Er. 240 Erster Blatt U4. Jahrgang Samstag, U Mover 1924 GietzenerAnzeiger Seneral-Rnzerger für Gberhesten Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Buch- und Steinörucfcrei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anjeiaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDcrbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichb, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20", Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats-öe;ugtpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch.Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lag undGeschästsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzetgerGieheiu Postscheckkonto: Srantfurt a. M. 11688. Die gescheiterte „Volksgemeinschaft". Der Plan des Reichskanzlers Dr. Marx, durch Erweiterung der bisherigen Regierungskoalitton nach links und rechts ein Kabinett der Volksgemeinschaft zu bilden, das die Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Sozial dem >kraten umfassen soll, muh nach den Beschlüssen der ReichstagSfraklionen als endgültig gescheitert angesehen trerden. Die Demokraten und das Zentrum hatten, w-ie bekannt, die Richtlinien des Kanzlers gebilligt und sich bereit erklärt, eine Regierung der Volksgemeinschaft zu unterstützen. Anklarer war, wohl absichtlich, die .gestern gefaßte Entschließung der Deutschen Volkspartei gehalten, in der betont war, bah der Standpunkt der Deutschen Volkspariei bekannt fei und sich nicht geändert habe, in der aber zugleich eine beschleunigte Lösung der Frage der Regierungserwei- terung gefordert wurde. Wenn der „Vorwärts" daraus schließt, daß die Votkspartei nur den Dürgerblock wolle und an der Ausschaltung der Sozialdemokratie fest halle, fo legt er in die volks- parteiliche Entschließung einen Sinn hinein, der an sich in ihr nicht liegt, denn es ist bekannt,l daß die Deutsche Volkspartei, wenn auch gegen gewisse Widerstände in ihren eigenen Reihen sich schließlich doch auch mit dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Reichsregierung unter der Vor- ausfetzuny abfinden würde, dah dafür den Deutschnationalen ein ihrer Stärke und ihrer Bedeutung entsprechender Einfluh auf die Regierungsgeschäfte zugestanden würde. Für die Entwicttung der Krise entscheidend äbcr sind die Antworten, die die Deutschnationalen und die Sozialdemokraten dem Kanzler erteilt haben. Der „Vorwärts" hat nur allzu recht, wenn er feststellt, dah sich die deutschnationale und die sozialdemokratische Antwort wie Feuer und Wasser voneinander unterscheiden. Die deutschnativimle Antwort nämlich stellt Richtlinien auf, die sich auf den christ - lichen, nationalen und sozialen Charakter der umzubildenden Reichsregierung beziehen. Die Partei fordert den christlichen Staat, die Ablehnung des Klassenkampfes, die Bekämpfung des den Arbeitsfrieden bedrohenden Terrors, die Förderung der Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Sie fordert weiter, dah die Reichsregierung auf dem durch die Regierungserklärung vom 29 August über die Kriegsschuldfrage etngeleiteten Woge weitergeHen soll. Das sind Forderungen, die die Sozialdemokratie unter keinen ttlrnständen anerkennen konnte. Auf der anderen Seite aber sind auch die Forderungen, welche die sozialdemokratische Antwort aufstellt, für die Deutsch- nationalen und, um es gleich vorweg zu nehmen, für die Deutsche Volkspartei und zum Teil auch für das Zentrum völlig unannehmbar. Die «Sozialdemokratie fordert das grundsätzliche Bekenntnis zur Republik, während der Reichskanzler in seinen Richtlinien nur dir Anerkennung der tatsächlich bestehenden Verfassung und die Bereitschaft zur Abwehr eines gewaltsamen Staatsumsturzes verlangt hat. Sie verlangt ferner unbedingte Fortführung der bisherigen Außenpolitik^ während die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei eine Revision der Dawesgesetze für notwendig halten. Sie verlangt den sofortigen Eintritt in den Völkerbund, während sogar i die Reichsregierung diese Frage noch nicht für spruchreif hält. Sie will den Achtstundentag aufs neue gesetzlich festgelogi wissen, und das in einer Zeit, in der selbst Sozialdemokraten anerkennen, dah nur durch Mehrarbeit die Lasten getragen werden können, die das Londoner Protokoll uns auferlegt. Wenn ferner die Sähe der Richtlinien des Kanzlers, die sich mit der Steuer-, Wirtschafts- und Handelspolitik be- ässen, nach sozialdemokratischer Auffassung genauerer Präzision bedürfen, so weih man, vvhin damit gezielt wird, denn die Sozialdemokratie hat gerade in der letzten Zeit ihre Gegnerschaft gegen jeden Schutzzoll wieder aufs schärfste betont. LRan kann dem ..Vorwärts" nur rocht g ben. wenn er die augenblicklich: politische Lag: i ch n , präzisiert, dah das Zentrum, wenn d:eVolks- Partei der Regierung Marx keine Schonze t ge währe, nur noch zwischen Bürger block u. .d Auflösung zu wählen hrbe. Auf d r .nder.n Seite ab:r kann man auch ei rem Blatt de R:ch- ten nur Zustimmen, H>:nn es schreibt, dah die Seziald:m. kratie sich selbst au s ges ch a l t e t habe und dah nichts anderes übrig bleite als Mo Erweiterung der Reichsregierung nach rech s 3tne Entsch ttdung ist nach d:n Erttäru goa des Zentrums nicht vor 'Dienstag zu erwa-tten Wenn im Laufe der Verhandlung«' immer wieder der Gedanke auftaucht, man solle dem Kabinett Marx eine Schonzeit g währ' 1, und bis zum 10. Januar Burgsrieden halten. 0 Hal ea wir diesen Gedanken für unausführbar Einmal mühte in diesem Falle die Deutsche Vvlkspartei sich den bindenden Verpflichtungen entziehen, die sie gegenüber den Deutsch nationalen cing ga g-i i I. s dann aber worden die Deutschnationalen, wenn die »ihnen gegebenen Zusicherungen nicht innegehalten werden, unbedingt schon aus Rücksicht auf ihre Wählerschaft ihre Ankündigung wah.TN'chrn und in die schärfste Opposition gegen das Kabinett Marx eintreten. Die Sozia d mokratrn allerdings scheinen geneigt zu sein, aus err.en bcrartigen Pakt einzugehen. Wir halten ihn, wie gesagt, für unmöglich und sehen nach wie vor Die Neparationsanleihe. Das Ergebnis der Londoner Verhandlungen. — Die Beteiligung des Auslandes. — Der amerikanische Anteil überzeichnet. Richt nur die Leiter der hohen Politik, auch die verantwortlichen Männer für die Wirlschaits- und Finanzpolitik müssen von Amtswegen Optimismus zeigen, auch wenn sie in ih.em Innern nicht ohne Zweifel sind. Das war der Grund, warum der Reichsfinanzminister und der Reichsbantpräsident schon seit Wochen jede Gelegenheit wahrnahmen, um ihr Vertrauen aaf den erfolgreichen Ausgang der Anleiheoe.Handlungen zum Arsdrack zu bringen. Jetzt scheint endgülttg das Projekt der Reparations-Anl ihe unter Dach und Fach zu sein. Die Auflegung der achthundert Millionen Goldmark nominal betragenden Anleihe soll dem Vernehmen nach bereits am 14. Oktober erfolgen. Da nicht nur Amerika und England an der Zeichnung beteiligt sein werden, sondern auch Holland, Schweden, die Schweiz, Italien und sogar Frankreich und Belgien, wird den angelsächsischen Interessenten kaum derjenige B.- trag zur Verfügung stehen, der arsprünglich in Aussicht genommen war: Amerika mindestens einhundert Millionen Dollar und England 75 Millionen. Reichsfinanzminister Dr. Luther soll von der letzten Unterredung, die er mit dem vorläufigen Agenten für die Reparationszahlungen, dem amerikanisch n Bankier Owen V 0 u n g, gehabt hat. recht bef ie igt gewesen sein. Run hat sich der Reparationsag mt nach Paris zur Reparatlonskomm: ssion b geben, um sich das entscheidende Placet der auch jetzt noch füra llc Reparationssragen zustän.igea Kom- mislion zu holen. \ Die fertig vorliegenden Anleiheabmachurgen sind nämlich die Voraus e,ung für die ogenn n e „zweite Feststellung der Repa.a.ions- kommission, von welcher ab weitere Fr.ste 1 für die wirtschaftliche Räumung des Ruhrge ietts datieren. Tl.ber die Anleih bett gungen wollen die letzten Meldungen soviel wi len, dah mit einem Ausgabekurs von 92 Prozent und einem Zinssatz von 7 Prozent zu rech er ist. Wenn dies zutrifft, hätten die Anleihezeichner eine Verzinsung ihres Geldes tauf hundert ge = rechnet) in Höhe von etwa S1/* Prozent u d überdies noch einen Gewinn von 8 Prozen', wenn die Reparations mloihe von Deutschland zurück- gezahit wird. Heber die Höhe der Provision, welche die vermittelnden Danken f ir sich i' Ar- spruch nehmen wollen, verlautet noh nichts Cd ist jedoch kaum Zu erwarten, d h dem Reich aus dieser Anleihe erheblich mehr als 90 Pr-z. zur Verfügung stchen w rdeir. Dies würde ein Disagio (Äbgeld) von fast 10 Prez und ei en Ret vertrag der ganzen A rleihr fü: Deut chlan) in Höhe von nur 720 Mill oaen G-old-mar! (statt 800 Millionen Gvldanark) bedeuten. Wenn die optimistischen Meldungen, besonders aus Amerika und England, nicht eine bloße Folge der Dankenpropaganda sind, so besteht unter dem getdbesitzenden Publikum aller Zeichnungsländer geradezu ein Hunger nach diesen deutschen Anleihetiteln. Rach den Erfahrungen, die wir im Jahre 1919 mit der deutschen Sparprämienanleihe gemacht haben, tun wir gut, die prophetischen Ankündigungen der Interessenten mit Vorsicht aufzunehmen. An sich wäre es nicht verwunderlich, wenn ausländische Geldgeber in der deutschen Anleihe ein besonders günstiges Geschäft sehen würden. Zahlreiche führende Staatsmänner, Diplomaten und Geschäftsleute haben die deutsche Reparationsanleihe als eine besonders günstige Kapitalanlage bezeichnet. So kritisch auch die Lage der deutschen Wirtschaft und der Reichsfinanzen beurteilt werden mag, so ist doch mit Gewißheit anzunehmen, dah wir die 800 Millionen Goldmark dieser Anleihe prompt verzinsen und tilgen werden. Auch Störungseersuche unserer etwa wieder sanktwnslüstern we benden westlichen Rachbarn sind kaum zu befürchten, da ja die internationalen Bankiers während der Londoner Verhandlungen vom Iuli/August die ttleberzeugung gewonnen haben dürften, dah Frankreich und Belgien die Reparationsanleihe — natürlich im eigensten In- teresle — nicht notleidend werden zu lassen entschlossen sind. In Deutschland gehen die Meinungen darüber auseinander, ob man die jetzt zustande kommende Reparationsanleihe mehr vom bank- technisch-geschäftlichen oder vom politischen Standpunkt aus beurteilen soll. Als „Geschäft" ist die Reparationsanltthe — wenn sie in der skizzierten Form Zustandekommen sollte — nicht eben glänzend. Wenn achtprozentige Verzinsung für erstklassig gesichertes Leihgeld die Rorm auch für diejenigen Anleihen abzeben sollte, welche unsere Wirtschaft i:n Aislande aufnehmen muh, so wird man die schwersten Bedenken äuhern müssen. Anderseits ist die Politische Erwägung durchaus berechtigt, dah die einmal an Deutschlands wirtschaftlichem und sinan- ziellem Ergehen interessierten Ausländer im eigenen Vorteil den Bogen nicht Überspannen werden. Die grundsätzlichen Bedenken gegen die fast völlige Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom ausländischen Geldmarkt bleiben natürlich vollauf bestehen. ■Unter diesem Vorbehalt können wir es jedoch, nur begrüben, wenn die ausländischen Geldbesitzer deutschen Anleihen so starkes Interesse entgegen^ bringen, wie das jetzt bei der Reparationsanleihe den Anschein hat. Wenn das Sprichwort zutrifft, dah der Appetit beim Essen kommt, so kann man hoffen, dah die bisher noch recht geringe Reigung des Auslandes,zur Gewährung billiger Wirtschaftskredite nach der Ueberzeich- nung der jetzt aufzulegenden Deutschland-Anleihe tr-achsen wird. Die Anleihebedingungen. Ab sch Ins; der Londoner Verhandlungen. London, 11. Ott. (WTD. Funk.) Die deutsche Anleihe, die zunächst dem Dawes-Gutachten einen Erlös von 800 Millionen Goldmarl erbringen soll, ist gestern zum Abschluh ge- k 0 m m e n. Sie zerfällt in zwei Gruppen, in einen amerikanischen und einen europäischen Anteil. Der amerikanische beläuft sich auf 110 Millionen Dollar, der europäische auf 261 2 Millionen Pfund Sterling. Der amerikanische Anteil ist von dem Bankhaus Morgan übernommen wor- nur zwei Wege, um aus der Krisis heraus- zukrmmon: Dürgerblvck oder Reichstag sauflösung. Aus dem Wege zur Rechtskoalition? Neue Verhadlungen mit den Deutschnationalen- (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 11. Oft. Rachdem die Bemühungen des Kanzlers zur Herbeiführung einer Regierung dec Veltsgememschaft endgültig gescheitert waren, haben sich die Mittelparteien un-.er dem Druck der Deutschen Volkspartei dazr entschlossen, die Verhandlungen mit der Deutsch- nationalen Partei allein fortzusehen. Dem Reichskanzler Dr. Marr, der beauftragt wurde, sofort mit den Führern der Deutichnationalen Fühlung zu nehmet und ihnen die <5rage vorzulegen, ob die Deutschnational^ Partei bereit fein werde, die Richtlinien des Reichskabinetts anzunehmen, stellten die deutsch- nationalen ttlnterhändler verschiedene Fragen über die Auslegung dieser Richtlinien und erfannteq dann diele Richtlinien als geeignete @runi> lagen für weitere Verhandlung:n über die Regierungserweiterung an. Die Entscheidung liegt nunmehr bei den einzelnen Reichs.agsfrakttonen. von deren endgültiger Stellungnahme das Zustandekommen einer Koalition zwischen allen bürgerlichen Parteien abhäiigt. Die Demokraten leisten entschiedenen Widerstand und werden voraussichtlich sehr bald aus den Verhandlungen ausscheiden. Dadurch wird zweifellos die Stellungnahme des Zentrums sehr erschwert, das ohne Demokraten nur sehr ungern eine Erweiterung der Regierungskoalition nach rechts mitmachen will. In vrlkepatteilichen Kreisen v rlau iet, dah die Möglichkeit bestehe, der Deutschnationalen Partei innerhalb der Reichsregierung d re i Mini st e r sitze ciiizuräumen. Die Deutsche Vollspartei werde ihrerseits lediglich zwei Ministersitze beibehalten, und zwar das Außen- mi nisteri um und das Reichsfinanzministerium. Man glaubt in Volks arieil ch:n Kreisen, dah die schwierigste Pha e der Verhandlungen über die Regierungsumb.l'ung bereits überwunden ist, und dah geueif er Anlaß za einer optimistischen Beurteilung der Lage besteht. Die' Deutsch rationale Partei wird vor'.ussich l.ch den Vizekanzler und Innenminister sowie den Reichsjustiz- und den Reichsernährungsminister stellen. Die Regierungskrisis bis Dienstag vertagt. Berlin, 11.Oft. (Tel.-An.) Am Schluß der Parteiführerbesprechung, die um 71 \ ilfjr begonnen hatte und bis kurz vor 8 Tlhc dauerte, wurde folgender amtliche Bericht ausgegeben: In der abends 71/. iUhr stattgehabten Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern der Koalitivnsparteien er- klätten die Vertreter des Zentrums, daß ihre Fraktton ihre endgültige Stellungnahme zur Frage der Regierungserweiterung sich vorbeha lten müsse, da zur Zeit zahlreiche Mitglieder von Berlin abwesend seien. Der Reichskanzler kam mit den Patteiführern überein, die nächste Zusammenkunft im Laufe des Dienstags abzuhalten. Wie die Tel.