Nr. 167 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-Vezugsprels: 2 Goldmarli u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeiaerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. HL 11686. Erster Blatt N4- Jahrgang 8reuag, 18. Juli 1924 V - *- A V: ■ 'V' MM WWi N .Ä'. W ÄM ►< k 1 - R General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfität§-Buch- und Steinöniderei B. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulsttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Eoldpfennig, Platzvorschrift 20°/n Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Han^Beck, sämtlich in Bietzen. Die Kampsordonnanzen. Als eine der ersten selbstverständlichen Voraussetzungen, die sich ans dem Sinn und Geist des Sachverständigengutachtens ergeben, muh bekanntlich die Wiederherstellung vertraglicher Zustände im altbesehten Gebiet angesehen werden. Es ist a.n Lieser Stelle schon oft und eingehend klargelegt worden, dah zu dieser von Deutschland erwarteten Wiederherstellung vertraglicher Zustände unbedingt auch die Rücknahme sämtlicher von der Rheinlandkommission während des Ruhr- kampses erlassenem Ausnahmeverordnungen gehört, also jener Verordnungen, die weder im Friedensvertrag noch im Rheinlandabkommrn eine Rechtsgrundlage finden. Man saht diese Art Verordnungen gewöhnlich unter dem Ramrn „Kampfordonncmzen" zusammen und unterscheidet Labei zwischen den Ausnahmeverordnungen, die direkt von der Rheinlandkommission für das alt- besetzte Gebiet und den Ordonnanzen, die von den Militärbehörden, hauptsächlich von General Degoutte, für die neubesetzten Ruhr- und Sank- lionsgebiete erlassen worden sind. Untersuchen wir zunächst die Rechtsgrundlage. Rach Art. 3 des Rheinlandabkommens besitzt die interalliierte Rheinlandkommission die Befugnis zum Erlaß von Verordnungen mit Gesetzeskraft, soweit dies „für die Gewährleistung dÄ Hinterhalts, der Sicherheit und der Bedürfnisse der Besahungstruppen nötig ist". Schon bis zum Ruhreinbruch hatte die Rheinlandkom- mission mehrfach über den vertraglichen Sinn und Zweck dieser Bestimmungen hinaus Verordnungen ergehen lassen, die, ohne einen Zusammenhang mit den militärischen Zwecken der Besetzung zu haben, tief in das politische und wirtschaftliche Leben des besetzten Gebietes eingriffen. Rach dem Ruhreinbruch hat sie — unter ständiger Ausschaltung des englischen Vertreters — eine unendliche Reihe solcher Verordnungen erlassen und dabei nun auch formell davon, abgesehen, diesen eine auf dem Rheinland- abwmmen beruhende rechtliche Grundlage zu geben. Zn einer großen Zahl von Verordnungen ist lediglich die Bemerkung enthalten, daß sie erlassen seien „auf Grund von Weisungen, welche gewisse Oberkommissare von ihren Regierungen infolge der von der Reparationskommission festgestellten absichtlichen Verschlungen Deutschlands erhalten haben". W ;» . Die Kampfordonnanzen der Rhernlandkom» Mission entbehren also jeder rechtlichen Basis. Um so dringender muh die Aufhebung dieser in geradezu unerhörter Weise die deutsche Wirtschafts- und Derwaltungs- einheit zerstörenden Ausnahmebestimmungen gefordert werden. Wie weit dieser Eingriff in das deutsche wirtschaftliche und politische Leben geht, wird vielleicht am besten beurteilt werden können, wenn wir einige der wichtigsten und ein- schneidendslen Ordonnanzen uns nochmal ins Gedächtnis rufen. Da ist zunächst die Ordonnanz 132, welche die Beschlagnahme der Kohlensteuer im besetzten Gebiet anordnet, dann die Ordonnanzen 133 und 134, in welchen sich die Be- satzungsbehörden das Recht anmaßen, die deutschen Zolleinnahmen und die Einnahmen aus den Staatsforsten des besetzten Gebietes zu beschlagnahmen. Es folgt dann die berüchtigte Ordonnanz 136, die die für die deutsche Wirtschaft katastrophale Einführung der Zollgrenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet enthält. Alle diese vier Ordonnanzen greifen aufs schärfste auch in die Finanzhoheit des Reiches und der S taaten ein. Mehr das Privatleben derBevölkerung selbst trifft die Ordonnanz 130, in der die Besahungsbehörden den Raub der deutschen Privatwohnungen in unbegrenzter Ausdehnung organisieren. Die Ordonnanzen 140 und 156 hinwiederum greifen aufs schärfste in die deutscheRechtspflege ein, indem sie allen Personen, die entgegen den deutschen passiven Widerstandsbestimmungen die Besahungsbehörden auch .weiter unterstützt haben, also vornehmlich dem landesverräterischen Separatistengesindel, den Schutz der Rheinlandkommission gegen alle gerichtlichen Verfolgungen von deutscher Seite gewähren. Einen Eingriff in die deutsche Verwaltungshoheit stellt die Ordonnanz 144 dar, die die vollgültige Amtsenthebung der ausgewiesenen Beamten verfügt. Es folgen die berüchtigten Ordonnanzen 140 und 150, die mit der in ihnen verfügten Einführung der Eisenbahnregie die deutsche Verwaltungshoheit zerreiße n. Außerordentlich schwerwiegeiid ist auch die Ordonnar^ 205, „betreffend gewisse Maßnahmen bezüglich der deutschen Behörden", in dec die Rheinland- kommission sich das Recht anmaht, den ganzen schriftlichen Verkehr der deutschen Behörden zu kontrollieren und die Stellen der deutschen Verwaltung ohne Ruct- spvache mit der deutschen Regierung mit ihr genehmen Beamten zu besehen. ,, Das sind nur einige Beispiele, allerdings die wichtigsten, aus der großen Anzahl lener A ° nahmebestimmungen, die seit dem Sommer 1923 von der Rheinlandkommission unter gröblichster Mißachtung der bestehenden Vertrage erlassen worden sind. Dabei ist iellistverstandlich z achten, daß nicht die Rheinlandkommission in ihrer Gesamtheit, sondern mellt nur der französische und belgische Vertreter es waren, von denen die Ordonnanzen gusgi g - Schon dieser Umstand allem macht die erlassenen Ausnahmebestimmungen rechtlich ungut *19, ganz abgesehen von dem klaren W o r t:Ia u tbet Verträge, in denen auch der gerissenste Vechts gelehrte keinen Paragraphen finden durfte der den unerhörten Rechtsbruch der sogenannten Kampfordonnanzen legalisieren konnte. Der erste Arbeitstag in London. Französisch-englische Gegensätze. — Die französisch-belgischen Räumungs- Etappen. — Um die Eisenbahnregie. Schon die Tatsache, daß man in London gezwungen war, von einer Vollsitzung der Koa- erenzteilnehmer abzusehen und den gebildeten >rei Ausschüssen die Austragung der Meiningen zu überlassen, beweist, toi» stark im Grunde die Gegensätze sind, die zwischen der Ansicht der britischen Regierung sowie der amerikanischen „Beobachter" und den französischen Absichten bestehen, dem Datoesplan alle Wirkungsmöglichkeiten zu nehmen, die nicht mit dem „Pre- ’lige“ und den Ansprüchen der französischen Gewaltpolitiker in Einklang zu bringen sind. Diese Gegensätze treten auch in den Berichten aus London und Paris offen zutage. Z'war ist die Welt vorläuftg auf die Kombinationen mehr oder minder tendenziös gefärbten Presseberichte angewiesen, aber sie geben immerhin ein Bild der Lage, wie sie sich in den verschiedenen Köpfen darstellt. Die franko-belgischen Ruhrabenteurer führen darnach einen verzweifelten Kampf um eine möglichst in ihrem Sinne zu gestaltende Anwendung des Sachverständigenberichtes. Die untenstehenden Meldungen über die französischen und belgischen Vorschläge bezüglich der Verzögerung der Ruhrräumung und der Beibehaltung eines Teils des.Regiepersonals — natürlich zur Sicherung der ständig bedWhtenRiesenarmee im besetzten Gebiet — sprecheinWände. Doch ist die Zuversicht in den Pariser Zeitungsredaktionen nicht sehr groß. Zumal eine Reihe amerikanischer Bankiers in London eingetroffen ist, die nach zuverlässigen Meldungen ihre Teilnahme an der Deutschland zu gewährenden Anleihe von der völligen Einstellung des militärischen Willkürregiments im Ruhr- und Sanktivns- gebiet abhängig machen. Kennzeichnend für diese Stimmung der Pariser Pressesind die Auslassungen des gestrigen „Courn, des Debüts", das erklärt daß Macdonald mit der größten Loyalität von der Welt den Sachverständigenplan für ein Ding an sich betrachte, und einzig und allein auf die Mittel zu seiner Anwendung bedacht sei, während die übrigen Gläubiger Deutschlands sich zwar auch gemeinsam bemühten, den Sachver- ständigenplan zu verwirklichen, ihn ab:u als Mittel zur Regelung der Repavationsft'age betrachten. Die englischen Delegierten liehen den Versailler Vertrag mehr oder weniger bewußt aus dem Spiel und konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf die Aussichten der von den Sachverständigen vorgeschlagenen Kombinationen. Man verwahre sich dagegen, den Versailler Vertrag beeinträchtigen zu wollen, aber man würde sich leicht darüber hinweg trösten, daß die Artikel über die Reparationskommission ein toter Buchstabe blieben, wenn die 800-Millionen- Anleihe gezeichnet würde. Ratürli.ch setzten die Deutschen hier noch einen Trumpf drauf: Die 800-Millionen-Anleihe würde es ihnen ermöglichen, gleichzeitig 400 Millionen in die Hand zu bekommen, um dir Leistungen an chre Gläubiger auf unbestimmt» Zeit au vertagen unter Vorwänden, dir sie leicht finden würden. Der ganze Gewinn der Operationen würde also in ihre Taschen gehen. Weder die Belgier noch die Franzosen könnten sich diese Auslassung zu eigen machen. Sie stünden auf dem Standpunkt, daß jede Schwierigkeit, die sich anläßlich der Durchführung des Sachverständigen- planes ergebe, im Rahmen des Versailler Vertrages gelöst werden müsse, d. h. dadurch, daß man den Gläubigern Deutschlands Mittel an die Hand gebe, sich Bezahlung zu verschallen. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit dürfe kein Ziel, sie müsse ein Mittel fein. Tie bisher erfreulich starke Haltung der Engländer gegenüber den französischen Verwas- serungsversuchen unterstreicht auch der Londoner Star" Er erklärt der britische Premierminister bestehe auf Deutschlands wirtschaftlicher und fiskalischer Einheit, was notwendigerweise die null' türisch- Räumung dos Es wird sich bald erweisen, ob das Gewicht der englischen Freundschaft und des amerikanischen Geldes mehr Wirkung hat als die „Autorität' der Reparativ nskvmm iss i o n , deren Vorsitzender bekanntlich Herr Darthou. der Freund und Helfershelfer P v i ncar e s, ist. jedenfalls dürfte eine Terliner Meldung den Tatsachen entsprechen, daß die deutsche Regie- runa keine Verschiebung der klaren Grundlagen des Sachverständigenplanes annehmen und unterzeichnen wird. Die Kommissionen. Wie wir bereits in einem Teil der gestrigen Ausgabe des „Gieß. Anz." mitteilten, -virden drei Kommissionen gebildet deren Aufgabe es ist die strittigen Probleme für die Beratung in bm Vollsitzungen der Konferenz vorzubereiten. Der erste dieser Unterausschüsse sott die Fragen dec Feststellung von „Verfehlungen und der Verhängung von Sanktionen bearbeiten dw zweite Kommillion berät über die Wiederherstellung der deutschen ^Hoheit und die Aushebung dec Pfänder, der dritte Ausschuß behandelt die Übertragung der deutschen Zahlungen. Die britische« Mitglieder der drei Ausschüsse sind folgende: 1. Ausschuß: Schahsekretar Snowden, Sir Hohn Fischer vom Foreign Office, W II» liain, juristischer Vertreter in dec Reparationskommission, und Sir Otto Riemeher vom Schatzamt. 2. Ausschuß: Sir Josiah Stamp vom Sachverständigenausschuh, Sir Ehre C r o w e, permanenter Unterstaatssekretär im Foreign Office, Sir Warren Fisher und Philips vom Schatzamt. 3. Ausschuß, Sir Robert Kindersley vom Sachverständigenausschuß und Roß vom Schatzamt. Die französischen Vertreter sind nach Havas: । 1. Ausschuß: Ministerialdirektor Pere11i della Rocca, Chef des Kabinetts des Außenministers D e r g e r y , Generalsekretär der französischen Delegation bei der Reparationskommis- sivn Aron, Rechtsbeirat der französischen Delegation bei der Reparationskommission Lyon. 2. Ausschuß: Direktor in der Wirtschaftsabteilung im Quai d'Orsay Seydoux, Rechtssachverständiger Fromageot, Oberst Guitry und Oberst W a l l n e r vom Generalstab des Kriegsministers Rollet. 3. Ausschuß: der eh malige französische Vertreter im Sachverständigenkomitee Parmen- tier, Direktor des Kabinetts des Finanzministers Duisson und Defreyguter vom Referat für Deutschland im Finanzministerium. Der erste „Arbeitstag". London, 17. Juli. (WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" berichtet über die gestrigen Verhandlungen der Konferenzausschüsse u. a. folgendes: Die zweite Kommission, deren Vorsitzender Sir Eyre Crowe ist, wurde gestern während ihrer Verhandlungen, die jedoch nur kurz gewesen sind, von Macdonald ausgesucht. Die Franzosen brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, die wirtschaftliche Einheit Deutschlands wieder herzustellen und diese Wiederherstellung nicht zu verzögern. Sie werden heute^ein Memorandum vorlegen, das von Seydoux über die Frage der wirtschaftlichen Räumung entworfen worden ist. Wie verlautet, wird darin vorgeschlagen, dah diese Räumung in zwei oder drei Stadien stattsinden soll. Die erste Etappe der Räumung soll erfolgen, n a ch- dem der Reichstag die notwendige Gesetzgebung ang enommen hat, die zweite, nachdem die neuen Körperschaften und Kontrollen des Dawesplanes errichtet worden sind . Alles, was bei der Ruhrbesehung unternommen worden ist, wird registriert werden, ebenso alles, was abgeschafft oder abgeändert werden muh. Das Eisenbahnproblem wurde nicht berührt. Was nun die Schwierigkeiten bezüglich der Aufbringung der Anleihe von 40 Millionen Pfund Sterling, bevor die wirtschaftliche Einheit wieder hergestellt worden ist, anbelcuigt, so könnten sie dadurch umgangen werden, dah die Anleihe bedingungsweise von den Bankiers vorher gezeichnet, jedoch nicht ausgegeben wird, bevor diese Wiederherstellung eine vollendete Tatsache geworden ist. Der amerikanische Bankier Lamont habeeine längere Unterredung mit dem französischen Finanzminister Clementel über diese Frage gehabt. In französischer Beleuchtung. Paris, 17. Culi. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Temps" meldet über die Arbeiten in der 3. Kommission (Sachtteferungen und Konvertierung), die Kommission scheine sich nicht so sehr mit der Konvertierung als vielmehr mit den Sachlieferungen beschäftigt zu haben. Cm übrigen scheine in der hierzu angezogenen Stelle des Pariser Beschlusses vom 9. Juli der französische von dem englischen Tert mehrfach abzuweichen. Gestern abend um 7 Uhr habe die 3. Kommission ihre Arbeiten als s o gu t wie beendet betrachtet. Sie schlage vor, das Sy st em der Sachlieferungen aufrecht zu erhalten, wie es bis jetzt gehandhabt wurde, wobei nur die Interessen der Mächte berücksichtigt würden, und zwar mit Hilfe von Verträgen, die von der Reparationskommission selbst unterschrieben würden. Dem „Cntransigeant" geht aus London folgende mit Vorbehalt aufzunehmende Meldung zu: Gestern abend sei erklärt worden, dah in der Kommission für die Frage der deutschen Verfehlungen vollste Einigung erzielt worden sei. Vielleicht sei diese Behauptung etwas voreilig gewesen. Die Kommission habe heute vormittag über einen französischen Text von Peretti della Rocca und dem Kabinettschef Bergery verhandelt. Darin werde de Ernennung des amerikanischen Delegierten in der Reparationskommission durchdas Haager Sch iedsg erich t vorgeschlagen. Rach dem Berichterstatter sott aber noch ein zweiter französischer Vorschlag zur Frage der Verfehlungen eingebracht werden. Von dem Ausgang der Te: Handlungen über den französischen Vorschlag werde der Erfolg oder dec AbbruchderKonferenz abhängen. Sei eine Verständigung möglich, so werde die Konferenz zu einer neuen Vollsitzung zusammentreten. In diesem Falle könnten wa hr- scheinlich am Montag die Deutschen gehört werden. Der gute Wille sei auf beiden Seiten sichtlich vorhanden, aber die englischen und amerikanischen Forderungen seien so kategorisch und gingen so weit, daß es für Her- riot schwierig sei, sie anzunehmen. - < Französisch-belgische Plänemacherei. Räumung des Ruhrgebiets in langen Etappen. Paris, 18. Juli. (WTB.) Ein französischbelgischer Plan zur Wiederherstettung der deutschen wirtschaftlichen Einheit im Ruhrgebiet wird heute der zweiten Kommission vorgelegt werden. ■ Dieser Plan sieht nach dem „Echo de Paris" sehr zahlreiche und ziemlich lange Etappen vor. Die Belgier schlagen vor, die Entscheidung der Repko hinsichtlich der Plazierung der Anleihe abzuändern. Rach ihrer Ansicht müsse es genügen, wenn die englischen, amerikanischen und anderen Bankiers die Verpflichtung übernehmen, die Anleihe zu plazieren. Nur teilweiser Abbau der Ersenbahn- regie. Rach dem Sonderberichterstatter des „Journal" in London sieht ein französisch-belgischer Plan vor, die Eisenbahnen im befehlen Gebiet, das heißt, einige der wichtigsten Linien du rch3000alliierteEisen bahnerbewachen zu lassen. Der Berichterstatter steht voraus, daß dieEngländerWiderspruch gegen diesen Vorschlag erheben werden. Der Londoner Berichterstatter des „Temps' meldet hierzu, es fei gestern nicht über die Eistn- bahnfrage verhandelt worden. Diese scheine aber der Gegenstand einer längeren Unterredung ge- toefen zu fein, die Herriot und Theunis batten. Der französisch-belgische Plan für die Lösung dieser Frage gehe, wie man annehme, dahin, daß diefranzösisch-belgische Regie aufgehoben und die alliierte Kontrolle unsichtbar gestaltet werde. Auf den für die Versorgung der Truppen unerläßlichen Strecken soll aber eine Anzahl Arbeiter und Techniker zurückgelassen werden, die im Falle eines deutschen Streiks oder von Unruhen einen einigermaßen regelmäßigen Dienst aufrechterhalten könnten. Ein Memorandum der Reichs- regierung. Berlin, 18. Juli. (WB.) Der Londoner Korrespondent des sozialdemokratischen Parlamentsdienstes teilt Einzelheiten aus dem Memorandum mit, dah hem englischen Ministerpräsidenten von der R e i ch s r e g i e r u n g am Mittwoch überreicht worden sein soll. Hierzu wird uns vor unterrichteter Seite mitgeteilt, daß, wie es selbstverständlich ist, die deutsche Regierung Gelegenheit genommen hat, sowohl den englischen als auch den übrigen alliierten Regierungen ihren Standpunkt in den verschiedenen zur Diskussion stehenden Fragen auseinanderzusehen. Die Mitteilungen des sozialdemokratischen Parlamentsdienstes geben von der Stellung mhme dec Reichsregierung kein richtiges Bild. Forderungen des Internationalen GerverÄ- schaftsbundss. Bei der am 15. Juli in Amsterdam abgehaltenen gemeinsamen Beratung des Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes und des Bureaus der Internationale wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der u. a. erklärt wird, daß die Durchführung des Sachverständigenplanes heute die einzige unmittelbare Lösung des Reparativnspro- b l e m s s e i. In dec Resolution wird ferner die Aufhebung der Besetzung des Ruhrgebiets, einschl. Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg, sowie die Aufhebung der wirtschaftlichen Besetzung gefordert. Auch wird verlangt, daß Deutschland von der Konferenz in London eingeladen werde. Generalagent Owen Toung. Paris, 18. Juli. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Journal" will erfahren haben, Owen Q3dung werde die Stellung eines Generalagenten nurfiu drei Monate übernehmen, und zwar unter dem Beistand eines Mitarbeiters, der nach ihm den Posten endgültig übernehmen werde. Owen Voung habe in Amerika zu große Interessen, um auf die Dauer seinen Wohnsitz in Europa nehmen zu können. Wofür das zerstörte Frankreich Geld hat. W i e n, 17. Juli. (WTB.) Das Achtuhr. Abendblatt meldet, daß Vertreter eine, französisch - belgischen Finanz- gruppe mit der jugoslawischen Regie- aing wegen einer umfangreichen un» vestitionsanleihe verhandeln. Cs soll sich um die Errichtung eines großen Hochofens bei Kraljevo und um den Bau der Delgra - der Adriabahn handeln. "2; . ---- Ein Beamtengesetz-Entwurf. Don der demokratischen Reichstagsfraktion ist im Reichstag ein Entwurf eines deutschen Deamtengesehes vorgelegt worden, das die Rechtsverhältnisse der Reichsbeamtenschaft regelt und die Grundsätze für das Rechtsverhältnis der Beamten der Länder aufstellen soll. Aus den allgemeinen Bestimmungen ist besonders zu erwähnen: Die Zulassung za dem Deamtenverhältnis, das ein Hoheits- und Schutz- Verhältnis ist, das nicht abhängig ist von Abstammung, Glaube und Bekenntnis, politischer Gesinnung, Zugehörigkeit zu einer Partei, za politischen oder beruflichen Vereinigungen. Zu den Dien st rech tsansprüchen gehören Ruhestands, iistvm- men, Reise- und Umzugskosten, Einächt .in die Personalakten, Sterbe-, Witwen- und Waisengeld usw. Das Diensteinkommen ist vierteljährlich im voraus zu zahlen. Die Revolution in Brasilien. London, 17. Juli. (WB) Wie Reuter meldet, gaben aus Brasilien in Montevideo eingetrof- fene Passagiere eines italienischen Schiffes an, die Lage in Sao Paolo sei ernst. Man erklärte, die Rebellen gingen nicht nur nicht zurück, sondern rückten täglich vor. Ihre Stärke werde auf 20*000 Mann beziffert. Hierbei seien jedoch die zivilen Hilfstruppen nicht eingerechnet. Die Rebellen seien völlig Herr von Sao Paolo, wo sieeineRegierung in FormeinesTrr- u m v i r a t s errichtet hätten. Santos würden sie jederzeit nehmen können, da es schlecht verteidigt und voller Parteigänger der Aufständischen sei. Ein Dementi der brasilianischen Gesandtschaft. Berlin, 17. Juli. (WB.) Rach Mitteilung der hiesigen Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Brasilien ist sie in der Lage, kategorisch alle tendenziösen Informationen, die in letzter Zeit über den Militäraufstand in Eao Paolo verbreitet werden, zu dementieren. Bei der Bewegung in Sen. Abg. Schott (D. Vp.) erstattet mündlich Bericht über mehrere Anträge, die sich mit der Rückkehr der Ausgewiesenen beschäftigen. Abg. Schott verlangt besondere Wohnungsfücsorge für die Rückkehrenden, namentlich müsse für die freien Berufe gesorgt werden, deren Lage viel schlimmer wäre als die der Beamten. Aehnliche Ausführungen macht auch der Abg. S o h e r r (Zentr.). Staatspräsident Ulrich sagt die Hilfe der Staatsregierung zu, er werde in dieser Richtung auch in Berlin vorstellig werden. Abg. Dr. Osann (D. Vp.) erkennt die Fürsorge für die Ausgewiesenen an; das Justizministerium sei aber nicht in allen Fällen entsprechend verfahren. Staatspräsident Ulrich erklärt im Verlaufe der Debatte, daß die Regierung den Standpunkt vertrete, mit der Rückkehr der Ausgewiesenen sei auch die Wiederaufnahme ihrer Amtstätigkeit einbegriffen. Minister v. Brentano erklärt, ex sei allzeit für die Ausgewiesenen eingetreten. Rach weiterer Debatte werden alle Anträge zugunsten der Ausgewiesenen einstimmig angenommen. Unter den Anträgen, die Beraten werden, ist auch einer der Abgg. Rechthien, Kaul and Gen. zum Gemeindeumlagengeseh. Es werden verschiedene Abänderungsvorschläge gemacht, darunter der folgende: „Die Steuersätze können nach den verschiedenen Vermögensarten und nach der Gröhe der Steuerwerte verschieden hoch bemessen werden." Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 27 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Rach einer Pause wird der Regierungsentwurf zur Ausführung des Reichs- gesehes für Iugendwohlfahrt und in Verbindung damit ein Antrag der QQtgg. D. Dr. Diehl, Lenhart und Dr. Osann, sowie noch mehrere andere Anträge zu verschiedenen Artikeln Beraten. Der Antrag D. Dr. Diehl, Lenhart und Dr. Osann handelt von der Zuziehung und dem Stimmrecht der Geistlichen in der Jugendpflege. Eine Minderheit des Gesetzgebungsausschusses ist gegen diesen Antrag. Abg. Ruß (Ztr.) erklärt, die Zentrumsfraktion werde das ganze Gesetz ablehnen, wenn der Geistlichkeit kein Stimmrecht gegeben werde. Es werden nun mehrere Abstimmungen vor- genvmmen. Der Antrag D. Dr. Diehl usw. wird mit 29 gegen 28 Stimmen angenommen. Das Gesetz wird hierauf in beiden Lesungen gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Bei den Anträgen Hofmann - Seligenstadt, Birnbaum und I o st. die Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung von Privatschulen und privaten Volksschulen wünschen, bezwei)elt Abg. Kaul (Soz.) die Beschlußfähig- feit des Hauses, nachdem di> Sozialdemokraten geschlossen den Saal verlassen hatten. Die Beschluhunfähigkeit wird festgestellt, die Ricarda Huch. Zu ihrem 60. Geburtstag, 18. Juli. Don Dr. Paul Landau. Hallen wir Umschau unter den Dichtern unserer Zeit, so gibt es keinen, weder Mann noch Frau, der mit Ricarda Huch zu vergleichen wäre. Sie ist eine Ratur und eine Welt für sich. Kaum je vorher war in einer Künstlernatur Männliches und "Weibliches so innig verschmolzen, stand die rückhaltlose Hingabe schwärmender Phantasie so nahe neben dec Haren Gegenständlichkeit etnes schauenden, forschenden Verstandes. Im letzten Jahrzehnt ihres Schaffens ist das rein Dichterische gegenüber dem beseelenden Racherleben der Geschichte, der philosophischen Durchdringung der großen Menschhntsfragen mehr zurückgetreten. Aber desto gewaltiger, allumfassender rundete sich das Dild dieser ihr Geschlecht, ihre Zeit, selbst ihre Kunst überragenden Persönlichkeit. Sie hat viel kämpfen und überwinden müssen, bevor sie eine solche Höhe erreichte. Die Braunschweiger Patriziertochtec konnte erst in ihrem dreiundzwanzigsten Jahre zum Studium nach Zürich ziehen, erlöst aus der vornehmen Enge einer bürgerlichen Kultursphäre, wie Michael Unger, der Held ihres viel Autobiographisches enthaltenden Romans „Vita somnium breve". Von entscheidender Wirkung ist dieser mehrjährige Schweizer Aufenthalt auf ihre Entwicklung gewesen. Hier hat sie in tüchtiger historischer Gelehrtenarbeit den Grund für ihr gewaltiges geschichtliches Wissen gelegt, hier hat sie die Kunst der großen Schweizer Poeten tief durchlebt, an die sie zunächst in ihrem eignen Dichten anknüpfte. Ihre dramatischen Erstlinge, ihr erster Gedicht- Band (1891), dem viel später in den „Reuen Gesichten" die reife Frucht ihrer leidenschaftlichen Frauenlyrik folgte, sie stehen deutlich in ihrem stilisierenden Pathos, in ihrer gedämpften Formenfülle unter dem Stern Conrad Ferdinand M e y e r s; ihr frühester Roman „Erinnerungen von Ludolf Ursleu, dem Jüngeren" aber, durch den sie berühmt wurde, zeigt in der edlen Rhythmik der Prosa, in dem Bunten Bilderreichtum wie in manchen spielenden AraBesken das DorBild Gottfried Kellers. Wie ein Erholen und Versuchen muten die Rovellen-Vände an, die folgten. Mit übermütiger Lust und genialer Ungebundenheit tummelt sie sich in den reichen Irrgärten der Reu-Romantik, während sie gleichzeitig in ernstester Forschung ein meisterhaft objektives Dild der alten Romantik erstehen lieft. Mit ihren beiden Bänden „Blütezeit" und „Ausbreitung undVerfall derRomantik" (1899,1902) hat Ricarda Huch ein literargeschichtliches Standardwerk geschaffen, das der Wissenschaft neue Wege wies in der Erschließung eines vorher kaum geahnten romantischen Weltbildes. Ihr nächster großer Roman, der 1901 erschien, sind die „Lebensskizzen" „Aus der Triumphgässe". Gewaltiger noch als in „Ursleu" bricht hier das Empfinden der Dichterin hervor, und durch diese persönliche Glut wird die lange Reihe der Figuren und Episoden zu einem unvergeßlichen Bilde menschlichen Jammers und Elends zusammenge- schweiht, über dem sich in leuchtender Schöne der Triumphbogen der Phantasie wölbt. Rie ist die enge Dumpfheit der armen Leute, dec Verkommenen und Ausgestoßenen, verklärter dargestellt worden, als in diesem Ausschnitt aus dem Armenviertel von Triest. Alles wird in Glanz und Größe, in Feuer und Sonne getaucht, und der Menschheit ganzer Jammer in Herrlichkeit geläutert. Im historischen Roman, dem sie sich seit 1905 zuwandte, fand sie dann die Vollendung chrer Kunstform. Die überall in ihren Werken hervortretende Begeisterung für Italien tneB sie zum Dryung oaraufyrn aufgehoben und eine neue Sitzung für 10 Minuten vor 2 Uhr anberaumt. In der neuen Sitzung werden zunächst einige kleinere Vorlagen erledigt. Als dann wieder die Anträge zur Unterstützung der Privat- schulen aufgerufen werden, verlassen die Sozialdemokraten abermals den Saal. Wegen dec Deschlußunfähigkeit des Hauses werden die Verhandlungen um 2 ilftr abgebrochen. Der Präsident teilt mit, daß die Ausschüsse Mitte September zusammentreten, der Landtag werde Mitte Oktober wieder einberufen, und die Wahlen würden imNovem - Ber stattfinden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. Juli 1924. Sollen unsere Kinder barfuß gehen? Meine Richte lebt in glücklichen Verhältnissen und bildet sich, wie viele, die Zufall und eigenes Verdienst miteinander verwechseln, nicht