Montag, 13. Moder 1924 Blatt 174. Jahrgang dabei der Fraktion gesagt werden müfien, dah dah die Deutsche V o l k s p a r t e i die Ar- Stimmung. Z. R. III. Die Verhantzlungspause Der Kamps um die Rechtskoalitton. Annahme von »njcigcn für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re« Klame-Anzcigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20" „ Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Or.Friedr.Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. gegeben." Allgemein wird angenommen, dah Kommandant Eckener die südatlantische Fahrstrahe Bordeaux—Kap Finisterre— Azorische Inseln—Florida—Virginia—Lake- Hurst eingeschlagen hat. Die Richtung, die Z. R. III über Frankreich verfolgte, ist folgende: Belfort — Clermont — Fer- rand — Rochefort — Bordeaux. Hinaus auf das Meer! Berlin. 13. Oft. (TU.) Kurz nach 4 Uhr nachmittags ging bei der Telcgraphen-Union folgendes Telegramm von Kapitänleutnant Flemming ein: Funkspruch von Z.R. III an Telegr.-Anion. Verliehen v44 Uhr europäisches Festland über der Girondemiindung. An Bord gute im Kabinett frei gewogene Ministersihe zu übernehmen und im übrigen den Auhenkurs weiterzusteuern. Das ist eine Wandlung, ihr Rein gleichzeitig ein Ende der gegenwärtigen R e g i e ru n g s l o a l i - t i o n bedeutet. Es ist nicht daran zu denken, über die man sich freuen soll, die jedenfalls ein Beweis für das verstärkte Verantwortungsgefühl der Deutschnationalen ist und gerade deshalb schon ihnen ein Recht auf einen Platz in der Regierung sichert. Ob es dahin kommt, muh sich am Dienstag beim Zentrum entscheiden Allerdii gs wird Danach hat das Luftschiff in neunstündiger Fahrt rund 1000 Kilometer zurückgelegt, was eine Durchschnittsgcschwindigkeit von 110 Kilometer in der Stunde bedeutet. L. Z. 126 zeitweise Sonderstörung. Standort 6 Uhr nicht einwandfrei erhältlich. Rach unvollständigem Telegrammtext stehen wir über der Mitte der Biscaya-Ducht. Wie die Funkstation der Telegraphen-Union festgestcllt hat, sind starke Luftstörungen in Erscheinung getreten, die eine einwandfreie Funkverbindung des Z. R. III mit den deutschen Stationen nicht ermöglichen. 9.30 Uhr abends mitteleuropäische Zeit wurde Kap Ortegal passiert. Das Luftschiff hat soeben, begünstigt von der Witterung, den sonst so stürmischen Golf von Biscaha überquert. Rahezu ein Viertel der Fahrt nach Reuhork «st damit zurückgelegt. Da Z. R III südwestliche Richtung beibehielt, geht die Fahrt wahrscheinlich über die Azoren und Bermuda- Inseln, so dah mit der Ankunft an der amerikanischen Küste Dienstag nacht gerechnet werden kann. lieber dem Golf von Biscaya. Paris, 13. Oft. (TU.) Z. R. III hat heute nachmittag 4 Uhr westeuropäische Zeit, oberhalb der Bucht von Biscaya folgende drahtlose Botschaft abgesandt: „Alles an Bord wohl. Kapitänleutnant Eckener." Das Luftschiff wurde später oberhalb Portugals gesichtet. Um 9 Uhr soll Z.R. III mit der Station Rauen in Verbindung getreten fern. Auherdem soll er eine Botschaft an den Eiffelturm gerichtet haben, worüber aber noch kerne offizielle Bestätigung vorliegt. Kurz nach 7 Uhr verbreitet die amtliche Funfftelle Rordderch folgende Meldung: Bei gutem Humor. Berlin, 13. Oft. (TU.) Z.R. III gibt um 4.10 Uhr nachmittags folgenden Funkspruch, der in seiner humorvollen Fassung zeigt, dah man auf dem Luftschiff in guter Stimmung ist: Die Amerikafahrt des Zeppelin. Die Abfahrt von Friedrichshafen. — Die Fahrt über den Atlantik Friedrichshafen, 13. Oft (TU.) Gestern frich hat der Amerika-Zeppelin seine Ueber- fahrt angetreten. Dausende von Menschen hatten sich schon in den frühen Morgenstunden auf dem Flugplatz eingesunden, um ihm das Geleft zu geben. Schon am Abend und die ganze Rächt übertrafen Schaulustige mit der Eisenbahn, mit Kraftwagen und zu Fuh ein, so dah umfangreiche Ab- sperrungs- und Sicherheitsmahvegeln durchgesührt werden muhten. Um 5 Uhr morgens traf die Besatzung des Luftschiffes, begleitet von ihren Angehörigen, in der Halle zusammen, wo seit 3 Uhr nachts mit jägerhafter Tätigkeit an dem Klarmachen des Schiffes gearbeitet wurde. Ein alter Luftschifführer, Kapitän Hacker aus Potsdam, hielt während der Nacht die Ehrenwache bei dem Schift. Kapttän Hacker ist einer unserer verdienstvollsten Luftschifführer und hat in den Jahren 1913 bis 1917 manches Luftschiff von Friedrichshafen abgeholt und im Staatsdumst in Friedens- wie in Kriegszeiten glänzende Fahrten ausgeführt. Ueber dem Flugplatz lag dichter, undurchdringlicher Rebel, so dah vom Luftschiff überhaupt nichts zu sehen war. Plötzlich horte man durch den Rebel zwei scharfe Läutesignale und darauf vernahm man das Surren der Motore. Um nicht zu viel Feuchtigkeit aufzunehmen, muhte das Schiff so schnell wie möglich aus der etwa 150 Meter hohen Rebel- chicht hinaus. Die Abfahrt wurde daher sehr beschleunigt. Die Maschinisten hatten ihre Moto rengvndeIn mit Blumen geschmückt, sie wurden jedoch durch den Propellerwind sofort zerpflückt und weggefegt. Plötzlich war das Luftschiff im Rebel verschwunden. Der breite Strom der Zuschauer begab ftch jetzt nach der Abfahrstelle, wo die Friedrichshafener Stadtväter standen. Die Spitzen der Stadt und anderer Behörden wollten vor dem Abflug des Schiffes noch Abschiedsansprachen halten, jedoch kam nichts zur Ausführung, da das Luftschiff plötzlich nn Rebel verschwunden war. Die städtische Kapelle spiele noch das Deutschlandlied, hier und da rief jemand Hurra, aber irgendwelche begeisterte Kundgebung fand nicht statt, da niemand auher den dicht neben dem Schiff Stehenden den Abflug des Schiffes wegen des dichten Rebels sehen konnte. Die allgemeine Enttäuschung unter den Zuschauern war sehr groh; besonders die von auswärts Herb ei gest r o m ten bedauerten schmerzlich, das Luftschiff nicht mehr ge- sehe injyu. haben. Aus dem Gebrumm der Propeller konnte man jedoch schließen, dah das Luftschiff den Flugplatz nochmals überflogen hatte. Alles war im dichten Rebel verschwunden. Ein vereiteltes Attentat auf Dr. Eckener. Die latente Krise, mit der wir uns fetzt seit vierzehn Tagen her im quälen, setzt ftch eigent ich nur aus Pausen zusammen. Ran smd wir aber doch wohl endlich soweit, dah der Vorhang »um letzten Akt aufgeht, und dann muh es sich zeigen, ob im Deutschen Reichstag eine Tragödie oder ein bürgerliches Schauspiel gegeben wird. Das einzig greifbare Ergebnis der ganzen Ve:Handlungen war bsher ein starker Prcstigeverlust für den Reichskanzler Dr Marx, der mit seiner Volksge- m e i n s ch a f t die Quadratur des Zirk ls zu lö en versucht hat. obwohl ihm von allen Seiten von Anbeginn an bescheinigt wurde, dah das ein Ding der U n m ö g l i ch k e i t sea. Er h ä nicht hören wollen und hat dafür nun d.e F lgen »u tragen, dah jeder andere Ausweg ih n vermauert ist; auch er selbst hat enxich emgesehen, dah die einzige noch mögliche Lösung in der Erweiterung der R rgierung nach rechts besteht. Hätte er aus dieser Erkenntnis die Konsequenz gezogen und rechtzeitig d.e F h ung auch inne, halb seiner eigenen Partei wi. e an sich aer.ssen dann wären wir heute vielleicht schon weiter Aber dazu will er sich nicht verstehen, er lüht die Zügel schießen und sieht geruhsam au, Wie innerhalb des Zentrums der Kampf der beiden Richtungen ausgefochten wird. Mit sachlich-politischen Gründen kann freilich die Gruvve Wirth nicht mehr arbeiten. Das einzige Argument, das sie noch hat. i|t, dah ihr jedes Zusammengehen mit den Dertschaa ivnalen untragbar erscheint. Wenn die Klärung soweit gediehen ist, dann geiührt dafür das Verdienst i er Deutschen Voltspartei, die in zäher 21;= beit. die Steine aus dem Weg geraum: hat, die auf ihm liegen. Wohlversta iden, auf b.iden Seiten Denn auch die Deutschnatronalen haben wenig oder nichts dazu getan, der Deutschen Rach einer Meldung des „Berliner Lokalanzeigers" aus Friedrichhafen wurde Jtort em geistesgestörter Student aus Westfalen verhaftet, bei dem man einen abgeanderten Karabiner mit Munition vorfand Aus den vorgefundenen Aufzeichnungen geht hervor dah er die Absicht hatte, den Führer des 3 X HI ftu erschienen, um die Fahrt des L u f t s ch i f f es nach Amerika Au verhindern. Ein Fieund des Verhafteten, der um den Plan wußte, wird noch von der Polizei gesucht. Der erste Funkspruch. Nachdem Z.R.III um 6.35 Uhr zu seiner Arnerikasahrt aufgestiegen war, überflog e um 7 Ahr Konstanz und flog m südwestlicher Richtung weiter. Um 8 Uhr erschien er über Basel. Zur gleichen Zett fünfte Z.R.I . „Das Wolkenmeer unter uns löst ftch allmählich auf. Soeben verlassen wir über Basel deutschen Boden." 11.40 Ahr vormittags überflog Z- A. 'u Loire in der Richtung Bordeaux. Der Zeppelin Über Frankreich. Grostcs Interesse der Franzosen. , Ueber die Fahrtrichtung, die- Z-«.» dann genommen Hut, wurden in $ -widersprechendsten Mitteilungen • „Paris ©Dir“ verbreitete eine berliner M düng, wonach Z. R. III um 4.12 $ „ s her englischen K u ste i n 1 lick er Richtung gesichtet worden sein soll. Di? Meldung ist dann von SuMndiger fron« KWGEW ^au^g"eNästet worden. Sie Flugzeug- ss’itewÄ#» Posten Att gegen'3 Ähr lwesteuropaische Seit) Signale des Z. R. »I ausgenommen die seine Lage angaben. Ser Flugkreuzer befand sich inst Augenblick oberhalb der Mundung der Sironde Sie Richtung wurde nicht an- GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen vnlck und Verlag: vrühl'sche Umverfitäts-Vuch- und Ztelndruckerei R. Lange in Gießen. Lchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. m. 241 Erstes Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GietzenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monatz-Vezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: Schristleitung 112, «Der. lagundGeschästsstelleöl. Anschrift für Drahtnachrichten: AuzeigerGlehen. Postscheckkonto: Zranksurt a. M. 11686. Deutschnationalen woll en in ihrem Zugeständnis nicht darüber hinausgehen, dah die neue Aegie- rung auf der Auhenpvl.tif des Kabinetts Marx- Stresemann .aufbauen" solle und wollten die jÄÄ I W»'toÄW X a 2luhenministers Dr. Stresemann nicht geben, freichert usw. sei ern notwrnd^es älebel, w^ Inzwischen ist knapp ein halbes Iahr vergangen sich darum handele, den ^^ten gegen b? i unb nun macht das olles keine Schwierigkeiten stand des Staats vorzubeugen. In er, , mehr Kein Mersch spricht davon, dah der Kanz- mühte der Kampf geg!?n den Kvm ler^oder der Auhemnintster verschwinden sollte, mus geführt werden stvolkrsch die Deutschnationalen wollen sich damit begnügen, I 8ung habe rhre hahen uatwnaft Z e^e g - tntinifterfiöe Su über. * | beres ati ein Privatbe-r LuLendoifsS „OBir machen zweiStunden Wetter- dienst. Unterbrechen Fahrtbericht, damit Sie sich verschnaufen können." Aus einem gleichzeitigen Funkspruch gehl noch hervor, dah das Wetter bisher schön war ___...____, _ ____ die Durchschnfttsgeschwindigkcit 65 Meilen betrug beitsgemcinschaft mit dem Zentrum u id ie De- und die Masch inen in bester Ordnung mc traten f ortsehl, wenn d e beiee>. Pa teien ind. sich brr Mitarbeit der D.utschnat ona e r uenagen. m... _ _ —T m Soweit kann die Deutsche Volkspartei ihre Der- Mtt 90 Klm.-Geschwmolgnen gangen hei t nicht verleug en. Kommt es nicht zu über Sonnten« einer Verständigung mit den Deutsch a io .alen, c ii, fX . bann werden das Zentrum und die 'Demokraten Ein Fmftpruch des Z. R. Ill snewet. Aach ^ch nach anderen Rcgierungsge ws en umsehen Zschneller Fahrt gegen 8 Uhr pasfterte Z.^i. i um m£ffen Dabei braucht man kcinesweg. an .in.n nordwestlicher Richtung Spanren mrt erner Ee° gewaltsamen Bruch zu d nken, des läh ich alles schwindigkeit von 90 Km An Bord ist alles l |n und Frieden erledigen, zumal da, wenn Wohl. Die Fahrt verlauft gut. wir die Stimmung im Kabinett richtig beur- Die Funkstelle der Tclegvaphen-Union gibt teileni in demselben Augenblick, wo ein Rein um 1 Uhr früh folgende verstümmelte Meldung ^ei Zentrums vorli:gt, die überwiegende wieder: „Abends 9 Uhr westeuropäische Zett Eo- Mehrheit der Kabinettsmitglieder ronna quer .... Südwind . . . -10 Me^er von ihrem Amte zurücktritt. 90 Km. Fahrt auf Azoren zu. An Bord alles ^eirn Dr. Marx ist das bekannt, ihm wird wohl." , dann kaum etwas anderes übrig bleiben, als dem Um 2,30 Uhr früh teilte ein Etlichee Funk- Reichzpi.äsidenten seine Demission anzubieten^ sprach mit: Der Standort des Z.R. 3 ist um b s u n gs dekre t 12 Uhr nachts die Rordecke Spaniens nach den I erjp^tfen um dann mit dem gegenwärtigen Ka- Azoren in 12° westlicher Länge. An Bord binett als Geschäftsministerium die Wahlen zu alles wohl, die Maschinen sind in Ordnung, fü^en, falls nicht der Reichspräsident ver- suchen' sollte, den Kurs nach links zu über» Wtne ’-O0t)Cl)UfT breben und Herrn Müller und Herrn Dr. Wirth fröhliche Urständ feiern zu lassen ein 0C5 s Man sch'te te weil es nicht gelang, eine gelt werden, die in Wirklichkeit gar Nich exi- mui etuna zu f nden; die stieren. Am Samstagabend sprach in einer g ohen entsprechende Fv-mul erung ^zu^ | Versammlung an Stelle des verhinderten Ministerpräsidenten Dr. Held Innenminister Dr. Stützet. Er führte ung-sähr folgendes aus: Die Signatur der neuer bayrischen Koalition sei die Recht s r i ch t u n g. Die Ein- /et In einem geordneten Staate könnte es aber nur eine bewaffnete Macht geben. Diese mühte in der Hand des Staates fein. Stützet schloh: Wir sind Föderalisten, aber keine Parti k u l a r i st e n und noch weniger Separatisten. Wir wollen ein Grobdeutschland, dem aber auch unsere österreichischen Brüder angehören. Wir wollen dem Reich geben was des Reiches ist, wir wollen aber den gleichen Grundsatz auch auf uns amgewendet wissen. Sozialminister Oswald wandte sich scharf gegen die kulturkämpferischen Bestrebungen. Für uns, sagte der Minister, gibt es keinen Fall Hitler, sondern nur die Frage, ob der Grundsatz: „Dor dem Recht ist jeder gteich", immer beachtet wird. Man hat nicht immer den Eindruck gehabt, dah bei dem Verfahren gegen die Hochverräter vom November 1923 dieser Grundsatz genau beachtet wurde. Dr. Wirth gegen Rechtsschwenkung und Bürgerblock. Offenburg , 13.Ott. (Tel.