V Samstag, 13. September 1924 ik. 216 Erstes Statt V4- Jahrgang Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeir. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite ört[id)8, auswärts 10 Goldpfennig: für Re. Klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/, Auf. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange für den übrigen IciL Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-vezuyrprels: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüss«: für die Schristleilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. AnzeigerStetze«. Pel|d>e- heif zu erkämpfen. .Fort mit d-r Prügelstrafe, fort mit der Religion aus der Schule!", das waren die Zuschriften der Plakate, die diese Jugend, die die erste Lebensvorbereitung erhalten sollte, mit sich führte. Oder wem es vergönnt war,'an einer jener „Jugendweihen" teilzureh- men mit denen man die Konfirmation zu ersehen suchte: Wo sonst der Jugend eine Reife und ein Seelenhalt in Pflicht und im Derbundenheitsge- fühl mit einer höheren Macht gegeben wurde, da zertrat und zerpflückt» man hier alles, was sonst h-ilig war. So raubte man den peelen Lieser Jugend alles, was sie zu Eigenmenschen machte, und zwang sie unter einen Goh-n: die Partei! Di- könne dem jungen Genossen besser helfen als Kirche und Gottesdienst. Das war überall der gleiche Grundton die er Jugenderz'e- hung Lind so wurde eins erreicht: Wenn dieser junge Mensch, seelisch ausgeplündert and gefesselt, seine ersten eigenen Gedanken zu formen, feine ersten persönlichen Sehnsüchten zu fühlen begann, dann war die Grundlage. von der aus sein Fühlen und Denken einsehle, bereits unabänderlich festgelegt. Diese Grundlage aber hieß: Llnbedingte Verneinung alles Bestehenden. Einem solchen Menschen mit Vaterland, mit Volk und Freiheit kommen, wäre von vorn- fcrein vergebliches Tun. Da ist eine Saite zerrissen, an der diese Töne sonst anftingen würden: so aber können sie es xricht mehr. Damit aber ist nur die negative Seite dieser sozialistisch-kommunistischen Geistesverfassung gekennzeichnet. Tas in diesem Zusammenhänge wichtigere und entscheidende ölebel ist dies: Diese Menschen sind nicht nur Staatsfeinde, die verneinen. geblieben, sondern sie sind darüber hinaus zu einem Volke im Volle geworden mit allen Eigenarten, zum metribeftea gerade mit be > stärksten Triebkräften eines eigenen Volke), eines Volkes nicht nur mit einem gemeinsamen Hast, vn- > dem auch mit gemeinsamen eigenen Lettcedall-n und — in ihrem Sinne gesprochen — „3oealen : Wie wir uns begeistern für die Freiheit-Helden, so entsteht da ein kraftvolles proletarisches Hel- , berrtum. Wie wir Leid empfinden über oen-LoO von Männern, die uns Vorbild sind, so empfand« um die Sähe der Zollvorlage im Reichstage gerechnet werden. Don ZentrumSkretsen werden zur Zeit Vermittlungsversuche unternommen, um der Sozioildemo- kratie die Zustimmung zur Zollvorlage zu ermöglichen. Die Versuche gehen besonders von linksstehenden Zentrumskreisen aus, die das Ab- gleiten der Sozialdemokratie in die Opposiüan und die Bildung des Bürgerblocks verhindern möchten. Die Vorschläge bewegen sich in der Richtung, dah die Schutzzölle auf eine gleitende Skala eingestellt werden sollen, so dah also je nach dem jeweiligen Inder der Lebensmittelteuerung die Schutzzölle automatisch der Wirtschaftslage angepaht würden. Das Zentrum würde im Fall der sozialdemokratischen Zustimmung dafür eintreten, dah die ilm» bildmig der Reichsregierung in erster Linie nicht nach rechts, sondern n a ch l i n k s erfolgen würde. Die sozialdemokratische Reich stagsftaktion hat vorläufig diese Vorschläge nur inoffiziell zur Kenntnis genommen und sich ihre endgültige Stellungnahme Vorbehalten. Von fo- zialdeinokratischer Seite wird dabei besosders betont, dah die künftige Haltung der Reichstags- fraftion nicht nur von der Zollvorlage, sondern auch von der Stellung der Reichsregierung zur Kriegsschuldnote und zum Eintritt in den Völkerbund abhängen würde und dah endgüftige Beschlüsse d-r Sozialdemvkoatie nicht eher zu erwarten seien, bevor nicht alle diese schwebenden Fragen endgültig geklärt wären. Die Tarispolitik der Reichsbahn. fremde Einflüsse auf die künftige Gestaltung der deutschen Darife. Berlin. 13. Sept. (Drahtmeldung.) Bekanntlich schweben seit längerer Zeit Erwägungen innerhalb der Reichsregierung, die Reichs- bahngütertarife demnächst h-erabzu - eh en und auch andere Erleichterungen für den Frachtverkehr zu gewähren. Diese Absichten haben in französischen und besonders in englischen Wirtschaftskreisen st a rkes Befremden hervorgerufen, da man in den Kreisen der englischen Industrie, die ohnehin den Londoner Vereinbarungen mit starker Reserve gegen- übersteht, eine erhebliche Konkurrenz der deutschen Wirtschaft befürchtet. Zwar haben sich die Bedenken der englischen Wirtschaftskreise noch nicht so weit verdichtet, dah sie einen förmlichen Schritt bei der englischen Reaierung unternommen haben. Aber man ist in den mahgebenden Kreisen der Reichsregierung davon unterrichtet, dah die englische Industrie einen stetig wachsenden Druck auf ihre Regierung ausübt, um sie zu einem Vorgehen in dieser Frage zu veranlassen. Reuerdings hat es nun den Anschein, als ob die englischen und französischen Wirtschaftskreise eine unmittelbare Einwirkung auf den Zünftigen Der- waltungsrat der deutschen Eisenbahnen versuchen würden, um auf diesem Wege Einfluß auf die deutsche Tarispolitik zu gewinnen. Demgegenüber wird von unterrichteter Sette betont. daß die Reichsbahn vorläufig noch Eigentum des Teutschen Reiches ist und dah bis zu ihrer förmlichen Heber gäbe an das internationale Konsortium die Ta-rifpolitrk noch völlig selbständig von der Reichsregle r u n g geregelt werden kann. Es ist daher auch nicht zu erwarten, daß sich die Reichs- regierung durch solch» Bestrebungen ia ih en Ab sichten irgendwie beirren läht, und es ist mit der Veröffentlichung der neuen Frachtsätze tn absehbarer Zeit zu rechnen. Weiter wird darauf hingewiesen, es bestehe wenig Wahrscheinlichkeit, dah sich der künftige Ve r wa l t u n g s r at der deutschen Eisenbah icn den Wünschen der englischen Wirtschaf:streife fügen werde iaauch ihm daran gelegen ist, nicht nur aus den Ellen- bahnen einen möglichst g rohen Gewinn hrrauszuschlagen, sondern auch das deutsche Wirtschaftsleben nicht durch überspannte Tarifpvlttik zu gefährden, zumal das Gelingen der ganzen Sach verständig en Pläne davon abhängt, dah die deutsche Wirtschaft lebensfähig erhalten und damit die Zahlungs- f ä higkei t Deutschlands gesichert bleibt. Der Generalagent berichtet der Reparationskonnnisfion. Paris, 12. Sept. (WB.) Wie der „Temps" mttteilt, kehrt der Generalagent für die deutschen Zahlungen Pvung morgen abend aus Berlin nach Paris zurück, um die Reparattons- kornmission über die von ihm bereits angeordneten Maßnahmen zu unterrichten. Doung wird sich auch in der kommenden Woche mit den beiden Treuhändern Delacroix und Roga ra unter- halten die vor dem 6. Oktober von der deutschen Regierung die Zertifikate über 11 Milliarden - Goldmark Eisenbahn- und 5 Milliarden Goldmark Jndustrieobligationen erhalten mühten. Dor dem > 6. Oktober mühten auch alle Kon rtoll- und Ausführungsorgane, die der Davesplan > vorsehe, gebildet werden. Ebenso mühten die neue Emmissionsbank und die Reichs- i eisenbahngesellschaft endgültig eingerichtet werden. scher Protest in der Kriegsschuldfrage für den loyalen Teil der Menschheit nicht notwendig ist: um so notwendiger aber ist es, dah wir die durch unwiderlegliche Tatsachen bekräfiigte Schuldlosigkeit des deutschen Volkes an der großen Welttatastrophe gerade jetzt an einem Wendepunkt der Entwicklung gegenüber den Wahrheit s s ä l sche r n Har und eindrucksvoll formulieren. Eine amtliche Erklärung zur Kriegsschuldlüge. Stritt Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vor einer Lösung der Kricgsschuldsrage. Berlin. 12.'Sept. (WTD.) Mit Rücksicht auf die Zeitungspolemik der letzten Tage in der Angelegenheit der Kriegsschuldlüge und des Beitritts Deutschlands zum Döl - kcrbund wurden heute der Presse von berufener Seite sehr bestimmte Informationen erteilt, wonach die Kundgebung zur Kriegsschuldlüge zuerst im Reichstag erwogen, später aber zum Abschluß der Londoner Dcrhandlungen geplant war. Sie hat aber in London aus rein technischen Gründen wegen des gedrängten eiligen Verlaufs deS Abschlusses nicht mehr erfolgen können. Die deutschnationale Einwirkung ist weder in diesem noch in einem späteren Stadium maßgebend gewesen. Wie überhaupt die Frage niemals vom parteipolitischen Standpunkt aus angesehen worden ist. Gelegentlich der parlamentarischen Beratung des Londoner Paktes hat der Außenminister mit vollem Einverständnis mit dem Kabinett auch die Deutschnativnalen von der geplanten Formulierung der Erklärung über die Kriegsschuldlüge rechtzeitig unterrichtet. Es dürfe nicht übersehen werden, daß die Kundgebung der Regierung lediglich eine prinzipielle Verpflichtung zur Notifizierung enthalte, daß es aber zur Autorttät der Reichsregierung gehöre, w a n n sie ihre Anlündignng in die Tat umsetzen wolle. Sicher ist, daß Deutschland nicht in den Völkerbund eintreten kann, ehe nicht die K r i e g s s chu l d f r a g e gelöst ist. Auch zwischen dem Staatssekretär von M a l h a n und dem Außenminister haben in dieser Frage keine Meinungsverschiedenheiten bestanden. Aebrigens hat auch in London trotz dieser Gelegenheit kein einziger Staatsmann den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, der eine reine Zweckmäßigkeit s s r a g e sei, angeregt. Wenn der leere Stuhl Deutschlands in Genf beseht werden soll, müsse man das Statut zugunsten Deutschlands ändern und ihm nicht zumuten, daß es den Ratssitz durch die Wahl erlange, sondern ihm einen st ä n d i g e n Ratssitz zuteilen. Zollvorsage,Landwirtschaftshilfe und Bürgerblock. Der Kampf dec Parteien. — Das Zen- triinf als Zünglein an der Wage^ Die Mihernte. die in vielen Gegenden Deutschlands infolge des ungünstigen Wetters vorhanden ist hat dazu geführt, daß von feiten der Landwirtschaft und insbesondere des Reichslandbandes weitgehende Forderungen an die Regierung hinsichtlich langfristiger Kredite. Steuerstundungen und Zinsermäßigangen gestellt worden sind. In linksgerichteten Kreisen besteht durchaus die Reigung, diesen Wünschen so weit entgegen- zukonnnen, wie es die Finanzlage be£ Reiches und Preußens irgendwie gestattet. Es ist auch damit zu rechnen, daß das preußische Landwirtschasts- Ministerium für ein möglichst weites Entgegenkommen der Landwirtschaft gegenüber eintritt. Die linksgerichteten Parteien haben dabei jedoch den Hintergedanken, daß der große Ausfall, der bei der Ernte, insbesondere der Getreideernte zu erwarten ist, die Einbringung der Zoll- Vorlage zum mindesten überflüssig, wenn nicht schädlich erscheinen lasse. Sie werden sich daher bei der Beratung der Zollvorlage darauf berufen, dah der Landwirtschaft schon wirksame Hilfe in weitgehendem Maße zuteil ge- md des „Eclair" sucht die genannte Presse nachzuweisen, daß die französischen Militaristen und Lhauvinisten auf einen neuen politischen Fehler Deutschlands warten, um eine für Frankreich schädliche' Entwicklung zu hemmen. Solche Fehler Ser Reichsregierung würden fein: eben die nachträgliche Absendung der Kriegsfchuldnote und bann ein Verharren auf der Weigerung, in den Völkerbund einzutreten. Die genannten nationalistischen französischen Blätter machen es H e r r i o t zum Vorwurf, daß er auf das bekannte Schreiben des Reichskanzlers mit der Ankündigung der Kriegsschuldnote vor der lleberfendung dieses Schriftstücks in Berlin hat warmen lassen, und so den Alliierten einen Vorwand geraubt hat, die Räumung und die Abrüstung zu verzögern. Da ein so angesehener Mann wie der frühere Reichstagspräsident L o e b e sich zum Wortführer in der deutschen Völkerbundsbewegung gemacht hat, wird es nach Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin, spätestens aber nach Wiederzusammentritt des Reichstags eine lebhafte Auseinandersetzung über die Zweckmäßigkeit der beiden Schritte — der Absendung der Kriegsschuldnote und eines deutschen AufnahmcgesuchS für den Völkerbund —, geben. Die Entscheidung nach re in sachlichen Gesichtspunkten wird dadurch erschwert, daß in der Frage der Kriegsschuldnote eine taktlose und diplomatisch geradezu ungehörige Einflußnahme des französischen Ministerpräsidenten in Berlin statt gesunden hat, und daß sich in der Völkerbunds rage eine unberufene Pazifistenkama- rilla eingemischt hat. Die Bemerkung, daß das ReichSftrbtnett durch eine Zusage an die Deutsch- nationalem