Erstes Blatt 174. Jahrgang Montag, 14- Juli 1924 Am Vorabend von London Eine Rede des Reichskanzlers. — Ein Vorstotz der Deutschnationalen Volkspartei "s.7^ 'dH* sich sa o> .5 LZ auf die Bestände an Kriegsmaterial zur Zeit des Waffenstillstandes und auf die Tätigkeit der Fabriken während des Krieges und nach dem Waffenstillstand beziehen. 5. Veröffentlichung von gesetzlichen Bestimmungen auf legislativem oder administrativem Wege, je nach den Umständen des Falles, die notwendig sind, um das Verbot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial wirksam zu gestalten und die Rekrutierung und Organisation des Heeres mit den militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages in Einklang zu bringen. hier wiederholt: 1. Reorganisation der deutschen Polizei. 2. ä.lmstellung der Fabriken,. 3. Auslieferung des Restes des nicht gelassenen Kriegsmaterials. 4. Auslieferung der Schriftstücke, dir Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/„ Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. 2 = •:8 Die Sabotage der Verständigung. Englische Auslassungen gegen die Fortsetzung der Gewaltpolitik im besetzten Gebiet. London, 13. Juli. (WD.) 3n der Julian sgabe der bekannten Monatszeitschrift „Foreign Affairs" nimmt der Herausgeber der „Westminster Gazette", Hugh. F. Spender, in einer längeren beachtenswerten Ausführung erneut Stellung zur P f a l z f r a g e und weist nach, wie der Friedenswille der neuen französischen Regierung und ihre Defriedungsmaßnghmen (Amnestie für die politischen Gefangenen, Rückkehr der Ausgewre- senen) von der französischen Besatzungsbehörde, insbesondere General Dögoutte im Ruhrgebiet und General de Metz in der Pfalz, planmäßig sabotiert und durch neue Quartier- forderungen illusorisch gemacht werden sollen. Auch das Verhalten der Rheinlandkommission, die trotz der Proteste des englischen Vertreters lange Zeit als Werkzeug der französischen militaristischen Politik be- m. 165 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-Bezugspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold- pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten:An;eigerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Amerikas Bedingungen. Varis, 14. Juli. (WTD.) Die „Daily Man" (Pariser Ausgabe) veröffentlicht einen Artikel seines ame rikanrschen Korrespondenten über die AnLrnft Oven Boungs in London. Voung, der an der Konferenz teilnehmen wird, habe vor seiner Abreise nach Europa eine Tlnterredung mit Präsident C o o l i d g e, Staatssekretär Hughes, Mellon und General Dawes gehabt. Es sei über das Verhalten des amerikanischen Vertreters Kellog, des Botschafters in London, und Logans, der offiziösen Vertreters Amerikas auf der Londoner Konferenz beraten worden. Die Hauptpunkte, die auf der Londoner Konferenz ausernanderge- setzr werden sollten, seien folgende: Die Verein. Staaten wünschen, daß alle politischen oder militärischen Maßnahmen vermieden würden, die geeignet seien, den rem wirtschaftlichen Wert des Dawesplanes zu zerstören. Di" amerikanischen Anleihezeichner würden mit großem Mißvergnügen sehen, wenn militärische oder politische Aktionen den wirtschaftlichen Maßnahmen vorgezogen würden. Tie amerikanische öffentliche Meinung billigt den Sachverständigenplan nahezu einmütig. Wenn die Alliierten und Deutschland die loyale Durchführung des Dawesplanes beabsichtigen, so seidieTlnterstühungderVereinigten Staaten gesichert. Dagegen würde jedes Anzeichen einer Obstruktion, sei es von feiten Deutschlands, sei es von feiten der Alliierten, die Washingtoner Regierung unvermeidlich entmutigen, sich bei dem Wiederaufbau Europas zu betätigen. Was die Schuldensrage anbelange, habe die Haltung der Vereinigten Staaten sich nicht geändert. Diese Frage könne mit der Reparationsfrage nicht verknüpft werden. Die Vereinigten Staaten bedauern, daß, abgesehen von England, keiner ihrer Schuldner daran gedacht habe, seine Schulden zu konsolidieren. Immerhin werde aber keinerlei Druck ausgeübt werden, am wenig st enauf Frankreich Was die Vereinigten Staaten wünschten, seieinzigdieAn- erkennung der Verpflichtung. Die Meinung Amerikas. deutschen Volkes ent s chei den muß. brauche ich I nicht vor Ihnen und vor den westlichen Demokratien besonders betonen. Im Interesse der Befriedung Europas und damit auch der Alliierten selbst würde es liegen, dieser Sachlage durch die Art ihres Vorgehens Rechnung zu tragen. * Sie Reichsregierung vertraut darauf, daß der Reichstag in Erkenntnis der ungeheuren w.rl- schaftlichen Rotlage unseres Landes die Regierung in ihrem Bestreben unterstützen wird. De in einen anderen Weg, der uns aus dem wirtschaftlichen Elend, das täglich größer wird, herausführen kann, als die Durchführung des Each- versiändigengutachchens, seh» ich nicht. Ein Wort möchte ich an dieser Stelle auch einschalten über den in letzter Zeit wieder häufiger erörterten Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Eine Aeußerung von mir, der ich doch immer zu den Freunden eines wahren Völkerbundes gehört habe, ist in der Presse vielfach angegriffen und daran die Befürchtung geknipst worden. daß ich dem Bestreben des Auslandes, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund zu erleichtern. ablehnend undhindernd gegen- überstände. Das ist natürlich keineswegs der F^ll. Aber als Deutscher muß ich, für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als selbstverständlich voraussetzen, daß Deutschland Wohl und Ehre dabei in vollstem Maße gewahrt bleiben. An diesen außenpolitischen Sorgen haben wir. die wir ja den Kummer gewohnt sind, leider noch nicht genug. Die dem Reichsrat zugegangene Schutzzollvorlage droht auch zu lebhaften politischen Kämpfen zu führen. Man macht der Regierung den Vorwurf, daß sie diese Vorlage entgegen ihrem Versprechen beim Regierungsantritt eingebracht habe. Es gilt, die deutsche Landwirtschaft vor dem Untergang zu bewahren. Das ist keine Tlebertreibung, sondern leider eine ernste und bittere Wahrheit. Betonen möchte ich mir, daß es sich bei dem Schuh, den wir der Landwirtschaft eingedeihen lassen müssen, nicht um eine Frage der Landwirtschaft handelt, sondern um eine volkswirtschaftliche Frageallerer st en Ranges, an der das deutsche Volk das allergrößte und allerdringlichste Interesse besitzt. 1 ' Mit Kritik allein ist es nicht getan. Wer die Vorlage der Regierung bekämpft, muß auch sagen, was besseres an ihre Stelle gesetzt werden kann. Ganz übersehen sollte man bei der Erörterung auch nicht, daß die Regierung gleichzeitig mit den Schutzzöllen, die ja überhaupt erst in Kraft treten könnten, wenn nach der Durchführung des Sachverständigengutachtens das Loch im Westen geschlossen ist, auch eine Herabsetzung der Umsatzsteuer von 2l/s auf 2 Prozent beabsichtigt. Der dadurch entstehende Ausfall in der Reichskasse muß auf irgendeine Weise wieder hereingebracht werden und ich glaube, daß durch die Herabsetzung der Umsatzsteuer für die Konsumenten das Brot mehr verbilligt wird, als die Einführung von Schutzzöllen für Getreide zur Verteuerung beitragen kann. Ein offener Brief der D.N.V.P. an Dr. Stresemann. Berlin, 13. Juli. (WTB.) Die deutsch- nationale Presse veröffentlicht einen offenen Brief des stellvertretenden Vorsitzenden der d e u t s ch° nationalen Reichstagsfraktion an den Reichsauhenminister. In diesem offenen Briefe wird gesagt, die Antwort der alliierten Mächte auf die deutsche Rote vom 30. Juni in Sachen der Militärkontrolle lehne in dieser Rote die an die Zulassung der Generalinspektion geknüpften Voraussetzungen und Wünsche ab. Sowohl die deutscherseits angestrebte Verständigung über die Modalitäten der Generalinspektion wie auch das Ersuchen, als Schlußtermin der Inspektion den 30. Septeniber festzufetzen, würden zurückgewiesen. Die Alliierten beständen auf einer bedingungslosen Llnterwerfung. Demgegenüber wird an zuständiger Stelle betont, daß den deutschen Wünschen sowohl bezüglich der zunächst erforderlichen Verhandlungen über die Modalitäten der Kontrolle als auch bezüglich des in Aussicht zu nehmenden, Endterminsimwesentlichenentspro- ch e n ist. Die alliierten Regierungen versichern in ihrer Antwort, daß sie in älebereinstimmung mit der deutschen Regierung den Wunsch haben, die Kontrolle, wenn möglich, bis 30. September gum Abschluß zu bringen, und daß die Kontrollkommission mit allen Kräften dazu beitragen wird, diesen Wunsch zu verwirklichen. Die alliierten Regierungen versprechen ferner, daß die Modalitäten zur Durchführung der Generalinspektion in dem Geiste geregelt werden sollen, in dem die letzten Mitteilungen der alliierten Regierungen abgefaßt waren, und daß die Anregungen, mit denen die deutsche Regierung wegen dieser Modalitäten an die Militärkontrollkommission heran- treten werde, in diesem Geiste geprüft werden sollen. , , , , Der offene Brief bemängelt ferner, daß nach der Antwort der alliierten Regierungen auch die in der Rote vom 29. September 1922 aufgestellten fünf Punkte in die Generalinspektion einbezogen werden sollen. Dieser Teil der Antwort der Alliierten entspricht allerdings nicht dem Standpunkt der deutschen Regierung. Die Reichsregierung zweifelt indessen nicht daran, daß es gelingen wird, die Angelegenheit der fünf Punkte gelegentlich der Verhandlungen über die Modalitäten der Genera/- inspektion aus dem Rahmen dieser 2"" spektion auszuscheiden. Die fünf Punkte. Zur Orientierung des Lesers seien die strittigen 5 Punkte, die in der Rote dec Botschafter» konserenc vom 29. September 1922 als Forderungen der Entente Berlin übermittelt wurden Berlin, 13. Juli. (WD.) In der Presseabteilung der Reichsregierung fand gestern abend ein Empfang der deutschen Presse durch den Pressechef der Reichsregierung statt, zu dem der Reichskanzler und die in Berlin anwesenden Minister und Staatssekretäre erschienen waren. Der Reichskanzler führte dabei folgendes aus: Am schwersten lastet auf uns die Sorge umunsereWirts chaft, der wir nach langen Jahren des Leidens und der Enttäuschungen aus Grund des Gutachtens der internationalen Sachverständigen wieder Freiheit und Kraft zu;u- führen hoffen.. Ich muß leider feststellen, daß die Erwartungen, die in weiten Kreisen des deutschen Volkes nach dem Bekanntwerden der Vorschläge und Forderungen des Sachverständigengutachtens auskeimten vielfach wieder ernster Sorge ind Defürchtung Platz gemacht haben. Wir waren uns vom ersten Tage an darüber klar, daß die Durchführung des Sachverständigengutachtens nur möglich und wirksam sein könnte, wenn damit eine neue Aera des guten Willens und ehrlicher Verständigung nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch i n politischer Hinsicht einsetzen. würde. Von dieser Hoffnung war auch die deutsche Regierung getragen, als die Reparationstommissron; die Erklärung übermittelte, daß sie in dem Sachverständigengutachten eine praktische Grundlage für die Lösung des Reparationsproblems erblicke. Wenn Poincare in seiner letzten großen Rede vor dem Senat wirklich gesagt haben sollte, Deutschland habe noch nichts getan, um die Gesetze zur Durchführung des Gutachtens zustande zu bringen, so beruht das auf völliger Verkennung und Unkenntnis der Sachlage. Poincare hätte sich durchs Erkundigung bei den französischen Derhandlungsführern eines besseren belehren lassen können. Dec Geist, der uns bei diesen Arbeiten beseelt und den wir auch bei Fertigstellung des Gutachtens tätig sahen, ist der Geist offener und ehrlicher Verständigung und freier offener Aussprache. Mit Freude durften wir feststellen, daß auch in Frankreich, wo immer noch das meiste Mißtrauen gegen Deutschland herrschte, allmählich die Betrachtungsweise Boden gewann, die zu der Hoffnung zu berechtigen schien, daß nunmehr endlich die solange erstrebte und umtampfte Lösung des Reparativnsprvblems gelingen- würde. Die Londoner Konferenz sollte uns der Verwirklichung dieses Zieles näher bringen. Feststellen aber muß ich, daß durch die Pariser Abmachungen zwischen den Ministerpräsidenten Englands und Frankreichs manche aus die Londoner Konferenz gesetzten Hoffnungen ernstlich bedroht scheinen. Wenn der große Gedanke, in dem wir das Sachverständigengutachten durchführen zu können hoffen, wirklich lebendig wäre, dann müßte es auch für die siegreichen Rationen selbstverständlich sein, daß Deutschland, um dessen wirtschaftliche und nationale Existenz seit Jahren das Spiel geht, jetzt endlich als gleichberechtigter Partner zu den Verhandlungen zugelassen werden müßte. Denn wie sollte sonst das deutsche Volk, das zu jeder ehrlichen Verständigung oe- reit und entschlossen ist. noch weiter den Mut aufbringen, die ihm zugemuteten schweren Opfer aus sich zu nehmen, wenn es wiederum das nieder- drückende Gefühl hat, daß auch diesmal wie in den verhängnisvollen Iunitagen 1919 ihm von den siegreichen Machthabern das Schicksal diktiert wird? Wir wollen wieder vertragsmäßige Zustände, wir wollen wieder, daß der Versailler Vertrag und das Aheinlandababkommen voll in Kraft gesetzt werden und die Rechtsgrundlage bilden, auf der wir uns mit unseren ehemaligen Gegnern in ehrlicher Verständigung zu beiderseitiges Nutzen auseinandersetzen können. Wir wollen endlich wieder unsere nationale Freiheit und die Gleichberechtigung mit anderen Völkern. Die Bedingung, die die deutsche Regierung an die Durchführung des Sachverständigengutachtens knüpft, ist einzig und allein die, daß das Gutachten von allen beteiligten Staaten dem Inhalt und dem Geiste gemäß aufrichtig angenommen und durchgeführt wird. Eine andere Bedingung stellt die d^tsche Regierung nicht und irgendeine andere Voraussetzung für die Annahme des Gutachtens gibt e8 für he nicht. Inhalt Und Geist des Gutachtens der Sachverständigen fordern aber unserer Llebei-zeugung nach die Wiederherstellung eines ein'Edfceien Rechtszustandes und Schaffung all der Bedingungen und Erleichterungen, die zum Wiederaufleben dec deutschen Wirtschaft erforderlich sind Daß Über der Regierung der Reichstag steht und letzten Endes der Reichstag als Vertretung des 96 h ty 0 " s 2,-aaE 2, 'W; : 3 q l»t> I MH 'ME MM Mir ■?' = = SB Ms MS ' iw - JS - “* - 5^*0? -'M IW p 3 mm 3 o f» ■jWf ?