Erstes Blatt V4. Jahrgang Mittwoch, *9. März 1924 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheßen Drwf mid verkaH: 8rfty spätete Erwiderung des Seipelschen Besuches in Berlin vom August 1922, um eine Höflichkeitsvisite, wie sie in den Republiken Mitteleuropas an die Stelle früherer Fürstenfahrten getreten ist. Dabei soll aber das Praktische mit dem Zeremoniellen, die staatsmännische Arbeit mit dem offiziellen Grußaustausch verbunden werden. Man erinnert sich wohl noch des kürzlichen Aufenthalts des österreichischen Handelsministers Dr. Schür ff in Reichsdeutschland. Der Minister besuchte in Begleitung seiner Sektionschefs und sämtlicher österreichischer Handelskammerpräsidenten die Leipziger Messe und knüpfte dann in Berlin mit allen maßgebenden Stellen Beziehungen an, um den geplanten Handelsvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich vorzubereiten. An diesem Problem soll nun anläßlich des reichsdeutschen Besuches in Wien weiter gearbeitet werden. Oesterreich ist uns in der Stabilisierung und Sanierung um ein Jahr voraus und kann trotz der verschiedenen wirtschaftlichen Grö- henverhälmisse in mancher Richtung als Borbild für den deutschen Wiederaufbau dienen. Dabei darf man sich im Reiche nicht allzusehr daran stoßen, daß die Oesterreicher ihre ersten Schritte ängstlich und folgsam am Schürzenband des Bölkerbundes unternehmen mußten. Der überaus rührige österreichische Außenminister Dr. Grünberger sieht als diewich- ttgste Ergänzung des Genfer Sanierungswerkes die Verbesserung der internationalen Handelsbeziehungen an. Zn einer der vorjährigen Sitzungen des österreichischen Komitees des DölkerbundSrates (die in Paris stattfand) gab Dr. Grünberger eine Darstellung der gesamten handelspolitischen Aktton Oesterreichs. Er geißelte das viel zu langsame Tempo der Verhandlungen, namentlich der Nachfolgestaaten, und zeigte, wie die unbefriedigenden handelspolitischen Verhältnisse, zumal die verschie- dentliche Behandlung österreichischer Waren, die Einfuhrverbote und sonstigen Beschränkungen die wirtschaftliche Entwicklung Oesterreichs lähmten. Jene Darlegungen verfehlten nicht den ersttebten Eindruck. Die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, Ztaliens und der Tschechoslowakei erklärten sich sofort bereit, in Handelsvertragsverhandlungen mit Oesterreich einzutreten. Bald darauf begannen die Verhandlungen mit Italien und der Tschechoslowakei. Der erste Tarifver- ttag, der zustande kam, war der mit Ztalien. Es folgte das Handelsabkommen mit Fran k- reich; die einseitigen Bindungen des Ver- ttages von Saint Germain wurden darin aufgehoben und den Oesterreichern ungefähr die gleichen Begünstigungen eingeräumt wie der Tschechoslowakei. Bei den Besuchen, die der Bundeskanzler, begleitet von Dr. Grünberger, in B u d a p e st und Belgrad abstattete, wurde gleichfalls der Ausbau der bestehenden Handelsübereinkommen gefördert. Ueber- all begegnete man der größten Bereitwilligkeit, diese Tlebereinkommen, die noch die Pro- hibitionsmahnahmen der Nachkriegszeit zur Grundlage hatten, zu wirklichen Handelsver- ttägen auszugestalten. Jetzt ist es an Deutschland, durch den Wiener Besuch seines leitenden Staatsmannes an seinem Teil dazu beizuttagen, daß die aus der Kriegszeit übrtggebliebenen und vom Geist des Krieges diktterten Hemmungen des internationalen Wirtschaftslebens so bald als möglich aus der Welt verschwinden. Reichskanzler Dr. Marx findet kein verlorenes und verzweifeltes Bruderland mehr vor. Es geht aufwärts mit Oesterreich, und der Mann, dessen Werk das ist, heißt Prälat Zgnaz Seipel. Zur Zeit der gefährlichsten Kata- strophenatmosphäre hat Dr. Seipel die Leitung des total verfahrenen Staatskarrens übernommen, er hat die große Sanierungsaktion eingeleitet, den Sturz der österreichischen Währung aufgehalten und das Land vor dem Zusammenbruch gerettet. Als Leiter eines kleinen Staatswesens hat er sich eine geachtete, internationale Stellung zu erringen gewußt. Sein Name hat in der Diplomatie der großen Staaten einen guten Klang bekommen. Seine Freundschaft, seine Fürsprache bedeutet überall einen Erfolg. Seipel und Marx entstammen derselben Politischen Partei und derselben religiös gefestigten Weltanschauung. Das sind starke Brücken. Aber als D e u t s ch e werden sie sich wahrscheinlich am besten verstehen. Auch Dr. Stresemann nach Wien. Berlin, 18 OHär* lWTB.) DerReichS- kanzler ist heute abend 9 Uhr in Begleitung des Chefs der Reichskanzlei, des StaatssekvetärS Frankreichs östliche Vasallen. Die geheimen Abmachungen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei. — Die Rolle Polens, Jugoslawiens und Rumäniens. Berlin, 18. März. (Wolff ) Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht den Wortlaut der geheimen Abmachungen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei. Am 25. Zanuar ist bekanntlich zwischen den beiden Staaten ein Freund- schafts- und Bündnisvertrag abge- jchlrssen worden. Andere Abmachungen waren vc rausgegangen. Am 28. Oktober 1918, also vor dem Ende des Krieges, wurde ein Geheim- vertrag unterzeichnet, wonach eine aus 68 französischen Offizieren gebil ete Kommission für die Dauer von 20 Zähren mit der Organisation und, im Falle eines Krieges gegen Deutsch-- tand, mit der Führung der tsch-echo- flowakischen Armee betraut wurde. Diesem Vertrag wurden am 24. April 1921 ergänzende Bestimmungen angefugt, nach denen es die tschechoslowaksche Regierung übernahm, im Falle einer ernsthaften Entwickelung der Anschlußbewegung Wien, Linz und Salzburg zu besetzen. Am 8. November 1921 verpflichtete sich Denes ch gemeinsam mit F ankreich wirtschaftspvlichcheund militärische Schritte gegen Deutschland im Falle einer Gefährdung des mitteleuropäischen Friedens zu unternehmen. Die neuen geheimen Abmachun- gen, die zu dem Foeundschafts- und Bündnisvertrag vom 25. Zanuar 1924 hinzutreten und die jetzt vcm Berliner Tageblatt" verpßntlicht werden, bestehen in einem Geheimprototoll vom 25. Dezember 1923, das mit dem Beitritt Süd- s la Wiens zu dem Vertrage rechnet, ebenso auf eine Verbindung mit Polen und Rumänien. Man erfährt aus diesem Protokoll, daß der Absatz des Geheimablvmmens vom 8. November 1921, der eine Störung des mitteleuropäischen Friedens Vorsicht außer Kraft gesetzt worden ist, weil die bezüglichen Defenfivverträge eine andere Regelung vorsehen. Dr. Benesch sichert geneigte Ausnahme und Unterstützung der von der französischen Militärmission in Prag vorgelegten neuen Wehr Vorlage vom 11. Dezember 1923 zu, Poincare dagegen einen nicht begrenzten französischen Kredit für denAusbauderWehrmachtdurch restlose Ausnutzung der tschechoslowakischen Kräfte für den Wehrzweck. Das wichtigste Aktenstück ist die am 25. Zanuar 1924, also am Tage des Abschlusses zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei unterzeichnete Deklaration zu diesem Bündnisverträge. Zhre wich- ttgsten Punkten lauten: 1. Die Tschechoslowakei tritt bei einem Kriege m't Deutschland mit ihrer g esam - ten Kriegsmacht auf die Seite Frankreichs, und umgekehrt verpstichtet sich Frankreich bei einem Waffengang der Tschechoslowakei mit Deutschland, diesem den Krieg zu erklären. 2. Bei einem Kriege Polens mit Deutschland treten beide Vertragsparteien an die Seite Polens. 3. Dor der Eröffnung von Feindseligkeiten zwischen der Tschechostowakei und Ungarn gibt Frankreich die Unterstützung der Tschechoslowakei mit Kriegsmaterial zu erkennen. 4. Beide Dertragsteile Verhalten sich bei einem Konflikte Polen-Rußland neutral. 5. Bei einem Wiederaufleben der Anschluß b e w e g u n g in der Bundesrepublik Oesterreich machen beide Dertragsteile durch ihre Vertreter bei den Dundesbehördeu in Wien auf die Folgen in Form einer D e s e t - zungderDundesrePublikdurch Verbündete Truppen aufmerksam. 6. Die Wiederkehr der Habsburger in Ungarn verpflichtet Frankreich zur sofortigen Entziehung der Kredite, und beide Dertragsteile zum Hinwirken auf eine Verschärfung der Kontrolle. Ueber den weiteren modus procedsndi einigen sich die Dertragsteile. 7. Der Versuch einer Restaurierung der Hohenzollern in Deutschland oder in einem seiner. Länder erfordert sofort den schärfsten Einspruch ultimativen Charakters beider Dertragsteile in gleichen Noten unter Ankündigung weiterer Sank- tioneu im Westen und Südosten unter Bezugnahme auf den Versailler Vertrag. 8. Zu Rußland sind freundliche Beziehungen im Einvernehmen anzubahnen. Sin Ueberfall Rußlands auf Rumänien erfordert die Unterstützung Rumäniens mit Kriegsmaterial. 9. Die Unterstützung Rußlands drrrch Deutschland bei einem Kriege Rußland- Polen erfordert die gemeinsame Kriegserklä-- rung der Dertragsteile an Deutschland. 10. Unabhängig bleibt die Stellung beider Dertragsteile in Italien. Die Bestrebungen Italiens zur Erlangung einer Mittel- meerherrschaft werden von beiden Vertrags- teilen bekämpft. Das nächste Aktenstück ist ein Konzeptdertrag über den Beitritt Südslaviens zu dem Bündnisvertrag, den Benesch dem südslavischsn Minister des Aeußern Nintfchitfch vorgelegt hat. Für den Fall eines ungarischen Angriffs auf Südslavien ober die Tschechoslowakei sollten sich beide Staaten mit ihrer gesamten militärischen Macht beistehen. Fvcurkveich aber sich zu einer wohlwollenden Neutralität verpflichten. Für den Fall eines deu t schen Angriffs auf eine der Vertragsparteien sollten die beiden Wideren dem Angegriffenen mit voller Kriegsmacht beistehen und ein südslavifches Armeekorps sollte unter das tschechoslowakische Oberkonnnand) treten. Im Falle etned Angriffs von an derer Seite als Deutschland oder .Ungarn auf eine der Vertragsparteien sollten sich die beiden anderen zu wohlwollender Neutralität verpflichten, wenn jedoch die angreifende Macht von Deutschland oder Ungarn unterstützt würde, sollten die vollen Verpflichtungen in Kraft treten. Der Vertrag sollte auf unbeschrankte Zeit geschlossen werden, jedoch einen Rücktritt mi- zweijähriger Kündigung gestatten. Aris dem gleichfalls veröffentlichten Geheimproto- koll anläßlich der Belgrader Konferenz am 10. Zanuar 1924 geht hervor, daß Nintschitsch mit dem dem Vorschläge und dem Konzeptpertrage zugrundeliegenden Gedanken sich einverstanden erllärt, g:gen den Abschluß des neuen Vertrages in der vorgeschlagenen Form und Ausdehnung jedoch Bedenken geltend gemacht hat, die ihm nicht gestatteten, t>em König die Annahme des Vorschlags in der erwähnten Fassung zu empfehlen. Dagegen waren sich Ninlschttsch und Venesch darüber einig, eineHabsburgerDvnastiein Ungarn nicht z u dulden, und Garantien dafür zu verlangen, daß der an Ungarn gewährte Kredit von 250 Millionen keinesfalls für Rüstungszwecke verausgabt werde. Das letzte Aktenstück ist das Investitionsprogramm zrun Wehcvorschlag der französischen Militärmission vom 11. Dezember 1923. Es steht den Bau von 2134 Kilometer neuen Eisenbahnen, umfangreiche Straßenbauten, den Neubau von 18 und den Umbau von 4 Kasernen vor. Bracht, nach Wien abgereist. Der Minister des 2lrußern Dr. Stresemann, der sich, heute nachmittag nach Leipzig begeben hat, wird dort in fcen Wiener Zug einsteigen. Die Rückreise von Wien nach Berlin erfolgt am Freitag nachmittag. Frankreichs Rüstungen. Paris, 18. März. (WB.) Die Kammer beschäftigte sich mit der Frage der allgemeinen Organisation des französischen Heeres. Der