Mittwoch. 15. August 192§ 174. Jahrgang Erstes Blatt Nr. 189 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: G iehenerFamilienb lütter Monats Vezugsprelr : 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, aut) bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Zravtfnrt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen ü.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/, Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen. GieheimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vrrick rmd Verlag: Vriihl'sche Univerfitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstraße 7. Bor der Entscheidung. Immer neue französische Gegenleistungs-Forderungen. — Belgien für sofortige Räumung. — Innerpolitische Rückwirkungen. Die gestern aus London gemeldete „gehobene Stimmung" ist durch verschiedene kalte Wasser- flrahlen, die der verzweifelte Kampf der Franzosen um Gegenleistungen für die militärische Räumung des Ruhrgebiets darslellt, erheblich herabgedrückt worden. Zwar darf man die Meldungen der Pariser Presse, die selbstverständlich dunch die Steigerung der Ansprüche das Ergebnis des „Tauschgeschäfts" von London für Frankreich günstiger zu gestalten versucht, nicht allzu wörtlich nehmen. Aber immerhin dürfte von den nachstehend abgedruckten Kombinationen der französischen Blätter noch genug an tatsächlichen Forderungen übrig bleiben, um die Gefahren zu erkennen, denen kurz vor der Entscheidung die deutsche Delegation zu begegnen hat. So selbstverständlich es ist, daß die Wünsche und Forderungen aller Beteiligten ein Höchstmaß barfl elfen, von dem üblicherweise Teile ausgetauscht oder gar'aufgegeben werden können, so selbstverständlich ist es, daß die fu n da m e n - talen deutschen Bedingungen in London ange- nommen und erfüllt werden müssen, wenn die Aussicht auf Verabschiedung der notwendigen, eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag erfordernden Gesetze bestehen soll. Es handelt sich in London nicht um ein Handelsgeschäft, sondern um einen Lösungsversuch für Deutschland lebenswichtiger wirtschaftlicher und politi- scher Probleme. Richt die deutsche Regierung, sondern Frankreich hat eine Politik zu liquidier n, die Europa an den Rand des Abgrundes gebracht frit und die von allen Kulturvölkern verurteilt wird. Jedes, auch das kleinste Entgegenkommen kxmtscherseits in beFug auf die Art der Ausgabe der Sanktipns- und Pfänderraub-Methoden seitens des Kabinetts Herriot bedeutet em Geschenk an Frankreich, für dessen Gewährung an sich keinerlei andere ölrsache als der gute Wille Deutschlands ins Tveffen geführt werben Tarrn. Es ist verständlich, daß auch Herriot nicht mit leeren Händen nach Paris zurückkehren will und kann, aber das Schachergeschäft, das von den Franzosen um die militärische Räumung der vertragswidrig besetzten Gebiete auf gemacht worben ist, dürfte dem sv ängstlich gehüteten „Prestige" mehr Schaden als Vorteile bringen. Denn deutscherseits besteht keinerlei Veranlassung als selbstverständlich und rechtmäßig von al ei S.iten — selbst von Belgien — anerkannte Forderungen mit Leistungen zu erkaufen, die allenfalls von uns zum Gegenstand neuer Abkommen unter für uns'günstigen Bedingungen gemacht werden könnten. Es ist deshalb auch verständlich und tairn den Fortgang der Verhandlungen in London nur- vorteilhaft beeinflussen, wenn in der deutschen Rechtspresse eine starke Beunruhigung über diese französischen Tauschmethoden und die durch sie hervorgerufenen Gefahren zum Ausdruck kommt. „Meistbegünstigung ohne Gegenseitigkeit — die französischen Handelsverträge lehnen jede Meistbegünstigung ab! —, Fortdauer der zollfreien Einfuhr aus Elsaß-Lothringen — Beteiligung an den deutschen Bergwerken, ja selbst „Ablehnung der Wiedereinsetzung der ausgewiesenen Beamten in ihre Aemter nach Aufhebung derAusweisung" wird in den französischen Blätterv als Bedingung für die militärische Räumung hingestrilt. Man könnte versucht sein, dies alles als schlechte Scherze anzusehen, wenn man nicht die „Mentalität" dieser Apostel des „Friedens, der Freiheit und Gerechtigkeit" kennen Würde! Jedenfalls steht um das deutsche Recht und die deutsche Freiheit noch ein heißer Endkampf bevor. Dor der Entscheidung. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 13. Aug. Die Verhandlungen über die militärische Räumung der Ruhr, die sich in dollem Fluß befinden, stehen unmittelbar vor der Entscheidung. Deutscherieits kämpft man um die Verkürzung der Räumungsfristen, und es scheint dabei noch zu sehr schwierigen Auseinandersetzungen mit Frankreich und Belgien zu kommen. Immerhin ist es von Bedeutung, daß in Regierungskreisen nicht mehr ernsthaft an die Möglichkeit eines Scheiterns der Konferenz gedacht wird, obwohl eine ülnnachgiebigkeit Herriots tatsächlich der deutschen Regierung folgenschwere Konsequenzen auferlegen würde. Gegenwärtig ist die Lagesv, daß zwei Artenvon Verhandlungen parallel laufen: 1. eine deutsch-französische Wirtschafts- k v n f e r e n z, die das Ziel hat, ein Präliminar- AUvmmen über die künftigen deutsch-französischen Handelsabkommen abzuschließen; 2. die eigentlichen Verhandlungen für die m i- lit arische Räumung. Man hat in Aussicht genommen, daß zwischen Deutschland und den Besatzungsmächten ein besonderer Vertrag abge chlvssen wi.d, dessen große Bedeutung darin liegt, daß die vertragschließenden Parteien den Reparations- und Ruhrkonflikt endgültig liquidieren und die WiÄrerh^rstellung geregelter politischer und wirtschaftlicher Beziehungen festlegen. Wie wir hören, wird voraussichtlich eine Einigung auf der Linie zustandekommen. daß die militärische Räumung des Ruhr- Aebietes gleichzeitig mit der Räumung des Kölner Brückenkopfes im Januar 1 9 2 5 beendet wird. Welche grundlegenden Bedingungen in den beiderseitigen Abkommen noch vereinbart werden, können erst die heutigen Verhandlungen ergeben. Jedenfalls glaubt man deutscherseits D r- anlassung zu haben, mit dem Verlauf der bisherigen Verhandlungen äußerst zufrieden zu sein. Es muß decket noch betont werden, daß sich angesichts der entgegenkommenden Haltung des französischen Ministerpräsidenten die Ter- mittlung Englands und der amerikanischen Politiker vollständig erübrigt hat, allerdings haben die Vermittlungsversuche Macdo: alds im Dvrstadium der Verhandlungen der d utschen Delegation ausgezeichnete Dienste geleistet. Die Räuinungs- und Eisenbahner-Frage. London, 12. Aug. Wie der Sonderberichterstatter des Wolffbureaus in Konferenzkreisen hört, sind die Verhandlungen über die Frage der militärischen Räumung eingeleitet worden durch die beiden Unterredungen, die Stresemann mit Herriot hatte, die eine vor dessen Pariser Reise, die andere gestern. Die Belgier haben sich bisher an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. In den Vorbesprechungen zwischen Dr. Stresemann und Herriot wurde in der Frage der militärischen Räumung und der Eisenbahnfrage eine gewisse Klärung erzielt, insofern als die Auffassungen ausgetauscht wurden darüber, was beide Parteien glauben zuge stehen zu können. Die offiziellen Verhandlungen zwischen den Delegierten von Frankreich und Deutschland werden morgen vormittag beginnen. Was die Frage der Eisenbahner anlangt, so wird in Konferenzkreisen angenommen, daß die englischen Zeitungsmeldungen, wonach für beide Seiten eine befriedigende Losung gesunden werden kann, sichmitdenTatsachenin Einklang be- finden. Frankreichs „Gegenleistnngs"- Programm. Paris, 13. Aug. Rach dem Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" enthält das Memorandum über die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland, das Finanzminister Clementel vorgestern der deutschen Delegation überreicht hat, im wesentlichen folgende Forderungen: 1. für Frankreich Meistbegünstigung ohne Gegenseitigkeit für Deutschland, wobei jedoch gewisse wirtschaftliche Begünstigungen für Deutschland vorgesehen sind; 2. für Elsaß-Lothringen Fortsetzung des Vorzugsregimes, das zur Zeit seine nach Deutschland zollfrei ausgeführten Waren genießen; 3. eine französische Beteiligung an dem Ruhrbergbau. Die gestrigen Besprechungen zwischen Clementel und Luther im Beisein ihrer Sachverständigen haben die Debatte erheblich erweitert und es als notwendig erwiesen, zwecks weiterer Studien die Debatte zu rückzu stellen. Die Bearbeitung wird einem französisch-deutschen Sach- versi ändigen- Ausschuß übertragen werden. Belgisch-sranzösisÄc Meinungsverschiedenheiten. Paris, 13. Aug. Der Londoner Sonderkorrespondent der „Temps" stellt erhebliche Meinungsverschiedenheiten