Wegbiegung erreicht ist, von ber ernstesten Prüfung ausgehen, welche Lasten unsere Wirtschaft etwa noch zu tragen imftanbe ist, benn bic Wirtschaft im weitesten Sinne des Wortes, zu der ja jeder arbeitende Volksgenosse gehört, muß ja doch auch all das leisten, was den Kriegs- und Inflations- opsem zugesprvchen wirb. Die große Entscheidung. mit welchen Beträgen für diesen Zweck die Wirtschaft beiaftet werben kann, wirb, nach- bem burch bie Reichstagsouflöfung leiber eine OZerzögerung cingetrcten ist, von ber zukünftigen Reichsregierung unb vom zukünftigen Reichstage zu treffen fein. Davon, baß biefe Gut» fch^ibung nicht in bie Irre geht, hängt nicht weniger als bie ganze Zukurcft des deutschen Volkes ab. Steuerlast und Wirtschaft. Berlin, 22. Rov. iWTB.) Der Deutsche Industrie- und Haadelstag hat an dje Reichs- reaierung ein Schreiben gerichtet, in Dem ausführlich bargelegt toirb, baß bie beutfche Volkswirtschaft in ihrer gegenwärtigen Verfassung bic ungeheuren steuerlichen Lasten für Reich, Länder und Gemeinden nicht weiter auf zubringen vermag. Rach den großen Opfern zur Lieber Windung des Währungseutsche Lloyd verschiedene Heroen des Bremer 6enati sowie der Presse einge lasten, die sich gestern vormittag 10.08 ilfrr mit Sonder- zuq nach Bremerhaven begaben, um von dort auf einem Tender dem „Columbus" entgegen- zufahren. Anwesend waren vom Auswärtigen Amt in Berlin Geheimrat Gras A d e l m a n n, Staatssekretär Kröhne, vom Reichssinanzmini- sterimn Geheimrat Professor Karl sowie der Präsident der Bremer Handelskammer Robewald. .Als der Tender gegen 3 Llhr den „Columbus" auf hoher See erreichte, wurden auf den kühnen Bezwinger der Lust Hochrufe ausgebracht, die brausend über das Wasser hallten. An dem Fallreep des Dampfers sieht man Dr. Eckener, Herrn v. Schiller und den Kapitän des „Columbus", Johns o n. Ich steige das Fallreep hinaus und rufe dem groben Führer ein herzliches Willkommen in der Heimat zu. Die Schifiskapelle spiele alte deutsche Märsche. Dann fern konnte, sondern mit ganzem Herzen gemeint war, und den Afiung eines Derständ-- Mes bedeute. Jetzt komme es darauf an, Kapital zu finden, um eine Luftlini e ewzurichten: denn der Beweis, daß eine solche Linie praktisch möglich sei sollte durch den Zeppelinfluz erbracht werden und i st erbracht Worten. ES sind auch die ersten Schritte dazu eingeleitet worden. Dr. Eckener hatte drüben eine Unterhaltung mit Har ryman darüber. Ein Dernierslugzeug des Aero-Lloyds flog nach «Cremen, um Dr. Eckmrr für d.e Wei er- reise nach der Landung zur Dersügung zu stehen. Ein Jndienflng deö britischen Lnftflottenchefs ‘Berlin, 24. Aov. (WTB.) Am Sonntag mittag landete in Staaken der Chef der englischen Zivilluftflotte, GeneralDran k- k e r, nach einem Fluge von London über Parts und Köln. Aach einer Begrüßung durch den fallenen haben im Glauben an Deutschlands Gröhe ihr Leben hingegeben, ihr Blut kann und darf nicht vergebens vergossen sein. Werbe jeder an seiner Stelle dafür, dah der Geist von 1914, der Geist der Treue, der Einigkeit, der selbstlosen Hingabe an das Vaterland des nationalen Stolzes Wiederkehre. Dann werden wir mit Gottes Hilfe unser geknechtetes Vaterland wieder zu Ehren bringen, und damit ehren wir am besten unsere gefallenen Brüder. Eine französische Stimme zur Iustizkomödis von Lille. Paris, 23. İv. lWTD.) Das .Oravre" beschäftigt sich mit dem Fall Dathuftus, DaS Statt besürchlel, haft durch, die m Deutschland hervorgerufene Erregung dte Gefühle des Krieges wieder lebendig werden. Es schreibt: Das Kriegsgericht m Lille hat nach Ansicht aller derer, die der Verhandlung gefolgt sind. Aathusius ohne genügende Bern e i s e verurteilt. Wir haben feine gute beginnen die Film Operateure zu arbeiten. Dr. Eckener ist kern Freund der tauten Feierlichkeiten und der langen Reden. Er spricht nur sehr wenig und ist drüben ganz der Alte geblieben: still und zurückhaltend, wie er auch auf der ganzen Fahrt still und zurückgezogen gelebt hat. Aber die große Spannung, die man zuletzt auf seinem Gesicht sah. als der Zeppelin an jenem denkwürdigen Sonntag startete, ist fortgetoischsi Dr. Eckener sieht trotz der gesellschaftlichen Strapazen, die er in Amerika hinter sich hat, frisch und w o hl aus. Die Begrüßung Dr. Eckeners auf dem Dampfer „Columbus" fand um 5 führ nachmittags im Rauch^alon statt. Der Vizepräsident des 2llifsichts^ s deZ Aorst- deutichen Ll. hds Hoffmann entbot den ersten Willkommengruh der Heimat. Wie Columbus zu Schiff, so habe Dr. Eckener als erster in der Luft den Atlantic erobert. Mit Anspielung auf das Wappen des Aordd-utschen Llchst, das einen Schlüssel und einen Anker zeigt, betonte der Redner, die Tat Dr. Eckeners er chliehe eine Hoffnung auf neuem We.e. Dr. Eckener a it*. toortete, der Willkommengruh aus dem Krcie des alten Hansiig istes mit ferner wel wirt ch f - sichen und weltgeschichtlichen Perspekt.ve erfreue ihn besonders. Die Ehrungen, die Amerika spendete und die mich hier erwarten, dürfen nicht meiner Person gelten. Was wir geleistet haben, fasse ich als Triumph des nationalen Gedankens, als das Werk Zeppelins und der deutschen Technik auf. Was meine Kameraden getan haben, hätten viele andere auch tun können. Es ist für uns ein Vorzug, dah wir es tun durften. Staatssekretär Kröhne überbrachte namens des Reichspräsidenten und der Reichs- regierung den Willkommensgruh. Die Tat Dr. Eckeners habe zum ersten Male nach dem Weltkrieg wieder mit ehernem Griffe den deutschen Aamen in die Weltgeschichte geschrieben. Das faustische Wort: Im Anfang war die Tat, hat die Absicht, Deutschland alles zu nehmen, verhindert. Deutsche Köpfe, deutsche Fäuste unb deutsche Herzen sind geblieben. Möchte diese Tat die Beziehungen zu Amerika wirtschaftlich und politisch erweitern, Töte deutsche Luftfahrt von den bisherigen Fesseln erlösen und die Zeppelmhalle erhalten. '*■ Aamens des Bremer Senats feierte Senator Tremers Dr. Eckener als den Mann, der die Tat gewagt hat und sie als erster glücklich vollenden konnte. Aamens des Württemberg sch- schwäbischen Volkes und des deutschen Auslandsinstituts sprach Finanzminister Dehlinger. Er sprach die Hoffnung aus, dah ein neues Luftschiff in Friedrichshafen erstehen möge im Fluge über Land und Meer zu Deutschlands Ehr. Der Bürgermeister von Dr. Eckeners Vaterstadt, Flensburg, überbrachte den Ehrenbürgerbrief. Eckener wird in den nächsten Wochen in Berlin im Reichsverband der deutschen Presse ausführlich über die Brauchbarkeit der Luftschiffe als überseeische Verkehrsmittel sprechen. Eine Unterredung mit Dr. Eckener. Hamburg, 24. Aov. Ein Dr. Eckener ent- ftSgengosandter Vertreter des .Hambg. Fremden- blattcs ' meldet über seine D gegnung mit Dr. Eckener und Kap'.tänleutnant Schiller noch folgende Einzelheiten: Dr. Eckener und Schiller, die eine schöne ruhige Fahrt von Aeuhork nach Plymouth gehabt haben, sind frisch und gesund. Beide sind noch voll von den großen Ein- drücken des glänzenden Empfangs des L. Z. 126 und ihrer Aufnahme in Amerika. Als bezeichnend für Bewunderung und Begeisterung der Amerikaner erzählten sie einige b'sher noch nicht befanntg^gebene Einzelheiten über ihre Ankunft in Aeuhork. Bei der Einfahrt über dem Hudson-Flust gab die amerikanische Küstenba11erie vor der deutschen Handelsflagge einen Salut von 9 Schüssen ab, eine Ehre, die sonst nur Kriegsschiffen als Vertreter fremder Mächte erwiesen wird. Ein grober englischer Passagierdampfer, der in Aeuhork lag, setzte beim Aahen des Luftschiffes eine Groh» l o p p f l a g g e, eine nahezu beispielloser Vorgang. Als Dr. Eckener im Auto von Lakehurst nach Aeuhork fuhr, wurde der ungeheure Verkehr in den Strasten Aeuyorks sttllgelegt und eine Polizei-Ehreneskorte gestellt. Die Besatzung wurde mit G eschenken überhäuft. Dr. Eckener und Kap tänleutnant Schiller erhielten Autos, die sich ebenfalls an Bord des .,©otumbu£“ befinden. Der Londoner Berichterstatter des „Berliner Lokalanzeigers" kabelt: Mit ein paar Norken streifte Dr. Eckener den mächtigen Eindruck, den die enorme Arbeitsleistung Amerikas auf ihn gemacht hätte. Die Sportleistung, der Rekord hatten die Amerikaner im wahrsten Sim e begeistert, tote eben mir Angelsachsen sich von Spoitteistungen begeistern lassen können. Dast der Zeppelinflug ein besseres Terständnis Amerikas für Deutschland zur Folae hat. sei nicht zu bezweifeln, und man könne ruhig das Wort ..deutsch- a-mer ikan i fche Annäheru g" geb auch .-i. Dr. Eckener betonte, er brächte die fe ic ilebci> Seugung mit, dast dieser Ausdruck von Sympathie, die ihm allenthalben begegnete, ob das nun in einem Privathcmse oder beim Qltarinemrrrifter war, nicht nur eine vorübergehende Erscheinung Kostenlos bis Ende November erhalt jeder neue Besteller den Gießener Anzeiger mit dem heute beginnenden Roman aus der Feder Fedor von Zabeltitz' „Die rote Kaschgar" nebst den drei anerkannt ausgezeichneten Beilagen Gießener Familienblatter Heimat im Bild Gießener Hochschulblatter Man bestelle noch heute den Giehener Anzeiger für Dezember, in Gießen bei der Geschäftsstelle, Schul- stratze 7, oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Zweigstellen oder bei der Post. Die Nachlieferung der Nummern von heute an erfolgt sofort und kostenlos Direktor des Aero-Lloyd wurden die Hallen und die Werft des Aero-Lloyd besichtigt. Beim Empfang war Ministerialdirektor Brandenburg, der Leiter des deutschen Luftamts, zugegen. Heute bleibt der General in Berlin, am Dienstag erfolgt sein Weiterflug über Warschau und Bukarest nach Indien. Die Ausfuhrabgabe. Der Reichsfiuanzminifter an den Generalagenten. Berlin, 23. Avv. (TA.) Der Reichsfinanzminister hat gestern auf den Brief des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, vom 14.d.M. eine Antwort erteilt. Hierin pflichtet er der Auffassung des Generalagenten in grundsätzlicher Beziehung bei, betont aber, dah diese Auffassung in ihrer praktischen Durchführung, solange die Abgabeerhebung nach der Reparations Rocoverh Act überhaupt noch stattfinden sollte, nicht dazu führen dürfe, den deutschen Exporthandel empfindlich zu schädigen. Der deutsche Exporteur müsse wissen, wie hoch die Abzüge seien, die von den Warenrechnungen gemacht werden, und ferner, dah er für seine Exportware den vollen Wert erhalte, sei eS, dah die ihm im Wege der Abgabeerhebung gemachten Abzüge aus den von dem Generalagenten für die Reparattonszahlungen zur Verfügung gestellten Mitteln bezahlt werden oder, falls das nach Ansicht des Transferkvmttees nicht möglich sei, die gemachten Abzüge von den erhebenden Ländern zurückerstattet werden. 