wenig darauf ein. In diesem Sinne erzieht sie ihre drei Kinder, in denen sie bereits Mustermenschen erblickt, obgleich der Knabe und die zwei Mädels echte, rechte Kinder sind und nur in Gegenwart der gestrengen Mama eine furchtbar gesittete Miene aufstecken. Vor kurzem war meine Richte bei mir, um mich um Rat zu fragen. „Denke dir," sagte sie, „unsere Kinder mochten so gern barfuß gehen. Sie sagen, die meisten Mitschüler und Mitschülerinnen kämen ohne Schuhe und Strümpfe zur Schule, und der Lehrer sähe das sehr gern, sage, das sei gesund und auch vom nationalökonomischen Standpunkt nur an- zuvaten; die Kleinen natürlich Brennen darauf, den anderen die Neuheit nachzuahmen, ohne an unsere gesellschaftliche Stellung zu denken, Und bedenke, der Egon, der so zart ist — barfuß! Unb wie sieht es aus, wenn Mädchen wie Ilse und Ruth, die doch in jeder Beziehung wohlerzogen sind, so Herumlaufen! Was sagst du dazu?" Ich unterdrückte ein Helles Auflachen bei ihrem Eifer. „Daß Barfuftgehen gesund ist, liebe Richte, das ist doch längst erwiesen. Es härtet ab, es Bringt den Fuß, der durch das Schuhwerk nur zu leicht verkrüppelt, in seine natürliche Form. Der Luftzutritt fördert eine gesunde Ausdünstung, kurz, jeder Arzt wird dir wohl den Ruhen des Darfuhgehens für den Körper bestätigen." „Aber ich Bitte dich," fiel meine Richte eifrig ein, „wie leicht sich da ein Kind erkältet! Und die meinen haben sofort Husten und Schnupfen, wenn sie einmal nasse Füße bekommen!" „Siehst du, das ist schon eine Folge deiner allzu großen Aengstlichkeit, und wird sich bald geben, wenn du die Kleinen abzuhärten suchst. Natürlich fängt man an warmen Tagen an, läßt auch nicht gar zu lange den Kinderfühchen ihre Freiheit. Wenn du die Kinder auf einen Spiel- plan schickst oder du läßt sie an den Iugend- spielen der Schulen teilnehmen, so magst du es immerhin erlauben, daß sie barfuß gehen. Sie werden sich da sicher nicht erkälten, denn Beim Spielen werden nie warm genug. Ratürlich brauchst du ja diese Nacktkultur nicht zu übertreiben. Bei Spaziergängen in der Stadt oder Bei größeren Wanderungen wird man vernünftigerweise den Fuß nicht unbekleidet lassen. Aber Beim Spielen auf freier Wiese oder auf sand- Beftreutem Gartenplan ist es gut, wenn die Kinderfühchen sich leicht mitBewegen, frei atmen können; denn auch die Haut des Menschen atmet, und zwar durch die zahllosen Poren, ahnet die verbrauchten Stoffe aus, saugt frische Nahrung ein; und je leichter dies geschehen kann, desto gesünder wird der Körper." „Das ist ja ganz gut und schön," entgegnete meine Richte kleinlaut; „aBer Bann giBt es ja keinen Unterschied mehr zwischen reich und arm, zwischen vornehm und gering?“ „Wie töricht!" entfuhr es mir in ehrlicher Entrüstung. „Brauchen wir denn überhaupt äußerliche Unterschiede? Lind erkennst du so wenig den Zug unserer Zeit? Unterschiede! — Als ob wir Menschen nicht alle einander gleich wären! Traurig genug, daß viele ihre Mitmenschen noch nach äußerlicher Aufmachung schätzen! Durch Vorzüge des Gemüts, des Geistes sollen wir ein» ender vorzukommen trachten und nicht nach Kleid nd Schuhwerk! Dies aber Kindern anzugewöhnen, heißt, sie zur Ueberhebung erziehen! ilnb dabei geht ihnen soviel Schönes verloren. Sie schauen, wenn sie gut geartet sind, nur zu oft mit Reid auf diejenigen, die frei und ungebunden springen und spielen dürfen, die auf ein elegantes Kleid, auf teures Schuhwerk nicht Rücksicht zu nehmen bvauchen. Du weißt, auch wir, ich und meine Geschwister, wurden in strenger Form erzogen. Wir mußten angepuht, mit Sonnen- Studium der Schicksale des jungen Königreichs, in dem sie eine Zeitlang lebte. Sv stieß sie in der Geschichte der Befreiung auf die faszinierende Gestalt Garibaldis und machte ihn zum Helden eines zweibändigen Prvsagedichtes, dessen erster Teil besonders von leuchtender Poesie ducchströmt ist. Wie die Iünglingsgestalten eines antiken Frieses ziehen die edlen Verteidiger Roms und ihre Todeskämpfe für die Freiheit an uns vorüber. Im Vollbesitz ihrer künstlerischen Kräfte glückte ihr dann in dem dreibändigen W?rk „Der große Krieg in Deutschland", die geschichtliche Dichtung höchsten Stils, um die sie solange gerungen. Rur „dargestellt" hat sie, wie der Titel mit stolzer Schlichtheit sagt, aber zugleich damit eine ganz neue Form gegeben, eine erstaunliche Beseelung der Vergangenheit, eine wahre geschichtliche Geisterbeschwörung. Hier fügen sich die Einzelszenen restlos zur Einheit zusammen; hier haben die grandiosen Episoden ihre rechte Stelle, ihre tiefe Bedeutung. Rach diesem Werk, dessen düstre Gröhe gleichsam ein Präludium des bald nach seinem Erscheinen hereinbrechenden neuen „großen Krieges" war, hat die Dichterin nur einen eigenartigem Kriminalroman „Der Fall Deruga" geschaffen, freilich ein Buch, dessen tiefe Psychologie und innerliches Ethos mit der gewöhnlichen Sorte solcher Romane nichts zu tun hat. Vor allem aber offenbarte sie den ganzen Reichtum und Tiefsinn ihres Denkens in einigen philosophischen und religiösen Schriften. Die Bibel und Luther sind die Gegenstände zweier Schriften, in beneiii die Offenbarung des religiösen Geistes und des religiösen Menschen mit der ganzen Inbrunst einer großen Seele und der ganzen Feinheit einer Geheimsten, ergründenden Seherin dargestellt ist. Roch direkter an die Gegenwart aber wendet sich ihre „Bußpredigt" „Entpersönlichung", in der sie, die Grundgedanken ihrer Wellanschauung zusammcn- fcyirm und Hanvscyuyen, beim Spaziergang vor den Eltern herstolzieren; aber wir neideten an* deren Kindern ihre fröhliche Jugend, Und barfuß gehen war unsere stille Sehnsucht. Run wohnten wir einstmals zur Soinmerfrische in einer idyllischen Mühle im Grund, der damals noch nicht soviel begangen war als jetzt. Wir malten es uns als höchste Wonne aus, einmal, wenn der Bach recht viel Wasser führte, barfuß über seine Kiesel hinweg das ganze Bachbett hinunter zu laufen. Lange wagten wir es nicht. Aber die Sehnsucht war stärker als unsere Angst, und eines Vormittags führten wir es aus, auf die Gefahr hin, totkrank wieder heimzukommen. Außer Sehweite wurden Schuh und Strümpfchen abgestreift, und nun ging es los! O, wie rauschte das Wasser angenehm kühl um die sechs nackten Beinchen! Und wie schön war es, durch die vielen Brücken zu kriechen, die kleinen Wasserfälle hinabzuklettern I Wie Heldsn kamen wir uns vor. Run, und es hat uns auch nichts geschadet. Aber ist es nicht viel besser, wenn Eltern solche unschuldige Wünsche erfüllen? Wozu das Kind erst an Heimlichkeiten gewöhnen? Meine Richte lächelte. „Das hätte ich wirklich sehen mögen! Aber du hast recht, auch ich habe ähnlich gedacht. Run gut, mögen sie also ihren Willen haben, es ist vielleicht her natürliche Instinkt be!8" Kindes. Egon, Ruth, Ilse — ihr dürst also von morgen an barfuß gehen! R. D. > ** Die hessischen Landtags- wählen werden, nach einer Mitteilung des Landtagspräsidenten in der gestrigen Sitzung des Parlaments, im November stattfinden. L.U. Universitäts-Gottesdienst. Am nächsten Sonntag, vormittags ll1/* Ahr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts- Gottesdienst statt, zu dem in erster Linie die Angehörigen der Universität eingeladen sind. Selbstverständlich hat aber auch jeder andere Zutritt. Die Predigt hält Professor Dr. Karl Ludwig Schmidt. ** Gnadenbezüge. Die,Hinterbliebenen von hessischen Staatsbeamten, die vor der Inflation Gnadengebuhrnisse bezogen, diese aber seit der Markentwertung nicht mehr erhoben haben, können ab 1. April 1924 wieder in den Genuß dieser Bezüge eintreten, sofern begründeter Antrag beim Ministerium der Finanzen gestellt wird. ’* Wichtig für vertriebene Ostdeutsche. Däe geschädigten Ausgewiesenen und Flüchtlinge aus dem an Polen abgetretenen deutschen Gebiet, die seit dem 1. Iull 1923 ihre Entschädigungen in Papllrmartbeträgen and K.° Schatzanweisungen K. 1923 erhallen haben, erhalten eine Beihilfe und den Umtausch der Schahanweisungen 1923 in Mark-Gold-Schahanweisungen E. 1924. Aähere Aufschlüsse sind vom Deutschen Ostbund, Ortsgruppe Darmstadt, unentgeltlich zu erfahren. ** Zugverstärkung auf der Strecke Gießen — Büdingen am näch sten Sonntag. Zur Bewältigung des Eisenbahn- Verkehrs anläßlich des Gesangwettstreites in Büdingen am nächsten Sonntag werden die Personenzüge zwischen Gelnhausen unb Gießen verstärkt. Außerdem werden die Züge 504 (Gießen ab 6.32 vorm., Büdingen an 8.29) und 513 (Büdingen ab 9.20 abends, Gießen an 11.07), die Sonntags nicht verkehren, an diesem Tage zwischen Gießen und Büdingen gefahren. Wettervoraussage für Samstag: Roch wolkig und unbeständig, wieder wärmer, einzelne Rieder schlüge. rvornotizen. — Tageskalender für Freitag. Abonnementsllmzect der Reichswehckapelle, 8 Uhr: Lieli^höhe. — Schncider-Zwangsinnung, 8y2 Uhr Besprechung im Gewecbehaus. — Rundfunkhaus, Löberstraße, 8l/2 Uhr Operettenabcnb. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Glück am Rhein". — Das Theater Millowitsch aus Köln wird von morgen, Samstag, bis einschl. Montag abend im Kath. Vereinshaus gastieren. Es beabsichtigt, die Schwankopere^tte „Familie Raffke" aufzuführen. (Siehe Anzeige.) — Eine Vorführung von Polizei- unb Schuhhunben des alten Polizei- imb I Schuhhunbevereins von 1914 findet, wie aus der heutigen Anzeige ersichtlich, am 27. Juli auf dem Trieb statt. Es kommen Hunde jeder Dressurstufe zur Vorführung. Der Verein hat sehr wertvolle Preise ausgesetzt, die in den Schaufenstern der Dlumensicma Dietz im Seltersweg zur Ausfassend, das der Persönlichkeit und der Religion beraubte, mechanisierte unb gottlose Chaos unserer Zivilisation anffagt und die einzige Rettung sieht in der Rückkehr zur persönlichen Entwicklung, zum lebendigen Glauben, zur Wandlung unb Reuwerbung, zum Opfer unb zur Tat! * Ricarda Huch Ehrenbürger der AniversitÄ München. Ricarda Huch ist aus Anlaft ihres 60. Geburtstages zum Ehrenbürger der Universität ernannt worden. Deutsche Zeitworts. Wir alle gleich? Bvie versteh ich das recht? Alle Herren oder alle Knecht'? * Versprecht nur den Himmel Als Köbergericht: Papier ist geduldig, Der Mensch aber nicht! * Dient die Gesinnung Zur Geldgewinnung, Dann schändet sie die ganze Innung. Wie kommt doch dreiste Dummheit so teuer! Ach, das erleben wir täglich heuen Dec Kluge durchschaut im voraus den Krempel, Der Dumme braucht immer erst das Cpempel. Rechter Hand und linker Hand, Beiderseits viel Unverstand, Wahrheit nur beim Vaterland! Amal von Etta, geb. Schön Familie Dr. Dietz. 5741D Lollar, den 16. Juli 1924. 5745a Ein Posten schwarz und weiß mit verstärkter 0.50 Paar Mk. 0.75, Ferse und Spitze 1.50 ist heute abend im Alter von 81 Jahren sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Deibel und Frau Katharina •’«a Die Beerdigung findet statt Samstag, den 19. Juli, nachmittags 4 Uhr. Ein Posten extraprima Strapazierqualität, Seiden- flor und Mako, schwarz, weiß und alle Farben Paar Mk. 2.50 Blumenkohl Stück 10—50Pfennig Lalatgurken Stück 10—50Pfennig Oberkohlrabi 3 Stück 20 Pfennig Salat Stück 5 Pfennig Wirsing Pfund 20 Pfennig Dicke Bohnen Pfund 15 Pfennig Rute Rüben Pfund 15 Pfennig Für Händler Erzeugerpreise, 021*4 T. Seitz, Neuenweg 52 Letbstiind. Hund werter, eu„ Aus. 40, vom Lande, mit fünf Kindern von 5 bis 14 Jahren, sucht aus diesem Wege mit solider, tüdit- Dame von 35—40 Jahren, ohne Anbang bekannt zu werden jroetfs Heirat. Schristl. Angebote unter 021754 an den Gieß. Anz. erbeten. Gtegener Hochschulgesellschast. Die Gesellschaft von Freunden und Förderern derüluiversität 'Gießen (Gießener Hoch- schulgesellschaft) hielt ihre diesjährige Hauptver- sammlung am Sonntag im großen Hörsaal der Universität ab, zu der sich zahlreiche Mitglieder und Gäste eingefunden hatten. Der Besitzende, Justizrctt Dr. jur. h. c. Grünewald, eröffnete die Festsitzung, begrüßte die Erschienenen und erteilte sodann Professor Dr. Decher zu einem Vortrag über „Entwick - lungsgeschichte und Entwicklnngs- Mechanik" das Wort, in dem dieser etwa folgendes ausführte: Schon an der Wiege der Entwicklungsgeschichte hat die Hypothese gestanden. Beim Mangel breiterer entwicklungsgeschichtlrcher Beobachtungen wurden damals, am Ende des 17. Jahrhunderts, die Entfaltung einer Knospe und das Schlüpfen der Schmetterlinge aus der Puppe zu Paradigmen, die gleicherweise zu lehren schienen, daß alle Entwicklung auf Präformation, auf der Auscinanderwicklung oder Entfaltung schon vorher im Kleinen vorhandener Anlagen beruhte. Liese auch mit den damaligen Vorstellungen über das Verhältnis von Ursache und Wirkung zusammenhängende Lehre gehörte dann im 18. Jahrhundert za den allgemein verbreiteten Anschauungen der -Zeit, trotz der paradoxen Konsequenz einer Einschachtelung aller Generationen in den Keimen der ersten Geschöpfe, und trotz denkwürdiger Deobachtungstäuschungen, die sie hervorrief. Als gegenüber der Präformationslehre die Erkenntnis vom Auftreten wirklicher Reubildnng, vom Uebergang des Keimes aus einfachen zu immer komplizierteren Stadien sich Dahn gebrochen hatte (epigenetische Theorie von C. Fr. Wolfs, K. E. v. Daer u. a.) trat alsbald eine weitere Hypothese hinzu: die Vergleichbarkeit des Aufstieges in der Entwicklung der Embryonen mit dem Aufstieg in der „Stufenleiter" der Tiere, die Lehre, daß die Entwicklung des Keimes Züge aus der Organisation niederer Tiere rekapituliert, eine Anschauung, die bereits vor Tarwin vorhanden war (z. D. bei Meckel) nach Herrschendwerden der Deszendenztheorie aber in dem Vergleich von Krimes- und Stammesentwicklung besser verständlich (Fritz Müller) und von Haeckel schlagwortartig formuliert wurde. Dei aller Vorsicht und Einschränkung, die in dieser Sache angebracht ist, läßt sich doch sagen, daß in derEntwicklung zweifellos Züge auftreten, die zu einer historischen Deutung der Organismen Veranlassung geben, Züge, die nur als Hinweise auf Dorfahrenformen verständlich werden. So das Auftreten von Kiemenspalten beim Embryo des Hühnchens oder des Menschen, die dieser Organe als Luftatmer doch nicht bedürfen. Die wichtigsten Entwicklungsstadien des Keimes, di» Eiteilung, die einschichtige Dtasen- und dir zweischichtige Urdarmlarve, die Anlage der Keimblätter und die wichtigsten Stadien aus der Hühnchenentwicklung wurden durch Mikroprojektion demonstriert. Desgleichen einige besonders einleuchtende Beispiele von Rekapitulation. Wenn die Entwicklungsgeschichte auf einen Embryo schaut wie der Kunsthistoriker auf ein in Entstehung begriffenes Bauwerk, bei dem er allerhand architektonische Züge auf vergangene Stilperioden bezieht, so fragt die G n t° wicktungsmechanit nach dem während des Aufbaues des Keims selbst hervortretenden Leistungen. So hatte schon Pflüger den Einfluß der Schwerkraft auf die meist senkrechte Lage der ersten Teilungsebene beim Froschei studiert. Ein großes Interesse zogen solche Untersuchungen auf sich, als Roux an die experimentelle Prüfung der Frage herantrat, ob aus den ersten Forschungszellen dos die Entwicklung beginnenden Eies, der rechten und der linken, immer nur eine rechte oder linke Körperhälfte entstehen könnte. Halbembrhonen, die nach Ausschaltung des einen Paaclinges durch Anbrennen mit der Hoisten Madel entstanden, schienen dafür zu sprechen, sie machten den Eindruck, als ob bei den Zellteilungen bei der Entwicklung die Determinanten für die verschievenen Zelleistungen verteilt würden, womit Todesanzeige. Unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Schön III Solange Vorrat! Ganz besonders billiges Angebot in 2)amen - Strümpfen Zur Erleichterung des Einkaufes verkaufe ich weiterhin zu bedeutend ermäßigten Preisen Durch Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 26. Mai 1924 hat sich die unterzeichnete Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftpflicht umgewandelt. Gläubiger, welche diesem Beschluß widersprechen, wollen sich bei der Genoflenschaft melden. Beuern, 26. Mai 1924. Mm. Momoettln II. eingetr. Genoflenschaft m. unbeschr. Haftpflicht L. Stein II., Direktor. K. Haberkorn. Konrad Stein IV. Karl Walther. Konr. Wilh. Wißner. Heinrich Koch II. 6MeD Die von mir geführten Fabrikate sind erstklassig in Form und Qualität! Schuhhaus W. Herbert GIESSEN, Marktplatz 2, neben der Engel-Apotheke Alleinverkauf v. Engelhardt’s Chasalla-Normalstiefel dann jeder Teil nach Maßgabe seiner Mitgift an Erbanlagen durch Selbstdifferenzierung sich weiter bildete. Die ganze Entwicklung wäre danach eine starre „Mosaitarbeit", eine uhrwerkartig ablaufende Verteilungsmaschinerie. Demgegenüber zeigte Driesch, dast die isolierten ersten Zellen des Seeigelkeims, die im normalen Verband nur einen Teil des Organismus bilden, imstande sind, eine zwar kleinere, aber komplette Ganzlarve zu entwickeln. Sie sind noch totipotent und untereinander äquipotent, arbeiten normalerweise unter harmonischer Einordnung in ein Ganzes. Der Keim ist ein „harmonisch-äquipotentielles System", in dem das wirkliche Schicksal (die „prospektive Bedeutung") der einzelnen Zellen viel enger ist als ihr mögliches Schicksal (die „prospektive Potenz"). Cs findet im Keim bei seinen Teilarbeitern, den Zellen, eine Potenzein- fchränkung statt, aber nicht durch Anlagenverteilung, sondern durch Einschränkungen ähnlicher Art, wie wir sie im Leben des Menschen bei der Berufswahl sich vollziehen sehen. Der Abiturient kann noch alles werden, der Referendar noch vieles usw. Genaueres Studium der Ursachen, die trotz der Totipotenz den ersten Teile ihre Festlegung auf bestimmte Spezialausgaben bewirken, ist eine der Hauptaufgaben der Gnt- wicklungsmechanik, die, solange das Experiment weiterführt, hier noch nicht an ein letztes Unauflösbares (Entelechie Drieschs) glauben möchte. Die Entwicktungsmechanik prüft die Leistungsfähigkeit der einzelnen Keimbezirke durch das analysierende Experiment, in dem sie dieselben wie einen Prüfling isoliert (Explantatkultur) oder in neue Umgebung bringt. Dort kann der verpflanzte Teil entweder „orisgemäß" und abhängig von den Einflüssen der neuen Umgebung sich entwickeln, oder aber — wenn schon vorher irreversible Determinierung erfolgt war — sich „her- kunflsgemäst" und „selbstdisseren zierend" behaupten. Oder er wird sogar, als „Organisator", die neue Umgebung in seinen Dann zwingen und diese von sich aus zu Reubildungen veranlassen. So kann ein Stück vom oberen Urmundrand, wenn es in indifferente Stellen des Keims transplantiert wird, dort Bildung eines zweiten Rückenmarkes und zugehöriger Organe anregen. Reuerdings haben diese Experimente über das Angestostenwerden und Weiteranstotzen zu noch überraschenderen Ergebnissen geführt. Die experimentell begründeten Vorstellungen über die Arbeit bei der Formbildung des Keimes erinnern vielfach an menschliche Verhältnisse, sind somit zwar recht plausibel, aber von einer physikalischen Erklärung, wie sie das Wort Entwicklungsmechanik verspricht, noch weit entfernt. So erleben wir auch bei dieser Arbeitsrichtung wie bei jeder Wissenschaft nach den Erfolgen am Ende das Münden vor neuen Problemen, als eindrucksvolle Mahnung zur Bescheidenheit, als stetigen Antrieb zu neuem Forschen. Die glänzenden Ausführungen des Vortragenden, die durch zahlreiche hochinteressant« Lichtbilder unterstützt wurden, fanden bei den Zuhörern lebhaften Beifall und wärmsten Dank. In der sich anschließenden Geschäfts- sih ung erstattete Justizrat Grünewald den Jahresbericht, während Dankdirektor Griest- bau er Abrechnung über die Vermögenslage der Gesellschaft ablegte. Dem Vorstand und Verwaltungsrat wurde Entlastung erteilt. Sodann wurden die nach Ablauf ihrer Amtszeit aus- scheidenden Vorstandsmitglieder Justrzvat Dr. h. c. Grün ewa l d, Dankdirektor Griestbauer, Generaldirektor Dergrat Dr.