Samstag, <6. August 192$ Erstes Blatt 17$. Jahrgang Neue Einigungsversuche in London Französische Zugeständnisse der fori ton zuverlässigen Al Beugung und damit eine neue Verhöhnung des immer noch allzu gutgläubigen deutschen Volkes, sondern eine Geste, die jeg'icher praktischen Bedeutung und jeden tatsächlichen Wertes entbehrt, wenn ihre Uebertragung in die Praxis nicht schriftlich ton den anderen Interessenten ttä Eachve rst änd genplanes gewährleistet wird. Davon, daß es der deutschen Del gsativn, die den französischen Einseifungsmethoden der ersten Verhandlungstage vielleicht ebenso ehrlich und gutgläubig wie ein Teil der deutschen Presse gegenüberstand, gelingen wird, diese Garantien zu erhalten, wird der Ausgang der Londoner Konferenz abhängen. > - leim rechten Damen nennen. Wir haben auch in Deutschland volles Ver-- fändnis für die schwache Stellung Herriots im Htrudel des aufgepeitschten Meeres der Partei- hidenschaften des französischen Volkes. Wir glauben, daß Loucheur, der Vertreter der Interessen der französischen Schwerindustrie in Conlon einen gewaltigen Druck, der hinter ihm stehen- len mächtigen Klique ausgeübt hat. Wir kennen die Machtgier und Diedertracht der militärischen mb zivilen Gewalthaber im besetzten Gebiet, die ioeder ihre angenehmen Pöstchen aufgeben, noch ihren Herrschaftsbereich schmälern lassen wollen. Dir haben sogar Verständnis dafür, dah die Engländer und Amerikaner den Franzosen auf unsere Kosten Zugeständnisse machten, weil lie ihre Forderung auf Erlaß der Krie gs- Ichulden nicht erfüllen wollen. Das deutsche Doll hätte deshalb letzten Endes auch den durchaus nicht erfreulichen und an sich durch keinen Rechtstitel begründeten Abmachungen über die | Amnestierung der separatistischen Verbrecher, die Verlängerung der Sachlieferungen über 1930 und ähnliche Dinge schweren Herzens zugestimmt. Aber es dürfte keinen deutschen Volksvertreter, der im Desih seiner fünf Sinne ist und ein Mindestmaß Don Verantwortungsgefühl besitzt, geben, der einer herriotschen Geste und nichtssagenden Versprechungen französischer Würdenträger oder dem Macdonaldschen Ehrgeiz zuliebe einem neuen Ver- sklavungsdittat zustimmt. Wir Deutschen haben feinen Sinn für eine Staatskunst, die sich in Gesten erschöpft, und wer wie der Schreiber dieser Sätze Dom ersten Tage der Besetzung der Rheinlande an beobachten konnte, wie leicht und mit welcher täuschenden Selbstverständlichkeit maßgebende amtliche Franzosen mündliche Versprechungen machen und Behauptungen aufstellen, ohne je daran zu denken, sie einzulösen oder etwas anderes als das Gegenteil zu tun, wird die ernste Gage and das unzerstörbare Mißtrauen begreifen, das wir der Entwicklung der Lage tu London und den französischen Wechseln auf die Zukunft entgegen brachten und entgegen bringen. Senn diese französischen Versprechungen und »Wechsel auf die Zukunft sind nur schöne aber toertlvse Gesten, durch die uns Sand in die Augen gestreut und die Welt ohne Unkosten von dem guten Willen der Pariser überzeugt we den soll. Niemand unterschreibt so ungern einen klaren eindeutigen Vertrag wie der Franzose, kein Angehöriger einer anderen Ration versteht es so meisterhaft, mit ehrlichst klingenden Beteuerungen den Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichL, auswärts 10 Doldpfennig; für Re. Klame-Anzeigen d 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20'/. Auf- chlag. — Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lauge; Ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein, für den Anzeigenteil: H ans Beck, sämtlich in Gießen. Deutsche Gegenvorschläge und Forderungen und Versprechungen. — Neue Hoffnung auf Einigung Condvn, 15. Aug. (WB.) lieber die Verhandlungen zwischen der deutschen und der französischen Delegation über die militärische Räumung der Ruhr, bjie heute abend wieder begonnen wurden, ist das folgende Eom- munique vereinbart worden: Zwischen den Vertretern der deutschen und der französischen Regierung hat heute eine Unterredung stattgefunden, die ein p o sitibe s Ergebnis erwarten läßt. Die Fortsetzung Verhandlungen erfolgt morgen vormittag. war der Umstand, daß Deutschland nicht die Derantworrtung für ein Scheitern der Gon- doner Konferenz auf sich laden will. Die Antwort auf die Rückfrage der deutschen Delegation ist am Freitag mittag auf telegraphischem Wege von Berlin abgegangen. Auf Grund dieser Antwort hat Reichskanzler Dr. Marx sofort die Verhandlungen mit den Londoner Konferenzmächten wieder ausgenommen. Ein endgültiger Abschluß ist bis zur Stunde noch nicht erzielt, aber man hat in Berlin den Eindruck, daß nunmehr die Gondoner Verhandlungen zu Ende geführt werden können. Die angeblichen deutschen Vorbehalte. Paris, 16. Aug. (WTB.) Aach dem Londoner Berichterstatter des „Petit Pari- sien" sollen die deutschen Delegierten gestern abend den französischen Räumungsplan mit folgenden Vorbehalten angenommen haben: 1. daß von der Rheinland-Kommission in Zukunft die ihr durch den Frie- densvertrag verliehenen .Vollmachten nicht ausgeübt werden, 2. daß die Häfen und Eisenbahnknotenpunkte boll Mannheim, Karlsruhe, 'Offenburg, Wesel und Emmerich sofort geräumt werden, 3. dah zwischen den beteiligten Regierungen ein Schriftwechsel statt find et, bei dem Frankreich und Belgien in einem besonderen Dokument ij)re Formel für die Räumung des Ruhrgebiets fixieren und dabei die Deutschen ihre Zustimmung geben. Doch soll diese Zustimmung keinerlei Zugeständnis hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Ruhrbesetzung von deutscher Seite einschließen. Ein zuversichtlicher amtlicher Bericht. S&s t tote. ÄÄ schriftlichen Abmachungen bestehen. Selbst bann sind ja heute, wo die Staatskunst eine mehr oder weniger heuchlerische schöne Geste ist, derartige Wechsel auf die Zukunft bei dem raschen Wandel der Gesinnungen und Regierungen und infolge des Tiefstandes der staatspolitischen Moral yochst problematische Werte. So ^h alle ehrlichen und vernünftigen Ceute in der Welt mit ugs Deutschen übereinstimmten, daß unsere Wünsche und Forderungen vergebliche Liebesmüh' und nutzlos vergeudete Zeit und Arbeitskraft darstellen, wenn ihre Erfüllung mcht in der Gegenwart erfolgt. Was uns die Frcm- Schwierigkeiten glätten würde? Herrivt fei kurz und energisch gewesen: Es sei niemandes Sache, chm zum Edelmut zku raten, wenn er eine solche Geste zu machen habe, so werde er dies zu der ihm passenden Stunde tun, ohne daß ihn jemand dazu anzuregen brauche. Sofortige Räumung von Dortmund und Ruhrort? Paris, 16. Aug. Der Londoner Sonderberichterstatter des „Matin“ meldet, nach den letzten Rachrichten der vergangenen Dacht sei es sehr wahrscheinlich, das heute eine Verständigung erzielt werde, und zwar auf der Grundlage der sofortigen Räumung der Zone von Dortmund und von Konzessionen bezüglich der Räumung von Ruhrort. Wenn das Protokoll über die Räumung heute unterzeichnet werde, hätte die Konferenz nur noch wenige Fragen von untergeordneter Bedeutung, allerdings mit Ausnahme von zweien, zu erledigen, nämlich die Frage der Eachlieferun- g e n und die der deutschen Vorbehalte hinsichtlich der Abänderung des Anhangs 2, Abschnitt 8 des Friedens- Vertrages. Auf diese Weise konnten am Montag die Arbeiten abgeschlossen werden, vorausgesetzt, daß Macdonald bereit sei, auf seine für heute geplante Reise nach Schottland zu verzichten. Dasselbe Blatt meldet, daß General Rollet gestern abend eine lange Unterredung mit dem Generalstabschef des Generals Degoutte hatte, in der die deutschen Forderungen geprüft worden seien. Möglicherweise würde nicht nur die Zone von Dortmund, sondern auch der Hasen von Ruhrort schon bei der Unterzeichnung deS Londoner Protokolls geräumt werden. Herriot habe dem Präsidenten Dou- m e r g u e einen langen Bericht gesandt, in dem er erkennen läßt, daß er nachwievorzuder- sichtlich sei. e Auch nach dem 1 Londoner Sonderberichterstatter des „Qnottdien- soll die französische Regierung die Absicht haben, sobald Herriotbom Parlament ermächtigt sei, die Londoner Abmachungen insgesamt endgültig zu unterschreiben, die Räumung der Zone von Dortmund anzuordnen. Besuche und Besprechungen. London, 15. Aug. (WB.) Reichskanzler Marx und Dr. Stresemann haben heute mittag der italienischen Delegation einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. Während des Rachmittags haben de Otefani und andere italienische Delegierte den Besuch erwidert. London, 15. Aug. Der amtliche englische Funkdienst meldet, dah Reichskanzler Dr. Marx und Reichsminister Dr. Stresemann, als sie heute in der Downingstreet vorsprachen, dem britischen Premierminister ein Schriftstück mit der deutschen Antwort auf die französisch-belgischen Vorschläge hinsichtlich der Frage der Räumung des Rubr- gebiets übergeben haben, lieber den Inhalt des Schreibens ist nichts bekannt. verlautet, daß die Antwort von beträchtlicher Länge ist. Wie Havas berichtet, hat der Unterredung der deutschen Minister mit Macdonald auch der amerikanische Botschafter Kellog beigewohnt. Einige Zeit später suchte der Reichskanzler den französischen Mtnisterprasi- deuten im Hydepark-Hotel auf. Die „Geste" Herriots. Paris, 15. Aug. Wie verschiedene Mvrqen- blätter melden, hat Herriot gestern abend persönlich vor französischen Pressevertretern erklärt, daß falls Deutschland durch vorbehaltlose Annahme des französischen RäumungsPlans einen Beweis seines guten Willens geben sollte, Frankreich nicht zögern werde, eine Geste zu machen, die dazu bestimmt sei, der deut-- scheu Regierung ihre Aufgaben zu erleichtern. Eine Rede Eoolidge'. Washington, 15. Aug. Funkspruch. 3n der Ansprache, in der Eoolidge die Domination zum Präsidentschaftskandidaten anuahm, erklärte er unter Hinweis auf die Teilnahme Kella g g s und Logans an der Londoner Konferenz, dah Amerika während des ganzen Ganges der Ereignisse überall helfend eingegriffen habe. Falls de europäischen Mächte den Dawesplan aunähmen, würden die amerikanischen Bürger dem deutschen Reiche eine Privatau- leihe gewähren. Die interessierten Regierungen sollten deshalb nicht zögern, für die Sicherung der Anleihe die nötigen Konzessionen zu machen, beim eine solche Maßnahme würde durch die Stabilisierung 6uyd° pas auch die Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten bessern. Wenn der Repavativnsplan in Kraft gesetzt sei, so fei die Zeit gekommen, um den Großmächten eine neue Konferenz z« weitereuDeschränkungenderRuftu n* gen und zur Ausarbeitung von Plänen für biß I ^cLiftzieruug des Völkerrechts torzuschlagey. V Ein Zwischenfall bei der Alliierten-Konferenz. ‘ Paris, 15. Aug. Wie der Sonderberichterstatter des „Temps" aus London meldet, sind die alliierten Minister heute vormittag um 10.30 Uhr zusammengekommen, ohne daß bisher eine Einigung erfolgt fei. Rnchdem der f ranzös ische Ministerpräsident die näheren Einzelheiten über hie beabsich igte Ruhrräumung auseinandergefetzt hatte, habe ein Mitglied des englischen Kabinetts Herriot eine Art Kompensation vorgeschlagen, wenn Frankreich einwillige, eine neue Herabsetzung der für das Ruhrgebiet voroe'ehenen Frist ins Auge zu fassen. Herriot habe entgegnet, er könne sch zu solchen Dingen nicht verstehen. „Ich sage nur ein Wort, hätte er erklärt, „ich habe meine Politik loyal auseinandergesetzt und kann mich auf fein Feilschen einlassen. Wenn Frankreich in der Folge eine Geste des Edelmu'tes machen will, so wird diese Geste von ihm allein ausgehen." Dach der „Liberte" hat sich der Zwischenfall in der Weise abgespielt, daß Macdonald Herriot selber gefragt habe, ob er nicht feinen Entschluß wegen der einjährigen Räumungsfrist einer Abänderung unterziehen Ginnte. Er habe diese Ditte dadurch unterstützt, daß er darauf hingewiesen habe, daß die deutschen Delegierten durch, Verpflichtungen gegenüber der (Berliner Regierung gebunden seien und daß auf der andern Seite ein Abbruch der Konferenz für die ganze Welt unheilvolle Folgen haben werde. Da man sich