n mederge« angeä Herz p«söMcheS M der mterschtrd. Verwandten sein philo- erlcmdsliebe, bandder --Verlag auSgezeti^ öfteren hv" ineä mwer- feinen Alt» neuen , zum erstell' I von Fried ki, mit fein' jungen go- Drog. fljj ■upa. j!± "mK 'M» LNe, KZ eines xNettö- noch fein * W W bie( .Mächen 1 das er- «tuuc 'Jft dxh & 5bl‘ 'menlch» bad di« ,l-es D)l- als velfe .Aatur« n ;elfus. Verdes, Nnen gef>’ lm/M« 1 roOt ftL Seefe m?, kleine vie^ llmnAstm. Msen, bd w »deutsche s fein aü Das Vuch auch nur - Zeit der rndea Pest, der bimEd und Gold- ter ein füi A und auf 1 einzeln«, >d LOjeg i ichs des )rt zu dm ■ Geist deS feit, ben er hck, ist edi xn müssen, Schichte be» ieser ernster, chm als to igener, so«, schrieb. Ä1 ; der sieben al hatte er, tel bei sich rlsdieS^ \ die W? && ünie ®N®* ’“baba’^ wt d-r bS'Ä* #»^5 fe®DntcÄ -'die MiU Leibe & nUMä NÄen 1 Äüiull--' ten del rA Die Konferenz ist in gehobener Stimmung Zuversichtliche Stimmung in London Besprechungen des Kanzlers und Stresemanns mit Herriot, Clemente! und Theunis. - Die Sicherheitsfrage Das Abkommen mit der Repko. London, 11. Aug. (WTB.) Das zwischen der deutschen Regierung und der Reparations- kommission abgeschlossen« Abkommen hat folgenden Wortlaut: 1. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, alle geeigneten Mahnahmen zu treffen, um den Plan der Sachverständigen in Wirksamkeit zu sehen und sein dauerndes Funktionieren zu sichern. Insbesondere wird die deutsche Regierung 2) alle notwendigen Mahnahmen treffen, um die Gesetze und Verordnungen, insbesondere die Gesetze betreffend die BaÄ. die Reichsbahn und sondern Deutschland sei dabei die ^role Wir könnten alle Arbeit als hoffnungslos emstellm, wenn es uns Deutschen von würde, die Nutzanwendung aus de sp Worten Goethes aus ziehen, die an der Spitze dieser Satz stehen. „Die Konferenzteilnehmer sind hochbefricdigt und in gehobener Stimmung. Dieser Superlativ des Gefühls ist der Tenor der hrute vorliegenden Meldungen aus ßonbon, wo die Stimmungen wie die von Frankreich vertretenen Grundsätze w.ch- sein. Gestern hieb es, dab Herriot den Stand» punkt Macdonalds annehme, der unter Be° zugnahme auf die Erklärungen Poincares beim Beginn des Ruhrabenteuers die Ansicht vertritt, dab die militärische Besetzung nur die Arbeit der Ingenieure sichern sollte und deshalb sinnlos bei dem Abschluß des wirtschaftlichen Friedens sei, und dab die Franzosen nur noch Wert auf den Abschlub wirtschaftlicher Verträge mit Deutschland legten. Heute wird die Cn t wa f f nu n gs f ra g e als der Hauptgegenstand der sranzösi chen Sorge bezeichnet, wird die Räuinung der Ruhr mit einem Problem verknüpft, das nur für die politisierenden sranzösi- schen Militärs noch nicht gelöst ist und das schisch- terdings mit der Frage der Räumung der v e r - tragswidrig besetzten deutschen Gebiete nichts zu tun hat. Deutschland hat unabhängig vom Dawesplan und Londoner Konferenz der „G e n c- r a l i n s p e k t i o n" zugestimmt — der Versuch, sie mit der von uns als einer Selbstverständlichkeit geforderten Wiederherstellung des Rechtszustandes zu verkuppeln,'beweist, wie schwach die französische Stellung in London ist. Es ist zu erwarten, dah die deutschen Vertteter ihre durchaus nicht ungünstige Lage ausnühen und jene „reine Dahn" zu schaffen versuchen, in der allein der Weg zu tatsächlichen Friedensverhältnissen zu erblicken ist. Wir können erst dann die gehobene Stimmung teilen, wenn ein klares Ergebnis die Sorgen verscheucht hat, die die französischen Winkelzüge immer wieder — trotz allem sichtbar vorhandenen guten Willen Herriots — in uns wachrufen. „3n gehobener Stimmung". Lvndvn, 11. Aug. Wie Reuter meldet, hat oer Rat der Vierzehn heute von 11 bis 12*/2 Hhr eine Sitzung abgehalten. Es verlautet, dah die Delegierten über die erreichten Ergebnisse hoch befriedigt sind. Die Konferenz ist in gehobener Stimmung. Alle Ausschüsse haben ihre Berichte jetzt fertiggestellt. Das Dritte Komitee hat seine Tätigkeit heute in aller Frühe beendet. Deutsche Besuche bei Belgiern und Franzosen. London, 11. Aug. (WB.) Reichs kanzle r D r. Marx inü> Reichs außen Minister Dr. Stresemann statteten heue nachmtttog dem belgischen Ministerpäs Leuten Theunis einen Höflichkeitsbesuch ab. Im Verlaufe der Unterhaltung, die eine halbe Stunde dauerte und in sehr verbindlichem Tone geführt wurde, gab Theunis der Hoffnung Ausdruck, dab künftig gute wirtschaftliche und politische Beziehungen zwischen Belgien und Deutschland sichergestellt würden. Dr. Stresemann hatte ferner heute nachmittag eine älnterredung mit dem f r a n z ö s i - schen Finanzminister Clementes in deren Verlauf dieser ihm die Wünsche Fran k- reichsinwirtschaftlicher Hinsicht mit» teilte. Wie verlautet, hat Clemente! dem Reichsminister auch eine Aufzeichnung über die wirtschaftlichen Wünsche Frankreichs übergeben. Reuter meldet: Dr. Stresemann stattete heute Herriot einen Besuch ab und erörterte längere Jett mit ihm die <5ra9? ^er p* ” mung des Ruhrgebiets. Die Aussichten für ein Llebereinkommen werden ats y o s s - nungsvvll bezeichnet. Theunis uni) Hymans haben heute dem Reichskanzler Dr. Marx in Erwidemmg fernes Besuches einen Gegenbesuch gemacht. Sitzungsbericht. London. 11. Aug. CMff.) S>te N>nf°»n» der Delegationsführer genehmigte in ihrer heutigen Sitzung die Beschlüsse des 3 ” Komitees: die Beschlubfassung über J>ie Fragen der Amnestierung und der Ruckkehr r Aus gewiesenen wurde aber ^zu ru a ge- st e l l t, bis unter den beteiligen politische Aussprache stattgffurDen ^Herriot dankte Sir Eyre C rowe für die Crvwe wies in seiner Antwort . dienste der Herren Seydvux und Staatssekretär Fischer um das Zustandekommen Ur Beschlüsse des Zw-iten wurde das am Samstag unterzeichnete P 1 der Reparationskommissi^n Sur Kenn^ nis genommen. Einmütig nahm die Konferenz alsdann nach dem Vorschlag schen Delegation an, dab Imr MitgliÄ) der Revarationskommissian nicht nur die Industrioobligattonen. die zu diesem Zwecke erforderlich sind, in der von der Repko genehmigten Form zu verkünden und ihre Durchführung zu sichern. b) alle Bestimmungen anzuwenden, die in An- lage 1 hinsichtlich der Aufsicht Über die verpfändeten Einnahmen, zum Zwecke der Sicherung der Jahresleistungen des Sachverständigenplanes und hinsichtlich anderer Gegenstände enthalten sind. 2. Die R e p k o verpflichtet sich ihrerseits alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um den Plan der Sachverständigen in Wirksamkeit zu sehen und sein dauerndes Funktionieren zu sichern, insbesondere a) die Ausgabe der deutschen Anleihe, wie sie in dem Sachverständigenplan vorgesehen ist, zu erleichtern, b) alle Aenderungen finanzieller und rechnerischer Art vorzunehmen, die notwendig sind, um dem Sachverständigenplan volle Wrrrksamkett zu geben. 3. Die deutsche Regierung u* b die Repko verpflichten sich, sowett es innerhckP ihrer beiderseitigen Zuständigkeit liegt, a) diejenigen zusätzlichen Abmachungen auszu» führen, die zwischen der deutschen Regierung und den auf der gegenwärtigen Londoner Konferenz vertretenen alliierten Regierungen noch abgeschlossen werden sollten, eitrschlieblich aller Bestimmungen, die möglicherweise vereinbart werden, um den Sachverständigenplan in Wirksamkeit zu setzen oder Aenderungen in bezug auf Einzelheiten sirr das Funktionieren des genannten Planes vorzunehmen. Diese sollen, sobald sie abgeschlossen sind, in der Form einer zweiten Anlage dieser Urkunde beigegeben werden und sollen durch die Unterzeichnung von zwei Mitgliedern der Reparationskommission und von zwei, gehörig bevollmächtigten Vertretern der deutschen Regierung bescheinigt werden. b) alle Meinungsverschiedenheiten, welche zwischen der deutschen Regierung und der Repko in Bezug auf Auslegung dieser Vereinbarung und ihrer Anlagen oder des Planes der Sachverständigen oder der deutschen Gesetzgebung, wie sie zur Ausführung des Sachverständigenplanes erlassen worden ist, sollen der schiedsrichterlichen Entscheidung nach den Methoden und unter den Bedingungen, wie sie die genannte Londoner Konferenz für die Frage bcr Auslegung des Planes der Sachverständigen festlegen wird, unterbreitet werden. Durch diese Abmachung werden die Bestimmungen über schiedsrichterliche Entscheidungen, wie sie in dem Plan der Sachverständigen oder der deutschen Gesetzgebung oder In einer der zugehörigen Anlagen vorgesehen sind, nicht berührt. 4. Sollte auf der Londoner Konferenz zwischen der deutschen Regierung und den alliierten Regie« rungen für die Inkraftsetzung des Sachverständigenplans keine Uebereinstimmung erzielt werden, so wird die gegenwärtige Vereinbarung nichtig. London, den 9. August 1924. Für die Repko: Louis D a r t h o u, John Bradburh, Salvago Raggi, Leon Delacroix. Für die deutsche Regierung: Marx. als neuestes Druckmittel, für die Entscheidungen beigrgeben wird, sondern für alle von der Reparativnskam- mission in Verbindung mit dem Dawesbericht zu treffenden Entscheidungen. Die drei strittigen Fragen. Paris, 12. Aug. (WTD.) Heber die Haupt- Verhandlungen, die gestern in London über die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets, die militärische Kontrolle und das französisch-deutsche Wirtschaftsabkommen geführt wurden, meldet aus London der Sonderberichterstatter des „Quotidien": Fra nzö fische rseits wolle man in der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets kein Tauschgeschäft sehen. Man stehe fvanzösischerseits auf dem Standpunkt, dah man in einem Jahre sehen könne, ob der Verlauf des Sachverständigen-Planes entweder funktto- niere oder nicht. Man werde.also das Ruhrgebiet spätestens ein Jahr nach der Ausführung des Sachverständigen-Planes räumen. Aber wenn man für die Dauer der Ruhrbesehung ein Maximum setzte, in der Anname, dah Deutschland die neuen Verpflichtungen, die es soeben eingeht, erfülle, so setzte man dafür fein Minimum, da man sich auf diese Weife der Möglichkeit begäbe, das Ruhrgebiet rascher zu verlassen. Gestern abend habe Herriot längere Zeit mit Dr. Stresemann über diese Frage verhaiidelt und sodann den englischen Premierminister über diese Besprechungen mit dem deutschen Außenminister unterrichtet. Was die militärische Kontrolle an- lange, so habe Macdvnald ohne weiteres dem Vorschlag Herriots zugestimmt. Die Kölner Zone' werde von de.i englischen Truppen geräumt werden, wenn die Abrüstungen Deutschlands hinreichend durchgeführt seien und damit die interalliierte Kontrollkommission ihre Vollmachten auf den Völkerbund übertragen könne. Hinsichtlich der Regelung der deutsch- französischen Wirtschaftsbeziehungen habe der französische Finanzmimster C lern e n t e l Dr. Stresemann ein Dokument überreicht, in dem die leitenden Grundsätze des Abkommens und die ftanzösische Auffassung niedergelegt seien. Der leitende Gedanke bestehe darin, die Wiederherstellung der normalen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ostfrankreich und Westdeutschland anzustreven. Dr. Stresemann habedie französischen Vorschläge als Ganzes angenommen, aber in gewissen EinzelheitenVorbehalte gemacht. Der französische Räumungsplan als Verhandlungsgrundlage. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 12. Aug. Wie wir von unterrichteter Sette erfahren, ist der deutschen Delegation in London der von Herriot ausgearbeitete Plan über die militärische Räumung der Ruhr offiziell zur Kenntnis gebracht worden. Heber die Einzelheiten des Planes wird zunächst Stillschweigen gewahrt, und die in der Presse veröffentlichten Mitteilungen geben die tatsächlichen Absichten der französischen Regierung nur teilweise richtig wieder. 