zur alsbaldigen Absendung der Kriegsschuld"ote verpflichtet sei, kann nicht als stichhaltig anerkannt toerden, da eine verantwortliche Reichsvegierung tn solch wichtigen Fragen überhaupt keine Bindung für die Zukunft übernehmen darf. Aber selbst wenn man sich die Argumentation gewisser Gruppen innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei zu eigen machen wollte, könnte man darauf erwidern, daß die Deutschnattonalen alles andere getan haben, als die von der Reichsregierung vorgelegten Reparationsgesehe einmütig anzunehmen. Unter den genannten Vorbehalten müssen sich die Parteien der Regierungskoali- ti on darüber klar werden, ob sie auf die Ueber- reichung der Kriegsschuldnote verzichten dürfen. Schon einmal haben Regierung. Koalitionsparteien und Wirtschaftsorganisationen in einer folgenschweren Frage taktisches Schweigen bewahrt, gegenüber dem Sachverständigengutachten vom 9. April dieses Jahres. Man tritt wohl feinem von denen, die damals für Stillschweigen plädierten, zu nahe, wenn man heute feststellt daß die in wesentlichen Punkten unbefriedigende Londoner Entscheidung schwerlich in dieser Form zustande gekommen wäre wenn es nus gelungen wäre, den Welt- völlern und insbesondere den alliierten Staaten den richtigen Begriff von der unendlichen Schwere des von den Sachverständigen emp^ sohlencn Reparationsprogrammes beizubringen. ES sei zugegeben, daß man damals die psychologische Wirkung einer eingehenden deutschen Kritik an dem Sachverständigengutachten nicht vorhersehen konnte. Es ist aber zweifellos ein Rückfall in eine als schädlich erwiesene Taktik, wenn wir um des Heben Friedens willen den Mund verschließen. Das gleiche ist jetzt auch in Betracht zuziehen, wenn wir uns über Absendung oder Richtabsendung der Kriegsschuld- note klarzuwerden suchen. Einer geschickten französischen Propaganda wird es später einmal möglich fein, auf die Haltung einer bürgerlichen deutschen Regierung im September 1924 höhnisch und ironisch hinzuweisen und zu beha'ipten, wir hätten uns durch einen leisen Wink aus Paris davo n abhalten lassen, einen „unehrlichen Protest" loszulassen. Wenn der Reichskanzler Ende August mit guten Gründen die Absendung eines deutschen Protestes in der Kriegsschuldfrage als notwendig bewies, so kann dies nicht am 1 5. September bereits M Adonne 3n btt t otfobtt bauert, Ml Mttlvochm ZorAellung« beginnen u: TageSpreisei um ettoa 40 dmuhung bi Gutscheine i büht von L Ser drt unter 7 Ode schiithlich 6 Ntenium Mer & Sperrsitz ml ; '!!* " Rang.i) Sie 1\ Mvnnemei 2lmnelb J4 zum 2( bieStabttx 2t. 12, u mentMag ^bonnemt -«oonntme Mallung mentttage, *• Septem Sichen, ^eoferbai Ä ki Bevorstehende Aushebung der Wohnungszwangswirlschast? Schon vor einiger Zeit wurde in gut unter- richteten Kreisen behauptet, daß die Wohnungszwangswirtschaft ihrem Ende entgegengehe. Es scheint nun in der Tat, als ob sich die Reichsregie- rung mit dem Gedanken trägt, diese Einrichtung der Nachkriegszeit wenn auch nicht mit einem Schlage zu beseitigen, so doch allmählich ab« zubauen. Das in letzter Zeit immer reichlicher werdende Angebot einzelner Zimmer hat den Reichsarbeitsminister veranlaßt, den Regierungen der Länder nahezulegen, die Wohnungs- izwangswirtschaft für möblierte Räume au lockern oder ganz aufzuheben. man dort mit heißem Herren für daS Leiden der proletarischen Märtyrer. rinb tobe wir notgedrungen in unserer Wcchrlvsigfeit Ungeheures von den Möglichkeiten des Geistes gegenüber materieller Macht ertoarten, so lebt dort das proletarische Siegesbetouhtsein. Mag all dieses geistig Kraftvolle von unserem Standpunkte aus auch anfechtbar fein, hier jedenfalls haben wir, um richtig zu rechnen, uns nur das vor Augen zu halten, dah eben für die anderen Kvast und Schwung in all dem liegt. Hochgezüchtet, fanatisiert und vertieft aber wird dieses eigene Dolksbewußtsein durch eine psychologisch so scharf ausgeklügelte Taktik der sozichistisch-kommunistischen Führer, daß toir vor diesen Fähigkeiten nur mit Erstaunen stehen können. Wan weih sehr toohl, daß doch genug Leute in den eigenen Reihen sind, die, sei es aus Veranlagung, sei es, weil ihnen unbewußt hoch noch geistige Reste vergangener Zeilen inne- vohnen, an biefer politischen Schlächterstimmung rllein auf die Dauer keine Befriedigung finden können, und so hat man auch „fürs Gemüt" gesorgt, hat sich ein anheimelndes Gewand angelegt, so daß man auch beim Äaffeettatfdj und beim Ausflug ins Grüne sich kommunistisch haben kann, ohne seiner Seele Zwang anzutun. Man ist „gemütlich" geworden unb freut sich an blüm- Henreicher Poesie, lernt in den einzelnen Arbeitsgruppen neben allem Haßgesang doch auch hübsche, ioehmutsvolle ßieblein, unb man mochte nicht sstauben, blutgierige KlasseEmpfer vor sich zu Ixiben, als man es beispielsweise nach dem Hallelchen Tag in getragenen Waisen singen hörte: „Am Waldessaum die Blümlein blühn. Wenn Rotgardisten nach Halle ziehen . . Auf den ersten Blick hat das für uns etwas unsagbar Lächerliches. Aber dieses Lächerliche schwindet, wenn wir uns das vor Augen halten, dah man an nichts deutlicher das Eigenleben eines besonderen Volkes erkennen kann als in dem Entstehen einer eigenen Poesie und einer eigenen Art von Verehrung und Opfergeist. Demgegenüber stelle man sich nun die Taktik vor, die von Hunderten von Bewegungen und Vereinen, die zu deutscher Einheit strebten, geübt worden ist urtb die sich allenthalben darin erschöpfte, wenn auch in den verschiedensten Formen, so doch immer in einer Richtung vorzu- gehen: nämlich unmittelbar die Hand zum Frieden zu bieten. Zugendvereine, Volksfeste, Volkshochschulen, alles drängte sich um die Seele der sozialistischen, schreienden Massen: toer Sozialist oder gar Kommunist war, der wurde zum von tausend Seiten betätschelten Baby, und man vergaß darüber das stille Leiden derer, die duldeten und nicht schrien, sondern weiterlitten und leiden bis auf den heutigen Tag. Die aber, um deren Freundschaft man bettelte, hatten daftir kein Verständnis, konnten kein Verstärä>nis dafür haben: denn sie standen geistig und seelisch bereits außerhalb des deutschen Volkes, und so sahen sie in all dem nichts weiter als ein Zeichen der Schwäche, und so trug all das im besten Sinne Gemeinte nur dazu bei, den schon durch die Revolution zur höchsten Spitze getriebenen Dünkel des Sozialismus zu einer wahren lleberhebungsbetrunken- beit zu steigern, tote sie uns denn bei allen Sozialistenfesten in der an die Wand gemalten heroischen Dummheit zum Ausdruck kam: „Das ganze Räderwerk steht still, wenn dein starker Arm es will!" Wenn heute der Mittelstand, leidet, wenn der Akademkier nichts mehr gilt, dann dürfen wir getrosten Mutes hierfür ein gut Teil Schuld jener falschen, zur Einigkeit um reden Preis drängenden Taktik zuschveiben, und toir dürfen weiterhin durchaus überzeugt sein, daß gerade der tüchtige deutsche Arbeiter, daß vll die Massen des deutschen Volkes, in denen ein gesundes Empfinden für die dem einzelnen Ankommende soziale Stellung lebt, am allerwenigsten es haben verstehen können, wie man sich hier jedes eigenen Ansehens jenen unbelehrbaren Massen gegenüber entäußern konnte. Wer Frieden will, muß zum Kriege rüsten, und toer mit Fanatikern zu Versöhnung gelangen will, farm das nur, wenn er neben aller Friedfertigkeit im Ziel doch für den Weg dorthin das Motto nicht vergißt: Auf einen groben Klotz gehört ein noch dreimal gröberer Keill Das ist fein dummes Freuen an lustigen Bürgerkrieg- raufeveien, sondern das ist die bit'ere Lehne, die uns der Sozialismus selbst gegeben hat. Wer andrer Meinung ist, toer vor allem vom Sozialismus im Gegensatz zum Kommunismus bessere Einsicht ertoariet, der betrachte sich nur noch einmal die Reden des jüngsten Parteitages der DSPD., wo man es mit tönenden Worten und mit schwellenden Kämmen verkündet hat: Weniger denn je denke man heute daran, für den Sozialismus ein Moratorium zu nehmen. Diese Geistesverfassung des Sozialismus, jene von uns begangenen taktischen Fehler werden wir uns vor Augen zu halten haben, wenn toir unter dem ungeheuren Druck des un3 Bedrohen- den nach innerer Geschlossenheit suchen. Gerechtigkeit, menschliche und soziale, wird uns zu fei en haben, gleichgültig ob in der Person des industriellen Unternehmers und des Gutsherrn oder lediglich in der des nicht in unmittelbarer wirtschaftlicher Verbindung stehenden Mitbürgers, aber die Liebebettelei vor Leuten, die vor Selbstüberhebung verblendet und geistig und seelisch Fremdtörper im Volke geworden sind und die selbst bei Behebung ihrer wirtschaftlichen Röte um ihres sozialen Phantoms willen Staatsfeinde bleiben, soll nicht zum zweiten Male wiederholt werden. Die übertriebene Ach ung vor einem einzelnen Stand, die von seinen gesunden Teilen selbst als unnatürlich empfunden wird, darf nicht zur Selbsterniedrigung führen, unb unser Streben nach deutscher Einheit soll uns nicht dadurch zum Frevel am deutschen Staats wo hl werden, daß -toir es in Formen betätigen, aus denen die unversöhnlichen Feinde deutscher Einigleit und Erlösung nur neue Kraft gewinnen können für ihr Zerstölungswerk am Deutschen Reiche. Diese Anregung des Reichsarbeitsministers dürfte in weitesten Kreisen der Bevölkerung allgemeine Billigung finden, zumal sich doch aus ihr ergibt, daß man innerhalb der Regierung sich etwas mehr als bisher mit unserer Wobnungszwangswirt- schaft beschäftigt. Es darf Wohl angenommen werden. daß wir von einem raschen Abbau der Wohnungszwangswirtschaft nicht mehr weit entfernt sind und daß nach der zu erwartenden Belebung auf dem Daumarkt die Reichsregierung sich endlich bereit finden wird, den Inhabern der Wohnungen und den Hauswirten das freie Verfügungsrecht über ihre Räume zurückzugeben. Das wahre Gesicht des Dawesgutachten. Die Auffassung Professor Cassels. Lübeck, 12. Sept. (Eig. Meldg.) Einer der besten Kenner des Reparationsproblems und seiner Bedeutung für die einzelnen Staaten unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands, der schwedische Professor Gustav Cassel, hielt in Lübeck einen Vortrag, in dem er sich sehr eingehend mit dem Dawes-Gutachten beschäftigte. Mit wenigen, aber treffenden Worten gab er einen kurzen rieberblick über die ungeheure, Belastung desReiches durch den Londoner Pakt, die Gefahren, die unserem Wirtschaftsleben drohen, die falschen Voraussetzungen, von denen die Sachverständigen ausgegangen sind, und schließlich bezweifelte er, ob es über- ha upt gelingen werde, diesen Plan zur Durchführung zu bringen. Das deutsche Volk wird dem schwedischen Sachverständigen für feine Ausführungen, die durchaus sachlicher Ratur waren, außerordentlich dankbar fein. Leider hat es aber keinen anderen Weg mehr gegeben, als dieses Gutachten zur Grundlage der künftigen Reparationspolifi? zu machen. Will Deutschland die ungeheuren Leistungen ausbringen, bann wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als da s Ausland mit seinen Waren zu über» chwemrnen, damit es die erpreßten Tribute hereinbriommt. Schon heute macht sich vornehmlich in England eine starke Bewegung gegen die zu erwartende deutsche Exportpolitik geltend. Aber gerade die Engländer werden zuallererst erfahren, wie schwer ihre eigene, Wirtschaft unter der auf Grund des Sachverständigengutachtens erzwungenen außerordentlichen Ausdehnung des deutschen Exportes zu leiden haben wird. Die schwere deutsche Konkurrenz wird aber schließlich int Auslande zu der Erkenntnis führen, daß auch der jetzt gewählte Reparationsweg nicht der richtige ist und daß es schließlich das beste fein wird, gän zlich auf Dar- und Sachleistungen zu verzichten, damit die einzelnen europäischen Wirt- chaften sich wieder normal entwickeln können. Die Abrüstungsfrage im Völkerbund. Der Plan eines Weltwirtfchaftsrats. Genf, 12. Sept. (WB.) Die Dritte Kommission hat die allgemeine Aussprache über die ihr zugewiesenen Paragraphen der Resolution Herriot-Macdonald fortgesetzt. Guani (riru- guay) erklärte zum Garanfiepaktsentwurf. daß hierfür die südamer iranischen Staaten nicht in Betracht kamen, weil sie für sich bereits die wesentlichen Probleme der Aufrechterhaltung des Friedens durch Schiedsverträge geregelt hätten. Duca (Rumänien) stimmte dem Schiedsverfahren zu, das aber unbedingt durch militärische Sanktionen ergänzt werden müsse. Den Garantiepakt habe Rumänien wegen ungenügender Sicherheiten abfefy’.en müssen. Munch (Dänemark) sieht als wichtigstes Ziel die Abrüstung an. Die größte Gefahr für den Frieden feien die Heere und Flotten. Das Ziel der Kommission müsse daher die Abrüstung sein. Für die Landheerr müsse der Friedensvertrag von St. Germain