Berichterstatter über das Militärgeseh, Abgeordneter Oberst Fabry, erinnert an die großen Grundsätze der französischen Militärpolitik, die toefent» lich defensiv sei, was ihr gegenüber der Politik eine gewiste Unterordnung verleihe, die darin bestehe, den Sieg zu einer gewollten Stunde und an einem bestimmten Pu alle vorzubereiten. Viele Franzosen, besonders aber die Soldaten, hätten vor dem Kriege einen solchen Abscheu, daß die französische Politik nur auf die Notwendigkeit der nationalen Verteidigung und auf die Sicherstellung des französischen Rechts und der französischen Ehre eingeftellt sein könne. Diese Notwendigkeit entspräche den vier Zielen: 1. das Land gegen jeden Ginfall zu schützen, 2. in KriegSzetten alle Hilfsquellen des Landes für das Heer zu konzentrieren, 3 nicht zuzugeben, daß das französische Gebiet an den Grenzen der Metropole ende und für die Verteidigung die größtmöglichste Zahl von Soldaten zur Verfügung zu haben, 4. endlich vermittelst Allianzen Frankreich den Beistand der größtmöglichen Zahl von Staaten zu sichern. • Das Heer, das Frankreich unterhalle, fbU nach dem vorliegenden Gesetzentwurf in 32 Divisionen ungeteilt sein. Dazu kommen Spezialtruppen, die Artillerie, Luftgeschwader, Tankgo- schwader unt> die allgemeinen Reserven. Das Heer soll in 16 Armeekorps eingeteilt fein; 6 Divisionen unter 3 Armeekorpskommandanten werden i m Rheinland garnisvniert werden, der Rest wird im Inneren Frankreichs auf 13 Armeekorps verteilt. Frankreich selbst wird in 20 Ako- bilisierunsbezirke eingekeilt, so daß also jedem Armeekvrpskommandanten in seinem Befehlsbereich ein oder mehrere Mobllisierungsbezirke unterstellt werden. Der Berichterstatter teilt weiter mit, die Grenzarmee habe den Zweck, Frankreich ein Friedens Heer zu geben, durch das es in den Stand gesetzt werde, jederzeit eine starke Schlacht front auf dem rechten Rheinufer herzustellon (Bewegung auf verschiedenen Seiten). Diese Armee mache keine Ansprüche darauf, sich selbst zu genügen, sie dürfe also bei der Organisation nicht von dem Rest der nationalen Armee isoliert werden. Der Jeignerprozeß. Leipzig, 18. März. (Wolff.) Es wird zunächst der Fall Brand verhandelt. Der Aagr- flagte Möbius erzählt, er habe durch einen gewissen Götze erfahren, daß Leutnant Georg Brand wegen Getreideschiebungen zu zwei Monaten Gefängnis und 25 000 Mark Geldstrafe verurteilt worden sei. Er sei an Brand heran- getreten und habe gesagt: Machen Sie mir ein Gesuch an das Zustizministerium, ich werde das 3eigner selbst vortragen. Das Gesuch fei in einem offenen Umschlag gewesen, er habe es Zeigner weitergegeben, aber die 5000 Mark, die dem Gesuch beilagen, Herausgenommen. Er habe angenommen, daß das Geld für ihn b e st i m m t gewesen sei. Der Vorsitzende hält Möbius vor, er habe früher gesagt, daß der Um- schlag geschlossen gewesen sei. Möbius erflärte, der Untersuchungsrichter habe ihm das auch immer gesagt. Dann habe er in seinem Aerger schließlich gesagt- „Na, dann war es eben so". Später sei Brand an ihn herangetreten, er solle mit ihm nach Dresden fahren, da er persönlich mit Zeigner sprechen wolle. Erst habe er gesagt, er hätte feine Zeit, sei aber dann doch gefahren. Er habe Zeig- ner in das (Safe Lippold bestellt, wo Brand gewartet habe. t (Bodjer habe er gesehen, daß Brand einen Briefumschlag mit 17 000 Mark hatte. Auf die Frage, was er damit wolle, habe Brand erwidert: „Dem Doktor schenken." Er habe darauf gesagt: „Machen Sie das ja nicht, er nimmt es nicht!" Brand habe erwidert: „Wenn er es nicht will, ist es dein!" Als Zeigner kam, habe er sich gar nicht erst gesetzt. Brand habe ihm das Kuvert mit den Worten überreicht : „Hier, Dottor, das Gesuch!" Zeigner habe es genommen und sich entfernt. Er, Möbius, sei Zeigner nacfrgegangert und habe ihm gesagt: „Doktor, da ist Geld drin." Darauf habe dieser zwei Pakete von je 5000 Qltarf heraus- genommen und ihm gegeben. Diese 10 000 Mk. habe er behalten, da Brand ja gejagt habe: „Dann ist das Geld dein." Einige Zeit später sei Zeigner nach Leipzig gekommen und habe ihm noch die übrigen 7000 Mark gegeben mit dem Auftrage, das Geld Brand zurückzugeben. Aach diese 7000 Mk. habe er behalten. Am Tage vor Weihnachten habe er eine Zusammenkunft Brands mit Zeigner vermittelt. Brand habe eine Gans im Paket gehabt. Brand habe das Paket Zeigner überreichen toollen mit den Worten: „Herr Doktor, hier ist eine Weihnachtsgans." Zeigner habe daS bestimmt zurückgewiesen. Darauf hab« Brand das Paket Zeigner in den Arm gelegt. Zeigner habe dann die Gans Möbius gegeben, und er habe sie mit seiner Frau gegessen. An Hand seiner früheren Aussagen hält der Vorsitzende Möbius eine ganze Reihe von Widersprüchen in seinen Aussagen vor. Der Angeklagte bleibt bei der jetzigen Darstellung und erklärt, in der Voruntersuchung habe er gelogen. Angeklagter Zeigner sagt zu dem Fall Brand aus Irn großen und ganzen sei es ihm damals gelungen, Möbius abzuschütteln. Er habe za Haase die bestimmte Qlnorbnung gegeben, daß er Möbius gegenüber verleugnet werden sollte, da er mit ihm nichts mehr zu tun haben wollte. Da Möbrus bei seinem Besuch in Dresden aber erklärt habe, er sei mit einem Herrn da, der seinen, Zergners Vater kenne, sei Möbius gemeldet worden. Darauf sei er mit ins (Safe Lippold gegangen. Die Unterredung mit Brand habe nur wenige Miauten gedauert. Brand habe ihm über den Tische ein Kuvert zugeschvben, das so dick gewesen sei, daß außer dem Gesuche noch etwas anderes darin eit» halten sein mußte. Auf der Straße habe er das Kuvert geöffnet und feslgestellt, daß es Geld enthielt. In höchster Erregung habe er Möbius Vorwürfe gemacht und gesagt: „Was ist das wieder für eine Schweinerei, die Sie mir eingebrockt haben. Tragen Sie das Geld sofort zurück und sagen Sie Braick), ich wolle mit der Sache nichts zu tun haben." Möbius habe dies für unnötig gehalten, do Brand ein reicher Mann sei. Schließlich habe er in der Erregung, um Möbius zu veranlassen, daß er zunächst den Mund hatte, den Geldbetrag aus dem Kuvert ge-, i nommen und Möbius gegeben mit den Worten: „Nun lassen Sie mich endlich tu Ruhe, wenn Sie wieder kommen, schmeiße ich Sie raus!" Den Vorgang am 23. Dezember schildert Zeigner folgendermaßen: Gr sei nach Leipzig gefahren, wo ihn Brand zu seiner Ueberraschang auf dem Bahnhof erwartet habe. Möbius sagte, Brand wolle ihn sprechen. Es sei ihm wie eine Ohrfeige gewesen, als Brand gesagt habe: „Hier, Herr Doktor, haben Sie eine Weihnachts- g a n s." Er sei dann mit Möbius toeitergegangen und habe ihm gesagt: „Nun will ich mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Nehmen Sie die Gans inrt> lassen Sie mich zufrieden. Bei dieser Gelegenheit habe er Möbius gefragt, ob er da s Geld abgeliefert habe. Möbius habe überlegen gelächelt, sei aber ausgewichen. Jedenfalls habe er das Gefühl gehabt, daß es nicht der Fall sei, weil sonst das Angebot Brands, ihm ein Weihnachtsgeschenk zu machen, unverständlich gewesen wäre. Zeigner erklärt weiter, er habe sich äußerst ungeschickt benommen und sei auch entschlossen gewesen, nach den Feiertagen mit Brand Rücksprache zu nehmen, habe dies aber immer als unangenehm aufgeschvben. Maßgebend dafür, das Gnadengesuch Brands 80 befürworten, sei der Umstand gewesen, daß 65 Ziayre all und ein verbrauchter Mann war und zudem seine Auffassung, daß F»«rheitSstrafen bei alteren Personen über-l Haupt auSzusetzeu seien. Der Vorsitzende hält dem Augeklagivn seine früheren Aussagen vor. Zeigner erklärt, die fal s che n Angaben habe er deswegen gemacht, um seine Militärsache nicht zur Sprache bringen zu müssen, die in kurzer 3eit verjährt gewesen wäre. Hätte er von Möbius gesprochen, so wäre unbedingt die Rede darauf gekommen. Der Zeuge Brand wurde, da er schwer herz- leidend ist, kommissarisch vernommen. Brand hat nach seiner Aussage im Cafe Lippold Zeigner einen Umschlag mit zirka 22 000 Mark gleich nach der Vorstellung mit den Worten überreicht: .Herr Doktor, kümmern Sie sich um meine Sache." Zeig-- ner habe den Umschlag genommen und in seinen Mantel gesteckt. Er habe den Eindruck gehabt, als ob Zcigner ohne weiteres gemerkt habe, daß der Einschlag Geld enthalte und daß er sich darüber freue. Später habe er ihn anher bei ileberreichuna der Gans niemals mehr ge« fprochen. Bet Ueberveichllng des Gans habe Zeig- ner freundlich st g e lach t und sich bedankt. Etwaige Einwendungen Zeigners, die der Zeuge für möglich erklärt, habe er nicht für ernst gehalten. In der Aachrntttagssitzung wird Rechtsanwalt Dr. Graf vernomnven, der im Emverstärckmis mit den Parteiinstanzen anfänglich die Verteidigung Dr. Zeigners geführt hat. Dr. Graf erklärt, er habe damals die Vermutung gehabt, daß Möbius von rechtsradikaler Seite gegen Zcigner gedungen war. Diese Vermutung habe er später nicht bestätigt ge- fu irden. Zeuge Rechtsanwalt Dr. Melzer hat die Anzeige gegen Möbius erstattet und das Verfahren ins Lvllen gebracht. Er bekundet, er sei das erfte Mal wegen der Gnadenpraxis stutzig geworden im Falle eines Holzfuhrmanns aus Löcknitz bei Wurzen, der nicht begnadigt worden sei, obwohl durch die Dezemberanrnestte viel schwerere Vergehen begiradigt wurden. Lach nicht allzu langer Zett wäre mindestens einer vo-n den drei Parteisekretären und Parteifunktionären in der Lage gewesen, Begnadigungen zu vermitteln. Es wäre Hebung geworden, die Parteikarte, damals die ber USP.» zu nehmen, um auf diese Weife Begnadigungen zu erreichen. Es seien sogar Begnadigungen ausgesprochen worden, ohne daß Gesuche Vorlagen, ausgefallen sei ihm auch, daß der Hustizminister persönlich die Gnadenakte bearbeitet habe. Staatsanwalt Dr. Fiedler bekundet über seine Vernehmung des Möbius, ine Anzeige gegen Möbius war von Dr. Melzer ausgegangen. Möbius antwortete nur widerstrebend und gab auch nur allmählich zu, daß er Beziehungen zu dem damaligen Iustizminister gehabt habe. Der Zeuge hatte absolut nicht den Eindruck, daß Zeuge von rechtsradikaler Seite beeinflußt war. Er selbst habe peinlich vermieden, irgendwie Zwang oder Drohungen zu brauchen, er habe Möbius immer wieder erklärt, er solle nur daS auSsagen, was er vor seinem Gewissen verx i i antworten könne. Als Möbius Besorgnisse zeigte, es formten ihm infolge von Presseäußerungen von feiten der sozialdemokratischen Partei Unannehmlich- leiten erwachsen, habe er ihm gesagt: Das werde» wir zu verhindern wissen. Der Zeuge gibt zu, in diesem Zusammenhänge möglicherweise von der verfluchten Dollszettung gesprochen zu haben. Möbius habe nach dieser Vernehmung entweder selbst iober durch Frau Friedrichsen nach Loschwih an Zeigners Lummer telephoniert „Sofort kommen, Fes brennt. Otto". Erst dann wurde Möbius verhaftet, und zwar lediglich wegen Verdun- »kelungsgefahr. Die Aeuherung „Dr. Zeig- net läßt Sie wissen" kann der Zeuge, wie er erklärt, schon deswegen nicht getan haben, weil Dr. Zeigner unter Immunität stand . Als Möbius fein Geständnis widerr ufen hatte, habe er immer erklärt, fein Gewissen habe ihm feine Luhe mehr gelassen, darauf habe der Zeuge gesagt: „Es fehlt nur noch, daß Sie sagen, ich hätte Sie zum Geständnis gebracht." Darauf habe Möbius in Gegenwart von Zeugen erwidert: „Lee Herr Doktor, das kann kb nicht sagen, Sie haben mich sehr anständig behandelt." Der Hitlerprozeh. München, 18. März. (WB.) Zu Beginn