Ur. 13? Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFannliend lütter Monatr-Vezvgrpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehea. psvfcheÄouto: Frankfurt a. M. 11686. Zrettag, 13. Zuni 1924 1?4- Jahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkett. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtllchL, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20"/, Aus. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: H ans Beck, sämtlich in Gießen. Druck rmd Verlag: BrütHW Univerfitätr-Buch- und Steindruckerei H. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Rheinland und Reparationen. Don Richard P o s s e l t. In der jüngsten Zeit sind bei den verschiedensten Gelegenheiten von Verantwortlicher deutscher Stelle Aeußerungen getan worden, die klar erkennen lassen, daß die jetzt wieder mit der Führung des Reiches beauftragte Regierung ihre Politik in Einklang zu bringen versucht mit den Forderungen und mit den Interessen der besehtrn Gebiete. Ihr Schicksal hängt jetzt wesentlich davon ab, welche Auslegung und welche Anwendung das Sachverständigengutachten finden wird. Heber dieses Gutachten ist sehr vieles geschrieben und manches geredet worden. Das Kernstück des Sachverständigengutachtens liegt für die Mehrheit des deutschen Volkes in LenDoraussetzungen.die die Sachverständigen zur Durchführung ihres Planes ausgestellt haben. Da sie, wie sie erklären, sich nicht mit politischen, sondern lediglich init wirtschaftlichen Fragen zu befassen Chatten so umschrieben sie diese Voraussetzungen mit den Worten „Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands". Was darunter zu verstehen war, konnte an sich nicht zweifelhaft sein: die Wiederherstellung des Rechtszustandes, den der sogenannte Versailler Vertrag für die besetzten Gebiete geschaften hatte. Dieser- sieht lediglich zur Garantie der Durchführung der Deutschland auferlegten Pflichten die Besetzung eines bestimmten, genau umgrenzten Gebietes links des Rheins vor und läßt in keiner seiner Bestimmungen,eine Heberschreitung dieser Grenzen zu. Den Desatzungstruppen und -behör- Len sollte nach den Bestimmungen dieses Vertrages keinerlei Recht zustehen, in die Vrrwal- ung einzugreifen oder irgendwelche Maßnahmen zu treffen, die das normale wirtschaftliche und Verwaltungswesen nach irgendeiner Richtung hin beeinflußte, es sei denn, daß die Sicherheit der Besatz ungstruppen gefährdet war. Hm die Interessen bet .an der Besetzung teilnehmenden Mächte zum besten der Truppen, nicht etwa zum besten iigendwelcher politischen.über wirtschaftlichen Ziele der betreffenden Staaten zu vertreten, wurde gleichsam als Vermittlungsstelle zwischen De- satzungsbehörden und deutscher Verwaltung in den besetzten Gebieten die Rheinlandkommission eingesetzt "Diese war als kleine nur wenige Köpfe umfassende Behörde gedacht, die im öffentlichen Leben der besetzten Gebiete nach keiner Seite hin Heiwortreten sollte. Hnd wie ist es ganz anders gekommen. Die Rheinlandkxommission umfaßt heute über 1300 Köpfe, sie hat einen Derwaltungsapparat aufgezogen.' der geeignet wäre, das ganze Gebiet in Verwaltung zu nehmen, sie hat den Desatzungsbe- «hörden Befugnisse eingeräumt, die sich mit der Derwaltungshoheit des Reiches und der Länder nicht im geringsten vereinbaren lassen. Es war zweifellos ein Fehler auf deutscher Seite daß man nicht von Anfang an diesen bald erkennbaren Zielen französischer Durchdringungspo- lit ik entgegentrat und auf Durchführung der vertraglichen Bestimmungen energische bestand. Heute ist dieser 2lppaiat, den das seitherige Frankreich mit voller Heberlegung und in bestimmter Absicht geschaffen hat, kaum wieder auf die Grenzen zurückzuführen, die ihm gezogen sind. Heute kämpft Deutschland um die Wiederherstellung eines Zustandes, die der deutschen Derwaltungshoheit in den besetzten Gebieten wenigstens einigermaßen gerecht wird, kämpft um die Beseitigung eines Desatzungssystems, das Frankreich während des Ruhrkampfes an Rhein und Ruhr aufrichtete und das, wie kürzlich noch ein verantwortlicher Minister es treffend bezeichnete, aus dem Rheinland eine Reparationskolonie machte. In diesem Kampf — das Wenigste, was uns auf Grund vertraglich festgelegten Rechts zusteht — kommt uns das Sachverständigengutachten zu Hilfe. „Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands" — eine vorsichtige Bezeichnung für das Verlangen die militärischen Kolonrsations- methoden und Annexionsabsichten Frankreichs am Rhein einzudämmen. Es sind nicht Deutschenfreunde, die dieses Verlangen gestellt haben, sie wollten nichts als Sachverständige fein, die das Reparationsproblem auf der Basis wirtschaftlicher Vernunft lösen wollten. Wenn sie trotzdem diese Forderung stellten so beweist das, wie sinnlos und naturwidrig die Militärmächte am Rhein Vorgehen um das Gegenteil von dem zu erreichen, wöhin das Ziel der Reparatronsbestimmungen von Versailles zielte. Wenn man der Logik der Pfänderpolitik der Poincars und Millerand nachgehen toollte, dann mühte man zu der Auffassung kommen, daß die Besetzung rheinischer Gebiete ein Normalzustand ist, der mit der Reparation nicht das Mindeste zu tun hat, und daß Garanteriesicherungen seitens der Ententemächte erst dann ergriffen werden könnten, wenn Deutschland nach der Ansicht der Ententestaaten mjt seinen Reparationsverpflichtungen im Rückstand geblieben wäre. In Wirklichkeit war die Besetzung deutscher Gebiete innerhalb bestimmter Grenzen eben als Garantie vorgesehen für die Durchführung der deutschen Reparationsleistungen. Bei loyaler Auslegung dieser Bestimmungen durch die Entente hätte längst ein Teil dieser Besatzungen zurückgezogen werden müssen, da Deutschland tatsächlich feinen Verpflichtungen selbst nach Auffassung der Entente- ftaatert nachgekommen ist. Erneut hat Reichskanzler Dr. Marx in seiner Regierungserklärung die Frage des Guiach- tens in den Vordergrund geschoben. Mit vollem Recht. Das deutsche Volk sollte sich in seiner Gesamtheit endlich darüber klar werden, daß es -u inneren Streitigkeiten solange keine Zeit und Kamps um die französische Präsidentschast. Gegeneinander innerhalb des Blocks der Linken. Rückführung von Rhein- und Ruhrgefangenen aus französischen Gefängnissen. - England wirbt in Berlin für den Beitritt zum Völkerbund. Paris, 12. Juni. (Wolff.) Hm 2 Hhr nachmittags sind die fünf Gruppen, die zum Kartell der Linken gezählt werden, zu einer Beratung zusammengetreten. An der Abstimmung zur Bestimmung eines Kandidaten für die Präsidentschaft der Republik haben 475 Deputier e und Senatoren teilgenommen. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Kammerpräsident Pain- l e v e 306 Stimmen, Senatspräsident D o u m e r- g u e 149 Stimmen, Poincare eine Stimme, weiße Zettel 19. Eine Delegation der Gruppen der Linken hat nach Beendigung der Versammlung der linksstehenden Kammer- und Senatsgruppen, in deren Verlauf keine,Einigung über den Kandidaten des Blocks der Linken für die Präsidentschaft der Republik erzielt wurde, eine Demarche beim Senatspräsidenten Doumergue unternommen um ihn zu ersuchen zugunsten Painlevös a if die Kandidatur zu verzichten. Dou- mergue erwiderte, er habe keinen Verzicht auszusprechen. denn er sei bei der vorbereitenden Abstimmung kein Kandidat gewesen. Doumergue '{jabe hinzugefügt, wenn er einen reaktionären Kandidaten aufstellen würde, dann übernehme er die Verpflichtung, im Falle, daß er in die Minderheit gebracht werde, zugunsten des republikanischen Kandidaten zu verzichten, wenn dieser die meisten Stimmen erlangt habe. Rach der Hnter- rebung, die mehrere führende Mitglieder der zum Block der Linken gehörenden Parteien mit dem Senatspräsidenten Doumergue gehabt haben, 'hat sich eine Delegation, bei der sich Her ri) t und Driand befanden, zum Kammerpräsidenten Painlevä begeben, um das Verlangen zu stellen, er möge im Hinblick auf das Ergebnis der 'heutigen Vorabstimmung auf seine Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik verzichten. Hm 7.50 Hhr hat eine neue Sitzung des Kartells der Gürten stattgefunden, in deren Verlauf die Antwort bekanntgegeben wurde, die Pain - leve der Delegation gegeben hat. Er hat sich bereit erklärt, feine Kandidatur für den Kongreß zurückzuziehen unter der Bedingung, daß auch Se- natspräsibent Doumergue sich angesichts der Benennung eines britten republikanischen Präsi- bentschaftskandidaten zurückzieht. Eine Delegation hat sich zum Senatspräsidenten Doumergue begeben, um ihm von der Absicht PainlevesKennt- nis zu geben und ihn zu fragen, was er zu tun gedenke. Die Delegation besteht aus den Abgg. Painleve, Driand, Thomson, Paul Boncourt und dem Vorstand der demokratischen Linken. Rachdem Senatspräsident Doumergue sich bereit erklärt hat, seine Kandidatur für die Präsidentschaft zurückzuziehen, haben die zum Kartell der Linken gehörenden Parteien beschlossen, die Kandidatur Painlevs aufrechtzuerhalten. Die sozialistische Kammergruppe wird ebenfalls für Painleve stimmen. Rach der Abstimmung über die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl und nach Mittellung des Ergebnisses durch Senator Bienvenu-Martin wurde die Sitzung der Linksfraktionen von Kammer und Senat aufgehoben. 3m Anschluß daran sind die Vorstände der einzelnen Fraktionen zusammengetreten. Hm 10,30 Hhr wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Die Vorsitzenden der linken Gruppen der Kammer und des Senats haben beschlossen, am Freitag, 13. Juni, 1,30 Hhr im Kongreßsaal in Versailles eine Vollversammlung abzuhalten. Diesen Beschluß deutet das führende Blatt des Linksblocks, das „Oeuvre", wie folgt: In Versailles werde heute der Kampf in Gang kommen, da alle Anstrengungen, eine einheitliche republikanische Kandidatur zu verwirklichen, gescheitert seien. Pain- l e v 6, der von der Vollversammlung der Linksfraktionen aufgestellt worden sei. werde Dou- merguye gegenüberstehen, der zwar offiziell seine Kandidatur nicht aufgestellt habe, aber sich geneigt erklärte, dem Ruf seiner Freunde zu folgen. Hnter den letzteren seien die Parlamentarier aus dem Süden ganz besonders regsam. Reuerdings sei auch noch von einem dritten Kandidaten die Rede, der unter Hmständen in Erscheinung treten dürfte, von einer Persönlichkeit, die in der vergangenen Legislaturperiode eine Rolle gespielt habe. Kurz nachdem dieses Kommunique ausgegeben worden war, wurde seitens des Vorsitzenden der demokratischen Linken, des Senators Bienvenu kein Recht hat, solange fast ein Fünftel des deutschen Volkes ohne Hnterschied der Partei sich in der Gewalt eines annexionslüstemen Gegners befindet. Erst Freiheit aller Deutschen innerhalb der Grenzen des Reiches, bann Ausbau des deutschen Reichsbaues nach dem Willen des Volkes, nicht nach dem Willen einzelner Parteien. Reichskanzler Dr. Marx hat den Ententemächten klar und deutlich gesagt, daß Deutschland das Sachverständigengutachten als Ganz.s angenommen hat und gewillt ist, diese seine Zusage in vollem Hmfang und ohne Vorbehalt einzuhallen — immer vorausgesetzt, daß aus diesem einheitlichen Ganzen nicht ein Teil, nämlich die Voraussetzungen der Sachverständig n, herauigenommen wird. Wenn die Reparationskommission auf Grund der Annahme des Gutachtens durch Martin