2m Berliner Auswärtigen Amt erklärt man, daß der Räumungsplan Herriots von Deutschland als Verhandlungsgrundlage angenommenwerdenkönne, aber daß man deutscherseits noch sehr starke Bedenken gegen die einzelnen Räumungstermine sowie gegen die Form der Vereinbarungen habe. Die Erörterungen über die militärische Räumungsfrage werden nach Auffassung der deutschen Regierungskreise mindeste ns zweibisdreiTagein Anspruch nehmen müssen. Bei allem Entgegenkommen, dach man französischerseits zeigj, ist festzustellen, dah eine grundsätzliche Einigung nur erhielt werden kann, wenn derdeutscheGrundsatzanerkannt wird, wonach für die Durchführung des militärischen Räumungsplanes nur dieselben Bestimmungen mahgebend sein dürfen, die bei der wirtschaftlichen Räumung Geltung besitzen. Um den Frieden. Jene machen Partei, welch unerlaubtes Beginnen! Aber unsere Partei, frellich, versteht sich von selbst. Goethe 1800. • Unbestreitbar erfüllt eine tiefe Sehnsucht nach Frieden, nach Wiederherstellung der zerstörten Grundlagen des sittlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens das deutsche Volk. Roch nie stand sein Sinn — ohne dah man von einer gleichgültigen oder schlappen Gemütsverfassung sprechen könnte — weniger nach irgendeiner kämpferischen Betätigung, nach dem Austrag von Strettigkeiten und ONeinungsverschie- denheiten. Hub noch nie waren weiteste Kreise der Tenkfähigen ftärter von dem Bewußtsein erfüllt, dah die gegenwärtigen außenpolitischen Ver- ständigungsversuche gefolgt sein müssen von dem Willen zu einer frtedlich-schiedttchen Zusammenarbeit aller Ehrlichen, wenn anders Deutschland nicht die zweifelhafte, mit schwersten Opfern erlauft« Befreiung vom Drucke seiner Gegner wieder bald aufs Spiel sehen will. Auch der wirt- fchaftspoli ttsch ungeschulte Volksgen affe fühlt, daß der zum inhaltlosen Schlagwort herabgewürdigte Begriff „Wiederaufbau" erst dann die feit IahrM vergebens erzielte praktische Bedeutung h ben wird, wenn die polittsch« Atmosphäre gereinigt ist von den Hah- und Machtdünkel-Dakterien, die das Siechtum Europas und die Blutleere des Weltwirt schaftskörpers verschuldet haben, weil sie die Funktionen des Herzens der europäischen Wirtschaft, als das Deutschland seit 25 Jahren erscheint, lahmgelegt haben. Hnd es sind nicht die schlechtesten Deutschen, welche die Ansicht vertreten, dah nur durch eine rücksichtslose Ausmerzung der parteiagitatorischen Phrase als der Quelle des inneren Haders und durch eine Vereinigung aller Ehrlichen und Ur- teilsfähigen zu einer nationalen Schicksalsgemern- schaft die Gefahren abgewandt werden können, die Deutschland auch nach einer annehmbar scheinenden Lösung des Londoner Problems drohen. So gewih es ist, dah eine engere wirtschaftliche und finanzielle Verbundenheit der Völker auch eine ftärDae Interessengemeinschaft darstellt, so sicher- ist eS, dah die Methoden des politischen Kampfes den Frankreich gegen uns toeiterfübren wird in Zukunft noch raffinierter als bisher fern werden. Rur naive Zeitgenossen können wähnen, dah die mit der sogenannten Regelung der Amnestiefrage in London verbundene äußerliche Wiederherstellung der Hoheit der deuffchen Justiz im besetzten Gebiet das französische Militär ui Zukunft verhindern wird, die in französische Dienste getretenen oder gar das französische Staatsbürger- rscht besitzenden deuffchen Hochverräter vor dem Zugriff der deutschen Richter zu schützen. Rur Zeitgenossen, die keine Ahnung von den Zuständen im besetzten Gebiet haben, können glauben, dah die Tausende von französischen Agents provocateurs und von Bezirks- und Kreisdelegierten der Rheinlandkommission nun nach der Versöhnungspfeife tanzen und von ihrer „DurchdringungsproMganda" Abstand nehmen werden. Und nur ein unheilbar an knochen- und hirnerweichendem Illusionismus erkrantter Deutscher kann des Glaubens sein dah die Schalmeien auch der ehrlichsten Pazifisten und dah das würdelose Rachlaufen deutscher Internationalisten hinter ausländischen Rattenfängern die stärkste Militärmacht der Welt veranlassen wird, ihre Waffen als altes Eisen zu verkaufen und ihre Degen mit dem Spazierstock deutscher Welten- bummler zu vertauschen. Das französische Militär wird allenfalls die „vorläufige" Unmöglichkeit, seiner „historischen" Kriegsziele zu erreichen, ein- sehen wenn ein von einem geschlossenen nationalen Willen getragenes Deutschland ihm und der Welt A^ung vor der ernsten Friedensbereiffchaft und der in- der Döltergesamtheit nicht za entbehrenden geiftigen und wirtschaftlichen Kraft Deutschlands abringt. Denn nicht nur das deutsche Volk ist von einer tiefen Sehnsucht nach Fnedrn, Ruhe und normalen Arbeitsmöglichkeiten erfüllt., Auch das reiche Amerika braucht eine Besserung der europäischen Lage auch das mächtige En gland befindet sich in einer wirffchaftlich nicht beneidenswerten Lage, auch Frankreich, die größte Militärmacht der Welt, fühll, dah die politischen Machffpieleieien der letzten Jahre ihm mehr Schaden als Vortelle gebracht haben. Mag bei den stürmischen „Cs lebe der Frieden!"-Rufen gelegentlich der Abfahrt Herriots von Paris noch so viel „Regie" sich betätigt haben, Kenner des französischen Volkes wissen und werden bestätigen, dah es nur solange Freude an der Macht- und Raub- polttik hat, solange sie Gegenstand der Anerkennung der anderen und von sichtbaren materiellen Vorteilen begleitet ist. Und nicht nur London, sondern bereits der passive Widerstand, der erst beute sich auch im guten Sinne auswirkt, haben den Beweis geliefert, dah die Kulturvölker dieser Rkachffpielereien überdrüssig sind. Aber auch das ftanzösische Volk muh dahin belehrt werden, daß London nur der erste Schrttt auf dem Wege zum Frieden ist und dah nach London das deutsche Volk den Kampf um den endgültigen Frieden, und das tfl, der Kampf gegen das ^rsailler Schuld- ^Mndiktat, ftrtsetzen muß, wenn es nicht im Etnnern verlieren will, was es nach außen durch schwerste Opfer sich zu erkaufen bereit ist. Hnvöafür brauchen wir Einheit und Einigkeit. ®er Wille zur nationalen Geschlossenhett ist gleich- bedeutMd mit dem Willen zum Staate. Ihn zu vertiefen wird nicht die letzte Aufgabe derer sein, die des Volkes Sehnsucht nach Frieden, Orb» mmg und ruhiger Arbeit kennen und ehrlich um pfe Seele dieses Volles werben. Richt die Partei, (Ein Aufruf der Reichsregierung. ' (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 12. Aug. Die Reichsregierring beabsichtigt, nach Rückkehr der deutschen Delegation einen Aufruf an das deutsche Volt zu richten, in welchem darauf hingewiesen werden wird, daß nach der Lösung ber schwierigen außenpolitischen Probleme eine Aera des Wiederau f baues heranbricht, für die ct11e Kreise des Volles ihre ganze Kraft einsetzen müssen. Der Aufruf soll auch eine Mahnung an die Parteien enthalten, den inneren Streit nach Möglichkeit abzmnildem und so dem deutschen Dolle die Grundlage zu seinem Wiederaufstieg zu geben. T7’* ----- Nächste Woche Reichstag. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 12. Aug. «Wie nunmehr sesffteht, wird 7)er Reichstag noch gegen Ende der nächsten Woche seine Arbeiten wieder aufnehmen müffen, um die Ausführungsg setze zum Gutachten möglichst bis Anfang nächsten Monats verabschieden zu können. Die Stimmung in den parlamentarischen Kreisen ist gegenwärtig für eine Annahme der Gesetze nicht ungünstig Wen« die endgültige Enffcheidung über die militärische Räumungsfrage zugunsten DeutschlaT^ aussallen sollte, so Barni mit einer Zweidrittel-Mehrheit für die Annahme der Gesetze gerechnet werden. In einem anderen Falle müßte der Reichstag aufgelöst werden, da sich die Aeichsregierung in dem Londoner Protokoll zur Durchführung der Gefthe verpflichtet hat. Dienstag, 12. August 1924 m. Jahrgang Erstes Blatt ietzenerAmeiger vnick vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Steinöruderd H. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Nr. 188 Erscheint täglich, außer Sonn; und Feiertags, mitd.Samstagsbeilage: GießenerFamiliendläller Monats-vezugspreis: 2 Gollmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsie: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Zrankfurt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20°/, Auf. chlao. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Lrnst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Verfasiungsfeier im Reichstag 4 " Goldmarkbilanzen. Wie wir vom Finanzamt hören, ist die Frist zur Einreichung der Goldmarkeröffnungsbilanz bis zum 30. September verlängert. * Apothekerkammer. Die Frist zur Einsendung der Stimmzettel für die Wahlen zur hessischen Apothekerkammer endet am la. August. * Schwimm-Wettkämpfe. Für die Schwimmwettkämpfe des Giehener Schwimmvereins findet laut Anzeige tm heutigen Blatt ein KartenvorverVauf statt. — EinenSamariter-Kursus veranstaltet der Alicefrauenverein. On Anbetracht der hohen Bedeutung einer gut durchgebildeten Pflegefertigkeit sei dieser Kursus allen. Bevölkerungskreisen zur Teilnahme empfohlen. Näheres in der Anzeige. O sie I sö« Jahrnv ÄS SS sgstf ÄS ftriert. S-LL «brO-ufde-lbeso VN unb btt W eine MgK. ttib Mjti derkmstlmscherm virbmg «msubt au has gewöhnliche t gute ZeiümMz< Schöpfung, bei ter. aus V stand vemmdi lvm regten durch ihre 3 öabei die Srfahnnr düng m Gelb und imer bezahlt mach Lis ter Lvndr jutreffenb sesigestell Mt ter Zeitung girren Fortschritt te sich der moder räch damit viel n tti 50 Jahren, un tdert nichts dal Naiste leiht. Die zch ist aber mch Hckng ter Qual «utzAiVdüUkich gn Dir Meute, lne haben aus tM^ähr sie sind Lbminstin denmvdernen was erreichen Mittel gibt o rufen, stehen wir vertrauensvoll hinter ihnen. Der Neichspräsident schloß seine An- 1 spräche mit dem Rufe: „ilnfer Vaterland und das i in der Republik vereinigte deutsche Volk, sie leben Nachdem die donnernden Hochrufe verhallt < waren, marschierten die Massen im Scheine von . vielen Tausend Fackeln unter den Klängen des Deutschlandliedes ab. Die Berliner Sozialdemokratie, > der Ausschuh der Gewerkschaftskvmmis- s i o n von Berlin und ümgegetti) und der All - gemeine Freie Angestelltenbund hatten zu gleicher Zeit im Lustgarten und auf dem Schlohplatz eine gewaltige öffentliche Massenkundgebung veranstaltet. * Eine große Zahl weiterer Meldungen über ZVcrfassungsfeiern in Karlsruhe, Mann - heim, Frankfurt, Kassel, Düsseldorf usw. liegen vor und geben erfreuliche Kunde von dem würdigen und ungestörten Verlauf der Veranstaltungen. Die Feier in London. London, 11. Aug. (WTB.) Anläßlich des Verfassungstages versammelte sich heute abend in den Räumen der deutschen Botschaft auf Einladung des Reichskanzlers eine große Zahl deutscher Damen und Herren zu einer einfachen, würdigen Feier. Reichskanzler Marx begrüßte die Erschienenen mit einer Ansprache, in der u. a, ausführte: Der Dag der Verfassung ist der Tag des Gedankens an all das, was den Begriff des Vaterlandes in sich schließt. Es ist der Tag, an dem wir inne werden, daß unserem Vaterlande unsere ganze Liebe und Treue gehört, am meisten gerade dann, wenn es durch Schick- salsschläge an Gbanz und Reichtum einge- bützt hat uird Sorge und Not auf ihm lastet. Was die Verfassung mit den Grundrechten in sich birgt, knüpft an eine bessere deutsche Vergangenheit an. „Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen, hat sich dese Verfassung gegeben," damit war dir Rech'.sgrund- lage gegeben. Hätte sich das Reich aufgelöst in eine Vielheit zusammenhangloser Staatengebilde, dann konnten wir nie und nimmer als geschlossene Einhttt versuchen, neue Woge zu einem neuen Aufstieg zu finden. Für die Verfassung waren nicht Gefühlswerte maßgebend, sondern allein nüchterne politische Einsicht, vaterländischer Wille, zielbewußte, selbstlose Arbeit und willige Einfügung der Glieder in die Gesamtheit. In diesen vergangenen fünf Jahren hat Deutschland einen langen Leidensweg zurückgelegt und immer mehr häufte sich das Maß äußerster Bedrückung. Mich würde es bedünken, daß dieses gemeinsame Leid uns fester zusammen- schliehen soll. Denn Einheit macht stark gegen alle Not. In dieser Stunde und an diesem Ort, der Metropole der brittschen Weltmacht, wo über DQltschlands Zukunft Entscheidungen von größter Tragweite fallen sollen, hegen wir den Wunsch und die Hoffnung, daß bald die Stunde schlagen möge, in der Deutschland in Freiheit und Frieden wieder mit den anderen Volkern der Wett dem Fortschritt, der Kultur und der Zivilisation dienen kann. Darm wird auch dessen bin ich gewiß, b i e Freude am Reich und seiner Verfassung Allgemeingut des deutschen Volkes werden. Auf dem Boden dieser Verfassung wollen wir für Einigkeit und Recht sorgen, damit daraus für uns alle die Freiheit erwachse, die jedes Deutschen tiefste Sehnsucht ist. Es lebe unser liebes deutsches Vaterland! Die Versassungsseier in Gießen. Der amtlichen Einladung zu dev offiziellen Feier des D e r fa s s ung s ta g e s ge° ftern abend im Stahttheater hatten Angehörige aller Schichten unserer Einwohnerschaft und die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden in so großer Zahl Folge geleistet, daß der Theatersaal in allen Teilen vollbesetzt war. Ober» regierungsvat Weicker begrüßte die Festver- saimnlung tm Namen der einladenden Behörde und betonte, dieser Abend solle ein erneuter Anlaß zu dem Gelöbnis sein, fest zur Verfassung za stehen. Die Festrede hielt Prof. Dr. Fritzsche. Seine gedankenreichen Ausführungen, die das demokratische und republikanische Prinzip unterstrichen, berührten darüber hinaus viele Fragen und Erwägungen dieser Zeit und der mit ihren Problemen in Zusammenhang stehenden jüngsten Vergangenheit und der geistigen Einstellung unseres Volkes, sie suchten und gaben aus der Geschichte Erklärung und Antwort auf vieles, was gerade bei dieser Feier wieder besonders stark in den Vordergrund des Interesses trat, stellten Verpflichtungen der Bürger gegenüber dem Staate und der Volksgesamtheit auf und formten