llr. 2?3 Erster krschetnt täglich, außer Sonn, und Feiertag». Beilagen: GießenerFamUienblätter Heimat im Bild. Wonats:Bejugjpreii: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anfchlüsfe: Schriftleitung 112, Ver» lag undBefchästsstellebl. Lnfchrifl für Drahtnachrichten: »nzeiger-ieben. poßfcheckionto: grenffurt a. DL 1168«. Blatt UL Jahrgang Zrettag, (2. Dezember 1924 V\ 11 11 ■ 11 ■ ■ ■ 8 I ■ | lL IX > r v /V, ▼ I I ▼ ■ ▼ ▼ ▼ v V Hv H V vtI V v General-Anzeiger für Oberhesfen »nttf ««»verka-- VNihrich« Uninerfitäf$=Btid)- und Steinönidtrei R. £an$e in öfefjen. Sdjriftleihing und Seschästifttlle: S^alVraM 1. Annahme von „ .. für die Tagesnurnmer'dl» zum Nachmittag vorher ohne jede'Lerdindlichkei^ preis für \ mm botje für Anzeigen von 27 mm Breite ortlich8, auswärt» 10 Goldpfennig; für Re- klame-2lnzcigen p 70um Brette 35 Goldpfcnnig, Pluhvorfchrif120^ , Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr llülh Hangt; für den übiigcn Teil: Ernst Blumschein,- für den Anzeigenteil: Hans Veäl, sämtlich in Gießen. Nach der Wahl. Don ReichSminister a. D. Dr. Decker (Hessen), an. d. R. Der Wahllampf ist zu Ende. Daß er gerade übermäßig erfreulich gewesen wäre, wird keiner, der sich an ihm aktiv oder passiv hat beteiligen müssen, behaupten wollen. Zwar hat man uns diesmal von rechts etwas besser behandelt als bei der Frühjahrswahl, dagegen hat die Demokratie ihre gan^e Stoßkraft gegen uns gerichtet und in der häßlichsten Weife die Partei, ihren Führer und alle diejenigen, die im Wahlkampf gegen sie standen, angegriffen. 3n Offenbach verflieg sich ein Oberstudiendirektor und Leiter einer höheren Lehranstalt sogar dazu, auf eine ausdrückliche Anfrage des deutlchvolksparteilichen Redners zu erklären, daß er die dort in der Presse erschienenen persönlichen Angriffe und brutalen Beleidigungen billige. Das „Pfui", das ihm fast die ganze Derlammlung darauf entgegen- schleuderte, würde ihn wohl unter anderen Verhältnissen persönlich und amtlich unmöglich gemacht haben. Heute denkt man über solche moralischen Kleinigkeiten großzügiger. Im übrigen hat gerade auch die Demokratische Partei mit einem ungeheuren Aufwand an Geld und Personen und sonstigen Mitteln gearbeitet, besonders das benachbarte Frankfurt scheint Hilfskräfte geliefert zu haben, die einzelnen unserer Redner von Ort zu Ort nachreisten. Daß der Erfolg den gemachten Anstrengungen entsprochen hätte, wird wohl auch die Demokratische Partei trotz ihrer Mandats- Vermehrung um einen Mann im Hessischen Landtag und trotz deS Stimmzugangs für die Reichstagskandidaten nicht behaupten wollen. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Golb hat zwar vielfach die Derfammlungssäle gefüllt, aber keineswegs die nötigen Stimmen geliefert und auch damit wieder bewiesen, daß die Demokratie in ihm nur einen kleinen Prozentsatz der Mitglieder stellt. Unser Schild ist auch in diesem Kamps rein geblieben. Wir haben sachlich auf die Arbeit unserer Partei in der Vergangenheit hingewie- fen, die Schuld anderer Parteien, insbesondere an der Auflösung des Reichstages, den Wählern klar vor Augen gestellt und uns auch in den schärfsten Auseinandersetzungen bei Diskussionen, die es fast in jeder Versammlung gab, aller persönlichen Angriffe enthalten. Ein Stimmenzuwachs von mehreren Tausend ist der Erfolg Dieter Mühe. Er würde größer fein, wenn nicht der deutschnationale Kandidat Dr. Best so manchen aus den Reihen des verarmten Mittelstandes der deutschnationalen Liste zugeführt hätte, der politisch keineswegs deutschnational denkt. Es wird untere Tlufgabe sein, in den nächsten Jahren die Wählerschaft politisch weiter aufzuklären und zu erziehen, damit wir auch die mit der eigentlichen Politik zerfallenen Elemente an untere Partei heranziehen. Erfreulich ist es heute schon, daß dank des Ergebnisses der Wahl eine Reihe von jungen Kräften in den hessischen Landtag ihren Einzug halten. So der Mittelständler und Handwerker Haury, der Beamte Oberstudiendirektor Dr. Keller, der Industrielle Freiherr von Hehl und nicht zuletzt der Kommunalpolitiker Riepott, die den Stamm der alten bewährten Kämpen kräftig unterstützen werden. Wenn man über den Ausfall der Reichstagswahlen ein zusammenfassendes Urteil abgeben will, so wird dies am treffendsten wohl dahin lauten, daß die Parteien der Gewaltpolitik, denn das sind ja doch die Kommunisten und die Rationalsozialisten, eine kräftige Dämpfung er- fahern Haven, insbesondere die Deutschvolkischen sind auf eine so kleine Zahl zusammengeschrumpft, daß sie nicht einmal mehr eine selbständige Fraktion bilden können, während der Kommunismus immer noch verhältnismäßig stark geblieben ist. Den Hauptgewinn haben Sozialdemokraten und Deutschnationale zu verzeichnen. Der Zuwachs der Deutschnationalen ist um so auffallender, als sie in sich doch keineswegs völlig einig und geschlossen in den Wahlkampf zogen. Er ist dann auch den Deutschnationalen selbst wohl am meisten überraschend gewesen. Die Deutsche Dolksparlei kann 6 gewonnene Mandate für sich verbuchen, während die Demokraten wohl kaum mit ihrem Gewinn von 4 Sitzen zufrieden sein werden, nachdem ihre führenden Organe jeden Tag mindestens einmal den Reuausstieg der Demokratie in schwindelnde Hohen der staunenden Mitwell verkündet hallen. Der ganze Aufwand an Herabsetzung der ötretemann- schen Tätigkeit, mit dem sie doch auch heute noch im selben Kabinett sitzen, die Beschimpfungen des Deichsministers I a r r c S trotz der glänzenden Ehrenerklärung. die ihm der sozialdemokratische Regierungspräsident Grühner in der „Kölnischen Zeitung" abgegeben hatte, und unseres Freundes Moldenhauer. die systematischen Verleumdungen anderer Mitglieder der Deutschen Dolkspartei. sie haben meines Erachtens nichts bewirkt, als daß sie der Demokratie so manchen anständigen Wähler abspenstig gemacht haben. Wozu aber nach diesem Ergebnis die Reichstagsauflösung? Heute stehen wir in der F age der Reaieruigsbildmq beinahe genau so wie vor der Auflösung, v elleicht zunächst mü dem kleinen Unterschied, diß der Linksblock heute noch unmöglicher geworden ist, als vor der Wahl, da er im ganzen nur über 229 Stimmen verfügt und die Reigung, einen solchen Block etwa zur großen Koalition zu verstärken, auch bei den letzten Angehörigen der Deutschen Dolkspartei nach dem Verlauf dieses Wahl- Kampfes und der Art, wie er gegen uns geführt worden ist. erloschen fein dürfte. Eines freilich ist durch das Wahlergebnis erreicht: die Erweiterung der Regierung nach rechts, die von der Deutschen Volkspartei im lebten Reichstag erstrebt worden ist und die das Der- | halten der Demokratie unmöglich gemacht hat, kann nunmehr er,eigen auchohnedieDemo- traten. Sie sind für eine bürgerlich? Politik entbehrlich getoo-ben, die Deutsche Volks- Partei. Zentrum, Deutschnationale. Bayerische Dolkspartei und W nschaftspallei in völlig genügender Mehrheit hinter eine solch? bürgerliche Regierung zusammenführen würde. Es ist die bekannte Ironie der Weltgeschichte, daß die Demokraten den Wahlkampf ge ührt haben. um den sogenannten Dürgerblock unmöglich zu machen, tattächl ch aber nichts anderes erreicht haben, als daß sie für einen solchen Dürgerblock ganz entbehrlich geworden sind. Das ist von jeoem Standpunkt aus erfreulich! Am 5. Januar nächsten Jahres wird der Reichstag zusammentreten. Dis dahin wird hoffentlich über die Regierungsbildung die nötige Klarheit geschaffen sein. Für die Deutsche Dolkspartei ist der Weg vorgeschrieben. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei ist im wesentlichen die alte und mit dem Parteiführer völlig einig darüber, welcher Weg auch in Zukunft einzuschlagen ist. Hossen wir, daß die anderen in Betracht kommenden Parteien politisches Deranttoortlichkellsge ühl genug haben, um von neuem Reichstag, Volk und Vaterland in Wirren zu stürzen, aus denen schwer ein Ausweg zu sinden fein würde. Das Geschäftsministerium Marx. Anfang nächste Woche Beginn der Parteiverhandlnngen. Berlin, 10. Dez. (Wolff.) Der Reichskanzler hat gestern vormittag den Reichspräsidenten ausgesucht und ihm über den Verlauf der gestrigen Kabinettssihung Bericht erstattet. Das Reichskabinett hat daraus in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dem Reichspräsidenten zu Beginn der nächsten Woche das Rucktrittsgefuch zu unterbreiten. Die Kabinettssihung dauerte über zwei Stunden. Da das Kabinett durch den Riicktritts- bc^chl'.iß vom Mittwoch den Charakter eines G e - schastsministeriums erhalten hat, herrschte Einmütigkeit darüber, daß eine a k t i o n s f ä h i g e Regierung so schnell wie möglich gebildet werden muß. Da die Fraktionen des neuen Reichstages erst in der nächsten Woche zusammentreten, ist der Wochenansang für die Demission des Kabinetts der früheste Termin. Der Reichskanzler wird heute die Führer der Koalitionsparteien empfangen, um ihnen offiziell Mitteilung von der Gelamtdemis- |ion des Kabinetts zu machen, die bedingt worden fei durch den Beschluß der Deutschen Dolkspartei, nur an einer nach rechts erweiterten Regierung teilnehmen zu wollen. Für Freitag ist außerdem der Empfang der deutschnationalen Führer, für Samstag der der sozialdemokratischen Führer vorgesehen. Der Reichskanzler zur Lage. leiten in den Weg legen, ober persönlich glaube ich. nicht die Verantwortung dafür übernehmen zu können. Auf die Frage, ob denn das Zentrum eine Rechtsregierung unterstützen werde, erwarte der Kanzler: Das Zentrum hat seit 1919 auch in den schwierigsten Situationen der Regierung ihre Unterstützung nicht versagt. Das Zentrum hat stets auf dem Standpunlt gestanden, daß lediglich fachliche Gründe für die Frage der Koal.tionsbildung entscheidend sein dürfen und daß jede ülnterstüyung dr bisher verfolgten Außenpolitik, komme sie nun von rechts oder links, wilkommen ist, wenn nur die Gewähr dafür geboten w rd, daß der außenpol t sche Kurs unbeirrt inn g h Iten to rY 3n diesem Sinne hat noch jungst d.r Reichsp riete tag des Zentrums einstimmig einen Beschluß gefaßt, der aber auch die Erwartung ausdrückte, daß der betoä&rten Pol tck der Rlllle auch im zukünftigen Reichstag Geltung und Führung verschafft werde. Dieser B.schluß ist auch heute noch maßgebend. Es wird die Ausgabe der Zen- trumsfraktion des neuen Reichstags sein, diesem Beschluß entsprechend ihr Verhakten einzurichten. Die Haltung des Zentrums. Berlin, 12. Dez. (Priv.-Tel. des WTB.) Zu dem Irtterview des Reichskanzlers bemerkt die „Germania", der Reichskanzler Marx spreche zwar, wie er ausdrücklich hervorhebt. für seine Person. Aber es könne keinem Zweifel unterliegen. daß fein Bekenntnis für die Haltung der Zentrumsfrattion des Reichstags von höchster Bedeutung sein wird. Es steht in seinen Worten kein u n b e d i n g t e s R e i n für die Zentrumspartei gegenüber einer Rechtsregierung. Aber wenn man darin ein bedingtes Ja sehen will, so sind die Bedingungen für die Rechtsparteien von außerordentlich schwerwiegender Ratur. Darin wird die gesamte Fraktion des Zentrums mit dem Reichskanzler übereinstimmen, daß es für sie ausgeschlossen ist, eine Rechtsregierung zu unterstützen oder überhaupt zu ertragen, die von dem alten bewährten Kurs der Mitte abgeht. Das Blatt schließt seine Aussührungen mit den Worten, daß, wenn nach Meinung der Deutschen Dolkspartei die Zeit jetzt gekommen fei, um ein inner- und parteipolitisches Experiment zu machen, es die Ausgabe der Zentrumspartei sein werde, mit aller Vorsicht dafür zu sorgen, daß, wenn überhaupt dieses Experiment unvermeidbar sei, das Vaterland keinen Schaden erleidet. Auch die führende demokratische Großstadt- presse „Voss. Z t g." und „Berliner Tageblatt" glaubt nicht, daß eine Aechtsregierung im Reiche bereits als sicher gelten kann. Das erstgenannte Blatt sagt: Richt nur, daß die B e- reitschast des Zentrums mehr al- zweifelhaft ist. auch die Frage des Regierungsprogramms und der Portefeuilleverteilung im neuen Rcichskcibte nett wird noch erhebliche Schwierigkeiten schaffen, vor allem aber die preußische Frage. Rach all dem muß man sich wohl, wie auch in der „Germania" betont wird, auf recht langwierige Verhandlungen gefaßt machen. Der Prozeß des Reichspräsidenten. Dr. Marx gegen eine Rcchtskoalition. Berlin, 11. Dez. (WB.) Der Reichskanzler hat heute dem Redakteur des „Hamburger Fremdenblattes" eine Unterredung gewährt. Auf die Frage, ob der neue Reichstag eine Gewähr biete für die Fortführung der vom Reichskabinett bisher befolgten Außenpolitik erwiderte der Reichskanzler: An und für sich scheint mir diese Gewähr durchaus gegeben zu fein, denn die große Mehrheit der Wähler hat am 7. Dezember den Parteien ihre Stimme gegeben, die, wie das Zentrum, die Deutsche Dolkspartei und die Demokraten in dem alten Reichstag die eigentlichen Träger dieser Politik waren oder wie die Sozialdemokraten und die Bayerische Volkspartei diese Politik unterstützt haben. Im alten Reichstag verfügten diese Parteien insgesamt über 253 Mitglieder, im neuen dagegen über 302. während die Oppositionsparteien auf der Rechten, Deutschsoziale, Deutsch-Völkische und Deutschnationale im alten Reichstag 142 Abgeordnete zählten und im neuen dagegen nur noch 125. Auch die Opposition der Kommunisten hat eine Schwächung erlitten; sie sank von 62 auf 45 Mandate. Die Wähler haben also Har und deutlich gesprochen. Es wird nun Sache der Parteien sein, die nötigen Folgerungen aus Dem Ergebnis vorn 7. Dezember zu ziehen. Seit der Annahme der Dawes-Gesetze im Reichstag ist die Frage der Schaffung einer sicheren Regierungsmehrheit akut. Wochenlange Verhandlungen mit den Fraktionen des alten Reichstages haben diese Frage nicht zu lösen vermocht, fo daß die Auflösung des Reichstags und der Appell an das Volk als einziger Ausweg blieben. Das deutsche Volk hat jetzt seinen Willen meiner Ansicht nach in durchaus eindeutiger Weise im Sinne der Politik der bisherigen Reichsregierung bekundet. Rach meiner Ueberjcugung entspricht daher die Erweiterung der Regierung durch Hinzuziehung der Parteien, die die RegierungsPolitik bislang stützten und bei den Wahlen am 7. 