maßgebend sein, d. h. 5000 Soldaten auf eine Million Einwohner. Für die Flotte sollte man sich auf den Versailler Vertrag stützen, aber die dort vorgesehene Ton- nenzahl auf 4000 für je 1 Million Einwohner erhöhen. Dranting (Schweden) erklärte die Abrüstung für wesentlich, ist aber gegen den Garantiepakt. weil er den Rahmen des Völler- bundes überschreitet, stimmt aber den wirtschaftlichen Sanktionen zu. Gr von (Australien) ist aus lokalen Gesichtspunkten gegen den Garan- tiepakt. wünscht aber Aufrechterhaltung be3 obligatorischen Charakters des Dölkerbundspaktes. Iouhaux (Frankreich) wendet sich gegen die Auffassung daß der Garantiepakt zu neuen Rio- stungen führen müsse, geht aber vor allem auf die Wirts cha f t l iche Seite des Fr ebenspro- blems ein. Alle Abrüstungen und Sicherheiten könnten den Frieden nicht getoährleisten. wenn die wirtschaftlichen Kvnfliktsmöglichkoiten weiter bestehen. Es sei daher notwendig, vor allem wirtschaftliche Garantien gegen den Kri^g zu geben. Man dürfe sich nicht darauf beschränken, die politischen Verträge beim Völkerbund cinzutragen. sondern auch die Wirtschafts- und Handelsabkommen. Er riet ferner die Schaffung einet Kommiss ion für wirtschaf t- liche Zusammenarbeit an von der Art der Kommission für geistige Zusammenarbeit, aus der ein Weltwir tschastsrat erwachsen könnte. Um die Arbriiermassen für das Werk des Völlerbundes zu intevessieren, sei kine engere Zusammenarbeit zwischen diesen und dem Internationalen Arbeitsamt notwendig. Schwierige Lage in Marokko. Paris, 12. Sept. (WTD.) In Madrid wird folgender Bericht über die Sage in Marokko veröffentlicht: Die drei Kolonnen haben in dem Abschnitt von Tauen operiert. Sie sind auf starke feindliche Abteilungen gestoßen, die unter Mithilfe der Artillerie und der "Flieger bekämpft wurden und die zahlreiche Verluste erlitten haben. Die Spanier verloren 16 Spanier und 14 eingeborene Soldaten. — Wie das „Petit Journal" hierzu noch mit^uteilen weiß, sind die von General Primo de Rivera unternommenen Versuche, Tscheschuan zu befreien und die Lau-Linie sicher zu befestigen. nicht glücklich gewesen. Gegenwärtig hätten die Spanier die Stellung, die sie auf den den Laufluh beherrschenden Höhen beseht hielten, geräumt. Auf der Straße von Tetuan nach Tscheschuan hätten sich die Rifieute der Schlüsselstellung von ©ub^I-arba bemächtigt, und die spanische Garnison von Tetuan, ungefähr 8000 Mann stark, sei augenblicklich vom Feinde vollkommen umzingelt: sie werbe fich zweifellos bemühen, die Linien der Rifleute zu durchbrechen, um sich nach der Küste zurückzuziehen, bevor der Regen den Rückzug unmöglich macht. * Die Pariser Radio-Agentur hat heute mittag gemeldet, daß infolge des Rückzuges der Spanier an der marokkanischen Aordfront der französische Generalstab in Marokko vom Kriegsminister die Entsendung bedeutender Verstärkungen verlangt habe. Das Kriegsministerium erftärt, daß diese Nachricht völlig unrichtig sei. DerAusstand derGeorgier Kampf gegen Moskau. — Hilfe des Völkerbunds? Aach toieberhotten, aber stets wieder blutig niedergeschlagenen kleineren Putschen in Georgien, hat es jetzt den Anschein, als ob der diesmal aus- gebrochene Auf stand sich über das ganze Land ausgedehnt hat. Aach unkontrollierbaren und bisher auch unbestätigten Meldungen scheinen die Aufständischen gute Fortschritte gemacht zu haben. Die Kämpfe Wickeln sich aber auf beiden Seiten mit namenloser Grausamkeit ab, da einerseits die Georgier wohl wissen, was sie von den Bolschewisten zu erwarten haben und infolgedessen keine Milde walten lassen und die Sowjettruppen andererseits die ihnen verhaßten Georgier mit aller Rücksichtslosigkeit niederz u werf en versuchen. Bedeutende Verstärkungen rollen aus dem inneren Rußland nach dem Kaukasus, um die Lage möglichst rasch toie«' der zugunsten der Moskauer Regierung herzustel- len. Das dürste allerdings bei diesem Aufstand längere Zeit dauern, zumal die Aufständischen über reiche Waffen- und Munitionslager verfügen und sich ihnen auch mehrere bolschewistische Regimenter angeschlossen haben sollen. Daß aber trotzdem auch dieser Aufstand von der Moskauer Regierung niedergeschlagen werden wird, liegt auf der Hand. Eine Wendung zugunsten der Georgier tonnte höchstens der Völkerbund bzrbeifüfjten, an den ein Hilferuf der Aufständischen ergangen ist. Wie weit aber Rußland, das doch noch immer nicht zu diesem Bund gehört, auf eine Intervention deS Völkerbundes reagieren wird, bleibt abzuwarten, zumal darüber noch keine Klarheit besteht, ob es sich bei dem georgischen Aufstand um einen solchen ohne fremde Hllfe handelt oder ob hinter den Aufständischen eine interessierte europäische Macht steht, p <—< Die Kämpfe vor Schanghai, Schanghai, 12. Sept. (WB.) An der Westfront haben die Tschekiangtruppen Ishing erobert. Westlich vom Taihu-See haben fie dadurch die Kiangsu-Truppen gezwungen, bis nach Tschang- tschou zurückzuweichen. Die Behörden versichern, daß für die Sicherheit der ausländischen Kolonie nichts zu befürchten sei. Em Aeh von Stacheldrahtverhauen schütze die Wege. Das Verteidigungssystem könne leicht weiter aus- gebaut werden. Das am 9. September mobilisierte Freiwilligen Heer umfasse 2000 Mann, und ungefähr 450 ehemalige Soldaten hätten füt den Notfall ihre Dienste angeboten. : * Aach einer Pekinger Meldung hat das Parlament Dr. Ben zum Premierminister gewählt. 2Zen ist in Amerika erzogen, war 1920 Außenminister, von Dezember 1921 bis Juni 1922 stellvertretender Premierminister. Er wurde auf verschiedenen diplomatischen Posten verwandt. Aus aller Welt. Die Unwetterkatastrophe iti Skandinavien und Norddeutschland. Hamburg, 12.Sept. (WTB.) Die jetzt hier vorliegenden Berichte geben ein Bild von den schweren Verheerungen, die das Sturmwetter der letzten Tage im Gebiet der Unterelbe angerichtet hat. In der Gegend von Stade, besonders am linken Elbufer, wurde das Land v'on den Wellen überflutet und die ganze Korn- und Grummeternte fortge- schwemmt. Bei Glückstadt wurde ebenfalls viel Getreide fortgeschwemmt und die Obsternte vollständig vernichtet: auch Vieh ist umgekommen. Auf der Elbinsel Krautsand wurden sämtliche Telephvnleit ungen zerstört. In Cuxhaven war der Pier zur Hälfte überflutet,! die ausfahrenden Schiffe mußten umkehren, die Militärbadeanstalt mußte wegen Sturmes abgebrochen werden. Das Feuerschiff „Elbe II" wurde abgetrieben. Schiffsunfälle werden nicht gemeldet, auch scheinen Menschenleben nicht verloren gegangen zu fein. Die telephonische Verbindung mit Helgoland ist unterbrochen. Die „Voss. Ztg." erfährt aus Kopenhagen, daß die mit Hagelschlag und Gewittern verbundenen Stürme der letzten Tage ganz Dänemark und Südschweden verwüsteten. Die Obsternte ist vernichtet worden. Die Ernte auf den Feldern wurde teilweise vollkommen z e r ft o 11. In Dänemark allein wurden bisher 40 T o t e gemeldet. Die Krankenhäuser der Städte sind m i t V e r- wundeten überfüllt. Auch auf dem Meere ist die Zahl der Menschenverluste sehr groß. Kommuniftifches Attentat auf einen fasziftifchen Abgeordneten. Der Arbeiter Jean C o r v i hat auf den faszisfischen Abgeordneten und stellvertretenden Generaffekretär der faszisfischen Derbäiide Casa- Iini in der (Stra&enbahn vier Revolverschüsse abgegeben von denen zwei den Deputierten schwer am Kopfe verletzten. Der Awgreifer, der verhaftet wurde, erklärte, er sei Kommunist und habe für die Ermordung Mat- teotis, dessen Photographie er bei sich führte, Rache nehmen wollen. Casallni ist im Krankenhaus den Folgen der Verwundung erlegen. Angehörige der Organisation Consul in Budapest verhaftet. Wie die Blätter melden, hat die Polizei drei Mitglieder der Organisation Consul, Abri Werner, Arnold Barth und Karl T h e u e r- mann, die vor einigen Tagen von München nach Budapest gekommen waren, um hier Fühlung zu suchen, in Haft genommen. Die Untersuchung ist im Gange. Aach einer weiteren Meldung wurde auch der aus München stammende 26jährige Otto Braun verhaftet, der von den deutschen Behörden wegen zweifachen Mordes verfolgt wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. Sept. 1924. Liebes Publikum! Wer die Menschen erziehen will, der darf nicht verraten, daß er es will, sonst verfehlt es seine Wirkung, denn kein Mensch will gern erzogen werden, weil es ja sonst aussehen tonnte, als ob er bislang „ungezogen" gewesen wäre. Sv wird sich jeder schönstens bedanken, toerai man ihm mit noch so fein erwogenen vädagoglschen Maßregeln kommt. Es liegt mir also garn» fern, hier irgendwelchen Einfluß auSübea zu toollcn; im Gegenteil, liebes Publikum, du g c f ä II ft mir, wie du bist, und kannst so bleiben. Indessen gibt es doch hin und wieder c t - was, was anders sein könnte, denn es sind ja immer einige da, die gerade das andere von dem wollen, was sie sollen. Jeder Mensch weiß zum Beispiel, wann das Thraker. beginn», es steht in der Zeitung, cs beginnt immer zu e n und derselben Zeit, wenn nicht gerade eine Aus- nahmevorstellung gegeben wird. Unb doch können sich viele Leute, liebes Publikum, nicht daran gewöhnen, wenigstens eine halbe QKinuie vor beginn des Gongzeichens auf ihrem Pslltze zu sein. Tas Theater hat für sie nur Reiz, wenn sie in den dunklen Raum hineintappen, andere Leu le auf die Füße treten, ihnen über die Köpfe tasten, Rufe der Entrüstung hervorlocken und anderen Menschen den Genuß störe nkönnen. Solches Theater ist für sie erst richtiges Theater. Dun will ich dagegen noch nicht einmal so« viel sagen: die Dichter und Komponisten wissen schon, dah es solche Leute gibt, und schreiben die erste Szene des Schauspiels und das Vorspiel der Oper danach, daß beides zur Aot verloren gehen darf. Diese rinfitte richtet fich auch „nur“ gegen die Kun st, und Kunst ist für die meisten schließlich nicht das Wichtigste am Leben. Aber ich meine, für eine andere Eingezogenheit einiger ringezogenen werden alle lieben Mitbürger Verständnis haben: dafür, daß man Hunde nicht mit in den Meßger laden nimmt, auch an der Leine nicht, rind daß klagen unsere Hausfrauen darüber, daß vielfach Hunde mitgebracht werden, die in allen Ecken herumschnuppern und die Ware unappetitlich machen. Der Metzger kann natürlich nur höflich ersuchen, das zu unterlassen: er kann es auch noch einmal tun, aber schließlich will er seine Kundschaft nicht verlieren, und wir andern müssen ja das Fleisch essen. Weniger schmerzlich, aber doch auch betrüblich ist es, dah die Menschen an Landstraßen keine Früchte hängen sehen können. Sie glauben, was an der Straße wächst, sei vogelfrei, und benehmen sich nun wie bte Vögel, plündern die niedrig hängenden Zweige und tun dann so, als ob es keinen Oebster gäbe, der die Straßen gepachtet hat. Merkwürdigerweise find da Leute dabei, die dre Veruntreuung von einem Renten- pfennig sich nie und nimmer verzeihen könnten, hier alkr messen sie mit anderem Maß. Das ist es eben, llebes Publikum: diese „ringezogenen" meinen es gar nicht so schlimm, sie denken sich nicht viel dabei und lassen sich nur gehen, wie es gerade ihr Herz begehrt. Glücklicherweise sind sie in der Minderzahl, denn du, liebes großes, braves, guterzogenes Publikum, tust doch so etwas nicht! Ha Die Reichs-Tcrrerungsziffer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statisfischen Reichsamts für den 10. September auf das 1116- billionenfache der Vorkriegszeit. Sie erhöhte sich gegenüber der Vorwoche (1115 Billion) um 0,9 v.H. GieHerier Wochenrnarktprelse am 13. September 1924 (Händlerpveise). Es kosteten: Butter Pfd. 220 Pf., Matte 30, Käse 60, Eier Stück 15, Wirsing Pfd. 12, Weißkraut 8—10, Rotkraut 15—20. gelbe Rüben 8, rote Rüben 8, Spinat 30, Römischkohl 10. Dohnen 15—20, Blumenkohl Stück 50—200, Salat 5, (Salatgurten 10—50, Einmrchgupfen 3—4, Endivien 10, Ober-Kohlrabi 6, rin ter-Kohlrabi Pfd. 5, Tomaten 15—30, Zwiebeln 15—20, Lauch Stück 5—10, Sellerie 15-25, Kürbis Pfd. 10, Pilze 15—20, Kartoffeln 4—5, Falläpfel 5, Aepfel 8 bis 12, Brombeeren 50, Preiselbeeren 80, Zwet- scheu 15—20, Mirabellen 25, Reineklauden 25, junge Hahnen 100, Suppenhühner 80 bis 90, Aüsse 60, Birnen 8—15, Rettich, Stück 10 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag. Hubertus: VerbandsgebrauchShundeprüsung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ilona". — Afio- ria»Lichtspiele: „Der 3. Alarm". — Tageskalender für Sonntag. 4. Herbstregatta, vvrm. 9 rihr: Vorrennen, nachm. 