z toi» schenderfianzösischenundderbelgi- schenDelegationin der Fragedermi- litärischen Räumung des Ruhrgeb i e t s f e st. T h e u n i s sei für eine sofortige Räumung und habe kein Hehl daraus gemacht. Dagegen glaubt der Sonderberichterstatter des „Pettt Parisien" daß die gestrigen französisch-belgischen Auseinandersetzungen eine Z u - Jammen ar beit wieder ermöglichen werden. Der Londoner Sonderberichterstatter des „In- transigeant" meldet, gestern vormittag habe eine lange Unterredung zwischen Herriot, Clementel und Theunis stattgefunden. Die Be lg re r hatten zu wissen gewünscht, welches eigentlich der PlanFrankreichsi nbezugauf die m r -- litärischeRäumungsei. Im Anschluß an die Aussprache sei beschlossen worden, daß an den Verhandlungen künftig auch die Belgier teilnehmen sollen. Französische Wünsche an Dr. Stresemann. L o n d o n, 12. Aug. (WTD.) Der französische Finanz Minister Clementel brachte gestern gegenüber Außenminister Dr. S t resemann den Wunsch zum Ausdruck, daß die beiderseitigen Regie rangen bevollmächtigte Unter h ä n Mer ernennen möchten, welche am 1. Oktober in Paris zusammenkommen sollen, um über den deutsch-französischen Warenverkehr nach dem 10. Januar 1925 weitgehende Abmachungen zu treffen. Die Verhandlungen sollen grundsätzlich im Geiste ernes möglichst weitgehenden Entgegenkommens auf beiden Seiten geführt werden. Die deutsche Regierung kann sich nut der Führung der Verhandlungen im Geiste paritätischer Gegenseitigkeit einverstanden erklären. Minister Clementel brachte weiter eine Verlängerung der im Versailler Friedens vertrag für die Erz eugnisse Elsaß-Loth- ringens vorgesehenen Zollfreiheit mit der Begründung in Anregung, daß diese Rechte des Versailler Friedensvertrages in den fetzten Jahren nicht hätten ausgenuht werden können. — Dieser Standpunkt der Franzosen kann von Deutschland in keiner Weise anerkannt werden. Ein deutscher Lagebericht. London, 12. Aug. (WB.) Wie hier verlautet, siick die Arbeiten der Konferenz soweit vorgeschritten, daß nach dem Stand von heute nachmittag von denjenigen Dingen, die die drei Kommissionen betreffen, nur noch die Frage der Sachlieferungen aus steht, die auf der Vollkonferenz erörtert werden soll. In der heutigen Konferenzsitzung sch.int eine sehr entschiedene sachliche Auseinanderfetzung über die Fr.rge stat gfunden zu haben, wieweit das Sachverständig ngutachten dem Transferkvmitee das Recht gibt, langfristige Anlagen in Deut sch land zu machen. Die vier in London anwesenden Mitglieder des Dawes- ko m i t e e s sollten der Konferenz mitteilen, wie sie selbst d'.e'en Punkt des Berichtes des Sachver- ständigenkomitces inferbretreixn Die zweite Frage war, ob darüber unbedingt zwischen der deutschen Regierung und dem Tvansferkomitee eine Verständigung erzielt werden muß oder ob *an sich an ein Schiedsgericht gedacht worden ist. Die vier Mitglieder des Daweskomifees scheinen der Auffassung der deutschen Delegation nicht entsprochen zu haben, die darum ersucht hat, daß bezüglich der Auslegung dieser Bestimmungen der Konferenz selber die deutsche Delegation eine Erklärung abgibt Heute vormittag wurde darüber in mehr als zweieinhalbstündiger Debatte gesprochen. Reichsfinanzminister Luther vertrat nachdrücklich den deutschen Standpunkt und es wurde erreicht, daß heute nachmittag eine Spezialkvmmission von zwei Delegierten von jä>er der beteiligten Rationen zusammengetreten ist, um festzustellen, wie weit die Rechte des Tvansferkornitees nach dem Wortlaut des Gutachtens gehen. Wie verlautet, sind die deutschen Sachverständigen in der Lage gewesen, den Beschlüssen dieser Unter» kvrnmission beizutreten. Die deutsche _ Delegation hat sich Vorbehalten, einen bestimmten Prozentsatz der deutschen Industrie von jeder fremden Anlage auszunehmen. In der Frage der Sach- lieferungen hat sich die deutsche Delegation dem Vernehmen nach bereit erklärt, Kohle und Koks über 1 930 hinaus z u liefern, ebenso Braunkohle und Stick st off. Sie weigerte sich aber, in ihren Zugeständnissen weiter zu gehen. Die Entscheidung darüber wird wahrscheinlich in der letzten Konferenzphase fallen. Inzwischen werden seitens Frankreichs auch die handelspolitischen Fragen aufgerollt. Das Schriftstück, das gestern der französische Finanzminister Clementel und Seh - d o u x dem Außenminister Stresem ann überreicht haben, enthält die Wünsche Frankreichs bezüglich der Regelung der handelspolitischen Verhältnisse mit Deutschland. Die französische Auffassung scheint dahin zu gehen, daß, wenn in der Reparationsfrage in London eine Regelung getroffen wird, der Friede nicht durch einen eventuellen Zollkrieg gestört werden dürfe nach Ablauf der Frist, innerhalb deren Deutschland zollfreieEinfuhrvonWaren aus Elsaß-Lothringen zu genehmigen hat. Die deutsche Delegation überreichte einen Gegenvorschlag, der sich von der französischen Auffassung in wesentlichen Punkten unterscheidet. Hierüber wurde zwischen den französischen Ministern Clementel und S e h d o u x sowie Reichsfinanzminister Luther und Staatssekretär Trendelenburg verhandelt. Wie in Ententekreisen verlautet, wurde bei den ersten zwischen der deutschen und der belgischen Delegation stattgehabten Besprechungen angeregt, einen deutsch-belgischen Handelsvertrag abzuschliehen. Es kann angenommen werden, daß die ganze Frage der wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen Deutschlands in nächster Zeit eine Reuregelung erfahren wird. Was die mutmaßliche Dauer der Konferenz betrifft, so heißt es, daß auch, wenn eine schnelle Verständigung über die Räumungsfrage erzielt werde, die Herstellung eines Protokolls, das die Ergebnisse der Konferenz zusammenfaßt. eine gewisse Zeit beanspruchen wird. Auch umfaßt der Rat der Vierzehn nur einen Teil der alliierten Staaten. Den übrigen Staaten sind heute nachmittag die bisherigen Beschlüsse unterbreitet worden. In englischen Kreisen glaubt man, daß die Konferenz bis Ende der Woche dauern wird. (Weitere Meldungen auf der zweiten Seite.) Die Stabte und die künftige deutsche wittschastspoM. Die Blüte der deutschen Wirtschaft vor dem Kriege hat dazu geführt, daß die deutschen Gemeinden sich im wesentlichen auf Konsumtionsverteilungspolitik beschränkten, während sie sich für die Produktion und deren Steigerung weniger interessierten. Die Gemeinden gingen in der Hauptsache daraus aus, einen möglichst großen Anteil an der Produktion für sich zu sichern. Der starke Wettbewerb mancher Städte um diesen oder jenen industriellen Verband, um diese oder jene industrielle Anlage, hatte eine erhebliche lokalpolitische, aber letzten Endes keine volkswirtschaftliche Bedeutung. Angesichts des Rückganges der Produktion durch den Krieg und seine Folgen erwächst für uns die Ausgabe, die Produktion mit allen Mitteln zu steigern. Auf diese Ausgabe werden sich nunmehr auch die Gemeinden einzustellen haben. 3n der letzten Versammlung des Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik hat der Reichstagsabgeordnete Oberbürgermeister a. D. Dr. M o st sich mit dieser Funktion der Gemeinden in einem längeren Vortrag auseinandergesetzt und hat dabei untersucht, in welcher Weise die Gemeinden mithelfen können, die industrielle Produktion zu verbessern und zu verbilligen, die Landwirtschaft und ihre Erzeugung zu fördern und unseren Anteil am Welthandel nach aller Möglichkeit zu steigern. Wir geben aus seinen interessanten Ausführungen nach einem Sonderabdruck aus der Zeitschrift für Kommunalwirtschaft folgendes wieder: Alle diese Dinge kommen nicht von selbst; hie» • genügt auch nicht die Kraft von Reich und Staat, die sich ja auch mit derjenigen vor dem Kriege kaum mehr vergleichen läßt. Unbedingt erforderlich ist es, daß auch die Gemeinden sich jetzt einstigen als aktive Glieder in eine deutsche Wirtschaftspolitik mit solchen Zielen. Man sagt, bei Bereich der Kommunalpolitik sei heute enger als vordem. Die Wahrheit lautet: sie ist, wenn richtig aufgefaßt. von ungleich größerer Bedeutung als vordem. Darum müssen wir unter allen Umständen heraus aus dem Elend der übertriebenen Parteiwirtschaft in der Gemeinde; die besten Kräfte, die man eben nicht nach dem Mitgliedsbuch der Partei, sondern nach der persönlichen Tüchtigkeit aussucht, sind allein in der Lage, hier richtig zu führen. llnb ein zweites, was die Gemeinden sich ebenso wie Reich und Staat völlig klarmachen müssen: es ist der Wesensunterschieb zwischen Wirtschaftspolitik unb Sozialpolitik. Ich halte bie toei- testgehenbe Sozialpolitik für gerechtfertigt, soweit es sich um bie