12. die D lligung ihrer Wähler sanden, dem logischen Sinne des Wahlausfalls. Ich verstehe es daher, daß vielleicht die Schaffung einer großen Koalition, die schon vor einem Jahre zum ersten Male durch den damaligen Reichskanzler Dr. Stresemann erfolgt ist, auch jetzt als politisches Gebot und Vollzug des Willens der deutschen Wähler angesehen wird. Eine Erweiterung der Regierung nach rechts, gegen die ich bei der gegenwärtigen außenpolitischen Lage Deutschlands gewisse Bedenken gehegt und offen ausgesprochen habe, ist zwar im neuen Reichstag auch ohne die Einbeziehung der Demokraten rechnerisch möglich, ob sie aber für die Fortführung der bisherigen Außenpolllik, die. wie ich stets betont habe, im Vordergründe des politischen Interesses bleiben muß. erwünscht oder auch nur tragbar ist. darüber gehen die Meinungen auseinander. Ich persönlich bin nicht in der Lage, diese Frage zu bejahen. Sollte es trotzdem dem Willen der Parteien entsprechen, auch diese Mögllchkeit zu erschöpfen, so werde ich diesem Versuch keinerlei Schwierig. Magdeburg. 11. Dez. (Wolff.) Der Vorsitzende verliest bei Beginn der Sitzung das Protokoll der gestrigen Rachmittagssitzung i n d e r Wohnung des Reichspräsidenten, wo nochmals der Zeuge S y r i a und der Reichspräsident über die Vorgänge in der Versammlung im Treptower Park vernommen wurden. Der Reichspräsident erklärte bei der Vernehmung u. a.: Ich kann mit aller Bestimmtheit nach meiner Erinnerung sagen, daß ich den angeblichen Vorgang mit dem Zettel für unmöglich halle. Wenn mir ein solcher Zettel über die Böschung heraufgereicht worden wäre, und wenn ich den Zettel gelesen hätte, so hätte ich meine Rede unterbrechen müssen, die ich frei gehalten habe. Was die behauptete Aeuße- rung zu meiner Rede anbelangt, so erkläre ich. daß es ausgeschlossen ist. daß ich diese Aeußerung getan habe. Ich war nie der Ansicht, daß ein Streik den. Krieg verkürzen könne, und habe nie einem gesagt, er solle dem Gestellungsbefehl nicht folgen, geschweige denn öffentlich dazu aufgefordert, denn ich hätte mich mit einer solchen Aeußerung zu meiner ganzen Stellung zum Kriege in Widerspruch gesetzt. Ich erinnere mich bestimmt, daß in einer Sitzung des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei in jener Zeit die von anderer Seite aufgeworfene Frage der Befolgung oder Richtbefolgung von Strafgestellungsbefehlen erörtert wurde. Dabei waren wir einmütig der Meinung, daß dem Bestreben, Gestellungsbefehle nicht zu befolgen, falls es aufträte, entschieden entgegen- zuwirken wäre. Ich erinnere mich auch bestimmt. daß ich von dieser Auffassung der Parteileitung und dem ehemaligen Vorsitzenden der ©cneraUcmmiffion der Gewerkschaften, Bauer, Mitteilung machte. Dauer erllärte mir, daß c r mit mir darin Übereinstimme. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ich bei meiner Rede in irgend einem Zusammenhänge getagt habe: Wenn Strafgestellungsbesehle ergehen würden, wolle sich meine Partei bemühen, daß sie rückgängig gemacht würden. Auf weiteres Befragen bestätigte der Reichspräsident, daß er zwei Söhne im Kriege 19 17 verloren habe, und daß der älteste, der bereits schwer verwundet war, daraus von Amtswegen zum Garnisondienft kommandiert wurde, aber sich mit väterlicher Genehmigung 1918 wieder zum Frontdienst meldete und bis zum Schluß in Italien kämpfte. Der Zeuge Dittmann ergänzt seine Aussage dahin, er Halle es für möglich, daß Ebert in seiner Dersammlungsrede versprochen habe, feine Freunde wurden fich für die Aufhebung von Strafgestellungsbefehlen einsetzen. Es sei aber ganz ausgeschlossen, daß Ebert zur Richtbefolgung von Gestellungsbefehlen aufgefordert habe. Im weiteren Verlaufe des Rothardt-Pro- zesses wurde der Zeuge Meersmann. der 1918 Chef der kaiserlichen Werft in Kiel war, vernommen. Er erftärte daß eine Schädigung der S e e k r i e g s f ü h r u n g durch den Streik insofern eingetreten sei, als die auf der kaiserlichen Werst gebauten oder reparierten Torpedos und U-Boote nicht hinauskamen. Als weiterer Zeuge wird Freiherr von Forstner, der früher Offizier auf dem Kreuzer „Königsberg" war, Demommen, der aussagt, daß die „Königsberg" habe Kohlen nehmen wollen, aber den Bescheid erhielt, daß infolge des Streikes die Werft keine Kohkenarbeiter stellen könne. Es entwickelt sich sodann eine Debatte über die Frage, inwieweit der Streik die Seekriegsführung lahmgelegt hat. Der General- staatsanwalt fragte den Zeugen, ob das Datum des Kohlens am 28. Januar feststehe. Forstner erwidert: Rach meiner Erinnerung ja. Der Generalstaatsanwalt bemerkt, daß diele Frage wichtig sei, da die Mehrheitssozialisten erst am 2 9. Januar in die Streikleitung eingetreten seien. In der Rachmittagssihung wurde Oberbürgermeister Scheidemann vernommen. Er sagt u. a. aus: Der Streik brach aus, ohne daß wir davon etwas gewußt hätten. Auf den dringenden Wunsch unserer zum Mitstreiken genötigten Parteigenossen traten wir in die Streikleitung mit der ausgesprochenen Absicht em, den Streik f o rasch w i e möglich zu Ende zu bringen und durch OJer- handlung mit der Regierung den Versuch zu machen, zu einer Verständigung zu kommen. Kurz darauf wurde vom Obertonunanbierenben der Marken die Betätigung der Streikleitung verboten. Staatssekretär Wallrafs weigerte sich, mit den Arbeitervertretem zu verhandeln und drohte die schärfsten Maßnahmen gegen die Streikenden an. Es fanden dann mehrere Sitzungen der Streikleitung statt, an denen auch Ebert, Dauer, Dittmann und ich teilnahmen. In diesen Sitzungen zeigte sich erst, wie dringend notwendig unser Ein- trllt in die Streilleitung im Interesse des Vaterlandes gewesen war. Durch das Vorgehen der Regierung waren die Arbeiter auf das höchste gereizt: sie hätten sich nicht, ohne sich zu wehren, niederfchießen lassen. Es wäre ein tolles Tohuwabohu eingetreten. Andererfeits bestand die Gefahr eines totalen Zusammenbruchs und des Eintritts russischer Zustände. Durch unter Wirken wurde der Streik bald beendet und alles in geregelte Dahnen gelenkt. Wir handelten bei unterem Eintritt in die Streikleitung aus reiner Liebe zum Vaterland und zu unterem Dolle. Scheidemann betont, daß die Forderungen der Streikenden den Mehrheits- sozialisten gar nicht bekannt waren Er legt ausdrücklich dar, daß die Mehrheitssozialisten auch deswegen in die Streikleitung ein* traten, da die von den SfreUenben schon vorher ausgestellten Forderungen sich mit ihren Anschauungen nur zum Teil deckten, und da die Absicht ber Webrb-itSsozialistey war. -v herhhthern -aß bk Arbeiter unter ver smstuß unverantwortlicher dunkler Kräfte gerieten. Auf Antrag des Rechtsanwalts Landsberg wird der offizielle Bericht der so- zialdemokratischen Parteileitung über den Massenstreik verlesen. Darin wird in Aebereinstimmung mit den Aussagen Eberts und Scheidemanns berichtet. wie eine Arbeiterdeputation den Parteivorstand zum Eintritt in den Streik auffvrderte. Es heißt dann weiter: Wir entgegneten, daß der Streik ohne irgend ein Zutun der Partei oder der Gewerkschaften entstand und dah der Arbeiterrat und die Streikleitung bereits bestimmte politische Forderungen aufstellten. Angesichts dieser Tatsache könne uns niemand zumuten, n a ch t r ä g- lich die Verantwortung zu übernehmen. Es kam für uns in Betracht, die Bewegung in geordnete Dahnen zu lenken und so schnell wie möglich durch Behandlungen mit der Regierung zum Abschluß zubringen. Als am 23. September 1918 die Reichstagsfraktion und der Parteiausschuh sich mit dec Aufforderung des Prinzen Max von Baden an unsere Partei, in die Regierung einzutreten, beschäftigten, sagte der Abgeordnete Ebert: Wir standen bisher immer auf dem Boden der Landesverteidigung und es ist ganz selbstverständlich, dah wir dabei bleiben. Ebert wurde dann abberufen, um von General von dem Dusche Mitteilungen über die Kriegslage zu erhalten. Als er zurückkehrte und uns diese schlechten Mitteilungen weitergab, war er ganz erschüttert und schluchzte geradezu, als er bei seinen weiteren Ausführungen sagte, nun fei erst recht die nationale Verteidigung unsere Aufgabe; wir dürften und in diesem Augenblick dem Rufe zum Eintritt in die Regierung nicht versagen trotz aller Angriffe, denen sich die Partei dadurch aussetzen würde. Am Schlüsse seiner Vernehmung bestätigte Scheidemann die Aussage des Reichspräsidenten, dah im Parteivorstand die einmütige Auffassung bestand, dah es geradezu verbrecherisch gewesen wäre, den Einberufenen die Richtbefolgung des Ge- stellungsbefehls anzuraten. Es folgt die Vernehmung des früheren Reichskanzlers und jetzigen sozialdemokratischen Abg. Dauer, der zur Zeit des Zanaar- streiks Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften war und damals mit Ebert und dem sozialdemokratischen Parieivorstand wiederholt üb?r den Sire k verhandelte. Er bekundet: Dei allen solchen Dfpre- chungen wurde vom Parteivorstand and ganz besonders von Ebert der Standpunkt vertreten. dah der Streik ein An glück sei und dah man alles tun müsse, ihn so früh wie möglich zu beendigen. Der Eintritt in die Streikleitung diente nur diesem Zweck. Ebert sagte wiederholt, auch in persönlichen Gesprächen, dah es ein v e r b r e ch e r i s ch e r H n f u g wäre, wenn man den Streikenden raten würde, dem Gestellungsbefehl nicht zu folgen. Er sagte, er habe in Treptow den Streikenden crfiärt, der sozialdemokratische Parteivorstand werde seinen ganzen Einfluh geltend machen, dah die Gestellungsbefehle zurückgenommen würden, sobald der Streik beendet sei. Gegen 7 Ahr wird die Weiterver- tzehmuns Dauers auf greitag vertagt. ? Der Bericht der Kontrollkommission. Pariser Sensationsmeldungen. Paris. 12. Dez. (TU.) Die Abrüstungskontrolle in Deutschland bildet das Tagesgespräch. Es bestätigt sich, dah der Vorsitzende der interalliierten Militärkorvtrollkommisfion General Walch zu außerordentlich ungünstigen Schluhfolgerungen über die Entwaffnung Deutschlands gelangt ist. Ein offizieller Bericht des Generals liegt noch nicht vor. Der Pariser Vertreter der „Telegraphen-Anion" erfährt von offizieller Seite, daß die Meldungen der Berliner Vertreter der Pariser Blätter übertrieben und verfrüht seien. Die Meldung des „Journal" dah die Verbündeten am 20. Dezember die Absetzung des Generals von Seeckt verlangen werden, wird als teilweise unrichtig und verfrüht bezeichnet. Man nimmt an, dah eine scharfe Rote an Deutschland von der Dotschafterkonferenz gerichtet wird. Die Dotschafterkonferenz tritt am 17. Dezember zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Es gehen Gerüchte um, daß Her- r i o t dem englischen Außenminister Chamberlain auf seiner Durchreise durch Paris Mitteilungen über den Bericht machen wird und daß bei dieser G legenheit die Frage derRäumung Kölns entschieden wird. Die deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungen. Paris, 12. Dez. (Sil.) Die deutsche und die französische Wirtschaftsdelegation haben gestern nachmittag eine Vollsitzung abqehalten, in deren Derlauf d i e chemische 3 ndustrie zur Sprache kam. Die Besprechungen haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Tarifsätze des neuen französischen Zolltarifs für chemische Artikel, die turzlich der Kammer zugegangen sind, werden den Sachverständigen heute unterbreitet werden. Tie deutschen -UntertanÖler muhten nach eingehender Prüfung der einzelnen Sähe feststellen, daß ihre Berechnung über den Haufen geworfen war. Der neue Mindesttarif, der Deutschland jur eme bestimmte Reihe von Kategorien chemischer Produkte zugestanden wird, ist außer- ordentlich hoch und übertrifft in einzelnen Fallen den früheren Generaltarif. Die beugen Sachverständigen werden heute oder morgen zwar noch einmal versuchen, eine Angleichung der beiderseitigen Standpunkte herbeizufuhren, sehen sich aber genötigt, auf alle Fälle Ende der Woche nach Deutschland zurückzureisen, um mit ihren Auftraggebern über die Situation zu beraten. Fortsetzung der deu s h-japanischen Verhandlungen. Berlin, 12. Dez. CSU.) 3m Auswärtigen ,Amt wurden gestern die dmftch-iavanisch n Handelsvertrags Verhandlung en. t- krrze Zett unterbrochen waren, wieder ausgenommen. Da sich in der Frage der Einfuhr von Seidenstoffen größere Schwierigkeiten «gaben, wird mit einer längeren Dauer der De- sprechungen gerechnet. Von deutscher Seite tprrv vor allem darauf Wert gelegt, für die E i n - fuhr deutscher Farbprodukte Vergünstigungen zu erhalten, die die deutsche Farbindustrie in die Lage versetzen, mit den ausländischen Produzenten konkurrieren zu können. Tschang-T olin Herr der Mandschurei. Peking. 