Montag, 19. Mai 1924 Erstes Blatt 174- Jahrgang GietzenerAWiger General-Anzeiger für Oberhesten vr«S rmv Verlag: vrühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindrntterei R. Lange in Stehen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/n Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen m. uz Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: ® ießenerFamilienb lütter Monats-Vezugrpreis: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Der Bericht der Sachverständigen und das besetzte Gebiet. Don Dr. Molden hau er, o. Professor bei» Geschichte an der Hmversttät Köln. Der Bericht der Sachverständigen, der vor einigen Wochen erschienen ist, versucht zum ersten Mal, das Reparationsproblem von der wirtschaftlichen Seite anzufassen. Während das Londoner Llltimatum einfach die Summen zusammenstellte, die den Staaten der Entente für die deutsche Kriegsentschädigung geeignet erschienen, und nach der ausdrücklichen Erklärung in der Bote Lord Eorzons vom 13. August 1923 die Schätzung der Leistungsfähigkeit Deutschlands auf keinem Urteil Sachverständiger beruht hat, gehen nunmehr die Sachverständigen der Frage, was und aus welchen Quellen Deutschland leisten kann, nach. Sie prüfen die Ergiebigkeit dieser Quellen und setzen sich vor ftllem mit der wichtigen Frage auseinander, wie die Heberführung der Reparationssummen ins Ausland erfolgen kann, ohne die deutsche Währung zu zerstören. Sie wollen also den Fehler vermeiden, den gerade das Londoner Ultima Ium gemacht hat. Jene Zahlung von einer Milliarde Evldrnark am 31. August 1921 gab unserer Währung den Todesstoß. Es soll hier nicht untersucht werden, wie weit die Sachverständigen, deren Endurteil auf einem Kompromiß beruht, die Leistungsfähigkeit Deutschlands richtig abgeschätzt haben, und wie weit die einzelnen Vorschläge für die Kontrollen, insbesondere bei der Eisenbahn Und der neuen Goldnotenbank, mit der deutschen Hoheit vereinbar sind. Es soll vielmehr hier nur auf die Bedeutung für das besetzte Gebiet hingewiesen werden. Sie liegt in erster Linie darin, daß sich die Sachverständigen für die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit aussprechen und ausdrücklich erklären, daß auf dieser Voraussetzung ihr Bericht beruht. Die Einheit der deutschen Wirtschaft ist aber gerade im besetzten Gebiet aufgehoben. Die Politik Poincares hat wirtschaftlich das besetzte Gebiet zu einer Reparationsprovinz für Frankreich und Belgien gestaltet. Drückend lasten auf der Wirtschaft des besetzten Gebietes die Micum-Derträge, die zuerst mit der Kohlenindustrre, dann nachfolgend mit etwa 60 anderen Industriegruppen abgeschlossen worden sind. Wahrend der Vertrag von Versailles das Deutsche Reich zur Lieferung gewisser Sachleistungen verpflichtete, insbesondere Kohlen, Farben usw., sind hier die einzelnen Industriegruppen und damit auch die einzelnen Industriellen unmittelbar zur Lieferung verpflichtet worden. Schuldete bisher der deutsche Industrielle dem Deutschen Reich gegenüber die Leistung, so schuldet er sie jetzt Frankreich. So kommt zu der schweren Last — denn das Reich ist nicht in der Lage, diese Lieferungen zu entschädigen — auch noch der Druck unmittelbarer persönlicher Verpflichtung. Mitten durch das rheinisch-westfälische-Industriegebiet und herunter bis nach Mannheim geht die Zollgrenze. Hohe Ein- und Ausfuhrabgaben erschweren den wirtschaftlichen Verkehr. Ganz plötzlich finden Aercderungen statt von einem Lag zum andern, so daß bereits getroffene Dispositionen wieder umgeändert werden müssen. 'So ist erst kürzlich die Einfuhrabgabe auf Bier auf 10 Prozent erhöht worden. Durch eine Ausfuhrabgabe in der gleichen Höhe wird der rheinische Weinhandel auf das schwerste getroffen. Für die Ausfuhr selbst sind nur bestimmte Kontingente freigegeben, zum Beispiel für die Maschinenbauindustrie die halbe Produktion res Jahres 1922. Während bisher das in einem Monat nicht absorbierte Zwölftel des Kontingents dem nächsten Monat angerechnet wurde, ist auch diese Vergünstigung plötzlich aufgehoben worden, so daß Werke, die an einer großen Maschine mehrere Monate brauchen, wie zum Beispiel an den großen Papiermaschinen, vollkommen lahmgelegt werden. Auf der andern Seite ist die im Besitz Frankreichs befindliche Westgrenze für das Cinströmen jeder Art französischer Luxusartikel geöffnet. Schwer bedroht wird dadurch insbesondere der rheinische Weinbau. Der hoch entwickelten rheinischen Wirtschaft hatte der preußische Staat ein den Ansprüchen in jeder Weise genügendes Eisenbahnnetz geschaffen. Rirgends in der Welt gab es ein besser ausgebildetes, engmaschigeres und reibungsloser funktionierendes Eisenbahnnetz als gerade im Ruhrgebcet. Run befinden sich die Dahnen des besetzten Gebietes in französisch-belgischer Hand. Vergebens versucht man den Güterverkehr auf die alte Hohe zu bringen. Deutsches und ausländisches Personal arbeitet nebeneinander. Schon die Sprachschwie» rigkeiten lassen eine reibungslose Arbeit nicht zu. Aber die Wirtschaft leidet unter diesen Verhältnissen und den teuren Frachten. Wer sich die Hemmungen vergegenwärtigt, die die Politik Poincares der rheinischen Wirtschaft zugefügt hat, wer sich darüber klar iii, wie sehr auch die Aufhebung unserer Dmwal- tungshoheit im besetzten Gebiet durch die Rhein- land komm ission und den General Degoutte bie Arbeit erschwert, wird zugeben müssen, daß nur eine Befreiung von all diesen Hemmungen die rheinische Wirtschaft vor dem völligen Erliegen bewahren kann. Aus der rheinischen Wirtschaft strömen aber auch die Güter ins unbesetzte Gebiet und beleben dort den Verkehr, sie bringen tauch einen großen Teil der Steuerlast des Reiches auf. Mit dem Erliegen der rheinischen Wirtschaft bricht der Staatshaushalt und damit die Währung zusammen. Der Bericht der Sachverständigen öffnet die Hoffnung auf Befreiung von all den erwähnten Hemmungen. Klar und deutlich sagen hie Sachverständigen, daß die Hemmungen der- Das Regierungsprogramm Herriots. Frankreich und die Alliierten. — Deutschland und die Reparationspolitlk. Paris, 18. Mai. (WB.) Der Abgeordnete Herriot hat dem politischen Berichterstatter des „Matin", Jules Sauerwein, seine politische Auffassung der Lage erklärt. Er wolle nur über seine eigene Politik sprechen, aber nur als einfaches Mitglied der Mehrheit. Wenn ihm eines Tages Verantwortungen zufallen würden, werde er sie ohne Freude, aber auch ohne Zögern übernehmen. Am Mittwoch werde er mit seinen Freunden, dem geschäs g|übre ibe i Ausschuß der radikalen Partei verhandeln und am 1. Juni werde die Partei sich wie die Sozialisten aussprechen. Man könne nicht daran denten, die militärischen oder die finanziellen Lasten herab-- zusehen, ohne daß Frankreich sich mit Europa und der Welt auseinandergesetzt habe. Das sei die erste Pflicht der Regierung. Sei das möglich? Er glaube wohl. Es müsse eine Anstrengung unternehmen, um den andern Völkern begreiflich zu machen, daß die Welt sich verändert habe. Es genüge nicht mehr die alte traditionelle Kunst der Diplomatte. Man müsse die neuen Kräfte kennen und damit rechnen. Was den Engländer anlange, so wolle der Franzose, daß er denke wie er. Der Engländer und der Franzose seien eben verschieden und ergänzten sich *in gewisser Beziehung. Wir sind, so fuhr Herriot fort, zwei starke Rationen, die vereinigt sein müssen, aber wir sind doch aur Freiheit auf verschiedenen Wegen gelangt, der Franzose durch die Grundsätze der Deklarationen, der Engländer durch die progressive Ausbeutung indiviueller Rechte, die für ihn gewissermaßen der öffentliche Ausdruck eines Begriffes von Behaglichkeit sei. Die finanzielle Lage Englands sei gut, die Frankreichs lamentabel. Auch sei Englands wirtschaftliche Zukunft unsicher, die Frankreichs prägnant. Frankreich habe noch lange nicht seine Hilfsquellen in der Welt erschöpft. England sei aber ein Opfer des Krieges geworden, während Amerika sich verstärkt habe, und die Dominions sich wirtschaftlich autonom gemacht hätten. Wir müssen also die Schwierigkeiten Englands verstehen. Wie will man andererseits Italien verstehen, wenn man nicht die legitime Grundlage seiner Hoffnung anerkennt, nämlich das Expansionsbedürfnis? Amerika, das in den letzten Jahren gesiegt habe, besitzt ein sehr arbeitsames Volk und ist einer der politischen Pole der Welt. Sie werden natürlich behaupten, daß diese Arbeit internationaler Verständigung durch Deutschland gehindert wird. Gewiß kennen wir diese Schwierigkeiten, aber haben wir gut daran getan, Deutschland als Ganzes zu nehmen, als einen Block? Dadurch daß wir nicht zwischen den Deutschen unterschieden haben, haben wir verfehlt, daß sie eine Einheit geworden sind. Richts hindert uns gegenüber einem besiegten Lande, eine Politik zu treiben, wie wir sie treiben, aber die demokratischen Elemente sind durch unsere Fehler jetzt durch eine dunkle Welle des Rationalismus erstickt. Wir müssen die Demokratie stärken, denn sie ist eine der besten Friedensgarantien für blefe£ große Werk internationalen Verstehens, durch das wir die Erfüllung unserer Forderungen erzielen können. Wir brauchen Diplomaten, die ihre Zeit verstehen, und die imstande sind, den wahren Frieden zu realisieren. Erst nachdem wir unsere Feinde in der Welt aufgeklärt und konsolidiert haben, können wir zu Reformen schreiten. Die Forderungen der Sozialrepublikaner. P a r i s, 19. Mai. (WTD.) Der gefchäfts- sührende Ausschuß der Sozial-republi- kanischenPartei (Parnlevö-Driand) hat eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, die Partei weigere sich, an jeder Regierung sich zu beteiligen, die nicht fordere: 1. daß der Präsident Millerand demissioniere, 2. daß die Arroudissementswah- l e n wieder hergestellt werden, 3. daß eine vollkommeneAmnestie bewilligt wirb, 4. daß die Umsatzsteuer beseitigt und durch eine Vermögenssteuer ersetzt wird, 5. endlich, daß die freundschaftlichen Verhandlungen mit den Alliierten -ur raschen Regelung des Reparationsproblems und der Sicherheitsfrage auf Grund des SachverständigenprogrammS durchgeführt allen Dingen habe es dem Markt auch nicht an Angebot gefehlt. Eine ziemlich bescheidene Intervention habe daher genügt, um die Bewegung zum Stillstand zu bringen. Die belgisch-italieniscbe Konferenz. Rom, 19. Mai. („Agenzia Stephani".) In der Präfektur von Mailand fanden gestern Unterhandlungen zwischen Mussolini un) d.n belgischen Ministern Theunrs und Hymans statt. Die belgischen Minister unterrichteten Mussolini von ihren Besprechungen, bte sie in Paris und London über das Sachverständigengutachten- Reparationsproblem hatten. Die drei Minister prüften dann die durch das Sachverständigengut- gchten geschaffene Lage. Die Besprechungen daucr- ten 21/4 Stunden. Sie soll"" t o r t g e | e ö t werden. Die amerikanische Anleihe für Deutschland. Paris, 18. Mai. (Wolff.) Der „Reuyork Hevald" meldet aus Washington: Präsident Cvolidge gab, wie im Weihen Hause angekündigt, seine Zustimmung zu einer Anleihe von 100 Millionen Dollar für Deutschland. Der Reuyorker Bankier Otto Kahn hat mit dem Präsidenten die Finanzlage Deutschlands besprochen und seine Billigung zu der vorgeschlagenen Aktion gegeben. Es werde festgestellt, daß Eoolidge und Kahn sich über die Methode, Deutschland nach dem Plane von Dawes Hilfe zu leisten, geeinigt hätten. werden. Painlevö hat ferner erklärt, er wünsche eine Beteilig ung der Sozialisten an der neuen linWstchenden Regierung. Sie müsse aber durch eine starke Mehrheit in der Partei gewünscht werden. Er sei der Ansicht, daß die ganze Lage, in der man im Augenblick sich befinde, durch die widerspenstigen Doktrinäre in der Partei in der Frage der Bewilligung des Budgets veranlaßt sei. Die Weigerung, das Budget zu votieren, sei für die Sozialisten eine rituelle Geste. Herrrot sei der gegebene Ministerpräsident. Er wisse, daß er auch auf seinen (Painlevä) Beistand rechnen könne. Frankensturz und Linkskurs. Paris, 18. Mai. (WB.) Der Finanzberichterstatter des „Journal des D6bats" schreibt in feiner Wochenübersicht.der Devisenmarkt fei in der vorangegangenen Woche sich selbst überlassen gewesen, er habe daher auch auf den Eindruck der Wahlergebnisse in Frankreich ungehindert reagieren können und eine Devisenhausse sei nicht außgeblieben. In