Verteilung ber Probuktionsergeb- niffe hanbelt; Ziel aller Sozialpolitik muh fein, möglichst weite Bevölkerungskreise in möglichst großem Maßstab an ben Erträgnissen ber Produktion teilnehmen zu .lassen. Aber dann muh man auch erst dafür sorgen, dah diese Produktionsergebnisse in größtmöglichem Umfange vorhanden find. Soziale Maßnahmen innerhack des Produktionsprozesses dürfen darum nie Seckstzweck sein; sie haben nur Berechtigung, wenn ihr Ergebnis Steigerung der Produktionsfähigkeit und der Produktion seckst ist, — und nun zum einzelnen! Als Weg zur Verbesserung und Verbilligung der industriellen Produktion hat man den Gemeinden die Kommunalisierung, d. h. die Uebernahme von Privatunternehmungen in die Hand ber Gemeinde empfohlen. Die Erfahrung hat bas Irrige biefer Empfehlung genug am gelehrt. Die Gemeinde soll zwar danach trachten, daß möglichst die großen Versvrgungsunternrh- mungen, wie Wasserwerke, Gas- und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen ufto., wegen ihres rnono- polartigen Charakters sich in ihrer Hand oder doch mindestens unter ihrem Einfluß befinden; darüber hinaus aber soll sie den eigenen Burgern keine Konkurrenz machen. Die Steuerpolitik der Gemeinden spitzt sich heutzutage immer mehr auf eine einseitige Heranziehung der Gewerbesteuer zu; die unglückselige „Steuerreform" von 1919 hat dazu das ihre getan; wir müssen unter allen Umständen hier auf andere Wege kommen, und zwar in der Richtung, dah zwar die Rot der Zeit eine weitgehende Besteuerung der Pro- duktionserirägnisse erfordert, dah aber jede übermäßige Gewerbesteuer hochbedenklich ist, weil sie die Produktion seckst belastet, dadurch verteuert und den Export erschwert. Es werden manche Rentnerstädte umlernen und ebenso wie jede andere Gemeinde danach trachten müssen, industrielle Tätigkeit anzuregen und zu fördern. Industrien von anderswoher an sich zu ziehen, ist dabei noch weniger von Verdienst als vor dem Kriege. Reue Industrie- und Handelsunternehmungen gilt es hrrvvrzulvcken und damit neue Zweige der Volkswirtschaft anzusetzen. Das • ist weit schwerer, aber auch weit wertvoller. Wel- cye Bedeutung dabei die Wohnungsfrage hat, braucht nicht gesagt zu werden. Ein ganz besonderes Augenmerk müssen die Gemeinden weiter auf den Ausbau von Fachschulen richt«, deren wir nicht zu viel, sondern zu wenig haben Die Sparkassen müssen wieder ein wesentlicher Faktor in ber Sammlung von Vermögens- reserven werden und diese Vermögens reservett wirklich der Wirtschaftspolitik zugute kommen. Reue Methoden hierin dürfen aber nicht die unbedingte Sicherheit der öffentlichen Sparkasse irgendwie gefährden; Beispiele aus der letzten Zeit berechtigen zu dieser Rfehnung. Richt zuletzt vom Standpunkte ber Landwirt- schaftsförderung fotlte man bestrebt sein, leben s- I kräftige Landgemeinden nicht ohne Rot zu beseitigen. Vermeidung eines Ilebermahes in der | Eingemerudungspolitrk ist ebenso notwendig toifl Aufhebung F M oben leer tote tn emer ausgeraurnten Bvden- kammer. In der Sauregurkenzett passiert auch leider so toenig. Dah das vor zehn Jahren and dieses Jahr ein bihchen anders ist, bestätigt als Ausnahme die goldene Regel. Der Mensch liebt in dieser Zeit eben keine Beunruhigung, deshalb dürfen ferne hervorgerufen werden. Wenn es einer dennoch tut, erfährt er das Mißgeschick, dah er mit seinem ganzeir Rummel totgeschwiegen wird. -es zivilen Ausnahmezustandes? (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 13. Aug. In den Kreisen der preußischen Regierung verlautet, daß man sich darüber einig sei, in kürzester Frist bei der Reichsregierung die Aufhebung des noch bestehenden zivilen Ausnahmezustandes für das preußische Staatsgebiet zu beantragen. Die preußische Regierung sehe keinen Anlaß, besondere außerordentliche Bestimmungen weiter aufrecht zu erhalten, da die innenpolitischen Situationen sich wesentlich beruhigt haben und der normale Zustand völlig ausreiche, um etwaigen Störungsversuchen entgegenzutreten. Einreiseverbot für Sowjetrussen in der Schweiz. Rach einer Meldung aus Zürich hat der schweizerische Bundesrat ein allgemeines Einreiseverbot für russische Staatsangehörige erlassen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. Aug. 1924. Sauregurkenzeit. Es ist Heuer ein gutes Gurfenjahr und eine sehr ergiebige Sauregurkenzeit. Auf den Beeten zwischen den stachlichen Ranken mit den starkriechenden gelben Blüten liegen die grünen Früchte und runden sich appetitlich dem großen braunen irdenen Topf entgegen, für den die Hausfrau schon längst den Stein blankgescheuert hat, der ihr Werk krönen soll. Denn das läßt sie sich nicht nehmen, in einem Gurkenjahr ihren Bedarf selbst anzulegen. Wählerisch geht sie über den Markt, an dm großen grünen Haufen vorbei, die an den Kastenwagen herabgeschüttet sind, fragt hier und da nach den Preisen, prüft die Härte und entschließt sich endlich für ein halbÄ Schock. Wie Hingt das gemütlich: ein halbes Schock Gurken! Und dann schleppen wir das schwere Retz nach Hause, aus dem oben Dill und Gurkenkraut her- ausschaut, und das Fragen hört nicht auf, ob nicht die Gurken bald „gut" sind. Für manche ist das die schönste Zeit des Jahres. Andere freilich verbinden mit dem Wort: Sauregurkenzeit keinen angenehmen In hall. Sie denken an ihr heißes Bureau, durch das kein kühler Lusthauch weht, an die etoige Langeweile dieser faulen Tage, wo es so wenig Arbeit gibt. Man fängt Fliegen vor Stumpstinn, beginnt dre Eselsohren aus den Büchern zu entfernen, die ältesten Tintenklexse wegzuradieren mit einem Eifer, der einer besseren Sache wert wäre und zanll sich aus Mangel an Beschäftigung mit dem pflegmalischen Papierkorb, der gähnend an dem gewohnten Orte steht. Die Hundslagshitze hat das letzte bißchen Verstand aus dem Kopfe herausgÄxunstet; es ist Ausschreitungen gegen England in Aegypten. Ernste Lage im Sudan. London, 12. August. Reuter meldet aus Kairo, ein Bataillon äghptischer Soldaten, die bei Atbara im Sudan mit Eisenbahnarbeiten beschäftigt waren, griff einen englischen Kavallerieposten mit Steinwürfen an. Die Engländer gaben Feuer, wobei sie 10 der Angreifer töteten und 9 verwundeten. London, 13. Aug. (WB.) Rach hier ein- getrvffeiien Meldungen veranstalteten die Kadetten der Militärschule in Khartum mit Gewehren einen Zug durch die Stadt. Ihnen folgte eine große Menschenmenge, die von der Polizei rasch zerstreut wurde. Die Kadetten, die sich weigerten, die Waffen abzugeben, wurden von einer Kompagnie britischer Truppen umzingelt, entwaffnet und verhaftet. Auch tn Port Sudan veranstalteten Mannschaften des ägyptischen Eisen- bahnbatalllons Kundgebungen. Ein britisches Bataillon wird nach dem Sudan zur Verstärkung der dortigen britischen Truppen entsandt. Der „(Stoentng Standard" schreibt dazu, eine Reihe von Ausschreitungen und Kundgebungen, die von ägyptischen Agitatoren organisiert seien, hätten im Sudan eine ernste Lage geschaffen. In maßgebenden Kreisen sei man der Ansicht, daß diese Entwicklung die bevorstehenden Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und Aegypten beeinträchtigen werde. Die Anleiheverhandlungen in London. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 13. Aug Die Verhandlungen über die Anleihe an Deutschland in Höhe von Dchr- hundert Mllltonen Goldmark sollen nach Deendr- gung der Londoner Konferenz zum Abschluß gebracht werden. Infolgedessen wird Reichsfinanz- Minister Dr. Luther noch bis zur Unferzeich- nung des Anleiheabkommens in London verbleiben. In den unterrichteten Berlmer Finanzkreisen wird damit gerechnet, daß der An- leihevertrag bis zum 20. August unterzeichnet ist und dah die Auflegung der Anleihe für Deutschland am 15. September auf den internationalen Finanzmärkten erfolgen wird. Reichsfinanz Minister Dr. Luther wird bei den Anleiheverhandlungen namens der deutschen Regierung die offizielle Garanlleleistung seifens Deutschlands aussprechen. Im übrigen gilt nicht nur die deutsche Regierung, sondern auch die Repko offiziell als Garantiegeber der Anleihe. die Erhanung von Utiranretien, die innerlich stark genug sind, um den außerhalb der größeren Städte verbleibenden Gebietsteilen die notwendige Förderung des einzelnen und die nicht minder notwendige Zusammenfassung der Kräfte zu gewahren. Darüber hinaus muß das letzte noch rentabel ausnutzbare Stück Land für die Lebensmittelversorgung genutzt, muß sich auch jede Großstadt als verantwortlich für eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion fühlen. Zum notwendigen Ausbau der Häfen werden dem Reich ost die Mittel