-ädSt- Die grundsätzlichen Forderungen Deutschlands. Während die Vorarbeiten für die Durchführung dec Gesetze zum Sachverständigengutachten bereits soweit fortgeschritten sind, daß man schon für die allernächsten Tage mit einer endgültigen Verständigung innerhalb dec Organisatio.-iskomi- tej8 rechnen kann, sind die Fragen, die mit der Wiederherstellung der wirtschaftlichen und sis- kalischen Einheit Deutschlands Zusammenhängen, und die die Vorbedingung für die Durchführung des Gutachtens sind, größtenteils noch ungelöst. Tlnd doch hängen beide Fragen, die' Durchfüh- rungsgesehe zum Sachverständigengutachten und die Wiederherstellung dec Reichseinheit, eng zusammen, ja sie sind durch das Dawes-Gutachen felvsi gewissermaßen untrennbar miteinander verknüpft. Das Sachverständigengutachten macht die wirtschaftliche und fiskaliche Wiederherstellung Deutschlands zur Vorbedingung seiner Durchführung. Diese These muß immer wieder von deutscher Seite betont werden, und sie muß den Ausgangspunkt bilden für die Llntecsuchung der Frage, was eigentlich die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und fiskalischen Reichseinheit alles bedeutet, und was noch geschehen unb von Deutschland gefordert werden muß, damit dieses Ziel auch tatsächlich erreicht wird. Was die beiden ersten Punkte anfangt, so sind hier gewisse Fortschritte unverkennbar, indem drei Fünftel bet Ausgewiesenen die Rückkehrerlaubnis erhalten haben. Zu bedenken ist freilich, daß die Aufhebung dec Ausweisungen eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit ist. Mit dec Erlaubnis zur Rückkehr ist ferner das Ausgewie- senenproblem noch lange nicht gelöst, insbesondere mit Rücksicht auf die großen Schwierigkeiten in.der Wohnungsftage. Man könnte einwenden, die Reichsregierung hätte Maßnahmen treffen müssen, um durch Bau von Wohnungen diese Frage zu lösen. Demgegenüber muß erwogen werden, daß es für das Reich unmöglich war, im besetzten Gebiet zu bauen, weil die gebauten Wohnungen doch sofort von den Besatzungsbehörden beschlagnahmt worden waren. Die Wohnungsfrage kann also im wesentlichen nur durch, die freie Bautätigkeit gelöst werden, und es muß hier als besondere Erleichterung betrachtet werden, daß die Reichsbahn- und die Reichspostver- waltung zu diesen Zwecken mehrere Millionen aus ihren Mitteln zur Verfügung gestellt haben. Was die Räumungsfrage betrifft, so steht die Reichsregierung und hinter ihr zweifellos die weitaus überwiegende Mehrheit des deutschen Dolles auf dem Standpunkt, daß die Räumung des gesamten neubefehten Gebietes mit dec endgültigen Lösung des Dawes-Gutachtens untrennbar zusammenhängt, und zwar muß nicht nur die Räumung des Ruhrgebietes, sondern auch des Sanktionsgebietes erfolgen. Seiber sind gerade hinsichtlich dieses letzten Punktes noch erhebliche Schwierigkeiten seitens der Besatzungen zu erwarten. Eine ebenso schwierige Frage dürfte die Räumung der Kölner Zone fein, deren vertragsmäßige Desehungsfrist am 10. 1. 1925 abläuft. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß diese Räumungsfrist unbedingt imie- gehalten werden mu&. Hinsichtlich der speziellen Wiederherstellung d^r deutschen Wirtschafts- und Verwaltungseinheit im besetzten Gebiet kann Deutschland ferner auf die Erfüllung dec nachfolgenden Forderungen keinesfalls verzichten: 1. Vollständige Rückgabe dec Regiebahnen. 2. Wiedererrichtung des Reichskommissariats in Koblenz. 3. Aushebung der Zollgrenze. 4. Garantien gegen eine weitere ünterftütjung der Separatisten durch die Besahungsbehörden. 5. Verschwinden der französischen Propaganda im besetzten Gebiet, des Koblenzer und Düsseldorfer Rachrichiendiensies usw. 6. Volle Wiedererrichtung der deutschen Verwaltung und Justiz. w _ * 7. Abbau des angemaßten Veto-Rechtes der Desahungsbehörden bei dec Ernennung deutscher Beamten. , , . 8. Aufhebung der über das Rhernlandabkom- men hinausgehenden Ordonnanzen. 9. Beseitigung des über das Rheinlandab- kommen hinausgeAnden und in die deutsche Verwaltungshoheit zu Unrecht eingreifenden Dele- aiertenappacates. _ „ 10. Garantien gegen die Willkür der De- satzungstruppen und dec Kriegsgerichte. 11. W i edereinführung des Beschwerderechtes für die deutschen Bürger. 12. Garantien für Innehaltung der Politischen Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit. 13. Verminderungen der Desahungstruppen auf die im Versailler Vertrag vorgesehene Starke auf 70 000 Mann. 14. Entfernung sämtlicher farbigen Truppen. Allerdings muß befürchtet werben, daß diese deutschen Forderungen sichel den b^vrstehcm- den Verhandlungen nur mit schweren (Reibungen werden durchführen lassen zumal ia gerade t dieser Richtung durch die bisherigen DesPrechun gen zwischen England und Frankreich durchaus keine klare Lage grichaffen ist. Defien ungeachtet muß erwartet werden, daß die deutsche Legierung an diesen Forderungen festhält, indem sie dabei immer wieder von dem Grundgedanken ausgeht daß bei allem guten Willen Deutschlands das Dawes-Gutachten nur durchgefuhrt voecden kann wenn Deutschland auch nach dec wirtschaftlichen und politischen Seite das Maß von Vielheit tokbererbäit. das es braucht, um seine Kräfte poll entfalten zu können. •sirr-p* w S nCV? § -'l P V ■Pi?? s Sw Ms L-72.-S SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrnck und Verlag: vrühl'sche Ilniverfitälr-Buch- nnd Steindruckerei R. Lange in Lietzen. Schristleitung und S-schäst-ftelle: Schnlftrahe 7. - • c, 0 HM "Utzt toortxsijM, wär« nicht geeignet, die Befriedung zu fördern. Immer noch erlasse sie Ordonnanzen zur Bedrohung und Unterdrückung der rheinischen Bevölkerung. Wenn auch die im Jahre 1923 von dem französischen und belgischen Oderkommissar allein erlassenen Ordonnanzen ungesetzlich feien, so dürfte deswegen die britische Regierung nicht untätig beiseite stehen und ihre Hände in Unschuld waschen Sie trage vielmehr für die R ü ck- gängig machung der nach ihrer eigenen Auffassung ungültigen Anordnungen, insbesondere der Ausweisunge n. eine rechtliche undrno- ralische Mitverantwortung. Alle Geldstrafen, Gefängnisstrafen und Ausweisungen seien unter der Firma „Interalliierte Rheinlandkommission" sowohl im Ramen Frankreichs w i e a u ch Englands verhängt worden. So habe ja der Provinzdelegierte für die Pfalz, General de Metz, ausdrücklich erklärt, auch der Der- treterdesKönigsGeorgin derPfalz zu sein. Damit suche der General für die Fortsetzung seiner auf Lostrennung der Pfalz von Bayern und Reich gerichteten -Stele eine Deckung durch die englische Regierung vorzutäuschen und alle Proteste Deutschlands mit diesem Hinweis abzutun. Das Herz des ganzen Problems sei die Rheinlandkommissivn. Die Stellung Englands fei zu einer demütigenden Farce geworden. Es fei |$u hoffen, daß die Regierung Macdonalds jetzt auf dem Stimmrecht Englands in der Kommission besteht. Eine strenge Linie der englischen Politik in dieser Richtung würde auch den De- friedungsabsichten Herrrots dienen, da er grobe Schwierigkeiten habe, die französischen Generäle, die bisher die französische Politik geführt hätten, zur Vernunft zu bringen. Neue Uebergriffe. Der Kampf gegen das deutsche Lied. Barmen, 13. Juli. (WTD.) Die Mitglieder eines hiesigen Louristenvereins, die einen Ausflug ins besetzte Gebiet unternommen hatten, sangen bei ihrer Rückkehr im Eisenbahnabteil auf dem Bahnhof Vohwinkel ein Lied nach der Melodie „Heil dir im Siegerkranz". Die auf dem Bahnhof anwesenden Franzosen sahen in dem Gesang eine Herausforderung und nahmen die Sänger fest- Der Vorsitzende des Vereins Schneudt und die Mitglieder Dingel und Schmitz wurden vom französischen Polizeigericht zu 15 bzw. 20 Tagen Gefängnis, ein weiteres Mitglied zu einer Geldstrafe von 100 Goldmark verurteilt. Das Militär beschlagnahmt weiter. Landau, 13. Juli. (WB.) Hier sind wiederum 6 neue Wohnungen beschlagnahmt worden, dagegen stehen leer rund 40 beschlagnahmte Zwei- und Drei-Zim- merwvhnungen in den militärischen Gebäuden. Äußerem wurden zur Vergröberung der Militärwäscherei wieder neue städti- scheGebäudebeschlagnahmt. S_, Neue Zeitungsverbote. Koblenz, 13. Juli. (WTD.) Die Rheinlandkommission hat die Veröffentlichung „Deutsche Erneuerung", sowie die Sonderausgabe der „Woche" „Tutankhamen im besetzten Gebiet" endgültig und für immer verboten. Das „Völkische Echo" in Nürnberg, die „Mannheimer Rundschau" in Mannheim wurden für einen Monat verboten. Die schwarze Landplage^ - Höchst a. M., 12. Juli. (Wolff.) Gestern «bend gegen 11 Ähr überfielen auf der Land- Krabe von Höchst nach Mainz in der Nähe von Sindlingen z we i Marokkaner, die sich ün Chausseegraben verborgen hatten, einen nach Hause gehenden Arbeiter, verhinderten ihn, durch Vorhalten der Hände, nach Hilfe zu rufen, zogen ihn in den Graben und begingen an ihm ein schweres Sittlichkeitsverbrechen. Die Täter konnten wegen der herrschenden Dunkelheit unerkannt entkommen. Man „requiriert“ Laienrichter. Derlin, 12. Juli. (WTD.) Nachdem die auf Antrag der Interalliierten Rheinlandkommission von der Handelskammer Mainz als Dei- sitzer und stellvertretender Deisitzer beim gemischten Eisenbahnschiedsgerrcht vorgeschlagenen deutschen Laienrichter die Ueber- nahme dieser Aemter abgelehnt hatten, ist beiden Herren französischerseits eröffnet worden, dab sie sich als „requiriert" za betrachten hatten und dab die Entscheidung der Rheinland- kommission als Befehl aufzufassen sei. Dieser neue französische Äebergriff findet weder in den Verordnungen der Rheinland.ommission noch Das Ende vom Lied. Don Julius Knopf. Professor Emil Seelachs, eine bekannte Autorität auf dem Gebiete der Insektenkunde, sab an seinem Schreibtisch, bequem in einen Lehnsessel zurückgelehnt, und rauchte. Mit (Behagen gab er sich dem Genuss« der geliebten Zigarre hin. Da plötzlich wurde er seiner Ruhr entrißen. Die Türe zum benachbarten Schlafzimmer flog auf und herein stürzte seine Frau, bleich, aufgeregt, mit verstörtem Gesicht. In der Hand hielt sie ein leichtes, wollenes Frühjahrskleid, das sie erst im vergangenen Jahr« für teures Geld erstanden hatte. Sie jammerte: „Emil, ich bin sprachlos!" „Das höre ich," sagte der Professor, der sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen lieh. „Loch setze dich, liebe Johanna, und rege dich nicht so auf, denn das ist schädlich." Die liebe Johanna warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Da soll man sich nicht aufregen! Aber so seid ihr Männer! Wenn ihr eure Zigarren raucht, so kann euretwegen nicht nur die Welt untergehen, sondern« auch eure arme Frau!" Der Professor erhob sich, tat noch einen kräftigen Zug aus der Zigarre, legte sie auf die Aschenschale, streichelte seiner Frau d e fleischigen Wangen und sagte: „Aber Johanna, wie ich sehe, steht die Welt augenblicklich