des 18. Verhandlungstages verliest der Vorsitzende eine Stelle aus dem Lachrichtenblatt des Oberkommandos des Kampfbundes über die Besprechung vom 23. Oktober, wo als einzig gangbarer Weg von Hitler die Ausrottung der deutschen Frage in letzter Stunde von Bayern aus und die Bildung einer deutschen Legierung in München bezeichnet worden fei. Hitler bemerkt hierzu, er habe damals erklärt, es gebe nur drei Llöglichkeiten: entweder wiederum Kapitulation oder einen Kampf mit fremder Hilfe oder aber einen Kampf mit offensiven Machtmitteln. Dieses Programm fei auch Mitte Oktober angenommen worben und aus diesem Gesichtspunkte heraus seien die Maßnahmen ergriffen worden, die in 400 Jahre deutsches Gesangbuch. Die Feier des 400jährigen Bestehens des deutschen Kirchengesangbuches kann in diesem Zähre begangen werden. Im Jahre 1524 schickte Luther seinen Freund Justus I o n a s nach Erfurt, um dort den Druck eines Gesangbuches in die Wege zu leiten, und noch in demselben Jahre erschien dieses erste deutsche Gesangbuch „Euchiridivn oder ein Handbüchlein", das einen gewaltigen Erfolg hatte und der Ahne unzähliger anderer Werke dieser Art, einer ganzen groben) Literatur, wurde. Schon vor der Reformations- zeit gab es geistliche Lieder in deutscher Sprache, die zunächst in den Lonnenklöstern gesungen wurden und in den Pestzeiten des 14. Jahrhunderts von den Geist lern und Wallfahrern verbreitet wurden. Die Texte dieser Lieder, die nach volkstümlichen Melodien erklangen, sind Heiligenlieder und ilefcerfeUungen lateinischer Hymnen: sie gingen zunächst nur als Einblatt-Drucke nach Er- sindung der Buchdruckerkunst von Hand zu Hand. Die Vereinigung solcher Einzellieder zu einem Gesangbuch geschah durch die Reformation. Die zahlreichen Leuauflagen und Lachdruckc des ersten Gesangbuch, das 1524 erschien, beweisen, wie grob das Bedürfnis des Volkes nach geistlichen Genwindegesängen war. Lun erstanden namhafte Liedersänger, und Luther fand in dem Torgauer Kapellmeister Johann Walther einen Ton- nichkofteiEcher Sitzung besprochen wurden. Er habe, nachdem sich Lossow für das Programm eingesetz t habe, nicht gleich zugesagt. Er habe den Beginn dieses Kampfes für eine Katastrophe erklärt, insbesondere, da er ge- wustt habe, dast Kahr diesen Kampf in die Hand nehmen wollte. Die Lage sei eben die gewesen, dast Kahr bis eine Minute vor 12 iltjr gegangen sei. dann aber Vie Ähr wieder zurückgestellt habe. Für ihn (Hitler) gebe es nur eine Marschlinie, die auf Berlin. Hierauf äustert sich Ludendorff über die Entstehungsgeschichte seines Artikels im „Heimatland": Die Monarchie könne nur in Frage kommen, wenn das Doll es wolle. Dor der Monarchie werde die völkische Diktatur nach dem freien Willen des Volles sein. Ludendorff gibt zu, daß er im Lovember die Errichtung einer nationalen Leichsdiktatur als sogenannte Patentlösung angesehen habe. Er habe damals auch nicht gewußt, dast Ebert abgesetzt fei. Auch habe er nicht an einen militärischen Marsch nach Berlin gedacht. Ludendcrff bestätigt die Frage, ob er die Lösung durch politischen Druck erreichen za können geglaubt habe. Er, Ludendorff. habe sich über die Leubildung der Reichsregierang mit niemanden ausgesprochen. Er habe sich der neuen Legierung zur Verfügung gestellt und diese sei für ihn ein Rumpfgebilde gewesen, das sich durch Männer aus dem Lor den ergänzen soll und zusammen mit der bayerischen Staatsgewalt und den bayerischen Verbänden würde dami der Druck auf den Reichspräsidenten ausgeübt werden. Auf Befragen des Vorsitzenden über die Dik- tctturvrllmachten Ludendorffs führt Hitler aus, Ludendorff sei zuerst gegen Lossow eingestellt gewesen. Es sei ihm, Hitler, nicht leicht gefallen. Ludendorff zu sagen, dast er sich mit Lossow geeinigt hätte. Das Aufrollen der deutschen Frage sei so gedacht gewesen, dast an einer Stelle die Aus- löftmg komme und dast dann alle anderen Kräfte in Lorddeutschlaud gleich einer Lawine herankommen und die Herrschaften in Berlin wegfegen sollten. Weiter bestätigt Hitler, dast Ludendorff im Gegensatz zu feiner eigenen Auffassung die Meinung vertreten habe, dast Kahr bei der Leubildung der Leichsregierung selbst vertreten sein solle. Der Putsch sollte die ungeheuerste innerpoli- tische Wirkung ausüben. Ein völtifch-nationales Regime hätte eine ungeheure ilmbilbung hervorgerufen, eine Umbildung von einer Bedeutung, wie sie Deutschland seit geschichllichern Gedenken noch nicht erlebt hätte. Wenn das nicht unsere Absicht gewesen wäre, dann hätten wir alle die Todesstrafe verdient. Der Vorsitzende schließt damit die Beweisaufnahme und vertagt die Sitzung auf eine halbe Stunde, worauf in nichtöffentlicher Sitzung über die Behandlung der Plaidoyers, ob sie in öffentlicher oder nichtöffentlicher Sitzung verhandelt werden sotten, beraten werden soll. ihn 3/ri Uhr war die nichtöffentliche Sitzung, ohne dast die Oeffentlichkett wieder hergestellt worden wäre, beendet. Es wurde bekanntgegeben, dast die nächste össentliche Sitzung am Freitag vormittag i/29 Uhr stattfindet. In diefer Sitzung wird auch Der Gerichtsbeschluß darüber bekanntgegeben werden, ob di« Plallwyers In öffentlicher röer geheimer Sitzung gehalten werden sollen. Das Finanz esetz vom Senat angenommen. Paris, 18. März. (WB.) Der Senat hat das Finanzgesetz in seiner Gesamtheit mit 151 gegen 23 Stimmen angenommen. Die demokratische Linke» also die Mttglicder der radikalen Partei, hat sich der Abstimmung enthalten. Der Senat hat sich hierauf auf Donnerstag vertagt. Kleine politische Nachrichten. Das Reichskabinett hat beschlossen, dast gegen die Enttasiung aus dem Reichsdienst oder die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand auf Grund der Personalabbau Verordnung den Beamten grundsätzlich das Einspruchsrecht eingeräumt werden soll. Dieses Einspruchsrecht soll auch für bereits durchgeführte Entlastungen gelten, soll aber nur den Beamten und nicht den Angestellten zustehen. * Die bayrische Staatsregierung wird die vom Landtag abgelehnten DoWbegehren gemeinsam mit den Landtagswahlen am 6. April der Volksentscheidung unterbreiten. Die einzige Frage des Volksentscheides lautet dahin, ob Der neu zu wählende Landtag ermächtigt sein soll, ein Gesetz zur Umgestaltung der bayrischen Verfassung mit einfacher Mehrheit zu beschliesten. * Die Wahlen zu den Gemeindevertretungen im Hultschiner Ländchen ergaben in allen an bte Tschechoslowakei abgetretenen Ortschaften eine überwältigende deutsche Mehrheit. In Kvawarn wurden 23 deutsche und 7 tsche- dichter, der nicht nur selbst viele geistliche Lieder komponierte, sondern auch ein mehrstimmiges Gesangbuch für Schülerchöre zusammenstellte. Bald hatten fast alle größeren Städte ihre eigenem Gesangbücher, die z. T. in sehr schönen Drucken erschienen. Auch in Liederdeutschland breitete sich das deutsche Gesangbuch rasch aus, und zwar wurde die niederdeutsche Sprache beibehalten. Ein wichtiges Gebiet für die Entstehung von Kirchenliedern wurde auch Böhmen und Mähren. Leben den Gesangbüchern fanden die Psalter-Ueberset- zungen großen Beifall und weite Verbreitung. Der berühmteste Psalter toar, im 16. Jahrhundert die Uebersetzung von Ambrosius Lobwasser, im 17. die von Cornelius Becker, deren Melodien von dem berühmten Tondichter Heinrich Schütz herrühren. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts vollzog sich in den mehrstimmigen Gesangbüchern ein wichtiger Wandel. Der Stuttgarter Hofprediger Lucas Os »ander verlegte die Melodie in die Oberstimme und ermöglichte es dadurch, daß die Gemeinde in den Chorgesang mitetnftimmen konnte. Lunmehr verlangte man allgemein nach solchen osianderschen Ehoralgesängen. Bas 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Glaubens- känrpfe, brachte noch bedeutende Liederdichter hervor, wie Paul Gerhardt, Iohann Rist, Heinrich Albert u. a. Jetzt wurde auch die bereits von Luther gegebene Anregung des mehrstimmigen Kirchengesanges gepflegt. Die Auf- chtsche, in Kauth er 19 deutsche und 5 sicyecyncye, tn Duslawitz 10 deutsche und 8 tschechische Ge- metnbebertreter gewählt, obwohl die Tschechen eine Menge Soldaten und Beamte in das Hul-- tschiner LändHen gelegt haben, um auf diese Weise die Wahlen zu beeinflussen. * Dce Lübecker und Oldenburger Polizei verhaftete drei Kommunisten aus Steckels- dorf, bte die Führer einer großen Räuberbande waren. Auch eine Reihe von Mitgliedern dieser Bande bmrbe festgenommen. Die Bande hatte u. a. den Bahnhof Steckelsdvrf vvlllommen ausgeraubt. * Lach einer Feier des Republikanischen Reichsbundes bewegte sich in München ein groher Demonstrationszug in das Innere der Stadt unter Mitführung schwarzrotgoldener Fahnen. Der Zug wurde von der Landespolizei aufgelöst. Einige widerspenstige Teilnehmer wurden verhaftet. Im britischen Unterhaus teilte Unterstaats- sekretär Ammon mit, daß sich die Regierung nach Beratung mit den Dominions entschlossen habe, den geplanten Flottenstützpunkt in Singa- pore aufzugeben. * An Stelle des zurückgetretenen Schein- manu ist Tumanow zum Direktor der russischen Staatsbank ernannt worden. * In einem Gehmmkonsistorrum am 24. März werden die Erzbischöfe von L e a y o r k und Chigaco zu Kardinäleu gewählt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 19. März 1924. Eine Reichswehrwollwoche in Gieren. In einer Airzahl von Städten, die Standort von Reichswehrtruppenteilen sind, haben die Truppen in dankenswerter Weise dazu beigetra- gen, das Dekleidungselend der ärmeren Volks- kreise zu lindern. Man hat eine „Reichswehrwollwoche "veranstaltet, während derer durch Pvome- nadekvnzert und Werbeveranstaltungen daran erinnert worden ist, daß Kleider, Wäschestücke und Schuhe gesammelt werden. Gespanne der Reichswehr sind von Haus zu Haus gefahren und haben das Gesammelte in Empfang genommen, das ehrenamtlichen Helfern aus der Zivilbevölkerung in den Haushaltungen gespendet worden war. Die Sammlung geschah im engen Einvernehmen mit den privaten Wohllätigkeitsvrganisationen, insbesondere dem Roten Kreuz. Der Erfolg wird als überraschend gut bezeichnet. Aus Anregung des hiesigen Standortältesten soll nun auch hier ein ähnlicher Versuch gemacht werden. Die jetzige Zeit wird jedoch aus mancherlei Gründen nicht für geeignet gehalten. Voraussichtlich tri d dieReichs- wehrwollwoche im 3 u n i stattfinden und schon als Vorbereitung für die Fürsorge des kommenden Herbstes und Winters gedacht fein. Wer noch brauchbare Wäsche, Kleider, oder Schuhe besitzt, wird gebeten, wenn irgend möglich, sie nicht für den doch sehr geringen Erlös wegzugeben, oder an Unbekannte wegzuschenken, sondern sie für jene Veranstaltung bereitzulegen. Auch werden die Hausfrauen gebeten, derartige Dinge nicht für den Sommer auf dem Boden hoffnungslos zu vergraben, damit sie sie im Juni zur Hand haben. * Gieftener Wochenmarktpreise am 18. März 1924 (Händlerpreise). Es kosteten das Pfund Butter 200, Käse 60 bis 65, Wirsing 45 Weißkraut 35. Rotkraut 45, Gelbe Rüben 25, Rote Rüben 30, Unter-Kohl- rabi 8, Tomvaten 150, Zwiebeln 25—30, Meerrettich 120, Aepfel 20—30, Dörrobst 30; das Stück Eier 11, Blumenkohl 100—120, Salat 60, Lauch 10—30, Sellerie 30—100 Pfennig. * " Die Ausnutzung der Lahn- wasserkraft. Das Kreisamt gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekannt: Die Stadt Gießen (Elektrizitätswerk) beabsichtigt, die