fehlen; hier werden die Gemeinden trotz aller Finanznot, schon um ihrer eigenen Existenz willen, ganz anders wie früher zugreifen müssen. Die Dinnenhandelsstädte aber sind auf richtigem Wege, wenn sie — trotz aller Kritik — dem Gedairken der Ausstellungen und Messen immer größeres Interesse entgegenbringen. In einem Falle wird durch sie der internationale Verkehr gehoben, im anderen Falle das Zusammenfinden von Verkäufern und Käufern erleichtert und verbilligt: schließlich Tann auch eine solche Messe kleineren Umfangs in landwirtschaftlicher -Umgebung ein wertvolles Instrument agrarischer Produktims- bvlitik fein. Hier können nur Richtlinien für solche kom- rnunafe Pvoduktivnspolitik angedeutet, werden. Das Leben ist so mannigfaltig, die örtliche Lage so verschiedenartig, daß für die praktische Anwendung keine überall gültigen Rezepte gegeben werden können. Fest steht aber, .daß jede deutsche Gemeinde die Rköglichfeit hat, hier etwas zu leisten, und auch der kleinste Stein ist für den Gesamtbau nicht entb^rlich. Der Wohnungsgeldzrrschutz für Beamten. Die Beamtenfpitzenvrganisa- ti onen hatten unlängst bei der Re ich s- regierung Schritte unternommen, um den Wohnungsgeldzuschuh entsprechend der seit dem Januar eingetretenen Mietzinssteigerung zu erhöhen. Das Reichsfinanzministerium hat nunmehr den Gewerkschaften milgeteilt, daß eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nicht in Frage kommen könne. In der Begründung heißt es, daß im allgemeinen tn Deutschland gegenwärtig nicht mehr als 62 Prozent der Friedensmiete zu zahlen sind, und daß der Ortszuschuß mit 80 Prozent der vollen Sätze auf eine 60prozentige Friedensmiete abgestellt sei. Eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses könne erst dann wieder tn Frage kommen, wenn eine weitere Erhöhung der Goldmieten im Reich allgemein Platz greifen sollte. Die Ausgewiesenen an den Reichspräsidenten. Kassel, 12. Aug. Der Reichs verband jder Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr, Sitz Kassel, hat an den Reichspräsidenten folgendes TÄegvamm gesändt: „Ihnen, Herr Reichspräsident, feribet der Reichsverband der Ausgewiesenen und Ver- Dvängten ehrerbietigsten aufrichllgsten Dank für die Worte zu Münster. Wir bitten, daß wir mehr denn je in Ihrer Person einen starken Befürworter zur Linderung der Rot der Gefangenen, Ausgewiesenen uni> Verdrängten sehen dürfen. Zugleich entnehmen wir Ihren Worten Lte' Mahnung, daß kein Opfer groß genug ist, die deutsche Einheit zu wahren." ZozialdemolratlsHe Hoffnungen (Eigener Informationsdienst.) bei den zahlreich erschienenen Feslleiln^mern großen Beifall Bornottzen. — Tageskalender sürMitrwoch. Rundfunkhaus, Löberstr.: 8V» Mozart- Abend. — Lichtspielhaus, Bahnhofftr.: „3m Schatten der Moschee". — Der Bund für Haus und Schule hält am Donnerstag, abends 8 Uhr pünktlich, im Jvhannessaale einen Mitgliederabend ab, zu dem alle evangelischen Gemeiadeglieder freien Zutritt haben. Dr. Schnorr- Frankfurt a. M. wird über „Christentum und Wirtschaftsaufbau" sprechen. Siehe Anzeige. — Der Artillerieverein ladt im An» zeigenteil seine Mitglieder zu einer Generalversammlung ein. Wettervoraussage Wolkig bis heiter, tagsüber warm, sonst kühler, noch einzelne Regenfälle. Die südlichen Ausläufer der Rordsee-Depres- sionen, die sich gestern über unserem Gebiet m Gewittern aus wirkten, sind abgezogen. Auch hat der Kern des nördlichen Tiefdruckgebietes sich abgeschwächt: immerhin wird aber die Wetterlage in seinem Bereich noch unbeständig bleiben. Landkreis Gieren. * Lollar, 12. Aug. Am 3. August fand hier eine außerordentliche Generalversammlung des Hausbesihervereins Lollar statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, die demnächstiger außergewöhnlichen Gemeindesteuern für den Haus- besitz, gab der Vorsitzende Geißler eine eingehende Erläuterung der Steuergeietzgebung seit dem Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes. Die Dritte Steuernotverordnung gibt den Kommunen das Recht, Sondersfeuer zur Deckung ihrer Bedürfnisse zu erheben. Die Bedürfnisse der Gemeinden sind gegenüber der Vorkriegszeit gewaltig gestiegen. Abgesehen von den Personalkosten, die auf Befehl von oben nach Schema F behandelt werden müssen, bürdet man den Gemeinden früher nicht gekannte Lasten auf, ohne daß ihnen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wer die Mittel in Lollar aufbringen soll, zeigt folgender Vorschlag des Kreisamts Gießen. Zu einem ungedeckten Umlagebedarf für 1924 von rund 37 941 Mk. follen beitragen: 1. das Gewerbe 4500 Mk., 2. die Landwirtschaft 5600 Mk., 3. der Gebäudebesitz 6800 Mk„ 4. derselbe als Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz 27 412 Mk., wovon jedoch schon vom Kreisamt mit einem Ausfall von 6412 Mark im voraus gerechnet werden kann. Diese Vorschlagsätze wurden glücklicherweise schon von । der Finanzkommission des Gemeinderats abgelehnt. : Hierauf ist vom Kreisamt ein zweites Schema ein» | gegangen, das, soweit es den Hausbesitz betrifft, | keine große Aenderung erfahren hat. Meser soll von bem Gesamtumlagebedarf immer noch rund drei Viertel auf bringen. Mit aller Schärfe müsse gegen solch ungerechte Verfettung der öffentlichen Lasten Front gemacht werden. Als Protest gegen die von der Gemeinde vorgesehene einseittge Besteuerung der Hausbesitzer wurde eine entsprechende Eingabe an den Gemeinderat einstimmig beschlossen. * G rohen-Linden , 12. Aug. Heutenach mittag wurde die von der Firma Lllagirus Feuerwehrgeräte G. m. b. H., IHm a. i>. D. gelieferte 12 Meter hohe mechanische Feuerwehrleiter in Anwesenheit des Dürgermeisters und einem Vertreter der liefernden Firma durch Kreisfeuer- wehrinspektor Dickors nach den vertraglich vorgesehenen Belastungsproben abgeroommen und der Gemeinde übergobm. Die Belastungsproben haben allen Anfordrrungeir entsprochen. Dg. Gr. - Buseck, 12. Aug. Bei dem in Münzenberg am Sonntag veranstalteten Rennen erzielte die Mannschaft des hiesigen Radfahrer- Vereins „Edelweiß" unter starker Mitbewer- bung den 2. Preis. eu. Staufen berg, 11. Aug. Die diesjährige Tagung des V. H. C.-Zweigvereins „Lum bat al" begann am Samstag abend in der „Liirde" zu Lollar mit einem echten Heimatabend. Der Zweigverein Lumdatal bot in Gesang, Musik, Reigen und Theater,' unterstützt von manch anderen Jugendgruppen des V. H. C. sein Bestes. Begeisternd, zu Herzen gehend, waren die trefflichen Worte des Obmanns vom Jung-V.H. C., Georg Dender- Frankfurt, der trotz seines Alters voll jugendlichen Geistes und fest überzeugt ist, daß es mit uns mit unserer Jugend wieder besser a>erben wird, trenn wir es wollen! So mahnte er die Jugend vor allem zur Einigkeit, zur Einigkeit tn jeder einzelnen Gruppe, zur Einigkeit b-cn. Gruppen untereinander und zur Sinigfert im Leben, in der Gemeinde und im Staat. — Ein herrlicher Sonnentag war der Sonntag, und Sonne war auch in den Herzen der Teil' nehmer. Eingeleitet wurde der Tag mit einem' Frühgottesdienst im oberen Burghof durch Dekan G u h m a n n. Er betonte, daß Gottesfurcht, Liebe und Demut etwas Bleibendes in jedes Menschen Herz sein müsse. V. H. C.-Druder Professor Helmke- Gießen gab dann in seinen Ausführungen seine Eindrücke wieder, die er im besetzten Gebiet empfangen hatte. Er empfiehlt den jugendlichen Wanderern, mit sehenden Augen durch die herrliche Ratur zu wandern und schöne Punkte durch Zeichnung oder Skizze festzuhalten, nicht nur als Erinnerung des Einzelnen, sondern durch Einreihung in em Archiv zur Erinnerung und Förderung für viele zu machen. Bei Wanderungen müßten historische Orte in ihrer Bedeutung gewürdigt werden, anstatt teilnahmlvs vorbeizugehen. Dies leitete ihn über zu einem geschichtlichen Ueberblick von Gießen, Gleiberg, Vetzberg, Badenburg, Kirchberg, Altenburg und Staufenberg. Rach der Mittagspause nahm das Durgfest nach einem Umzug durch die Stadt im oberen Burghof seinen Anfang. Eingeleitet wurde es durch die Wimpelweihe dreier Jugendgruppen, nämlich: Hessenland, Waldlust und Offenbach. Der Obmann weihte die Wimpel auf die Worte: Recht, Einigkei t und Freiheit. Run folgten Darbietungen der Jugendgruppen „Dillsfein" (Friedberg), „Hesfenland" und „Lauterbach". In seinen Schlußworten sprach Obmann Dender besonders den Jugeirdgrupxen seine Anerkennung und Dank aus, und der zweite Vorsitzende vom Hauptverein Link den Dani allen Mitwirkenden und besonders auch der gaffe I freundlichen Bevölkerung. Mit einem fröhlichen einem Preisschiehen der vberhe fischen (Beilin Lauterbach schloß Obmann Dender gegen 4 Uhr den 5. Jugendtag. Kreis