21/2 rihr: Hauptrennen, Bootshaus Verein Rudersport Meßen. — 3. Landesverbunds tag hessischer Schreinermeister u. verw. Berufe. Vorm. 10 rihr Hauptverjammlung in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — V. H. C.: Wanderung. Abfahrt 6.42 rihr vorm. — Hubertus: Derbands- gebrauchsHundeprüfung. — Filmvortrag vorm. 11 rihr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Fahrt der „Möwe". - Lichtspielhaus Bahnhof sfiaße: „Ilona". — Astoria-Lichtspiele: Siehe Samstag. x — Der Kathvl. Deutsche Frauenbund hat, toie man »ms schreibt, Frau Maria H e fj b e r g e r, Mitglied des Preußischen Land- lages, zu einem Vortrag für Montag abend 8 ribv im Kat hol. Vereinshaus gewonnen. Frau Heß- terger, die als ganz bedeutende Rednerin bekannt ist, toirb über das zeitgemäße Thema sprechen: „ Frauenfragen der Gegenwart". Wettervorausfage. Meist heiter, südliche bis westliche Winde, wärmer, höchstens geringe Viederschläge Das neue nördliche Tiefdruckgebiet über Island wird zunächst auf dem Kontinent noch feint Störungen Hervorrufen. Meist trockenes, hetteret Wetter ist daher zu erwarten. * ** Stadttheater. Die Abonnements-Ei^ ladung für die Spielzeit 1924/25 ist im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes enthalten. Inter- effenten mögen-chie Ankündigung nicht übersehen. *’ Fallche Rentenbankscheine. In der letzten Zeit sind in der Rheinprovin-,. Hessen- Aassau, Heffew-Darmstadt, Bayern, Tad.n und der Pfalz Aachbildungen von Rentendank chfinen zu 10 Rentenmark aufgetaucht. Der Versuch, das Wasserzeichen durch Aufdruck auf der Rückseite, bei einigen Scheinen auch auf der Vorderseite, nachzuahmen, ist erkennbar. An Stelle des Stoff- «ft fe Ktfcinc * .. Sin 1 zo.se lM Zstellteßch sB 'sA nannten ©« sch heraus, auch gar nich^ mit mit gewarnt MW SSA mrindert Mstand (i nennen) an gegenüber o batten®6' denen SM Metten ' itamlvf) w treten mut sein, so is Wegstücks Flutgr> senkrecht ■ -Aach Erl diese 2rb Wiesenpn Wieseck) MgeB der »Wir denselben mache den nach starke beliebte 6 Wieseck - euren liäf werben fai " Pe hauptamüi rer Stiebt Müller August D bildungssck der dortig« zu Lich an Göhing Land. 131 1924. >ni! hn16?^ fiS* * R!e ei - n. 3ps/7^ ton ^L.LL> N^ eiae Aus >5te: ■ -wmiie tx)r >, r> * L kvrnn |ie Ä' Leu c !«Ä^etWa! ff. M'ea ^J^iben » WA das Qhr- y.iur Tlot ver- suchtet sich ouj) Ä ijt för di- W am Leben «Ile E ' dafür, dah man dgerladen e.nicht- M bai ?er. dah vielfach M m allen 6dCr D?re unnDttiälid) natürlich nur höflich er Kim es auch Aich Dill er leire > tetr andern müssen toi) auch betrüblich n Landstrahen föraicn. 6it glau- W, sei vvgelsi-cl, 'ie Dögel, plündern ! un) tun dann sv, e. b:-r dir 6traben oeise sind da Leute von einem Renten- : verzeihen könnten, Krem MH. s Publikums diese ar nicht sv schlunm, l dabei und lassen )e chr Herz begehr, in der MrderM «wes, guterzvgenes nichts Hc t.Wfrrr. sser für Die i (Ernährung, Dvh- and ’Metinmfi) be» mn des Statistischen embcr aus bis INK- »eil. 0u erhöhte ? (1115 Mm) um chrn. lii* E..f der (clic, Marktpreise (HMdlerpreisei 220 Pf, Mte 30. f»!»® 6d so-». e»»5: chzurken 3-4. ^di 15-20, Lauch Ssua M M !L M eiselbeeren 80^' 25. LlewckmM »■ Mner 80 W & etsi i« »'• ett« ' «jjr Samstag .JIM - ** irm/a. Sonnig 5u^htjq vvrm. 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Stadtv Mörschel wies mit Entrüstung die ungeheuerlichen Anschuldigungen zurück, die gegen angesehene Bürger und Ge- schäsisleute erhoben worden seren. Die Borcvurfe Jakobs wies er als durchaus unbegründet und verleumderisch zurück, a id> das. Urteil der Sachverständigen stehe auf dem Standpunkte, dah die Dorwürfe durch nichts bewiesen seien. Zum Schl th bemerkte er, der vorliegende Fall beweise, dah eS durchaus verkehrt sei, wesensfremde Elemente in die Stadtverordnetenversammlung zu wählen. (Drvhcr, langanhallender Entrüstungssturm a if der Linken.) Am Schlüsse der noch lange anhaltenden Debatte wurde beschlossen, beiden Parteien, also der von 3ato b beschuldigten und diesemselbst neue Sachverständige auf Kosten der Stadt zu stellen und Beigeordneten Dr. Lcuchtgens auch weiterhin mit der Führung der Llnterfuchrng zu betrauen. Die Der- gebung der beanstandeten Arbeiten an den Arbeitgeberverband wurde mit 13 gegen 12 Stimmen beschlossen. Kreis Lauterbach. diger zugeteilt werden müsse da die Angelegenheit sonst einen eigentümlichen Eindruck mache. Stadtv. Jakob erklärte in seiner Derleidigungs- red«, dah er keinesfalls das in seinen Händen befindliche Beweismaterial herausgeben werde. Er hielt alle seine Behauptungen aafrecht. Zu der Vernehmung der Sachverständigen sei er erst zugezogen worden, nachdem dieselben von dem Deigeockneten LeuchtgenS „instruiert" worden seien, er lehne deshalb die Sachverständigen als befangen ab "unb verlange die Bestellung eines neuen Sachverständigen. Der Bürgermeister habe sich von 2lnfang an in der Sache einseitig eingestellt. Den Beigeordneten Dr. LeuchtgenS halte er für durchaus ungeeignet, die Llntersuchung zt führen, auch halte er chn für politisch beeinflußt. Er werde sein Material einem neuen von der Stadt zu bestellenden LInparte i i s ch e n vorlegen, im übrigen überlasse er es den betreffenden Herren, ibn zu verklagen. Er erwähnte noch, dah die Weihbinderinnungen i Junger, tüchtiger Reisender von Iigarrenfabrik für eingeführte Touren gesucht. Schriftliche Angebote mit Ieugniffen und Lichtbild u. 023262 an den Diehener Anzeiger erbeten. hohes Einkommen gewährleistet die Uebernahme einer Vertretung erster rheinischer Versicherungs- Gesellschaft, die neben allen Sachversicherungszweigen auch die große und Kleine Lebensversicherung für ihre Konzern- Gesellschaft betreibt. Eefi. schriftl. Angebote unt. 023331 an den Gießener Anzeiger erb. S M«l|! S SttgrMMtzeiiln MmNcii in unt rot, grau lila, Iacauard Nklitllchmtklltzkn 50° 65 und"«o"M6 «tzikckch« M?« SÜNlk SioBÖflarmatraöcit «‘“Äm Pstknlraliiiicn mit bochiiebender Fede- rung und Gegendruck Sdjoncrbcifenin 3u,c 56ontriititn!n®rcani^» Khaisklingiit modernen Bezügen, 50, 60, 75 und 1OO Mk. DilvanS imh Kllldgarnitum billiqsi Darmhandlung sucht tüchtigen, bei Metzgern eingeführte» Meter oh.MWii für Oberhefseu. 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Die Ausgabe und Bezahlung der Abonnementskarten erfolgt in vier Raten. Anmeldungen zum Abonnement sind bis zum 20. September nur schriftlich an die Stadtverwaltung, Bergstraße, Zimmer Ar. 12. unter Angabe d«S Abonne- mentStageS und der Aufschrift .Theater- Abonnement' zu richten. Die lehtjährigen Abonnementen haben Anspruch auf Bei- behaltung ihrer Plätze an ihrem Abonnent en tStage, wenn sie diesen bis zum 17. September geltend machen. Gießen, den 12. September 1924. Theaterbauverein G. m. b. H., Gießen. Der Oberbürgermeister. 7049B A Schlitz, 12. Sept. Die Färberei und chemische Waschanstalt A. W. Schmidt begeht morgen, wie wir schon furz berichteten, die Feier chreS 100jährigen Bestehens. Zu unserer Rotiz teilen wir noch ergänzerrd mit, daß der Begründer der Firma Daniel Schmidt war, der von Hersseld aus das Handwerk nach Schlitz vervflanzte. Hervorzuheben ist, dah sämtliche Mitglieder der Familie stets das Färberhandwerk erlernt und sich der Beruf und die Firma biS zum heutigen Tage in der Familie erhalten haben. Starkenburg und Rheinhessen. • Darmstadt, 12. Sept. (Eig. Bericht.) Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer gestrigen Sitzung de Aufhebung der Fremden st euer Für die Reu- regelung des Lrugendwohlfahrtswesens (Jugendamt) wurden 130 003 MI. bewilligt. • Darmstadt, 12. Sept. 3n der Rahe von Hof he im im Ried wurden beim Graben auf einemAcker ein Schwert, ein Speer, eine Lanzenspitze und eine Streitaxt gefunden. Die Waffen sind aus Eisen. Beim Tiefergraben fand man eine Urne und Knochenüberreste. Mainz, 12. Sept. (WTB.) Der Ober- bürgermeister von Mainz erhielt von der Rheinlandkommission die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Dienstge- schäfte. — Dorgestern ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein Eisen bahn Unfall dadurch, dah eine Lokomotive einem Rangierzug in die Seite fuhr. Hierbei wurden 2 französische Soldaten, die mit dem Verladen eines Automobils beschäftigt waren, getötet. Hessen-Nassau. Frankfurt a. M., 12. Sept. (WTB.) 3n dem Sitzungssaal des Frankfurter DerkehrsvereinS stand Heute eine Taunus-Derkrhrs- kvnferenz statt, die zahlreiche Vertreter des TaunusgebietS sowie Vertreter der Reichsbahn- | direktion, der Frankfurter Lokalbahn und der Städtischen vtoahen^ibn nerelmgte. Drc fammcnhinH diente dem Zweck. Richllinren für die W t e de ra u f ba u a rbe i t im Taunus festzulegen. 3n der Aussprache wurde eine groß zügige Propaganda beschlossen, um dem '^.aunuo wieder seine alten Freunde und den Bewohnern den langentdehrten Verdienst zuzu- führen. , spd. Frankfurt a. M.. 12. Sept. In Dor- ort Hausen batte sich vor einiger Zeit der Mitinhaber Jost der Büjo-Werke für Burocru- artilol mit GaS vergiftet, da er glaubte,'dcr Zahlungsschwierigkeiten seiner Firma nicht Herr werden zu können. Run hat heute früh auch der andere Mitinhaber, Buermann, gemeinsam mit seiner Frau den Tod gesucht und gesunden. Als bic Angestellten die Vureauraume betraten, quoll ihnen aus der Privatwohnung des Vuemrann starker Gasgeruch entgegen, uird man sand beide Eheleute tot in ihrem Schlafzimmer auf. — Der schon oft vorbestrafte Schlosser Karl P r e s e l e r wurde hier s e st g e n o m in e n. Bei seiner Verhaftung leistete er heftigsten Widerstand und versuchte die Kriminalbeamten mehrfach durch Messerstiche und Schlage mit- geführter Waffen zu verletzen. Erst mit Hille von Passanten konnte er überwältigt werden Preseler hatte eine grobe Zahl von Einbrecher Werkzeugen bei sich. Es bestätigt sich, dah er, ein schwerer Ei nbrecher, manche Einbrüche und Diebstähle auf dein Kerbholz hat. mit denen er besonders die Gegend um G i e h e n und Offenbach bedachte. Mil Vorliebe plünderte er WohlsaHrtsämter und Arbeitshäuser auS. Vermutlich hat' er auch noch in anderen Gegenden „gearbeitet". Kivchliche Nachrichten. Svangeltfche Gemeinden. Dietzen. Sonntag, 14.Septbr. 13. Sonntag n.Trin. Sladtkirche. 8: Zugl. Christenl. für die Reukonf. a. der Markusgem. Pft. Decker. 97,: Pfarraff. Schult- heis. 11: Kinderkirche f. d. MatlhauSgem. Pfarraff. Schultheis. IohanneSkirche. 8: Zugleich Christenl. für die Reukonf. auS d. Lukasgem. Pft. Bechtols- Heimer. 9'/,: Pfarraff. Schmidt. 11: Kinderkirche f. d. Iohannesgem. Pft. Ausfeld. - Kirchberg. 10-11: Christenl. f. d. männl, konf. Jugend. I V,: Mainzlar. — Wieseck. 91/,: Pfarramtskandidat Wolf, Gießen. Katholische Gemeinde». Dietzen. Samstag, 13. Septbr. 4'/, u. 7 Deichte Sonntag, d. 14. Septbr. 14.Sonntag n. Pfingsten. 61/, Deichte. 7 Messe, Korn, der Iüngl. u. Hausangest., k Kom., 9 Hochamt m, Pr., 11 Meffe m. Pr., 2V, And., 8 Hausangestelltenverein i. Dereinsh. — Montag, 15. Septbr., abends 8, Frauenbund im DereinSh. — Grünberg, Sonntag 91/, Meffe m. Predigt. schule dasewst, ®md Httzzu Schotten an der dortigen Fortbildungsschule (mit Wirkung vom 1. 2uni 1924 ab), Franz Zink zu Duhbach an der Fortbildungsschule daselbst, mit Wirkung vom 1. April 1924 ab, Heinrich Wegel zu Schlitz an der dortigen Fortbildungsschule, Kurt D o g e l zu Lauterbach an der Fortbildungsschule daselbst, beide mit Wirkung vorn 1. Oktober ab. — 2n den Ruhestand treten am 1. Oktober ds. 2s. der Jorst- rat Karl Wallenfels zu Grünberg und der Förster Georg Göbel VII. zu Laubach. Landkreis Gießen. 