noch, du aber auch. Seh' dich, bitte, das besänftigt die Nerven." Mit leichter Gewalt nötigte er die Gattin tn seinen Lehnstuhl: „Also, nun schiebe los! Sage mir, was hat dich denn so aufgeregt?" „Eine Motte!" flüsterte sie. Befremdet sah der Professor die Gefährtin seiner Tage an. „Wenn's weiter nichts ist. Motten sind doch ganz niedliche Tierchen." im Rheinlanoavlommen irgend welche Rechtstitel. Das Verhalten der französischen Desahungsbe- hördc in Mainz ist ein weiterer Beweis für die planmässige Sabotierung der Defriedungs- absichten der neuen französischen Regierung durch ihre Funktionäre im besetzten Gebiet. „Zwischenfälle" in aller Welt. Japan gegen Amerika. N eu York, 13. Juli. (WB.) Nach einer Meldung aus Mexiko hat die japanische Regierung die Vereinigung der mexikanischen Handelskammern in einem Schreiben ersucht, ihr Produzenten namhaft zu machen, bei denen Rohmaterialien bestellt werden könnten, die früher aus den Vereinigten Staaten von Amerika bezogen wurden. Pöhner dienstentlassen. München, 12' Juli. (Wolff.) Das heute von der Disziplinarkammer München in dem Verfahren gegen Oberlandesgerichtsrat Pöhner verkündete .Urteil lautet auf Dienstentlassung. Ein Attentat gegen Zaglul Pascha Kairo, 12. Juli. (WTD.) Zaglul Pascha, der ägyptische Ministerpräsident, ist bei seiner Abreise nach Alexandrien auf der Eisenbahnstation durch einen Revolverschub in die Brust leicht verwundet worden. Der Täter wurde verhaftet. Nach einer Reutermeldung aus Kairo ist der Attentäter ein 20jähriger Student, der im letzten Monat von Derlin nach Kairo zurückkehrte. Nach dem Attentat versuchte die Menge den Täter zu lynchen, wobei er verletzt wurde. Die Polizei muhte gegen die Menge einschreiten. Ein Zusammenstoß in Indien. Hindus gegen Mohammedaner. London, 13. Juli. Reuter meldet aus Delhi, daß es in der Stadt zu einem Z u s a m - menst ob zwischen Mohammedanern und Hindus gekommen ist, wobei mehrere Personen getötet wurden. Die Ordnung ist zwar wieder hergestellt, doch sind die Läden noch geschlossen. Die Unruhen sollen darauf zurückzuführen sein, dah ein mohammedanischer Knabe aus einem (Brunnen geschöpft hatte, wogegen sich die Hindus widersetzten und den Knaben tvtschlugen. Die Revolution in Brasilien. Das Ziel: Eine Militärdiktatur. Paris, 13. Juli. (WTD.) Nach einer Havasmeldung aus Duenos Aires verliehen die Rebellenführer Sao Paolo, um sich nach Santos zu begeben. Sie hatten den Gouverneur von Sao Paolo gefangen genommen. Die Regierung sei gezwungen worden, das Regierungsgebäude zu räumen. Der Führer der Rebellen, General Lopez, erklärte, die (Belegung richte sich gegendieBundesregie- rung. Er sprach den Wunsch aus, dah die anderen Staaten sich ihm anschliehen möchten. Der Präsident der Republik hat eine Botschaft an das Volk erlassen, worin er dieses zur Ruhe auffordert. Deutschlands Aufwendungen für die Kriegsbeschädigten. München, 13. Juli. (WTD.) Der Reichsverband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen ist heute zu seiner ersten ordentlichen Tagung zusammengetreten. Die Verbandstagung wurde von Geheimrat Kerschen st einer namens des Reichsarbeitsministeriums und von Ministerialrat Gersler vom Sozialminrstenum namens der Staatsregierung begrübt. Ministerpräsident Dr. Held hatte schriftliche seine Wünsche übermittelt. Der Terbandsvorsitzende Decker- Leipzig erläuterte die Forderungen, die der Verband an die Regierung stellt. In der Aussprache nahm Geheimrat Kerschensteiner das Wort und wies die gegen das Reichsarbeitsministerium in der letzten Zeit erhobenen Vorwürfe zurück. Insbesondere wandte er sich gegen die Behauptung, dab im letzten Jahve ein Rentenabbau erfolgt sei. Ec stellte vielmehr fest, dah die Bezüge durchweg höher sind als im Jahre 1920. In Erläuterung der Leistungen dec Kriegsbeschädigten- und Hinter- bliebcnenfürsorge betont er, dab die gesamten Ausgaben nach dem Stande vom 1. Juni dieses Jahves 7100 Millionen Goldmark betragen und dah dies ungefähr ein Achtel der Einnahmen des Reichshaushaltes ausmache. „Auch wenn sie mein gutes Wollkleid zerfressen, diese gemeinen Bestien?" „Mutti, Motten wollen doch auch leben," meinte Joachim, der jüngste Sproh des Hauses Seelachs, der in diesem Augenblick in das Zimmer getreten war und den letzten Teil der Unter- haltung mit angehört hatte. Für diese edle Anwandlung, di» er feinem Sohne hoch anrechnete, schien die Mutter kein Verständnis zu besitzen. Eie versetzte ihm einen Dackenstreich, worauf sich Joachim krampfend entfernte. „Mer Johanna," meinte der Professor vorwurfsvoll, „warum hast du denn den Jungen geschlagen? Er hatte doch ganz recht. Der Zweck aller lebenden Wesen ist nun mal, zu leben. „Warum also sollen Motten nicht auch leben wollen?“ Sein Belehrungsversuch prallte an ihrem Zorn ab. „Gut, mögen sie leben, aber nicht ausgerechnet von meinem Wollkleid." Er suchte zwischen feiner Frau und den Motten zu vermitteln. „Liebste, dafür kann doch di« arme Motte nichts. Tierische Wolle ist nun eben ihre Leibatzung." „Das merk ich: ganz zerfressen ist das teure Kleid von diesen elenden Bestien." Nun hielt es der Professor für geraten, die entomologischen Kenntnisse seiner Frau zu bereichern. „Liebe Johanna," belehrte er sie, „sage nicht Bestien. Du hast dieses ebenso häßliche wi« unzutreffende Wort schon einmal gebraucht. Du irrst, Motten sind keine Bestien. Motten gehören zum munteren Volk der Schmetterlinge und bilden eine eigene Familie der Grupp« Mikrolepi- doptera. — Ich als Lepidvptervloge sage dir—" Frau Professor Seelachs, die für die Gelehrsamkeit ihres Mannes kein Interesse zeigte, Aus Stadt und Land. Gießen, den 14. Juli 1924. Georg Michaelis. Don der Gießener Theologenschaft wird uns geschrieben: „Deutschlands Aufgabe und Zukunft!" Wer hoffte nicht doch, trotz allem, was geschehen ist? und noch immer geschieht, auf die Zukunft, auf Deutschlands Zukunft? Wer glaubte nicht zugleich an seine Aufgabe? Mer — wen sähe man nicht gleichzeitig dl« Achseln zucken und hörte ihn resigniert sagen: Wozu das Reden? Man hat sich schon zuviel, allzuviel schön« Worte, blendende Ideale, wunderbare Programme und oft genug phantastische IlMsionen anhören müssen. Wer kann leugnen, daß das Heer der unberufenen Propheten ins llfertof« wächst? (216er, wenn nun am kommenden Donnerstagabend der ehemalige Reichskanzler D. Dr. M i - chaelis über „Deutschlands Ausgabe und Zukunft" zu uns sprechen wird, so redet da nicht ein Schwätzer, nicht ein wohlmeinender, aber doch weltfremder Idealist, sondern ein Mann, der die tiefe und eindrmgende Erfahrung eines ganzen Lebens „Für Staat und Volk" — so überschreibt er das Buch! seines Lebens — hinter sich hat, ein wirklich (Berufener. Als Sohn einer einfachen Warntenfamilie 1857 in Schlesien geboren, hat er schon in seinem Eltern hause den Geist eingeatmet, der später fein ganzes Leben bestimmt bat, den Geist des hm- gebenden und aufopfernden Dienstes für Volk und Staat. Damit war von vornherein die Richtung seines Berufes bestimmt. Nachrseinen juristischen Studien in Leipzig, Würzburg und Breslau und nach seiner ersten Staatstätigkeit als Referendar und Assessor erging an ihn der ehrenvolle Auftrag, als deutscher Hochschullehrer nach Japan zu gehen. In dieser Stellung wirkte ec von 1885—89. Die Tätigkeit im Ausland schärft« ihm den Blick für die großen Zusammenhänge des Völkerlebens. Dort 'erlebte er überzeugend, was deutscher Geist im fernen Osten geschaffen hatte. Dort lernte er aber auch scharf erkennen, was oft eine falsche Politik wieder verdarb. Und gerade dieser unbestechliche Blick für die Wirklichkeit der Tatsachen ■ rückt diesen Mann aus dem Schwarm der Nur-Theoretiker heraus. Es entspricht seinem tiefsten Wesen, daß er seinem Buch „Für Staat und Volk" die Worte voran- gesetzt hat: „Die Wahrheit macht mich frei!“, die Wahrheit, die Licht und Schatten in gleicher Weise zu sehen lehrt, und die sich weder zum oberflächlichen Schönsärben noch zum entmutigenden Schwarzsehen verleiten läßt. Das gerade brauchen wir heute. — ! Nach Deutschland zurückgekehrt, zog es ihn in die staatliche Derwaltungstätigkeit: Rheinland. Westfalen und Schlesien waren die Etappen seines auf steigenden Derufsweges. Nicht Streben nach Ansehen und Ehre, sondern wahrhaft soziale Gesinnung und Drang zu tätigem Helsen waren die treibenden Kräfte seines gesamten Wirkens. Die Ueberwindung der furchtbaren Folgen der Oder-Hochwasser-Katastrophe 1903 und die großzügig« Regulierung des Oderstroms war die groß« Tat für seine Heimatprovinz. 1909 berief man ihn ins Finanzministerium. So reifte er heran für die gewaltige Aufgabe, die er während des Krieges im Dienst« des ganzen Volkes leisten sollte: die Organisierung der Abwehr der Hungerblockade. Man muß das betreffende Kapitel seines Buches gelesen haben, um einen Eindruck zu erhalten von dem ungeheuren Maß an Schwierigkeiten und Entsagungen, di« solche Arbeit mit sich brachte. Sv wurde er z. D. der Schöpfer der vielbeschimpften und doch vor der Hungersnot rettenden Brotkarte. Im Juli 1917 berief ihn der Kaiser auf den Kanzlerposten. Nicht aus Ehrgeiz, wie er selbst sagt, nahm. er dieses verantwortungsreiche Amt an, sondern weil er zu der Ueberzeugung kam: „Cs muß einer in den Riß springen." Es lag in seinem geraden, offenen», zur Tut drängenden Wesen tief begründet, dah er mit dem nur auf fruchtloses Reden und Kritisieren eingestellten Parlament keine innere Fühlung gewinnen konnte. So blieb er nicht lange in diesem Amte. Noch einmal diente er dem Volke als Oberpräsident von Pommern in den gärenden Jahren 1918/19, in schlichter Hingabe und verständnisvollem — wahrlich nicht leichtem — Eingehen auf di« Schwierigkeiten der Lage. Aus dem Staatsdienst ausgeschieden, konnte er dennoch nicht rasten. Von nun an galt sein Wirken der deutschen Studentenschaft. Er hat die Hilfe des Auslandes für die Not der studierenden Jugend großzügig zu organisieren gewußt. Niemand wird sich dem Urteil entziehen können, dah dieser Mann, der die staatsmännische Erfahrung eines ganzen Lebens hinter sich hat. der mit der Weite seines Blickes einen unbestechlichen Wahrheitssrnn verbindet, der ein so wurde ungehalten. „Lah doch die geschwollenen Ausdrücke, Lipi — Lapid —" Sie gab den Kamps mit dem holperigen Wort aus, galant half er aus. „Lepidopterologe, was soviel bedeutet, wie ein Schmetterlingskundiger, und unter diesen ist die Tinea farcitella. die fatale Kleidermotte, dein spezieller Feind." Seiner Frau schienen die wissenschaftlichen Aufklärmrgsversuche durchaus nicht zu imponieren. „So lah mich doch endlich mit dem dummen Zeug zufrieden! Die Hauptsache ist, dah deine sogenannten Schmetterlinge mir das Kleid ruiniert haben." „Oa, mein« Liebe, hättest du den Rat der Weisesten der Weisen befolgt, so würde dir das nicht passiert fein.