Schotten. * Schotten 12. Ang. In der Staffel- schen Papierfabrik zu Ober-Sckrnitte» Drauch die Alterskameraden dieses Jahrganges zusammengeschlossen haben, veranstaltete am Montag im Philosophenwald ein gut verlaufenes Sommerfest. Musikalische und gesangliche Darbietungen, Kinderspiele und Reigen au fführungen wechselten in bunter Reihenfolge ab und fanden llnb das ist die einzige, aber wirksame Rache der Sauregurkenzeit! * M. M. Berlin, 13. Aug. Wie wir von unterrichteter parlamentarischer Seite erfahren, bemüht sich die Sozialdemokratie seit einigen Tagen wieder sehr lebhaft, an der Regierungs- kvalition im Reiche teilzunehmen. Gegenwärtig sind bereits die Führer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktivn damit beschäftigt, mit den Demokraten und mit dem linken Flügel des Zentrums Verhandlungen an- ^ubahnen, um die Wiederherstellung der großen Koalition anzuregen. Die Sozialdemokraten rech- <£je Ferien-Deputation des Stadt- nen sehr stark auf den Einfluß des früheren tirtrlrttnentd Reichskanzlers Dr. Wirth, der angeblich bie pariamtriuv Absicht haben soll, dem Reichskanzler Dr. Marx hat sich in ihrer Sitzung vom 7. August mit emer nahezulegen, sein Kabinett durch Aufnahme Anzahl wichtiger Angelegenheiten beschäftigt. Von der Sozialdemokraten zu erweitern, den Beschlüssen sind die folgenden hervorzuheben: Die innenjwlitische Bedeutung der svzialdemokra- Grund- und Gebäude st euer: Die tischen Demirhungen geht schon daraus hervor, Stadtverwaltung beantragte: Für die Monate dah auch innerhalb des Zentrums August 1924 und folgende sind die gleichen Steuer- Kräfte am Werte sind, um unter allen Umständen sähe, wie sie nach den Beschlüssen der Stadtvereine spätere Hinzuziehung der Deutsch natio- ordneten-Versammlung vom 20. Juni und 8.Juli na len zur Regierungskoalition im Reiche zu 1924 festgesetzt worden sind, zu erheben. Ge- verhindern. Es wird sich in den nächsten werbe st euer: Antrag der Stadtverwaltung: Wochen entscheiden müssen, ob das Kabinett Marx- Don den zu monatlichen Vorauszahlungen Ver- Stresemann nach links oder rechts erweitert wird, pflichteten als städtische Gewerbesteuer jeweils aber auf alle Fälle.ist vorauszusehen, dah die bis zum 10. der Monate August und September jetzige Basis der kleinen Koalition zwischen Volks- 1924 (Schonfrist 1 Woche) den gleichen Beftag, Partei, Zentrum und Demokraten nicht länger aus- der zu diesem Termin als staatliche Gewerbesteuer reichen wird, um mit parlamentarischer Meh.h it zu entrichten ist, zu erheben. — Da die Stadtver- die noch ausstehenden Regierungsgeschäfte durch- ordneten Kling und Horn namens ihrer Frak- zuführen. Honen der Beschlußfassung widersprachen, wurde —:------- die Angelegenheit vertagt und der nächsten Stadt- Polsn meldel sich. verordneten-Versammlung zur Erledigung Über- Paris, 12. Aug. (WTB.) Wie der Sonder- Verleihung eines Stipendiums, berichterstatter der Havasagentur aus Lon- £ur Verleihung eines Stipendiums an einen don berichtet, hat der polnische Gesandte weiteren Sinne bedürftigen Studierenden der Skirmunt den französischen Minister- Landesuniversität wurde ein jährlicher Betrag Präsidenten heute um eine Unterredung üon 700 ^Lirf vom Jahre 1924 ab unter Vorbitten lassen. Der Ministerpräsident wird ihn mor- p^halt jederzeitigen Widerrufs und unter Bereitgen vormittag empfangen. Rach Ansicht des Kor- Wellung des entsprechenden Kredits bewilligt, respondenten beabsichtigt der polnische Gesandte, §er Freiwilligen Sanitätsko- Herriot um Berücksichtigung der beson- ivnne vom Roten Kreuz wurde für das deren Situation Polens an der deut- Rechnungsjahr 1924 ein Zuschuß von 500 Mark schen Ostgrenze zu bitten, für den Hall, dah gewährt. zwischen zwei oder drei Regierungen Vereinbarun- Das Stammkapital bei der Kom- geninderSicherheitsfragezustandekvmmen munalen Landesbank. Infolge der Um- füllten. stellung des Stammkapitals auf Goldmark be- I Die interalliierten Schulden. nuten Land es bank mit einem Geschäftsanteil von Ein französischer Vorftos, Wie die gestrigen Pariser Morgenblatfer §u beschaffen ist. aus London melden, hat der französische £uc Wiederinstandsetzung des Wetter- Finanzminister vor vier Tagen Premier- Häuschens in der Südanlage wurden Minister Macdonald ein Memorandum 200 Mark bewilligt. über die Frage der interalliierten Schal- Der Aufnahme eines Baudarlehens den überreicht, in dem die französische Regie- bon 45 ooo Mark aus Landesmitteln wurde rung im wesentlichen folgenden Standpunkt em- zugestimmt nimmt: Wenn auch die Erörterung der Schulden- §ür bauliche Herstellunasarbeiten in der frage von der Tagesordnung der Londoner Kon- Mfen Klinik und Mobiliurbeschaffungsn zum ferenz z u r u ck g e ste l l t sei, so habe doch u« Zwecke der Verlegung der Kausmänni- ! englische Regierung m dem Pariser Beschluß schen Abteilung der Fortbildungs- vvm 9. Juli sich bereit erklärt, eine gerechte schule aus dem Kaufmännischen Dereinshaus Lösung des Problems unto Derucklich- ^ach der Alten Klinik wurden 8000 Mark be- tigung aller damit zufannnenhängenden Faktoren willigt anzustreben. Sie habe sich damit einver- Zuschläge für Steuerrückstände, standen erklärt, daß sofort Sachver st an- wurde beschlossen: Wird eine Zahlung von dige ernannt wurden die die, Frage zu (Sterneinbefteuern oder einer öffentlich-rechtlichen prüfen und den Regierungen Vorschläge zu machen 2lbgabe nicht rechtzeitig entrichtet, so ist für jeden hätten. Diese Sachverständigen z 1 ernennen, Ware ,auf p^n Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden an- natürlich zwecklos, wenn die gewählten Sachver- gefangenen halben Monat ein Zuschlag von 2 vom ständigen nicht durch eure Entscheidung der Hundert des Rückstandes zu zahlen. Regierungen darüber uitterrichtet wurden, m * | Mg. Sinn« fie ihre Arbeit »a Orienten | @icftenEr W-ch-nmarktpr-ise am 12. August. (Händlerpreise.) Es kosteten das Pfund: Butter 210, Matte 30, Käse 55 bis 60, Wirsing 25, Weihkraut 25, Rotkraut 40, gelbe Rüben 15, rote Rüben 20, Römischköhl 10, Bohnen, 18, 20,, 25, Erbsen 20, Tomaten 50 bis 80, Zwiebeln 15, Pilzen 15, Kartoffeln 6, Falläpfel 10, Aepfel 30, Birnen 15 bis 30, Heidelbeeren 30, Pflaumen 45, Mirabellen 25 bis 60, Honig 30, junge Hahnen 80 bis 100; das Stück: Eier 14, Blumenkohl 130 bis 150, Salat drei Stück 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 4 bis 5, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Rettich 10 Pf. * 2.11. Bon der Landesuniversität. Der außerplanmäßige, außerordentliche Professor Lic. Dr. Heinrich Frick zu Gießen wurde als Rachfolger des als Generalsuperintendent nach Breslau gegangenen Professor Dr. D. Schian zum ordentlichen Professor für praktische Theologie an der Landesuniverfität ernannt. * Preisausschreiben zur Verfassungsfeier. Auf das Preisausschreiben des Landesamtes für das Dildungswesen zur Verfaf- sungsfeier vom 13. August 1923 wurden von der । hessischen Lehrerschaft 13 Arbeiten eingereicht,, davon 11 vom Standpunkt der Volks- und Fortbildungsschule und 2 vom Standpunkt der höheren Schulen. Die ausgesetzten Preise für die wertvollsten Arbeiten wurden dem Lehrer B r u n - n e r, Sandbach i. O. (Volksschule), und dem inzwischen verstorbenen Oberstudiendirektor Seidenberger in Bingen (höhere Schule) zuerkannt. Die Arbeit des Schulverwalters Huf in Gießen wurde lobend anerkannt. * Jnval iden- und Hinterbliebe- nen-Versicherung. Rach einer amtlichen Wolffmeldung wird die kürzlich beschlossene Erhöhung des Reichszuschusses zu den Renten aus der Invaliden- und Hinterbliebenen Versicherung fett dem 1. August monatlich zusammen mit der Rente ausgezahlt. Die gleick^eittg eingeführten Sonderzulagen in der llnfall- Versicherung für SchwerbeschcLügte in Höhe von 10 und 15 Goldmark monatlich werden für die Monate Juli und August am 20. August — vom 1. September ab dann laufend monatlich aus- gezahlt. ** Vom Jnnnungswesen. Im heutigen I Anzeigenteil gibt das Kreisamt eine Liste der als wahlberechtigt anerkannten Innungen usw. bekannt. ** Goldene Hochzeit. Die Eheleute Oberbahnassistent i. P. L. K l i n g e l h 5 f e r und Frau feiern am 17. d. Mts. das Fest der goldenen Hochzeit. Beide sind gesund und munter. Herr Kliugelhöfer machte den Feldzug 1870/71 mit und wurde schwer verwundet. * Die Altersvereinigung 1874—1924, tn der sich nach einem schönen alten Gießenev Aikido ab 7^LL Oe " ta*. H wfe ^Mg bleiben, 'n. * Ausast sand Zier Adlung dez statt. Zum ;n Tut den Zaus, ^ememg^^ »S feit dem 3n. y- Die Drin? ^nununcn das 9 chrer Bedürf- e der Gemein- gewaltig ge. ^chnallvsten, die F ^ndelt «mden frühm dI ihnen Aitel Der die Wittel t legender Bvr- u einem ungedeck- rund 37941 Wk. e 4500 M, 2. die Jet Gebäudebesitz steuer vom bebau- vvvn jedoch schon sfall von 6412 tdrn kann. Diese Greife schon von nderats obgelehnt, weites Schema em» MSbesiy betrifft, i hat. Dieser soll immer noch rund Her Schärfe müsse ig der vffentüchrn Äs Protest gegen >enr einseitige 2e- irbc eine entspre- tnderat einstimmig I. Äug. Heute nach» ta Mgirus Feuer- a. d. D. gelieferte lerwehrleiter cifteri imb einem durch KiEeuer- m vertraglich vor- zenomnen Md der Mgsprvden haben en. 2hig. Bei dem in xmftofteten Mren -e igen Aadschrer- ftarfer Mlbewer- Lg. Die dies- H C.