Wirklichkeit sei der Anstoß zu dieser Hausse aus dem Aus» lande gekommen. Die öffentliche Meinung betraget die Hebernafjme der Regierung in Frankreich durch ein Kabinett der Linken als eine Erleichterung auf dem Gebiete der Lösung der Deparationsfrage. In Frankreich dagegen habe die Aussicht auf eine Regierung, die sich auf die Sozialisten stütze, Beunruhigung hervorgerufen, die In Devisenkäufen ihren Ausdruck gefunden hätte. Die Rach- frage fei aber nicht sehr groß gewesen unb vor Fortgang des Bergarbeiterausstandes. E f f e n, 18. Mai. (WTB.) Wie der alte Dergarbeiterverband mitteilt, haben der Verband der Bergarbeiter Deutschlands und der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter den gestern in Berlin gefällten Schiedsspruch einstimmig abgelehnt. $ Die vier Bergarbeiter!)erbände erlassen gemeinsam folgenden Aufruf: Kameraden! Die Bergarbeiterverbände haben in ihren heutigen Konferenzen zu dem Berliner Schiedsspruch Stellung genommen. Aus allen Konferenzen wurde der neu geschaffene Manteltarif als annehmbar erklärt. Einstimmig wurde jedoch das Mehrarbeitsabkommen enffchieden ab« gelehnt. Die Ablehnung erfolgte, weil weder eine besondere Bezahlung noch ein tariflicher Zuschlag für die Heberarbeit in diesem Schiedsspruch vorgesehen ist. Die festgesetzte Frist für das Mehrarbeitsabkommen, das bis zum 31. März 1925 unkündbar lauten soll, ist von zu langer Dauer. Das Zweischicht en- s h st e m für die durchgehenden Betriebe mit einer Wochenschichtzeit von 58 Stunden muß als besondere Härte für die betroffenen Arbeitet angesehen werden. Klar und deutlich brachten dis Konferenzen zum Ausdruck, daß die Ruhrberg- arbeitet gewillt sind, die Mehrarbeit aus volls- wirtschaftlichen Gründen zu leisten, wenn dieselbe als solche anerkannt und dementsprechend be- schwinden und die Svnderdelastungen aufgehoben werden müssen, wenn überhaupt von Deutschland die hohen Leistungen verlangt werden können. Wenn die Reichs reg ierung den Bericht der Sachverständigen, ohne ihn in den Einzelheiten zu billigen ober den neuen Reichstag zu binden, als eine brauchbare Unterlage für die kommenden Verhandlungen bezeichnet hat, so hat sie ganz besonders dabei die Rücksicht auf das besetzte Gebiet geleitet Im besetzten Gebiet ist man sich Lieser Tatsache voll bewußt, hat insbesondere auch der Verein rheinischer Industrieller und der Wirtschaftsausschuß für das besetzte Gebiet die Politik der Reichsregierung gebilligt Die Beseitigung des wirtschaftlichen Drucks und der wirtschaftlichen Abschnürung bedeutet nicht nur eine wirtschaftliche Erleichterung. Es ist eine Frage von hoher politischer Bedeutung. 3n dem französischen Gelbbuch über die Sucher- heitsfrage findet sich jene Rote des Marschalls Foch vom Januar 1919, in der die Errichtung unabhängiger Staaten auf dem linken Rheinufer dorgeschlagen wird. Diese sollen, damit sie sich wirtschaftlich erhalten können, durch Zollunion mit Frankreich und Belgien verbunden werden. In dem bekannten Bericht Dariacs, des Vorsitzenden des Finanzausschusses der brsherrgen Kammer, erscheint ebenfalls der Vorschlag der wirtschaftlichen Abschnürung. Sie soll die polttische vorbereiten. Die Politik Poincares läuft diel weniger auf die Zahlung von Reparationen hinaus — darüber, daß die Ruhrbesetzung diese Wirkung eher unmöglich gemacht hat, dürfte sich auch Herr Poincarä klar sein —, sondern darauf, durch schärfsten wirtschaftlichen Druck und Abschnürung die rheinische Bevölkerung reif und mürbe zu machen für die schließliche Loslösung von Deutsch land. Kein Zweifel, daß diesen Plänen Harter Abbruch getan wird, trenn nach dem Bericht der Sachverständigen die Wirtschaf seinhett und Verwaltungshoheit Deutschlands im besetzten Gebiet wieder hcrgestellt wird. Deshalb haben die Rheinländer an der Lösung der Frage neben dem | wirtschaftlichen ein ganz besonders politisches men. zusichert. HannoverbteibtbeiPreuhen Berlin, 18. Mai. (WTB.) Amtlich. Bei der heutigen Dorabstimmung in Hannover über die Frage, ob eine Abstimmung darüber stattfinden soll, ob Hannover von Preußen getrennt werden soll oder nicht, haben von der Gesamtzahl der Abstimmungsberechtigten, nämlich 1770 000, mit Ja gestimmt 488 961. Da jedoch die Anhänger einer Trennung Hannovers von Preußen einDrittelderGe- s a m t z a h l der Abstimmungsberechtigten, also 590 000 Stimmen, aufbringen müssen, hat die Abstimmung für ein Verbleiben Hannovers bei Preußen entschieden. In einem in der „Hannoverschen Lan- deSztg." veröffentlichten Protestschreiben behauptete der Vorsitzende des Hauptausschusses für die Volksabstimmung in Hannover, Professor Messerschmidt, die preußischen Minister, an ihrer Spitze der Ministerpräsident Braun, hätten die hannoversche Bevölkerung bei schlemmerhaftenZechge- lagen usw. beleidigt. Das preußische Staatsministerium hat wegen dieses Passus bei der Oberstaatsanwaltschaft st^rafrechtliche Verfolgung wegen Beleidi- gung beantragt. • Berlin, 18. Mai (Wolfs.) Heute tagte hier unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten und des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons der Ausschuß zur Durchführung des deutschen Friedens-Preisausschreibens. An der Sitzung nahmen u. a. teil: Prof. Dr. Bonn, Reichstagsabgeordnete Frau Bohn-Schuch, Prof. Dr. Delbrück, Reichskanzler a D. Fehrenbach, Anne vonGiercke, Reichsminister a. D. K o ch, General der Infanterie Gras Max Montgelas, Gesandter Dr. Olshausen, Frau Pfuelf, Staatsminister a. D. Dr. S t e m i ch,Staatsminister a. D. Dr. Spahn. Die Mitgliedschaft haben außerdem führende Mitglieder aller Parteien und Vertreter aller Berufsgruppen, wie Minister a. D. v. Raumer, Minister a. D. Dr. ©bringe?, Professor Schumacher, Präsident des Reichsverbandes der deutschen Industrie Dr. Sorge, angenom- Das Thema des Preisausschreibens lautete: Wie kann Friede und Gedeihen für Deutschland und Europa durch internationale Zusammenarbeit gesichert werden? Der Preis beträgt 5000 Dollars, die gleiche (Summe steht für weitere Preise zur Verfügung. Alle Preise sind gestiftet von Edward A. 5 i le ne in Boston. Der Stifter sandte ein Telegramm, worin er die umfassende Zusammensetzung des Ausschusses begrüßt, seiner Arbeit vollen Erfolg wünscht und die Hoffnung ausspricht, daß durch die Teilnahme weiter Kreise des deutschen Volkes an dem Wettbewerb das Ergebnis ktes Preisausschreibens Friede und Gedeihen in Deutschland und in der Welt fördern werde. Dr. Simons betonte, daß er den Gedanken eines solchen Wettbewerbs für gut halte, der nun durchgeführt werden könne, wenn ihm eine völlig unparteiische, überparteiliche Grundlage gegeben werde. Die Bedingungen sind beim Sekretariat des deutschen Friedenspreises erhältliche (Berlin W 35, Schöneberger Hf et 30a). Interesse: deshalb kann es für uns aber auch I EinFriedeNS-PreiSQUSschreibeN nur eine solche Lösung des Repavativnsptoblems .. -- — . — . ... - geben, die den Zusammenhang der rheinischen mit her deutschen Wirtschaft wieder herstellt, die wirtschaftliche Freiheit gewährt und die polttische, so wie es verbrieft und unterschrieben worden ist. ipcrtct wird. Nach wie vor ist die Bergarbeiter- schäft bereit, zu der tariflich zu Recht bestehenden Arbeitszeit von sieben Stunden unter Tage und acht Stunden über Tage zu arbeiten. Sie wird durch die allem Recht widersprechende Aussperrung seilens der Bergbauunternehmer an der Ausübung der Arbeit behindert. Dec Volks- gesamlheit erwächst aus diesem Vorgehen derHnler- nehmer unermeßlicher Schaden. Auf die Unternehmer allein fällt die Verantwortung zurück. Ruhrbergleute! Verantwortungslose Elemente sind an der Arbeit. Die überall im Ruhrbergbaurevier auftauchenden Sendboten der K. P. D. versuchen, die gewerkschaftliche Disziplin zu untergraben. Die Beauftragten der Union £>er K. P, A. treten in offener und versteckter Form an euch mit der Aufforderung heran, Plünderungen und Gewalttätigkeiten auszuüben. Dieses Vorgehen erhöht die Gefahr der Zertrümmerung unserer Abwehrfront. Kameraden! CS gilt, in dem uns aufgezwungenen Kampfe auSzuharren, gewerkschaftliche Disziplin zu üben und nur den Anweisungen der unterzeichneten Organisationen zu folgen. Rur so ist die Gewähr gegeben, daß die Ruhrbergarbeiterschast in Ehren und ungebrochen aus diesem schweren Konflikt herausgehen kann. Kritische Lage im Saarrevier. Saarbrücken, 17. Mai. (Wolff.) Rachdem die Röchlingwerke 3000 Arbeitern das Ar- beitsverhältnis gekündigt haben, hat nunmehr auch die unter französischer Aktienmajorität stehende Dillinger Hütte durch Anschlag verkündet, daß die Aktionäre es ablehnten, in Zukunft weiter mit Zuschüssen zu arbeiten und daß deshalb alle Arbeiter zum 1. Jani g e „ kündigt seien. Darauf legten die Arbeiter die Arbeit sofort nieder. Wie verlautet, soll auch die Elektrizitäts- und Wasserversorgung bedroht sein. Die Belegschaft der Dillinger Hütte umfaßte insgesamt 8000 Mann. Auch auf den übrigen Eisenwerken des Saargebiets ist die Lage sehr kritisch, so daß noch weitere Arbeiterentlassungen zu befürchten sind. Der Schiedsspruch in der Metallindustrie. Mannheim, 18. Mai. (Wolff.) Das hier zur Beilegung des Konfliktes in der Metallindustrie zusammengetretene Schiedsgericht fällte in Abwesenheit der Vertreter der Metallindustrie folgenden Schiedsspruch: 1. Die Arbeit wird in allen Betrieben der Metallindustrie sofort wieder ausgenommen. Maßregelungen dürfen beiderseits nicht vorgenommen werden. Die Wiederaufnahme des Arbeitsverhälnisses gilt als Fortsetzung des früheren. 2. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt auf der Grundlage des Schlichterschiedsspruches vom 14. April 1924. 3. Mit Wirkung vom 26. Mai erhöht sich der bisherige Ecklohn von 55 auf 60 Pf., >die übrigen Lohnstufen richten sich danach im Sinne der bisherigen Hebung. Ein Aufruf der Ausgewiesenen. Berlin, 18. Mai. (Wolff.) Der Reichs- Verband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr erläßt folgende Kundgebung: Die am Fuße des Otzberg versammelten Mitglieder des ReichSverbandes der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr stellen vor aller Welt fest, daß über 1 30000 wegen Erfüllung ihrer vaterländischen Pflichten von HauS und Hof Vertriebene nach Jahr und Tag noch immer von der Heimat verbannt sind, und daß über 1200 Gefangene aus gleichem Grunde in Gefängnissen schmachten, obgleich der passive Widerstand von der gesamten Bevölkerung des besetzten Gebietes längst aufgegeben ist. Sie fordern die gesamte gesittete Welt auf, dahin zu wirken, daß die Ausgewiesenen m ihre Heimat und Wohnstätten, sowie zu ihrer Berufstätigkeit » u r'ü ck k e h r e n können und die Gefangenen f ne i g e l a s s e n werden. Das Urteil im Separatiftenprozeß. 'Stuttgart, 19. Mai. (Priv.