-Un.) Reichskanzler a.D. Dr. Wirth führte am Sonntag auf dem Parteitag e des badischen Zentrums u.a. aus: Die Erkenntnis von der einzig möglichen Politik der Mäßigung beginne sich überall durchzusetzen und dürfe nicht durch eine neue Rechtsschwenkung in Gefahr gebracht werden. Der Gedanke eines Bürgerblockes sei der unglücklichste, den man hätte erfinden können. Die große Aufgabe der Partei sei die, zu versuchen, die Brücke zwischen Besitz und Arbeit zu schlagen. Der Staatspräsident Köhler legte Verwahrung dagegen ein, daß der „Republikanische Tag" in Mannheim ein „R o t e r T a g“ genannt worden sei. Eine kulturpolitische Rede Stresemanns. Die Aufgabe des deutschen Liberalismus. Berlin, 12. Oft. (Sei.»Union.) Auf der Kulturtagung der Deutschen Volks- Partei ergriff Samstag mittag Reichsauhen- minifter Dr. Stresemann das Wort zu längeren Ausführungen. Er erinnerte eingangs daran, daß ein Mann, der sicherlich hochbedeutend als Persönlichkeit war, nämlich der verstorbene Dr. Walter R a t h e n a u , einmal den Ausspruch getan habe, die Wirtschaft allein sei unser Schicksal. „Ich habe damals," so erklärte der Außenminister, „als dieses Wort erschien, mich mit aller Energie gegen diese Formulierung gewandt. Ich halte es falsch, auf außenpolitischem Gebiete, und ich halte es auch falsch auf innerpolitischem Gebiete. Die Wirtschaft ist noch niemals das Schicksal eines Volkes gewesen. Das Schicksal eines Dolles war immer bestimmt durch die Politik im weitesten Sinne des Wortes. Es war bestimmt durch die Einstellung des Volkes zu den großen Ideen und,. Idealen, und von diesem seelischen Aufbau eines Dolles hängt es ab, dah es den Weg zum Wiederaufstieg findet oder nicht. Daß es dabei dafür sorgen muh, die Grundlage materieller Entwicklung sicherzustellen, ist selbstverständlich. Man darf wohl das eine sagen: Die Wirtschaft allein ist nicht unser Schicksal. Aber faugi jemals waren die großen weltpolitischen Fragen so durchsetzt mit Fragen der Weltwirtschaft wie geenwärtig. Wenn ich an die Ereignisse erinnere, die seit August vori- gerf-Iahres vor sich gingen und die bei den Wahlen zu einer schweren Niederlage unserer Partei geführt haben, so war die Politik, die wir betrieben, eine Politik auf weite Sicht, und ich bin der Ueberzeugung, dah wir besser daran täten, einen Teil unseres Einflusses quantitativer Art aufzugeben, um diese Politik auf weite Sicht zu treiben, anstatt die Kurzsichtigkeit des Tageserfolges zu treiben, die andere Parteien trieben. Solange jemand Führer einer Partei ist, solange hat er zu führen und nicht den anderen nachzulaufen! Ich bedauere, daß die Fragen der Sozialpolitik angesehen werden als Fragen, die auf der einen Seite die Arbeitgeber und auf der anderen Seite die Arbeitnehmer angehen. Die Frage, welche Anforderungen an den einzelnen gestellt werden können, dürfen oder müssen, ist nicht eine Frage der Interessenten, sondern des Staatswohles und der sittlichen Einstellung des einzelnen zu dem Problem. Was den kulturellen Niederbruch so unerträglich macht in der Geschichte, ist nicht die Niederlage auf dem Schlachtfelde. Das, worüber ich nicht hinwegkomme, ist der sittliche Niederbruch des Volkes nach der Niederlage gewesen. Man kann aber eine Niederlage zum Siege machen, wenn man den Stolz aufbringt, sie so zu tragen, wie man sie tragen muß. Statt dessen sahen wir einen moralischen Niederbruch in jener Zeit, in der das Volk hätte trauern müssen, was uns vielleicht weit mehr geschadet hat als die Niederlage. Diese Entwicklung der letzten Jahre hat in dem Mähe die Grundlagen des sittlichen Empfindens des einzelnen belastet, daß man sich nicht darüber wundern kann, dah vieles ins Schwanken gekommen ist. Ich meine damit den Zusammenbruch derjenigen Existenzen, die dem Staate das Beste gegeben hatten. Ich habe die Empfindung, dah, nachdem die ersten Jahre dieser Verwilderung vorübergegangen sind, wir jetzt zu einer ganz anderen Stellung im Volke kommen. Wir haben oft nach den Siegen Zeiten der Verflachung gehabt, bie einen schwer erschrecken formen, und dann haben wir in tiesster Not gesehen, wie der lauterste Brunnen deutscher Volksgesundung in einer Weise rauschte, wie sonst niemals vorher. Wir wären über die Kinderkrankheiten des P a r- lamen t ar ismus längst hinweg, wenn man nicht das Volk zurückgehalten hätte von der wirklichen Teilnahme an dem Staatsgeschäft. Wir leiben noch heute unter den Erlernungen der damaligen Zeit. Nie waren die sittlichen Kräfte unseres Volkes stärker als nach dem Frieden von Tilsit. Ich finde es viel richtiger, wir merkten in unseren Schulbüchern noch etwas davon, wie schwer es gewesen war, das Deutsche Reich zu begründen. Man sollte auch die Schüler von den schweren Kämpfen Bismarcks um die deutsche Einheit unterrichten. Die Vermählung zwischen deutschem Liberalismus »nd Dismarckscher Realpolittk hat das Deutsche Reich geschaffen. Wenn ich die durchschnittliche kulturell" Cbib bvug des heutigen Deutschlands mit dem früheren 3tulruricben vergleiche, dann habe ich die Empftm- dung von dem Niedergangunserer Kultur, und dah man sich darüber hinwegtäuscht, daß sie im Niedergang begir.ffen ist. Ich glaube, dah wir eine große Aufgabe haben nach zwei Richtungen. Die eine ist die, dah man vielleicht das große Problem der Zeit nur als malert e l l ansicht und das andere gering ach.et, die zweite ist aber das Thema, das Minister Dr. Dölitz soeben erörterte: D i e Jugenderziehung der Gegenwart. Ich glaube mich mit ihm ganz in Xlebercinftinrmung, trenn er gesprochen hat vom verständigen Wandern und verständigen Sport. Ich habe ja noch zu der Generation gchi-rt, die an vier Na tmittagen in der Woche Unterricht hatte. Aber ich wa ne davor, so weit zu gehen, dah das Geistige leidet. Ich wünsche Sport und Dil.ung. Ich wünsche den Menschen, Ler waalert, der ru ert, der aber, trenn er abends zurückkommt, in stiller Studierstube sich mit den großen Ge stern der (Segen toari und der Vergange heil in Ve bindung seht. Der Liberalismus al3 kirchliche Bewegung hat weder rechts noch links zu stehen Er hat für Duldung und freie Forschung cin- zutreten. Wenn wir nicht das Volk t/leiben, das strebend s i ch bemüht, rann wer e wir auch nicht das Volk des sisilich-en Fortschrittes ble ben. Ich mochte, daß die Jugend in die Welt dieser Ideale und dieser Kämpfe einmal eingeführt wird. Die ühcer der Jugend haben die Pflicht und Schuldigkeit, nicht das Zeichen zu geben für eine Illusionspolitik auf nationalem Gebiete, die dem Vaterland schadet, und wir dürfen in einer Zeit der Machtlosigkeit, in der wir allmählich erst auf dem Boden der Kompromisse versuchen müssen, uns in eine gewisse Machtstellung als Großmacht wieder hineinzuringen, nicht gestört werden durch Bewegungen, die in der Treibhauöhihe ihres Gemütes immer erst den zweiten Schritt tun, ehe der erste getan ist, wie Friedrich der Große einmal von Joseph ll. gesagt hat. General Ludendorff, von bzm ich so auherordxentllch bedauere, dah er jetzt der Reichs.agLabgeordnete Ludendorff ist, hat gesagt, b:e Deutsche Volkspartei sei die Partei ohne Id ale. Wenn b s ülnerre'ch are, wenn Luft- b über Idcattol.tik sein sollen, dann habm Sie allerdings viele Idealpolitiker in Deutschland, nur daß dabei das Deutsche Reich in Scherben gehen toüibe. (Lebhafte Zustimmung). Die Zeil ist jetzt so, dah lediglich mit kühlem Verstand Pol tik getrieben werden muh. Wenn wir dann den Grund geschaffen haben füc ein besseres Deutschland, so wird de,er Dank dafür vielleicht wen ger lärmend sein, aber er wird mehr übereinst immen mit den Tatsachen. Die Jubiläumstagung der christlichen Gewerkschaften. Eine Nede Stcgerwalds. Köln, 12. Oft. (WTD.) Die 25jährige Iu- biläurnstagung der christlichen Gewerkschaften Deutschlands wurde heute vormittag durch eine Kundgebung in der großen Halle auf dem Messegelände eröffnet. Nach einer Reihe Eröffnungsund Begrüßungsansprachen H elt der erste Vorsitzende des Gesamtverband^ der christlichen Gewerkschatten Deutschlands, der ehemalige preußi- sche Ministerpräs bent Stegerwald die Festrede, in der er aus führte, daß die christlichen Gewerkschaften in ihrer Grundanschauung den vom kapitalistischen Geist einerseits und den von der sozialistischtM Idee andererseits beherrschten Volksgruppen gegenüberstünden. .Unter kapitalistischem Geist sei nicht die Wirtschaftsform, sondern der verderbliche Geist, der sich die- ser Form bemächtigt habe, zu verstehen. Der Kampf gegen ihn bedeute nicht eine Vernachlässigung der Technik und der Arbeitsintensität. Unter dem Kampf gegen die sozialistische Idee sei nicht die Bekämpfung der sozialdemokratischen Arbeitskollegen zu verstehen. Für die Sozialdemokratie sei der Ausgangspunkt für das Ge- sellschafts- und Wirtschaftsleben die Klasse, für die gelben Gewerkschaften das Werk, für die christlichen Gewerkschaften dagegen der Beruf. Letztere lehnten infolgedessen den sozialistischen Klassenbegrsif überhaupt ab und setzten an dessen Stelle den Berufs - und Standesbegriff. Nachdem in den vergangenen 20 Jahren die christlichen Gewerkschaften in der Defensive kämpfen mußten, sei jetzt die Stunde zur Offensive gekommen. Nach der Annahme der Londoner Abmachungen stehe nicht nur die christliche Gewerkschaftsbewegung, sondern auch das deutsche Unternehmertum vor einer großen Stunde. Letzteres habe jetzt durch die Tat zu beweisen, ob ihm die Arbeitsgemeinschaft von 1918 bei dem Ausbruch der Revolution das Mittel für eine neue Epoche in der Gestaltung des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit sei. Von den christlichen Gewerkschaften müsse der Arbeitsgemeinschaft s g e b a n f e trotz aller Rückschläge vorwärts getrieben werden. Der Redner betonte, daß die christliche Gewerkschaftsbewegung die wahre Demokratie wolle und dies heiße: Besorgtsein aller um Volk und Staat. Sie sei berufen, Drücken auf den verschiedensten Gebieten zu schlagen. Im treUeren Verlauf der Tagung betonte Reichsarbeitsminister Dr. Drauns die besondere Dedeutung des Tages und übermittelte das Dedauern des Reichskanzlers, dem Iubiläumsfest nicht beiwohnen zu können. Er hob hervor, daß durch ihre idealen Ziele den chrich- lichen Gewerkschaften ein hoher kultureller Wert zukäme. Die Arbeit sei noch nicht getan, es solle aber alles geschehen, um das Los des Arbeiters weiter zu erleichtern. Die Reichsregierung sei entschlossen, die gegenwärtigen Lasten gerecht zu verteilen und sei überzeugt, in den christlichen Gewerkschaften eine wertvolle Stütze für denWiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu finden. Hinausschiebung der Schutzzollvorlage. (Eigener Informationsdienst.) Derlin, 13. Oft. (Drahtmeldung.) Wie wir Horen, beabsichtigt die Reichsregierung, die Schutzzollvorlage vorläufig noch nicht zur Verabschiedung zu bringen. Da infolge des un- g.ünstigen Crnteausfalles die Notwendigkeit einer erheblichen Lebensmitteleinfuhr besteht, wünscht die Reichsregierung, die Schuhzollvorlage so lange zurückzustellen, bis ftch die Ernährungsverhältnisse im kommenden I Jahr genügend übersehen lassen. Die Räumung Dortmunds. Der Abzug der Franzose» auf den 20. Oktober festgesetzt. Dortmund, 12. Oft. (Tel.