Wünsche und Hoffnungen äuf eine Zukunft unseres Reiches unter einem günstigeren Stern, als er dem Heute leuchtet. Die etwa einstündige Rede löste anhaltenden starken Beifall aus. In den Rahmen dieses Festattes war weiter eine Feier besonderer Art, die Ehrung eines verdienten hessischen Heimatdichters, eingespannt. Von Darmstadt war Ministerialdirektor Dr. älrstadt erschienen, um dem Dichter Dr. Alfred Dock in seiner Vaterstadt Gießen ein künstlerisch ausgestattetes Diplom zu überreichen, wonach ihm der Georg Büchner- Staatspreis für Literatur verliehen wird. Ministerialdirektor älrstadt betonte in seiner Ansprache, daß der hessische Staat nach Maßgabe seiner Kräfte immer die Kunst fördern werde und daß das Hessenland mit dieser Verleihung des Georg Büchner-Staatspreises seinem Dichter Alfred Bock eine wohlverdiente Ehrung bereiten wolle, die zugleich ein Dankes-- zeichen sei für die reichen Gaben, die des Dichters Kunst dem Hessenvolke und darüber hinaus dem ganzen deutschen Volle beschert haben. Dr._ A l - fred Bock erwiderte in schlichter Weise, für die Ehrung, die sein Heimatland ihm erweise, spreche er seinen aufrichtigen Dank aus. Sein Werk sei mit seinem Heimatland aufs engste verwachsen. Hier konnte er Wesen und Schicksale der Menschen vestqlten. Auch in Zukunft werde feine künstlerische Arbeit dem Hessenland gewidmet sein, 1 | das uns allen so teuer sei. Das Publikum sperr- Med der S03 _ Unter diesem drieser, der L ^Wung im i MH Tummer Uebndlic! über wiälangder können ans tem $ic 6 o j i Mm Mag? duK ten Denii Mall erfuhr i Vorläufigen 1 eHAkiche Diei 21m rascheste um. 5 U'Krte; an 1 des ®n Lchn° Sritg, rata 7? MIM ter ( ft s,K 20 an ?nf9 i 2liGn nNtn sich 98ghlNl der Ä SÄ’ als i9]^ N apfe S.5 to totJt13 V. S-S Dete der Ehrung des Dichters und seinen ein* fachen, dankerfüllten Worten sehr herzlichen Beifall. Instrumentale Darbietungen eines Orchesters leiteten den Abend 1 ein und umrahmten ihn dann in Abwechselung mit gesanglichen Bereicherungen durch den Dauerschen Gesangverein und den Gesangverein „Eintracht", dessen Frauenchor dem Männergefang des Abends eine recht angenehme Sangesgabe hinzufügte. Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes und ein von Ministerialdirektor 11 rstadt ausgebrachtes Hoch auf die Republik bildeten den Austlang der Feier. Das russisch-englische Abkommen. Der Triumpf der Sowjet-Negierung. Moskau, 11. Aug. (WTB.) In einer offi- z teilen Verlautbarung des Auswärtigen Amtes, welche die Unterzeichnung des Generalver- ver'tiages der Sowjetunion mit England mitteilt, heißt es : , r Eine Gleichberechtigung der beiden Wirtschaftssysteme, ohne die geregelte Beziehungen zwischen der Socvjetunion und der sie umgebenden kapitalistischen Welt unmöglich sind, wurde bereits als allgemeiner Grundsatz im Jahre 1922 in Cannes aufgestellt, blieb jedoch bisher auf dem Papier stehen. Der Londoner Generalvertrag bringt uns die Verwirklichung einer tatsächlichen Verständigung auf Grund der Anerkennung der Errungenschaften der Oktoberrevolution als Neuform der politischen Gesellschaftsordnung und eines neuen Systems der wirtschaftlichen Beziehungen näher. Der Generalvertrag legt die Grundsätze zu dem Abschluß von Einzelabkommen mit den britischen Gläubigern und ehemaligen Eigentümern fest. Diese Abkommen werden zusammen mit der Gesetzesvorlage über die Garantie der Anleihe für die Sowjetunion ein Ganzes bilden. Die Sowjetregierung wird bei diesen Verhandlungen konsequent die Rechte und Belange des Sowjetstaates behaupten. Der Generalvertrag schafft die Grundlage für ein neues Verhältnis zwischen der Sowjetunion und der größten kapitalistischen Großmacht. Daher stellt er eines der größten Ereignisse in der Geschichte der Beziehungen der Sowjetrepubliken zu der sie umgebenden kapitalistischen Welt und ein Ereignis dar das eine sehr starke Rückwirkung auf die gesamte Weltlage haben wird. Die schwarze Landplage. Höchst, 11. Aug. (Wolff.) Einen Raub- überfall versuchte aestern abend in den hiesigen Anlagen ein Marvkka ner, der von einem Arbeiter die Herausgabe der Uhr verlangte. Als der Mann erklärte, daß er keine Uhr habe, setzte ihm der Marokkaner das Seitengewehr auf die Brust. Nur durch das Dazukommen von Passanten wurde die Vollendung des Raubüberfalles verhindert. Von einem französischen Posten erschossen. Wie aus Trier gemeldet wird, wurde auf den Mattheiser Schießständen der 36jährige Arbeiter Reinemann von einem französischen Posten erschossen. Der Erschossene, der auf den Schießständen Geschohhülsen sammelte, hat offenbar den Anruf des Postens überhört. Aus Stadt und Land. Gießen, den 12. Aug. 1924. Alte Anstandslehren. Ster große Gelehrte Erasmus von Rotterdam hielt es nicht für überflüssige für die Heranwachsende Jugend eine Reihe von Anstands regeln aufzustellen, die beweisen, daß auch schon in früheren Zeiten das Heranwachsende Geschlecht die Tugenden nicht mit auf die Welt brachte, und eine erzieherische Tätigkeit für Ettern und Lehrer nicht überflüssig war. Nicht wenige der Anstandsregeln des Erasmus beziehen sich auf die Mahlzeiten, und er empfiehlt für die Kinder unter anderem: „Dor Tisch soll man sich waschen und die Nägel beschneiden. „Salz soll mit dem Messer genommen werden." „Die Ellbogen auf den Tisch zu stemmen, verzeiht man nur Greisen und Kranken." Gegenüber der Auffassung, im Essen mäßig zu sein und lieber den „Schmachtriemen" etwas anzuziehen, gibt der große Gelehrte die Anweisung: „Man kann auch die Gürtel etwas lockerer schnallen." In der «eichen Richtung b-toegt sich der Sinn folgender Regss: „Man soll alte Sorge abwerfen: denn beim Mahle darf niemand traurig sein!" Andererseits aber verurteilt er die Gefräßigkeit: „Wer sich übergeben muh, gehe bei- seit. Nicht das Liebergeben am Tisch ist unanständig, sondern: es durch Gefräßigkeit herbeizuführen!" Bemerkenswert ist. daß man zur Zeit des Erasmus, um 1530, schon die Zahnstocher kannte, zwar nicht aus Holz, sondern aus Federkielen oder Hühnerknöchelchen. Ebenso erwähnt Erasmus schon zum Gurgeln weißes Pulver, Alaun oder Salz. Andere Regeln des großen Gelehrten wenden sich gegen Unarten, die man bei Kindern nicht selten findet. Sie lassen sich zum Beispiel gern an das „Schmutznäschen" erinnern, und hier gibt Erasmus eine Reihe von Anweisungen, die zum Teil etwas derb anmuten, aber auch noch halte häufig am Platze sind: „Die Nase soll stets sauber fein.“ „Mit dem Hut (!) oder Rock sich zu schneuzen, ist bäuerisch, mtt dem Aermel oder Ellbogen, Sitte ter Wurstmacher." „Es ist auch nicht artig, es m" der Hand zu tttn und sie dann am Rock abzuwischen, anständig aber ist es, mit einem Tüchlein und abgewandten Leibes es zu tun.“ „Beim Niesen wünsche man Glück,“ empfiehlt Erasmus, eine Sitte, die sich bis in unsere Zeit erhalten hat, indem man noch oft hören kann daß dem Niesenden „Gesundheit" zugerufen wird. Im übrigen empfiehlt auch Erasmus schon, sich beim Niesen, Husten und Ausspucken abzuwenden, auch beim Gähnen die Hand vor den Mund fcu halten. Aus den sonstigen Anstandsregeln des Gelehrten seien noch erwähnt, daß er es für schicklich hält, sich beim Lachen zu mäßigen und die Hand oder ein Tuch vor den Mund zu halten. Zu sagen: „Ich ersticke,“ „ich berste," „ich sterbe vor Lachen", bezeichnet er als dumm. Das gleiche sagt er vom lebhaften Gestikulieren. Mit den Füßen baumeln und mit dem Sessel wackeln, galt auch schon im Mittelalter als unschicklich Berlin, 11. Aug. (Wolff.) Anläßlich der Derfafsungsfeier im Reichstag vereinigte sich eine festlich gestimmte Versammlung im Plenarsitzungssaal, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Auf den Ministerbänken sitzen der Vizekanzler Jarres, Erster Bürgermeister Petersen (Hamburg), ferner die Reichsminister Brauns, Geßler.Höfle und Hamm, der preußische Minister des Innern Se ve r i n g . der sächsische Gesandte Dr. Gradnauer, außerdem sind viele Reichstags- und Landtagsabgeordnete anwesend. Um 12 Uhr 34 erscheinen in der Di- plomatenlvge der Reichspräsident, den die Versammlung durch Erheben von den Plätzen begrüßte. Mit ihm nahmen in der Loge der Vizepräsident des Reichstages R i e ß e r , der preußische Ministerpräsident Braun, Rri^smmister a. D. P r e u fj und der Reichsveriehrsminister Oeser Platz. Mit dem Chorgesang „Wo ist so ein herrlich Volk" von Johannes Brahms leitete der Staats-Domchor unter Musikdirektor Wiedemann die Feier ein. Daraus gab der Hamburger Senatspräsident Dr. Petersen nach einer Würdigung des Geistes der Weimarer Verfassung einen geschichtlichen iteberbhef über > die Schwierigkeiten, die auf dem Wege zur deutschen Einheit überwunden werden mußten. Er betonte das starke Band der gemeinsamen Sprache und rief den deutsch-österreichischen Brüdern zu, daß einmal auch mit ihnen Ferne Grenzen mehr bestehen werden. Er trat nachdrücklich für die Beendigung des Flaggenstreites ein. Der geschichtliche Sinn der schwarzrotgoldenen Flagge des alten deutschen Bundesstaates fei die llmfaffung der deutschen Volkseinheit. Er bezeichnete es ferner alsDerkennungderhi- stvrischen Tatsache, wenn man die deutsche Republik eine Schöpfung des zusammengebrvche- nen Volkes vom November 1918 nenne. Die deutsche Republik fei eine Schöpfung der wie- dererwachenden deutschen Nation vom August 1919. Falsch fei auch die Behauptung, daß sich ein deutsches Nattonalgesühl innerhalb der republikanischen Staatsform nicht in seiner vollen Starke auswirken könne. Der Rednrr dankte dann allen denen, die in Heer und Marine sich in den Dienst der Republik stellten und rief allen .durch Fremdherrschaft und unnatürliche Grenzen vom Mutterlande abgeschnittenen deutschen Stammesgenosfen zu, daß sie das deutsche Gemeinschaftsgefühl mit seinen unlösbaren Banden umschlinge. Bürgermeister ®r: Petersen schloß die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Ruf: „Es gibt feinen anderen Weg zu natto- naler Freiheit und nationaler Kraft als den durch die deutsche Republik! Die deutsche Republik, geschaffen durch deutschen Willen, deutschen Geist und deutsches Gemeinschaftsgefühl, möge der Hort des Friedens und des Rechtes fein!“ Reichsminifter des Innern Dr. Jarres dankte in Vertretung deS Reichskanzlers dem Hamburger Senatspräsidenten für die von hoher Staatsauffassung und einem warmen Glauben an das deutsche Voll belebte Festansprache. Die Weimarer Verfassung sei, wie der Festredner mtt Recht betonte, ke in starres G e- Hilde und habe die Möglichkeit, sich vrga- nisch zu entwickeln. Namens der Reichsregierung erflärte er, daß die Verfassung fiitt allen Mitteln und ohne Rücksichtnahme «gen jeden Versuch gesetzwidriger oder gar gewaltsamer Aenderung geschützt werden soll. Er erwähnte dann die Londoner Verhandlungen, die über das Schicksal Deutschlands entscheiden und sprach unter lebhaftem Dank an die deutsche Delegation den Wunsch aus, daß es ihrer ernsten und verantwortungsbewußten Arbeit gelingen möge, das Lebenund die Ehre des deutschen Volkes und damit den Frieden der Welt zu sichern. Die Folgen eines freilich verlorenen, aber in Ehren geführten Krie- ges, an dem Schuld zu haben Deutschland nach gewissenhafter Prüfung ablehne, müßten getragen werden. Man dürfe aber nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen hoffen, daß die poli- ttsche Einsicht der maßgebenden Regierungen zu einer annehmbaren Verständigung führe. Der Minister schloß mit einem Hoch auf das in der Republik geeinte deutsche Volk, in das die Festversammlung begeistert einstimmte. Eine Ansprache des Reichspräsidenten. Berli n, 11. Aug. (WTB.) Die abendlichen Veranstaltungen des Verfassungstages begannen mit einer Abendfeier im Staatlichen Schauspielhaus. Das Haus war mit einer geladenen Gesellschaft, in der mit den obersten Behörden des Reiches und der Länder auch die großen Verbände des Erwerbslebens sowie Wissenschaft und Kunst vertreten waren, bis auf den letzten Platz beseht. Tausende umsäumten den weiten Platz und füllten die angrenzenden Straßen. Als gegen 81/2 Ahr der Reichspräsident die große Freitreppe betrat, wurde er mit vieltausendstimmigen Heilrufen empfangen. Der Reichspräsident hielt etwa folgende Ansprache: Bürger und Bürgerinnen! Ich danke Ihnen allen wärmstens für diese Kundgebung und grüße Sie aufs Herzlichste. Ich erblicke in Ihrer Kundgebung ein Bekenntnis zum bemoErat. Volksstaat, zur Republik und zum Daterlande und zur entschlossenen Mitarbeit an der Zukunft unseres Landes. Im Anblick der lodernden Fackeln und im Zeichen des allen deutschen Reichsbanners Schwarz- Rot-Gvld wollen wir geloben, die deutsche Republik zu schützen und, wenn es sein muß, bis zum Letzten zu verteidigen. In den schweren Jahren, die hinter uns liegen, haben die Feinde von außen und innen fortgesetzt versucht, uns zu zerschlagen. Wenn wir trotzdem in diesen Stürmen unsere politische Einheit gewahrt haben, so deshalb, weil diese in her großen Mehrheit des deutschen Dolles fest verankert ist mit dem Staat. Unfere Blicke richten sich heute auch nach London, wo unsere Delegation harte Kämpfe führt, um uns das Leben zu ermöglichen. Indem wir Leu delegierten unsere herzlichsten Grüße zn- Wettervoraussage Wolkig bis halb bedeckt, Winde allmählich auf nördliche Richtung drehend und langsam kühler, vereinzelte Regenfälle. $ Landkreis Gietzen. 