4. Lich, 12. Sept. Die Erntearbei- ten sind durch das gute Wetter der letzten Tage wesentlich gefördert worden. An der Dreschmaschine findet oft geradezu ein »Kamps um den Platz" statt. Es wurde öfters Tag und Rocht gedroschen. Sogar am Sonntag hörte man un» untetchrvchen das Lied der Dreschmaschine fingen. Dah an Sonntagen hin und wieder schon Erntearbeiten verrichtet worden sind, kann sich jedermann entsinnen, obwohl man hier und in der Umgebung, alter UeteLieferung treu, nur sehr ungern im höchsten Rotfalle dazu greift. Dah an einem Sonntage aber gedroschen werden mußte wie Heuer, das ist niemand, selbst den ältesten Leuten nicht in Erinnerung. Das Ausnahme- und Roftahr 1924 rechtfertigt aber diese Mahnahme. Reben den EcntearVeiten nimmt die Grummeternte, die sonst um diese Jahreszeit schon vergessen war, ihren Anfang. Viele Wiesen stehen aber unter Wasser und können daher zunächst nicht abgeerntet werden. Kreis Friedberg. Sf. Friedberg, 12. Sept. Hebet den Verlauf der gestrigen Stadtverordnetensitzung ist noch zu berichten: Als Sachveritän- dige in der Angelegenhett waren die Herren! ©tabtbaubireCtor Braubach von Gießen. Dat- rat Haag- Friedberg zugezvgen, deren Gutachten darauf hinauSgtng, dah Die Behaupttngen deS Stadtv. Jakob durch nichts bewiesen und durchaus haltlos seien. Stadtv. D i 11 m a r, der zuerst das Wort ergriff, bemängelte, dah dte beiben Sachverständigen und Jakob nicht zusammen vernommen worden seien und verlangte, dah dem Stadw. Jakob ein neuer Sachverstan- /uTlauss ist ver rechte Teil der ‘Äxtbcriette mit gjnem hellgrau gefärbten Klebemittel übertüncht worden, worauf die Fasern eingestreut worden sind Bei den echten Scheinen sind die Fasern hn Papier eingebettet. Der Untergrund zeigt ein verschwommenes, unklares Bild Die Deschrif- tung weicht an verschiedenen Stellen von der der echten Scheine ab. Aw die Festnahme der Fälscher von Rentenbankscheinen urrb die Beschlagnahme der Platten setzt die Deutsche (Rentenbant eine Belohnung bi« ju 1000 Rentenmark auS. •• Ein Schwindler hat in einem hiesigen Hause leider mit Erfolg eine Gastrolle gegeben. Gt stellte sich dort der Hausfrau als Beauftragter einer hiesigen RähmaschtnenHandlung vor, der dte vor kurzem erst gekaufte Rährnaschine mal nachsehen solle, da man an dieser Bauart angeblich einen Fehler entdeckt habe Die Frau überlieh dem Mann die Maschine zur Prüfung, er schraubte an verschiedenen Teilen etwa- herum und erklärte, dann, nun sei alles in Ordnung. Für seine Ar- £eit forderte er 8 Mk.. die ihm von der Frau, auch sofort bezahlt wurden. Als dann bei dem genannten Geschäft Rückfrage gehalten wurde, stellte sich heraus, dah dort von einem Beauftragten und auch von einem Fehler an diesem Maschinentyp gar nichts befann t war. Man hat es hier mit einem Schwindler zu tun, vor dem hiermit gewarnt sei. ^>ssenllich gelingt es bald, dem Kerl das unsaubere Handwerk zu legen. L Ein Wunsch. AuS W i e s eck wird uns geschrieben: Unter dieser Ueberfchrift richtet e:n Leser des ^Giehener Anzeigers" in freund- nachbarlichster Form die Ditte an den Gern e i n d e r a t von Wieseck, den unhaltbaren Mihstand (um da» Kind beim rechten Rarnen zu nennen) am Wege nach dem Philosophenwald gegenüber der GänSmühle zu beheben. Diese Frage bat den Gemeindcrat in Wieseck schon in verschte- denen Sitzungen beschäftigt, wobei sich derselbe auf denselben Standpunkt stellt, wie der Einsender, nämlich daß hier unbebingt eine Aenderung eintreten muß. Soll die Besserung aber von Dauer sein, so ist es nicht mit einer Höherlegung deS Wegstückes getan, sondern e» ist notwendtg, den Flutgraben, der von oberhalb der Mühle fenkr«ht auf den Weg stöbt, zu verlegen. Rach Erledigung der ©rummetemte soll hin diese Arbeit in Verbindung mit dem gesamten CDicifenproiett (stehe die gestrige Meldung unter Wieserk) erledigt werden, wodurch eine endgültige Besserung erzielt wird. — Hoffentlich hat Der „Wunsch" nach der an deren Richtung denselben Erfolg! Die Gießener Stadtverwaltung mache den Anfang dcS Philosophenweges auch nach starken Riederschlägen passierbar, so dah der beliebte Spaziergang Gt^sien—Philosophen Wald— Wieseck — auch ohne in Gefahr zu kommen, sich einen kräftigen Schnupfen zu holen — gemacht werden Tann. •• Personalien. Ernannt wurden zu hauptamtlichen FortbildungSschullehrern: die Lehrer Friedrich Adam, Karl Bert Heinrich Müller, Friedrich O ft. Otto Schneider, August Wehrheim zu Giehen an der Fortbildungsschule daselbst, Otto Burk zu Vilbel an der dortigen Fortbildungsschule, Wilhelm Dietz zu Lich an der Fortbildungsschule daselbst, Adam Götzinger zu Alsfeld an der Fortbildungs- Steines letasuiltelgescH oier Mio in guter Lage gesucht. 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Drängt der Stabskapitän: „Vater, Iaht uns doch wissen, was Majestät schreiben!" Sagt der Landrat; „Lest nur, Gevatter. Cs wird den Hals nicht kosten." So stöhnt er leise auf, fängt an, die Siegel zu brechen, den Vogen aufzuschlagen. „3a — wo ist d.nn die Hornbrille? Die Brille, Beate!" Lind während sie sucht, ist wieder ein Gedanke La: .Damals, als der König den Kaspar gerufen, könnt' ich noch ohne Gläser lesen —' Bun hat er die Drille. Aber so groß die Buchstaben sind, wie sie die Schreiber im Kabinett'malen: sie tanzen ihm vor den Augen. Hilflos sieht er sich um, sieht den Cajetan Grolich: „Lest 3hr, ich bitt Euch!" And reicht das Schreiben. Also lieft der Aegimentsprediger in die feierliche Stille hinein: ..Bester, lieber Getreuer 3hr seid zwar ein Grobian und wisset nicht. Last Euer Recht! Recht! und das Suum cuique jedcoches au' einem besonderen Blatte stehet! 3ch aber will nicht, daß ein braver Adliger, so zwei wack e Söhne und einen Enkel in Meinen Dienst gestellt, cl?nd vor die Hunde gehrt. Rachdrm 3ch zuvörderst Bericht über Euch eingefordert habe und erfahren, wie Ihr ohn eigenes Verschulden ins Malheur gerathen, will Ich über Eure dekpek irlichen Fa- evns Hinwegsrhcn und Euch in Graden viertausend Reichttaler sowie tausend Reichstaler für Eure Leute zum Retablissement accvrlüren, welch erstere Ihr mit drei Pro Cent per annum zu verzinsen haben sollt, vrn Johanni 1764 an ger chnet. Vor die rechte Verwendurg aber sollt Ihr Mir responsable bleiben. Ich hab der Generrl-Toma'.- ncn-Easse Order gegeben, das Geld Euch gegen Quittung auszuzahlen und bin Euer wohlafsec- civnirter König. Potsdam, den 29. März. Sie sahen alle auf den Alten. Dem ist er die dunkle Röte ins faltige Gesicht geschlagen Dann ist er kreidebleich geworden und hat langsam die Kappe vom Haupte gezogen, hat gaw stille zugehört, den Kopf weit vorgebeugt und tief und schwer geatmet Run, als das letzte "Dort verklungen, stand er auf. Sinkt in die Knie, faltet die Hände vor der Brust: „Dir lieber Gott im Himmel, sei Lank und Preis und Ehre. — Ans er gnädiger König —" Am anderen Morgen ist er früh ausgewesen und hat in Haus und Hof herumgewettert, wie ehedem in guten Tagen Ries sich dann den Sohn, sah mit ihm an der Kossätenschrune, uni sie rechneten und rechneten Erst für die Leute: das muh der haben und das jener. Darauf für das Dominium: was der Hebräer fclegte an aufgelaufenen Zinsen; wieviel Kühe cinzustellen und Schweine; was sonsten am notwendigsten gebraucht wurde für die Wirtschaft Manchmal schnauzt der Alte: „Willst mich zum Verschwender machen, Christel! Vergib nicht, dah ich dem König vor jedem Pfennig responsable bleibe " Dann schmunzelte er wieder: „Wird schon gehen, mein Sohn. Müssen nur hübsch sparsam sein." — ..Deiner Beate vor das Haus fünfzin Taaer. Sie sagt nichts, sie bittet nicht, hat's ab?r nötig." — And dann schliesslich: „Schreib noch auf. vor zwei Leichensteine fünfzig Taler. Für Egid und Pütt- ner. Es drückt mir schon lange das Herz ab. Ist noch ein anb’rer zu setzen — weist wohl, — in Schlesien, doch d?r liebe Junge mutz warten." (Fortsetzung folgt» Samstag, 15. September (924 Rr. 216 Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Landwirtschaft und Gartenbau über ein geharrt sind, weil eine Beanspr, Als Winteretwas kurzen solcher Schutz R. Die Päonien oder Pfingstrosen, fmb die haltbarsten, ans p ruchs losesten und schönsten Dauerpflanzen für den Hausgarten sowohl der Villa, wie der Arbeiterwohnung, und sind ganz besonders für den beschränkten Raum des Vorgartens geeignet. Sie wachsen bei sonnigem oder halbschattigem Standort zu ansehnlichen Büschen heran, erfreuen, da sie sehr zeitig zu treiben beginnen, vom ersten Frühjahr an durch das schnelle Wachstum ihrer purpurroten Triebe, dem das glänzend grüne Laub und später die riesengrosten, in den prächtigsten Farben glühenden Blüten folgen. Einmal angepflarnzt, überdauern sie, an Schönheit zunehmend, viele Generationen ohne besondere Pflege. Doch sind sie für besondere Düngung dankbar, wie jede andere Zierpflanze. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten. Am bekanntesten ist die dick gefüllte karminrote Essig- oder Dauernrose, von der es auch eine rosa und weitzgesüllte Form gibt. Weit schöner noch sind die chinesischen Päonien, deren meist wohlriechende Blumen in Hunderten von Sorten von einem Farbenreichtum sind, der dem der Rose wenig nachsteht. Man must sich wundern weshalb Päonien nicht allgemeiner ver- 5 Zentimeter in den Boden kommt, schütz gibt man im ersten Jahr Dünger darüber. Später ist ein nicht mehr notwendig. breitet sind. Der Grund dafür ist hauptsächlich in dem Amstande zu suchen, datz sie ein Verpflanzen im Frühjahr, wenn man die Gärten anlcgt, nicht vertragen. Sie treiben, wie schon erwähnt, sehr früh, ein Versehen im März oder April stört sie in der vollen Vegetation, und die Folge ist ein Kränkeln und Dahinsiechen, von dem sie sich oft nicht wieder erholen. Man verpflanzt sie deshalb im September bis Anfang Oktober mit möglichster Schonung der knolligen Wurzeln, und zwar nie tiefer, als sie vorher gestanden hatten. Ein Zutiefpflanzen ist meist die Arsache des Richtblühens. Am dieselbe Zeit kann man auch ältere Etpcke teilen, indem man sie aus dem Boden nimmt, alle Erde abschüttelt und dann den Stock in so viele 'Teile zerlegt, wie es unter Berücksichtigung des Am^andes möglich ist, dast an jedem Stück 2—3 Augen und mehrere unverletzte Wurzelknollen verbleiben. Diese seht man so, dah das oberste Auge nicht tiefer als höchstens Da holt der ßanbrat sein Merkbuch heraus, blättert darin: „Werm's bloh das ist! Ich hab' da eine Order gekriegt — alle Tage kommen solche — für den Zabeltitz auf Topper vom Kriegs- magazin in Frankfurt zu liefern zwanzig Wispel Korn nebst zehn Wispel Hafer . . ." und blinzelt aus den kleinen Aeuglein vergnügt hinüber. Der Gestrenge hat grab' eine Pfeife vom Ständer genommen und will sie dem Boden hin- rcichen. Fast wäre sie ihm aus der Hand gefallen. Steht und starrt und atmet schwer. Sagt bann: „Das wär' Hilfe in der Rot . . .“ „Loll's auch sein. Majestät helfen allenthalben, und der Landrat von Boden hilft gern auch . . nun gar für den Topperschsn Isegrimm." Pustet wieder, prustet, greift in die Drusttaschr, hält aber inne auf halbem Wog. ,Es ist nur," lagt er, „der Topperschr soll cs mit der Majestät verdorben haben. Man erzählt da kuriose Affären im Kr.ise. Par cxemple wollen manche gextyen haben, dah der Topperschr auf dem Schlachtfeld zu Ku-ersdorf der Majestät nicht grab’ respektvoll begegnet —" „Gevatter!" ruft der Alte. Hm. sie reden so. And ich hab’ da noch ein Officium: soll das Königliche Kabinetts schreiben hier dem Zabeltitz in periona oushändigcn." Dabei fährt er nun wirklich mit der Hand in die Brustta'ch:, zich' dn grobes Schreiben h r- vor mit vier mäßigen rcten Segeln, halt s dem Alten hin. Dor fällt auf den nach ien Stuhl, Mit den Dries mit den großen roten Siegeln vor sich im Schoß, wagt nicht, ihn zu brechen, einen ganz krausen Eedanten: .Weni nun ber Kön'g sich doch in Angnade deiner Torheit erinnert hnt und schickt dich nach Spandau . . Notstandshilfe für die hessische Landwirtschaft. Don Dr. August Skalweit, v. Professor der Staatswissenschaften an der Aniversität Kiel Rach den Berichten über die Mitzernte in Oberhessen, die der Gietzener Anzeiger in der vorigen Woche brachte, wird man von einer K a - tastrophe sprechen müssen, einer Katastrophe, weil sie den Landwirt in bereits gesc^oächtem Zustande traf. Hatte er doch die Erzeugnisse ,seiner vorjährigen guten Ernte unter den eigenen Gestehungskosten > verkaufen müssen. Rur mit knapper Rot hafte er die Produktion auf rechter - halten können, in manchen Fällen nur unter Zuhilfenahme eines teueren Rentemnarkkredits, den er aus den Erträgen der neuen Ernte zu rück - zahlen wollte und muhte. Bei alledem kann es für den hessischen Landwirt keinen Trost bedeuten, dah die Getreide- Preise wieder tn die Höhe gegangen sind und die PreiSkrisis des vorigen Erntejahres, wie ich cS in einem früheren, im Gietzener Anzeiger veröffentlichten Artikel vovausgesagt hatte, überwunden zu sein scheint. Denn was nützen ihm die besseren Preise, wenn er kaum etwas zu verkaufen hat? Ja, die bafferen Preise werden ihm zum Fluche, da er von dem teueren Getreide noch hinzukaufen muh, well das selbst geerntete Getreide für die Saat nicht taugt. Allo nicht genug, dah er die günftiger.? Konjunktur nicht ausnuhen ttum, er hat unmittelbar noch Schaden davon. Schwer notleidend ist der Landwirt geworden. Kann man ihm Helsen? Das ist die schicksalsschwere Frage! Denn wenn die Hllse ausbleibt, dann steht der größere Teil der Landwirte vor dem völligen Ruin. Das Vieh mutz verkauft werden, die Felder bleiben unbestellt, der akute Rotstand tn ferner fürchterlichen Schwere wächst sich zum chronischen aus. Kann man ihm helfen? Wir leben nicht mehr in dem reichen Deutschland der Vorkriegszeit. Das Rächste, was geschehest mühte, wäre, dah ihm die bereits gewährten Kredite geftunbet würden. Liegt das im Bereich der Möglichkeit. Man weih, wie begrenzt die Mittel der Renten- Obstbaumpflanzungen an trockenen Berglehnen auf magerem Boden und in windiger Lage kränkeln häufig, weil die Daumlöcher beim Pflanzen nicht groß