über den Grundsatz der Räumung einig sei, warum sollte man nicht eine ebelmütige Geste machen, die alle Ar. (92 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage; VießenerFamilienb lütter Vonats-Vezugspreis: z Goldmark u. 20 Gold- pfennig für Trägerlohn, flUd) bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: & die Schristleitung 112 ■ für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. Al. 11686. SÄ * SS 'bvrse. ^vUen, tti UO bis tt vr ‘Mas; ehmarkt. iDnWechhl Der Vizekanzler Dr. Jarres hat gestern nach langen Beratungen der in Berlin zurückgebliebenen Minister mit dem Reichspräsidenten die Parteiführer empfangen und sie über die Gage in London und die Stellungnahme des Kabinetts unterrichtet. Gleichzeitig wurden der deutschen Delegation neue Richtlinien übermittelt, über deren angeblichen Inhalt die unten» stehende Pariser Meldung unterrichtet. Sie ist im „Petit Parisien" enthalten und kann deshalb nur unter Vorbehalt weitergegeben werden. Wichtiger und zuverlässiger erscheint uns die Dachricht, die gleichzeitig vom „Mattn" und dem Herriot nahestehenden „Quotidien" gebracht wird und nach der Herriot versprochen haben soll, die nördliche Zone des Ruhrgebiets, den Bezirk Dortmund und das Sanktionsgebiet von Ruhrort sofort nach Annahme der einjährigen Gefamttäumungsfrist freigeben zu wollen. Dieses sichtbar unter englischem Druck erfolgte Zugeständnis bei gleichzeitiger deutscher Verwahrung gegen die Rechtmäßigkeit der Ruhrbesehung überhaupt, wäre immerhin in Verbindung mit den bisher erreichten Abmachungen und der von Macdonald vorgestern erneut abgegebenen Versicherung, dah England die Kölner Zone räumen wird, ein Ergebnis, das den heutigen entscheidenden Besprechungen mit der Hoffnung auf einen annehmbaren Ausgang entgegensetzen läßt. Dies muß bei allem Mißtrauen in die Polittk des Gestenmachers Herriot und trotz der Größe des dem französischen „Prestige" von uns wieder zu bringenden Opfers in Anbetracht der auf dem Spiele stehenden deutschen Zukunft ton allen Besonnenen betont werden. Denn alle Unterstützung der französischen Forderungen durch die Engländer und Amerikaner, denen an einer Unterzeichnung des Londoner Protokolls mindestens ebensoviel wie uns und Frankreich gelegen ist, hat nicht verhindern können, daß der Sturm der Entrüstung über den Umfall der Alliierten und die Winkelzüge der Franzosen, der in Deutschland ausbrach, manche der Herriotschen Kartenhäuser umgeworfen hat. So daß heute zu hoffen ist, dah zwar auf denn Papier die einjährige Räumungsfrist bestehen bleibt, daß aber weitgehende Konzessionen an die deutschen Forderungen, die — wie wir im heutigen Leitartikel fordern — schriftlich fixiert und von den Alliierten garantiert sind, das Gesamtbild der Abmachungen doch zu unseren Gunsten verschieben. Jedenfalls gehört die von Frankreich angeftrebte Verquickung der Ru hrr äum u ngs frage mit Wirts cha ft lichen Zugeständnissen schon heute der Vergangenheit an. Ferner soll die Räumungsfrist nicht — wie vorgesehen — vom Oktober, sondern vom Tage der | Unterzeichnung des Londoner Protokolls an lau» I fen. Auch auf die Beibehaltung der 4000 Eisenbahner haben Frankreich und Belgien verzichten müssen. So daß nur zu wünschen ist, daß die neuen Richtlinien der deutschen Delegation die Möglichkeit geben, ihre wetteren berechtigten Forderungen energisch durchsetzen zu können. Heber ihre Art wird in London Stillschweigen beobachtet. Doch geben die letzten Meldungen über die neuen französischen Zugeständnisse in Verbindung mit der Dachricht über den gestrigen englisch-ftanzö- sischen Zwischenfall und den Auslassungen Londoner und Pariser Blätter die Gewihhett, daß wir nicht einer „edelmütigen Geste" Herriots, sondern konkreteren Abmachungen den Beginn der Freiheit des deutschen Westens verdanken werden. (Ein deutscher Gegenvorschlag. (EigeÄr Jnformatkonsdienst.) Berlin, 16. Aug. Die entscheidenden Mr» nister- und Parteiführer-Besprechungen in Berlrn sind zu dem Ergebnis gelangt, dah ein Abbruch der Londoner Verhandlungen unter alten Umständen, vermieden werden soll. Die deutsche (Delegation ist durch den Ministerrat ermächtigt worden, einen Gegenv orscylag einzureichen, der die deutschen Mindestforderungen enthalt, un übrigen aber neue Verhandlungen auf der Basis des französischen Rau- mungsplanes zuläht. Durch diesen De- schluh ist die Londoner Konferenz vorläufig q e r e 11 e t. Bei der Besprechung mit den Parteiführern zeigte sich jedoch, dah die Auffassung nicht einheitlich ist und dah jetzt alles davon abhängt, ob die enttcheidenden Verhandlungen eine für Deutschland erträgliche Losung ergeben. Maßgebend für die entgegenkommenden Beschlüsse des Berliner Ministerrats General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: Vrühl'sche UniversiMr-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchukstratze 7. vertrauensseligen Gegner einzuseifen und später bei der Erinnerung an mündliche Versprechungen zu sagen: „Ditte, wo habe ich das unterschrieben?" Wir sollten nicht nur seit 1648 gegen die Gefahren französischer „Staatsverträge" alias französischer Täuschungsmanöver gewappnet sein, sondern wir sollten seit 1918 auch wissen, dah Fvanzösische Versicherungen, Versprechungen und ^Beteuerungen vollkommen wer tlos sind, denn sie nicht in klaren, eindeutigen und in Gegen- Die Geste als Staatskunst | • Wan mag die Ursachen und Gründe der ifoeibeutigen französischen „ Friedens"-Politik zegen Deutschland suchen und sehen, wo man will, eines dürfte gewih sein: dah eine blamablere | Bü>6ftellung ihrer eigenen Handlungen vor dem i Forum der Welt und eine sinnfälligere Demas» ! Ilerung ihrer bisher stets bestrittenen Absichten 1 den französischen Staatsmännern vor London noch nicht gelungen ist. Herrn Herriot, der den Shrgeiz hatte, als Apostel der Verständigung die .Aera des Gewaltpolitikers Poincare abzulösen, Hieb es Vorbehalten, die letzten Schleier von dem -Gilde hinwegzuziehen, das als „Apotheose des Friedens" der Welt geschildert wurde und das sch wieder als eine brutale Darstellung des «Wacht- und Siegerwahns entpuppte. Ein merftoür» llger Dolksführer ist dieser demokratische Dürger- meifter von Lyon. Die schöne Geste ersetzt ihm die Etaatskunst, die Phrase vom guten Willen die Lat, der Kuhhandel das Recht. Als er die Herrschaft der „neuen" Zeit antrat, eröffnete er sie tut der Geste der teilweisen Zurücknahme der Ausweisungsbefehle. Wie sehr diese bedingte Aufhebung einer unerhört barbarischen Maßnahme tatsächlich in der Praxis nur eine schöne Geste war iinö bis heute geblieben ist, geht u. a. aus dem an anderer Stelle unseres Blattes abgedruckten Aufsatz „Die Fremdherrschaft am Rhein" hervor, lind nun erschöpft sich die Staatskunst Herriots, der auf dem Wege von Ehequers über Brüssel und Paris nach London verschiedene Erfahrungen bezüglich der Behandlung von Staatsmännern gesammelt hat, wieder in einer Geste. Und der Sozialist Macdonald wie der Vertreter des demo- krattschen Amerika folgen dem Friedensboten im Hanzertank unb/erHären den ob dieser „ehrlichen Lind fairen“ Überrumpelung höchst erstaunten Joches, dah der Herriotsche Kriegsgesang „Und toillft du nicht mein Bruder fein, so schlag ich dir den Schädel ein“ beileibe kein Ultimatum, sondern das preisgekrönte Lied der modernen Ver- siändigungspoli tiker ist. „3n voller Freiheit“ soll der deutsche Michel seine Unterschrift unter den Lmdoner Friedensvertrag fetzen — aber die Biedermänner stehen dabei und raunen ihm ins Ohr .Unterschreib oder stirb I" Diese Krittk mag scharf und grob genannt herben. Aber wenn dke Staatskunst nach feier» lichsten Reben und Versprechungen im entscheidenden Augenblick nur noch den Charakter einer Geste hat, mit der den auf dieEhr 1 ichkeitder anderen bauenden Deutschen zum xten Male bedeutet toirb, daß Recht und Gerechttgkeit, Frieden und Freiheit, Beteuerungen und Versicherungen bas Gegenteil ber Begriffe besagen, fobalb das Interesse der Alliierten es erfordert, müssen vir die Katze aus dem Sack lassen und das Kind Krestinsky über die politische Lage. Eine Unterredung mit dem russischen Botschafter. Der fowjetrussische Botschafter in Berlin Nikolaj Nikolajewitsch Krestinsky hatte die Freundlichkeit, unseren Berliner Vertreter zu empfangen und ihm eine Unterredung über die politische Lage zu gewähren. Der Botschafter begann die Unterhaltung mit einer sehr interessanten Bemerkung über den gegenwärtigen Stand der Londoner Konferenz. Er erklärte: Ich habe den Eindruck, daß die deutsche Regierung sehr klug und sehr konsequent ihren Standpunkt vertritt, und ich glaube auch, daß sie Erfolg haben wird. Was die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Londoner Konferenz betrifft, so sind derartige Erscheinungen für einen alten Diplomaten durchaus nichts Neues oder Welterschütterndes. Iede Konferenz hat ihre Krisen, und ich bin der Meinung, daß die gegenwärtige Londoner Krise sehr schnell überwunden werden wird. Sowjetrußland empfindet eine gewisse Genugtuung darüber, daß nunmehr die langwierigen Verhandlungen über den englisch- russischen Vertrag beendet werden Tonnten. Man muß aber dabei im Auge behalten, daß es sich lediglich um eine vorläufige Vereinbarung handelt, und daß noch sehr ernste SchwieriAeiten zu überwinden sind. Wir in Sowjetrußland sind längst daran gewöhnt, mit außerordenttichen Schwierigkeiten zu kämpfen, und wir haben in der Londoner City einen Partner, der viel schwerer zu behandeln ist als der ftanzösische Ministerpräsident Herriot. Ich habe nicht die Ehre, den ftanzösischen Ministerpräsidenten persönlich zu kennen, da ich während seines letzten Aufenthaltes in Moskau bereits hier in Berlin war. In Moskau schätzt man aber den neuen französischen Ministerpräsidenten außer- ordenttich wegen seines ehrlichen Willens und seines durchaus idealen SttebenS nach einer Polittk der Verständigung. Ob er die Polittk, die er sich vorgezeichnet hat, zum Erfolg führen wird, läßt sich zur Zeit sehr schwer übersehen, aber es steht fest, daß seine Politik die auhenpolittsche Lage Frankreichs wesenllich verbessern würde. In Sowjetrußland ist die Lage jetzt einigermaßen befriedigend. Der Tod Lenins hat zwar das Sowjettegime schwer getroffen, aber wir können sagen, daß man sich in Rußland daran gewöhnt hat, den neuen Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare Rhkvw als einen wenn auch nicht ebenbürtigen, so doch würdigen Nachfolger Lenins zu betrach- ten. Man sagt immer, der kommende Mann in Rußland sei Trotzki. Ich bitte Sie: Trotzki ist für uns einer der Tüchtigsten! Aber der «kommende Mann"? Es gibt bei uns keine kommenden Männer. Wir werden mit allen Kräften versuchen, unser Werk fortzuführen, und da mutz jeder an seinem Platze arbeiten. Trotzkis Stellung ist durchaus gefertigt. Glauben Sie nur nicht, daß man in Rußland einen hervorragenden Staatsmann kaltstellen -wird! Die diesjährige Ernte in Rußland ist zwar schlecht, aber sie ist nicht I etwa mit der Mißernte von 1921 zu vergleichen. Trotz aller Beschränkungen, die wir uns ' auferlegen müssen, wird es doch möglich sein, daß wir noch einige hunderttausend Pud Getreide auZführen können. Die Mißernte ist durchaus nicht allgemein, sondern örtlich beschränkt. In den hauptsächlichsten russischen Getteidegebieten ist eine mäßige Mittelernte xu verzeichnen, die nunmehr auf die notleidenden Gebiete verteilt werden nruß. Es werden schon jetzt alle Vorbereitungen getroffen, um die von der Mißernte betroffenen Gegenden tatkräftig zu unterstützen. Ich glaube daher nicht, daß wir wieder ausländische Hilfe in Anspruch zu nehmen brauchen. Die Betreuung der heimkehrenden Ausgewiesenen. Berlin, 15. Aug. (WTB.) 3m Reichstagsausschutz für die besetzten Ge- biete trnirde heute die Frage der Abänderung der Detreuungsvorschriften für die Rückkehrer beraten. Retchsrninister Hoefle erklärte, dah das Reichssinanzminislerium vor Ausgang der Londoner Konferenz keine endgültige Stellung nehmen könne. Es wurde ein Antragangenommen, nach dem die zurück- gekehrten Privatpersonen, soweit sie noch keine Beschäftigung gefunden haben, eine lieber» gangsbetreuung auf sechs Monate er- halten sollen, und zwar Bezüge wie bisher. Wie Hoefle weiter erklärte, sollen die zurückkehrenden Arbeiter und Ange st eilten der Eisenbahn ebenso wie die zurückkehrenden Privatpersonen behandelt werden. Weiter beschloß der Ausschuh, die Reichsregierung zu ersuchen, mit Rücksicht auf die verspätete Zulassung der Steuernotverordnungen im besetzten Gebiet und die dadurch verursachte Häufung der Steuerfälligketten die Finanzämter anzuweisen, auf begründeten Antrag wettgehende Stundungen zu gewähren. Aufdeckung einer kommunistischen Terror- Organisation. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidiums von Gelsenkirchen hat die dortige Polizei eine Organisation von kommunistischen Terror- und (Sabotage» gruppen, die bereits im April festgestellt worden waren, aufgedeckt. Es gelang auch, den Leiter der Organisation fest zu nehmen. Es befinden sich fünf Mitglieder in Haft. Die Terrorgruppe hatte von der Parteileitung die Anweisung erhalten, neben der 1 Beseitigung von Poltzeibeamten bei den kommenden WirtschafWkämPfen die Zechenanlagen durch Sabotageakte zum Stillstand zu bringen. Mitglieder der Gruppen versuchten denn auch, den Dettieb mehrerer Zechen dadurch zu stören, dqß sie beladene Förderwagen in denSchachtwarfen. Drei Mitglieder der Terrvrgruppe sind noch flüchtig. Sie sind von der Berliner Zenttale der K. P. D. nach der Tschechoslowakei abgeschoben worden. Tagung der Nationalsozialisten. Weimar, 15. Aug. (WTB.) Als Auftakt zu der Tagung der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung fand gestern nachmittag hier zunächst eine Dertreterversammlung in Gegenwart Ludendorffs und abends eine Aussprache der auswärtigen Vertreter Grobdeutschlands statt, an der ebenfalls Ludendorf, teilnahm. Vormittags wurde im Nationaltheater die Hauptversammlung eröffnet, in der u. a. Ludendorff über Ziele und Aufgaben der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung sprach. Prof. Adolf Bartels über die geiftige Vertief ung der Bewegung. Völkische Verständigungsversuche mit den Deutschnationalen. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 16. Aug. Der Weimarer Parteitag der Nationalsozialistischen Foecheitspartei wird sich, wie verlautet, namentlich auch mit der Frage befassen, welche Haltung die Partei künftighin den Deutschnationalen gegenüber einzunehmen haben werde. Es steht fest, öatz in der Leitung der nationalsozialsstischen Freiheitspartei der Wunsch besteht, die De- ^iebungen zu der deutschnationalen Partei, die man als eine Nachbarpartei betrachtet, wieder freundlicher zu gestalten. Insbesondere ist damit zu rechnen, daß die unter beutfd)nationalem Einfluß stehenden einzelstaatlichen Regierungen in Thüringen und Mecklenburg nach wie vor von nationalsozialistischer Seite gestützt werden, damit der gemeinsame Einfluß der Rechtsparteien nicht geschwächt werde. Eine neue Revolution in Brafilien? Neu York, 15. Aug. (Wolff.) Die Zeitungen melden, daß große Unruhe infolge der Nachricht über den Ausbruch einer neuen Revolution in Brasilien herrsche. Der Staat Amazonas sei seit Monatsfrist vom Verkehr abgeschnitten. Das brasilianische Generalkonsulat dementiert jedoch das Gerücht. Verschiedene Handelshäuser bemühen sich vergeblich, mit Manaos eine Verbindung aufzunehmen. Wie eine Schiffahrtsgesellschaft mitteilt, herrsche in Para Ruhe, doch würde die Schiffahtt im Amazonenstrvm sowie der Zugang zu Manaos durch Regierungsbefehl verboten. Aufstand in Afghanistan. Moskau, 15. Aug. (WB.) Die russische Telegraphrnagentur meldet aau3 Taschkent vom 11. August: In Afghanistan ist plötzlich ein neuer Aufstand gegen den Emir und seine Reformpolitik ausgebrochen, der insgeheim von englischen Agenten geschürt wurde. Diese versorgen die Aufständischen mit Geld und Waffen. In letzter Zeit hatte sich die Lage des Emirs im Zusammenhana mit der von ihn in Djivga einberufenen Volksversammlung sehr gebessert, was den englischen Agentcm ein Dorn im Auge war. Die Aufständischen haben einen neuen Thronprätendenten, Abdul Ke- rim, aufgestellt, der sein ganzes Leben in Inden in englischem Solde verbracht hat Die Verbindung zwischen Kabul und den Regerungs- truppen ist unterbrochen. Unter den Ausländern herrscht Panik. Aus Stadt und Land. ® leben, den 16. Aug. 1924. Beobachtungen auf dem Wochenmarkt Wenn man in Urlaub ist und daheim bleibt, weil — das Groh- und Kleingeld zum Reisen und zu größerem Wandern fehlt, und wenn man im Reiche der Frau in allen Winkeln und Töpfen herumguckt, dann versucht die bessere Ehehälfte meist, den Allzuneugierigen möglichst oft aus der Wohnung herauszubringen. Sie muntert ihn auf zu Spaziergängen in die Stadt und schleppt ihn auch gern auf ihre Einkaufsgänge mit, damit er nur ja Abwechselung bekommt und von dem Revier fortbleibt, wo er nach der Hausordnung nun einmal nichts zu suchen hat. So ging es auch mir dieser Tage. Damit ich andere Eindrücke bekomme, nahm meine Frau mich mit auf den Wvchen- markt, und da habe ich denn auch diese anderen Eindrücke in so großer Mannigfaltigkeit empfangen, daß ich wenigstens einige hier erzählen möchte. Es ist sehr interessant, als harmloser Schlachtenbummler unseren Hausfrauen auf diesem Schlachtfeld des Einkaufs zuzusehen. Schon die Annäherung der einen, der kaufenden Partei an die andere, die verkaufende, geht mit so einer Art kritischem Mißtrauen vor sich, wie man es draußen im Felde hatte, wenn man beim Vorgehen nicht recht wußte, ob drüben am Ziel alles wunschgemäß lag. Sind die Parteien aneinander gekommen, dann geht das Geplänkel los. Man fragt nach den Preisen, an deren Höhe es allerlei auszusehen gibt — oft ja auch mit Recht —, dann wird natürlich sofort „festgestellt", daß bei „der dort drüben" alles billiger ist. Kommt hierauf die „freundliche" Einladung, dann doch bei „der dort drüben" zu kaufen, so wird meist gerade an Ort und Stelle gekauft, jedenfalls weil man bei „der dort drüben" überhaupt gar nicht gewesen war, oder man geht zu einer ganz anderen, die man nun zu seinem Preisstandpunkt breitzuschlagen versucht. Ob das gelingt, steht freilich auf einem andern Blatt geschrieben, aber amüsant waren diese kleinen Kampflisten einiger Hausfrauen für mich doch, denn sie zeigten mir, wie man es anfangen mutz, um vielleicht auch mal zu einem sehr vorteilhaften Einkauf zu kommen. Mehrere andere Hausfrauen haben mich mit einigen weiteren, allerdings weniger harmlosen Tricks beim Einkauf gefesselt. Diese Hausmütter hatten sich nämlich anscheinend mit dem „löblichen" Vorsatz auf den Markt begeben, neben der Erledigung einiger Einkäufe auch noch ihren Appetit auf frisches Obst tn wohsseuirer Weise zu befneDtgen. Sie machten das ganz schlau so, daß sie hier und da mit ober ohne Erlaubnis der Verkäuferin bald dieses, bald jenes Obst probierten; einmal war's zu sauer, dann zu hart, wieder mal zu teuer, und was dergleichen Gründe mehr plötzlich gegen den Kauf vorlagen. Das Ende des dermaßen ausgefüllten Ganges über den Markt war, daß diese ganz schlauen Dertre- terinnen des holden Geschlechts selbstverständlich kein Obst gekauft hatten, ihr Obstappetit aber doch auf seine Rechnung gekommen war. Darüber werden sie sich natürlich gefreut haben, ihr Bedauern werden sie aber vielleicht nicht etwa den genasführlen Verkäuferinnen, sondern wohl nur der Tatsache zuwenden, daß sich so ausgedehnte und „preiswerte" Stichproben nicht auch bei mancherlei Wurst, Schinken, Butter, Käse, Eier usw. vornehmen lassen. Wenn das auch noch möglich wäre — bis jetzt konnte ich es noch nicht beobachten —, dürfte sich ja barm ein ganz erträgliches Fttih stück zusammenbringen lassen. Auch eine dritte Gruppe von Hausfrauen, die mit den beiden vorhergehenden sachlich anscheinend wenig oder gar nichts zu tun hatte, nahm meine Aufmerssamkeit in Anspruch. Ich hatte sie schon bei meiner Ankunft auf dem Markt bemerkt, nach einigen ausgedehnten Rundgängen — meine Frau war schon längst wieder heimgekehrt — an derselben Stelle wieder zusammen gesehen, und als ich nach zwei bis drei Stunden mein Beobachtungsfelb verließ, standen sie immer noch beisammen, selbstverständlich in angeregtester Unterhaltung. Mein Bedauern galt nur den armen Männern, die am Mittagstisch vielleicht eine „sehr kurz geratene“ 11 eberraschung vorgefunden haben werden, meine Kritik aber richtete sich gegen die Marktkommission. Diese hat nach meinen Wahrnehmungen im allgemeinen eine gute Organisation auf dem Markt geschaffen, sie hat aber vergessen, für die „notwendigen" gründlichen Hausfrauenberatungen die erforderlichen Stühle bereitzuhalten, vielleicht auch einen ausreichenden Schuh vor Regv^ in Gestalt einer fliegenden Baracke und schließlich noch etliche Droschken zur beschleunigten Heimbeförderung von Verspäteten verfügbar zu machen. Die Kosten dieser Einrichtungen wären felbftrebenb nur den Verkäufern aufzubürden, denn die allein sind doch schuld an der Massenansammlung auf dem Marktplatz. Mit diesem Monitum soll mein heutiger Bericht seinen Abschluß finden, die Fortsetzung behalte ich mir vor. Ieboch eine wichtige Feststellung mutz ich noch machen. Mein Bericht schildert bis jetzt nicht etwa die Gesamtheit oder die Mehrheit der Gießener Hausfrauen, sondern nur eine Minderheit. Die meisten Hausmütter und -töchter sehen nämlich nach meinen Beobachtungen den Wochenmarkt als eine Durchgangsstation an, die man schnell durchlaufen muß, um wichtigeren Aufgaben des Tages gerecht werben zu können. Das ist gut und ein Lichtblick für uns Männer im allgemeinen und wohl auch ein Hoffnungsanker für die Verkäufer und Verkäuferinnen, die vielleicht der Zuversicht leben können, daß mancherlei hausfrauliche Untugenden nun ein Ende finden werden, nachdem die holben „Sünberinnen" jetzt schwarz auf weiß lesen konnten, daß sie erkannt find. Teddy. Die Höchstsätze der Erwerbsloscnsürsorge. Dom 11. August ab treten laut Verordnung des Reichsarbeitsministers folgende Höchstsätze in der Erwerbslosenfürsorge in Kraft: in den Orten der Ortsklassen 1. für männliche Personen: a) über 21 Jahre .... b) unter 21 Jahren . . . 2. für weibliche Personen: a) über 21 Jahre .... b) unter 21 Jahren . . . 3. als Familienzuschläge für: a) den Ehegatten .... b) die Kinder und sonstige ‘ unterstühungsberechtigte Angehörige..... B C Du. E in Rentenpfennig. 