-Anion.) Die Städtische Nachrichtenstelle gibt bekannt, daß laut Mitteilung des Generals Marty an den Oberbürgermeister von Dortmund vom 11. ds. Mts. die Räumung der Stadt Dortmund durch die Besahungstruppen im Laufe des 20. Oktober erfolgen wird. * Der Abzug der Franzosen aus Dortmund bedeutet unzwe folhaft die Räumung der gesamten Zone Dortmund-Hörde, die seinerzeit nach Abschluß der Londoner Verha^- lungen der Reichsregierung durch Herrn Herriot in Aussicht gestellt worden ist. Wir begrüßen diese Maßnahme um so mehr, als sich in den letzten Tagen angesichts der Hinauszögerung der Anleihe-Verhandlungen eine ziemlich starke Nervosität der Bevölkerung dieser Zone bemächtigte, da sie glaubte, die in Aussicht gestellte @efte Herriots werde nicht zur T a t werden. Die Räumung Dortmunds wird aber auch im gesamten Ruhrgebiet einen sehr günstigen Eindruck hinterlassen, da noch immer die Möglichkeit besteht, das Industtiegebiet Mitte Januar 1925 gleichzeitig mit der Kölner Zone von der Fremdherrschaft befreit zu sehen. Es wäre jedoch verfehlt, allzu große Hoffnungen auf eine solche Möglichkeit zu setzen, da man nicht weiß, welche Wendung die Diiage in Frankreich bis zu diesem Termin genommen haben und ob die neue französische Regierung über diese Angelegenheit nicht anderer Ansicht ist. Die traurigen Ersah rangen, die wir in den letzten fünf Jahren gemacht haben, können auch durch die Räumung Dortmunds nicht hin- woggewischt werden, das Mißtrauen auf deutscher Seite wird solange bestehen bleiben, bis Frankreich und Belgien ihrerseits die etngegangenen Verpflichtungen restlos erfüllt haben. Wechsel im Oberkommando der französischen ,,Rheinarmee". Paris, 12. Oft. (WTB.) Der Ministerrat hat beschlossen, General Guillaumet, der während des Krieges die Orientarmee vor Saloniki kommandiert hat und sich augenblicklich in 211 b e n aufhält, zum Oberbefehlshaber der Rheinarmee an Stelle von General D e g o u t t e, der auf seinen Wunsch eine andere Verwendung finden wird, zu ernennen. Die Pariser Handels- vertragsverhandlungen. Berichterstattung der deutschen Handelsdelegation in Berlin. Berlin, 13. Oft. (Dr'h'Meldung.) Die dou^chen Bcvollmäch igten, Lie ege w rtig in Paris über den d ut ch französische i Hand lsv:r- trag unterhandeln, w.rdea im Laufe d s he ttzen Tages nach Berlin kommen, um d r Reichsregierung über die bisher erziel en Resultate Bericht zu erstatten. Es sind bereits gewiße Erfolge zu verzeichnen. Man hat sich vorläuf g aut ein Kompromiß geeinigt, de s n Einzelheiten noch nicht b:Earmtgeg ben worden sind. Es steht mir fest, daß Deutschland Weier die unumschräntte Meistbegünstigung gewährt, wie diese von Frankreich ursprünglich re - langt wurde, noch aber auf der anderen Ssi'e Frankreich das von ihm verlangt: Zug stän n s macht, daß gewisse franz o sis che Ind u- st r i e n , besonders die elsaß-lothringischen, ihr: Waren zolls rei nach Deutschland einführen dürfen. Man glaub' in politischen Kreisen zu toi fen, daß die eo K mpr miß die Billigung der Re.chsregierung finden w rd und daß nach der Rückkehr der deutschen Bevollmächtigten nach Paris die weiteren Verhandlungen bald zu einem Abschluß führen werden. Die türkisch-englische Krise. London, 13. Oft. (T. U.) Die Antwortnote der Türkei auf die beiden letzten Noten Englands ist, wie von amtlicher Seite gemeldet wird, Samstag an den englischen Geschäftsträger in Konstantinopel überreicht worden und gestern nachmittag in London eingefroren. In unterrichteten Kreisen betrachtet man die Antwort als ein Ultima» t u m und sieht die Lage s e h r e r n st an. Die in den gestrigen Morgenblättern verbreitete Nachricht von der Entsendung englischer Truppen an die türkische Front soll anscheinend nur eine Beruhigungspille sein. Der englische Oberkommandierende im Irak verhandelt mit den Türken über die Wiederherstellung des Status quo. Er hat einen Dries an das türkisch? Kommando gerichtet mit der Aufforderung, die Festsetzung des Status quo vorzunehmen. Der Rat der Vertreter der Kammern hat darüber beraten. Wegen des Ernstes der Lage hat er dem Präsidenten der Republik vorgeschlagen, die Nationalversammlung ei n zu be ru f en. Der Präsident hat diesen Vorschlag gebilligt. Der Kommissar hat die Deputierten zu einer Sitzung einberufen. Aus Mossul wird berichtet, daß alles ruhig ist. Kemql Pascha kehrte eilig nach 2tngora zurück. Die türkische Note war die Antwort auf ein br itis ches Ultimatum, das der türkisch?n Regierung am Donnerstag überreicht und in der eine Frist bis Samstagmiltiag für die Zurückziehung der türkischen Truppen hinter Die Linie des status quo und die Einstellung weiterer Truppenzusammenziehungen gewährt worden war, widrigenfalls Großbritannien seine volle Handlungsfteileit wieder einnehmen werde. Das Kabinett in Angora, beriet über das Ultimatum in einer die ganze Donnerstagnacht dauernden Sitzung, und nachdem man sich mit dem in Erzemm weilenden Must a p h a Kemal in Verbindung gesetzt hatte, wurde die Antwort Freitagnacht übermittelt. Der Wahlkampf in England. London, 13. Oft. (TU.) Die Liberalen und Konservativen haben gestern ihre Wahlaufrufe veröffentlicht. Sie bieten inhaltlich nichts von wesentlicher Bedeutung. Beide Parteien sind oaoon uoerzeugt, daß die areuwahten Im ganzen Land unpopulär wären. Sie wären durch die Ablehnung des Untersuchungsausschusses durch Macdonald und die Arbeiterregierung herbeigeführt worden. Man betont, daß die Regierung in den wichtigsten Fragen unentschieden und uneinig gewesen ist. Das Wahlmamfest der Arbeiterpartei erhebt den Vorwurf, daß die Regierung durch das Parteikomplott der Liberalen und Konservativen im Unterhaus gestürzt worden ist Der Bürgerkrieg in China. Paris, 13. Oft. (Tel.-Un.) United Preß meldet aus Schanghai, daß die Ehekiang- truppen sich fluchtartig zurück- ziehen. 3000 Mann wurden abgeschnitten. Amerikanische Zerstörer haben Marineabteilungen gelandet, um zu verhindern, dah die sich zurückziehenden Truppen die Fremdenniederlassungen bei Schanghai betreten. Nach drahtlosen Meldungen aus Mulden ist die Stadt Ehih-Feng in Nordchili vom Gegner eingenommen. Die Stadt zählt 500 COO Einwohner und hat eine Garnison von 60 000 Mann. Es ist nicht ersichtlich, ob es der Garnison gelungen ist, sich zurückzuziehen. Die Moral der Chilitruppen soll schwer erschüttert sein. Eine Meldung aus Osaka bestättgt die Einnahme von Schang- haikwan durch die Truppen Chang- Tso-lins. Die 2. Chiliarmee, die aus der 9. und 13. Division bestand, ist aufs Haupt geschlagen. Der Oberbefehlshaber der Chilitruppen, W u - P e i - F u, hat die 3. Division an die Schlachtfrvnt gesandt. Aus aller Welt. Anatole France Paris, 13. Oft. (T.-A.) Anatole France, einer der größten Schriftsteller der modernen Weltliteratur, ist gestern nacht 11.50 Ahr nach langem Todeskampf in Tours verschieden. Eine Basch-Versammlung in Stuttgart verboten. Stuttgart, 12. Oft. (TU.) Die von der „Deutschen Liga für Menschenrechte" auf Diens- tag eingesetzte öffentliche Versammlung mit dem Vortrag: „Die europäische Lage und die deutsch französische Verständigung" ist wegen der öami. verbundenen Gefahr du ng der öffentlichen Ruhe und Sicherheit verboten worden. In der Versammlung sollte u. a. Pros. Basch aus Paris sprechen. Nach sechs Jahren zwei schwere Mordtaten ausgedeckt. Berlin, 12. Oft. (WB.) Berliner Kriminalkommissaren ist es gelungen, zwei Verbrechen auf- zuflären, die die Behörden seit 1918 beschäftigen. Im April 1918 verschwand der Besitzer Müller aus Gommern bei Magdeburg, einige Zeit später der mit der Familie des Müller verschwägerte Besitzer Hoppe. Die Familie des Hoppe wollte Briefe von ihm aus Holland erhalten haben. Müller sollte nach Amerika ausgewandert sein. Die drei Tochter Hoppes haben nunmehr gestanden, daß ihr Bruder den Vater, als dieser Kienäpfel pflückte, miteinemIagd- gewehre vom Baume herunter= geschossen habe und, da er nicht gleich tot war. noch einen Schuß durch den Kops gegeben habe. Auch Müller ist auf die gleiche Weise von seinen vier Söhnen im Walde erschossen worden. Seine Leiche ist auf einem Acker aufgefunden worden. Es besteht die Vermutung, daß auch ein jüdischer Fellhändler namens Zweifler aus Leipzig, der, nachdem er zuletzt in Gommern gesehen worden war, ebenfalls vermißt wird, den Verbrechern zum Opfer gefallen ist. Es ist festgestellt worden, daß Zweifler 22 000 Goldmark bei sich hatte. Wie hoch war der Zinsfuß im Altertum? Wenn wir heute, in der Zeit der Geldknapp» beit, über die Hohe des Zinsfußes zu klagen geneigt sind, so wird uns ein Blick in die alte Zeit, wie ihn die „Omnia“ in einer Zusammenstellung eröffnet, belehren, daß es auch damals nicht viel anders in der Welt ausgesehen hat. Der arme Landmann mußte auch im Altertum in den Zeiten, da es galt, den Acker zu bestellen und Samen zu kaufen, Geld a-ufnehmen, das ihm vom Handelsmann gegen Interessen geliehen wurde. Die mittlere Höhe der geforderten Zinsen betrug in Babylonien 20 Proz., in Assyrien lag sie noch etwas höher, etwa um 25 Proz. und stieg, wie wir aus alten Dokumenten wissen, bisweilen auf 33 Proz., also ein Drittel des Kapi tals. In Assyrien wurden die Darlehen für ein Jahr gewährt in Babylonien auf Bkonate, wie dies bann auch in Griechenland üblich war. Diese Verschiedenheit hängt mit den grundsätzlich verschiedenen Lebensbedingungen in beiten Ländern zusammen: der rein landwirtschaftliche Charakter Assyriens erforderte Darlehen von einer Ernte bis zur nächsten, also auf Jahresfrist: wä hr nd in Babylonien mit seinem blühmdrn Handel Gelb zu den verschiedensten Zeitpunkten benötigt wurde. Wenn die Zinsen in Naturprodukten zu zahlen waren und die Ernte durch aöyu heftige Regengüsse oder große Dürre vernichtet worden war, so waren die Gläubiger nach einem bestehenden Gesetz in diesem Jahr zur Zahlung der Zinse t nicht verpflichtet. Als Sicherheit für das geliehene * Kapital stand es dem Gläubiger zu, ein Pfand zu nehmen. Obwohl wir fein bei ben Babylon ern geltendes Gesetz kennen, das diesen wie den G necken oder den Hebräern verboten hätte, die zum Leben uiu> zur Bestellung des Feldes notwendi en Dinge als Pfand zu nehmen, so finden sich doch in einem um das Jahr 2000 v. Ehr. entstanden, n Codex gewisse Klauseln, die den Landmann in diesem Sinne einigen Schutz gewähren. Wettervoraussage. Meist heiter, Winde aus südlrcher Richtung, tagsüber wärmer, nachts kühler, Morgennebel, nur stellenweise leichte Niederschläge -Unter dem Einfluß eines augenblicklrchen Hochdruckgebiets ist zunächst auf Fortdauer der herrschenden Witterung zu rechnen. eingeführten Vertreter sucht rührigen, mit der Brunche ucr trauten und bestens für Giehen und Umgebung, der für seine Tätigkeit und Erfolge den Nachweis erbringt. Gefl. Angebote unter K. B. 2315 an Rudolf Moste, Köln. [7942ss Ewr steruz — otmkm — Itham — ruzste Herbst- Preisayfgabe Jeder äst Ge^mner der uns obiges Sprichwort in richtiger Lösung einsendet, und jeder Löser nimmt teil an der Verteilung der nachstehenden Preise: 7957ss 1 Automobil od. eine kompl. Wohnungseinrichtung 1 Motorrad oder ein Eßzimmer 1 Pianino oder 1 Wohnzimmer 4.—203. Preis — 200 la Taschenuhren und eine große Anzahl kleine Preise Die Verteilung erfo'gt unter Aufsicht eines Notars. Die ger. Versandkosten n.uß der Einsender trag-n. Die Einsendung muß sofort erfolgen, verpflichtet zu nichts und ist ohne Risiko. Für Rückp., Drucks., Schreiblohn usw. sind Gebühren der Lösung beizufügen. (Briefporto 10 PfJ Schreiben Sie sofort an Globus-Versand Heinr.Stamm,Braunschweig 2139 vF* r »i\ >, - Aus Stadt und Land. ©leben, den 13. Oft. 1924. Schützt unsere deutsche Heimat! Der Naturschutz — eine Lache des öffentlichen Gewissens. Don Pfarrer Wilhelm Kornmann. Ulrichstein (Vogelsberg). Die Lüneburger Heide — diese Worte haben einen ganz besonderen, eigenen Klang, wer »efe Heide durchwandert hat, dem ist sie unver- gehlich. Natürlich ist dabei nicht die Heide gemeint, die 5 Minuten von der Dahn entfernt liegt, sondern die. wo die Dörfer stundenweit auseinander liegen, wo es kaum Aderbau gibt — wo HeidschnuckenHerden ganz allein der weiten LaMchaft lebendiges Gepräge geben Heide, Wacholder, Tannenwald und ein paar Dirken - das ist alles: aber der Raturfreund weih, vaß das einen überwältigenden Zaube^ bedeutet - dah hier die Seele atmen und ruhen kann lind gerade den schönsten Teil hatte man, vor Jahren schon, zum Naturschutzpark erklärt. Wirklich eine Tat! Doch: was ist heute dort geworden? Ach. die Schuhverordnungen hatten manche Lücken, und durch sie ist man allmählich durchgeschlüpft. Die Städter" haben es vorgemacht: ein Berliner Dau- rat lieh seinen Pridatbesih, cm urattes niedersächsisches Forsthaus, „modernisieren": in die Stille der Heide setzte er ein schreiend buntes, neäes Haus. Um sein Land zog er einen Stachrldraht- zaun: Wege, von alter Historie geheiligt — so | einen Weg, den schon Karl der Große zur Begründung von Hamburg gezogen sein soll —, lieh er, kraft seines Besihrechles, sperien. — Gr sand natürlich bald Rachahmer: Schlechtes steckt immer an! Der eine baute eine Mauer um seinen Hos: i er holte grohe, schöne Findlinge aus der | Heide und sprengte lustig drauf los Der | andere lieh die besonderen Wildverord- I nungen au her Acht und jagte in dem Schutzgebiet, f Die 3bee des Naturschutzes wurde sabotiert. Man I kümmerte sich nicht mehr um den Äaturschcchpark, I man schaltete und waltete, wie es einem in den I Kops kam. So ist heute das Naturschutzgesetz in I der Lüneburger Hüde, soweit es nicht in der Hand | les Staates oder des Bereins Ratursch ihpart ist, I längst nicht mehr das, was es fein sollte: mit IseinemBerlustmuhgerechnetwerden. Aach der Lüneburger Heide kommt der I H o h e n st o f f e l n. Er ist nicht g radr der aller- I bekannteste der Dasaltkegel in Hegau, drunten, I nach dem Bodensee zu. Man kennt v.elleicht I nrehr den Hohentwiel, von Scheffels „Ekkehart" I her. — vielleicht noch den Hohrnträhen oder den I 5>ohenhöwen. Es sind ein paar ganz prächtige i Gesellen, die dort aus der Ebene ihr Haupt I t-ußig in den Himmel hinein recken: ein unver- ß Weichlich gewaltiges, in der Linienführung ber I Bergrücken selten eindringliches Landfchaftsbtld! I Hier spinnt die Romantik noch ihre Sch..ier, j Adelsräulein gehen um, Mönche stehen in Kloster- t* qävten und schauen Schmetterlingen in di F er- ' bett nach, reisige Heer lassen das „Medra in rita" erschallen, fahrende Sänger ziehen durch die Lande. Das ist das Hegau! Aber die „moderne" Zeit, mit all ihrer Cnt- I ledung und Entartung, hat schon den Hohentwiel mit einem Steinbruch angenagt; jetzt hat der Berg wieder Ruhe. Wieder, wie seit fast einem i Jahrzehnt schon wiederholt, kommt der Hohen- \ flofjeln an die Reihe, nach einer Ruhepause. Auch hier müssen jetzt wieder Steine gebrochen I llxrden, als ob es die sonstwo im deutschen | lRüerland nicht gäbe! Die Hegauberge sind die deutschen Grenzlandwahrzeichen gegen die Schweiz; und der, der sie antastet, sollte verfehmt und verachtet sein. Haben wir überhaupt ein echt. uirsere Berge so zu verunstalten, zu ver- Drinden, und das ganze Landschaftsbild zu verändern? Haben wir keine Verantwortung gegen- । über unseren Rachkommen? Wollen wir sie vor I Snimmer und Reste ehemals prächtiger Berge I* siallen, vor Steinbrüche?! Die wandernde Jugend ist sich mit allen Ra- I iLtfreunden eins: Hier muh Einhalt g e = I toten werden! Schützt unsere Berge, I-)deutsche Behörden! Was bat es für einen Hßinn. Kriegerdenkmäler oder Kirchen unter Denk- I rialschntz zu stellen, wenn im großen, auf dem | Miet des Raturschutzes, gesündigt werden darf? B An Musterbeispiel in unserer Gegend ist der ] stoherodskopf. wo jemand, der Lust und j >eld hatte, sich eine Billa bei den Klubhäusern i hat hinbauen lassen. Man kann ihn fast beneiden 4 urn den Ausblick, den er oft haben mag; niemand I ti»iri> ihm Ruhe und Erholung mihgönnen. Aber !l wogegen man ankämpfen muh, das ist, dah sol- cyermatzen allmahtich oas 1/andschaftsbild verschandelt wird: wenn einem das Daurecht erteilt wird, warum nicht auch einem oder mehreren anderen? Eines Tages stehen wer weih wieviel Dillen da oben, und du, armer Wanderer, kannst sehen, wie du ein Stückchen Ausblick ergatterst, da wo man noch etwas für dich übrig gelassen hat. Ich glaube zu wissen, dah man weitere Dillen- bmiten dort zu verhindern wissen wird; ich kann mein Dedauern darüber, dah das nicht schon bei dem ersten Villenbau geschah, nicht unterdrücken. Anscheinend ist es bei uns üblich, dah immer erst bann ein Brunnen zugedeckl wird, wenn das Kind ßineingef allen ist. 3m Ramen der wandernden Jugend, der Raturfreunde und des Raturschutzes verteidigen wir die Ratur vor dem - Menschen! Bedenken wir doch einmal, dah wir hier nur ein Erde verwalten das wir getreu zu übergeben haben! Hier geht Gemeinwohl vor Einzelwohl, und darum rufen wir auf gegen alle Verschandelung. „ . . Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien . .!" •* Herrliches Frühherbstwetter war uns am geflr gen Sonntag beschieden. Rach den miserablen Wetterbescherungen dec letzten Monate wirkte dieser selten schöne Tag doppelt angenehm. Zu Tausenden zog alles hinaus ins Freie, um sich nach der langen, langen (Stuben- haft, die das ewige Regenwetter uns auferlegt hatte, in Feld und Wald mal ordentlich auszulaufen oder auf dem Fahrrad auszustrampeln. Aber nicht nur weit drauhen au£ dem Lande, sondern auch vor den Toren der Stadt herrschte Großbetrieb der Sonntagsausflügler. Hier waren es vor allem die Sportplätze, die von groben Zuschauermengen dicht umsäumt waren; einen ganz besonders starken Zuspruch hatte dabei der Wiesecker Sportplatz Philosophenwald aufzuweisen. In den Gastwirtschaften der Ausflugsorte war reger Verkehr der zu erquickender Rast ein- gekehrten Wanderer uni) Radler zu beobachten. Den Gastwirten der Rachbarschast ist das gestrige gute Geschäft aufrichtig zu gönnen, denn von dem Sommer sind sie, wie wir alle, auch schwer genug enttäuscht worden. Hoffen wir, dah uns in den paar Herbstwochen noch zahlreiche so schöne Tage, wie der gestrige beschieden sein mögen, und dann tr-erben wir nicht dem Sommer, sondern dem Herbst 1924 ein freundliches Andenken bewahren. •• Einforderung von Auswertungsbeträgen und Verzugszuschlägen bei der Lohnsteuer 1 92 3 und b i ter Ar - beitgeb er abgab e. Der Reichsmimster der Finanzen hat unter dem 30. September 1921 (1 I v.2 1800) nachstchendl'n Erlah an di' Landesfinanzämter hwausg hm lassen: In Ie;ter Zeit ist bei mir immer w eder Klage darübe. gef hrt worden, dah Ne Firanzämter, besonders süddeutsche, noch jetzt Aufw rLmgäbeträge und Der - zugszuschlägc bei der Lohnsteuer 1923 und bei d.r Arbeitgeberabgabe einfordern. Es wird dabei daraus hingew'.escn, das' die Arbeitgeber in Cer Zeit rasch fertsch eilender Seidentwerüurg bei ter Härtung der Zahlungstermine (dreimalig" Abführung im Monat), den Mangel an gs- m t ein, den fortg setzten Loh rnachzahlu gc : und w.gen der Verzog rung in de Gel . übe trei ung durch die Banken trotz aller Dork h u g.m n ch immer in der Lage g wesen seien, die Zahiun ä-- termine genau innezuhalten Da es hne.)in erwünscht ist, dah die Rachprüfungsarbeiten ,ür 1923 möglichst bald zum Abschluß kommen, ermächtige ich die Finanzämter, von der Einfor- berung von Aufwertungsbetragen zur Lohnsteuer 1923 und zur Arberig berab abe s wie von de Erhebung von Der.ugszusch ägen drnn abz is h i, wenn ;:er Zah'u -gst rmin nur um weni > e Tage überschritten worden ist und ei re absicht iche Der zögerunq durch Ne Steuerpf ich.igei n cht vorliegt. Eine Crftaltung bereits g za hl ter Aus- werlurgsbeträge und Verzugszuschläge fin.et nicht statt. E Ein schwer er Autounfall ereignete sich gestern nachmittag auf der Marburger Straße in der Rähe der Karlsruhe Das Auto wollte einem über die Straße laufenden Kinde aus- weichen und fuhr dabei in den Chausscegraben. wobei es schwer beschädigt wurde. Von den Insassen wurde die Frau Klara M i h e aus M a c b u r g aus dem Wagen geschleudert und so erheblich verletzt, dah die Sanitätswache zur Hilfe herboieilen muhte. Die erste ärztliche Behandlung lieh Dr. Geyer der Frau angc» deihen, darauf wurde sie mit dem Sanitätsauto der Klinik zugeführt, von wo sie abends mit einem Auto nach Marburg geholt wurde. Der bedauerliche Vorfall mahnt erneut alle «item und Erzieher, oic xmucr aui ote vseiaprcu der Strafte und Einhaltung der Strahendisziplin aufmerk'am zu machen. *• Zum Schutze der Kreisst rahen erläßt das Kreisamt im neuesten Amlsverkündi- gungsblatt die folgende Bekannimachung: Häufig fahren die Fuhrwerkslenker auf etraftenftreden mit stärkerem Gefälle zur Verminderung der De- schwindigkeit mit einer Radseite auf dem Bankett neben den Wandsteinen. Wir weisen außer dem Sttaftencu ff ch speis.nal i i? G n)arrnerie-Sta- nonen ntermtt an, Derartigen Unfug zur Anzeige zu bringen. •• Sperrung des Erdkauterwegs. Dorn Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Wegen Aenderung des Anschluhgleises wird der Srd- fautertoeg auf die Strecke entlang der Fittings- sabrik Dänninger G. m. b H. vom 13. Oktober bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. *• (Sin Jubiläum, das heutzutage zu den groften Seltenheiten gehört, konnte am Freitag die Haushälterin Auguste Dörr, gebürtig aus Rixfeld, begehen Sie blickte an diesem Tage auf eine 2öjährige ununterbrochene Tätigkeit im Haushalt des Generalleutnants a. D. Klingelhöffe r, jetzt in unserer Stadt wohnhaft, zurück. Im Verlaufe der Jahre hat sie manche Garnisonstädte, insbesondere an der West- grenze, mit der Familie des Hauses in treuer Gemeinschaft durchschritten, ein ehrenvolles Zeugnis für beide Teile. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Gießener Eisverein, 6 Uhr: Hauptversammlung in der Gewerbeschule. — Lichtspielhaus, Bahn- hofstrahe: „Schuldlos gerichtet". — Hessische Dil- derbühne: „Die letzte Fürstin". — Astoria-Licht- spielc: „Der Puppenmacher von Kiangiung". — Derkehrsverein. Die heutige außerordentliche Generalversammlung im Postkeller (8 Uhr) sei den Mitgliedern nochmals besonders in Erinnerung gebracht. Bekanntlich soll über die Abhaltung eines Flugtages am 26. Oktober in Gießen entschieden werden. Kreis Friedberg. ss. Friedberg. 12. Ott. In dies r Woche sind zwei angesehene Bürger Friedbergs zur letzten Ruhe bestattet worden: Herr Heinrich Ubrich (:in geborener Siebener, früher Teilhaber L:. bekanntem Holz- Handlung Bender & Schwarz) war ein tapferer Mitkämpfer des Feldzi ges 1870/71; Her Ed. Oppenheimer, eine durch ihr liebenswürdiges Wesen und ihre vornehme Dentuagsart allgemein geachtete Persönlichkeit, der an dem ofi ent sichen Leben unserer Stadt als langjähriges Mitglied der Stadtverordnetenv.^sammlung lind der Handelskammer regen Anteil genommen hat und besonders für alle wohltätigen Elnrichtan »e i ein großes Interesse und eine stets offene Hand hatte. — Ein langgehegter Wunsch der hiesigen T u r n g e m e i n b e ist nun endlich in Erfüllung gegangen; anstoßend an die im Jahve 1862 erbaute Turnhalle ist ein stattlicher Bau entstanden, der einen Raum für fce.i geselligen Verkehr außerhalb der Tumstunoen uns einen Mittelpuntt der geistigen Testrebungen des Vereins bieten soll. Danl der Opferwilligleit der Mitglieder, die teilweise das Material stif- > teten, teilto ife die Arbeiten umsonst leisteten, ist die ganze Ausführung mit verhältnismäßig geringen Unkosten verbunden gewesen. Gesiecn abend wurde der Raum mit einer einfachen Feier in Benutzung genommen. Sem narlehre: Thierolf begrüßte die Erschienenen. Dann hielt der erste Sprecher des Vereins, Studienrat Schuchmann, einen kurzen Vortrag über das Thema „Was wir wollen" und gab darin einen interessanten Ueberblick über, den Wert des Turnens und der turnerischen Sache. Vorträge der Gesangsabteilung des Vereins und des Salonorchesters, lowie humoristische Vorträge sorgten für ein unterhaltendes Programm und eine fröhliche Stimmung. Heule vormittag begann das 21 b t u r n e n des Vereins mit bzn Jugend« und Schülerabteilungen, um 3 Uhr nachmittags schloß sich dann das Turnen der Qltännerncgem an. Alle Abteilungen zeigten, welch ein vorzüglicher turnerischer Geist in dem ganzen Vereine lebt. Die Prcisoerteilung fand um 8 Uhr in der Turnhalle statt, anschließend war noch eine gesellige Vereinigung, bei welcher auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Rechte kam. Die hiesige Turngemeinde ist im Jahre 1845 gegründet, blickt also nächstes Jahr auf ein achtzigjähriges Bestehen zurück. Mit dieser Jubelfeier des Vereins wird auch gleichzeitig das Gauturnfest des Gaues Hessen, welches Friedberg übernommen hat, verbunden sein. Heheu-Utasjuu. bl. Aus dem Dilltale, 12. Ott Tik Kartoffelernte ist in vollem Gange. Soweit man bis heute sehen kann, ist einigermaßen günstig auÄflr'.'Ilen. 8m Durchschnitt tragen die roten Kartoffeln stärker wie die weißen. S. Frankfurt a. M., 12. Oktober. Die Frankfurter S t ä d e 1 s c) u l e, die d. Ausbildung junger Künsiter dient, i't in finanzieller Hinsicht schon immer ein Schmer-,ensttud der Stadt gewesen. ES kam soweit, daß ein Beschluß der Derwaltun.' den v? . betrieb auf he.'. Cs setzte eine Selbftßilf. iliior, der Lehrer und Schuler ein, die aber auch vergebens war, denn jetzt ist durch einen neuerlichen Deichluft de. 210- miniflcation auch die Räumung der bisher be nutzten Unterrichtsräume ver,ügt worden Aus einen Protest der natüilid) schwer betroffenen Schüler ist bisher noch nichts ciim.it, tcn chem die Schüler nur die Ucberla'ju.ig der Räume fordern. Da aber die Frankfurter Oeffentlichkeil an dieser Schule, die immer anerkannt gute Kunstgewerbler unter ihrem Leiter Dr. D i ch e . i ausgebildet hat, sehr starkes Interesse nimmt, ist das Schicksal der Schule wohl noch nicht endgültig entschieden. Der Stab ner hat im Auftrage der Arbeit»..unersrattion eine Anfrage an den Kaaistral gerichtet, in der es u. a. heißt: „In der letzten Zeil wird versucht, die Preise für die wichtigsten Lebensmittel zu erhöhen. In einer vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden cinbe- rufenen Versammlung erklärte der Geschäftsführer des Konsumvereins, daß der Verein das Brot mit 53 Pf. verlaufe und dabei noch solche Summen verdiene, daß man sich scheue, sie in der Oeffentlichkeit zu nennen." In der Eingabe wird gefragt, was hiernach die Frankfurter Bäcker verdienen müßten, und der Magistrat ersucht, eine Untersuchung vorzunehmen spd. Frankfurt -a. Dl, 12 O't. In her Kunsthandlung HeIbing fand dieser Tage die Versteigerung der (S b i n a - S a m m » lung Sprosser statt. Für ältere Porzellane aus der Tag-Zeit wurden die Preise von 820 bis 2620 2Nk. erzielt. Auch einige chinesische Bronzen fandet', für recht erhebliche Preise Kiobbabet Die verkauften Gegenstände verblieben meistens im Inlande. — Infolge des Mangels an geeigneten Heizstofsen während der letzten Jahre griffen Gesch.sisleute, besonders solche, die Zentralheizungen hatten, zu allerlei Rot behelfen und stellten Oefen auf, deren Rauchrohre aus den Fenstern und Wänden unmittelbar ins Freie führten, die das Straßenbild wahrlich nicht verschönten und deren Qualm gar oft dem lieben Rachbarn arg in die Fenster schlug. Zugleich bedeuteten aber die Rotheizungen eine große Feuersgefahr. Runmehr hat die Baupolizei die sofortige Entfernung aller dieser Vorrichtungen angeordnet, da eine Brennst offnot nicht mehr vorliegt. — Als am Freitag in der Kleinen Seestraße ein Schuljunge von einem Torweg auf die Strafte trat, löste sich am Hause ein Stück Verputz ab und fiel so unglücklich auf das Kind, daß ihm das linke Auge ausgerissen wurde. Die Sd)itlb an dem Mainzer Eisenbahnunglück. Berlin, 11. Okt. (Wolfs.) Don uniercich- tetet Seite hören wir: Als Ursache des Eisen- bahnunsalls in Mainz wurde in mehreren Rachrichten, die aus französischen Quellen stammen, angeblich das fch.ech.e Funk io- Nieren der Kunze-Knorrbremse angegeben. Diese Rachricht ist falsch und kann nur so erklärt werden, daß gelri se Stellen unter allen Umständen versuchen, die Schuld abzuwäl- z e n , um gleichzeitig deutsche Einrichtungen in Mißkredit zu bringen Tatsache ist näm ich a r in dem aus cor Lokomotive und dreizehn vie.achsigen Wagen bestehenden O-Zuge kein einziges Fahrzeug mit der Kunze -Knorrbremse ausgerüstet war; zwölf Wagen hatten die auf den französischen Dah'en ausschließlich verwendete Druckluftbremse der Bau- ari Westinghouse. Da die Lokomotive und die vorderen fünf Wagen des Zugea die Fahrt alsbald nach dem Unfall ohne weiteres forisetzten, so muß, wenn wirklich die Druckluftbremse schl.cht funktioniert haben soll, die Ursache bei bei letzten mit derWestinghvusebremse ausgerüäcten Wagen gesucht werden Es ist wohl anzur.chmen, daß die anscheinend falsch unterrich eten amtliljen französischen Stellen die unzutreffenden Meldun'- gen berichtigen werden. * sZmöserherr sucht zwei out möblierte Zimmer i'3o6n= und Schlafztinmerl Frühstück und fliuc Bedienuua Bedingung. Schriftliche Angebote unter 79:34D an den Gieüener Anzeiger crbeteit. —i -----t ft . Beianntes NsMUkMett sucht jum möglichst baldigen Antritt einen p energischen und selbständigen der in der massenweisen Herstellung von Radiatoren- u. Ientralheizungs- tzssfel-Gilh langjährige Erfahrungen besitzt und mit den modernsten Fabri iiationsmethoden vertraut ist. Für die. selbe Abteilung wird ferner ein erfahrener 1MÄ gesucht, der die Fähigkeit besitzt, ungelernte Leute in kurzer Zeit zu Radiatoren-u.Kessel-Fornrern onzulernen und zu beaufsichtigen. Ausführliche Angebote mit Lebenslauf und Eehaltsanfprüchen find 311 richten unter I. Z. 21210 an Rudolf Moste, Berlin SW 19. T846ss Drucksachen aller Art l efert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brühl'sche Univ- Druckerei. R. Lange. |s MargaHoe Bestens bekannte erstkl.Konzernfabrik sucht tüchtigen und fleißigen fürGieSenu.Umgebung der bei Kolonialwaren-Händlern, Bäckermeistern u. Einkaufsvereinen gut eingeführt ist. Ausführliche Bewerbungen mit •N Angabe der bisherigen Tätigkeit 11 sowie Aufgabe von Referenzen unter d 7927V an die Geschäftsstelle des P] Gießener Anzeigers erbeten. | Vermietungen^ MöSl. W u. Sffiiflhiinmer m.