Lahn- inafferivaft weiter auszubauen und für die Elektrizitätsversorgung nutzbar z i machen. Es ist geplant, die bestehende Turbinenanlage des Elektrizitätswerks zu beseitigen und an der Mündung des jetzigen Unterwassergrabens in die Lahn ein neues Krafthaus zu errichten, um eine größere Detriebswafsermenge bis zu 30 Kubikmeter pro Sekunde zu verarbeiten. Das alte Wehr bleibt zunächst unverändert bestehen. Die Plane und Beschreibungen des neuen Unternehmens liegen 14 Tage lang auf dem Stadthaus zur Einsicht offen. Etwaige Einwendungen sind während der gleichen Frist schrifllich dort einzureichen und zu begründen. "Ermäßigung der Wochen- und Mon atsfahr karten. Um den Arbeitnehmern, die infolge der Wohnungsnot zu täglichen Fahrten über weitere Entfernungen zwischen dem Wohn- und Arbeitsort gezwungen sind, die Fahr- kosten erträglicher zu machen, wird die deutsche Reichsbahn die Preise für Wochenkarten, zugleich aber auch diejenigen der Monats- und Schülermonatskarten, sowie die Kurzarbeiterwochenkarten lm Fernverkehr ab 1. April auf Entfernungen von mehr als 10 Km. staffelförmig ermäßigen. Bei einer Entfernung von z. B. 30 Km. wird eine Ermäßigung von einem Viertel des jetzigen Zett-- kartenpreises eintreten. ** Die Wohlfahrtsmarken für die Deutsche Lothilfe. Auf zahlreiche Anfragen wird von der Reichspostverwallung darauf hingewiesen, daß die neuen Wohlfahrtsmarken zu^ gunften der Den schon Lothilfe zu dem aufgedruck- ten Lennwert für die Freimachung von Postsen- düngen ohne Einschränkung verwendet werden können. ** Die De u tsche Demokratische Partei eröffnete am Sonntagabend mit einer sehr gut besuchten Wählerversammlung in der Turnhalle unter dem Vorsitz von Rektor Loos den Reichstagswahllampf. Ser Vorsitzende der Dcmrkratischen Gesamtpartei, Leichstagsabgeord- neter Erkelenz, sprach in etwa l'/Aündig-rr Lede über die politischen Fragen des Tages. Er wies einleitend auf die überragende Beratung der Außenpolttik hin, nach der unsere ganze innere Politit gestaltet werden müsse. Die furchtbare Tatsache, daß wir den Krieg verloren haben, dürften wir nicht übersehen. Er bettmte in diesem Zusammen^ng, daß der Friedensvertrag die Furchtbarkeit des verlorenen Krieges erst vollendet habe. „Wenn damals allerdings eine Armee vr n drei Millionen kampfbereiter Männer am Rhein so lange standgehalten hätte, bis der Friedensvertrag geschlossen war, und wenn das auch ein halbes oder Dreivierteljahr gedauert hätte, dann wäre dieseir Vertrag anders geworden." Aber das Heer sei nicht mehr zusammenzuhalten gewesen. Durch, die Demokratie Deutschlands sei der von Foch beabsichtigte Vormarsch nach, Berlin aufgehalten worden, die Demokratie habe auch die bolschewistische Ueberflatung Deutschilands verhindert und vor allem die deutsche Einheit erhalten. Hetzt hange alles davon ab, daß wir mit Frankreich!, England und Belgien zu einer Verständigung kämen. Die Demokratische Partei werde an der bisherigen Mißen- polttik fest halten, ivenn sich! auch manchmal das Gefühl gegen die französischen Gewaltakte empöre; die jetzige Außenpolitik sei von der Macht der Tatsachen diktiert. Aus dem Gebiete der Innenpolitik sei alles zu tun zur ErhEtang der Stabilität unserer Währung. Das Ermächtt- gungsgesetz sei nötig und nützlich gewesen zur Sicherung des Reiches ebenso der Beamterrabbau. obwohl man mancherlei Mißstände dabei verur- teilen und schleunigst beseitigen müsse. In der Frage der Hypr thekenaufwertang müsse auch! beri früher gelöschten Forderungen gegenüber noch eine nachträgliche entsprechende Aufwertung vor- gern, mmen werden. Der Klassen- und Kastengeist, wie ihn zum DeispiÄ die Sozialdemokratie von untenher bei trete, müsse von den Wählern zurückgewiesen werden, ebenso aber auch die politische Einstellung der Deutschnationalen und Deutschvölkischen. Alles komme jetzt darauf an, die Parteien der Mitte zu unterstützen, zu benen die Deutsche Volks Partei, das Zentrum und die Demvkvatssche Partei gehören. Dem republikanischen, demokrcttischen Gedanken, der die soziale Volksgemeinschaft erstrebe, müsse in ruhiger, steter Aufbauarbeit gedient werden. Diesem Ziel gelte die Politik der Mtttel- Parteien, also auch der Demokratischen Partei, um deren Unterstützung! er jetzt die Wähler ersuche. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion an, die dem Referenten Gelegenheit bot, in feinem ebenfalls sehr beifällig anerkannten Schlußwort noch auf manche Gesichtspunkte ernzrgehen. **DeutschnationalerHandlungs- gehilfen-Verband. Arn Sonntag i>ldt per Kreis 2 (Mittelhessen) im hiesigen Kaufm. Dereinshaus seinen diesjährigen Kreistag ab, der von den Ortsgruppen des Kreises zahlreich besucht war. Die Verhandlungen entrollten für den Verband ein erfreuliches Bild der Entwicklung im vergangenen Jahr; trotz der Inflationszelt konnte eine nicht unbeträchtliche Zunahme des Mitgliederbestandes festgestellt werden, wozu insbesondere die Ortsgruppen Gießen, Butzbach und Friedberg beigetragen hatten. An die Verhandlungen rind Leuwahl des Kreisvorstandes schloß sich ein Vortrag des «Gauvorstehers S ch e l l i n - Frankfurt über „llnfere Stellungnahme zu den bevorstehenden Wahlen" an. Entsprechend seiner parteipolitischen Leutralttät emp- siehll der D. H. D. seinen Mitgliedern die Unterstützung aller bürgerlichen Parteien und fordert seine Mitglieder zu reger Mitarbeit in den bürgerlichen Parteien auf. *8 Unglücksfall im Stadt Wald. Beim Hrlzfällen im Stadtwald verunglückte gestern mlt= tag der Arbeiter Ludwig Decker aus Rödgen Der Mann geriet beim Fällen unter einen stürzenden Baurn, der ihn so unglücklich traf daß a eine leichte Gehirnerschütterung und einen schweren Bruch des rechten Armes davvntrug. Die Sanitätswache führte den Verunglückten der Klinik zu. ** Ein eigenartiger Unfall trug sich gestern gegen 2Aend in der Krofdorfer Straße zu. Dort kam ein junger Radfahrer dadurch schwer zu Fall, daß ihm während der Fahrt das Rad plöhlich in zwei Telle auseinanderbrach. Mit einer leichten Gehirnerschütterung und mancherlei Kopfverletzungen hxirbe der Verunglückte von der Sanitätswache in seine Wohnung gebracht. tlärung des 18. Jahrhunderts brachte eine starke Verflachung der Lieder des Gesangbuches mit sich, indem man alle allzu schwärmerischen Wendungen auszumerzen suchte und damit viel Poesie beseitigte. Das 19. Jahrhundert hat dann diese rationalistische Schüchternheit wieder ausgerottet rnrd versucht, dem Gesangbuch die Innigkeit der alten Texte wiederzugeben. - * Eine Maske Heinrich v. Kleists. Unsere Vorstellung von dem Aeuhern Kleists war bisher außerordentlich dürftig. Es gab nur ein Porträt des Dichters, das er 1801 für seine Braut hatte anfertigen lassen und das von der Hand des Berliner Malers Peter Friedel stammt. Es ist daher von großer Bedeutung, daß vor kurzem eine Kleist-Maske aus dem Besitz der Düsseldorfer Kunstakademie aufge- taucht ist, von der in der Lechziger „Illustrierten Zeitung" berichtet wird. Die Maske gehört zu einer Sammlung von sog. Totenmasken, die der Vater des Heidelberger Juristen von Lilienthal vor Jahren der Düsseldorfer Akademie geschenkt hat. Der Vergleich der Maske mit dem ^Bildnis zeigt, daß diese dieselbe Kopfform und dieselben Züge aufweist. Man findet auch an ihr die Breite niebrige Stirn, die ebenmäßigen flachen Dogen der Augenbrauen, den feingeschwangenen Mund imb das runde, feste Kinn, die für die Züge des Dildnisses charakteristisch sind. Lur die Lase ist verschieden: auf dem Bildnis zeigt sie einen leichten Höcker, während die Maske einen graben Lasenrücken hat. Man darf also annehmen, daß die ONaske Heinrich von Kleist darstellt und bannt ein zweites wichtiges Zeugnis für das Aussehen des Dichters liefert. Dagegen wird es sich wohl uni keine Totenmaske handeln, denn die Leiche Kleists war nach seinem Selbstmord von den Behörden beschlagnah-mt, und da zu der Abnahme der Maske eine Genehmigung gehört hätte, die sicherlich in dem ausführlichen Allen» material erwähnt wäre, ist die Annahme einer Totenmaske nicht wahrscheinlich. Dagegen spricht auch daß das Fleisch ftraff, die Lippen voll sind und die Augen sich unter den Lidern wölben; es sich also nicht um die eingesunkenen und schlaffen Formen eines Toten handett. Dafür, daß> die Maske über dem lebenden Gesicht geformt ist, läßt sich die Unklarheit der Formen der Augenlider anführen, die bei dem Auflegen des Gipsbreies gezucll haben mögen. Solche Unklarheiten kann man auch bei dem Abguß von Gcethes Kopf beobachteir, den Schadow 1816 anfertigte. Es war damals Mode, die Züge be^ rühmter Männer nach dem lebenbigen Kopf abzuformen, und da Kleist als Mitglied der Zelter- schen Liedertafel in Berlin 1810 mit Schadow öfter zusammenkam, könnte dieser auch von feinem Kopf einen Abguß genommen haben. «vrusnzen. — Taaeskalenber für Mittwoch: Stadtthsater: 7 Llhr „®rei alte Schachteln". — Aius dem Stabt theaterburear Wick uns geschrieben: Es ist der Bühnenleitung gelungen, für den Klaus Kersting in der he itigen Denefi-vorstellung der Operette „Drei alte Schachteln" einen hier bekannten und bestens eingesührten Künstler zu gewinnen. Herr Curt Richter, der zwei Hahre unserer Bühne an* gehört hat, wird heute abend in obiger Partie gastieren. — Verkehrsverein. Freitag abeick 8 Hin: Generalversammlung. Näheres im Anzeigenteil. — Männer-Bade verein. Montag abend Hauptversammlung. (Siehe Anzeige.) Landkreis Gieren. —.= Watzenborn-Steinberg, 18. März. Am Samstag feierte der Gesangverein Jugendfreund sein diesjähriges Stiftungsfest. Gr überraschte die außerordentlich starke Besucherschaft mit einem ausgezeichneten Programm. Besonders erfreut war man, als der Verein eine Reihe herrlicher Volkslieder darbst. Auch die musikalischen Vorführungen fanden all- seitigen Beifall. Einige Theaterstückchen belebten den anregenden Abend. * La ng - Göns. 19. Marz. Bei der hiesigen Sammlung für Pfalz und Rhein gingen 368 Mark ein. Davon entfallen 340 Mark auf die Sammlung in der Gemeinde und 28 Mark auf die Kollekte in der Kirche. Dg. Gr. -Duseck, 18.Mürz. Beim Ab- fahren von Reisigholz verunglückte das Fuhrwerk des Drechslers Sch. Auf einem stark abschüssigen, noch sehr vereisten Wege geriet das Gefährt ins Rutschen und stürzte um Während der Besitzer mit dem Schrecken davvnkam, ging der Wagen vollständig in Trümmer. Das Pferd erlitt so schwere Verletzungen, daß es alsbald abgeschlachtet werden mußte. — Llnter Leitung bed Rektors der hiesigen Dolks- schuk soll vor Ostern ein« öffentliche Ent- lasfungsfeier für die Oberklasse stattsinden. Kreis Schotten. ■* S ellnrod, 18. März. Eine Schulfeier fand hier am Sonntag unter der Leitung des Lehrers R e u h l statt. Besonders die Märchenaufführungen „Frau Holle" unb das „Abenteuer im Walde" wurden von der zahlreich versammelten Eltevnschaft und Jugend mit grobem Beifall ausgenommen. Seit einigen Wochen steht hier auch ein Lichtbilbapparat imDienste ber Bokksbildung und Jugendpflege. Kreis Friedberg. * Kirch-Göns, 18. März. Die Maul- und Klauenseuche ist in unserem Dorfe erloschen. * Butzbach, 18. März. Sn der gestrigen Hitzung des Gemeinderats wurde beschlossen, den Hvlzsteigerern die gleichen -Zahlungserleichterungen wie im Fricken einzuräumen. Auf Ersuchen tritt in einzelnen Fällen eine weitere Zahlungserleichterung ein, doch müssen jetzt nach behördlicher Anordnung die gestundeten Beträge verzinst werden. — Gegen die jetzt geplante Verlegung der Pohlgönser Straße in Verbindung mit der geplanten Dahnverlegung hat dieStadt Einspruch erhoben und das Stadtbauamt einen besseren Plan ausaearbeitet. Das Erbbäuge l ä n d e wurde der Firma M e g u i n zugesprochen. Bei den weiteren Holzver st eigerungen im Butzbacher Stadtwald sollen auch auswärtige Steigerer xugelassen toerben. — Der Wa r k t in Butzbach am Donnerstag kann wegen der herrschenden Maul- und Klauenseuche nicht stattfinden. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 18. März. Eine 9 köpfige Falschmünzer bände machte seit Wochen durch die Verausgabung von gefälschten Dollarschahanwei jungen über 105 und 84 Goldmark nahezu ganz Süd- deutschland unsicher, ohne daß es den an allen Orten eifrig fahndenden Pvlizeiämtern gelang, die Bande zu erwischen. Sn diesen Tagen hat nun die Stuttgarter Polizei drei der Täter auf frischer Tat überrascht unb festgenommen, und ferner verhaftete die Mannheimer Polizei zwei der Burschen. Flüchtig sind noch, außer zwei unbekannten Männern, ein gewisser Oskar Schäfer aus Berlin unb' ein etwa 25jähriger Unbekannter, der den Spitznamen „Heini" führt. Die beiden letzteren suchen vor allem Metzgerladen heim, und zwar wartet immer einer auf der Straße, während der andere versucht, im Laden ein Falschstück abzusehen. Wird ein Falsch- stück beanstandet, dann tritt wie von ungefähr der andere Kumpan in den Laden, sieht sich den Schein an und erklärt ihn für echt und erbietet sich, ihn einzuwechseln. Zum Wechseln kommt es aber nicht. 6a ber Gaarrer erklärt, daß er nicht soviel kleines Geld bei sich führe. Der nun meistenteils vertrauensselig gewordene Metzger nimmt bann den Falschschetn in den Kauf. Sämtliche bisher festgestellten Falschscheine sind vermutlich in Berlin hergestellt worden. Auch in der Frankfurter Gegend hat di« „Gesellschaft" gearbeitet. Vermischtes. Vertauschte Rollen. Als die Dufe in Berlin ihre ersten großen Triumphe feierte, besuchte sie Meister Menzel in seinem Atelier, und sie wurde von der Riesenkraft des kleinen Mannes die ihr aus fernen Werken entgegentrat, so überwältigt, daß sie in einer schonen Aufwalllnrg ihres Temperamentes sich> plötzlich niederbeugte, die verrunzelte Hand des Greises ergriff unb mehrmals heftig an die Lippen führte. Das geschah mit so plötzlicher Lebhaftigkeit, und in so hinreißender Schönheit der Bewegung, daß der Altmeister es ruhig geschehen ließ und nachher verlegen nichts dazu sagte. Als die große Tragödin aber fort war, trrllte ihm der Vorfall nicht aus dem Sinne; er schüttelte immer wieder den Kopf, unb schließlich meinte er nachdenklich: „Etwas war dabei nicht richtig. Eigentllch hätte ich ihr doch wohl die Hand küssen müssen?" Deutsche Fenenkinder nach Estland. Estland wird im bevorstehenden Sommer voraussichtlich wieder reichsdeutsche Ferienkinder aufnehmen. Das besondere Hilfskomitee hat sich, unter deutsch-baltischen Männern und Frauen bereits gebildet, so daß noch im Saufe des März die Vorarbeiten beginnen werden. Reval gilt wieder als Mittelpunkt und Sitz der Hilfsaktwn. Wahrscheinlich werden die kleinen Gäste diesmal auch auf dem Landwege nach Estland befördert werden. Sm letzten Sommer konnten 522 reichsdeutsche Kinder in Estland bei deutsch-baltischen, estnischen und auch russischen Familien untergebracht werden. Die Gewichtszunahme der Kinder betrug zwischen 2 und 17 Pfund innerhalb einer Erhotungszeit von 5—7 Wochen. Gerichtsssal. Berlin, 19. März. (Priv.-Tel.) Der Uhrmacher Schaper, der im Oktober v. I. die siebenjährige Tochter feiner Wohnungswirtin auf bestialische Weise ermordet hatte, wurde gestern von der Strafkammer Berlin des Landgerichts III wegen Mordes zum Tode verurteilt. Zugleich wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit abgciprochen. Dieser Spruch stellt daS erste Todesurteil dar, das von einer Berliner Strafkammer gefällt worden ist. Kirchliche Nachrichten. Gießen. Evang. Gemeinde. Mittwoch, 19. März Stabtkirche. 6 Ahr: Pasiionsgottesdienst, Pfarrass Hertel. Mer nur einmal das Kräuterhaarwasser Javol benutzt hat, weiß, daß es zur Pflege des Haares kein besseres Mittel gibt. Es schallt glänzendes, volles und angenehm duftendes Haar. Die Haarnerven werden angeregt, das lästige Jucken verschwindet, der Haarausfall wird verhindert. Javol, wie auch Javol- Koplwaschpulver, ist überall zu haben. Jur Wohnungsbausrage. Fast jeder der nach dem Besitz eines eigenen Heimes strebt, schreckt vor dem Bau heute noch zurück, weil er annimmt, das Bauen fei noch unverhältnismäßig teuer. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Baukosten sind, wenn von Luxus abgesehen wird und die einzelnen Wohnräume nur in gut bürgerlichem Sinne ausgestattet werden, heute nur noch ca. 15—20 % höher als in Friedens- zeiten. Um dies nachzuweisen und den Baulustiger Anregung zu geben, hat die Firma H. Weimer. Hoch-, Tief- unb Gisenbetvnbau G. m. b. H., Gießen, Wetzlarer Weg 37, in den Schaufenstern der Firmen Georg Appel, Seltersweg 56, und Papierhandlung Heinrich Moll, Gießen, Maus- bürg 7, Entwürfe und Modelle hiesiger Architekten für Einfamilienhäuser ausgestellt mit der Verpflichtung, die Hauser zu dem auf den einzelnen Plänen angegebenen Preisen schlüsselfertig herzustellen. Zu wünschen ist hierbei, daß die Stadt Gießen in großzügiger Weise etwaigen Baulustigen baureifes Gelände zu annehmbaren Preisen zur Verfügung stellt. 20170 Dr. Oetker*e einfacher Napfkuchen. Zutaten: 125 g Butter od^r Margarine. 200 g Zucket. 1 Päckchen Dr. Oetker’s Vanillin» Lucker oder */« — 1 Fläschchen Dr. Oetkers Zitronen«Oel, 500 g JMehl. 1—2 Päckchen Dr. Oetker*» Milch»Eiweißpulver, 1 Pack» eben Dr. Oetkers Backpulver *Backinw und % Liter Milch, Zubereitung; Butter. Zucker und Geschmackszutaten rühre schaumig. Dann füge nach und nach das mit Milch »Eiweiß, pulver und „Backin" gemischte und gesiebte Mehl und die Milch Jhinzu und rühre die Masse gut durcheinander. In einer gut vor» bereiteten Form wird der Kuchen in etwa 1 Stunde gar geb ackert '^3 Äarn sie beim Racken stets muß ßie. UklU-ZkWl Schwemmsteine Falz- und Plattziegel liefert ab Laaer und ab Werk in Waggonladung in bester Quaiilät MlsSkiesel,M,IeU1 Nutz- und Brennholz -Versteigerung. Mittwoch, den 26. März lfd. Is., von 8 Uhr an, werden in der Turnhalle zu Msfeld aus verschiedenen Distrikten der Förstereien Heidelbach und Schwabenrod versteigert: 1. Nutzholz. Eiche-Stamm- u. Schnittholz: 8,87 Fstm. 2. Kl., 3,38 Fstm. 3. Kl., 3,79 Fstm. 4. Kl., 4,00 Fstm. 5. Kl. und 10,38 Fstm. 6. Kl. Stämme Buche: 1,31 Fstm. 3. Kl., 5,70 Fstm. 4. Kl. und 0,19 Fstm. 6. Kl. Stämme Elsbeer: 0,29 Fstm. 4. Kl., 0,22 Fstm. 5. Kl. und 0,28 Fstm. 6. Kl. Stämme Ahorn: 0,26 Fstm. 6. Kl. Stämme Kiefer: 0,69 Fstm. 2. Kl., 8,36 Fstm. 3. Kl., 19,12 Fstm. 4. Kl. und 6,20 Fstm. 5. Kl. Stämme Lärche: 2,46 Fstm. 2. Kl., 8,78 Fstm. 3. Kl., 8,85 Fstm. 4. Kl. und 5,23 Fstm. 5. Kl. Stämme Fichte: 1,21 Fstm. 2. Kl., 21,70 Fstm. 3. Kl., 25,25 Fstm. 4. Kl., 39,90 Fstm. 5a-Kl., 15,09 Fstm. 5b-Kl. StämmeWeißtanne: 0,49Fstm. 4.KI. Derbstangen Fichte: 602 Stück 35,67 Fstm. 2. Kl. u.3 St. 0,19 Fstm., Douglas l.Kl. Nuhscheiter Rm: 1,3 Eiche. Nutzknüppel Nm.: 12 Eiche (zu Gattenpfosten geeignet). Nutz reifer Nm.: 156,2 Fichte Schichthaufen. 2. Brennholz. Scheiter Rm.: 816 Buche, 23 Eiche, 3 Kiefer und 26 Fichte. Knüppel Rm.: 234 Buche, 465 Eiche, 11 Birke, 16 Erle, 5 Aspe, 50 Kiefer, 37 Fichte und 6 Lärche. Reisknüppel Rm.: 375 Eiche, 144 Kiefer, 1,5 Fichte. Reiser Rm.: 1240 Buche, 440 Eiche. Stöcke Nm.: 150 Buche, 50 Eiche, 80 Kiefer, 67 Fichte und 3 Lärche. Die Nutzholznummern sind blau unterstrichen. Nähere Auskunft erteilen die Herren Förster Hed derich-Schwabenrod, Forstgehilfe Braun-Heidelbach und die unterzeichnete Stelle. Das Brennholz kommt ungefähr von 11 Uhr ab zum Ausgebot. Nuhholzauszüge werden bei rechtzeitiger Anmeldung gegen Entrichtung von 1 Goldmark von der unterzeichneten Stelle abgegeben. 2021D Alsfeld, den 18. März 1924. Hessische Oberförsterei Eudorf. Schaefer, 36. Sonder-Konzert MU«wlM der verstärkten Hauskanelle unter Leltunn erwartet. Löberstraße 12 Telephon 895 yflRAR Ein Riese in der Leistun Ein Zwerg im Verbrauc «5? 65er Samstag, den 22. Wy, abends 8 Uhr der verstärkten Hauskapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Kurt Scharf NB. Sonder-Konzerte mit verstärktem Or- ' ehester finden jeden Mittwoch statt welche Vertretung für einige Plätze noch frei hat 2037D Der Vorstand. im Saale des Aquariums Walltorttraste S. Recht zahlreiches Erscheinen wird Auto-Sclnieider» Gießen Ä Vertretung für die Kreise: Gießen, Wetzlar, Dillkreis, Biedenkopf, Marburg, Kirchhain, Alsfeld, Schotten. Besichtigung und Probefahrt jederzeit nach vorheriger Vereinbarung. 2020a CAFE AMEND Mittwoch, den 19. März: 2038c Xnl"X Die Weltfirma " Siemens & HalskeA.G. liefert ihre neuesten Apparate für NH Empiang Fachmännische Beratung und Kostenanschläge kostenlos durch Bekanntmachung. Mit dem Einbauen der Gattenwasser- mesier wird in Kürze begonnen Gartenbesitzer und Pächter, deren Gärten Wasser- anschluß haben, werden ersucht, die Anmeldung bis zum 1. April d. I. in unserem Verwaltungsgebäude, Zimmer Nr. 3, vor- zunehmen. 20416 Gießen, 18. 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Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und Fleiß zeichneten ihn aus, und wir bedauern es tief, daß der Tod diesen hoffnungsvollen Beamten und treuen Freund Heute nacht 7,2 Uhr entschlief sanft an den Folgen einer Operation unser heißgeliebter, guter Sohn, Bruder, Neffe, Schwager und Onkel August Geiss im blühenden Alter von 22 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Geiss u. Frau geb. Joseph Rudolf Leisler und Frau geb. Geiss Karl Geiss und Braut. Nidda, Gießen, Darmstadt, den 18. März 1924. 018320 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 20. März, nachm. 31/, Uhr, in Nidda vom Trauerhaus, Schillerstr. 19, aus statt. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unseren Mitgliedern von dem Ableben unseres Kollegen August Geiss Kenntnis zu geben. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen treuen Freund, den wir ehrend im Gedächtnis behalten werden. Deutscher Bankbeamten -Verein M .-•jK M U ■ Sa Junger Architekt mit Frau und Kind sucht per sofort 2-3 Zimmer = mit Küche = in gutem Hause zu mieten gegen Friedensmiete. Schriftliche Angebote unter 1385D an den Gießener Anzeiger erbeten. Rietges^heJ leere Räume filier Zimmer für formt gesucht. Schriitl. Angebote unter 018305 ntt den Giefi. An,,, erbeten. AuSgewiesener bittet, ihm 1 gröö. 6ö. 2 nein? ntöül. Zimmer mit 2 '.betten „egen angemessene Bezahlung au vermieten. Schr Angeb. unter 01*312 n. d. G. Anz. Welche Frau bietet Beamten (28 I., Gr. Vill.) Mm, raülges heim? Schrift! Angebote unter 0)8319 an den Gieh. Anz. erbeten. Cand.medJT'ancrm.) sucht möbL Zimmer. In der Nahe der Kliniken erro. Schr. Angeb u. 018310 an den Giesz. Anz. erb. Junges Mädchen sucht eins. möbl. Zimmer- in einfachem und anständigem Hause. Schr. Ang. u. 018316 a. d. Giek Anz. erb. Bess. Ebevaar sucht möbl. nnö Srfilajjiinmcr. Offerten u. 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[018315 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Käthe Kratz geb. Altvater. Wieseck (Gießener Straße 146), den 18. März 1924. Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 2*/4 Uhr, vom Trauerhause aus, die Trauerfeier um 31/, Uhr in der neuen Friedhofskapelle in Gießen statt. Nach längerem, schwerem Leiden verschied unser treusorgender, pflichttreuer, herzensguter Gatte, Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Burr Lehrer Wi Wz ö) ” m e ß 6) Z C 0) 3 0) Neuenweg 18 Fernsprecher 1667 Neuenweg 18 üher Seitersweg 24 (D e 3 s: s* © o 23 s Q 3) O D MchcemaWc» ;nm 1. April gc Illcht 1943D Provinzial* Pflegeanstalt. Augsburger Fabrik vergibt an tüchtige Herren Vertretung ihrer feit Jahren bewährten Fabrikate, die von der Vonb- wirtsch., Industrie usw. dringendft benötigte werden. Hoher Verdienst! Offert, mit Angabe des zur Verfügung stehenden Maintals an Jnvalidend nk, Ann.-Erved., Augsburg. unter Nr. 133. iniiid junges Wn wenn möglich auS der Kolonialwarenbranche, für Geschäft u. 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Daraufhin ist der Finanz- ausschuh einberufen worden. Das Plenum des Landtags wird in aller Kürze zusammeirtreten, um wenn möglich vor dem 1. April die erforder-, lichen Beschlüsse zu fassen. Dem Plenum wird die Regierung natürlich dieselben Steuergesehe unterbreiten. So ist es wünschenswert, dah sich die Oeffentltchkeit mit ihnen befasse. Der hessische Staat ist.finanziell in einer besonders schwierigen Lage. Richt bloh durch die feindliche Besetzung eines groben Teiles des Landes, sondern auch und vor allem dadurch, dah er die vollen persönlichen Volksschullasten und die Polizeikosten übernommen hat, was andere Länder nicht getan haben. Durch die Uebernahme sind die Gemeinden stark entlastet worden, was in deren Haushalt in die Erscheinung treten muh. Aber der Staat hat nun für Aufbringung der Wittel zu sorgen. Er erhält aus den Reichs- steuern bestimmte Ueberweisungen, so- namentlich 80 v. H. der Einkommen- und Körperschaftssteuer, 50 v. H der Umsatzsteuer und der Grunderwerbsteuer. Aber er braucht mehr. Dies Mehr soll 1924 aufgebracht werden: 1. Durch eine progressive Steuer vom land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz. Sie soll nach einem durchgestaffelten Tarif erhoben werden, und zwar zu mindestens 0,24 v. H. (bei ©teuertoert bis zu 50 000 Mk.) und höchstens 0,48 v. H. (von dem 100 000 Mk. übersteigenden Wert). Da diese Grundsteuer für das dritte Ziel 1923 einheitlich 0,25 v. H., für das vierte Ziel 0,50 v. H. betrug, so ist wenigstens gegenüber diesem letzten Ziel und namentlich für den kleineren und mittleren Grundbesitz eine Minderbelastung vorgesehen. Dabei soll der kleinere Grundbesitz geschont werden. 2. Durch eine vorläufige Gewerbe- steuer für das Rechnungsjahr 1924 mit einem Steuersatz von 1,6 v. H. des Steuergrundbetrags. Dabei ist vorgesehen, dah der Steuersatz für einzelne Gewerbegruppen allgemein ermähigt werden kann. 3. Durch eine Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz in Höhe von jährlich 60 Goldpfennigen von je 100 Mark des fest gestellt en Steuerwertes. Frei bleiben Reubauten oder neugefchasfene Gebäudeteile, wenn der Bau erst nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden ist und hierzu keine Beihilfen aus öffentlichen Mitteln gewährt worden sind. Steuern, namentlich neue Steuern, pflegen sehr kritisch betrachtet zu werden. Unter dem Druck der Rot ist In der letzten Zeit auch die Bewilligung von neuen Steuern rascher vor sich gegangen als früher. So tarnen die im letzten Vierteljahr vom Sonderausschuh beschlossenen Sondersteuern — die Gewerbesteuer und die Steuer vom Gebäudebesitz — sehr schnell zustande; und die Erhebung folgte dem Beschluß auf dem Fuh. Auch jetzt ist die Lage so, dah der Staat dringend Geld braucht. Aber wenn nunmehr nicht eine einmalige Sondersteuer beschlossen werden, sondern für ein ganzes Jahr Steuerlasten auferlegt werden sollen, so ist gründlrche Prüfung unumgänglich. Hier möchte ich wenigstens einige Bemerkungen zur Sache geben. Die G r u n d st e u e r in der neuen Form der Durchstasfelung wird etwas weniger drücken als die letzthin erhobene Grundsteuer. Aber zu prüfen wird fein, ob die Landwirtschaft in ihrer! jetzigen Lage imstande fein wird, die Steuer In dieser Höhe zu tragen. Die augenblickliche Situation scheint das fraglich zu machen. Die Gewerbesteuer begegnet ganz besonderen Schwierigkeiten. Es ist daran gedacht gewesen, die Veranlagung der Gewerbesteuer für 1923 als Grundlage für den Ausschlag für 1924 zu benutzen. Das schien um so richtiger, als es infolge Unterlassung der endgültigen Einkommensteuer-Veranlagung sür 1923 unmöglich geworden ist, den gewerblichen Ertrag und damit den Steuerwert des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals für 1924 festzusetzen. Aber auch die Veranlagung zur Gewerbesteuer für 1923 begegnet groben Schwierigkeiten sowohl hinsichtlich der gleichmähigen Festsetzung des Ertrags wie hinsichtlich der einheitlichen Bewertung des An- DitWWiflW'IW- Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans Domini k. 50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) 3m taghellen Lichte der Scheinwerfer sah man vom Ufer aus die Mannschaft über die Dainm- krone eilen. Sie mochte etwa öte Mitte erreicht haben, als ein Blitz an btefer Stelle aufzuckte, ein krachender Donner das Toben der Elemente übertönte. An der schwachen Stelle des Dammes war eine schwere Sprengladung explodiert. Einen Moment noch stand die Mauer dort zitternd im Strudel. Dann rih sie breit auf, neigte sich zu Tal und brach in Riesenbrocken auseinander. 3n wütendem, flöhendem Schall stürzten die entfesselten Nuten wie ein einziger starrer Block zu Tal. Verschwunden war an dieser Stelle der Damm . . Verschwunden die Leute des Sprengkommandos auf ihm. Ein Schrei des Entsetzens aus vielen tausend Kehlen. Isenbrandt selbst stand unter der Wucht der Katastrophe wie erstarrt. Wie war das möglich gewesen? . . . Wie tonnte das geschehen? . . . Der Sprengstoff trug noch keine Zündung. Auch wenn einem der Träger eine Kiste entglitt, konnte sie doch nicht explodieren. Ein Verbrechen? . . . Rur ein Verbrechen konnte es fein. Von wem? . . Es bedurfte keiner FragL- läge- und Betriebstapltals. Ein Ausweg muhte aber gefunden werden: unb so sollen dann als Grundlage die Vorauszahlungen gewählt werden, die die ®etoerbetret« benden Im Kalenderjahre 1 924 nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen zu lersten haben. Die Regierung hebt hervor, dah dadurch erreicht werde, dah Veränderungen in den Verhältnissen der Steuerzahler entsprechend berücksichtigt werden. Sie teilt mit, dah die Interessenten zu dem Entwurf gehört worden sind: über den Inhalt der Aeuherung der Interessenten sagt sie nichts. Endlich die Steuer vom bebauten Grundbesitz. Sie soll im wesentlichen nach denselben Grundsätzen erhoben werden, wie die Sondersteuer im lehtverganuenen Vierteljahr, und zwar vierteljährlich in derselben Höhe wie diese „einmalige“ Sondersteuer. Ueber diese Steuer habe ich im „Giehener Anzeiger" bereits ausführlich gesprochen: ich habe damals dringend davor gewarnt, diese Steuer in ihrer sehr wenig ourchgebitdeten Form auch künftig zur Staatseinnahmequelle zu machen. Das soll nun doch geschehen. Zweifellos wird die Steuer auf starken Widerstand stohen. Bereits die Sondersteuer für das 1. Vierteljahr des Kalenderjahres 1924 war von der Deutschen Volkspartei im Sonderausschuh abgelehnt worden; diese Partei blieb damals mit ihrer ablehnenden Haltung überraschenderweise allein. Zweifellos wird sie auch jetzt widersprechen. Es handelt sich, wie nochmals betont werden muh, bei dieser Steuer um eine ganz ungleichmäßige, ungerecht wirkende Belastung. Richt der Besitzer toirb besteuert, sondern der Mieter: und zwar nach Maß- stäben, bte zu seiner Leistungsfähigkeit durchaus nicht in rechtem Verhältnis stehen. Wer eine große Wohnung braucht — vielleicht, weil er eine grobe Familie hat —, wer also bereits dadurch belastet ift, dab er einen besonders groben Teil fernes Einkommens sür die Wohnung ausgeben muh, der wird schwerer als andere betroffen. Der Junggeselle, der keine Familienwohnung hat, kommt gut weg. Zugrundegelegt wird der gemeine Wert wie er für 1914 festgesetzt worden ist. Kann man sagen, dah dieser Wert auch jetzt noch, nach 10 Jahren, den richtigen Mahstab gibt? Jedenfalls ergeben sich in der Praxis Ungleich- mäbigkeiten der Belastung vn ganz ausseroordent- llchem Ausmabe. Bevor eine so schwer- brücfenbe Mietssteuer für ein ganzeS Jahr beschlossen wird, mühte unbedingt die Grundlage dec Berechnung, also der gemeine Wert des Gebäudes, nach» geprüft werden. Endlich die Heranziehung des „Zubehörs", des Hofreitegrundes und der mit diesem zusammenhängenden Grab- und Grasgärten! Die Belastung des Mieters mit Abgaben für Teile dieses Zubehörs, ohne dab er von ihnen den geringsten Vorteil hätte! Die aus der Verschiedenheit dieser Zubehörteile entstehende Ungleichmäßigkeit der Besteuerung! Einsprachen gegen bte Sonder steuer bes letzten Vierteljahres sinb bei den Finanzämtern zu Haufen eingegangen: das ist kein Wunder. Es ist vorgesehen, dab der Steuevanteil ganz oder teilweise erlassen werben Eaim, wenn bte Erhebung „eine besondere Härte" bedeuten würbe. Den Antrag soll jetzt wenigstens auch der Ersatzpflichtige stellen dürfen (also der Mieter, nicht nur der Hausbesitzer). Aber wann liegt eine „besondere Härte" vor? Rach welchen Maßstäben sollen die Finanzämter entscheiden? Sozialrentnern, Kleinrentnern, Erwerbslosen Ist ihr Steueranteil zu erlassen: in diesem Fall soll aber nur der Steuerpflichtige den Antrag stellen dürfen. Das ist ganz unverständlich. Die Regierung sagt dazu: „Diese Vorschrift ist gewählt mit Rücksicht auf bte Arbeitsüberlastung ber Finanzämter. Es soll auf diese Art die Zahl der um Erlab Rachsuchenden vermindert werden." Das sind, wie mir scheint, geradezu bedenlliche Sähe. Man will den Aermsten der Armen in unserer armen Zeit, den Sozialrentnern, Kleinrentnern, Erwerbslosen zwar Erlab der Steuer zuführen, aber man möchte, indem man ihnen selbst nicht bas Recht zum Rachsuchen bes Erlasses gibt, sondern sie darin vom Hausbesitzer abhängig macht, diese „Wohltat" für einen Teil von ihnen (die zarter Besaiteten?) illusorisch machen? Ich stehe nicht an, diese Bestimmung tn hohem Grade unsozial zu nennnen. Sie darf in keinem Fall aufrecht erhalten bleiben. Die Regierung sagt am Schlich der Begründung, dab die Steuerbelastung von 60 Pf. jährlich auf 100 Qliarf Steuerwert einer Mietsteuer von 12 bis 10 v. H. der Friedens- miete gleichkomme. Dieser Sah zeigt deutlicher als irgendetwas Anderes, dab sie die Tragweite der Steuer falsch einschäht. Ich kenne Beispiele, in denen diese Steuer nicht 10 bis 12 v. H., sondern 2 0 v. H. der Friedensmiete beträgt, ja sogar noch erheblich darüber hinausgeht. Eine für viele einfach untragbare Belastung! Es wäre immer noch gerechter (wenngleich keineswegs gerecht: eine Mietssteuer kann nicht gerecht fein), Mit schweren Schritten wandte er sich zum Ufer und begab sich in das Bureau ber Werkleitung. „War unter dem Sprengkommando ein Gelber?" Einer der Ingenieure beantwortete die Frage. „Jawohl! Alibeg! Ein kirgisischer Vorarbeiter .. . Einer, ber sich durch besondere Anstelligkeit auszeichnete." Ein