“ 8rau Johanna sah ihn verständnislos an. „Drücke dich gefälligst deutlicher aus." „Wie heiht es doch! Sammelt euch nicht Schätze, die der Rost und di« Motten fressen und denen die Diebe nachgraben." Der Herr Professor hatte eine wunde Stell« berührt. Wie jede Frau, so war auch sie der Meinung, nur das Allernotwendigst« an Kleibern zu besitzen. Sie öffnete die Tür zum Schbas- zimmer, zerrte ihren Mann hinein und zeigte auf den geöffneten Kleiderschrank, der vollgepfropft mit Kleidern hing. „Sind das etwa Schätze — .die Paar Fähnchen? Oder soll ich im Badekost üm umher laufen?" Kühl erwiderte der Professor: „Ich habe nichts dagegen, vom Billigkeitsstandpuntt billige ich das vollkommen. Aber ich fürchte, di« Sipo wird es nicht erlauben." Die Frau Professor schien mit ihren Gedanken schon wieder bei den Motten zu sein, denn ganz unvermittelt klagte sie: „Da habe ich nun alles getan, zur Vertreibung dieser Bestien —" 1 warmes Herz und eine so tatfrohe Hand für all« Volks not hat, uns allen etwas zu sagen hat. Werner Kehler, stud. theol. * ** Ernennung. Der Oberregierungsrat bet dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft G u st. Decker zu Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1924 an zum Ministerialrat bei diesem Ministerium ernannt., ** Sparprämien bei den Spar-« .k a s f e n. Der Hessische Sparkassen- und Giroverband hat aus seinem Gewinnanteil bei der Hessischen Girozentrale Darmstadt 52 000 Goldmark für 1007 Sparprämien zur Verfügung gestellt, deren höchste 2000 Goldmark, deren niedrigste 40 Goldmark beträgt. Mit den Prämien sollen noch vor Weihnachten diejenigen hessischen Sparer bedacht werden, die bei irgendeiner hessischen öffentlichen Sparkasse, also beispielsweise bei der Bezirksspar- kasse Giehen, am 1. Oktober 1924 ein Guthaben von mindestens 50 Goldmark, am 1. Dezember 1924 ein solches von mindestens 80 Goldmark besitzen. Es genügt also Öfe Einzahlung von etwa 4 Mk. pro Woche, von etwa 17 Mk. pro Monat, um die gestellte Bedingung zu erfüllen. Die Einlagen werden in der gleichen Weise wie alle übrigen Spareinlagen verzinst; außerdem wird ihre Wertbeständigkeit garantiert. Es handelt sich also nicht um eine Lotterie, bei welcher der eingezahlte Betrag für die meisten Loskäufer verloren ist. Hier bleiben die Beträge mit Zinsen in jedem Falle den Sparern erhalten. Sie haben aber außerdem die Chance, mit einer Prämie bedacht zu werden. Diese Chance ist ganz erheblich größer, als sie bei Lotterien zu sein pflegt. Wenn man annimmt, daß, 20 000 Sparer für die Verteilung in Betracht kommen, dann würde schon jedem 20. Sparer eine Prämie zufallen. In dem Werbeblätt heiht es mit Recht, daß alle Enttäuschungen nicht zu dem gänzlich verfehlten Entschluß verleiten dürfen: Ich spare nicht mehr. Sparen ist für jedes Kulturvolk eine Naturnotwendigkeit. Eine Volksgemeinschaft ohne Sparer ist dem (Untergang geweiht. Wir müssen eben wieder von vorn anfangen, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen. Die Auslosung wird Anfang Dezember vor einer auS Mitgliedern des Vorstandes des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes gebildeten Kommission in Gegenwart des Staatskommis- sars der Hessischen Girozentrale und von Pressevertretern stattfinden. ** Zirkus Mark. Für di« Eröffnungsvorstellung am Samstag abend hatte der Zirkus Mark ein gutes Programm vorgesehen. Die Leistungen waren durchweg gut, namentlich zeigten die Dressuren des Pfeichematerials und die Hundedressuren eine gute Schule. Hervorragend waren die turnerischen Leistungen. Der dreifache Drahtfeilakt der Geschwister Mark, Athe Barbers Kunst und Komik am dreifachen Reck und die vier Bentos als Schleuderbrettakrobaten boten außergewöhnliches. Als komischer Jongleur zeigte Petersen fein Bestes. Den humoristischen Teil besorgten die Clowns in bester Weise und fanden den üblichen starken Beifall. Den Freunden der zirzensischen Kunst kann der Besuch des Unternehmens empfohlen werden. Bornotizen. — Lageskalender für Montag. Vortrag von Dr. h. c. Meesmann: „Volkswirtschaft und Ertragswirtschaft" nachm. 5^4 Uhr im großen Hörsaal der Universität. — Rundfunk- Haus, Löberstraße: Musikabend. — Lichtspielhaus, (Bahnhofstraße: „The Kind" und „Taras Du Iba". * Kreis AlsfeW. fpd. Alsfeld, 13. Juli. Ein junger Mann brandschatzt augenblicklich oberhessische Finanz- und Gemeindebeamte dadurch, daß er ihnen ein in einem Frankfurter Verlag erschienenes Buch über Buchführung und Steuern, angeblich im Auftrage des Finanzamtes Lauterbach für einen ungewöhnlich hohen Preis aufdrängt. Der Schwindler übergibt den Beamten das — feine zoologischen Belehrungen waren auf unfruchtbaren Boden gefallen — „aber es hat nichts genutzt, weder Kampfer noch Pfeffer, noch Terpentin, noch Naphtalin, sogar mit Knoblauch habe ich es versucht! Und du — da stehst dabei, als ob dich die ganze Sache nichts angeht. Cs ist zum Verzweifeln.' „Verzweifle mcht, Johanna," erwiderte der Professor Seelachs mit Würde. „Cs gibt zwei historische Mittel gegen Motten. So sagt Plinius, man brauche die Kleider nur auf einen Sarg zu legen, um sie für immer vor den Zähnen der Motten zu schützen. Doch diese Prozedur wird 'dir wenig synrpathisch sein. Dagegen die zweite vielleicht, die der Araber Rases empfiehlt. Er meint nämlich, daß di« Motten nicht in di« Kleider kämen, wenn man selbige in di« Haut eines Löwen wickele. Gut, damit du meine Liebe erkennst, werde ich auf der Stelle nach Afrika gehen, um Löwen zu jagen, und dir deren Haut bringen. Mehr kann ich wahrlich nicht für dich und deine Garderobe tun! Also bist du nun beruhigt?" Die Frau feiner Liebe sah ihn prüfend an, mit einem Blick, der bedeutete: „Bei dir ist's mcht ganz richtig, mein Lieber, man wird dich auf deinen Geisteszustand 'untersuchen müffen!" Und in dieser Voraussetzung erwiderte sie: „Ja, ich bin beruhigt. Das Kleid hier" — verächtlich warf sie es in di« Ecke — „ist ja sowieso schon unmodern. Gestern ist das Honorar von deinem Verleger gekommen Ich werde mir davon dreihundert Goldmark für ein neues Kostüm nehmen." Der Herr Professor Seelachs machte ein verdutztes Gesicht, runzelte die Stirn, kratzte sich hin'-' term Ohr und sagte mit starker Stimme: „Kriegst die Motten!" k' 4and ,u ’^faQn* bei ^^dv'ai 'Mein tonL'n»o<« Ä'7?iw. Ir* Ä .“ SttttHrt »^ägt. Hj, f« 7'^. di- Ä °"°-- . iy24 ein ®uta LS»w 80 Elodie Einzah- von ettüa ^ltellte Dedin. agen werden in * Sparein. 110 chre Wert- sich ^rderein. tcn Lvskächrver-- Zinsen «Wn. Liehn- ‘■^nc< mit einer D'ese Chnno? ist ie bei Lotterien :n annimm, daß, «Teilung in De° tbe schon jedem fallen. In dem chi, daß M 6nts äazlich dersehlten lpan nicht ! ^Mrvvll eine Volksgemeinschaft Mg geweiht. Wir 'n anfangen, wenn i vollen. DieAus- rber vor einer aus >cs des Hessischen .andes gebildeten des Llaaiskvmmis- IenttaK und von für die Ewffmmas- !nd hatte der Zicks Vorzeichen. Die Lei« :. "amemlich zeigten -j.-eriati und Die fjule. ^croorragenb igen. Per breifacfre art, Ache DarberS hen Ä«! und die ellakrotatm böten >ct Jongleur zeigte ^inorillischm Teil ■ Weile und sanden Den Freunden der esuch der Hnternch* !N. für Tlontag. «mann: .MtDirfr nachm. 5h .$rtm -ntät - Aundfunk« - Lichtlpirlhaus, Md.Tanls Dulba". eld. 3uIL Ein junger icklich obechessische inte dadurch, H •ffurtcr Verlag er- chführungund Aufllage des Fl" für einens nv Brandt. ^n^amte^^ ' n waren aufun- 3 v. ,. ä tat nichts - ü^L nt>j Ter* \ , dabei, a» J *9 r-ftt M *ttv ;hn prüfend,^ 1 dir M» auf n "J. 3a. w ■!■’ ' i Jdo sch'" ja deines" r rMPon mir 7 • nv per* « entert« 5 irma, ’ >vet - fjat Pli* ? auf -inen den SM rx l •’* J -T/t/rcaen oie ) 7' J“ Mi in dre iSy: 8. TJS.’S no o-r . 4jjr bi® . r -t ?L M" ► Dwy mn Dem •-oemenen, wer dos tvucy nicht nehme, müsse in den nächsten Tagen vor dem Finanzamt Lauterbach zur Entgegennnahme DeS Buches erscheinen und außerdem eine 'Strafe von 50 Goldmark entrichten. Zahlreiche Beamte sind unbegreiflicherweise dem geschäftstüchtigen .Schwindler bereits zum Opfer gefallen. • Lehnheim, 12. Juli. Handwerksburschen haben bei einem hiesigen Einwohner einen Einbruch verübt. Sie sind durch den Stall in das verschlossene Haus eingedrungen und haben einen guten Anzug, eine Uhr mit Kette, eine goldene Uhrkette, etwas Lebensrnittel und Geld (etwa 8 Mk.) mitgenommen. Die Diebe kamen von Grünberg und sind durch das Dorf nach Atzenhain zu gewandert. Hessen-Nassau. Frankfurt a. M., 12. Juli. (WTD.) Ein Kleeblatt hatte sich zusammengefunden, um die Herstellung und den Vertrieb von Eisenbahnwertzeichen (Reifesparkarten) zu versuchen. Alle Vorbereitungen waren bereits getroffen, um das Geschäft in Gang zu bringen. Doch griff die Eifenbahn- Kriminalpolizei rechtzeitig ein und nahm die Geschäftsteilhaber fest. Leider ist auch eine hiesige Firma in die Angelegenheit verwickelt, die auf die bloße Angabe eines sich als Eisenbahnbeamter vorstellenden Schwindlers hier ohne weiteres zwei Amtsstempel angefertigt und geliefert hat. spd. Frankfurt a. M., 13. pult Sn einer der letzten Rächte wurden aus einer Gärtnerei an der Eschenheimer Landstraße etwa 300 Zierbäume, besonders Lebensbäume, gestohlen. Don den Dieben fehlt bisher jede Spur. — Die M'tagspause des Personals benutzten Samstag Einbrecher zu zwei überaus frechen Einbrüchen am Rohmarkt. Zunächst drangen sie in bte Verkaufsräume der Elektrizitätsgesellschaft und stahlen hier die Geldkassette samt pnhalt. Dann erbrachen sie die Geschäftsräume einer Dettenhandlung in der Großen Gal- lusstrahe, entnahmen der Baben taffe 1000Gold- mark und von den Auslagen eine große Menge Stoffe. Beide Einbrüche wurden von dem gerade in der Mittagsstunde die beiden Plätze stark passierenden Publikum nicht bemerkt. — Sn dem vormittags 9.36 Ähr von hier abgehenden O - Z u g e nach Basel wurde vor einigen Tagen, wahrscheinlich zwischen den Stationen Appenweier und Offenburg, auf eine Dame ein Raubüberfall versucht. Ein etwa 25—30jährige Mann m Frauenkleidern versuchte die Dame mit einem süßlich riechenden Mittel zu betäuben, um sie dann zu berauben. Er wurde aber, da die Reisende nicht sogleich einschlief, an feinem Vorhaben gehindert und verschwand. Dis jetzt konnte der Eisenbahnräuber nicht ermittelt werden. — Nicht weniger als fünf Reisende, die heute früh mit dem O-Zug aus Hamburg hier eintrafen, wurden Samstag abend auf dem Hamburger Hauptbahnhof von Dahnhofsdieben beraubt. Sn der Hauptsache waren es Damen, denen die Diebe die Handtaschen abgeschnitten hatten. — Sn der Nacht zum Samstag wurde die in der Friedberg. Landstraße belegene viergeschossige Celluloidwarenfabrik von Schwab u. Freh durch einen Brand völlig eingeäschert. Die Feuerwehr konnte sich lediglich auf die Erhaltung der schwergefährdeten Nachbargebäude beschränken und den Brandherd selbst wegen der giftigen Dämpfe, den den brennenden Celluloid- maffen entströmten, nur mit größter Mühe erreichen. Sämtliche Maschinen wurden vernichtet, so daß an eine Wiederauf nähme des Betriebs vorerst gar nicht zu denken ist. Am Samstag abend gegen 11 Ähr loderten aus dem Brandherd die Flammen abermals hoch auf, so daß die Feuerwehr noch einmal eingreifen und die Trümmer unter Wasser sehen mußte. Gießener Jugendgericht. Sn der Sitzung des Jugendgerichts vom 11. Juli 1924 wirkten als Jugendschöffen mit Mechaniker Theodor Baumann und Schriftsetzer August Braun, beide von Gießen. Es kam nur ein Fall zur Verhandlung. Ein jugendlicher Arbeiter eines Nachbardorfes begeht fchon feit längerer Zeit Diebstähle zum Nachteil seiner Mutter. Außerdem hat er in einer Zigarrenfabrik eine Kiste Zigarren gestohlen und in dem Hause eines Verwandten einen einfachen Diebstahl begangen, hat sich aber auch des Verbrechens des Diebstahls Dadurch schuldig gemacht, daß er sich zur Nachtzeit in das Haus einschlich^ und einen kleinen Geldbetrag entwendete. Das Ärteil lautete, dem Anträge des Jugendstaatsanwaltes entsprechend, auf eine Gesamtgefängnis strafe von Drei Wochen unter Aufrechnung eines Teiles der Äntersuchungshast. Das Verfahren wegen Der zum Nachteil Der eigenen Mutter begangenen Eigentumsvergehen wurde infolge der Zurückziehung des vorher gestellt gewesenen Strafantrages eingestellt. Dem. weiteren Anträge des Jugendstaatsanwaltes, gegen Den jugendlichen Missetäter Erziehungsmahregeln anzuordnen und die Strafvollstreckung auszusehen. wurde stattgegeben und Di» Bewährungsfrist auf drei Jahre festgesetzt. Der Vorsitzende orDnete sogleich Die Fürsorgeerziehung des Angeklagten an, Da von ihr allein ein erziehlicher Erfolg erwartet werden kann. Sn einem weiteren Falle, der zur Verhandlung kommen sollte, ist die Angeklagte, die unter Haftbefehl steht, nicht zur Stelle gebracht worden. Sie sieht deshalb ihrer späteren Aburteilung noch entgegen. Gerichlssaal. * Darmstadt, 12. Juli. Vor dem hiesigen Dezirksschöfsengericht gaben sich einige Separatisten ein unfreiwilliges Stelldichein. Sie hatten inGroh-Gerau die Rheinische Republik ausgerufen. Ihr erstes Regierungsgeschäft war dann ein Einbruch in den Keller des Kreisamts, wo sie 17 Flaschen Wein stahlen. Der Separatist Schmenger wurde zu 9 Monaten und der Separatist Kraft zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt; gegen 3 weitere Separatisten, die nicht zur Verhandlung erschienen waren, wurde Haftbefehl erlassen. Aus aller Welt. ExplosionSrmzlück auf einer westfalischen Zeche. G els en kirchen, 13. Juli. Gestern ereignete sich auf der Zeche „Bonifazius" eines schwere Explosion, durch Die zwei Derg- leute sofort getötet und fünf tontere schwer verletzt wurden. Zwei Der Schwerverletzten sind inzwischen ihren Verletzungen erlegen, so haß das Änglück insgesamt vier Todesopfer gefordert hat. Schweres Flugzeugunglück. Berlin, 14. Juli. (Priv.