6u. Burkhardsf elöen, 12. Aug. Der am 16 Juli durch Blitzschlag stark ^beschädigte Kirchturm ist vorige Woche wiederhergestellt worden und vorsorglich mit einem Blitzableiter versehen worden. Wie verlautet, soll auch die schon seit vielen Jahren nicht mehr betriebsfähige Kirchenuhr durch eine neue erseht werden, was von den Einwohnern sehr begrüßt wird. ri. L i ch, 10. Aug. Der Verfassungs- t a g wurde hier bereits gestern abend durch eine schlichte, aber recht eindrucksvolle Feier begangen. Die ganze Gemeinde versammelte sich unter dem Geläut der Abendglocke vor dem Rathaus. Alle Stände und Parteien ohne Ausnahme waren vertreten. Der Arbeitergesangverein „Einigkeit", der Rothsche Männerchor und der Gesangverein „Cacilia" trugen stimmungsvolle Heimatlieder vor. Dazwischen hielt Bürgermeister Völker von der Treppe des Rathauses aus eine Ansprache, die mit einem Hoch aufs deutsche Voll schloß. — Der Bund „Für Haus und Schule" veranstaltete heute einen Sommerspaziergang auf den Höh- ler. Dort fand eine Zusammenkunft statt mit Gesang und einer Ansprache von Stiftsdechant Lenz über die Aufgaben christlicher Erziehung. ri. N i e d e r b e s s i n g e n , 10. Aug. Der Verfassungstag wurde hier in der Form gehalten, daß der Gottesdienst zu einer Heimat- und Sommerfeier gestaltet wurde. Kreis Büdingen. *Llnter-Schmitten, 12. Aug. Ab heule erhalten auf der Strecke N i d d a—S ch 0 11 e n die Pz. 4183 um 9.46/9.47 vorm. und 4186 (W.) um 1,25/1.26 nachm. in Anter-S chmi tten Aufenthalt. nz. Geiß-Nidda, 11. Aug. Sonntagabend fand hier die zweite ordentliche Generalversammlung der hiesigen landwirtschaftlichen Bezugs- und Absahgenossenschast statt. Die aus 1923 vovgetragene Rechnung wurde gute geheißen und dem Vorstand Entlastung erteilt Nach längerer Debatte legten der seitherige Direktor und per Rechner ihre Stern ter nieder. An ihrer Stelle wurden einstimmig gewählt: Wilh. Reinhardt als Direktor und Richard Ludwig als Rechner. Sogleich wurden nun umfangreiche Bestellungen auf Kohlen und Dünger ausgenommen. Kreis Wetzlar. * Weh lar, 12. Qlug. Am 20. August findet hier eine Rotvieh bullenauktrvn der Herd- buchgesellschafi für das Vogelsberger Rind statt. (Näheres fiepe Anzeige.) Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 11. Aug. Gestern nachmittag stieß aus der Dickenbacher Landstraße ein Motorfahrer mit einem Personenauto zusammen. Der Motorfahrer, Ministerialrat Martin Emmerling, erlitt schwere Arm- und Unterschenkelbrüche und Kopfverletzungen. Auch der Besitzer des Autos erlitt Arm- und Kopfverletzungen, feine Frau schwere innere Verletzungen. Alle Verunglückten wurden nach Darmstadt ins städtische Krankenhaus gebracht, wo die Verletzte Emma Marx aus Groß- Gerau gestorben ist. — 3n der Stadt wurden zwei Knaben (Radfahrer) an einer Straßenecke von einem Automobil überfahren und so verletzt, daß sie in das Krankenhaus übergeführt werden muhten. — Trotzdem die Preise für die Mietplätze des Landestheaters wesentlich höher sind als früher, ist die Zahl der Mieter bereits so groß, daß die Liste in für* -er Zeit geschlossen werden muh, damit noch einige Plätze für den Tagesverkauf übrig bleiben. Hesien-Nasiau. ss Marburg, 11. Aug. Mit dem 4. Säger- tag der Vereinigung ehemaliger Jäger und Schützen war diesmal auch die Eröffnung und Einweihung des Jnvalidenh e i m s für Jäger und Schützen verbunden. An eme Begrüßungsfeier in den Stadtsälen am Sonnabend schloß sich geftern früh auf dem Kämpfrasen em Feldgottesdienst, bei dem Pfr. Eisenberg die Andacht hielt und der frühere Jägerkommandeur, Generalleutnant v. Borries, an die zahlreich herbeigeeilten Jäger eine Ansprache richtete. Nachmittags zogen diese in geschlossenem Zuge durch bte Stadt nach der am Ortenberg gelegenen früheren Hvffmannfchen Villa, die man, nachdem von einem Neubau Abstand genommen ist, als Jnva- lidenheim eingerichtet hat. Die dortige Feier bei der Oberstleutnant a. D. Freiherr v. Schenk die WeiherÄe hielt, wurde durch Vorträge der Marburger Sängervereinigung verschönt. Nach erfolgtem Rückmarsch in die Stadtsäle schloß sich dort ein sog „Grüner Abend" an und nach eingetretener Dunkelheit wurde auf dem Kämpfrasen ein großes Feuerwerk abgebrannt und zugleich das Schloß beleuchtet. Die Veranstaltungen fanden heute mit einem Sportfest der TraditivTrskompagnic und einem Preisschießen auf den Dürgerschieß- ständen ihren Abschluß. Kunst und Wsssenschast Der Georg-Düchner-Preis. Darmstadt, 12. Aug. (Eig. Bericht.) Der Georg-Büchner-StaatsPreis für das Jahr 1924 wurde wie schon an anderer Stelle berichtet, für Literatur Dr. Alfred Bock, für bildeirde Kunst dem Darmstädter Maler Thesing Der- * liehen. 0. August findet Itton ber§erb- rrger Aind statt. Wiederherstellung der Sozialverficherung. Unter diesem Titel gibt Ministerialdirektor I 2ug. Ib heute a-Echotten und 4186 (» °öchmi tten . Sonntagabend »rmrasderMm« schastlichen ! enschaft statt, hing wurde gut» illaslung erteilt seitherige Sire!« ita nieder. QIn gewählt! Dich. Dichard Luden nun umfang- nb Dünger auf« <5 riefet, der Leiter der Abteilung für Sozial- reisicherung im Reichsarbeitsministerium, in der rächstasi Rümmer des „Reichsarbeitsblattes" einen tinhessen. Gestern nachher Landstraße rrsoneiMto zu°> NWemlrat vere Am« und ^vsveckhungrn. erlitt Am« und schwere innere ten wurden nach enhauS gebracht, 'an auS Groß« er Stadt wurden einer Sttahen" -erfahren und so >6tein die ist w NfS die S>tft= m muft, Damit n1^ *«rtauf ubns ie . fe . lAn Ä"de,. ^betracht "Wien Mich au, Wrin kühin' s#f ff, * Simad«? Ä%*gS »5$ SäS chbnt-.^nch dort I ««d i"® («nt^ KS iiatf*1*1 fi Ueberblick über die Lage und die Ent - Dicklung der Sozialversicherung. Wir fönnen aus dem Druckbogen folgendes Mitteilen: Sie Sozialversicherung hat die schwer Rotlage, die sie während der Inflation durch den Der Mögensschwund und den Beitragsausfall erfuhr, im wesentlichen überwunden. Mit der vorläufigen Währungsbefestigung begann die erfolgreiche Wiederausbauarbeit. Am raschesten stellten sich die Krankenkassen um. Sie umfassen jetzt 18 Millionen Versicherte,' an Beiträgen werden im allgemeinen v Proz. des Grundlohnes erhoben, infolge veränderter Lohn- und Preisverhältnisse mehr als vor dem Kriege, im Ertrag aber nicht mehr als früher. Der Dersicherungsbedarf beträgt 750 Millionen Goldmark jährlich. Gelungen ist aber auch die Hebung der Leistungen. Reu ist insbesondere die Familienwochenbeihilfe die in etwa 600 000 Fällen jährlich e>ntritt. Zugenommen hat auch die Familienkrandenpflege als freiwillige Mehrleistung. 3m ganzen überwiegen heute die Sachleistungen gegenüber dem Krankengeld. Die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 31..Iuli erhöhte die Leistungen der Invalidenwochen- beihilfe von 30 Mk. auf insre^mt 80 Mk (Bei- Wochengeld und Stillgeld). Davon trägt Reich die Hälfte. Der Reicyszusu-u^ betrug 20 Millionen Mark jährlich. Die auf Rücklagen aufgebaute Invalide n- oersichetung befand sich in besonderer Rot; allein an Zinsen erleidet sie einen bauern Ausfall von 60 bis 70 Millionen Mark jähr- lich: die Zahl der Rentenempfänger verdoppelte uch gegenüber der Vorkriegszeit. Gleichwohl wird bte Versicherung ihren Ausgaben wieder gerecht. S'te Witwen- und Waisenrenten sind gegen die früheren sogar erhöht. Trotz der erhöhten Aus- gao-en wird das Beitragsaufkommen von 330 A^illivnen Mark (nur 40 Millionen Mark mehr in- 5"sreichen. Darin kommt die größere Wirischaftlichkeit des Umlageverf ährens gegen- denr Anwartschaftsdeckungsverfahren zum Ausdruck. Der Zuschuß des Reichs beträgt für bad laufende Haushaltsjahr 110 Millionen Mark (un Iahre 1913 58 Millionen Mark), auf den . rsofft eine Rentenausgabe von 1 Million Mart (1913 Vs Million Mark). Besondere Sorg- strbt toirb auf das Heilverfahren verrvendet. Die erst 1913 eingeführte Angestellten- Versicherung umfaht 1,6 Millionen Versicherte. Da die Wartezeiten zum groben Teil iwch laufen die Leistungen also erst zum geringeren Teil begonnen haben, war eine Aufwertung faa- leichter. Das Ruhegeld beträgt 30 Mk., ■Ää: ’011 auch ft,, ^fähige tonDen, toa« •tro. ^ssungz. 7 durch eine y begangen, -unter dm nathaur. Alle nehme waren ut »Einigkeit- Tefangderein rrmatliedubvr vlker von der Ansprache, die schloß. - Der le veranstal« 3 auf den Höh, i statt mit @e» Dechant Lenz iehvng. 10. Aug, Der ' Fvm gehal» r Heimat« und Die Reklame als Konferenzgegenstand. Die Zeitungsanzeige noch immer das r’ hefte Werbemittel. ®en weiteren Berichten über die Londoner I Sammg der Anzeigenfachleute, über die wir vor । Hjriaen Tagen schon kurz berichteten, entnehmen wir die nachstehende, alle Geschäftsleute interessierende Darlegung über die geschichtliche Entwicklung, die Arten und die Wirkung der Zeitungsanzeige. GS besteht ein großer Unterschied zwischen der Anzeige von heute und der aus der Zeit vor 50 Jahren. Damals war die Zeitungsanzeige, von Ausnahmesällen abgesehen, auf den Ton abgestellt, m dem der Jahrmarkts Händler seine Ware anpreist. Heute bedient sich der Geschäftsinhaber, der seine Ware anpreist, ungefähr der Ausdrucksweise, die etwa einer seiner Kunden wählen könnte, um eine Ware, mit der er zufrieden ist, einem guten Fr«md zu empfehlen. Mit dieser Qlenberung in der Tonart ist eine Hebung der Sprache Hand in Hand gegangen. Die Durchschnittsanzeige war vor 50 Jahren ohne jeden Anspruch auf sprach- lichen Wert. Sie war auch fast nie in bezug gesetzt auf die besondere Wirkung, die sie erzielen sollte. Heute sind die Texte sehr vieler Zeitungsinserate von Männern oder von Frauen abgefatzt, die schriftstellerische Eigenschaften haben. Zuwei- len trifft man auf einen Text, dessen Lektüre genau ' so viel Vergnügen macht, wie etwa die einer ausgezeichneten Anwaltsv^ie, in der alle Mittel der Überzeugung geschickt ins Spiel gesetzt werden. Die frühere Anzeige las sich wie eine Beschwörung, bie moderne ist eine fein durchdachte und in bester Form vorgebrachte Empfehlung. Es versteht sich wn selbst, das) die moderne Art der Zeitungs- anzeige viel schwieriger ist, weil sie kunstvoller ist crlS die frühes. Sie ist aber auch sicherlich unendlich viel wirksamer. Roch ein zweiter tiefer Unterschied besteht zwischen früher und heute. Er betrifft die Bilder der Anzeigen. Vor 50 Jahren waren die Zeitungsanzeigen noch ebenso eintönig wie oberflächlich und meist auch geschmacklos illustriert. Heute ist der bildliche Teil der Anzeigen cbenfo auf den besonderen Zweck abgeftimmt wie der'Text und die Kunst spielt dabei hier wie dort eine gleich grobe Rolle. Der Aeklamefachmann . weih längst, dah sowohl im Text wie im Bild der künstlerische Einschlag eine viel größere Werbe- wirkung ausübt als das gewöhnliche Wort oder das gewöhnliche Bild. Deshalb ist die wirllich gute Zeitungsanzeige heute eine einheitliche Schöpfung, bei der sowohl auf den bildlichen wie lauf den textlichen Teil gleichviel Kunst und Verstand verwandt wird. Manche Geschäftshäuser erregten durch ihre Anzeigen Aussehen und sanden ■babei die Erfahrung bestätigt, dah die Aufwen- ' Lung von Geld und Geist in der Propaganda sich immer bezahlt macht. Auf der Londoner Anzeigenkonferenz wurde zutreffend festgestellt, dah die Entwicklung auf dem Gebiet der Zeitungsanzeige einen auherordentlich groben Fortschritt darstellt. Der Geschäftsmann, Ler sich der modernen Anzeigenmittel bedient, erreicht damit viel mehr als sein Vorläufer vor 40 vis 50 Jahren, und die Kunst in Bild und Wort verliert nichts dabei, wenn sie der Reklame ihre Dienste leiht. Die Entwicklung der Zeitungsanzeige ist aber nicht nur gekennzeichnet durch die Hebung der Qualität, sondern auch durch die «uh^vrüe.rtlich große zahlenmäßige Zunahme. Die Fachleute, die in London versammelt sind, haben aus langjähriger Erfahrung gesprochen, und sind übereinstimmend der Ansicht, dah es s ü r Den m odernen Geschäftsmann, deret- vas erreichen will, gar fein anderes Wittel gibt als die Anzeig e die Witwenrente 18 Mk. und Die Waisenrente 15 Mk. monatlich. 