folgendes mitgeteilt: Die Vorsitzenden der demokratischen Linken des Senats, der Radikalen, der sozialistischen Linken und der sozialistisch-republikanischen Fraktion der Kammer haben unter dem Vorsitz von Bienvenu Martin eine Sitzung abgehalten. Sie haben Kenntnis genommen von dem Ergebnis der Vorabstimmung, bei der P a i n l e 6 306 und Senatspräsident Doumerg ue 149 Stimmen erhalten hat. Rach der Abstimmung hat der Senatspräsident Doumergue spontan erklärt, er wolle seine Ka ndidatur zurückziehen, wenn dies angesichts eines dritten Kandidaten nötig erscheine, und sich jeder Maßregel anschließen, die die republikanische Pflicht empfehle. Schritte, die bei Senatspräsident Doumergue von dem Vorsitzenden der republikanischen Gruppen, die an der Abstimmung teilgenommen Haden, unternommen worden sind, haben trotz eindringlicher Vorstellungen ihn nicht dazu veranlaßt, die gemachten Vorschläge anzunehmen. Doumergue erklärt, er würde nicht Kandidat auf dem Kongreß in Versailles sein, aber er glaube, auch dort das Recht zu haben, seine Freunde zu verhindern, für ihn zu stimmen. Infolgedessen hat die Versammlung beschlossen, daß P a i n l e v e der e i n z i g e K a n- didat der republikanischen Disziplin sei. Was die Möglichkeiten eines dritten Präs.bentschafts-Kandibaten anlangt, so schreibt das „Petit Journal", man habe von dem radikalen Senator S a r r a n t gesprochen, dem Bruder des Kolonialministers im ersten Kabinett Poincarss. Er habe Rein gesagt Run werde von Senator Bienvenu und Re - miuld gesprochen. Ein Blatt weist auch durch Veröffentlichung einer Photographie auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Georg Lehgues hin. Die „Sre nouvelle" spricht von einem Manöver des Rationalen Blocks und veröffentlicht darüber folgende Aeuherung: Wie man auf Grund von Mitteilungen von zuverlässiger Seite feststellt, sind in der demokratischen Linken der Kammer die Abgeordneten Reibel und Flaudin offen für die Kandidatur Doumergues eingetreten und haben ihre Freunde gebeten, doch sämtlich für Doumergue zu stimmen. M a g i n o t sei der gleichen Ansicht, meint aber, die Gruppe solle ihre Karten erst im Augenblick der Abstimmung ausspielen. Es ist nicht logisch, daß die Jünger Millerands sich einem ehemaligen Ministerpräsidenten von 1915 anschließen, der die Verhandlungen Poincares und De 1 cassesin Ruh- land zum Abschluß gebracht, der die Ruhrpolitik gebilligt und der unmittelbar vor den Wahlen sich bereit erklärt habe, auf die Einladung der Union für wirtschaftliche Interessen zu erscheinen? Muß man überdies noch daran erinnern, daß Mi Iler and, ehe er sich zum Rücktritt entschloß, mehrere Unterredungen mit Doumergue hatte, über die die große Presse ein Besorgnis erregendes Schweigen bewahrte? Die Micum-Verttäge. Düsseldorf, 12. Juni. (WB.) Die heutigen Verhandlungen mit der Micum sind ergebnislos zu Ende gegangen. Die weiteren Besprechungen sind auf Sonntag vormittag festgesetzt toorben. Zum Ablauf der Micumverträge am kommenden Sonntag schreibt der „Temps": Am vergangenen Montag habe die deutsche Regierung durch Vermittlung ihrer Botschaft in Paris und ihrer Gesandtschaft in Brüssel der französischen und der belgischen Regierung eine schi-iftliche Mitteilung gemacht. Sie habe im wesentlichen auseinandergesetzt, daß die Ruhrindustriellen die Drennstofftieferun- gen nicht mehr finanzieren könnten und daß das Reich nicht in der Lage sei, diese Lieferungen zu bezahlen, da ßsie aber durchaus geneigt sei, in Verhandlungen mit Belgien und Frankreich einzutreten, um unmittelbare Abmachungen herbeizuführen. Unter den provisorischen Lösungen, die die deutsche Regierung vorgeschlagen habe, befindet sich auch eine, die jetzt in Rachrichten aus Berlin erwähnt wird. Die Brennstofflieferungen sollten hiernach mit Hilfe Deutschland verlangt hat, daß Deutschland nunmehr alle Maßnahmen trifft, die die Annahme des Gutachtens mit sich bringt, dann durfte und muhte der Kanzler jetzt von der Entente verlangen, daß auch von ihrer Seite aus alle Maßnahmen getroffen werden, die in dem Gutachten als notwendig bezeichnet sind, um die deutsche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Dazu gehören Wiederherstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Einheit des Reiches und im Geiste dieser Forderung die Rückberufung aller Vertriebenen, die Freiheit aller Gefangenen — die Wiederherstellung des Zustandes, den der Versailler Vertrag vorsah, um von Deutschland weitreichende Leistungen zu verlangen. Die wirtschaftliche und finanzielle Einheit kann aber nicht wiederhergestellt werden, solange sich noch Gebiete des Ertrages derVerkehrssteuer finanziert werden. Die gegenwärtige französische Regierung habe sich mit der Forderung begnügt, daß der Vertrag zunächst für den Augenblick im Ruhrgebiet bestehen bleibt, bis nach Bildung eines neuen französischen Kabinetts Beschluß gefaßt werden könnte. Andererseits möchte man in Paris wissen, was die belgische Regierung denke, beim Belgien sei die gleiche beutsche Mitteilung zugegangen, unb es sei ebenso an den Operationen im Ruhrgebiet interessiert wie Frankreich. Es wäre verfrüht, über die von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Kombinationen oder über irgendeinen anderen Punkt, ■ der an den sachlichen Kern der Debatte rühre, eine Ansicht auszusprechen. Man könne heute nur dem Wunsch Ausdruck geben, daß die Drennstoff- lieferungen nicht unterbrochen würden und daß die neue Periode, in die man eintrete, nicht mit einer Krise im Ruhrgebiet beginne. Uebri- gens betrachte man in Paris die jetzige Haltung Der deutschen Regierung nicht als ein Anzeichen schlechten Willens, und die neue französische Regierung, deren guter Wille sicher sein werde, verdiene es, bah sie überall eine Hilfe finde, die den ihr bevorstehenden unverdientes Schwierigkeiten angemessen fein sollte. Erleichterungen für Rhein- und Ruhrgefangene. Berlin, 12. Juni. (WTD.) Die seit geraumer Zeit schwebenden diplomatischen Verhandlungen über das Schicksal der in französischen Strafanstalten, insbesondere.in Saiat Mar- tin-de-R6, festgehMenen 42 Rhein- und Ruhrgefangenen haben zu dem vorläufigen Ergebnis geführt, daß zunächst einmal, und zwar noch im Laufe dieser Woche, diese Gefangenen in Gefäng» nisse des besetzten Gebietes zurück- gebrächt werden. Gleichzeitig werden sechs wegen politischer Delikte verurteilte Franzosen aus den deutschen Gefängnissen entlassen. Es ist zu hoffen, dah diese Maßnahmen die Einleitung zu der endgültigen Befreiung aller Rhein- und Ruhrgefangenen bilden werden. England wünscht unseren Beitritt zum Völkerbund. London, 12. Juni. (WTD.) Der politisch» Beobachter des „Daily Telegraph" schreibt, di» Anstrengungen der britischen Diplomatie seien im Augenblick dahin zusammengefaßt, di« deutsche Regierung von der Rotwendigekit eind sofortigen deutschen Antrages um Aufnahme in den Völkerbund zu überzeugen. Dies werde gewünscht angesichts der Pläne Macdonalds, die Völkerbunds Versammlung im August-September zu einer histo. rischen Gelegenheit zu gestalten, in deren Verlaus entscheidende Schritte unternommen werden sollen um eine allgemeine Befriedung in Europa zustande zu bringen. Dies könne nicht erreicht wev den, wenn Deutschland sich weigere, dem Völkerbund beizutreten. Don seiten Mussolinis fe die Versicherung eingegangen, dah er Macdonalds Anstrengungen in Genf unterstützen und persönlich an der Versammlung teilnehmen werde. Ein Ausbruch der englischen Beklemmung. London, 12. Juni. (WB.) Sir John Simon erklärte in einer Rede, die er in Wales gehalten hat, es gäbe eine große Ration in Europa, die offenkundig die im Friedensvertrag niedergelegten Grenzen überschreite und sich in einem anderen Lande ohne Recht und nur nach eigenem Gutdünken festsetze. Diese sehr- ernste Tatsache werde dadurch noch ernster, wenn man sich vergegenwärtige, das diese Hngesetzlichkeit ohne wirksam« Protesteder Mächte andauere. Man hab« gehofft und geglaubt, dah der Weltkrieg zl in der Gewalt französischer und belgischer ®enenn Deutschland auch das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag nicht ra» tifizrert habe, es doch am Grundsätze des Achtstundentages f e st h a l t e, und die Abweichungen, die nur auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen f nb, einen vorübergehenden Charakter haben. Im übrigen seien die deutschen Gewerkschaften! durchaus in der Lage, sobald die Umstände das möglich machen, sich selbst für die stritte Anwendung des Achtstundentage; .einzasetz.m, Soweit er das aus den ihm vorliegenden Tarifverträgen ersehen könne würden außerdem die äi e b c r ft u n » den bezahlt, und in verschiedenen Industtten, so in der Glasindustrie, der Duchdruckerei und im Bergwerks betrieb werde der Achtstundentag weiter durchgeführt. Abänderung des Reichswahlgesetzes. Berlin, 12. Juni. (WB.) Das Reichs - kabinett hat den Entwurf zur Abänderung des Reichswahlgesetzes gmrehmigt. Es hat beschlossen, den bereits früher gerte')m-:gten Entwurf einer Rovelle zum Reichswah'gefeh (Wahlreformnovelle), welche die D i l d u n g k l e i- nerer Wahlkreise vorsieht, nunmehr beim Reichsrat einzubringen. Die Rovelle sieht außerdem vor, dah die Parteien sich an den Kosten des Stimmzettels beteiligen, um so die mißbräuchliche Ausnutzung des amtlichen Einh^itsstimmzettels, der sich im übrigen nach Auffassung aller Kreise vorzüglich bewährt hat, bei künftigen Wahlen auszuschalten. Tie Frage der Auslandsreisegebühr wird in einer Sondersitzung des Kabinetts zu Beginn der nächsten Woche besprochen werden, da sie nicht au trennen ist von der W ä hr u ng s- und Kreditfrage, die im Zusammenhang hiermit durch den Präsidenten der Reichsbank eingehend bargelegt wird. Fiskalische Absichten werden bei der Frage der Aufrechterhaltung der Ausreifegebuhr wie bisher vollkommen außer Betracht bleiben. Noch keine neue Regierung in Bayern. München, 12. Juni. (Wolff.) Die auf heute verschobene interfraktionelle Sitzung, in der zwischen Vertretern der Bayerischen Dolkspartei, der Deutschnationalcn, sowie des Bauernbundes einerseits und Völkischen Block andererseits die Frage der Koalittons- bUbung weiter besprochen werden sollte, ist Jetzt geh zu deiner Frau. Ich will dich nicht mehr sehen, bis acht Stunden um sind. Der Tessiner Ist bandagiert und guter Singe. Die @nd war bei ihm und hat ihm übers Haar gestrichen. Aber da war er schon gewaschen und gebürstet. Run liegt er still und schluckt Brom." Lenz ging und Gottfried Bantiger hielt noch einmal acht Stunden aus. Als der Sohn zurückkehrte, stützten zwei Leute den Baumeister, denn er konnte nicht mehr allein geben, und sank mit einem unterdrückten Stöhnen auf den Danksih, den sie ihm auf dem Förder- Hähnchen eingerichtet hatten. Am dritten Tage war der Einbruch von allen Seiten abgeriegelt, das Wasser gebändigt und die eingebrochene Schicht so getrocknet, daß sie ihr zu Leibe gehen konnten. Aber vergebens hatte Lorenz die Arbeit zeitweise unterbrechen und alle Geräusche abstellen lassen, um auf ein Lebenszeichen der Abgeschnitte- nen zu lauschen. ES blieb still hinter dem riesenhaften Schutthaufen wie in einem Grab. Ser Baumeister hatte seine körperliche Schwäche überwunden. Er gab sich nicht