-Tel.) Wie Dem „Montag" aus Prag gemeldet wird, explodierte während eines Passagierfluges, den der Pilot einer Flugzeugsabrik in £>er Sommerfrische Tschelakowih bei Prag veranstaltete, Der Ben z inbe h ä l t e r und das Flugzeug stürzten brennend in dir Elbe. Von den Insassen, außer Dem Piloten zwei Männer unD eine Frau, konnten die beiden männlichen Fahrgäste nur als verkohlte Leichen geborgen werden. Der Pilot und die Frau erlitten lebensgefährliche Brandwunden. Erdbeben. H a m bu r g, 12. Juli. (WB.) Gestern abend wurde von den Apparaten Der hiesigen Hauptstation für Erdbebrnsorschung wieder ein außergewöhnliches Erdbeben in etwa 6100 Kilometer Entfernung in östlicher Richtung registriert. Die AuszÄchnung, Die 8,53 Ähr ein* setzte, läßt wie bei Dem Beden vom 3. Juli in gleicher Entfernung auf einen Herd in Snnen« asien schließen. Eine Kirchenschandung. Warschau, 12. Juli. (WTD.) Aus Der Do n if aziuskirche, Vorstadt Czernia- kow, sind Die Reliquien des heiligen Donifazius, sowie Die gesamten Kirchrn- fchähe geraubt worden. Der Warschauer Polizei ist es gelungen, dir Kirchenschänder za verhaften und ihnen einen Teil der Beate ab- zunehmen. Eisenbahnunglück in Frankreich. Paris, 12. Juli. (WB.) Auf der Strecke Paris — Straßburg zwischen Chaloi^-sure- Marne und Ditry-le-Francois ist heute früh kurz nach 4 Ähr ein Personenzug in einen rangierenden Güter zug hineingefahren. Dem „Temps" zufolge sind 5 Pers onen getötet und etwa 15 verwundet worden. Verantwortlich für Politik und Feuilleton'. S. V.: Heinz Gorrenz. Rentenmark 10 000.- in bar 1 Preis 565458 3 Mo in denkbar größter Auswahl sehr vorteilhaft in der 5384 5648a Alleinverkauf von Engelhardts »Chasalla«-Normalstiefel 6660c einreichen. 5651ss n. Teil und Schluß. Eintrittspreise von 70 Pf. ab. Vorübergehend geschlossen C. Wörner. 5663c U Apparate Platten,Films Papiere und Zubehör Central-Drogerie, Schulstr. Photoarbeiten werden prompt erledigt Sie haben Gelegenheit, wirklich erstklassige Schuhwaren zu sehr vorteilhaften Preisen einzukaufen 1135 Preise v. insgesamt Rentenmark 30 000.- in bar Teilnahmebedingungen: THE KID ferner Wir suchen für Gießen einen fleißigen, repräsentablen Generalvertreter welcher bei der einschlägigen Kundschaft bestens eingeführt ist. Uebernahme eines Fabriklagers gegen Sicherheitsleistung Bedingung. 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Die ausgesetzten Preise gelangen bei 100000 Einsendungen zur Verteilung, sie ändern sich prozentual bei größerer oder kleinerer Beteiligung. 7. Das Preisausschreiben erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges und erklärt sich jeder Teilnehmer mit unseren Bedingungen einverstanden. WH (jCfc Gießen,Marktplatz2 » 1 ivi i neben der Engel-Apotheke Verkehr mit Milch. Aus Grund der Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft zur Regelung des Verkehrs mit Milch vom 6. Juni 1924 und der Verordnung des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft zur Regelung des Verkehrs mit Milch vorn 13. Juni 1924 werden mit Zustimmung des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft folgende Anordnungen für den Bezirk der Stadt Gießen erlaßen: 1. Milchhandelserlaubnis. § i. Wer Handel mit Kuhmilch (Vollmilch, Magermilch und Sahne) im Bezirk der Stadt Gießen treiben will, bedarf dazu der Erlaubnis des Oberbürgermeisters. Anträge sind bei dem Oberbürgermeister (städtische Preisprüfungsstelle, Asterweg 9) nach Vordruck zu stellen. § 2. Die Erlaubnis kann versagt werden: 1. wenn der Antragsteller die für den Handel mit Milch erforderliche Sachkennt- nis oder Zuverlässigkeit nicht besitzt; 2. wenn die zum Milchhandel bestimmten Räumlichkeiten, Einrichtungen und Gerätschaften den polizeilichen Vorschriften nicht entsprechen; Z. wenn anzunehmen ist, daß der Anttag- steller nicht mindestens 100 Liter Vollmilch oder Magermilch täglich in den Verkehr bringt. • Die Erlaubnis kann zurückgenommen werden, wenn sich nachträglich Umstände ergeben, die die Versagung der Erlaubnis red)tfertigen würden. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Händler sich in der Befolgung der ihm durch diese'Anordnungen auferlegten Pflichten unzuverlässig oder nachlässig erweist, wenn er die von dem Oberbürgermeister als angemeffen bezeichneten Milchkleinverkaufspreise überschreitet, wenn er sich der Milchfälschung schuldig macht oder gesundheitlich nicht einwandftele Milch verkauft. § 3. Degen die Versagung und Zurücknahme der Erlaubnis steht dem Bettoffenen binnen einer Ausschlußftist von zwei Wochen die Beschwerde zu. r, ,v f Ueber die Beschwerde entscheidet die Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft. II. Strafbestimmungen. Mit Gefängnis lis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer den vorstehenden Anordnungen zuwiderhandelt. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Erzeugniffe erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, auch wenn sie dem Täter nicht gehören. § 5. Vorstehende Anordnungen treten mit Wirkung vorn 16. Juli 1924 in Kraft. Gießen, den 11. Juli 1924. 56448 Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. 5 ei 6. Cafe „Ernst Ludwig“ Mittwoch, den 16. Juli, 8 Uhr: Großes Militär-Konzert unter persönlicher Leitung des Herrn Obermusikmeisters Löb er NB. Meine Lokalitäten habe ich vollständig renoviert sehr schnell, wenn man den Schamn von Zucker'sPatcnt.Medizinal-Seife abends einttocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen u. mit Zuckooh-Creme nachstreichen. Großartige Wirkung, von Tausenden bestättgt. In allen Apotheken, Drogerien, Parfümerie-u. Friseurgeschäftm. Am Donnerstag, 17. Juli, werden wir in Frantinrt a. DL, Laboratorium der Universitäts-Augenklinik beim Stäflt. Krankenhaus, Frankfurt a. Ifl.-Saehsen- haus. Eschenbaeherstr.14, anwes. sein, um n. d.Natur Künstliche Augen f. d. Patienten anzufertig, und einznpassen. [66KA z. M. Mer Söhne, Waden Anstalt für künstliche 2lugen. DT* Um Vermechslunaen mit ähni. 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Blumenspenden sind nicht im Sinne der Entschlafenen. 5657D Der heutigen Auflage liegt ein Prospekt der BezirkSfvarkaffe über Sparvrämicn bei den Sparkassen bet. 5650D Im Namen der Hinterbliebenen: Hermann Hammerschlag und Frau Leni geb. Barnaß Siegmund Hammerschlag und Frau Mali geb. Dittmann. 1846. Heute abend 8" Uhr Abholen unserer S eger beim Gauturnfest in Biedenkopf m.Musik. 5664c Der Vorstand. z Die glückliche Geburt einer Tochter zeigen hocherfreut an Adolf Zarnover und Frau Emilie geb. Oppenheimer Donnerstag, 17. Juli 1924, 8!/4 Uhr abends, in der Neuen Aula Meter HM für HauShaltungS- Massenartikel ges. Gillylamoen-vettrlev Gletzen »«oh Kirchenplatz 15. Todesanzeige Unsere liebe, gute Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Rosa Hammerschlag geb. Kann ist heute im Alter von 74 Jahren sanft entschlafen. Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, von dem Ableben ihres lieben A. H. Gustav Stammler Prof., Oberlehrer i. R. Mitteilung zu machen. Die stad. 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Bruckner eine kleine Broschüre veröffentlicht, die eine Zusammenfassung verschiedener Aufsätze darstellt, die Professor Bruckner in letzter Zeit über dieses Thema in Schweizer Zeitungen veröffentlicht hat. Das kleine Büchlein aus der Feder des Schweizer Gelehrten must um so mehr begrübt werden, als es ein Angehöriger eines neutralen Staates ist, der diese für das ganze Grenzlanddeutschland so austerordentlich brennende Frage behandelt. Professor Bruckner hat es sich zur Aufgabe gemacht, die systematische Alnter- drückrmg der deutschen Sprache in romanischen Ländern an drei Beispielen zu erörtern und zwar im Elsaß, in Südtirol und in Siebenbürgen. Wir geben heute die Stellen der Brucknerschen Broschüren wieder, die sich auf das Schicksal der deutschen Sprache im Elsah beziehen. Das El sah. 21m frühesten ist das Elsah von den Deutschen besiedelt worden: hier find auch die Vorgänge im allgemeinen am genauesten bekannt. Schon vor Christi Geburt waren einzelne Germanenscharen über den Rhein in Gallien eingedrungen: frier fei mir an Arivvist erinnert, den Eäsar bekanntlich irgendwo im Elsah vernichtend geschlagen hat. jahrhundertelang hatten dann die römischen Provinzen Ruhe. Aber im 3. Jahrhundert beginnen £>ie Einfälle der Alemannen über den Rhein in römisches Gebiet, und im 5. Jahrhundert haben sie die Lande links vom Rhein in dauernden Besitz genommen. Es ist bekannt, wie Chlodwig im Jahre 496 die Alemannen besiegt und nach Süden zurückgedrängt hat. In der Folge bewohnen sie dann im großen und ganzen dieselben Teile Oberdeutsch- lanh" .rte heute noch alemannisch reden. Zu diesem Gebiet das seit fast anderthalb Jahrtausenden von Alemannen bewohnt wird, gehört auch das Elsah Die weite Rheinebene bis zum sutz der Vogesen ist seit jener Zeit deutsch. Dieses aus den geschichtlichen Berichten erschlossene Ergebnis wird durch sprachliche Beobachtungen bestätigt, verhältnismäßig wenige alte keltische oder römis^ Ortsnamen haben sich hier erhalten, wie Membä, Dreifach, das ursprünglich auf dem linken Alfer lag, Kolmar und Zabem: die meisten sind untergegangen, so auch der alte Rame Straßburgs Ar- gentoratus. Das läßt uns erkennen, daß die alte Bevölkerung, deren Zahl in den unruhigen Zeiten wohl schon überhaupt angenommen b^, vor den neuen Eindringlingen im allgemeinen das öelö geräumt und sich ins Gebirge zuruckgezogen hat. Es kann hier, wo es gilt, das Ganze ins Auge zu fassen, nicht unsere Aufgabe fein, des genauem zu verfolgen, wie sich in einzelnen Vogesen-Talern Das Französische noch gehalten und wie fia? tne Sprachgrenze im Laufe der Zeit hin und her etwas verschoben hat. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Elsaß — ein paar kleine Grenzgebiete abgerechnet — seit mehr als einem Jahrtausend deutsch ist. Was es unter diesen Umstanden heisten will Land und Volk im Elsaß zu französieren, die Elsässer, auch das Landvolk zum Gebrauch der französischen Sprache zu nötigen das vermögen wohl wir Deutschschweizer am besten nachzufuhlen. Denn wir sind seit ebenso langer Zeit auf dem Doden des alten Römerreiches heimisch geworden und auch die Sprachverhältnisse sind bei uns wenigstens im 18. Jahrhundert und im Beginn des 19 Jahrhunderts ähnlich gewesen wie im damaligen Elsah, insofern auch bei uns dank der Entwicklung der politischen Verhältnisse die führenden Familien in den Städten mit Vorliebe französisch sprachen und schrieben. Was mühten aber wir heute bei einem solchen sprachlichen Zwang verlieren!" .... „Der schönste Beweis aber dafür, dah das Elsaß ein durch und durch deutsches Land und dah das Deutsche die Muttersprache des Elsasters ist, liegt darin, dah das Land seit alter Zeit am deutschen Geistesleben hervorragenden Anteil genommen hat und dah seine Söhne die deutsche Literatur mit ihren herrlichen Werken bereichert haben. Em paar Andeutungen mögen hier genügen. Da ist Otfried von Weißenburg, der erste deutsche Dichter, dessen Ramen wir kennen, der zu einer Zeit, wo allein die Geistlichen Träger höherer Bildung waren, seine deutsche Evangeliendichtung aus dem Kloster im Alnter- elsah hat ausgehen lassen. In der Blütezeit höfischer Dichtung dichtete Meister Gottfried von Straßburg sein berühmtes Epos „Tristan und Isolde" in elegantestem Deutsch, freilich — tote es damals Mode war — in Anlehnung an ein französisches Vorbild reichlich rntt franzosilchen Brocken gespickt. Es ist aber bezeichnend, daß der Dichter in der Regel den sremden Worten und Redensarten ganz unauffällig die Alebersehung beifügt, offenbar, weil er nicht darauf rechnen kann, daß sein Französisch ohne weiteres verstanden wird Aus der groben Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts find Männer zu nennen wie der volkstümliche Prediger Geiler von Gaiser s- b e r q und der ihm befreundete Sebastian Drantaus Straßburg, der Verfasser des Rai ren- schiffs, ferner Thomas M urner, der große Satiriker und Gegner Luthers, auch der sprachgewaltige Fischart nennt Straßburg feine Heimat. Roch aus dem 18. Jahrhundert, ^er Seit ber Franzosenherrschaft, ist etwa der gabelWer Pseffel aus Kolmar zu nennen, dessen Gedicht »dir Tabakspfeife" bis heute lebendig geblieben ist. Endlich darf wohl noch daran erinnert werden, dah der Student Goethe gerade in Straßburg sich für deutsche Art und Kunst begeistert hat .. .Besonders interessant ist es, die französischen Assimiliernngsversuchr im Elsah, das ia vor 1870 etwas länger als 200 Jahre französisch war, zu ^^l^^st Endlich sind die obersten Beamten von Anfang an Franzosen: wer vorwärts kommen und einen gewissen Einfluß gewinnen will, lernt darum, wie im römischen Gallien, die Sprache des Landesherrn So entsteht jene Oberschicht unter der elsässischen Bevölkerung, besonders tn Den größeren Städten, die beide Sprachen