93 86 79 56 52 48 84 78 72 51 47 43 33 31 29 23 21 19 Die Stadt G ie ße n gehört zur Ortsklasse B. — Für weibliche Erwerbslose über213apre, die nachweisen, daß sie Familienangehörige zu ernähren haben, gelten dieselben Höchstsätze wie für männliche über 21 Iahven. Die Familienzuschläge dürfen insgesamt das Anderthalbfache der Hauptunterstühung, im Falle der Nr. II die Hauptunterstützung nicht überfteigen. — Soweit die Gesamtunterstützung den durchschnittlichen Reinverdienst vergleichbarer Arbeitnehmergruppen erreichen würde, dürfen die Familienzuschläge. auch abgesehen vom Fall der Nr. II, die Hauptunterstühung nicht überffeigen. — Die selbst ä n d i g e n Unterft Übungen, die mehrere in einem gemeinschaftlichen Hausstand lebende Familienmitglieder erhalten, dürfen insgesamt das 2>/2fache der Unterstützung nicht übersteigen, die dem höchstunterflühten Mitglied der Familie für seine Person zusteht. Der Vorstand der Familie gilt im Sinne dieser Bestimmung als ihr Mttglied. Die ReichH-Tenernngszisfer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten für Ermähraiib, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bellerdung beläaft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für Mittwoch, den 13. August, wie in der Vorwoche auf das 1 14billionenfache der Vorkriegszeit. Die Preiserhöhung bei Fleisch, Fettwaren und Zucker wird ausgeglichen durch den weiteren Rückgang der Kartoffel- und Gemüsepreise. ♦ / Giesiener Wochenmarktpreise am 16. August 1924 (Händler-Preise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfb. 2 Mk.; Matte Pfd. 30 Pf.; Käse Pfd. 50—60 Pf.; Eier Stck. 14 Pf.; Wirsing Pfd. 20 Pf.; Weißkraut Pfd. 20 Pf.; Rotkraut Pfd. 30 Pf.; gelbe Rüben Pfd. 15 Pf., rote Rüben Pfd. 10 Pf., Römischkohl Pfd. 5 Pf.; Bohnen Pfd. 15 Pf.; Blumenkohl St. 1—1,80 Mk., Salat St. 10 Pf., Salatgurken Stck. 10—20 Pf.; Einmachgurken Stck. 3—4 Pf.; Endivien Pfd. 20 Pf.; Ober-Kohlrabi St. 10—15 Pf., Erbsen Pfd. 25 Pf., Tomaten Pfd. 30 Pf.; Zwiebeln Pfd. 15—20 Pf.; Rhabarber Pfd. 15 Pf.; Pilze Pfd. 10-15 Pf.; Kartoffeln Pfb. 5 Pf., Falläpfel Pfb. 8 Pf., Aepfel Pfd. 20—30 Pf.; Birnen Pfd. 15—25 Pf.; Brombeeren Pfd. 50 Pf.; Heidelbeeren Pfd. 30 Pf.; Zwetschen Pfd. 40 Pf.; Mirabellen Pfd. 40—50 Pf.; Reine- klauden Pfd. 40 Pf.; Honig Pfd. 30 Pf.; junge Hahnen Stck. 1.00-1,50 Mk. ** Zuschläge für Steuerrückstände werden nach einer städtischen Bekanntmachung für jeden auf den Fälligkeitstermin .folgenden angefangenen halben Monat in Höhe von 2 v.H. des Rückstandes erhoben. ** Die Allgem. Ortskrankenkasse lädt im Anzeigenteil auf den 26. August zu einer Ausschußsitzung ein. ** Zur Gründung einer 30er« Altersvereinigung wird im Anzeigenteil auf den 19. Aug. eine Versammlung einberufen. ** Da s Lichtspielha us Bahnhofstraße hat noch bis einschl. morgen einen Aas- stctttangsfilm („Ein Traum vom Glück') auf dem Programm, den man der Aafmerksamkeit aller Kinofreunde empfehlen kann. 3m Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Liebesgeschichten auf einmal. Vollste Anerkennung muß man auch den Darbietungen der Hauskapelle des Lichtspiel' Hauses zollen. ** Prüfung von lan dwirt schas t-A lichen Lehrlingen. Die Herbstprüfung von landwirtschaftlichen Lehrlingen findet voraussichtlich im September b. 3. v>r der Prüfungskommissim der Lanbwirtschaftskammer statt. Die Prüfung hat den Zweck, den landwirtschaftlichen Lehrlingen nach beendeter zweijähriger Lehrzeit die Möglichkeit zu geben, sich einen Befähigungs-, nachweis für ihre praktischen Kenntnisse zu er-; werben. Diejenigen jungen Landwirte, welche an der Prüfung teilnehmen wollen, müssen sich bis spätestens 15. September b. 3. bei der Lanbwirtschaftskammer an gemeldet haben. Mit der Anmeldung ist gleichzeitig emzafenben: Ein kurzgefaßter, selbstgeschriebener Lebenslauf, eine Zustimm ungserllänmg und das Zeugnis des Lehr-' Herrn, sowie das letzte Schulzeugnis, eine De- s^^ißung öer Lehrwirtschaft, der Nachweis der zweijährigen Praxis die Prüfungsgebühr in Höhe von 5 Mk. Die Prüflinge werden von dem Termin und dem Ort der Prüfung schriftlich in Kenntnis gesetzt. Die Bestimmungen für die Lehrlingsprüfung find bei der Landwirtschaftskammer zu erhalten. ** Der gestrige Bericht über die Sitzung des Schö f f eng erich ts vom 13. August enthält die Angabe, daß der Verurteilt« H. ®. sich an einem von dem Erziehungs vereis bei ihm untergebrachten Mädchen sittlich vergangen habe. Zur Verhinderung etwaiger Beunruhigung und zur Vermeidung falscher Schlüsse wird hierdurch von unterrichteter Seile fest gestalt, daß die Leitung des ErziehungsVereins bei der Unterbringung des Mädchens völlig einwandfrei gehandelt hat. Das Mädchen wurde an die betreffende Stelle gebracht, nachdem vorher an zuständiger Stelle Auskunft über den H. G. eingeholt war, die befriedigend lautete, so daß von einer Fahrlässigkeit keine Rede sein kann. Tatsächlich handelt es sich auch um eine Einzelver^ fehlung eines bislang unbescholtenen Mannes. Vornutize». — T ageskalender für Samstag? R. E. K. Mitgliederversammlung. 8 Ahr bei Heckmann. — Rundfunkhaus, Löberstraße, 8i'2 Ahr: Literarischer Abend. — Rad io halle, Kirchenplah, ab 4 Ahr: Radivvorträge. — Lichtspielhaus: „Ein Traum vom Glück'. — Tageskalender für Sonntag. Gießener Schwimmverein: 2 Ahr in der Müller» schen Badeanstalt Schwimmwettkämpfe. — Rundfunkhaus, Löberstraße: S1/» Ahr Musikabend. — Radiohalle, Kirchenplatz: Ab 4 Ahr Radiovor- träge. — Lichtspielhaus:' Siehe Samstag. Kreis Friedberg. fpd. Bad-Nauheim, 15. Aug. Der Strafgefangene Ludwig Werder ist aus dem hiesigen Gefängnis entwichen. Er hat sich mit der Bahn nach Homburg begeben und sucht vermutlich das besetzte Gebiet zu erreichen. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 15. Aug. (Eigen. Bericht.) Vor dem hiesigen Schöffengericht stand der Eifenbahnunfall zur Verhandlung, der sich am 23. April b. 3. im Bahnhof Dieburg ereignete. Zur Verantwortung gezogen würben der Lokomotivführer Sebastian Veeh und der Re- servelokomtztivführer Hugo Karl, unb zwar wegen Eisenbahntransportgefährdung. Den beiden Beamten wird vorgehalten, bei Einfahrt des Personenzuges Reinheim-Dieburg in der Station Dieburg das auf Halt stehende Signal ü b ersah r e n unb den Zug, her in das tote Gleis abgeleitet wurde über den Prellbock hinaas in die Wand des Bahnhofgebäudes hineingefahren zu haben. Die Maschine des Zuges entgleiste. Der Anfall selbst ging noch glimpflich ab. Es wurden nur verschiedene Personen leicht verletzt. Erschwerend wirb den beiden Angeklagten zur Last gelegt, daß sie beim Eintreffen ihres Abenbzuges am 22. April in einer Wirtschaft in Reinheim jeder 6 bis 7 Glas Aepfelwein getrunken und erst spät in der Nacht ihren Schlafraum im Stationsgebäude aufgesucht haben. Der als Sachverständiger vernommene Regierungsbaurat Morrasch stellt fest, baß im fraglichen Fall das Vor- und Haaptfignal nicht beachtet worben sei. Veeh hätte unter allen Amstänben den Zug zum Halten bringen müssen. San.-Rat Schmidt, her das 'ärztliche Gutachten abzugeben hatte, bezeugt, daß beide Angeklagte sehr stark nach Alkohol gerochen hätten. Die Angeklagten hätten offenbar zuviel getrunken gehabt. Das Gericht nimmt mit der Staatsanwaltschaft Fa hr - läs sigkeit für beide Angeklagte an unb stellt sich auf den Standpunkt, daß eine Einwirkung des Alkohols bei Transportgefährdung eine Geldstrafe, wie sie die Verteidigung beantragte, unter allen Amstänben ausschließe. Veeh erhielt füifl Monate unb Karl 2 Monate Gefängnis. * Babenha u sen, 15. Aug. (Eigen. Bericht.) Wie wir berichteten, war am Anfang dieser Woche ein Grohseuer ausgebrochen. Heber die Arsache des Drandunglückes war man sich vorerst noch nicht im klaren. 3nzwischen hat sich herausgestellt, daß Brandstiftung vorliegt. Es wurden bis jetzt drei hiesige Personen wegen dringenden Verdachtes der Brandstiftung vergiftet unb in das Amtsgerichtsgefängnis nach Seligenstadt verbracht. Es ist noch unentschieden, ob fahrlässige ober vorsätzliche Brandstiftung vorliegt. .—. Die Beamtenschaft der hiesigen Schutzpolizei wird in den nächsten Tagen zugunsten der Drand- geschädigten ein Wvhltätigkeitskonzert veranstalten. Hessen-Nassau. spd. Frankfurt a. M, 15. Aug. 3n Hof a. b. S. wurde der angebliche Duchhalterr Wilhelm Pintscheritsch aus Marburg i. Ö. festgenommen. 3n dem Besitz des jungen Mannes fand man ein wahres Arsenal von gestohlenen Sachen der verschiedensten Art: Fahrräder, Ähren, Ketten, Broschen, Taschen usw. Alle Sachen hat Pintscheritsch gestohlen. Er reiste bei Bregenz t» ß 1 Sch wenn Sie It Schuhwarer L- (fllb Bfti KS$". Sä JkS, Hesc M'Sitt. 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Zwi- ‘ feen dem Gastwirt Fanz und dessen Mieter Kescher kam es zu Streitigkeiten, in deren Gustav Brünier........ Jack, sein Diener....... Karl Krause, ein alter Artist . . Doddy, seine Tochter...... Frank ............ Carmen, eine Balletteuse .... Anfang 4, 6 und 8.15 Uhr. Unbedingt betriebssicher bei garantiert gefahrlosem Betrieb Konkurrenzlos rationell in Brennstoff- und Schmieröl verbrauch (21/, Pfennig pro P. 8. und Stunde) sind in allen Betriebsverhältnissen Nachübernonöener Krankheit ist Sagitta Blut- und Nervenlikör das ideale Dlutbildungs-und Nervenkräftigungsmittel. In allen Apotheken. Stets vorrätig: Unio.-Apotheke zum gold. Engel, Gießen, usw. Flasche M. 3.50. Sagittawerk, G.m.b.H., München SW. 2. 5672A 0T Sonntag ab 3 Uhr. “W Die Reihe der glänzenden Darsteller bürgt für ein erstklassiges Werk. Niemand versäume diesen Film. . -■—■= Ab Montag: ■■■■-....... — Der geheime Agent .................. Schauspiel in 5 Akten. In den Hauptrollen: Eva May und Karl Becker-Sachs. 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Aus Tokio wird gemeldet, dah sehr heftige Erdflöhe in Fukvshima verspürt worden sind, wo ein Haus einstürzte. 3n anderen Städten sind, wie gemeldet, infolge des Erdbebens die Fensterscheiben gesprungen. Der Hauptstotz war so sto-rk, dah Menschen aus den Häusern auf die Strahe stürzten. In der Aähe von Chiba gingen dem Erbeben während einiger Tage besonders starke Springfluten voraus. London, 15. Aug. Aach einer Deuter- Meldung wurden hätte früh in Tokio 15 schwere Erdstöße verspürt, die am schwersten in ixm nördlichsten Distrikten waren. Es soll nur wenig Schaden angerichtet worden sein. Schweres Eisenbahnunglück in Portugal. Paris, 15. Qhig. Ha vas meldet aus Lissabon: Die Lokomotive des Madrider Schnellzuges hat sich vom Zuge losgerissen und ist auf einen von Porto kommenden Zug gerannt. 16 Personen sind getötet und verletzt worden. Der übliche Olutounfall. Auf der Magdeburger Land strafte in der Aähe von Löbejün überschlug sich ein mit 5 Personen besetztes Automobil infolge zu starken Bremsens. Der Besitzer des Wagens, Dr. Arthur Braun aus Magdeburg, und der Syndikus Dr. Fritz Meyer waren sofort tot Der Regierungslandmesser Schauh und der Chauffeur Dorthmann wurden schwer verletzt. Verhaftung deutscher Defraudanten in Mailand. Nürnberg, 15. Aug. (Wolff.) Dor einigen Wochen flüchteten die bei der Firma Eugen B a b u. C o. angestellten Bankbeamten Gustav D o b - Dr Lahmanns Gesundheifs Stiefel JQ. ■*" W.Utar Mlnrh iuch der städtischen Steuerordnung Umzüge steuerpflichtig seien. Auf den Antrag der hadtverordnet en Versammlung aber könnte die Erichs über die Keuer erlassen werden. Was dann auch geschah, Gerichts vorn iz vchdem man aber vorher dem Magistrat erklärt dah der Deruriej^: bitte, dah dieser Steuerbescheid ein — Schild- ^Erziehungsderein krgerstückchen erster Ordnung sei. * sittlich vw e.j— fpd. Fulda, 15. Aug. Zu der am Sonntag hier beginnenden diesjährigen Fuldaer Dischofskonferenz werden im Lause des Samstags bereits 18 Kirchenfürsten hier ein« treffen und an den Feierlichkeiten des Doni- fatiusjubilaums teilnehmen. Als Vertreter der bayerischen Bischöfe kommt nicht Kardinal Faulhaber, sondern der Erzbischof von Bamberg. Die Festlichkeiten zu Ehren des heiligen Bonifatius werden am Sonntag durch ein Pontifikalamt im Dom eingeleitet, das Kardinal-Fürstbischof Dr. Bertram von Breslau hält. Nachmittags findet eine Reliquienprozession statt, der sich später eine Festversammlung anschlietzt. Aus aller Welt. Unwetterkatastrophen. Wie aus Stettin gemeldet wird, ging dort vorgestern ein schweres Gewitter mit Wolkenbruch- artigem Regen nieder. Diele Straften wurden überschwemmt. Durch den furchtbaren Sturm, der dem Gewitter voraufging, wurden zahlreiche Dächer abgedeckt und Fensterscheiben zertrümmert sowie eine Anzahl Bäume entwurzelt. Don der alten Zohanniskirche wurde durch den Sturm die Kuppel abgebrochen: zahlreiche Drähte der Heberlandzenwale und Fernsprechleitungen wurden zerrissen. Der heftige Regen, der etwa 12 Stunden lang über die Umgebung nteberaing, führte auf der Eisen bahnst recke Gaschwitz—Eng^sdorf einen Dammrutsch herbei. Don einem Güter-zuge glitten fünf mit Kohlen beladene Wagen von dem Bahnkörper hinunter und kippten um. Es dürfte etwa zwei Wochen dauern, bis die Sttecke wieder zweigleisig betrieben werden kann. Greiz (Vogtland), 15. Aug. Ane Heber- schwemmungskatastrophe hat die Stadt Greiz und Umgebung betroffen. Durch das Hochwasser der Elster ist das Dahngeleise Germ— Weischlitz teilweise unterspült worden. Plauen (Vogtland), 15. Aug. 3m ganzen 'Asthma tihalfap™^ lose Ausk.: Dr.med. Alberti, Asthmakur,Berlin SW 11. An die deutschen Landwirte! Den Erfolg seiner Arbeit setzt aufs Spiel, wer es versäumt, seine Ernteerträge durch reichliche mit Kali (Kali steigert die Erträge > — [/ | • schützt gegen Auswinterung. Leger* r\cLI I frucht und viele Pflanzenkrankherten. [(Kostenlose Ratschläge zur richtigen Düngung erteilt die Landwkt- l«HMehA Auskunftsstelle des Deutschen Kalisyndikats G. m. b. M. Qarmstadt, Efisabeihenstraße 6> Schuhhaus Doioo 6ießen nHINN ’1!! HUhW Fernsprecher2010 Nur noch Samstag und Sonntag: EinTraumvomGliick 8 Akte. Personen: Fürstin Sonja Orioff Gräfin Agnes Esterhazy Nastja, ihre Freundin...........Claire Bommer Henry Dlerksen, Komponist.... Harry Liedtke des cv Gn^ z-rtschSand ein und hat auf feiner Diebsfahrt "Skxg , iGgenbe Städte besucht: Karlsruhe, Mannheim, Quf ben dr en' fc-Ditfurt, Wetzlar -Gieften. Uebevall hat er n9 ein * All. Ujien Unter halt aus Diebstählen bestritten. — I ejnp. Jn der vergangenen Dacht wurde der frühere 'ird im fermiler und jetzige Kaufmann Wilhelm ©ün- Öerfnm T’MtlQcn Der, Zeil, dabei erwischt, als er am Schillere 'QtnWlinqph gafc einen Zigarrenladen auf brechen a tau (rugplündern wollte. Gürtther ist wegen Ein- ?