gefangen, und als die Aufsichtsbehörde mit billigen Verhaltungsmaßregeln und Vermahnungen aufrückte, al£ im Derwaltungsrat gegen ihn gehetzt wurde und die Presse gegen ihn a ufstand, t>erf)ärtete er noch mehr und schrieb, schrie, spie ihnen seine Verachtung ins Gesicht. Er überschrie damit die Selbstvorwürse, die sich in ihm regten, und schlug sie zu Boden. rr öer dritte Tag sich neigte, vergaß er aüe« über der Rettung der Verschütteten. Er hatte am liebsten selbst Hand ans Werk gelegt. a d g e 1 a g i wvroen, nacyoem ver Völkische Block erklärt hatte, daß er an den Besprechungen nicht mehr teilnehmen werde. Die Initiative zu weiteren parlamentarischen Verhandlungen über die Frage der Koalitionsbildung hat jetzt wieder die Bayerische Volkspartei übernommen. Unter dem Vorsitz des Abg. Held werden morgen die Führer der bisherigen Koalittonsparteien, nämlich der Bayerischen Dolkspartei, der Deutschnationalen und des Bauernbundes zu neuen Besprechungen zusammen treten. Die deutschnationale Landtagsfraktion veröffentlicht eine Erklärung über den plötzlichen Abbruch der Koalitionsbesprechungen und über den Stand der Regierungsbildung, in der betont wird, daß nach der ersten Mitteilung des Völkischen Blocks angenommen werden mußte, dah er grundsätzlich gewillt fei, sich an der Regierungsbildung ernstlich zu beteiligen. Die Verantwortung für den jetzigen ablehnenden Schritt des Völki - scdenBlocks müsse einzig und allein ihm überlassen werden. Die Frage der Eisenbahnerlöhne Berlin, 12. Juni. (WTB.) Heute nachmittag fanden zwischen dem ReichSver- kehrSMinisterium und Vertretern der Eisenbahner-Gewerkschaften Besprechungen statt, in denen die Forderungen der Gewerkschaften auf eine Lohnerhöhung und anderweitige Arbeits- zeitrege lung überreicht wurden. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Antwort des ReichSderkehrsministerS wird in einer für morgen vereinbarten erneuten Zusammenkunft mitgeteilt werden. Wie das „Berl. Tagebl." hört, hat die Zuspitzung des Konfliktes zwischen den Cifenbahnerorganisationen und dem Reichsverkehrsministerium zu einer Intervention der Gewerkschaften geführt. Die Spitzenorganisationen aller Richtungen halten heute vormittag eine Besprechung mit den ihnen angeschlossenen Eisenbahnerorganisationen ab, in der eine Beilegung des Kon-, fliktes versucht werden soll. Ein Prozeh mit politischem Hintergrund. Stettin, 12. Juni. (WTB.) Am 16. Juni beginnt in Stettin die Hauptoerhandlung gegen drei ehemalige Angehörige der preußischen Schutzpolizei, die ungesagt sind, Ende März 1922 in Hamborn den belgis chen Leutnant Graff getötet zu haben. Dem Prozeß kommt deshalb besondere Bedeutung za, weil über die Urheberschaft des Mordes nod)> völliges Dunkel besteht. Die deutschen und belgischen Gerichte halten ganz verschiedene Persönlichkeiten für die Ar Heber des Mordes. Das belgische Militärgericht in Aachen verurteilte seinerzeit wegen dieses Mordes den Polizeileutnant Reinhardt and fünf weitere Angehörige der Schutzpolizei in Hamborn zum Tode. Das Urteil wurde später in l e - bensläng liches Zuchthaus umgenxrndelt. Die Verurteilten befinden sich zur Zeit im belgischen Zuchthaus in Löwen. Irn Gegensatz zu dem belgischen Urteil sind die deutschen Anklagebehörden der Ansicht, daß nicht die vom belgischen Gericht Verurteilten die Sätcr sind, sondern deutscherseits werden die ehemaligen Angehörigen der Hamborner Schutzpolizei Ka ws, Schwirrat und Eng eie r, die im Stettiner Geiichtsgefängnis in Untersuchungshaft sitzen, für die Täter gehalten. Kleine politische Nachrichten. Rach Rücksprache der beteiligten Kreise mit dem Regierungspräsidenten in Arnsberg ist nunmehr entschieden, dah der deutsche Tag in Siegen am Samstag und Sonntag im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen' doch statt- findet. Zur Teilnahme erscheinen bestimmt Exz. Ludendorff, General Albrecht von Below und General Hutier. Der sozialistische 3lbg. Ma t tevttr, ein Führer der Opposition in der italienis che n Kammer, ist seit Dienstag abend aus Rom verschwunden. Dlättermeldungen zufolge wurde er in einem Auto entführt. Die Behörden stellen lebhafte Rachforschungen an. Rach einer Blättermeldung aus Prag wird die dortige deutsche Universität ihre Absicht, nach Reichenberg überzusiedeln, aufgeben, da der Hochschuletat für das neue Hahr eine Reihe von Neubauten für die deutsche Universität vorsieht. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. Juni 1924 Kleinsparer und Sparkassenguthabeu. Durch die Festsetzung der Reichsbank, wonach die Rentenmark gleich 1 Billion Papiermark gilt, und durch die dritte Steuernotver- vrdnung, nach der das Reich den Zinsendienst für die Kriegsanleihen einstellt, ist, so wird in einer kleinen Anfrage im Preußischen Landtag ausgeführt, der Masse der kleinen Sparer alles genommen, was sie sich in jahrzehntelanger Arbeit erspart hat. Die Anfrager führen weiter aus, daß die Sparkassen derjenigen Städte, die Sachwerte in Waldbesitz hätten, mit Leichtigkeit den Verpflichtungen ihren Sparern gegenüber nachkommen könnten. Aus die Frage, was das Staatsministerium zu tun gedenke, „um die Reichsregierung zu veranlassen, die soziale Ungerechtigkeit zu beseiti- gen“, erteilte der preußische Minister des Innern nachstehende Antwort: „Die dritte Steuernotverordnung sieht tt den §§ 1, Ziffer 9, und 7 eine A u fwe rtun g der Guthaben bei öffentlichen oder unter Staatsaufsicht stehenden Sparkassen vor. Die näheren Bestimmungen über Bildung und Verteilung der Teilungsmasse sowohl, als über einen etwa vom Schuldner zu der TeilungS- mässe zu leistenden Beittag sind den Landesregierungen überlassen. Bei Erlaß der in Vorbereitung befindlichen preußischen Ausführungsbestimmungen wird geprüft werden, ob und in welchem Umfange die rechtlich als Schuldner der Sparkassenguthaben zu betrachtenden Gewährleistungsverbände der öffentlichen Sparkassen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu Bei- trägen werden herangezogen werden können.“ Von hessischen Ausführungsbestimmungen ist bisher noch nichts bekannt geworden. * Milderung der Hundesperre. Das Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgendes bekannt: Rachdem in Hessen neue Wutfälle nicht festgestellt worden sind, ordnen wir mit Zustimmung des Ministeriums des Innern für den Kreis Gießen an, daß dieHunde entweder ohne Maul- korb an der Leine oder mit Maulkorb unter gewissenhafter Überwachung frei umherlaufen dürfen. Wir weisen die Hunde- besiher darauf hin, dah die genaue Befolgung der Vorschriften erwartet wird, da die Gefahr keineswegs beseitigt ist. Bei Richteinhaltung der abgemilderten Bestimmungen ist wieder mit einer Verschärfung au rechnen. Die Maulkörbe müssen das Beißen sicher verhindern können. Riemen, die dem Hunde um die Schnauze gelegt werden, genügen der Vorschrift nicht. Besonders haben wir Anlaß/ in den Landgemeinden auf strenge Einhaltung der Bestimmungen zu drängen. * ** Gesperrt. Vom Polizeiamt wird un8 geschrieben: Anläßlich der am 14. und 15.3uni stattfindenden Gießener Ruderregatta wird der Feldweg am Bahndamm vom Dootshause der Gießener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Ederstrahe (Bahnüberführung) am 14. Iuni für die Zeit von 5 bis 8 Ähr nachmittags und am 15. Iuni für die Zeit von 8 bis 12 älhr vormittags und von 2 bis 8 Uhr nachmittags für den Durchgangsverkehr gesperrt. ** Der Gießener Arbei t smarkt hat sich in den letzten Wochen ersreulicherweise etwas günstiger gehalten, als der Arbeitsmarkt in manchen anderen Plätzen von der Größe and in der Rachbarschaft unserer Stadt. Zur Zeit werden hier nur noch etwa 80 Vollerwerbslose unterstützt, eine im Verhältnis zur allgemeinen Wirtschaftslage nicht besonders große Ziffer. Kurzarbeit ist gegenwärtig in unserer Stadt nicht vorhanden, jedoch dürfte in einigen Tagen ein hiesiger Großbetrieb sich gezwungen sehen, infolge Auftragsmangels and ungenügender Kapitalstärke zu Vorratsarbeiten wieder za der verkürzten Arbeitszeit überzugehen. Der städtische Arbeitsnachweis ist schon jetzt dem von der Stadt Offenbach beim Mi- nifterium für Arbeit und Wirtschaft gestellten Antrag auf Wiedereinführung der Kurzarbeiterunterstützung beigetreten, um hierdurch Hilfsmittel für die durch mangelnden Verdienst in Bedrängnis kommenden Arbeiter verfügbar zu machen. ** Oberhessischer Geschichtsverein. Am nächsten Sonntag, dem 15., werden in Fr ied- Manchmal war ihm, als wäre er nicht mehr der Unternehmer, nicht mehr Gottfried Bantiger, der Baumeister, sondern der Dantiger-Gvtti von Runs, der mit dem Christen-Sepp Steine gesprengt und Kalk gegraben hatte, und die da drinnen im Berg feine alten Kumpane. Er aß mit den Arbeitern in der Kantine, er biß ihren Tabak, er spuckte, fluchte, lachte und riß sie zu unerhörten Anstrengungen mit. Es war am spaten Abend des dritten Tages. Lorenz Bantiger befahl noch einmal, zu horchen, ob sich hinter der Schuttwand nichts rege. Alles schwieg. Die Maschinen waren abgestellt. Rur das Tropfen des Wassers von der Decke und das Zischen der Kohlenfadenlampen störten die Stille. Aber auch diesmal blieb die Tiefe stumm. Kein Ohr', kein Mikrophon fing einen Hall aus dem Innern des abgequetschten Stollens. Lenz lieh Klopftöne geben und befahl, die ganze Schuttwand abzutasten, ünb bai geschah's, daß ein Mineur, der sich in der Zimmerung emporgearbeitet hatte und ganz oben zwischen Hangendem Fels und herausgequollenem, längst festgewordenem Schwemmsand hockte, behauptete, er höre den dumpfen Aufschlag in der Tiefe arbeitender Spitzhacken. Lorenz Bantiger flieg selbst ins Gebälk und kr-och zu ihm hin. Als er nichts hörte außer dem harten Fall erdbeschwerter Tr-opfen, wühlte er ein. Loch zwischen Fels und Bett und schob sich so weit vor, dah er das Ohr an den gewachsenen Stein pressen konnte. So lag er eine Weile und lauschte. Als er herabstieg, brannte fein blasses, ab» gemagertes Gesicht wie von innen erleuchtet, und er trat zu dem Baumeister und sprach so laut, daß die Llmstehenden jedes Wort verstanden: -Ich hab' ihr Zeichen deutlich vernommen. Sie leben, fie rufen uns." Da lachte der Baumeister fein altes befreiendes Lachen. Er konnte keinen Befehl geben, konnte nicht sprechen, aber er lachte und wies mit ausgestreckter Hand auf den Schuttwall, und Hauen und Stemmeisen brachen im Schwung neubelebter Arme in den tückischen Grund. Alles kam ia Bewegung. Rur der alte Arzt schien unzufrieden. Er rückte seinen Sauerstoffapparat zurecht und sagte leise zu Lenz: „Der Paumeister zwingt's, aber wir wollen die Lebenden erst zählen, wenn wir sie hier auf den Schrägen legen.