spricht, bet der aber in Augenblicken gemütlicher Erregung die deutsche Muttersprache oft mit Macht wieder durchbricht. Der Mann aus dem Volk aber hat vom Wechsel der Herrschaft an sprachlichen Vorgängen im allgemeinen wohl wenig gespurt eine allgemeine Volksschule gab es ia damals noch nicht: die königliche Regierung hat sich — rehgioje Fragen ausgenommen — vor harten Eingriffen tn die Eigenart des Landes weise gehütet. So ist die Sprache des Volkes deutsch geblieben. Alnd daß die scharfe Tonart der Revolutionsmänner, die am liebsten alles gleich gemacht und die deutsche Sprache im Elsaß völlig verdrängt hätten, auf die Dauer nicht vorgehalten hat, dah die Bevölkerung, auch wenn die Zahl derjenigen gröber geworden, die nebenbei Französisch sprachen und schrieben, doch auch vor 1870 im ganzen an der deutschen Muttersprache festgehalten hat, das braucht in einer Basler Zeitung nicht genauer ausgeführt zu werden." Wir haben den außerordentlich wertvollen Ausführungen des Schweizer Gelehrten kaum noch etwas hinzuzufügen, es sei denn die Feststellung, daß es wohl nicht angängig ist, von einer beut» chen Sprachminderheit im Elsaß zu sprechen. Daß die beutsche Sprache von ber weit über» wiegenben Mehrheit der elsässischen Bevölkerung als Muttersprache gesprochen wird, geht ja chliehlich auch aus den Ausführungen bes Pro- essors Bruckner hervor. Die Denkschrift für die Neichsgründung vonl 870 So viel auch schon über die Geschichte der Gründung des Deutschen Reiches geschrieben worden ist, so war doch bisher das wichtig st e 21 ktenstück, das die Grundlage für die Verhandlungen Preußens mit den Süddeutschen Staaten und für die von Bismarck entworfene Reichsverfassung bildete, bisher unbekannt. Es ist dies die Denkschrift, die der damalige Präsident des Bundeskanzleramtes Rudolf Delbrück, Bismarcks rechte Hand, auf seine Veranlassung am 13. September 1870 zu Papier brachte. Wir wußten darüber bisher nur aus den „Lebenserinnerun- gen" Delbrücks, in denen es heißt, dah „die Denkschrift im ganzen ein Bild dessen enthielt, was durch die Versailler Vertrage geworden ist. Der Schluß der Denkschrift gab dem alle Geister erfüllenden Gedanken zum erstenmal einen offiziellen Ausdruck: ich begründete die unabweisbare Notwendigkeit für den König, sich zur Annahme der Kaiserwürde zu entschließen". Dieses so überaus bedeutsame Dokument wird nun von Wilhelm Stolze in den „Preußischen Jahrbüchern" zum erstenmal veröffentlicht; eS wurde ihm vom Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellt und enthält auch die Unterstreichungen und Randbemerkungen, mit denen Bismarck selbst einzelne Punkte und Gedanken hervorhob. „Was erreicht werden soll, ist abstrakt in wenigen Worten auszudrücken", heißt es in diesem Schriftstück, das zugleich die Instruktion der preußischen Unterhändler mit Bayern bildete. „Anstelle der Alliance-Verträge Preußens mit Bayern, Württemberg und Baden, welche zwar unkündbar, aber unter gleichberechtigten Paziszenten geschlossen sind, und an Stelle des Zollvereinsvertrages, welcher zwar eine politische Organisation geschaffen hat, aber kündbar ist, soll ein dauernder bundesstaatlicher Organismus treten. Darüber, daß dieses allgemeine Ziel im Interesse Deutschlands zu erreichen sei, ist heute, soweit die Äußerungen der Presse und sonstige Wahrnehmungen ein Urteil gestatten, die Nation fast einhellig einverstanden." Des weiteren wird dann die neue Gestaltung des bundesstaatlichen Organismus eingehend erörtert. „Es würde sich also handeln um ein Deutsches Reich", heißt es zusammenfassend, „bestehend aus dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten, bestimmt zum Schutze Deutschlands und zur Pflege der Interessen des deutschen Volkes, ausgestattel mit der Gesetzgebung und Aufsicht über Landheer und Seemacht, über Zölle, Verbrauchssteuern und Schiffahrtsabgaben, über das Maß-, Gewichts- und Münzwesen, über das Eisenbahnwesen, über Handels- und Wechselrecht und Gewährung der Rechtshilfe und über den Schutz des deutschen Handels im Auslande. Die Gesetzgebung würde durch einen Bundesrat und ein Parlament ausgeübt werden; der Oberbefehl über Land- und Seemacht sowie sonst die Exekutive, letztere je nach Umständen unter Beteiligung des Bundesrats, würde der Krone Preußen zustehen. Die Verbindung des Namens: .Kaiser von Deutschland' mir dieser Exekutive würde die Würde der erlauchten Träger der preußischen Krone nicht erhöhen, wohl aber die Aufnahme der neuen Gestaltung bei Fürsten und Völkern fördern." „Der gegenwärtige Augenblick," heißt es weiter, „wo die Nation gehoben ist durch die Erfolge, welche Deutschland als solches zum erstenmal seit Jahrhunderten und glänzender als jemals erlangt hat, ist der günstigste, der gedacht werden kann. Der nationale Aufschwung, welchen der Krieg hervorrief und jede gewonnene Schlacht steigerte, hat alle partikukaristischen Elemente zum Teil mit fortgerissen, zum Teil zum Schweigen gebracht. Die zentripetalen Kräfte sind in Deutschland niemals mächtiger gewesen als heute. So erfreulich dieser Aufschwung auch ist, so wird man sich doch über seine Natur nicht täuschen dürfen. Je plötzlicher und energischer er sich entwickelte, um so gewisser wird ihm eine Re- aktion folgen. Diese Gewißheit fordert auf, rasch zu handeln und vorsichtig zu handeln." Ein neues Studentenheim in Metzen. Auf der Schönen Aussicht, dem höchsten Punkt der Stadt, der, tote schon sein Name sagt, einen weiten Rundblick in unsere herrliche Umgegend gestattet, hat der Verein Gießener Studentenhilfe den wirtschaftlich sehr hart ringenden Kommilitonen unserer Landes-Universität ein gediegenes und außerordentlich preiswertes Heim hergerichtet. Er hat damit — das sei gleich vorweg betont — eine soziale Großtat geleistet, bei deren Vollbringung ihm die opferfreudige Unterstützung von warmherzigen und weitblickenden Männern und Körperschaften der Industrie die Schwingen beflügelte. Das Studentenwohnhaus, so ist seine offizielle Bezeichnung, zur Linderung der großen Wohnungsnot und zur Vermeidung der leider auch zur Tatsache gewordenen Bewucherung dec Studenten bestimmt, bietet 48 Kommilitonen einen freundlichen Aufenthalt für wenig mehr als 6 Mk. monatlich einschl. Morgenkakao. Wahrhaftig eine Unterkunft, die auch dem ärmsten Studio zusagen die Baracke wurde uns liebenswürdigera-erse von den Herren Generaldirektoren Dr. Möhring und Dr. Schlapper in Butzbach gespendet. 3m September wurde mit dem Bra begannen. Es waren umfangreiche Erdarbeiten nötig, da ein großer Keller ausgehoben werden matzte. Die Ungunst der Witterung ließ den Dau in der ersten Zeit nicht recht vorwärts kommen. Es kam weiter hinzu, daß der Ankauf der Materialien und die laufend zu zahlenden Lohne die knappen finanziellen Mittel des Ve ems in einer Weise in Anspruch nahmen, daß die Fertigstellung des Baues zeitweise sehr in Frage stand. Es waren damals gerade die Wochen der stärksten Inflation. Die Preise für Materialien, sowohl wie für Lohne schnellten to:it über die Dorkrrcgs- preise hinaus. Die Devise nlürsie aber erfuhren durch die Intervention der Reichsbant einen Stillstand. Der kleine Devisenbestand des Vereins wurde daher rasch aufgebraucht, obwohl die gesamte Studentenschaft freiwillig an dem Bau I » 6 38 8 Studentenheim „Schöne Aussicht": Gesamtansicht, wird, noch 'dazu, wenn er im Handumdrehen fest» stellen kann, dah man hier mit wirklich liebevoller Fürsorge für ihn sorgt. Ueber den Dau dieses Wohnhauses berichtet Dr. Schneider, ber 2. Vorsitzende und Geschäftsführer des Vereins, in einer sehr lesenswerten „Denkschrift anläßlich der Eröffnung des Studentenwohnhau es" folgendes: „Wir konnten an die Verwirklichung dieses Planes nur denken, da uns auf der „Schönen Aussicht" genügend eigenes Gelände zur Errichtung des Baues zur Verfügung stand, und da uns die Stadtverwaltung durch Vermittlung des Herrn Stadtverordneten Winn eine Baracke des ehemaligen Gefangenenlagers für einen ermäßigten Preis zur Verfügung stellte. Der Kaufpreis für mitarbeitete und dadurch erhebliche Kosten für Lohnausgaben erspart werden konnten. 3n dieser Stunde der höchsten Rot nahm Herr Hütten- direktor Humperdin ck an unseren Arbeiten lebhaftes Interesse und seiner persönlichen Aln= terstützung und der großzügigen des Arbeitgeberverbandes für Lahngau und Oberhessen, die durch ihn vermittelt wurde, verdanken wir letzten Endes die endgültige Fertigstellung, und zwar nicht nur eine notdürftige, tobe sie Der Verein allein nur hätte vollbringen können, sondern die Fertigstellung tn einer Weise, daß auch eine wirkliche Bequemlichkeit in weitem Almfange gewährleistet ist." Zu dem Studentenwohnhaus gehören noch mehrere andere Gebäude. 3m „Haupt- ha u s" befinden sich zunächst einmal alle Vorrichtungen zur Beköstigung der Kommilitonen. Hier ist ein schöner Speise- f a a l mit weihgedeckren Tischen, der außerhalb der Essenszeit auch gemeinsamer Aufenthaltsraum der Hausinsa'sea und am zwei Tagen der Woche Musiksaal des Hauses ist, eine gut eingerichtet, große Küche mit den erforderlich _n Rebenräumlichkeiten, sämtlich in peinlichster Sauberkeit gehalten. Durch Anbau an das Haupthaus hat man eine Wäscherei geschaffen, die den Kommilitonen Dort oben zur Verfügung steht. Alnter der Leitung einer Schwester wird da nicht nur gewaschen, sondern auch geflickt und gevügelt, so dah der Bruder Studio sein Alnterzcug in wirklich tadellosem Zustand erhalt. Alnd wenn er gelegentlich mal seine „Buxen" aufgebügelt haben toiII, damit der Kniff tadellos ist, so hat die Schwester auch dafür Verständnis und freundliche Erfüllung seiner Bitte. Für die Beschuhung sorgt die studentische Schuhmacherei, die im Oberstock des Haupthauses ihre Buden hat. Dort betätigen sich zur Zeit 2 Meister, 8 Gesellen, 1 Lehrling, 1 Laufbursche und 1 Buchhalter. Die unruhigen Kwpfgei- ster sorgen bei mäßigen Preßen natürlich nicht nur für das Schuhwerk der Studenten, sondern auch noch für die Rentabilität des Betriebs. Diese stellen sie dadurch sicher, daß sie zum weitaus größten Teil für auswärtige Abnehmer auf Fabrcka ion arbeiten. Dem Betrieb steht der Schuhmachermeister Frener vor. der erst studierte, dann die Schuhmacherei erlernte und sich hierin den Meistertitel erwarb, und jetzt neben feinem Handwerk wieder ftutK jur. ist. Sein lobenswerter und gut eingerichteter Handwerksbetrieb müßte jedoch räumlich erweitert werden, das wäre allerdings nur dann möglich, wenn er in ein Rebenhaus ziehen könnte und der jetzt dort noch wohnenden Familie von der Stadt eine andere Wohnung zu» Studentenheim „Schöne Aussicht": Settenansicht (Wäscherei, Bügel-Flickzimmer und Küche). Desgleichen: 3n der Mitte Haupthaus. gewiesen würde. Auch im 3nteresse der Führung und des Aufenthalts im Haupthaufe wäre dieser Vokalwechsel der Meister von Knieriemen und Pech zu wünschen, denn sie bringen jetzt allerlei Lärm in das stille Wohn- und Speisehaus. Die Gemüsemengen für die Studentenspeisungen werden von einer eigenen Gärtnerei in vollem Almfang geliefert. Auch dieser Betrieb steht unter ter Leitung eines umsichtigen Fachmannes, der jetzt noch nebenbei Landwirtschaftsstudent ist. Die Anlagen machen auf den Besucher einen sehr guten Eindruck. Man hofft sogar, Idemnächst so viel Gemüse zu ziehen, daß man neben der Deckung des studentischen Küchenbedarfs noch ansehnliche Mengen auf den Gießener Wochenmarkt tiefem kann. Ein Tennis- und Turnplatz ist gleichfalls vorhanden, nur fehlt es hier noch an ben erforderlichen Geräten. Alnd nun das <5 t u» dentenwohnhaus selbst. Wie oben schon berichtet, ist es aus einer Baracke hergerichtet worden Was man aus dieser Baracke gemacht hat, ist 'einfach bewundernswert. Es ist hieraus ein richtiggehendes einstöckiges Wohnhaus mit vortrefflichen sanitären Anlagen samt Badezimmer erstanden, und die Bewohner des Hauses haben ganz recht, daß fte jeden mit einer Geldbuße zum allgemeinen Bestem bedrohen, der ihr Haus künftig als Baracke zu bezeichnen wagt. Die einzelnen Zimmer, die von zwei Kommilitonen gemeinsam bewohnt werden, sind zweckmäßig und heimelig eingerichtet, und unterscheiden sich vortrefflich von manchen Buden in der Stadt, in denen der Bruder Studio für viel mehr Geld weit weniger gut untergebracht ist. Als sorgsame Hausfrau waltet hier, tote überhaupt im ganzen Heim dort oben, eine emsige Oberschtoester. der mehrere Schtoestern und das entsprechende Hilfspersonal zur Seite stehen. Daß zur Erstellung und Einrichtung dieses Hauses von zahlreichen Firmen Gießens, Ober- Hessens mkb weit darüber hinaus Spenden zur Verfügung gestellt wurden, ist aus der oben schon zitierten Denkschrift im einzelnen zu ersehen. Mit dem berechtigten Gefühl stolzer Genugtuung konnte der verdienstvolle erste Vorsitzende unserer Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, am Samstag einem großen Kreis geladener Gaste vas vollends 'ibert zeigen und es tn einem schlichten S.