Äiidicnbcinißnng nn kinderloses Ehepaar sofort zu vermieten Lickiec Sttatze 231. Mödl.Zillinitr per 1. Nov. 511 vermieten. Zu dench» tigen zwilchen 2 u. 3 und 7 u. 8 llhr [ni4«n Moltkestr. 20 p. | Mietgesuche Stuck, iur. iuckt für Winler- Semestcr saubere l-2=3ini.-®o!m. Schriitl. Angebote unter 7940D an den Gieß. Anz. erbeten. Staident höheres Zemester. sucht rubigcSmöbl. Zimmer ab 15. Oktober oder 1. Aovember. Schriitl. Angebote unter 795^D an den Gieß. Anz. erbeten. Likörfabrik! »(nehmen Wthlimös I Für den Verkauf ihrer erstklassigen, aus rein orientalischen Tabaken her- gestellten Marken sucht alte, angesehene Zigaretten - Fabrik bestens eingeführlen KMil-VellM für hiesigen Bezirk. Offerten unter T. 3060 an Annonceninayer, Frankfurt am Main. '""m Einen Hilfsarbeiter sucht 024177 Druderei Aldill klein Sudanlage 21. Altes Blei (Sletröören) tauft Brnhlfche Druckerei z ’D Schulstr. 7/9. [Stellenangebote) TflchJ. Vertreter, der in d. einiciilag. Geld), jabrel. beit, etnncf.iu, v. Icistungsl. Schoko- labenfabr.uef. Off. u. A g. d. ber. m. Erfolg vertr. Firma u. Wir- kannakr. n.F.J.0.297 B IIoise.FrankEnrtüI Seifenfabrik sucht zum sofortigen Eintritt jungen Kaufmann als Reisenden. Schrift t. Angebote unter 7947D an den Gies;. An;, erbeten. hündier und haufierer zum Vertrieb eines gef. geich.Gebrauchs- masienartikelS gesucht. Zu melden Horfo. Plockstr. 5. (7848h Tüchtiger Friseurgehilfe sofort gesucht. ™9D Ludwig Briel Wetzlar Fischmarkt 13. Zivel tüchtige ScbiMecter gesucht für grögere Tchieferarbeiten. Logis vorhanden. Josef Henkel Hvnfrop b. Bochum. IW3D Ig. gebildetes NiW verfett i. Haushalt, musikalisch. sucht Van. Wirknnac«- kreis. Schriltliche Anaeb. unter 0241S1 n. d. Gtev. Wn». erb. Verkäufe Reiurasstge Ziege zu verkanken. Zu erfmoen Budde itraiic I I <.>24178 ■— Offerten Postfach 44/45 7954a 1 MMU ^KWW WWWÄ r« I Y"; GG K 7953a <14oO8 Werden Sie durch Schmerzen an den* Ballen belästigt? Sind dort rote Stellen? Haben Sie Senkfuß oder Hohlfuß? Schmerzen Ihre Fersen oder Waden? Tolal- Imrtaiii Wäsche Stickereien Festons Bänder Kindersachen Möbelfabrik Karl Hahn Gießen, Löberstraße 17 Tolal- tertal Tolal- iimti Merke: Telephon 240 f. Autofahrten. 7707V Schuhhaus Reiss Mäusburg12 Gießen Fernspr.210 alle Formen zu Spottpreisen Qualitäts-Möbeä zu soliden Preisen ZStoewer- X f Schreibmaschinen\ Franz Vogt & Co. Gießen, Goethestr. 32 Tel. 264 < Günstige Preise Ä \Teilzahlungen / bringt sich bei Bedarf in empfehlende Erinnerung und bittet um Besichtigung der 10 Schaufenster und der ausgedehnten Ausstellungsräume in Buchführung Kfm. Rechnen Frauen, engl. Handelskorrespondenz Spanisch Italienisch Handelskunde Stenographie Maschinenschreiben Plakatschrift Beginn: 15. Qkt. Dauer: 20 Unter« richtswochen Nnterrichlszeit: 630—815 abends Schulgeld: Gin. 8.- s. j. Kursus 7897a Vogtache Handelsschule Gießen . Goethestr. 32. . Wenn eine dieser Fragen zutrifft oder sonst etwas an Ihren Füßen nicht in Ordnung ist, so bitten wir um Ihren Besuch. - Sie erhalten kostenlos sachgemäße Beratung, auch hinsichtlich der Wahl richtigen Schuhwerks. Verlangen Sie gratis die Broschüre: „Die Pflege der Füße“. Es liegt in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie Ihre Ofen und Herde rechtzeitig reparieren lassen. Auch nehme ich stets [omiso gcbrMeLsenu.HcrdcW.llintM in Zahlung. Hans« und Küchengeräte. H. Schön, Schlossermeister, Tel.274. tBffiCBaroeamBSGi Herren i Th. Se#W Inhaber: Th. Wejuert ! Gießen, Brandplah, gegenüber dem alten Schloß ZchützenveremGietzen Wir laden hiermit zu der am Mon- [ tag, dem 27. Oktober 1924, abends 8 Uhr, im Schützenhause stattfindenden Herbst-Generalversammlung ein und bitten um zahlreiche Beteiligung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Ergänzungswahl b. 1. Vorsitzenden. 4.Schützenratswahl. 5. Beitragsfestsetzung. 6. Verschiedenes. [7«»c] Der Vorstand. Zo jedem anoelunlmn Preise gebe all Ladenlokal in allerbester Lage "941V von erstklassigem Herrenartikelgeschäft als Filiale gegen hohe Miete für sofort gesucht. r t 1 1 nur tm Spezial-Laden. Handarbeiten Masburg i Ein FuOspezialist vom Dr.-Scholl-Institut in Chikago und London erteiltvon Donnerstag, den 16. Oktober, bis Mittwoch, den 22. Oktober Rat und Auskunft v (einschließlich) KOSI©Sb8OS überalleFußleiden Handels - Schule Hermes Gießen BahnhofstraßeßO 15. Oktbr. Beginn neuerKurse. Prospekt frei, Anmeldungen täglich. 7171c Antriebs- knrbel von Lastwagen auf d. Wege Rodheimer Straße--Gummi- fabrik verloren. Nilckgabe erbeten. Bahnhafstr. 71 iSeiienbaul. 7959D Verloren: Perllasche mitInhält iSchlüssel uslv.l n. d. Wege v. dienen Friedhof nach Neuen Baue. Abzu- geben Polizciamt, Weiden gasse. 79UD Stadttheater Dienstag, 14. ©ft 2. Miis'llO M -?lsk. von «>' Uhr 200 Zentner Silall zu verkaufen. Wahl, 02U7C Leppermühle Gr. - Buseck. Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Diplom.Kciufmann Dipl.-Handelslehr. Gießen, Bleichstr. 5 AlleinigcHflndelsschule am Platze, deren Inhaber Schulleiter, Lehrer und Fachmann ist. 14. Okt. Beginn neuerKurse Auch Dauer-Wäsche llr. 241 äweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverheflen) Montag, (3. GNover (924 Wiener Brief. Mm unserem ständigen Berichterstatter. (AaLprruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) H. K-k. Wien, 7. OEt. 1924. Der gemütliche österreichische Beamte Pflegt itn gewissen Intervallen ungemütlich zu werden Dann gibt er sich einen Ruck und sagt: Es muh jhxto g'schehn! ilni> es geschieht allemal ein Mal- weur. Rach vielen flagranten Misterfolgen der »Methode hätte man erwarten dürfen, dast die Herren in sich gehen. Es ist ja so wenig, was man von ihnen verlangt: man will nur wissen, woran man ist. Sie hätten sich nach freier Wahl und nach -eigenem Gutdünken entscheiden können, für die Gemütlichkeit oder für die Ungemütlichkeit, ob sie ^Eatos werden oder Dworatscheks bleiben wollen. !Rur die Mischung beider Typen, des Eatonischen unb des Dworatschelschen, hat man satt. Gleichwohl ist alles beim alten geblieben. Die Herren haben nicht gewählt, haben sich nicht entschieden und der zitternde Bundesbürger weih auch wie vor nicht, woran er ist... Dor bald einem halben Iahre ist die Depositenbank verkracht und seither beschnüffeln iln- tersuchungsausschüsse, Bankenkommissionen oder ähnlich benannte Brüderschaften den Kompost- Haufen, der noch da ist. Aus solchem Trümmerfeld steigen keine Wohlgerüche auf und die untersuchenden Rasen mögen von den übelsten Düften gekitzelt worden sein. Da sie sich aber die ganze Zeit hindurch nicht entschliehen konnten, laut zu niesen, durfte man annehmen, dah, nach alt- vsterreichischer Art, der Unrat durch die Kanäle der Gemütlichkeit werde abgeleitet werden. Da ereignete sich das Unerwartete, ein Hofrat spürte den bekannten Ruck und beschloh, den letzten und vorletzten Präsidenten der Bank mitsamt ihrem Wichtigsten Helfershelfer verhaften zu lassen. Run ist zwar der letzte Präsident ein armes Wa° serl, dessen Wohlstand sich mit dem der ver- kvachten Bank verflüchtigt hat, aber der vorletzte ist niemand anderes als Eamillo Castiglion i. der eine Zeitlang die Rolle eines österreichischen Sttrmes gespielt hat. Gewih hat die „Krise" auch seine Machtstellung schon gehörig reduziert, aber es sind ihm immer noch eine stattliche Reihe von Unternehmungen verblieben. Wenn der Arm der Justiz nach so fetter Deute greift, so geschieht das mit Blitz, Donner und Hagelschlag. Das muh man vorher wissen und man muh sich auch stark genug fühlen, jedem Unwetter standzuhalten. Unsere Behörde scheint sichs aber doch nicht recht überlegt zu haben, und wenn nicht alles trügt, so möchte sie den heroisch ausgestreckten Arm der Gerechtigkeit am liebsten still und unbemerkt wieder zurückziehen. Kein Mensch weih wirklich, was dem Verfolgten eigentlich zur Last gelegt wird. Man munkelt dies und jenes und toartet vergeblich auf die bündige Erklärung: Er hat das und das angestellt. Wir möchten stolz sein auf unsere Unter» suchungsrichter: möchten sie preisen, dah sie fortan Mannesmut auch vor den Thronen der Kapitalisten bewähren, dah sie den alten Grundsatz, nur die kleinen Diebe zu fassen und die groher, laufen zu lassen, kurz entschlossen verabschieden wollen. Mindestens ebenso wichtig aber wie Mannesmut ist die männliche Umsicht, die das Werk der Gerechtigkeit geleiten und begleiten soll. Es darf nicht gesck-ehen. dah einem solchen Eklat, der weit über die Grenzen unseres Landes widerhallt, Sage des dunklen Munkelns, des Gerüchtemachens und des Rätselratens vorangehen. Es darf nicht den Anschein haben, dah Derfügungen, die die Oeffentlichkeit so stark impressivnieren, bloh einer gleichsam nervösen Temperamentsaufwallung entflossen sirü>. Wenn die Behörden gegen eine so exponierte Persönlichkeit vorzugehen beabsichtigen, müssen sie sich gleichzeitig bequemen, eine Mitteilung des Tatbestandes zu geben, an der es nichts zu rütteln und zu deuteln gibt. Wenn die Castiglronis zur Derantwortung gezogen werden, so muh das ein reiner Triumph der Gerechtigkeit fein, den keine Blamage der Taktik verdunkelt. Die hysterische Derfasscmg von gewissen Beamten, die einmal vom Minderwertigbritsgefühl geplagt, dann wieder vom Machtkvller ergriffen werden, die friedlich hinter ihren Akten dämmern bis zu dem Augenblick, wo ihnen die innere; Stimme das verhängnisvolle: es muh was g'schehn, zuflüstert. — diese unstete Derfassung hat es zur Folge gehabt, dah oft die besten Absichten unerwünschte Wirkungen haben: sie ist auch daran schuld, dah in das Rochtsbewuhtsein unseres Staates — und zwar nicht nur dort, wo es sich um die Angelegenheiten von Schiebern und Geldverdienern handelt — eine bedauernswerte Unsicherheit kommen konnte. Der Fall Eastiglioni liegt ungefähr so, dah der Expräsident der verkrachten Depositenbank im Begriffe war. sein ganzes Vermögen einschliehlich des Privatbesitzes, beä Palais in Wien, des Landhauses am Grundlsee, der Kunst- und Wert- vbjekte, gegen einen Betrag von einigen hundert Milliarden der Danca commcixiale in Mailand zu verpfänden. Rach der Darstellung aus seiner Umgebung sei damit eine Sanierung des durch die Wirtschaftskrise immobilisierten Geldmannes beabsichtigt gewesen und die Transaktion, die der österieichischen Wirtschaft ausländisches Kapital zuführen wolle, müsse geradezu als patriotische Tat gelten. Andere witterten dagegen so etwas wie Kapitalflucht und glaubten eine Verschiebung zu sehen, die den Zweck hatte, das Vermögen vor den Ansprüchen, die noch aus der Depositenbankaffäre gestellt werden könnten, in Sicherheit zu bringen. Vielleicht haben beide recht: uid> dem kühnen Konquistador wäre der Plan schon zuzu- trauen, dessen Gelingen ihm Geld in die Kasse und gleichzeitig ins Portefeuille die Pfändungs- urkunde gebracht hätte, die den Geschädigten aus alter Zeit mit bedauerndem Achselzucken vorge» wiesen worden wäre. Jetzt ist toieber alles in Schwebe. Die Angestellten einiger Unternehmungen zittern um ihr Brot und die Gläubiger aus alter Zeit sind noch keineswegs überzeugt, dah sie etwas bekommen werden. Die Moral der ganzen Geschichte ist leider sehr nüchtern und sehr trivial. Darum kann man auch über den Gesang der Moralisten, die den lieben Gott preisen, dah er die Bäume nicht in den Himmel wachsen läht, keine rechte Freude haben. Allzu deutlich klingt aus ihrer Melodie der Ton pharisäerhafter Selbstgefälligkeit durch. Die Musik ihrer Sittensprüche hätte besser und tiefer gewirkt, wenn sie zu einer Zeit angestimmt worden wäre, als der Daum, an dem ihre Rechtschaffenheit Anstoh nimmt, noch nicht