3m übrigen hat die Regierung ihren Standpunkt in der grundsätzlichen Frage der Erhebung der 26proz. Abgabe dem Generalagenten bereits vor einiger Zeit eingehend dargelegt. Die Deamtenbesoldung. Berlin, 22. Aov. CS.il.) Die Reichsregierung hat sich entschlossen, die ursprünglich allgemein mit Wirkung vom 1. Dezember 1924 in Aussicht genommene Erhöhung der Grundgehälter der Besoldungsgruppen 1—6 um 12V2 v. H., der übrigen Besoldungsgruppen um 10 v. H. und die Sozialzuschläge um 2 Mk. monatlich für die Beamten der Besoldungsgruppen 1—6 bereits vom 16. Aovember 1924 ab in Kraft zu setzen. Der Gntschluh der Reichsregierung ist offenbar das Ergebnis der heuttgen Bespiechun- gen der Beamtenvertreter mit dem Reichsftnanz- Minister. Die Deutsche Reichsbahngesell- schäft wird sich in der Erhöhung der Deamten- gehälter dem Vorgehen des Reiches anschlie - n c n. Die Lohnerhöhung für Arbeiter beträgt durchschnittlich 9 Prozent. Für die Arbeiter wird ebenso wie für die Beamten der Gruppen 1 bis 6 die Erhöhung der Bezüge mit Wirkung vorn 16. Aovember ab vorgenommen. Eine Hindenburg-Ansprache am Totensonntag. Göttingen, 24. Aov. (TA.) An einer Denkmalsweihefeier für die gefallenen Lehrer und Studenten der Göttinger Unitier» fität nahm der Generalfeldmarschall von Hindenburg teil. Rack einer Weiherede des Professors Dr. Binder hielt Hin- l denburg folgende kurze Ansprache: „Die GeMeinung von unseren Kriegsgerichten und wir würden es gerne sehen, wenn ihr Ruf nicht über unsere Grenzen hinausdringen würde. Das Kriegsgericht in Lille hat alles beiseite geschoben, was die Gerechtigkeit erfordert. Cs war zudem besonders schlecht beraten, denn Aathusius ist rheinischen Ursprungs und hat, wie die Zeugen bekundeten, in Diedenhofen die Erinnerung, dast er ein ehrlicher, guter Mann war, zurückgelassen. 3n politischer Hinsicht ist die Ungeschicklichkeit, die begangen wurde, ernst. Herriot konnte sie nicht verhindern. Wird er wenigstens das Unrecht durch eine Begnadigung wied er gut machen können? Die Uebersührung Jaurös. P a r i s, 24. Aov. (TU.) Die Uebersührung von Iaurös nach dem Pantheon gestaltete sich zu einer äußerst eindrucksvollen Feier, der die Regierung.offenbar mit allen ihr zur Verfügung ftebenben Mitteln ein nationales Gepräge verleihen wollte. Am Vormittag wurde der Sarg, der mit den blau-weih-roten Farben der Trikolore umgeben war, auf dem Hofe des Palais Bourbons inmitten einer ungeheuren Menschenmenge aufaeftellt. Die eigentliche Ueber= führung fand dann am Aachmittag statt. 3n dem Zuge erblickte man H e^rr iv t, den Kriegs- minifter Rollet in Uniform, sowie zahlreiche Abgeordnete, Senatoren und Delegationen verschiedener Länder. Die deutsche Delegation wurde von dem Abgeordneten Breitscheidt geführt. Die Belgier waren besonders zahlreich erschienen. Man bemerkte Droücköre und Vanderselbe. Der Zug setzte sich« über den Concordienplatz und den Boulevard Saint Germain nach dem Pantheon In Bewegung. Eine unübersehbare und zissemmähig nicht abzuschähende Wenge bildete Spalier. Am Boulevard Saint Germain hatte Militär Ausstellung genommen, das dem Toten militärische Ehren erwies. Am Pantheon angekommen, wurde die Leiche in das Innere getragen, wo bereits die ofiiziÄlen Persönlichkeiten Ausstellung genommen hatten: an der Spitze der Präsident der Republik, Doumer- gue, das diplomatische Korps, darunter Bob- schaster von Hoesch, die Präsidenten des Senats und der Kammer, die Maschälle Frankreichs, viele Deputierte und Senatoren. Aus dem Innern ertönte gedämpfte Musik. Die unterirdische Kapelle spielt die Marseillaise. Dann ergriff Herriot das Wort zu einer ergreifenden Gedächtnisrede. Die Feier war bis dahin programmähig verlaufen. Plötzlich vernimmt man, dast 12 000 Kommuni st en von den Champs Elysses im Anmarsch begriffen seien. Der Zug läßt auch nicht lange auf sich warten und die Abgeordneten Cach in und Daillant-Sou- turier sowie Dorriot gehen an der Spitze. Man zählt 200 rote Fahnen. Die Musik spielt die Internationale, die von dem ganzen Zug im Chor aufgenommen wird. Dann brechen die Kommunisten in Rufe aus: ,,Es lebe die Internationale! Es lebe Iaur^sl" Es fallen Drohworte und Rufe, doch läßt die Polizei den Zug passieren. Das Ergebnis der Oldenburger Stadtratswahlen. Oldenburg 24. Aov. (TA.) Gestern haben in der Staat Oldenburg die Stadtrats- wahle nftafgefunöen. Die Wahlbeieillgu g war ziemlich mässig, sie betrug 60 Proze tt Da; Ergebnis ist folgendes: Deutschnu-tionale Dollspar- lei. 7 Sitze l bisher 2) Deutsche Vvlkspartei 13 (17), Demokraten 7 (8), Sozialdemokraten 8 (8), Völkische 1 (0). Kommunisten 2 i2), Zentrum 1 (2). Abstimmungsfieg Mussolinis. R 0 m, 24. Aov. (TA.) 3m Parlament wurde das Budget deS Ministeriums des Innern nach einer sehr erregten, neunstündigen Debatte mit 337 gegen 17 Stimmen bei 18 Stimmenthallungen angenommen. Für die Regierung stimmte diesmal auch die S a l a n d r a -Gruppe, während Gi0litti und Orlando ihre Stimme gegen die Regierung abgaben. Aus Stadt und Land. G testen, den 24. Aovember 1924. Liewer guder Zeidungsonkel. Ich dank dr aach schee fvr die Drleerung fon Wege „Aachstruck verboten". Ich hab de noch ni wast nachgedrutd unn wann ich e geisbig eigebum an ebbcs hab, zern Be.schbiel am 1X1 so ist deh mei kenndnist unn es Hot se mer niemand net one mei erlaubntfr e wegk *e nemme denn so toast geheerd sich net in der a'stännig' gesellschafd unn aach mir zozzelSgäher wisse ganz genau, wvs sich geheere buhst unn des sollde aach die fchrief- stehier to.ffe. Awwer enhmgcfalle bistt de doch — fon Wege meim Dadder, der wo der da ge- schriwwe Hot unn der woh mich schläächd ze mache fersichb Hot. Aetsch, der ist jo gar net mei vadder, net, denn dos. wos e richdiger vadder ist machd sein Daub net schläächd net un der, woh sich mei vadder nenne dhud, feggb, er hädt mer uff de Backe gehaage fon Wege meim Geschreibsel? Aetsch unn des is net toofyr unn tomn er mei vaddeo währ bann dhäd er aach net Ottogravieh schraiwe fonnern wie ich obrografie, denn en Otto ist 8a Vieh net, denn toi deh Jporb geschriwtoe werd befj weis ich fon unsterm Herr leerer, der Hot mich emol zer Dllonung hunnerdmal rinntvieh schreiwe losse unn beffenttoege we s ich e Vieh fon eme mensch ze unnerscheiste. Unn selb wann liestd mer dann am Mitwoch Dannäppel uff woh mer doch an eme holtzlesestag dest Holtz Ham ho^e dhud, woS mer h.bsch dest jahr forher dörr gemachd hab unn toi mer dest machd, braachd mer jo kam net ze ferrabe. Unn iwwerhaabt unn so kann Dannäppel lese mir iwwerhaupt net — mer bun atotocr a’ in unserer nachbei-schafid die wo fon Dammschdadt ist, die ferschstehst nix annersch alß toi Dannäppel ze lese unn fe wär dord sogar hvflieferandin for Dannäppel gewehsd bei am von den Huche. Draache mir hier in gäiste Dannäppel ? Mir braache s nett ze mache wie bte Daminschdädter, die die Dannäppel brenne un wo mir die schdeuern hinbezale dhu — fon toegef Unn mei richdiger vadder währ im schiefe Dalle getoefb? Aetsch er ist jo mit mer granf an der kripp getoefb unn fo all dem wo st do mei Kall Söniohr geschriwtoe hatf wo dhud ist, wos mei werd Pers h l ch eit bod tfsd net fiel wohres dran. Awtoer ans ist wohr, der „vadder" ist e richdiger gäister unn mir gäister hole aach zesamme unn eS gilt Hai garungt hergelossene, bät unster schee vadderschbrach net ferschdehn duhn ototoer fon eme vrembe vadder lost ich mich noch lang net anerkenne unn nachher en läustbub he.he unn iwwerhaubt unn so bin ich aach ka schrieftstehler net, beim ich warsch, der unsterer vaddec- schbrach — siehsde dast, wast mei ntubber ist schbammd doch au st Deestgesä st — häi in gäiste Widder ze ihrm rächd feryolse hab unn wo mei vadder doch e gebohrner beufetolufbgärbner ist. Unn siehfde. Kall Säniohr, brtnun wolle mer als gäister einig bleiwe unn uns nett beleirige, dann so wast ers jo doch nor for de katze Unn mer wolle aach bei der wohrheib bleiwe. Siehsde uff8 nächsd Iohr freub sich schonn jeder gäister Daub, beim do gibb 's Widder häi e grob Torn- fest, von eich tom etoe schon for mei lewe gern onn am liebsbe mach ich finfcnzwanzichmal hinnerenanner dest knierädche. Ototoer dest mer babefor fon dem fiele gelb, too mer nett hawwe dhu, .e festschd^henb F st hall uff bc Trckb baue wolle, too aner geschriwtoe Hot — ich les so auh- toärbig zeug iwwerhaubt net — dest glaao ich iwtoerhaubt nett, mei richdiger vadder aach nett, unn do fehlst in dem austwärdige blau bloh noch der Cndedeich, wo mer bi selosierzeuchde feböe Ende druff erumschwimme loste kann unn an dem Deich must e richdig schleust agebracht Wern unn bi must dichtig „verteilst" toerm, domit dest nar= hafbe Cnstewasser net forblääsd. Ototoer e Fesd one Fesbhall ist ka Fesst net unn so muh aach uff be Tr.bb e richbig Hall komme. Ototoer nett so e kla Dingk toi ehenst owwe am Bahnhof and gebaub werd for schwarhe Kaffe, woh die Leu die fern Dorf zu uns erinn komme stuh, im taffe biinfe, denn wäi ich dest Bild woh beih bache uffem sälderswägk ausgeschdellst ist geseh hob, do hob ich gedenkst, do sinn jo lauter schdumb- röck auf? bere Schwelm druff unn in unstete taffe häi in gäiste ist mer doch so ebbes nett gewehnb. Alsto wolle mer emol obwar de toai bte Eaffebkin wann fe f er big ist for e Ferschenerung for unstet vadderschdadt getoe buhst uim bann bärffb de mich aach emol mitentnn nemme, Kall söniohr. Unn du liewer ZeidimgSonLl machst mit. Hurra bie Ende. Sei Kallche aust der ZohelSgah Gietzener Wochenmarktpreise am 22. Aovember 1924 (Händler-Preise). Es kosteten: Butter Psd. 230, Matte 4"A ! in ^und . Städte^ ■0 " bet AlN' !i- unoA, mV ®rt ^sver- > 5 * ixi6?6“® T 1. ,0 lK SelElchasd ^dvch- 5 ba ► * *m«bt Net vadder E th machd - kooh |ii ."»uftbe W! 2«sch iwi boböer w0 hieltet 1 th fa vieb drcd b4 5 bot mich Jblineibt *9 Ion en» m W> mer 'vH «tt doch M bbub, vrr gemacht, "«et |o hm ™> Io tetr. - mer Sm dk mo |on amerfch alh öort sogar B bri M gilbe Dann, chr tote dk bratne un - fon toegel Me Mit ranf an da X> mct Jhfl 6, too» ad vhiez dran. I«richtig« mme um e- anbei sch« ototoei fon od) lang net b he hr um fchrichskhler erer dadda- i Wdder jh Hai in gilbe um too md dgärdner i& tpeCe mer itt beteilige. ! W ilnn itot. eitfflt jeder gilbet grob Som* n (etoc gern iMnzichmal er tef) mer nett Hatowe TM baue chleLjv aub* beb glacw W) Äer auch nett, Mau Hob »och rzeuch-'e fedte n um an M >t ivern unn di mit deb nar- )wer e M । mH nach uff -tower nett fD Dahnhof 3 *•* : dich irn uue >°hbKÄ ift geleh HD°» inn in * foebte.irt wrbeW” fr) um ’ei mM ““ Zoycügad preise »leryrM > njlattr ** !ZZ ‘i-S* Ä»--- -40. I i l F — Da« irz. TMttetrfce -schütz, Presse-Ausschuh. Turn-Aas uft, WlitschaftS-AuLsch tz, W hnungS-AuSsch ift Emp- sangs-AuLschuh. Mus.k- und D.