-Lin. hierzu ersähtt, kann die Vollsitzung der Zentrumsfraktion aber nicht eher stattfinden, weil die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften am Sonntag und Montag ihr 25jähriges Bestehen feiern. Aus Zentrumskreisen verlautet, daß die Klärung des Standpunktes der Fraktion dadurch er« schwett werde, dah die demokratische Reichstagsfraktion zu der Frage der Erweiterung der Regierung nach rechts noch keinen eindeutigen Beschluß gefaßt habe. Als Ergebnis der bisherigen Verhand- dcn, ben Hauptteil des europäischen Anteils übernimmt die B a n k v 0 n E n g l a n b. An bem europäischen Anteil finb auherbem Frankreich, Belgien, Italien, bie Schweiz, Holland, Schweben unb Deutschlanb beteiligt. Italien wirb seinen Anteil in Li re herausbringen, bie Schweiz z. T. in J r a n k e n unb S .T. in englischen P f u n b. Schweben übernimmt seinen Anteil in schwebischen Kronen. Im übrigen wirb die europäische Emission in Pfund erfolgen. Die Anleihe ist in bereits 25 Jahren rückzahlbar, und zwar erfolgt die Rückzah. hing durch Auslosung ober Rückkauf. Für bie amerilantsche Quote ist bie Tilgung bes Kapital- Betrages mit einem Aufgelb von 5 Prozent, also zu 105 Prozent vorgesehen. Die europäische ist mit pari rückzahlbar. Die Emission erfolgt in allen Länbern zum Kurse von 92 Prozent unb wird bereits in der nächsten Woche beginnen. Der Zinsfuß beträgt 7 Prozent. Die zur Tilgung der Zinsen erforderlichen Beträge gehen allen Reparationszahlungen voran. Die Nepko billigt die Anleihebedingungen. Paris, 11. Oft. (SU.) Die Repko hat geftevn nächstch.mdcs vffizicllLä Krmmunigus der- öfsentlicht: „Die Repto hat heute 2 Liyungen unter dem Vorsitz Bart Hous abgchalten. In der Morgenstunde hat bie Kommission den Kommissar der Reichseisenbahnges l.schäft Leverve vernommen, am Rachmittag Owen 2J du n g, ben Generalagenten für die Reparationszahlungen, der über den Gang der Verhandlungen über die 800-Millionen-Anleihe bettchtete. Die Kommrsfwn hat die Bed im gungen dieser Anleihe gutgeheihen und brschlossen, am 13. Oktober die zweite im Londoner Protokoll fest gelegte Feststellung dorzunehrnen. Die Kommission hat auf iben Posten des amerikanischen! Teilnehmers an bestimmten Satzungen der Repto Herrn P e r k i n s berufen. Schließlich hat die Kommission bie Ernennung ber Mitglieder des Transfer-Komitees vollzogen. Me deutsche Anleihe in Amerika bereits überzeichnet. Reu York, 11. Okt. (Tel.-Un.) Die „Reuhork World" Meldet: Für den amerikanischen Anteil der deutschen Anleihe ist bereits 1 Milliarde Dollar gezeich- n e t worden. Die Zeitungen bringen optt- mistische Meldungen über die Zeichnung der deutschen Anleihe. „Reuhork World" betont in ihren groß aufgemachten Ausführungen über die Lieberzeichnung der Anleihe: „Dieser unerreichte Finanzrekord ist um so bemerkenSwetter, wenn man die antideutschen Gefühle der amerikanischen Bevölkerung erwägt, denn die Anleihe wurde hauptsächlich von Privaten, nicht aber von Körperschaften gezeichnet. Diese betonen, dah ihre Hilfe bei dem glänzenden Zeichnungsergebnis überflüssig sei. hingen über die Regierungsumbildung ist also festzustellen, daß die Entscheidung über den Ausgang der Krise zunächst bis Dienstag vertagt ist. * Zu der Vertagung der Verhandlungen schreibt die Germania: In der Regierungsfrage stand man gestern abend glücklich wieder da, wo man am 29. August begonnen hatte. Klar geworden. ist nur, daß der Gedanke der großen Volksgemeinschaft von der Sozialdemokratie bis zu den Deutschnationalen gescheitert ist. Den Versuch zur Bildung einer Volksgemeinschaft hat Reichskanzler Marx nicht nur auf Grund eines ausdrücklichen Beschlusses des Parteivorstandes unternommen, sondern auch in der richtigen Erkenntnis, daß eine ausgleichende Zusammenfassung aller arbeitswilligen und verantwortungsfähigen politischen Gruppen für die nächsten Aufgaben der deutschen Politik segensreich gewesen wäre. So muß man das Scheitern dieses Gedankens an politischen Hindernissen um so mehr bedauern, als an Stelle der gescheiterten Pläne keine neuen zu Gebote stehen, die re st los zu befriedigen vermöchten. Der deutsche Parlamentarismus verzettelt sich in parteipolitischer Taktik und die Lektüre der höchstbewußt formulierten Parteierklärungen sticht traurig ab von der viel geringeren Bewußtheit, mit der die wirklich dringenden Fragen in der Taktik verschwinden. Es ist schade um die besten Entwürfe, wenn sie so zerstäubt und unfruchtbar werden. Die Preisabbauaktion der Reichsregierung. Berlin, 10. Okt. (Priv.-Tel. des Wolff- bureaus.) Lieber die bevorstehende Preisabbauaktion der Reichsregierung, die aber noch der Billigung des Reichskabinetts bedarf, weih das „Tageblatt" milzuteilen, daß in erster Linie K re- di te i n s ch r ä n ku n g e n der Reichsbank für die Landwirtschaft und die Bin» schränkung bzw. Beseitigung der zur Zeit in großem Umfange üblichen Steuerstundun- gen tut ote Landwirtschaft in ’tfrage kommen, um zu verhindern, daß die Verkäufe aus der neuen Ernte hinausgezogen werden. Ferner soll aus eine Minderung der ungebührlichhohen Spannen zwischen den Erzeuger- und den Kleinhandelspreisen hingewirkt werden, und zwar durch entsprechende Einwirkungen auf die Müllereiverbände, Viehhandelsverbände und Fleischerinnungen. Was den V ie hg r o h h an d e l anlangt, so will man durch Milderung oder Beseitigung der Handelsbeschränkungen in diesem Gewerbe den Hebel der Konkurrenz stärker als bisher einschalten. Auch auf dem Gebiete der Kartellpolitik dürfte schärfer als bisher durchgegriffen werden; es werde damit zu rechnen sein, daß die zuständigen Stellen in Zukunft namentlich von § 4 Abs. 2 des Kartellgesehes, der ein Kündigungsrecht vorsieht, Gebrauch machen werden. Auf dem Gebiete der Verkehrswirtschaft dürften ermäßigte Tarife für lange Entfernungen eingeführt werden, um einen Preisausgleich zwischen den verschiedenen Gebieten des Reiches zu ermöglichen. Auch aus dem Gebiet der Einfuhrpolitik dürsten Maßnahmen ergriffen werden, die preisdrückend wirken; es dürfte mit einer Lockerung und teilweiser Beseitigung der noch bestehenden Einfuhrverbote noch vor dem 10. Januar 1925 zu rechnen sein. Die britische Antwort auf das Völkerbundsmemorandum. Gegen deutsche Vorbehalte. Berlin, 11.Oft. (Tel.-Un.) Wie be- reits gemeldet, ist die Antwort der englischen Regierung auf das Memorandum der ReichS- regierung vom 29. September über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gestern abend hier eingegangen. Don amtlicher Seite wird dazu mitgeteilt: Die Antwort besagt im wesentlichen, daß die englische Regierung keinen Widerspruch gegen einen ständigen Ratssitz für Deutschland erheben werde. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß der Zulassungsantrag nur dann Aussicht auf Annahme habe, wenn er ohne Bedingungen und Vorbehalte gestellt werde. Deshalb könne die englische Regierung hinsichtlich der übrigen deutscherseits aufgeworfenen Fragen auch keine Zusicherungen geben. Die MiMärkontrolle. Berlin, 10. Oft. (WTD.) Die Interalliierte Militärkontrvllkommission lieh in den letzten Tagen sogenannte Aeberraschungs- untersuchungen vornehmen, u. a. im Fort Haneberg bei Spandau und auf dem Truppenübungsplatz in Königsbrück bei Dresden. Im Fort Haneberg wurde nichts gesunden, auf Königsbrück scheinen einige Geschützrohre ohne Verschlüsse, die seit vielen Iahren zur Zieldarstellung benutzt wurden, den Grund des Besuchs abgegeben zu haben. Die Vertreter der Kommission haben sich davon überzeugt, daß diese Rohre nicht als Waffen angespro- chen werden können. Die Uebergabe der Regiebahn in Dortmund. Dortmund, 11. Okt. (TU.) Die Uebergabe der Regieeisenbahn erfolgt in Dortmund bestimmt in der Rächt vom 18. zum 19. Oktober. Die Truppen sollen kurz darauf, voraussichtlich am 20. d. Mts., zurückgezogen werden. Eine osftzielle Mitteilung über den Zeitpunkt der Räumung liegt zur Zeit noch nicht vor. Kündigung des Arbeitszeitabkommens im Ruhrgebiet. Essen, 10. Oft. (WTB.) Der Christliche, der Deutsche und der Hirsch- Dunckersche Metallarbeiter-Verband haben das Arbeitszeitabkommen vom 13. Dezember 1923 gekündigt und fordern die Wiedereinführung der achtstündigen A r b e it s z e i t. Die Verhandlungen darüber finden in Dortmund statt. Das alte Arbeitszeitabkommen läuft bis zum 31. Oktober und hatte eine zwölfstündige Schichtzeit für Feuerarbeiter und eine zehnstündige Arbeitszeit in weiteren Verarbeitungsbetrieben zur Grundlage. Die Kulturtagnng der deutschen Bolkspartei. Berlin, 10.Oft. (WTD.) Im großen yestsaale des preußischen Abgeordnetenhauses nahm heute die Kulturtagung der Deutschen DolkSpartei ihren Anfang. Zur Verhandlung stand das Thema: „Deutsche Kulturnot und Kulturarbeit". Der Andrang zu der Tagung war außerordentlich starf. Vom preußischen Staatsministerium war Kultusminister Dr. Doelitz erschienen. Der sächsische Vvlksbil- dungsminister Dr. Kaiser, Dresden, der thüringische Ministerpräsident Leutheußer, Weimar, u. a. hatten Referate übernommen. Kahrs und Knillings künftige Verwendung. München, 11. Okt. (TU.) Die in der letzten Zeit immer wieder erörterte Frage der künftigen dienstlichen Verwendung des früheren General- flaatskommissars und Regierungspräsidenten Dr. v. Kahr hat jetzt ihre Erledigung gefunden. Gestern abend ist amtlich bekannt geworden, daß durch Kabinettsbeschluh der Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, Staatsrat Ludwig von Knözinger, die Stelle des Präsidenten der Regierung von Oberbayern einnimmt, während der bisherige Regierungspräsident v. Kahr aus die Stelle des Präsidenten des bayerischen Verwaltungsgerichtshofes berufen worden ist. Der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. V. Knilling wurde gleichzeitig zum Präsidenten der Staatsschuldenverwal, tunfl ernannt. England im Wahlkampf. Der Vorsprung der Arbeiterpartei. — Beginn der Wahlreisen.— Die Frauen im Wahlkamps. Der frühe Termin der englischen Reuwahlen hat im Lager der Konservativen und Liberalen einige Deslürzung hervorgerufen, da die zur Der- ügung stehenden drei Wochen nicht im enterntesten genügen, die englischen Wählerrnassen eingehend zu bearbeiten und den Vorsprung, den die Arbeiterpartei gewonnen hat, aufzuholen. Mit einigem Unbehagen müssen die liberalen und konservativen Blätter jetzt feststellen, daß die Arbeiterpartei sich schon seit langen Wochen auf den Wahlkampf vor - ) ereil et, ihn überhaupt zu einem guten Teil bereits .durchgeführt hat. Es läßt sich natürlich jetzt noch gar nichts über die Aussichten der einzelnen Parteien sagen, wollen aber die bürgerlichen Parteien ihre Kräfte nicht zer- plittern, so werden sie sich wohl oder ü el darüber einig werden müssen, in den siebzig Wahlfreien, in denen Arb iter, ar.e le.' bei Drei- eckswahlen als Mi. d^rhritskandioaien gewählt wurden, einen BürgcrJj;eu Kandi aten jttrüd = zuziehen, damit diese Wahlkreise für die eine oder andere bürgerliche Partei zurück.e- wonnen werden können. Bei den Konservativen hat aber dieser Plan keinen Anklang gefunden. Die Arbeiterpartei hat ihr Wchl- Manifest schon fertiggestellt und wird m.t vierhundert Kandidaten in den Wahlkampf eintreten. Die Konservativen wollen fünfhundert und die Liberalen zweihundert Kandidaten aufstellen. Die Arbeiterpartei ist sehr zuversichtlich ge- timmt, sie glaubt etwa einhundert Sitze zu gewinnen. Diese Erwartungen scheinen aber doch etwas zu optimistisch zu sein. Im oll- gcmeinen glaubt man ab.r jetzt schon, daß auch der Ausgang dieser Wahlen eine regierung sfähige Mehrheit nicht bringen wird. Die erste« Vorbereitungen zum Wahlkampf haben bereits begonnen, ein Zeichen dafür, dah er mit äußerster Heftigkeit von allen Seiten geführt werden wird. Die meisten Parlamentsmitglieder hmben sich bereits in chre Wahlkreise begeben, um die Fühlung mit der Bevölkerung aufzunehmen. Gegenwärtig halten sich nur noch d i e Parteiführer in London auf, um hier die Wahlvorbereitungen zu treffen. Die Wahlaufrufe der Konservativen, der Liberalen und der Arbeiterpartei werden voraussichtlich heute veröffentlicht werden. Macdonald, Lloyd George und Asquith werden schon in den nächsten Tagen große Wahlreifen durch das Land unternehmen. Der Premierminister wird heute nach Glasgow und von dort zunächst nach den Industriezentren Süd- und Mittelenglands reisen. In allen größeren Orten wird er Ansprachen an die Arbeiterbevölkerung halten. Er wird seine Reise durch das Land im Kraftwagen zurücklegen. Am nächsten Freitag wird er in seinem eigenen Wahlkreis Aberaven in Südwales sprechen. Auch von Lloyd George erwartet man, dah er sich mit seiner ganzen Kraft in den Wahlkampf stürzt. Auch er hat schon in den verschiedensten Orten Wahlreden angekündigt. Asquith wird sich zunächst nach Schottland begeben. Die Arbeiterpartei ist sehr optimisttsch gestimmt und stellt eine große Anzahl von Kandidaten. auf. Viel Interesse erregen die von den einzelnen Parteien ausgestellten weiblichen Kandidaten. Die Arbeiterpartei steltt allein zwölf Frauen als Kandidaten auf, darunter drei, die schon dem bisherigen Parlament angehörten. Die Konservativen werden sieben weibliche Kandidaten aufstellen, darunter Lady Astor und die Herzogin von Atholl, b:e auch dein bisherigen Parlament angchörten. Die Liberalen stellen vier Frauen als Kandidaten auf. Zwei von ihnen haben bereits dem letzten Parlament angehört. Viel Interesse wird auch der Tochter des Premierministers, Miß Isabell Mac - ponald, entgegengebracht, die während der Amtszeit ihres Vaters dem Haushalt vorgestanden hat. Sie wird für ihren Bruder Malcolm Macdonaild, der als Kandidat der Arbeiterpartei in Rottinghamshire aufgestellt ist, im Wahlkampf sprechen, da dieser sich gegenwärtig im Ausland aufhält und nicht zu den Wahlen nach England zurückkehren faim. Die Mächte un d Marokko. Eine Erklärung des spanischen Direktoriurns. London, 11. Oft. (TA. ) Wie „Daily Telegraph' meldet, dementiert das militärische Direktorium in einer Erklärung das Gerücht, daß ein britisches Finanzkonsortium sich in Marokko einmischen wolle, um die E i n st e l - tun g der Feindseligkeiten zwich?i Abdel Krim und Spanien zu erreichen Friedens- Verhandlungen könnten erst dann in Erwä ug gesogen werden, wenn der Aufstand unter- d r ü ck t und die Rebel len streng bestraft worden wären. Die Erfahrung habe die Wert- Wsigkeit aller Verhr ndlurgen ei geben, zu de en sich die Aifhäuptlinge b reit crllätten. Die Kapitalien, mit denen Abd el Krim sein Heer auZ- rüflete und die ihm die Fortsetzung des Kampfes ermöglichen, rührten ausschließlich von dem großen Vermögen her, das fein Vater wäh end 'es Krieges an sich gebracht halt, indem er deutsche Unterseeboote im Mittelmeer mit Brennmaterial versorgte. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph' schreibt ferner aus Tanger, daß dort steigende Besorgnis über die Gefahr einer möglichen Grenzüberschreitung durch Spanier oder Rifleute herrsche. Es würde schwierig sein, die Reutralit ät der Tangerzone zu wahren, falls die spanische Regierung für ihre Truppen das Durchmar schacht f rdern sollte. taS ihr durch die Tanger-Konvention eingeräumt wurde. Trauerkundgebung für Sübtirol Innsbruck, 10. Oft. (WTB.) Als Trauerfun dgebung anläßlich des 4. Jahrestages des Verlustes von Südtirol fand gestern abend ein großer Umzug statt. Auf dem Bozener Platz hielt der Landtagsabgeordnete Pembauer eine Ansprache an die Menge. Heute vormittag wur- oen im ganzen Lande ^.rauergottes- d i e n st e für die im Weltfrieg Gefallenen abgehalten. In der Kirche in Innsbruck wohnten die Mitglieder der Landesregierung und Vertreter der Behörden der Feier bei. In den Schulen, in denen der Unterricht ausfiel, wurde den Schülern die Bedeutung des Tages erklärt. Am Abend findet als Gedächtnisvorstellung eine Aufführung von Wilhelm Teil statt. Der Auslieferung gsslreit mit Ungarn. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 11. Oft. (Dvahtmeldung.) Am Samstag trifft der deutsche Gesandte in Budapest in Berlin ein, um der Reichsregierung Bericht zu erstatten über den ganzen Fragenkomplex in der Angelegenheitd er b er - den Erzbergermöxder. Die Rerchsregre- rung wird, nachdem sie tion dem Bericht Kenntnis genommen hat, sich noch einmal mit der ungarischen Regierung in Verbindung setzen, um zunächst auf gütlichem Wege zu einer Einigung in dieser Frage zu gelangen. Sollten diese Verhandlungen jedoch zu keinem Resultat fuhren, v würde die Reichsregierung gegen die Richtauslieferung des Mörders Schulz offiziell den chärfsten Protest einlegen und im An- chluh daran alle weiteren Beziehungen und Verhandlungen über die Regelung der Aaslrefe- rungsfrage mit Ungarn abbrechen. Rach einer Budapester Meldung der Telegraphenunion ist der Erzbergerrnörder Schulz in :>ie Villa des Abgeordneten Gömbös zurück- gekehrt. Die Akten über seine Auslieferung find noch immer nicht geschlossen. Es verlautet, daß inzwischen die Regierung den Bescherd über die Verweigerung der Auslieferung in einer neuen Rote erteilen wird, von deren Inhalt das weitere Verfahren abhängt. Aus aller Welt. Verschiebung der Amerikafahrt des g. R. III. Friedrichshafen, 11. Okt. (WTD.Funk- spruch.) Wie die Luftschiffwerft miteilt, wird Z.R. Ill seine Fahrt heute nicht antreten, weil die Temperatur derart gestiegen war, daß die Tragfähigkeit des Luftschiffes sich stark vermindert hatte. Daher ist beabsichtigt, morgenzueinerwesentlichfrühere n S t u n d e abzusahren. Die Entscheidung wird heute abend 6 Ahr nach Prüfung der Wetterlage getroffen werden. Ein neues englisches Riesenflugzeug. London, 10. Oft. (WTD.) Die Blätter melden, daß Pläne für ein neues Ganzmetall - Exprehs lugzeug fertig gestellt wurden und daß in Kürze mit dem Dau begonnen werden wird. Das Flugzeug wird getrieben von 3 1000-?8.-Rapier°Motoren und ist in der Lage, 2000 Meilen ohne Zwischenlandung zu fliegen. Der neue Riese wird für die Reichs - Iuf tlinie gebaut. Ein Flughafen ist bereits in Malta vorbereitet. Als derzeitige Flugdauer für den Dienst zwischen London und Kairo sind 31 Stunden bei nur einer Zwischenlandung in Malta vorgesehen. Man berechnet, dah eine Flotte von 8 dieser Ganz-Metall-Flugzeugen in der Lage ist, einen täglichen Verkehr in jeder Richtung zwischen London und Kairo aufrechtzuerhalten. Ein amerikanisches Militärlustschisf verunglückt. Berlin, 11. Okt. (Lokalanz.) Der „Lok^ Anz." meldet aus Reuyork: Aus Reupvrt- news (Virginia) wird berichtet, daß das Mlli- tärlenkluftschiff Poll, das gestern aus Aberdeen (Maryland) hier angekommen war, verunglückt ist. Als es sich in einer Höhe von 150 Fuß über Langleyfield befand, explodierte eine mitgefuhrte Bombe und brachte die Gasfüllung zur Entzündung. Das Luftschiff stürzte zu Boden. Die Mannschaft hatte keine Zeit mehr, die Fallschirme zu benutzen. Zwei Offiziere sind ernst, drei Unteroffiziere leicht verletzt. Amerikanische Lynchjustiz. Chicago, 10. Oft. (Wolff.) Ein junger Reger der eines Vergehens gegen ein weißes Mädchen beschuldigt war, wurde gestern abend in den Straßen von einer Gruppe von Mämiern und Knaben durch Stöße und Schläge getötet. Hiernach wurden die Zweifel laut, ob der Getötete auch der richttge Mann gewesen ist. Ein russischer Personenzug in Flammen. Warschau, 10. Oft. (WTD.) Die Warschauer Dlätter berichten, daß vorgestern auf der Strecke Moskau—Iwanow ein Personenzug in Brand geraten ist, wobei 200 Personen umgekommen sein sollen, darunter 80 Kinder. Der Brand sei in dem mitgeführten Petroleum-Tankwagen ausgebrochen. Aas Moskau liegt keine Bestätigung dieser Meldung vor. Wettervoraussage. Rachts kühl, Morgennebrl. tagsüber aaifla» reni> und milder, später Bewölkung und Temperaturzunahme und Reigung zu leichten Regenfällen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 11. Oft. 1924. Ein großes Bauprojekt in der oberen Bahnhofstraße. Man teilt uns mit: Mit dem Bau der schon seit längerer Zeit projektierten Verkaufsläden an der Ecke Bahnhofsplatz 'und Bahnhofstraße wurde dieser Tage begonnen. Schon v)r 2 Iahren glaubte man, das'Projekt zur Ausführung bringen zu können, was aber durch die Inflationszeit zur Unmöglichkeit wurde. Die Projektierung dieses Baues, der isch von der Ecke Dahnhofsplah bis an die Einfahrt zum Eilgüterschuppen erstreckt, ist nach den Richtlinien des Betriebsamtes I Gießen sowie der E. D. D. Frankfurt a. M. und im Einvernehmen mit der Stadt Gießen geschehen und wird im besonderen den Wünschen der Stadt Gießen insofern gerecht, als mii der Errichtung des Reubaues auch gleichzeitig, unter Berücksichtigung des sehr starken Personenverkehrs, der Bürgersteig vor den Verkaufsladen um ca. 3,50 Meter verbreitert wird, so daß hier der Bürgersteig eine Gesamt- breite von ca. 6,50 Meter erhalten wird. Diese Verbreiterung ist für den Verkehr in der Dahnhof- traßn von wesentlichem Vorteil; es ist nur bedauerlich, dah dieser neue breite Bürgersteig nicht bis zur Liebigstrahe (wegen der Anatomie) durchgeführt werden farm. Zunächst des Bahnhofes oll in dem Gebäude ein modernes Caf6 mit Km- Jbtorei betrieben werden. Dieser Teil erhält zur lärferen architektonischen Betonung einen runden Ausbau, welcher für das Safe als Estrade gedacht ist. Anschließend an die Konditorei reihen sich eine Anzahl einstöckiger Derkaufsläden und Aus- tellungsräume an. Den Abschluß der Bauanlage nach der Stadt bildet ein in Tiefe und Höhe reichlich bemessener zweistöckiger Dau, in besten Erdgeschoß wiederum große Verkaufs- und Ausstellungsräume und in dessen Obergeschoß Geschäftsräume zur viesteitigen Dertoenbung, z. D. für Rechtsanwälte, Aerzte, Agenturen, kaufmännische Dureaus usw. untergebracht sind. Der ilebergang zur Anatomie vermittelst dieses zweistöckigen Dau- teiles wird sicherlich gefällig wirken, überhaupt wird die geplante Bauanlage in architektonischer Hinsicht der Dahnhofstraße und dem Dahnhofs- plah den fehlenden Abschluß geben und die sicherlich nicht schön auffallenden Postbaracken und Güterschuppen angenehm verdecken. Somit ist der Uebergang vom Dahnhof zur Stadt in glücklicher Weise gelöst und wird daS Straßenbild am Eingang unserer Stadt ein gefälliges und auch ge- chäftliches Aussehen erhalten. Dieser Umstand cheint auch von feiten der Geschäftsleute richtig erfaßt zu fein, denn soweit uns bekannt, soll das Interesse an den Läden, welche selbstverständlich zur Vermietung stehen, ein sehr starkes sein. Die Bauleitung liegt in den Händen des Architekten Schuhmacher, während die Dauarbeiten von der Gesellschaft für Beton- und Eisen bet onbau m. b. H., Gießen schlüsselfertig ausgeführt werden. Man rechnet damit, das Cafs noch zu Weihnachten in Betrieb nehmen zu können. Ä Von den Radlern und von andern lieben Menschen» In der Zeitung ereifert sich der eine Einsender über die rücksichtslosen Radler der andere redet sanft und milde den mehr ober weniger dösigen Fußgängern zu. Recht haben beide. Es wird viel zu viel geradelt auf Straßen und in Zeiten, wo es störend ist; am schlimmsten ist es auf dem Seltersweg zur Bummelstundel Seit uralten Zetten ist diese „Gießener Zett" der Mittelpunkt des Verkehrs am Spätnachmittage; und für junge Leute insbesondere ist der Selterswegbummel so nett! Da trifft man all die lieben Gießener Mädelchen, die Martha, die Lilli, di» Emmi, die Etta, die Besorgungen heucheln, Stu- beirten, die am Kolleg Vorbeigehen, junge Angestellte, bid nach Dureauschlllh mit einer Zigarette auf dem Bummel den freien Mann zeigen wollen, aber auch eilende Hausfrauen, die wirklich nicht langer als zu 4—5 Schwätzchen an verschiedenen Stellen Zeit haben! So war es immer, und das machte den Sellcrsweg so nett, auch als er vor langen Iahren ein Steinbruch mit Spülwasser und Küchenabfällen war. Aber heute ist es ganz anders! Das Pflaster ist dort viel zu eben; das lockt die Radler unb die Radlerinnen! Sie sind eine Stadt plage, eine Straßenplage geworden! Am schlimmsten sind die jungen Mädchen sv von 13—14 Iahren; beim Fast alle jungen Mädelchen, die haben heut ihr Rädelchen! Sie gehn nicht mehr spazieren, sie radeln zum Poussieren! Sie schaun nicht auf ihr Wegelchen, sie schaun nur nach den Flegelchen, die mit den bunten Mützen sv stolz zu Rade sitzen! Und gibt es ein Mädelchen, das richtig fahren kann, ein Mädelchen, das wirklich weih daß man rechts ausweicht und links überholt? Ich glaube es nicht! Glaube es auch nicht von den 20jährigen! Auch die jungen Burschen wissen nicht, bab man die rechte Straßenseite einhalten soll; und es belehrt sie eigentlich niemand! Früher hatte man seine Radfahrerkarte, da stand es für 5 Mark drin; seit sie nicht mehr notig ist, wird viel freiheitlicher gefahren! Ich habe zwar neulich — aber eine Schwalbe macht keinen Sommer — einen schönen blauen Schutzmann mit schönem schwarzen Schnurrbart gesehen, der auf dem Seltersweg einem jungen Dachs zurief: „Rechts fahren!" Und der junge Dachs, ein Primaner, maulte, fuhr- aber rechts! Er fuhr wahrhaftig rechts! Da habe ich mich als freier Bürger eines freien Staates ganz verfassungsmäßig gefreut Wie gerne würde ich mich öfter sv verfassungsmäßig freuen! Man sah wirklich, daß die blauen Wachtmeister zur Ueberwachung des Straßenverkehrs da sind und nicht wie in Buxtehude den Befehl haben, sich bei Zeiten zurückzuziehen, um die harmlose Bevölkerung nicht zu reizen (sv etwa, wie ich mir die geplante „unsichtbare französische Ruhrbesehung" vorstelle); sie sorgen für die Aufrechterhaltung der Straßenzucht, nicht nur nachts, wenn ein Studiker alkoholisch jauchzt. Andere Menschen tun so etwas ja nicht, nur Studiker!! Konnte man nicht die Mäusburg für Radfahrer ganz sperren? Reulich zählte ich am Spätnachmittage auf einem Gange durch die Mäusburg vom Kreuzplah bis zum Marktplatz neben 18 Kinderwagen 37 Radfahrer; etwa 7 tarnen wohl von der Arbeit, die anderen 30? 3a, ja i>ie Mädelchen und was dazu zu gehören scheintk Tie Emmi mit dem Hänschen, die Lillr mit dem Fränzchen! Ich säh' sie gerne heiter wär' nur die Mäusburg breiter! Eine weitere Errungenschaft der neuesten Zeit sind die Motorräder, die ich kürzlich treffenb Stinkräder nennen hörte. Don diesen Fahrerq weiß mindestens jeder fünfte, daß man beim ©in* biegen in die Straße nach links einen weiten, nad) rechts einen kurzen Bogen macht; die andern brauchen es nicht zu wissen und brauchen auch nicht belehrt zu werden. Ich wenigstens habe letzteres nqh nicht beobachtet! Man stelle sich einmal eine Viertelstunde vor Hektlers Kaffee und beobachte Radfahrer, Stinkradfahrer und Tüt- Tüt-Wagenfahrer! Wie freiheitlich unb disziplinlos wird da gefahren! Man wundert sich, daß sv wenig Unheil vorkommt. Wenn ich einmal dort beobachten sollte, daß ein Denzinfahrer zu. recht gewiesen wird, dann wollte ich mich freuen wie eine radikale gedruckte Giftschla rge sich freu^. wenn sie einen anders denkenden Beamten wittert, ihn begeifern und verschlingen kann! Ich grübe Hofknung?vvll den neuen Pol.zeig'waltigen Möge er £> m Seltersweg wieder seinen idyllischen Charakter schaffen, daß sich nicht nur Hausfrcmer erhält int lick 'Und Silage Mreij. Kr: »5 ÜJ* ^6 fe .-^bnhosz. b sicher. 2h. und mu ist bet MMUfe am Sch. •w auch ge, ” Ntanb S?e richtig ^?nnt, |o[| Alderstünd. stark- sein, i deS 3rd* Dauorbeil«! stenbetrnbau Hrt Verden DeichMen ltt avdnv er eine An. r. der andere »er weniger ® beide ES ahen und in msten ist es stunde! Seit r M' der itnachmittagei t der Seilers- all di« lieben die Lilli, die eucheln, eta- jung? Antze- wr Zigarette eigen vollen, wirklich nicht verschiedenen ner, und baä h als er vor t Spülwasser ite ist es ganz zu eben; das neu! Sie sind ge geworden! Achen so ton tl ®. rd zelchm, legelchen, richtig fahr« ich weih, day üderhvlt? 2ch M von den Kirschen Wilsen nscite eiichilten Mabe zwar neu* keinen Sommer rn mit sch°n^ rauf WW (urief: einPnmm«. ihr wahrhaftig $ Mger em» Mg so verfasst dah dir blaM StraM* Alktehude den üchuziehen, M Mn llv.e A are h^D,Ä iT-Ä »6? a hie Maus* & ja, nschen. )«nl »Ä«*J ysg,-s sAr M BK> Ä ’s*' «nL Kvanzscywestem, Hcmbwerler arto Bürger, Pvofessoren bzr PWvsvphie, gelernte und unge lernte Arbeiter, Studenten aller Fakultäten, sondern auch andere Leute hübsch gruppenweise unterhalten können, auf dem schmalen Bürger- Keige oder auf der Fahrbahn. lind die vielen Kinderwagen müssen doch auch Platz Huden, drei gehören mindestens immer nebeneinander. Das ist so schön! Vie alt ist jetzt der Kleine? Was hör ich? schon 10 Wochen! QDa8 hat er runde Däckelchen und auch so starke Knochen I .Mein Mädelchen ist auch gesund und hat so schöne Guckelchen, eS schreit fast nie verdaut sehr gut und ist ein herzig Schnuckelchen!" Mein Bubi hat vier Beisterchen und wiegt schon 13 Pfund ich geb ihm Restle'S Kindermehl, das macht ihn kugelrund! So geht es auf und ab. ab und auf. Der junge Staatsbürger und die gleichberechtigte junge Staatsbürgerin von 10 Wochen h^bm selbnor- stündlich ein beinahe verfassungsmäßiges Recht auf den Bummel auf dem Seltersweg; in der Anlage ist es so einsam, da könnten sie geistig verkümmern, mitsamt dem Kindermädchen. 