entblättert, ja beinahe schon zu Falle gekommen war. Immerhin mag es als moralischer Gewinn gelten, dah die Stürme, die so verheerend in die Zweige des Baumes gefahren sind, auch allerlei romantische Legenden endgültig zerstört haben; Legenden, die nicht bloh die Erscheinung Castiglionis mit dichterischer Phantasie verklärten. In der Inflationszeit und im folgenden Iahr der Kvnjunktur- gewinne wuchsen die Finanztalente wie die Pilze aus dem Boden. Und jeder aus dem nördlichen oder südlichen Osten zugewanderte Faiseur, der alles riskierte, weil er nichts zu riskieren hatte, wurde über Rächt ein grober Herr und wenn ihm zwei, drei Börsencoups gelungen waren, ernannte man ihn taxfrei zum Finanzgenie. Der Rimbus dieser Genies erhielt den ersten gewaltigen Schock, als men die groben und kleinen Herrschaften ausnahmslos in der Falle der Frantemonternrine, zappeln sah. Da glichen sie einer Schafherde, die einem Phantom wie einem Leithammel gefolgt war, um sich von den amerikanischen und französischen Schafzüchtern scheren zu lassen. Und dann gings rapid bergab: schneller und tiefer, als es sich die Schadenfreude der weniger elastischen Zeitgenossen jemals erträumen durfte. Immer deutlicher zeigte es sich, dah die „Genies" nur dann genial fein konnten, wenn sie sich übers Strafgesetz hinwegsetzten. Run ist über die Geldmacher und Luftzauberer aus der letzten Vergangenheit der grobe Katzenjammer gekommen und man läht fies fühlen, wie unpopulär sie geworden sind. Man läht ihnen nicht bloh ihren QKangcl an Ethik entgelten, fonber.t auch die Tatsache. dah sie die volkstümliche Legende ihrer Unfehlbarkeit zerstört haben. Aber, wie gesagt, im Triumphgesang der Reinen, Braven und Recht- schaftenen klingt ein falscher, pharisäerhafter Ton mit, der die Syarnronie der ausgleichenden Gerechtigkeit empfindlich stört und der entern den sonst so sympathischen Ausgang des wirtschaftlichen Prozesses beinahe verleiden könnte. Und irgendwo regt sich dann ein bitteres Gefühl über die Zerstörung der Legende und über die Rotwendigkeit, dah auch der kühnste und letzte Recke aus der romantischen, aber ach, so flüchtigen modernen Raubritterzeit dran glauben muhte. Iurnen,/5port und Spiel. Turnfest in Wieseck £ Wieseck, 12. Oft Im Draunschen Saale hielt am Samstagabend die Freie Turnerschaft ein Werbeturnen ab. nachdem vorher ein Verciirswefturnen der Schüler und Schülerinnen ftattgefunben hafte. Wenn es richtig ist, dah mit solchen Veranstaltungen neue Kämpfer und Streiter für die Turn fache gewonnen werden, so ist dieser Abend auf diesem Wege ein Schrift vorwärts gewesen. Alle Darbietungen ftanben auf bemerkenswerter Hohe und legten Zeugnis von der rntenflDen Vereinsarbeit ab. Als Gast war die Bezirksmusterriege anwesend, die an Reck, Barren und Pferd glanzende Leistungen zeigte. Seltsame Mttewochen. Roman von Arnold Fredericks. 18. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Folgendes. Wir müssen den Wagen zeichnen, der Ihnen mit 'dem blauen Licht das Zeichen gibt. Er wird langsam und nah) an ^hnen vorbeifahren. Sie müssen den Wagen so zeichnen, dah wir ihn wieder erkennen." „Und wie soll dies geschehen? Ich werd) auf dem Boden wahres Wagens eine "kleine Vorrichtung anbringen, tie aus einen Gummrball mit Riundstück besteht ras durch die Wand des Wagens geht. Der Ball.trieb nut unauslöschlicher ivter Farbe g.ftlll: lern. Werrn Sie dann auf stehen, um den Räubern das ^act- chen Geld zuzuwerfen, treten ove mit dem dann nebeneinander. Der Druck auf den Ball waw bte rote Farbe gegen Seite und Rader des Wagens spritzen. Dann ist cs leicht, ihn hwauszufri'.den. „3a, ja. Gut. Aber was dann? "Der Wagen fährt in der Rich ung auf P«ris ttn Ihnen vorbei. Zweifellos teolfea die Burschen in die Stadt. Ich werde an der Porte de Versailles aufpa'fen und Geheimpr>'niste an den benachbarten Toren aufftellcn. Alle 'Wagen b e in die Stadt wollen, werden angehalten. Derjenige der auf der Seite oder an den Rädern rote Farbspritzer hat, wird festgehalten und die Insassen verhaftet." „Aber nehmen Sie an, sie hatten ihre Heller nicht verständigt, mir den Knaben zuruckzureben'. „Dann ist das Kind gewih im Auto bei ebnen. Betrachten Sie die Sache von ihrem StanO- punft aus. Sie müssen sehr rasch y<>ndeln. Dann ergibt sich folgendes: Wenn sie durch Licht- oder andere Zeichen Helfer, die an der Strohe stehen, benachrichtigen, so können Sie fest darauf rechnen, den Knaben bei Ihrem Haus zu haben, ehe Sie zurück sind. Sie wissen, dah Sie nach 'Ablieferung des Geldes mit höchster Geschwindigkeit eiligst heimfahren. Was wäre einfacher, als dah sie den Knaben bei sich haben, an einen im voraus bestimmten Platz führen und ihn von dort aus zu Ihrem Haus bringen lasten? Das ist, meiner Ansicht nach, der wahrscheinlichste Fall." „Und toerm das Kind nicht bei ihnen ist?" „Dann gibt es noch zwei Möglichkeiten. Die erste wäre, ihre Helfer vor der Einfahrt nach Paris durch Lichtzeichen oder sonstwie zu benachrichtigen. In diesem Fall erhalten Sie Ihren Iungen und wir fangen die Räuber. Die einzige andere Möglichkeit wäre natürlich, dah sie ihre Helfer innerhalb der Stadt zu treffen beabsichtigen." „Und wenn Sie sie dann vorher anhalten, so ist dies den Gaunern nicht möglich, und ich bekomme meinen Iungen nicht zurück." „Das ist wahr, aber diesen Fall halle ich für ausgeschlossen." „Warum, Herr Duvall?" „Erstens wegen der Gefahr, in den belebten Straften von Paris b.mrrkt zu werden. Zweitens, weil ich durchaus nicht annehmen fam, dah der Knabe in Paris ist. Die Frau, die Ihnen die 27ach richt von den Räubern brachte, sah das Kind ziemlich weit auherhalb der Stadt. Cs ist nicht anzunehmen, dah diese Männer es wagen würden, das Kind bei Tageslicht in die S:adt zu bringen. Wenn sie den Knaben im Wagen haben, entgehen sie jeher Gefahr, entdeckt zu werden. Sie zählen einfach das Geld, fahren nach Paris hinein, wo sie sich sicher wähnen, führen das Kind an einen bestimmten Punkt, Mit ihr wetteiferten die Schüler- undSchülern mren- Abteilungen, die Aftiven und eine Abteilung Iugendftcrner, die das von den Tschechen übernommene Hammerschwingen verführten. Den Be- schirrst des reichen turnerischen Programms bildete die besonders von den Kleinsten mit Spannung erwartete Preisver.eilung vorn Schülerwetturnen, von dem wir folgende Resultate nennen: 1. Schü lerinnen: 1. Klara Bremer, 236 Punkte. 2. Hilde Bremer, 232 P., 3 Anna Schäfer, 223 P., 4. Erna Seibert, 213 P.. 5. Ottilie Becker 212 P., 6. Anna Benner, 205 P_, 7. Anna Wagenbach 203 P, 8. Anna Seibert und M. Schnabel 202 P., 9. Lina Böh, 200 P., 10. Lina Haas und Miima Seibert, 194 P., 11. Anna Dogelhöfcr, 188 P. 2. Schüler, Oberstufe: 1. Otto Balser, 247 P., 2. Karl Doigr. 246 P„ 3. W. Weller. 243 Punkte, 4 Hugo Kreiling, 240 P., 5. Ernst Schöffin ann, 239 P , 6. Rud Andermann, 238 P.. 7. Hch Schnabel, 236 P., 8. Richard Dörr, 231 P., 9. Karl Hofmann. 229 P., 10. Wilhelm Pausch. 222 P 3. Schüler, Unterstufe: 1. Rudolf Wacker, 247 P. 2. Adolf Schmitt, 246 P., 3. Wil- Helm Voglh f r, 241 P., 4. Otto Simon. 235 P., 5. Willi Seibert, 234 P., 6. Ernst Bellos ?32 P., 7. Karl Balser, 222 P., 8. Emil Lr.ud n. 221 P, 9. Willi Sinowski, 220 P, 10 Karl Benner. 218 Im ganzen beteiligten sich gee.e i 60 Sch der und Schülerinnen an dem Wet.iiampf. Anschl.e- hend an die mit viel Freude bei den Klei'en aufgenommene Preisverteilung w ndr unte diese eine Kiste Magenbrot verteilt, die ein Sumfreunb für diesen Zweck gestiftet hafte. Ein „gemüili-cr Teil" hielt die „Alten" noch einige Zeit zusammen — hoffentlich hat die 'Werbeveranstaltung ihren Zweck erreicht und neue Anhänger für der Turnsport gewonnen — Am gestrigen Sonntag fand bei äuherst zahlreichen Zurichtern ein Gesellschaftsspiel der 1. Mannschaft der Freien Turner schäft Wieseck gegen die Turn- und Sportgemeinde Wetzlar haft. Das prächtige Sonntagswetter gestaltete den Aufenthalt auf dem herrlichen Platz bei dem gebotenen guten Sport zu einem G«muh Wchiar bedrängte zunächst das Wiesecker Tor, der vorzüglich arbri* lende Tormann aber war in Verbindung mit der Verteidigung jeder (Situation gewao. sen Ach Verlauf einer Viertelstunde stand das Spiel fast ausnahmslos im Zeichen Wiriecks, das mit zwei Mann Ersatz spielen muhte. 'Wetzlar muhte sich, abgesehen von einigen gut gelungenen uni) dann mit Schneid borg. trag nen Durchbrüchen, auf die Abwehrarbeit beschränken, die die. Hintermannschaft auch vorzüglich leistete Bei einem solchen Durchbruch gelang cs auch Wetzlar, in Führung zu gehen, d.m Wieseck bald darauf den Ausgleich entgegensetzte Bei Halbzeit stand das Spiel 0.0. Das Endergebnis 1: 1 hätte eigentlich für Wie eck günstiger sein müssen, wenn der Sturm mehr Glück im Schiehen gehabt hätte Das Eckender- hältnis betrug 7:2 für Wies ck, ein Beweis seines überlegenen Spills — Zu begrüßen ist Die überaus zahlreiche Teilnahme der Wiesecker Bevölkerung b. i allen derartigen sportlichen Veranstaltungen, die einen Aufenthalt in freier Ratur einem öden Wirtshaus leben vorzieht. Reue Bahnrekorde im Radsport. Beim gestrigen Radrennen auf der Olympia- Dahn in Berlin wurde im 20-Kilometer-Ren- nen der Franzose Erassin erster,' im 30-Kilo- meter-Rennen siegte Sawall in 24 Minuten 1,1 Sek. und im 50-Kilvmeter-Rennen Saldow in 40 Min. 29,1 Sek. Die beiden letztgenannten Zeiten stellen neue Da hnrekorde dar. Gerichtssaal. Amtsüberschrettung eines Gießener Polizeiwachtmeisters. Darmstadt, 12. Oft. (Eigener Bericht.) Der Verwaltungsgerichtshof hotte am Samstag eine Vorentscheidung m einer Klagesache gegen den Pol izeiwachftneister Georg Schneider!, in (Ziehen wegen Körper- verletzung zu fällen. Im Sommer dieses Iahres war der Student Beutel in Giehen, ohne dah ihm ein Grund befannt war, nach der Wache des.3. Polizeireviers gebracht worden. Dort hat nach Aussage des Studenten Polizei- Wachtmeister Schneider ihm, Beutel, zweimal mit der Faust auf die Rase geschlagen. Polizelwachtmeifter Löffler teilte in der Verhandlung als Zeuge mit, dah das aus Anlaß dieses Vorfalls eröffnete Strafverfahren gegen Polizeftvachtmeister Gg. Schneider 1. noch nicht beendet sei. Polizeiwachtmeister Rau bekundet, dah Student Beutel das Taschentuch vor die Olafe gehallen und diese geblutet habe. Der Verwaltungsgerichtshof bejahte in feinem Urteil die Frage der Amtsverteilen die Beute, und jeder geht in sein Versteck. Verbrecher dieser Art sind sich wohl klar darüber, dah sie in einer großen Stadt besser aufgehoben sind, als wenn sie in einem Kraftwagen über Land fliehen. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dah sie das Kind bei sich haben." „Aber wenn es noch auf dem Land ist und sie warten, bis sie in Paris find, um ihren Helfern Olachricht zu geben?" „Dann mühten diese das Kind auherhalb der Stadt erst holen, um es zu Ihnen zu bringen, was ziemlich viel Zell erfordern würde. Das farmten sie vor Ihrer Rückkehr nicht tun." Stapleton überlegte de Sache lange stillschweigend. „Ihre Annahmen scheinen richtig, Herr Duvall, bemerkte er dann. Es liegt, wie Ihnen, so auch mir daran, die Schurken -u fangen. (Ser Gedanke, sie könnten entwischen, bringt mein Blut in Wallung. Ratürlich mag es sein, dah Ihre Folgerungen falsch sind--- „Dann haben wir wenigstens de Räuber gefangen, und es wird wohl schließlich einer derselben zur Einsicht kommen und den Aufenthalts- ort Ihres Sohnes verraten." Stapleton erwog die Sache sehr sorgfältig. Offenbar fürchtete er irgendein Mißlingen der Ausführung, das die Rückkehr des Kindes fraglich machen würde. „Es scheint mir. Herr Stapleton,' ergriff der Detektiv wieder das Wort, „dah Sie es der Olllge mein hell schuldig find, mich so Versucher zu lassen, die Burschen zu fangen. Es ist für die Allgemeinheit eine große Gefahr, wenn solche Schurken frei benrmlaufen. Lasten Sie mich meinen Plan ausführen! Mißlingt er, so sind Sie nicht schlimmer dran als ^etzt. Der Versuch kann ja keineswegs Ihnen zugeschrieben werden." Überschreitung. In der Okrb.mblung kam auch zur Sprache, dah Pol izciwacht meist er Schneider wegen einer Sem ctub.nte i G u t h- mann zugefügien OÄi st Handlung chon einmal vor dem Verwaltungsgerichtsb.n g standen bat. Damals bat das Gericht die Frage einer Amtsüberschreitung ebenfalls bejaht. Verurteilung eines Heiratsschwindlers. Darmstadt. 12 Oft. (Eigener Bericht.) Das B e z i r ksschös f e n g e r i ch t verurteilte einen Heiratsschwindler, den 22iäh.igcn Landwirt Friedrich Ziegler aus Hochstadt, trogen Betrugs zu 1 Iahre 6 Monaten Gefängnis Er und sein Vater wohnten in den letzten Iahren in Eich in Rheinhessen, dann kamen sie nach Gernsheim, wo fic sich als Flüchtlinge audgaben und der alte Zieglo sich als Oberstleutnant aussptelle. Der junge Ziegler fand Aufnahme in einer Familie und trat in Beziehungen zu der Tochter Er hatte sich dort wochenlang unterhalten lassen, bis man ihn erkannte. Er kam dann nach Darmstadt, wo er sich als Student der Medizin ouSgab. Der 23ia'.nagen Tochter einer Bürgersantil e in Danns'.. dl xir einmal von einer Kartenschläqerin ge. ■ issagt worden, sie werde einen Arft heiraten. Als sie Ziegler kennenlernte, glaubte sie, dieser fei der Zukünftige. Er behandelte dann a:s A r z t deren Mutter mehrere Wochen b:s diese starb. Der Hausarzt hatte zwar den Schwindler crtaimt, konnte aber mit seiner Warnung nichts erreichen. Ziegler erschwindelte sich u. a. 1000 Clin., aufterdem hat er noch beträchtliche Summen beim Ankauf von Madizin und Wein unterschlagen. Dem Vater dos Fräuleins kam erst Verdacht, als er wahrnahm, dah das Geld in seiner K vsette sich auffällig verminderte: da Ziegler in seinem Hause wohnte, konnte niemand anders als Dieb in Frage kommen. Bei der Sftafzuinessting wurde dem Schwindler nichts von der ä-lnterfuchungshast angerechnet. Wirtschaft. Kartellgcricht und Konventionen. Man teilt uns folgende interessante Entscheidung mit, die namentlich die Anfmerllamkeit der Geschäftswelt finden dürfte: Kartellgerichtssache K. 74. 