-rgnug ngS^Ars- schuft, Zug- und Ordnungsnusschah. De Ausschüsse nxtrben ein reiches Matz von A (gaben A’i bewältigen haben, ju deren erfolgreiche Lösung sie die weitgehendste Unterstützung te gesamten Dürgersch ist f nden mässen 3m Hlnbl stchlichen Dank gegenüber ten Brüdern Ausdruck. die stch ge pf n h>deo Er gedachte gerade der schlchten Akärraer tiei4 dem Volk, d.e ungenannt in einem Winkel fielen, von denen niemand redet und die doch auch ein Cc'cn h.nzu- g ben hatten und 1 b« Lieben zurück!ieften. Dor ih-.en wollen wir urs in Ehrfu-ch: n igen. Dein auch sie sind groft, «mtvorvhoben und geadelt durch ihr Sierven für D-utschland. Für de'es Deutschland te llen wir t b n Dreier e b auchen wir ha\u. und die Toten sollen ei uns kfrwn: Einheit, Opfersinn. Glauben. Enieit! ülnlere Toten haben all- das gleiche Leben hingegeben, sie haben alle teil an dem Rie'enopfer des Volks. Opferlinn! Rich: -eneS leichtherz.ge Prusten m.t Worten, das mit dem Kriege spiÄt. weil es seinen Ernst nicht kennt, nicht jenen gemeinen S-inn. der genuft üchtiz am Leom lleb' und v m h ldeih^st- n Au schwang der «Seele nichts tee h, sondern Dienst am Doll, ilnb 'chli httch ©laute! Ein Voll, für das so viele gestorben sind, wird leben. Arbeiten wir, führen wir das Werk der T ten weiter! Wir teilten den Schmerz um die Gefallenen nicht unterdrücken, aber das Leid sei überglänzt von der Schönh-it des Heldentums, ilnb alles, unter Deuten, Danket und Geloken sei in das eine Wort zusammengesaftt: Deutschland! Unter den Klängen des Liedes ^Ich bett' einen Kameraden" senkten ftch dann die Fahnen, enkblöftten stch tne Häupter, und still gedachte man ber Dieten Hundertta-lsende, d.e ihr Leben auf dem Altar des Vaterlandes geopfert. Rachmittags 2l'j Uhr versammelten sich die Mitglieder des Re ich s b u n de s der K r ie qs- beschädigten und Kriegerhinterblie- b e n e n mit wiederum sehr vielen Mitbürgern zu einer Gedenkfeier auf dem Ehrenfrtedhof des Reuen Friedhofs. Die Musikkaf^elle Topp eröffnete die Feier mit dem Ri.derländischen Dankgebet Ailschlicstend sang der Gesangverein „Eon- cordia" den Ehor: „Wie sie so sanft ruhn". Danach hielt der De.;irksleiter des Reichsbundes der Kiiegsbeschädigten und -Hinterbliebenen Benner Die Gedächtnisrede. Er brachte in zu Herzen gehender Weise den Sinn brr Totengedenkfeter zum Ausdruck, wobei er besonders auf bas traute Familienleben zwischen Ehegatten und Kinder hinteies und gleichzeitig betonte, wie dieses Band durch den Krieg in vielen Fällen zerrissen worden ist. wie die Frau mit ihren Kindern, die Vollwaise ohne Eltern, die Kriegeveltern durch den Verlust ihrer Sohne in der jetzigen Zeit im Kampfe um ihre Existenz bastehen. Von diesen Gedanken geleitet hob er besonders hervor, dah die gesamte Bevölkerung angesichts dieser Tatsachen den Totensonntag am würdigsten ehren könne, wenn sie es sich zur Pflicht niache. allen $jinterbtiebenen unserer Gefallenen in jeder Beziehung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ferner unterstrich der Redner, dah der Reichsbund der Kriegsbeschädigten es sich zur besonbrren Pflicht mache, durch gegenseitige Kameradschaft den Kampf um die wirtschaftliche Sicherstellung der Kriegsopfer zu bewerkstelligen. Dies alles sei im besten Sinne des Wortes di? gute Kame- raofchaft und «nnvrucrsvottttc 2 DtengeDenftet«’. Er legte hierauf als äuftcres Zeichen brr Liebe und Verehrung für die treuen Toten «inen Äran* nieder Anschlles»end spielte die Kapelle Topp das Lied: .Ich Hutt' einen Kameraden", 'velches von allen Anwesenden erUblöftten Hcmptes angehört tourbe Derart nahm die Frier, frei von jeder politischen Einstellung einen einfachen und würdigen Verlauf und verkörperte einen sinngernäftei' Totengedenktag Gegen 3*. Ubr begann ebenfalls auf dem Ehrenfriedhof die vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gvld au-geheilde Heldcn- Ehrung. an der gleichfalls eine grobe Menschenmenge teilnadm Der Gesangverein „Eintracht" leitete diese Feier mit dem feierlichen Ehor „Wie sie so sonst ruhn" ein. Danach sprach Pros. D. Karl Ludwig Schmidt. Er erinnerte an Die ungeheure Gröhe ber Menschenopfer, die in diesem Kriege gebraut wurden. 2lder umsonst seien diese Opfer nicht gewesen, wenn wir Lebenden über eine kleine, ja kleinliche Welt betrach tu ng weiter hinaus und zugleich tiefer blicken wollten Dann trete mahnend und tröstend ein groftes Geschehen an uns heran: Die Toten des Weltkrieges die Verwundeten und Krüppel und Kranken bet Schlachtfelder Europas hätten eine neue Zeit hevoufgesührt Dafür seien Millionen gestorben unb begraben tvorden. damit ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte offenbar werden könnte. Die stummen Toten verlangten laut und eindringlich nicht nach Rache unb wieder Krieg, sondern sie forderten Versöhnung unb nicht wieder Krieg. Die Vorkriegszeit habe den Weltkrieg geboren. ES liegen da die Millionen von Toten. Wer Dürfe es ernsthaft wagen, ihren 2lppell on uns zu überhören? Wie sehr werde immer wieder vergessen, was der Sinn ber Totenopfer sei! Soweit wir mit unseren Gedanken und unseren Kräften zu arbeiten hätten, fei unsere Aufgabe allein die des Friedens. Sv wollten es die Toten des Weltkrieges, denen heute und in alle Zukunft unser dankbares Gedenken gelte, denen wir zurufen: Euer Tod solk unser Leben sein. Studienrat Schoen als Dor- sitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold sprach hierauf bei gesenkter Fahne Worte des Abscheus vor dem Haft unb Krieg zwischen den Volkern, er grüßte unb ehrft die Toten aller Völker und Stämme und forderte auf, allein die Liebe unter allen Menschen alS oberstes Gesetz gelten zu lallen. Mit dem gemeinsamen De- fang des Liedes »Ich haft' einen Kameraden" wobei das Gedenken an die stummen Kameraden besonders stark an die Herzen griff, und mit einem weiteren Gesangsvortrag des Gesangvereins klang die Feier aus Turnen, Sport und Spiel. Turnen unb Spiel in der Schule. Am Freitag traten sich auf dem Trieb zum ersten Male die Lchülermannschasten der A u g u - stinerschule Friedberg und der O6er- r ealsch ule Dietzen im Wtt.spiel gegenüber. Es wurde Faust ball unb Futzba ll gespielt. Die Schüler führten so hübsche, in jeder Form einwandfreie Spiele vor, daft sie vor vielen Spielen „Erwachsener" als Muster und Vorbild dienen konnten. Friedberg konnte in Faustball 25:19 liegen, in Fuftball 2:1. 3m Lause dieser Woche wird in Friedberg ein Handballwettspiel zwischen beiden Schulen auSgetlagrn. Mögen recht viele Schulen auf diesem Wege folgen. erhalten sofort kräftigei Wohlgeschmack durch Zusatz einiger Tropfen MAGGI5 Würze. 9.320c T> Vogler, Stuttgart. 830SA VorteilhaftesterBezugingroßenOriginalflaschenzuGm.5.-. ..MAGGIs gute, sparsame Küche". Modehaus Salomon, Schulstrasse. [Wohnungstausch] Leistungsfähige 6. oß-Brennerei Wieseck, den 24. November 1924. uin«. in jeder Ausführung preiswert bei 9305c Fachmann Die Maggi-Gesellschaft hat Ihre Erzeugnisse der Kontrolle des Direktors des Hygienischen Institute der Umversltit Bori n, Geheimrat Professor Dr Martin Hahn, unterstellt (Jlulagt) g'flcn Z-Zi im-Mt zu tausche» gesucht. Lchristl. Angebote unter 017238 an den Gieß. Anz. sehr preiswerte, gebrauchsfertige, völlige Größe kräftiges Linontuch 25 £ Batist mit Tapfen u. Kante 35 cj la Batist mit angewebt. Kante 50 o) Gamaschen schwarz und braun für Kalt-und Pflanzenleime von großer chem. Fabrik als Provisionsvertreter für Bezirk Gießen gesucht. Nur Persönlichkeiten nut prima Fach- henntnihen wollen sich wenden an henkel sc (Tie., A.-G-. Düsseldorf. Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Mutter, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Groth sagen wir unseren herzlichsten Dank. Martin Dörr und Angehörige. MÄ« I uon jungem Kant- mann für fofort gesucht. Lchrinl. An geböte unter (172)7 1 an den Gieß. Sin». Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise innigster Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen °fms Johannes Schneider sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. LeistunnSfäblne Trabtwarenfabrik mit Sondererzeugnissen sucht in der n-famten Industrie nachweisbar bestens eingeführten Vertreter möglichst mit Sachkenntnissen. Angebote mit Slnaabe von Ne'erenten unter s. T. 270» an Ala-Haasenftein L Tültit. älteres »m« WW duS kochen kann, z. 1. Dez. gesucht. Frau Strasser ftfinifftr. 24. -™ Vertreter =- ber in der Lage ist, die Ware auf eigene Rechnung ^vertreiben.Günstige Zahlungsbedingungen unb Preise. Abfüllräume unb Fuhrwerk zum Beliefern ber Kund- schäft müssen vorhanden sein. Offerten mit Referenzen unter K.E. 2823 an Rudolf Masse, Köln. L06ss M AG G15 Würze hilft Fleisch sparen. Q w B B w® 8 Dünne Suppen und Fleischbrühe, Gemüse und Soßan Stellenang8böte| Tüchtiger Metalldreher z,im sofortigen Eintritt gesucht. , hält auch den schwersten Bruch ohne lästigen Druck von unten nach oben sicher zurück. Tag und Nacht tragbar, Wundwerden gänzlich ausgeschlossen. Sichere Hilfe, auch da, wo andere Systeme versagten, auch für Kinder im zartesten Alter. Vollste Garantie für Pakform (Geld zurück). Glänzende Anerkennungen von geheilten Personen werden vorgelegt, z. B.: Frau J.H. in Lüdenscheid, Bruch geheilt. Herr J.M. in Neuweier, 73 Jahre alt, schwerer Bruch geheilt. Herr H. R. in Naumburg, 78 Jahre alt, Doppel- bruch geheilt, ttrou I. Sch. in Plauen, 67 Jahre alt, Dovoelbruch geheilt usw. Kostenlose Auskunft (auch für Domen durch Dämel in Gieken, Eiienb.-Hotel, Mittwoch, L6.N0V., 1—6, in Weilburg, Hotel Nassauer Hof, Donnerstag, 27. November, 9—1 Uhr. 9303ns Bitte genau auf meine Firma zn achten. Fr, Jemg, Lorsch in Hessen. MkiMW. Dienstag, den 25. November von 1 Ilbr ab versteigere ich Brandgasse 3 eine groste Partie neuer Cchaftenstiefel und Nrbeiterichube, Tameniiiefei und Hal'. fchube, Knaben- und Kinder,chube, Sandalen, Kamelhaar- und Winter- schuhe, von 10 Uhr ab freihändiger Berkaus v. Vertikos, Sofas, Tischen, einer Vitrine, Betstellen usw., 1 Hand- Wägelchen, 1 Adl.-r-Motarrad, 2 ?. 8 , 2 Waschtische mit Marmor, Bilder, Gas- und elektr. Lüster usw. 017216 H. Leuner»., AuktiouM'«.Taxator j Vereine | Volkshochschule XST* BBeule ISl Herr Pros. Voit: „Alkohol u. Krankheiten des Körners" 0Jiec fällt aus. Linoleum war, ist uw! bteibt der bewährte Fuübodanbelag Linoleum-Teppiche Vorlagen und Läufer in durchgemustert und bedruckt stets am Lager. Tapelenhaus Ford. Miel 8580a plockstraße 14—16 Ä AüKS-Nßi ist bestes Mittel gegen Zuckerkrankheit, Magen-, Darm, Nierenleiden usw. SteiS frisch erhältl. bei Heinr. Driesch, J-einkost. Sonder-Angebot für Margarine Wir bieten ben Hausfrauen in unserer einen Butter-Ersatz, welcher feiner Molkerei-Butter ebenbürtig ist. M gM (eine GeWlr 011b 5us» aus Margarine, sondern verkauf, unsere terAxt* Wer ist der erfolgreichste JFUgir ♦ deutsche Staatsmann der Gegenwart? • ■ : ■/ ■ /■ : . Herbst- 931055 Preisaufgabe SOV&S'&EL DER KLUS - ^l8APE f,N Ott^ «XfSSEL *** (LUHV Heute: PoBa Wegri die rassige temperamentvolle Künstlerin in ihrem neuesten Film-Roman Die PmÄ Tänzerin Ein Bild südlicher Schönheit und Grazie. 