3n der- Angestellten- und Invalidenversicherung wird auf die Dauer und die Höhe der Ver- sichelung nunmehr wieder durch einen ©teige- rungsbetrag Rücksicht genommen. Tie Unfallversicherung schützt jetzt 24 Millionen Arbeiter mit einem Aufwand von 110 Millionen Mark. Tie Leistungen werden in allernächster Zeit wieder auf die frühere Höhe gebracht, wobei Schcoerverletzte noch eine besondere Berücksichtigung erfahren sollen. Auch auf den Familienstand wird, und zwar durch Kinderzuschüsse, Rücksicht genommen. Die llnfalfoer- sicherung wird eine AuÄxHnung auf bie Gastwirtschaften und Verkaufsgeschäfte erfahren. De- sttmmte Berufskrankheiten sollen einem Unfall gleichgestellt werden. Als Zukunftsziele der Sozialversicherung kennzeichnet der Cöerfafec Klarhell, älebersichtlichteit und soziale Gerechtigkeit. Mtt eindringlichen Worten weist er abschließend die Unentbehrlichkeit einer angemessenen Sozialversicherung zur Ergänzung des Lohnes nach. *• Reue Briefmarken. Die Briefmarkensammler dürfte cs intereffieren, dah demnächst Freimarken zu 1 und 3 Mark mit Bildern ähnlich der 2-Mark-Briefmarke mit der Ansicht von Köln ausgegeben werden. Rachdem im März dieses 3abre8 als erste neue Freimarke mit dem stilisierten Reichsadler der 30-Pfenmg- toert erschien, folgten die Wertzeichen 3, 5, 10 Pfennig. Vor kurzem erschien die 40-Psenmg- Driefmarkc in oliver Farbe, und zwei weitere neue Marken zu 60 und 80 Pfennig zeigen das Bild des ersten Staatssekretärs des Reichspost- amtes, von Stephan, und tragen die Aufschrift „ Fünfzig Iahre Weltpostverein". Auher sonstigen Aussetzungen an den „von-Stephan- Marten" wird gerügt, dah der Rame „von Stephan" fehlt. Amtsgerichte in der Kleinstadt. AuS Anwaltskreisen wird uiiS geschrieben: Der Plan der Einziehung kleinerer Amtsgerichte, der lediglich als Sparmaßnahme für den Fiskus (nicht für die BevölkerungI) gedacht war, ist in Hessen nicht zur Durchfüh.ung gekommen. Die örtlichen Behörden und Gemeinden! werden wohl niemals zustimmen. Bei der heutigen Bedeutung der Landwirtschaft und der auf dem Lande wohnenden Dolkskreise nicht nur für die Dvlksemährung, sondern überhaupt für das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und sittliche Leben darf mit Recht gesagt werden, dah die Amtsgerichte in den kleinen Orten für das Staatsleben von besonderer Bedeutung sind und dah gerade diesen, den Urquell der Dolkskvaft verkörpernden Staatsbürgern, der Weg zum Ge- mcht, zum Rotar und zum Anwalt unter keinen Umständen mehr erschwert werden darf, als es schon heute der Fall ist. Hier ist ine Dezen- tralifa tion der Rechtspflege ein ganz gelinder Faktor. Die Konzentratton in den groben Städten ist unserem Volksleben noch immer zum Rachteile gewesen, wie vor allem das Kriegsergebnis mit seinem Grohstadtelend in überzeugender Weise gelehrt hat. Deshalb auch in der Rechtspflege : Dezentralisation und Zuständigkeitserhöhung der Amtsgerichte aus dem Landei <5tarte und tüchtige Persönlichkeiten als Richter, Anwälte und. Ro'are sind von jeher eine Lebensfrage für eine gesunde, das Vertrauen des Volkes verdienende Rechtspflege gewesen. Alle Bestrebungen auf Einziehung kleinerer Gerichte sind schon wegen der eigensten Interessen der ländlichen Bevölkerung zu bekämpfen. Was die Zuständigkeit der Amtsgerichte in Zivilprozehfachen anlangt, so tft es eia weitverbreiteter Irrtum, dah Prozesse über 500 Goldmark nur an den höheren Gerichten und nicht auch an den Amtsgerichten verhandelt werden könnten: Iede Partei kann mit der artbe en mündlich oder schriftlich die Zuständigkeit des Am'sgerichts ihres Wohnorts vereinbaren. Dies geschieht zweckmäh g durch entsprechenden Aufdruck auf Bestellscheinen, wie z D. Gerichtsstand: Amtsgericht Alsfeld o. ä (Aufdruck auf Briefen, Rechnungssormularen usw genügt jedoch nicht). Stillschweigende Vereinbarung ist nach § 38 ZPO. zulässig, indem der Kläger unter Berufung auf § 38 ZPO. bei dem Amtsgericht Termin in feiner Klageschrift beantragt und abwartet, ob der Beklagte sich einverstanden erilärt oder Verweisung an das meist nur per Bahn zu erreichende Landgericht beantragt. Die Verhandlung vor dem Amtsgericht hat für beide Parteien folgende Vorzüge: 1. Der Prozeh wird vor dem örtlichen Richter verhandelt, der die Parteien, Zeugen und Verhältnisse aus eigener Anschauung und durch den örtlichen Anwalt, den die Partei persönlich als Mann ihres Vertrauens bestellt, kennt. 2. Infolge schnellerer Terminsfolge wird der Prozeß eher beendigt. 3. Bei persönlicher Anwesenheit der Streitteile in der Verhandlung, sei sie freiwillig oder infolge richterlicher Anordnung, sind die Kosten erheblich geringer, als wenn die Parteien nach dem entfernten Landgericht reifen mühten. Als staatlich anerkannte Organe der Rechtspflege fungieren die Rechtsanwälte als Vertreter der Parteien. Die durch Rechtsanwälte vertretenen Streitteile brauchen deswegen grundsätzlich n i ch t s e l b st vor Gericht zu erscheinen und sparen Zeit, Erwerbsverluste und Auslagen. Die Gebühren der Rechtsanwälte beruhen auf rechts- gesehlicher Regelung (Gebührenordnung für Rechtsanwälte in der vom 1. Iuni 1924 ab geltenden Fassung). Sie stehen gesetzlich fest und werden nur nach Wert des Streitgegenstandes und nicht nach Umfang und Schwierigkeit der geleisteten 2Irbeit berechnet (wie z. B. bei Aerzten, Architekten usw.). Ein im Publikum weit verbreiteter alter Irrtum ist es, dah die Kosten eines Prozesses sich nach der Anzahl der Termine richteten und die Anwälte an der langen Dauer der Prozesse ein wirtschaftliches Interesse hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Rechtsanwälte erhalten für ihre Tätigkeit Gebühren nach dem System von Pauschalsätzen je nach Höhe des Streiwertes. Die Anwälte haben also an der langen Dauer der Prozesse gar kein Interesse, im Gegenteil, je eher der Prozeh beendet ist, um so eher können sie hoffen, ihre Kosten zu erhalten. Zur Wahrung ihrer besonderen Interessen hat sich die Anwaltschaft in den Orten mit nur Amtsgerichten zusammengeschlossen, zu dem „Verein der Amtsgerichtsanwälte", Der über ganz Deutschland verbreitet ist. Reben der Gleichstellung der Amtsgerichtsanwälte mit den Anwälten an den Landgerichten kämpft der Verein in erster Linie für die Beibehaltung der Amtsgerichte in den Kleinstädten und für die Zustän - digkeitserweiterung der kleinen Amtsgerichte auf dem Gebiet des Straf- und Zivilrechts und Beseitigung jeglicher Don - berger lebte. Turnen, Sport und Spiel. Deutsche Leichtathletikmeiftcrschaften. (Erster Tag.) In S t e 11 i n begann gestern die Austragung der deutschen Leichtathletikmeisterfchaften bei wenig günstigem Wetter. Der Verlauf der Meister- sc^lften brachte die allgemein erwarteten Ergebnisse, doch blieben auch zwei gröbere älederraschun- gen nicht aus. Bedarfs, der deutsche Langstreckenmeister, muhte eine empfindliche Riederlage emftecfcn. Gegen seine sonstige Gewohnheit nahm er nicht die Führung, sondern blieb im Rudel stecken, so dah er Frandsen- Oldesloe und Husen-Hamburg, die dem Felde vorauSliefen, nicht mehr einzuhvlen vermochte. Diese beiden machten einen Endkampf unter sich aus, und die gröbere Kraft des Hamburgers gab den Ausschlag. Bedarfs endete reichlich 100 Meter zurück an fünfter Stelle. Eine zweite äleberraschung brachte die 3xl00-Meter°Staffel. Hier konnte sich der Rekordhalter München 1860 nicht durchsetzen, sondern muhte den Meistertitel an die gleichmässig laufende Mannschaft des Sportclubs Charlottenburg abgeben München wurde drei Meter zurück Zweiter, dicht gefolgt vom Kölner Dallspielklub. Die 100 Meter waren eine sichere Sache für den deutschen Meister H o u b e n. Ebenso sicher gewann P l e h e r-Stettin die 800 Met.r in ter guten Zeit von 1:57,2. Bei den 400-Meter-Hürden kam der Hannoveraner Stein als Erster durchs Ziel, wurde aber distanziert, da er drei Hürden ge- risien hatte. Sieg und Meisterschaft fielen infolgedessen an H e b e l - Mannheim. Das Diskuswerfen endete mit dem erwarteten Sieg des Frankfurters Steinbrenners, der beständig 41,20Meter erzielte. Hochsprung und Weitsprung ergaben die erwarteten Siege von Skorczinski -Berlin und Schumacher -Hamburg. Am ©onntag kam der Ausscheidungskampf im Weitsprung für Frauen zum Austrag, bei dem Fräulein Henoch - Berlin mit 4,91 Meter den besten Sprung erzielte. Durch denselben Sprung wurde sie später im Endkampf deutsche Meisterin. Im Speerwurf gelang es Zimmermann- Breslau unseren Weltrekordmarm Lüdecke knapp zu schlagen mtt 56,83 Meter gegen 56,36 Meter. Beidarmig konnte Lüdecke jedoch seine Meisterschaft mit 93,03 Meter erfolgreich verteidigen gegen Schnurr mit 90,06 Meter. Im 100-Meterlauf für Frauen gelang es Frl. H a u x in 12,9 Sekunden als Siegerin durchs Ziel zu gehen. Im 200-Meter-Zwischenlauf tat sich Schlacke 2 durch blendendes Spiel hervor. Er lief 22,7 Sekunden vor Krüger mit 23 Sekunden. Der einzige, der seine Meisterschaft aus dem vorigen Iahre erfolgreich verteidigen konnte, war P e l tz e r - Stettin. Ebenso wie die 800 Meter gewann er auch die 1500 Meter in 4 Minuten 0,5 Sekunden vor Klekamm-München. Im Stabhochsprung wurde ßeniger»Berlin nrit 3,70 Meter berührt deutscher Meister vor Reeg-Frankfurt mit 3,65 Meter. BeimKugelstohen gelang esHeymann mit 24,20 Meter vor Haenchen mit 22,31 Meter einen neuen deutschen Rekord aufzustellen. In der 4mal 100-Meter-Staffel gelang es Preuhen - Krefeld wieder, durch seinen vorzüglichen Schluhmann Hou den den Sieg herauszulaufen. Das Diskuswerfen für Damen war Fräulein Hen och-Berlin nicht zu nehmen. Sie gewann die Meisterschaft mit 25,66 Meter vor Fräulein Maeder-Beimau mit 21,60 Meter. Den 400-Meter-Lauf gewann Reumann- Mannheim in 51,2 Sekunden vor Schmidt-Berlin 2 Meter zurück. Eine Enttäuschung brachte der 10000-Meter- Louf. Bedarfs gab bei 6000 Meter auf. Hierdurch wurde das Rennen vollkommen offen. Grahmann siegte in 33 Min. 07,4 Sekunden. Im 10-Kampf wurde Westerhaus-Berlin mit 532 Punkten deutscher Meister. 3. C. Wetzlar-D. f. D. Gießen 1:0. Das Spiel F. C. Wetzlar—D. f. D., das ersterer mit 1:0 für sich entscheiden formte, war ein nicht gerade allzu schönes Spiel, da der ersatzgeschwächte B. f. D.-Sturm die vielen Torchancen, Die ifym die Läuferreihe ausarbeitete, nicht verwertete. F. C. dagegen zeigte mehr Härte als Spiellultur. Bei einem Kreismeister dürsten soviele „Hände", „Aus" usw. nicht Vorkommen. D. f. B. cvird bei Gelegenheit versuchen, mit vollständiger Mannschaft das Verlorene wieder einzubringen. Schwerer Anfall zweier Sportschriftsteller. Darmstadt, 11. Aug. (WB) Bei der heute gefahrenen ersten Etappe der deut'chen Dauerprüfungsfahrt ereignete sich ein sawerer Anfall. Der Pressewogen des bekannten Sport- schriststellers Siegfried D ö r s ch l a g wurde vor Simmern aus der Kurve geschleudert und überschlug sich. Dörschlag . erlitt einen Schädelbruch und von den Mittahrenden der Redakteur Dock von der „AllgTmtt ren Automobitz tung ‘ einen komplizierten Beinbruch Der Wagen wurde zw- trünrmect. Dörschlag schwebt noch in Lebensgefahr. Aus aller Welt. Grvhfeuer im Getreidespeicher. Magdeburg, 10. Aug. (WTD.) In der Rächt' vom Samstag zum Sonntag brach auf dem Gelände des Süterbahnhofes gegenüber fern Hauptbahnhof Magdeburg in den Speicheranlagen der Landesproduktenfirma Siebert u. Co. Grvhfeuer aus, das die in Eifeakonstruktton ausgeführten dreigeschossigen Speicheranlagen in einer Grundfläche von etwa 800 Quadratmeter vollkommen vernichtete. In den Speichern lagerten viele tausend Zenttier Melasse, Hafer und Roggen, wovon nichts gerettet werden konnte. Rach mehrstündigem Brande stürzte das Gebäude vollkommen in sich zusammen. Der Materialschaden ist sehr groh, konnte aber noch nicht abgeschätzt werden. Menschenleben sind nicht zu Beilagen. Der erste Preisausschreiben-Prozeß. Rach dem „Vorwärts" verurteilte ein Schöffengericht in Thüringen euren Kaufmann, der auf dem Wege der jetzt üblichen Preisausschreiben ein Mentholpräparat vertrieb, das nicht den Angaben in seiner Reklame entsprach, z u e i n e m Iahr Gefängnis und 20 000 Mark ®eioiTrate und drei Iahren Ehrverlust mit der Begründung, dah man derartige Machenschaften energisch unterdrücken müsse, wenn man zu einer Gesundung des Geschäfts lebens gefangen wolle. Tagung des ReichskriegerbundeS. Am Sonntag fand unter reger Beteiligung und in Anwesenheit des Vcmeralfeldmarschalls v Hindenburg auf dem Kyffhäuser die diesjährige Tagungdes Reichskriegerbun« des statt. Dor dem Khfshäuserdeirkmal rich:.te Hindenburg einige Worte an die nach Tauf n n zählende Menschenmenge, die grobe De eiste u g auSlösten. Am Fritze des Denkmals fand dann ein Festspiel statt, dem Hindenburg ebenfalls bä« wohnte. Einbrecher und Mörder. Die Arbeiterkolonie Reu-Heiligensce bei Schulzendorf im Norden Berlins wurde in der letzten Zeit häufig von Einbrechern beim« gesucht. Die Diebe drangen u. a. in das Häuschen des Tischlers Fenner und seines Schwiegersohnes Möbius ein. Sie wurden von den Bewohnern dabei überrascht, und als sie flohen, von Möbius verfolgt. Plötzlich wandte sich einer der Fliehenden um und schoß mehrmals auf den Verfolger. Möbius wurde so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus starb. Die Verbrecher sind entkommen. Don einem 13jährigen im Scherz erschossen. Auf einem Anwesen in der Nähe von Neustadt a. d. Oder legte der 13jährige Sohn eines Mühlenbesitzers im Scherz ein Gewehr auf ein Mädchen an, das dort seine Ferien verlebte. Die Waffe entlud sich, das Mädchen wurde in den Kopf getroffen und sofort getötet. Aufschub der Salzburger Festspiele. Einer MeDung aus Salzburg zufol'te fin* den die M i 11e Augu st angeschten Salzburger Fest spie le, bei denen unter Leitung Reinharts das Fesflpiel „Mirakel" in der Kollegienkirche zur Aufführung kommen sollten, wegen Absage der Hau ptdarstellerin im Iahre 1924 nicht statt. Dom Esperanto-Weltkongreß. Wien, 11. Aug. (WTD.) Gestern fand die Festversammlung des hier tagenden 16. Esperanto-Weltkongresses statt. Zu der Versammlung waren außer den äutzerst zahlreichen Teilnehmern Vertreter der österreichischen Regi- rung sowie der Gemeinde Wien und Vertreter des diplomatischen Korps erschienen. Nachdem der Vorsitzende die Ziele und Ideale der Gspevanto- betoegung bargelegt, die Vertreter der österreichischen Regierung und der Gemeinden begrüßt hatte, hielt Dr. Edmund Privat, Genf, die Festrede. Darauf ergriffen die Führer der einzelnen Abordnungen aus allen Ländern das Wort in ihrer Muttersprache und in Esperanto. Folgenschwerer Erdrutsch. .ilbine, 11. Aug. (WTD.) Infolge eine- Erdrutsches in der Ortschaft Moggio sind mehrere Arbeiter, die in der hydroelektrischen Zentrale tätig waren, verschüttet worden. Don den Verschütteten sind drei tot, zwei leicht verletzt. 