12. Dez. (Sil.) Die chinesische Regierung hat einen Beschluß veröffentlicht, wonach der Posten des Generalinspektors aufgehoben wird. Die Verwaltung der Provinzen wird zukünftig allein in der Hand des Militärgouverneurs lugen. General T sch a n g- Tsolin, der sein Amt als Generalinspektor der Mandschurei niederlegte, wird zum Militärgouverneur von Mulden ernannt. Sein Sohn und einer seiner Generale werden Gouverneurposten erhalten. Diese Ernennung läuft darauf hinaus, daß Tschang-Tsolin tatsächlich Herr der Mandschurei bleibt. Russische Bestechungsgelder für die Pariser Press?. Paris, 12. Dez. (TU.) „Like.tö" ve öffent- licht ein vertrauliches Rundschreiben eines ungenannten englischen Banlkonsortiurns, in dem behauptet wird, daß dem „Quotidien" große Beträge aus dem Propagandafonds der Sowjets zur Verfügung gestellt wurden. Das Rundschreiben ist vom 26. Rovember 1924 datiert. Die „Liberte" fordert den Sozialisten Renaudel, der Direktor des „Quotidien" und augenblicklich Vorsitzender des Antersuchungsausschufses zur Rachprüfung der Wahlg ttdverteilung ist, auf, ihre Aufgaben Lügen zu strafen. Bulgariens innere Lage. Sofia, 11. Dez. (Wolff.) Der Ministerpräsident gab vor der Parlamentsmehrheit Erklärungen über die Tätigkeit der Regierung seit dem 9.3 uni ab. Er bestätigte, daß der Staatshaushalt ohne Fehlbetrag abschließen werde und forderte zur Einschränkung der Ausgaben auf. Wir haben gegen zwei Aebel anzukämpfen, gegen die Teuerung und gegen das Räuberunwesen: dazu kommt das Problem der Flüchtlinge. Es steht fest, daß sich die meisten Räuberbanden aus Kommunisten zusammensehen. Wir werden tatkräftige Maßnahmen ergreifen, um sie vollkommen zu unterdrücken. Bis jetzt sind 26 000 Flüchtlinge angekommen. Hinsichtlich der Teuerung erklärte Kankoff, die Verbraucher mühten sich zum Kamps gegen sie zusammenschliehen. Der neue Bundespräsident der Lchrveiz. Bern, 11. Dez. (Wolff.) Die schweizerische Bundesversammlung hat einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern den Chef des eidgenössischen Finanzdepartements, M u s y . zum Präsidenten der Eidgenossenschaft für 1925 und den Chef des 3ustiz- und Polizeidepartements, Bundesrat H ä b e r l i n, zum Vizepräsidenten gewählt. Der Kampf um das bayerische Konkordat. 3n Bayern ist über Rächt eine erhebliche Verschärfung der parlamentarischen Lage ein» getreten, die durch die Behandlung der Gesetzentwürfe über das Konkordat hervorgerufen wurde. Bekanntlich hat das Kabinett Held mit dem Heil gen Stuhl ein Abkommen getroffen, das der katholischen Kirche finanzielle und wirtschaftliche Vorteile in erheblichem Umfange gewährt. Anfänglich schien es, als ob es gelingen werde, im Landtagsausschuß und später auch im Landtag selbst die erforderliche Mehrheit für das Konkordat zu erlangen. 3nzw scheu aber hat die evangelische Kirche in Bayern gegen die Zugeständnisse Stellung genommen, d durch ist auch d e Haltung d r Deutschnationalen Volks- Partei ins Wanken geraten, so daß man jetzt schon ckllen Ernstes damit rechnet, der Landtag werde das Konkordat ablehnen und die Regierung Held daraus die Konsequenzen ziehen. Sollte die Deutschnationale V l sparte!, die jetzt das Zünglein an der Wage ist, sich gegen das Konkordat aussprechen, bann wirb in Bayern letzten Endes nichts anderes übrig bleiben, als den Landtag aufzulösen und zu R e u - wählen zu schreiten, da bei einem eventuellen Rücktritt der Regierung Held eine Regierungsbildung ohne öie Bayrische Volksparteiunmöglich ist. 3m Versassnngsausschuh des bayerischen Landtags führte der Ministerpräs deut Dr. Held aus, daß der Staat auf dem Gebiet der Schule keine Rechte preiszugeben habe und daß im Zusammenhang mit dem Konkordat kein Anlaß zu einem Kulturkampf bestehe, daß vielmehr mit diesen Staatsverträgen der konfessionelle Friede im beiderseitigen 3nteresse gewahrt werde. Das Konkordat reiche übrigens über die 3nteressen Bayerns hinaus und erfülle eine nationale Aufgabe. Rach Ansicht der Regierungskreise muß die Ablehnung des Konkordats den Regierungsrücktritt und die Landtagsauflösung zur Folge haben. Pfarrer Koreü Wieder Reichstagsadgeordneter. Darmstadt, 11. Dez. (Eigener Bericht.) Wie wir schon vermuteten, ist durch die Listen- Verbindung der Deutschen Demokratischen Partei Hessens mit der Hessen-Aassaus Pfarrer K o r e l l - 3ngelheim ebenfalls wieder in den Reichstag gewählt worden. Zusammentritt drs Landtags. Darmstadt, 11. Dez. (Eigener Bericht.) Der neugewählte hessische ßa;iDiag wird, wie verlautet, am 2 9. Dezember zusammentreten, nm den Präsidenten und die Ausschüsse tu wählen. i Hm das Landesbildungsaml. Std- ruck- fa5rt!artcn an jedem Tag zur Hin- und Rückfahrt benutzt werden. fpd. Schutz und Schonung dem Di Ide Runrnehr haben alle Bezirksvereine des Allgemeinen Deutschen Zagdlchutzvereins es ihren Mitgliedern zur strengsten Pflicht gemacht, im Winter 1924 25 keinerlei weibliches Reh- und Rotwild abzuschiehen. Durch diese Massnahme soll der durch xälte und andere hier nicht näher zu erörternde Ursachen fast völlig vernichtete Wildstand wieder etwas vermehrt werden. Sonst besteht die Gefahr, dah der heimische Reh- und Rotwildbestand in wenigen Zähren der Vergangenheit angehvrt. ** Schneeschuhe auch in 3. Klasse. Die ReichSeisenbahn-Direktivn Breslau teilt mit, dah Schneeschuhe auch in der 3. Wagenklasse der Dil- und Personenzüge mitgenommen werden bür- fen, wenn eine Belästigung der Reisenden und eine Beschmutzung der Wagensitze unterbleibt. Dagegen ist die Mitiührung von Schneeschuhen in den Wagen 1. und 2. Klasse der Eil- und Personen- zuge, sowie auch 3. Klasse in den v-Zügen unzulässig. Zn diesen Fällen müssen Schneeschuhe als Reisegepäck ausgegeben werden. Hoffentlich findet dieses Beispiel der EisenbahndirektionBres- lau auch in den übrigen DireklionSbezirken recht bald Nachahmung. ** Reue Dienstmützen für Telegrap h e n o r b e t t e r. Dee igen QLbct'e’- der Deutschen Aeichspost. die mit den eigentlichen Bauarbeiten zur Herstellung und Unterhaltng der Telegvaphen-, Fernsprech- und Funkanlagen deschäst-gt sind, tragen künftig während der Arbeitszeit im Außendienst D.enstmützen aus graumeliertem Stvff. Die Mützen haben die Form sogenannter Daschlikmühen. An ihrer Vorder» feite sind die Reichskokarde und die Landes- tokarde und darüber der Postadler angebracht. Reben der Reuhskvkarde ist einerseits ein T, andererseits ein D mit orangefarbener Seide eingestickt. An diesem Zeichen ist die Zugehörigkeit eine» Arbeiters zur Deutschen Reichsnöst besonders leicht zu erkennen. Als Ausweis führen die Telegraphenarbetter auch künftig amtlich gestempelte und unterschriebene Ausweislarten mit Lichtbild bei sich. Sie sind nach wie vor verpflichtet, diese Ausweiskarten beim 'Betreten eines Grundstücks oder einer Wohnung unaufgefordert vorzuzeigen. •• D. H. E. Zur D^zemberwanderung am vergangenen Sonntag hatte sich c ne Schar von 37 Teilnehmern an der Lahnbrücke versammel». Der Weg füljitc über Heuchelst.im. K nzenbach. der schwur en D c-ckmark erung f. lg n> zunäch t biS zum WaldeSrand, wo d e erst: Rast gemacht wurde. Da die Sonne, die während der ganzen Wanderung freundlich g s nnt w r. ihre wirnienden Strahlen in reichlichem Maste aussand e, tonnte die Pause etwas länger als ursprünglich vorgesehen, ausgedehnt werden. Bon h er aus ging eS dann aus schönen Wtldwegm. die te l- weise herrliche Ausblick' in das Bieber al und nach den benachbarten H hen boten, über Fr u n- kreuz, Himberg, das liebliche Schwalbmbachtal durchquerend, an der Dicken Eiche vorüber über Raunheim nach Riedergirmes. De m Ein ritt und Ausgang der Dörfer waren ja die Wege stellenweise etwa« „anhänglich", aber dieses kleine Uebel muhte schon bei einer Winterwanderung mit in Kauf genommen werden. Zn der Gastw rtschast von Reinhard in Riedergirmes trafen die Teilnehmer mit dem Wetzlarer Zweigverein des D H. C. zusammen, bei welcher Gelegenheit d-e Gemütlichkeit in schönster Weife zu ihrem Rechte kam. so dah die Zeit bi» zum Abmarsch zum Bahnhof, trotzdem sie diesmal reichlich bemefsen war. leider zu schnell borüberging. •’ Ferkel-Diebstahl. Der Polizeibericht meldet: Am 9. Dezember wurde von einem Fuhrwerk aus einer Kiste ein lebendes Ferkel. 8 Wochen alt. männlichen Geschlechts, entwendet. Sachd.enliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen. ** Zackte Eoogan, der erklärte Liebling aller Kinofreunde der Welt, bereitet seinen hiesigen Verehrern in dem Film „Der kleine Bettel- mufikant". der gegenwärtig im Lichtspielhaus Bahnhof st rahe läuft, wieder mal viel Freude. Der kleine Kerl spielt seine vielseitige Rolle aber auch so vortrefflich, dah man gar nicht umhin kann, als ihm von ganzem Herzen zugetan zu sein. Seine darstellerische Leistung. die durch ihre kindliche Frische und Ungezwungenheit besonders sympathisch wirkt, findet eine ausgezeichnete Unterstützung in der bestens abgerundeten Darstellung der übrigen Rollen. Ein mehraktiges Lustspiel verschasft dem Abend eine gute Abwechselung. Die Dostojewski-Frage. Von der Giestener Theologenschaft wird uns geschrieben: Zu einem Vortrag über dies Thema, den heute abend Pfarrer Martin Schmidt aus Wiesbaden halten wird, hat die Giestener Thcologenschast eingeladen. „Die Kulturfattheit ist dahin: die Leidenschaft des Atheismus hat ausgetobt, und auch da, wo sie noch etwa wild aufschäumt, ist sie doch nur Verhüllung des wachlenden Heimwehs nach Gott." Der Schweizer Theologe Leonhard Ragaz hat so unsere Lage gesehen, und wer wollte zweifeln, dah er richtig sah? Wer überhaupt eine Absage an Kulturfattheit und Atheismus auszusprechen vermag, der wird auch das Heimweh nach Gott stark und immer stärker in sich wachsen lassen. Und er wird wohl wis'en, dah Religionsübungen, Kulte, Gemeinschaften diesen Heimweh-Ruf nur übertäuben können - Ruhe und Erlösung kann erst eine bitter ernste und fast möchte man sagen: „handgreifliche" Auseinandersetzung mit dem Christentum bringen. S o will das Problem Dostojewsky angepackt werden. G e n u st verspricht Dostojewsly weder nach der künstlerischen, noch nach der religiösmystischen Seite hin. Man must schon den Zusammenbruch von Sitte, Kunst, Religion des Abendlandes im Tiefsten erlebt haben, um sich für die Botschaft Dostojewskys öffnen zu können. Und deshalb hat die Zugend, die ja rascher und glühender Zeitwandlung und Zeitwende mit- erlebt, auch als erste nach Dostojewsky gegriffen. Und sie sah auch als erste, worin Dostojewsky über seinen Landsmann Tolstoy hinausgeht. Tolstoy fragte seine vor Entdecker- und Erfinderfreude rasend gewordenen Zeitgenossen: „Seid Zhr denn glücklicher als Eure Vorfahren, die primitiver lebten? Seid Zhr besser als sie?" Eine wuchtigere Kritik an der Maschinen-Kultur lästt sich gar nicht denken, aber eine Anweisung, wie dem Verderben zu steuern sei, ist damit nicht gegeben. Die kam erst durch Dostojewsky. Der Leser Dostojewskys gerät gar nicht in die Versuchung, an feine Menschen die Maststäbe der abendländischen Sittlichkeit zu legen — weil er fühlt, wie auch auf den Schlechtesten, ja Widerlichsten unter ihnen der Abglanz von Gottes Angesicht ruht. Za, gerade auf ihnen! Und hier ist der Angelpunkt von Dostojewskys Theologie (wenn man es so nennen darf!). Warum gerade der niedrige, der befleckte Mensch ein sonderliches -zveqji yal. |ta# ais Gottes Gvenvuo zu tuyten, warum gerade die schmutzigste Stelle der Welt von GotteS Liebe am eindringlichsten zeugt — das hatte Dostojewsky der Mitwelt als neues, als erneuertes Evangelium zu künden. Was unS diese Botschaft zu sagen Hal. das ist — die Dostojewsky-Frage. Dr. Robert Petry. Turnen, Sport und Spiel. Lchüler-Tchwimmwcttkämpfc in Wirfien. ES ist imbeüre tba-, daß in den letzten Zähren innerhalb Deutschlands das Schw mmen a s sportliche Bewegung einen ungeheuren Au»schwng zu verzeichnen hat. Mit dem Do.schreiten des sportlichen Schwimmens hat aber auch die Zahl der Freischwimmer innerhalb Deutschlands stark zugenommen. Es mag sein, dast die Erkenntnis vom Wert des Schwimmens ebenso dazu beigetragen hat. wie die Tatsache, dast dis vor mehreren Jahren noch jährlich 12 CO3 dcs Schwimmens unkundige Deulsche ihren Tod im Wasser gefunden haben. Heute haben auch die fKegie- rungsstellen die Bedeutung des Schwimmens für die Dolksgesandheit und Do kokvasl erkannt, und wir sind in H e s f e n jetzt so we t. dast durch einen Erlast des Landesamts für das B.ldungswesen empföhlen worden ist, S ch w i m m e n i n b e r Schule obligatorisch einzuführen. D:° mit tr!tt das Schwimmen als gleichberechtigte Leibesübung neben das schon seither gepflegte Turnen. Erfreulicherweise ist gerade hier in G i e- sten von feiten der Schulleitung und der Verwaltung des städt schen Volksbades auf diesem Gebiete wichtige Doxa.beit geleistet worden. Cs sei hier nur an die Schwimmstunden der hiesigen Volksschulen und der Oberrea'.schule erinnert. Was den Schülern aber bisher noch größtenteils gefehlt Hal, ist die Kenntnis der einzelnen Schwimm« ten und der richtigen Ausführung derselben. Es kommt nicht nur darauf an, dah man schwimmt, sondern dast man auch richtig schwimmt, denn nur so wird der eigentliche Zweck erreicht: die vollkommen gleichmäßige Ausbildung aller Organe des menschlichen Körpers. Um nun zu zeigen, inwieweit es gelungen ist. das mehr sportliche Schwimmen unter die Schüler zu tragen, finden am Sonntag im städtischen Dolksbad Schüler Wettkämpfe statt Re. en den Mitgliedern der schwimmspottreibenden Vereine nehmen auch eine grast: Anzahl von Schülern an diesen Wettkämpfen teil, die bisher der 'deutschen sportlichen Bewegung noch ferngestanden haben. Die Wettkämpfe werden in zwei Klaffen ausgetragen, um c ne Wertung auch gerade der Leistungen der Volksschulen zu ermöglichen. Zur A spornnng der Jugend sind M>n zwei Freunden des Gi.st .ner Schwimmsportes Wanderpreise gestiftet worden, die der Schule zufa'len sollen, deren Schüler in der Gesamtheit die besten Leistungen gezeigt haben. Richt die Einzelleistung soll gewertet werden, .sondern die Schüler sollen sich als Glied einer großen Gemeinschaft, nämlich ihrer Schule, betätigen. Die Förderer des Schwimmens in Gießen glauben, damit dem Schülerfchwimmen den Weg immer mehr zu ebnen, denn zweifellos werden Besiegte und Sieger im nächsten Zahre um so eifriger den Schwimmsport pflegen. Es ist das gleiche Ziel, das auch die vom Reichs- aussch.lh für Leibesübungen veranstalteten Reichsjugendwettkämpfe zu erreichen versuchen. Gerade aus diesem Grunde hat der Gießener Schwimmverein sich gerne bereit erklärt, die Leitung und Abwicklung der ganzen Veranstaltung zu übernehmen. Z. Bulvcrttfm ' Pros. Dr. Ernst v. Aster, Platon. (Strecker & Schröder, Stuttgart. Halbleinen &20 Mark t Dieses Buch des bekannten Philosophen unserer Universität ist hervorgcwachlen au6 der Liebe zu Platon zu dem Platon, der wie kein zweiter den tiefen Zusammenhang und die unlösbare 'Wcchselb.zchung zwischen Zndividuum und Gemeinschaft durchschaut, zur Darstellung gebracht und die Folgerung daraus gezogen hat: Arbeit an der Gemeinschaft ist Arbeit am Zch. Aster gibt unS eine klare und übersichtliche Einführung in das Schaffen und die Philosophie PlatonS und eine Analyse seiner Werke. Der Wert dieses Buches ist aber nicht erschöpft, wenn es als Einführung in das Wesen und Wirken Platons empfohlen wird. Zn der Gegenwart erwächst diesem Buch noch eine aan; besondere Bedeutung, denn vom philosopyisch abgeklärten Standpunkte aus erzieht öS zur Ge- ' Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit. HerauS- gegeben und mit Einleitung und Anmertungen versehen von Paula M e s s e r - P l a tz. t Strecker & Schroder, Stuttgart, Halbleinen 4 Ml.) Bekanntlich wollte Schopenhauer mit seinen „Aphorismen" eine „Philosophie für die Weit'" schaffen und das ist ihm auch geglückt: denn seine Aphorismen sind heute noch lebenswahr, farbig und lebendig. Bei Gedankenklarheit und scharfer, prägnanter und geistreicher Fassung durchweht fi: eine Selbstverständlich! ?it und geniale Mühelosigkeit, die allein dem echten Kunstwerk eignet. Das Ziel dieser neuen Ausgabe der Schcpcn- hauerschen „Philosophie für die Welt" war. den Text möglichst weiten Kreisen zugänglich zu machen, ohne ihn irgendwie abzuändern oder zu kürzen. Ucbcrsetzungcn der fremdsprachigen Zitate wurden g geben und in Anmerkungen kurze Erklärungen ichwerverslä dlicher Ö cllea g boten, ohne den Band aber mit langen philosophischen Erörterungen und Auseinandersetzungen zu belasten. 1404 • Das Buch vorn Tennis. Bon Oskar Kreuzer. (Mit 45 Abbildungen. Leinwand geb (Taschenband) 6 Mk. D. G. Teubner, Leipzig 1924.) O. Kreuzer, der mit Froitzheim den deut scheu Tennissport nicht nur auf den ersten Tennisplätzen des Kontin.nts, sondern auch Englands und Amerikas in die vorderste Linie gestellt hat, ttatet hier eine Darstellung des heutigen Tennissportes, die als erste und grundlegende über tic Ausbildung, Unterweisung, Anleitung des Sportjüngers angesprochen werden muß. „Das Buch vom Tennis" bringt nach einem claleiten- den Kapitel über Geschichte und Organisation des Tennissports das für die Hebung des Anfängers Grundlegende, die Technik der verschiedenen Schläge in ihren Einzelheiten, sowie die Taktik im Einzel-, Doppel- und gemischten Doppelspiel mit allen Finessen, wie sie nur aus einer solchen Meisterschaft in Theorie und Praxis geboten werden können, für Fortgeschrittene und Turnierspieler. Die durch die Wiedergabe von zahlreichen Zeichnungen, photographischen und die Bewegungen in einzelne Phasen zerlegende linc- matographischen Ausnahmen erzielte bildliche Veranschaulichung erleichtert das Verständnis und erhöht den praktischen Wert des BucheS außerordentlich. Korpulenz ist uufdibu und nnnciunb. Wir raten .Ihnen, in Stirer Apotheke 30 g echte Toluba- Sterne zu kaufen, die unschädliche Stosse von fett- zehrender Wirkung enthalten._______________ ürnnkeuin? Nninl ® e9-3u*erhranhbeit u. Möeroerhatt. MduKöblll! Itulll! Hilst best. Uarlrsprndel Virkirchen 14. 7-^77? Zentralverband der Angestellten Ortsgrnppe Gießen. Samstag, 13. Deiember 1924, abends 8 Ohr an! dar Ltablgaböha Winterfest an ter Mitwirkung des Arbeitergesangverelns „Eintracht“ und der Musikabteilung des Touristen vereine „Die Naturfreunde“. Außerdem reichhaltiges Programm. Sanlpost Verlosung Tanz Die Ortsverwaltung. Lichtspielhaus | Bis einschließlich Sonntag: JACKIE COOGAN der Liebling Aller in dem Schauspiel in 5 Akten Der kleine Bettel-Musikant IW g Wohl der beste Film des kleinen B R B g ■ Wunderkindes Jackie In Freud ■ B R ■ I und Leid gleich natur ich und I ■ H lieb, kann man gerade bei diesem B g B H ® Film verstehen, daß alle Welt I I O H $ ihm zujubelt. Er ist ein gottbe- | | I M g gnadeter Darsteller und fähig, DBB | B die Zuschauer in einem Atem | B H lachen und weinen zu lassen. | Außerdem: 9956c Ein tolles Lustspiel in 5 Akten Großes berühmtes Orchester. (Höriaal 44) 99480 Tonncrstaa. dcn 1«. Dezember abends 8' < Uhr im Vorlesungsgebäude j Damenfrisieren, Shampoonieren sowie elektr. Vibrat.-Massage und Maniküre empfiehlt e”D Bernh. Dosch Herren- and Damen-/ Friienrgesehäft ' Venen Bftue 12 , Ecke Weidengasse/'.^ Parfümerie und Toiletteartikel Dortrag des Herrn Staats-Archivrates Dr. Derfch-Marburg über: Hessische Wallfahrten im Mittelalter. Gäste wifikommen. Die Herrenhof-Sage iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Filmschauapiel in 5 Akten. Hauptrolle: Der Darsteller des Gösta Berlins Außerdem: Fräulein Puppe, meine Frau lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfilllllllllllllllllllllllllllH Lustspiel in 2 Akten. 9962c Jugendliche zugelassen. [ Mietgesuche dünner Künstler «Mitglied d. Ltadt- tbeaierch sucht ver sofort uidM, Zmvltr evtl, in der Nähe des Tbcaiers. Schriiil. Angeb. unter 0*25047 an den Gieß. Anz. 2liidi.rendc junge Tarne sucht flut mihi. Zimm ImoßL elektr. Licht! -nm 1. Januar. Angeb. unter 025045 an den Gieß. Anz. Hi. Sw In der Nähe des Bahnhofs von jung. Kaufmann f. 1. Jan. ' gesucht. Stfirtitl Angebote unter 9954D an den Wien. Anz erbeten. Stellenangebote) Hausierer Aum Betuche der Wirtschaften usnubet hohem Berdteml ilir d. Platz (Meiicn aef. Klane, Bad Ems, Hohe Mauer, l»»« Zu sofortigem Eintritt jung, sauberes Mädchen für tagsüber ob. für ganz in fL HanSh. gesucht. Näh. in b. 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Die Gemeinde Steinbach verkauft au) dem Submissionsweg einen fetten Eber, einen Ziegenbock und einen 'Schafbock. Angebote sind pro Zentner Lebendgewicht bis zum Mittwoch, den 17. ds. MtS.. nachmittags 3 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die näheren Bedingungen eingcseben werden können. Steinbach, den 9. Dezember 1924. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 9940V ^Irbeiisvergebnug. Unter Bezugnahme aus die ministe- riellen Bestimsnungen werden hiermit die Schreinerarbeiten (mit Ausnahme der Treppen) in dem Reubau des Deamlen- miethauseS Rr. 8 lZheringstraßci offenl- lich ausgeschrieben. Die Zeichnungen und Bedingungen liegen auf unserer Zweigstelle im Physika! Institut, Eingang Stephanstrahc, zur Einsicht aus: Angebotsunterlagen, soweit der Vorrat reicht, werden dort zum Selbst- kostenpreis abgegeben. Die Angebote sind verschloßen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis Dienstag, den 23 Dezember d. IS., 11 Uhr vormittags, dem (LcöffnungS- terrnin, bei vorgen. Zweigstelle einzureichen: die Eröffnung ist öffentlich. Zu- schlagssrist: 3 Wochen. Gießen, den 10. Dezember 1924. Hessisches Hochbauamt Gießen. B e r t h. 9933t ..... Belil-Preisaufgabe. DEM - NE - JE - DAS - SEI Obige Silben ergeben bei richtiger Umstellung ein bekanntes Sprichwort. - An die Löser verteilen wir eine große Anzahl 9955D Prämien! Eine Prämie erhält jeder Löser bestimmt. Senden Sie Ihre Lösung in verschlossenem, frankiertem Briefumschlag umgehend ein. Nach Erhalt Ihrer Lösung teilen wir Ihnen mit, ob die- \ selbe richtig ist und welchePrämieSieerhalten. Der Lösung bitten wir 10 Pfg. für Drucksachen, Schreiblohn, Porto usw. beizufügen. Orbis Vertriebs-Gesellschaft m. b. H.j Münster in Westf. 37. Für Weihnachten Reformschuhe (grober Teil Einzel» paare), Havert» und Halbschuhe, griechische Sandalen, Wander», Straßen- und Arbeitsstiefel. 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Stadttheater Samstag, 13. Dez,, von 3- 3 btS 5V2 Uhr. Ermäßigte Preise! StMselünWiifel oder Adenteser Oes toiljöonnesanööes UMkMmMrs Atärchen in 6 Bildern von Hermann Steingoetter. FachlicheUrteile bestätigen, daß „guter Tran wegen ■ eines leichten Efndringungevermögenx ab Lederelnf ethi n gemlttel unersetzlich tit.*' Genauere Beobachtung zeigt daß HEY-Lederöl geruchlos ist. Deshalb fordert der ernsthafte Sportsmann ausdrücklich das Fabrikat der HEY-G.m.b.H., Chemische Fabrik Offenbach am Main Allgemeiner Stuftet seBttlfHUisiiii (Gewerkschaftskartell) Giehen und Umgegend Sonntag, 14. Dezember 1924, nachm.3.30 Uht MenitHemiii im Stadttheater zu Giehen. Ls gelangt zurAussührung: Der Ehestreik Ein heileres Dorsbegebnis in 3 Aufzügen v. Jul.Pohl Einheitspreis auf allen Plätzen 1.20 Mk. :: Jeder zieht sich seine Karte selbst9959D Karten sind zu haben in den Verkaufsstellen des Konsumvereins in Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchelheim, Hungen, Klein» Linden, Kinzenbach, Krofdorf, Leihgestern, Lollar, Wieseck und im Gewerkschaftshause. Vom 13. Dezember ab bis eine Stunde vor Beginn der Vorstellung nur im Gewerksschaftshause, eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung nur an der Theaterkasse, ••ee®©®®®®®®®®©®®®»®®®®®®®»»®®®®®®®®®® Arbeitsvergebüng. I Für den Bau eines Dierfamilien- I Hauses am Kugelberg sollen die Schrei-1 ner°u. Glaserarbeiten vergeben werden. Näheres durch Architekt Hamann, Berg- strahe 11. Angebote sind verschlosien und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Montag, den 22. Dezember ds. FS., vormittags 11 älhr, daselbst einzureichen. Gießen, den 11. Dezember 1924. Baugenossenschaft 1894 zu Giehen, G. G. m. b. H. 9882D Auf ein mittelgroßes Gut in der Nähe Friedbergs wird auf 1. 