genug au-gehoben wurden, auch die Baumscheibe, die immer wagrecht liegen muh, nicht in Ordnung gehalten warb. Für solche Lagen eignen sich am besten Waln uh bäume, Kirschen und Dirnen. Aepsel in derartigen Lagen anzupflan- zen, ist ein Fehler. Wo er begangen wurde — und man sieht öfter solche verfehlten Anlagen —, sollte man nicht säumen, den Schaden durch erneute Anpflanzung passender Daumarten tn möglichst jungen Exemplaren — well diese besser anwachsen wie ältere —, wieder gutzumachen. Wer aber am trockenen Rain ober auf ber Schafweide Aepsel pflanzen will, ziehe sie als Wildlinge an Ort und Stelle und veredle später in die Krone mit widerstandsfähigen Sorten aus ber betreffenden Gegend. wisses Ausmah die Währung erschüttern würde. Rur toenn es sich um eine beschränkte Zahl von notleidend gewordenen Landwirten handeln würde, liehe1 fid> von dieser Seite Hilfe erhoffen. Tröstlicher Weise scheint festzustehen, dah von einer solchen Mißernte, wie sie Oberhessen und die benachbarten Gebiete gehabt haben, andere deutsche Gebietsteile verschont geblieben sind. Wenn nicht alle Rachrichten trügen, wird man im allgemeinen von einer mäßigen Mittelernte in Deutschland sprechen können. Man braucht daher die Hoffnung nicht auf geben, daß eine Stundung der alten Kredite und vielleicht auch die Gewährung neuer Kredite für die nDtleibenben hessischen Landwirte möglich sein wird. Auch die grotzen 3 en tralgenossenschaften werden Helsen müssen. Jetzt wird es sich erweisen, welcher «Segen es für die kleineren deutschen Landwirte war, dah sie ihre große genossenschaftliche Organisation über die Zeit der Inflaltivn, wo die .'vrebitgenossenschaften in schwerer Bedrängnis waren ober nur ein Scheinleben führten, hinübergerettet haben. Dah die Steuern gestundet und entsprechend Dem Minderertrag ermäßigt werden, halte ich, wenn sich die Organisationen energisch genug dafür einsehen, für selbstverständlich. Es entspricht dem Grundsatz ber Steuergerechtigkeit, daß ein jeder besteuert wird, nur nach Vermögen. Ein Trost in Tränen, der aber keinen Augenblick über den verbleibenden Ernst der fu cht- baren Rotlage Hinwegtäuschen kann. Der he ftsche Dauer wird sich krumm legen, arg krumm legen müssen, wenn er den schweren Schlag über- flehen soll. Aber wer die zähe Kraft des hessischen Dauern kennt, wirb ihm mehr zutrauen als einem Durchschnittsmenschen. Wer so wie ich Gelegenheit hatte, in schwerer Zeit d'e Widerstandskraft des hessischen Bauern kennen und bewundern zu lernen, ber wird bie Hoffnung nicht fahren lassen, dah er auch diese schwere Heimsuch img überwinden wird, indem er sich selbst treu bleibt und der Parole: „Arbeiten und nicht verzweifeln!" Im hessischen Landtag haben die Frakttonen der Deutschen Vvlkspartei und der Deutsch nationalen Vvlkspartei Anträge eingebracht, in denen von ber Landes- und der Reichsregierung Kredithilfe und Steuer st undun gen bzw Steuererlaß für bie schwer geschädigte Landwirtschaft gefordert werden, damit biete wenigstens einigermaßen ihre Wirtschaftskraft wiedergewinnen könne. Der Alte aus Topper. Rvjnan von Hanns von Zvbeltitz. 68. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Sanft bin ich wie ein Lamm, und wenn ich mal fluche — mag's mir Gott verzeihen — hat's seinen guten Grund. Am dich, Gevatter Landrat, könnt' man zugrunde gehen. Scheut ber Mensch aus! Gemästet wie ein Truthahn. Bei dir sind, scheint’s, die vermaledeiten Moskowiter nicht gewest!" n .. „Kummer und Sorgen schw:mmen den Leid auf, Zabeltitz. Ob sie bei mir waren! Gefressen, gestochen, gebrannt und gemordet haben ste tn Pinndst) wie anderwärts. Muh überstanden werden, und nun kommen bessere Zeiten." „Ich merk' nichts davon —" Indessen sind sie ins Haus getreten, und ber Stabskapitän und Frau Bett7 kommen, und es gibt ein Händeschütteln und Küssen. Denn ohne Küssen tat's der Herr von Boden nimmer. Läßt sich bann nieder, prustet und pustet, fängt an zu erzählen: „Ja. Friede uitb bessere Zeiten und könnt' ein gut Jahr werden bei der Witterung. Rur solch armer Landrat, der hat s schlimm heuer. Den drückt die Kammer und h.tzt ihn, und ber König pfeffert mit Reskripten u-ib Ordres hinterdrein, jagt einen im Kreise herum, daß man bei Tag und« bei Rächt nicht Ruh hätt’.’ Fragt bann plötzlich: „Gevatter, bu Gäule hast doch bekommen? ’ . „Ru ja — freilich," sagt der Alte und zieht die Silben einzeln heraus. „Werd' sie zuvorderst auf die Weibe schicken, sintemalen die Krippen leer sind." Fragekasten. Frage 47: Auf einem auswärtigen Frtedhof Hobe ich die erfrorene Ltgusterhecke eines Fa- rnilien-Erbbegräbnisses durch eine andere immergrüne zu ersetzen, bie Winter hart sein muß. Welche Holzart würden Sie mir zu diesem Zweck empfehlen? Die Lage ist schatttg. Wann ist die beste Pflanzzeit? _ Antwort: Don immergrünen Gehölzen zur Heckenpflanzung in' schattiger Oage kommt nur bie Eibe, Taxus baccate, in Bettacht Die Eibe erfriert In so strengen Wintern, wie der letzte war, nur bann, wenn ber Boden im Rachsommer und' Herbst besonders trocken gewesen ist, ein Amstand dem sich durch Begießen in ber fraglichen Zeit leicht abhelfen läßt. Sie ist deshalb besonders geeignet, well sie sich durch Schnitt zwanglos in jeder Form halten läßt und an den Boden keine' besonderen Ansprüche stellt. Die beste Pslanzzeit ist Ende August and Anfang September, oder das Frühjahr von April bis Mai. DuS Eichreich wird vor dem Pflanzen rigolt Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Selten hat die Börse auf irgendeinem Spezialgebiet so hartnäckig an einer vorgefaßten Meinung festgehalten, wie in den letzten Monaten in ber Aufwertungs frage. Allen amtlichen und halbamtlichen Erklärungen und allen abmah- nenben Artikeln ber Handelspresse zum Trotz operiert eine ziemlich breite Hausse-Spekulation mit dem Gedanken einer Aufwertung ber inländischen Anleihen. Da« Vorgehen einer Anzahl von Stadtverwaltungen, das übrigens int Gegensatz zu der Haltung ber kommunalen Verbände in ber Aufwertungsfrage steht, wirkt ermutigenb au diejenigen Kreise, die eine Aufwertung auch für die Anleihen des Reiches und ber Länder erwarten. Man übersieht hierbei, dah die Stadtverwaltungen sich augenblicllich größtenteils in einer sehr vorteilhaften finanziellen Lage befinden und daß sie ihre Dorkriegsanleihen zu einem erheblichen Teile in werbenden Unternehmungen angelegt haben. Das Reich und die Länder befinden ftch in einer weit ungünstigeren Position. Soweit bie Kriegsanleihen in Betracht kommen, ist an eine Aufwertung schon wegen bes in solchem Falle sicher zu erwartenden Widerspruchs ber Entente kaum zu benfen. Die finanzielle Lage bes Reiches Die Aufbewahrung der Lupinenkörner verlangt bekanntlich große Sorgfalt, 'onst verderben sie. Verhältnismäßig gut halten sich bie Lupinen noch im ungebrochenen Zustande im Stroh, deshalb läßt man in der landwirtschaftlichen Praxis die Lupinen möglichst lange ungebrochen stehen und drischt jedesmal nur soviel, als in der nächsten Zeit verbraucht werden. Jedoch ist auch im ungedroschenen Zustande die Gefahr des Verschimmelns bann vorhanden. toenn bie Lupinen nicht im völlig reifen, sondern im halbgrünen Zustande zusammcngefafyren und in eften Scheunen gelagert werden muhten. In einem derartigen Zustande sollte man lieber die Lupinen in offenen, ber Lust zugänglichen Feldscheunen einfahren, wo sie nicht so leicht tote in massiven Gebäuden dem Verderben ausgesetzt sind. Es ist ja im allgemeinen empsehlenswert, bie Lupinen nicht zu reif werden zu lassen, weil bann aus dem Felde die Hülsen zu leicht aufspringen und Samen streuen. Man schneidet heute die Lupinen schon bann, wenn bie Samen sich zu färben beginnen, soll sie aber dann auch luftig aufbewahren. Hat man sie aber gedroschen und auf dem Speicher unteogebracht, dann müssen auch besondere in der Praxis erprobte Maßnahmen angewendet werden, um ihr Verderben zu verhindern. Daß solche Speicher gründlich duichlüf.et und die Lupinen fast täglich umgeschaufelt werden müssen, dürfte als altbekannt angenommen werben. Weniger bekannt bürste es sein, baß es sehr wohl möglich ist, sie durch zweckmäßige Anwendung von gelöschtem Aehkal! recht lange in gutem, unverdorbenem Zustande auf dem Speicher zu erhalten. Das Verfahren besteht darin, daß die Lupinen möglichst sofort nach dem Aufspeichern mit trockenem gelo chter Äili schwach überstäubt werden, sie werben gewi sermaßei mit Lletzkaft eingepudert unb müssen vollständig weiß bestäubt sein. Die Erfolge sind augenscheinlich Schimmelbildung tritt überhaupt nicht ein, besonders aber dann nicht, toenn dieses Verfahren ettoa zwei- bis dreimal in Abständen von etwa einer halben Woche wiederholt wird. In diesem Falle werden die Lupinenkörner, auch die vorher grünen, weichen Körner, schon nach ettoa dreimaliger Behandlung völlig hart unb trocken unb für längere Zeit aufbewahrungsfäh g geworden fein. Die Keimfähigkeit hat durch biete Kalkung in keiner Weise gellt en. denn Versuche ergaben, daß bie Keimfähigkeit 92 Proz. betrug Selbstverständlich muß im nächsten Frühjäh.- das Saatgut vom Kalkftaub befreit torrben, was a(er leicht möglich ist. Auch bie Futterlupinen wird man vor ihrer Verwendung vorn Kalk befreien. In der angegebenen Weise lassen sich sämtliche Hülsenfrüchte für längere Zeiten vorzüglich auf» bewahren. Der Kalkstaub wird in der Weise hergestellt, bah man auf 100 Kilo frisch gebrann'en Kalk 32 Kilo ober Liter Wasser verwende'. Rach dem Aebergießen wird ber dampfende Kalkhaufen mit alten, gebrauchten Säcken so dicht wie möglich überdeckt, um bie Einwirkungen der Luft abzuhalten. Rach ettoa einer Stunde ist ber Kall gelöscht unb nach erfolgter Abkühlung verwen- dungssähig geworden. Es mag ja dieses Heber» stäuben der Hülsen fruchte etwas umständlich erscheinen, daS ist jedoch weniger der Fall als es scheint, der beabsichstgde Zweck aber wird tadellos erreicht, unb bas dürfte die Hauptsache sein. Dr. We. ist überdies keine so erfreuliche, daß man ernsthaft auch nur an die bescheidenste Entschädigung der Anlcilxchesiher denken könnte. So bedauerlich dies aus sozialen Gründen ist, so sehr muß man doch die Tatsachen berücksichtigeii, wenn es sich um die Frage handelt, ob man in Erwartung einer Aufweitung derartige Esfetten erwerben soll. 'Damit sei allerdings nicht gesagt, daß die Selbstzeich- ner oder langjährigen Besitzer von Anleihen gut tun würden, diese bei den letzten Kursen zu ncr- äußern, deirn toenn, um einen sozialen Ausgleich ; u schassen, irgendeine Entschädigung erfolgt, so I ann sie nur denjenigen zugute gebracht toerben, die opferfreudig gutes Dell) hingegeben haben, um dem Daterlande den Kanivi um seine Freiheit finanzieren zu helfen. Der A t t i e n m a r k t ist nach einer kurzen Hausse wieder in seine frühere Stille zurückversunkcn. Die Börse sieht zu deutlich alle jene Erschwerungen, die unsere Wirtschaft beim Wieder ausstieg zu überwinden hat, als daß sie chon jetzt in Optimimus schwimmen konnte Die tn letzter Zeit bekannt gewordenen Aktien-Zusammen- legungen brachten überdies besonders den Klein- Akttonären so schwere Enttäuschungen, daß diese gar nicht daran denken, ftch stärker als bisher in Effekten zu engagieren. * * Konkurse inHessen. Heber die Firma FahrzeugfabrilA. G. inDarmstadt ist das Kontursverfahren eröffnet worden. Forderungen find bis zum 1. Rovember beim Amtsgericht Darmstadt I. anzumelden. — lieber das Vermögen des Porleseuillers Christian Winter in Klein-Auheim wurde das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 1. Oktober anzumelden beim Amtsgericht Seligenstadt. * Offenbacher Gummiwerke E. Stöckicht A. G., Offenbach. Auf Antrag eines Aktionärs wird eine a. o. G.