Held! dachte Isenbrandt bei sich. . . sicher ein gelber Ingenieur, ber sich h'-er unter fatscher Flagge als We tmarm verdingt hat. Dam ü>tnbte er sich an den Stationsleiter. „Ich kehre nach Wierny zurück. Alle Rach- richten sür mich bitte dort hin! Hier ist Menschenhilfe vergeblich. Ve 'trauen wir auf Gott." Roch einmal tixirf er einen Blick auf das Tal, In dem das entfesselte Element dahinschob. Wehe alle de en talabwärts, die uni'e.e Warnung nicht befolgten I In dieser Rächt flogen die Telegramme zwischen Wlevnh und Berlin hin und her. In Utga, der alten heiligen Hauptstadt der Ehalla-Mongolen, hatte Wellington Fox mit Hilfe des getreuen Ahmeo die Witthusens ermittelt. Ville Wochen hindurch war Ahmed in der Maske eines sartischsn Händlers durch das mongolischr Land gezogen. Hatte mit grobem Geschick und noch gröberem Glück hier gefragt und dort ge- forcht, bi; er endlich die Spur hatte, die nach Utga wies. Dann war Wellington Fvr zu ihm gestoben. Der kam als russischer Toehändler mit einer groben Handelskarawane aus dem nahen Kjachta wenn einfach eine Mietssteuer von 10 v. H. von allen Mietern erhoben würde. Die neuen Steuerentwürfe bedürfen also gründlicher Prüfung. Wir dürfen erwarten, dab sie vollzogen werden wird. Iugendrvandern und Jugendherbergen, Die Erholungsreise, der mehrtägige Ausflug, die frohe Ferienwanderung, früher auch dem bescheidener Gestellten möglich, ist heute den meisten zur schönen Erinnerung an eine bessere Vergangenheit geworden. Wer vollends kann heute noch seinen Heranwachsenden Kindern die Mittel geben, in alter Weise mit Freunden und Gefährten auch nur die engere Heimat zu durchwände rn? Die Kosten der Bahnfahrt und besonders die ber Lieber nach tung stehen weit über dem Friedenshand das '.Einkommen weit baiunler! Soll nun unsere Jugend, die unsere Zukunft ist, nicht mehr in freier Luft ihre Brust weiten, in Sonne Wind und Wetter ihre Wangen bräunen, ihre Kräfte erproben? Soll sie die Heimat nur noch aus Büchern und Dor-trägen kennen lernen? Das wäre das Schlimmste. Bewegung in freier Lust bietet ja schliesslich auch Sport und Spiel. Aber Kenntnis der Heimat vermittelt nur Anschauung und Erleben. Buchwissen bleibt da eine tote Gedächtnislast, wird es nicht durch frohes Schauen und Geniesten zum seelischen Besitz und durch, freundliche Erinnerung an frische, freie Wandertage zum unverlierbaren Schah. Wir Aelteren lieben die Heimat, weil wir sie kennen. Einem ihm unkundigen Geschlecht wird sie gleichgültig fein, denn wer wollte UnbelannteS schätzen und wert halten? Sollen nun aus nuferen jungen Leuten F auen und Männer werden, denen die feine und doch ewige Schönheit unserer heimischen Landschaft, das Traute und Liebenswerte unseres Volkstums, das geheimnisvoll Anziehende all der Denkmäler unserer Geschichte und Derzeit fremd bleibt? Mag auch eine spätere Zukunft bessere Zeiten bringen, so aufnahmefähig und bildsam ist das Menschenherz nicht wieder wie in jungen Jahren, und so viele nimmt dann die harte Fron der Arbeit, die Sorge um die Familie ganz gefangen. Unsere Jugend empfindet das selbst. Mit eigener Kraft, mit ihrer Hände Arbeit, allen Schwierigkeiten zum Trotz hat sie sich vielerorts in Deutschland „D leiben" ausgebaut und ausgestattet. Doch, reichen ihre Kräfte nicht zur Weiterentwicklung und Vollendung des Planes, das ganze deutsch: Sprachgebiet mit einem Reh von Unterkunftsstätten zu überziehen, in denen jeder jugendliche Wanderer für wenige Groschen ein bescheidenes ^Nachtquartier findet. Hierzu bedarf es umfassender Verwaltungsarbeit und geldlicher Beihilfe ber Erwachsenen. Dieser Aufgabe unterzieht sich der Verband für Deutsche Jugendherbergen, der in Hilchenbach in Westfalen feinen Sih hat. Ihm sind über 1800 Jugendherbergen im deutschen Reiche, In Oesterreich, Deutsch- böhmen und dem deutsch besiedelten, aber der Tschechoslowakei ausgelieferten Sudetenland angeschlossen. Sie bieten einfaches Lager auf Strohsäcken mit Wolldecken und Kochgelegenheit. Unter Aussicht eines Herbergsvaters werden sie von den H^rbergsgästen selbst in Ordnung gehalten. Sie werden gern und stark benutzt. Weite Wanderungen können so unsere Jugendlichen vornehmen, ohne auf Gasthöfe angewiesen zu sein, die ihnen ihre Fahrten unerschwinglich machen würden. In Giessen hat die Stadtverwaltung ein? solche Herberge errichtet, die sich im Hause Asterweg 25 befindet. Die Geschäfte des Verbandes führt für unser Gebiet der Zweigausschuh Main-Lahn-Fulda, der in Frankfurt a. M. seinen Sih hat. Eine (Ortsgruppe dieses Zweigausschusses ist vor wenigen Tagen in Giessen gegründet worden. Am 10. d. M. hatten fich auf Einladung des städtischen Jugendamtes Vertreter der Iugendbünde, der Jugendpflege treibenden Vereine, der Gebirgs-, Turn- und Sportvereine des Truppenteils und der höheren und Volksschalen zu einer Besprechung in Gegenwart des Geschäftsführers des Frankfurter Zweigausschusses, Rektor Schmitt, zusammengefunden, deren Ergebnis die Gründung war. Der vorläufige Vorstand soll aus Beigeordneten Dr. Frey als Vorsitzenden, Dr. Flörke als Geschäftsführer und Rechner, Gerichtsreferendar Balz, Studienrat Pws. Dr. Bern deck, Otto Jakobi, Lehrer Kling, Frl. Speckhardt, Reallehver Will bestehen. Er kann sich durch Zuwahl ergänzen. Die Ortsgruppe hat sich folgende Ziele gesteckt: Sie wlll die Freunde des Iugendwanderns und der Jugendbewegung sammeln und sie durch die Zeitschrift uird gelegentliche Veranstaltungen fortlaufend darüber unterrichten. Gleichgültige will sie gewinnen, Ablehnende eines Besseren de- über die russische Grenze. Vorzüglich hatte er es verstandon, fein Aeusteves der Rolle, die er hier spielen muhte, anzupassen. Den Mangel seiner russischen Sprachckenntnisse verbarg er geschickt unter einem freilich recht holprigen Chinesisch Solange aber fein allzu scharfes Auge ihn beobachtete, kein allzu scharfes Ohr ihn hörte, konnte er hier Wohl unbehelligt einen Plänen nachgehen. In einer der groben Herbergen der Stadt, in der die Karawane Quartier nahm, hatte er sein Unterkommen gefunden. Dast er hier häufig mit einem sartischen Händler zusammenkam, fiel bei der Mannigfaltigkeit und Unübersichitlichk'.it asiatischer Kaufmannsgeschäfte nicht weiter auf. Es war um die Zeit der Abenddämmerung. Wellington Fox fast in dem primitiv einfachen Raum, der ihm in der Karawanserei als Untcr- kunft diente. Ein leises Klopfen an der Tür. Die einzelnen Schläge in der verabredeten Folge. Wellington Fvx schob den schweren Holz riegel zurück. Der Sorte trat in den Raum. „Bist du da, Ahmed? ... Wie steht's?" „Gut, Herr! Euer Papier ist in den Händen des alten weissen Herrn." „Will er cd tun?" „Ja, Herr... er machte das verabredete Zeichen . . ." „So wirst du also um neun Uhr mit den Gesang nen das Haus verlassen. Bist du sicher. .. ganz sicher, dah der Wärter feinen Verrat übt?“ Er hat geschworen ... bei den Seelen seiner Ahnen . . „Ein Schwur?" „Er wird feinen Schwur hallen, Herr. Wirst du ihn aber auch im Flugschiff mitnehmen, wie IMMvoch, 19. Mürz W lehren. Die Oeffenllichkeit will sie davor überzeugen, dah die Iugendbünde auf strenge Wanderzucht halten, dem Alkohol und der Zigarette absagen, die Wanderunsitten bekämpfen. Ratar- und Denkmalschutz tätig üben, altes Volksgut an Liedern, Tänzen und Spielen pflegen und erhalten, dass sie nicht beurteilt werden dürfen nach den Ausschreitungen und Geschmacklosigkeiten Einzelner, die den Wandervögeln wohl manche Aeuserlichkeiten abge- guckt, mit einem rechten Wandervogel aber nichts zu tun haben. Die Ortsgruppe will insbesondere den Iugendbunden selbst, deren Führung und Zusainmensehung naturgemäß starkem Wechsel unterliegt, eine dauernde Stelle zur Förderung gemeinsamer Bestrebungen schaffen. Dadurch soll zugleich das feste Bindeglied zwischen ihnen und dem städtischen Jugendamt geschaffen werden. Denn das Iugenowchlfahrtsgeseh, das am 1. April ds. Is., wenn nicht ganz, so doch in wesentlichen Teilen in Kraft tritt, macht dem Jugendamt die Förderung der Jugendbewegung zur Pflicht und sieht die amtliche Mitwirkung darin erfahrener Personen vor. Da ferner das Recht auf Benutzung ber Jugendherbergen künftig grundsätzlich an den Besitz eines vom Verband ausgestellten Bleibenausweises geknüpft fein wird, soll die Ortsgruppe die Ausstellung solcher Ausweise für Gießen und Umgebung übernehmen und die Um- stände und Kosten des Bezuges aus Frankfurt ersparen. Weiter soll sie sich der Giessener Jugendherberge annehmen und ihre Grhallung und Ausgestaltung fördern, soweit es der Stadt die schwierige Lage der öffentlichen Körperschaften verbietet. Für eine spätere, hoffentlich bessere Zukunft ist an den Ausbau zu einem Jugendheim gedacht, das den Iugendvereinigungen eine dauernde Stätte für ihre Zusammenkünfte bietet. Endlich besteht der Plan, das sog, Schweizer- Haus auf dem Hoherodskopf, das unbenutzt und dem Verfall preisgegeben dastehl, zu einer größeren Jugendherberge auszugestalten. Schon vor der Gründung der Ortsgruppe hatte das hessische Finanzministerium auf Anfrage des städtischen Iagendsestes in dankenswerter Weise sich bereit erklärt, es zu diesem Zwecke unentgeltlich zur Benutzung zu überlassen. Die Beschaffung der Einrichtung ist bereits gesichert, und junge erwerbslose Arbeiter sind geneigt, die Arbeiten auszuführen. So ist zu hoffen, daß dieser Plan trotz der Ungunst der Zeit verwirklicht werden Eamr An ein Gelingen ist aber nur zu denken, wenn der Werberuf dep Ortsgruppe in weiten Kreisen unserer StadtGehor findet. Es gilt das um fo mehr, als vom einzelnen nicht viel verlangt wird. 1,50 Mk. beträgt der Jahresbeitrag, für Vereine 3 Mk. Personen über 18 Jahre erhalten als Einzelmitglieder den Bleibenausweis für weitere 1,50 Mk., aber auch nur. wenn sie Mitglieder sind; Personen unter 18 Jahre erhalten ihn auch ohne Einzelmitgliedschaft. Der Beginn des Vertauss der Dleiben- ausweise wird durch eine Anzeige im „Gieß. Anz." bekanntgegeben. Sochschulnachrichten. Das Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt im Sommer-Semester 1924. Der für das Sommer-Semester (Ende April beginnend) zu erwartende starke Andrang zum technischen Studium veranlasst die Studentenschaft der Technischen Hochschule Darmstadt, die Oesfentlicy-keit über die Studien- und Lebensverhältnisse in Darmstadt zu unterrichten. Die Kosten für das Studium nähern sich durchaus den Dorkriegsverhällnissen. Die Hoch- schulgebühren und Unterrichtsgelder belaufen sich für das Sommersemester auf etwa 180 Mark. Zur Lebenshaltung und zur Anschaffung von Studienmaterial sind bei bescheidenen Ansprüchen monatlich durchschnittlich 80—120 Mk. erforderlich. Die Kosten für ein Semester stellen sich also auf 400—450 Mark. Für den Reueintretenden krmmt eine einmalige Ausgabe von 80—120 Mk. zur Anschaffung von Lehrmitteln und Geräten bei Beginn des Studiums hinzu. Eine vollkommene Deckung der Semesterkost«' durch Werkarbeit während der Ferien ist unter heutigen Verhältnissen kaum möglich. Stipendien werden grundsätzlich nur an Studierende in vorgerückten Semestern ausgegeben, so dass ein Antritt des Hochschulstudiums nur da angeraten werden kann, wo Rücklagen die Finanzierung des Studiums sicher stellen. Bet lästigem husten.