*d ^abnR , fcM bereits mit sechs Jahren Zuchthaus dop- etnenn?^ feuaft- 3m Laufe der heutigen Dernehmung ®lücf' ü .'M- blllten ihm nicht weniger als sechs schwere Ein- ' 7* fruAc, die er in den letzten Tagen begangen hat, XÄ. p^gdviesen werden. Tagsüber spielte Herr Gün° den Gentleman und allerbesten Familienoaier Ittch Qjj T* ___Lx» U«/. w -TfzriiK imX (ÄirrFvrnirtx nnä W50 Rest-Posten Sandalen von . . LSs cyer mm ev gu viwiiiukuuS öjhctlauf die Töchter deS Wirtes den 21jäh° Sohn des Hefch so furchtbar zurichteten, er in hoffnungslosem Zustande dem itcnrfurter St. Marienkrankenhause Angeführt dctden mußte. Darauf sammelte sich vor dem Itttshaus eine große Volksmenge, die die lenster und Türen einschlug und das Haus zu xrlrümmern versuchte. Die Polizei schritt ein, rrstreute die Menge und konnte sie nur mit Mhe vor xiner Lhnchjusttz an der ganzen Tittsfamilie bewahren. spd. Bad-Homburg v.d-H., 11. Aug. zis hiesige Ortsgruppe des Reichsbanners kchwarz-Rot-Gold «>g am Bersassungstag ( Festordnung nach dem Kurhause zur amtlichen * " • den Hmzug vom Magistrat II. = für Samstag: e= mg, 8 Uhr bei heä-. = ^rstratze, 8'- 116t: = ivhalle, Kirchmplah, W Lichtspielhaus: .Ei« • für Sonntag. U Mr in der Müller- letlkämdse. - Runlx W Uhr Musikabend. - W 5 4 Uhr Radiovvr- = iehe Samstag. »erg. 1 m, 15. Aug. Del ee Werder ist aus dem ee K>n. Cr hat sich mit D begebm und sucht e iiet zu erreichen. § Rheinhessen. § ng. (Eigen. &*riW s rngericht stand der 8erhandttmg. der sich = M Dieburg er- E. aezvgen amden der §1||| Deeh und der > — Karl, und jwrr ... sührdung. Tenbeitti t bei Einfahrt deS eburg in ter Station ende Signal über' ir in das tote Gleis Prellbock hinaus m äudes hinechesulM Zuges entglcilto®^ Mich ab. Es touren ^leicht verletzt. Er- Ai^lagten zur W ■ cl chres AbendzugeS Mft in WStftgi - unter •sfr» sich voss ckesmr^'A sich öorlieflt Ä'Ä lle T j . •'«ll (Kr xinr uiuuuc vcivuy ÄT!n[;gln^ fpd. Dad-Hor AHZ.eine Ä- üe hiesige OrtSgl S? 068 Nr- kchwarz-Rot-G bJW* xeinc d Fest ordnung -nach rj -ttochllisis der feder und wurde für __ JWWuimit einer Steuer belegt. Darüber gab von dein Terww v in der Stadtverordnelienversammlung scharfe MA in Kenntnis' Angriffe auf den Magistrat, der erwiderte, dah lanSkh und Michael Ft eger unter Mitnahme von 40 000 Gollunark. Die beiden konnten nun in Mailand verhaftet werden. Man fand bei ihnen noch ungefähr 10 000 Mk. Festnahme eines angeblichen Erzberger-MörderS Budapest, 15. Aug. (Wolff.) Auf Grund der gestrigen Meldungen hat die Polizeibehörde in Dudapest und Umgebung eine Untersuchung gegen die angeblichen Ullörder Erzbergers cin- gcleitet. 3m Laufe des Derfahrens wurde in Dudafvkbei Budapest ein Mann deutscher Aa- tionalität verhaftet, der sich nicht genügend legitimieren konnte. Er wurde der Staatsanwaltschaft übergeben. Derantwortlich für Politik und Feuilleton. 3. D.: Heinz Gvrrenz. Korpulenz Ut unschön und unaciund. Wir raten Ihnen in Zbrer Avocheke 30 g erbte Tolubn-Stcxne zu raufen, die unschädliche Stoffe von fcttjefcrcn^ci Wirkung ent ballen. 5362ss Kaufe laufend jedes Quantum Empleile meine prima SM- und Jackemlle, in 50 Farben ond 20 Dualitäten stets vorrätig. Damen- und Herrenwesten 6375V Wieseck, Oroßen-Buseck, den 16. August 1924. 6372V sowie sämtliche Strickwaren werden nach Maß und Wunsch angefertigt. Gute und solide Ausführung! Sehr billige Preise! HMchM E. Ditlmar, tag» 16 Anständiges WM SM Großstadtluft mittag 31/. 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Daher hat sich auch das System Reubauer nicht durchsetzen können, das sehr starke dl-gaben und fast monatliche Mahd empfahl. Bei Dewässerungswiesen und künstlicher | Trocknung oder Haltbarmachung in Futtertür- | men mag es am Platze sein. Gin anderes System (Aereboe-Wrangell) hat I viel von sich reden gemacht. Es will auf die Marsnahe und Erdkatastrsphen. Einwirkungen ans dem Weltenraum. Don unserem wissenschaftlichen W.-QItitarteiter. Am 23. August wird, wie bereits bekannt, der Planet Mars sich in ter größten Erdnähe befinden und die Entfernung, die Mars und Erde trennt, wird an diesem Sage nur noch etwa 55 Millionen Kilometer betragen, während ter Mars auf seiner Dahn um die Sonne in der größten Entfernung 400 Millionen Kilometer von ter Erde wegrücken kann. Man kann durchaus ernsthaft und vollkommen wissenschaftlich begrüntet die Frage stellen, ob nicht die ungewöhnliche Annäherung des Mars auf den Zustand unserer Erde irgendwelche Einflüsse auszuüben vermag. Daß solche kosmischen Wirkungen tatsächlich bestehen, formen wir ja ganz deutlich an Sonne und Mond beobachten. Ganz abgesehen davon, daß alles Leben auf ter Erde durchaus von ter Licht- und Wärmestrahlung ter Sonne ate hängt, ist es wissenschaftlich erwiesen, daß auch die Sonnenflecken, die zuweilen beobachtet werten, den ganzen Zustand unserer Erde ganz gewaltig berinflussen. Was wir als Sonrvew- flecken erkennen, sind nicht, wie man früher annahm. Erkaltungserscheinungen an ter Sonnen- Oberfläche, sondern ungeheure Wirbelstürme, deren Entladungen nicht nur den Luft- mantel ter Erte in stürmische Bewegung bringen und starke Gewitter und Hagelfälle verursachen, fontern die auch den ganzen elektro- magnetischen Zustand unserer Erde in stärkste Anruhe versehen. Man hat bemerkt, teß in Zeiten ter Sonnenfleckenpei-ioten sich die Polarlichter besonders häufig zeigen und daß infolge ter Einflüsse auf den Erdmagmtismus die Radeln ter Kompasse in nervöses Schwanken geraten und bon ter Rord-Süd-Richtung erheblich abweichen. Zwischen Sonne und Erte bi,.- ten sich als Auswirkung ter (ätxnnenflaßen) Der Transatlantik-Flug. I Von James D. W h a r t v n. Ein bekannter amerikanischer Journalist, ter in engster Fühlung mit ter amerikanischen Abnehme- kommis ton des Riesenluf schifses Z. R. 3 steht, sendet uns solvente Ausführungen über den Lus k eu- zer, ter binnen kurzem seine Reise über den Antiantischen Ozean an- treten wird. 3n Fachkreisen ist man der Ansicht, daß die weitere Entwicklung der amerikanischen Luftschifffahrt davon abhängen wird, wie ter Z. R. 3, das riesige lenkbare Luftschiff, das seit 2 Jahren bei der Zeppelin-Luftschiffwerft im Dau war. sich bei dem Transatlantic-Flug. der im Herbst dieses Zahres flattfinten soll, bewähren wird. Z. R. 3 (Zeppelin Rigid 3) ist das letzte Luftschiff, das von Deutschland unter den Bedingungen des Versailler Friedens Vertrages an die Verbandsmäch e abgeliefert werten muß. Eine Reie verschiedenen Mächte übergeben worden, und zwar je drei an Frankreich und Italien, zwei an England, eins an Japan und nunmehr eins an die Vereinigten Staaten. Einige dieser Fahrzeuge gingen entweder durch ^Inglucksfälle zugrunde, intern sie unter großem Rlenschenverlust explodierten, wie ein englisches über Hutt, ein anderes im Mittelmeer, andere wurden als unbrauchbar abmontiert. Diese Tatsache könnte ein voreiliges Urteil gerechtfertigt erscheinen lassen, daß auch die Aussichten für den Z. R. 3 wenig günstig sind. Trotzdem erscheint mir ein derartiges Urteil nicht am Platze aus dem einfachen Grunde, weil es sich hierbei nicht um eine rein militärische Angelegenheit handelt, sondern um ein kaufmännisches Unternehmen, bei welchem nüchterne Be- rechunng entspricht. In Akron-Ohio ist näm- I lich von feiten Amerikas eine Organisation ins Leben gerufen worden, die Goodyear Zeppelin Corporation, die in enger Fühlung mit den deutschen Zeppelinwerken steht und de an dem Erfolg des Z. R. 3 aufs innigste interessiert ist. Diese Gesellschaft beabsichtigt nach einer erfolgreichen Durchführung des Transatlantikfluges weitere noch größere lenkbare Luftschiffe ähnlichen Thpes für transkontinentale und transatlantische Passagierfahrten zu bauen. Rach den Bedingungen des Versailler Frie- tensvertrages darf Deutschland für sich selbst feine weiteren Luftschiffe des Zeppelintyps bauen. Es । ist daher ganz natürlich, daß eine so große Industrie wie ter Luftschiffbau in Deutschland alles daran sehen wird, um sich nach Möglichkeit zu erhallen, um so mehr, als diese Industrie ursprünglich für Handelszwecke ins Leben gerufen wurde. .Man hat deshalb den einzigen vernünftigen Weg gewählt und sich mit einer entsprechenden 3nterftrie in einem ter aiussichts- vvllsten, über umgehende Entwicklungsmöglichkei- ten verfügenden Staate verbunden. Die Bedeutung dieses Schrittes ist außerordentlich weit- tragend, drückt sie doch nichts weniger aus, als daß ter weltberühmte Luftschiffbau Zeppelin aus Friedrichshafen am Bodensee damtt nach Akron- Ohio verpflanzt wird. Daß ter große Konzern damit amerikanisiert wird und ter Rame Zeppelin für We nichtdeutsche Welt einen wenig angenehmen Beigeschmack, den er während des Krieges hatte, verliert. Aus diesem Grunde werten auch die ganzen Vorgänge bei der Ablieferung des Z. D 3 grundverschieden sein von den Maßnahmen, die man bei ter iletergabe ter unter dem Fri^ensvertvage abgelieferten anderen Fahrzeuge beobachten konnte. Die Zeppelin- aesellschaft ist <5k ter glücklichen Durchführung des Transatlanttkfluges ebenso interessiert, als die amerikanische Flvttenbehörte oder irgend eine andere Firma. Die Gesellschaft hat aus leicht erklärlichen Gründen bisher stets verschwiegen, bäh ter Z. R. 3 unter den Verpflichtun- gen des V ersailler.Friedens vertrage s gebaut wurde. Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Zeppelingesellschaft nichts unversucht lassen wird, um eine unbeschädigte Ablieferung des Z. R. 3 an die Fkottenbehorde sichrrzußellen und, was wichtiger ist, sich für dessen Beibehaltung in amerikanischem Luftverkehr einzusetzen. Denn mit ter Ablieferung wird eine Lin mässe von Erfahrungsmaterial ' Berechnungen und technischen Einzelheiten nach Amerika überführt werden, das die amerikanische Flottenbehörde in den Stand sehen In ter Ablieferung dieses letzten Fahrzeuges [ besteht außerdem ein großer Unterschied im Vergleich zu den früher unter den Bedingungen des Frietensverträges abgeliefcrten Zeppelinen. Die letzteren waren meist alte Schiffe, d.e während des Krieges im militärischen Dienste gegen die Der- I bandsmächte Verwendung gefunden ha ten. Die e Tatsache lieh auf beiden Seiten wenig Freute bei dem ilebergateaft aufkommen. Der Geist, ter damals die Deutschen bei ter Ablieferung befreite, geht aus den Worten des deutschen Komman- I bauten, ter ten Z. R. 113 an Frankreich ablieferte, hervor, die folgendermaßen lauteten: „Hier ist Ihr Schiff, ich beglückwünsche Sie zu ter Heber- gäbe, denn es ist ein vorzügliches Fahrzeug. Persönlich wünsche ich Ihren alles Gute, aber als I Ihr früherer Gegner hoffe ich, teih Eie es morgen in Grund "flnb Boten fahren." Dieser Wunsch ging zwar nicht in Erfüllung, doch wurde das Fahrzeug sehr bald als unbrauchbar demontiert. I Die hauptsächlichste Gefahr für die • Durchführung eines regelmäßigen Luftschisfd enstes der amerikanischen Flottentehörte liegt darin, daß weder Amerika noch irgendeine andere alliierte Ration bisher in der Führung von Luftschiffen irgendwelche Erfahrungen gesammelt hat. Das „leichter als dies Luftfahrzeug" ist eine Erfindung Deutschlands. Deutschland erfand die Type und entwickelte sie. Deutsch- I land war die einzige Ration, die lenkbare Luft- I schiffe während tes Krieges anwandte und die I teSbaCb in ten vier Jahren äußerst wertvolle Erfahrungen sammelte. Die Führung eines Luftschiffes verlangt Instinkt. Man muh stets bedacht sein, das ganze ungeheure Fahrzeug in ständiger Harmonie zu halten. Der deutsche Pilot erklärte mir, daß es mehr eine Kunst als eine Wissenschaft ist. Wie ter in der Ebene Lebende sich erst mühsam an die Kunst tes Bergsteigens gewöhnt, so dauert es lange, bis sich der Laie an die Führung eines Luftschiffes gewöhnt. Die amerikanische Flottenbehörde hat allerdings im Bau und in ter Führung tes amerikanischen Luftkreuzers „Shenandoah" gewisse Erfahrungen gemacht, de ihr zustatten kommen. Z. R. 3 soll ein Handels- I I luftschiff werten, aus welchem Grunde die praktischen Auswirkungen tes Transatlantitfluges besonderes Interesse verdienen. Anrerika hat zwar noch nicht selbst einen Tvansatlantikflug bisher unternommen, doch ist ein derartiger Flug bereits erfolgreich durchgcführt worden. Der R. 34, ein englisches Luftschiff nach dem Modell eines Zeppelins, flog bereits von England nach Reuyork, ergänzte dort das Betriebsmaterial und kehrte | nach England zurück. Die Reife des Z. R. 3 ist I daher mehr aus dem Grünte interessant, daß sie ter Vorläufer eines regelmäßigen transatlantischen Flugdienstes werten fiaim, als wegen ter absoluten Neuheit dieses Vorgangs. Das Fahrzeug wird nach Ankunft in Lake- Hurst das Eigentum deramerikanischen Flottenbehörde werten. Was diese damit tun wird, ist bisher Geheimnis. Man hat borge- schlagen, sie dem Präsidenten Cvolidge als Luftjacht anstatt seiner bisherigen Vacht Matzflower" zu überlassen oder es als Flaggschiff ter amerikanischen Luftflotte zu benutzen. Auch dessen Indienstnahme für einen transkontinentalen Dienst Reuyvrk-Chicago oder einen transatta wischen Dienst Amerika-Europa tourte vvrgeschlagen. Wahrscheinlich wird das Fahrezug kaum für den letztgenannten Dienst in Frage kommen, da die Fachleute es hierfür zu klein halten und meinen, daß hierfür Zeppeline von doppeltem Ausmaß des Z R. 3 erforderlich seien. Die an tem Ausbau des Hantelsluftverkehrs interessierten Parteien nehmen an, daß Z. A. 3 ter Vorläufer einer Reihe von anderen Luftschiften werden wird, die zwar von ähnlichem Typ aber von größerem Ausmaß sein trerten und hie dann in den verschiedenen Luftverkehrslinien Verwendung finden sollen. * * * Wir f)aben die obigen Auslassungen wörtlich zum Abdruck gebracht, weil sie beweisen, mit welch geradezu brutaler SelMverständllchkeit unsere Kriegsgegner das angebliche Recht vertreten, aus tem Diktat von Versailles Ruhen ziehen zu können. Sollte nicht auch die Aufnahme eines Kampfes um die Deutscher Hal iung ter Zeppeline eine Ehrenaufgabe ter Gegenwart sein?- Die Echriftleitung. Die Fremdherrschaft am Rhein. Das • Sachverständigengutachten verlangt als Voraussetzung der- Durchführung der in ihm ent- ' haltenen Reparationsvorschläge u. a. die Wiederherstellung ter-' fiskalischen Einheit des deutschen Reiches. Wenn darunter natürlich auch in erster Linie die Wiederherstellung der deutschen Steuerhoheit verstanden werden muß, so ist doch bei den inneren Derwaltungszusammenhän- gen klar, daß dadurch im allgemeinen die Wiederherstellung der deutschen Verwaltungs- Hoheit gefordert wird. Man hat sich im unbesetzten Deutschland keine rechte Vorstellung davon machen tonnen, in welchem Maße die staatliche Hoheit im besetzten Gebiet tatsächlich ausgeschaltet ist. Bei den Friedensverhandlungen ist seinerzeit zugesichert worden, daß die Stärke ter ins Rheinland zu legenden Besahungstruppen etwa der Stärke der ehemaligen deutschen Truppen in diesem Gebiet entsprechen soll. Statt der 70 000 Soldaten, die vor dem Kriege dort in Garnison lagen, sind aber allmählich ins altbesehte Gebiet rund 1 4 0000 fremde Soldaten gelegt worden. Zu ihrer Unterhaltung und Sicherheit ist dann allmählich ein ziviler Verwaltungsapparat. der alle Grenzen des Berechtigten überschritten hat. entwickelt worden. Im Interesse der Sicherheit der Desahungs-- truppen waren durch das Rheinlandabkommen den Alliierten gewisseKvntrollrechtezu- geftanten Worten. Die Zivilverwaltung sollte jedoch in deutsch en Händen bleiben. Das Rheinlandabkommen sieht einen interalliierten AusschuhvonvierPer- fönen vor. Aber schon nach zwei Jahren wa- । ren allein in Koblenz 1300 Zivil- beamte der Alliierten, dazu noch 12 Bezirks- telegierte mit je 20 Personen, die über das Land I verteilt waren Die Mehrzahl dieser Zivilbeamten brachten ihre Verwandten mit, für die | am an Selbst vcrständfich sind derartige Ru:en dicht Dvd-en wegzuschneiden und zu verbrennen. Die Himbeeren nach der Ernte. Die Himbeeren haben ihre Ernte gebracht und liefern gegen Ende des Monats nur an vereinzelten Sorten noch Erträge. Gute Pflege bis zum Herbst sichert zum großen Teile reichliche nächstjährige Ernte. Die abgetragenen Ruten können schon jetzt herausgcfchnitten Werdern fehlerhaft aber ist es, auch schon die schwachen Jungtriebe zu entfernen, wie man es vielfach empfohlen findet. Sie tragen erheblich bei, den Wurzelstock zu kräftigen, dessen höchste Arbeits- und Erregungskraft im Sinne eines guten nächstjährigen Ertrages liegt. Wohl aber ist es empfehlenswert, diese schwachen Triebe durch Auskneifen der Spitzen zu verhindern, die von ihrer Belaubung erzeugten Bäumst offe im eigenen Interesse zu verwenden. Durch das Entspitzen zwrngt man fte, ihre Erzeugnisse auf dem Umwege über den Wurzelstock den nicht entspihten Ruten zuzuwenden, also jenen fünf bis neun kräftigsten Schößlingen, die als Tragruten für das nächste Jahr beide haft en werden, wenn es wahrend des Herbstes oder Frühjahres an das Ausschneiden der überzähligen, schwächeren Ruten geht. Bei dieser Gelegenheit achte man auf solche Ruten, deren Spitze krankhaft entwickelt ist, die Verkrümmungen eigen, knotige Anschwellungen und ähnliche Mißbildungen. Schneidet man sie der Länge nach auf, findet man stets in ihrem Mark eine madenartige Raupe mit dunklerem Kops, jene des oft in großen Mengen und darrn sehr schädlich auf tretenden Himb-erblattflüglers. Fragekasten. Frage 42: Bei meinen Wanderungen deutschen Flachseen kam mir der Gedanke, ob es nicht möglich märe, diese beträchtlich großen Flächen irgendwie landwirtschaftlich auszunützen, indem man geeignete Pflanzen als Waisserfuftu- ren an baute. Eine Maispflanze kann man in einer Nährlösung zur Entwicklung bringen. Wäre das im großen wohl möglich und ist das Wasser der Seen ohne wefteres als Nährlösung zu betrachten? Antwort: Hm Landseen und Teiche für die Dolksemährung nutzbar zu machen, kommt eigentlich nur rationelle Fischzucht in Frage. Wo man Seen und Teiche in großem -Umfange, wie in Ungarn, trocken legte, um Ackerland zu ge- winnen, hat sich dieser Eingriff durch Abnahme von Dau und Regen bitter gerächt, so daß, gairz abgesehen vom Verlust land chaftlicher Re ze und einer Verminderung des Tierl bens. mehr der- lvren ging, als gewannen wurde. Wasserkuftur n, wie sie in den Laboratorien zu wissenschaftlichen Zwecken ausgeführt werden, liehen sich auch bann Hicht ins Große übertragen, toeiut das Wasser der Landseen aus Nährlösung bestände, was durchaus nicht der Fall ist, weil unsere landwirisch-a't- lichen Kulturpflanzen keine Sumpf- und Wasserpflanzen sind. Man hat zwar versucht, die Wassernuß ihrer großen, mehlreichen Früchte w-gen wieder anzusiedeln, nachdem sie in Deutschland längst ausgerottet ist. doch hrt man von nennenswerten Erfolgen nichts vernommen. Turnen, Sport und Spiel. Das Rationale Schwimmfest des Gießener Schwimmdereins. Glänzende Meldungen. Zu den am 17. August in der Müllerschen Dadeansta't zu Gießen stattfindenden ve^bands- offenen Schwimm Wettkämpfen hat der Gießener Schwimm verein ein hervorragendes Meldeergeb- rns öu verzeichnen. Haben doch nicht weniger als 27 Vereine aus dem ganzen Deutschen Reiche zahlreiche Meldungen abgegeben. Vor allen Din- gen ist aber das Meldeergebnis nicht nur em qualitativ gutes, sondern auch aualitativ erstklassig. Es seien hier besonders Die Teilnehmer von „Poseidon"-Köln, „Jungdeutsch- l a n d"-Darmstadt und »Mo enus" - Lftenbach erwähnt. Köln wird allein mit einer 14köpftg starken Mannschaft erscheinen. 3m letzten Fahre hat es sich bewiesen, daß gerade die Kölner Vereine dabei sind, die Spitze im deutschen Schwimmsport einzunehmen! Und wiederum in Köln selbst kämpfen um die Sieg es Palme ..Poseidon" und „Rhenus". Aber auch Darmstadt erscheint mit großer Mannschaft. Die Darmstädter sind im festen halben Jahre zu großer Form aufgelaufen. aJor allem ist es der Rekordmann und deutsche Meister im 400= und 1500-Meter-Schwimmen, Friedrich Berges, der feinen Verein zu immer neuen stolzen Siegen verhalf. 3hm zur Seite die übrige bestens bekannte Rennmannschaft Als Würdiger Drifter im Bunde ist „Moenus"-Offenbach, unter der hervorragenden Leitung des Gau- schwimmwarts Fritz Becker. Auch diese Mannschaft ist in diesem 3ahre von Erfolg zu Erfolg geeilt, noch größere Leistungen werden im kom- ment>en 3ahre von dieser Mannschaft erhofft Außerdem kommen noch Vereine mit größeren Mannschaften aus Frankfurt. Aschaffenburg Koblenz, 'Wetzlar, Hanau, Rheydt usw. Nun zu den Wettkämpfen selbst: Das 1 Se- niorfreistil-Schwimmen 100-Meter hat vier Meldungen erhalten, und zwar: Treis-Köln, Berges- Darmstadt, Kinzius-Essen und Becker-Ofsenbach Bei diesem Rennen kann es nur heißen kreis' oder Berges. Da Berges den ganzen Sommer schon in großer Form ist, so glauben wir, daß es ihm möglich sein wird, Treis zu schlagen. Jedoch wird der „Poseidoner" ihm den Sieg nicht leicht machen, es können nur zehntel Sekunden die beiden Frühjahr mit Stallmist gedüngt sein und wenigstens drei Fahre lang keine Erdbeeren mehr getragen haben. Da es stark und schwachwachsende Sorten gibt, läßt sich die Pflanzweite nur ungefähr angeben. 3n der Regel bringt man auf ein Beet von 1 Meter 20 Zentimeter drei Rechen in Verband, d. h. so, daß die Setzlinge der ersten und dritten Reihe sich rechtwinklig gegenüber, die der mittleren aber dazwischen stehen. Der Abstand innerhalb der Reihen betrage 35 bis 40, bei staickwachsenden Sorten 50 bis 60 Zentimeter. Man verwendet nur die stärksten, der Mutterpflanze am nächsten stehenden Pflanzen mit reichlicher Bewurzelung von diesjährigen Ranken. Aelteves Pflanzmaterial ist wertlos. Wenn man im August bis spätestens Anfang September gepflanzt hat, ist die Bewurzelung bis Eintrttt des Winters eine solche, daß sie gut durch den Winter kommen und im nächsten Frühjahr bereits einen mäßigen Ertrag bringen. Als beste Sorten haben sich bewährt: Flandern, Zuckeriönigin, Königin Luise, Sieger, Laxtons Noble und die sehr stark wachsende Mad. Moutvt, mit besonders großen Früchten. Kämpfer voneinander trennen. Kurz dahinter wird Becker-Offenbach vor Kinzius-Essen an dem Zielbalken schlagen I Das 400-Meter-Schwimmen muh leider ausfallen, da Berges hier nur allein gemeldet hat. Eine sportliche Delikatesse verspricht das 2. Senior-Brustschwimmen 200-Weter zu werden. Treffen doch in diesem Rennen „sechs der bekanntesten Brustschwimmer zusammen I“ Pacsoe - Gießen, Herkrath - Poseidon-Köln. Krämer - Rhenus - Köln, Dorfmüller - Rheydt, Kalbfleisch- Darmstadt und G e n n e s - Aschaffenburg. Ein heißes und durchaus offenes Rennen! 3mmerhin glauben wir, daß es diesmal Pascoe- Gießen, im eigenen Wasser, zufolge seines glänzenden Endspurtes gelingen wird, Herkrath und Krämer zu schlagen. 2. Senior-Freistil ist mit sechs Nennungen belegt. Einen wunderbaren Kampf wird auch dieses Rennen bringen. Das Ende werden Marx - Köln, Bürvenich -Köln und Grützner - Offenbach unter sich ausmachen. 