3a, ja, (Sieben bat eS mir angetan! Liebe alte Bilder und Gindrücke wie vor Jahrzehnten! Ich bin ein Freund des Althergebrachten und begrübe eS freudig, wenn wie einst so haute noch eine liebliche Hausfrau, tätig und regsam, im hübschen Morgenkleide, eS darf auch eine Rach> jacke sein, aus dem Parlerrefenster ihren Staublappen auf meinen frischgebürsteten Hut aus- fdyüttelt oder wenn ein arbeitsfrohes Äenstmäd- chen, jeüt Hausgehilfin, aus dem Schlafzimmer heraus die Bettvorlagen schwenkt! Es kommt vi l Segen von oben, in mancherlei Gestalt. Das liebte ich immer, das lieb' ich noch heut, das werd' ich erleben in Ewigkeit! Schön ist es auch, wenn in den Fenstern die roten Betten gelagert werden; jeder sonnige Tag wirkt da modern-restlich und man weist doch, wo die Herrschaften schlafen und dast sie aufgestanden sind; wer im dritten Stock wohnt, ist ja am besten dran, im zweiten Stock schüttelt man die Betten etwa- später zum Fenster hinaus, im ersten noch später, es lohnt sich besser! Und die kleinen Kinder mit ihren Rvsterchen auf der Stvaste sind doch zu entzückend, zu süß! älnd wenn eins so recht laut schreit oder schrill pfeift und mir über die Fähe führt oder gegen den in Entwicklung begriffenen .Bauch stoßt, wie Heb ist das! Ein Zeichen, dast unsere Jugend, die ja nach § 148 der Verfassung pazifistisch erzogen werden soll, sich ganz friedlichem Sport und körperlicher Ertüchtigung hingibtI Da werde ich doch keine kriegerische Miene aufsetzen, bewahre! Dast von der lieben „(Siebener Bevölkerung zu Fuh" kaum ein Zehntel auf der Strass rechts ausweicht — die Jugend mühte es schon einheitlich in der Einheitsschule lernen — ist eine alte Erfahrung, aber früher war es doch wohl besser. Es scheint zu viele Leute zu geben, die sich sogar beim Ausweichen vor dem »Ruck nach rechts" furchten oder glauben, eine „Linksorientierung" beim Ausweichen werde von den Inhabern der Staatsgewalt besonders gerne gesehen! -e- Ein fthifltafl in Gießen in Vorbereitung. Der (Siebener Verkehrsverein und der (Siebener Verein für Luftschiffahrt beabsichtigen, gemein- schaftlich einen Flugtag in (Sieben am Sonntag, 26. Oktober, zu veranstalten. Als Flugplatz ist ein Teil der Wiesen hinter dem Landgericht zwischen der Wieseck und dem Philvsophen- waldweg ausersehen. Die Flüge sollen von namhaften Herren des Bundes hessischer Flieger ausgeführt werden. Den Vorständen der beiden Vereine ist das Erscheinen mehrerer Hessenflieger, eines Iunkers-Verkehrsflug^uges und eines Fallschirm- Abspringers zugesagt worden. Die Hessenflieger werden Kunst- und Wettflüge der verschiedensten Art vviführen, der Fallschirm-Ab- spring er wird sich mehrmals in grober Höhe vom Flugzeug^us in die Luft stürzen und dann mit Hilfe seines Fallschirmes ganz gemächlich wieder zur Mutter Erde zurückkehren und mit dem Junkers-Verkehrsflugzeug sollen Rund- f ( ü a e für Fluglustig? aus dem Publikum vorgenommen werden Dies.' Rundslüge sollen teilte i e über unsere Stadt und die nächste Umgebung, teilweise auch über die Strecke Gieße n—W etzlar —M arbur g- G iesten führen. Ueber den Preis eines solchen Fluges wollen wir heute noch nichts verraten, aber soviel können wir doch schon sagen dast er für sehr viele durchaus annehmbar ist. Am Schlüsse des Flugtages soll dann noch eine grobe D a 11 o n j a g d stattfinden, bei der die Hessenslieger zeigen wollen, dast sie auch bei der Attacke auf frei dahinsegelnde Ballons ihren Mann stehen können. Dast zu einer solchen Veranstaltung auch eine schneidige Militärmusik gehört, ist selbstverständlich, und so will man sich denn auch bemühen, unsere Infanterie-Kapelle unter Obermusikmeister 2 ober zu gewinnen. T'ie Abmachungen mit dem Bund h.ssischer Flieger b.dürsen jetzt nur noch der Besteigung durch die Generalversammlungen der beide i h e- figen veranstaltenden Vereine Der Verkehrsverein beruft feine dahinzielende Generalversammlung in unserem t ätigen Anzeige ite l auf Montagabend in den Postkeller ein Im Hinblick auf die Wichtigkeit dieser An gelegenste t Möchten auch te r den in Frage kommenden Mitbürgern empfehlen, dieser Sizung ih.e Aufmerksamkeit zu schenken, denn die Entscheidung über eine Angelegenheit, von der man für unsere Stadt einen Besuch von Zehntausenden erwartet, dürfte namentlich für die Ve.einsmitglie- der aus den Kreisen der Geschäftswelt von besonderer Wichtigkeit sein. Sobald' die Generalversammlungen der Vereine die Maßnahmen der Vorstände gutgehoisten haben, teerten die fix und fertig ausgearbeiteten Pläne sofort in die Tat umgcsetzt. Für die Mitbürger aus der Provinz sollen bei der Reichtbahn-Direklion Sonderzüg e bzw. auch verstärkte Wagen ge st ellung bei den fahrplanmässigen Zügen beantragt werden. Gießener Wochcriirmrktpreise am 11. Oktober (Händlerprejse). Es kosteten: Butter Pfd. 240, Matte Pfd. 40, Köse Pfd. 60—65, Eier Stück 17—19, Wirsing Pfd. 8, Weihkraut Pfd. 7—8, Rotkraut Pfd. 12, gelbe Rüben Pfd. 8—10, rote Rüben Pfd. 10, Spinat Pfd. 25—30, Romischkohl Pfd. 5—10, Bohnen Pfd. 25, Blumenkohl Stück 20—180, Salatgurken Stück 10—25, Endivien Stück 10—20, Ober-Kohlrabi Stück 2, Unter-Kohlrabi Pfd. 5, Grünkohl Pfd. 20, Rosenkohl Pfd. 35, Feldsalat Pfd. 50, Tomaten Pfd. 50, Zwiebeln Pfd. 12, Lauch Stück 10—20, Rettich Stück 10, Meerrettich Pfd. 40, Sellerie Stück 15—30, Schwarzwurzeln Pfd. 50, Radieschen Bd. 8. Kürbis Pfd. 6, Pilze Pfd. 30, Kartoffeln Pfd. 5, Aepfel Pfd. 12—20, Birnen Pfd. 8—15, Brombeeren Pfd. 50, Preiselbeeren Pfd. 80, Zwetschen Pfd. 15, Honig Pfd. 25, junge Hahnen Pfd. 100, Suppenhühner Pfd. 100, Gänse Pfd. 110, Rüsse Psd. 50 Pf. -* Der durchgehenoe Aacht-Tete- phvndienst in unserer Stadt kann be- dauerlicherweise noch immer nicht als gesichert angesehen werden. In den Kreisen der Fernsprechteilnehmer herrscht gegenüber dieser bedeutsamen Einrichtung geradezu eine Gleichgültigkeit, die man beim besten Willen nicht verstehen kann. Diele denken anscheinend gar nicht daran, dast sie in bem Rachttelephondienst einen austerordentlich wichtigen Vorteil den nichtangeschlossenen Mitbürgern voraus haben. Die Fernsprechbesitzer können mitten in der Rächt den Arzt Herbeirusen, ohne selbst auch nur einen Schritt vor die Tür tun zu müssen, falls Langfinger nüchtlicherweise ihren Besuch machen wollen, besteht, falls die Kerle nicht gerade in dem Telephonzimmer ober in der nächsten Zimmer- nachbarschaft weilen, bie Möglichkeit, bie Polizei um Hilfe anzurufen, in Drandfällen kann man in schnellster Weise die Feuerwehr herbeiholen usw. Das sind doch alles Dinge, die jedem einzelnen Fernsprechteilnehmer passieren tonnen. Macht er von der Möglichkeit, sich den ständigen Rachtdienst des Fermsprechamtes zu erhalten, Gebrauch, so wirb er s i ch selbst den besten Dienst leisten, unterläßt er biese Sicherung, so darf er sich über evtl. Schäden nicht beflagen Es besteht jetzt nur noch eine kurze Frist zur Erhaltung des ständigen Rachttelephondienstes. Wer ihn aufrechterhalten wissen will, spreche sich dafür durch schleunige Anmeldung bei der Stadtverwaltung aus und erkläre sich gleichzeitig bereit, bie Sonderkosten von 60 Pf. monatlich tragen zu wollen. Wer über den Tag hinaussieht, lasse es nicht darauf ankommen, dast dieser Betrieb erst abgebaut wird, denn mit der Wiedereinrichtung hat es dann fraglos gute Weile, und eine Hoffnung auf älebemahme der Kosten auf den Staat ist gänzlich unberechtigt, da bie Bestimmungen hierüber gesetzlich fcftgelegt sind. Erwähnt sei noch, dast unsere Rachbarstadt Bad- Rauheim sich den durchgehenden Rachttelephondienst durch die älebemahme der Kosten auf die Anschlußteilnehmer gesichert hat. Wollen wir in Giesten weniger großzügig sein als Rauheim, kur weil die Sache 60 Pf. im Monat für jeden Anschluß kostet? * Aufruf des wertbeständigen Reichsbahnnotgeldes. Das auf Goldmark und Dollar lautende wertbeständige Rotgeld der Deutschen Reichsbahn mit den Ausgabedaten vom 23. Oktober 1923 und 7. Rovember 1923 ist mit Wirkung vom 15. September 1924 und einer Cinlösungsfrist bis einschl. 15. Oktober 1 9 2 4 aufgerufen. Der Umtausch gegen andere Zahlmittel erfolgt innerhalb b'.eser Zeit bei allen Cisenbahnkassen. Rach dem 15. Oktober 1924 eingehende Cinlösungsanträge müssen grundsätzlich abgelehnt werden. (Siehe heutige Anzeige.) ** Gegen bie Autoraserei. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Roß hat im Landtag eine Anfrage eingebracht, in der es heißt: „Ist es der hessischen Regierung bekannt, daß die zulässige Höchstfahrt von 30 Kilometer pro Stunde an den Orlen der Bergstraße durch die Kraftfahrzeuge weit überschritten wird und daß schon verschiedene Anglücksfälle, sogar mit tödlichem Ausgange, zu verzeichnen sind? Ist die hessische Regierung bereit, den ganzen Bezirk Bergstraße, und zwar von der Stadt Heppenheim bis einschließlich Bickenbach-Seeheim, als Sperrgebiet zu bezeichnen?" •• Sonntagsfahrkarten nach Schot- t e n liegen auf dem hiesigen Bahnhof aus. Mitbürger, die zu der morgigen Einweihung der (Siebener Jugendherberge auf dem Hoherodskopf fah- ren wollen, feien auf diese OKögnajiett zur verbilligten Sisenbahnfahrt besonders aufmerksam gemacht. *♦ Einabgefeimter Schwindler versuchte gestern zwei hiesige Hotelbesitzer zu begaunern. In beiden Gasthöfen traf nachmittags ein Bries ein, in bem ein Herr (der Rame lautete verschieben) ersuchte, ihm ein Zimmer bereitzuhallen, in dem er nach seiner Ankunft am Abend absteigen wollte; im Laufe des Rack- mittags werbe aber ein Paket für ihn abgegeben werben, welches er anzunehmen unb ben fälligen Betrag einstweilen zu bezahlen bitte. Der Besitzer des einen Hotels durchschaute daS Manöver auf den ersten Blick, benachrichtigte bie Polizei unb bekam bann auch einen Beamten zum würdigen Empfang deS ehrenwerten Zeitgenossen zugeteill. Rach geraumer Zeit erschien denn auch der „Bote" mit bem fraglichen Paket, für welches er von bem Hotelbesitzer nur 27 Mk.. dagegen einige Minuten später von dem als Holelangestelllen auftretenden Beamten 7,50 Mk. forderte Während der Hotelbesitzer einige Augenblicke nicht zugegen war, gelang es dem (Sanner trotz des Polizeibeamten zu entwischen. In dem zweiten Hotel h.tt er auf den Besuch verzichtet. Da anzunehmen ist. daß der Geselle seinen Trick in gleicher ober ähnlicher Weise auch an anderen Plätzen versuchen wirb, sei hiermit zur Vorsicht geraten. * Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hat hier eine RevistonS- und AuStunftSstelle errichtet. Die Auskünfte werden kostenlos erteilt. Näheres in der heutigen Bekanntmachung. Bornotizen. — $age6falenber für SamStag. Radio-Opermabend in bei Lesehalle Kirchen- plah 9 ab 6V2 älhr. — Rundfunkhaus Löberstraße: Opernhaus. — Sächsisch-Thüringische Landsmannschaft Gießen. 8l, 2 ilfor außerordentliche Versammlung im „Pfälzer Hof". — Vereinigter Männerchor Harmonie-Gemütlichkeit. 71/2 IIbr. Kathol. Vereinshaus: 78. Stiftungsfeier. — Völkisch-sozialer Block und Ratwnalsozialistische Frei- heitspartei 8V2 übr in der Turnhalle Oswalds- garten: Vortrag von Dr. Krebs-Frankfurt a. M. über „Deutschlands Versklavung". — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Mutter, dein Kind ruft" — Hessische Bilderbühne: „Die letzte Fürsttn". — Astoria-Lichtspiele: „The Fox". — Tageskalender sür Sonntag: V. Sy C. Wanderung Ridda—Gedern, Abfahrt 8.16 älhr. — Einweihung der Gießener Jugendherberge auf dem Hoherodskopf, Abfahrt 8.16 Alfjr. — Stadttheater V/2 Uhr „Die fünf Frankfurter". — Verein Rudersport und Akad. Ruder-Abteilung: Rachm. 2 iihr Dootstaufe und Abrudern, abends Familienfeier. — „Die Wanderer", Gießener Radf.-Ges. v. 1896: Abfahren 9 älhr vorm. zum Straßenrennen am Schühenhaus. 0Tb 3 ilftr nachm. Vorführung verschied. Radspiele. — Lichtspielhäuser: Siehe Samstaa. — Der Bauerscye Gesangverein beranftaltet am Sonntag. 19. Oktober, nachm. 4 injr, in der Reuen Aula der ilnioerfität unter Leitung seines Dirigenten Otto Gör lach ein Wohltätigkeitskonzei-t zum Besten der Kriegs- blinden. Als Solisten wirken mit: Konzertmeister Ehr. Hüttenberger aus Bad Homburg (Violine), ein geborener Gießener, Pianist 3ul. Hahn und Mitglied Kurt Richter (Tenor). Der Besuch des Konzerts sei in Anbetracht be8 edlen Zwecks bestens empfohlen. (S. Anzeige.) — Eine Deamtenversammlung des Deutschen Deamtenbundes findet am Dienstag abend auf der Liebigshöhe statt. Räheres in bet heutigen Anzeige. ___ Hl 4877V Selbst In M Id eben pensfon ate braucht man . Sei fix-.das probate. 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Rübsamen Montag, den 15. ©ffober 1924 vormittags 10 Uhr, versteigere ich in Lollar (Bürgermeisterei) zwangsweise gegen Barzahlung einen jährigen reinrassigen Deutschen Schäferhund. 79261) Junker, Gerichtsvollzieher s°, Alicestraße 11 n-b-n s,n. s°f Bekanntmachung. Der Herr Neichsminister der Finanzen hat mit meinem Einverständnis das auf Goldmark u. Dollar lautende wertbeständige Notgeld der Deutschen Reichsbahn mit den Ausgabedaten vom 23. Oktober 1923 und vom 7. November 1923 mit Wirkung vom 15 Seotember 1924 und einer Einlösungsftist bis einschließlich 15. Oktober 1924 aufgerufen. Der Umtausch gegen andere Zahlungsmittel erfolgt innerhalb dieser Zeit bei allen Eifenbahnsparkassen. Nach dem 15. Oktober 1924 eingehende (Einlöfungsanträge müssen grundsätzlich ab- gelehnt werden. Berlin, den 9. September 1924. Der Neichsverkehrsminister in Vertretung 7933id gez. Kumbier Anläßlich des Gallusmarktes in Grünberg verkehren am Mittwoch, den lö.Ohtober 1924 folgende Sonderzüge: 43vNchrn.^ -ab §ich an»6^Äbds. 413 „ 1 an Nied.-Bessingenab '6« „ 453 „ ab „ „ an 458 w an Ober-Bessingen ab 622 „ 459 „ ab „ „ an 6^8 „ 503 w an Münster ab 824 „ 504 „ ab „ an 623 „ 508 „ an Ettingshausen ab 619 „ 509 „ ab „ an 6Ü ,, 5'3 „ an Harbach ab 614 „ 514 „ ab „ an 62 5’0 „ an Queckborn ab 6-2 n 521 „ ab „ an 6'2 532 „ 'an Grünberg ab b55 „ Butzbach, den 10. Oktober 1924. Dutzbach-Licher Eisenbahn. Die Bahnverwaltung. 7904O Bekanntmachung. Die Bauhütte für die Kreise Gießen — Wetzlar, soziale Baugesellschaft m. b. Sy, Gießen, ist zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an die Kanalisation der Stadt Gießen auf Grund der Bestimmungen vom 1. August 1904 hiermit zu- gelasien worden. Gießen, den 4. Oktober 1924. 79028 Der Oberbürgermerster. I. V.: 0r. Frey. Wild-Ankauf! 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Presber und Stern: Kreuzfeuer. Ein deutscher Medizinmann, eine grurLehr- liche Haut, fabelhafter Erfinder und Men'ch!etts° beglücker hat zwei Söhne drüben, den einen m Reuyvrk, den andern in Rio, die als Selfmademen ihr Glück gemacht haben. Zum sechzigsten G<^ burtstag des Alten führen sie den Eltern ihre Frauen ins Haus, der Reuyorker eme ausgepichte Doltarprinzessin mit „Mungo . Schrank-' koffern und ausschlieblichem Interepe für oport, Tanz, Kleidern, Vergnügen: der Sudamerckmer eine berühmte Sängerin zwar, über Duch^ eine gleich gute deutsche Hausfrau. In wenig W?. heben beide Brüder im Verkehr mit den schone Schwägerinnen spitz, daß sie ja eigentlich in un- glücklicher Ehe leben. Der Eudamenckaner sieht in der forschen Lollarprinzessm aus dm U- S. 21. .seinen Typ ' und der, trotz aller ^uchngkett tm Gelbverdienen, immer noch leicht sentime tat an- ochauchte Drud:r findet in der Schwägerin die Srau, die ihm ein deutsches Heim auf fremder Erde schaffen kann, mit teuth.er Musik deutscher Gemütlichkeit, deutschem Kinder- Lhen Was tun, spricht Zeus! In: der Alten Welt wäre die Situation zur -pragodie reis. Dis fmarte Amerikanerin zerbricht sich jedoch Mit SenBraucht Oberhesfen zwei Handelskammern? Liese Frage haben wir im vorigen Jahre (Ar. 271 des „(Zieh. Anz." vom 17 Vor». 