-Jng. h. c. Groeb - ler, Geh. Kommerzienrat E m m e l i u s, Kommerzienrat Klingspor, sämtlich in Gießen, ' und Fabrikant Dr. E. L e i tz in Wetzlar auf drei Jahre wiedergewählt: für den durch Tod ausgeschiedenen Provinzialdirektor Matthias wurde Landgerichtspräsident Reuenhagen neu in den Vorstand berufen. Der Verwaltungsrat wurde durch Zuwahl der Herren Direktor Dr. h. c. Möhring in Butzbach und Fabrikant Arthur Pfeiffer in Wetzlar ergänzt. Seine Magnifizenz der Rektor der Landes Universität, Professor Dr. Laquer, schlost di« Sitzung mit den Worten wärmsten Dankes, die er der Hochschulgesellschaft für ihre Arbeit zur Förderung der Universität widmete. Turnen, Sport und Spiel. Zu den IV.Nationalen leichtathletischen Wettkämpfen des Gießener Sportclubs von 1900 wird uns geschrieben: Auch di« diesjährigen „4. Rationalen" des Gießener Sportcl lbs von 1900 brachten ein glänzendes Mrldeergebnis. Aus allen Teilen des Reichs, besonders aber aus West- und Süddeutschland, liegen insgr- amt über 200 Meldungen vor. r Für die Jugend ist der Samstagnachmittaa bestimmt. Um 4 Uhr wird der erste Startschuß zu den Dor- und Endkämpfen fallen. Der Haupt- anteit an den Erfolgen wird wohl aus die Frunk- urier „Eintracht" entfallen, die ihr gesamtes Jugendmaterial in Stärke von etwa 25 Mann zur Stelle hat. Den stärksten Gegner für die Frankfurter dürfte der mit der gleichen Anzahl Jugendlicher vertretene V. f. L. Hessen- Preußen Kassel stellen. Die guten Jugendkräfte der Sportfreunde Siegen, der Borussia Fulda, des V. f. D. Leipzig und schließlich die 1900- Jugend selbst werden natürlich auch ein ernstes Wort mitreden. Run zum Sonntagsprogramm. Das meiste Interesse wird wohl das Abschneiden des erstmalig hier startenden Kölner Ballspielclubs, eines der größten und leistungsfähigsten Sportvereine Westdeutschlands, beanspruchen. Die Hauptvertreter des „K. D.-C." sind der westdeutsche 400- Meter-Meister 1924, Steves, der diese Strecke in nahezu 50 S. läuft, die bekannte 4xl00-Meter- und Olympia-Staffel mit Lütt gen und einig« Mittel- und Langstrecker von guter Klasse. Als zweiter großer Verein des Rheinlandes ist der auf leichtathletischem Gebiet wohlbekannte Koblenzer F. C. 1900 der Einladung gefolgt. Ein Rame wie I ö n s (800 Meter) hat auch jetzt noch einen guten Klang. In den beiden offenen Staffeln werden die 1900er aus Koblenz den Mannen des Kölner Dallspielclubs nicht viel nachstehen. Der Sp. V. Rieder-Oahnstein wird wohl in den Mittelstrecken einige Plätze belegen. Der dem südd. Verband angehörige Bingener Fuhballver- ein ist auch in diesem Jahre nicht ferngeblieben. Leute wie der früh. Kugelrekordmann Wasser- f u t e r und der ausgezeichnete Mehrkämpfer Christmann werden schon dafür sorgen, dah man nicht leer nach Bingen zurückfährt. Uebrigens hat man in der 4xl00-Meter-Staffel auch noch eine ganz brauchbare Waffe. Wie jedes Jahr, so lassen sich auch diesmal die Leute um H o 11 e n- st e i n (Mannheimer Sport-Club) nicht vermissen. Von den tadellos in Form befindlichen Leuten des Sp. V. Offenbach muh man zunächst einmal das Hauptaugenmerk auf den am letzten S>nnlag in Rürnberg ermittelten süddeutsch. Meister im Weitsprung, den jungen talentierter Schneider, richten. Bei all dieser starken und zahlreichen Konkurrenz must man nun die Frage aufwerfen: Wie werden sich die Vertreter unseres Gaues und unserer Vaterstadt behaupten? Man kann ruhigen Herzens sagen, dah sie getrost in die Schranken treten können. Denn Leute wie Junghenn, Paulus, Dr. Hundhausen, Freund, Fischer, Becker usw. wissen auch zu kämpfen und zu siegen. 3m übrigen beachte man die heutige Anzeige. Kirchliche Nachrichten. 2sr. Religivnsgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge (Süd-Anl.). Samstag, den 19. Juli. Vorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 8.45 u. 9.25. Jsr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 19. Juli. Freitag abd. 7.50. Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30. Sabbatausgang 9.25. — Wochengottesdienst: Morg. 6.15, abds. 7.15. stellung kommen. Cm Anschluß, an diese Vorführung findet Preisverteilung tm Schühenhaus statt. Landkreis Gicszcn. h. Ruttershausen, 16. Juli. Von einem Schicksalsschlage wurde heute die Familie des Formers Friedrich Zecher dahier betroffen. Der 13jährige Sohn Ernst, der wohl des Schwimmens einigermaßen kundig war, wurde beim Durchschwimmen der Lahn plötzlich von den Kräften verlassen und ertrankehe Hilfe geleistet werden konnte. Alle Wiederbelebungsversuche, die sofort angestellt wurden, blieben erfolglos. * Hungen, 17. Juli. Der Ausschuh des Kreisziegenzuchtvereins Giehen hat beschlossen, am H u n g e n e r Z i e g e n - u n d B o ck m a r 11, der Anfang August stattfiridet, auch eine Prämiierung zu veranstalten. Jungtiere sind davon jedoch ausgeschlossen. Die Preise werden in Geld ausbezahlt und schwanken zwischen 2 und 8 Mk. Für Tiere, welche prämuert und verkauft werden, wird der Preis mcht ausbezahlt. Kreis Friedberg. * Bad-Rauhe im, 17. Juli. In den, letzten Lagen wurden hier auf offener Straße zwei Damen angefallen und ihnen die Handtaschen entrissen. Die eine der Laschen hat man, des Inhalts beraubt, wiedergefunden, die andere fehlt noch. In beiden Fällen konnte der Räuber unerkannt entkommen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 17. Juli. Die Stadtverord- veten-Versammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die städtische Bahnbergungs- steuer aufzuheben, weil sie der Entfaltung Les Fremdenverkehrs hinderlich ist. Starkenburg und Rheinhessen. * Darm st ad t, 17. Juli. Gestern abend wurde der Handelsgärtner Hermann H e n k l e r in seinem Garten vomDlitzge- troffen und derart verletzt, dah er im Städtischen Krankenhaus, wohin er gebracht wurde, seinen Verletzungen erlegen ist. Hesscn-Rassau. fpd. Frankfurt a. M., 17. Juli. In der grvhen Unterschlagungsaffäre bei der hiesigen Reichsbankhauptstelle wurde heute nachmittag der unvereidigte 26jährige Börsenmakler MaxKauffmannverhaftet und dem Untersuchungsgefängnis ziugeführi. Kausf- mann stand schon während der Inflationszeit, wie jetzt festgestellt wurde, mit dem beschuldigten, inzwischen wohl auch verhafteten Dankrat Carl Leonhardt in engsten Geschäftsverbindungen und erhielt für seine gewagten Spekulattonen im freien Börsenverkehr von dem Bankrat die dazu erforderlichen Mittel, die sich nach den bisherigen Feststellungen auf etwas mehr als 430000 G o l d m a r k belaufen. Heute traf aus Berlin eine Kontrollkommission ein, die den Umfang der Unterschlagungen und die Art und Weise, wie sie durchgeführt wurden, feststellen soll. Kauffmann lebte auf großem Fuße, hielt sich mehrere Autos und veranstaltete öfter recht kostspielige Herrenabende. — Eine weitere Unt er schla- gung in Höhe von rund 1 00000 Gvld- mark wurde bei einer der hiesigen D.° Banken festgestellt. Die Defraudanten sind in diesem FUle zwei junge Bankbeamte. Ihre Verfehlungen wurden jetzt bei den Revisionen der einzelnen Bank- und Depotkonten er« mittett. Die ungetreuen Beamten sind geflohen. — Am Merianplatz stürzte heute mittag eine 36jährige Frau beim Fensterpuhen aaseinem Fenster des dritten Stockes auf die Straße und war auf der Stelle tot. — Drei Einbrecher drangen in der vergangenen Rächt in ein Haus des Oederwegs ein, wurden aber auf dem Rückweg, als sie schon ihre Deute auf dem Rücken hatten, überrascht und verfolgt. Einer der Täter, ein gewisser Friedrich Scheer, konnte gefaßt werden, die beiden anderen Täter ent» kirnen. letaiitlpStadlöDg sucht zum sofortigen Eintritt jüngeren branchekundigen Lageristen Schriftliche Angebote unter 021861 an den Gießener Anzeiger. Wer regelmäßig die Zahnpasta gebraucht, wird sein Gebiß bis ins hohe Alter rein, weiß und gesund erhalten. Braune Damen-HalbschuheSchnür und 5<95 . Mk. 14.90, 9.95 1.95 Mk. 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Juli 1924 und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums des Innern sind die Äusschlagsähe der Gemeindeumlagen für das Rechnungsjahr 1924 wie folgt festgesetzt worden: a) Allgemeine Grundsteuer. 1) 12 Goldpfennig für je 100 Mk. Steuer- wert der Gebäude und Bauplätze; 2) 20 Goldpfennig für je 100 M. Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes und des Berg- Werkseigentums. b) Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. 60 Goldpfennig für je 100 M. Steuerwerk des bebauten Grundbesitzes. Die Zahlung der Grundsteuer hat in 4 Zielen zu erfolgen, von denen das erste alsbald und die folgenden bis zum 15. der Monate September, Dezember 1924 owie März 1925 zu entrichten sind. Von der in 6 Zielen zu zahlenden Sondersteuer sind 2 Ziele alsbald, die übrigen bis zum 6. der Monate September, November 1924, Januar und März 1925 fällig. Den Zahlungspflichtigen werden zu a) und b) getrennte Steuerbescheide in diesen Tagen zugestellt. Giehen, den 17. Juli 1924. 