017240____________________________ Winterkur für Nervenkranke und Erholungsbedürftige Harhaas Hoihehn a.Taanuo bolIVteshad. illhrt * ^ichsaußenminister Or. Stresemann !)er Führer der Deutschen Bolkspartei. Darum unterstützt alle seine bewährte । iono E Realpolitik und wählt am 7. Dezember: Deutsche Volkspartei! E>vr - steruz otmkin - I harn - ruzsie Jeder ist Gewinner der uns obiges Sprichwort in richtiger Lösung einsendet, und jeder Löser nimmt teil an der Verteilung der nachstehenden Preise : «ß»Ä oder eine kotnpLWchnnßqseinrlcbtting 1 Blotorrad oJor ein Eßsitn er, 1 Planiao o/:er ein WchnElinmor, 4.-233. Preis 200 la Taschonuh/en und eine große Anzahl kleine Preise. Die Verteilung erfolgt unter Aufsicht eines Notars Die ger. Versandkosten muß der Einsender tragen. Die Einsendung muß sofort erfolgen, verpflichtet zu nichts und ist ohne Risiko Für gew ünschteAuskunft wird um Rückporto gebeten. Schreiben Sie sofort an Globus-Versand HeiiiF.Stainm,BraunschWßig5l?o ^storiatich!spisle Heute bis einschließlich Mittwoch! Nur 3 Taffe! John Barker dergroße Abenteurer Abenteuer- und Detektivfilm in 6 Akten. Dazu ein vorzügliches Beiprogramm! werbe in altbekannter Gute. Alleinverkauf H.M,taweg46 Gegründet 1879. 8398D Eigene Reparaturwerkstätte. Zubehörteile auch für alle anderen Fabrikate. Stopfapparate für alle Systeme passend. Maschinenstopfgarne • Nähgarne Bequeme Teilzahlungen. , Meine Frau war üvslk 50Jahre mit einer T MUchen L g (edtte behaftet. Kein t hatte sie auf z ^vcker'S Patent« Mcdizinal-Seife wurden die Flechten in 3 Wochen beseitigt. Diese Seife ist Laufende wert. E. SB." Dazu Zuckooh« Creme (nicht fettend und fetthaltig). In allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien erhältlich._________________ anh Ä f Streifen GlZ-Besätze zu günstigen " Preisen im W aioee Montag, 2§. Novemder 192| Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhefien) Kr. 277 Zweites Blatt Jugend und Hochschule l & n h I 1 et h 7 tf ifl A T' c- L te jn n. n n n it n n *1 i muß zurückgewiesen inerten 2ux richtigen QhiSna' ( des St.ftfes muß d^nn auch die richtige Methode hinzukommen. Aber auch on dieser fehlt c3 noch vielfach in den Schulen. Die übliche Methode ist oft zu ver- standesmaßig Durch eine bloß versta-n e'meßi'« Behandlung, die kommentier disponiert und k l- tisiert, aber auf gemeinschaftliches Lesen und guten Vortrag ccr Dichtung verzichtet, wird defe ihres künstlerischen Charakters beraubt. Zu einem wirklichen Verständnis einer Dichtung trägt oft ein 'chönes, ausdrucksvolles Leer weit meß' bei als das beliebte Mären, t-a-3 aus der Dichtung Leben und Kunst vertreibt und von ihr nur ein Gerippe dürrer Begriffe zurückläßt. Am wichtigsten aber für die richtig- Pädagogische Ausnutzung der d-utuchen Dichtung in graph liefert, lassen sich solche Leiden, die rein nervöse'? Statur sind, aber den aus einer Er- fvanfung des Herzmuskels oder des anatomischen Apparates sich ergebenden Störungen klinisch auis Haar gleichen, reinlich unterscheiden. Bachteile der Methode find ihre subtil- Handhabung und koslspiel g-, zeitraubende Benutzung', in die Hand des eifrigen praktischen Arztes dürfte deshalb der Elektrokardiograph so leicht nicht kommen: wie etwa der Straußschr Dlatüruckmesser, der die früher sehr komplizierten Apparate dieser Art aufs Glücklichst? vereinfach e. Erst dann würde die ärztliche Ta' vollendet sein. Die schwedische Akademie der Wissenschaften, welche die Robelpreife zu verteilen hat, steht auf einer solchen Warte und ist, wie alles, was von Schweden kommt, von bestem Willen und hoher Kultur beseelt. So wird sie ja längst die Maiariabehandlung der fortschreitenden Paralyse der Irren im Auge haben unb die Erfolge beobachten. Sollte es sich wirklich als wahr Herausstellen, daß diese so eigenartig M ethode, die Paralyse zu heilen, in dem man die Äranton mit Malaria infiziert und hoch il^^n laßt, den Todesweg dieser furchtbaren Erkrankung, der jährlich Hundertkausende in der Well zum Opfer fallen, aufzuhalten und gar in einen Lebensweg umzuwandeln dermag, so wurde dem Hutdecker dieser Behandlung - es ist wvhl ein Oesterreicher - der Robeltranz wirklich mit allem R«ht zustehen. Gießens Mauern eingezogen. Ich sehe es noch vor mir vor. das hübsche Bild, wie Rektor und Student In vornehmer, halboffener, mit Blumen geschmückter Kalesche, stolz und freudig begrüßt, durch die Straßen fuhren. Wie lange liegt das doch hinter unsl Heute läßt sich weder Rektor I noch Student im Wagen blicken. Der graue Alltag hat sich auch auf unsere Universität gesenkt. Wo das Vaterland am Boden liegt, da ziemt es auch uns nicht, anders als einfach und schlicht unseres Weges zu wandeln. Aber ich möchte das Bild der wirtschafte kichen Rot, unter der wir alle, nicht zum wenigsten aber die Studierenden, zu leiden haben, hier nicht vor Ihnen entrollen. Auf etwas anderes möchte ich Ihren Blick richten, was freilich dazu nicht ohne innere Beziehung ist, ja vielleicht zu dieser Rot in Abfolge steht. Ich meine das, was ich Proletarisierung unseres Berufes nennen möchte. Ich bitte Sie, mich nicht mißzuverstehen. Ich habe nicht die wirtschaftliche Proletarisierung im Auge. Die ist freilich auch eingetreten. Soiken wir un Proletarier einen Mann sehen oder eine Frau, der oder die nicht mehr zu verdienen vermag als zum Lebensunterhalt unbe- | dingt erforderlich ist, so sind freilich wir Akademiker größtenteils unter die Proletarier gegangen. Unb zumal diejenigen unter uns, die sich dem Staate zur Verfügung stellen, müssen dankbar sein, wenn uns der Staat gewährleistet, was man das Existenzminimum zu nennen pflegt. Darüber Klage zu führen, sind wir jedenfalls nicht berechtigt, haben wir doch kein Recht, anders da- zustehen, ats unzählige andere Volksgenossen, die wie wir am Reubau unseres Vaterlandes ar* I betten. Ich meine etwa- anderes. Ich meine die gei- tige Proletarisierung, der, wie ich fürchte, untre akademische Jugend zu verfallen in Gefahr teht. Die geistige Genügsamkeit, die von jeher Das Kennzeichen des Banausen war, hat in der Rachkriegszeit, sicherlich unter dem Druck der wirtschaftlichen Rot, bedrohlichen Umfang angenommen. Wie wenige denken daran, sich ein Kapital zu sammeln über den unbedingt nötigen Lebensbedarf hinaus, ein Kapital, das sie in ernster Arbeit mehren von Jahr zu Jahr, und mit dessen Zinsen sie wuchern können zum Ruhen der Allgemeinheit. Rur im Besitz eines solchen Kapitals aber können Sie ihrem hohen Beruf | als Akademiker gerecht werden. Und worin be- ! steht denn dieser Beruf? Als wir vor Jahren unsere aus dem Felde heimkehrende akademische Jugend zu feierlchcr Begrüßung in unserer Aula versammelt batten, da habe ich ihr zugerufcn: seid Eurem Volke Führer! Ich denke auch heute noch daß das die richtige Losung ift Alle die sind unS an der Hochschule willkommen, in die Gott die Kraft gelegt hat, in ihrer Volksgemeinschaft, und wäre es mir im kleinsten Kreis an unscheinbarer Stelle, führend zu wirken. In jedcnp echten Akademiker soll ein Stück Offiziersnatur stecken. Es muß ja nicht ein General und nicht «in Oberst sein, der Leutnant tut es auch. Wem aber Gott mit seiner unsichtbaren Hand in das Zeugnis das er im Dusen trägt, und das niemand kennt als er selbst, die Rote schwach genügend eingetragen hat. der bleibe fern ober trete zurück, so rasch als möglich. Er würde doch nur hinter sich schauen, wenn er die Hand an den Pi lug (eat Und es ist für ihn und für uns besser, er sinkt zurück in die SNasse Mensch, aus der erfolgreich emporzutauchen ihm lwch nicht belieben sein und die er doch nur falschen Zielen nun richtigem Ziele juftoeben, um andere später ihm zufüh.en zu können, so dürfen nicht vom Schüler aiio te'll.nmt Das li gt aber nicht im Interest ter jug»nd. ließen Persönllchk'itea Für ih e innere Bil u g und Entwicklung ist es nicht von Belaig. ob sie einen Ueberblick über die ganze 7eut ch- Literatur erlangt, sondern für sie ist ei entsch'idend baß -h 7 ine Auswahl aus den be eulenXlc.i Erzeug- nisten unserer nationalen Dich u g inne lich r.a c gebracht wird, so daß sie für den Ausbau d-s jugendlichen inneren Menschen frud^bar tret'en. Das können ober nur solche Stoffe, die der je- welligen geistige i und sittlichen Enwick uaws stufe der Jugend entspvechen. Von diesem Gesichtspunkte und nicht vom Stoffe auS muß di- AuS- wabl der Lektüre erfolgen. Richt alles Bedeutende paßt schon für bte Jugend: woS aber für fie nicht paßt hemmt ihre innere Entwicklung, statt sie zu fordern. Das wird von denen ü'^rsehen, die die Jugend in den Schulen von der mifelhoch- deutschen Dichttmg durch den Klasizismus h n- durch bis in di- Dichtung der G-genwart mrgnchst lück-nlns suhen möchten. Mit Recht wird eine gre-ße e D-rucksichsiaung der neueren deutschen Dichtung in der Schule verlangt, aber es ist auch auf diesem Gebeto wieder wichtig r, daß die Zuge b von tiefer Di chul - zur 0.rgän .uw sprufurg au( 'Wert- und Textilschulen au^g-dehn werden soll die nicht einmal die Reife für Oon? emnXs forbern. Ganz abg s h n v n 7er ga -zlich f-hle - den Allgemeinbildung ist rutt d - rem sachlich- 2Iui II u 8 tte de« e .utei y.te. für das Hochchusittidwm unzureichend ES ist zu fordern, raß be ond.re ahliche Begabung n"-- drnn cmerta.'-rot werden tarnt, wenn über die Schulz ug i se hi.aus w:i ere hervorragende fachliche Leistungen 0^96^^ werden können. Das Siudium der Diplom^ausl^ute. Für die 3utaffung zum Studium an der Wirtschafts- und 's ztalwissenschastlichen Fakultät d.r Univ-r'itäien F r a n k f u r t u d K ö l n und dr HandetLhochchulen Berlin u d Königsberg sind vom Handels- und Kulttlsministe.-r.lm n u Bestimmungen erlassen worden. Die Zutassu, g von Smi-i-renden zur Prüftr.'g des Dipl mknu' manns erfdgt nach folgenden Grund atzen. 1 Abiturienten, die horreick?ende Anschauung der tauf man nsichen Praxis nadjtoclen. 2 . Lehrer mit der Anstellungsfahigkeit. die ein Iachr kaufmännisch tätig waren, un) Qefy^r. mit der ersten Prüfung, die zwei ^ahre taui- männisch tätig Haren und die Ersatzreifeprufung die an wirkliche Sünde gan* nabe groMt unb böt Fluch aller Volkskreunde rerbient." Damit ist von Münch zugleich «chon gc agt, wo die S huld an der erwähn len bebau erlichen Tatsache liegt; sie ist verui acht durch eine verkehrte Beh-md» lung der Poe i? durch die Leh.er. Fehler werden von ihrer Seile einmal gc« macht in der Auswahl der Dichtungen. Für diele ist oft nicht, wie :S fein soll'e. das Interesse und die Eigenart des Schülers, sondern der L.vsf das das Unterrichtsziel Bestimmende. Man arbeitet auf Kenntni se 1 s. statt sich die Empfänglichkeit für alles Schöne, Wa-re und Gute als v3icl zu leven. Man vergißt, baß es im beuifd.cn Unterricht nicht auf d.e fystemattschc Lücke. l?sigleit b.S Stofes, 'onbe n vielmehr da - auf anlommt, daß auf je'.er Allerssttl e immer rur ein solcher Stofs geböter wird, be; für den Ausiau tes jugendlick n Ino., n ebens Wertvolles zu leisten vermag. Früher wurde den Schulern in den Schulen von der deutschen Dichtung zu wenig, jetzt wird ihnen oft davon zu v.el geboten. ilm eine fo.rttchrittliche Geitaltunn io? b.ut- schen Ülnterrichts an ben b^cci Schulen hat sich vor all m ter Germnni;en-verband verdient gcmacht. Wenn in der in B rde.ei u ig keorlfse- nen Reu r nu g des trcußifdjf.i b bc c 1 Schuss wesens dies m ütnterrich' eine g-ößere Dedeu 1 ig und auch bemen.sprechend ei c gr ßere Stunden- zahl sugem'fTen wird. M je zuvor, so ist bas jedenfalls mit u; tt unermüdlichen Bestrebungen jene» D^rbailb s zurückzuflch.vn Mit Recht haben seine Be troter gellend gemacht, daß auch die deutsch- Literatur nach der Zeit G'etleS und Schillers im deutschen üln.er.ncht der Schul- te- rücksichtigl wer een muss . Aber waZ ci-ige Ger° maniflcn unter dem Qianen „Deuischkunde' von diesem Anterricht verlangen, gch. doch ma-chnar zu weit. Sie bringen auf der ilnte”- und Mittelstufe z. T. zu viel rein Philc logisch es in ißn lsiv.ein und befördern ixuuit w.eee einen bloß intel.eltualisti ch n Bered, um> fi fte.'