“ „Sie meinen?" forschte Lenz gefbannt und fühlte, wie ihm etwas kalt über das erhitzte Gesicht fuhr. Der Arzt zuckte die Achseln. „Wir sind noch lange nicht bei ihnen, unL Hunger, Mangel an Luft, ganz abgesehen davon, dah doch mehr als einer ganz verschüttet sein kann — na, wir werden ja sehen. Luft und Rah- rung, wenn wir ihnen die zuführen könnten, dann könnt' ich mitlachen." Die Worte wühlten sich in das grübelnde Hirn des Sohnes und frallteit sich darin fest, und als der Morgen graute und die Arbeit nur langsam rückte, weil immer wieder gesperrt und verkeilt werden mußte, kam ihm ein rettender Gedanke. (Fortsetzuno folat) ter g Vie Vertreter des Verbandes der hessischen Aeschichts- und Altertumsvereine zu einer Sitzung gutammentreten. Gleichzeitig wird der Historische Verein für Hessen auf seinem zweitägigenSommer- ausflug die alte Reichsstadt besuchen. In der »Aula des Gymnasiums hält aus diesem Anlaß sArchivdirektor Dr. Dieterich -Darmstadt einen PZortrag über „Wege und Ziele der Ortsgeschichte", Lind am Rachmittag findet eine Besichtigung der historischen Sehenswürdigkeiten Friedbergs unter sachkundiger Führung statt. Den Mitgliedern des ^Oberhessifchen Geschichtsvereins und denen, die Mitglied werden wollen, ist Gelegenheit geboten, Durch Beteiligung an den Veranstaltungen einen Igenuhreichen Tag in unser er interessanten, an historischen Erinnerungen so reichen Rachbarstadt zu lverbringen. (Siehe Anzeige in dieser (Rümmer.) "Die Abon n e rn e n t s ko n z er t-Reihe unserer Militärkapelle unter der Leitung des Oberrnusikmeisters L ö b er wurde gestern abend auf der Liebigshöhe mit dem ersten Konzert sehr verheißungsvoll eröffnet. Das Programm zeigte eine recht gediegene Musikfolge, die dem zahlreichen Publikum u. a. Kompositionen von Beethoven, K. M. von Weber, Rich. Wagner, Hob. Strauß usw., daneben aber auch noch zahlreiche populäre Weisen, u. a. die immer wieder zündenden guten, alten Armeemärsche, Hannern anns Potpourri „Rheinischer Sang", Schäffers „Die Post im Walde" und den bekannten großen Zapfenstreich brachte. Unter der schneidigen Stabführung ihres Obermusikmeisters bereitete die Kapelle mit ihren ausgezeichneten Darbietungen den Besuchern einige sehr genußreiche Stunden, die man ihr mit lebhaftem Beifall und dem Verlangen nach einigen Zugaben, dem bereitwilligst Erfüllung gewährt wurde, dankte. Trotz der kühlen Abendtemperatur, die bei dem Sitzen im Garten schließlich empfindlich wirkte, hielt alles bis zum Schluß aus, um die Freude dieses Militärkonzerts auch ganz zu genießen. Dem dankenswerten Bemühen der Kapelle sollte alle Förderung durch unsere Bürgerschaft zuteil werden, damit der Garten der Liebigshöhe, der gestern schon stark gefüllt war, bei den folgenden Konzerten ganz besetzt wird und die Kapelle auch wirtschaftlich voll und ganz auf ihre Rechnung kommt. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8 ilfjr in der Stadt Lich außerordentliche Hauptversammlung. — Rundfunkhaus, Löberstrahe: 8V2 illjr Heiterer Abend. — Palast-Lichtspiele: „Gebende Buddhas". — Aus dem Stad tt hea terbureau wird uns geschrieben: Die Dühnenleitung ist von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, daß durch späteren Anfang der Vorstellungen im Sommer sicherlich eine Hebung des Besuches zu erzielen sein würde. Es soll nun, trotz Erhöhung der Unkosten, versucht werden, den Anfang auf 8 Uhr zu berlcgm, und es soll mit dieser Verlegung gleich bei dem nächsten Thsaterabend am Dienstag, den 17. Juni, der Anfang gemacht werden. An diesem Abend findet ein einmaliges Gastspiel des „Oberbayrischen Bauerntheaters" mit der bekannten Po se „3 ä g e r 6 1 u t“ statt. Die Gäste haben erst jetzt in Wiesbaden (Staatstheater) und Frankfurt am Maßt in einer Serie von Vorstellungen leb bas en Erfolg erzielt, der ihnen auch hier treu bleiben dürfte. Der Kartenvorvertauf beginnt am Sonntag, den 15. Ium, um 11 Uhr und findet auch am Montag und Dienstag in den bekannten Geschäftsstunden statt. (Siehe Anzeige.) — Der Oberhes fische Kunst verein eröffnet am Sonntag, 15. Juni, eine Ausstellung Frankfurter Künstler, welche Gemälde, Zeichnungen. Graphik und Plastik umfaßt. Die Ausstellung ist zu den üblichen Zeiten geöffnet. Die Besitzes von Anteilscheinen können die Ubbelo'htesche Radierung an der Kasse in Empfang nehmen. — Südwestdeutscher Radioklub, Ortsgruppe Gießen. Man schreibt uns: Alle Funlfreunde und solche, die es werden wollen, machen wir aufmerksam auf die in nächster Woche beginnenden beiden Kurse, die der Gießener Radio-Klub veranstaltet. Sin Bastelkurs soll allen, die sich selbst einen Apparat bauen wollen, die erforderliche Anleiiung vermitteln, während ein Lehrkurs theoretisch das weite Gebiet der Radiotechnik in großen Zügen möglichst anschaulich durch zahlreiche Versuche den Hörern nahebringen «wird. Der Besuch beider kann besonders.den Funkfreundea warm empfohlen werden, die eine Versuchserlaubnis haben wollen, die aber noch nicht die von der Post verlangten technischen und sonstigen Dorkenntnisse "haben. (Siehe Anzeige.) — Berliner Sängerbesuch in Gießen. Am Samstag, 28. d. Mts., gibt der Gesangverein „Sängerkranz"- Berlin in unserer Stadt ein größeres Konzert. Der Verein, der sich auf einer Konzertreise befindet, und dem ein guter Ruf vorausgeht, wird, so schreibt man uns, in Stärke von über hundert Sängern auftreten. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, nur erste Künstler als Solisten zu verpflichten. Das Konzert wird in der Reuen Aula stattfinden. Landkreis Gieren. * Muschenheim, 12. Juni. Am nächsten Sonntag findet hier das diesjährige volkstümliche Bezirksturnen des 5. Bezirks im Turngau Hessen statt. Von 25 Bezirksvereinen sind die Wetturner in großer Zahl angemeldet, so daß bei gutem Wetter sich ein reges turnerisches Leben entwickeln wird. Der hiesige Verein, der seit 20 Jahren besteht, verbindet mit dem Turnfest die Weihe seiner neuen Fahne. Die Einwohnerschaft wird alles aufbieten, um den Gästen aus nah und fern einen schönen Aufenthalt zu bereiten, sie tut das um so mehr, als es das erste Turnfest ist, das in unserem Orte veranstaltet wird. Man beachte das Inserat in diesem Blatte. Starkenburg und Rheinhessen. * Offenbach, 12. Juni. (Eigener Bericht.) Hier veranstalteten mehrere große Wirtschaftsverbände eine Kundgebung gegen dieho° hen Steuern und gegen die lleberfdjuf]- wirtschaft der Stadt Offenbachs Es wurde eine Entschließung angenommen^ in der festgestellt wird, daß die Steuerbelastung in Hestm und besonders in Offenbach das erträgliche Maß, auch im Vergleiche zur Belastung benachbarter nichthessischer Orte, bereits längst überschreitet. Die Stadtverwaltung hat einen Ueherschuß von P/o Millionen Goldmark aus der Offenbacher Wirtschaft Herausgeholt. Die Entschließung kritisiert dies u. a. mit folgenden Worten: „Widerspricht eine solche Uebcrschuß'wrrtschaft an und für sich schon den Grundsätzen gemeindlicher Um» lagebedung und einer auf weite Sicht eingestellten gemeindlichen Finanzpolitik, so muß daneben noch erschwerend ins Gewicht fallen, daß die Stadtverwaltung diese Gelder nicht etwa der Offen» bacher Wirtschaft in Form von dringend benötigten Krediten wieder zugeführt, sondern sie nach auswärts verliehen hat. Die Versamm- hing forderte von der Stadtverwaltung eine s o - faltige Ermäßigung der Steuerzah- lung. Rückführungderaus cfel iehenen Gelder nach Offenbach und ihre Ausleihung als Kredite an die Offenbacher Wirtschaft, Hcsscn-Nassau. ][ Marburg, 12. Juni. In den Waldungen der sog. „Lummersbach", etwa 1 Stunde westlich unserer Stadt, erlegte der Jagdaufseher Müller aus Elnhausen einen Keiler, der ausgeschlachtet 16 0 Pfund Gewicht hatte. Ein seltenes Iagdwild jn hiesiger Gegend. fpd. Frankfurt a. M., 12. Juni. Reichspräsident Ebert wird in den nächsten Wochen der Kinderstadt Weg sch ei de einen Besuch ab» statten». — Wie wir hören, ist zwischen den Deutschnationalen, den Volksparteilern und den Demokraten bezüglich der Wahl des Oberbürgermeisters sine Einigung dahin erzielt worden, daß sie an dem bisherigen Oberbürgermeister Voigt festhalten. Die Wiederwahl Voigts dürfte als gesichert gelten. — In der Schüppengasse kam es in einer Familie zu Streitigkeiten, die schließlich in eine Messerstecherei ausarteten. Dabei wurde ein Korbmacher von seinem Schwager durch einen Messerstich in den Bauch tödlich verletzt. — on oer vchwanenapotheke sturzle das Hausmädchen Katharina Fischer aus einem Fenster des zweiten Stocks in den Garten. Es erlitt lebensgefährliche innere DerleHungen und mußte dem Kranlenhause zugeführt werd»" ■3 Wollen Sie fiel Geld verdienen? M dann versäumen Sie nicht mein gut assortiertes Lager in Sonntag, 15. Juni, von 11—1 Uhr Montag u. Dienstag, je von 10—1 Uhr. nillllllllllllllllllllllllillllliillllllllllllinilllllllllllllllllllllllll WlWlWMM "aÄnWer Ilusflakkimg flilreln u.melswsrkllleSrMi W llnlo.-Drutierel. H. klinge. Gießen, 5chulstt.7. re N laBmi-totata neu sowie getragen, ohne Kauf- | Swang zu besichtigen. Getrag. 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Insbesondere danken wir dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte und für die Kranzniederlegung des Reichsverbandes deutscher Post- und Telographen- beamten, Ortsgruppe Gießen, dem Postverein Gießen 1906 und dem Ev. Arbeiterverein. Die trauernden Hinterbliebenen. L d. N.: Marie Stephan geb. Hofmann. Gießen (Sandgasse 45), den 12. Juni 1924. _____ oa*as Arbeitsvergebung. Auf Grund der Verdingungsvor fünften wird die Kanalisation derArbeiter- häufer in Wölfersheim ausgeschrieben und zwar: 390 m Tonrohrleitung, 185 Bogen und Abzweige, 2 Schächte, 4 Fettfänge, 18 Waschküchensinkkasten u. dergl. Angebotsunterlagen auf Zimmer 4 des unterzeichneten Amtes. Eröffnungszeit: 20. Juni d. I. vormittags 10 Uhr Zimmer 4. Zuschlagsfrist 14 Tage. Friedberg, den 12. Juni 1924. Hess. Hochbauamt: Haag. 4852V Niederlage: Gesunde Füße I I Schuhhaus Herbert Gießen Marktplatz 2, neben d. 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IMlWWlGlWlykMleill Sonntag den 15.d.M. vormittags 11 Uhr findet in Friedberg in der Aula des Gymnasiums eine Dertretersitzung des Der, bands der hessischen Geschichts- und Altertumsvereine statt. Herr Archivdirektor Dr. Dieterich- Darmstadt wird einen Vortrag über „Wege und Ziele der Ortsgeschichte" halten. Nachmittags werden die Sehenswürdigkeiten der Stadt unter sachkundiger Führung besichtigt werden. Da der Historische Verein für Hessen in Darmstadt gelegentlich seines Sommerausfluges anwesend sein wird, laden auch wir unsere Mitglieder zu zahlreicher Beteiligung ein. 4848v Der Vorstand. empfiehlt 8MD*r Bernh.DosclrÄ /w Sorren- and Frlsanrgeschäll Sir Xenen BtLue 12 f Ecke Weidengasse/ /I r Parfümerie und Toiletteartikel Samstao i Schütz. Bürger- gesellschast Samstag, 14.Juni abends 8 Uhr Familien-Aus- flug mit Tanz gorl5ruh.j853v Ein neuer Beweis! | •—9—99—9 Haben wir es hier mit einem großen Künstler, was gleichbedeutend mit Könner ist — zu tun ? Sein Werk lehrt es. Das Innerliche, das Tief-Mystische dieser seltsamen Filmhandlung muß überraschen, auf Grund seiner uns bisher gänzlich ungeahnten Behandlung gewisser Sujets. Licht und Schatten wechseln mit einer ans Unmögliche grenzenden Schnelligkeit, plastische, visionäre Erscheinungen, die den Gang der Ereignisse gleichsam unterstreichen und hervorbeben, zeigen die mannigfaltigen Wirkungen kunstvoll angewandter Photographie. Die Regie, für die ein Ganzer wie PAUL WEGENER Heute abend 8.30 Uhr Heiterer Abend Anschließend Nachrichtendienst. verantwortlich zeichnet, feiert hier höchste Triumphe. Auch die Dar- stellungläßtkeineWünsche offen, was eigentlich als selbstverständlich erscheinen muß. Paul Wegener als der überirdisch anmutende Groß- Lama, ist eine ebensolche darstellerische Glanzleistung als die einer fiSTS KIELSEH welche wohl kaum jemals auf einer solchen Höhe ihrer großen Kunst stand, wie hier als bedrückte und von düsteren Ahnungen erfüllte 1 ibeterin, die der schrecklichen Göttin Kurukulle zum Opfer fallen soll. Ab heute bis einschließlich Montag, den 16. Juni die Erstaufführung: Lebende Biddhas | 5 Akte I Eine Phantasie aus dem Schneelande Tibet. | 5 Akte | Personen der Handlung: Se?neSFrauamPbel* Geograph und Expeditionsleiter. Hans Sturm Professor Smith. Sprachforscher . * .' ' ' ' ' " ^^Karl^Ebert Der ÄLa'ma ader' ArZt.........Heinrich Schroth r Jeb-sun, der junge Lam^ Schüler' und Adept Panl M e«ener Eine Tibeterin .Gr.oß-Lam»s.........Grigorlj Chmara Erster Lama..... ^"1«. Nielsen Zweiter Lama .............Friedrich Kühne zweiter Lama..................Max Puhl Dazu: Die feierliche Eröffnung der Britischen Reichs- ausstellung von 1924 durch den König v. England Deulig-Woche, Bilder aus aller Welt VT Verstärktes Orchester! asr Verstärktes Orchester! Einlaß */,4 Uhr Beginn 4 Ehr, 6.10 Uhr und 8.30 Uhr Keine erhöhten Preise! 