1923) schon aufgeworfen und verneint. Die Giehener Handelskammer hat daraufhin in Ar 271 unseres Blattes vorn 21. Rov. 1923 in eingch nden Darlegungen mitgeteilt, dah auch sie gut dem Standpunkt steht, eine einzige Handelslammer sei zur Vertretung der Belange von Handel und Industrie in Ob:rHessen ausreichend and könne auch mit vollem Erfolg tätig sein, sofern sie am Brennpunkt des öffentlichen Lebens in unserer Provinz, also in der Provinzialhaup.stadt Gießen, ihren Sih habe. Die Handelskamn.e.- Friedberg, der wir in unserer Ar. 295 vom 15. Dez. 1923 das Wort gaben, hat, wie auch früher schon, eine Bereinigung der beiden Handelskammern Giehen und Friedberg abgelehnt, ohne aber mit ihre Begründung uns und auch andere überzeugen zu können. Unser Vorschlag, die beiden Kammern zu vereinigen, ging aus von der Erwägung. dah durch diese Maßnahme die Position der vberhessischen Industrie und Handelsvertretung gegenüber den vielfachen und schweren Aufgaben ber neuen Zeit ganz auherordentlich gestärkt werdeii würde, und dah die Kammermitglieder durch die Ausschaltung einer Dvppelarbeit an vielfach ganz einheitlich liegenden Verhält - nissen und Fragen sparen könnten, d h die Handelskammerheiträge allgemein leich er trag' 6ar würden, ohne die hinreichende Vertretung der Kammerinteressen selbst zu gefährden Beim Vorstand der Friedberger Handelslammer schlugen diese Gesichtspunkte nicht durch. Wir gewannen damals schon Klarheit darüber, dah die Ablehnung des Friedberger Kammervorstan- bes der ganzen Lage der Verhältnisse nicht gerecht wurde. Daß die Friedberger Kammermitglieder den schweren Durck des jetzigen Zustandes bitter empfinden, ist nun deutlich sichtbar geworden. In einer öffentlichen Versammlung in Bad-Aau- heim, zu der die Vereinigung des Bad-Aauhei- mer Einzelhandels und die Hotina (Hotel-Industrie) die Mitglieder sämtlicher Wirtschaftsvcr- bände eingeladen hatten, verhandelte man über die Höhe der Handelskammerbeiträge. Es kamen dabei, wie wir in unserer Ar. 236 vom 7. Oktober ds. Is. berichteten, allerlei Klagen über grohe Härten und Belastungen bei der Veranlagung zum Ausdruck. Der Präsident der Friedberger Handelskammer, Kommerzienrat Langsdorf, mußte anerkennen, daß die Beiträge hoch sind, und der Aedner schilderte, der „Bad-Aauheimer Zeitung" zufolge, Fälle, „bei denen Firmen im Dezirk bis zu 6000 Mk. Beiträge zahlen sollen und einfach erklären, nicht dazu in der Lage zu fein". Schließlich wurde eine Kommission gewählt, die mit der Friedberger Handelskammer über die Herabsetzung der Beiträge verhandeln soll. Wie der Kammerpräsident Kommerzienrat Langsdorf mitteilte, wird es wohl so kommen, daß für das laufende Jahr nur die H ä l s t e des Beitrags zu zahlen fein wird. Bevor die Versammlung zu diesem Ergebnis der Aussprache gelangte, hatte Präsident Langsdorf betont, daß die Friedberger Kammer, wenn sie ihre Geschäfte durchführen solle, mindestens 21 500 Mk. einnehmen müsse. Bei dieser Bezifferung ist der Redner zweifellos von der vollen, auch von ihm als hoch anerkannten Bemessung der Beiträge ausgegangen. Wenn er sich nun nach seiner späteren Erklärung mit dem halben Beitrag begnügen will, so ergibt sich wohl —da man nicht, annehmen kann, daß die Beitragssätze ursprünglich höher als notwendig bemessen waren —, dah als wichtig erkannte Aufgaben der Friedberger Kammer nicht zur Durchführung werden gelangen können. Daß ein solcher Verzicht in dieser Zeit des schwersten Wirtschaftskampfes für die Kammermitglieder überaus schmerzlich und auch für die Allgemeininteresfen wenig dienlich ist, liegt auf der Hand. Aller Voraussicht nach werden wir aber nicht nur in diesem Jahre, sondern noch auf lange Zeit hinaus mit überaus schweren Wirtschaftsverhältnissen zu kämpfen Haben. Wenn man sich nun heute schon auf den Verzicht einstellt, nur weil die Zahlungskraft der Mitglieder nicht ausreicht, so kann man sich mit Leichtigkeit klarmachen, dah man in der Folgezeit nur sehr schwer, wenn überhaupt wieder dazu Lammen wird, mit den Erfordernissen der Zeit gleichen Schritt halten zu können. Dah unter solchen Verhältnissen die berechtigten Belangs von Handel und Industrie in den Kreisen Friedberg. Büdingen und Schotten sehr leicht ins Hintertreffen geraten dürsten, ist naheliegend. Aus dieser Betrachtung der Dinge ergibt sich erneut die Frage: Braucht Oberhessen zwei Handelskammern? Aach dem. was aus der Rau- Heimer Versammlung herausgekommen ist, müssen wir diese Frage heute noch entschiedener verneinen, als früher. Für Handel und Industrie in den Kreisen Friedberg. Büdingen und Schotten wäre es zweifellos am besten, wenn es zu einer Bereinigung der Fried b e r g e r und der Giehener Handelskammer käme. Die Wirtschaft im südlichen Teile unserer Provinz hätte dann die Gewißheit, dah ihre Be a ge in vollem Ausmah zur Geltung g.bracht wer- den könnten Lind auch an den Kosten w rde der Einzelne sparen können, denn nach alter Er- fahi-ung worden die Lasten für den Einzelnen immer in dem Mähe leichker. je gröher der Kreis derer ist, die die Gesamtheit der Kosten zu tragen haben. Wenn sich jetzt die Aauhe mer Versammlung auch gegen eine Verschmelzung der beiden Kammern ausgesprochen hat, so bars man Liese Stellungnahme noch nicht als Endentscheidung in dieser Angelegenheit ansehen, denn einmal war die*e Versammlung nur total begrenzt, und zum andern hatte, wie man aus einer Bemerkung der „Dad-Rauheimer Zeitung" entnehmen kann, eine Anzahl der Versammlungsteilnehmer infolge der vorgerückten Stunde das Versammlungslokal vor Echluh verlassen. Cs wird mir daraus an- kommen, we sich die Gesamtheit der Friedberger Kammermitgliedor zu der neuen 2a#? der Dinge ein stellt. Wie die Belange dieser Kreise am besten zu wahren sind, dürfte nach den Lehren der Rauheim, r Versammlung und nach unseren vorstehenden kurzen Anmerku ngen für seien Kaufmann und Industriellen des Bezirks, der streng kausmännisch rechnet, wohl nicht mehr zweifelhaft sein. Die Giehener Jugendherberge aus dem Hoherodslwps. Wer das Gebäude, das dem Verband für deutsche Jugendherbergen zum Ausbau als Herberge vom ötaate zur Verfügung gestellt wurde, vor einem halben Jahre kannte, der kennt es heute immer nicht mehr wieder. Fußböden, Wände und Decken sind mit sauber gehobelten Brettern verkleidet, und die Hand des Anstreichers hat den Wänden freundliche und hübsche Farben gegeben, während die Decken nur ein durchsichtiger Lack überzieht. Das Erdgeschoß wird durch eine Bretterwand in einen Vorraum, der zugleich Küche ist, und einen Schlafraum für Mädchen geteilt. Hier harren 7 Betten mit prall- gestopften Strohsäcken der Benutzung. D. h. eigentlich muß es heißen Holzwollsäcke, Stroh konnte der Vogelsberg nicht entbehren. Ein Tisch mit einigen Schemeln, darüber ein geflügelter Drache, der auf dem Kopf eine Kerze trägt, und einige Kleiderhaken und Bilder ergänzen die Inneneinrichtung. Dom Dorraum führt eine bei den gegebenen Raumverhältnissen notwendigerweise enge und etwas steile Treppe zum Vorplatz des Obergeschosses und zum Schlafraum für Knaben, der 12 Betten, einen Tisch und 8 Schemel aufweist und durch einen fünfarmigen Leuchter aus schwarzein Holz, der an dicken runden Schnüren von der Decke herunterhängt, beleuchtet werden kann. Für den Winter haben zwei Betten dem Ofen weichen müssen und sind als drittes Stockwerk dicht unter der Decke verstaut. Eine handfeste umklappbare Leiter ermöglicht den Aufstieg zum Dachraum, der noch ein wenig vom früheren Zustand des Hauses ahnen läßt. Ein Aufbau dieses Raumes war nicht mehr möglich, da der Lehm der Zwischendecke und der Wandgefache in diesem nassen Jahr nicht trocknen wollte. Das Dach dagegen ist neu hergerichtet und bietet mit seiner Dretterverschalung, der Dachpappen- und der Ziegellage einen sicheren Schutz gegen Regen und Schnee. Wenn der Winter abgezogen ist und die Sonne das nachgeholt hat, was sie dieses Jahr versäumte, werden auch hier Boden und Wände mit Brettern verkleidet und eine größere Zahl Strvhsäcke einfaches Aachtlager gewähren. Die äußere Schindelung des Hauses ist zunächst nur ausgebessert worden, der Anstrich dagegen auf nächstes Jahr verschoben, das auch den Anbau einer geräumigen Halle und eines Holzschuppens bringen wird. So hat das alte Haus eine neue Aufgabe erhalten und wird ihr lange Jahre dienen können, wenn nur die Jugend, für die es hergerichtet wurde, es mit Ehrfurcht und Liebe behandelt. Vor beinahe 70 Jahren erbaut (der Zimmer- mann, der das Gebälk aufstellte, lebt noch in Breungeshain) hat es zuerst Zwecken der Forstbehörde gedient, wurde später als Schutzhütte benutzt, hat im Kriege gefangenen Russen und ihren Wachmannschaften Obdach gewährt und war dann verwahrlost und unbegreifucherweise dem Verfall preisgegeben worden. Im vergangenen Frühjahr sollte es abgebrochen werden, da hat es der Verband für deutsche Jugendherbergen gerettet, und die Gebefreudigkeit der Gießener Einwohnerschaft hat es ermöglicht. eine gediegen ausgebaute und gut e ingerichtele Jugendherberge daraus zu schaffen, die der gesamten wandernden Jugend gastlich offen steht, Die die Bedingungen des Verbandes erfüllt und Willens ist, sich der Herbergsordnung zu fügen, Ueber die Möglichkeit der Benutzung, die vorherige Anmeldung usw., wird eine Bekanntmachung in der nächsten Woche noch näheres bringen. Hier fei nur noch dankbar der Firmen gedacht, die durch ihre Mitarbeit, durch Geschenke unb anderweitige Unterstützung den Bau fördern halfen. Dr. F. timents nicht lange den Kopf. Die mangelhaften Sprachkenntnisse allein machen ihr einige Schwierigkeiten, so schnell das erlösende Wort zu finden; was sie will, weiß sie sofort: ein Tauschgeschäft: eine Lady nimmt nicht, ohne daß sie wiä>ergabt. Sie nimmt der Schwägerin den Mann und überläßt ihr großmütig den eigenen. Alle Teile sind mit verblüffender Fixigkeit — time is rnoney — vollkommen einig, die Frauen bzw. Männer zu tauschen wie die Schlipse. Die gute Mama macht in ihren etwas hinterm Mond gebliebenen An- schauimgen von Liebe, Ehe und Treue zwar ein etwas sorgenvolles Gesicht, aber auch nur für Minuten, dann ist auch sie im Bilde, und ihr Gatte wird sich übers Jahr ebenfalls damit abgefunden haben. Man erstaunt über nichts mehr, höchstens darüber, daß zweie nötig waren, dies Ei des Kolumbus auszubrüten. Die gestrige Erstaufführung holte unter T e l e k y s Regie mit Hilfe einer ausgezeichneten Besetzung alle liebenswürdigen Seiten des Stückes geschickt heraus. Zum gut Teil werden die Herren Presber und Stein ihren Gießener Erfolg Fräulein Rita Andre zu verdanken haben, der die fesche, grazöse Amerikanerin mit ihrer Kleiderpracht und ihrem liebenswürdigen Plappermäulchen wie aus den Leib geschrieben war. Eine gleich gute Akquisition scheint Fräulein Maus A elfen zu sein. Beide Damen werden gewiß auch in schtvierigeren Rollen, als sie das harmlose Plau- Aus der Provinz. Landkreis Gictzcn. X Lang-Göns, 10. OIL Die Landwirte sind zur Zeit mit allen Kräften an der Bergung der Kartoffelernte beschäftigt. Tag für Tag sieht man jeden Morgen ganze Wagen beladen mit Landwirten, Stadtkindern und Kunden hin- ausfahren, um die kostbaren und unentb-hrlichen Erdäpfel dem zersetzenden Witterungseinfluß zu entziehen, ileber den Ausfall der Ernte läßt sich zur Zeit noch nichts bestimmtes feststellen, denn wie die Fäulnis sich weiter entwickelt, wird im Frühjahr erst abschließend zu Tage treten. Wenn alle Knollen gesund und ohne Fehler wären, könnte man mit einer guten Ernte rechnen. Die Fäulnis ist ganz verschieden, je nach der Beschaffung des Bodens und der Auswahl der Sorte. Ärn meisten haben unstreitig die warten und seinen Spcisekartofftln (Industrie ud Elli Pepo) gelitten. Rotschalige, welche, nebenbei bemerkt, kaum noch angepflanzt werden, haben die nasse Witterung weit besser überstanden. * Saubringen, 11. Oft. Morgen findet die diesjährige Obstausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Daubringen statt. Die Ausstellung wird mit den verschiedensten Sorten Obstes und Gartenbauerzeugnissen beschickt werden und dürfte daher für jeden Obstzüchter und Garterbautreibenden von großem Interesse sein. * Grünberg, 11. Oft. Die Butzbacher— Gießer Dahn läßt aus Anlaß des Gallus» marktes am Mittwoch Sonderzüge zwischen Lich und Grünberg laufen. Man beachte die heutige Anzeige. l. Hungen, 10. Oft. In der jüngsten Ge- meinderatssihung wurde die 10jährige Vorauszahlung der Haftpflichtversicherungs-Prämie beschlossen, um dadurch in den Genuß von 2V2 Freijahren zu gelangen. Auf das bei der letzten Holzsubmission aus- gebvtene Eichen st ammholz wurde, des geringen Angebots wegen, ein Zuschlag nicht erteilt. Das Holz soll erneut in dem gesamten noch unverkauften Eichenstammholz zur Submission gebracht werden. Die zur Herstellung der Bismarck st raße erforderlichen Arbeiten und Lieferungen wurden mit einer Ausnahme den Wenigstnehmenden übertragen. Da sich für die zum Derkauf zu bringenden Gemeindehäuser in der Dellersheimer Straße mehr Reflektanten gefunden haben, als Häuser vorhanden sind, soll die Angelegenheit in einer besonderen Besprechung der Interessenten zu regeln versucht werden. Mehrere die Wohnungsfürsorge betreffende Fälle wurden besprochen, ohne daß der Gemeindebehörde die Möglichkeit geboten ist, wirksame Abhilfsmaßnahmen zu treffen. — Durch die bessere Witterung in der letzten Zeit haben die noch rückständigen Erntearbeiten gute Fortschritte gemacht. Das Grummet ist zum größten Teil eingebracht, jedoch in sehr minderwertiger Güte. Gegenwärtig ist man mit dem Einbringen der Kartoffeln beschäftigt. Diese haben durch die nasse Witterung sehr durch Fäulnis gelitten, so daß sich auf manchen tief gelegenen, nassen Aeckern das Ernten kaum lohnt. — Im vorigen Vierteljahr sind in der hiesigen Stadt 7 Kinder (6 Knaben und 1 Mädchen) geboren. Sieben Brautleute schlosien die Ehe unb 3 hochbetagte (81, 82 und 83 Jahre) starben. Starkenburg unb Rheinhessen. * Darmstadt 10. Oft. (Eigener Bericht.) Der Bund der Ausgewi es enen freier Berufe in Darmstadt hat an das hessische Ministerium einen offenen Brief gerichtet, der sich mit den Richtlinien des Reiches für die Rückkehr der Ausgewiesenen befaßt. Es wird darin beanstandet, daß die Richtlinien das Darlehen auf den Höchstbetrag von 3000 Mk. beschränken. Troy der großen Zahl der Ausge- wiefenen habe das Reich nur eine Summe von 500 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Es sei daher ausgeschlossen, daß die Höchstsumme von 3000 Mark auch nur bei einem Bruchteil der Gesuchsteller erreicht werden könne. 