23. i. S. der Vereinigung der Damenhut- fabrifanten E. V. Berlin \V 35, Lützow- strahe 107, vertreten durch den Vorsitzenden Dr. V o h b e r g - Retow gegen die Lauterbacher Damenhutfabril Konrad Feick in Laute rbuch (Hessens hat das Kartellgericht am 1. September 1924 wie fotgt entschieden: Die Kündigung genannter Firma wi cd als zu Recht erkannt. Die Vereinigu.ig der Damenhutfabrikanten E. V., Berlin, Dr. Voh- berg-Rekow, hat eine in die Reichskasse fliehende Gebühr von 1000 Goldmark zu Zahlen und die den Beteiligten erwachsenen Kosten des Verfahrens zu tragen. Begründu ng: Es haben sich feit dem Ende des vorigen Iahres die Verhältniffe der deutschen Wirtschaft entscheidend geändert: die Zahlungsmittel sind knapp geworden, der Staat und die Allgemeinheit sind wesentlich an einet Senkung aller Preise interessiert, und ein Verband handelt grob fehlerhaft und diesen Interessen zuwider, wenn er zugunsten eines anderen Verbandes seine Mitglieder an dem Versuch hin- dern Witt, ihre Produktion zu verbilligen. Die Lauterbacher Damenhutfabrik Konrad Feick, lrauterbach ist daher im Recht, wenn sic erklärt, einen solchen Druck in dieser Zeit nicht länger ertragen zu wollen und ertragen zu können Dazu kommt nun aber — und diesen Limit an) hat das Gericht für durchschlagend erachte! dah die Vereinigung dazu übergegangen ist, ihre Mitglieder in der Veranlagung zu den Mit- glieberbeiträgen ganz unterschiedlich zu behandeln, je nachdem ein Mitglied gleichzeitig auch Mitglied eines anderen Verbandes -- des Arbeitgeberverbandes — ist oder nicht. Das ist eine so unbillige und überdies rechtswidrige Mahnahme, dah es der Lauterbacher Damenhutfabrik Konrad Feick-Lauterbach schlechterdings nicht zugemutet werden kann, der Vereinigung weiterhin anzugehören. Es ist ganz allgemein fein Grund dafür einzusehen, dah dem Mitglied eirres wirtschaftlichen Interessen Verbandes besondere Lasten auferlegt werden sollen, weil es einem zweiten Verbände, dessen Aufgaben auf anderem, nämlich auf sozialpolitischem Gebiet liegen, nicht angehören will. Glaubhaft versichert die Lauterbacher Damenhutfabrik, dah sie bei der Art ihrer Ar- beiterverhällnisse gar kein Interesse an der Tä- „Gut," sagte der Bankier erregt „Cs ist ein Glücksspiel, Weller nichts. Da es nicht als 6in- griff meinerfeitS erscheint, so willige ich ein.“ „Gut. Ich werde die Dorrichiung, von der ich sprach, morgen an Ihrem Wagen anbringen. Ich nehme an, dah Francis Sie führt?" „3a.“ „Vertrauen Sie ihm?" fragte Duvall. „Ich habe feinen Grund, es nicht zu tdn. Unb zudem wird er nichts von der Sache erfahren. Er wird mich nur an das Ziel zu führen haben, das ich ihm an geb?.“ Du voll überlegte ein wenig „Ratürlich tagen Sie ihm nichts vor dem letzten Augenblick - vor Ihrer Abfahrt!" „Rein, das wird wohl das beste sein" „Zweifellos. Lind um j gliche Einmischung zu verhindern, ist es besser, wenn ich die Vorrichtung erst morgen spät gegen Abend, gerade vor Ihrer Abfahrt, anbringe. Soll e Ihr Chauffeur Mitwisser der Entführung sein, f? hätte er dann keine Möglichkeit mehe zu einer Warnung." „Schön! Iedoch hcfsc ich, dah Ihre Vorsicht unnötig ist. Es liegt nichts vor, was Francois als Helfer verdächtigen konnte" „Zugegeben — es ist aber besser, wir sind vorsichtig Sie fahren also morgen abend ad>t Ähr hier weg?" „Ia. Schlag acht." „Vermutlich nehmen Sie jemarrd mit — einen Polizisten vielleicht?" „Die Vorschriften verbieten es ausdrücklich, antwortete der Bankier. „Ach ja! Diese Schurken sind schlau. Du« vall erhob sich. „Mo auf morgen abend! Gute Rächt!" „Gute Rächt!" (Fortsetzung folgt.) ttgfett des Arveit geber Verbandes habe. 'Ser Ber- tretet der Vereinigung, Dr. Voßberg - Rekow, hat denn auch in der mündlichen Verhandlung! keinen triftigen Grund für die unterschiedliche Belastung der Mitglieder anzugeben vermocht. Soll vollends, wie die Lauterbacher Damenhutfabrik erklärt und was nicht fernliegt, mit dieser Differenzierung ein Druck aus die Mitglieder zu dem Stoecfe ausgeübt werden, sie in den anderen Verband hineinzunötigen, so ist ein solches Verfahren wiederum als rechtlich und wirtschaftlich unzulässig zu bezeichnen. 3m vorliegenden Falle hat, wie der Vertreter der Vereinigung in der mündlichen Verhandlung bestätigt hat, die Vereinigung noch im letzten Quartal 1923 erneut beschlossen und versucht, den doppelten (bei der heutigen Wirtschaftslage nicht unerheblichen) Betrag des Milgliederbeitrages von jenen Mitgliedern zu fordern, die dem Arbeitgeberverbande nicht angehören. Bei dieser Sach- und Rechtslage tr-ar die Lauterbacher Damenhutfabrik im Sinne des § 8 der Verordnung vom 2. November 1923 gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen berechtigt, ihre Mitgliedschaft fristlos zu kündigen. Daß die Vereinigung, Dr. Vohberg- Rekow, kurz vor dem letzten Verhandlungstermin die ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung aufgehoben hat, kann auf die Berechtigung der imDezember 1923 ausgesprochenen Kündigung rückwärts keinen Einfluß ausüben. Auf die weiteren Beschwerden der Lauterbacher Damenhutfabrik braucht nach dem Gesagten nicht eingsgangeft zu werden. * * Die Roggenrente nbankgibt auch Goldrentenbriefe aus. Nachdem das von der Roggenrentenbank-Aktiengesellschaft in Berlin zuerst eingeführte wertbeständige Realkredit- Geschäft im Laufe des Iahres^von den verschiedensten Kreditanstalten durch Zursgabe von Gold- psandbriefen weiter ausgebaut morden ist, hat sich die Roggenrentenbank nunmehr ebenfalls entschlossen, neben ihren Roggenrentenbriefen auch fünf- und achtprozentige Goldrentenbriefe auszugeben. Da unserer Volkswirtschaft nach dem Dawesabkommen nunmehr auch wieder ausländische Kredfte zufliehen werden, bestehen gute Aussichten dafür, daß Goldrentenbriefe im Auslande mehr Absatz finden werden, als Roggenrentenbriefe. Der Reichsrat hat die Satzungsänderung der Roggenrentenbank ab 9. Oktober 1924 genehmigt, so daß noch im Laufe des Monats mit der Aufnahme des Golöbeleihungs- geschäftes der Roggenreatenbank zu rechnen sein dürste. 3n Zukunft wird also der Darlehnsnehmer nach seiner Wahl bei der Roggenrentenbank Darlehen in Roggenwert oder in Feingold erhallen können. * Beteiligung des Hugo-Stinnes- Konzerns an der D elf o sse°G r up pe in Köln. Die Verhandlungen wegen einer Beteiligung des Hugo-Slinnes-Konzerns bei in Köln ansässigen Firmen der Delsosse--Gruppe sind erfolgreich zu Ende geführt worden. Der Stinnes- Konzern hat sich u. a. an der Helios-Automobilbau A. G. und an den Kölner Industriewerken G. m. b. H. (beide in Köln-Ehrenseld), in einem Verhältnis beteiligt, das eine erfolgreiche Zusammenarbeit dieser Werke mit den übrigen bereits tm Stinnes-Konzern mit der Herstellung von Automobilen befaßten Unternehmungen ermöglicht. Die Pläne des Stinnes-Konzems dürften dahin gehen, durch die Herstellung von Automobilen in größeren Serien eine Verbilligung der Fahrzeuge deutschen Ursprungs herbeizuführen. Insbesondere scheint die Herstellung der kleinen Helios-Wagen in arühtem Umfange geplant zu sein, z Buntes Allerlei. Zoo und Niagara im Rundfunk. Der Rundfunk schreckt in der Auffindung neuer Sensationen für seine Mithörer vor keinen Schwierigkeiten zurück. Das Neueste auf diesem Gebiete ist, daß zum erstenmal die Insassen eines Zoologischen Gartens ein drahtloses Konzert geben werden. Die Aufnahmen werden im Londoner Zoo gemacht, die Konzertgeber werden in der Hauptsache eine Lachhyäne, ein Seelöwe und ein jugendliches Walroß sein. Zur Aufnahme ist eigens ein Apparat „der drahtlose Prahm" konstruiert worden, eine kräftige kleine Aufnahmestation auf Rädern, die mit einem tragbaren Mikrophon versehen ist und von Käfig zu Käfig transportiert wird, um die akustischen Aeuherungen der Insassen aufzunehmen. Die Stunde des seltsamen Konzerts wird natürlich genau bekanntgegeben. Wenn sich die Engländer von diesem Genuß erholt haben werden, so werden sie bald das Donnern der Niagarafälle mitanhören können. Die Vorbereitungen, dieses grandiose Naturschauspiel wenigstens akustisch durch die ganze Welt zu verbreiten, hat die englische Rundfunkgesellschaft schon seit einiger Zeit getroffen, aber es wird nötig fein, eine Zeit zu wählen, in der feine atmosphärischen Störungen auftreten, und auch die Stationen in den Vereinigten Staaten und Kanada dürfen nicht dazwischen kommen. Die Niagarafälle sind etwa 4500 Kilometer von London entfernt. Eine neue Girafsenart. Dem Briefmarkensammellport verdanken wir die Kenntnis einer neuen Spezies der Gattung Camelopardalis, die bisher als monotypisch angesehen und allein durch Camelopardalis Giraffa, die Giraffe, repräsentiert wurde. Die Gelehrten vom Fach scheinen das interessante Tier noch nicht zu kennen: es ist aber deutlich auf der Serie 1901 der Marken von Myassaland a-bgebildet, und unterscheidet »sich vom Typus durch den Besitz eines stattlichen Schweifes, wie ihn ein edles Roh aufweist, während, weit bekannt, die gewöhnliche Giraffe einen Schwanz trägt, der größtenteils kurzhaarig und nur am Ende mit einer lau ab -■ rri« gen Quaste versehen ist, mit anderen Worten, eher einem Kuhschwanz gleicht. Irren wir nicht, so wurden diese Marken in London gedruckt: es sollte also nicht schwer fallen, zu eruieren, wo der Zeichner die neue Art von Giraffe gesehen hat. Eine kritische Durchsicht der jetzt so beliebten Briefmarken 'mit n aturgeschichtlichen Bildern dürfte noch manche Novität ans Licht bringen. SelbstverständLich müssen dabei rein heraldische Gebilde, als da sind zweigeschwänzte Löwen, Adler mit viel zu langer Zunge usw., unberücksichtigt bleiben. Der Pharao mit den Zahnschmerzen. Lieber ägyptische Mumien ist soeben ein umfangreiches englisches Werk von Dr. Elliot Smith und R. Dawson erschienen, das die Technik der Einbalsamierung bei den alten Aegyptern einer genauen Llntersuchung unterzieht und dabei auch über die ärztlichen Befunde an den Mumien eingehende Mitteilungen macht. Bei allen Unter- suchungen, die Aerzte in neueren Zeiten an Mumien angestellt haben, sind viele Spuren von Krankheiten festgestellt worden, an denen die Menschheit heute noch leidet. Während indessen kein Fall von R h a ch i t i s oder von venerischen Leiden beobachtet worden ist, finden sich bei den Mumien aus den verschiedensten Perioden zahlreiche Fälle von Steinen: Blasensteine sind bereits bei Mumien der prädynastischen Zeit festgestellt worden. Einer der interessantesten Fälle zeigt ein unverkennbares Beispiel von echter Gicht: der Kranke war ein älterer Mann mit langem weihen Haar und Bart, der in einer Christengemeinde in der Nähe des Tempels von Philae lebte: seine Füße und besonders die großen Zehen zeigten die Merkmale des Leidens sehr deutlich. Am verbreitetsten war in alten Zeiten augenscheinlich die rtjeuma- tische Gicht, an der Männer und Frauen von allem Anfang an gelitten haben. Besonders ausführlich beschäftigen sich die Forscher aber mit den Zahn leiden: sie stellen fest, daß viele von den Pharaonen sogar an ganz schrecklichen Zahnschmerzen gelitten haben müssen, ganz besonders der Vater des jetzt so viel genannten Tutanchanon, Amenophis III. Aus dem Zustand seiner Zähne geht deutlich hervor, daß dieser Pharao einen akuten Anfall von schweren Zahnschmerz^ gehabt haben muh, als er sein Leben beschloß, da er ausgedehnte Abszesse an seinen Zähnen hatte. Büchertisch. — Verlorenes Paradies. Roman von Ludwig Antv-n. (Verlag Georg Westermann, Braunschweig.) — Ein außerordentlich fesselndes Buch, dessen Handlung in der Nachkriegszeit, insbesondere in den Wochen nach dem Ruhreinbruch der Franzosen wurzelt. Die Erzählung, die schließlich stark in das Gebiet des Llebersinn- lichen einmündet, zeigt eine meisterliche Gestaltungskraft des Züchters, dessen Werk man gerne feine Stunden schenkt. Der Verlag hat das Buch vortrefflich ausgestattet, so daß man es also nach jeder Richtung hin mit gutem Grund als Zierde des Bücherschranks bezeichnen kann. — Aus der Fnesland-Dücherei. De Reis' nach Hamborg, Das Lübecker Wunderkind, Die Foau des Obersten Carpiho. (Verlag Fnesen-Verlag A. G., Dremeii-Wilhelmshaven) — Drei reizende kleine Büchlein in knappem Taschenformat, Deren Erzählungen rechte Freuds bereiten. Man darf den Schriftchsn weite Verbreitung wünschen. — Alle Welt stiehlt. Ein Zeitroman von Arthur Zapp. (Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg). — In frischer, bilderreicher Schreibweise geht der Autor mit der Verwilderung der Sitten in dem Deutschland der Nachkriegszeit ins Gericht. Die Gier nach dem Mammon, die bei Leuten einer höheren Kultur so gut sichtbar ist, wie in der Niedrigkeit der Verbrecher von „Beruf", aber auch das Llnmovalische der Volks vergiftenden Inflationswirtschaft des Staates wird ohne Erbarmen in der Form des nur allzu wahrheitsgetreuen Zeitromans gebührend an den Pranger gestellt, damit die rechtlichdenkende Dvlksgemeinschäft ihre Lehren daraus ziehe. Man mag der unterhaltenden Erzählung zugeneigt sein, man beherzige aber auch die weise sich gebieterisch aufdrängenden Schlußfolgerungen. — Der Brief des Kaufmanns. Ausführliches Lehrbuch auf logischer Grundlage von Dr. P. Feldkeller. Preis 4 Mk. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 36. — Dieses besonders für den Selbstunterricht gedachte Werk will dazu beitragen, Logik und Stil des durchschnittlichen Handelsbrieses zu verbessern und zu heben. In ansprechender Weise hat der Verfasser den über die so zahlreichen Gebiete der Kaufmanns- und der damit eng zusammenhängenden sonstigen Wissenschaften sich erstreckenden Stoff auf 17 Lehrstunden verteilt. Eine kurze Einführung gibt genaue Anleitung, wie dieses Buch zu benutzen ist. Die hier geleistete Arbeit wird allen Korrespondenten, die Gesichtskreis und Kenntnisse erweitern wollen, überaus wertvolle Fingerzeige geben. — Das Saargebiet jenes seltsamen Länder- konglomerates um die ehemalige Grafschaft Saarbrücken, das unter dem umfassenden Namen des „Saargebiets" eigentlich der weiten Oesfentlich- keit seit dem Versailler Vertrag als Ganzes bekannt geworden ist, hat in der „Geschichte des Saargebiets" von Professor Albert Ruppersbura (in 2. Aufl. mit sehr vielen interessanten Abbildungen und gutem Kartenmaterial im Verlag der Saarbrücker Druckerei u. Verlag A. G.) eine sehr eingehende und gründliche historische Darstellung erfahren. Das Land an der Saar, der stets begehrenswerte Zipfel zwischen Pfalz, Luxemburg und Lothringen, das Land des Weins und der Kohle, hat eine außerordentlich wechselceiche Geschichte durchmachen müssen, bis es schließlich, ein Raub der Sieger des Weltkrieges, unter das Mandat des Völkerbundes kam, unter dessen Aegide Frankreich nut allen Mitteln, die ihm die zahlreichen Hintertüren und Auslegungsmöglichkeiten des Versailler Vertrages gegeben haben, seine eigene Herrschaft vorbereitet. Gerade in diesen Tagen haben die lauten, und berechtigten Klagen der bedrückten Saarländer wieder einmal bei ihrem Souverän in Genf taube Ohren gefunden. Lind das wird so, weitergehen, bis das tapfere Volk für die Abstimmung mürbe gemacht ist, denn auch dieser Länderraub wird unter der heuchlerischen Maske des Selbst- destimmungSrecytS organtflert. Welch kerndeutsches Land das Saargebiet ist und von Anbeginn an war, das lehrt dies Buch Ruppersburg in eindringlichster Sprache. Die vielverschlungenen Pfade der Geschichte Saarbrückens werden mit großer Liebe und Treue aufgezeigt, gut erläutert durch viele Abbildungen und Stammtafeln. Das Buch kann für die Heimatgeschichte als Vorbild dienen. Interessant ist auch die Darstellung der letzten Jahre blühender Entfaltung des Saargaus unter preußischer Herrschaft, vornehmlich der Gemeinden St. Johann, Saarbrücken, Malstatt, Bürbach, zu der Großstadt Saarbrücken. Auch der kulturellen Entwicklung ist große Beachtung geschenkt. — Goethes Briefe an Frau von Stein, vielleicht für die große Schasfensperiods des Meisters die aufschlußreichste der vielen Dob r- mentensammlungen neben dem Briefwechsel mft Schiller, liegt in einer neuen Ausgabe des Volks ver'bands der Bücherfreunde (im Wegweiser-Verlag, G. m. b. H., Berlin W50) vor. Müller-Freienfels hat ihr eine Psychologisch tiefgreifende, seinempfundene Einleitung vorangestellt, aus der hier nur feine Charakterisierung der Briefe selbst wiedergegeben fei. Aufs Ganze hin angef chaut, ist's ein Roman von einer Tragik, die um so erschütternder wirkt, als aus ihrer Verhaltenheit nur selten die offene Leidensckmft hervorbricht: und darüber hinaus ist's die Selbst Offenbarung einer ringenden, kämpfenden Menschenscele, nicht zurechtgerückt für die Oeffent- lichkeit, bestimmt für eine einzige Frau, deren Bild jedoch nur in zarten Llrnrissen hinter diesen erschimmeit." Der guten Tradition des Verlages gemäß ist auch diese Veröffentlichung aif das sorgfältigste ausgestattet. Besonders dankenswert sind die zahlreichen Bildbeilagen nach Silhouetten und Goetheschen Zeichnungen. — Ein ausgezeichneter Grundriß der Kunstgeschichte, besonders wertvoll wegen seiner Handlichkeit, der Dielen Abbildungen und den guten Orientierungsmöglichdeiten ist der von Professor Albert Kuhns, im Verlag Benziger & Co. A. ©., Einsiedeln. Dem Mittelalter ist allerdings bei weitem die liebevollste Behandlung zuteil geworden. Der Stil ist nicht immer gut. die Auswahl der Bilder oft anfechtbar Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Fahrplanbeschwerden gegen die Bntzbach-Licher Cifenbahn. Wir werden um die Aufnahme der folgenden Erwiderung auf das Ein gesandt vom Freitag gebeten. D. Red. Vor allen Dingen bin ich der Schriftleitung des „Gießener Anzeiger" dankbar für die wohlwollende SchluhbemeZung zu den Ausführungen des Eingesandts in Nr. 239. Ich nehme sie als emen Beweis, daß eine objektive Würdigung meiner Tätigkeit doch zu einem andern Schlüsse kommen muß, als die in Verstimmung and Erbitterung geschriebenen Zeilen des Einsenders, wenn ich auch dessen Erregung über die Dahn- zustände verstehe und sogar — besonders nach anderer Richtung hin — teile. Ich habe jahrelang den Kampf gegen die großen Mißstände unseres Bahnbetriebs geführt, fand auch erst vielseittge Llnterstützung, bis man nur zuletzt die Aufgabe allein überließ. Die Hauptbeschwerde des Einsenders geht dahin daß am Sonntag auf der Strecke Lich— Grünberg keine Züge laufen, und er verlangt gleich zwei Sonntagszugpaare in sehr ultima» tiver Weise. Er beruft sich da auf- den (Sonntagsverkehr auf der Strecke Lich—Butzbach bzw. Bad- Nauheim. Er scheint mir nur zu übersehen, daß gerade auf dieser Strecke zwei Orte liegen, die den Sonntagsverkehr anziehen und — das ist die Hauptsache — rentabel machen. Das sind Bad-Nauheim und Münzenberg. Etwas Aehnliches haben wir leider hier oben nicht. Linser Verkehr am Sonntag würde der Beförderung von Personen dienen, die gelegentlich einen S on n tagsbesuch machen. Es ist ja bedauerlich — und ich habe das selbst -schon sehr empfunden — daß unser Sonntagsbefach stets einen besonders unleidlichen Weg zur nächsten Bahnst alion hat. Aber ich bin doch der lieber» zeugung, daß es nicht za verantworten wäre, deshalb Der Dahnleitung, die doch auch sparen muß, die Einlegung von gleich 2 Zagpaaren anzusinnen. Der Einsender soll sich doch nur einmal die Rechnung aufmachen lassen, was ein Zag- fllometer kostet. Dann kann er sich ausrechnen, wie teuer eine einzige Zugfahrt aas der 19 -Kilometer bangen Strecke Lich—Grünberg kommt. Da. er 2 Zugpaare verlangt, muß die Samme vierfach genommen werden. Was an Fahrgelderlös einginge, wäre nur ein verschwindender Bruchteil dieser Summe. Denn schon vor dem Kriege war unser Sonntagsverkehr ganz unbedsatend. Wenn der Einsender das vergessen hat, so erkundige er sich nur einmal bei dem Fahrpersonal, das seit 1909 die Züge bedient. Es kann heute wirklich nicht die Aufgabe sein, unerfüllbare Forderungen zu stellen. Dadurch werden wohl die Gemeinden beunruhigt, aber ihren wirklichen Interessen ward nicht genützt. Es wäre meiner festen Ansicht nach der schlimmste Gefallen, den die Eisenbahnleitung unseren Gemeinden tun könnte, tvenn sie die Forderungen des Einsenders erfüllte, vielleicht ein Vierteljahr die Sonntagszüge führe und nachher durch Zahlen bewiese, welch unmögliche Forderungen man gestellt habe, und Rückschlüsse zöge, die Err un g en schasten, die doch ohne Zweifel gemacht wurden, in Frage stellten. Lins hieroben mußes darauf ankommen, daß wir einen günstigen Werkt agsverkijhr haben. Ich bin nicht der Meinung, daß der Fahrplana der Butzbach- Lichec Dahn in der Beziehung gerade ein Ideal sei. Aber .wenn ich bedenke — und der «Einsender weiß das auch —, daß wir fahrplanmäßig am Vormittag vier Verbindungen ntrr eneoen liTtUC haben, daß tote abends — bisher leider nur bk- Ettingshausen, hoffentlich aber bald auch baS QueiÄorn — eine Rückfahrtgelegenheit habens so halte ich es für eine Entgleisung, von „armseligen" Werttagszügen zu reden. Armselig scheint mir etwas ganz anderes zu fein, aber das will ich hier nicht ausführen, um der Betriebsleiterin, als deren Anwalt ach mich noch nto gefühlt habe, kein Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Wenn sich der Einsender einmal die -Mühe nimmt, die Züge genau zu beobachten, ward er bald erkennen, was ich meine. Aber eins darf ich doch auch hier öffentlich sagen: Ich halte es füx eine entgegenkommende Leistung der Betriebsführung, daß sie den Arbeiterfrühzug, den wir aus keinen Fall entbehren kön - n e n, führt, obwohl er nicht stark benutzt wird. Lieberhaupt mühte unsere Einwohnerschaft die Züge — z. D. die Schülerzüge — viel mehr benutzen. Sie würde für den Kamps um einen-günstigen Fahrplan unsere Stellung sehr stärken. Wenn der Einsender mich einmal besuchen wollte, könnte ich ihm da reichliches Aufklärungsrnate- rial geben. Er sott nur wirken, daß die Dahn auch reichlich benutzt wird und Dahin aafklären, daß Schuhsohlen heute auch Geld kosten. Dem Verlangen, daß der Abendzug bis Queckborn geht, stimme ich völlig zu und habe dahin —bisher leider ohne /Erfolg — zu wirken gesucht. Hoffentlich unterstreicht die demnächstige Generalversammlung diesen Wunsch. Aber sehr gewundert habe ich mich, daß der Einsender den größten Mißstand unseres Eisenbahnbetriebs scheinbar gar nicht kennt, ihn wenigstens nicht erwähnt. Ich bin schon die ganze Zeit über dahin tätig, daß unser Fahrplan nicht nur auf dem Papiere steht, sondern auch einigermaßen eingehalten wird Die Butzbacher Dahn- Verwaltung wird das bestätigen. Zug 9, der am 7,07 vm. in Grünberg sein müßte, um den Anschluß nach Gießen zu erreichen, hat gerade in den letzten Wochen oft eine solche Verspätung gehabt, daß Reisende, die zu Terminen usw. ftihren, den Anschlußzug nicht erreichten. Bei Zug 1, der 10,50 vm. in Grünberg eintreffen mühte, kommt es bisweilen — aber sehr selten — vor, daß er den Anschluh an den Zug 11,19 nach Gießen bekommt. Oft hat er eine Verspätung 1/2 bis 11/4 Stunden! Der Zug von Grünberg, der 8 33 vm. in Lich sein sollte, erreicht fast nie den Anschluß an den Zug, der 8,44 von Lich nach Gelnhausen fährt. Hier liegen die Haupt- mihstände unseres Eisenibahaverkehrs. Es ist unter der Bevölkerung eine solche Llnsicherhett eingerissen, daß die Leute, die zu einer bestimmten Zeit in Gießen sein müssen, zu Fuß nach der nächsten Staatsbahnstativn war dem, weil sie eben nicht mit der Sicherheit eines Anschlusses rechnen. Dadurch vertreibt man tatsächlich das reisende Publikum von der Bahn. Es ist erfreulich, daß bie Verwaltung auf dringliche Vorhalte hin zage- sagt hat, hier Remedur eintreten zu lassen. Dann erst wird der Fahrplan für unsere Gemeinden brauchbar. Eben lese ich noch, daß auch im „Grünbevgsr Anzeiger" das Eingesandt veröffentlicht worden ist. Hier ist noch ein Zusatz zu lesen, den die Schriftleitung des „Gieß. Anz." anscheinend weg- gelassen hat, weil sie wohl — in ganz richtiger Beurteilung — eine Llnzulässigkeit in ihm sah, daß nämlich der „Vertrauensmann" deshalb versage, weil er „die Sonntagszüge nicht nötig hat". Durch diese Bemerkung verliert das Eingesandt viel von seiner Sachlichkeit und Vornehmheit. Aber es war mir doch ein willkommener Anlaß: 1. vor unmöglichen und deshalb schädlichen Forderungen zu warnen, 2. aber mit allem Nachdruck unsere berechtigten Wünsche zu vertreten. Ich. bernuite, daß der Einsender auch einsehen wird, daß sein Vorwurf unschön ist. Ettingshausen, 10. Oktober 1924. Nies, Pfarrer. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Kommunistische Sprengstoffdiebe. Nach einer Meldung des „LvkalanzeigerS" aus Halle wurden zwei der Einbrecher, die auf den Groebener Tonwerken eine größere Menge von Dynamit und Sprengstoffen gestohlen hatten, nunmehr verhaftet. Es handelt sich um die Kommunisten Tietze und Bernstein aus Merzdorf bei Liebenwerda. Seinen Herrn ermordet. Unter dem dringenden Verdacht, auf dem Gutshof Ferdinandsfeld bei Eberswald« den Gutsbefiher Hey mann zur Nachtzeit erschossen und dann in der Scheune verbrannt zu haben, wurde nunmehr der fett Jähren auf dem Gutshof beschäftigte Gutskut - scher verhaftet. In seinem Ve-itz fand nu*i einen geladenen Revolver, aus dem in letzter Zeit geschossen worden sein muß. Geschäftliches. Im Butter land Holland wird bekanntlich auch viel Margarine konsumiert: man hat dort Qualitäten in den Handel gebracht, die von feinster Butter kaum zu unterscheiden sind und sich deshalb die Gunst der Bevölkerung im Sturm erobert haben. Neuerdings wird eine solche Margarine auch in Deutsch and unter der Marke „Schwan im Blau band" hergestcllt, welche durch ihre vorzügliche Beschaffenheit tatsächlich überrascht. Ein Versuch kann deshalb nur dringend empfohlen werden. riCKvIIly Olulvllvll 2 & w. " 'V*- - Stadwoefel-tfaife von Bergmann & Co., Radebeul. Überall zu haben. Kronx-Drog Angnsl Nolt, P. J. Kvb». Brog. Georg ______, Wallonie!», Drog. 0. Winterholt. 4146c ün-mV qpin? Nninl Geg.Blasen.u.Nierenleid.,selbstStein, luüilnubllli llvIII'hilft best. KarlssprudelBiskirchenl4 7085D Ihre Garderobe (Herren-, Damen- u. Kinder- iJlttTft Kleider), Decken, woll. und seid. Vorhänge, Gardinen, Federn, Handschuhe etc. etc. Oiifi hO Oie meisten Gegenstände lassen sich durch jJl WIVäI VlU chemisches Reinigen oder Färben sicher wieder Ä — wie neu herstellen. Hm Hf. Bsr Laden: Marktplatz 18.