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Die überragende Persönlichkeit dieses Mannes geht aus der Beschreibung seines Lebens, die er einer mutigen Engländerin diktiert hat, hervor. Wir bringen deshalb mit Erlaubnis deS Verlages Ä. F. Koehler einen Ausschnitt aus den in diesen Tagen erscheinenden „(Srinnetunge n". 3n Tanger ist es Sommer. Aaisuli bringt seine Familie in Sicherheit und reitet selbst noch Sinat. Von Stunde zu Stunde wächst die Begeisterung. In den Bergen hat keiner mehr Sinn für Landarbeit und Viehzucht. Vaisuli sendet Getreide und Vieh vom seinen Gütern. Ilebecall stehen die Imams (die Priester) aus und reden zum Volk. ,Es ist ein heiliger Krieg und Vaisuli der berufene Leiter. Sein Fuß ist auf eurem Haupt, und ihr müht eure Häupter richten, wohin er eß will." Der Scheik der Beni Iusuf ruft seine Leute zusammen. Er spricht vom Krieg. Iedermann eilt zu seiner Fahne. Sie küssen den Brief Vaifulis, sie halten ihn an ihre Augen, sie reihen ihn in ©tudc und streiten sich um diese Festen in dem Glauben, dah jeder von ihnen ein heiliges Amulett sei, das vor Gefahren schüstt. Da ist ein Mann, der fürchtet, dah ein anderer ihm diesen Driefsesten fortnimmt. Er schneidet sich mit dem Messer tief in den Arm, verbirgt das Papier-' stückchen In der Wunde und schließt dieselbe nach arabischer Sitte mit Blutegeln. Eine seltsame Sitte — und nur für arabische Verven bestimmt! Der Araber legt die Blutegel über die Wunde, so dah diese mit ihren Kiefern die Wund» ränder zusammenbeihen. Dann schneidet er die Körper der Blutegel ab, aber die Kiefer bleiben geschlossen und halten die Wundränder zusammen, bis diese geheilt sind und die Blutegel allmählich abfollen. Der arabische Wundarzt erklärt dies für besser denn jede Vaht. Anders ist der Krieg in Marokko als (in Europa. Gegen die Küste hin ist das Land eben, und von dort rückt Sllvestres Heeresmacht langsam vor. Vaisuli kann es nicht wagen, ihr - in offener Schlacht gegenüberzutreten. Seine Waffen lUnb anders. Seine Krieger ermüden den Feind und springen dann wieder in die Berge zurück, in deren Schluchten sogar ein Flugzeug unbrauchbar ist, und wo ein paar Männer leicht ein ganzes Ve» giment aufzuholten vermögen. Jeder Stamm hat feinen eigenen Befehlshaber, und unter ihm find wieder kleinere Gruppen. Ieder wirkt für sich allein, aber '.in Wirklichkeit alle nach gemeinsamem Plan. Vaisuli selbst ist nur von einer kleinen Wache Getreuer umgeben, aber er hat überall Spione in den Städten, die ihm Berichte bringen, und hat Männer bei sich, die trefflich zu reden verstehen, und die er überall tm Lande umherfendet, »um die Begeisterung zu entfachen. Vaifulis Plan ist, nie dort anzugreifen, wo Kanonen seine eigenen Krieger bedrohen, aber Silvestre dauernd in Furcht zu halten, ihm zu zeigen, dah das ganze Land voller Feinde (ist, und ihn in der Erwartung zu lassen, dah der Angriff dann kam, wenn er am wenigsten auf >ihn vorbereitet war. Kleinkrieg — — Ein Soldat patrouilliert allein auf der Straße zwischen Ceuta und Tetuan. Er sieht nichts als eine Karre, auf der ein paar leers Säcke liegen, und einen alten, halbnackten Mann ohne Waffen, bej, baß Pferd am Zügel führt. Er geht sorglos vorüber, aber zwischen den Säcken liegt ein Soldat der Berge und erschießt deck Soldaten. Einige Spanier leben auf einer Siedlung und wollen sich nicht eher in den Schutz der Stadt begeben, bis sie ihr Getreide geerntet. Eines Morgens treten sie aus ihrem Haus. Es ist nichts draußen verändert. Außer dem Ge- treidehausen neben der Dreschtenne, den sie am Abend vorher noch aufgeschichtet hatten, sehen sie auch jetzt nichts, und die Maultiere stehen ruhig daneben und fressen. Aber wie sich nähern, schießen die Btzrgsoldaten, die sich in der Vacht tn den Getreidehaufen einwühlten, sie nieder. Am Vio Martin werden Soldaten mitten zwischen ihren Zellen von unsichtbaren Händen erschossen. Ein Lager von Pionieren wird ganz plötzlich zerstört, obgleich die Vorposten auf zwanzig Meilen keinen Feind sehen. In jedem Kaktusgebüsch liegt ein Dergjäger mit geladenem Gewehr, so dah General Alfau endlich befiehlt, alle Kaktusgebüsche in den Bergen obzuschlagen zu verbrennen, so dah ihr Whang ausfieht wie ein bartloses Gesicht. Ein paar Männer überfallen eine ganze Stadt. Zwei kleine Abteilungen sind's. Die eine schleißt sich heran und feuert. Unter dem Auf- bliyen ihrer Gewehre springen die andern voran, und wieder knallen die Schüsse. Inzwischen haben die ersten geladen und rennen wieder an den zweiten vorbei. Schuh auf Schuh bald von den einen, bald von den anderen. So stürmen sie durch die Strahen, schießen nieder, wen sie sehen, und sind auf der andern Seite hinaus, ehe die Bürger zu Atem kommen. Seltsam — nur Spanierfreunde werden erschossen. Die guten Moslemin aber sind nirgends zu sehen. Sie wurden gewarnt und verblieben in ihren Häusern. Viemand verrät einen Gastfreund. Einst ist Scheik Mudden, ein Freund Vaifulis, mit zwei feiner Begleiter arg bedrängt. In der Vot schlüpfen sie durch die Hintertür in das Haus eines Freundes, aber die Polizei ist auf ihrer sSpur und sieht sie oder glaubt sie hineinschlüpfen zu sehen. Wenige Augenblicke später sitzen anscheinend vier Freunde gemütlich auf dem Diwan. Dor ihnen das kleine Teetischchen. Es sind der Hausherr, ein ehrwürdiger aller Mann, Mudden und seine Begleiter. Da stürzen die Diener herbei und sind voller Angst. „Sidi, die Polizei hat beide Türen beseht. Ihr seid verloren." Der Hausherr winkt. Er ist keinen Augenblick verlegen. Man rückt schnell die Diwane von der Wand. Die drei legen sich ganz eng an die Mauer, und man häuft wieder die Kissen davor. Im Augenblick, als die Polizisten hereindringen, sitzt der alte Hausherr würdevoll und vollkommen unbefangen auf einem Berg von Kissen und schlürft seinen Tee. Er blickt verwundert auf: „Was wollt ihr von mir, Bei Allahs" »Wir müssen dein Haus durchsuchen. Du beherbergst einen Verräter." Der Alte lacht überlegen. „Durchsucht mein Haus und schont keinen Winkel. Ihr werdet nur meine Diener finden. Vber wenn ihr gesucht, so versäumt nicht zu mir zu kommen und mit mir den Tee zu trinken." So geschieht es, und niemand vermutet die Verborgenen unter den Kissen. Monat um Monat vergeht. Längst ist Vaisuli wieder in Sinat. MeBerall schreitet der Kleinkrieg fort. Nirgends gelingt es den Spaniern, etwas Wesentliches zu erreichen. Tausend kleine Gefechte und in den meisten die Bergbewohner die Sieger. Vaisuli ist bald hier und bald dort, ileberall wirkt sein Vame begeisternd. Lleberall jubelt das Volk ihm entgegen. Vaisuli reitet wieder einmal in Hauen ein. Da geschieht das letzte. Plötzlich fällt alles Volk in den Straßen vor ihm auf die Knie und ruft ihm entgegen: „Allah, segne unseren Herrn und Sultan!" Vaisuli erschrickt. Er überlegt. Einer der ältesten Schells aber tritt ihm entgegen: „Es ist der Wille des ganzen Volks. Sei unser Sultan! Mulai Iusuf ist in den Händen der Franzosen. Wie soll er uns ein gerechter Herr sein? Das ganze Marokko, soweit seine Berge ragen, soweit es in Freiheit lebt,» bittet dich: sei unser Sultan!" Vaisuli ist tief bewegt. Er denkt zurück an Sinat, der Knabe izu Füßen des alten Hlema, der Bandit in den Bergen — jetzt Sullan von Marokko. „Wartet ein wenig, laßt mich nachdenken." Er geht in fein Zell und verschließt sich vor aller Augen, und draußen harrt das begeisterte Volk. „Allah, segne den Sultan!" Am nächsten Tage ist eine gewaltige Versammlung endlosen Volkes. Auf dem Marktplatz in Hauen bei dem alten Schloß, in dem vor dreihundert Iahren schon einer der Ahnherren Rai- sulis wohnte. Wieder sagen die Schecks. „Der Herr der Gläubigen darf nicht stehen unter dem Ioch der Christen, so ist es geschrieben. Vimm den Platz, den leeren Thron und sei Herr über uns!" Sie legen Teppiche auf die Straßen, die Frauen sehen aus den Fenstern. Sie sprengen kostbare Wohlgerüche über die versammelte Menge. Die Gelehrten der Moschee haben eine Proklamation vorbereitet. Der ganze Marktplatz Gießener Stadttheater. Leo Ascher: Hoheit tanzt Walzer. Diese zwar reichlich sentimentale, aber im ganzen wegen der ansprechenden Melodien immer wieder gern gehörte Operette aus dem Wien Ötr Biedermeierzeit fand auch in der neuen Besetzung unter Ernst Badckows Spielleitung und Aloert Mischels Stabführung lebhaften Beifall. Freilich bekam die gestrige Aufführung noch eine besondere Vote durch das Gastspiel Elisabeth Friedrichs von der Frankfurter Oper. Fräulein Friedrich verfügt über eine schöne, modulationsfähige, auch in den höheren Lagen voll ausllingende Stimm:, die, unterstützt von einem anmut g-sympath fchen Sp.cl. die Partie der Prinzessin stark heraushob. Herr Dadekow konnte es seiner Partnerin zwar stimmlich nicht^gleichtun, fein Spiel erfreute aber wieder durch Temp r^m'nt und Schwung. Fräulein Simon bemühte sich am heftigsten, leider aber auch am erfolglosesten um den Diener Dialekt. Die Herren Schreiber als „Goldener Ochsenwirt" und S t a d i als spanischer Kammerdiener verhalfen der komischen Selle zu ihren: Recht. Für den erkrankten Herrn Viedel sang Herr Gräf die Partie des wackeren StramöfL —e. • Anton Bruckner. Der. Konzertverein w'll im Anschluß an die Drucknerfeiem. die aus Anlaß feines 100. Geburtstages in letzter Zeit Dielen*rten stattfanden, auch seinerseits Bern Andenken des g rosten Meisters huldig n. Vachdem er in Fr ihj h: 1922 seine Mess: in k^-Moll brachte, gl: dis bevorstehende Konzert vom Montag, 15. D:zember, feinem großen und b:licbteftcn Wer'e, dem „Te Deum". das der gott^strunkene Me ster nach dem Au-spruch? se n s F: urdes Göllrich den leben Gott g:to bmet, und das sich mehr d nn seine anderen Werke die Welt eronert hat. End: September 1E83 b gönn n. sehr cb Brulner. be-eich- nend für fein glaub g s H:rz — bere ts im März 1884 — also nach fünf Monaten auf d.e n.lLnb:te Partitur O. A. M D. G. (omnia ad majorem Dei gloriam). Die Uraufführung fand im I hre 1886 unter Hans Richters Le tung in Wi n statt, dann folgten München, Hamburg, auch Berlin (unter Siegfried Ochs) und andere Großstädte. Im Gegensatz zu Regers Pfalm ist das „Te Deum" mehr b kannt, aber auch, w e dieser. Der großen Schwier gleiten und starten Inst u- mantalb Setzung halb r g fürchtet und .n Ile n ren Städten selten aufg führt. Wie Reg rs Psalm ist auch das „Te Deu.n" wie die übrigen geistlichen Werke Bruckn rs der innigste Ausfluß unerschütterlich n Gottvertrauens, feiicS Viaens nach cw gern Glück, den d:r im Leaea so wunderliche Bauernsohn und in seiner Kunst io geniale Meister in Tönen von entzückender Schönheit ausströmen läßt. Der Text zu dem' Te Deum (lauöamuß) ist der Hymnus, den der B.scho' von Ma land, Ambros us, mt ö m he ligen Augustinus zusammen geformt haben soll: ein Preisgesang auf Goll, von Gebeten unterbrochen. Die große Tonschöpfung ist gewaltig instrumentiert, außer dem vielstimmigen Chor noch ein ist von Fackeln erhellt, und aus jedem Fenster hängt eine Laterne heraus. Vun tritt der älteste Scheik, ein ehrwürdiger Greis, mit schneeweißem Haar und weihen, wallendem Bart in der Mille, verliest den Willen des Dolles und ruft Vaisuli zum Sultan aus. Aber seine Stimme gehl unter in dem Gemurmel des Volles, wie die brandende See jede Stimme verschlingt. Und dann ziehen sie alle in die Moschee. Vaisuli voran, und sie wird so überfüllt von den Würdenträgern der Stämme, daH sic alle die ehrwürdigen Scheils nicht zu fassen vermag. Draußen liegen sie zu Hunderten auf ihren Knien und beugen ihre Stirnen so tief, daß fie den Staub des Bodens berühren. Ihre Stimmen murmeln, aber die braunen Kleider der Bergbewohner sind in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen, und es ist, als ob nicht nur die Schells in der Moschee, sondern als ob weithin die lebendig gewordene Erde, die Berge und Felsen, Allahs Segen erflehten für Vaisuli, den Sultan der Berge. Aus der Provinz. Landkreis Gietzcn. •L Wieseck, 12. Dez. Vach der am 1. Dezember durchg f hrlen Vieh zähl ung sind in unserer G meind: folgende Viehbestände vorhanden: 75 Pferde, 552 Stück Vindoieh, 130 Schafe, 718 Schweine, 519 Ziegen, 296 Gänse, 101 Enten, 3714 Hühner. Denn damit der Friedensstand erreicht fein dürfte, so beweisen diese Zahlen andererseits, wenn man die Größe unseres Ortes berücksichtigt, daß es sich bei uns fast durchweg um landwirtfchoftliche Kleinbetriebe handelt. Bei dem verhältnismäßig niedrigen Schweinebestand ist zu berücksichtigen, daß in den letzten Wochen eine größere Zahl von Fettschweinen zu Haus- schlachtungen Verwendung fand. Vach den Feststellungen waren es bis 30. Vovember 438 Stück. Erfreulich ist die Tatsache, daß sich unser Viehstand gegenüber den Vorjahren hebt und damit die Ernährung immer mehr sicheraestellt wird. Der Konsum der breitesten Volksschichten und damit der Umsatz der landwirtschaftlichen Betriebe wäre ein noch größerer, wenn die gegenwärtig hohen Preise für Fleisch- und Wurstwaren eine Senkung erfahren würden, Kreis Büdingen. ]![ Vidda. 