3e- doch ist auch eine äleberraschung nicht ausgeschlossen. Das Junior-Brustschwimmen hat 24 Meldungen erhalten. Hier den Sieger im voraus zu ermitteln, dürfte wohl sehr schwer sein. Fmmerhin werden voraussichtlich Eck-Gießen, Dauer-Offenbach, Gils und Orientalin- Darmstadt, S t eine n b a ch -Köln unter den ersten zu finden sein. 3edoch kann auch Heilbronn oder Hanau äleber- raschungen bringen. Das Ermunterungs-Rücken- Schwimmen hat 7 Meldungen erhalten: hier sehen wir in Berges- Darmstadt den Sieger, vor Grützner -Offenbach, Pascoe und Eck-Gießen. Das 3ugend-Rücken-Schwimmen ist mit neun Meldungen auch gut besetzt, desgleichen das Kna- ben-Brust-Schwimmen mit 22. Eine Rekürdbe- setzung ist das Junior-Schwimmen, beliebig, mit 24 Teilnehmern. Vollkommen offene Sache. Desgleichen das 100-Meter-Schwimmen für Vereine ohne Winterbad sowie das Ermunterungsspringen. Das 3unior-Seite-Schwimmen hat 15 Nennungen erhalten. Auch hier ist der Sieger noch nicht zu bestimmen. Er dürfte aber unter Rü11 - Köln, © t r u ck°Offenbach, Petr y-Darmstadt, W e i h- ,Hanau, und G a e b l e r - Gießen zu suchen sein. Das erste Damenbrust- und Rückenschwimmen hat nur je 2 Teilnehmer gefunden: in diesem Rennen ist in Frl. Arndt- Gießen jedesmal die Siegerin zu erblicken. 3m Damen-3ugend-Drustschwimmen 100-Meter werden 11 Damen um den Lorbeer streiten. Wir glauben an einen Sieg der vorzüglichen Offenbacherin Frl. B a ck o f f vor Frl. Schüler-Gießen und Frl. Herrmann- Offenbach. 3etzt zu den Staffeln: Die 2. Senior-Freistilstaffel bestreiten Poseidon-Köln und M o e - n u s - Offenbach. Voraussichtlicher Kampf Kopf an Kopf. Poseidon wird wohl der Glücklichere sein. 2. Senior-Lagenstaffel. Vier Mannschaften: Köln,Darmstadt, Offenbach und G i e» 6 en. Durchaus offen. Die Seite- bzw. Rückenleute werden dieses äußerst interessante Rennen entscheiden. Junior-Freistilstaffel 3X50°Meter und 4X50-Meter-Lagenstaffel erhielten 7 bzw. 10 Meldungen. Damen-3unior-Lagenstaffel: Gießen und Offenbach. Die Offenbacher dürften hier als erfahrenere Sportlerinnen den Sieg pro- grammähig an sich reihen. Als letztes steigt die Sensation des Tages. Ein Wasserballspiel zwischen Darmstadt I. und Poseidon-Köln I. Gerade „3ungdeutschlan d"-Darmstadt scheint das Wasserballspiel in letzter Zeit sehr gepflegt zu haben, denn ihr Sieg über die 1. Mannschaft des 1. Frankfurter Schwimmklubs war durchaus überzeugend. Lieber die Kölner ist auch nur Gutes zu berichten. Der Ausgang ist somit ungewiß. Hoffen wir, das der Bessere den Sieg davon trägt. Reu für Gießen wird ein von 16 Damen des Rheydter Damen-Schwimmklubs. geschwommener Reigen sein, welcher sicherlich beim Publikum großen Anklang finden wird. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die Börse trug in der vergangenen Woche hinsichtlich der Londoner Verhandlungen einen Optimismus zur Schau, der sich weder mit den Auffassungen der führenden politischen Kreise Berlins, noch mit dem tatsächlichen Verlauf der Konferenz in London recht in Einllang bringen ließ. Man ging dabei von dem Gedanken aus, daß sowohl die internationale Politik wie die Finanzweft ein positives Ergebnis der Londoner Konferenz bereits als sicher in alle Dispositionen eingestellt hatten und daß hiernach ein Fehlsck^ag der Beratungen eine beispiellose Verwirrung auf politischem und weltwirtschaftlichem Gebiete Hervorrufen müsse. Die Verschärfung der Gegensätze in der Räumungsfrage hat aber gezeigt, daß die Konferenz sich durchaus nicht wie ein beliebiger Film programmäßig abwickelt und daß die Gegensätze beim besten Willen aller Beteiligten nicht so leicht überbrückt toerben könne. Die Börse betätigt ihren Optimismus hauptsächlich wieder am inländischen Anleihemärkte, der schon zu Beginn der Woche im Zeichen neuer Rekordkurse stand. Die Schar der Mitläufer bei dieser Bewegung ist offenbar so groß, daß Positionslösungen der Derufsspekulation einen nachhaltigen Rückschlag nicht mehr herbeizuführen vermögen. Am Aktienmärkte fehlte es nicht an Lichtblicken wirtschaftlicher Art. Der Fortschritt der Verhandlungen über das Kohlensyndikat, die amerikanischen Kredite für die deutsche Kaliindustrie, das für die 3ndustrie immerhin günstige Ergebnis der Enquente über die Textilwirtschaft und nicht zuletzt der befriedigende ©tanb der meisten privaten Kveditver- handlungen mit dem Auslande sind immerhin Safloren, die zu gewissen Hoffnungen auf eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage berechtigen. Tatsächlich hat ja schon in Erwartung eines neuen Konjunkturaufstieges seit kurzem eine lebhaftere Tätigkeit im Warenhandel eingesetzt. Selbst bei der 3nbuftrie bemerkt man verschiedentlich einen etwas regeren Eingang von Aufträgen. Einzelne Schwalben machen natürlich noch keinen Sommer, aber man glaubt doch, daß die schlimmste Depression bald überstanden sei. Die Börse zeigte gerade im Hinblick auf diese Besserungsfyrnptome in der Wirtschaft auch an den kritischsten Tagen der Londoner Konferenz eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. * * Kündigung des Syndikats. Die Kündigung des Syndikatsvertrages erfolgte mit der forderlichen ^-Mehrheit. Die Anhänger des neuen Entwurfs verlangen prinzipiell nicht nur einen einheitlichen Zusammenschluß der einzelnen Gruppenauhenseiter, sondern sämtlicher Syndikats- intereffenten. Es ist eine Kommission gebildet worden. die die Verhandlungen mit den Parteien auf» nehmen soll. Angesichts der alternativen Schärfe, ün DMonen Prozent Datum: Da nkn ot en. Meld I Briet 2i,9l) 68,23 19,085 24,11 164,14 13,925 68,57 5,96 1,925 111,42 79,10 56,2.3 12,52 6,50 mit der der 3nlcrndsblvck eine universelleBejahung des neuen Shndikatsvertrages verlangt, ist es wohl angebracht, über die Geburt des neuen Syndikats recht pessimistisch zu denken. * Deutsch-elsässische Kaliber- han dl ungen. Zwischen Vertretern des deutschen Kalisynöikates und solchen der elsässischen Kaliindustrie sollen laut „Deutscher Bergwerks- Zeitung" in Berlin Verhandlungen geführt worden sein, wobei eine Konkurrenzregelung für den Welt markt erzielt worden sei. Man erwartet, daß der Vertrag, vorbehältlich eines befriedigenden Abschlusses der Londoner Konferenz sofort unterzeichnet werden wird. * Aufwertung bei der Beamten- hank in Kiel. Als vierte Kieler Dank geht die Deamtenbank an die Aufwertung der Spar- und Geschäftsanteile heran. Die Spareinlagen werden zu 15 Proz. aufgewertet und bleiben 1924 unverzinslich. Von 1925 an steigt der Zinsfuß, beginnend mit 2 Proz. jährlich, um 1 Proz. bis zum Höchstsatz von 5 Proz. Die Anteile ftnb um 20 Proz. aufgewertet worden. Börsenkurse. 4,21 22,00 68,57 19.163 24,26 164,96 19,025 58,87 5,98 1,94 111,93 79,60 5X51 12,58 5,52 5% Deutsche Reichsanleibe . 4°/o-Deutsche Rctchsanleiye . S'/?/» Deutsche Reich-lanlethe 3% Deutsche Reichsanleibe . Deutsche Sparpramiciianleihe 4% preußische Konsols ... 3y/Vo Hessen . ‘ 1 ‘ ‘ 3°/o Hessen........... Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anweting.') «% Zolltürten......... 5% Goldmcxikaner...... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz, und Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank Deutsche BereinSbank .... Disconto Commandit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. • Oesterreichische Creditanstalt. Westbank............ Bochumer Guß ....... Buderus Caro ............. Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurahüttc.......... Obcrbedarf Phönix Bergbau....... Ryeinstahl........... Riebeck Montan........ Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont -Guano ..... Badische Anilin........ Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt......... Gries! eimcr Electron .... Höchster ä-arbwerke..... Holzverkohlung..... Rütgersiverke ......... Echeideanstalt ........ All«. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke . Schuckert...... Siemens 4. 8. 15. 8. 0,735 O,73'o 0,750 0,740 1,2 1,150 1,175 1,2 1,3 1,100 1.2 1,175 1,75 1,62' 1.6CC 1,6 Ü 401 0,420 0,4 0,41 1.16 1,12 1,24 1,200 1,4 1,3 — — — 1,3 — — 0,9 1.1 1.05 1.1 4,2 4,2 4,2 4,2 86 84,3 86 85,9 11,12 10,90 11,13 — 11,12 | 45 43 32 34 30 31 6,5 6,25 6,25 5,25 9,9 9,40 10 10 11,10 1' 11 11 0,38 0,37 — —» 12,76 13 13 13,13 14 13,80 — — 2,20 2,15 2,25 2,2 0,465 0,450 0,425 0,450 0,3-0 0,375 0,4 0,55 51 49,13 49,75 13,12 12,3 12,60 12,25 14,50 13,75 13,90 13,70 51 50 50,5 50,25 54,5 51 52 52 13 66,5 63,25 63,5 62,10 14,37 14 14,25 14 14,37 19,40 19,50 19,40 8 7,5 8 7,65 13,75 13,25 13,5 13 30,75 31,75 30 31,5 27,50 27.75 27 26,50 38,50 38,5 39,50 39,5 2,25 2,1 — — 30,12 28,75 29,50 29 7,33 7,45 7,40 7,20 1,9 2,5 — — 13 12,85 — -- 4,13 3,8 4,40 4,10 13,8 — 13,13 12 18,75 18,50 18,90 18,40 — 1,6 — — 14,6 14 13,75 13 60 17 17,C 16,90 17,13 15,5 15 15,25 14,10 7,75 7,26 —- — 20 18,75 19,65 19 16,4 16,10 — — 10,13 10 10,65 9,90 1 ,5 15,75 1b 18 9 9 37 37,5 38 35,75 — — 44,10 45 2,90 2,70 3 -.75 3,12b 3,13 3,20 3 2,75 2,75 — — 13,7 12,9 13,8 13 0,71 0,7 •M — 1,1 1 1 1,13 13,25 13,5 — — 2 2 1,75 1,9 3,3 3 3,6 3,4 5,15 5 5,13 5 11 10,5 11 10,65 4,55 4,50 — 3,95 8,85 3.7 3,8 14. Aug. 15 Aug. Repart. Amtliche Notieruna Amtli p: Notier l 11 Geld Briet ,O1 voll voll Driss- ?>ntw 21,65 21,75 21,65 22,0 voll voll Chriftiania. 68, >5 58,55 58,60 63,92 voll voll Kopenhagen 67,53 67,67 68,23 66,57 voll voll ©tocfholm . 111,47 112,03 111,47 112,03 voll voll SelsingforS. Italien. . . London. . . 10,47 18,925 10,53 19,025 10,495 18,925 10,515 19,025 voll voll voll voll 19,01 19,11 19,065 19,155 voll voll Neupork . . 4,13 4,21 4,1) 4,21 voll voll Paris. . . . 23,44 23, 6 24,04 24,16 voll voll Schweiz . . ‘9,20 79,50 79,20 «9,50 vo" voll Spanien . Wien in D-» t-6,26 56,54 b6,2o 56.54 voll voll Ceft. abgest 5,94 5,96 5,93 5,95 voll voll Prag . . . 12,i1 12,57 12,53 12,59 voll voll Budapest. . 5,55 6, 7 5,53 6,55 voll voll Vuen.-Aires 1,405 1J15 1,405 1,41 = voll voll Buloarien 3,06 3,08 3,07 3,09 voll voll Japan . . . 1,72 1,73 1,72 1,73 voll voll Rio de Ian 0,41 0,42 (,40 C.42 voll voll Belgrad . 5,27 5,29 5,24 6,26 voll voll L'ssabon - 11,52 11,58 11.52 11.5b voll voll sein, bis dahin bleibt auf jeden Fall alles noch in der Schwebe. 3m Geldverkehr ist die Lag- unverändert. Es kamen nur Abschlüsse in täglichem Geld in Betracht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M. 15. Aug. (DrahtberichL des „Gieß. Anz.") Die Börse ließ sich auch heute gegenüber der Zuspitzung der Verhandlungen auf der Londoner Konferenz in ihrer Ruhe nicht stören. Die Verstimmung, die über das Fortbestehen der Krise bei den deutsch-französischen Verhandlungen über das Räumungsdatum des Ruhrgebiets die Börse belastet, zeigt sich in der Verminderung der Umsätze, da die Spekulation starke Zurückhaltung übt. An der Dorbörse kam es, tote dies immer am Wochenende üblich ist, zu einer starken Abgabeneigung, die die Kurse teiltoeise weiter abbröckeln lieh. Trotzdem war die Sttm- nrung nicht unfreundlich. Der Markt war widerstandsfähig und die Tendenz läßt sich als überwiegend behauptet bezeichnen. Das herausgekommene Material wurde glatt aufgenommen. Bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs konnte sich eine leichte Erholung Bahn brechen, einte große Anzahl von Werte notierten wie gestern, teilweise hatten sie aber auch gute Aufbesserungen zu verzeichnen. Damit war auch eine leuchte Belebung des Geschäfts verbunden, das vornehmlich an dem Anleihemarkt zum Ausdruck Eatrr, dem sich besonderes 3nteresse wieder zuwandte. Am Geldmarkt beginnen sich die Sähe etwas zu versteifen. Monatsgeld P/s bis l5/8 Prozent, tägliches Geld bleibt auch noch weiterhin mit 1/4 pro Mill angeboten. 3m Devisenverkehr hat sich das englische Pfund voll befestigt mit einem Kurs von 4,54 Dollar. Auch der Pariser Frank hat sich gebessert. Die Dollarparität ging am heutigen Frühverkehr auf 17,80, die Pftrndparität auf 80,30 bis 80,50 zurück. Die schwierige Lage der deutschen Delegation bei den Londoner Verhandlungen führte naturgemäß zu einer Abschwächung der Mark von ihrem seitherigen Stand von 4,166 Billionen auf 4,20 Billionen in Dvllarparität. Der Aktienmarkt tag im großen und ganzen nicht einheitlich. 