-Tel.) 3m ztyeiten Separatistenprozeh vor dem süddeutschen Senat des Staatsgerichtshofes wurde der 22jährige Karl Drüggemann aus Frankenthal wegen DeteUigung an dem Sturm auf das Kurhaus in Langenschwalbach zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 500 Gvldmart Geldstrafe verurtellt Der deutsch-russische Konflikt. Berlin, 17. Mat. (WB.) 3n der Angelegenheit Dozenhardt sind noch 6 Mitglieder der Familie 216 mann, alles Verwandte der Ge- Uebten Bvzenhardts, fest genommen worden. Außer den bemerkens werten Schriftstücken, die bei Lehmann und Dozenhardt gefunden wurden, hat die Polizei der Geliebten Bvzenhardts 30 amerikanische Dvlla rs abgenommen. Dieses Geld war der Rest eines Dollarbetrages, den Dozenhardt wenige Tage nach seiner Flucht von der Kasse der russischen Handelsvertretung durch Vermittlung Lehmanns erhalten hatte, dem er eine unterschriebene Quittung zur Vorlage bei der Kasse der Handelsvertretung mit- gegeben hatte. Die Oelsunde bei Celle. Die in der Lüneburger Heide seit einigen Jahren vorgenommenen Bohrungen haben zu dem Erfolg geführt, dah ein Oellager von etwa 300 000 Kilogramm Leistung pro Tag gefunden wurde. Der Fund wurde mit Hilfe des Schermuly- schen Polarisators getätigt, die ausführende Gesellschaft _ift die Deutsche Ordöl, deren Kurse eine beträchtliche Hausse auf der Berliner Börse erlebten, zumal man damit rechnet, dah tnt Laufe des Jahres noch weitere Oellager gefunden werden. Hm sich die Bedeutung dieses Oelfundrs klar zu machen, der in der Tagespreise meist ohne Kommentar besprochen wurde, ist es notwendig, wenigstens einige Ziffern der heutigen Erdölgewinnung anzusühren. So betrug z. D. die Welt- Produktion an Petroleum 1916 61,8 Mill. Tonnen. Amerika gewinnt täglich gegenwärtig etwa 1 885 000 Barrels, Rumänien hatte im Dezember eine Ausbeute von 130 000 Tonnen Rohöl. Die Entdeckung von Oellagern von 200 oder 300 Tonnen pro Dag ist feine Seltenheit, so wurden dieser Tage in Rumänien eine Quelle von 200 Tonnen Lagesleistung, in Amerika gleichzeitig mehrere rufgeschlossen. Der Oelfunb in der Lüneburger Heide, der bis tefct der größte in Deutschland ist, darf also vor- yiufig nicht überschätzt werden. Doch ist wohl anzu- Amerika und Rußland in China. Moskau, 18. Mai. (Wolff.) Rach eingetrof- fenen Meldungen richtete die amerikanische Regierung an die chmesche Regierung eine Rote, worin sie diese vor der Anerkennung der Sowjetrepubliken warnt, da solche zu internationalen Verwicklungen führen würde. Wie man sich erinnert, hatten vor zwei Monaten der Vertreter der chinesischen Regierung, Li-Wan, und der Dowjetgesandte in Peking, Karachan, ein Abkommen Chinas mit den Sowjetrepubliken getroffen, wodurch die Sowjetunion von China de jure anerkannt wurde und die Sowjetregierung auf alle Begünstigungen in China verzichtete. Der Vertrag betraf aber auch wirtschaftliche und politische Interessen anderer Großmächte, weshalb die chinesische Regierung auf den Protest Amerikas, Englands, Frankreichs und Japans die Ratifizierung des Vertrages abgelehnt und offiziell die 216reife Karachans aus Peking nachgesucht hatte. Die Verhandlungen wurden aber inoffiziell in Moskau und Peking fortgesetzt. Runmehr wäre nach dieser von anderer Seite noch nicht bestätigten Meldung die Regierung der Vereinigten Staaten neuerdings in Peking eingeschrit- ten. Steklow nennt die amerikanische Aktion eine deispielloseHnverschämtheit. Die Intervention Amerikas gehe noch viel weiter als die diesbezüglichen Roten Frankreichs. Die französische Regierung habe nur gegen die Hebergabe der ostchinesischen Dahn an ihren legalen Eigentümer protestiert. Die amerikanische Regierung jedoch verbiete China unter Androhung internationaler Komplikationen die de jure-Anerken- nung der Sowjetunion. Das habe noch nie irgendeine andere Regierung getan. Bisher sei es Frankreichs gewesen, das im Fernen Osten am feindselig st en gegen Sowjetrußland auf getreten sei. Amerika beweise nun, daß es an Stell» der geschlagenen Regierung des nationalen Blocks treten wolle. Kleine politische Nachrichten. Der gestern in Breslau veranstaltete D e u t s ch e T a g ist bis auf einen unbedeutenden Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Stahlhelmleuten, bei dem die Polizei die Ruhe bald wieder Herstellen konnte, ohne Zwischenfall verlaufen. Die Feier selbst war auf den Gactm des Versammlungslokals beschränkt und blieb der Oeffentlichkeit verborgen. * Der Polizeipräsident von Berlin hat auf Grund der Verordnung über den zivllen Aus- nähmezustand Sie „Rote Fahn e vom 17. Mai bis 14. Juni verboten. Das Verbot wird darauf gestützt, dah die Zeitung eine gesetzwidrige Aendecung der verfassungsmäßigen Staatsform anstrebt und diese Bestrebungen in den letzten Zeitungsnummern unter Anreizung zu Gewalttätigkeiten ausdrücke. $ Anläßlich des Besuchs des französischen Flottengesch waders im pol Nischen Ostseehafen Gdingen fanden zwi- schm französischen und polnischen Offizieren gegenseitige Besuche statt, hieraus begab sich em Teil der französischen Offiziere mit 2ldmiral Jolivet an der Spitze nach Danzig und von dort nach Warschau. Das französische Geschwader verläßt am Montag Gdingen, um sich nach Libau, Reval und Helsingfors zu begeben. * Der tschechoslowakische Minister des Aeußern D e n e s ch bestätigt dem Giornale d'Jtalia den baldigen 2lbschluß eines Separatvertrages zwischen Italien und der Tschechoslowakei, der gewisse Punkte der Friedens- Verträge von St. Germain, Trianon und Reuillh erneut bekräftigen und entwickln wer'oe. Der Außenminister begab sich gestern zum Vatikan und besuchte den Kardinalstaatssekretär Caspari. * 3n Paris ist der 2krtei6iger von Kut el Amava, General T o w n s e n d. in der Wohnung seiner Schwiegermutter, bei der er zu Besuch weilte, unerwar.et gestorben. Jur Straßenbahnfrage in Gießen. 3m Anschluß an unsere Ausführungen zur Gießener Straßen bahnfrage (Rr. 104 vom 3. 5.) geht uns aus unserem Leserkreise eine Zuschrift zu, aus der wir folgende Sätze wiedergeben: „Cs ist unverständlich, weshalb man immer noch zögert, den vielfachen Wünschen der Einwohnerschaft entsprechend den Betrieb der Straßenbahn wieder aufzunehmen. Sollte tatsächlich. wie verlautet, die Bahn bisher auch in normalen Zeiten mit Hnterbilanz gearbeitet haben und die Stadt nicht mehr in der Lage sein, die aus diesem Grunde nötigen Zuschüsse der Bahnverwaltung weiterhin zur Verfügung zu stellen, so müßten nach dem Beispiel der Stadt Marburg den Werkstätten der Straßenbahn produktive 2( e b e n - betrieb e ungegliedert werden, aus deren Heberschüfsen die Fehlbeträge Der Straßenbahn gedeckt werden könnten. Der Stadtverwaltung ist gegebenenfalls ein Studium der Marburger Einrichtungen dringend zu empfehlen. Außer dem Berufs- und Geschäftsverkehr, dem im Sommer wieder zunehmenden Fremdenverkehr und dem beträchtlichen Verkehr nach dem Kaser nenviectel. den Provinzial-Heilanstalten und der Siedelung, erfordert auch der umfangreiche Friedhofsverkehr die baldigste Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs. Gerade der letztere Verkehr hat ein Anrecht auf größte Fürsorge der Stadt. Rachdem man einmal den Reuen Friedhof so weit vor die Stadt hinaus verlegt hat, muß man auch den zahlreichen 3n- teressenten die Möglichkeit geben, ohne großen Zeitverlust an Beerdigungen teilnehmen und die Gräber ihrer Verstorbenen pflegen und häufig besuchen zu können. Besonders ist hier Rücksicht zu nehmen auf die vielen älteren und kranken Personen sowie die Kriegsbeschädigten, die den außergewöhnlich weiten Weg zum Friedhof zu Fuß nicht mehr zurückzulegen vermögen. Die 3nbetriebnahme der Bahn würde aber auch Vorteile in sozialer Hinsicht bieten, da ein zahlreiches Personal wieder Beschäftigung fände, wodurch zweifellos Ersparnisse an anderen Stellen des städtischen Haushalts, insbesondere bei der Erwerbslosenfürsorge, sich erzielen ließen." Der Hinweis des Einsenders auf die produktiven Reben betriebe in den Marburger Strahenbahnwerkstätten hat uns veranlaßt, in Marburg Erkundigungen einzuziehen. Es hat sich dabei herausgestellt, daß das Marburger Elektrizitätswerk eine größere Werkstatt besitzt, die sich mit Reparaturen von elektrischen Maschinen und ähnlichem befaßt und Eisenkonstruktionen für elektrische Hochbauten herstellt. Bei der Errichtung dieser Werkstatt hat man gedacht, daß die Mehreinnahmen der Werkstatt zum Ausgleiche etwaiger Mindereinnahmen anderer Betriebe dienen sollen. Weiter wird in der Auskunft hervorgehoben, der Strahenbahnbetrieb Marburgs fei nicht zum mindesten dadurch aufrechterhalten worden, daß das Personal dieses Betriebs bereit war, sich den Verhältnissen anzupassen, sowohl in bezug auf Arbeitszeit, wie auch auf die Lohnhöhe. Das einsichtsvolle Verhalten des Personals habe nicht wenig mit dazu beigetragen, daß der Betrieb durchgehalten werden konnte. Heute erhalte sich die Bahn wieder vollkommen selbst. Die Marburger Verhältnisse sind u. E. beachtenswert und zugleich lehrreich. Die Frage eines produktiven Rebenbetriebs in der Straßenbahn- Werkstatt könnte wohl auch hier einmal geprüft werden. Wenn dieser Rebenbetrieb ohne D e ° nachteiligungunseresheimischenGe» w erb es und ohne allzu großen Aufwand von Geldmitteln für die Einrichtung geschaffen werden kann, dann möchten wir ihn empfehlen. Grundsätzlich möchten wir im Hinblick auf die sehr hohen steuerlichen und allgemein-wirtschaftlichen Belastungen des Gewerbes eine Schmälerung s e i° ner Verdien st möglichkeitunterallen HM ständen vermieden wissen, denn einmal ist die Stadt u. E. nicht dazu da, ihren Bürgern das Brot zu beschneiden, und zum andern wäre eine solche Wirtschaftspolitik auch kurzsichtig, weil sie ja nur die Steuerkraft weiter Devölkerungs- kreise schwächen würde, ohne auf der andern Seite einen entsprechenden Vorteil zu erzielen. 11. E. können für einen solchen Betrieb nur bie Arbeitsgebiete in Betracht kommen, die heute von ortsfremden Großbetrieben aufgesucht werden. Datz große Reuanschaffungen von Maschinen einfttoeilen für uns unmöglich sind, geht schon aus der Finanzlage hervor. Sehr zu beherzigen ist schließlich noch das, was über die Arbeitszeit- und Lohnverhältnisse den Marburger Straßenbahnern nach« gerühmt wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 19. Mai 1924. Chemisches Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen. Aus dem Täfigkeitsberichtfür 192 3 ist zu ersehen, daß Verfälschungen von 'Rahrungs- und Genußmitteln noch immer häufig vorkommen. Don 2365 untersuchten Rährungs- und Genitz-- mittcln unterlagen 443 der Beanstandung. Besonders die wichtigsten Lebensmittel, tote Milche Butter, Käse und Mehl wurden am häufigsten! verfälscht. Don den im Verkehr erhobenen Milchproben wurden 19 Prozent wegen Verfälschung oder Minderwertigkett beanstandet und zwar 119 Proben wegen Wa se .zusahes, 175 Proben we ea Entrahmung, 2 Proben wegen Wasserzusatzes btt gleichzeitiger Entrahmung, 42 Proben wegen Min- bcEtoertigtcit. Der Fettgehalt der Milch betrug durchschnittlich 3,35 Prozent. 3n zäh reichen Fullen mußte Butter wegen eines übermäßig hohen Wassergehaltes beanstandet werden. Verschiedene als „vollsett" in den Verkehr gebrachte Käse (Edamer, Camembe 1) besaßen einen unter 40 Prozent liegenden Fettgehalt. Bei Würsten würd'. häufP ein übermäßiger Wasser,zusah sowie die Verwendung von Michl festgestellt. Sehr zahlreich waren die Verfällchungen von Mehl. nehmen, daß die geologische Untersuchung der so unscheinbaren Lüneburger Heide bezüglich der verborgenen Bodenschätze noch manche Heber» raschung bieten wird. Die Ziffer von 9000 Tonnen pro Monat ist so em beträchtlicher Anfang, daß man mit Recht auf die weiteren Hnter- suchungen gespannt sein darf. Vielleicht ist die Lüneburger Heide in kurzer Zeit dank ihrer Bodenschätze vom ärmsten zum reichsten Land geworden, das ebenbürtig dem Lande der Kohle zur Seite steht, denn die Bedeutung des Erdöls ist ständig im Steigen begriffen als Ersah für Kohle zur Krafterzeugung (Gasolin, Benzin), als Leuchtöl und Schmieröl. Wie sehr Deutschland im Bezug dieser Stoffe vom Ausland abhängt, war im Kriege zu erkennen, und es ist an und für sich ein genug tuendes Gefühl, daß endlich auchDeutsch- land stärker in die Reihe der Erdöl gewinnenden Länder einrückt. Eine richtige Erdölindustrie, wie sie m den Vereinigten Staaten zu finden ist, kann sich allerdings erst dann entwickeln, wenn die Produktion em noch höheres Matz erklimmt, so daß nut großzügigen Mitteln, Röhrenleitungen, Tankanlagen, Tankwagen der Absatz erleichtert wird, während sich gleichzeitig die Industrie in der Rähe der Gewinnungsstätten ansiedeln kann, um die Gewinnung und Verarbeitung auf einer billigen Skala zu ermöglichen. Sollte sich die Weiterentwicklung so gestalten, wie man hofft, so wird frch rn Deutschland ein weiteres 3n° dustriezentrum entwickeln können, wie man das auch in anderen Ländern erlebt hat. 2Tber wir wollen den Verhältnissen nicht vorgreifen, sondern den Erfolg weiterer Hntersuchungen abwarten, denn manche Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen, was wir allerdings in diesem Falle nicht glauben. e Die Eröffnung bcr Südwcftdeutfchcn Kunstausstellung. Die „Südwestdeutsche Kunstausstellung Darmstadt 1924“, die von hessischen, badischen und toürt» tembergischen Künstlern beschickt worden ist, wurde am Samstag im städtischen Ausstellungshause auf der Mctthildenhöhe mit einer Ansprache von Bürgermeister Mueller eröffnet. Dieser bedauerte es lebhaft, daß aus der Rheinpfalz kein Künstler mit einem Werke vertreten sei. Das Programm der Ausstellung mußte aus finanziellen Gründen beschräntt werden, so daß nur Künstler aus Den obengenannten Ländern zur Beteiligung aufgefordert worden sind. Die Ausstellungsmöglich- keiten sind in diesem Jahre gering; Die Darmstädter Ausstellung ist übrigens das einzige größere Hntemehmen dieser Art in Süd Westdeutschland Ein Gesamtüberblick über die Leistung Der Aussteller läßt wesentliche Hnterschiede zwischen Den Drei Gruppen erkennen; es ist dies nicht allein 2lls garantiert rein üerraujte Weizenmehle enthielten größere Mengen von Gersten- oder Rog« genmehl. Ki vjelen Fällen war das Mehl weil über Den vorgeichriebenen Ausmahlungsgrad aus- gemahlen oder von Hnkrautsamen nicht ausreichend befreit. Verunreinigungen des Mehles durch Mehlwürmer, Mehlmotlen und Mehlmilben wurden wiederholt sestgestellt. 