.et zuwei- Icn für die Ob.Tiluie einen Leltiliekanon auf. der von ben ältesten ^c /.mä'cr • un e e Sp a ne bis xu ben zeitg nössis-.e, Dich-ern reicht, und der selbst bei . frigfter häuslicher Privallektu« nicht bewälligl weroen kann. Damit wirb auch wieder bar' Unterrichts'-i-l vom Stoffe, und Freilich muß sich bem geiftigei Kapital em sittliches lugefclten. Wer im Le e 1 führen will, muf: feiner eigenen Leb-nsfüh.ung siche se n Darüber aber darf ich mich kurz fassen: ich e^e ja zu Erwachsenen, ilnb doch muß ich an etwas rühren n>as immer wieder An atz zu M ßh-l g leiten gibt. Ich meine die sm?en ische Fröhlichkeit. Fürchten Sie von mir, der ich selbst ein fröhlicher Student gewesen bin, nicht, baß ich mich in allen Tagen pharisäisch geberten werde. Rur auf eiees mochte ich hinweien: Wie die Tyrannenmacht, so hat auch die studentische Fröhliel)keit ihre Grenze Die e Grenze aber ist die Oeffentlichkett, und to c- berum die Oeffentlichkeit ist ein empfind ich Ding, in heutigen Sagen noch empfindlicher als früf«r. Was wir in un'eren vier 'Wänden tun, ist unsere Sache: so bald wir sie verlassen, müssen wir uns klar sein, daß wir uns der öffentlichen Ordnung einzugliÄ>ern und zu fügen haben Eine studentische Ausnahmestellung gibt es nicht, gibt es jedenfalls nicht mehr. Wie es dem Studenten von heute versagt ist, sich als Herr der Erde zu fühlen, vom breiten Steine nicht zu wanken und zu weichen, so steht es ihm nicht an, die Rachtruhe seiner Mitbürger zu stören, oder durch unziemliche Scherze, vielleicht an sich harmloser Ratur. die Hüter der öffentlichen Ordnung zu reiten. Die find auch Menschen und greifen als solche oft vorbei, vermutlich gelegentlich rascher und derber zu, als unbedingt erforderlich wäre. Sollten Sie in dieser Beziehung berechtigte Klage zu führen oaben. so dürfen Sie bei der afabemi- I schen Behörde, und nicht nur bei ihr, vollen | Verständnislos sicher sein Qlber ich muß Sie dringend bitten, auch Ihrerseits jeden Anlaß zur Klage zu vermeiden. llnb eins möchte ich mit Rachdruck sagen: der Alkohol ent-schuldigt nie, sondern verstärkt nur das Vergehen. An die erste Stelle seht unsere Matrikel die Pflicht, den Gesetzen Gehorsam zu leisten. So wenig wie auf baß Gebiet der Morastheolvgie, bars ich mich hier auf bas Gebiet bee Politik verirren. Aber jene Ford-rung ist von den Schwankungen der politischen Ansichten unabhängig. Der junge Akademiker, der sein Ziel unverrückt un Auge hält, maß seine Ausgabe bann sehen, das Vergangene mit Ehrfurcht zu würdigen, das Bestehende verständnisvoll zu achten und das Werdende gew.sienhaft vorbereiten zu helfen. Das ist eine hohe Aufgabe. Rur, wer sie richtig anpackt darf erwarten, sich später unter ben Führern seines Volkes zu sehen. Daß Ihnen Allen das beschieden sein möge, bas ist der Wunsch mit dem ich Sie nunmehr aafforberc, zu mir heranzutreten und ihr Gelöbnis abzulegen. Willem Einthoven. Don Dr. v. Die uten. Ser melvinfd) pH ,KI g Pr> r S « - r der Robelstiftung ist in bt.fen und drei Jahren taufmänni cher Tätigkeit bei Reife für Oberefunba. Deutsche Dichtung und Schule. Don Prof Dr. Gerhard Dudde-Hannover. Es ist eine beider nicht zu leugnende Tatsache, baß ber Teil d-r brutschen Dich ung. ber in der Schulen behanbelt wirb, von l:e.n snihe en Sch i- lern im späteren Leben meistens nicht w-.eder gelesen wird, weil, wie sie sagen, die Schule sie ihnen verekelt hat. Darüber wurde besonders vor mehr als zwa rzig Iah en auf bem Weimarer Kunsterziehungstage g flogt, das ist aber auch sonst immer wieder von einfichtig-n Manner,-, bedauert worden. So tagte darüber seinerzeit D Mü'ch in seiner „Zulu ftspäragrgi^: »Durch fa'liche Schulm-ist-rm uifere edelsten Dichttrrgen der Jugend auf Lebenszeit verleidet zu ßaben — und di- Zeugnisse, daß bas gech-hen^ ist unb geschieh: sinb immer lauter und reichwch-r geworden —, ist eine ber schlimmsten De-fehlung-n, deren sich ein Iugenblehrer schu'chig machen kann. überhaupt jede Aktion ber lebendigen Substanz, werden ^Aktionsströme" genannt Die tätige Substanz ist dabei elektrisch, positiv wir Zink, toafr- ren b bie ruhende negative wie Kupfer ist. Diele nun so überaus geringen elektrischen Strome des Herzens, also auch eines bewegten Mus- kels toerben durch Einthovens Erfindung „Das Ginthovensche Sa tengalvanometer" abgetan gen, verstärkt und gemeffen. Selbst die verstärkten Bewegungen sind so fein, daß sie, um von unseren Sinnesorganen ausgenommen werden zu tonnen, zunächst noch in sünihunberttacher Vergrößerung beobachtet werden muffen. Der Schatten eines Platinsadens, von mikroskopischer Feinheit, der bie Bewegungen zeigt, wird cm euren 8ar en belichteten Spall geworfen, an dem die Vfrvto- ara h r± Platte vvrbe.gezogen wird. Dadurch erhält man höchst charattersittsche Kurven, und >Mr zugleich mehrere, von denen besonders zwei für bie Analyse ber Herzbeweaungen verwertet Derben können. Um bie Bearbeitung und Erklärung ber Ergebnisse dieser Aufnahmen hat sich besonders ber Berliner Kliniker ®efreim- rat Kraus verd.ent gemacht, ben wttauch das Lehrbuch über diese Dinge verdankeltz» Vas Elek- trotorbiDgramm, wie man bie 3ufan^*nf*ellung ber Kurven derselben Messung nennt, . es ermöglicht. viele Herzzustände genauer, als das mit dem früher vorhandenen Methoden zu leisten war, zu ertoclchen. Besonders würde auch eine genaue Scheidung ber organischen unb funktionellen Leiden herbeigeführt; aus ben Kurven I ber Herzbewegungen, wie sie der Elektrokardio- Die Johl der Studenten im S. S 1924. Die -Zahl ber an ben brutschen Universi'äten immatrikulierten Studierenden ist seit demW. S 1919 20 ständig zurückgegangen. Wahrend sie damals 89 346 betrug, war sie im letzten Sommer auf 63 736 gefuntm. De Gründ- des Rückganges sind b-kann Eimnal ist di- Häufung der Studierenden infolge der Rückkehr dec Kriegsteilnehmer langsam ausgeglichen: bann haben viele Werksttidenten, bie mit bem zunehmenden wirtschaftlichen Rückgang entlafsen wurden, ihr Studium aufgeben muffen und endlich hat die Gcbührenerhöhung das ihrige getan, um nicht nur vielen sogen Listenstudenten, b. fr solchen, bie neben einem festet Beruf immatn- kul ert fein wollten, sondern auch leiber sehr vielen finanziell schlecht gestellten wirk i ei Studierenden die Weitei-führung d^s St iblums un- mögl ch zu machen Mag dies^ mit R'äck icht auf bie ilcbcrfüfhmg der akabemifchen D-r 1 e auch sein Gutes hab n. so kann nicht oft genug auf tie Gefahr h.ngewiesen w-rien. bie bar.n lieft, baß medizinischen, chemischen unb physischen Fichen baß Urteil vielleicht schwer ist, wirb es uns bei ben D.chtern leichter: Björnjon, Mistral. Echegaray. Sienkiewicz, (Sarbucci, man sieht eine bunte Reihe von Nobelpreisträgern unb ist verwunbert über bie Gradunterschiede wie man auch über Th-odor Roosevelt als Träger des Friedenspreises doch wohl nur einerlei Meinung sein kann. Auch bei Pros. Willem Einthoven kann es Vorkommen, daß man zehn ober zwanzig Wissenschaftler fragt, ob ihnen seine Entdeckungen bekannt wären unb hört von allen ein bescheibenes Rem. Ratürlich noch keineswegs ein Gradmesser für ben Wert der Arbeiten, wie oben ras Beispiel Ramon y Cayals unb Golgrs zeigte, benen kein Sachkenner ihre große Debeutung für bie Entwicklung ber Rervenforschung absprechen ttnrb. Dann aber hören wir von Mo aber d kenntnisreicher Seite, bzw. wisien als Fachgelehrte, daß neben zahlreichen wertvollen Arbeiten über bie Eigenelekt rizi tät ber Muskeln und die Physiologie ber Saat auf bie Anregungen unb Studien Einthovens bie Herstellung unb Benutzung bes Elektr 0 k ar b i 0 ° gravhen zu ück.u übre.i st eines f.in ernpsind- sichen diagnostischen Apparats be. es 'ermöglicht bie Muskellätigkeit in den einzelnen Abschnitten des Herzens zu messen unb festzulegen. Sicher eine bedeutsame Erfindung. Jene nur mit den empfindl chsten Instrumenten nachweisbaren elettrischen Ströme, welche die Tätigkeit iedes Muskels, jedes Rerven. jeder Drüse erzeugt, SeidEuremDolkeFührer! Irnmalrirulations-Ansprache, gehalten von Professor Dr. ® u ft a D Ä r ü g e r, Rektor der Landes- Untocrfität. Meine Heben Kommilitonen unb Kommilitoninnen! Sie wollen au mir herantreten unb durch Hanbschlag feierlich geloben, baß Sie Willens sinb, ben Gesetzen Gehorsam, ber Obrigkeit unb Ihren Lehrern bie schuldige Achtung unb Ehrerbietung zu erweisen, sich eines sittlichen Lebenswandels zu befleißigen unb Ihren wissenschaftlichen Stubien mit Eifer obzuliegen. Lassen Sie mich, bevor wir biescn feierlichen Akt vollziehen, einige Worte an Sie richten, um bas, was unsere Matrikel in kurzem Satz zusammenfaßt, zu veranschaulichen unb lebendig zu gestalten. Ich stehe vor Ihnen nicht ohne innere Bewegung. Als ich vor 22 Jahren zum erstenmal daS Rektorat führte, da war unser Daterlanb im Aufstieg zu der Höhe begriffen, um die die Völler ringsum es beneideten. Unb an bidem Aufstieg hatten auch seine Universitäten teilgc- nommen, nicht zuletzt unser Gießen. Unter meinem Vorreklor war ber tausenbste Stubent in dw Schule Rnb tüchtige Dehver. -llvchrerne ’Scr- sE^eSnrmschen fottten memaö mit dem beut- ’^n Unterrichte betraut werden, wenn sie auch die erforderliche facultas docendi besitzen. Für die Wirkung dieses Unterrichtes sind inne er € dazu Begeisterung für geistige und sittliche Ideale von feiten deS Lehrers Wer diese Eigenschaften nicht besitzt, lasse die Hände davon. Unphilosophischr Köpfe und amusische Menschen bringen bieten Unter» richt um seine menschenbildende Wirkung, wenn sie auch vielleicht von germanistisch philologischer Gelehrsamkeit strotzen. Deshalb ist die richtige Auswahl der Lehrer für das pädagogische Ergebnis des deutschen Unterrichtes von der größten Bedeutung. Wo aber wirklich tüchtige Lehrer in diesem Unterrichte tätig sind, da sollten die Schulaufsichtsbeamten und die Leiter der Schuten sie frei gewähren lassen und sie nicht mit nörgelnder Kritik belästigen. Solche Lehrer sind schon in manchen Schulen am Werke. 