45 Millionen Pfund Pulver verbrannt. Nashville, 11. Aug. Funkspruch. In Old- Hickory ist dikrch eine Feuersbrunst eine Pulverfabrik zerst ört worden. Fünfzig Gebäude, die größtenteils an k>ie Regierung als Pulverspeicher vermietet waren, brannten nieder. 45 Millionen Pfund Pulver, die der Regierung während des Krieges etwa 22V» Millionen Dollar kosteten, und deren jetziger Wert etwa 2 Millionen beträgt, wurden vernichtet. Der Wert der Gebäude betrug 5 Millionen. Personen sind ernstlich nicht zu Schaden gekommen. 65 Opfer einer Gasexplosion im Bergwerk. Tokio, 11. Aug. (Wolff.) Infolge einet Gasexplosion in der Steinkohlengrube von Iriyama in der Provinz Fukuschima wurden 70 Bergleute eingeschlossen. Es wird befürchtet, dah sie sämtlich umgekommen sind. Bisher wurden 65 Leichen geborgen. Wieder ein schweres Erdbeben in Japan. Tokio, 11. Aug. Ein schweres Erdbeben wurde in H o j o und T a e y a m a, Provinz Aa>a, verspürt. Der Schaden war gestern abend noch unbekannt. Auch in Tokio wurde ein leichter Stotz bemerkt. Der Wollenkratzer-König gegen die Wollenkraher. Der „Wolkenkratzer-König 'Cah Gilbert, der Baumeister von Reuyork, der die meisten Wolkenkratzer, darunter das höchste Gebäude, das Woolworth-Building, geschaffen hat, ist augenscheinlich selbst von seinen Schöpfungen nicht gerade entzückt. Er ist jetzt nach London gekommen, um hier bei dem internationalen Kongreß der Architekten mitzuwirken, und sagte recht offenherzig: ^Ich bin glücklich darüber, dah es in London keine Wolkenkratzer gibt. Ich zweifle, ob sie überhaupt von Nutzen sind. Reuyork würde viel besser daran sein, wenn es nur Bauten von geringerer Höhe besäße. Die Anhäufung von Wolkenkratzern verursacht überfüllte Straßen und Ver- tehrsschwierigkerten. Eine der grof;ei Sorgen Reu- Yorks ist es, wie es die Ebbe und Flut der Menschenströme bewälligen kann, die sich zu bestimmten Tageszeiten in der City vollzieht. Auch die ästhetische Wirkung dieser Riesenbauten erscheint mir recht zweifelhaft, und ich bin entzückt von der englischen Architettur, in der es solche Monstra nicht gibt." Meilen brennender Wälder. Während in China Heberfchwenrmu rtgen Tausende von Menschenleben gefordert haben, wüten an den amerikanischen Küsten des Stillen Ozeans ungeheure Waldbrände, die sich vom südlichen Kalifornien bis nach Britisch-Kolumbien erstrecken. Di-ele Tausende von Menschen kämpfen mit der verzweifelten Aufbietung aller Kräfte gegen die Flammen, aber wenn nicht Regengüsse bei einzelnen Waldbränden in den Staaten Washington und Dragon den Brand gelöscht hätten, würde es auch dort zu furchtbaren Katastrophen gekommen sein. Weite Strecken Wald sind zerstört worden. In Kalifornien wüten unterdessen die Feuersbrünste weiter fort; besonders in dem Gebiet von Santa Barbara im Rorden von Los Angeles sind meilenweite Strecken ein einziges älammenmeer. Man hat schon Arbeiter aus L.)s ngeles angeworben und in aller Eile nach den Brandstätten befördert, um die Flammen zu bekämpfen. Devantwort!ich für Politik und Feuilleton: 3. D.: Heinz ©ortens [Stellenangebote Gut empfohlenes voll, diesiäbriae I ÖC5 _ . Obstbau, Apfel- und Beerenweinkelterei Blumen- 022491 voll, diesjährige i Telephon Wilhelmine Kramer, 1. Vorsitzende. 6250D Qualitätsweine! T Frau Schnatterich! 14. Schluß folg« Aufheben! 3.50 H Ml intaWiw in allen Mta und telrnnp ÄteLMrtsgrtti Nur Kirchenplatz 8 Gießen I. Stock (kein Laden) 6262a ö piÄnösnjÄRmoniums rklfil/S^vll & Flügel ws Beeilen Sie sich und nutzen Sie dieses Angebot aus! 1! Eine selten pstige Gelegenheit kielet Ihnen ® pfc lilijÄI von He Aktenmappen Vollrindleder (Krokodilpr.) mit Griff 6.00 Damentaschen Volled. 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Für Frau Schnatterich ist sie, trotz ihrer 100 Kilo, eine 'eichte Sache, denn sie hat vorher ein Kukirol-Fußbad genommen, und die heißen Lava- Blöcke können ihr zwar die Schuhsohlen versengen, aber von Schwitzen, Brennen oder Wundlaufen der Füße keine Spur. Gewichtig, aber elastisch, steigt sie bis nahe zum Gipfel, und auch diesen besteigt sie .schließlich. Ihrem Führer, der über Hühneraugen jammert und dem deshalb vor dem Abstieße graut, gibt sie eine Schachtel Kukirol, mit dem Rate, es gleich aufzulegen, da es infolge d^r Erweichung des Hühnerauges die Schmerzen gleich lindert, das Hühnerauge aber in wenigen Tagen entfernt, ebenso Hornhaut, Schwielen und Warzen. Wenn, so sagt sie, Ihr Nationaldichter Gabriel d'Annunzio Kukirol und Kukirol-Fußbad benutzte, so wäre die Welt um einige Perlen italienischer Literatur reicher, denn er würde diese Präparate in glühenden Versen besingen, die berühmtesten Komponisten würden sich um die Ehre streiten, diese Verse in Musik setzen zu dürfen, und alle Drehorgeln, die von Italien aus auf die verdorbene Welt losgelassen werden, würden die Kukirolhymne spielen. Verdient hätten es diese vorzüglichen, ärztlich empfohlenen und von Käufern in massenhaften ■begeisterten Zuschriften gepriesenen Präparate schon längst Sie sind in allen Apotheken und Fachdrogerien zu haben. Achten Sie aber schon beim Einkauf recht genau auf die Schutzmarke: Hahnenkopf mit Fuß, damit Sie an Stelle des echten Kukirol-Hühneraugen-Pflastersund Sanitätsrat Dr. med. Campe’s Kukirol-Fußbades nicht aus Versehen eine der zahlreichen minderwertigen Nachahmungen erhalten, über die in'Zuschriften an uns lebhafte Klage geführt wird. 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Sidney Dradshaw Fay vom Smith öoüeg in Dort Hamp ton eine Reihe von Dorlesungen über europäische Politik. Auch er hat sich mit der Lüge von Versailles besaht und ist, wie jetzt aus Deuyork gemeldet wird, hierbei zu dein Ergebnis gekommen, daß die „Annahme, ein deutsches Komplott sei die Ursache des We l t k rieges , cine Mh t he sei." Der Gelehrte stützt seine Ansicht auf eine Reihe von Einzelheiten und wirft hierbei dem eliemaligen amerikanischen Botschafter in der Türkei, Henry Mvigenthan, vor, er habe wahrheitswidrig die Behauptung von einem Kriegs- rat unter dem Dorsitz des Kaisers in Potsdam am 5. Juli 1914 aufgestellt. Die Dokumente, die in Berlin unt) Wien seit Kriegsende veröffentlicht wurden, machten eine Revision der Behauptung von Deutschlands alleiniger Kriegsschuld nötig. Man kann sich über derartige Zeugnisse aus deni Lager unserer ehemaligen Feinde nur freuen. Wenn man sich von bcr Objektivität der einzelnen Personen, die rückhaltlos gegen die falsche Behauptung von Deutschlands Schuld am Weltkriege auftreten, auch keine allzu starke Einwirkung auf die Einstellung der durch die jahrelange mit allen Mitteln betriebene französisä-e Lügenpropaganda infizierten öffentlichen Meinung der West versprechen darf, so haben wir Deutsch? doch allen Anlaß. jede Auslassung aus berufenem Munde, namentlich des Auslandes, zu begrüben. Jede einzelne derartige Aeuherung ist ein Steinchen zum Bau der Wahrheit, der dem Lügengebäude von Dersailles entgegengesetzt werden muh Wir gehen durch den schweigenden Hof zum Hohlweg hinaus, der hinter dem Dorfe ms Feld ^^Die Hände auf dem Rücken, schlendern wir bald in Sonne, bald in Schatten. Auch der gute Dater nickt im Schreiten wie Mütterlem daheim über ihrem Buche. Mir scheint, er schläft im Gehen. Oder er ist innerlich so versonnen und gesammelt, daß er den Eindruck eines Traumwandlers erweckt. Hoch und'still schreitet der alte, immer noch aufrechte Dlann, der mein Dater ift-, vor mir her auf einem Wege, den er seit fünfzig Jahren und länger jeden Soimtagnachmittag wandelt. Diesen Weg könnte er als Blinder gehen. Den Weg durch's Korn . . . Ein halbes Jahrtausend und länger geht immer ein Dater meines Geschlechtes mit einem Sohne diesen Weg durch's Korn am Sommersonntagnachmittag. „ Ich fühle es wohl: die Dater, Dorvater, Urväter schreiten schemenhaft vor uns her auf dem Weg durchs Korn. Es ist ein heiliger Weg. Die Alfer der Ewigkeit grüßen und glanzen an den schmalen Rainen, die unser Fuß betritt. Und die Aehren neigen sich in Andacht vor dem stillen Zug der Lebendigen und Toten, die aus demselben Fleck Erde Brot genommen, Kraft gesogen von Geschlecht zu Geschlecht. Wie in einer Heerschau über die Muhen des Werktags, die sich in goldene Früchte wandeln, gehen wir den Weg durchs Korn, kopfhoch über» schwankt von den grüßenden, singenden Sommerähren. Am Wegesende nimmt der alte Dater den Strohhut vom Haupte. Und seine Lippen bewegen sich leise wie in Andacht. In den Lüften ist ein Klirren und Sirren, als käme Antwort von oben, nur dem Herzen hörbar: die Väter, Vorväter, Urväter grüßen und winken aus ewigen Weltenräumen. Am Wege durchs Korn vereinigen sich die Gewesenen, die Heutigen, die Kommenden. Ein Söhnlein blüht mir in der Wiege. Sobald es laufen kann, gehe ich mit ihm den Weg durchs Korn, führe ich es der sommerstillen Feldbreite zu, die einem Geschlechte Brot und Kraft gespendet seit einem halben Jahrtausend. Segnend hebe ist die Hand über das Aehren- gewoge im Sonnengold. Und aus dem Halmenheere flüstert es leise: „Selig sind, die ..." w Die Entdeckung mongolischer Kaisergräber. Der berühmte russische Forschungsreisende General Koslow, mit dem Sven Hedin 1923 vor dem Ausbruch Koslows zu seiner neuen Expedition in Urga zusammentraf, hat jetzt russischen Blättern einen Bericht über seine neuesten Entdeckungen gegeben. Im März 1924 stieß die Expedition in der Dähe von Doin-Ula im Kontai- Dezirk auf drei Gruppen von alten Grabhügeln, die die Ueberreste chinesischer Kaiser oder jedenfalls chinesischer Fürsten enthielten. Die Grabstätten befanden sich auf einem Fleck „von außerordentlicher Schönheit", der umgeben war von dicht mit Wäldern bestandenen Bergen und von Grober Unfug. Wir lesen in der Deutsch-Evangelischen Kvrov- spcmdenz: „ Reklame muh sein. Sie ist sogar eme Kunst. Manchmal aber ist sie widerlich. Besonders dann, wenn sie die reine Welt der Religion für die schmutzige des Geldbeutels auszuschlachten ver» sucht. Einem besonders häßlichen Exemplar der letzteren Gattung öffnet das Zentrumsblati „Märkische Volkszeitung" Dr. 18 die Spalten in Gestatt eines Artikels, den nicht einmal die „Saure Gurkenzeit" entschuldigen kann: „Das Leuchtkreuz für Kirche und Hau s". „Das Kreuz ist das äußere Zeichen des Christentums. Eine ganz besondere Art des Kreuzes, als Dersinn- bildlichung seines religiösen Inhalts, ist das leuchtende Kreuz, weil hierbei der tiefe Grundgedanke, daß Christus der Menschheit das Licht der Wahrheit und göttlichen Gnade gebracht hat, zum Aus» druck gelangt ist. Das leuchtende Kreuz kannte man bisher eigentlich nur in der christlichen Legende. Man denke z. B. an die heilige Huber> tuslegende. Erst die fortgeschrittene Lichttechnik unserer Zeit vermochte ein leuchtendes Kreuz als Gemeingut der ganzen Christenheit zu schaffen. Wer zum Kreuze, und zwar zum Kreuze in ferner lichtvollsten Schönheit betet, der vermag dies heutzutage auch in seinem stillen Kämmerlein. Das ermöglicht einem jeden das neue Osram-Leucht- kreuz. Mit diesem ist in der Tat zugleich ein religiöses und ein technisches Problem auf taktvolle und