3n einem Fälle war Weizenmehl durch Zusatz von 32 Prozent Gips verfälscht. 3n einem Brote konnte der Rach^ weis erbracht werden, Daß bei Herstellung desselben alte Brotreste mit verbacken worden waren. Verschiedene Backpulver und Vanillin- z u ck e r erwiesen sich als minderwertig. 3hr Verkauf wurde unterbunden. Bei Cssigproben bildete zu geringer Säuregehalt oder nicht de-> Harierte künstliche Färbung Grund zu einer Beanstandung. Hnter Der Bezeichnung Zimtpuldei wurde häufig gepulverter Zimtbruch, dessenAroma nur gering ist, im Derköhr angetroffen. Branntweine und Liköre besaßen vielfach nicht der vorgeschriebenen Alkoholgehalt. Eine Anzahl Brunnenwasser wurde wegen Zuflusses jauchehaltiger Stoffe als ungeeignet für Trink zwecke bezeichnet. 3n verschiedenen Rährungs- und Genußmitteln (Obstwein, Buttermilch, Zwei- schenhonig), Die bei dec Verarbeitung mit verzinkten Gegenständen in Berührung gekommen waren wurden erhebliche Mengen von Zink nad)p ^gewiesen. Außer den Hntersuchungen von Rährungs- und Genußmitteln in Ausübung der amtlichen Rahrungsmittelkontrolle wurde das Hnter- suchungsamt noch häufig von Gerichten und anderen Behörden, sowie Gewerbetreibenden in Anspruch genommen. Es mußten Leichenteile und sonstige Objekte auf die 2lnwesenheit von Giften untersucht werden. 3n einer Haferflocken- fuppe wurden größere Mengen von Ar senil festgestellt. Bei verendeten Tieren konnte durch den Rachweis von Strychnin in denselben Pie Todesursache festgestellt werden. Bei den tech- schen Hntersuchungen handelte es sich hauptsächlich um Hntersuchungen von Rohstoffen, Zwischenerzeugnissen und Fertigwaren der Industrie, sowie um Prüfung verschiedener Betriebsmittel. * Vorläufige Gewerbesteuer für die Provinz und für den Kreis Giesien. Der Provinzia laus schuß hat Die Erhebung einer vorläufigen ® eine r heft euer für das Ri. 1924 in Hohe von Vig des staatlichen Steuersatzes für die Provinz Oberhessen beschlossen. Die Steuer wird mit den Einkommensteuervorauszahlungen und Der staatlichen Gewerbesteuer fällig und ist von Den Cewerbesteuerpslichtigen gleichzeitig mit diesen Steuern an Dem für Deren Zahlung maßgebenden Termin bet der Finanzkasse (Hnterer Hebstelle) zu entrichten. Die Zustellung eines Steuerbescheids erfolgt nicht. Btt nicht rechtzeitiger Zahlung erfolgt Mahnung unD Beitreibung auf Kosten des Schuldners. Für den Kreis Gießen hat der Kreis- ausschutz ebenfalls die Erhebung einer vorläufigen Gewerbesteuer für das Rj. 1924 in Höhe von V8 des staatlichen Steuersatzes beschlossen. Für Die Erhebung dieser Steuer gel en Die gleicher Bestimmungen, wie für die Einziehung der Provinzialsteuer (wie oben mitgeteilt). * ** Die Auszahlung des Gegen» wertes für kleine Stücke Goldanleihe. WTD. meldet: 3m Publikum ist die Annahme verbreitet, daß die Auszahlung des Gegenwertes für die bei den Reichsbankanstalten zur Einlösung eingelieferten kleinen Stücke Gold- anleihe längere Zeit auf sich warten lassen würde. Demgegenüber sei Darauf hingewiesen, Daß von der Reichsschuldenverwaltung für die unverzügliche Prüfung der eingehenden Stücke auf ihre Echtheit alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen wurden. Stockungen im Prüfungsgeschäft sind daher ausgeschlossen. Hnmittelbar nach Feststellung des Prüfungsergebnisses werden den Reichsbankanstalten Die zur Auszahlung des Gegenwertes erforderlichen Beträge überwiesen. Es ist damit zu rechnen, daß in der Regel in etwa 8 bis 10 Tagen Der Einlieferer von Goldanleihc den Gegenwert erhält. Bei kleinen Beträgen en Hnbedenk.'ichteitsaermerl mit dem Zusatz über die Gebührenfreiheit für Reisen nach Dem Gebiet der Freien Stadt Danzig zu versehen. ** Das amtliche Fernsprechbuch für den Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt wird demnächst neu aufgelegt. Die Vorarbeiten hierzu werden am 1. Juni abgeschlossen. Bis dahin sind Aenderungen der Eintragungen bei der zuständigen Fernsprech-Der- Mill III■ I >1 MUMIillij II ■ IMI WlIJi II ■ «3——OmWB3 dem Hmstand zuz u sch reiben, daß jede Gruppe von besonderen Kunstrichtern beurteilt worden ist sondern es findet hier auch wohl Die Kunsttradition des Landes ihren Ausdruck. Der ErPressionismas ist fast ganz verschwunden, Die Malerei ist wiedei ruhiger, abgeklärter und sachlicher geworden. Sehr reichhaltig ist auchl die Graphik vertreten, Dagegen Die Plastik nur mit wenigen Werken, -tz Mengelberg in Pariö. Der Amsterdamer Tonkunstchor und das Eon» certgebvuve-Orchester unter Bettung von Willem Mengelberg sind nach Paris gekommen, um im Theatre des Champs-Elysees eine Ausführung der Bachschen M a 11 h äu s p a s s i on und Der 1. und 9. Symphonie von Beethoven zu veranstalten. Durch diese Veranstaltung werden seit Dem Kriege zum ersten Male große deutsche Werke in deutscher Sprache aufgeführt. Bei Der Sonntag nachmittag stattgehabten ersten Aufführung Der Matthäuspassion erzielte Die holländische Künstlerschar einen unbestrittenen Erfolg. Heute abend werden Bsethovens 1. und 9. Symphonie aufgeführt. Hnter Den Solisten sind zu nennen Die Damen Roordewier-Redding- gius und 3lona Durigo, sowie Der Berliner Tenorist Jakob Hrlud und der Bassist Denvs. Turnen, Sport und Spiel Deutscher Fußballsieg über eine englische Mannschaft. Gießen, 15. Mai. Dis 1 !H>r nachts wurde gegen den Studienrat W H. aus Gießen verhandelt. H. war angeklagt, als Lehrer an einer höheren Lehranstalt in unsittlicher Werse Schülern dieser Anstalt zu nahe getreten zu sein Die ^Zeugenvernehmungen, etwa 40 an der Zahl, fan> den unter Ausschluß der Oeffenklichkett statt. Die übrige Verhandlung war öffentlich. Der Angeklagte hatte mehrere Jahre hindurch den Auf- Freitag, 23.: Die Fürsten Howansky. Samstag, 24 Die Jüdin. Sonntag. 25., nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends 6 sh UI)r: Carnr en. — Schauspielhaus. Dienstag, 20. Mar: Wilhelm Teil. Mittwoch, 21.: Romeo und Julia. Donnerstag, 22.: Palme, oder Der Gekränkte. Freitag, 23.: Wilhelm Dell. SamStag, 24.: Palme oder Der Gekränkte. Sonntag. 25.1 Wilhelm Teil. 70jährige Jubiläumsfeier der Alsfelder Freiwilligen Feuerwehr. v. Alsfeld, 18. Mai. Die Alsfelder Freiwillige Feuerwehr, die rm Jahre 1854 gegründet wurde, feierte am heutigen Sonntag das Fest ihres 7 0 = jährigen Bestehens. Die Beteiligungseitens dec Bürgerschaft und der audtoärrigßn Wehren war außerordentlich rege. Dec Festsonntag wurde mit dem üblichen Weckrufe eingeleitet, Um 1/29 Uhr vormittags fanb im Spritzenhause die Enthüllung und tteber- gabe einer Gedächtnistafel für die tm Weltkriege gefallenen Kameraden statt. Anschließend an diesen Akt wurde eine Gedächtnisfeier auf dem Friedhöfe gehalten, bei welcher Dekan Dr. Unverzagt eine Ansprache hielt. Der Vormittag wurde mit den Verhandlungen des Vertretertage^ des Kreisfeuerwehrverbandes Atsic.d ausgefüllt. Der Vorfihende, Kunstmaler Ludwig Martin, eröffnete und begrüßte die Versammlung. Das hessische Kreisamt Alsseld war durch Rcgierungsassessor Strack vertreten, der die Versammlung im Rarnen der staatlichen Behörde begrüßte. Aach den üblichen geschäftlichen Angelegenheiten, Rechenschaftsbericht und Rech- Tiungsablage, hielt ein Vertreter.der „Rhein- Elektra", Dr. Schröder aus Mannheim, einen Vortrag über das Thema: „Gefahren der Starkstromleitung bei Ausbruch eines Brandes". Den Verhandlungen wohnte der Vorsitzende der Hess. Brandversicherungskammer, Geheimer Regie- uen. Der Aeviersorfter, der den '^pgang von seiner in der Aähe befindlichen Behausung beobachtete, gab den beiden zu verstehen, daß das nicht statthaft sei. Dieser Aufforderung gaben die Franzosen keine Folge, und als der Förster sie in energischer Weise nochmals zum Verlassen des Geländes aufforderte, griff der eine der Franzosen in die Tasche, zog ein Messer und drang damit auf den Förster ein. Auf seine Hilferufe eilten zwei Einwohner aus Schmitten und auch der Sohn des Försters herbei, der aus seinem Gewehr zwei Schrotschüsse auf den Angreifer abgab. Während der eine Franzose sich auf der Reifenberger Chaussee ins besetzte Gebiet flüchtete, zog sich der verwundete auf dem Waldweg über die Grenze zurück. Gestern ersuchte der französische Delegierte von Königstein den Bürgermeister von Schmitten, an die Grenze zu kommen und Aufklärung über den Vorfall zu geben, andernfalls würde Schmitten beseht werden. fpd. Franksurt a. M„ 18. Mai. Die drei ! Bürgerschulen, Katharinenschule, Aller- heiligenschule und Dreikönigsschule, feierten am Samstag durch eindrucksvolle akademische Festakte ihr hundertjähriges Bestehen. — 3m Anschluß an eine kommunistische Pro - te st Versammlung im Zoologischen Garten sammelten sich am Freitag abend gegen 10 Ufjr eine große Zahl Teilnehmer dieser Versammlung — etwa 500 Personen — an der Hauptwache an. Hier wurde die Menge durch ein großes Auf- I gebot Schutzpolizei zerstreut. Kurz darauf sammelten sich abermals größere Mengen an, die aber wiederum von der Polizei, diesmal etwas unsanfter, auseinandergetrieben wurden. — Der aus Zeilsheim bei Höchst a. M. stammende 27jährige Arbeitsbursche Heinrich Straub hat in einer ganzen Reihe von Städten Sittlich- keitsver brechen verübt. Zuletzt hielt er im Walde zwischen Fulda und Hünfeld ein 15jähriges Mädchen an, das er vergewaltigte. Der Bursche wurde noch am gleichen Tage verhaftet und dem Fuldaer Gericht zugeführt. Straub will sich während seiner Wanderung in Frankfurt, Gießen, Marburg, Treysa, Homberg, Kassel, Bebra, Hersfeld und Fulda umhergettieben haben. Freiburg, 18. Mai. (WTD.s Das heute hier abgehaltene F u HV a l l w e t t s p c e l scheu Freiburger F. C. und W e st Harn U n i d e t London, endete mit emem unerwarteten Sieg der Freiburger Mannschaft 7uit 5 M 2 gegen die gefürchteten Engländer Bec Halbzeit stand das Spiel sogar 4:0 für den Frei- burger Klub. ^oritotiicn. — Tageskalender für Montag. Gießener Turnerschaft: 81/2 Uhr in der Turnhalle tSteinstraße) Fest spiel des Deutsche Turnfestes: »Frischauf mein Volk'. — Schneider-Zwangsin- /Mttungsfieüe anzumelden. Sofien gebühren- Pflichtige Eintragungen der jetzigen Auflage nicht in das neue Buch übergehen, so ist ihr Wegfall oder ihre Aenderung spätestens zum 1. Juni zu beantragen. Andernfalls werden sie in die neue Auflage gegen Erhebung der bestimmungsmäßigen Gebühr übernommen. ** Das 4 0 0jährige Jubiläum des deutsch-evangelischen Gesangbuches stand gestern auch in unserer Stadt im Mittelpunkt der Gottesdienste, die von den Gemeindegliedern gut besucht waren. Ebenfalls dem Gesangbuch- Jubiläum gewidmet war ein Familienabend, den die Evangelische Kirchengemeinde gestern abend in der- Stadtticche veranstaltee. Obwohl der schoiie Frü'hlingsabend in das Freie lockte, hatten sich doch viele Teilnehmer eingefunden und das Gotteshaus war dicht gefüllt. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vorttag, den Gey. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüger über das Thema „Das deutsch-evangelische Kirchenlied hielt Der Dorttagende war zu dieser Aufgabe als Kirchenhistoriker und Mann von feinem musikalischem Empfinden ganz besonders berufen. Das älteste evangelische Gesangbuch so führte er aus, ist das das Luther im Jahre 1524 herausgab. Von den 33 Liedern, die es enthält, hatte der Reformator 24 verfaßt, merkwürdig ist. daß Luther, der auch in der Literaturgeschichte unbestritten als einer der größten deutschen Dichter gilt, vorher überhaupt nicht und auch nachher nur noch vier Kirchenlieder gedichtet 'bat. 3m allgemeinen ist die Zahl der Kirchenliederdichter, die dem 16. Jahrhundert angehören, nicht groß. Die große Zeit des Kirchenliedes ist das 17. Jahrhundert, das dem deutschen Volke einen Paul Gerhardt gegeben hat. 3hm reihen sich Paul Flemming Johann Heermann und vor allem Johann Matthäus Mehfart mit seinem gewaltigen Liede „Jerusalem, du hochgebaute Stadt" würdig an. 3m 18. Jahrhundert ragen Zinzendorf. Tersteegen und Gellert hervor, Ungefähr um das Jahr 1800 ist die große Zeit des deutschen Kirchenliedes zu Ende, wenn auch die Romantik und die Befreiungskriege noch manche wertvolle Gabe hervorgebracht haben, wie die Aamen Aovalis und Arndt beweisen. Seltsamerweise ist kein einziges Lied Goethes in das Gesangbuch gekomnren, obwohl das Lied Mignons „So laßt mich scheinen, bis ich werde" hierzu geeignet wäre. Das 19. Jahrhundert hat das Verdienst das Gesangbuch zusammengestellt zu haben. Jeden der vielen Dichter, die er erwähnte, schilderte der Vortragende in feinsinniger Weise nach feiner Eigenart und nach dec Zeit, der er entstammte: er schloß mit einem Hinweis auf Johann Sebastian Bach, den großen Tondichter der evangelische-lutherischen Kirche, Um- rahmt war der Vortrag von Darbietungen des Kirchengesangvereins, den Prof. Trautmann leitete und der auch diesmal wieder dazu beitrug, Daß die Zuhörer in eine weihevolle Stimmung verseht wurden. Aach dem Vortrag wurden auf der Orgel die bekanntesten Choralmelodien gespielt, und mit Gemeindegesang schloß der Familienabend. Hochschulnachrichren. JL Marburg, 18. Mat. In üblicher Weise fand gestern in der Aula der Universität die 3m- matritulation der Studenten des diesmaligen Sommersemesters statt. Der derzeitige Rektor Pros. Dr. Clemens Schaefer erwähnte in feiner Begrüßungsrede den Begriff der akademischen Freiheit, der darin besteht, Selbstzucht zu üben und besonders Charaktere heranzubilden, die dereinst unser Volk führen könnten. Er ermahnte ferner dazu, die vom Senat pflichtmähig sestgefetzten Leibesübungen nicht zu versäumen unlb wohl politische Kenntnisse anzueignen, aber noch nicht parteipolitisch einzustellen. Die Begrüßungsansprache namens des Studentenausschusses b elf stud. Kleeberg, der zu strengem Pflichtbewußt- sein -und Vaterlandsliebe aufforderte. Gerichtstag Offenbach a. M, 16. Mai. (WTB.) Vot dem hiesigen großen Cchöffengeri cht standen heute dreizehn Kommunisten, die sich an I einer von der Kommunistischen Partei gebildeten Roten Hundertschaft beteiligt hatten. Die Hundertschaft wurde gelegentlich einer Haussuchung entdeckt, wobei ferner festgestellt wurde, daß auf Weisung der Kommunistischen Partei in einem hiesigen Werke Handgranaten her- gestellt wurden. Das Gericht verurteilte, drei Angeklagte zu je fünf Monaten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten kamen mit kleinen Geldstrafen davon. Ein Angeklagter wurde frei« I gesprochen. ** Der Dadebetrieb in der Lahn [ft seit einigen Tagen wieder im Gange. Am Samstag nachmittag z. B. herrschte in den Dade- «rnstalten sehr reger Verkehr. 3n der Muller- /eben Badeanstalt wird an der Beseitigung der starken Schäden, die das gewaltige Hochwasser jeß Frühjahrs der Anstalt zugefügt hat, rusttg gearbeitet: hier wird es noch mancher Anstrengung bedürfen bis alles wieder so tm Schuß 'ist, .vie man es billigerweise verlangen muß. Dagegen fft der Männerbadeverein mit der Her- ri^tung'feiner Anstalt pünktlich fertig geworden. Leine Anlage, der er noch zwei neue, sehr zweckmäßig heigerichtete Hallen — eine für die Frauen, die andere für Mädchen — hinzugefugt hat, macht einen ausgezeichneten Eindruck, wobei namentlich die W gute Instandsetzung der Zugangswege und -Treppen zum Wasser hervorzuheben ist. 'Die,es lobenswerte Resultat ist wohl nicht in erster Linie ouf besonders große Geldmittel, als vielmehr aus eine tatfrohe Leitung und emsige Arbeit von Ver- einsmitgliedern im Dienste des Ganzen zurück- zuführen. Das städtische Freibad das am Samstag ebenfalls schon besucht wurde, bedarf gleichfalls noch der bessernden Hand. ** Ein vortrefflicher Abend bei den Turnern. Die Gießener Turnerfchafi (Turnverein 1846 und Männerturnverein 1885) hat den Entschluß, das Festspiel des Deutschen Turnfestes in München „Frisch auf mein Volk auch in unserer Stadt den breitesten, Bevollerungs- kreisen zu zeigen, gestern abend zur ansrkranens- werten Tat ausreifen lassen. Wie bei der Grund- emstellung der Deutschen TurneffchM nicht anders zu erwarten, ist das Festspiel durchgluht von dem hehren Gedanken heißer Vaterlandsliebe, und ein ernster Mahner an alle, insbesondere an die Jugend, gleich den bis zum Letzten opferfreudigen Vorfahren alles hinzugeben für das Vaterland und seine Befreiung vom Joche der Feinde und niemals den Glauben an eine gute deutsche Zukunft zu verlieren. Gleich der begeisterten Ausnahme, die das Festspiel bet seinen Vielsachen Aufführungen in anderen Städten fand war gestern abend auch hier der Erfolg em sehr großer: starke Beifallsstürme begleiteten die ausgezeichneten lebenden Bilder und brachen verschiedentlich ganz spontan bei offener Szene hervor. Die Bilder des Festspiels wurden von Mi'gliedern der Gießener Turnerschaft unter der Leitung von Karl Juhnke vom Stadttheater ausgezeichnet gestellt: ihre tresflchsn, gut ab- gmmbeten Leistung m sind um so hoher an- zuerkennen, als die Daffteller doch Iamtlich Dilettanten sind. Der musiiäl sche Teil der Aufführung wurde von der Kapelle Weller in ^ster Weise erledigt. Dem Festspiel ging ein Schauturnen der Turner, Turnerinnen, Schülerinnen und der Fechtliegen beider Vereine voraus, wobei man in allen Teilen sehr anerkennenswerte Leistungen bewundern konnte. Starker Beifall ^lchhEts mit Aecht die exakten und gewandten Darbietungen an 8, die eindrucksvoll Zeugnis gaben _ bi>n ber ernsten, verdienstvollen Turnarbeit in beiden Vereinen. Die Kapelle Wetter machte sich auch bei diesem Teile des Abends sehr verdient. Alles in allem: es war ein erhebender, vaterländischer Abmd, der feine Besucher in vollster Weise befriedigt hat. Wer sich nach des Alltags Last und Mähe eine Feierstunde bereiten will, benutze dazu die Wiederholung der Festspiel-Ausführung und des Schouturnens am heutigen Abend. Für Kinder wird das ganze Programm am Mittwoch abend nochmals besonders gegeben. Schöffengericht. Gießen, 12. Mai. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen eine Schneiderin und einen Lokomotivführer, beide von Friedberg, wegen Abtreibungsversuchs und Beihülfe dazu verhandelt. Das Mädchen, das im Hause des Angeklagten beschäftigt war, hatte in Abwesenheit der Frau dem Qltann ihr Leid geklagt. Sie fühlte sich schwanger und ließ sich zu einem Abtreibungsversuch bereden, den er mit einem zu diesem Zweck geliehenen Instrument sofort an ihr vornahm. Aach dem Gutachten des gerichtsärztlichen Sachverständigen ist es ein Glück, daß der Versuch ohne schwere Gesundheitsschädigung verlaufen ist. Die Angek cgt :rhelt eine G e- sä ngnis strafe von 45 Tagen, der starker belastete Angeklagte, in dessen Kopf der Plan eF^anben war, eine solche von 8 0 Tagen. Degen Urkundenfälschung wurden verurteilt ein Arbeiter aus Laubach, der sich mit einem gefälschten Schuldschein bei einem Dorschuhverein 25 Mk. erschwindelt hatte, zu zwei Monaten Gefängnis, ein Kaufmann aus Wiesbaden, der seiner unwiderlegten Behauptung nach vor den Separatisten geflohen war und, um Reisegeld nach Berlin zu erlangen, dem Kreisamt B ü - dingen einen gefälschten Arbeitsnachweis vorgelegt hatte, zu zwei Monaten Gefängnis, ein Arbeiter aus Berfa, der auf einem Hvlzfuhffchein die Zahl 1 in 2 geändert hatte, um einen Raummeter Holz mehr abfahren können, zu sechs Wochen Gefängnis. We- gen Holzdiebstahl erhielt er außerdem eine Woche Gefängnis, die mit der anderen | Strafe zu einer Gesamtgefängnisstrafe von sechi Wochen drei Tagen zusammengezogen wurde. Seiner Behauptung, er wisse von der Fälschung nichts, sein zehnjähriger Junge habe sie beim Auf« gabenrnachen ohne sein Wissen vorgenommen, wurde der Glaube versagt. * irung: 8'ff Uhr im Hvpfeld auonaisveriammlang. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Der Werden des Menschen". — Palast-Lichtspiele: »Helena". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Donnerstag, dem 22. Mal, findet ein einmaliger Vortragsabend von Josef Plaut statt. Herr Plaut hat im vergangenen Jahr sich hier mit einem ersten Vortragsabend auf das allerbeste eingeführt, und Zweifellos werden die meisten von denen, die ihm damals zugejubelt haben, auf dem diesjährigen Gastspiel, das übrigens ein neues' Programm bringt, beiwohnen. Josef Plaut steht bekanntlich neben Professor Marzell Salzer in der allerersten Reihe unserer modernen Vvrtvagskünstler. — L i n n 6 - V 0 r t r a g. Am 23. Mai wird, wie in har Vorjahren, Prof. Dr. Küster einen für alle Interessenten unentgeltlich zugänglichen Vortrag im Hörsaal des Botanischen Gartens halten. Der Vortrag wird „über bunte Pflanzen" Mitteilungen machen und einige Beispiele aus der Reihe dieser Gewächse mit farbigen Lichtbildphotographien erläutern, die nach einem neuen Verfahren (Uvachrorn) in den Wetzlarer Werkstätten E. Leitz hergestellt worden sind. Der Dortrag beginnt um 8 Uhr abends. — 3m Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, wird von heute ab bis einschl. Mittwoch ein populärwissenschaftlicher Film „Das Werden des Menschen" gezeigt, dem alle ernstdenkenden Mitbürger ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden sollten. Prof. Dr. Griesbach von unserer Landes-Universität wird jedesmal den Begleit- vorttag halten. Aäheres in der Anzeige. Landkreis Gießen. Kreis Friedberg. '4 Aus der nördlichen Wetterau, 17 Mai Die feinen Frühobstarten find hier selbst in geschützten Lagen vielfach erfroren. Die Zwet- schen haben in manchen Gemarkungen zum Teil sehr stark gelitten. Biele Bäume zeigen sich ohne Belaubung, sie sind eingegangen, wie es in diesem Maße seit dem berüchtigten Winter 1879/80 nicht mehr der Fall gewesen ist. Auch an den Aepsel- und Birnbäumen zeigen sich hier und da Spuren des Frostes. Die Wintersaat zeigt durchweg ein schlechtes Aussehen. Viele Landwirte haben die Felder mit Sommerweizen untersät oder ganz neu bestellt. Wo man in Erwartung auf bessere B^ stockung den Weizen stehen ließ, dürfte vielfach nur mit einem halben Ertrag zu rechnen fein. Gut überwinterte Weizenfelder sind in btefem Jahre I eine Seltenheit. I Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 17. Mai. Auf Anordnur^ der Stadtverwaltuiig wird demnächst der Berreb der Grube „Prinz von Hessen" ft 111- gelegt Das Braunköhlenlager war bereits einige Jahre vor dem Kriege entdeckt werden, ist dann in der Zeit der großen K)hlennot aus- gebeutet worden, konnte ober jetzt den Wettbewerb mit anderen Unternchmungen nichtmehr aufrechterhalten. Die Grube war em städtischer Regiebetrieb. - Bei einem Mot orrennen rund um dir Ludwigshöhe wurde m der Rahe des I Böl.'enfalltors ein junges Mädchen überfahren und so schwer verletzt, daß es durch die Rettungswache in das städtische Kraickenhaus gebracht werden mußte. An einer anderen Stelle stürzte ein Motorfahrer und erlitt erhebliche Verletzungen im Gesicht. * Worms, 17. Mai. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, die vor einigen Monaten beschlossene Getränkesteuer, die bisher noch nicht in Kraft getreten war, wiederaufzuheben. Auf das zu gewerblichen Zwecken verwendete G a S soll ein Rabat t von 20 Prozent auf die Menge über 100 Kubikmeter gewährt werden. Für die Erbauung von 56 Kleinwohnungen wurden 335 000 Mark bewilligt. Hessen-Nassau. Sra nlf urta. M, 18. Mai. (Wolff.) lieber den am Samstag aus Ufingen gemeldeten Zwischenfall bei Schmit ten gibt das dortige Bürgermeisteramt folgende Darstellung: Am Donnerstag abend zwischen 7 und 8 Ahr erschienen an dem etwa 1200 Meter von der Grenze des besetzten Gebiets außerhalb Schmittens gelegenen Wejßer zwei französische Soldaten, um dort zu fifchcn Sie führten eine Buchse mit Sprengstoff bei sich, mit dem sie den Fischen nachstellen woll- ]) Lich, 17. Mai. Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung einem von dem Bürgermeister norgelegten und von der Finanz kommst fron befürworteten Gebühren-Darif zur Friedhofs- und Begräbnisordnung der Stadt Lich zu. Dieser Tarif sieht u a folgende Gebühren vor: Für Erwerb eines | Erbbegräbnisplatzes für 50 Jahre für jede einzelne Grabstätte 50 Mk., Verschonungsgebuhr für weitere 50 Jahre 50 Mk., Verschonungsgebühr für ein Reihen grab für 30 Jahre 10 Mk., und an allgemeinen Begräbniskosten 1. Beerdigung in einem Erbbegräbnis 47 Mk., 2. Beerdigung in einem Reihengrab 30 Mk., für Kinder 24 Mk., Armen- bcgräbnis 15 Mk., für Benutzung des Leichenwagens zur Ueberlandfahrt 50 Pf. für jeden Kilometer Entfernung, Mindestgebuhr 3 Mk. — Die Genehmigung wurde erteilt zum Verkauf des Kiefern- und Fichten st ammhol- ze s, das bei der kümlich stattgefundenen Submission folgende Höchstgebote erhielt: Kiefern 1. Kl. 41,53, 2. Kl. 38,53. 3. Kl. 30,53, 4. Kl. 28^3 und 5 Kl. 25,53Mk.: Fichten 3. Kl. 30,50. 4. Kl. 26,50. 5a. Kl. 23 und 5b. Kl. 21,50 Mk., während die Genehmigung für das Fichtenstammholz infolge ungünstiger Gebote versagt blieb. — Die Dcrugesuche des-»Karl Christian Rau und des Robert Jen sch wurden erledigt, ferner fand ein Plan der Kreisbauverwaltung Gießen über die Führung der Baufluchtlinie in der Ziegelgasse Annahme. — Einem Gesuch der Dahnver- toaltung der Butzbach-Li cher-Eis en - bah n um Anschluß an die städtische Wasserleitung zum Zwecke der Entnahme von Wasser zur Speisung ihrer Lokomotiven wurde mit dem Vorbehalte zugestimmt, daß die Abgabe des Wassers nach Messung und nur dann erfolgt, wenn genügend Wasser vorhanden ist. — Zwei hiesige Einwohner wurden als Ortsbürger gegen Zahlung eines Einzugs- und Feuereimergeldes von 297,63 Mk. auf genommen. Die Miete für die Turnhalle des hiesigen Turnvereins wurde ab 1. 2lprll ds. Js. auf monatlich 15 Mk. erhöht. - Der Ruhes andsversetzung des Schutzmannes Meyer ab 1. Juli ds. Js. wurde zugestimmt, die vakant werdende Stelle soll zur Neubesetzung ausgeschrieben werden. rungsrat v. Hahn, bei. Um 1/212 Uhr vormittags sand auf dem Marktplatz ein Konzert statt. Daran schloß sich eine Schulübung auf dem Markt an. Die Alsfelder Wehr, die zur Zeit 207 Mitglieder in ---- - . neun Zügen zählt, führte unter der energischen trag, zur Vorbereitung der Quakerspeisung Die und tatkräftigen Leitung ihres Kommandanten, Schüler zu messen und zu wiegen. Auch konnte ei Ludwig Martin, ihre Geräte vor und brachte $>ie Schüler zur Vorbereitung der ^ärztlichen die einzelnen Uebungen mit Exaktheit zur Aus- Stellungnahme darüber befragen, welche Krank- fübrung Die Vorführungen fanden die unem- ^iten durchgemacht hatten. Richt befugt wai geschränkte Anerkennung der vorgesetzten Organe per Angeklagte, körperliche Untersuchungen an den und zeigten dem zahlreich anwesenden Publikum, Schülern vorzunehmen. Der Angeklagte war be= daß die Alsfelder Wehr auf ihrer vollen Hohe schuldigt, in sieben Fällen bei dem Wiegen der steht. Rach Beendigung der Uebungen ertönte Schüler an diesen körperliche Untersti^mgNi vor- vlötzlich die Feuersirene, und die Signalhörner genommen zu haben, durch die sich die Schuler riefen zum Drandangrif f. Seitens des Kom- z. T. in ihrem Schamgefühl verletzt fühlten Das mandvs war bei dem Kreisamt der Wunsch aus- Gericht erachtete den objekttven Tatbestand, wie aesvrochen worden, ihm eine Ausgabe zu stellen, ihn die Anklage behauptete, im wesentlichen für die vorher nicht bekannt werden sollte. Aach erwiesen. Es stellte fest, daß der Angeklagte ferne Beendigung des Schulexerzierens auf dem Markt- Etlichen Befugnisse überschritten hatte. Er hatte Platz wurde diese dsm Kommandanten übermittelt. Handlungen vorgenommen, die nur eurem Arzt 3n schlagfertiger Eile suchten die Wehrleute die zukarneii. Das Gericht hielt jedoch nicht für widergedachte Brandstätte auf, empfingen dort ihre legt die Behauptung des Angeklagten er habe Weisungen. Die Geräte wurden praktisch vor- sich $ur Vornahme der Handlungen für befugt geführt die Spritzen schleuderten ihre Wasser- gehalten, und geglaubt, durch Feststellung von massen aus Sprungtuch und Rettungs chlaach wur- Brüchen und Operationswunden den Schulern den in Anwendung gebracht unb alle Erforder- und der Sache zu nützen. Bestraft konnte der nisse die im Ernstfälle eintreten können, berück- Angeklagte nur werden, wenn ihm nachgewiesen fiebtiat Bei der Kritik sprachen Kreisdirettor Dr. werden konnte, daß er Es dem Motiv der Mustern'- Stammler, KreisseuerwehrinspetorM ü l ler- heit heraus gehandelt habe, ^rop getoillcr be« Lauterbach und BrandinspeLtor Wenzel-Gie- lastender Momente hielt das Gericht einen ‘Berten ihre volle Anerkennung über den Verlauf weis in dieser Beziehung mcht restwo für erbracht, der „Brandbekämpfung" aus. Der Angeklagte wurde deshalb freige^ j Bach Beendigung dieser Vorführungen be- I spr 0 chen. Das Urteil tourbe erst am -uig toegte sich ein großer Festzug, an dem zahl- | nach der Verhandlung verkündet, reiche auswärtige Wehren teilnahmen, nach dem Lindenplatz. Auch die Vertteter des Kreisamtes und des Gemeinderates beteiligten sich an demselben. Auf dem Festplahe begrüßte der Alsfelder Kommandant die erschienenen Festgäste. Der Vertteter des Kreisamtes, Kreisdirettor Dr. Stamm- ler, überbrachte die Glückwünsche der Behörden und überreichte der Alsfelder Wehr em Dank- und Anerkennungsschreiben des Hessischen Ministeriums. Für die Stadtbehörde sprach Bürgermeister Dr. V ö l s i n g warme Worte des Dankes und der Anerkennung. Die Heffische Brandversicherungskammer übermittelte durch ihren Vorsitzenden, Geheimen Regierungsrat v. Hahn, ihr- Gwckwülisch-. 2IM Vertreter d°r bcüwn SicBenet ®«&ice« 1-pra^ taff- SvicMa« der frankfurter Theater. n&M^ectontacn AlSfÄder ivchr, die unter Opern haus. SienStag, 20. Ttai: EinKtnper licken Cet Munnes der mit ganzem küre. Montag, 19. und Dienstag, 20.: Cm Kinder- XLen bei5ber Sache ist, vorzügliches geboten Festspiel aus Alt-Frankfurter Tagen. Mittwoch bST®ann trat der gemütliche Teil des Festes in | 21.: Margarethe. Donnerstag, 22. Frasqutta. f^in^Aiff^behördlichen Wunsch wurde in der am Nestplah gelegenen Turnhalle ein Film vorge- führt der Feuerverhütung und Feuerbekampfung anschaulich vor Augen führte. U. a. wurde auch im Laufe des Rachmittags cm MinimaxapParat praktisch vorgeführt. Das Fest nahm einen allseitig 1 befriedigenden Verlauf. LICHTSPIELHAUS rückgängig im NM bah die ü ebenso w ber Kops eine erh Ltelle de noch 80 Stamme den. die v Acht' Stuf' J W»jA das.bei ss[; Abeil dem Kxlb einig Seit ScDöIfcmr Schlesiens bi denen hart za f LMM vnd in veiiester 5 Wen L L-i" TeÄ'jj nie W” «u#® 3^ Es be 24 aftii men 8Aa 8N. 22 aftii 87 Sim mei mei 9äq 1 Aa 8 Pj, Kami lva ä betha Kn ui Seil jÄ, & & Ach, SA DrenE gr$ Viel und östlichen 1 'Betreu' Nischen 0 hindurch blühende der Ews «sicherte, varauffolk Noch einm lvnisjerunc Dergange, tzründli ,um be mehrt ' mindestem gefühn w lunft geht zehntausen mehr ober Mislung- von Mnsc L:- L'F Fra Dir I reichst te 020345 Gießen (Oartenstraße 26), den 18. Mai 1924. BllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllS Oberhessisches Korbwarenhaus Cafe Astoria ,l0ass Wir kaufen 4137D Inh.: Heinr. Hess GIESSEN, Schulstraße, neben der Stadtpost HllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllHIIIilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHI 020332 K. Wirth 020358 beim Portier. Eintritt frei! Eintritt frei! 4128c Telcvbon 1486. MünSburg 17 gesucht 412788 41320 nefurbt. <411788 richte» an sucht. 4140h llcreo, Plockstr. 5. Bahnhofstraße 34 aesucht. 020347 gesucht. 41290 Familie Klose Familie Pfaff. Heute Montag, den 19., Dienstag, den 20., und Mittwoch, den 21. Mai, täglich nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr veMWer Mann oder Svnn, einerlei welchen Standes, a. AuSgebeu non '> are a. Händlel ges. Selb- ständ Tätig!. im eta. Heim. Hoher Berd. Meldung nur brieflich. lO-Pf.-Marke f. Autw. bcil. J. Plewa, flelsenkirchen. 4IMss Brückmann Neuhof Post Leihgestern. Besucht eine Wohnung mittlerer Cßröfoe in Gietzen gegen eine gleiche in Marburg oder Fulda. Anfr. an Lauth, Weilburg abzugeben 02u357 LiebigstraffeVS 111 persosortgefucht.Off. unt. 1413 an Herio, Plockstr. 5. 4139h Aelteres, bewährtes Dieiißmiidllikil fiinöetoättiierin oder gebildetes Kiiibttftäiikiit für drei Mädels (Vs—3 I) gesucht. Nähen erwünscht. Frau Beraassessor Nii re r, Weilburg, 'Adolfstr. 20. oaosu AellereS felbständ. | Verkäufe ) Belgier Fuchs- fiute t 9 Jahre alt, da über« zählig, zu verkaufen H. Brückmann Neuhos, Post Leihgestern. Schwerer erstklas« iiaer. Simmentaler Nif (Herdbuchtiers zu verkaufen. Willi Scherer II. 4135D Geiff-Nidda. Bau- u. Möbelfchr., KavlanSgasse 1VI. Achtung! Achtung! Der verehrten Einwohnerschaft von Bietzen u. Umgegend, sowie Freunden und Gönnern die ergebene Mitteilung, datz ich mit dem heutigen Tage Ludwigstratze 6 eine eröffnet habe. Ich bitte um geneigten Zuspruch. Preis 25 Pf. Ergebens! Frau Gerhard Kämpen Wwe. __________Ludwigstrahe 6. oanB44 Gartenbesitzer! Die eben auftretenden Stachelbeer- Raupen vernichtet sicher das Spripmittel „SOLBAR" Wir empfehlen es, wie auch alle anderen Pflaiizeuschiipmittel, preiswert Saat-Niemand M03M ^rau Beraassessor Fürer,Weilburg, Adolsstrasre 20. Für kleinen Haushalt von 2 Personen für vormittags ein braves, ehrliches UMtii! gesucht. Max Karam, 8la0aa,Babuhofstr.4 Geübte MUerln s. Sackstovfmafchine sofort gesucht. 0>os« M. Eh. Mühlstein Diezstratze 4. das neue wohlschmeckende Abführmittel >n Landaullage liegt ki der Firma A. F. ei, 4113D ige, gewandte chrin Zeugnisabschriften erdeten an Nachfolger 1 Zallenstetn erSveg 18. »habt? Äs ritt jche. ^Schwein ^tfschwelne- Mer Kchs. itlltß * cn Äf°nn it et«üü® »’SJ/Ä »»* :'ntHbesonder! gJÜT». i w.el®”wiS“ {■£$£«•* nnel 'S lustig ggieiem M. FOt Kr*L'u kaufen oäten ^MraZ mfamilien» Ifans W^itben » tittl M M M. ^4iisnnnebo1® Sir® an den erbeten. 1 binivänner Ia|t«n©agen •icht.DoppeUpha, totaajen KWiÄMW cgen Platzmangels oetfüui. MR Silh. Stein , Langgöns ’*• GroKenlind, 17, Zwei grohe Heckkäfige mit Mvorrich- ing, einige ImMM bzugeben 02d357 icbigfiraKeSZIU «tritt am 1. Juli Montag, 19. Mai 1924 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften) Nr. 1(7 Swettes Blatt a 185 Summe 1 520 534 1 469 773 5 570 2 515 1 718 000 100 000 (Bantnoten. Frrrfr. 17. Mai Berliner Produktenbörse. schnitzel 9,10 überall erhältllchl 94 310 162 150 159 786 000 90000 290000 Belgien Polen Tscheche), slowakei Rumänien 234 Iugoslaw. 147 60 100 31 88 40 220 246 62 99 114 180 72 200 000 192 000 160 000 P 592 86 320 500 ? 150 2160 150 160 etwa 10 20 15 3 8 a W wurde nach Abzug der Aufsichtsratstantiemen aus neue Rechnung vorgetragen. O iQ «ä± etwa 300 Km. in der Stunde geschätzt. Aber elbst das ist noch weniger, als die Leistungen, die die modernsten Flugzeuge vollbringen. Den Re» kord der Schnelligkeit hält augenblicklich eine amerikanische Marine-Rennmaschine mit einem Motor von 500 P.S., die eine Schnelligkeit von über 400 Kilometer in der Stunde erreicht hat. Diese Ge- chwindigkeit wurde natürlich bei einem Flug tn der Lust erreicht, und da jedes Flugzeug etwa 3mal so schnell heruntergehen kann, als es beim normalen Fluge erzielt, so könnte man bei dieser Maschine im Abstieg wohl sogar mit einer Geschwindigkeit von 1000 Km. in der Stunde rechnen. Bei der Fortbewegung auf dem Lande hat der Kraftwagen die schnellsten vierfüßigen Tiere bereits weit hinter jich gelassen. Der gegenwärtige Rekord auf eine Entfernung von 1 engt Meile ( ,6 Km.) betrug bei einer Fahrt zu Brocklands mehr als 200 Km. in der Stunde. Damit verglichen ist die Leistung des schnellsten Dier- fühlers, des indischen Iagdleoparden, außeror- deutlich bescheiden, denn er kann auf kurze Entfernungen höchstens 90 Km. in der Stunde zurück- legen. Selbst im Wasser hat der Mensch alle Tiere geschlagen. Zwar kann er nicht schneller schwimmen als etwa 4 Km. in der Stunde, aber mit Hilfe des Motorbootes lässt er die schnellsten Fische weit hinter sich zurück. Der Megalops at- lanticus, der für den schnellsten Fisch gilt, soll etwa 125 Km. in der Stunde zurücklegen, und diese Schnelligkeit wurde bereits im Hahre 1923 von dem Schiss „Miß America I“ auf einer Fahrt bei Dettoit übertroffen. Seitdem hat dies Mator- boot, mit einer Maschine von 1800 P. S. ausgerüstet, eine Schnelligkeit von mehr als 130 Km. in der Stunde erreicht. to 4 000 320 600 cP N Frankreich 550 Geschäftliches. Leipzig gewann das Kukirol-Schwein! Sie Welt ist materialistisch geworden! Hiea- derttausende hungrige Mitmenschen haben den begreiflichen Wunsch gehabt, das Original zu dem 3 Zentner schweren