4841c sucht geeignete Lagerräume für bzii evtl. Uebergabe von Kommissionslager beabsichtigt. Angeb. unter ff. 1.4179 an Ala-Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M. 4855A Bühnenvsltsbund Sonntag, den 15. Juni, nachm. 51/, Uhr, aus der Waldbühne MWMlSWW von Fr. Lienhard. Ermätz. Preise. Kartenvoroerk. bei Thallier. Die angeschlossenen Vereine: Alice-Frauen- verein, Evang. Frauenverein, Kath. Frauen- oerein, Kath Gesellenverein, Eoang.Arbeiter- verein und Wartburgverein erhalten be= irgend welcher Art lGarten- ob. Hausarbeit usw.) sucht junger, kräftiger Mann, 26Jahre alt. Näheres bet Hobt. Neuenweg 28 H Io,»»,1 Verschiedenes! Wer erteilt läjribv. Mädchen 1020882 Nachhilfs- Unterricht? 6 Näheres Plock- I stratze 7 III. noröanlagc 11 u. SIODdenmsdchen für vormittags von kleinem Haushalt gesucht. 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In diesem Leitartikel wird mit einem Schwulst von Phrasen behauptet, daß Reichskanz- ler Marx gezwungen gewesen wäre, den Standpunkt seiner „gemäßigten Regierung der Mitte" den Forderungen der Rechten anzupassen. In dieser Tonart gehl es weiter. Was der Artikelschreiber wirklich will, ist nicht ganz klar ersichtlich: eins aber klingt aus dem Aufsatz ganz .deutlich heraus: Die Herren des f b a n z ö s i - fchen Pressedienstes in Düsseldorf haben schon selbst das Gefühl, daß über kurz oder lang die französischen Propagandagelder nicht mehr so reichlich fliehen werden wie bisher, »und deshalb benutzen sie jetzt noch die Gelegenheit, um Intriguen zu spinnen und Unstimmigkeiten hervorzucufen. Auf eine sachliche Erwiderung dieses Auf- jsatzes einzugehen, hieße dem Düsseldorfer „Rach- richtendienst" zu viel Ehre antun. In dec deutschen 'gJreffc ist dieses Blatt ja einmal durchaus zu- 'treffend als „das schmutzigste Blatt der Welt" 'bezeichnet worden. Es wird aber gut sein, wenn *in Paris die Männer der Linken, sofern sie eine ehrliche Verständigung wollen, sich einmal darum kümmern, was für eine Art von Propaganda noch heute an Rhein und Ruhr im Rainen Frankreichs von französischer Sette getrieben wird. Was die französischen Rachnchten- vlättec in Düsseldorf und Koblenz sich an Beleidigungen und Verdächtigungen führender deutscher Staatsmänner geleistet haben, braucht nicht jim einzelnen geschildert zu werden: selbst vor dem Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches wurde nicht Halt gemacht. Das sind Dinge, die ein Volk von Ehre auf die Dauer nicht vertragen kann. Dafür wird man auch in Frankreich Verständnis aufbringen müssen. Wenn französische Zeitungen 5ich eine solche Sprache des Hasses erlaubt Haben so mögen die Gegner der deutsch-fcanzösi- schen Verftäichigung das mit sich selbst abmachen. Unerhört aber ist es, wenn solche Verdächtigungen vom Stapel gelassen werden in Rachrichtenblät.ern, die von der französischen Besatzung selbst geschaffen worden sind. Blätter, die, leider, lin deutscher Sprache auf deutschem Boden erscheinen, und die indirekt sogar .roch vom deutschen Volke bezahlt werden müssen. Wenn die französischen Machthaber am Rhein glauben, daß sie die Bevölkerung durch derartige schmutzige Pressearbeit im französischen Sinne be- einf lassen können, so irren sie sich gewaltig. Diese Blätter schaffen nichts anderes als Haß und Er- ditterung und deshalb inuß erwartet werden, dah das Düsseldorfer und Koblenzer Rachrichtenblatt nun endlich verschwindet! Einstweilen sieht es allerdings noch nicht darnach aus, denn vor kurzem hat General Degoutte Reparaturarbeiten rn ber Druckerei des „Düsseldorfer Tageblattes" verlangt. Das „Düsseldorfer Tageblatt" muß notdürftig in einer anderen Druckerei hergestellt werden, weil die Druckerei dieses Blattes für den Rachrichtendienst „requiriert" worden ist. Diese „Requisition" ist damit begründet worden daß in der Druckerei Arbeiten für den Heeresoedarf hergestellt werden mühten. Das ist freilich nichts anderes als eine Ausrede. Mit den Bedürfnissen der Besahungstruppen hat dec Rachrichtendienst nicht das Geringste zu tun. äleberdies stehen die Dachrichtenblätter auch im schärfsten Gegensatz au den Folgerungen, die aus dem Dawes- Gutachten zu ziehen sind. Es bandelt sich bei der Herstellung dieser Rachrichtenblätter um völlig unproduktive Ausgaben, .und schon aus diesem Grunde ist es erforderlich, daß darin so schnell wie möglich ein Abbau eintrrtt. Zudem haben sich gerade in der letzten Zeit bei der Stellungnahme dieser- Blätter erhebliche Differenzen zwischen den Auffassungen gezeigt, .die aus Kreisen der neuen Kammermehrheit laut.geworden srnd, und denen, die von Seiten der unentwegten französischen Militärs im besetzten Gebiet vertreten werden. Volkssport ist Volkspflicht. Durch das Verbot der allgemeinen Wehrpflicht ist das deutsche Volksheer zerschlagen und uns damit diese einzigartige Schule der Körpererziehung genommen worden. Hunger, Entbehrungen und wirtschaftliche Rot der Kriegsjahre und der Rachkriegszeit haben die Gesundheit des deutschen Volkes schwer geschädigt, seine Kraft stark herabgemindert, sein sittliches Empfinden gelockert. Soll daran nicht unser Volkstum zugrunde gehen, so müssen Einzelpersönlichkeit und Staat auf Mittel sinnen, wie sie diese Grundlagen ihrer Existenz wieder erwerben und festtgen. Don einsichtigen Führern des Volkes ist der Weg dazu langst gewiesen: systematische Ertüchti- Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) gung durch Leibesübungen, systematische Erziehung des ganzen Volkes zu Turnen, Spiel und Sport. Solange der Staat die Jugend durch die Schule in seiner Hand hat, ist er dafür verantwortlich, dah durch eine fachmännisch gebildete Lehrerschaft die Grundlagen für Ge.u idh'it und Kraft geschaffen werden. Eine geiun.e Jugend wird dann ganz von selbst zu weiterer törp. räch r Betätigung gedrängt. Ob dam die R ig ng d n einen zum Turnen, Schwimmen, Rud.ru verden anderen zum Fuhball, zum Wand rn. Spi. len usw. treibt, ist letzten Endes n.b.n ächlich Entscheidend ist allein das Ziel: durch Volkssport zur Vvlkskraft. älnd dahin führen alle diese Wege: sie erreichen es um so s cherer und schneller, je systematischer, je gewissenhafter sie verfolgt werden. Jeder Sport, jedes Spiel, hat natürlich irgendwelche Mängel in sich sowohl wie in der Ausübung: erst alle^usammen genon- men würden eine vollkomm n harmonische Ausbildung erzielen. Aber das haben sie g mein am: Durch den Aufenthalt und die ausgieoig.- Bewegung im Freien, irr Licht und Lust, g sanden sie die inneren Organe, kräftigen sie die Muskulatur und erziehen sie zu Ausdauer und Abhärtung. Solche Menschen braucht ein Staat, tixn.t er bestehen und sich nicht von dem ihm gebührenden Platz an der Sonne verdrängen lassen will. Rur Schwache lassen sich knechten. Gleich wichtig wie die körperliche Stählung ist die seelische Bilk g. Richts ist so geeignet, die Jugend an Gehorsam und plnterordnung, Pünktlichkeit und Regelmähigkeit zu gewöhnen, wie Turnen, Sport und Spiel: nichts erzieht sie mehr zu Mut, Llmsicht, Entschlössenheit und weckt in ihr den Geist des Kämpfers. Aus einer so herangebildeten Jugend wachsen einem Volk auch Führer heran, Männer, die durch die harte Schule des Sports gestählt den Weg zur Höhe nicht bloß zeigen, sondern auf ihm auch vorangehen können. Turnen, Sport und Spiel sind aber nicht allein eine Sache des Körpers und der Seele, sondern sie bilden auch eine unerschöpfliche Quelle reinsten Genusses an Lebensfreude. Sie stimmen den Menschen froh, lassen ihn den Kampf des tagtäglichen Lebens vergessen und führen ihn hin zu Kameradschaft. Wenn man dann noch weih, daß auf dem Turn- und Sportplatz nicht Armut oder Reichtum, Herkunft oder Stand, sondern allein die Tüchtigkeit entscheidet, dann erkennt man auch den hohen sozialen Wert und die ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung. Sie führt uns zum wahren Dollstum, und darum ist V o l k s s ö'* " ♦ 23 o 11 g- pflicht! Gegen die Schamlosigkeit in der „Kunst". Don Richard van Schaukal Es ist höchste Zeit, laut und deutlich ein kräftiges Wort zu sagen wider die ilnvecschämtheit. mit der- sich allenthalben eine Kunstübung der Oeffentlichkeit aufdrängt, die nichts andeces will als gemeinsten Sinnenkitzel. Bücher und Bildec, Zeichnungen und Aufsätze, Theaterstücke und Tanzdarbietungen wetteifern in Unzucht. Dec heuchlerischen Entrüstung, als wäce mit dieser Feststellung eines gefährlichen Unfugs dec Freiheit und der Würde dec Kunst zu nahe getreten, fei von vornherein in die fteche Fratze geschlagen: eben der Künstler muß sich der Schändung der Kunst auf das Lebhafteste widersetzen, fühlt er sich doch dem ratlos-unberatenen Laien gegenüber gewissermaßen mitverantwortlich für die schwere Schädigung, die Vergiftung der Volksseele, die jene durchaus unkünstlerisch gesinnten Spekulanten und Schwindler ungestraft ja höhnend über die Wehrlosigkeit ihrer Opfer betreiben zu dürfen meinen. Richt aus Muckertum, sondern aus Anstandsgefühl, aus Zorn über Unwahchaftlgkeit und Gemeinheit ergeht dieser Aufruf an die schlummernde oder zagende Ueberzeugung von der wirklichen Aufgabe der Kunst: den Menschen durch das Göttliche begnadeter Kraft emporzuheben über das Alltägliche. Richt sittliche Zwecke hat die Kunst, sondern künstlerische. Aber das heißt nicht, dah sie unsittliche verfolgen dürfe. Es gibt keine außerhalb ihrer selbst gelegene Grenze für die schöpferische Allmacht. Dies gilt nicht nur methodisch, sondern auch tatsächlich. Wo aber die einzelne Aeußecung künstlerischer Eigenart notwendigerweise Gefühle verletzen muß, die Takt oder Zucht, Sitte oder? Ehrerbietung zu schonen gebieten, da wird sie sich in ihrer Decnehmbarkeit selbst beschränken. Kunst hat nicht das Vorrecht, jedermann peinlich sein zu dürfen. Uni) sie erstrebt es auch keineswegs. Sie sucht, stolz wie alle echte Kunst, nur den ihr gemäßen Widerhall. Sie will von Befugten erfaßt und gewürdigt sein nicht Lknbefugte, älnzu- ständige verblüffen. Kein echter Künstler ohne Sinnlichkeit. Aber wenn sie über die Stränge schlägt, gefällt er sich nicht vor den unberufenen Zusehern. Und in diesem gutgearteten und wohlerzogenen Menschen nicht erst auf umständliche Wei,e klarzumachenden Sinne hat in gefunden Zeiten seit je das, was man Kunstpolizei zu nennen pflegt, seines Amtes gewaltet. So viel von den Gefah en der Kunst. Hier aber, heute handel es sich mit nichlen um Kunst, sondern um widerliche Ausnützung e.ner fügen Almospl.