-Zveigvereins öamstag abend in ,it einem echten ligverein Lumdatal igen und Theater, xn IugendgruPM geisternd, Ä n Mrte des Ob- Georg Dender- Mers volliugend- >ugt ist, MB es mst ieder besser merds! en! 0o mahnt- er und zur,SmiM und im 6tdat ar der ö®»«*4 GZ Einen, fonJJJ und Überzug ^ÄS’ und Menoutu tcE^/stadt im durch "b.tet wurde , E?„ad Frel' Ä jn fli11 < s?r gast' Inders tbinaim ° sttefl Staffs fronte Freitag abend gegen 11 Uhr der 3b- tLhrige Werlführer Hermann Eberhardt ia>e oroeijei an Sonntag auf der Wasserkuppe. Aeußerlich den Haaren herbeizuziehen, wo der Gesamttenor | merkt man davon wenig. Rur haben die Erster.MV*5, 1846. Von morgen Tom nerStag, JJ jeden Donnerstagabend Turnen der Altersriege. Beginn 8'/., Ubr. SÄ DerLbttturulvart Löberstr. 12 Heute abend 7.30 Vhr: Vortrag: Goethesfaust iD'^der”*0' 8 Ubr: chunL aus Lite- g,zg M' Nlozai*n 9.30 Cbr: 9.60 10 uw- bestimmt erscheinen. s Ausgabe derLmn- kartenMetiterfinger vonMrnbergl,WD Ter Vorstand. EMMU« WIMSM Donnerstag, bett 14.8., abdS.8Uhr: Monats- versammlung Hopfeld. T/e gumSunbeälog fahrenden Kollegen u.Koüegtnnenmüsien ert ce. e 'alstiefel den 13 »en 14. und 171 August rühmte UW lies. ■ höflichst ein ßOtb 6270D H.WK'Mrßtt und Weine, lktienbier. »Sdtfacpterannrmier" ihr vefteS Gewand angezo- 9®, und freiwillige Helfer ziehen im Lager umher unb säubern noch rasch die Gassen. Aber jedes Postcruto und viele Privatautvs bringen zahllose Zuschauer herauf, die alle darauf warten, daß geflogen wird. Nicht alle kommen dabei auf ihre Rechnung. Am Abend steigt der „Rhön- z au der". Jedem alten Rhönflieger schlägt das Herz höher bei diesem Wort. Auf freiem Platze wird ein mächtiges Feuer angezündet. Rund herum versammeln sich die Lagerbewohner. Kernige Worte der alten Führer erschallen. Das „Deutschlandlied" ertönt und „O, Deutschland hoch in Ehren" klingt wie ein Gelöbnis hinaus in die stille Rächt. Eine feuchtfröhliche Rachfeier beschließt den .Zauber". 11. August 1924. Wunderbares Fliegerwetter macht sich dadurch bemerkbar, dah schon in aller Frühe je- hirand bei uns eindringt und uns alarmiert. 3n einer halben Stunde soll schon geflogen werden. Da gecht's etwas fixer als die Tage vorher und pünktlich find wir da. Südostwind, Windgeschwindigkeit 5—10 Metersekunden. Es werden ganz schöne Leistungen erzielt. Flüge von 2—3 Minuten und bis ca 1500 Meter Weite. Rach Abschluß der Dorflüge werde ich eine Zusammen stellung geben. „Espenlaub 5“ mit Ledermann als Führer, »Breslau 70“ mit Tracinsky und einem Passagier, „Peiican" mit Koch erzielen annähernd die gleichen Leistungen. Wirtschaft. Vom Weltgetreidemarkt. Ein bemerkenswertes Zeichen am internationalen Getreidemarkt war das Rachlassen der Getreideausfuhr aus den überseeischen Ländern. Rordamerika hat größere Mengen exportfähigen Getreides noch nicht zur Verfügung, in Argentinien wird die Weizenausfuhr durch den Meistexport in den Hintergrund gedrängt und auch in den übrigen Ausfuhrländern hat teilweise ungünstige Witterung eine Einschränkung der Ausfuhr bedingt. War im abgelaufenen Erntejahr vom 1. August 1923 bis 31. 3uli 1924 die Ausfuhr der betreffenden Länder bedeutend größer als im Vorjahre, so rechnet man jetzt allerseits für das neue Jahr mit einer erheblichen Minderung des Exportes. Allerdings dürften die Einfuhrländer die aufgenommenen Mengen an Weizen bis jetzt kaum konsumiert haben, so dah dieser Vorrat gewissermaßen einen Ausgleich bilden dürfte. Immerhin dürfte man nicht fehlgehen, wenn man für das neue Jahr immerhin erheblich erhöhte Preise am Weltmärkte erwarten dürfte. Auch aus den europäischen Ländern, namentlich Italien und Ungarn lauten die Rachrichten recht ungünstig. In Deutschland sind die Ernteaussichten wesentlich günstiger. Das Wetter erscheint für die Erntearbeiten in weiten Strichen sehr vorteilhaft und ein großer Teil der Ernte dürfte bereits unter Dach sein. Auf den deutschen Produktenmärkten passen sich die Preise unter Schwankungen den amerikanischen an. Diese sind allerdings trotz der Machenschaft der Spekulation und der Heber» schätzung einer eventuellen Mißernte in den Vereinigten Staaten recht abgeflaut, ohne dah dies jedoch auf den innerdeutschen Märkten ebenfalls eine Verflauung hervorgerufen hätte. Die Wirtschaftskrise im Ruhrgebiet. Essen. 12. Aug. (WB.) Die Arbeitgeber des Dauge we rb es h oben gestern sämtlichen Arbeitern des Hoch-, Beten- und Tiefbaus in RHeinLanb-Weftfalen zum 12. Wigust gekündigt. Infolgedessen wird ob morgen die Arbeit au f allen Daup lätzen in ganz Rheinland-Westfalen ru hen. Von dieser Aussperrung dürften ungefähr 60—70 000 Arbeiter betwfsen werden. F * * Die Geschäftsaufficht über die L i a g a u f g e h o b e n. Die Geschäftsaufsicht über die Textilindustrie A.-G.» Barmen ist auf Antrag der Schuldnerin vom Barmer Handelsgericht aufgehoben worden. Wie die „D. Z.“ erfährt, ist bisher eine Quote von 10 Proz. an die Gläubiger ausgeschüttet worden und wettere Zahlungen sollen bald erfolgen. Der Geschäftsgang ist augenblicklich den Verhältnissen entsprechend leidlich. Das älnternehmeü verfügt über reichliche Lagerbestände, die die Effektuierung der älteren Bestellungen gestatten. • Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 12. Aug. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Die gestern im Verlauf der Dorfe eingetretene Abschwächung, die infolge von Gewinnrealisationen eingetreten war, übertrug sich auch auf den heutigen Verkehr, wo das Reali- satLonsbedürfnis der Spekulation stärker zum Ausdruck kam. Im allgemeinen waren die Kursrückgänge unerheblich. Es war leichtes LMröckeln der Kurse, wobei man aber andererseits auch vereinzelt neue leichte Erhöhungen verzeichnen konnte. Oer Alte aus Topper. Roman tron Han ns von Zobelti tz. ♦1. Fortsetzung. (Rachdruck verbaten.) Da stand der Alte mit schweren, tiefen Falten auf der Stirn. Der Gram frah ihm das Herz wund: die Armen und Aermsten bort unten, das fressende Feuer im Dorf — und nicht raten, nicht helfen können! An sich selber hat er kaum gedacht. Run: mochten die Hunde nehmen, was sie wollten! Es ging eins ins andere! Der Offizier ist vom Pferde gesprungen, hat ein paar Brocken deutsch getarnte. Fressen — saufen — Futter: mehr wohl nicht, und das war schwer zu verstehen, in lauter zischenden Lauten herausgequetscht. Ist auch gleich ins Haus gelaufen, treppauf, treptab, mit seinen kleinen Schrägaugen überall herumspähend. Mit ihm ein paar von seinen Kerlen. Im Stübchen von Frau Beate haben sie die Betten auseinandergezerrt und verseht, daß die Federn berumf tagen; unten die Schränke aufgebrochen, das Linnen heraus gerissen, mit den schmutzigen Füßen getreten; in dem einen Schrank hing des Herrn Stabsknpitäas Rock und Schärpe; da muhten die Kressen herunter, und die silberne Schärpe hat sich der Offizier um den Leib geschlungen — ,gutt! Schon gutt!’ hat er bgbet georgelt. Der Gestrenge hatte aufttschen lassen, was da war: Brot, Butter, Speck, eine Flasche Branntwein. Endlich hat sich der Kleine gesetzt und an» gefangen zu schlingen, wie ein halbes Tier. Der Gutsherr, der Egid und der Magister standen dabei. Wohl eine halbe Stunde lang stopfte der Mann, trank aus der Flasche, grunzte: „Gutt! Wenn Die Abgaüenneigung stärkere Formen nicht annahm, so tag dies hauptsächlich an der äußerst optimistischen Einstellung der Börse gegenüber der Londoner Konferenz, die dem Markt eine Stütze bot. Die Geldsätze sind die gleichen wie am Vortage, nämlich tätliches Geld i/4 pro Mille, Monatsgeld 11 i Prozent. Im Devisenverkehr ist es ebenfalls ruhiger geworden. Die Kurse stagnieren auf dem gestrigen Riveau. Im Frühverkehr wurde genannt: das englische Pfund mit 4,56 bis 4,56V» Dollar. Der Pariser Frank mit 80 bis 80,20 in Pfundparität. Der Qllarft der Industriepapiere kann trotz leichter Abbröckelungen als ziemlich fefl bezeichnet werden. Der Dankaktienmarkt neigte zum Rachgeben. Der Kassa- marft der Industriepapiere lag ziemlich fest. Im Freiverkehr war die Tendenz ebenfalls gut gehalten. Api 4%, Decker-Stahl 25A. Becker-Kohle 6i/i. Benz 4%, Krügershall 65A, Ufa 61/», Petroleum 19,5. Im weiteren Verlauf änderte sich die Tendenz nur wenig Das Geschäft blieb1 ruhig und abwartend, teilweise bröckelten die Kurse ab. Dörfen kurse. 