glückliche Weise gelöst worden. Das technisch Reue des Osram-Leuchtkreuzes besteht kurz gesagt darin, daß im Innern einer Glasglocke eine kreuzförmige Elektrode, die sie umgebende Deon- atmosphäre zum Leuchten bringt, so daß ein Kreuz als selbstleuchtender Körper erscheint. Don wundervoller Wirkung ist dabei die milde orange- rote Lichtfarbe des weithin leuchtenden Kreuzes, das selbst bei Tageslicht seine Leuchtkraft entfaltet. Auch das Problem des „ewigen Lichtes" ist in dem Osram-Leuchtkreuz ökonomisch gelöst durch einen beispiellos geringen Stromverbrauch. Die Stromkosten eines Osram-Leuchtkreuzes bei ununterbrochener Brenndauer betragen etwa 1 Pfennig pro Tag. Für den praktischen Gebrauch ist ferner von Wichtigkeit, daß das Osram-Leuchtkreuz eine erstaunlich lange Lebensdauer (im Mittel 3000 Brennstunden besitzt. Was aber das Osram-Leuchtkreuz noch ganz besonders zur Geltung bringt, als Gegenstand der Andacht, tote als christ lich-künst lerischer Schmuck von Kirche und Haus, das sind die stilechten Lichtttäger in altchristlicher Formschönheit, welche den feierlichen Eindruck des Ganzen stimmungsvoll erhöhen. DaS Leuchtkreuz in seinen verschiedenen Arten wie z. B. als Tischleuchter, Wandkonsole, Kerzenleuchter, Weihwasserbecken, Wandlampe, „ewiges Licht" und als fünfflammige Altarleuchte „Juri" (JARI??) ist in der Buchhandlung der „Germania", Berlin, Stralauer Str. 25 ausgestellt. In der Tat: eine ärgere Geschmacklosigkeit, die fast einer Derhöhnung gleichkommt, läßt sich kaum vorstellen. __ Zu den interessantesten Problemen der internattonalen Politik gehörte fett dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ohne Zweifel das Dag- vadbahnprojekt. Die Dagdadbahn bettaf nicht nur iahen Orient, wie sich, tote bekannt, die Wünsche Ansprüche sämtlicher europäischer Großschaft bei Herrn v. Marschall um eine Fusion deutschen irret) französischen Kapitals, da doch bei irgendwelchen internationalen Zwischenfällen zwei Großmächte das Werk besser schützen könnten als eine. Es kennzeichnet die deutsche Politik, daß sie ungeachtet des Dvrangegangenen die französische Mitarbeit zum Ruhen der Sache und im Interesse der allgemeinen friedlichen Entwicklung willkommen fjiefj. Es sei vorteilhafter, sagte Bülow, wenn Deutschland und Frankreich im Orient gemeinsame wirtschaftliche Ziele verfolgten als miteinander rivalisierend sich bekämpfen. In der Tat kam schnell eine I^einigung zwischen den deutschen und französischen Finanzgruppen zustande (Mai 1899), doch so, daß die Deutschen mit 60, die 'Franzosen mit 40 Prozent beteiligt waren. So ermöglichte die deutsche Objektivität den Franzosen nach Marschalls Worte „nach der verlorenen Schlacht von Haidar Pascha einen ehrenvollen Frieden", und sie waren froh, „durch die Dereinbarung mit uns eine Schuhwehr geschaffen zu haben, hinter der sie ihre wirtschaftlichen Interessen vor der Rücksichtslosigkeit des russischen Bundesgenossen gesichert glaubten". Freiheit und Gerechtigkeit in der deutschen Pvlttik, brutaler Egoismus in der russischen, demütige Abhängigkeit Frankreichs von Rußland: das war die Signatur der Lage. Im Dezember 1899 folgte dann ein vorläufiges und wenig später ein endgültiges Abkommen über den Wetterbau der Dahn durch Kleinasien nach Mesopotamien, wodurch dem europäischen Kapital und der europäischen Intelligenz unter deutscher Führung ein gewaltiges Feld eröffnet werden sollte, lieber die weiteren Geschicke des Werkes, dessen internationale Bedeu- tung mit jedem Schritt vorwärts wuchs, werden uns die folgenden Serien unterrichten. Die Wahrheit aus dem Marsch. „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Der- luste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Der- bündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben." Sv lautet der berüchtigte Paragraph 231 des famosen Dersailler Friedensinstrumentes. Die Anerkennung der Alleinschuld Deutschlands am Kriege, die man mit niedrigere Gewaltandrohungen der deutschen Friedens delega- tion in Versailles abgepreht hat, ist die Grundlage des ganzen Versailler Friedensdiktates, ist die Grundlage für alle Vergewaltigungen, die man dem deutschen Volks seit 1918 zugefügt hat. Clemenceau und P o i n c a v e haben es verstanden, dieses mit List und Gewalt von Deutschland erzwungene Geständnis der Schuld am Kriege zu immer neuen Forderungen der „Wiedergutmachung" auszunühen. Deutschland hat seit langem seine Dorkrtegs- archive geöffnet und damit den besten Beweis dafür erbracht, daß es in der Frage der Kriegsschuld nichts zu verheimlichen und zu beschönigen hat. Ranchafte Vertreter des Auslandes, insbesondere auch aus den Ländern, die mit uns im Kriege gelegen haben gleichfalls zu wiederholten Malen die Luge von der Alleinschuld Deutschlands am Wellkriege auf ihren wahren Wert zurückgeführt. Es sei nur erinnert an eine Reihe von Auslassungen Lloyd Georges und Rittis, die beide ja in hervorragendem Maße an dem ' Zustandekommen des Versailler „Vertrages" beteiligt waren und folglich in dieser Frage als durchaus unparteiisch anzusprechen sind. Weiter hat die Veröffentlichung einer Reihe von Briefen, die vor 1924 zwischen Paris and Petersburg gewechselt wurden, sowie die Deröf^ntlichung einiger diplomatischer Aktenstücke der Vertreter Frankreichs und Rußlands die Intrigen bloßgelegt, die man in Paris und Petersburg von langer Hand her gesponnen. Die Schuld der Sassanvw. Iswolski, Pvincare und Millerared an dem Ausbruch des Weltkrieges ist durch diese Veröffentlichungen so klar erwiesen worden, daß kein ernsthafter Geschichtsforscher mehr an diesen Dokumenten vorübergehen kann. Trotz allem ist man, wie auch die bisherigen Verhandlungen in London erneut bestätigen, auf feiten unserer ehemaligen Feinde nicht gewillt, die Konsequenzen aus der Lüge von Versailles zu ziehen, weil mit der Anerkennung der Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege das ganze ohnehin schon reichlich brüchige Gebäude des Versailler Friedensbaues restlos zusammenstürzen müßte. Und doch, wie sehr man sich auch auf der Seite unserer Gegner der täglich wachsenden Erkenntnis der Lüge von Versailles zu verschließen sucht, die tiefen Schluchten durchquert, durch die reihende Gebirgsbäche strömten. Die einzelnen Hügelgrup- pen lagen rechteckig zueinander und waren von hohen Erdwällen umgeben. Viele der Hügel hatten eine beträchtliche Ausdehnung: in den kleinen waren augenscheinlich Kinder und gewöhnliche Sterbliche begraben. Die Gräber fanden sich etwa 40 Fuß in der Erde unter den Hügeln: sie bestehen aus starken Holzbauten mit doppelten oder sogar dreifachen Holzdecken. In der Mitte jeder Anlage liegt hie Grabttimmer, die den Sarkophag enthält, der von Rorden nach Süden aufgestellt ist. Unterirdische Wege zweigen von den Haupt- grabkammern ab. Die Wänd> sind mit kunstvollen Stickereien geschmückt, die menschliche Figuren. Vögel und Pferde enthalten, ilifter den bedeutsamen Schätzen, die in diesen Gräbern gefunden wurden, befinden sich herrliche alte Teppichs, die über den Sarkophagen lagen. Die Teppiche .zeigen ganze Gemälde oder große Figuren von QKammutere, Hirschen und mythologischen Tieren. Außerdem heftenden die Funde in kostbaren Stickereien, Dronzefiguren von Menschen und Türm, langen Flechten von schwarzem Haar, die in mir Talismanen bestickten Seiden hüllen lagen, Roßhaar- nehen, die Koslow für den Kopf'chmuck schamani- scher Priester erklärt, Ueberresten von Sätteln mit Halbedelsteinen verziert, holzgrschnihte Figuren, verschiedenartigen Schmuckstücken und dem großer. Holzbildnis eines Hirsche mit metallenem Geweih. Alle Seidenstoffe sind mit alten chinesischen Buchstaben bestickt, von denen einige entziffert werden konnten, während der größte Teil nicht lesbar ist. Frankreich die deutschen Pläne gefördert. Und Deutschland wies es wett ab, die englische Regierung irgendwie zu verletzen. Em Projekt, eine ScAffahrtslinie auf dem unteren Euphrat und Tigris zu begründen, lehnte die Eisenbahngesell- chaft in Uebereinsttmnrung mit dem Auswärtigen Amt ab weil bereits ein derartiges englisches Unternehmen bestand, und ebenso widerstand Deutschland der Versuchung. Mesopotamien zur ausschließlich deutschen Interessensphäre zu erklären bekannte sich vielmehr ausdrücklich zum Grundsatz der „Offenen Tür". Wie in Öftesten vertraten wir auch hier im Gegensatz zu Frankreich und vollends zu Rußland die freie Richtung der Wirtschaftspolitik. Andere Schwierigkeiten kamen von der türkischen Regierung. Es ist allerdings fern Zweifel, daß Abdul Hamid die Wichttgteit des Dahn- baues erkannte und — so wenig er sonst Reuerungen geneigt war — sich mit großer Warme dafür einsehte. Sollte es doch die Hauptstadt des Reichs in enge Verbindung mit den türkischen Kernprovinzen bringen, und war es doch künftig möglich, die ewig ungehorsamen Kurden und Araber in besserer Ordnung zu hallen. Auch daß die Dahn mit deutschem Gelds und von deutschen Werkleuten gebaut werde, war ihm willkommen, denn, konnte schon 1891 der Botschafter Radowih nach einem vertraulichen Gespräche mit dem Großwesir berichten, der Sultan hat „allein zu uns das Vertrauen, daß wir eine solide Arbeit liefern und übernommene Derpfttch- tLingen anständig durchführen würden und be- fürchtet nicht eine polittsche Ausbeutung der Sache, wenn sie sich in deutschen Händen beftndet". Der Sultan hatte auch ein Gefühl dafür, daß die deutschen Unternehmungen, wie Marschall hervorhob nicht nach dem Muster der Projette der Ottomanischen Dank den Charakter von Börsenspekulationen trügen, sondern nur durch rationelle Entwicklung des Landes ihren Gewinn zu ftnden hofften. Aber Abdul Hamid war kein Maren schnellen Entschlusses, und kein Mann durchgreifender Willensttaft. Seine Minister waren im allgemeinen nicht seine Vertrauensleute, er besprach vielmehr wichtige Angelegenheiten gewöhnlich mit unverantwortlichen Persönlichkeiten, z. D. nnt Gliedern der hohen Geistlichkett. bald verhandelte er auch hinter dem Rücken seiner Minister mit dem Botschafter und brachte diesen der türttschen Regierung gegenüber in eine peinliche Lage, bald suchte er jede Verantwortung abzulehnen und seine Minister durch allerlei Künste zu besttnr- men. ihm einen erwünschten Minrsterialbeschluß voiz'ulegen. dem er dann nach einer scheinbaren Opposition — der hohe Herr spielt gern den advocatus diaboli, schreibt der Botschafter einmal launig — zustimmen wollte. Man versteht, daß unter diesen Umständen an Geduld und Takt des Botschafters hohe Anforderungen gestellt wurden und daß diese Zustände allerlei Jntriguen Tor und Tür öffneten. ' Eine weniger gewissenhafte Regierung als die deutsche hätte vielleicht die türkischen Schwierigkeiten schneller aus dem Wege räumen können. Die Pforte hätte die amttiche Beteiligung Deutschlands an dem Dahnbau gern gesehen, es wurde daher erwogen, ob die Preußische Seehandlung die Emission der Aktien und Obligationen der künftigen 'Dahn mit übernehmen solle, aber die preußische Finanzverwaltung lehnte den Gedanken unter Zustimmung des Auswärtigen Amtes ab, da die Seehandlung nach ihrer Traditton sich nur bei,Unternehmungen von absoluter Sicherheit beteiligen konnte: eine Beteiligung an diesem immerhin von dielen Zufälligkeiten abhängigere und m ferner Rentabilität noch nicht zu übersehenden Werke konnte das Publikum in falsche Sicherheit wiegen und zu einer ungesunden Hausse der Eisenbahnpapiere Anlaß geben. Etwaige Rückschläge und Verluste wären dann der Seehandlung schuldgegeben und hätten ihrem Rufe geschadet. . In schnelleren Fluß kam die Angelegenheit nach der Orientreife des Kaisers im Jahre 1898. Der Sultan übertrug jetzt der Eisenbahngesell- schift den Bau eines großen Handelshafens mit Docks und Stepelplähen in Haidar Pascha, womit der Sieg über alle konkurrierenden Projekte entschieden war (März 1899). Vergeblich hatte Frankreich in mehreren heftigen Roten offiziell Einspruch erhoben, weil die Konzession angeblich in die Rechte einer französischen Quaigesellschaft eingreife aber die Pforte erllärte den Protest für grundlos und frivol, weil die französische Botschaft nicht befugt fei, im Namen dieser Gesellschaft, die sich offiziell ottomamsch nannte, das Wort zu fuhren, und weil Überdies ihre Rechte sich auf die europäische Seite des Bosporus beschränkten. Don jetzt ab war kein Zweifel, daß auch die Fortführung der Dahn der deutschen Gesellschaft zufallen werde. Es ist ergötzlich zu sehen wie nun sofort die Franzosen einlenkten und -Beteiligung an dem Geschäft suchten, das sie nicht hatten hindern können. Der französische Dot- schafter Constant selbst bemühte sich unter völliger Verleugnung der bisher beschützten QuaigesellDer Weg durchs Korn. Von F. Schrönghamer -Heimdal. Sommersonntagnachmittag. Das Dorf liegt