öj.'nungsart dem Dienst der Suche übergebrn. Rach einem kurzen Frühstück im Frühstücks- raum der Llniver-fität fand vormittags um 11 Llhr in der Reuen '2lula eine Begrüßung statt. Hier koimte Prof. Dr. Eger als Vertreter der Regierung den Staatspräsidenten LI l r i ch, den Ministerialdirektor LIrst adt und den Ministerialrat Löhlein, als Vertreter des Landtages dessen Präsidenten Adelung, ferner Se. Maginifizenz Prof. Dr. Laqueuer, Beigeordneten Dr. Seid, Direktor Humperdink, Dr. Tillmanns von der Wirtschaftshilfe deutscher Studenten und eine ansehnliche Versammlung begrüßen. Dr. Tillmanns sprach bann über die studentische Wirtschaftslage im allgemeinen. Dr. Schneider- Gießen gab einen Lieberblick über die einzelnen Anlagen und Betriebe der hiesigen Studenten- hilfe. Der Reichswirtschaftsminister a D. und Reichstagsabg. Ar. Becker (Hessen) hatte zu dec Feier ein herzliches Glückwunschtelegramm gesandt. Llm 12 Llhr wurde den Freunden und Gönnern der Studentenhilfe und ihren Damen im Foyer des Theatsrs, das die Stadt in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hatte, eilte Morgenmusik dargeboten Drei frühere Studierende unserer Landesuniversität, die Herren Andreae, Delp und Schliephake, die schon so oft ihre Kunst in den Dienst der guten: Sache gestellt habem, waren von Rord, Ost und Süd herbeigeeilt, um das Fest zu verschönen. Sie spielten zuerst Beethovens reizvolle Serenade (Op. 8) für Geige, Bratsche und Cello, wobei man Herrn Delp, den wir bisher nur als Klavierspieler L»ewundern durften, auch als geschickten Dratschenlpie!er kennen lernten. Daran fügten sie Brahms Meistertrio tn S-Moll (Op. 101), das mit den breit ausladenden Themen seines ersten Satzes die Hörer sofort in den Darm schlug und fle durch das gemeimvoll huschende Presto das leicht fließende Andante und die prächtigen Schlußvarattonen hindurch in fest- froher Sttmmung erhielt. Das Zusammenspiel der Vortragenden konniie, zumal im Dcahmsschen Trio, hohen Anforderungen genügen, was um so anerkennenswerter ist, als die jungen Herren sich erst kurz vor dem Konzert wieder aefunden hatten. Richt unerwähnt soll bleiben, daß sich die Akusttk des für derartige intime Veranstaltungen besonders gut geeigneten Raums als vorzüglich erwies. Llm 1 Llhr schloß sich eine Besichtigung des alten Studentenheims am Durggraben an, ab 31/2 Llhr fanden Besichtigungen utr Reuanlagen auf der Schönen Aussicht statt, die allseitig als vortrefflich anerkannt wurden. Der Eröffnungsakt ging nachmtttags im Spetsesaal des Haupithauses vor sich. Prof. Dr. Eger schilderte tn einer übersichtlichen Rede die emsige Arbeit der Studentenhilfe und übergab bann das Haus seine? Bestimmung mit dem Wunsche, daß es den Kommllitonen und der Landes-Llniversität zum Segen gereichen möge. Der Vorsitzende des AKa, stud. Wetzel teilte mit, daß die Studentenschaft beschlossen hat. anläßlich dieser neuen Schöpfung eine Llmlage von 1 Mk. zum Besten tuberkulosekranker Kommilitonen zu erheben, un£> er bat hierauf den Leiter des Hilfswerks, Professor Dr. Eger, in einer Ansprache namens der Studentenschaft um die Erlaubnis, das neue Heim „Eger- heim" nennen zu dürfen. Dieser vox populi muhte der Gebetene schon Erfüllung gewähren, so daß man also künftig nur noch llrrzweg vom „Eger- Heim" sprechen kann. Beigeordneter Dr. Seid überbrachte in Stellvertretung des beurlaubten Oberbürgermeisters die besten Wünsche der Stadtverwaltung. Dr. D i l l m a n n s - Dresden als Vertreter des Wirtschaftsverbandes „ deutscher Studenten sprach dessen hohe Wertschätzung der hiesigen Hilfsarbeit aus und teilte mit, daß der Wirtschaftsverband der Gdehener Studentenhilfe, die ihn bisher nicht allzu sehr in Anspruch genommen hat, aus Anlaß dieser Feier 5000 Goldmark spende. Ministerialdivrktor Llrstadt überbrachte mit den besten Wünschen der Staatsregierung zugleich die Versicherung, daß diese das Hilfswerk immer gerne fördern werde, Frau Prof. Kramer sprach namens der Frauenvereine und des Alicevereins herzliche Worte, ebenso ein Fabrikant aus dem besetzten (Gebiet, der die große Bedeutung dieses Hilfswerges auch für das besetzte Gebiet unterstrich. Ein geselliges Zusammensein im Garten mit allerlei unterhaltsamen Darbietungen bildete den schönen Aus klang der Einweihungsfeier. Ho chschulnach richten. ][ Marburg, 13. Juli. 'Bei der im Senatsaal der Llniversität stattgehabten Rektorenwahl wurde dec ordentliche'Professor der Theologie, Llniversitätsprediger Konsistorialrat D. Karl Dornhäuser für das Anvtsjahr 1924/25 gewählt. Der Alte aus Topper. Roman von Hanns »oar Zvbeltitz. 15. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Dem Vater hatte sie eine* Boten nach dem Vorwerk nachgeschickt. Es wcilhrte eine Stunde oder darüber, ehe er heimkam. mit dem Kaspar an der Hand. Sie waren sehr gelaufen, atmeten schwer, der Alte und der (junge. Egid sah schon wieder vor der Tür in der Sonne. Wollte dem Vetter berichten. Doch der winkte nur mit der Hand. Sprach auch kein Wort, als er ins Gemach der Tochter trat, wo sie am Bette >rß, neben sich einen ZuSbec mit Wasser, um die Llmschläge, die sie in Lhrer Herzensnvt selber verordnet, immer wieder erneuern zu können. Er nahm nun ihren Platz en», immer schweigend, und sie fühlte, daß er allein sein wollte mit dem Sohne. Lange, lange sah er La, strich dann und wann über des Blessierten glühende Stirn, streichelte sanft die heißen Hände, die daS Fieber rastlos Keine Träne hatte der Väter in seinem Schmerz. Aber neben dem Schwerz bohrte eine ingrimmige Wut in ihm: daS war nun der zweite S-ohn, den ihm der Krieg nahm. Den er als Dlutsvld dem König zahlen mußte! Sollte, wollte beim das fein Ende nehmen? Die Wut frah in ihm: auf den männermordenden Krieg, auf die Feinde, auf die tückische Kugel, acf . •. ja . . . auf des Königs Majestät! Eine Wut, daß er mit den Zähnen knirschte. 3n jeder Schlacht, für reden Sieg waren Lausende gefallen. Lind meine Kinder, meine Söhne: Erst dec Aelteste ... um Len die Beate weinte, dessen Sohn ausgewachsen ist. ohne bm Wirtschaft. Der Automobilschmuggel durch das Loch im Westen. Dec Kampf der deutschen Zollgrenzbehörden gegen den bei den augenblicklichen Verhältnissen im besetzten Gebiet in hoher Blüte stehenden Schmuggel ausländischer Automobile und Motorräder in das unbesetzte Gebiet wird mit allen Mitteln und anscheinend erfolgreich durchgeführt. Dor einiger Zeit fand in Berlin ganz unerwartet eine Automobilrazzia auf der Avus statt, bei der die Rummern zahlreicher, anscheinend geschmuggelter Automoblle und Motorräder ausländischen Ursprungs notiert wurden. Runmehr liegt ein vorläufiges Ergebnis der im Anschluß daran vorgenommenen Prüfungen der Einfuhrpapiere und sonstigen Verkaufsurkunden der betreffenden Maschinen vor. Danach hat die Razzia für den Staat einen ganz ansehnlichen Erfolg gebracht, weil eine ganze Reihe von Motorrädern und mehrere große Automobile wegen unerlaubter Einfuhr b^w. Zollhinterziehung als dem Staat verfallen erklärt worden sind. Am vergangenen Mittwoch abend wurde die Aktion fortgesetzt und abermals die die Avus passierenden Automobile einer Kontrolle durch Beamte des Zollgrenzkommissariats Berlin-Brandenburg unterzogen, wobei wiederum mehrere ausländische Maschinen als verdächtig festgestellt wurden. 3m allgemeinen scheint es sich dabei aber um solche Autobesiher zu handeln, die ihre Automoblle oder Fahrräder in gutem Glauben an die Ordnungsmäßigkeit der Papiere von Händlern oder aus dritter Hand erworben haben. Diejenigen Kreise dagegen, die direkt an dem Automobilschmuggel über das besetzte Gebiet beteiligt sind, scheinen durch das scharfe Vorgehen der Zollbehörden bereits gewarnt zu sein. Verschiedene dieser verdächtigen Automobilhändler, die größtenteils in Paris oder Brüssel ansässig sind und ihre Schmuggelgeschäfte in Köln oder Frankfurt abschliehen, haben bereits das Weite gesucht, nachdem sie merkten, daß ihnen die deutschen Behörden auf Grund der fortgesetzten Kontrollen und der Verhöre der Besitzer ausländischer Maschinen auf der Spur waren. Diese Razzien der Grenzzollbehörden werden übrigeris auch in den Tellen Deutschlands, wo sich immer die Gelegenheit dazu bietet, durchgeführt, außerdem werden auch im Straßendienst Beamte der Grenzzollkommissariate mit der Lieber- wachung ausländischer Automobile betraut. Damit kommt die Regierung einer dringenden Forderung der deutschen Autvmobllindustrie entgegen, die durch den Schmuggel französischer und belgischer Autoschieber ungeheuer geschädigt wird. Während die Desatzungsorgane durch hohe Zölle auf die Einfuhr beutfdjer Motorfahrzeuge in das besetzte Gebiet der deutschen Industrie ein großes und kaufkräftiges Absatzgebiet völlig geraubt haben, machen sich andererseits französische und belgische Schleichhändler den Llmstand sehr zunutze, daß Deutschland aus politischen Gründen nicht an die Errichtung einer besonderen Zollgrenze gegen das Rheinland denken kann. Belgische und französische Fabrikate werden so steuerfrei durch das besetzte Gebiet nach Deutschland geschmuggelt zum Schaden nicht nur der deutschen Industrie, fonoern auch des Reiches, dem der Einfuhrzoll entgeht. Die ganze Angelegenheit zeigt, wie berechtigt die deutsche Forderung nach Schließung des „Lochs Im Westen" ist. • Kurzarbeit bei Krupp. Infolge mangelnder Aufträge und Zurückziehung laufender Aufträge sieht sich die Firma Krupp gezwungen. in einer Anzahl von Betrieben Kurzarbeit einzufühien und etwa 5 Proz. der gesamten Belegschaft zu kündigen. • Fremdkohle ins Ruhrgebiet. Im Monat Juni wurden 8559 Tonnen ausländischer Kohle über Duisburg-Ruhrort angefahren. * Phönix A. G. für Bergbau und Hüttenbelrieb, Düsseldorf. Die Gesellschaft legt nunmehr ihre Papiermarkbilanz per 30. Juni 1923 vor, die einen Gewinn von 14,5 Milliarden Papiecmark ausweist. Eine Dividende wird bekanntlich nicht verteilt. Der Höhepunkt der Produktion ist 1918 erreicht worden. Der Ruhreinbruch hat jede Entwicklung gehemmt. Auf dem Werk Höcder (unbesetzt) konnte die Produktion gesteigert werden. Die Gesellschaft bietet für die noch umlaufenden 4r/2pvozentigen Teilschuldver- schceibungen von 1919 eine Vergütung von 42 Gvld- mark Pro nom. 1000 Mk. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß seinerzeit die Gesellschaft nur i/d des eingezahlten Wertes erhalten habe (3n- flation). Das Angebot wird bis zum 31. August aufrechterhalten. * Ein Schweizer Konzern in Pommern. Ein Schweizer Konzern hat die Ausbeutung der umfangreichen Torflager tn der llm- gegenb von Loitz in Pommern übernommen und beabsichtigt, ein Torsbcikettwerk zu errichten. 