11. Dez. Am nächsten Sonntag findet hier bekanntlich die Wahl eines neuen Bürgermeisters statt. Die im Zusammenhang damit schon verschiedentlich angeregte Wahl eines Be r u f s b ü r g e rm e i ste r s scheint bei der Mehrzahl der Gemeindemitglieder. wie auch bei dem Gemeinderat selbst feinen Anklang gesunden zu haben. Das auch mit Recht. Denn für unsere nicht mit Glücksgütern gesegnete Gemeinde von nur 2100 Seelen bedeutet es einen Unterschied, ob der Bürgermeister aus der Gruppe 9 ober aus der Gruppe 11 ober gar 12 zu befolben ist. Auherbem ist es noch eine große Frage, ob nicht der zu wählende Canbbürger- meifter dem evtl. Berufsbürgermeister inbezug auf Praxis und Verständnis in kleinstädtischen Verhältnissen die Stange hält ober gar noch überlegen ist. Kreis Schotten. b. Scholten. 11. Dez. Aus bem Gerne i n b e r a t. Die städtische Hunbesteuer wird für 1925 auf 10 Mk. für jeben Hunb festgesetzt. Gegen bie hohe st a a 11 i ch e Hundesteuer und deren geplante wellere Erhöhung wirb protestiert. Die Tagegelber der Fe 1 dge - schworenen werden auf 5 Mk. pro Tag festgesetzt. Einem Hausbesitzer werden einige Meter ftäbt. Geländes zu einem Anbau für den Preis von 35 Mk. pro Quadratmeter abgegeben. Gesuche um Vachlah an Kaufpreisen bei öffentlichen Versteigerungen ober Verpachtungen wurden grundsätzlich abgelepnt. Der Finanzausschuß wird ermächtigt, ine eingegangenen Gesuche um Steuernachlaß zu prüfen und zu entscheiden. Die neuerbauten Straßen sollen neue Vamen erhalten, auch einige alte Straßennamen sind verbesserungsbedürftig. Die Bevölkerung soll gebeten werden, geeignete Vorschläge zu machen. Die Kanalisation, Wasserleitung und der Straßenbau in den neu angelegten Straßen sollen weiter durchgeführt werden. Die Gesuche der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgefellschaft und ähnlicher Firmen um Genehmigung zur Anlage von Tankstellen werben innerhalb ber Stadt auf den öffentlichen Straßen nicht genehmigt. Den städtischen Holzarbeitern werden bie ftaatl. festgesetzten Tarife gezahlt. Die Iuxplähe für bie Märkte 1925, Psingst- unb Sommermarkt, werben im Submis' onsweg ausgeschri b n. L Schotten, 11. Dez. Frühzeitig rüstet die hiesige Freiwillige Feuerwehr zum 25. O b e r h e s si sch en Feu er w eh r ta g , großes Orchester: Streichquiatett, F oten, Oboen, Klar netten. F gotte, Hörner, Trompeten, Posaunen, Tuba, Pauken und Org?l, und stellt an die Stimmen und deren Ausdauer unb Ürnfam bie allergrößten Anforderung n. Schon ber Char- unisono-Einsah bedeutet einen kraftstrotzend n Höhepunkt und wirkt mit den Tromp t n- und Posaunenklängen geradezu überwältigend. Es folgt das erste Gebll „Te ergo" in leichtem Anllang an die ^--Moll-Messe und darauf das hymnische „Aetema fac“ mit den scharfen Oktavengängen im Str:ichorch:fter. D eran schlißt sich das zweite Gebet „S.lloum fac“, worauf eine prächt gc Drucknersche Fage „in te Dominum speravl" das Werk machtvoll beendet. Don russischer Kunst. In einem vor Iahresfrist erschienenen wunderschön itluftr'erten Aufsatz der bekannten Münchner Monatih fte „Die Kun st" (Mona s- hefte für freie und angewandte Kunst. Verlag F. Druckmann. München. 1481) hat Oskar B i e das Wllen der zeitgenöfs fchen ruf'ifchen Kunst tote folgt charakterisiert „Die russisch: Malerei schien immer etwas unselbständig und scheint es noch heute. Sie macht: die Moden Europas mit, und auch heute sind alle Stile der gegenwärtigen Generation in ihr vertreten. Der russischen Dichtung wird niemand bie S lbständ glli: ab'trei.en. Aber auch in der Malerei wird das scharfe Auge den nationalen Ton wohl beobachten, selbst wenn er von den Modeströmungen gedeckt erscheint. Ein gewisser Archa.smuS. der die Primitivitäten liebt, ejt fanft:r. melancholischer Klang, ein Märchenwefen von Unholden und Dämonen! $rettag, \2. vezemder 1924 ber vorn 18. bis 21. Iuli nächsten Jahre- dahier ftattfinbel. Aus dem Sllrdtvorstand, der Dürgerschast und der Feuerwehr wurde eine Anzahl Ausschüsse gebildet, Bürgermeister Menzel ist Ehren» und Feftpräsident. AIS Festplatz ist der schön gelegene Bockszahl auf- ersehen, von wo man einen herrlichen Rundblick auf Stadt unb Umgegend hat. Die Freiwillige Feuerwehr Scholtens ist gut ausgerüstet und kann sich sehen lassen. Wohl totrb die Tagung in üblicher Weise abgehalten werden, man will aber damit zugleich eine Propaganda für ba- Feuerlöschwefen verbinden und zur Gründung freiwilliger Feuerwehren veranlagen. Besonderer Wert wird auf eine Ausstellung von Aus- rüstungsgcgenständen gelegt werden, die zum Teil praktische Anwendung finden sollen, ferner soll eine Festschrift erscheinen, die mehr alS den üblichen Inhalt enthalten wird. Die Bildung von freiwilligen Feuerwehren im Kreise Schotten schreitet fort: neuerdings sind hinzugekommen: Ulrichstein. Wetterfeld, Götzen, zusammen sind es jetzt 10. — Die Stadt Schotten steht im nächsten Iahr im Zeichen größerer Veranstaltungen: außer dem Feuerwehrtag finden, soweit bis j 12,50 16,50 11,50 5 11.13 27,40 19 84 24,13 17,8 16,35 17,10 1 8 10,10 107 IS.'O 54,75 49,25 3.1 auf Goldmark umqestellt für 100 Papiermark', b) mark umgestellt find, in 0,360 .970 ..80 1.-7 0 5 1,10 1.2 1 29 1,18 94 25 88,;0 10,75 Zur Rotiz: Die Berliner Wertpopier» börse notiert nach folgenden Grundsätzen: 1. für Aktien und Anteile, a) di« noch nicht Karben Prozent notierten, in „Reichsmark für 100 Papiermark", b) soweit sie b i s 15 Milliarden Prozent nach der bisherigen Rotierungsart notiert sind, in „Reichsmark für eine Million Papier- mark", c) 8—15 Prozent Reichsschahanweisungen „S" von 1924 in „Reichsmark für eine Milliarde Papiermark"; 3 für die festverzinslichen wertbeständigen 10.60 17,60 58,50 69 28 3,2 > 8.8 I (1,85 M 2.6 2.75 10,40 Anleihen, die mark" notiert Godmark"; 4. für die in Prozenten; 10.5 17,25 78,40 67,25 2.7 3,3 8,4 1 0,c95 • 1.3 ! 0,99 I 1.905 i 0,535 । 1,145 1,2 1 1,28 | 1,1 i 97,25 I 68 60 I 10,5 I 12 132,75 6.21 12,25 11,» 16,60 1,87 1Ü 0,325 77,75 16,25 10,40 80 25 81.25 107.75 15 18 90 6 81 12,25 53 48,2 41,25 Werte, a) soweit sie nach der bisherigen Rotierungsart über 15 Mil- 5. für die nach Sachwert verzinslichen Pfandbriefe und Schuldverschreibungen, die bisher in Billionen notiert wurden, in „Reichsmark". Devisenmarkt Berlin—Frankfvrt a. M. (An Billionen Mark au-gedrückt ®neno8-Htre8, London. Wen« hort. Japan, Rio bc ftmtefro für eine Ein bett. Wien und Budove» für 100000 Ein betten. aCefl flbriae für 100 Einhettrn.) Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 6% Deutsche RelchSanleld» 47c Deutsche SlcichSanleive . 3-/«7n Deutsche Neichsanleibe 3% Deutsche Reichsanleibe . Deutsche Sparvraimenanleihe ,4°/o Preußische Konsotö . . . 4° o Hessen . . ....... 8’/>% Hesse» 3% Hessen . . . - ...... Deutsche Werrb. Dollar-Anl. dto Doll -Schatz.Änireting. 47» Jotafin:»......... 67« Goldmexikamr Berliner Handelsgesellschaft tfomuicrj’ und Prlvat-Bank Darmst. und Naitonaldank - Deutsche Bank......... Deutsche Bereinsbank .... Disconto Commandtt . > . Metallbank........... Mitteldeutsche Treditbank. . Lcfterreichische üreditanstalt Westbank............ Bochumer (Stift ...... Buderus....... Cara .......... Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... «aliiverke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregel«. .«. .. Laurahütke Cberbeharf...... • • • . Phönir Bergbau ...... Rheinitabl Nie deck Montan ....... lelluS Bergbau ....... Hamburg-Amerika Paket. .. Norddeutscher Llotzd..... Cheramtsche Werke Hrbtit . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmanu Vnglo-Eont -Guano . . . . , Badische Anilin........ Tdemische Mayer Slavü, .. Goldschmidt........ . ®rie«. eimer Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ Vlütgerslverke ........ Echcideanstalt......... «n« Eiekkrtzttätr-Sesellschaft Beramann ...... Mainkrattwerke ...... . Cchuckcrt ....... . , , Siemens & Halöke Adlerwerkr Kleyer *•«.«, Datmicr Motor». ...... Ledligenftuedt ...... Meguil! , ..... frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . MetallgefellSchaft Frankfurt. Pei Union A.-Ä....... Schuhtabrtk Hen Eichel. .... . , , , Zellstoff Waidhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . - . 10 0,395 79 16,69 10 8 81 83 107,4 15,4 19,4 6,7 12,3 54 46 42,5 Sjollßarten Ufr noch ver- Schöffengericht. * ® leben, 10. Dez. Wegen schwerer kundensälschung und Betrugs hatte sich der nicht vorbestrafte Heinr. Kr. aus W. zu Die to AM" 0011 „ MtseyunS Seite ve üS-S «»iS.-. schinerzeÄ 6U ob sic besuchte,i)ü^ ff ■,i„ 8d)lu6P«[[ Mter 2fr/ Kflslk . ^Kronkheitsb, Me Erregung wichen, he ihr nach. ®,c ® Pausen cmtraiei tte sich m i rcm sand. Sn der Zische kam in uirüd und beto feiner Äbreifc iScrt schien ste auoschallen zu ll sich ungleich lc: um die Hand d) war, weil er o Aoraß sind all ich habe noch die den Kurt ( selig, aber im schöpf, und als! ungtu’d verschüt sei mit Absicht es. Lieb' Kindch Geschlecht, auch müssen und w antworten. Sein Dater war von einem Tierarzt beauftragt worden, für diesen Rechnungen einzuziehen unb zu quittieren. Der Angeklagte änderte nun eigenmächtig solche Rechnungen ab, Mehrbeträge steckte er in seine eigene Tasche. Auch unterschrieb er eine Rechnung mit dem Damen seines Baiers. Unter Zubilligung mildernder älmstände wurde auf eine G esäng- nisstrase von 1 Monat erkannt. An sich steht auf einem derartigen Verbrechen Zuchthaus. Aus der Strafhast vorgeführt wurde der Arbeiter Philipp Diesenbach aus Worms. Dis zum Zahre 1923 war er wegen Diebstahls nur einmal mit einem Tag Gefängnis vorbestraft. Aber dann beging er Diebstahl auf Diebstahl. Z. Z. verbüßt er 32 Monate Gefängnis. Zur Anklage stand ein schwerer Ginbruchsdiebstahl. Als die Franzosen eben in Bochum eingerückt waren — die Stadt war ohne polizeilichen Schutz — benutzte der Ange- llagte zusammen mit drei anderen Komplizen die Gelegenheit, um das Schaufenster eines 5öei= dergeschäfts auszuräumen. Man zertrümmerte die Ladenscheibe, stieg ein und nahm, waS dor einen kam. Zwei der Komplizen sind bereits früher abgeurteilt. Der Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von 1 Z a h r und fünf 3 al) re Ehrverlust. Rur die Tatsache, daß der Angellagte z. Z. der Tat noch kaum vorbestraft war, bewahrte ihn y>dt* dem Zuchthaus. Mit Rachschlüssel in einen Keller in Gießen eingedrungen waren die beiden Angeklagten Hans Hansel und Rudolf K o p s ch auS Gießen. Sie entwendeten dort 48 Flaschen Wein und 20 Pfund Aepfel. Trotz ihrer Jugend haben beide bereits eine stattliche Anzahl von Diebstahlsvorstrafen aufzuweisen. Der neue Diebstahl ist als schwerer Rückfalldiebstahl an sich mit einer Mindestzuchthausstrafe von 2 Jahren bedroht Das Gericht billigte jedoch nochmals mildernde Amstände zu. Eine gewisse Rotlage wurde anerkannt. H. erhielt eine Gefängnisstrafe vo» 1 Jahr 2 Monaten und K. eine solche vor 1 2kahr und 6 Monaten. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Letzte Nackirkchten. Amerika unb Japan im Pazifik. London, 11. Dez. (WB. Funkspruch.) 3n einer Meldung des „Daily Telegraph" auS Tokio heißt es: Die Erklärung des amerikanischen Botschafters Bancroft, daß die im nächsten Jahre im Stillen Ozean stattfindenden amerikanischen Flottenmanöver keine Herausforderung Japans bedeuten, wird von der Presse teils unbeachtet gelassen, teils ironisch k r i t i s te r t. „Damato" spricht von „einer schamlosen Dekun- Dung« des angelsächsischen Lleberlegenheits«- (kngland und die amerikanischen Forderungen. Paris, 11. Dez. ($11.) Rach einer Radio* Meldung aus Washington ist dem Staatsdepartement eine Rote der britischen Regierung zugegangen, in der die Forderung Amerikas abyelehnt wird, die Besatzung S° kosten wie auch die Schadenersatzansprüche gegen Deutschland auf die Dawesleist ungen des Sachverständigenberichts anrechnen zu können. Bon maßgebender Seite verlautet, daß das Staatsdepartement den britischen Protest als unannehmbar zu- ruckge wies en habe. Die amerikanische And» Frankfurter Getreidebörie. (Eigener Drahtbericht des „Gievener Anzeiger*.J Frankfurt a. M, 11. Dez. Es wurden notiert: Weizen 20,75 bis 23.25, Roggen,- inländ. 