57498 Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seib. Arbeitsvergebung. Die Gemeinde Grohen-Buseck vergibt im Wege des öffentlichen Angebots die Chaussierungsarbeiten von etwa 200 lfd. Meter Straßenbau. Angebote sind bis zum Montag, den 21. Juli 1924, mittags 1 Uhr, verschlossen an unterzeichnete Bürgermeisterei einzureichen, wo anschließend die Eröffnung erfolgt. Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen Hierselbst zur Einsicht offen und werden im Eröffnungstermin besonders bekanntgegeben. Grohen-Buseck, den 17. Juli 1924. Hessische Bürgermeisterei Grohen-Buseck. ____________Gans.________5755D Für erstklassigen konkurrenzlosen Markenartikel der Haushaltungsbranche ist für den Platz Giehen die Platzvertretung bezw. das Alleinverkaussrecht an nur ernsthafte Reflektanten mit ersten Referenzen und Sicherheiten zu vergeben. Angebote an Fa. 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Anschließend Nachrichtendienst 10—11 Uhr Tanzmusik. Morgen abend 8.30 Uhr Joseph-Baydn- Abend. 5653a lllllllllllllllllllllllllllllim' Keitag, 18. Juli 192» Nr. 167 Zweites ölatt «Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) In •BIHfonen Prozent Datum: res a. HL Berliner Börse. ujDiiien UW M. - --- r , V behoben werden. 'Sa es jeuoaj an jeguaje« ügtum eindrmgen uns damit den Dann bvrq- A^^„^wungen fehlt, entsteht eine gewisse Ma- A« x'Y7/-.11 oiv*!* 2 eileimbar zeigt sich, daß der neue revolutionäre G.-B., in der 176 382 Stimmen vertreten waren, Geist in 3nbien verwandt mit der großen De- stimmte ohne ©rorterung sämtlichen Vorschlägen toegung sein maß, die Asien seit geraumer Zeit des Aufsichtsrates unb Vorstandes zu. Die Arf- autfteigen sieht and deren Spiel am genauesten sichtsratswähl ergab die Wie erwähl der in Rußland au erkennen ist. Ja, das plötzliche, sahungsgemäß aus scheiden« en 2Nitgiieder. Als sentimental leidenschaftliche 3nter?ffe, das für die Bergütung für die Mitglieder des Aufsichtsunterste Klasse die bisherigen Paria entstammt r Firniß 19, Eisen- und Stahlarbeiten 16 Mil- h,en und deren Tempel darf ihr Fuß nicht be° [tonen Lire. Die Sachlieferungen auf Repara- treten. Gegen diese Auffassung richtet sich die Em- ltonskonto sind in dieser Statistik nicht berück- pörung Ghandis zur großen Bestürzung ter Hüter stchtigt. orthodoxer Traditton und zur Verlegenheit der Frankfurter Börse. Gngländer als Hüter der öffentlichen Ordnung. Frankfurt a. M, 17. Juli. (Drah bericht Die Auftastung, daß der Paria als unrein reu- $ ®ieD Anz.".) Das Geschäft an der heutigen gibs abgesondert, streng von den anderen Kasten beginnt einen leichten Anlauf zur Be.se- geschieden au gelten hat, J^ .aeitgebeiligt unb rung ne^mcn, indem wieder etwas 3ntere se entstammt Dem, Ursprung indischer SiMltJatton, einzelne Marktgebiete h rvortritt. Die freund- ja so grausam sie erscheinen mag sie hat den Adel Stimmung, die gestern schon festgestellt dieser Zivilisation ermöglicht und erhalten. Denn n)etE)en ft>nnt€ jst in der Hauptsache zurückzu- als die Arier in 3nbten ein drangen und es er- ,üc]Xn aut Diskonto bereit schäft d.r Sehanb- vberten, fanden sie eine nlediigstehenbe Rasse lun welche Maßnahme die Spekulation vor, Tiermenschen, affenartig, wie sie rn den ^lnreaung zu Käufen fand. Die Kaufneig ing war verschiedenen Epen geschildert sind. Sie tour en :„^ssen eng begrenzt und vollzog lich ohne Be- nicht ausgerottet, sondern man ließ ihnen so viel ^[[gnng des Publikums. Als günstiges Moment Spielraum, daß sie sich gut fristen konnten. Nur r iner buchen, daß die in den letzten Wochen eine religiöse Schftdetoand bewahrte die eb.ere ett,->r(lten Abgiben zum Stillstand ge.ommen find. Raste vor der Mischung, denn nirgends glaubte gn Hauptsache wandte sich das Ge chäft in» man so stark tote unter den indischea Ariern an upt> ausländischen Renten M. Die Erholung, die aristokratische Hochzucht. 3n der ihr zugetolesenen „ < alle Gebiete einfteflte, toar in den Kursen abgesonderten Stellung war die unterlte Rasse nnbedeutend, da die Besserungen über bis 1/4 wenig bedrückt, besonders in der jüngsten Zeit, Prozent nicht hinausgingen. Die Zinssätze am unb vermehrte sich auf 60 Millionen, bildet Geldmarkt find unverändert, nämlich V4 pro Mille asto heute den sechsten Teil von 3ndiens De- ^ür Tagesgeld, V/2 für Monatsgeld An dem völkerung. I Devisenmarkt sind nennensw.-rte Kur^veränderun- Der Mahatma ist politisch sehr klug, wenn er ~ bei vollkommen ruhigem Geschäft nicht zu sich auf diese sechzig Millionen stützen will und ^^Änen. Es wurde genannt der französische sie als Hebel benutzt für die von ihm geplante f mit 8450 pis 84,70 in Pfundparität, unb Bewegung. So haben die aus dem Sklavenftanb 93^7x1) mit 4,37 bis 4,371/4 Dollar. An den herworgegangenen Christen, freilich mit Hilfe und Aktienmärkten bestand einige Nach wage für die Sympathie ideal träumender großer Herren, bie [^nter Zeit stark im Kurs zurückgegangenen alte Welt aus den Angeln gehoben. Werte. Auch für den Dankaklienmarkt zeigt ftch 3n der eigenen Häuslichkeit errang Ghaadt ^twas 3ntereffe. Der Einhätsmarkt lag ruhig b-i den ersten Sieg, indem er seine vornehme Gattin ^h.iupteten Kursen. E.h.b.ichen Be k.hr faniKn zwang, trotz dem Fluch ihrer Priester, ein Paria- Kriegsanleihen, die einen Kursgewinn von 18 mädchen als Dochteranzunehmen. Er sanatlfterte Milliarden Prozent auswiesen. Don auslänrischen die Gattin, die sich anfangs leidenschaftlich Renten standen Zolltürken und Bagdabtoerte im sträubte, für seinen Gebauten und fanatisierte ^Nittelpuntt des Interesses >)m Freiverkeor eine große Anzahl Jünglinge aus höchsten Hindu- । - 5 «ujaxr kreisen, für die Sache einzustehen. Lange gebatbig vom Mahatma unb dessen Gattin geschürß ftammt nunmehr bie Empörung gegen bas bisherige Kastenwesen gewaltig auf. Seine Anhänger haben feierlich geschworen, alles zu ertragen um den Parias Gleichberechtigung zu verschaffen, öxz wollen zu diesem Zweck „bie Seelenmactzt tote ich Satyagraha übersehen mochte gebrauchen und ihr Geist ist von zäher, passiver Berliner Stempelvereinigung angehörigen Großbanken unb Bankhäuser bie Kredi.zinsen für täg- be?eiLnet I lich kündbare Einlagen von 8 auf 6 Prozent er= Die Seelenkräfte in den Dienst seiner Sache mäßigt hat^n reduzieren sie jetzt den Blättern -m stellen, gehört zum Programm des berühmten zufolge, auch bie Zinsvergütung für Termingeld politischen Heiligen Mahatma-Ghandi, I un^ ötvar von 15 auf 12 Prozent pro Sahr. den Macdonalds Regierung aus de^ Haft entließ. * Hebdernheimer Kupferwerke Um ihn schart sich das junge Indien, das sich und Süddeutsche Kabelwerke 21.=®., vermöge seiner westlichen Bildung den Englän- Frankfurt. Die G.-B. der Gesellschaft, in beim durchaus gewachsen unb ebenbürtig suhlt, der 11 Aktionäre 40 208 Stimmen vertraten, ge- Oton dieser Ueberzeugung durchdrungen, strebt bie nehmigte die bekannte Iahreöschluß echnang für Ougenb nach „Swaraj", der Unabhängigkeit, der 1923 unb beschloß, den SReingietoiinn von 55 512 Mr. tndischen Autonomie. auf neue Rechnung vorzutragen. Eine Dividende Mahatma Ghandi hält aber bnen Ungeduld kommt nicht zur Verteilung. Die Vergütung für tm Zügel da er d ie nationale Wieder- den Aufsichtsrat wurde auf 30000 Goldmark gsburl'nicht ohn e sittlich e Wieder- festgesetzt. Die Verwaltung wurde entlastet, gebürt für möglich glaubt, die natio- ♦ £>i e neuen Do hrungen im han - nale Freiheit nicht ohne Befreiung von veralteten noverschen Erdölgebiet. Die Gewerk- Dorurteilen beulen mag. Nicht wild unb blutig schäft Concordia, die unweit der beiden Erdöl- toie bet so manchem früheren Aufstand soll es quellen Dienhagen und Elwerath eine Bohrung zugehen, sondern die Ueberlegenheit der Seele, nieberbringt, hat. laut „Tägl. Berichte über die ruhiger unb steter Opfersinn sollen siegen. Der Petroleuininbustrie" die von allen Fach'euten a'8 Mahatma selbst gibt das Beispiel durch unent- I Hauptöllager bezeichnete 2. Oelzone erreicht unb toegte Sanftmut, läßt sich aber nie in seinen am ersten Tage berefts eine Forderung von Beschlüssen beirren. etwa 1000 Kg. gehabt. Die Bohrungen werben So ibeal die persönliche Gesinnung dieses fortgesetzt. Mannes unb vieler seiner Anhänger ist, die * Daimler - Motoren - Gesell- ftranffurtn. M. Berlin Schluß.! Kurs Schluy. Schlich. fill'5 Schluh- Kur« 13. 7. 17.7. 16. 7. 17. 7. 0,265 0,283 0,260 C.281 0,550. 0,540 0/00 0,525 0,430 0,395 0,415 0,950 0,950 6,950 0,960 0,190 — 0,180 0,180 0,470 0,430 0,410 0,420 0,55d 0,560 0,560 0,550 0,420 0,550 0,360 — 0,400 0,450 0,450 4,2 4,2 4,2 4,2 81 83 81 83 6,62 5,9 7 6,25 | — 36,1 33 20,75 20,7 20,25 20,10 3.30 4 3,50 4 5,73 6 6,10 6,?0 7,1 7,25 0,345 7,10 7,13 0,340 — — 7,55 8 7,9 8,1 10,25 ic,r — —' 1, 0 1,70 1,60 1,75 0,305 0,315 0,3 0,3 0,2 0,2 0,3 0,3 • 41 41 6.50 6,25 6.50 6,25 7,62 8,30 8 — 43 42,75 43,60 43,75 42,5 44,25 43,4 43,7 46 46,75 46 48 6,1 6,25 6 6 3 8,8 9 8,75 %1Ü 3,75 3,50 3,9 e.o 7,5 6.50 6,9 7 — 234 22,25 23,13 17,75 18,50 18 18 29,5 30 30.90 29,25 1,25 1,30 — 18,6 18,05 18 18,2 3,75 3,90 3,8 3,8 — 1,6 — — 7,6 7,55 — 2,45 2,40 2,40 2,50 — _ 6,90 6,6 10,80 10,90 10,30 10,90 1 1 — — 7,9 8,1 8 8,25 10,65 10.30 10,65 11 8,?5 8,40 8.1 6,4 4,70 4,60 — — 9,5 9,25 9,65 10,4 10,40 — — 6,30 6,30 6,30 6,65 10 10,12 ’0 9,80 6,5 6,75 — — 27,2 29 27 28,2 36 39 36,65 37,5 1,05 1.1 1 1.1 1, 0 1,95 1,80 1,75 1,8 1,8 — — 7,2 7,5 7 7,26 0,4 0,41 — oji 0,61 0,85 0,65 9, >5 9,5 — 1 1,05 1,1 1,9 2.2 2 2,30 2,'k 2,9 3 7,25 7,12 7,4 7,25 2,60 2,7( e— 1,75 1,86 1^8 1,9 IG. Juli 1 Juli Repart. Sinnliche 'Jlotteni'u ’lmtit tj) .'iotier 11 • 0.10 1 Briet (8eld | Bn-.i 16. 