Schwein zu gewinnen, auf dem Herr Dr.med. Unblutig seinerzeit mit der vergnügten Miene des großen Humoristen durch den Anzeigenteil des deutschen Blätterwaldes ritt. DaS Los hat sich für Leizig entschieden. Ein wirklich bedürftiger Zeitgenosse ist der glückliche Gewinner. Sie Einzelheiten des Ergebnisses finden unsre Leser im Anzeigenteil der vorliegenden Rümmer Brrliner Börse. Berlin, 17. Mai. Sie außerordentlich stürmische Aufwärtsbewegung am Effektenmarkt hatte in den gestrigen Abendstunden einem nicht unerheblichen Rückschläge Platz gemacht. Dieser Rückgang, der in erster Linie der eintretenben Realisationsneigung der Spekulation zuzuschreiben ist, war jedoch nicht von allzu langer Dauer. Die Rachricht, daß die Beilegung des Ruhrkonflikts nunmehr unmittelbar bevorstehe, bewirkte bereits in Iden heutigen frühen Morgenstunden eine wesentlicheBefestigung der Tendenz. Sie Baissepartei schritt zur weiteren Eindeckung und dürste wohl jetzt bereits die nötigen Engagements erledigt haben. Es hat nunmehr den Anschein, als ob erneute Haussespekulationen an ihre Stelle treten. So war im Bureauverkehr nicht unbeträchtliche Kauflust der Spekulation zu bemerken. Auch heute ist wieder der Montanmarkt an der Spitze. Gelsenkirchen, Deutsch Lux, Phönix bevorzugt. Auf Schwerzer Arbitrage hin konnten Werte wie Elegische Licht und Kraft, A E. G. und Becker nicht unbeträchtlich anziehen. Die übrigen Märkte lagen recht fest, ohne daß sich indes wesentliche Kurserhöhungen feststellen ließen. Der Geldmartt bleibt flüssig, tote an den Bortagen. Täglich Geld ist reichlich angeboten, ohne immer Unterkunft zu finden. Der Sah stellt sich auf >/s bTD Mille über Sonntag, d. h. also wieder auf l/4 pro Mille pro Tag. Monatskvedite sind zu 21/» Proz. ebenfalls gut angeboten. Der Devisenmarkt zeigt am Wochenschluß einen weiteren Rückgang .der | Anforderungen, und man glaubt in Börfenkreisen, in den nächsten Wochen mit einer Steigerung der Zuteilungen rechnen zu dürfen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. ($Vn Billionen Mark aukzedriickt. BuenoS-AireL, London, Neu« vor! Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 (Anhenen, alle« übrige für 100 Einheiten.» Letegravhische Auszahlung. Deutschland 84 61 72 bis 13, Üupinen blaue 11 bis 11,50, qclbe 15 vis 15 50, Seradella 11 bis 13, Rapsruch n 10 bis 10 20, Leinkuchen 19 bis 20, Trocke x» - - - * " biä 9,20, Kartoffelflocken 21 Mark. Wirtschaft. • Ausländische Zahlungsmittel im Geschäftsverkehr. Don maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß die Ermächtigung, bei Geschäften über die Lieferung von Waren und über die Bewirkung von Leistungen ausländische Zahlungsmittel in Zahlung zu geben und zu nehmen, bis zum 15. Juni verlängert wurde. Verboten bleibt, Zahlung in ausländischer i Währung zu fordern. Der Erwerb ausländischer Zahlungsmittel zur Erfüllung solcher Geschäfte bleibt unzulässig. -GeschäftsberichtüberdasStahl- werk Decker. Don beteiligter Seite wird be- tanntgegeben: Der Vorstand des Stahlwerks I Becker. Aktiengesellschaft in Willich (Rheinland), sah sich genötigt, den Antrag auf Geschäftsaufsicht über sein Unternehmen zu stellen. Das Werk, das zu den ersten und größten Edelstahlwerken Europas gehört, befindet sich in durchaus günstiger Entwicklung und ist für mehrere Monate mit lohnenden Aufträgen versehen. Der Wert der Betriebsanlagen ist mit 36 Millionen Goldmark nicht zu hoch bewertet. Der Wert der Dorräte wird mit 6 Millionen Goldmark angenommen. Die Passiven behagen zirka 9 Millionen Goldmark, denen 3 Millionen Goldmark Außenstände gegenüberstehen. Die schwierige Lage des Werkes wurde dadurch herbeigeführt, daß es genötigt war, nach dem Kriege und nach Aufgabe des passiven Widerstandes, dann aber auch nach dem letzten großen Streik, dreimal von neuem sich wieder aufzubauen. Dazu kam, daß durch die zwangsläufig eintretende Reichsbankpolitik eine Stockung des gefronten Geldverkehrs eintrat. Eine weitere Schwierigkeit schufen die schweren Belastungen durch die Micumverträge. Die Vorgänge wurden der Reichsregierung zur Kenntnis gebracht. • Tiag unter Geschäftsaufsicht. Rach der „Kölnischen Zeitung" hat die "Verwaltung der Textilindustrie A-G. (Tiag) in Barmen wegen Illiquidität des Unternehmens nunmehr dm Antrag auf Stellung unter Geschäftsauf.icht gestellt, nachdem vor wenigen Sagen von Derwal- tungsseite aus mitgeteilt worden war, daß das Unternehmen nicht an Geschäftsaufsicht denken Vermischtes. Dom amerikanischen Weltflug. Pa ramu schir (Kurileninseln), 17. Mai. (WD.) Die amerikanischen Weltflieger sind von der Atlu-Insel (Alcuten) nach einem Flug von 900 Meilen über den Stillen Ozean hier eingetroffen. Dec Mensch das Schnellste in der Welt. Schweizer Roten.......... französische Roten........ Dänische Roten.......... Schwedische Roten........ Holländische Roten........ Deuksch.Oestcrrcich, A 100 Kronen Amerikanische Roten....... Englische Roten.......... Italienische Roten......... Belgische Roten.......... Ungarische Roten......... Tschechoslowakische Roten..... Norwegische Roten........ Nuniänjsche Roten......... Spanische Roten.......... jahrtausendelang ist der Mensch. tixiÄ öle Schnelligkeit der Fortbewegung anbetrifft host- nungslos hinter Dögeln, Säugetieren und Zßchcn zurückgeblieben. Aber in neuester v-^it hat er durch seine technischen Erfindungen fie ^lle überflügelt und kann sich sogar in der Luft schneller fortbewegen, als der schnellste Bogel. Sie achtungen im Flugzeug d-ben gezeigt, daß viele Dögel durchaus nicht so schnell fl^'^ls man früher gedacht hatte. Wildenten und Wildganse * D siird nicht einmal imstande, 2 Km tn der Minute zurückzulegen, während Schöpfen und Regenpfeifer es auf etwa 1b Km. m der Stun.e bringen. Der schnellste unserer europäischen Vogel dürfte wohl nach den Beobachtungen des englisch^ Zoologen Kenneh Dawson der Wanderfalke sein benen durchschnittliche Geschwindigkeit mit 150 «m. in der Stunde angegeben wird: doch kann er beim jähen Herabstoßen von der Hohe auf em Ovfer diese Geschwindigkett verdoppeln. Sie i Mauerschwalbe, die in den Gebirgen iKg norDoft- lichen Asien nistet, dürfte wohl der schnellste Bogel ker Welt fein; ihre Fluaasschwrndigkeit wird auf \ Frankreichs Vasallen. Wir haben in einem früheren Artikel Frankreichs Heeresmacht einer eingehenden Behandlung unterzogen. 2lber diese gewaltige Waffe ist nicht die einzige, die den Franzosen im Kriegsfälle zur Verfügung steht. Sie mit der französischen verbündete belgische Armee ist seit Dezember 1923 in der Umformierung begriffen. Die Heeresreform bringt ebenso wie in Frankreich zwar eine Verringerung der Kopfstärke im Frieden mit sich, bedeutet aber eine erhebliche Verstärkung an Material. An Stelle der bisherigen 12 Divisionen aibt es mir noch 8 aktive Divisionen. Dafür sind aber die Stämme für 8 Reserve-Divisionen gebildet worden, die in ihrer Organisation den aktiven Divisionen entsprechen, und für die das gesamte Material vorhanden ist. Es bestehen also tatsächlich: 24 aktive und 24 Reserve-Infanterie-Regi- 1 meuter gegen bisher 36 Inf.-Regimenter, 8 Maschinengewehr-Bataillone, bisher feine, 8 Res.-Maschinengewehr-Bataillone 22 aktive, 12 Reserve-, 8 Infanterir-Batter^n. 6 Res.-Infanterir-Datterien Mtillerie-Re- gimenter gegen bisher 22 Artillerie-Regimenter, darunter 5 schwere Artillerie-Regimenter gegen bisher 3, 9 Kavallerie-Regimenter, 1 Radfahr-Jäger-Regiment, 8 Pionier-Regimenter, Kampfwagen-, Kraftwagen- und Pamzerkraft- wagen-Formationm, 8 Fliegerabteilungen, Eisenbahn- und Rachrichtenformationen. Delgien ist nicht nur durch einen Milit2 r - vertrag an Frankreich gebunden, es hat sich auch die französischen Anschauungen tn organisatorischen und taktischen Fragen zu eigen gemacht und kann in militärischer Beziehung durchaus als ein Tell von Frankreich betrachtet werden. Aber nicht nur Belgien ist durch einen Mill- tärbertrag an Frankreich gefesselt. Man hat es in Paris verstanden, einen ganzen Ring von Armeen um Deutschland zu schaffen. Es würde zu weit führen, wollte man im einzelnen die Armeen der Basallen Frankreichs behandeln. Sie nachstehende Tabelle zeigt deutlich die Er- Sem schlecht bewaffneten deutschen 100 000- Mann-Heer stehen also an den deutschen Grenzen 1718 000 mit dem neuesten Kriegsmaterial bis an die Zähne bewaffnete Soldaten gegenüber. Und trotzdem glaubt Frankreich sich noch immer von Deutschland so bedroht, daß es weite deutsche Gebiete beseht hält und den Rhein zu seiner Grenze machen möchte. Die Zahlen der vorstehenden Tabelle zeigen, daß nicht die Sorge vor einem Ueberfatl Deutschlands, sondern einzig und allein der tausendjährige Traum Frankreichs von der Rheingrenze die Politik feiner Regierungen gegenüber Deutschland benimmt. Berlin, 17. Mai. Der Wochenschluß brachte wieder allgemeine Zurückhaltung im Pcodukten- verkehr Fär Roggen zeigte sich wohl verschieden^ lich einige Frage seitens der Provinzmühlen dxh war der Verkehr nach wie vor kein regelmäßiger. Zn Weizen blieb die bisherige Lustlosigkeit bestehen. In Sachsen wird ziemlich viel Material für hiesige und andere "Mühlen und Interessenten in Kähne geladen. Gerste andauernd sehr still, Hafer bei kleinem Angebot ziemlich fest. Das Geschäft hat sich nicht gebessert. Abaeber zeigen sich in ihren Forderungen weiter willig. Futterstoffe lustlos Man notierte für Getreide und Oelsaaten per 10000 Kilo, sonst per 100 Kilo, ab ©t-atron: W.izen märt. 156 bis 159, Roggen märt. 123 wis 132 Sommergerste märt 164 bis 176, Futtergerste 148 bis 150, Hafer märt 127 bis 134, Weizenmehl 21 50 bis 24,50, Roggenmehl 18,75 bis 20.75, Welzenkleie 9,50 Roggenlleie 9,25 dis 9,30, Raps 300 Leinsaat 400, Dikoriaerbsen 21 bis 23, kleine Speiseerbsen 15 bis 16, Futtererbsen 14 bis 15, Peluschken 11 bis 12 Ackerboden 15bis 16, Wicken 11.50 ,,n " 11 11 ™ gelbe 15 bis Ostmarken und Siedelung I Don Ludwig Heine-Heuckewalde. Eine eindringliche Lehre hat der Ausgang des I Weltkrieges dem deutschen Volke gegeben: Grenz- I märten sind nicht mit Bajonetten und Kanonen I allein zu halten. Es gehören dazu noch andere Sicherungen. Das gesamte Volk muß Don Cem | ehrlichen Willen durchdrungen sein, sich lein Glied des Vollskörpers rauben zu lassen und — Die Grenzmarken müssen dem Volkstum nach wirtlich I Glieder des Vollskörpers sein. 3n der Erkenntnis dieser Wahrheiten muß dem deutschen Bolle ein tieferes Verstehen für die Fragen unserer Grenz- lanbe im Osten vermittelt werden. Aus den Ereignissen seit 1918 und namentlich aus den Erfahrungen der letzten fünf Vierteljahre heraus ist es ja wohl zu verstehen, daß die Anteilnahme des deutschen Empfindens hauptsächlich nach dem Westen geht. Doch dürfen die Lebensfragen im Osten dadurch nicht vernachlässigt werden. Genau so wie der Rhein ist aber auch die Ostgrenze eine Lebensfrage Deutschlands: ja, Kenner der Verhältnisse haben ihre ernsten Gründe, die eigentliche Schicksalfrage der deutschen Zukunft an Warthe und Weichsel und Darüber hinaus gen Osten zu suchen. Denn noch ist das Slaventum nicht absterbende Volkskraft, sondern aufwellende Flut, gegen die feste Dämme und sichere Deiche gesetzt werden müssen. Richt nur im Kriege heißt es „Blut wider Blut". Auch im Frieden gilt diese Forderung, wenn auch in anderer Weise. Das deutsche Blut, I das bei Tannenberg und in Masuren für die Ostgrenzlande geflossen ist, soll die Saat sein für deutsches Geblüt, welches in treuer und zäher I Arbeit dem deutschen Grenzlandr eine neue Blüte sprossen läßt. Dazu aber gehört zielbewußte Säuerliche Siedelung in Ostpreußen und in Schlesien. Die Teilnahmlosigkeit weitester Kreise unseres Volkes und der Widerstand kleinerer, aber einflußreicher Schichten gegen diesen Gedanken muß überwunden werden. Des- ßalb einige Tatsachen, die die Frage beleuchten. Seit der Reichsgründung 1870 71 hat die Bevölkerung Ostpreußens abgenommen, Die Schlesiens ebenfalls in einigen Teilen. Die Zähre, in denen die deutsche bäuerliche Landwirtschaft hart zu kämpfen hatte, sahen den gewaltigen Aufschwung der deutschen Industrie. Beide Tatsachen wirkten zusammen, um die Reihen des Bauerntums im Osten zu lichten und einen Strom von Menschen nach Dem Industriegebiet des Westens zu leiten. Das frei werdende bäuerliche Land im Osten wurde