äc sogenannter F eiheit zu unanständiger Willcuc. Seht euch die Leute an, die es als das Vorrecht der Kunst verkünden, jebe Schweinerei zu veröffentlichen! Was ihnen an der Stirn steht, ist nicht das göttliche Siegel erlauchter Ausnahme- geschöpse sondern das unverkennbare Brandmal des schäbigsten aller Händler: des Händlers mit Ersatzware. Der Schutz der kleinen Aktionäre. Als der Wert dec Mark schwand, beteiligte sich so mancher kleine Sparer und Rentner an der Flucht in die Aktien. Auch deren Wert ist zu- sammengeschmolzen. Und mancher vom großen Heer der kleinen Aktionäre fragt besorgt: Wie wird es mit meinen Aktien werden, wenn die gesetzlich angeordnete Umstellung ber Aktiengesellschaften auf Goldmark erfolgt? Werde ich bei Zusammenlegungen von Aktien eine genügende Anzahl besitzen, um wenigstens eine „Umstell- aftic“ zu erhalten? Oder werde ich jedes Aktienrecht verlieren und mit einigen Mark abgespeist werden? In bet Tat, bie Gefahr besteht, baß der Heine Aktionär durch rücksichtslose Beschlüsse der Generalversammlungen in denen meist nur die Besitzer der „dicken Aktienpakete" vertreten zu sein pflegen, aus der Aktiengesellschaft herausgedrängt wird. Um dieser Gefahr zu begegnen, haben sich bereits Selbstschuhorganisationen von Aktionären gebildet, die die Stimmen der kleinen Aktionäre sammeln und deren Interessen in den betreffenden Generalversammlungen währen wollen. Aber auch der Gesetzgeber war bemüht, die aktienrechtlichen Minderheiten zu schützen. Die gesetzlichen Bestimmungen finden sich in dec Reichsverocdnung über die Goldbilanzen vom 28. 12. 23 und in den beiden Durchführungsverordnungen vom 5. 2 und 48 3. 24. Im Einzelnen sei hier bemerkt: Die Summe der von einer Aktien-Gesellschaft ausgegebrnen Aktien bildet, nach ihrem Romlnalbetrag berechnet (die einzelne Aktie lautet meist auf 100 Mk.), das Grundkapital (Cigenkapital) der Gesellschaft. Ihm steht gegenüber das tatsächlich vorhandene Aktivvermögen das nunmehr in Goldmack zu berechnen ist. Das Aktivvermögen wird meist geringer sein als das Grundkapital. Die Differenz zwischen beiden das Passivsaldo, wird umso größer sein, je mehr Aktien während der Inflattons- zett ausgegeben worden sind, und je größer der Substanzverlust der Gesellschaft gewesen ist. Das Passiosaldo kann aber auch dadurch, vergrößert werden daß das Aktivvermögen unter seinem wirklichen Wert in die Bilanz eingesetzt wird. Rechtlich steht nichts im Wege, beispielsweise den Werk von Gebäuden wie in früheren Bilanzen mit 1 Mk. einzusehen. Die Gefahr für den kleinen Aktionär besteht mm, von den gesetzlichen Schahmaßnahmen einmal abgesehen vor allem darin, daß zur Beseitigung dieses Saldos eine Herabsetzung des Grundkapitals durch Zusammenlegung von Aktien beschlossen wird. Erfolgt diese Zusammenlegung z. B. 1 zu 10, dann erhält der Besitzer von 10 2ötien hierfür eine Umstellaktte, wer weniger hat verliert sein Aktienrecht und wird mit Geld abgefunden. Die „Umstellaktie" wird um so höher im Kurse stehen, je geringer man das Aktivvermögen in die Bilanz eingesetzt hat. Um so mehr Llltionäre werden aber auch aus der Gesellschaft 'herausgedrängt. Der Besitzer von 10 Aktien wrro also auf Kosten derer bereichert, die weniger haben. Freilich haben die Minderheiten das Recht, die Beschlüsse der Generalversammlungen im Wege ber Klage anzufechten. Derartige Klagen können den Gesellschaften ohne Rücksicht auf ihren Ausgang recht lästig toerben, da sie die Grundlage ber Gesellschaft bas Aktienkapital, in Zweifel ziehen. Die Gesellschaften werden deshalb derartige Klagen im eigenen Interesse zu vermeiden suchen. Immerhin bieten sie den Heinen Akttonären keine hinreichende Sicherheit gegen die Gefahr aus der Gesellschaft herausgedrängt zu werden. Hier will der Gesetzgeber helfen. Die Gold- Dilanz-Derordnung verlangt einen Ausgleich des Passivsaldos. Sofern er nicht durch neue Einzahlungen der Aktionäre erfolgt, ist das Kapital herabzusehen und zwar in erster Linie durch Herabsetzung der R o m i na l b e trä g e grettag, (3. Zuni 1924 der einzelnen Aktien. Z. B. kann eine seither auf nom. 1000 Mk. lautende Aktie umge* stempelt we.den auf eine solche von 100, 200, 300 Mk. uj cd. Das Grundkapital darf jedoch nicht unter 5000 Mk. fallen und die Aktie — nach den ursprünglichen Bestimmungen ber Derorbnung — nicht unter 100 Qltl. herabgesetzt werden. In Fachz itschriften hell man biese Grenze von 100 Mt. für zu hoch Denn je niebriger bie Grenze ist, um so meh Aktionäre können in ihrem Aktienrecht erhalten werben. Deshalb bestimmt bu zweite Durchführungsverorbnung vom 28.3. 24: Falls bei Wert von Aktien am 31. 12. 23 weniger als 40 Billionen für 100 Mk. Aktle.ikapital betragen hat, bann gilt als Mindestgrenze für die Aktien dieser Gesellschaft ein Betrag von 20 Goldmark. Maßgebend für bie Berechnung sind bu Steuerkurse. Im übrigen sieht auch schon die Goldmarkverordnung vom 28. 12. 23 für gewi se auf Rainen lautende Aktien diesen Mindestbe- trag vor. Eist dann, wenn auf diese Weise das Passiv- saldo ber Golbbilanz nicht beseitigt werben kann, bars zu einer Zusammenlegung ber Aktien geschritten werben. Auch hierbei barf ber Aktionär, bei nicht genügend Aktien besitzt, um eine Umstellaktie zu erwerben, nich schlechterdings mit Gelb abgespeist werben. Er kann statt des Geldes „G e n u ß s ch e i n e" verlangen. Diese gewähien zwar lein Stimmrecht, jeboch eine entsprechende Beteiligung am Reingewinn, bie buech eine spätere Kapitalerhöhung nicht gekürzt werben barf. Die zweite Durchführung sver orbnung Aeht noch weiter und berechtigt den Aktionär, für jebe eingereichte Aktie einen „An t e l sche i n", auf ben Inhaber lautend», zu verlangen. Die ec Anteilschein ist grunbsählich wie eine Aktie zu be- hanbeln. Auch er sichert eine^ entsprechende Beteiligung am Reingewinn. Ein Stimm- unb Bezugsrecht kann ber Inhaber von Anteilscheinen jeboch nur dann ausüben, wenn er eine einer neu>4 Aktie entspiechenbe Zahl von Anteilscheinen vorlegt. Der kleine Aktionär hat also bie Möglichkeit, auch bann, wenn er bei der Umstellung zunächst nicht die erforderliche Anzahl von Aktien besitzt, um eine neue zu erwerben, im Laufe der Zeit noch einen oder mehrere Anteilscheine zu erwerben, um auf diese Weise wieder Vollaktionär zu werden. Der Inhaber einer entsprechenden Zahl von Anteilscheinen ist jederzeit berechtigt, diese gegen eine neue Aktie umzutauschen. Andererseits kann die Aktiengesellschaft innerhalb einer Frist von drei Hahren eine Aufforderung erlassen, die Anteilscheine zum Umtausch gegen Aktien einzureichen. Rach Ablauf einer gleichen Fitst steht ihr das Recht zu, bie Genußscheine zu kündigen. Der Mindestbetrag für Anteil- unb Genußsck^ine beträgt 5 Mk. Die Aktiengesellschaft hat ferner bie Möglichkeit, bie Ausgleichung bes Passivsaldos auf brei Jahre hinauszusch eben. Es kann zunächst ein „Kapitalentwertungskonto" in bie Golbbilanz eingesetzt werben, bas jeboch 9/10 des Betrages bes Grundkapitals nicht übersteigen barf. Wirb innerhalb ber brei Jahre dieses Ent- weitungskonto nicht in anderer Weise, z. D. durch Geschäftsgewinne ausgeglichen, dann muß auch hier entweder zu Rachzahlungen oder zur Herab-, setzung des Grundkapitals geschritten werden. Das letztere hat auch hier in erster Linie durch Umstempelung ber einzelnen Aktien auf einen geringeren Rominalbetrag und erst, wenn dieses rechtlich nicht möglich ist, durch Zusammenlegung ber einzelnen Aktien zu geschehen. Im übrigen bürste gesetzlich nichts im Wege stehen, die sämtlichen Maßnahmen im Rahmen der Bestimmungen miteinander zu verbinden. Auch für die wohl nicht allzu häufigen Fälle, in denen das Grundkapital geringer ist als das Aktivvermögen, also bei einem Aktivsaldo, hat der Gesetzgeber einen gewissen Schuh der kleinen Aktionäre vorgesehen. In einem solchen Fall ist ber Ueberschuß entweber als Reserve in bie Bilanz einzustellen ober bet Betrag des Grunbkapitals entsprechend Heraufzusehen. Geschieht letzteres durch Ausgabe von neuen Aktien, so sind diese auf Verlangen ben seitherigen Aktionären im Verhältnis ihres Aktienbesitzes zuzuteilen. Inwieweit biese gesamten gesetzlichen Maßnahmen ausreichen, bie kleinen Aktionäre zu schützen unb sie vor allem im Besitz ihres Aktien« rechtes zu erhalten, muß bie Zukunft lehren. "Warum gerade PCBCCO? Weil diese Zahnpasta die Zähne nicht nur rejnigt, sondern sie auch vor Schaden bewahrt und bis ins Alter gesund und widerstandsfähig erhält Vom Segelflug. Am 11. Mai gelang dem von ber Rhön her bekannten ostpreußischen Lehrer Schulz aus seinem alten Rhönsitzgleiter ein Rekocb-Dauer- flug von 8 Stußben 42 Min. Rückschauenb auf diesen hervoroagenben Erfolg eines Deutschen und im Hinblick auf ben in der Zeit vom 15. bis 31.8. an den Hängen und benachbarten Höhen der Wasserkuppe in der Rhön stattfindenden fünften Segelslugwettbewerb erscheint es geboten, Die für die Folgezeit im Segelflug-Sportwesen zu beschreitenden Wege einmal näher zu beleuchten. Um von vornherein klar zu sehen und keine Enttäuschungen oder äleberraschungen zu erleben, muh man die Weiterentwicklungsmöglichkeit, die sich seit 1923 ergeben hat, scharf trennen in: Verwirklichung des reinen Segelfluges und Schaffung zuverlässiger Kleinflugzeuge. Bei Abschluß ber vorjährigen Rhönveranstal- fung war man infolge mancherlei Ämstände im Segelflug auf einen gewissen toten Punkte angelangt. Allerdings trat neben die verbesserten! und vervollkommneten Maschinen eine allgemein festzustellende Hebung der fliegerischen Eigenschaften unserer Iungsegelfliegec. Daß dieser junge, schneidige Rachwuchs trotz der durch den Schanb- vertvag von Versailles beschnittenen Flügel unserer Motorfliegerei reichliche vorhanden ist, verdanken wir in erster Linie dem Segelflugsport. Für die Zukunft ist das ein Lichtblick. Aber trotz alledem wirb für bie eingeweihten Kreise ber motorlose Flug zunächst eine Angelegenheit wissenschaftlichen Studiums bleiben, dem es vielleicht einmal Vorbehalten ist, den bhnamr- schen Segelflug, d. h. das Fliegen außerhalb des Bereichs ber Hangwinde, im horizontalen Wind, restlos zu erforschen und zu verwirklichen, um uns der Lösung des neuen Gedankens erheblich näherzubringen. Rebenher fallen in dieses Gebiet rein me» teorolcgische Fragen. So sind beispielsweise jetzt in Rositten zum ersten Male in Deutschland genaue Messungen des Gleitfluges bei Windstille vorgcnommen worden. Endlich machten uns die bisherigen Erfahrungen des angewandten Segelfluges möglich, bie Pferdestärken unserer Motorflugzeuge bedeutend zu verringern: sie brachten uns das Heine sch wachmot orige Reise- und Sportflugzeug. Zunächst verwandte man hierzu gewöhnliche Segelflugzeuge mit eingebautem Fahrrad- oder sogenannten Hilfsmotoren. Unb es gelang tatsächlich, mit Hilfe weniger Pfecbestäcken ?u fliegen urtb zu steigen. Daß auf bem Gebiet der Entwicklung eines durchaus betriebssicheren Kleinflugzeuges emsig und erfolgreich weitecge- arbeitet worden ist, beweist der Samlandküsten- flug am 18. Mal 1924, bei dem es der