17. Amll.-'Jtoti 158,50 159, 0 158,5« 159,35 voll voll ^irss.?Inlw 1 ,00 19,10 19,10 1-\ 0 voll voll Cyristiania 56,21 6 49 68,31 E 6,59 voll voll llovenbaaen 67,58 67,9 > 68,03 68,37 voll voll 'Stocff'olni . 111,37 1)1,93 111,37 111,93 voll voll HelnnaforS 10,48 10,54 10,47 10,53 voll voll Italien. . . 18,00 18,'.u 1t,365 18,05 18,15 voll voll London. . . 18,27 5 18,325 18,41 - voll voll Neuyork . . 4,1 l 4,21 4,n 4,21 voll voll Paris. . . . 21,53 21,60 21,60 21, 0 voll voll Schweiz . . 76,41 76,79 16, 1 76,59 voll voll Sva len . Wien in D-- 85,61 b5,89 65,61 b5,89 voll voll Oest- obgeft 6,92 5,94 5,92 8,91 voll voll Prag . . 12, 8 12,41 12,41 12,47 voll voll Budapest . 5,04 6,03 6,04 6,0 voll voll Bucn AireS 1,345 1,$55 1,545 U55 voll voll Bnlaarien 3,01 3,03 3,01 3,03 voll voll Japan . . . 1,73 (,^95 1,71 1,74 voll voll ■Hlo bc Ian 0,385 0,185 0,395 voll voll Bel irad . 4,95 4,97 4,95 4,9 voll voll Lissabon . . 10,97 11,03 11,07 11,13 voll voll TtT"". 17. Juli Meld Brie' Repart °/n Amerikanische Noten ..... 4,1) 4,21 Belgische Noten........ 19,95 19,0 ’ voll Dänische Noten........ 67,81 68,17 voll Englische Noten 18,29 18 39 Französische Noten ...... 21,60 21,76 voll Holländische Noten ...... 168,00 168,80 Italienische Noten...... 17,8, 17^94 voll Norwegische Noten...... 56,21 66,49 voll Deutsch Oesserr , ä 100 Kronen 5,98 6,02 voll Rumänische Noten...... 1,8« 1.86 voll Schwedische Noten...... 111,12 111,68 voll Schweizer Noten....... 76 21 76 59 Spanische Noten....... ö6* 36 55,64 voll Tschechoslowakische Noten . . 12,41 12,47 voll Ungarische Noten...... 4,94 4,96 voll Total-Ausverkauf wegen Aufgabe unserer Gießener Filiale Flügel — Pianos — Harmoniums Billigste Preise Eine seltene Kausgelegenheit Baldur-Picmoforte-Fabrik A.-G. Filiale Gießen Seltersweg 91 (W. Rudolph) Zukünftige Anftagen erbitten wir ausschließlich nach Frankfurt a. 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Die schönsten Rheinlieder von Humperdlngk^ Lassen, Schumann, Schubert usw. begleiten das Spiel Unter Mitwirkung von Kapellmeister Edg r Vogel, Operu- aäigerln Gisela Core 11 und Opernsänger Wilhelm Proscbolt kommt eine Reihe herrlicher Rheinlieder zum Vortrag. Aulfthrungen nur 4 u. 8,15 Uhr, Sonntage 8, 61/« n. 8,15 Uhr UMe AndelsWIe Gießen Goethestr. 32. Ser Eintritt in den am 15. Juli neu begonnenen Qnnöelsturfus tft noch bis Anfang August möglich. Prospekt frei L ”**a allerärmsten Kätner. Er machte alle gleich. Schweren Herzens tarn der Gestrenge heim. Schweren Herzens fuhr er am nächsten Morgen nach dem Städtchen. Vielleicht war ihm das Herz auf der Rückfahrt iroch schwerer, aber er zeigte es nicht. Vielleicht war auch ein Tropfen alten Leichtsinns in seiner Sre'e, M1 er d^ beiden Geldsäcke neben sich im Wagen wußte. Vielleicht dachte er: Gvtt wi.d schon weiter h.lfen. Dach e auch: ist doch etwas Wunderschönes um das klingende bare Geld und daß ub.rhaupt noch welches im Lande ist. Teuer genug f eilich hat er's erkaufen müssen und nur schlechte Münze steckte in den Deuteln: .außen Friedrich, innen Ephraim', wie sie's nannten tannen mehe Kupßr als Silber, aber glänzend das Dildnis des Königs darauf. Des Königs — War Dämmerstunde, wie er hinten am Garten vorüberfuhr, die Leine lose in der Hand. Der Schecke wußte auch ohne ihn Bescheid. Da sah er auf der Gartenmauer schon von weitem ein Pärchen hocken und war nicht im Zweifel, wer es Uxit. Die beiden, die da. sahm, dicht aneinander, und die Deine baumeln ließen, zwei Keine barbfte Füßt, zwei sesie Stiefeln, die freiliä) bemerkten ihn nicht. Die hatten be.seres zu tun. Sie sangen ein Liedchen. Hat.e e.n frommer Mann gedichtet, ließ sich nichts toi-.ee den Paul Fleming sagen. Dur gerade, daß die beiden es sangen — hm — hin — „Vichts ist süßer als zw.i Treue,, Wenn sie eins geworden fein. Dies ist, daß ich mich erfreue, Und sie gibt ihr Ha auch drein. Mir ist wohl beim höchsten Schmerz, Denn ich weiß ein treueS Herz." Fast hatte der alte Herr getacyt Lte oetver» Kinder da, die wußten ja gar nicht, waS sie eigentlich sangen. War ja nichts dabei und klang so hübsch in den Abmdfrieden hinein. Aber nun ttxir daS Lied zu Ende. Der Hunker machte noch ein jubelndes Juchhe, und da hatte er die Vach bei der Schulter, zog sie an sich und küßte sie. Küßte sie, und sie litt es. Gar nicht schlecht schien's ihr zu schmecken, Ehrenpüttuers Einziger — Der Alte hatte sachte ang-halten, tooRte in Duhr die Entwicklung abwarten. Das tonnte ja hübsch werden. Doch da sah plötzlich das Iunkerlein auf, erschrak und war npt einem Male rückwärts auf der Mauer verschwunden, älnd die Ruth hinterdrein wie ein flinkes Rehchen. Eigentlich wollte der Gestrenge ihnen ein kräftiges Wort nachschicken. 'Aber er konnte Lernen rechten Zorn aufbringen, so sehr er sich müh e. Der Junge, der Kaspar, mußte nachher seinen Dezem abkriegen. Versteht sich War aber doch nur eine Kinderei. Mit dem Magister sprechen? Der machte aus der Mücke einen (Stefanien. Vur aus dem Hause mußte der Kaspar. Änd das balde. Also, als er nachher den jungen Herrn vor dem Stall traf, wo er sich ein Geschäftchen machte und ein dümmlich unschuldig-s Geiächt dazu, h lte ec aus und schlug ihm kräftig hinter ^die Ohren. Sagte nichts dazu, als: „Du weißt schon, wovor.'' Worauf der Junker den Kopf trotzig zurückwarf, aber nicht heulte und nicht ein Wort der Widerrede hatte. Es war wieder etwas darin, was dem Alten gefiel: etwas Stolzes, etwas von der eigenen guten Art. (Fortsetzung folgt.) von Hessen-Hannover sind die bietet Außergewöhnliches! Von den vielen Artikeln einige Beispiele: fiinöet-SöW' certo &To 20-4 2Vi Ubr: Gehorsams- und Gewandt- AWMttW beitsiibunaen. Mannarbeit. des Metzener Sport-Club von 1900 am 19. und 20. Juli aus dem Sportplatz an der Hardt werkstattverlegung! Meiner werten Kundschaft von Gießen und Umgegend teile ich mit, daß sich jetzt meine Rasierklingen- und Messerschleiferei Bismarckstraße 10 MneWW der MMmi Betet Sann befindet und mit den neuesten Spezialmaschinen der Schleiferei ausgestattet ist. 021853 Hochachtungsvoll Fr. Brücker, Rasierklingen- u. Mesierschleiferei Sonntag, den 20. Juli 60. Stiftungsfest des Adam Rheinischen Gesangvereins verbunden mit Ehrenfingen des hansberg-wettertal-Sängerbundes in der Sing- und Turnhalle zu Grüningen. hinterher mit Hoch und He. Die ^anne. das junge stramme Ding, tat's ohne Del chwer, aber die Mutter, die schon ziemlich in den Hahren, ächzte und stöhnte. , Der Gutsherr wollte schon den Stock heben. 3ft der Kerl denn ein Unmensch! Spannt man Anno 1759 noch Weibslcute vor den Pf.ug! 2ns Halseisen gehört die Destiel Abe.- ec g ng stille tociter Der Kossäte war der ordentlichsten einer, fafc als Kirchenältester in der vordersten Dani kitte dazu allzeit pünktlich der Gutsherr!chaft sein Devoir getan. Eine Destie war er nicht. Er tat nur, was die harte Aot ihm abzwang: das Feld mußte umbrochm werden. Der Dauer tat auch da nur seine Pflicht — die Pstecht gegen den Acker. Die Zeiten — die Zeiten — War eigentlich admirable daS, tote eie Da em noch immer das Feld bestellen in saurem Schae ß und Doch nicht wußten, ob sie ern_en wurden. Ob nicht wieder der Russe od.r dec ctesterre.cher kam verwüstend und marodierend, ob der unselige Krieg nicht das Letzte nahm. Der Krieg, der fein Ende hatte — O Friedrich! Fredrich! Als der Alte dann über die eigenen Felder schritt, sah er nichts Desseres. Zwar hatte der Vogt die Reste der Ernte so ziemlich in die Schober gebracht, aber mit der Weiterarbett lag's int argen. Vier Gäule standm anstatt ztran- zig im Stall, sechs Ochsen und Kühe wo früher zwei Dutzend gewesen. Wie sollte da geackert und bestellt werden? Sollte es sein tote nach dem Westfälischen Frieden, wo das älnkraut noch jahrelang auf den Drachfeldern wucherte! Die Kreatur fehlte, die jungen kräftigm Hände fehlten. Der Krieg lastete auf dem Gutsherrn wie aus dem Der Alte aus Topper. Vornan von Hanns von Zobeltih. 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Da war der eine Mahner im Schreibpult: der Drief mit dem Königlichen Znsiegel. Disher batte man wohl eine Entschuldigung gehabt, von wegen der Kriegsläufte, weil die Aussen die Oder hielten, und man nur sehr schwierig ins Feldlager des Königs, der bei Fürstenwalde stehen soilte, gelangen konnte. Doch nun verlautbarte, daß die Austen nach Schlesien abgezogen wären. §er Weg zum König war frei. Was half es also? Manchmal, wenn der Gestrenge an fe ne Schne dachte, an den toten und den siechen, zi: erte er für den Enkel, das junge Dlut. ilni> jedesmal dachte er auch an Dyate — Dann war da der zweite Mahner im Schreib- pult. Das lederne Geldsäckchen wurde leid).er und leichter. Erst die Kontribution an die M)s- towiter. Dann die Doktors. Dazu die Aot bei de i Leuten, wo man doch helfen mußte. Dazu das Dedenken: der Hunker durfte nicht als blutarmer Schlucker aus dem Hause gehen, mußte sein Ädmstement hrben, tote sich das gehörte. Woher nehinen und nicht stehlen? Ha — stehlrn. Wo hätte ein Dieb etwas gefunden in dec Aot der Jetzt ging der Alte lieber allein aufs Feld. Hatte zwar den Schießprügel umaehängt, aber die Feldhühner waren sicher vor ihm. Einmal als er bei dem Land vocbeimarschierte, das dem Derworrn«: zugeteilt war, sah et etwas Seltsames. Der D