3000 Mk. reichen zur Wiedererrichtung der Existenz eines Geschäftsmannes nicht im entferntesten aus. Die Bestimmungen über die Betreuung in den ersten Monaten nach der Rückkehr mit den reduzierten Unterstützungssätzen seien allzu schematisch. In manchen Fällen sei ein Ausgewiesener schon gezwungen, die gewährte Geldunterstühung für den Rücktransport seiner Möbel auszugeben, so daß ihm nichts mehr verbleibe für die Instandsetzung seiner Wohnung und den Wiederaufbau seiner Existenz. Hessen-Nassau. S. Frankfurt a. M., 10. Oft. Seit jeher ist Frankfurt wegen seiner Lage die Stadt der deutschen und internationalen Kongresse gewesen. Besonders in diesem Jahre wurden hier viele Tagungen abgehalten, und gerade augenblicklich kann man sagen, daß in Frankfurt ein Kongreß den andern ablöst. Fast zu gleicher Zeit wurden der Historikertag, die Tagung des Bundes für Gegenwartschristentum und die internationale derstückchen gestern bot, „ihren Mann" stellen. Karl (Bold und Auguste Marcks waren ein würdiges Clternpaar, Felix A o r f o l k und Julius Safte, Brüder, deren Anpassungsfähigkeit an amerikanisches Tempo erstaunlich war; Max Hoffmann, ein Major a. D. und Schürzenjäger mit leisem Stich inS Unsympathische. Gut herausgearbeitet war ebenfalls die erfreulich gradherzige Sophie Frau Schubert- Jünglings. ~e. Uraufführung in Mainz. Im Mainzer Stadttheater fand die Uraufführung von „Alexander", Schauspiel in drei AHen von Gerhard Halm statt. Das Rmgen des großen Mazedoniers mit dem Zweifel, ob er göttlicher oder menschlicher Abstammung fei. dessen dramatische Gestaltung auch schon Hebbel be chäf- tigte, hat Gerhard Halm recht geschickt in den Mittelpunkt seines neuen Schauspiels geteilt. Geschichtliches verwob er mit rein Menschlichem und kleidete beides in Sprache und Form, die auf» horchen ließen und Veranlassung sein werden, das weitere Schäften dieses jungen Dichters aufmerksamer zu verfolgen. Rur möge er sich selbst treu Weißen und nicht wie im dritten Akte fernes Alexander" Stilversuche unternehmen Die 6earg Kaiser näher und eigener" sind wie Gerhard Halm. Das Werk ist erfüllt mit großer Wärme und Versammlung der Köche abgehalten. Im näch» sten Jahre wird die Hochflut der Kongreffe an- halten, denn schon jetzt ist eine Reihe von großen Veranstaltungen vorgesehen. So werden wir 1925 haben: Eine imernalionale Hundeausstellung, eine große internationale Geslügelausstellung und eine internationale Kochluirstausstellung. Außerdem ist eine Reihe von internationalen sportlichen Veranstaltungen geplant, mit Feuerwerken an und auf dem Main, die in Dombeleuchtungen ihre Krönung finden sollen. Daß Frankfurt es auch versteht, Feste zu feiern, hat nicht nur das große Radfahrerbundesfest gezeigt, es wird jetzt neuerdings auch bestätigt durch eine amtliche Aus« laffung des ©. d. A., der im August seinen Bundestag hier abhielt und in der es heißt, daß dis Herzlichkeit der Darbietungen nicht zu übertreffen gewesen wäre. Da jede Veranstaltung viel Geld nach Frankfurt bringt, ist man natürlich nach Kräften bemüht, sie zu fördern, wenn auch der Einzelne bald einmal der vielen Feste müde sein wird. — In der Arbeits Marktlage der Stadt ist eine leichte Besserung eingetreten. Rur in den kaufmännischen Berufen war eine weitere Verschlechterung zu verzeichnen. Die Zahl der Arbeitsgesuche betrug in der letzten Woche 13 302. Am Schluß der Woche waren noch 11 600 Arbeitsuchende gemeldet. In Crwerbslosenunterstühung befanden sich 6471 Haupt Unterstützungsempfänger und 2502 Zuschlagsempfänger. Wirtschaft. Dürfe und Geldmarkt. Die schleichende innerpolitische Krise nahm der Dorfe in der abgelaufenen Woche jegliche Unternehmungslust. Selbst am Anleihemärkte herrschte eine gewisse Mutlosigkeit und Reigung zum Qlbba'u bei Engagements Die De* ratungen des Aufwertungs-Unterausschusses haben bisher nur das eine positive Ergebnis gezeitigt. daß die Regierung an dem kürzlich vom Reichsfinanzminister dargelegten Standp.mtt zur Anleihefrage festhält und daß sie selbst Antrag n von Vertretern der jetzigen Regierungsparteien gegenüber immer wieder betont, daß die (Sven tat einer Auswertung durch den Reichs tat und die vorhandenen Mittel klar festgelegt sind. Die Au- leihespekulation sieht mehr und mehr ein, daß ihre Chancen stark zufammenschrumpsen Cs fehlt auch an Mitläufern aus den außerhalb der Börse stehenden Kreisen. Trotz des stillen Geschäfts konnten im Gegensatz zu den Anleihen die meisten Jndustriepapiere ihren Stand gut behaupten und zum Teil sogar etwas verbesiern. Wenn man von wenigen Ausnahmen absieht, zeigen die m letzter Zett veröffentlichten Hmftcl» lungsvorschläge deutlich das Bestreben der Verwaltungen, den Interessen auch der kleineren! Aktien^siher Rechnung zu tragen. Die Warnungen verschiedener Danken sind nicht ungchört geblieben. Ernste Sorge bereitet der Industrie noch immer die Frage der Deschaffung von Betriebskapitalien. Der Erholungsprozeß wird durch die Kreditschwieftgkeiben außerordentlich gehemmt und verzögert. Die unklare innerpolitische Lage und der schleppende Gang der Londoner Anleiheverhandlungen wirken natürlich auf die Bemühungen der Industrie, Auslandkredite zu bekommen, ebenfalls retardierend. Im Inlands ist Geld auf mehrere Wochen oder gar Monate hinaus im freien Markte kaum erhältlich, da allgemein Ungewißheit über die künftige Ge- ftayung der Zinssätze herrscht. Kurzfristiges Dörsengeld ist hingegen ziemlich leicht zu bekommen. 1 * Die Verordnung über den Abbau der Devisengesehe ist, wie die „Doft. Ztg." hört, fertiggestellt und bedarf nur noch der not» wendigen Unterschriften. In dem Verordnungsentwurf wird der Begriff der Devisenbank beibehalten, jedoch wird der Charakter der Devisenbank in Zukunft von den obersten Landesbehvrden verliehen werden und nicht mehr durch den De» visenkommisfar, der abgebaut wird. Verboten bleibt der Devisenterminhandel, soweit er sich auf Geschäfte in Devisen gegen Mark erstreckt. Beide» halten wird auch der Einheitskurs, jedoch will man diese Bindung möglichst bald in Fortfall kommen lassen. Auch die Auskunstspflicht der Devisenbanken wird in begrenztem Umfange bei» behalten. Den Wechselstuben wird durch die Verordnung bis zu einem gewissen Grade die Abgabe von Valuten gestattet. * Die Draunkohlenfunde in der Rhvn. Von sachverständiger Seite wird der „Deutschen Bergwerks-Zeitung" u. a. geschrieben: Die Rhön birgt zweifellos Draunkohlenvorrom- men, welche ernste Beachtung verdienen. Der fett Jahrzehnten bereits in schwachem Maße darauf betriebene Bergbau ist durch die Unzulänglichkeit der Kräfte stark beeinträchtigt worden, welche sich daran versucht haben. Technische Fehlgriffe, falsche Einschätzung der Wirtschaftsmöglichkerten und unzureichende Geldmittel haben an der anscheinend aussichtsreichen Stelle zu einer großen Mißwirtschaft geführt und ein Vertrauen auf die Braun« kohlenvorkammen der Rhön bisher nicht auf. Lebendigkeit, die sich bei den Aktschlüssen zu drw matischen Höhepunkten steigerten. Die Inszenierung durch den Oberspielleiter Peterß brachte alle Schönheiten der Dichtung zu wirkungsvoller Geltung, der Bühnenbilder Wilh. Gulleus ir ihrer berückenden Schönheit sei besonders gedacht. Dichter, Spielleiter. Bühnenbildner und Darsteller wurden oft und herzlich gerufen. Rudolf Dusch. Grecos Nachlaß. El. Ein Verzeichnis über den gesamten Mo- biliarbesitz, den Greco seinem Sohne Jorge Manuel als Erbteil vermachte, ist nach einem Bericht des „Cicerone" von dem königlichen Delegierten für staatliche Kunstpflege m Toledo, Don Francisco de Borrja de San Roman ent«- Leckt worden. Es waren mehr als 200 Gemälde vorhanden, religiöse Darstellungen und zeitgenössische Porträts von Kavalieren; durch die Angabe der genauen Masse, zum Teil auch der Rainen der Dargestellten ist das Verzeichnis ein wichtiges Hilfsmittel zur Feststellung der vorläufig dem Greco zugeschricbenen Bilder. Auch em Katalog der Bibliothek des Künstlers ist darin vorhanden, in der namentlich zahlrmche Traktate über Architektur enthalten waren DaS Dokument ist offenbar eine Ergänzung des Tena- ments, durch das Jorge Manuel Thevtococuli als Erbe seines Vaters anerfannt wurde. tOmnren falten. Neuerdings haben ernfte Fachkreise indessen klargestellt, hab daS dem Rhön- braunkohlen Vorkommen gegenüber bisher herrschende absprechende Urteil zum mindesten voreilig ist. * Die Lage der heutschoberschle-- fischen Kohlenindustrie. Heber die Lage der deutschoberschlesrschsn Kohlenindustrie berichtet das Fachblatt „Industrie-Kurier": Der Kohlen- Industrie Deutschoberschlesiens geht es noch immer besser als der Eisenindustrie. Die groben Sorten werden so lebhaft gefragt, dah die gesamte Förderung hierin ohne Schwierigkeit untergebracht werden kann. Besonders bemerkbar macht sich auch die Eindeckung des Bedarfs von Hausbrandtohlen. 3m Gegensatz zu den groben waren die kleinen und mittleren Sorten nach wie vor nicht unterzubrin-- gen, vornehmlich wegen der anhaltend schlechten Wirtschaftslage der diese Sorten hauptsächlich verbrauchenden Industrien (Kalstverke, „ Zementwerke und Ziegeleien). Die Haldenbestände, die nach der Beilegung des Mai/Iuni-Streiks sich wieder langsam bildeten, wachsen mehr und mehr an. Es ist zu hoffen, dah die am 18. v. Mts. in Kraft getretene IVproz. Kohlenpreisermähigung eine verstärkte Nachfrage zeitigen wird, so dah die Haldenbestände abgetragen werden können. In letzter Zeit sind wieder umfangreiche Kohlenliefe-' rangen nach Oesterreich erfolgt. Die Kokserzeugung ist wegen der schlechten Absahverhältniss» Älmählich auf etwa 50 Proz. der normalen Produktion eingeschränkt worden, aber selbst die Unterbringung dieser verminderten Produktion vollzieht sich nicht glatt, so dah die kleinen Sorten vielfach gestapelt werden müssen. Die Preise stehen so tief, dah die Kokereien mit Verlust arbeiten. 'Die Nebenprodukte (Benzol, Leer und schwefelsaures Ammoniak) können im allgemeinen zufriedenstellend abgefeht werden. * F. H. Hammersen, Osnabrück. Die Generalversammlung, in der 141 527 000 Mk. Aktienkapital vertreten war, genehmigte den dividendenlosen Abschluh für Ende 1923 sowie die Gvldmarkbilanz und die Kapitalumstellung auf den 1. Januar 1924 nach den Vorschlägen der Verwaltung, wonach u. a. 96 Stück Stammaktien von 1000 Mk. auf 200 Goldmark im Verhältnis von 5:1 umgestellt werden. Eine kleine Opposition legte gegen die Beschlüsse Protest ein. Der Vorsitzende erklärte, dah die in den letzten acht Jahren vor sich gegangene bedeutende Erweiterung der Gesellschaft und der Ausbau zu einem Konzern nicht auf der Ausnutzung der Inflation beruhe, sondern in der Hauptsache mit eigenen Mitteln durchgeführt sei auf Grund einer intensiven Ausnutzung aller Fabrikationsmöglichkeiten, die nach dem Kriege bei der Gesellschaft besonders schnell und durchgreifend eingesetzt habe. Die dberfe seien wieder voll in Betrieb, und es könne voraussichtlich mit einer angemessenen Dividende für das laufende Geschäftsjahr gerechnet werden. * Konkurs wurde über Las Vermögen der Firma Ernst Schäfer G. m. b. H. Textilwaren- handlung in Mainz, eröffnet. Forderungen sind bis zum 10. November anzumelden. * VerhaftungeinesWienerDank- birektvrs. Der Generaldirektor der Nordisch- Ungarischen Bank in Wien, W a l d e g g, ist wegen Detrugverdachts in das Landgericht eingeliefert worden. * Die Reichs-Teuerungsziffer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Hei- Jmg, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft ch nach den Feststellungen des Statistischen tzichsamtes für den 8. Oktober auf das 1,21 fache (in Papiermark auf das 1,21 Bil- Üonensache) der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche (1,19) ist demnach eine Steigerung um 1,7 Prozent zu verzeichnen, die durch weitere Erhöhung der Ernährungskosten hervorgerufen wurde. ' Die AKLienMschANgen. Berlin, 10 Oft. (Wvlff) Die Ermittlungen zur Aufklärung des groben Akiienschwi n - dets führten zu weiteren Verhaftungen. Auher dem Bruder des Kaufmanns und Direktors Werner Jakobi, dem Kaufmann Günther Jakobi, wurde der Direktor Heinrich Römer vom Kur- fürficnöamm wegen Verdunkelungsgefahr und unser dem Verdacht der Beihilfe in Haft genommen. Der bereits in Hast befindliche Blumenthal legte nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab, worin er die Fälschungen zugibt, aber behauptet, er und Bö ck hätten die Absicht gehabt, die aus die Aktien erhaltenen Summen zurückzuzahlen. Da Böck den Direktorposten bei der Batavia-Gesellschaft übernehmen sollte und kein Geld hätte, um die erforderlichen Einzahlungen zu machen, seien sie auf den Gedanken gekommen, Aktien zu fälschen und beleihen zu lassen. Die Aktien hinterlegten sie zunächst bei Rechtsanwälten und Notaren und liehen fie dann durch . Vermittlung Werner Iakobis von der Fürsten- walderSparkasseiu Depot nehmen. Da das Geld für ihre Bedürfnisse nicht ausreichte, heben fie Batavia-Aktien zentnerweise drucken. Außerdem wurden Interimsscheine auf die Danziger Handelsbank gefälscht. Andere falsche Aktien wurden in Erfurt gedruckt. Die Fälschungen haben schon, wie Blumenthal zugibt, im März begonnen. Auch W. Jakobi hat nun ein umfangreiches Geständnis abgelegt. I. wurde nach feinet Darstellung in die Obigelegenbeit verwickelt, als er Geschäftsführer der Viktoria- Gefekkschaft in .Keftchsnvori war, für die er bei der Sanierungscckttvn gröhte Verpflichtungen übernahm, weil er glaubte, sich auf den Aktienbesitz von Böck und Blumenthal stützen zu können. Dah diese Aktten gefälscht waren, erfuhr er erst vor drei Wochen, als der Zusammenbruch kurz bevvrstcmb. Er wollte sich jetzt mit 500 000 Mark, die er sich bei der Brandenburgischen Stadtschast zu beschaffen versuchte, aus der Affäre ziehen, was ihm aber mihlang. Am Sonnabend kam bann die ganze Gesellschaft bei einer Besprechung zu der Heberzeugung, dah ihr nichts anderes übrig bleibe, als das Weite zu suchen, woraus denn auch Böck mit einem anderen Manne, wahrscheinlich W e h r f r i tz , to-ie feftgefteHt wurde, in Richtung SyrnrnoDer abfuhr. Nach Driesen, die inzwischen etngegangen sind, soll er sich in London befinden. Börsenkurse. ') Vom Rück-catzlungswert. Frankfurt a. M. Berlin 5n Simonen Prozent Schluß Kurs Schlutzk. Abend- börse Schlutz. Kurs Schluhk. Mitlagbörse Datum: 9. 10. | u. a 9. 10. 10. 10. 5% Deutsche RetchSanletüe . 4e/o Deutsche RetchSanleihe . 0,49t. 0,52 0,510 0,510 — — ,80 0.80 6'/?/« Deutsche Reichvanleihe S% Deutsche ReichSanleive . Deutsche Svarprännenanlethe 0,81 0,800 0.7U 0,7 — _ 1,300 0,45 1,3 0,45 <% Preußische Konsuls < . . 4% Hessen . . -........ 0,875 — 0,860 1,250 0.86 1,25 3*/.% Hessen........ . 