3e gröber ihre Zahl wird, desto mehr werden auch die Klagen verstummen, datz die deutsche Dichtung in den Schulen der Äugend für ihr ganzes Leben verleidet werde. Dann wird auch die Aeußerung, die einer der bebeutenbften Schillerkenner und Schillerinterp leten der Gegen- uxirt gemacht haben soll, dah es nämlich eigentlich zu bedauern sei, daß Schiller in die Schulen hineingekommen fei, ihre Berechtigung verlieren. landen wird zreivewutzt von allen unseren Rach- barn fortgesetzt. Die oberschtesische Begschule zu Tarnowih. die seit Friedrichs des Groben Zeit besteht, ist nun auch Polo irisiert. Die Tschechen haben die deutsche Forstschule zu Eger zugleich mit der Feier ihres 25jährigen Bestehens aufgelöst. Die Italiener lassen die deutsche Ror- malschule in Bozen eingehen: in Südtirol soll mir noch italienisch gesprochen werden. Die Rumänen haben die deutsche Schube in Galutz, eine aus Stiftungen errichtete Anstalt, liquidiert, d. h. geraubt. Die Verschlechterung des russischen Schulwesens. Der Sowjet kvmmissar für Erziehung Lunar- scharski hat den Sowjets einen offiziellen Bericht erstattet, der in der „Prawda" veröffentlicht wird und interessante Angaben enthält. Rach dem Bericht gab es vor den K .stege 62 003 Elementarschulen mit 4 2COOOO Schülcrn: diese Zahl war 1921 auf 76 000 Schulen mit 6 Millionen Schülern gestiegen. 1922 erstlgte eine bedeutende Abnahme und die letzte Zählung vom Oktober 1923 weist nur noch 49 000 Schulen mit 3 700 000 Schülern auf. Die höheren Schulen, die sich vor dem Kriege auf 1063 beliefen waren 1921 auf 3700 gestiegen: es gibt jetzt noch 2028. Bcsmdcrs schwer hat durch die Ungunst der Verhältnisse das Erziehungswesen au b e r der Schule g li len: es gab über 4000 Ki n derheime für Kinder in noch nicht schulpflichtigem Al.er und mit 213 000 Insassen. Jetzt gabt es nur noch 715 Kinderheime mit 4000 In'assen. Lurar charsli b eklagt dann weiter die traurigen Dewhält.nste an den Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, die ungenügende Bezahlung der Professoren und die mangelnde Fürsorge für die Studenten. »Wir müssen unter alten Umständen mehr für die Erziehung tun," schließt er; „wir verwenden heute sehr viel weniger für unsere Studenten als vor dem Kriege ausgegeben wurde." Der Kamps gegen die deutsche Schule. Tie Bekämpfung deutschen Geistes in den ehemaligen deutschen bzw. österreichischen Grenz- der Parteien zu den 5 jt Der Aufmarsch ahlen in Hessen. (Don unserer Darmstädter Redaktion.) Am Freitagvormittag hielten nacheinander der Landeswahlausschuh und der Kreiswahlausschuh Sitzungen im Kreisamtsgebäude in Darmstadtab. Der Landes- wahlaus schuß hat die Wahlvorschläge für die Landtagswahl und der Kreiswahlausschuh die Wahlvorschläge für die Reichstagswahl rn Hessen festzustellen. Die Verhandlungen, die den ganzen Vormittag in Anspruch nahmen, standen unter der Leitung von Ministeiäa!rat B o r n e m a n n, die Par eien hatten hierzu stimmberechtigte Vertreter entsandt. Vor Eröffnung der Sitzung gib Generalsckre- tär Kolldach von der Deutschen Volkspartei die Anregung, die Reihenfolge lRurnme- rungs der Wahlvorichläge für die LanddagSwahl in derselben Weise vorzunehmen, wie bei der Reichstagswahl. Es sei dies der Wunsch aller Parteien, die bereit wären, die Plätze auf dem WaUzettel zu wechseln. Der Vor itzÄrde meinte, dies Jci nicht möglich, weil es im Hessischen Land- tage^Parteien gäbe, die im Reichstag nicht vertreten seien. Die Rummerung des Landtags stimm- zettels müsse, .den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, nach der Reihenfolge der Eingänge vor genommen werden. Eine Aende ung könne nur ein Deschluh des Gesamtministerrums herbeiführen. Sie Rummerung des Reichswahlzettels st^e überdies noch nicht fest. Rach diesen Erklärungen wurde die Sitzung eröffnet und die Mitg'ie -er wurden auf ih: Amt verpflichtet, die Wahlvorschläge zu prüfen und festzu stellen. Die ei "gereichten Wahldorschläge totetert zahlreiche Märg l auf, die jedoch Mmeist nicht schwerwiegender Qlatur waren. So fehlten bei mehreren amtlichen Teschrärigu"gen über die Personalien der Kandidaten die Stemvel des Bürger- meisteiamtes. in einem Falle sogar bei einem Kandidaten, der selbst Bürgermeister ist. Ein Bürgermeisteramt beschränkte sich nicht auf die Feststellungen der Personalien eines Kandidaten, Anwesenden mit gLbührender Heiterkeit auf genommen wurde. Mehrfach waren die Descherni- gungen von der Polizei, statt vom Dürgermei!ev- amt ausgestellt; dies wurde nicht weiter beanstandet. Gemäß einem Deschluse wurde die Bezeichnung Landtagsabge^rdneter gestrichen, aber merkwürdigerweite blieben Dezeichrungen wie E-tadtverordneter, Kreistagsmitglied und selbst siellvertr t n er Handelskommervor itzender stehen. Kleine Abweichungen in der Schreibung der Ra- men und Zusätze zur Verdeutlichung w >rden vr- genommen. Aus den nstionalsoziolisti che i Wa l- vorschlag wurden Ramen g-stckchen, we l die Erklärungen der Wcchllon didaten und die amtliche Bescheinigung nicht b,eigebracht waren. Es wurden die folgenden Wahlvorschläge für die Landtagswahl für festgestellt erklärt (die Bezeichnung ist zugleich das Kennwort auf dem Wahlzettel): 1. Sozialdemokratische Partei. Landesliste. D-ginnend mit Ulrich, Karl, Staatspräsident, Darmstadt. 2. Liste der Kommunisten. Land es liste. D g'nneid mit Roth, Katharina, Hausfrau, S-p.endlingen. 3. Deutschnationale (Hessische) Dolkspartei. Provinzlisten Starkenburg: Degenend mit D. Dr. Diehl, Prälat, Darmjtadt. Ober* Hessen: Beginnend mit Sw. Werner, Prof. Studienrat, Du ,bach. Rheinh'.ssen: Beginnend mit Bohrn, August, Arntsarwtllt. 4. Vereinigte schaffende Landwirte. Landes liste. Beginnend mit Schwinn, forst- und landwirtschaftlicher Sachverständiger, Schöllenbach im Odenwald. Aus den Verhandlungen ging hervor, dah die Unterschriften zunächst nicht in Ordnung wa- sondern fügte noch hinzu, dah über ihn nichts I ren, später wurde eine neue Liste eingereicht, Rachteiliges bekannt geworden sei, was von den • von der einige Ramen gestrichen werden muhten, wt-m icrrrTXTH'jiTjnM rmr~xxvg und f^etete sein Leben nach eigenem Gefallen. Im öurm von Eindrücken des 'Augenblicks, auch in ruhiger .Ueberlcgung — wie es ihm paßte . . . Es klopfte an der Tür. Der junge Qltonn überhörte es. Er hatte sich gebückt und durch- hamte den Papierkorb nach einem verlorenen Rotizzettel. Aber er fand ihn nicht und gab dem Papierkvrb einen Fußtritt. Sie Tür schleifte auf. Das behagliche Fallengesicht des Ehefs der Personalabteilung lugte in das Zimmer. „Grüß Gott, lieber Graf," sagte er. „Haden Sie einen Dusel!" Er schob grinsend seine Falten auseinander und trat ein. Und da. er ein Mann der Ordnung war, suchte er die zerriffeien Bogenschnitzel wieder zusammen, dir der Fußtritt Gert HoraZ aus dem Po_pierkorb geschleudert hatte. Gert half ihm dabei. „Liebster Geheimrat." sagte er lachend, „das ist doch nicht nötig! Also Dillel. Berufen D.e es nicht. Sie Göller sind neidisch aus Tradition Was ist los?" Ser Geheimrat hob den Zeigefinger seiner rechten Hand. „Rachricht aus Peking, Graf Hora LambSbrrg ist schon unterwegs nach Guatemala . Sie können alle Vorbereitungen zu Ihrer Aorei e j treffen." „Ra. Gott lei Dank," rief Gert. „Doch mal eine Abwechslung! Hier versaure ich langsam. . Ich bin lange genug Hilfsarbeiter getreten Es ist mir auch aus andern Gründen ganz lieb, ein * paar tausend Meilen weit fortzukommen . . . Für mich?" Die Frage galt dem Karzl idiener, der einen Brief brachte. Das ewig suchende Zwinkerauge des Geheimrats fuhr über den Umschlag. Es entdeckte auf der Rück eite eine lichtblau rmrl scne Vignette mit einer roten SHeide auj Weih. „Iopmischr Angel>g:nh it,“ sagie er trocken. Gert ixr5 g nicht die Miene. 2I.ec er är erte sich Er hatte Clemence schon einmal gebeten, nicht immer das Papier der Gesandtschaft zu benützen. Er trat an den Schreibtisch zurück, riß im Lichtfleck der Lampe das Kuvert auf und überflog mit eilendem Blick den fvcrnKösisch geschrieben neu Inhalt: „Liebster, ich springe gegrn zehn zu dir hinauf, ich mutz dich sprechen. Bist du noch nicht da, so bleibe ich. (Sterne tce." „Erne Verabredung," sagte Gert und steckte den Bries ein. „Dars ich mich empseh'.en. Herr Geheimrat? Mein Vater erwartet mich" „Geh rsamster Gruß an die Exzellenz." erwiderte der Geheimrat und Derne gte sich ein wenig. „Was macht denn der alte Herr? Langweilt er sich rächt in der Einsamkeit von Groh- Ponar?" „I bewahra. Er schr-ibt an einem Kochbuch, das vertreibt ihm die Zeit." „Köstlich, ganz köstlich! Ci ja, ich weiß, er war immer ein Gastrosoph. Er hat auch eine Sauce erfunden, so eine Art (Doublte- Wie nennt er sie doch? . . . Aber ich halte Sie auf. Ich verdufte Wiedersehn, lieber Graf." 2llle Falten vereinten sich zu ei"em freundglättete mit der Dürste sein Haar. Heiterer warf der Spiegel das Bild zurück. Allgemein sprach man von der großen Aehnlichteit des jungen Hora mit seinem Vater. Sie war unbestreitbar. Aber die aristokratische Lä s gkeit deS alten Hofmanns fand in der J ugend sl ügge und der rhy h- mischen Kraft des S hnes ein Gegengewicht. Er spürte die Dekade.iz im Blut und such e sie sportlich zu meistern. Vieles war rein spekulativ in ihm. Er betrieb den Sport ohne Leidenschaft, nur zur Stählung der Rerven. Er hatte in London bei einem Boxmnster Unterricht genommen, well ihn in Whitechap.l einmal ein Strolch überfallen hatte. Er hütete sich vor der Mode, um nicht im Gleichtritt mit anderen zu hie ben. Er schuf sich eine eigene Mode: aus eigensinnigem Widerstand gegen das. was man für selbstverständlich hielt. Die jungm Heren gingen meist glatt rasiert, er trug einen Schnurrbart, strich auch das Haar nicht von der Sckm in den Racken, wie es beliebt war. sondern scheitelte es. Er klemmte kein Einglas in die Au eechöhle. weil das jeder Ladenschwengel nach Feierabend tat. Er suchte nach Geg -n'LhliHkei.en. blieb aber dabei auf dec Ante des Aeuheven. (Sein Widerstand erlahmte leicht bei wachendem Ernst. Da gab er oft überlegungslos nach und ließ vom Schicksal sich treiben. — Als er auf die Straße trat, regnete es. Aker am Dilh-lmplatz gab es sicher Droschken. Er spannte seinen Schirm auf und steuerte los Es windete stark, »der Regen schlug ihm in das Gesucht. „Ekelhaft," sagte er und neifte den Schirm nach vorn. Das tat auch die Dame die ihm entgegenkam, und so fuhren die beiden Schirme auseinander. „ Verzeihung." rief Gert und wich aus Ditte " antwortete die Dame, und dann crSamrten sich beide, und beide blieben stehen „Wohin, schöne Äu irre?' fragte Gert »Hast du nicht eine Droscht? bei dir?' fragte ee zurück. „Olein, auch keine Kirchenuhr. Abe: am Wil- I