vom Großgrundbesitz auf- | gekauft und half dessen Areal vergrößern. Es waren Die Jahrzehnte des sogenannten „Bauernlegens". Ob nicht so manche trübe« Erscheinung im Weltkriege und im Zusammenbruche die bittere Frucht jener Wurzel tcar? So ist es gekommen, daß Die Fläche des Großgrundbesitzes heute viel größer ist in Deutschland (besonders eben in Den östlichen Gebieten Preußens) als vor fünfzig und sechzig Jahren. Diese Entwicklung muß nicht nur gebremst, sondern bis zu einem gewissen Grade rückgängig gemacht werden. Wie oft hört man das gewiß sehr richtige Wort: Auf einem starken Preußen ruht die Zukunft Deutschlands! Jawohl! Aber ein starkes Preußen ist nicht Denkbar ohne Diel und dichtes gesundes Bauerntum in seinen östlichen Provinzen. Das an Polen verlorene Westpreußen blieb auch unter Der früheren polnischen Oberhoheit im Kerne durch Hahrhunderte hindurch deutsch, weil es aus der Deutschrttterzelt blühende deutsche Bauerndörfer befaß. Friedrich der Große wußte, weshalb er die im Kriege gesicherten oder neu gewonnenen Gebiete in den Darauffolgenden Friedensjahren gctojfermaßcn Inoch einmal erwarb durch rastlose bäuerliche Ko- lonisieimng. Hier erstehen ernste Mahner aus Der Vergangenheit. Schnell, Planmäßig und gründlich muß das deuts ch e Bauerntum der östlichen Grenzlande vermehrt werden. Der Großgrundbesitz muß mindestens auf den Stand von etwa 1850 zurückgeführt werden. Das Interesse der deutschen Zu- kauft geht unter allen älmständen vor. Entweder zehntausende von deutschen Bauern im Osten mehr oder unsere Enkel kämpfen den letzten Der- zweiflungskampf an der Oder. werde. • Geschäftsaufsicht über die Bergische Bank A-G. in Elberfeld. Die Dank, die im Hahre 1869 gegründet wurde, hat Geschäftsaufsicht beantragt, Da sie im Augenblick nicht in Der Lage ist, ihren laufenden Verbindlichkeiten nachzakommen. Die Zahlungsstvckungen sIllen dadurch entstanden sein, Daß zahlreiche Wech el, Die die Dank von Der Kundschaft getauft halte, zur Zeit nicht eingelöft werden können. Die Zahlungs- ulttähgkcll dieser Danksarma mag im Zu ammen- bang stehen mit Der andauernd schwierigen Lage Der bergischen Eisenindustrie, Streiks und Auslandskonkurrenz wirkten hier äußerst schädigend ein, doch hat sich in letzter Zeit die Lage etwas gebessert. Eine Derlustgefahr soll nicht vorliegen. * Barmer Bankverein Aus dem Gesamtgewinn von 11,1 Mill. Dill. Mark verbleibt nach Abzug der älnkosten,(Derwaltuna: 4,39 Mill Bill., Steuern usw. 0,50o Mill. Bill,), zusammen 4,896 Mill. Dill., ein Reingewinn von 6 2 Millionen Bill. Mark. Don der Verteilung einer Dividende soll Abstand genommen werden und der äleberschuß nach verschiedener Verwert- Dung auf neue Rechnung vorgetragen werden. Sie ®-03 ist auf den 12. Ium etnberufen. Beschlossen wird die Auflösung einer Reihe von Zweigniederlassungen, um den Amsang des Betriebes mit den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen in Einklang zu bringen. • Detriebseinschränkungen. Die ! Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik A-G in Düsseldorf gibt, über die Verkürzung der Arbeitszeit folgendes begannt: Die Folgen des passiven Widerstandes, des dauernden Eeldabflusses durch die Micumverträge, feiner die immer wieder kehrenden Streiks, Die letzten Endes nach unserer Meinung durchaus berechtigten Maßregeln Der Reichsbank und die mit all den angeführten Gründen zusammenhängende akute Kreditnot veranlassen uns aus kaufmännischer Vorsicht schon jetzt «ine Derringe- rung unserer Produktion auf den Gebieten v;r- I zunehmen, auf Denen Geschäfte nur durch langfristige Kreditgewährung möglich sind. Wir nehmen an, Daß der gegenwärtige Zustand sich noch weiter verschärfen und auch noch längere ^eü I Dauem wird, Da wegen des schleppenden Ganges I Der politischen Verhandlungen die endgültige Losung vor Herbst 1924 kaum zu erwarten ist. — Mach Dem „Oberschlesischen Kurier" sieht sich Die Königshütte infolge einer Absatzkrise gezwungen, zwei Hochöfen und zwei Kokereianlagen stillzulegen; einzelne andere Betriebe, wie Dk I Kupferfabrik und Die Ziegelei, sollen nur noch an drei Tagen in der Woche arbeiten. 1 Diskuswerke Maschinenbau A-G, Fra nkfurta. M Sie o. G.-V. für Das zweite Geschäftsjahr genehmigte die alljährlich fälligen Berichte. Der Reingewinn mit 85 000 Bill- Mk. folge der französischen Einkreisungspotttik gegen Deutschland. Frankreichs und seiner Bundesgenossen militärische Stärke im Frieden. o " ti H a & a ~ "P Bnchcrtisch — Ser Piper-Bote für Kunst und Literatur, dessen Frühlingsheft uns soeben zugeht, ist eine anregende kleine Zeitschrift, die Der Münchener Verlag R. Piper & Eo. herausgibt. Ser Piper-Bote bringt Kunde von Den geistigen Kräften, denen der Verlag dient. Reichhaltig WM das Verlagsprogramm ist also auch der Inhalt der Zeitschrift. Aus Christian Morgensterns Rachlaß erscheint eine interessante autobiographische Plauderei „lieber mich selbst". Meier-Graefe setzt sich mit Dostojewski auseinander, Worringer spricht über Griechisch-Römisches. Hausenstein stellt die beiden großen holländischen Maler Rembrandt und Vermeer einander gegenüber. Hans Tietze schreibt über den kürzlich verstorbenen Wiener Kunsthistoriker Max Dvorak, dessen Bedeutung weit über Fachkreise hinausgreift. Der Bildertest ist besonders reich. Eine lleberraschung ist das neu entdeckte Dürersche Frauenbildnis der Wiener Galerie. Der Leiter dieser Galerie, Gustav Glück, zeigt außerdem ein unbekanntes italienisches Frauenbildnis. Die Wolfflinbüste Edwin Scharffs wird allen Verehrern des berühmten Gelehrten willkommen fein. Eine wundervolle Holz- skulptur des Evangelisten Johannes aus Frew bürg die Driefleserin Vermeers, ein dämonisches Selbstbildnis des alten Rembrandt kommen hinzu. Don Modernen sind Max Beckmann und Chagall vertreten. Das nächste Heft wird ein Sommerund Reiseheft sein. Der erstaunlich billige, gut gedruckte Piper-Bote wird zweifellos dem Verlag, der jetzt auf eine zwanzigjährige Tätigkeit zurücDlicken kann, neue Freunde Anfuhren. — H. v. Kahlenberg, Des Teufels Schachspiel, ein flott geschriebener, geschickt konstruierter Roman, fesselnd und unterhaltsam, bi vielem unwahrscheinlich, aber seinen Zweck erfüllend (Verlag Vita, Deutsches Derlagshaus. Berlin-Charlottenburg). — Die Erziehung fürs Leben bedingt die Heranbildung und Pflege einer heiteren Lebensauffassung, die den ünbilben und Stürmen grauer Tage siegreichen Widerstand leisten kann. Das beste Mittel, gute Laune zu erwecken und ständig zu erhalten, ist die Lektüre der Meggen- dorfer-Blätter (Verlag München,Residenzstraße 10). Dieses mit wirklichem Humor geleitete und ausgestattete Familienwihblatt rechtfertigt mit jeder Rümmer aufs neue seinen guten alten Ruf, ein fröhlicher, erheiternder Genosse za fein, in jeder Lebenslage und in jeder Zeitströmung. — Was heißt französische Besatzung? 31 Bildzeichnungen von Dipl.-Ing. Fritz Schüler, Berlin. (Verlag Bernard & Graefe, Berlin N 4, Wöhlertstraße 12.) Einzel-Verkaufspreis 1,50 Mk. Eine Propagandaschrift im deutschen Abwehrkampf gegen Die französische Bedrückung. Historische Karten im Mehrfarbendruck widerlegen die Behauptung von Maurice Barrös, Daß der Rhein ein französischer Strom sei. Klars und allgemein verständliche Zeichnungen geben ein umfassendes Bild von den Sorgen, Röten und Leiden, die auf der Bevölkerung von Pfalz, Rhein. Saar und Ruhr lasten, die ohne viel Worte, furchtlos und treu, ihre Liebe zum deutschen Daterlande seit Hahr und Tag durch die Tat bewiesen hat. Die Schrift gedenkt des Saargebiets, d«r verlorenen Gebiete von Eupen und Malmedy, sie zeigt die aggressive Tendenz der Besahungs- truppen am Rhein Sie weist die Lasten auf, die die Städte durch die Menge der Besatzung zu tragen hoben und zeigt den moralischen Druck, den ein übermütiger Sieger auf eine wehrlose Bevölkerung aosübl. Der Separatistenrummel wird ins rechte Licht gesetzt. Des Ausweisungsterrors, der Gefangenen wird gedacht, die französische Kulturpropaganda zurückaewiesen und Frankreich als der Staat hingestellt, der wie ehr Polyp seine gangarme über ganz Europa aus- streckt und dessen ganzes Gewicht und dessen ganzer Srucf auf Deutschland lastet. 16. Mat 17. Mat Rcpcrrt. I Sinnliche Rotieruna Amtliche Rotieraa, 15. 16. tocl» | Prier Meld | Briet Nmst.-Nott. C Kristiania. KovenkaakN Ciockholin. HclsingforZ. Italien. . London.. . Reuvork .. Paris. .. . Cchivri, • > Spanien . . Wien in $.• 5 „t. abaeit 157,80 2U,4i 58,45 71,62 111,97 10,62 18,95 158,60 £0,55 68,75 71,98 112,53 10,68 19,05 157,60 20,45 58,65 71,42 111,97 10,62 18.95 168,40 20.55 58,95 71,78 112,63 10,68 19,05 1 voll 2 4 10 voll 50 2 voll 20 •4 10 voll 50 18,405 4,1 D 24,64 18,495 4,21 24,76 18,355 4,19 24,59 18,445 4,21 24,71 2 1 voll 2 1 voll 74,41 74,79 74,41 74,79 2 2 68,45 68,75 68,45 68,75 50 50 5,93 6,0? 5,98 6,02 voll voll Prag * • ■ • Budaveit - - 12,45 4,63 12,64 4,72 12,46 4,58 12,54 4,62 15 voll 15 voll Buen>AireS Bulgarien. Japan .. . fiiio De ftan. 1,375 3,03 1,685 1,470 1,385 Ä MIO 1,375 3,03 1,685 0,465 1,18 5 2,11 1,695 0,479 voll voll voll voll voll voll voll voll Belgrad . . 5,255 I 5,295 5,205 5,245 voll voll Lisjäpon 12,56 I 12,64 12.55 12,64 — (Selb (Brief Revatt. 74.41 74,79 20 24,53 24,71 voll 71,42 71,78 >6 111,97 112,53 50 157,60 168,10 50 5,91 5,-3 voll 4,13 4,21 10 18,3 i 18,45 25 18,95 19,05 voll 20,10 20,20 voll 4,54 4,56 voll 12,57 12,63 voll 68,65 68,95 40 1,99 2,01 voll 68,15 68,75 voll Die Vantiger. Roman von Hermann Stegemann. 6. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Sie atmete tief auf, fie wiegte sich auf ihrem Sitz und spürte plötzlich kns Verlangen zu singen. Er war stolz auf ihre schöirr Stimme und hatte sie in Stuttgart ausbilden lassen, und seht hätte sie gern eins der dunklen, herben Drahmslieder gesungen, die er nicht verstand, von denen er be- bauptete, sie kämen wie auf Geistersohlen daher, doch sie brachte es nicht über sich aufzustehen und in das Musikzimmer h.nüberzugehen, sondern sah wie gebannt und wendete die Äugen nicht von seiner allmählich zusammengesunkenen Gestalt. Aber dann überkam sie plötzlich, unversehens, ohne dah sie gewußt hätte, warum, ein erdrückendes Gefühl der Einsamkeit, der Sehnsucht, und alle zärtlichen Empfindungen wurden von einem Schwall wilden Verlangens nach eigenem Erleben verschlungen. Er sah und schlief, und sie sah und starrte ihn feindselig an, sah die Adern- stränge auf seiner Stirn und aus seinen Händen, sah die Tränensäcke unter seinen faltig gewordenen Libern, sah den schlaffen Zua um den leicht- geöffneten Mund. Jählings rih sie den eisernen Haken vom Kaminrechen, dah das Gestell klirrend auf die Fliesen stürzte und stieh ihn wild in den weihgewordenen Aschenhaufen des ausgebrannten Feuers. AlS Schaufel und Zange zu Doden klirrten, schlug der Vaumeister die Augen auf. Aber die Tochter wurde um ihre böse Lust betrogen. Er erschrak nicht, fuhr nicht in die Höhe, bot kein klägliches Schauspiel, sondern war auf einen Schlag er selbst und sagte lachend: „Ich träumte, eine Drücke fei eingestürzt, und das ist mir doch noch nie geschehen." „Es ist über die Abendzeit," antwortete Ens mit tonloser Stimme. Als er sich langsam erhob, trat sie scheu von ihm wog Er achtete nicht darauf, sondern legte den Arm um ihre Schultern und sagte: „So komm, sonst reut mich das Erwachen" Sie erschrak über den Doppelsinn, von dem er nichts wuhte und drängte sich plötzlich wieder kindlich an ihn, aber sie bewahrte eine scheue, schreckende Erinnerung an diesen Tag, und hat die Dämmerstunde vor dem Kamin nie vergessen. Reu-Runs war eine Schöpfung Gottfried Dantigers. Er h.itte das Gelände erworben, als es noch in der Urgestalt von Matten und Kieshügeln jenseits des wilden Wassers schlummerte. Er hatte soviel Leben im alten Runs geweckt, so viele Techniker, Handw.'rkslcute und Arbeiter hin- gezogen, dah das alte Weichbild zu eng geworden war, und mancher, der zu Wohlstand gelangte, sich aus den düsiecm Gassen unter dem Felskopf nach dem Sonncnsleck im Mattengrün sehnte. Da hatte er zu äuherst am Hügelrand, wo das Tal sich gegen Westen wieder hebt, eine Reihe von kleinen Häusern ausgesät und am Knick der schwarzen Runs, die aus dunklen Duschwäldern lautlos hervorschieht, um sich plötzlich lärmend von der 5