in Stille und Sonne. Rur das Rollen der Kugel auf der wildwein- Umsponnenen Kegelbahn rumort im Geräurne wie Rachhall vertobender Wetter. Und in der urväterlichen Waldbauernstube tidt und tackt die Wanduhr so eintönig, daß die gute Mutter über dem heiligen Buche einnickt, bas sie vor sich auf dem alten Ahorntische aufgeschlagen hat. Die Brillengläser geistern vor den schlafmüden Augen über den verschwimmenden Buchstaben, die eigentlich Frohbotschaften, Hohe Psalme und fromme Legenden sind. Aber Mutter weiß sie schon auswendig. Wenn man fünfzig Sommer lang allsonntäglich über dem nämlichen Buche sitzt, bis die Buchstaben sich wirren im nahenden Schlaf des Müde- seins . . . Und Mutter betet in Träumen mit Erzengeln, vsalmodiert schlafnickend mit König David, erbaut sich an gewaltigem Prophetenwort und öffnet ihr Herz den Heilandslehren von der Bergpredigt: „Selig sind, die . . . Dis ihr in währendem Ricken die Drille von bet Rase gleitet und der Schlaf für ein Weilchen verfliegt. Dann lieft sie drei, vier Sekunden offenen Auges und nickt wieder ein. Da nimmt Dater den sommerlichen Strohhut ivMt Herdgestänge, alten Rationen. c Dei erste Anfang geht noch auf die Zett Bismarcks zurück. Im Ott ober 1888 gewährte der Sultan einer deutschen, von der Deutschen Bank geführten, Finanzgruppe die Konzession zum Dau einer- Eisenbahn von Jsmid l 21,25 bis 23,50, Weizenkleie 10,80, Roggen- Bleie 10,40 bis 10,50, ViLoriaerbfen 23 bis 27, Heine Erbsen 16 Äs 17, Futtererbsen 14 bis 16, Peluschken 13 bis 14^0, Ackerbvhnen 13,50 bis 15^50, Wicken 14 bis 16, Lupinen, blau 9 bis 10, gelb 17 bis 18, öerabeßa, neue 8 bis 10, Raps- buchen 11,80 bis 12,20, Leinkuchen 20 bis 21, Torfmelaffe 7 bis 7,20, Kartoffelflocken 24 Mk. Frankfurter Schlachtdlehmarkt. Frankfurt a. M, 11. Aug. (Drahtbericht des „Gieß. Anz") Auftrieb: Rinder 1113 Stück, darunter 258 Ochsen, 41 Bullen, '814 Färsen und Kühe, 337 Kälber, 31 Schafe und 2274 Schweine. Es fetteten pro Zentner Lebendgewicht: Rinder: Ochsen: vollst, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 50 bis 56, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 43 bis 49, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 33 bis 42; Dullen: vvllfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 40 bis 45, vollfl. jüngere 32 bis 39; Färsen und Kühe: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtweries 48 bis 54, vollst, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 42 bis 49, wenig gut entwickelte Färsen 38 bis 47, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 41, mäßig genährte Kühe und Färsen 25 bis 34, gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 20. Kälber: feinste Mast- kälber 52 bis 57, mittlere Mast- und beste Saugkälber 45 bis 50, geringere Mast- und gute Saugkälber 37 bis 43. Schweine: vollfleischige von 80—100 Kilo 73 bis 75, unter 80 Kilo 65 bis 72, von 100—120 Kilo 73 bis 75, ton 120—150 Kilo 73 bis 75, Fettschweine über 150 Kilo 73 bis 75, unreine €auen und geschnittene Eber 65 bis 70. Marktverlauf: rege und geräumt Mit einem grimmen Verzweiflungslächeln hat er überall Umschau gehalten: mochten sie nehmen, was sie fanden! Wenig genug war's! Bares Geld hat er nur noch eine Handvoll Polnischer Groschen im Hause, die formten sie haben. Unb die letzte Ernte — erbarm dich — die war so miserabel, daß es kaum gelohnt, sie in bte Scheunen zu bringen. Dis zum Ausgang auf Grünewald zu ist er gegangen, ohne recht auf das wirre ©erebe vom alten Egid zu hören. Immerzu hat er die Gedanken hin und her gewälzt, was alles geschehen,' seit er vor Fahr und Tag zum ersten Male die ungebetenen Gäste erwartet, tote alles gekommen war. Richt ein Tag eigentlich des Aufatmens war dabei getosten, immer nur Sorge, Kummer, Verdruß, im kleinen und tm großen. Hat htn- übergesehn nach Leichholz und an den trauten Lasow gebadet, der nun seit Monaten nichts ton sich Höven ließ, allen Schimpf ruhig hinuntergeschluckt hatte. Hat hinüberaesehn nach den Dachs- bevgen und an den Junker gedacht: der stand nun im Lager. Aber wenn der dereinst wirklich Topper übernehme, tote sich's gehörte: was hatte er von dem verwüsteten Besitz ? Eine große Schalle märkischen Sandes, mehr ptmmer. Alles, was der Vater selig geschaffen, wofür er selber die Hände gerührt, war devastiert. Der arme Zunge! Mochte schon besser für ihn fein, er blieb ganz in des Königs Diensten. Ehedem war's Edel- mannsstvlz gewesen, daß das Lehen vom Vater auf Sohn und Enkel überging, daß ein jeder frei auf seinem Grund und Boden lebte. Run, mochte das anders werden, nun war's vielleicht Rettung für den verpowerten Adel, so er Unterschlupf fand beim König. . . Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser AubrN stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung^ Beschwerde über die Elektrische ileberlanbaulogc Friedberg. Grvhen-Linden, 9. Aug. Die Ernte hat begonnen, es gilt jetzt das Getteide aus- zudreschen. Die größeren Landwirt dreschen, wenn alles eingefahren ist, ihr Getreide in ihrer Hof- verte. Der Dreschwagen kommt in die Scheune und die Lokomobile in den Hof. Anders mit den Handwerkern, Arbettern und kleinen Landwirten. Diese dreschen ihr Getreide bei dem Dreschmaschinenbesitzer Watz Hierselbst. Deffen Dresch- Wagen wird mittelst elektrischem Motor in Bewegung gesetzt. Schon sind die ersten Wagen mit GÄreide am Dreschplatz angefahren, da läßt die lleberlandanlage heute durch die Ortsschelle bekanntmachen, daß vom nächsten Dienstag ab der elettrische Strom am Tage ausgeschaltet wird. In welch große Verlegenheit bringt man diese kleinen Leute, die nicht alle einen eigenen Erntewagen besitzen, vielmehr sich einen solchen leihen. Run steht der beladene Erntewagen da und Borat nicht abgeladen werden. Der (Eigentümer möchte gerne fefbft Getteide einfahren, aber.„e8 ist thm unmöglich gemacht, sein verliehener Wagen tft versperrt. Genau so erging es uns in der vorjährigen Dreschzeit. Während des Dreschens wurde von Friedberg aus unerwartet der Strom abgestellt und Dutzende Menschen muhten stundenlang warten, bis endlich wieder Strom kam. Am 20. IM d. I. sollte hier Kirmes stattftnden, somit hatten die Metzger tagsvorher zur Wurste zuberettung elektrische Kraft für die Motvre zu brauchen; was geschah Sammstag, den 19. IM 1924? Stundenlang fehlte der Strom. Ebenso mangelhaft ist die abendliche Beleuchtung. Selbstverständlich macht man die Leitung rächt verantwortlich für Streiks und höhere Gewalt. Am Samstag vor dem dtesjährigen Pfingstfest war abends ein Gewitter, und der Blitz zerstörte eine Sicherung im Transformatorenhäuschen, infolgedessen fehlte das Licht. Obgleich der Bahnhof und die Bürgermeisterei Großen»Linden dies nach Friedberg telephonierten, kam erst am Dienstag- vormittag ein Monteur von Freedberg und brachte die Leitung in einer Minute in Ordnung. Sv fehlte während der Pfingstfeiertage in Grvhen- Linden jedes elektrische Acht. Irn letzten Winter führte der hiesige Kriegerverein in der Turnhalle das Trauerspiel „Andreas Hofer" auf. Wie gewöhnlich bei devarttgen Anlässen, versagte daS elettrische Licht. Wiederholt ging bei Hochzeiten das elektrische Licht aus. Wegen eines Anschluffes an einen Reubau entzog man uns zwei Tage den Sttom. Die Friedberger äleberlandanlage tft bei Gvohen-Lmden mit Gießen und Wetzlar zwar berbunbert, aber umgeschaltet totrb nie. Störungen, wie sie hier eintteten, kennt man in Gießen und Wetzlar nicht. Der hiesige Ortsvorfta-nd totrb gebeten, den neuen Herrn Provtnzialdrrekfer um Abhilfe zu bitten und wenn dies nicht wtttt, das Ortsnetz Großen-Linden an die Ueberlanb- anlage Buderus, Wetzlar, anschliehen zu lassen. Büchertisch. — Erinnerungen an Marle-Av-» totnette von Frau von Eampan. Deutsche Ausgabe besorgt von Hiltgart Dielhaber. Wit 24 Abbildungen. (Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart.) Preis geh. 6 Gnu, Leinen 8 Gm. — Von Jefjer hat Marie -An totnette leidenschaftliche Verehrer ihrer Anmut, warme Verteidiger itaer Unschuld und heftige Gegner ihrer Lebensführung gehabt. Heute denken tote, daß auch Marie-Antoinette in gewissem ©inne schuldlos-schuldig nur ein Werkzeug des Schicksals gewesen ist. Ihre historische Persönlichkeit interessiert uns darum weit weniger, als die psychologische, die totr nirgends besser kennen lernen können, als gerade bei Mme Campan, ihrer intimen Hofdame. Dabei ist Frau Campan in ihren Memoiren keine blinde Anbeterin; schonungslos erzählt sie, was den Zeitgenossen genügsam Grund zu Schmähungen und Aufruhr gab. Aber klar wie auS keiner anderen Schrift geht hier hervor, daß Marie-An- toinette so werden Muhte, wie sie wurde, ihrem Volke zum älnheil und sich selbst zum Verderben. Vorzüglich sind die 24 Abbildungen aller wichtigen Personen und Oertlichkeiten. — Ernst Zahn: Der Büßer und Der „Guet!" Verlag Josef Kofel imb Friedrich Pustet K-G., München. Preis 1 M Eine reine befreiende Bergluft geht durch diese Erzählungen, die aus dem Herzen und innersten Empftichen des Schweizer Dolles emporgetoachfen ftnb und mit lebendiger, eigentümlich reizvoller Sprache gestaltet wurden. Wie die steil aufragenden (Berge sind die Charaktere, hart, verschlossen, elementar. Ünb doch wieder welche Feinheit und Zarchejt der Frauenfeelen! Den Raturgewalten gleich brechen die Leidenschaften über diese Menschen herein Aber im tiefen Glauben an letzte Harmonie läßt der Dichter seine Helden empor wachsen zur inneren Freiheit und zum reinen Menschentum. Berliner Börse. Berlin, 11. Aug. (Drahtbericht des »Gieß. Anz.") Die neuesten Rachrichten aus London und Paris bestärken die Börse in ihrer Auffassung, daß die Durchführung der Verhandlungen mit Schluß. Kur» Schluh» Kurs Schluß.' Kurs Schluß. Kur» 8. 9. 11.8. 8 S. 11. 8. 0,750 0,830 0,7625 0,795 1,4 1,4 1,275 1,275 1,3 1,350 1,225 1,275 1,75 1,800 1,775 1,625 0,5 0.525 — 0,500 1,45 i,6) 1,550 1,450 1,3 1,4 1,6 1,5 1,3 1.1 1,575 — 1,3 1 275 1,2 1.1 4,2 4.2 4,2 4,2 83 84,5 83 84,6 18,90 11 12,75 I 12 — - 1 45 30 36,10 31,375 34,50 6 6,40 6,125 6,4 9 10,25 9.1 9,8 10,30 11,75 10,375 11,25 0.4,0 0,445 — — - 1^,50 13,50 12,2 13 25 14,9 15,25 — — 2,23 2,40 2,40 2,4 0,448 0,470 0.475 0,600 0,325 0,350 0,4 0,4 — 55 51,60 52 12,6 14,25 12,9 14,6 14,25 14,40 13,40 14,75 59,75 54,5 52,6 52,5 54,75 56 54.40 64,50 61,5 67 63,5 65.5 11,75 13 12.13 13,90 17,62 19,50 17,5 19 7.6 8 7,50 8 12 13,26 12,65 13,25 30 32 25 31,13 31,40 26 27,875 26,75 20,25 42 44 41 41,25 2,2 2,3 — — 30,25 31,80 30,75 30,75 8,35 8,25 8,25 8,20 2,4 2,8 •• — 11,90 18 —- — 4,05 4,50 4,25 4,26 12 15 12,66 14,90 18,75 19,65 19 19,75 1,5 1,5 — — 14,75 15,75 15,40 15 40 17 18,75 17,66 19,25 15,65 16,5 15.9 16,75 8 8,40 ■w — 16,75 19 16,9 18,4 15,75 16,50 —- —- 9,90 11 9,90 10,50 16,25 17,75 15,25 17,85 9,45 9J5 — — 37,5 40 37,25 38,75 45 45 45,8 46.75 2,15 2,25 1,90 2,40 3,40 3,50 3,40 — 2,9 3.8 w — 13,9 13,9 11,8 14 0,7 0,775 — — 1 1 1 1,1 13,75 14,25 —• 1,7 1,7 1,6 1,75 3,2 3,2 3,25 3,5 5,3 5,60 6,25 13,75 12 11,50 11,60 4,4 4,75 — — 335 4,10 3,25 3^5 Berlta. 11. Aug. Geld Brief | Revark. °/n Amerikanlschc Noten ..... 4,1) 4,21 boll Belgische Noten. ....... 22,04 22,16 voll Dänische Noten ........ 63,43 68,82 Englische Noten. ...... 19,14 19.24 voll Französische Noten ...... 24,19 24.31 voll Holländische '.Voten ...... 163,34 164,65 italienische Noten ...... 19,10 19,20 voll Norwegische Noten...... 68,75 58,85 voll Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen 5,90 6,03 voll Rumänische Noten...... 1,92 1,94 voll Schwedische Noten...... 111,82 112,38 Schweizer Noten....... 79,56 79',9 5 voll Spanische Noten....... 56,21 56,49 voll Tschechoslowakische Noten . . 1233 12,49 voll Ungarische Noten...... 5,57 5,59 voll 8. Aug. 11. Aug. RLpart. Amtliche Geld | totierung Brief Amtliche Hiotiermj 8. 11. (Held | »riet Amft.- Rott. 163,04 163,83 164,09 164,91 voll voll Brss.-Antw. 21,35 21,45 22,04 22,16 68,95 voll voll Christiania. 58^5 68,65 58,65 voll voll Kopenhagen Stockholm . HelssngforS. Italien. . . 68,03 68,37 63,56 68,92 voll voll 111,72 112,28 111,97 10,485 19,05 112,53 voll voll 10,47 18,80 10,53 18,90 10,555 19,15 voll voll voll voll London. . . 18,945 13,035 19,16 19,26 voll voll Neuhork . . 4,19 4^1 4,13 4,21 voll voll Paris. . . . 23,54 23,66 24,14 24^6 voll voll Schweiz . . 7$,-iS’ 80,65 79^5 79,95 voll voll Spanten . . Wien in D^> Oest.abgeft. &6,36 56,64 E6.38 66,64 voll voll 5,915 6,935 6,97 5,99 12,52 voll voll Prag . . . . 12,36 12,62 12,46 voll voll Budapest. . Buen.-AireS 6,45 1,375 5,47 1385 5,57 1,405 6169 1v41F 3,09 1^3 voll voll voll voll Bulgarien 3,03 3,10 3,07 voll voll Japan . . . 1,72 1,73 V2 voll voll Rio de Jan. 0,405 0,415 0,41 0,42 voll voll Belgrad . - 5,22 6,24 5^6 6^8 voll voll Lissabon . 11,37 11,43 11,47 11,53 »voll choll