Helmplatz . . . Halt, da kommt so ein Vchikel!" ... Er rief, er pfiff und schwenkte den Regen- schirm. Sic Droschke rumpelte wassertrllse d Heron und hielt. „Also wohin?" wiederholte Gert. „Wohin du?" „Krausenstratze, zu Onkel Geisbach" „Rimm mich mit, ich fahre dann weiter. Allerhand Besorgungen. Will auch noch zum Justiz- Minister." Er hatte den Wagenschlag aufgerüfen, ließ sie einsteigen, rief dem Kutscher zwei Worte 511 und setzte sich ihr gegenüber. Sie hatte jetzt den Schleier zurückgeschlagen, und ihm sch eu, gI3 um- Zirkle ihn aus dem tiefen Eisengrau ihrer Augen ein eigentümlich forschender Dl.ck. „Zu Onkel Geisbach," sagte sie. IhreSttmme, die auch, voller Ackkorde sein tonnte hatte den nervös spöttischen Beiklang, den er kannte. „Da soll das Lämmchen geopfert werden, nicht wahr? Man hört so allerlei." „Wer hören will, hort immer. Und wer den Klatsch liebt, am meisten." „Ist es bloß Klatsch?" „Bitte, was?" „Deine Heirat mit Theda Geisbnch." „Ist meine Sache und ihre." „Richt ganz allein. Cs gibt auch eine Judikatur der Gesellschaft. Willst du dich unmöglich machen?" „Ach Gott, Lexe, ich meine, du mühtest mich kennen! Was schert mich die Geellschäft! Ich lebe meinem allerpersönlichsten Ich. Und bleibe immer der, der ich bin. Auch toenn ich Theda heirate." „Rein." antwortete sie, „bann bleibst du nicht, was du bislang warst: der Ehrenmaim." „Hallo," rief er, „laß deine Zunge nicht durchgehen. Lexe!" ... Er wollte hes iz werden, sah ein Winken ihrer Hard und lenkte ein. . . „Soll ich dir Erklärungen neben? Fällt mir nicht ein. Aber eine Frage: Sind mein Vater unb Geisbach nicht Leute von Eh c?" „Wer sagt das Gegenteil?" „Indirekt du. Denn ich folg: dem Wunsche der Väter und — hör' zu — auch dem 5>erzens- wu nsche Thedas ." „Einer Todeskandidatin." . Ist sie das wirklich, W2s üb.igen5 noch lange nicht ; st steht, so würde meine Rachgiebigkeit um so begreiflicher sein." lrchen Gesamtspiol Ster Eehetorva' en Ichwan). Im Halb unkel der Zimm recke Hute ein'M verschossenen Vorhang tou ch Gert sich ie Hände Heber dem Becken im Er engest"ll ti g ein Spi^g ( In dem falten Licht, da' Üter das stoch, sah Gert 'ein ernst gewordenes 'S * srcht. Warum die Maste? fragte er sich. Es | Ale rad krllichtrrt die S achlage. Man mutz noch Ab ,ie) n hnrn man muß der Finya. o'fchSSLriß Gest löste .ha auf Wroch er zu sich s-Mt. Erst Onkel , Geisbachs .etzt, Vorschlä<»e h)ren Keine Ueber- ellung ... Er trocknete sich die Hände und 1 tret treu tn Me ötd^erlXnt Des /swgere rode toerben durch die 6crrfationd(uft getDi'fendlofcr Berichterstatter irre gemacht, die .berspannungen ml weithin l uch.ei- den Lampen angelegt werden. — Das Landwirtschaftsamt Büdingen hält in diesem Winter da hier einen Abendkursus ab, der sich auf eine Woche erstrecken soll, um interessierten Landwirten Gelegenheit zu geben, sich über alle Fragen der Dodendüngung informieren zu Dirnen. *Dleichenbach,22 Rov. Rach Zuteilung der hn Feldbereinigungsverfahren geregelten Grundstücke wurde der Rormalmorgen Ackerland für 150—300 RN. verpachtet. — In Redenbach wurde nach Durchführung der Feldbereinigung der Rormalmorgen Masseland für durchschnittlich 1800 Mk. verkauft. Kreis Schotten. Ulfa, 22. Rov. Die Umwandlung unserer Postagentur in eine Post Hilfsstelle macht sich weniger unangenehm bemerkbar. als man anfänglich befürchtete. Der täglich zum Bahnhof Ober-Schmitten fahrende Mtlch - f uh rmann ist vertraglich verpflichtet, die auf dec dortigen Postagentur lagernden Pakete hierher- zubringen und die hrer aufgegebenen zur Weiterbeförderung mitzunehmen. Rur dte Brrespost- bcslellung verzögert sch um mehrere (Stunden, da die Bestellung der anderen, zur Pvstagentur gehörigen Orte vorausgeht. Kreis Alsfeld. - Alsfeld, 22. Rov. Wie die „Oberh. Ztg." berichtet, machen sich Gänfediebe in letzter Zeit in der Umgegend sehr unangenehm bemerkbar. So wurden einem Landwirt tn Heidelbach 7 Gänfe gestohlen, nachdem die Diebe das feste Gitter des Fensters am Gänfe- stall erbrochen hatten. Die Tiere wurden an Ort und Stelle abgefchlachtet und — wie Feder- und Blutfpuren bekundeten — nach Holzburg zu fortgefchafft. In Hattendorf liehen Gänfediebe sogar 20 dieser begehrten Braten mit gehen und verluden sie auf einem im Dotzelröder Wäldchen wartenden Wagen. Auch das kleine Fischbach hatte Besuch von diesen Dieben, die dort einem Landwirt 7 Gänse und einem anderen Geflügelbesitzer 7 Hühner stahlen. Hier führte die Spur nach Merzhausen zu. Man wird wohl behaupten können, daß für die gestohlenen Tiere die Parole galt: „Ab nach Kassel!" • Ermenrod, 22. Rov. Auf Anregung von Pfarrer Georgi wurde in unserem Kirchspiel auch in knesem Jahre wieder eine Haus- sammrung für bae öltfabetbcnRtft in Darmstadt veranstaltet. Kartoffeln, Kohlraben, gelbe Rüben, Wirsing und andere Liebesgaben wurden gesammelt. Die Sammlung wurde auch in den Rachbardörfern Groß-Felda, Kestrich, Windhausen vollzogen und von hier auS in einem Waggon nach Darmstadt versandt. Pfarrer und Lehrer stellten sich gern tn den Dienst der guten Dache Starkenburg und Rheinheffen. A Darmstadt. 23. Rov. Wie wir bäten, beabsichtigt das Mutterhaus der Bin - zentinerinnen in Köln-ReppeS die ehemals Lossensche Klinik in Darmstadt zu kochten und in den Räumen eine Klinik mit ortbohäbllcher Station und Krüppelheim einzu- richten Das Gebäude befindet sich s Z in Pacht des hessischen Staates und mirh von der Polizei benub*. Danrit würde die allseits bekannte ehemals Lossensche Klinik wieder ihrem ursprünglichen Zwecke als Krankenhaus zugeführt. Hessen-Nassau. dH Bieber. 23. Rov Zur Ehrung ihrer gefallenen Kameraden und Brüder vereinigten fich beute bei Krieger- verein Bieber mit der ®cfblg1d)ofl des Iungdeutschen OrdenS von Rodheim (Bieber). Mil umflorten Fahnen zogen die beiden Korporationen im geschlossenen Zuge zum Fried- Hos in Bieber, wo sich eine große Anzahl Einwohner von Bieber und Rodheim eingefunden hatte. Mit kurzen Worten legten der Vorsitzende deS KriegervereinS und der Gefolgsmeister de« Iungdeutschen Ordens je einen Kranz am Ehrendenkmal für die Gefallenen nieder. Hierauf hielt Hauptlehver Göll. B.eber. eine kurze Gedächtnisrede. In kernigen, echt deutschen Worten gedachte der Redner der vielen Gefallenen, deren Gräber in Süd, Oft unb West zerstreut liegen. Ob sich dort beute jemand um ihre Gräber bekümmert? Aber wir, für die sie ihr junges Leben dahingegeben haben, für unS ist es eine heitige Pflicht, ihrer tn Treue zu gedenken Mit dem gemeinsamen Liede ..Ich batt1 einen Kameraden," wurde die kurze, aber eindrucksvolle Feier geschlossen. — Heute, aus '-echnet am Toten- fonntofl," wurde von —teilen der sozialdemokratischen Partei in Rodheim (Bieber) der Wahl kamps begonnen. S. Frankfurt a M., 22. Rov. Zum Wiederaufbau der alten Drücke bat der Brückenbauverein von der Regierung die Genehmigung zu einer großen Lotterie erhallen. deren Reinertrag dem Brückenbaufonds zufließt. Der erste Preis ist eine Sieden- zimmervilla, die nächsten Preise Einfamilienhäuser. Da die Lose nur eine Mark kosten, wird mit einer außerordentlichen Beteiligung gerechnet. — Die Weihnachtsgaben für bedürftige Kinder sollen nach einer Anregung des Bürgermeisters Gräf durch K Inder Patenschaften nach dem Muster Amerikas verteilt werden — Der Frankfurter Rundfunksender wird eine Funkhoch- schule einrichten, die auf drahtlosem Wege ohne besondere Kesten bk Weiterbildung der Höver übernimmt. Eine Reihe von Dozenten der Frankfurter Universität wird regelmäßig durch den Sender Vorlesungen halten. Die Funkhochschute wird am 14. Dezember hr Anwesenheit be8 Staatssekretärs Dr. Bredow eröffnet. Bebra, 22. Rov. (Ttt.) Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. läßt jetzt sämtliche Eifenbahnbrücken an der Strecke nach Frankfurt v c r st ä r k e n. Die Drücken haben durch das Befahren mit den neuen schweren Schnellzugslokomotiven gelitten, weshalb jetzt auch wieder die leichteren eingestellt worden sind und die Züge meist von zwei Maschinen gezogen werden. Wirtschaft. • Abnahme der GeschäftSaufsich- tenimOktober. Rach den fori lau enden Feststellungen des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels ist die Zahl der seit Mai ds. Is. unter Ge chäftsaussicht g stelltm Leut «Her Fi men bis zum 1. Rovember auf insgesamt 3554 (g gM über 3389 am 1. Oktober) gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von 265 int Monat Oktober im „Reichsanzeig r" bekannt gemachter Ge chäftscmf- sichten (gegenüber 301 im September) Bis 1. Rovember sind insgesamt 1812 (bis 1. Oktober 1394) (Bin Zucken hob ihre Schultern. Sie lehnte sich in die Wagcnecte und sagte in scheinba cm Gleichmut: „Streiten wir nicht. Du hast cs immer verstanden, mit schöner Geste übe: alle Bedenken fortzugleiten — auch über die Moral." Dies Wort fing er auf und wurde boshaft. „Streiten wir nicht." wiederholte er. -Lere^wvl.- ten du und ich über die Grenzen der Moral disputieren, es konnte doch nur eine lustige Satire werden!" Sie konnte der Blutwelle nicht wehren die ihr Gesicht überflutete. Sie fühlte ihr Herz schmerzen, es nxir wie ein krampfig-s 3uldern einer Leidenschaft. Es la^ gewöhnlich ein H uber Stolz auf xb'.em Ge schi- Jetzt trat etwas Hochfahrendes m ihre Rirene und um den Mund ein mißglückter Zug von Verachtung. Er lächelte und änderte den Ton. „xrcrc, sagte er. „du sprachst von dem Iustizmrnriter. Was willst du bei diesem hohen Beamten. „Gi prüf) meine Wahl zur Domina von Wese bürg betätigen,“ anttooretc sie. ®ert lüftete feinen Hut. „Gehorsamste Gratulation Al o du wirst Aebtissin. Rech: so. Du bist die geeignetste. Hast ja auch schon fest zwei Jahren die Verwaltung des Ssisls so gut wie allein geleitet — keine Kleinigkeit bei der um- fan greifen Herrschaft. Aber was sagen die alteren, die an der Reihe sind?" „$ic sind froh, daß sie die Last der Verantwortung nicht zu i bernehmen brauchen. Hellfroh" Gert nickte verstehend. Ale ne von Meyding, die Spielgefährtin, die erste Liebe, die schöne Kusine unbeschränkte Gebieterin Über eine der reichsten Stiftsherrschaften. über ein llei'es Fürstentum! Ganz gewiß, ihr Orgam atiors al.m, i .r Praktischer Sinn, ihe fast mawllrche Energie berechtigten sie zu der Stellung. Und alle Wetter, sie wußte auch anders zu r p atentreren als de alten Tanten auf der WeteVurg! Wie alt war sie? Vielleicht fünfundzwanzig — und stand in blühendster Schönheit . . Der Wagen hielt. „Allgebietende Domina," sagte Gert, „ich lege mich dir zu Frühen. Du bist mm souverän. Du trägst eine unsichtbare Königskrone Ist's nicht ein Glück, daß wir nicht die Dummheit begangen haben, uns zu heiraten? Als Ga tin wärst du mir Weibchen. Als Aebttssin der Wesenburg bist- du Herrin einer kleinen Well." Er stich die Wagentür auf und drückte ihre Hand. „Wohin soll der Kutscher dich fahren?" fragte er. „Zu Gerson." antwortete sie