- ml en wir Jlmen, „Tagina-Bonbons" au nehmen. Lösen heu Schleim, lindern die Schmerzen. In allen Avolbeken erbälil. Stets vorrätig: Enael-Slpotbeke, Gienen, ufro. Saglttawerk S.m.b.H., Machen BW i. du versprochen? Er fürchtet die Strafe, wenn die Flucht entdeckt ist." „Ich werde ihn mitnehmen. . . samt seinen fünfhundert Lollar. Er mag sie in Frieden in Kjachta verzehren. Leb Weg vom Haus bis zum Brunnen ift kurz. Um yeun Uhr werde ich dort unter dem Schlln ebner Rotlandung niedergehen." „Wenn du da bist, wird alles gut fein, Herr!" Ahmed verließ den Raum. Wellington Fox blieb mit seinen Gedanken allein. Im Geiste sah er das Glück der Geretteten ... die Freude Isenbrandts, wenn er mit ihnen in Wiernh landen würde. Roch einmal überlegte er alle Chancen. Es mußte gelingen. SS waren ein paar helle, freundliche Räume, in denen die Witthusens die Tage ihrer Gefangen»' schass verbrachten. Der alte Herr faß seiner Tochter gegenüber Ein Schachbrett, das ihnen di« endlos,n Stunden ihrer Haft kürzte, stand zwischen ihnen. Aber settdem das Papier des sartischen. Händlers durch den bestochenen Wärter in ihren Händen war, standen die Figuren unberührt auf den Feldern. Die lange Haft ... die Ungewissheit über ihr Schicksal hatten öte blühenden Farben Maria Feodorownas gebleicht. Jetzt hatte die Erregung der Erwartung das alte Rot auf ihre Wangen Hurückgezaubert. Auch Theodor Witthusen hatte die Lethargie verloren, die bisher auf ihm lag. Es war mehr die Sorge um Maria, sein einziges, so sehr geliebtes Kind, als die um ihn selbst, die ihn niedergedrückt hatte. (Fortsetzung folgt.) Esse-r, ^raninrrk i M ^crlr-i ün Simonen Prozent Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 0,087 0, 20 0,320 0,97 0,170 03*0 16,5 28 34,5 34,5 3 34,5 Z35 3,5 14,75 S,8 34,2 18,65 2,7 15,5 * Erhöhung der Goldzvllanfgel- der. W.T.D. meldet aus Berlin: Das Amtsblatt veröffentlicht ein? Verfügung der Regierung, wonach die Goldzvllaufgellier von freute ab um durchschnittlich 80 Prozent erhöht werden. e Ermähigu ng der Dörsenu msatz- steuer? Ein Berliner Bormitlngsblatt behauptete, dah die Reichsregierung bereit fei, demnächst den Dörssnstempel um die Halste zu ermäßigen, wenn die Danken auch ihre Prvviftonssätzo entsprechend herabsetzen. Hierzu erfährt der „Deutsche Handelsdienft" an zuständiger Stelle, dah diese Meldung nicht zutrifft. Es stich Besprechungen mit Baukkr eisen im Gange, deren Ergebnis noch durchaus zweifelhaft ist. 'Zufammenschluhderkommunalen G e l d a n st a l 1 e n. Äm 15. Marz wurde von den im Charlottenburger Rathause tagenden Verbands- Versammlungen des Deutschen Sparkassenverbandes,' des Deutschen Zentral-Giroverbandes und des Deutschen Verbandes der kommunalen Baaken üSeretnstimmend die Bereinigung der drei genanntes. Spitzenverbände zu einem „Deutschen Spar» Mfrcn- u, Giroverband (Verein. Sparkassen-, Giro- utzd kommunaler Bankenverband)" beschlossen und die Satzung des neuen kommunalen Einheits- 2,5 s 10,1 13,5 4,9 5 .cllftosf Waldhof Incferfabrif Frankenthal . . Incferfobrif Waghäusel . . . Verbandes endgümg festgesetzt. Damit ist der fett langem geplante Zusammenschluh aller kommunalen Geldanstalten, der Sparkassen- und Giro- Organisation zur gemeinsamen Wahrung ihrer Interessen zur Tat geworden. *Zus-ammenschluh des rheinisch- west s ä li sche n Einzelhandels. JnDüssel- dcrf fand, wie der „Konfektionär" berichtet, eine Besprechung sämtlicher Einzelhandelsverbände von Rheinland und Westfalen statt, in der die Schaffung einer Landesorganisation des Einzelhandel' Verbandes für Rheinland und Westfalen be- schlcssen wurde. Angeschlossen sind die Verbände Düsseldorf, Köln, Gelsenkirchen, Sterkrade, Recklinghausen, Aachen, Elberfeld Krefeld, Duisburg, Solingen und Opladen. 17,5 ri.i 10,9 19 435 42 41 8,1 4,1 4,7 24,5 1,6 Wirtschaft. Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage. Die Lage der deutschen Industrie hat sich tm Februar und Anfang Marz weiterhin etwas verbessert. Dies trifft allerdings,, was den Absatz anlangt, mehr auf das Inland zu, da der Auslandsabsatz noch sehr zu wünschen übrig lästt. Der Kreditmangel veranlaßt allerdings in letzter Zeit zu zahlreichen Aotverkäufen, rm dringend gebrauchte Detriebskapttalien zu erhalten. Im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebictes bat die Förderung zugenommen, dagegen ist die des Gebietes 'Deutsch-Oberschlesiens etwas geringer gewesen. Der Erzbergbau war im vergangenen Monat nicht ausreichend beschäftigt, und die Abrufe konnten aus den Beständen befriedigt werden. Der Absatz in der Kaliindustrie war ziemlich gering. Beschästigungsgang und Absatz gestalteten sich in der Eisen- und Metallindustrie etwas günstiger. Die Beschäftigung der Maschinenbauanstalten hat sich ein wenig gebessert. Hier waren im Februar 78 Pvoz. der Waschinenbauarbeiter in kurzbeschäftigten Betrieben tätig gegenüber 85 Proz. im Januar. Der Auftragseingang der elektrotechnischen In- irnftrie hat sich teilweise weiterhin verbessert. Die Zähl der Beschäftigten hat sich allerdings infolge des au Herr rde n tlichen Kapitalmangels etwas vermindert. Die chemische Industrie weist feine allgemeine Dssserckng der Lage auf. Ramentlich ist die Rachfrage nach chemischen Präparaten zurückgegangen. Der Absatz von Farbstoffen dagegen ist etwas lebhafter, und auch die Stickstvstdüngemittel konnten genügend abgeseyt werden. Die Beschäftigung in der Spinn- und Webstoffindustrie hat sich unter dem Einfluh der festen Haltung der Rohstofs- märkte bei steigenden Preisen und Löhnen weiterhin wesentlich gebessert. Rur in der Baumwollindustrie wurden durch die Preisrückgänge am Weltmärkte Preisherabsetzungen vorgenommen. Der Arbeitsmartt im Bekleidungsgewerbe hat sich durchweg gebeffert. Der Bedarf an Damenschnei- derinnen. kann nicht überall gedeckt werden. Die Tabaktndustrie ist allgemein befriedigend beschäftigt. Im Baugewerbe hält geringe Belebung der Bautätigkeit und damit eine etwas größere Beschäftigung der Facharbeiter an. Dasselbe trifft auf die Baustoffindustrie zu. Der- Beschäfttgungs- gvad in der Glasindustrie hat sich gegenüber dem Vormonat etwas verschlechtert. Die Lederindustrie und verwandte Gewerbe konnten eine weitere Aufbesserung der Lage des ArbeitsMarktes auf weisen. Die Papierindustrie hat sich ebenfalls dank des steigenden Inlandsabsahes etwas bessern können. 0,380 4,2 85,75 9,65 53 40 °,t Hs 14 19,25 2,1 0,525 0,800 18 2=5 48,5 56 75 70 •) Dom Rückzahlungswert. Frankfurter Dorfe. Frankfurt a. M., 18. März. Tendenz: Schwächer bei stillem Geschäft. — Die Börse 5d)iu^ K ro 17. 3. _________ Datum: 5% DroNchr 5Rrf<0#anltibt <*/o Deutsche 9teich4anlrthe 8'/,*/^ Deutsche St ich anlelbe 8*/- Deutsche ^eich» mlethe Deulsche« vvrvram! enan leibe <*/c Preußisch? Kvosolr . . ♦ e Heften Deutsche Wert '. Dollar-Ank dto-Doll.-Schatz-Anwessung.') ♦le Heatilrfen ...... ♦le Seldmeräamr ... . Berthier 6enbeT«cefentoaft Uonnnerz- und Privat-Bank Darnrst. und Nartonalbaok Demiche Bank........ Deutsche Beretn-bemk . . . Dteconrv Tommandit . . . SZctnäbon! . . ..... Mtrttldentlche TredtSwrs Q--te rciS/ische fcel>ltaB»att feeftbfluf vochamer ®ut . . . ... 8über. I .......... karo ....... Deutsch SuxembuiH . Setsenkirchencr BcrgwerA. Barpeuc- Bergbau ..... Kaliwerke Aschersleben.... «aliwerk Westtrrgrl«..... Laurahütte Cberbeborf .... Pdiintr Brrgba»....... Küeinftahl • .. Eiebed Äianta«........ •Duü Bergbau........ Hamburg-Amerika 9ata. . Norddeutscher Llovd .... Cberamischc Werke 9l(btn . . te^^werk Heidelberg . . pp H o tzmaim .... Ang1o-Tvnr.^?uano Badische Anilin........ Chemische Mavex Nlaptn. . . Goldschmidt.......... Gr-tes Heimer Electron .... HSchsier Farbwerke...... .veliverfchlung........ ÄütacrSwerke Scheidcanftalt gßc EtektrizttLtt^eftllfchuft vcranraa« . 9)?cmrrafüöerte ........ 8 »ucker:........... Siemeur & Haw» Iblerwerkk »lebet .».. . Daimler Motor«» ...... Heylioenstaedr ........ ©. und 1,25 m lang), 42 Rm. Fichten (3 m lang), 3 Rm. Fichtenuuh- knüppel (3 m lang), 30 Rm. Fichteu- nuhreisig (in Schichten), ferner Brennholz (aus Timmelberg, Schmidtbusch 2 u. Bord. Winkelkvpf). Scheiter, Rm.: 151 Buche, 2 Hainbuche, 53 Eiche, 8 Dirke, 2 Kiefer, 22 Fichte. Knüppel, Rm.: 60 Buche, 20 Hainbuche, 39 Eiche, 2 Esche, 4Kiefer, 19 Fichte. Reisig, Rm.: 342 Buche, 82 Eiche, Stöcke, Rm.: 130 Buche, 48 Eiche, 2 Kiefer, 106 Fichte Freitag, den 28. März 1924 in der Krugschen Wirtschaft in Atzenhain aus den Forstorteu Saaplatz, Seilbach, Heegberg 1 und 2 und Schmidtbusch 1 der Försterei Atzenhain: Scheiter, Rm.: 332 Buche, 6 Hainbuche, 20 Eiche, 2 Kiefer, 4 Kirsche, 2 Aspe. 6 Fichte. Knüppel, Äm.: 34 Buche, 72 Hainbuche, 61 Eiche, 2 Kiefer, 2 Kirsche, 8 Aspe, 2 Erle, 44 Fichte, 4 Wehmouths- kiefer. Reisig, Rm.: 800 Buche (Hälfte Stammreisig), 116 Eiche, 10 Aspe. Stöcke, Rm.: 114 Buche, 30 Eiche. 2 Kiefer, 54 Fichte. Die zur Versteigerung kommenden Stammholznummern find blau unterstrichen. Die blau unterstrichenen Brennholznummern werden dagegen nicht versteigert. Äähere Auskunft erteilen: Herr Master Scheig zu Atzenhain, sowie die unterzeichnete Stelle. 2023V Grün berg, am 17. März 1924. Hessische Oberförstevei Rieder-Obmen Der Sandmann liebt ihn so. weil er sehr kaffeeähnlich schmeckt unö aus Äom gemacht ist. iertev Zagdverpachtung. Donnerstag, den 27. März ds. Is. mittags 1 Uhr in der Wirtschaft zur Traube dahier wirb die hiesige Feldjagd (etwas Wald) in drei Jagdbogen auf wettere 6 Jahre verpachtet. Bedingungen werden vorher bekanntgegeben. 1993D Groh-Felda (Oberhessen), 15. Mär; 1924 Hessische Bürgermeisterei Groß-Felda. Bolz ing. Nutz- und Srennholzyerfteigerung. Montag, den 2 4. März 1924- Distrikte: Buchholz, Oberste kl. Struth, Heeg über der Forstwiese, HildebrandS- triesch, Unterste kl. Struth. A. Ruhh 0 lz. Eiche: 6 Stämme 2. Klaffe = 8 Fm., 20 Stamme 3. Klasse = 8 Fm., 45 Stämme 4.KI. = 16 Fm., 30 Stämme 5. Klasse = 8,40 Fm. Fichte: 5 Stämme 5a Klasse 4 Fm.. 30 Stämme 5b Klasse — 4,20 Fnü, 300 Stück Derbstangen 1. u. 2. Klasse = 16 Fm. Kiefer: 12 Stämme 5. Klasse --- 4,10 Fm. H.Wehner M-, W und Eirielonha« G. m b. B. Wetzlarer Weg 37 empfiehlt sich zur Ausführung aller vorkommenden Erd-, Maurer- und Eisen beton arbeiten Besichtigen Sie bitte unsere AUSSTELLUNGEN m den Schaufenstern der Firmen Georg Appel, Seltersweg 56, und Heinrich Noll, Mäusburg 7. 2016D Drucksachen aller Aft XflmSFÄS; die Vrühi'sche Univerfitätr-Druckkrei, fl. Lange, Gietzen Schulstr. 7. [SeifenpulveM Ich sucheper sof. i. Mittelpunkt d.Stadt ßrundftüdk mit ReHaurafion freiwerdender Wohnung, Laden, Stallung u. Hofraum zu kaufen. Schrift!. Angebote mit Bedingungen und Preisangabe unter 018274 an den Giehener Anzeiger erbeten. B. Brennholz. Buche: 150 Rm. Scheit, 30 Rm. Knüppel, 150 Rm. Reifer, 14 Rm. Stöcke. Eiche: 80 Rm. Scheit, 57 Am. Knüppel, 220 Rm. Reifer, 40 Rm. Stöcke. Kiefer: 6 Rm. Scheit, 3 Rm. Knüppel. Zusammenkunft 10 rilhr vormittags in der Gastwirtschaft Rahn in Groh- Eichen. 2024V Ober-Ohmen, den 17. März 1924. Freiherr!. Riedeielsche Reoierde 1'waltung. _______________H ansult. jFrielita. Die Instandsetzung von Parkettböden werden jetzi durch den ftüherenParkeii- Verleger des Her>u Rausch-Giehen felbü ausgefübri.Tlusträge füt denselben werden Marktstra Ke 34 im Laden entgegengenommen. 018163 tacMhcli reioes Terpentinöl wird zur Herstellung von Dr. Gentners Schuhpute Nigrin — Extra — verwendet 17i Gioths wascht am besten