Udet- Flugzeug G. m. b. H. gelang sich die beiden ersten Plätze zu sichern, während die Qunkecswerke Dessau nur ben britten Platz belegen konnten. So dürfte denn für späterhin in ber Praxis das Kleinflugzeug mit 50 Pferdestärken und darunter (weniger das Segelflugzeug mit Hilfsmot )r, das eigentlich nur Mittel zum Zweck war!) eine ungleich größere Zukunft haben, weil man sich vom Wmd noch unabhängiger machen maß, solange infolge der bisherigen Älchtvecwirklichung des reinen dynamischen Segelfluges in der Ebene das Segelfliegen eben unmöglich ist. Um bie erforderliche werbende Kraft auch weiterhin stack genug zu erhallen, würde es sich m. E. empfehlen, bei allen künftigen Veranstaltungen die reinen Segelflugbestrebungen mit Wettbewerben von Segelflugzeugen mit Hilfsmotoren und Kleinflugzeugen, ähnlich wie in Rossitten, zu verbinden. Schreiber, Hptm. a. D. Dhönfegelflug 1924. Für ben diesjährigen Rhönsegelflug-Wettbewerb ist jetzt die Ausschreibung erschienen. Dec Wettbewerb ist diesmal offen für Flugzeuge ohne unb mit motorischem Antrieb. Für die eingebauten Motoren ist allerdings eine Grenze bezüglich des Hubvolumens unb des Gewichts vorgesehen. Zu den Zulassungsbedingungen gehören außerdem Probeflüge, unb zwar für Apparate für Flugzeuge ohne Hilfsmotor mindestens 60 Sekunden, mit Hilfsmotor mindestens 10 Minuten. Der Wettbewerb ist international und beginnt mit den Zulassungsprüfungen. Als Preise sind rund 40 000 Mari ausgesetzt. * Re ichS jugeudwettkämpfe 1924. Der Reichsminister des Innern hat die Turn» und Sportverbände aufgefordect, ReichSjugend- wettkämpse zu veranstalten. Der Reichspräsident hat sich bereit erklärt, dem Sieger eine Ehrenurkunde zu stiften. Diese Wettkämpfe sollen für die ganze deutsche Jugend eine Anregung fein, ihre Kräfte in Leibesübungen zu Messen. Es wird nunmehr Aufgabe ber Veibänbe sein, das Fest vorzubereiten, unb zwar sv, bah die ganze deutsche Jugend davon erfaßt wird. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, baft.Jble Landes-, Bezirks- und Ortsverbäiide des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, die Turn- unb Sportorganisationen unb Vereine überall im Reich schon jetzt eingehend darüber beraten, wie für ihren Bezirk die Veranstaltung durchgeführt werben soll, damit sie auch bis ins kleinste Dorf hinein unsere Qu gen b heranzieht zur Ertüchtigung. Selbstverständlich werden in ben großen Turn- unb Sportmittelpunkten größere Hugendfeste ein zusammensassen- des Bild von dem zu geben haben, was unserer Qugenb not tut. Der Deutsche Reichsausschuh für Leibesübungen sieht vvn einheitlichen verbindlichen Bestimmungen für die Ausgestaltung ber Veranstaltungen ab, damit für bie Berücksichtigung aller örtlichen Möglichleiten unb besonderen Verhältnisse bie genügende Freiheit bleibt. Auch der Tag für die Veranstaltungen steht frei. An Orten, wo schon seit längerem besondere Volks- ober Schulfeste bestehen, dürften biese am besten dazu geeignet sein, den Rahmen für bie „Reichsjugend- Wettkämpfe" zu liefern. Auf die Tat kommt es an, nicht auf bie Methode. Turn- und Sportpflicht in der Tschechoslowakei Die deutschböhmischen Abgeordneten haben im tschechischen Parlament einen Antrag eingebracht, wonach^ die ganze jugendliche Bevölkerung ber Tschechosl)walei der Turn- und Sport- pflicht unterworfen merben s all, und zwar dic männliche vom 6. bis 24. Lebensjah e, die weid' liche bis zum 20. Lebensjahr. Im Rahmen dieser Verpflichtung soll auch ber Schwimmunterricht für beide Geschlechter als verbindlich erflärt werden. In der Begründung des 'Antrags wird auf das Vorbild F ankreichs, Belgiens und anderer Staaten verwiesen Wirtschaft. • Eine Stützungsaktion für den Berliner Effektenmarkt. Wie die Ber- Irner Blätter hören, haben die der Berliner Stempelvereinigung angehörenden Banken gestern mittag in einer Sitzung beschlossen, mit Rücksicht auf die katastrophale Kursentwicklung der letzten Lage Mittel zum Zwecke einer Stützungsaktion fÄ. den Berliner Effektenmarkt bereitzustellen. Man will mit Hilfe dieser Gelder besonders drängendes Angebot aufhalten und glaubt. Last die Höhe der verfügbaren Mittel eine Gewähr für den Erfolg dieser Stützungsaktion bietet. * Darmstädter und Rationalbank. ■ja der Aufsichtsratssitzung wurde der Bericht der Persönlich haftenden GeseNschafter über das Geschäftsjahr 1923 vorgelegt. Das Gewinn- und Verlustkonto pro 1923 ergibt folgende Ziffern (in Million-Mark): Einnahmen: Provisionen 11 869 388 Zinsen 16 618 615; Ausgaben: Ver- waltunaskosten 14 813 122, Steuern 2 288 927, Saldo des Gewinn- und Verlustkontos 11 380 954. Sie Bilanz weist auf der Passivseite die Kreditoren aus mit 207 515 480, die Akzepte mit 255 002, Sonstige Passiva mit 2 556 974. Unter Aktiva sieht man u. a. folgende größere Beträge: Kasse, fremde Geldsorten und Kupons rnkl. Gut- haben bei Roten- und Abrechnungsbanken 20 333 304, Wechsel und unverzinsliche Schahanweisungen des Reichs und der Bundesstaaten 5 691 129, Rostroguthaben bei Danken und Bank- firmen 77 577 236, Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen 16 995 699, Debitoren in laufender Rechnung 96 249 906. Die Avale beliefen sich auf beiden Seiten der Bilanz auf 12 145 343. * Konkurse in Hessen. Heber das Vermögen der Firma Bandma nn und Geipel G. m. b. H. Celluloid- und Deinwarenfabrik in Offenbach, wurde das -Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 9. Juli beim Amtsgericht Offenbach anzumelden. — Heber das Vermögen der Firma W. P l e n tz u. C v., Fabrik feiner Leder waren in r^fenbach, wurde ebenfalls das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 14. Juli beim Amtsgericht Offenbach anzumelden. * Friedensbauleistung der beut- /eben Werften im Jahre 1 923 —Rück- Sang des Daube st andes. Im Jahre 1923 ist gegenüber dem Vorjahre der Bestand an Neubauten der deutschen Werften in Seeschiffen für deutsche Rechnung erh'blich zur-ückgegangen Während die Reubauziffern infolge der durch die Entschädigungen des Reiches ermöglichten Wiederaufbautätigkeit in den Jahren 1920 und 1921 die Vvlkriegsziffern nicht unerheblich übersti'g n und während sie noch im Jahre 1922 der Zahl DC*t 1913 fast entsprachen, sind sie im letzten Hahr äuf etwa die Hälfte der Tonnenzahl des Jahres 1913 zurückgegangen. Lediglich die Bauten für ftemde Rechnung zeigen eine günstigere Entwicklung und hier ist sogar eine reichliche Verdoppel mng des Baubestandes von 1913 zu verzeichnen Der gesamte Baubestand der deutschen Werften (an See- und Flustschiffen) betrug im Jahre 1923 1121 Schiffe mit 858 120 Tonnen. Hiervon wurden 715 Schiffe mit 517 105 Tonnen fertiggestellt, •e-'ie Hahresbauleistung der Werften in Tonnen Uerechnet entspricht genau derjenigen des Jak-res 1913, in dem 936 Schiffe mit 523 733 Tonnen fertiggeflellt wurden und ist demnach als entschieden günstig zu bezeichnen. * Stillegung von Kal iwerken Der „Magdeburgischen Zeitung" wird von zuverlässiger Seite mitgeteilt, dast die Leitung der verbundenen Konzerne Wintershall und dre Deutsche Kaliwerke Glückauf-Sondershausen beschlossen haben, nach voran- gegangener. Dcfah.ung durch die Defahrungskom- miisivn angesichts der schlechten F.nanz- und Wirtschaftslage folgende Werke ruhen zu lasen: v?n Wintershall die Gewerkschaft Hübstadt, die .Gewerkschaft Hebra und Lohra; v)n den Deutschen K a l i w e r fe n'bie Sonderhausener Kaliwerke Ludwigshall, Schacht 1 und 2. d e Gewerkschaft Immenroda^ die chemischen Fabriken in , Wolkranshausen die Gewerkschaften Hedwigsbucg, ^Wcrk Reuhof-Fulda, Earisfun) Schacht 1 und 3 yUnb Kaliwerk Abtlg. Dernburg, vom Glückauf- ^K o-n z e r n die Gewerkschaft Glückauf Schacht 3 -nnb 4, das Kaliwerk Großherzig von Sach en. Die Beamten und Arbeiter der ft,! gelegten Werte sind zum nächstgclegenen Kündigungstermin zu entlassen. * Hngünstige Lage der Kalkindustrie. Rachdem im April allseitig eine leich e Belebung d:s Geschäfts zu verzeichnen war, wurde im Mai wegen mangelnden Absatzes durchweg mit stark eingeschr. nkten DetnB.n gearb i.et. Die Erzeugungsmöglich eiten wurde : im a.lgeme'nen nur zu einem Fünftel bis zu einem Drittel aus- genuht. Lieferfristen^ wurden daher überhaupt nicht beansprucht. Geld- und Kreditnot, sowie schleppender Zahlungseingang seitens der Kundschaft beunruhigten den Markt stark. Infolge des Bergarbeile.ausstandes rief die stillg.leg.e Eisen- und Stahlindustrie des besetzten Ceoietcs keinerlei Stahlwerkkalk ab, so dast lausende Tonnen gebrannten Kalkes dem Verderben ausgesetzt wurden. Gleichzeitig trat für die westdeutsche KaMndustrie empfindlicher Brennstof'm angel auf, der zu Arbeitsstreckungen und zuM Ausblasen einer Anzahl Oefen führte. Der Ausfall an Lieferungen für die chemisch' Industrie beträgt rund 80 v. H.. lediglich der Abruf durch die Stickstoff- Werke Mitteldeutschlands ist als gut zu bezeichnen. Die Landwirtschaft fällt schon seit April fast aänz- lich als Käufer aus. Die in diesem Frühjahr besonders spät liegend" Bestellung und die die Lanö w-r'fchaft hauptsächlich treffende Detriebiapi- talnot schließen zum grasten Schaden der Volks- ernährung in vielen Fällen die Verwendung von Düngekalt aus. Der Absatz an d^s Baugewerbe war derartig gering wie selten, wegen der fast im ganzen Reich aus Anlast der zahlreichen 'Bau- arbeiterstreiks ruheirden Bautätigkeit. Das Ausfuhrgeschäft ruhte vollständig, während ftemder Kalk, besonders aus der Tschechoslowakei, der deutschen Kalkindustrie scharfen Wettbewerb bereitete. Auch machen sich wieder Bestrebungen bemerkbar, Schweizer Kalk einzuführen. Die Preise für Kalkerzeugnisse sind kaum geändert, trotzdem vurch- schnittlich Lohnerhöhungen von 25—30 Prozent erfolgt sind. ' Siegen-Solinger Guhstahl-Ak- tienverein, Solingen. Im Geschäftsbericht für 1923 sagt die Gesellschaft u. rTfrT, 12. Juni Geld I Brief Remark. Amerikanische Noten .... Belgische Noten...... . Dänische Noten...... 4,13 18,65 70,17 17,99 4,21 18,75 voll voll Englische Noten...... . 70,5- 18,09 22,26 156,74 voll Französische Noten..... Holländische Noten .... voll voll voll . 155’96 18,05 55,11 5,84 italienische Noten..... Norwegische Noten...... T eutsch-Oesterr, ä ioo Kronen Rumänische Noten . . . 18,1 5 56,99 6.88 voll voll voll Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... 110,42 7s,iS 56,61 12,17 4,-9 1.81 110,98 voll voll Svanische Noten....... 