11,12 13 28 14 3,75 *) Dom Rückzahlungswert. Berliner Dorfe. 10^0 17,65 29,90 7,75 12 4,75 4,10 3 5,45 11,25 4,76 4,25 30,75 8,20 12 45 34,50 6,4 9,8 11,25 38,78 45,76 2,40 4,25 14,90 19,75 2,4 0,500 0,4 52 14,6 14,75 52,5 54.50 63,5 13,90 19 8 13,25 31,40 28,25 41,25 38,5 6,75 9,90 11,25 0,445 13,12 14,9 2,36 0,475 0,375 Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Brann . . ÄÄ’* Schn hsabrU Hen..... e-ichel...... . Zellstoff Lßäldhof..... Zuckerfabrik. Frankenthal . Zuckerfabrik Waghäusel . . 2,4 0,5 0,4 51 13,90 14,25 51,5 53,90 65,5 13,80 16,75 8,25 11,90 30 28 39,7 10,75 47 34 6,50 9,5 11,2 13 10,5 17,75 39 45,75 2,30 3/W 133 Ä 5,76 11,13 Gries letmer Electron . . . Höchster Farbwerke..... Holzverlodlung..... . Rütgcrswerke ........ Scheideanstalt All«. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann.......... Mamkraftwerte..... . Schuckerl........ Siemens & HalSke..... «dlerwerke Kleyer . « . . * Daimler Motoren. . . . . . 6d)lfgcnftatbt •••**•*• Megutn...... 1,78 8,5 5,75 11/0 8,25 15,40 19,25 16,75 1M 13,F0 14,25 51 54,75 66,75 12,90 18,75 8.40 12,75 30,75 27,25 33,25 2,1 30,90 7,85 2,75 12,50 4,50 15 19,13 1,45 15 18,50 15,65 8 20,45 17 10,40 16,875 9,50 39 45 2,60 3,40 3M 13,25 03 4,90 14,25 19,75 14,90 18,65 15,90 19 ”l 38,10 6,40 10,25 11,75 0,445 13,50 15,25 2,40 0,470 0,350 55 14,25 14,40 64,5 56 67 13 19,50 8 13,26 32.25 27,875 44 2,3 31,60 8,25 2,8 18 4,50 15 19,65 1,5 15,75 18,75 16,6 8,40 19 16,50 11 17,76 92*5 40 45 2,25 3,50 3,2 133- 0,775 4% Zolltürkea........ 5% Goldmexikaner ..... Berliner HandelSaesellschaf Commerz- und Privat-Bank Darms^ und Nakionalbank Deutsche Bank........ Deutsche Bereinsbank . . . Discouto Commandtt . . . Metallbau!.......... Mitteldeutsche Errditbank. Oester rrichische Eredttanstatt Weltbank........... Bochumer GaH ...... Buderus.......«... Caro ............ Deutsch Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. Harvener Bergbau..... Kaliwerke Äschersleden. . . Kaliwerk Westeregeln. . . . Laurahzjtte....... Oberbedarf....... Phönix Bergbau ..... Rheimtahl......... Riebeck Montan ...... Tellus Bergbau....... Hamburg-Amerika Paket. . Norddeutscher Lloyd .... Cheramtsche Werke Albin . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann..... Anglo Cont -Guano .... Badische Anilin....... ChenMche Mayer Alapdr . Goldschmidt......... Un Billionen Prozent ftranffurt a. M. Berlin Schlutz» Kur» Schluh- fiurs Schlutz» fiurs Schlich. Kur» Datum: 11. 8. >2. 8. 11. 8. 12. 8. 5% Deutsche ReichSanlethe . 0,830 0,720 0,796 0,692 <% Deutsche Reichsan leihe . 1,4 1,1 1,275 1,1 BVVVg. Deutsche Retchsanleihe 1,350 1 1,275 1,1 3% Deutsche Reichsanleihe . 1,800 1,7 1,625 1,650 Deutsche SparprämtcaanletHe 0,525 0,600 0,500 4°/o Preußische KoujotS . . . 4% Hessen .......... 1,61 1,4 1,25 1.3 1,450 1,5 1,35 1,2 3*/#°/o Hessen .......... 3% Hessen........... 1,1 1 275 Deugche Wertb. Dollar-Ant *4,2 4,2 0*4^2 dto- Doll.-Schatz-Anlretsog.') 84,5 83,8 84,6 86^8 Berlin, 12. Aug. (Drahtbericht des »Gieß. Anz.") "Der Rückgang auf dem Anleihemarkt, der im Verlauf der gestrigen Börse einfetzte, hat heute feine weiteren Fortschritte gemacht. Trotzdem kann man nicht von einer festen Tendenz der heimischen Renten sprechen. Die Kurse liegen ungefähr auf der Höhe der gestrigen Schlußtarse. Die Spekulation zeigte keine Reigung zu größeren Unter* nehmungen, sie setzte eher ihre Realisationen fort Ein wesentlich freundlicheres Bild bot der Aktien- markt. Zwar Ipben die neueren Rachrichten über die Schwierigkeiten der Räumungsfoaae den gestrigen Optimismus etwas gedämpft doch glaubt man in dieser Angelegenheit eine Einigung zu erzielen. Die Tendenz des Aktiemnattktes war heute fest bei ruhigem Geschäft. Besonderes Interesse wurde für Petroleumwerte gezeigt. Weiterhin lagen bei den Banken recht beben lertbe Kauf- vrders für fasst alle Aktien der verarbeitenden: Industrie vor, während die schweren Montan- werte eher etwas ruhiger lagen. Am Geldmarkt blieb tägliches Geld mit 1/2 pro Mille angeboten. Im Devisenverkehr zeigte sich eine besondere Festigkeit für fast alle europäischen Werte. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-LireS, London. Nem York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien oiw Budapest für 100000 Em besten, alle« übrige für 100 Einheiten.- Telegraphische Auszahlung. Banknoten. Märkte. Rindbiehmarkt in Hießen. L. Gießen, 13. Aug. Zum gestrigen Rind- btefimarft waren 82 Stück Großvieh und 12 Kälber aufgetrieben. Das Geschäft vollzog sich auch diesmal ausschließlich zwischen Händlern, die je nach Qualität für Kühe 250—400 Mk., für einjährige Rinder 150—250 Mk., für Rinder unter einem Jahre 100—150 Mk. bezahlten. Amerikanische Noten . . . . . Belgische Noten........ Dänische Noten ....... Englische Noten . . Französische Noten ..... Holländische Noten...... Italienische Noten Norwegische Noten Deutfch-Oefterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten 11. Aug. 12. Aug. Repart. Amtliche Notierung Amtliche iotierni. «Selb Brief Geld Brief 11. 12. Anist.-Rott. 164,09 164,91 164,19 165,01 voll voll Brff.-Slntw. 22,04 22,16 21,94 22,06 voll voll Christianta. 58,65 68,95 58,56 58> voll voll Kopenhagen 68,58 68,92 67,85 68,15 voll voll Stockholm . 111,97 112,53 111,62 112,18 voll voll HelnngforS. Italien. . . London. . . Neuyork . . 10,435 19,05 10,555 19,15 10,47 19,00 10,53 19,10 voll voll voll voll 19,16 19,26 19,10 19,20 voll ooll 4,1 S 4,21 4,19 4,21 voll DOll Paris. . . . Schwei; . . 24,14 24,26 23,98 24,02 voll ooll 79,55 79,95 ig,20 66,36 79,60 voll voll Spanten . . Wien in D-- 66,38 66,64 66,64 voll voll Oest. abgest. 5,97 5,99 6,94 6,96 voll voll Prag . . . . Budapest. . Auen.-Aires 12,46 12,52 12,49 12,55 voll ooll 5,57 5,69 5,58 5,60 voll voll 1,405 1,415 1,405 1,415 voll voll Bulgarien 3,07 3,09 3,08 3,10 voll voll Japan . . . Wo de st-an 1,72 1,73 1,72 1,73 voll voll 0/41 0.42 0,41 0,42 voll voll Belgrad ... 5,26 5,28 6,27 5,29 voll voll Lissabon . . 11,47 11,53 11,52 11,58 voll ooll Pftrfn, 12. Aug. Geld | Briet Repart. °/n 4,13 4,21 boll 22,04 22,16 voll 63,43 88,82 voll- 19,11 19.24 voll 24,19 24.31 voll 163,84 164,65 voll 19,10 19,20 voll 58, b 5 58,85 voll 5,99 6,03 voll 1,92 1,94 voll 111,82 112,38 voll 79,56 79,95 voll • 56,21 56,49 voll 12,43 12,49 voll 5,57 5,59 voll Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 12. Aug. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Es wurden notiert: Weizen, Weite rauer 20,50 bis 20,75, Roggen, inland. 17,50 bis 17,75, Sommergerste für Drauzwecke 18,50 bis 19,25, Hafer, inlänb. 18 bis 18,50, Mais (gelb) 17,25 bis 17,40 Weizenmehl, inlänb. Spezial 0 31,75 bis 32,75, Roggenmehl 26 bis 26,50, Weizen- und Roggenkleie 10,50 bis 11. Tendenz etwas ruhiger. Berliner Produktenbörse. Berlin, 12. Aug. Am Produktenmarkt bestand Rachfrage für Roggen, bann aber lustlos und schwächer. Es notierten je 1000 Kilo: Weizen, märk. 189 bis 194, Roggen, mark. 140 bis 145, Gerste, märt 188 bis 198, neue 177 bis 182, Hafer, märt 158 bis 168, Raps 285 bis 290, Leinsaat 400 bis 410; je 10Ö Kita: Weizenmehl 25,50 bis 28,50, Rvggenmehl 21,25 bis 23,50. Weizenkleie 10,80, Roggenklete 10,50, Vtktvrraerbsen 24 bis 28, kleine Erbsen 16 «s 17, Futtererbsen 14 biö 16, Peluschken 13 bis 14,50, Ackerbohnen 13^50 bis 15,50. Wicken 14 bis 16, Luprnen blau 9 bis 10, gelb 17 bis 18, öecobeOa, alt 8 bis 10 neu 1180 bis 12,20, Rapskuchen 9,80 bis 10, Leinkuchen 20 bis 21, Trockenschnitzel 7 bis 7,20, DorfmÄasfe 7 bis 7,20, Kartoffelflocken 24 Mt Ermordung eines rnffischen Ingenieurs w Paris. Paris, 12. Aug. (WB.) Im Vvrortzu« Paris—Versailles ist in 6er vergangenen Rächt ein in Versailles beschäftigter russischer Ingenieur ermordet, worden. Die Beweggründe der Tat sind noch nicht bekannt Das erste Lebenszeichen seit 15 Monaten. Rome (Alaska), 12. Aug. (Wolff.) Knud Rasmussen, der Leiter der dänischen Expedi-, tion zum Studium der Eskimos, von dem seit 15 Monaten nichts mehr gehört worden war, ist in Kotzebue, etwa 1500 Meilen nördlich von Rome, eingetroffen, lieber das Schicksal der Expedition herrscht große Besorgnis. Die neue Generation wird 10 Jahre länger leben« Sie