mit müder Stimme und rührte sich nicht in ihrer Ecke. — Gert Hora betrat das Haus. Ein älteres Miet haus, v er jährig neu cbg Putzt, als der Geheime Kommerzienrat Geisbach es gekauft hatte. Heb Trail in den Großstädter und in der Provi z besaß er eigene Häuser, weil er das Hotelleben haßte. Mit Portiers und Kellnern lebte er in ewigem Zank Die übliche Zimmerelog mz in den moberren Karawansereien war ihn ein Greuel. Ta mußte er Rücksichten nehmen, und er ftreute ost die A che fairer Zigar e auf den Tepvich unb marschierte mit straßenschmutzigen St.efcln auf dem kostbarsten Smyrna auf unb ab Er konnte auch das Hotelesten nicht vertragen, er liebte eine derbere Kost, außerdem gab es lein ©aft!;audte t, unter besten seidenen Plu.reaus er hätte schlafen können, die bei jeder Bewegung zu Boden rutschten. In seinen Häusern, gleich, ob es Paläste waren oder kleine Mietbudiken. behielt er immer die höchste Etage für sich. Da störte ihn fein Teckenlärm. Irg ndein älteres Ehe aor aus seinen Betrieben hatte die Wirtschaft zu führen. Oft taufte er von dem Vermieter auch gleich das Gesamtm.biliar der Woh ung Das war ihn am bequemsten, älnb es kümmerte ihr richt viel, ob er kunstgewerbliche Schönheiten übernahm oder ein kleinbürgerliches Heim wie her in der Krausen stvahe. Es war die Wohnung eines pensionierten Rechnungsrats gewesen, mit einer Herrlichkeit, per sogenannten Cu en Stuie. Da saßen nun drei Herren: der Vater Gerts der Obe hoftnarschall Graf Hora, ein wenig zusammengeu..ken auf dem braunen Rips osa mit Een gehäkelten Schuhdecken, der alte Geisbach, gestrafft und muskelgeschio ren auf einem Rohrsttchl. und zwischen beiden der lange, hagere Iustizrat Mildner mit seinem gleichsam immer bißbereiten Fuchsgesicht. Man wartete auf Gersi. „Wo bleibt der Dengel?" sagte Geisbach, ohne seine lange schwarze silpman aus dem Munde zu nehmen. „Ich habe noch zwei Konferenzen vor mir und eine Aufsichtsnttssitzung, ich muß meine Zeit wahrnehmen. Möchte auch gern einmal zum Professor Fürbringer, der soll ja eine Leuchte der Wissenschaft sein und ein berühmter Diagnostiker. vielleicht beg’eitet er mich nach Schwichelde unb sieht sich die Theda an.“ „Ist denn noch gar keine Besserung in ihrem Befinden zu verzeichnen?" fragte der Iustizrat mit einer die Vokale heraushebenden Rednerstimme. „Ach ja, ich behaupte doch, lieber Mildner. Aber es geht lang'am. verflucht langam. Manchmal möchte mai geradezu rerzweifeln. dann k m- men wieder Tage der Hoffnung — fo wie jetzt. Tas kleine Ge ichtel ist runder geworden, es tritt Farbe in die Backen, die Augen blicken heiter in die Well. Hoffentlich hält s an — die Aerzte wissen ja auch nicht Bescheid, die Aerzte sind Esel." Versuch s doch mal mit dem Stähle in Goslar,"" riet Graf Hora „Das ist so ein neuer Wunder mann. Pstzchoa-^llytiker nennt er sich oder ähnlich, dem sagt man die unglaublichsten Kuren nach. Da ist die Baronin Kempten, die Frau von meinem Gutsnachbar. von dein dicken Kemp- len auf Ronnendrehnichen, die war ganz zu am- mengeklappert und konnte überhaupt nicht mehr gehen, und die hat der Stähle in acht Wochen so auf gemöbelt, daß sie schon wieder Tennis spteit. Es klingelt, das wird der Gerhart fein . . * Er war cs und trat mit fröhlichem Gruß in das Zimmer, küßte d m Vater flüchtig die Stirn, reichte dem Onkel Geisbach die Hand und winkte dem Iustizrat zu. „Vier Treppen," sagte er, „und für Treppen. Hühnersttegen . . ." Er sch ^te sich um . . . „Reizend Ein Milieu für Chodowieli Darm verneigte er sich vor feinem Vater ... „Alter Herr, eine Freudenbot'chrft, eine Beförderung Es stecht fest: ich komme als zweiter Sekretär nach Peking." Man gratulierte ihm. „Gut so," knurrte der Kommerzienrat, „paßt auch in unsre Pläne . . Der alte Graj schmunzel e. Es war immerhin eine Auszeichnung, wie sie bei den ju gen Leuten im Amt nicht bäurig vorkam. ES toi doch innere Tüchtigkeit in beim leichtsinnigen Schllngel. Man machte für Gerhart Platz an dem runden Tische, über dem die Hängelampe brannte. Die drei Herren hatten sich erho en. Der Gegensatz zwischen Hora und feinem Schwippschwager Geisbach trat nun noch schärfer hervor Es war gewissermaßen der Gegensatz zwisst en 11 rodel und Industriepatriziat. Graf An on Hora zu Hohen- donzberg, auS einem alten jülich'gelber fchen Geschlechte. war im Hosdirnst grau geworden. Es war das im Grunde genommen nicht ganz faßlich bei einem Manne von dem ve sie inerten Kul- turtoert unb doch auch dem Bildn.rgsgang des Grafen. Aber es war so. Dir höfische silmwell hatte immer einen eigenen Reiz für ihn: es gehörte dazu eine Vorbedingung an Takt und Lebensart, bi? man als gegeben be rächten mußte, die sich kaum erlernen ließ. Es tont die Vollendung deS Aeußeren. eine Zurückdrängung alles Lauten zugunsten eines fein erdachten Scheinspiels mit der Wirklichkeit. Hora hatte in dieser Atmosphäre sich glücklich gefühlt Dvch nun war er siebzig geworden, und der Parketid enst strengte ihn an. Da zog er sich denn auf feine hübsche fleine Herrschaft Groß-Ponar am nördlichen Harz- ranbe zurück, ichrieb seine Erinnerungen nieder unb nebenbei ein Kochbuch für Feinschmecker ober besser eine Gasttosophie und eine Arsthetik bes Essens. Man sah ihm noch heute den alten Höfling an. Aus dem steifen Hals kragen hob sich ein schmaler Kopf mit bläulichem Geäder an den Schläfen unb einem Ge icht mit etwas ermüde en, bvch ungemein regelmäßigen Zügen und mit Farbentönen von feinet Wirkung Cs konnte auch das Gesicht eines greiten Drpllmtten sein, der in den Schauangrilten und den A w hrb.'wegun- gen der ganzen hohlen Strategie des poli ischen Lebens zum lächeln en Philosophen getoorcei ist. Unb er war fast noch jugendlich gekleidet, ohne eine Spur von Gertenhaftigleit, cb>r umständlich vornehm in jeder Einzelheit. Er bewegte sich lang'am unb gemessen, um feine Gicht zu verbergen. (Fortsetzung folgt) —- - — neueren Zeit in sich birgt. 1169 1155 Lage beitvagen. des Dichters. 1079 Brief- < 1160 angefügt. Buntes Allerlei. Merkwürdige Briefmarken. Das wachsende Interesse, das das der Akten des Deutschen Auswärtigen Amtes darzustellen, während keinem der früheren Forscher diese Quellen zur Verfügung standen. Dem Verfasser ist vom Auswärtig m Amt dre völlig freie Benutzung des gesamten Materials gestattet worden. Er hat sich sein Urteil völlig unbeeinflußt von irgendwelchen politischen Faktoren lediglich auf Grund seines Studiums der Akten gebildet und trägt es in ruhiger, sachlicher aber bestimmter Form vor. Genaue Hinwei e auf d e benutzten Aktenstücke sollen die Rachprüfung ermöglichen, wenn die große Altenpullikation res Auswärtigen Amtes vollständig vorlicgen toirD. Das Hauptergebnis der Arbeit besteht darin, daß die deutsche Politik bei allen Fehlern und Irrtümern, die Leineswegs vertuscht werden, stets friedlich eingestellt war und niemals aus ten Krieg hingearbeitet, es vielmehr auch in lockenden Zeitpunkten von der Hand gewiesen hat, mit den Gegnern eine kriegerische Abrechnung zu suchen. Die Politik der übrigen Mäch.e, deren Kenntnis zur vollen Erfassung der Entwicklung ebenso nötig ist wie die der deutschen Politik, wird erst dann ebensp deutlich überblickt werden können, wenn diese sich entschließen, auch ihre Archive der historischen Forschung zu öffnen. Vielleicht kann aber diese Darstellung dazu dienen, eine Diskussion mit solchen Angehörigen anderer Stationen zu eröffnen, denen es ernstlich um die Wahrheit zu tun ist: ist diese einmal im Gange, so werden sich auch die fremden Regierungen auf die Dauer der Forderung nicht entziehen können, auch ihrerseits den Schleier zu lüften, der noch über den Entschlüssen und Motiven ihrer Staatsmänner liegt. Wenn das Buch dazu bestragt, uns diesem Ziele näher zu bringen, wird es auch zur politischen Klärung der heutigen — E l f Liebesabenteuer Ctend- hals (Henry Deyle) hat F anz Mei zu einem schönen Bändchen zusammengetragen und m't einem nicht immer zur Sache sprechenden Vorwort bei Paul Steegemann in Hannover herausgegeben. Es sind Rodellen darunter, die in ihrer fein ziselierten Form, der edlen Sprache und oft seltsam bizarr in der Wahl des Sujets zu dem markantesten gehören, das der große französische Romantiker geschrieben hat. Es sind Proben aus der demnächst von dem ilebersetzer und W. Weigand veranstalteten Gesamtausgabe (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Crine Beleidigungsklage des hessischen Finanzministeriums. O Darmstadt, 22. Rov. (Priv.-Tel.) Der Hessische Bauernbund hat jüngst eine Broschüre herausgegeben mit dem Aufdruck „Wo stehen wir in Hessen? — Ein Beitrag zur hessischen Landtagswahl 1 92 4“, die im Berlage der „Reuen Tageszeitung“ in Friedberg erschienen ist. Ein Abschnitt dieser Druckschrift wurde auf Ersuchen des Bauernbundes in einer der letzten Sonntagsnummern der „Hessischen Landeszeitung, Darmstädter Täglicher Anzeiger“ unter der Rubrik „Ernährung und Landwirtschaft" mif der Ueberschrift „Ministerium er Finanzen" veröffentlicht. Wer en der darin enthaltenen Beleidigungen sowohl des Finanzministers lDfl, tn Apotheken u. Drog. k Oefen und Herde in allen AuSsüh- rungen sehr preiswert stets am Lager. August Lotz WleNeck Teleph. 1079. 9235V Regal sofort zu kaufen oeiucbt (3X2.50 m). Sehr. Ang. u. 017239 an den Gieß. Anz. |Verschiedenes| Schwester übernimmt sos. ob. später Kranken- oder Säuglingspflege auch Nachtwachen ober Sprechstunden' htlse. Schr. Ang. u. 017235 a. b. G. Anz. Stoffe X ■ für Herren- und 1 J Damenbekleidung ' Qualitätsware z u bekanntbillig.Preisen L Bauer, Tuchhandloog 1 \ GieSen, DIoltkostr. ZZ\ Hältst, d. rot. Linie 1669 Zwei 21/2iäbrifl ? ein» gefahrene Belgier Stuten verkauft 017234 Melchior Wifrner Climbach. Ironemlffionslager ßöfle, Me unö MmensÄlben zu verkamen [S483D Lchul'lrafkc 7. j Kaufgemhe Alter Blei lBleiröbren» kauft Brühlsche Druckerei ln,D Schulitr. 7/9. Stoewer- Schrcibmaschinen Franz Vogt 8t Co. Dießen, Ooethestr. 32 Tel. 261 Günstige Preise ungen Z ulhttrZeühaä man dies noch nicht gekannt ! Heutzutage verwendet selbst die verwöhnte Hausfrau in Küche und Haushalt die Feinkostmargarine „Schwan im Blaub an d“, deren Qualität durch unser Kirnverfahren unter Verwendung auserlesener Rohstoffe allgemein überrascht» Immer bringt die Welt neue Sachen hervor. Welch eine Verbesserung bildet dieFeinkostmargarine„Schwan im Blauband“ für die Hausfrau. Jetzt kann sie alles fein bereiten. „Schwan im Blauband“ dankt ihren glänzenden Erfolg dem Kirnprozess. Unsere Mutter und Grossmutter haben niemals eine gleiche Qualität gekannt für so einen billigen Preis. Sie haben „Schwan im Blau band“ doch auch im Hause ? Sie ist überall erhältlich in der bekannten Packung zu 50 Pfennig das Halbpfund 4? Die Zeiten sind teuer, das Geld ist rar! Der Frosch sagt: Spar! Wie mach ich das richtig und ideal? Kauf nur Erdal! M ßrdal für die Schuhpflege