-D. über die Auflösung des Unternehmend zu beschließen haben 'Stand der Geschäftsaufsichten. Rach den fortlaufenden Feststellungen des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels ist' ßie Zahl der unter Geschäftsaufsicht gestellten deutschen Firmen bis Ende August auf insgesamt 3114 angewachsen, das bedeutet eine Zunahme von 532 Geschäftsaussichten im Monat August. Von diesen Geschäftsaufsichten sind insgesamt 867 wieder aufgehoben worden, davon im August 460. Die tägliche Zunahme war also im August ettoa 18, während die täglichen Aufhebungen ettoa 15 betrugen. * Stillegung der Röchlingwerke. Aus Saarbrücken wird gemeldet: Die Röchling Eisen- unb Stahlwerke unb daS Edelstahl- werk Röchling-VöMingen geben ihren Belegschaften bekannt, daß sie jetzt tatsächlich zur Einstellung des Betriebes gezwungen seien, da alte Bemühungen, eine Ermäßigung der Kohlenpreise zu ertotrfen, ohne (Brfolg geblieben seien. Die Löhne für eine Tonne Eisen seien heute um 82,5 Prvz. gestiegen, die Kosten für eine Tonne Kokskohlen um 54 Proz. Dagegen sei bet Eisenpreis gegenüber der Vorkriegszeit nur ufn 20 Proz. gestiegen Eine Auftech ter Haltung des Do tttebes sei zur Zell nur unter folgenben Bedingungen möglich: Die achtstündige Arbeitszeit bleibt bestehen für die Feuerarbeiter, allerdings müsse man hier einen Lohnabbau um 15 Proz. tn Kauf nehmen und Meberftunben nach den Erfordernissen des Betriebes. An allen anderen Stellen müsse man sich entweder mtt einem Lohnabbau um 25 Prvz., ober mit einer Mehrleistung von zwei ötunben über bie Achtstundenleistung einverstanden erklären, ebenso mühten die sozialen Zulagen um 25 Prc». gekürzt werden, die neu zu regeln seien. In ihrer Bekanntgabe sprechen die Werke die Hoffnung aus, dah die französische Grubenverwaltung sich nicht dauernd den wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Im Saar- tebiet verschließen werde und in Kürze eine fteiSsenttrng für Kohlen ein treten lasse. ES erscheine auf die Dauer unhaltbar, daß die Bergwerks Verwaltung monatlich einen Reingewinn von 100 Millionen Frank einheimse, der ihr nad>go rechnet werden konnte, während die Großindustrie an der Saar monatlich mtt Millionen Front Verlust arbeiten müsse. * Hypothekar kredite für Raiffeisen. Zwischen der Deutschen Raiffeisenbank, der Bank für Kommunal- und Grundkredit und der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken ist, wie bie „D. Z. am Mittag" hört, ein Abkommen zustande gekommen, wonach den gesamten Mitgliedern des Zentralverbandes der deutschen Raiffeisengenossenschaften ohne verteuernde Zwischen, instanzen langfristige Hypothekarkredite zur Verfügung gestellt werden. Hierdurch werden den der Raisfeisenorganisation angehörigen Landwirten bie für den Betrieb nötigen Kreditmittel zugeführt. ' Der amerikanischeKreditfür das Kalishndikat zustandegekommen. Wie das „Berliner Tageblatt" hört, ist der amerikanische Kredit für das Deutsche Kalisyndikat, über den seit einiger Zeit verhandelt worden ist, per- Ab D< gewal He Linder Franc atnlAont im Kath 30 pfa« lkinein zur 9< Herr» D eröffn«; Ma! Dorf, h zu wer geneigl O, wie muß rau sich doch qallen 1 .Seifix- darf nicht wieder fehlen. daß Ihre Wäsche nicht durch Reiben und Bürsten oder scharfe Waschmittel verdorben, sondern nur mit Dr. Thompsons Seifenpulver (Marke Schwan) gereinigt wird. Dr. Thompsons Seifenpulver in Verbindung mit dem modernen Bleichmittel Seifix vereinfacht die Arbeit auf verblüffende Weise und liefert nach viertelt stündigem Kochen eine prachtvoll gebleichte, tadellose Wäsche. SEIFIX, modernes Bleichmittel, aas geflamten 3nl>au nicht vorgegrinen. -vamtt btewe auch die endgültige Gestaltung der Umfaijfteuct neben der Frage der höheren Steuer und einer Reihe von Äenderungsvorschlägen Gegenstand der Beratungen im Reichstag. Bon ähnlicher Bedeutung wie die Herabsetzung der Umsatzsteuer ist die Frage der Minderung der die Kapitalbeschaffung belastenden Steuern auf ein für die stabile Wirtschaft tragbares Mast. Die durch den U ebergang auf Goldrechnung und zur Reuzuführung von Kapital erforderlichen Um> Wandlungen können nur vorgenommen werden, wenn die Sätze auf dem Gebiete der Gesellschaftssteuer und der Wertpapiersteuer gesenkt werden. Auch hier wird eine Senkung zum 1. Oktober 1924 eintreten. Die steuerlichen Maßnahmen erfolgen angesichts der Dringlichkeit durch Verordnung des Reichspräsidenten. Die Reichs regier ung erwartet, daß die gesamte private Wirb schäft ihr auf dem Wege zur Senkung des Preisniveaus folgt, ebenso die öffentliche Wirtschaft, insbesondere die Gemeinden mit ihren Werttarifen. Turnen, Sport und.Spiel. Fußball-Meisterschaftsspiele. Am morgigen Sonntag beginnen, wie man uns schreibt, im Gau Hessen-Hannover des Westdeutschen Spielverbandes die Meisterschaftsspiele. Rachdem man 2 Jahre lang die Spiele in der sog. „Einheitsliga" Lurchgeführt hat, ist man dieses Jahr, durch Beschluß des Gautages, wieder zur Trennung geschritten. Dadurch treten die Gauligamannschaften des Lahnkreises (Gießen, Marburg, Wetzlar) wieder in Wettbewerb mit den Vereinen der 1. Klasse im Hessischen Kreis . (Kassel-Fulda) und Kreis Südhannover (Münden. Göttingen und Osterode). Von den Gießener Vereinen gehört der G. S. E. v. 1900 zur 1. Klasse, so daß den Gießener Fußballfreunden Gelegenheit geboten ist, in den nächsten Monaten die besten Fußballmannschaften unseres Gaues in Gießen spielen zu sehen. Am morgigen Sonntagnachmittag empfängt 1900 als ersten Gegner die äußerst spielstarken Hessen 09-Kassel. 1900 wird alles daran sehen müssen, um ehrenvoll abzuschneiden. Hessen 09 hat in letzter Zeit nur glänzende Resultate erzielt. Sv gegen Kurhessen-Kassel ein 0:0. Vorher um 2 Uhr trifft 1900’8 erste Jugend auf die gleiche der Offenbacher Kickers. Es dürfte auch hier zu einem spannenden, technisch schönen Spiel kommen. Hessen-Flieger. Der Bund Hessischer Flieger E. V. und der Verein für Luftfahrt E. V. Darmstadt haben sich zu einem Verein zu- sarnmengeschlossen unter dem Rainen „Hessen- Flieger, VereinfürLuftfahrt.D ar nist adt". Die erste große Veranstaltung des Vereins soll der „Erste Deutsche Luftwettbewerb 1924" fein; bieder findet vom 27. bis 30. September aus Flugplatz des Darmstädter Vereins statt. An dem Wettbewerb werden sich zum ersten Mal« die Kleinflugzeuge mit Hilfsmotoren von der Rh-on beteiligen. 3m Anschluß an den Wettbewerb findet ein S ü d we st de u t s ch e r Zuver - lässigkeitsflug statt, der seit dem „Prinz- Heinrich--Flug 1914“ der erste dieser Art ist. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Cxplofion in einer Pulverfabrik. Wien, 12. Sept. (WB.) Wie die Blätter aus Graz melden, explodierte gestern in einer Pulverfabrik in Trvsaiach ein Misch- werk. Mehrere Sachverständige und Fachleut« hatten das Werk gerade verlassen, als eine Pulvermenge von 300 Kilo sich durch Reibung entzündete. Der Schaden wird auf 240 Millionen Kronen angegeben. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Gleich nach dem Unglück erschoß sich der Direktor der Fabrik, obwohl ihn keine Schuld trifft , Vor einer unbequemen Anfrage geflohen. Rom, 12. Sept. (WB.) > Der Auffinder deS angeblichen Liviusbuches ist von der Regierung offiziell aufgefordert worden, Auskunft über den angeblichen Fund zu erstatten. De Martino Fuscv entzog sich dieser Aufforderung durch die Flucht Man weiß nicht wo er sich befindet Die Polizei hat in feiner Wohnung Haussuchung vorgenommen. Ein Boxkampf in Amerika. Reuhvrk, 12. Sept. (WB.) Dor einet achttausendköpfigen Zuschauermenge fand der Boxkampf zwischen dem Reger Wills und dem Argentinier Firpv statt Wills wurde nach 12 Runden zum Sieger erklärt Er erhielt- damit das Recht, Pen Weltmeister Dempsey zum Kampfe um die Weltmeisterschaft herauszufvrdern. ____ Banknoten. Meld | Briet 10,25 seh 13,18 18,5 5 10,9 16,75 8,75 13,80 85,5 43,5 2,13 3 M 5 11,75 17,13 1,25 11,5 18,13 48 54 16,25 19 1? 35,75 34,25 1,90 25,25 5 9 11,5 35,25 42 2,13 3,1 10,6 1,6 3,25 4,375 10 27 8,80 10,60 0,35 11,60 12,50 0,3^7 0,3 28 5,5 8,8 10,6 0,345 11,55 12,75 1,8 0,360 0,3 4,75 10, 8 17,7j 11,76 14,40 18,65 18 Kirche und Schule. Bad-Homburg, 11. Sept. Die durchGc- erfolgte Reuregelung des offene 9,15 14,2 7,75 37 4,21 20,91 71,14 18.78 22,73 161,2 > 18,64 57,74 5,9- 2,25 111,83 79,03 55,04 12,615 5,41 28 5,375 8,75 10,625 11,50 L8 0.35 0,4 47 11,40 12,50 48 61,75 67,25 15.75 18.4 6,SO 11,50 36,75 34,76 32,50 20,81 70,78 18,68 22,31 180,45 18,44 67,46 5,91 2,23 111,27 78,63 54,76 12,355 5,39 2,10 2,80 2,76 11,13 0,6 1,1 12 1,70 3 4,70 3,60 3 11,13 13 48 «Ä 16,40 18,90 7 11,62 36,9 35,5 33,5 1,9 25,75 5,05 27,30 5,40 9 10,65 11,40 1,9 0,4 0,5 46,75 11,60 49 53,50 68,25 15.6 18,30 6,80 11,50 29 15 5 11 17,75 13 12,25 14,60 13,75 6,75 16,28 14 9 13 7,40 85 40,5 V a 2,6 11 0,56 1.1 11 1.7 3,4 4,26 10,13 3,6 2.9 All«. eettrtiitätfcSefeatiMft Bergmann........... Mainkraftwerke Schuckert...... Siemens & Halste Vdlerwerke K ketzer ..... Daimler Motor«. ..... sehr klemes Geschäft Api Zi/4; Becker-Kohle d°/8; Benz 33/8; Ufa IO3/*; Brown Doveri 1,2; Entre- pEe 21,5; Growag 0,195. 3m weiteren Verlauf konnten 'sich die Kurse am Aktienmarkt ziemlich behaupten, deutsche Anleihen verkehrten weiter in schwankender Haltung. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Berlin, 12. Sept. Die Börse stand am Wvchenschluß auf allen Märkten im Zeichen eines sehr ruhigen Geschäfts und einer etwas schwächeren Tendenz. Arn An lei hema rk t sanden zwar noch ziemlich erhebliche Umsätze statt, doch fehl e der Kursbewegung ein stärkerer Auftrieb. Am Markt der 3ndustriepapiere besteht we-. nig Interesse der Berufsspekulation, die sich ganz dem Anleihemarkt zugewendet hat, außerdem fehlen auch Kauforder ans der Pvovinz Die erwartete Kauftätigkeit des Auslandes hat bisher noch Licht eingesetzt. Die Börse wartet den Ausgang der Verhandlungen in der ©rneuerang des Koh- lenshndikats ab. Die Rachricht, daß die W.eder- »inführung eines Dörsentages am Samstag geplant sei, stößt auf großen Widerstand bei einem Teil der Börsenbesucher. Am Geld- und Devisenmarkt zeigt sich keine Veränderung. Die Tendenz an dem Aktienmarkt, die in der ersten Dörsenstundr noch eher zur Schwäche neigte, konnte sich später wesentlich verbessern. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. W. (In Billionen Mark auSgedrückt. Bueno-.AtrrS, London. Neu« York, Jaoan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wim and Budapest für 100000 Einheiten, alle« flbriae für 100 Ewhetten-t Telegraphlsche Auszahlung. frankfurter Armaturen . .. onfervenfabrtk Braun . . . Metallgesellichast Frankfurt. ®ct. Union A.-G Schuhfabrik Herz . . . . . . . Sichel Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . , Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger.") Frankfurt a. M, 12. Sept. Es tourben notiert: Wetterauer Weizen 24—25, Roggen, in- länd. 22—23, Sommergerste für Drau^vecke 25 bis 26,50, Hafer, inländ 21,50—22,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 36,25—36,75, Roggenmehl 30—31, Weizenkleie 12,50—12,75, Roggenkleie 12,25—12,50. Tendenz: Steigend. Berliner Produktenbörse. Berlin, 12. Sept. Am Getveidemarkt ziehen die Preise in allmählich beängstigendem Schrittmah weiter an. Das Ausland fordert für Roggen und andere Sorten 10 holländische Cents mehr. Hauptmotiv war heute ein Gerücht über ungünstige amerikanische Erntetaxen, die der gestern erwähnten kanadischen Taxe angeblich nachfolgen würden. Es wurden pro 1020 Kilo notiert: Weizen märk. 223—234, Roggen mär?. 195 bis 200, Gerste mark. 212—240, Gerste neue 195 bis 205, Hafer märt 178—186, Raps 335—340, Leinsaat 440—445. — Es wurden notiert für 100 Kilo Weizenmehl 32,50—34,50, Roggenmehl 28,50—30,50, Weizenkleie 14,50, Roggenkleie 12,80, Bittoriaerbsen 32—35, kleine Erbsen 22—26, Futtererbsen 19—20, Peluschken 17—18. Ackerbohnen 16—17, Wicken 16—17, Lupinen blau 12.50 bis 13, Lupinen gelb 14—17, Serradelle alt 13,50 bis 14, Rapskuchen 14,50, Leinkuchen 24—25, Trockenschnihel 13,20—13,30, Kartoffelstöcken 19,50. lichen Fürsorgewesens stellt die erang. Liebestätigkeit vor viele neue Aufgaben und Arbeiten. Um den Mitarbeitern auf diesen Gebieten die erforderliche Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen zu vermitteln und sich über Umfang und Grenzen der Mitarbeit der eoang. Liebestätigkeit klar zu werden, veranstalten die Lan- desvereine der Inneren Mission von Hessen, Rassau, Kassel und Frankfurt vom 25—26. September einen Kursus über „Die Reuvegelung der öffentlichen Wohlfahrtspflege und die eräug. Kirche . i^je Tagung findet in den Gemeindesälen b’r hiesigen Erlöserkirche statt. Am ersten Tag führen 6 Redner in die gesetzlichen Bestimmungen und neuen Aufgaben ein, während am zweiten Tage praktische Allgemein- und Einzelfragen durchgesprochen werden. 5Rej>aru voll doll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll fett geworden. Der Kredit wird dem Kaltsyndikat gewährt durch die Chase-Rationalbank, die in guten Beziehungen zu den amerikanischen Dünger- Korporattonen steht, sowie durch die International Acceptance Bank, und zwar kam der Kredit ohne die Vermittlung und das Giro deutscher Banken zustande. Die Amerikaner haben 6 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, die vom Kalishndikat je nach seinen Bedürfnissen abgerufen werden sollen. Der Kredit wird bekanntlich der Bevorschussung deutscher Kalilieferungen nach Amerika dienen. * Die Bank von Frankreich hat den Lombardzinssah von 7 auf 3 Prozent erhöht. Der Wechseldiskont ist unverändert 6 Proz. Verkauf der polnischen Staatswälder in Pomerellen und Posen an Eng land? Wie die „Weichselzeitung" meldet, beabsichtigt Polen, sämtliche Staatswälder in den ehemals deutschen Gebieten von Westpreußen und Posen an England zu verkaufen. Die Wälder gehen danach am 31. 