3% Hessen........... — — 1,20 1 2 — — 1,10 1.1 Deutsche Mertb. Dollar-Anl. — — 4,2 4.2 dto. Doll.-Schatz-Anwetsug.') — — 87,75 87,5 <°/e Zolltürken......... — — 10,75 10,25 6% Goldmerikaner...... — — — - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Prtvat-Bank 24,25 4,50 4,65 25 4,75 24 4,625 Darmst. und Nationalbank . — — 9 9 Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank .... 10,10 0,230 10,30 10,125 DiSconto Commandtt .... 12,30 — 12,40 12,25 Metall bank........... 13 13.1 — — Mitteldeutsche Kreditbank. . 1.60 — 1,625 1,70 Oesterreichjjche Cre ditan stall. 0.305 —— 0,3 0,25 Westbank............ 0,25 — 0,4 0,4 Bochumer Guß ........ — — 51 49 Buderus............ — — 10,70 10 Caro.............. 10,90 51.25 — N 11,35 Deutsch-Luxemburg...... — 52,7 Gelsenkirchener Bergwerke. . — — 64,50 Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . 78 — 78,25 13 Kaliwerk Westeregeln..... 15,9 — 16,25 15.5 Laurahütte....... . . . — — 5,70 5.1«3 Oberbedarf.......* . . . 9,75 — 10,13 9.6 Phönix Bergbau....... Rheinstahl........... 38,25 — 39,20 31,62 38,10 31,10 Ricbeü Montan........ — — 35,5 35 Tellus Bergbau........ —- 2,5 — — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llohd..... 4,9 — 27,75 4,80 27.5 4,75 Cheramische Werke Albt» . . — — — — Zementwerk Heidelberg . . 16.75 — —■ — Philipp Holzmann...... 4,93 — 5,13 6,10 Anglo-Cont.-Guano ..... — — 10.13 10,1 Badische Anilin........ 18,65 18,75 18,50 18,63 Chemische Mayer Arap tu . . — — —* —- Goldschmidt.......... — — 12,40 12 Gries! etmer Electron .... 18,25 16/0 .6,40 16,4 Höchster Farbwerke...... 16,13 15.9 16,25 16 Holzverkohlung . . ...... 6 6,10 —• — RütgerSwerke ......... 15,75 — 16,20 16 Schetdeanstalt......... 14 — — — «llg. Elektrizitäts-Gesellschaft 7,90 — 7,9 7,9 Bergmann........... Mninkraftwerke........ 12 12 11,90 8,5 •— — Schuckert............ 37,5 — 38,25 45,75 38,1 Siemens A HalSke...... — — 45,5 Adlerwerte Kleyer ...... — — 2 2 Daimler Motoren. ...... 2,7 — 2,8 2,4 Heyligenstaedt..... • • . Meguin............. — — 9,82 9,1 Frankfurter Armatur«» . . . Konservenfabrik Braun . . . — — 1.25 1,25 Metallgesell'chast Frankfurt. Pet. Union A.-G....... — 1,78 2.6 M Schuhfabrik Herz . ... — —- 3 Sichel.............. 2,80 C 2,95 3,25 3 Zellstoff Waiühof...... — 8,8 8,9 Zuckerfabrik Frankenthal 3,20 3,45 — — Zuckerfabrik Waghäusel . . . 2,75 — — — Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Oft. An der Börse konnte sich heute lebhafteres Geschäft entwickeln, mit Rücksicht auf den Wochenschluh kam es aber nicht zu gröberen Hmsähen. Im Vordergründe standen deutsche Anleihen, die sich wieder stärkerer Nachfrage erfreuten und die an der Nachbörse erzielten Kursgewinne aufrecht erhalten konnten. 5proz. Kriegsanleihe notierten 520, 3V2° pvoz. Reichsanleihe 800, ^/»Pvoz. Preußische Kon- sols 975 (letztere plus 37V» Milliarden Prozent). Auch für Industriewerte lieh sich eine etwas festere Strömung erkennen, namentlich für chemische Werte. Badische Anilin 19 bis 18,950 bis 18' 4 (letztere plus ca. 0,38). Elberfelder Farben 16,45 plus 0,2. Höchster Farben 162/°. Am Elektro- martt, der sehr still verkehrte, wurden AEG. mit 8 und Lahme her mit 11 Vs notiert. Am Bankenmarkt gingen Reichsbankanteile mit 507/s um, ferner notierten Kommerzbank 45/8, Deutsche Der- einsbank 0,230, Metallbank 13,1. Von Transport- werten wurden Baltimore mit 44V2 gehandelt. Sonst kamen noch zur Notiz Mönus 2,5, Julius Sichel 2,95, Stöchicht Gummi 0,075, Frankenthal Zucker 3,45. Im Schluhverlaufe standen nur noch Chemiewerte im Geschäft, für die bei weiter lebhafter Nachfrage feste Haltung vovhielt. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des .Giehener Anzeiger".) Berlin, 10. Oft. Die Berichte über die gestrige Beratung des Aufwertungs-Hnteraus- schusses hüben b:r Anleihe-Spekulation einen starken Dämpfer aufgesetzt. Besonders niederdrückend wirkte die Mitteilung, dah der Hnterausfchuh einmütig zu der Ansicht gekommen sei, dah jeder zu Epekulationszwecken erworbene '.vefttz an öffentlichen Anleihen und berg'., von einer etwaigen Neuregelung der Aufwertung ausgeschlossen fein solle. Die Spekulation muh unter diesen Hmstäuden viele Hoffnungen zunächst begraben und versuche, möglichst rasch ihre Engagements abzubauen. Cs fetzten daher zu Beginn des offiziellen Verkehrs an der Börse ft arte Abgaben ein, die bereits in der ersten Viertelstunde den Kurs für Kriegsanleihe auf 450 drückten. 23er K.-Schätz2 gingen auf 135 und 24er K.-Schätze auf 225 herunter. Der gröhte Teil der Dörsenbefucher verfolgte die Vorgänge am Anleihemarkt mit lebhaftem Interesse. Selbstverständlich blieb dieser Kurssturz nicht ohne Cinflutz auf die übrigen Märkte der Börse. Am Markt der Industrie Papiere lagen so gut wie keine Orders vor, die Spekulation schritt eher zu Realisationen, da natur» gemäh mit dem Anleihrsturz wieder gewisse Befürchtung^ auftauchen und zur Zeit jede Firma Darauf bedacht sein muh, Iigui.be zu bleiben. Unter diesen Umständen gestaltet sich auch die Tendenz am Markt der Industriepapiere eher schwächer. Das etwas künftiger lautende Gerücht über den besseren Geschäftsgang der Industrie wurde kaum beachtet. Auch der Monatsbericht über die Lage der Maschinen-Industrie machte keinen nennenswerten Eindruck. Es kommt hinzu, dah am Wochenschluh ohnehin die Unternehmungslust der Börse nachzulassen Pflegt, diesmal nahn man sich aber ganz besonders vor, aus den ©ngagementS herauszukommen, da man nicht voraussehen kann, was während der zweitägigen Unterbrechung der Börse eintreten kann. Auch die innerpvlitische Lage spielt hierbei eine gewisse Rolle. Arn Geldmarkt sowie am Devisenmarkt toar die Lage unverändert. Am Montanmarkt hatten viele Papiere gröbere Abschläge zu verzeichnen; so verloren Bochumer Guh minus 2,5, Deutsch-Luxemburg minus 2,5, Gelsenkirchen minus 1, Harpener minus 0,4. Am Kalimarkt war die Lage schwach. Es verloren Deutsche Kali minus 1, Westeregeln minus 0,75. Chemische Werte gröhtenteils gut gehalten. Der Elektromarkt tag fast unverändert. Auch die Mehrzahl der Aktten der Metall- und Maschinenbauanstalten notierten zu den gestrigen Schluhkursen, allerdings muhten bei vielen Papieren die ersten Notierungen wegen vollkommenen Fehlens von Umsätzen ausfallen. Der Petroleummarkt lag etwas schwach; so verloren Deutsche Erdöl minus 1. Banken waren gut gehalten. Schiffahrtsaktten zeigten nur geringe Schwankungen. Einen starken Eindruck gab es bei Kanada-Shares. Es handelt sich dabei um grobe Verkäufe, die im Hinblick auf die Nachricht erfolgen, dah in Neuhoick große Posten Don Kanada- Shares zum Verkauf gebracht worden sind und auf Liquidations-Konto der kanadischen Regierung gutgeschrieben und mit den deutschen Inhabern entsprechend der Vorschriften im Liquidattons- geseh verrechnet werden. Im Freiverkehr wurden Kurse genannt, die ca. um die Hälfte niedriger waren, wie die gestrigen Schluhkurse. Am Anleihemarkt trat nach einer schwachen Eröffnung eine mäßige Befestigung ein. Man rechnet jedoch mit wetteren starken Schwankungen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (Qn Billionen Mark auegebrikft. Bueno--Ätre-, London. Res* bart, Japan, Rio de Janeiro für eine Ttnheit. Men unv Budapest für 100000 Ett, betten. alle« übrige für 100 Liubetten.) Telegraphische Auszahlung. ____ (Odne Gewahr.) *). Oktbr- 10. Dttbr. Report. % Nmtlich» Geld | liotieruna Brief Amtliche 'Jlorterum Geld | «rief fl. 10. Amst.-Rott 163,59 20,00 1C4.41 168,79 164,61 20,00 voll voll voll voll Brff.-Antw 20,10 19,20 Thristiania. 59,95 60,25 60,05 60,35 voll voll Kopenhagen 72,47 13,83 7-.81 74,19 voll voll Stockholm . HclstngforS- 111,37 112,03 111,62 112,18 voll voll 10,49 10,55 10,61 10,57 voll voll Italien. . . London. . . 18,17 18,785 18,27 18,875 18,17 18,805 4,1) s voll voll voll voll Neuhork . . 4,1 J 4,21 4,21 voll voll Paris. . . . 21,61 $1,91 21,52 21,6? voll voll Schweiz . . 8ü,70 80,80 80,70 eo,8i- voll voll Spanien . - Wien in D-» 55,76 16,04 65,96 66,24 voll voll Oeft.abgest. 5,915 5,940 'Ä 5,955 voll voll Prag . . . . Budapest. . 12,48 12,64 12,-6 voll voll 5,45 6,47 5,45 5,49 voll voll Buen.-Aires 1,56 1,57 1,o45 1,65- voll voll Buloarien 3,06 3,08 8,07 3.09 voll voll Japan . . . Rio de Ian. 1,625 1,635 1,625 1,ß36 voll voll 0,465 0,476 0.475 voll voll Setgrab . . 6,085 6,115 6,09 voll voll Lissabon . - 13,72 13,78 13,72 13,78 voll voll Report. Geld Brief Fraiuosifche holländische Italienische '.Notes Raken voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll ®anrnotea (Ohne Gewähr.) Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oefterr., ä 100 Kronen Rumänische 'Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten....... 19,8 ' 78,77 18,89 21,52 168,; 9 18,17 65,01 5.90 2,285 111,59 80,40 55,96 12,495 6,41 Spanische Noten..... Tschechoslowakische Noten Ungarische Noren . . . . Terrfn, 10. Oktbr. vmcrikantsche Noten . Belgische Noten . . .. Dänische Noten . . . . Englische Noten. . . . 19,92 74,13 18.9C 21,62 164,61 18,27 60,8 6,92 2.305 112,15 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „(Siebener Anzeiger" ) Frankfurt a. M., 10. .Oft Es wurden notiert: Weizen 25,50 bis 26,25, Roggen, inländ. 25 bis 26, Svmmergerst efür Drauzwecke 26 bis 29, Hafer, inländ. 22,50 bis 24, Mais, gelb 20.50 bis 21, Weizenmehl, inländ, Spezial 0, 37,50 bis 39, Rvggenmehl 36,50 bis 38, Weizen- und Roggenkleie 12,40 bis 12,60. Tendenz: Abgeschwächt. Frankfurter Schlachtvtehmarkt. Frankfurt a. M., 10. Ott. Auftrieb: 28 Rinder; darunter 12 Färsen und Kühe, 16 Fresser, 979 Kälber, 905 Schafe. Es wurden bezahlt pro Zentner Lebendgewicht: Kälber: feinste Mäst» kälber 70—78, mittlere Mast- und beste Saugkälber 60—69, geringere Mast- und gute Saugkälber 50—59, geringe Saugkälber 40—47. Schafe. Mastlämmer und Masthammel 42 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 32—40. mäßig genährte Hämrnel und Schafe (Merzschafe) 20—30. Marktverlauf: Der Kleinviehmarkt toirb nach anfänglich lebhaftem Handel langsam geräumt. Nächster Schweinemarkt Montag, den 13. Oktober, nächster Rinder- und Kleinviehmarkt Mittwoch, den 15. Oktober. Berliner Produktenbörse. Berlin, 10. Oft. Der Produktenmarft war für inländische Ware heute flau. Weizen daher jetzt feit einigen Tagen wieder erstmals über dem Roggenpreis. Die Mühlen halten mit Käufen zurück. Besonders matt lag ausländische Ware in zweiter Hand, ein Beweis für das schon frühen erwähnte Mihverhältnis zwischen Finanzkräften und Engagement in kleinerem Verhältnis. Nur Mais einigermaßen behauptet. Es notierten pro 1000 Kilo Weizen, märt 225 bis 235, Roggen, märt J225 bis 231, Gerste, märt. 230 bis 260, neue 210 bis 225, Hafer, märt 185 bis 191, Raps 395 bis 400; pro 100 Kilo: Weizenmehl 32,50 bis 35,50, Roggenmehl 32,50 bis 35,50, Weizenkleine 14 bis 14,20, Roggenkleie 13, Viktoriaerbsen 34 bis 38, kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 16 bis 20, Peluschken 17 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 18 bis 19, Lupinen, blau 14 bis 15, gelb 16 bis 19, Seradella, alt 15 bis 17, neu 20 bis 24, Rapskuchen 15,50 bis 15,80, Leinkuchen 26 bis 26,50, Trockenschnihel 14,20 bis 14,50, Torfmelasse 9,50 bis 9,60, Kar toff elf locken 20 bis 20.50 Mart Der Papierkorb. Bei manchen Leuten steht der Papierckorb nut da, um seinen Platz auszufüllen. Es ist das der Platz zwischen Schreibtisch und Fenster ober zwischen Schreibtisch und Bücherschrank. Etwas anderes tonnte man nicht hinsetzen, und der Pa- pierkorb gehört nun einmal zur Einrichtung, so hat man ihn denn auch! Solch ein Papierkorb führt ein trauriges Dasein. Er starrt von gähnender Leere, blickt gelangweilt auf den Fussboden ober auf den Teppich und wartet von Tag zu Tag, dah endlich einmal ein Stück Papier, ein wutzerknitterter Brief oder ein mit kühnen Worten beschriebenes Manuskript in ihn hineingleitet; aber er wartet umsonst. Es geschieht nichts dergleichen. Wenn der Schreib- ttsch benutzt wird, bann ist er höchstens ein Lese- ttsch. Wo soll denn da das Papier für den Papierkorb Herkommen? Sv wird denn dieser Papierkorb beim Reinemachen sorgfältig brausten abgefegt, ausgewischt und wieder säuberlich an seinen Platz gestellt. Dort steht er nach wie vor unentwegt und wartet seines Gebrauchs. Eines Tags hat er diesen dann gefunden. Die Kinder kommen ins Zimmer, fallen über ihn her, rollen ihn durch die Stube, reiten darauf, stecken den Kops hinein und wollen sich ausschütten vor Lachen, well er fc> leer ist und es so merkwürdig Dingt, wenn man hineinruft. Von nun an ist es mit seiner Ruhe vorbei. Gr wird täglich in irgendeiner Angelegen her t bemüht, die den Kindern Späh macdt, aber tn seiner Eigenschaft als Papierkvro kommt ei nicht zur Geltung. Hnd wenn der Lärm zu grost wird, dann kommt wohl der Familienvater gestürmt, schüttelt die Jungens, wirft sie zur Tür hinaus, dah sie heulen, und verseht dem Papier- torb einen unsanften Tritt, dah er bis in die äuherste Ecke rollt, wo er zerknirscht liegen bleibt. Wre beneidet er da wohl den Papierkorb der Redaktion, in den so viele Manuskriptehinern- wandern, die in der Hoffnung geschrieben wurden, dah sie sich in Kürze in ein Stück Zettuag verwandelt haben, die den Namen des glücklichen Verfassers in alle Winde trägt. Der schöne Traum endet im Papierkorb. Dort träumt es durcheiw ander von Manuskripten, von Anfragen, von Klagen, von Anerkennungen unb von Bitten; die der Papierkorb alle friedlich miteinander beherbergt und in Ruhe hält. Dieser Papierkvüb ist ein Wohltäter der Menschheit; denn wenn das alles auf die armen Menschengehirne losgelassen würde, was in ihm steckt. Die ötra&en würden bald unsicher sein. So sei beim dieser Papierkorb gepriesen vor dem Papierkorb neben dem Schreibtisch tm Salon, der so selten zu seinem Rechte kommt und der nichts weih von den großen Aufgaben, die sein Bruder zu erfüllen hat. —bt Büchertisch. • Die bekannte Zeitschrift für persönliche künstlerische Kleidung, Körperkultur unb Kunst- rnck „Neue Frauenkleidung und rauenkultur" des Karlsruher Verlages G. Braun gibt tn ihrem Herbstheft wieder et ne Reihe reizvoller Kostümbiwer, die den Beweis erbringen, dah es auch heute, wo die Mode täglich verdrehtere Purzelbäume schlägt, nicht allzu, schwer ist, sich wirklich geschmackvoll und hygienisch zu kleiden. Ein allerliebstes Kinderporträt giert das auch auf kunstgewerblichem Gebiet gut aus- gestattete Heft. Ai Heizt“ Frei von Bauch. depuch und Buß. /hohe /Jdzknafi. adbuwdhpfr ßaubep, billig adbeßehph^' ^ftrteb: bestes flute * Ä ?W ttxtr daher üb« {W «tag dn früher, AArästen «VMS. Aru- A?.°9M WQ bw 260 6 191,2$ ® 32,50 Kj WiJ Wrblen 34 Erbsen je 'Men 20 dir * 14 biä 15 M 1Z' -Leinkuchen 14,50, Men 20 bis Oerkorb nur Es ist dar Fenster oder M Stnxig und der P» inrichNrng, so MllrigeSD» rre, blickt ge- f dm Teppich Eich einmal -r Brief oder i Manuskript umsonst. 