3m Freiverkehr- herrschte ruhiges Geschäft. Api 4,85, Becker-Stahl 23/8, Becker-Kohle 5%, Petroleum 19,5, Ufa 67/8, Entreprise 26. 3m weiteren Verlauf konnte die einsehende Erholung weitere leichtere Fortschritte machen. Märkte. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Aug. (Dvahtberichz des „Gieß. Anz.") Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 20,75 bis 21,25 Roggen, inländ. 17,50 bis 17,75, Sommergerste für Dvauzwecke 21,50 bis 22,50, Hafer, inländ. 18,50 bis 18,75, Mais (gelb) 17,50 bis 17,75, Weizenmehl inländ. Spezial 0 32,50 bis 33,75, Roggenmehl 26 25 bis 26.75, Weizen- und Roggenkleie 10,75 bis 11,25 Ml. Tendenz fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 15. Aug. Getreide still. Bei ®erffe verlautet, die Reichsgetreidestelle werde die Ausfuhrbewilligung einstellen, weil der Export hiesiger guter Ware Ersah erheische in ausländischer Futtergerste, die mehrfach bereits abgeschlossen sei, und zwar zu Preisen zwischen 195 bis 205. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, märf. 195 bis 200, Roggen, märt. 140 bis 146, westpr. 137, Gerste, märf. 200 bis 210, Hafer, märf. 159 bis 169, Raps 295 bis 300; für je 100 Kilo: Weizenmehl 26 bis 28,75, Roggenmehl 21,50 bis 23,75, Weizenkleie 11 bis 11,20, Roggenkleie 10,70, Viktoriaerbsen 25 bis 30, kleine Erbsen 16 bis 18, Futtererbsen 14 bis 16, Peluschken 13 bis 15, Ackerbvhnen 13,50 bis 15,50, Wicken 14 bis 16, Lupinen, blau 9 bis 10, gelb 17 bis 1.8, Rapskuchen 12,20 bis 12,40, Leinkuchen 22„ Trocken schnitzel 10 bis 10,20, Tvrf- melasse 7,60, Kartoffelflocken 24,50. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. R. Wenn Sie mit 3hrer Firma einen Vertrag auf vierteljährliche Kündigung hatten, ist die Firma zur Gehaltszahlung für das laufende Vierteljahr verpflichtet,'wenn sie die vertragliche Kündigungsfrist nicht eingehalten hat. Kirchliche Nachrichten^ Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 17. August. 9. Sonntag n. Trin. Stadtkirche. 8: Zugleich Christenl. f. d. Neukonfirm aus der Markusgem. Pft. Becker. 91/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. Matthäusgem. Pft. Mahr. — Zohanneskirche. 8: Zugleich Christenl.f. die Neu. konf. aus d. Lukasgem. Pfarrass. Hertel. 91/,: Pft. Ausfeld. 11: Kinderkirche f. d. Zohannesgem. Pft, Ausfeld. — Kirchberg. 10: Kollekte f. innere Mission: 11: Christenl. f. d. konf. männliche Fugend. Daubringen: 1%; Lollar: P/,. — Wieseck. 91/,: Pft. Groth, Rödgen. Katholische Gemeinde«. Gießen. Samstag, 16. August. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 17. Aug. 10. Sonntag n. Pfingsten. 61/, Beichte, 7 Messe, Kom. d. Iungft. u. Hausangestelltz 8 Kom., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m Pr., 2V,: Saftament. Druderschaftsand., 4 Versammlung der Fungftauen-Kongregation u. Hausangestellten. Nur JZO Pfennig wöchentlich kostet eine Kopfwäsche mit dem seit Jahrzehnten glänzend bewährten ..Schaumpon mit dem schwarzen Kopf". Diesen kleinen Betrag kann wohl jeder Einsichtige für die Pflege des Haares erübrigen. Regelmäßige Waschungen mit „Schaum- pon" befreien Haar und Kopfhaut von allen Unreinlichkeiten und sind die wich- tigste Bedingung für eine naturgemäße Haarpflege. Man verlange ausdrücklich Schaumpon Marke Schwarzkopf mit der weltbekannten Schutzmarke „Schwarzer Kopf“ und weise Nachahmungen zurück. 3m Kinde liegt die Zukunft. Darum ist eS notwendig, das Heranwachsen einer gesunden Jugend zu fördern. Schon bei den Säuglingen mutz der Grundstein zur Straft und Gesundheit gelegt werden und weitblickende Eltern wählen deshalb bei unzu- reichender Stillfähigkeit oder beim Entwöhnen das altbewahrte und ssets zuverlässige Nestle'S Kinder- mehl Viele der jetzigen Eltern sind in ihrer eigenen frubeUen Jugend mit Neftle's Kindermehl ernährt worden und zu tüchtigen Menschen herangewachsen,- aemttz Beweis genügend für den hohen Gesund- heitSwert des Nestle'schen Kindermebles. 1 Original- dose ist in allen Apotheken und Drogerien zum Einheitspreis von M. 1.50 erhältlich. Illustrierte Broschüren überSäuglingsvstege kostenlos durch: „Linda"- Gesellschaft m. b. H., Abt. 6, Berlin W 57. *• °3e nun -1)1 AfA Avina" »r -SS Ä selE. Frieön dem 3 und we stets 1 daß wi weiter jedes ( in Wag hervorr le. 3ft"*h5 ^lich js, dir e Kuch &^r prK Lb 2bS$ i^‘*ile hß> J“4..» Meilen. ^^Mhes AM Äu^hn* Jmit» von 454 ÜISwsmS ’ ®°-30 big 8Q50 Elchen Dele. jungen führte der Mil mt(rt- Der Men- m n*(ht einfotttlufk. MW Hj »<, frto. • 26 3m weiteren ^yvlung toeitae iebörse. N. (DvahtbrrlH i rotiert: Weizen, loggen, inländ. e für Srajjtwtfe '. 18,50 bis 18,75. )eizeMchl inländ. lioggemnehl 26,25 Meie 10,75 bis tbotfe, de M D-i Gerste ie werde die Aus- l der Export hic ische in ausländi. ach bereits abgc reisen zwischen 195 für je 1000 Kilo: Roggen, märt 140 mark. 203 bis 210, aps 295 bis 300; 51828,75, Otoggen- leie 11 bis 11.20, n 25 bis 30, kleine n 14 bis 16, > m 13,50 bis 15.50, fan 9 bis 10, gelb > bis 12,40, Lein- bis 1020, Tors- 24,50 Redaktion. Verbindlichkeit d« 1.) Ihrer Fima einen ündigung hatten, ist g für das laufend« sie die vertraglich« lten hat. Achten- tehibtn. , 9. Sonntag n. Stift en s. d. Äeukonstm. [er. 9'/,: M Wahr. Christenbs.die-M. ist. Hertel. S/,. M 3ohannesgem. M männI,?r5 W : „ Dieseck- 9/>• leindea. Khß Msse m. M" '■?' Äm±0 — ennig L7Z -L7.S- >diaum- von ■jl liewid*" MH 1 f l^fflUDgenZUri*^ [rtbWi* ß c.hfiei un»u' '»•äS« de'lnZle'S?',.en «sw Oer Alte auf Topper. ytoman von Hanns von Zvbeltih. 44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „3a, sah du den mal! Kommst bei den Kriegs- (äuften nicht mal über die Grenze." »Sind eben die verfluchten windigen Franzosen 1 Ein Pack! Wär' bei Gott unter des hoch- seligen Königs Majestät nicht möglich gewesen. Erst der Friedrich hat die Dagage grost werden lassen, dah sie jetzo die erste Geige spielen darf. Das kommt auch aus sein Schuldbuch!" »Auch. . . Zabeltitz . . ." Diesmal ist's der Alte, der schluckt und schluickt. 3st ihm sehr desagreable — das — grab von dem Lasow, bei dem es immer leicht an dein schuldigen Respekt vor der Majestät gefehlt hat, dem der österreichische Offizier immer noch h.-im lich zum Rockkragen 'raussah. Gesagt ist aber gesagt, und es trotzt auch in dem alten wunden Herzen. So, dah er noch einmal sagt: „3a — die windigen Franzosen schreibt 3h°n Historie sicherlich auch ins Schuldbuch." „Dorten wird noch diel arideres zu stehen kommen. Par exemple, wie Er mit der Armee herumzieht und die eigenen Provinzen im Stich säht, dah sie zugrunde gehen müssen. Soll mich nicht wundernehmen, wenn jetzt auch Berlin in Feindes Hand fällt. Wird wohl das Ende vom 2teÖ€ sein." „Wieso? Das Ende von welchem Liede?" „3e nun —vom ganzen Fridericus ONagnus!" Da lacht der Toppersche. Gallebitter, aber er lacht. „Kennst ihn doch verflucht schlecht, den König. D^n kriegen sie nicht unter. Hat Kollm überwunden und Hochkirch und Kunersdorf, wird auch jetzo die Metze Fortuna wieder zwingen. Sollst sehen! And das lab dir sagen: wenn sic ihn bei Lebzeiten ganz klein machen und wenn wir alle darüber ins Elend kommen, tiefer noch, als wir schon drinstecken — darum bleibt er doch Fridericus Magnus, von dem sie noch in späten Zeiten erzählen werden, wie vom Grohen Alexander oder vom Julius Casar." Hatte sich ordentlich aufgerichtet bei den Worten, hatte mit lauter Stimme gesprochen. Achte nun doch wieder die Hand des anderen und sagte fast weich: „Tut mir so leid um dich, Lasvw. Wollt' wohl, ich sand' ein rechtes Trostwort." „Lab nur sein, Hans Ehrenreich. Da suchst du vergebens. Aber ich dank' dir für den guten Willen — ja — und so du mir sonst noch was Gutes antun willst, so [ab den alten Streit zwischen uns begraben sein. Rkan sargt ja noch Besseres ein als solch eine Lappalie." „Das soll ein Wort sein, Lasow! Hab nun komm mit ins Haus. Sonsten, wenn wir Jank hatten, taten wir einen guten Trunk, und alles war gut. Heut — du mein Gott! — heut ist Küche und Keller teer. Kann dir grab nur zeigen, wie sie gehaust haben, die Hunnek." Wahrhaftig: allenthalben hatten sie aus dem platten Lande bis Berlin hinunter gchaust wie die Hunnen, die Moskowiter, und die Oesterreicher unter dem wilden Lach nicht nrinber; allein in der Renmark waren gegen zweitausend Gehöfte der Flammen Raub geworden. Als sie dann wirllich die Hauptstadt eingenommen, verfuhren fic glimpflicher, legten ihr mir zwei Millionen Taler Kriegskvittributton auf und begnügten sich, die KöniAichen Schlösser zu Schönhaus«m und Charlottenburg zu devastteren. Blochten doch wohl für ihr Renommee vor ganz Europa fürchten — und dann: die Alliierten Ligen sich balde so in den Haaren bei dem ganzen Plünderungszug, bab es beinahe zum Schieben und Stechen gekommen wäre. Dazu aber: am 9. Oktober waren sie in Berlin eingezogen, am 13. hoben sie sich wieder von dannen. Denn der Schrecken fuhr ihnen heillvs auf die Rach richt in die Glieder: der König kommt! Schon sein Rame reichte hin, sie zu scheuchen. So bab er, der Sovge um Berlin enthoben, sich in schnellen Märschen nach der Elbe wenden konnte, wo Feldmarschall Daun jetzt stand mitsamt den Reichsvölkem. Wie im Fluge trieb er die vor sich her, nahm Wittenberg wieder und Leipzig. Mit dun Daun freilich, mit dem war nicht so leicht abzurechnen, wie etwa mit Dem Herzog von Zweibrücken, der die armselige ReichS- armee kommandierte, der noch von Robbach her die Angst in den Buren steckte. Mit dem Daun: das kostete eine Schlacht. Ist am 2. Rovember zu Eilenburg gewesen, dab ein paar Herren vom Hauptquartier im Wirtshaus zum Römischen Kaiser zusammensaben, bei der Flasche Pvntal, um einen langen Tisch, auf dem die Talglichter qualmten. Der Kruse- mart war da und Lentulus; bann fand sich ber Generalleutnant von Hülsen dazu unb, später am Abend, der alte Eichler, ber Kabinettsrat. Unb als grab, zufällig, ber Page Zabeltitz die Rase zur Tür 'reinstreckte, sie aber gleich erschraken vor den hohen Herren wieder zurückziehen wollte, Vies ihm der LentutuS zu: .Spazier' ®r nut herein, mein Sohn. Sind berat Majestät schon zur Ruh gegangen?" »Pirch hat heut dar Dienst, Herr General" „Also komm Er nur. Mit Permission der Herren. Er kann sich mit der Lichtputzschere nützlich machen." Sv hat sich Zabeltttz bescheiden an ein Eckchen gesetzt. Hatte auch wirllich zu tun, denn die Talq- ftrazeln klunkerten in einem fort, und eS ries halb der eine, bald der andere: „Iunkcr, tu Er sein Devoir." Dafür schob ihm Krusemark ein Glas Roten hin. Aber der Wein schmeckte ihm heut nicht, unb eigentlich hält' er lieber m feinen Kämmerlein oben untermDach gelegen unbgelxult; am Morgen war der lange Brief ber Frau Mutter gekommen mit den schlechten Rachrichten vom Einfall der Moskowiter, vom jammervollen Tode des guten alten Egid unb des lieben Magisters unb allem, was drum unb dran hing. Hörte so kaum hin, was die Herren sprach, n, fing nur einzelne Brocken auf, das unb jenes, und im Grunde wenig Tröstliches. 3a, so manches patzte freilich zur eigenen Stimmung Seltsam, freimütig sprachen sie heut, fast als achteten sie nicht des jungen Blutes am Tische. „Messieurs." meinte der fünften so fd>iiKinfame Eichler einmal kummervoll, „so schlecht bei Humor wie jetzo hab' ich Seine Majestät nimmer gesehen. Selbst nicht nach der ÄuncrSborfev Bataille, wo ihn doch auch bas Desespoir gepackt hatte.' Wollen Sie mir's glauben, Meftieurs, bab er mir gestern gesagt hat: was ich auch tun mag. die Liebermacht erdrückt mich. 3ch hab' keine Hoffnung mehr auf dieser Welt." (Fortsetzung folgt.) Bieter Grau- u.WeißkalltwerkeJMen Wir haben die Bieberer Grau- und Weißkalkwerke in Bieber bei Rodheim käuflich erworben und werden das Werk nach modernen Grundsätzen neu ausbauen. 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