3n der Schweiz zum ersten Male patentierte Maschinen sind bereits an Ort und Stelle eingetroffen und haben die Arbett begonnen. Turnen, Sport und SpteL Karl Reuter vom Turnverein von 1846 Ehrensieger im Zwölfkampf und 1. Sieger im Neun- kämpf. Bei dem gestrigen Gauturnfest in Biedenkopf errang Turner Karl Reuter im Zwölfkampf den Ehrensieg (30 Punkte Vorsprung gegenüber dem ersten Sieger), ferner errang er den 1. Sieg im Reunkampf. — Man beachte die heutige Anzeige. Der Große Preis von Berlin. Berlin, 14. Juli. Beim gestrigen Pferderennen um den Großen Preis von Der- l i n auf der Grunewaldrennbahn (70 000 Mk. über eine Strecke von 2400 Meter) siegte der den Herren A. und C. von Weinberg gehörige vierjährige Hengst „Augias", der das Rennen auch schon im Vorjahre gewonnen hatte. Der diesjährige Derbysieger „Anmarsch" wurde fünfter. Die tägliche Turnstunde in Bayern. Der bayerische Landesbeirat für Leibesübungen hat auf Antrag von Dr. Müller- Meiningen einstimmig die Einführung der täglichen Llebungsstunde in allen Schulen gefordert mit dem Hinzufügen, daß für die Liebergangszeit sofort an einer Schule jeder Schulgattung die tägliche Turnstunde eingeführt werden müsse . Ferner fordert der Beirat die Vorlage einer Teilnahmebescheinigung an körperlichen .Hebungen bei allen Hoch- schulprüfungen und Ermäßigung der Turn-,Sport- und Wanderfahrten auf den vierten Teil des gewöhnlichen Fahrpreises. I Das Freiringe« ist von der Deutschen Turnerschaft auf Grund der Vorschläge der Kreisturnwarte in den Llebungs- betrieb be3 Iugendt urnens eingesührt worden. Es soll das Ringen in der Deutschen Turnerschaft neu beleben und volkstümlich gestalten. Ein Ausschuß von Fachleuten wird längere Zeit die Entwicklung des Freiringens verfolgen, die Erfahrungen bei Wettkämpfen prüfen und dann evtl, neue Bestimmungen Vorschlägen. Gegenüber dem sog. griechisch-römischen Ringkamps gestattet das Freiringen wie das altdeutsche, schweizerische, österreichische und amerikanische Ringen alle, mit Ausnahme der schmerzhaften Griffe. Es ist also ein natürliches Ringen gegenüber der rein sportlichen Kunstform. Vermischtes. Don Sve- uud anderen Giftschlangen. Die „Seeschlange", die in den (Sommermonaten so gern in den Spalten unserer Zeitungen auf» taucht, ist ein recht harmloses Tier, und auch die ungeheuren Monstra, von denen immer wieder in diesem Zusammenhang berichtet wird, haben nie viel Schaden angerichtet. Desto gefährlicher aber ist die wirkliche Seeschlange, die die tropischen Meere bevölkert. Bon diesem noch wenig erforschten Reptil erzählt D. Haldy in einem den Giftschlangen gewidmeten Aufsatz der „Bergstadt". Die in ihrer Gestalt an Aale oder Moränen gemahnenden Seeschlangen sind höchst giftig, und daher ist die Furcht vor ihnen nur allzu berechtigt. Ihre Größe schwankt zwischen 1—2 Mtr.; sie find meist lebhaft gefärbt, schwimmen vortrefflich, find geschickt und beweglich, sehr bissig und jähzornig. Man trifft sie in großen Mengen vereinigt, und dann bringt jeder Fischzug eine Anzahl dieser unheimlichen Meeresbewohnec herauf, die aber außerhalb ihres Elementes sehr bald absterben. 3m allgemeinen find die Giftschlangen in der großen Familie der Schlangen glücklicherweise in der Minderzahl. Bon den etwa,1800 Schlangenarten, die wir fermen, sind nur em Sechstel giftig. Diese gefährlichen Reptilien sind sehr verschieden auf die einzelnen Länder verteilt. In Australien z. D. kommen auf eine ungiftige Act zwei giftige, während bei uns die Giftschlangen fast überhaupt nicht vorkommen. Bei unserer einzigen einheimischen Giftschlange, der Kieuzottec, wird die tödliche Wirkung des Bisses stack bezweifelt: aber es steht doch fest, daß der Biß öfter erhebliche gesundheitliche Rachteile mit sich bringt. Llebechaupt ist man sich über den Grad der Gefährlichkeit bei den einzelnen Acten nicht einig. Die persönliche Empfänglichkeit des einzelnen Menschen spielt dabei eine Rolle, ebenso der Llmstand, ob dleSchlange kurz vorher ihre Giftdrüsen entleert hat ober nicht. Zweifellos gehört zu den alleischlimmsten Giftschlangen die Brillenschlange, dec in 3nbien die meisten an Schlangenbissen sterbenden Menschen zum Opfer fallen. Jährlich werden In 3ndien für V2 Million abgelieferter Drillenschlangenköpfe Prämien gezahlt, und doch sollen noch jährlich 20 000 Opfer ihr erliegen. In den meisten Fällen greifen die Giftschlangen nicht an, und gerade die lebhafteren Arten sind verhältnismäßig harmlos, da ste schnell vor dem Menschen flüchten. schlimmer sind die trägen Arten, die ruhig liegen bleiben und tn dem Augenblick, ty> sich ihnen der Fuß bedrohlich nckyert, mit raschem Biß zufahren. So find z. B. die ungemein giftigen Draunschlan- gen und Schwaczschlangen in Australien wegen ihrer Lebendigkeit weniger gefürchtet, alS die zwar nicht so giftige, aber furchtbar faule Todesotter. Die amerikanische Klapperschlange ist im allge^ meinen zum Beißen viel zu träge, aber sie springt bisweilen den Menschen auf erhebliche Entfernungen unter wütendem Zischen an. Bequemer machen es sich die Speischlangen, die einen Strahl mehr oder weniger starken Giftes ausschleudern, aber nicht viel Schaden an richten, solange das Auge nicht getroffen wird. Brichertisch. — Ausgerechnet der Humor, MÄ Lebenselixier an sich, der Freudenbringer und Glückspender in allen Lebenslagen, offenbart sich nur den wenigsten Menschen ohne die nachhelfende Drille produzierender Humoristen, die ihren Zeitgenossen die Augen öffnen für das Komische in ihren Tagen und die Heiterkeit in ihrem Leben. Diese Brille aber soll sich jeder verschaffen, der gewappnet sein will und mutz gegen trübe Stimmungen und graue (Stunden — besonders, wenn sie ihm so leicht, so billig und s) angenehm geboten wird, wie durch die Lektüre der Meggen- dorfer Blätter. Die zaubern ihren Lesern jede Woche eine Fülle heiterer und lustiger Situationen vor Augen — in Wort und Bild, in Reim und Prosa, mit Humoresken, Anekd)ten, Gedichten und witzigen Anmerkungen zum täglichen Leben. Da die Meggendorfer-Dlätter unpolitisch sind, dienen sie nur der Erheiterung, ohne irgendeinen Leser durch Stellungnahme zu den politischen Lagesfragen ja auch nur mit einem Wort za verletzen! — Don „Deutschlands Erneuerung", der nationalen Monatsschrift (I. F. Lehmanns Verlag, München: Einzelheft 1.10 Mk.) ist das Iuliheft erschienen. Angesichts des Matteotti- Skandales dürfte es aus dem Inhalt besonders interessieren, daß Adolf Dresler über „Die letzten 8 Monate Faschistenherrschaft in Italien" genaue Angaben macht. Hans von Liebig schreibt über die „Derschweizerung Deutschlands". Ein ganz neues Gebiet eröffnet Dr. Ludw. Ferd. Clauß mit seiner Betrachtung über„RocdischeGlaubensgestal- timg“, die für die religiöse Bewegung unserer Tage sicher viel Befruchtendes bringen wird. — Das Sommerheft des Pipec-Doten für Kunst und Literatur wird soeben vom Verlag R. Piper & Co. in München versandt. Gustav Wolf, der Verfasser der bekannten billigen Bände über „Die schone deutsche Stadt" und „Das norddeutsche Dorf", plaudert in dem Heft von Reisebildung und Büchern. Mitten in die rechte Wanderstimmung führt uns des Komponisten Armin Knabs Beitrag „Rund um Rothenburg". Der Münchner Baumeister Theodor Fischer steuert ein Gespräch über die Baukunst bei. IuliusDaum, einer der besten Kenner deutscher Plastik, erörtert den Wert der Museen. Aus dem Tagebuch des großen Indologen Karl EugenReurnann werden einige stimmungsvolle Seiten über indische Reiseeindrücke veröffentlicht ufto. Die Bildbeigaben zeigen Baukunst, Plastik, Landschaft aus Bamberg, Straßburg, Chocin, Rothenburg, Tirol und der Lüneburger Heide. — Die Zahl der Jugendlichen tn\ Reichstag, nämlich die Abgeordneten unter 30 Jahren, hat sich, wie wir dem soeben erschienenen „Kürschners Deutscher Reichstag 1 9 2 4“ (Hermann Hillger Verlag, Berlin W 9, Preis 1 Mk.) entnehmen, erheblich vermehrt. Während der vorige Reichstag nur 4, die verfassunggebende Rationalversammlung gar nur 3 Mitglieder zwischen 25 und 30 Jahren aufwies, zählt der neugewählte Reichstag 14, vielleicht sogar noch mehr, denn eine Anzahl Kommunisten hat es abgelehnt, Daten über ihr Leben zu geben. Aber gerade sie haben die meisten Jugendlichen in ihren Reihen. Acht von ihnen sind unter 30 Jahren. Sonst haben nur die Deutschnationalen 3, die Rationalsozialisten 2 und eine kleinere Partei ein jugendliches Mitglied unter sich. Zwischen 70 und 80 Jahren zählen 14 Mitglieder, darunter 5 Sozialdemokraten, 4 Zentrumsleute, 2 Angehörige der Deutschen Volkspartei, 1 RationolsoEiallst, 1 Deutschnationaler und 1 Kommunist. Kreax-Drog. August Noll, P. J. IRÖbe, Drog. Georg ________Wellental», Drog. 0. WlaterhoH. 4146a ÜPiinkQoin? Npinl Geg.Blasewu.Nierenleid.,selbstSteln, Hl ÖUildulu. ttblll. hilft best. KarlssprudelBiskirchenl4 Vater zu kennen! Jetzt hier der andere . . , siech. . . hoffnungslos . . . Lange, lange saß er so. Sah auf den Christian, auf die fieberglänzenden Augen, auf die rastlos hastenden Hände, horchte auf das Schmerzensstöhnen, griff in den Zuber, legte neue Leinwand auf die zerschmetterte Schulter, starrte die Wände an, knirschte wieder mit den Zähnen — Dann pochte es leise an die Tür. Er ging zu öffnen. Beate stand im Flur. Und der Pastor. Ehrenpüttner wollte ein paar gute Worte sagen. Aber der Gestrenge winkte ab. „Gehet nur hinein I" sagte er, und es klang eigen tonlos und mürrisch. „Hast du nach Sternberg geschickt zum Medikus, Beate?" „Gleich, Herr Vater." „Der Darsatius ist zwar ein Esel. Aber was hilft's —" „Herr Vater, drüben ist der Tisch gedeckt.' „Laß nur —“ So ging er hinaus in den Garten, ohne Mühe, und ging dort, wohl eine Stunde oder länger, immer im Kreise herum zwischen den Blumenbeeten. In tiefen Gedanken. Dis er mit einem Male merkte, daß eS dämmerte. Da holte er sich Mütze und Stock aus dem Hause und schritt langsam hinüber nach dem Leutehof. Den jungen Maczanke hatten sie ins Bett gepackt: bis an den Hals lag er in den schweren Federn und schwitzte. Vater und Mutter hockten neben ihm. An dem Herde brannte der Kienspan. Als aber der Gestrenge in die Stube trat, die so niedrig war, daß er sich bücken mußte, wollte der Musketier sich aus richten. Sah auch ganz kregel aus und hatte noch Leinöl um den on-Lnd. ES roch nach gebratenen ©rbtoffeln. „Muh doch nach dir sehen. So . . . ja . . . geht mal 'raus. Ich will mit dem Gottlieb svrechen. Sie gingen. Der Gestrenge stellte sich breitbeinig vor das Bett. „Also — wie war's?" fragte er kurz. Wollte langes und breites erzählen, der Gottlieb Marzanke, von der Fahrt durch die Wälder und wie sie den Moskowitern entkommen. Aber der Gestrenge schnitt ihm den Faden entzwei: „Von der Schlacht sollst du erzählen, mein Sohn. Ab ovo — wollt sagen, wie ihr hineingekommen und was sich alles zugetragen, bis der Stabskapitän verwundet. Alles, haarklein. Hast du verstanden?" Der Gottlieb wischte sich mit der Zungenspitze den letzten Rest Leinöl aus den Mundwinkeln und begann breit und lang zu berichten, nach seiner Art, wie sie vom Lager aus auf das Schlachtfeld marschiert und am Morgen gelegen und gewartet, immer schon im Kanonenfeuer, und daß sie trotzdem guter Dinge und recht siegessicher gewesen. Grad auch der Herr Stabskapltän. Der hätte gelacht vor der Front. „Bursche, heut gibt's einen schönen Tanz, und morgen zahlt euch der König ein Extradouceur, und ihr kriegt feines Quartier in Frankfurt. Ihr wißt doch, in Frankfurt fjat’8 schöne Mädels!" Ja . . . und dann sei der Tanz losgegangen . . . „Weiter>" drängte der Gestrenge, stellt das Rohr in die Ecke und sitzt plötzlich da, wo vorhin der Vater gesessen. „Zu Befehl, gnädiger Herr. Also zuerst ging alles ganz gut Wir sind vorwärts gekommen, schnurgerade wie auf dem Exerzierplatz, und unsere Pelotons haben gefeuert, daß es nur so eine Act war. Hatten freilich schon arge Lücken, schlossen aber immer gleich rechts und links zusammen. Balde ist der Oberst von Steinwehr von einer Kanonenkugel niedergerissen worden, hat noch einmal gerufen: .Seid brav, Bursche!' Darauf ist der Major von Ingersleben, so das Kommando übernommen, schwer blessiert worden, daß sie ihn forttragen mußten, und nicht lange darauf der Herr Kapitän von Thadden und der Herr Premierleutnant von Aschersleben. Viele andere von den Herrn Offiziers auch, ich nenn’ nur, waS ich selber gesehn mit eigenen Augen. ES hieß aber immer: Vorwärts — VorwärtsI Einen großen Berg ’runter, einen Berg 'raus, und da schossen sie mit Kartätschen auf anS. Hieß aber immer wieder: Rechts heran! Vorwärts, Bursche! — und der Herr Stabskapitän schwenkte den Degen. Drauf, Bursche! Drauf! Ja . . . und mit einem Male waren wir oben, und da dachten wir schonst, jetzt haben wir gewonnen. Rärnlich, die Russen zogen in wilden Haufen ab. Wir verschnauften also ein weniges. Hatten noch einen Schluck in der Flasche, der tat gut. Schwitzten ja durch die ganze Montierung durch, und der Staub und der Pulverdampf — „Weiter, Gottlieb!" „Zu Befehl, gnädiger Herr. Also wie wir da dachten, jetzo ist's am End, und der König könnt' Viktoria schießen lassen, da kamen sie mit ’nem Mal über uns. Ganze Bataillons, von vorn und von der Seite, brüllten wie die Wilden ... ja . . . und der Herr Stabskapitän sprang vor, hatte die Fahne in der Hand, schrie: , Feststehen, Bursche! FeuernI' Darauf ging alles drunter und drüber, mit Erlaubnis zu vermelden. Ich seh' noch im Pulverrauch den Herrn Stabskapitän, und dann fiel er hin, wie ein Daum, find da kriegt' ich auch die Kugel, hier, im linken Arm. Ist aber nicht arg schlimm, nur ins Fleisch . . (Fortsetzung folgt) Ms i&s uS20 ®° sfes k Lstsstclle 51- ÄS 'SSfi. Sie mit Sp-mm- Ä Eil der Lage Ma' Liberalen Al.gu' Mcdonald nichts die Debatteredner, n Einstellung -rank Dünsche dem engl' »ersucht, um nut die Uen senM UM der KonseMtive D nugtwma. 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