10. 1924 in englischen Besitz über. Mit dem gleichen Tage verlieren 7000 Forst- bearnte ihre Stellung. Börsenkurs«. ____ (Ohne Gewähr.)_______________ •) Dom Rückzahlungswert. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M., 12. Sept. Tendenz: Lustlos. — Die freundliche Tendenz die gestern die Börse zeigte, ließ zu Beginn der heutigen Börse keine weiteren Fortschritte erkennen. Mangels jeglicher Anregung war für den Aktienmarkt lustlose Haltung vorherrschend, und die Kurse wiesen anfangs nur geringfügige Aenderungen auf. Das Geschäft war bei Beginn ruhig. Am Anleihemarkt, wo sich immer wieder Mitläufer einfinden, entwickelte dieSpe- lutation eine etwas lebhaftere Umsahtätigkett, trag aber zu größeren Kursveränderungen nicht führte. Die Stimmung war auch hier mehr oder weniger Schwankungen unterworfen. 3m allgemeinen waren die Kurse mäßig höher. 5prozentige Kriegsanleihe gewann 40 Milliarden. Am Markt der ausländischen Renten war das Geschäft ebenfalls eng begrenzt bei ziemlich nachgebendeH Kursen. Am Geldmarkt macht sich wieder etwas stärkere Rachfrage bemertbar, Tagesgeld i/4 pro Mille, Monatsgeld 1V8 bis I1/* Prozent. 3m Devisenverkehr wies der Pariser Frank eine Kursbesserung auf. bei einer Pfundparität von 83,30 und einer Dollarparität von 18,70. Tas englische Pfund ist gleichfalls mit einem Gegenwert von 4,453/t etwas höher. Die Mark hielt sich auf ihrem gestrigen Stand. Die Kursbewegung am Aktienmarkt war nicht ganz einheitlich. Am Montanmarkt waren die Besserungen überwiegend, hielten sich aber in bescheidenem Rahmen. Etwas größere Umsätze bei weiteren Kurssteigerungen hatte der Markt der chemischen W^rte aufzuweisen. Bankaktien waren nahezu umsatzlos. Der Fr ei verkehr hatte Berliner Handelsgesellschaft. Sommert» und Prioat-Bank. Tannst. und Nationaldaak . Deutsche Bank......... Deutsche VereinSbauk .... DiSconto (Eonunanbit . .. . Metallbank Mitteldeutsche Treditbank . . Leslerretchiscye Kreditanstalt. Westbank............ Bochumer Satz ....... jBuderuS....... Caro....... Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln..... Lourahäkte........... Cberbcbarf . . . Phönix Bergbau ....... Rhetnstadl........... Rtebeck Montan ....... TelluS Bergbau . Hamburg-Amerika Paket. .. Norddeutscher Lloyd..... Lheramische Werke Albin . . Semeutwerk Heidelberg .. . hilitzp Holzmann...... Unglo-Tom-Guano Badische Anilin .. Tbcmischc Mayer Alatzd» .. Aoldschmidt.......... ÖrteSbetmer Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkoylnug RütgerSwerke ..... Scheideanstalt......... FrrHn. 12. Sept. Amerikanische Noten .... Belgische Noten ....... Dänische Noten..... Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten...... Italienische Noten ..... Norwegische Noten Drutsch-Oefterr.,Lioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schweizer Noten...... Spanische Noten . Tschcchoslowakische Noten . . Ungarische Noten •Jn Billionen Prozent Frankfurt a. M. Berlin Schluß-! Schluß. Kurs | Kur» Schluh. Ku 3 Schluß. Datinn: 11. . 12.9. 1.9. 12. 9. 6% DenttLe Retch San leibe . 4f/n Deutsche RetchSanlethe . Deutsche Rcichsanlethe S9/,, Deutsche Reichsanleide . Deutsche tzparpramteuau leihe 4% Preußische JtonfoU . . . 4% Hchen........... IW. Hesteu.......... 8% Hesteu........... Deuüchc Wertb. Dollar-Aol. dto. Doll.'Schatz-Amrcisug.') <•/. -iolltürkeu......... 6e/e Soldudexttanrr...... 1,022 1,600 1,475 1,930 0,79 1.1 1,75 1.7 65,3 1,030 1,525 1,62. 1,96 0,79 1,625 1,6 1,65 1,65 4,2 85,3 14 1,040 1,450 1,450 1,90 0.7 1,625 14,13 43,5 1,0 J0 1,50 1,50 2,025 0,695 1,626 1,9 1,65 4,2 83,3 14,25 11. Septbr. 12. Sept r. Repart. Amtliche i»eld ttotierirng Brie, Amtlich: Notier!» 11 Geld «ries 11. 12. Amll-- Rott. 160,60 161,40 160,80 161,60 voll voll Brss.-Anttv 20,90 21 20,90 21,06 voll joU Thristiania. 57,46 67,74 57,46 67,74 voll voll Kopcnbagen 71,22 71,58 70,97 71,33 voll voll Stockbolm . 111,2? 111,78 111,17 112,03 voll »oll HessingforS. Italien. . . London. . . 10,49 18325 10,55 18,425 18,72 10,49 18,35 10,65 18,4 > voll voll voll voll 18,68 18,715 18.805 voll voll V?euhort .. 4,13 4,21 4,1 J 4,21 voll voll Paris. . . . 22,415 22,535 22,61 22,73 voll »oll Schweiz . . 18,75 79,15 78,80 79,20 voll soll Spanien . . Wien in D-« 54,61 64,89 14,83 15,14 voll voll De ft. abgest. 5311 5,936 5,911 5,935 voll voll Prag . . 12,55 12,61 12,885 12,645 voll soll Budapest. . 5,44 6,46 3.44 1145 8,05 5,46 voll soll Buen.-AireS 1,435 1/76 1,455 voll voll Bulgarien 8,055 3^75 3,47 voll voll Japan . . . 1,705 1,715 1,705 1,715 voll udU Nio de Jan. 0,395 0,405 0,396 0,405 voll voll Belgrad . . 5,545 5,565 12,28 5,58 5,60 voll ooll L'ffabon . - 12,22 11,97 12,03 voll voll ur. inompbons beiienpuiver (Marke bchwan) das Paket 30 PL Neue wichtige Wirtschaftsincchnahmen. Berlin, 12. Sept. (WTD.) Rach der Annahme der Gesetzentwürfe im Anschluß an die Londoner Konferenz ist die Sorge der Reichs - regterung darauf gerichtet, die Lasten, auf deren Aufbringung das deutsche Volk sich einrichten muß, möglichst tragbar zu machen. Daher kommt es in erster Linie darauf an, alle Voraussetzungen für den Wiederaufbau der Wirtschaft zu schaffen. Derartige Maßnahmen schließen sich an die bereits erfolgte Aufhebung der Zwischenzolllinie an. Die Wirtschaft kann nur dann wieder aufleben, wenn es gelingt, die aus der 3nfla- tionszeit stammenden Belastungen des Wirtschaftslebens soweit als möglich zu beseitigen, insbesondere das noch immer teilweise über dem Friedensstund liegende Preisniveau zu senken. Die Reichsregierung trifft zu diesem Zwecke eine Reihe von wirtschaftlichen Maßnahmen, sowie steuerliche Maßnahmen, die gemeinschaftlich dazu bestimmt sind, die Hemmungen einer gesunden Entwicklung zu beseitigen, daher auch keinen Aufschub vertragen. 3m einzelnen wird folgendes veranlaßt: Dom 18. September ab werden die derzeitigen Frachten der Rormalklassen des Gütertarifs und die Sätze des Tiertarifs und die Frachten deS allgemeinen Kvhlenausnahmetarifs um 10 PrkHent ermäßigt, letztere jedoch nicht unter die Dvrkriegssätze. Ferner wird der Gewichtszuschlag für die Beförderung in gedeckten Wagen von 10 Proz. auf 5 Proz. herabgesetzt. Wegen des übrigen Ausnahme arifs erfolgt eine besondere Bekanntmachung. Die Herabsetzung des Gütertarifs ist seit längerer Zeit von allen Seiten als notwendig anerkannt. Sie wird in dem Augenblick tragbar, in dem die bevorstehende Wiedervereinigung der Rhein- und Ruhreisenbahnen mit der Reichs - eisenbahn es ermöglicht, den Eisenbahnbetrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Zur Erleichterung der Geldversendung wird der ReichSpostminister dem noch in diesem Monat zusammenlrebenden! Verwaltungsrat der Reichspvst eine Vorlage zur Ermäßigung der Pvstanweisungs- und Scheckgebühren unterbreiten. Bei den Kohlenpreiseu tritt ab 18. September folgende Ermäßigung ein: für die schlesischen S teinkohlenreviere (Oberschlesien und Riederschlesien) eine Ermäßigung, die gegenüber den vom Reichskohlen verband veröffentlichten Preisen im Durchschnitt etwa 10 Proz. beträgt. Für das Ruhrrevier wird sobald die Frage der Shndikalserneuerung Mitte dieses Monats geklärt ist, über die alsbald eintretenba Preisermäßigung Beschluß gefaßt werden, die voraussichtlich mindestens 10 Proz. betragen wird. Die Braunkohl enshndikate haben ihre Preise bereits vor kurzem in entsprechendem .Umfang ermäßigt, so daß für sie eine Preis- ermä&igung nicht in Frßge kommt. Die Reichsbank hat folgende Maßnahmen getroffen: Das feit dem 7. April bestehende Diskontierungsgesämt- tontrngent wird für die Zwecke der Produk- tttmssteigerung zunächst um 10 Proz. erhöht. Für reine Warenwechsel wird die zulässige Laufzeit von Wechseln bei der Reischsbank wieder auf drei Monate ausgedehnt. Die Reichsbank wird fortan wieder Dankahepte diskontieren, vorbehaltlich der Prüfung von Fall zu Fall and vorbehaltlich einer Vereinbarung über die von den Danken zu berechnende Bankprovision. Auf die Bankvereinigungen wird eingewirtt werden, daß sie normale K redit p r 0 vi s i 0 nen emhalten, ebenso auf die staatlichen und kommunalen Geldorganisationen hinsichtlich der Zinsgebahrung für hereingenommene Gelder und Spareinlagen. Auch wird auf die Beseitigung der aus der Zett der Zwangswirtschaft stammenden unprvduktivvn Arbeiten bei den Danken Bedacht. genommen. So sollen zahlreiche Devisenvorschriften, bis auf einen ganz geringen Teil, dessen Weiterbestehen notwendig ist, in Kürze fortfallen. Zu den Stenern die durch ihre hohen Sähe den Wiederaufbau der Wtttschast in erster Linie belasten, gehören die Umsatzsteuer und diejenigen Teile der Kapital Verkehrs steuern, die mit der Kapitalbeschaffung für die Wirtschaft in Verbindung stehen. Durch die Verzögerung der Verabschiedung des Entwurfs des Gesetzes über die Zölle und die Umsatzsteuer, ist die in diesem Entwurf enthaltene Herabsetzung der Umsatzsteuer von 2,5 Prvz. auf 2 Prch. her- ausgeschoben worden. Alle Wirtschastskreise sind der Auffassung, daß die Umsatzsteuer mit den aus der größten Rotzeit stammenden und seiner Zeit, durch die zwette Steuernotverordnung eingeführten Sätzen von 2^2 Proz. das Wiederaufleben der Wirtschaft und die Verbilligung des Konsums ernstlich beeinträchtigt. Bei der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Satzes ist die Gefahr weiterer Betriebs eins chränkungm und damit von Arbeiterenttassungen gegeben. Deshalb wird mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 der Sah der Umsatzsteuer von 2xk Proz. auf 2 Prozent herabgesetzt werden. Durch diese Borwegnahme der Herabsetzung der Umsatzsteuer wird in weiteren Verhandlungen der dem Reichstage vorliegenden Zollvvrlagen nach ihrem Wie Seide glänzt Ihr Haar nach einer Waschung mit dem bewährten „Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" und das Frisieren macht Freude, wenn Sie dieses vorzügliche Mittel regelmäßig verwenden. 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Gesandten in Konstantinopel - noch ein halbes Kind, doch von großer Schönheit,von unendlichem Liebreiz und seltener Herzensgüte. Es war cm Juli 1888 als an einem sonnigen Morgen im herrlich. Schönbrunner Park auf einer bemoosten steinernen Bank sich 2 Menschenkinder eng umschlungen hielten und sich heiße, zärtliche Worte der Liebe zu flüsterten und sich gelobten: „Wo du hingehst - dorthin gehe ich auch - Dein Schicksal soll auch das meine sein - Dein im Leben - Dein im Tode. Es war nicht lange danach - im Herzen des Wienerwaldes - Jagdschloß Mayerling dort fand man eines morgens die Baronesse Mary Vetsera tot - neben ihr erschossen den kaiserlichen Sohn - Kronprinz Rudolf. An einem " leigrauen Februartage flatterten schwarze Fahnen wie ungeheure Schlangen im eisigen Winde. - Zu vielen Tausenden stand, trotz kalter Winterstürme das Wiener Volk auf dem weiten Schloßplatz und sah starr und unverwandt, zum Tode betrübt, nach dem Portal — es wollte Zeuge sein, wie sein zukünftiger Herrscher. den es über alles liebte, begraben wurde. Mitten im Wiener Wald, auf dem stillen Fried- Hof des Dorfes Heiligenkreuz, rankt wilder Efeu um einen verwitterten Grabstein: „Wie eine Blume ^sproßt der Mcnoch — und wird gebrochen*1 so lautet die Inschrift. -Viele gehen vorüber - wenige aber wissen es — unter diesem Stein bleichen und modern die Gebeine der Baronesse Mary Vetsera - der letzten Liebe des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich. - Das Wiener Volk aber, es wollte lange nicht glauben, daß Kronprinz Rudolf tot war. Ab Donnerstag, 11. September, kommt der gewaltige historische Film zur Aufführung (Ein Zeitbild aus Oesterreichs glänzender Kaiserpracht des letzten Jahrhunderts) Mei liabsWean, di hob i gean— Ls laden ein: . Die Festwirte _. ™ .. Philipp Engelhardt ®te Burschen Philipp Wächter. Mi lir Slerbennlerslülzung, Men (gegründet 1889) Keine Wartezeit! Sofortiger Anspruch! Sterbegeld 250 Mark! Beitrag pro Sterbesall 25 Pfennig! Ausnahme bis zum 45. Lebensjahre! Nähere Auskunft über Aufnahme ufw. erteilen die Herren Schreinermeister Reih, Ederstrahe, und Schneidermeister Diehl, Seltersweg 62. 7050V Z.3WWMWW für MMoWs rotes Wmies am 17. September 1924, vormittags ioy2 Uhr, in Gießen /Oberhessen). 6863d Auftrieb: 55 Bullen, 15—20 weibliche Tiere aus den besten Juchten der Unterverbände in Oberhessen, Wetzlar, Waldeck, Westfalen, Marburg—Kirchhain. Gelegenheit zum Erwerb erstklassiger Zuchttiere. 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