Lebensversicherungrn können es an ihren Statistiken nachweisen, daß die Lebensdauer der Menschen ständig zunimmt, und zwar kann aif Grund ihrer A ifzeichn ingen sestgestellt werden, daß seit 1890 sich die Sterblichkeit bei den Männern um 20 Prozent inb bei den Fra ten um, 22 Prozent gebessert hat. Kinder, die jetzt geboren werden, haben trotz der Hast und llnnhe des heutigen Lebens die Aussicht, 10 Jahr» länger leben zu können, als ihre Großeltern. Ein Zahn von zweieinviertel Meter Länge. In der Rähe von Rom 5at*man fossile Zähne eines Mammuth gefunden, die von ungewöhnlicher Größe sind. Einige dieser Zähne haben eine Länge von zweiein viertel Meter und sind 20 Zentimeter breit, ihr Gewicht kommt nahezu auf 157hz Kita. Der Prior eines'Klosters, der diesen Fund gemacht hat, glaubte zuerst, daß es- versteinerte Bäume seien, die er da ausgrub. Büchertisch. — Ein glückliches Land? Auf der Suche nach dem Land der Glückseligkeit begleiten wir gern den durch seine weiten Reisen bekannten Forscher Dr. Arthur Berger, der uns insbesondere mit der Welt der Südseeinseln durch verschiedene trefflich geschriebene Werke vertraut gemacht hat. In fernem neusten Buch „A uf,den Inseln des ewigen Frühlings", das soeben als Band 27 der bekannten Sammlung „Reisen und Abenteuer" (D r o ck h a u s, Leipzig, geb. G.-M. 2,50) erscheint, führt er den Leser Nach den Hawatt-Inseln, über die wir recht wenig wissen, obwohl sie einen wichtigen Teil des Gebiets der Vereinigten Staaten bilden. Romanttsche LarÄschasten im Zauber der Tropenpracht entrollen sich in Wort und Bild in dem lebendig und humorvoll geschriebenen Buch. Wir lernen die Wackern Eingeborenen im Alltagsleben und bei ihren Festen kennen und, wir beobachten auch die Weißen Herren in ihrer nvcht immer einwandfreien Tättgkeit. Auch dieser Band ist mit ausgezeichneten Bildern und Karten reich ausgestattet und reiht sich den früher erschienenen Bänden der wertvollen Drockhaus-SMNmlung würdig an. — Die Offenbachnummer der Monatszeitschrift „Spessart". Der ihn* stand, dah der Spessartbund am 27. Juli tr Offenbach sein Bundesfest abhielt, hat die im Verlag der Wailandtschen Druckerei A.-G. in Aschaffenburg herausgegebene Monatsschrift „Spessart", welche die gesamten Belange nicht nur des Spessarts, sondern auch der Grenzgebiete von Odenwald und Rhön- vertritt, zur Deämlas- stvng genommen, tn ihrem letzten Heft dem Tagungsort besondere Beachtung zu schenken. Eins Reihe von Aufsätzen schildern Offenbach die ehemals Isenburgs He Residenz, als Feststadt oder werden der Arbett der Stadt auf dem Gebiete des Verkehrs- und DerschönerungSwesens gerecht. Eine Reihe weiterer reich Uluftrierter Abhandlungen über dtjs Arbeitsgebiet der Zeitschrift schlte- hen sich an. Aus aller Welt. Ein Messedampfer Deuhork—Leipzig. Leipzig, 12. August. Zur Leipziger Herbstmesse wird von R eu h or k aus ein besonderer Messedampfer des Aord- deutschen Lloyd, die „Sierra Ventana" fahren, auf der die Besucher der Messe besondere Der- günftigimgen haben werden. Schmucksachendiebstahl im D-Zug. Auf der Strecke Hamburg—München zwischen den Stationen Ansbach und Würzburg wurden in einem O-Zug einem Reisenden, währsta er für kurze Zeit das Abteil verlassen hatte, aus einer Kassette Schmucksachen gestohlen, die einen Wert von 100 000 Mk. haben. Ein Graf unter dem Verdacht des > Dilderdiedstahls. Wien, 12. Aug. Die Polizei hat den Grafen Wilhelm K o l o w r a t unter dem Verdacht des Diebstahls der Pastellbilder des bekannten tschechischen Malers Manes verhaftet. Neuheit! Heitmann- Entfärber entfernt ausgelaufene Farben aus bunter u. weißer Wäsche entfärbt MW StCflC selbst die zartesten Gewebe beseitigt FlCCkCII von Obst, Rotwein, Kaffee, 5968c Kakao und dergl. Unschädlich f.alle Stoffe.Mühelose Anwendung Man achte auf die Marke „Fuchskopf im Stern“. Erhältl. in allen Drogerien u. einschl. Geschäften. Gutt!" Ein paar Mate tarn einer feiner Leute herein, wohl um zu melden. Dann lachte er oder schlug dem Kerl mit der Faust ins Gesicht, je nachdem. Run schien er satt, rülpste unflätig, streckte die Deine Dort sich deutete auf den Egid. Als ob er fragen wollte: wer ist das? So verstand's wenigstens der Zabeltitz und gab Antwort: „Ein alter Vetter." Schüttelte das Untier den Kopf, deutete auf den anderen. „Der Pfarrer loci." .Pfarrer': das schien er zu begreifen. Lachte und schlug ein Kreuz. Trank noch beit Rest aus der Flasche und schrie: „Geld!" All die Zeit hatte der Gestrenge sich bezwungen, mit zusammengebissenLn Zahnen. Jetzt ist er ganz ruhig' zu seiner Kossätenscheune gegangen, hat das kleine Beutelchen Herausgenom- men und hingereicht. Mochten sie — es ging eins ins andere. . . Der Rtensch fängt an zu zähten. Immer nur bis zehn, dann wieder von vorne, als könnt' etts nicht anders. Lacht, schmatzt mit den dicken Wulstlippen. steckt das Ganze in die Tasche. Da tonrnrt von draußen ein klägliches Gejammer, ein lautes Schreien. Uni> der. Zabeltitz sieht durchs Fenster: die Hunde haben drüben den alten treuen Vogt, den Marzanke, an die große Linde gebunden, fest geschnürt, ihm Jacke und Hemd vom Leibe gerissen und karbatschen, dah die Striemen herüberleuchten. Dunkelrot schießt dem Zabeltitz das Blut ins Gesicht. Er faßt den Menschen an die Achsel, dreht ihn zum Fenster, stößt heraus: „Laßt ihn! Ihr Hunde! Ihr Hunde!" And der Mensch neben ihm lacht, ruft ein paar Worte hinaus. Ein paar Worte kommen zurück. «Weibsleut! .Wo die Weibsleut?!" ilnb wieder klatscht draußen der Kantschu auf das nackte Fleisch. -Um) wieder lacht der Mensch dazu. „Ja, WeibsleutI Wo Weibsleut?!" Dann, mit einem Mal, ist der Alte, der Egid, draußen. Stürzt sich auf die Kerle, haut den einen vor den SchWel, schmeißt den andern auf den Boden. Aber gleich sind sie über ihn, ein Dutzend oder mehr, krallen sich an ihn, zerren ihn nieder. Er schlägt, stößt, schüttelt sie ab, wie nasse Katzen. Sie johlen, schreien, umElammern wieder den Riesen — und plötzlich blitzt ein Messer in ber Sonne — Drinnen lacht der Meine Mit keuchender Brust steht der Alte. Dick wie Stricke sind die Adern auf den Schläfen. Gr brüllt den Kleinen an, hebt die Fäuste, will ihm an den Hals. Da reißt der die Pistole aus dem Gürtel. Zitternd und bebend, die Hände gefaltet, hat sich der Magister bislang an die Wand gedrückt. Ihm graut vor dem Unfaßbaren, die trockenheißen Lippen können kaum das Gebet stammeln. Herr mein Gott, wo bleibst du? Richt glauben kann er, was er doch mit eigenen Augen schauen muh. Blut — Dhtt — Blut — Doch wie er nun sieht, daß der Mensch, der Kleine, die Pistole herausreibt, gegen fernen Patron, da packt den Friedfertigen, Demütigen, Zagen jach wilde Verzweiflung. Dor schnellt er, springt, wirft sich zwischen die beiden, hebt beide Fäuste, die nie eine Kreatur schlagen konnten, stößt sie dem Kleinen ins Gesicht. „Du Teufel!" Lind eh der Zabeltitz noch dazwischen greift, geht der Schuh los. — Lautlos in die Schläfe getroffen, sinkt der Magister hin. * 31 * ©ine Rocht und einen Tag und noch eine Dacht haben sie's im Walde ausgehalten, ohne Rachricht, in Sorgen und Aengsten. In der Dunkelheit hat Beate eine Magd bis an den Saum geschickt. Die kam zurück: Topper brannte lichter- tah. Im dämmernden Morgen lind die Frau und Christian selber nach vorn geschlichen, sahen nur eine schwere dunkle Rauchwolke über der teuren Heimat. Der Stabskapitän, siech wie er war, wollt' sich doch nicht halten lassen. Mit beiden Händen hat ihn die Frau umklammert, gebeten, gefleht: „Was willst du dorten, Lieber, Guter? Kannst ja doch nicht helfen. Rur Gott kann helfen," Sv haben sie in den dichten Drombeer- hecken am Dergrand gesessen und verzweifelt auf den Rauch gestarrt mit pochendem Herzen und tränenschweren Augen. Ahnten Schlimmes — und noch nimmer das, was geschehen war. Gegen Mittag ist ihnen die Frau Magister nachgekommen mit der Ruth Sie haben hin- und hergera-tschlagt, was sie tun könnten. Aber Frau Beate hat beharrt: „Wir müssen warten. So hat's der Herr Vater gewollt." Dann, es ist etwa ein älhr gewesen, ist eine lange Staubwolke über das Feld gezogen, ziemlich schnell, auf Sternberg zu, und hat des Stabskapitäns Soldatenauge erkannt: sie ziehen ab, die Unholde Auch ist der Rauch über dem Dorf mählich Heller geworden, als wäre der Brand im Verlöschen. „CHun wird der Hem- Datei: sicherlich bald« kommen oder Rachricht schicken." Aber er kam nicht. Gegen Abendferst wankte eine große gebückte Menschengestalt vom Dorf herauf, blieb stehen, als wenn jeglicher Schritt schwer wär', kroch langsam weiter. (Fortsetzung folgt)