20.75 bis 22: Sommergerste für Drauzwecke 24 bis 26. Hafer, inländ. 17,50 bis 21,75, Mais, gelb 21 bis 21,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0. 37 bis 38,75, Roggenmehl 31,75 bis 34,50, Weizenkleie 13, Roggenkleie 12. Tendenz: Befestigt. Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger*.^ Frankfurt a. M., 11. Dez. Auftrieb: 12 Rinder, 1004 Kälber. 1083 Schafe, 484 Schweine. Es wurden bezahlt pro Zentner Lebendgewicht: Kälber: Fernste Masttälber 63 bis 70, mittlere Mast- und beste Eaugtälber 52 bis 62, geringere Mast- und gute Saugkälber 43 bis 50. geringe Saugkälber 30 bis 40; Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 35. bis 40, geringere Masthämmel und Schafe 25 bis^, mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 15 bis 24; Schweine: Vollfleisch ge von 80 bis 100 Kg. 72 bis 75, vollst, unter 80 Kg. 62 (bi« 72. vollst, von 100 bis 120 Kg. 75 bis 77 Vollfl. 'Von 120 bis 150 Kg. 74 bis 76. Berliner Produktenbörse. Berlin, 11. Dez. Ter Prvduktenmarkt war für Lokoware weiter still. 3m Termingeschäft aber kam es trotz schwächerer Auslandsmeldungen zu einer kräftigen Befestigung. Die Frage der Getreidezölle mühte bei einer Entwicklung nadj rechts sehr bald wieder in den Vordergrund rüden. Es notierten je 1000 Kg.. Weizen (märk.) 215 bis 221, Roggen (märk.) 209 bis 213, Gerste (märk.) 230 bis 254, Gerste (neue) 190 bis 200, Hafer (märk.) 168 bis 180, Hafer (fromm.) 158 bis 171, Mais (1000 Bln.) 203 bis 206, Raps 385 bis 390, Leinsaat 400 bis 405; für je 100 Kg.: Weizenmehl 29.00 bis 32.25, Roggenmehl 28.75 biS 31.75, Weizenkleie 14.30 bis 14.40, Roggenkleie 12.50 biS 12.60, Viktoriaerbsen 29.00 bis 32.00, kleine Erbsen 21.00 bis 22.00, Futtererbsen 19.00 bis 20.00, Peluschken 15.00 bis 16.00, Ackerbohnen 19.00 bis 20.00. Wicken 17.00 bis 18.00, Lupinen (blau) 11.50 bis 13.00. Lupinen (gelb) 15.00 biS 16.00, Serradelle (alt) 10.00 bis 12.00, Serradelle (neue) 15.00 bis 17.00, Rapskuchen. 16.60 bis 16.70, Leinkuchen 25.00 bis 25.20, Trvckenschnitzel 9.00 bis 9.20, Torfmelasse 8.60 bis 9.00, Kartoffelflocken 18.20 bis 18.50. nicht mehr abgegeben werden. Bereits jetzt eigen sich die Folgen der Verordnung, die darin bestehen, daß viele Arbeiter, deren erster Weg nach der Lohnzahlung ins Wirtshaus führte, dieses an diesen Tagen meiden und ihr Geld erst im Haushalt anlegen. Auch die Wirte sind damit zufrieden, ist es ihnen doch lieber, wenn ihre Gaststätten ihre eigentliche Bedeutung als Stätten der Erfrischung unb Unterhaltung behalten und nicht als Stätten des Trunkes in Verruf kommen. Frankfurt a. M., 11. Dez. Ein 34iahriger, aus Amerika eingetroffener Rückwanderer wurde dieser Tage in dem v-Zug Bremen—Frankfurt von zwei Taschendieben in raffinierter Weise ausgeplündert. Dem Greis entwendeten die beiden etwa 20- biS 25jährigen, sehr fein gekleideten Wirschen, indem sie den Gang abblockten, aus der inneren Rocktasche die ganzen aus Amerika mitgebrachten Ersparnisse in Höhe von 624 amerikan.schen Dollars. Die Diebe machten den Eindruck von Ausländern. Sie wurden bei ihrem D ebstahl scheinbar durch einen vornehm gekleideten Unbekannten im Alter von etwa 40 Jahren gedeckt. Dieser gab sich dem Geschädigten als Kriminalbeamter au«, stellte sich ihm zur Verfügung, lenkte indessen, ohne in eine Personalienfeststellung einzutreten, bei der Gegenüberstellung mit den Dieben den Verdacht von diesen ab und lehnte auch eine Festnahme bzw. Durchsuchung ab. Aus der nächsten Station war das Trio verschwunden. Kassel, 11. Dez. (WB.) Der Senwrchef der Lokomotivfirma Henschel und Sohn in Kassel, Geh. Kommerzienrat Dr. Karl Henschel, ist heute früh nach einem langen und schweren Leiden im Alter von 52 3ahren gestorben. Wirtschaft. Die Wirtschaftsfeindlichkeit der fiskalischen Politik. 3m Reichshaushaltsplan für daS Rechnungsjahr 1924 ist für die Zeit vorn 1. April bis 30. September ein Betrag von 2622 Milliarden als Solleinnahme vorgesehen; an tatsächlichen Einnahmen sind dagegen nicht weniger als 3299 Mllliarden erzielt worden, so daß sich allein in diesem halben 3ahr ein ileberfdjufc von 677 Millionen Mark ergeben hat. Die Tatsache, daß im ersten halben Jahre der Voranschlag um über ein Querte! überschritten ist und daß in einem halben 3ahre ungefähr zwei Drittel des gesamten 3ahressolles eingegangen sind, ist besonders interessant angesichts des ilmftanbed, daß der Reichshaushalt nach wiederholten Er-> llärungen des Reichsfinanzministeriums sehr vorsichtig ausgestellt worden ist, d h., daß die Ausgaben zu hoch und die Einnahmen zu niedrig veranschlagt worden sind. Für Preußen ergibt sich ein ähnliches Bild. 3m 3ahre 1914 betrugen in Preußen die steuerlichen Einnahmen 538 Mill., für 1924 werden dagegen 990 Millionen erwartet, so daß sich eine Zunahme von ungefähr 85 Proz. ergibt. Dabei ist auch für Preußen noch mit einer U?berf$reuung des Voranschlages in bezug auf die Einnahmen zu rechnen. Für die Höhe der Gemeindesteuern einen Durchschnittssah anzugeben, ist unmöglich, da die Verhältnisse in den einzelnen Kommunen zu verschieden liegen. Alle« in allem kann man aber annehmen, daß die Pelastuny an kommunalen Steuern mindestens w groß ist, wie die an Reichssteuern. y Insgesamt kann man demnach die jährliche Steuerleistung Deutschlands zur Zeit auf mindestens 8 Goldmilliarden veranschlagen. Da das jährliche Volkseinkommen auf 25 Goldmilliarden berechnet werden kann, ergibt sich bei einer De- völkerungszahl von 63,5 Millionen eine steuerliche Gesamtbelastung von etwa 150 Goldmark jährlich pro Kopf bei einem Einkommen von knapp 400 Mk. pro Kopf. Den Gesamtwert der deutschen Erzeugung einschließlich sämtlicher Rebeneinnahmen und unter Abzug der Reparationsleistungen, der ins Ausland gehenden Zinsen, des Rückganges der Kapitalerträgnisse usw. kann man auf höchstens 30 Milliarden berechnen. Es ergibt sich also, daß für öffentliche Aufwendungen beinahe ein Drittel des Gesamtbetrages des deutschen Einkommens in Anspruch genommen wird, ein Betrag, der natürlich untragbar ist. Vergleicht man innerhalb des Etats die einzelnen Etastpositionen miteinander, bei denen der Aufgabenireis gleich geblieben ist, so kommt man zu sehr interessanten Ergebnissen. Das Reich hat für die Besoldung seiner Angestellten nur unbeträchtlich mehr aus^ugeben Äs zu Vorkriegszeiten. Die Ausgaben für das Heer, für die Marine, für die Kolonien, für Zinsentilanng usw. sind zu einem erheblichen Teil weggefallen. Andererseits sind für Reparationen, für erhöhte soziale Fürsorge, für Betreuung der Rückwanderer usw. erhöhte Ausgaben erforderlich, so daß dadurch ein gewisser Ausgleich eintritt. Tatsächlich sind aber die Ausgaben des Reiches zur Zeit um ungesähr 35—40 Prozent höher als im Frieden. Aehnlich liegen die Verhältnisse tn Preußen. Dort wird für die Finanzverwaltung ein Betrag von 88 Millionen ausgegeben, gegen 62 Millionen Mark im 3ahre 1913, trotzdem die Finanzverwaltung fast ganz auf das Reich übergegangen ist. das dafür unter Ausgaben 360 Millionen Mark verbucht gegen 7 Millionen in der Friedenszeit. Das Landwirtschaftsministerium verursacht eine Ausgabe von 57 Millionen, gegen 38 früher usw. Bei den Gemeinden herrschen in bezug auf die Ausgabensteigerung ähnliche Verhältnisse. Die Gemeindekassen sind zur Zeit außerordentlich flüssig, teilweise werden Baulichkeiten (sogar Hotels). Grundstücke, Effektenbesih usw. erworben, es wird von manchen Kommunen ein schwunghaftes Geldverleihgeschäft betrieben usw. 3eh er Finanzdezernent muh natürlich eine vorsichtige Politik treiben. 3eht aber sind die Reserven derartig reich ausgestattet, daß eine weitere Thesaurierungspolitik überflüssig ist. Es ergibt sich nunmehr mit dringendem Zwang die Frage, wie sowohl an Einnahmen, wie an Ausgaben abgebaut werden kann. Mit Fltckwerk ist der Wirtschaft nicht gedient, sie muß viel- nehr eine grundlegende Reform mit dem klaren Ziele einer allgemeinen Kostenherabmind-rung verlangen. * Starke Belevung des Ruhr- kohlenversandes. Wie der „Deutsche Handelsdienst" aus dem Ruhrgebiet erfährt, sind durch die Lieberschichten auf vielen Zechen des Essener Bezirkes nach ^lebernahme der Ruhrbahnen durch die deutsche Verwaltung erhebliche Verkehrssteigerungen zu verzeichnen gewesen. Auch im Anfang des Monats Dezember konnte sich die günstigere wirtschaftliche Lage erhalten. 3m Güterverkehr, der sich während und nach der Llebernahme der Dahnen in jeder Weise reibungslos vollzog, wurden an die Reichsbahndirektion Essen und ihre Dienststellen erhebliche Anforderungen gestellt. Die Entlastung der Dahn durch die Rheinwasserstraße war nur gering, weil durch das Hochwasser und den dann eintretenden Rebel im Gebirge die Schiffahrt erheblich behindert wurde. * Gin neuer Aktienschwindel. Die Berliner Kriminalpolizei hat einen neuen Akiien- schwindek, der sich auf das Ausland erstreckt, aufgedeckt. Es handelt sich um einen gewissen Dr. Hoelscher, der selbst Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. begründet und 3n= terimsscheine auch noch nicht hergestellter Aktien und Anteilscheine zu seinen Gunsten in den Verkehr brachte. 3n einem Falle hat er mehr Aktien anfertigen lassen und verkauft, äls der Auf- sichtsrat beschlossen hatte. Hoelscher gründete auch im Auslande ganz allein Gesellschaften und nannte sich dann Präsident des Auflichtsrates oder bei ausländischen Gründungen Präsident des Exekutivkomitees. Gr trat als alleiniger Gründer der Hanseatik G. m. b. H^ in Berlin, der ©ocietö anonyme frour Finaneement in Wien und der Fleisch- und Fett°A°G. in Priyherbe auf. Hoelscher wurde wegen Betrugs und ilr= kundenfälschung und ferner wegen dringenden Verdachts des Meineides und Verleitung zum Meineid verhaftet und der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Er gibt zu. zahlreiche 3nterimsscheine unrechtmäßig hergestellt und in den Verkehr gebracht zu haben. Das 3ahrbuch für Aufsichtsräte nennt Hoelscher als Aufsichtsratsmitglied von 40 Gesellschaften, Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. Er selbst bestreitet diese Mitgliedschaft. 3n den meisten Fällen will er nicht wissen, wie das 3ahrbuch dazu kam, ihn als Mitglied aufzuführen. * Ausbeutung türkischer Bergwerke durch Deutsche? Wie das Blatt „La Dulgarie" meldet, hat eine Gruppe deutscher Kapitalisten durch Vermüllung ihres Vertreters in Konstantinopel bei der Staatspräsek- tur Schritte unternommen, um die Erlaubnis zur Ausbeutung der Braunkohlenwerke in Aghatchli zu erhalten. * Deutsche Vereinsbank, Frankfurt a. M. Der Aufsichtsrat legt einer für den 8. 3anuar einberufenen G. V. die Goldmarkeröffnungsbilanz vor, die eine ilmftellung des Papiermark-Aktienkapitals auf 1,6 Mill. Gm. vorsieht. Der Reserve sollen 400 000 Gm. überwiesen werden. Ferner soll unter Ausschluß des gesetzliches Dezugsrecht der Aktionäre das Grundkapital um bis 4,4 Mill. Gm. erhöht werden. * Elektrizitäts- A.-G. vvrm. Lah- meyer & So., Frankfurt. Die Goldbilanz sieht eine Umstellung des Aktienkapitals von 120 auf 18 Millionen Mark Stamm- und von 10 Millionen Mark Vorzugsaktien auf 10000 M-Mk. unter Bildung einer Reserve vön 1801 000 R.-Mk. vor. * Frankfurter Gas- A-G., Frankfurt. Die Goldbilanz sieht die Umftellung von 400 Millionen auf 20 Millionen R.-Mk. (20:1) vor. * Die Dank von Frankreich hat ihren Wechseldiskont von 6 auf 7 Prozent erhöht. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 11. Dez. Auch die Abendbörse stand unter dem verstimmenden Einfluß, den die älngewißheit der Regierungsbildung auslöste. Die Zurückhaltung war noch stärker ausgeprägt und die Abgabeneigung machte sich weiter mehr oder weniger bemerkbar. Das Geschäft war für 3ndustriewerte sehr klein und die Kurse bröckelten meist weiter ab. Auch der Anleihemarkt lag lustlos und zum Rachgeben geneigt. Stärkere Einbußen hatte wieder der Montanmarkt zu verzeichnen, wo neue Rückgänge bis zu 2 Billionen Prozent auftraten. Etwas widerstandsfähiger war der Markt der chemischen Papiere, wo die Rückgänge weniger scharf hme- vortraten. Elektrowerte lagen ruhig und waren nur gering ermäßigt. Am Bankenmarkt ließen die Kurse nur geringe Veränderungen erkennen. Berliner Handelsgesellschaft gaben um 3 Proz. nach. Auch die anderen 3ndustriewerte bröckelten zumeist leicht ab. Die Börse schloß etwas widerstandsfähiger, doch in unsicherer Haltung. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0,865 bis 0,860, 4proz. Reichsanleihe 1075 bis 1125, Zwangsanleihe 125 Mark. Bankaktien: Bayerische Hypotheken- und Wechselbank 3,1, Berliner Handelsgesellschaft 131, Kommerzbank 6,15, Darmstädter Dank 12, Diskonto 16,35, Dresdner Bank 8,4, Metallbani 17,1. Mitteldeutsche Kreditbank 1.85, Oesterreichische Kreditaktien 10,10, Rheinische Kreditbank 3. Montanwerke: Harpener 107, Mansfeld 4, Phönix 5,2, Rheinische Braunkohlen 37, Rheinstahl 47,35 bis 47, Tellus 3, Kali-Wester- egeln 18,50. Chemische Papiere: Badische Anilin 27,25 bis 27,10, Griesheim 23,5, Scheideanstalt 20,50. Elberfelder Farben 24,10 bis 23,80, Goldschmidt 19, Höchster Farbwerke 24 bis 23,90 bis 24, Holzverkohlung 7,50, Chemische Rhenania 5,75, Rutgerswerke 17,25. Elekkrowerie: AEG. 10,25, Licht und Kraft 7.50, Mainkraft 10,6. Transport- werte: Rordd. Lloyd 3,45. Baltimore 60, Alte Lombarden 7.80. Sonstige 3ndustriepapiere: Kleher 2,8, Reckarsulmer 7,35, Aschaffenburger Zellstoff 25,50, Dyckerhoff und Widmann 4,05, ©ebr. 3unghans 11,75, Lechwerke 18,40, Rhein- inetall 9, Voigt und Häffner 1,625, Frankenthalzucker 4,30, Stuttgartzucker 3,20. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Berlin. 11. Dez. Obwohl die technische Lage der Börse im allgemeinen nur Abschwächungen Raum gibt, liegen doch für einzelne Spezialpapiere günstige Momente vor, so daß die Börse als nicht einheitlich bezeichnet werden kann. Die Spekulation nimmt Verkäufe ohne Gewinnrealifationen vor. Das herauskommeirde Material findet nicht überall glatte Ausnahme, sodaß vereinzelt Kursermäßigungen eintraten. *** - »«ntnote*. Mj Ri« : | (Ohne Gewähr.)______ i£. Dezbr. li. Dezbr. Repan. vnitnch, 'Notierung Amutchr Notier < t, Wrlb Briet Weib | •8r-ef 10. 11. klmll.-Nott 162,8! 170.26 169, .9 17,,21 '.'vll voll Brll.-i'Intw <0,79 20,85 20,81 20,70 voll voll Chrilliania. 63,82 63,93 3j5 63,99 voll voll fiopenbagen 74, 1 74,6' 74,21 74,33 voll voll ©tocfhnhn . HelstngforS Italien. . . 119,00 11 ,34 113,06 113,34 voll voll 10,552 18,175 10,592 1t,215 10,55 18,12 10,59 18,15 uoUiood voll voll London. . . 19,715 19,765 19,71 19,76 voll voll Neupork .. 4,195 4,805 4,1)5 4,806 DOU'DOU Paris. . . . Schiveiz . . 22,67 22,71 . »2,41 12, 6 voliivoll 61,27 61,47 81,27 61,47 DDlI'DßO Svanien. . Wien in D-» V3.48 V8.62 68, ,8 18,52 voll voll Ceft. äbgest Prag . . . . Budapest. . L'uen- Airc» tzukaarien Japan . . . Hfo de Jan Belgrad . . Lissabon . ■ 5,91 f,93 0,907 5,925 voll voll 12,67 8,71 1,613 3,065 12,71 6,73 1,8 2 6,675 12,67 8. 2 ,627 3,065 11,71 6,66 1,6 1 3,175 voll voll voll voll voll voll voll voll 1,613 0,418 6,31 19.73 1,617 0,490 6,-3 19.77 1,602 1,488 6,31 19,73 1,612 1,490 6,33 19,77 VOllpOli voll voll voll voll o.llvoll Br!,' 4,197 <0,72 ■ 4,34 19.782 52.58 ■. 7'0,27 18,22 C3.86 S.612 2,15 113,33 81,60 68,57 12,69 09 'Jicüart °«. doll roll voll doll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll Brr"-. 11. Dezbr. Nmcrllanlschc Moten Belgische Noten .... * Dänische Noten .... . Englische Noten . . . . . ’ ’ * Französische Noten .... holländische Noten .... Atalienische Noten ... . ' Norwegische Noten ' Dculsch-Oeslerr.i» ioo Krone» Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten ...... Spanische Noten ..... TschechoslowaNsche Noten .. Ungarische Noten . . Kev» 20,62 13, 6 19, 82 22,46 169,43 18,1 ’ 63,54 5,89 2,13 112,77 81.17 58,20 12,63 6,67 Gehr. Baer Gießen • Marktstr. 29 9946a t. .ich kuschte «ich damals. Iretze. ist len ist ober nicht? anil-he" Mahlt Zungen zu « der Tx. sÄK afe ■) 215 bi- ?. Äler >8 bi- ni, '« 385 bi- IMjtn. 1 bi- 31.75 e 12.50 bii ime Erbsen 20.00, Pe. 19.00 bi- Lichinen :elb) 15.00 .00, Sena* n-16,60 bi- ltenschnitzel ftartoffcb en. Pazifik« ffpru#' am*1 im naAn SS n*W.| lvurdq Y'nUnb. Lw. 50, Dei jkitb; flfe, «i rLebZ c 63 bi- «n?2 Eer 43 bchase: 40, ge» J. mäßig Ufe) 15 ;»bi- dir 72 Derer Uf» H der noch ). zu ver- n Tierarzt mgen ein- 21ngeDajf( jungen cf, :nc W I mit km igun« mtt« Oefing t. In sich Zuchthaus, wurde der DvrtvS. Diebstahl- niS vorbe- auf Mehlte Seiner &TV n ebtn in Stobt trat der W- AomMen eine- Jod- »ttrinmnertc i, ttd vor md brat? erhielt tfrf und |üil itsache, bA kaum vor- Zuchchaut. 'er in 6k* Angeklagten h auS Sie' schm Dem igcnb habw von SH®* tc DiMahl ich mit ein« ■en bedroht i mildernde Durdc aner* strascvo« e solche vor den wurden Dauer von Die rote Kaschgar. Roman von Fedor »en Zvbeltih. f6 Fortsetzung (TZathbrud verboten.) Heute freilich war über ihren Nachmittag von anderer Seite verfügt worden. O ja, verfügt -- denn Verl toi c ganz qcnnu. dav Tic seine Bitte um ein letztes Abschiedswcrt nicht ablehnen würde. Datz dieses Ttelldichein überslüsTig war und nur ein Ausreihen alter Wunden bedeuten konnte, darüber war sie sich klar. Aber bei aller Ent- lagungskraft aehörle doch auch die Wonne des Schmerze» zu ihrem Gcfühtsinhalt — gleichviel, ob sie sich zu der Lieberzeugung durchzuringen versuchte, daß unter dieses Sühkchmerzliche heute ein Schluhpunkt gesetzt werden sollte. Dena die Ueberzeugung unterstand einem Denkgesetz, das Herz aber nicht Die 'THuttcr hatte inzwischen ein Stündchen schlummern können imb machte einen erfrischten Eindru.1 Vs erschien Frede zweifellos, daß eine jArt Krisis in ihrem Befinden eingetreten war. das Hrankheitsbild halte sich verändert. Der chronische Erregungszustand war gröberer Ruhe gewichen, sie Tvrach auch folgerichtiger, wenngleich ihr nach wie vor einzelne Worte fehlten und Pausen eintraten, die sie sichtlich bewegten, weil >ie sich in ihrem Begriffsvermögen nicht zurechl- isand. 3ii der oft stockenden Unterhaltung bei Tische kam sie wieder auf Bruder Dorotheus zurück und betonte von neuem, bah sie ihn vor feiner Abreise unbedingt kennen lernen wollte. Ocrt schien sie plötzlich aus ihrem Bewuhtsein ousschalien. zu wollen, ihre Gedanken beschäftigten sich ungleich lebhafter mit dem neuen Werber um die Hand ihrer Tochter, die ihr willkommener war, weil ei der Brüderschaft angehörte. „Die Horos find alle weltlichen SinneS," sagte sie. „ich habe noch die Schwester Antons aelannt, die den 5\urt Geisbach heiratete, Gott hab' sie selig, aber im Leben war sie ein frivoles Geschöpf, und als damals ihr Mann bet dem Zechen- unglüct verschüttet wurde, hieß es allgemein, er sei mit Absicht in den Tod gegangen — so hieß es. Lieb' Kindchen, die Horas sind ein verlorenes Geschlecht, auch dein Pater wird das zugeben müssen und wird in seiner Abgeschiedenheit Freude empfinden, daß du mm doch die rechte Wahl getroffen hast Es ist die rechte, es ist Dorbestimmung. es ist dec Weg der reinen Liede, und auf diesem Wege wirst du bleiben, wenn er auch in der Ferne weilt, denn ihr seid unlöslich aneinander gebunden. . Sie versank wieder in unruhiges Sinnen, indes Frehe iich still verhielt und jede Antwort umgmg. um die Mutter nicht durch einen Widerspruch zu reizen. 3n den RachmittagSstund« machte sie öfters einen längeren Spaziergang, es fiel der alten Frau also auch heute nicht auf, als sie ihr sagte, sie wolle auf ein Stündchen in den Wald - aber da war das Denken der Mutter doch schon wieder in Wirrung, denn sie warnte die Tochter vor der Lichtung an den Herzogs' buchen, wo noch immer ein Mutfleck im Grase zu sehen ici Vs war jene Stelle, auf der seinerzeit der Zweikampf zwischen den beiden alten Herren stattgefunden hatte. Doch Freye suchte einen anderen Weg. Am Reckensee hatte sie sich ehemals häufiger mit Gert getroffen, und da hatte sie auch schon einmal Abschied von ihm genommen. 21Ite Erinnerungen sollten wieder lebendig werden. Sie schritt scharf aus, den Stock in der Hand, durch gelbe« Sonnenfltrren, die Weißdornbüsche entlang, an denen die blanken' Fädrn des Altweibersommers hingen und dann den Hang hinauf in den Hoch- wald. der heute, von keinem Windzug bewegt, still 'lag wie ein Heiligtum. Jeder der alten Bäume war Freye ein guter Bekannter, sie schweifte gern hier umher und hielt sich nicht immer auf gepflegten Wegen, sie durchwanderte den Wald am liebsten kreuz und quer, auch das Felstrürnrnergebiet der Höhe, das in Klippenzügen das Dunkel des Tannenhags durchbrach. Unten stand noch der Laubwald, Eichen und Buchen leuchtend im Prunkschmuck des Herbstes, auf der Sandale von Moos, Farren und Wacholder mit verstreuten erratischen Blöcken, um die wildes Himbeergebüsch sich schmiegte, auf den Lichtungen mit brandroter Erika. Langsam stieg Freye bergan, in den Laubschatten mi chten sich nun Radelbäu'me, zwischen das Unterholz drängte sich das fahl gewordene Grün der Heidel- und Preiselbeeren, gelbe, grüne, rote, weih punktierte Pilzköpse schossen aus der Moosdecke. Roch etwas hoher begann em schmaler Oürttl von Twfuitxn, trügerisch mit grünlichem Schwamm überzogen, malerisch in seinen Spiegelungen, an den zutage tretenden Wasserlachen in den Farben des Regen- bogens mit tounderUch geformtem Krüppel bolz am gezackten Ufer. Freye umschritt das Sumpf- land und flieg wieder ein wenig hangab. über Trümmer von Eifenstein, dessen düsteres Rot mit blauen Tönen durchsprenkelt war. unb über Ge röll. auf dem sich schwer schreiten lieft. Aber sie trug derbe Stiesel und war nicht wehleidig bei körperlicher Anstrengung, die Metallspitze ihres Stocks berührte auch bald wieder festeren Boden unter den alten Eichen, die man die .Recken" nannte, weil sie fo riesig und gewaltig standen wie Helden der Dorzeit Es sollte hier in der Röhe einmal eine Burg gelegen haben, doch mehr in den Rahmen der Möglichkeit paßte wohl die Mär von einem heidnischen Tempel, der mitsamt seiner blutigen Opferstätte in die Erde versunken sei so erzählte die Sage, als die ersten Künder des Christentums vom Süden her in diese Berge zogen. An die Stelle des HeidenternpelS aber trat ein lieblicher blauer Waldsee, der leuchtete Freye auch jetzt zwischen den Stämmen entgegen, und zugleich hörte sie ein lustiges Pferdewiehern und eine Männerstimme, die sang daS Siegfriedmotiv, laut, wenn auch nicht richtig. Der kleine See lag tief gebettet zu Füßen einer Trümmergruppe. deren mächtigste Platte, von drei natürlichen Pfeilern getragen, über dem Wasser schwebte, eine Art Grotte bildend, in der unter wucherndem Buschwerk ein Quell entsprang, der auf der Südseite des Sees Abfluß suchte und dann munter und kristallicht in felsigem Bette zu Tal hüpfte, lieber der Lichtung brannte noch Die sinkende Sonne, im Walde f(battete schon der Dämmer, auf der Steile oben bildete der Tannentouchs ein schwarzblaues Düster. Gert hatte den Trensenzügel seines Gauls über einen Baumaft geschlungen und trat Freye mit auS- gestreckten Händen entgegen. .Grüß' dich, Freye," sagte er, „lieb von dir, daß du gekommen bist. Es war gewiß ein Wagnis von mir. dich herzulocken, ich gestehe, es war mehr, es war eine Frechheit — aber ich konnte nicht anders, es war zugleich tiefstinnere« WHIspchke Hemdentuche.....78 Pf. Handtücher......65 Pf. Hemdenflanell, bunt.. 68 Pf. „ weiß Flockköper 95 Pf. Bettdamast .... 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Er hatte sich vor Ihr in das Buscharas gestreckt und sah zu ihr auf. aber ihr Blick tauchte nur flüchtig in sein Auge .Warum fragst du so?" antwortete sie „3ft cS nicht besser, wir lassen das Gewesene gewesen fein? Du wolltest mir Lebewohl sagen, und da kam ich her. ES lag kein Grund für mich vor, dir den Abschied zu weigern. Wir waren ja niemals Feinde auch in der Trennung nicht." .Rein." rief er leidenschafUlch. .Feinde — um GotteswiUen, Wir beide! Dir haben uns lieb gehabt und konnten Aueinanber nicht kommen — es war die alte Geschichte! Ah. Freye. wenn ich dir erzählen woNte, wie meine Herzens- neigung zu dir wuchs und wuchs, wie sie aus einem schlichten MitleidSgesühl zu einem alb umfassenden Empfinden wurde, wie auch noch andre Momente hineinspielten — seltsam Pfhcho- logische-, Kunstgriffe der Ratur möchte ich sagen —“ Ihre Hand legte sich auf feine Lippen „Gert," bat sie nochmals, .laß die Erinnerungen! Wir haben abgeschlossen, wir wollen nicht mehr an Vergangenem rühren. Und du magst ja auch recht haben mit deiner Frage von vorhin: vielleicht wäre unser Glück tote eine Illusion zerronnen - und vielleicht war die Härte, mit der uns da- Schicksal packle, das größere Glück für unS beide. Wir haben resigniert — und immer noch die Zukunft vor unS." „Ist es wahr, daß auch du vor der Heirat stehst?" fragte er. Das Sonnenrol auf ihren Wangen vertiefte sich. „Wie kommst du darauf?" erwiderte ne erstaunt. (Fortsetzung folgt) faktische Weihnarhts-Besrhenkg! Imit. Kamelhaar-Nieder- trpfpr Filz- und Leder- 11 CICI sohlo Größe 36 42 3.76, 3.45, 2.60, Stoff-Morgenschuhe Kordelsohle, aparte Farben, mit Pompe Größe 36, 42 2.40, ■ Im.Kamelhaar-Umschl.- Qphuhp mit Filz-und Leder- vvllUllv sohie. gute Qualität Größe 36/42 4.95, 4.45, 3" Restposten Größe 35/37 Damen-Spangenschuhe mit Schnalle, gute Qualität, HerrenRahmenstiefel Derbyschnitt, gutes Fabrikat Im. 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