75,68 55,89 12,23 4,21 voll Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... voll voll voll Frankfurter Dorfe. Frankfurt a. M., 11. Juni. Tendenz: Hneinheitlich. — Der- Derkehr eröffnete sehr uneinheitlich. Gleich zu Beginn des Geschäfts herrschte ziemliche Rachftage bei einer allgemein günstigeren Beurteilung vor, vevanlaht durch die Nachricht von dem Abschluß der Der Handlungen amerikanischer Bankiers uver die Gewährung eures weiteren Kredits von 20 Millionen Dollar an die deutsche Gvldbank. Einen sehr guten Eindruck machte auch das Interview, das der ^voraussichtlich elünftlge französische Ministerpräsident Her- riot dem Berichterstatter des „Daily Expreh" gewährt hat. namentlich die Stelle, wo Herriot davon spricht, dah er fein Bestes tun werde, um eine Entspannung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eintreten zu lassen. Bald aber erhielt man Nachrichten von neuen finanziellen Schwierigkeiten in Düsseldorf und Stuttgart und in Verbindung damit kam namentlich von Berlin aus viel Material auf den Markt, so dah die schönen anfänglichen Erholungen restlos wieder verloren gingen. Einzelne Papiere, namentlich auf dem Chemiemarkt, hatten anfänglich ihre ganzen gestrigen Verluste einholen können, als plötzlich wieder der Hmschwung eintrat. Dieses Ereignis zeigt wieder einmal deutlich wie notwendig es ist, dah dem deutschen Wirtschaftsleben ball» eine gröbere Anleihe gewährt wird, damit die deutsche Wirffchast und damit auch die Effekten sich wieder erholen können. Der Freiverkehr konnte feine kleinen Gewinne teilweise behaupten. Api 2, Decker-Stahl 21/a, Decker- Kohle 3Vb. Krügershall 21/8, Petroleum 8i/2, Hsa 3Vs- 2luf dem Devisenmarkt konnte der französische Franc seine Defestigung weiter fvrtsetzen. London gegen Paris SO3/». Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 9n VMlonen Prozent Frankfurt a. M. Schlug. Schluß. Kurs Kurs Berkin 11. 6. 12. Ö. Datum: 6,87 7 1 1,65 5,3 8 ,75 7,66 1,87 1,6 8,25 8,75 8 10,1 0,9 5 2,7 V 73,2 3,13 38 6,13 8,25 24 33,25 0,85 1,75 0,063 6,185 0,650 0,90 0,172 0,350 0,300 0,064 0,340 0,160 0,650 0,085 0,190 8,87 6 2,6 2 4,2 73,2 3,13 40 1,66 1,5 8,? 0,425 17,6 3, 5 18,1 8,75 5 2,5 6 1.8 8,75 11,5 1,75 7,37 11 6,75 8,6 ■ 21,75 31,75 0,218 4,2 72,90 3,2 0,065 0,350 0,170 0.650 0,088 0,190 18,75 2.65 15 3,25 5,61 6,87 0,350 7,13 10.6 1,15 0,360 0,500 3,4 6 5 6,87 0,409 7,2 11 6.13 7,5 34 36,13 44,5 6 9,25 3,87 7 18,37 15,5 25 17,25 3,25 0,76 1.8 0,067 0,365 0,190 0,675 0,095 0,190 IU.I 3,37 6,9 4,2 72,9 3 38 15 3,85 5,8 6,75 8,?5 8,13 5,8 8 10,5 6,1 8,5 4,75 25,25 31 SÄ 34 36,25 45,25 6,25 9,25 3.87 7,6 19 16,25 81 0,35 37,65 6,75 7 8 34 37,87 47,37 5,6 9,1 3,6 7,13 19 16,75 £0,5 •) Dom ^v~~oajtunc?-?ct Märkte. 1.13 0,350 0,35 36,5 5,75 6,75 37,25 36,75 45,9 6,1 9,3 3,25 6,9 18.37 16,25 26,5 10,75 6,26 6,9 7.6 10,2 0,. 1,8 3,2 5.3 •2,5 2,05 5,75 1,55 7 10,87 0,800 6,13 7,2 8, 3 10,6 6 8,25 6 24 33 5°/, Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Retchsanleihe . Deutsche Reichsanlethe 3°/ Deutsche Rcichsanleive . Deutsche «Sparprämienanlethe 4°/0 Preußisch: Konsols . . . 4° o Hessen........... 3'/,"/« Hessen 3°/0 Hessen Deutzchc Werth. Dollar-Ank. dto. Doll.-Schatz-Anweisug.') 4% Zolltürken 5% Goldmcfikaner Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Darmst. und Naiionalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Deretnsbank .... Tioconlo Commandit .... Mctallbank........... Mitteldeutsche Crcditbank. . Ocsteireichische Creditanstalt. Westbauk........... Bochumer Guß Buderus.......... . Caro ............. Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpencr Bergbau...... Kaliwerke AschcrS leben. . . . Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte........... i. berbedarf........ Phönix Bergbau....... Rheinuahl Rieben Montan........ TelluS Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Chcramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont -Guano..... Badische Anilin........ Chemische Mayer Alapin . . GotdlLmidt . . . .... . . Gries eimer Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ Rütgeröiverke Scheideanftalt ........ Alla. ElektrizitätS-Gesellschast Bergmann Mainkr.istwerke........ Schuckcct........... Siemens & Halske...... Adkerwerke Kleyer ...... Daimler Motoren. ..... Heyligcnstaedt......... •J.i cguin............. Frankfurter Armaturen . . . Ko nervensabrik Braun . . Metallgesell chaf, Frankfurt . Pct Union A.-G Schuh'abrtk Herz Sichel............ Zcllstop. Waldhof ' Znckcr-abrik Frankenthal . . Zuckeriabrik Waghäusel . . Schluß. Ku 4 11.6. Schluß. klur? 12.6. Berliner Produktenbörse. ‘Berlin, 12. Juni. (Wolff.) An der Börse find mit ziemlicher Bestimmtheit Gerüchte im Hm- lauf, wonach bei der von Tag zu Tag bedenklicher werdenden Lage von den Großbauten Stützungskäufe auf dem Effektenmarkt geplant feien. Wie auf Anfraae von führenden Groh banken, welche diesen in Börsenkreisen schon seit langem erörterten Gedanken angeregt haben, mitgeteilt wird, haben in dieser Hinsicht zwar Besprechungen zwischen den Mitgliedern der Berliner Stempelvereinigung stattgefunden, die aber wegen der Schwierigkeit der Materie noch nicht abgeschlossen sind. Jedenfalls wurde hierdurch die bisherige Abgabenneigung etwas gedämpft, so dah das auf den Markt kommende Material wesentlich geringer ist; dabei zeigte sich auch ehre etwas vermehrte Aufnahmelust, die überdies eine Stütze in gröberen ausländischen Kaufaufträgen fand. Auch die aus Reuyork vorliegende Meldung vom Abschluh eines neuen Diskontkredits von 25 Millionen Dollar mit der Deutschen Gvlddiskontbank wurde als günstiges Zeichen für die erhoffte Entspannung der Geldknappheit bewertet. Das Geschäft war zwar auf allen Gebieten unverändert ruhig, jedoch erfuhren die Kurse der in den letzten Tagen am meisten mitgenommenen Papiere Erholungen von 1 bis vereinzelt 2 D. Proz. Irn allgemeinen blieben sie jedoch unverändert. Bei minimalen Hmsähen unterlag der Kursstand weiterhin geringfügigen Veränderungen. Am Geldmarkt hat sich die Entspannung tixiter ausgewirkt, so dah kurzfristiges Geld reichlicher zur Verfügung stand. Am Devisenmarkt war die Nachfrage wieder kleiner als das Angebot. Veränderungen in den DvllzuteUungen brauchten daher bei den Devisen und Banknoten nicht einzutreten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Juni. Es notierten für je 100 Kilo: Wetterauer Weizen 16,50 bis 16,75, Roggen 15 bis 15,50, Braugerste 16 bis 16,50, Hafer, inländ. 15 bis 15,50, Weizenmehl, südd. Spezial 0 26,75 bis 28,25, Roggenmehl 22,50 bis 23, Weizen- und Roggenkleie 8,50 bis 9 ML Frankfurter Schlachtviehmarkt. fpd. Frankfurt a. M., 12. Juni. Auftrieb: 781 Kälber, 79 Schale und 780 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber, feinster Qualität 58 bis 65, mittlerer Qualität 50 bis 57, geringerer Qualität 45 bis 50; Schweine unter 80 Kilo 40 bis 48, von 80 bis 100 Kilo 48 bis 50, über 100 Kilo 48 bis 50 Goldmark. Der Handel vollzog sich langsam. Schweine hinterliehen Heberstand. Büchertisch. X Vor wenig Monden feierte fern im Schlesien ein Mann seinen sechzigsten Geburtstag, den bislang nur ein kleiner Kreis als den gottbegnadeten Dichter erkannt, hatte, als den eine Reihe stark verinnerlichter Novellen und Romane, hing , haucht, durchgearbeitet, ein jedes ein Kunstwerk der Gedanken und der Form, den Landsmann Gerhart Hauptmanns feit langem ausgewiesen hatten: Hermann Stehr. Er hat uns in seinem Jubeljahr einen neuen Roman geschenkt, der gelesen, erlebt, durchfiebert werden muh, will man Hermann Stehrs dichterisches Wollen verstehen, will man durch all den Kitsch eines verbildeten, entdeutsch- ten Literatentums wieder zurückfinden in die tiefste, echteste Seele deutscher Dichtung. „Peter D r i n & e i f e n e r“, wie alle Wer^e Stehrs bet Friedrich Lintz in Trier erschienen, ist die Geschichte einer Jugend, die Geschichte eines Ringenden mit sich und der Welt. Ein alter, zerbrochener Buchhalter erzählt sie in seiner letzten QXacbt gleichsam als Entsühnung von schwerer Schuld, bevor er selbst den Tod sucht in den stillen Fluten eines Waldsees, in die er, ein Mörder wider Willen, vor langen Jahren die Geliebte hineintrieb, aus Verzweiflung an der Gestaltung seines und ihres Lebens, aus Mangel an dem letzten Mut zum Leben. Der Dämon seines Herzens ist die Sinnlichkeit. Er nimmt früh den Kampf mit ihr auf in stetem Gedenken an das blinde Lenlein, die heilige Gestalt, die allein ihn immer erneut emporzieht aus dem Schlamm und Ekel seines Sinnenrausches: Die Welt ist stärker als er. Als sein heimatlicher Hof verschuldet, seine Lausbahn als Jurist ihm abgeschnitten durch die Schuld des lotterigen Bruders, da sinken dem Kämpfer die Arme nieder: er sieht keine Hwsfnung auf eine eheliche Verbindung mit dem Lenlein, das er mit der zerstörenden Glut seines Herzens liebt, ohne die er zurücksinkt in den Sumpf des Lasters, aus dem ihn die Geisterstimme des Hei- ligenlenleins wieder herauszieht zu einem Leben der Sühne und Buhe. Aber die Erlösung, um die er sehnt und bangt, findet der müde Erdenkämpfer erst in dem Augenblick, als er in dieser Bekenntnisnacht die Larve der Eitelleit und des Selbstbetrugs abreiht. Da entsteht das Bild des Lenleins wieder rein in seiner Seele und er hat sich durchgerungen zu dem, was des Lebens Weisheit ist, die der Dichter ihm mit den schonen Worten in den Mund legt: „Wir Menschen, die Tausende und Millionen, arbeiten an den Werkstätten Gottes. Die einen schmieden in einer hohen, lichten Halle die andern in finstern Höhlen, je nachdem sie sind, die einen in der Not des Guten, die andern in der Not des Dösen. Am Ende aber, im Tode wenn das Dasein abgelaufen ist, finken alle die Belichteten wie die Finsteren in die eigene Tiefe hinaus, in diesen unaussprechlichen Abgrund unseres Wesens, den die Menschen drauhen Gott, in sich Seele nennen .... Aber wenn die Menschen recht von Grund aus wollen, vermag das Leben nichts über sie. Ich war ein Schwacher ein Hnbeständiger und bin immer vom Hellen ine Finstere vom Licht in den Schatten gedrungen. Nun ist's vorbei. Nun überwand ich alles, indem ich mich überwand." (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Herriot über seine Politik. London, 12. Juni. (WB.) Herriot er» fläite in einer Unterrebung mit dem Berichterstatter des „Daily Expreh", er fei b e r e i t, e t n e Regierung zu bilden und habe die Liste seiner Kollegen schon in der Tasche. Jedoch sei die Liste noch nicht vollständig. Er hoffe, bis zum Ende der Woche fertig zu werden. Kein Sozialist werde feiner Regierung bei treten. Dies bedeutet jedoch nicht, daß die geringste Meinungs- verfchiedenheit zwischen seiner Partei und der Partei Leon Blums bestehe. Die Sozialisten hätten ihm ihre Hnterstützung zugesagt. Herriot erklärte weiter, feinePolititgegen- über Großbritannien sei die, sich mit der Londoner Regierung zusamm.nzutun, um die sofortige Anwendung der Sachver- ständigenberichte in Angriff zu nehmen. Er gedenke, in etwa zehn Tagen nach London zu gehen. Wenn alles programmähig verlaufe, werde er sein Kabinett zu Beginn der nächsten Woche, am Montag oder Dienstag, bilden. Er tt>e de das bekannte besondere Programm durchfuhren. Herriot bemerkt weiter: Svrneit Deutschland in Betracht kommt, sind wir dafür, näher zusammenzurücken, und wir werden unser Bestes tun, um eine Entspannung unserer Beziehungen mit Deutschland herbeizuführen. Heber die Ruhrs rage und die Amnestie für die ausgewiesenen Deutschen kann ich nichts Bestimmtes sagen, bevor ich nicht die Akten auf beiden Seiten durchgearbeitet habe. Der Berichterstatter des „Daily Expreß" sieht die letzte Aeuherung Herriots als eine Andeutung dafür an, daß er das Ministerium des Aeußern übernehmen werde. Amerikanischer Ärcdrt an die deutsche Golddiskontbank. Neu York, 12. Juni. (WB.) Die amerikanischen Bankiers haben die Verhandlungen betreffend die Kreditgewährung von 2 0 Millionen Dollar an die deutsche Golddiskontbank abgeschlossen. f alle Zeitungen Pfeiffersche Buchhandlung Walltorstr. 2L Fernruf 1B42.422,1 Bl * Fi _ f Erän« Ml-gF im 2nsD Modehaus Salomon Gießen, Sehnlntr.