04 der Schreib- ms em Leseier sür dm »beimReme- t, ausgetoischt Platz gestellt, gt und wartet ot er diesen mm ins Zim- ihn durch die Jtopf hinein chen, well er Ringt, Venn Ruhr vvrbri. Lnaeleaenhert taM aber in >rb kommt e Qörm gwh illienvater t sie zur Tür : fern Papier- rr bis in dir t liegen bleibt, stapierkorb der lllnpte hinem- rieben ward« M t es durchem- x; BtÄS? tr Setfianw Wtmvochen. 2tx>man von 2taoH> Srebctidd, 17. Aortfetzung (Nachdruck verbot«,.) Siebtes Kapitel. Stapleton staub mitten m der Bibliothek, als LtzSall emtrat. Erregt Vxmvdte er sich ihm zu. „Herr Duvall, soeben habe ich erfahren, daft Mfex. kann, meinen Knaben innerhalb vier- mtbechxrnzig €toni)en wieder zu haben." „Von der Dame, die das Haas eben verlieft?" ,3a.“ „Wer ist sie?" „Sine Polizei-Agentin.“ „So? Sind Sie dessen sicher?“ „Sie sagt eS — mehr weih ich nicht." Duvall sah ihn erstaunt an. „Welche Nachricht brachte sie 3hnen?" „Eine Botschaft von den Räubern, die mein Kind gestohlen haben. Sie wollen hunderttausend Dollar LösegeD.“ „Und sie brachte Ihnen diese Nachricht?" „3a.“ Der Bankier sah den Fragesteller un- ruhig an. „Scheint eS nicht sonderbar, Herr Stapleton, dah ein Mitglied der Pariser Polizei Ihnen Nachricht von den Entführern gibt?“ Stapleton nrnzÄte die Stirn. „Ich hatte die Sache nicht rarr von der Seite betrachtet, Herr Duvall. Ich war irnb bin zu besorgt, meinen Knaben zurückzuerhalten, um mich darum zu kümmern, durch wen mir die Schurken ihre Bedingungen bekanntgegeben." „Welches ftrüb diese Bringungen, Herr Stahleto-n?" „Morgen abend tauft ich um acht IHjr von hier fort und die Strafte nach Versailles mit zwölf Meilen in der Stunde hcnausfahven. Irgendwo auf der Strafte wird ein Auto im Dorbei fahren mir durch ein blaues Licht ein Zeichen geben. Dann muft ich langsam fahren und das Päckchen mit den hunderttau-end Dollar in den anderen Wagen werfen. Geschieht dies und wird kein Versuch gemacht, die Räuber zu verfolgen oder anzuhalten, so werde ich das Kind bei meiner Rückkehr hier beim Hause wieder- finden." Tuvall lauschte mit wachsender Neugierde Stapletons Worten. „Diese schlauen Spitzbuben!" rief er aus. „Sie wollen weiter fahren und prüfen, ob der Inhalt stimmt, dann benachrichtigen sie durch Zeichen ihre Helfer irgendwo auf der Strafte oder in einem anderen Wagen, ob das Kind zurückzugeben ist oder nicht.“ „Aber wie können sie dies ohne Gefahr, gefangen zu werden?" „Das ist leicht. Sie nehmen den Knaben nach Paris, stellen für einige Franken einen Vorübergehenden, einen Mann ihres Schlags, an, um den Knaben an Ihr Dor zu führen. Auf diese Art können sie nicht gefaht werden. Wenn Sie ihnen das Geld geben, haben sie alle Aussicht, nie entdeckt zu werden." „Trotz alledem will ich es ihnen geben." „Das sehe ich ein, Herr Stapleton. Ich verstehe Ihre Gefühle. Es ist ja nicht recht, sich dieses Lösegeld erpressen zu lassen. Aber an Ihrer Stelle würde ich zweifellos ebenso handeln. Cs ist indes schade." „Warum?" „Weil wir die beste 26t6fW haben, Mett Burschen zu entlarven." „Und den Jungen zu hatteren.“ .Ja. Das mag wahr sein. Solche Leute sind imstande, sehr schnell und grausam Vergeltung zu üben. Sie haben kein Mitleid. Ich wollte, ich könnte nach meinem Willen vorgehen." „Was würden Sie tun?" „Ich würde Ihnen in einem zweiten Wagen, in sagen wir zweihundert Meter Abstand folgen und hätte einige gut bewaffnete Leute bei mir. Ich würde peinlich auspassen, wenn nötig mit dem Feldstecher, und den Wagen beobachten, von den. Ihnen das Zeichen mit dem blauen Acht gegeben wird. Wenn der Wagen an mir vorbei wäre, würde ich ihm folgen, ohne jÄwch irgendeine die Räuber beunruhgende Bewegung zu machen, bevor sie ihr Zeichen gegeben hätten, duft Ihnen der Knabe zurückgebracht werden soll. Dann würde ich sie überwältigen und verhaften.“ „Ihr Plan. Herr Duvall, täftt schwere Einwände zu. Nehmen Sie an, diese Leute, die sicherlich auf ihrer Hut sein werden, merken, haft man ihnen folgt. Sie geben kein Zeichen und ich verliere nicht nur mein Kind, sondern dazu noch die hunderttausend Dollar. Nein, nein: ich will keine Einmischung in die Sache!" Duvall verharrte einen Augenblick stillschweigend. „Gut, Herr Stapleton: natürlich handle ich nach Ihrem Wunsch. Aber ich sehe diese Burschen sehr ungern ihrer gerechten Strafe entgehen." „Ich auch, aber ich kann nicht helfen." „Wenn ich einen Plan aushecks, um sie gefangen zu nehmen, ohne daft der Knabe darunter zu leiden hat, — wollen Sie mich dann machen lassen?" „3a, ater ich WtipB TÄHff. BB W W den Plan erst unterbreiten." „Gut. lind nun etwas anderes TW« Fvau, btt Ihnen die Nachricht brachte, ist, wie Sie sagen, eine Agentin der Polizei: Hat sie Ihnen erklärt, wie sie zu dem Auftrag kam?" „3a. Sie wurde gestern abend mit Gewrll svrtgeführt, weit aus der Stadt hinauSgefahren und dort wurde ihr der Auftrag gegeben. Heute nacht wurde sie mit oerbunbenen Augen hierher zurückgebracht.“ „Herr Stapleton, was würden Sie dazu sagen, wenn ich Ihnen erzählte, daft ich diese Frau vor einer Stunde in Alphonse Valentins Zimmer sah, eines ManneS, den ich im Verdacht habe, in die Geschichte der Entführung Ihres Sohnes stark verwickelt zu sein." Staplewn fuhr auf. „Ist eS möglich?" fragte er. „Haben Sie eine Ahnung, was ’te dort tat?“ „Nein. Sie schienen jedoch gut miteinander auszukommen. Natürlich ist es möglich, daft ein Polizeiagent sich als Freund eures Verbrech n s aufspielt, um so Auskunft zu erhalten. Aber e3 ist doch sonderbar" „Ja, wirklich! Doch, wie getagt, wenn ich nur meinen Jungen wieder habe, bin ich zu° frieden." Er ging im Zimmer auf und ab und Taute erregt an seiner langen, schwarzen Zigarre „Lind nun, Herr Duvall, was planen Sie, um die Schurken zu fassen?" Duvall saft längere Zeit tief in Nachd.mken versunken. „Es ist nicht leicht. Herr Stapleton: jedoch einen Ausweg gibt es. der Erfolg verspricht und zwar, ohne daft er Ihren Wunsch, den Knaben zurückzuhaben, vereiteln könnte." „Und das wäre?" (Forts, folgt.) Bekanntmachung. Die Reichsverficherungsanstalt für Angestellte hat in Gieften eine RevifionS- und Auskunftsstelle errichtet. Auskünfte über alle die Angestelltenverstcherung betreffenden Fragen (Versicherungspflicht. Deitragszahlung, Renten- und Heilverfahrensanträge) werden in den am 2., 3. und letzten Montag im Monat in der Zeit von 12X bis 2x Uhr im Stadthaus Gieften, Gartenstr. 2, Hauptbau-Zirnrner Ar. 2 (Wanderfürsorge), abgehaltenen Sprechstunden kostenlos erteilt. (Sieben, den 10. Oktober 1924. Leviftons- und AuSkunftSstelle Gieften der ReichSverficherungSanstalt für Angestellte. Busse, Derwaltungsinspektor. 7887b Arbeitövergebung. Für die Feldbereinigung Allendorf a d. Lahn sollen Freitag, den 17. Oktober 1924, vormittags 10 Uhr auf dem Rathaus zu Allendorf a. d. Lahn 03er* schleifungsarbeiten, veranschlagt zu2700M. vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hesstscher Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungs- lermin einzureichen find. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 7. Oktober 1924. 7882D- Hessisches Kulturbauamt. I. D.: Mangold, Reg.-Daurat. Kartoffellieferung. Die Lieferung von 600 Zentner gesunden, lagerfähigen, gelbfleischigenSpeise- kartoffeln soll vergeben werden. Angebote find bis Montag, den 13. d. M., nachmittags 3 Ahr, bei uns einzureichen. Tieften, den 9. Oktober 1924. 7839c Klinik für psych. u. nervöse Krankheiten. f " s Hansa- Handelsschule Z.WWM staatlich geprüfter Diplom-Han delslehrer Diplom-Kaufmann beeidigter Bücherrevisor Tel. 821 (Liehen sei. 821 Bleichstraste 5 Am 14. Oktober Beginn neuer Kurse mit folgenden Unterrichtsfächern: Buchführung einfache und doppelte mit Abschluß u. Dilanzkunde Kaufm. Rechnen mit Kontokorrent und Warenkalkulation Handelskunde mit Betriebslehre für Warenhandel Fabrikbetrieb I Bankbetrieb Handels- und Bürgerliches Recht Kaufm. Briefwechsel (Korrespondenz) Formularkunde (Kontorarbeiten) Wechsel- und Schecklehre Handels- und Wirtschafts- geographie mit Staats- und Bürgerkunde Deutsch (Hebungen mit kaufmännischen Geschäftsbriefen) Fremdsprachliche Korrespondenz Schönschreiben Deutsche Schrift, lateinische Schrift Maschinenschreiben(10-Finger-Tast- system) 7894a Stenographie (Kurzschrift) nach Stolze-Schrey und (Babelsberger Abendkurse Weinige Priv.-Handelsschule am Platze, deren Inhaber staatl. geprüfter Lehrer und Fachmann ist und daher die Befähigung und die Berechtigung besitzt, die Schulleitung selbst zu übernehmen. Unverbindliche Auskunft berettwilligst. Ausführliche Prospekte kostenlos. Anmeldung täglich. ZWEI NEUE T MARKEN VORNEHME BLECHPACKUNG BLSGANTB AUSSTATTUNG (diese CIGARETTEN SIND AUS EDLEN ORIEM TAUSCHEN TABAKEN BESTER PROVENIENZEN HERGESTELLT/ FÜR IHRE GÜTE BÜRGT DER NAMS C KStEIN &- SÖHNE/DRESDEN Ab heute: Ole Tragödie eines Herrscherhauses in dem Film Die letzte Fürstin in 5 Akten. Außerdem: Raskolnikow das Meisterwerk Dostojewskis in 7 gewaltigen Akten. Außerdem: ein groß. 2-^kter-Lustspiel in der Hessischen Bilderbühne 1987c Statt Karten i Gießen 7925V Wilhelm Krauß, Studienrat Erna Krauß, geb. Thierolf geben ihre Vermählung bekannt Lilly Weil Emil Mannheimer Verlobte Gießen Höchst a. M. Zu Hause: Sonntag, den 19. Oktober Offenbach a. M. Oktober 1924 völkisch-sozialer Block u. Nationalsozialistische Zreihritrbewegung Turnhalle Oswaldsgarten. Heute abend 8Y2 Uhr redet Dr. Krebs Frankfurt a. M. über MW WOM Freie Aussprache. 79ooV Eintritt 1 Mark. BauerscherGesangve Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags 4 Uhr in der Neuen Aula der Universität wohltätigkeitrkonzert zum Besten der Kriegsblinden Leitung: Herr Otto Görlach Solisten: Herr Konzertmeister Ehr. Hüttenberger aus Bad Homburg (Violine), Herr Pianist Jul. Hahn aUs Gießen, Mitglied Herr Kurt Richter (Tenor) Es gelangen zum Vortrag: Chöre von Schubert, Köllner, Sauer, Kämpf, Schwartz, Jüngst, Silcher, Kirchl, Mendelsohn und Sonnet Lieder für Tenor von Treichel und H. Wolf Diolinsoli 0. Herbert, Mlynarski, Tschaikowsky u. Kreisler Klaviersoli von Schumann, Mendelfohn und Ehopm Eintrittskarten im Vorverkauf bei Herrn Ernst Eballier, Neuenweg 9, und nachmittags an der Kaste Eintrittspreise: 1. Pl. 2 Mk., 2.P1. 1.50 Wu, 3.PÜ1MK. Bekir, licht-und Kraftanlagen sowie WSsMSIMlW jeder Art und Größe werden sachgemäß und preiswert ausgeführt durch 7,1,a Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Fleisch-, Räucher- und Aufhewahruiios-Schränke von 40 Mark an. Teilzahlung bis zu 1 Jahr. Preisliste gratis und franko. Backofen - Industrie Lauterbach 161 in Hessen. Für die Aussaat: Saatbeize Uspulun „ Tillanlin ,, Kupfervitriol Ium Anlegen der Leimringe gegen Frostspanner: Lauril-Raupenleim Jchneumin-Raupenleim (heller, sehr vorteilhaft, von großer Klebefähigkeil) Unterlagepapier Jur Winterbehandlung der Obstbäume: Lauril-Obstbaum-Karbolineum 3um Binden: Kokosstricke, Naffiabast empfiehlt preiswert SmMMSeiMAN Bahnhofftrahe s„„cs Telephon 1403 Mein diesjähriger Tanzrtwat beginnt am Montag, 13.Oktober l Gefällige Anmeldungen nehme ich von heute an zu jeder Tageszeit entgegen 68581) Karl Schmidt Tanzlehrer Deutscher Beamtenbund Ortsgruppe Gietzen. Am Dienstag, den 14. Oktober, 8 Uhr abends pünktlich taMnlq auf der Liebigshöhe Tagesordnung: Bericht des Vor- 1 sitzenden über feine Teilnahme am I 4-Dundestag(9.—11 .Okt.) in Berlin r Die sehr wichtigen Verhandlungen (insb.Deamtenrechts-,besoldungs-und wirt chaftsfragen) erfordern dringend das Erscheinen aller Mitglieder der angeschlossenen Organisationen. 7893D Der Vorstand. Universitäts-Cafe | .............................................................. I Sonntag, 4 Uhr Doppel-Konzert^ Jazz-Band-EinlagenS Zu Spottpreisen wird abgegeben: 7891D 1 Drehstrommotor „Titan" 10PS zirka 1000 Touren Mk. 275,- 1 neue Zentrifuge 65 Liter Stunden- „ leistung Mk. 38.50 IHandleiterwagen.....Mk. 17.50 Mowag, G.m. b.H., Steinstr.76 Verkehrsverein iiiiiiHimiinii Gießen iiiiimiiiiiiii I Montag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr, im Saale des Postkellers außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: Beschlußfassung über die Veranstaltung eines Flugtages in Gießen. Vorführung der Flüge durch die Hessenflieger. Tag j der Veranstaltung: 26. Oktober. In Anbetracht der großenWichtig- keit der Tagesordnung erwartet vollzähliges Erscheinen der Mitglieder DER VORSTAND 7915D tadellos. ( NUR IN DER BEKANNTEN^ PACKUNG,NIEMALS LOSE. ) - V - das frMigriffl teilweise weit unter Fabrikpreis! Osmld Kissel Tabak-Erzeugnisse Gieren Asterweg 29 7896a GIESSEN 17aschläfrig, mit 6 Pfund Federn gefüllt . . . Mk. 2schläfrig, mit 8 Pfund Federn gefüllt . . . Mk. B;ÄHI dasPfd.2,50 WeiGeFederiiPfd.4.80 s 130 cm breit Mir- 3.75 160 cm breit WM. 4.50 k M MW W <: W 1 W /■.,a - 2>9 M d r K t § f y ELISABETHENSTR. .OKTOBER 79O9ss SCHLAFZIMMER von gm. 790-1750 HERRENZIMMER „ 580—1950 SPEISEZIMMER „ 690—1800 AUSFÜHRUNG: TEILWEISE EICHE GEBEIZT, NUSSBAUM, BIRKE, KIRSCHBAUM POLIERT, MATTIERT, SOWIE FEINE LACKARBEIT IN BEKANNTER ERSTKLASSIGER QUALITÄT AUSSERORDENTLICH GÜNSTIGE PREISE UND KUNSTGEWERBEHAUS Wiederbeginn der Kurse in WOem NNd WiMSelten Montag, den 3. November. Schülerinnen werd, noch angenommen. 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Hepp, M.d.R., Präsident des Reichslandbundes. - Die politische Lage in Hessen: Rechtsanwalt Dingeldey, M.d.L. - Aussprache. Am 18. Oktober, abends 8 Uhr im Landestheater (Kl. Haus) Sondervorstellung von Freytags „Journalisten". Eintrittskarten zu besonders ermäßigten Preisen durch dieLand es - gefchäftsstelle; dorthin baldmöglichst auch evtl. Quartierbestellungen erbeten (Fernruf 1304). Empfangsbureau und Auskunft ab Freitag, den 17. Oktober, ab 1 Uhr nachmittags, im „9tumme!bräu". Die Teilnahme an den Sitzungen des Parteitages ist nur eingeschriebenen Mitgliedern, denen eine Teilnehmerkarte auf Grund ihrer Legitimation im Empfangs bureau ausgehändigt wird, gestattet. Mit deutschem Grutz 7905t Geschäftsführender Ausschuß Dingeldey, m. b. 2. Kollbach Vorsitzender. Generalsekretär. Lichtspielhaus Bahnhofstraße Nur noch heute und morgen Das seelenvolle Filmspiel Mutier", dein BCind ruft 6 Akte nach dem Roman von Stefan Zweig: „Das brennende Geheimnis“. Ferner: Oie ßasse der Liebe und Sünde Sittenfilm in 6 Akten. Anfang: Wochentags 4 Uhr, Sonntags 3 Uhr Letzte Aufführung 8'"‘ Großes Orchester Rstona-Llchtspieie, Seltersweg Nur noch heute und morgen CARET der verwegenste Wild* TLA BTaww weet-Keiter Amerikas in ® ■ UX 5 wildbewegte spannende Akte. — Ferner: Harry auf Freiersfüßen 2 tolle Akte. 7914c Anfang 4 Uhr, Sonntags 3 Uhr, Letzte Aufführung 8” Gauiigafußballspiel Osterode-8. C. von 1900 findet morgen vormittag 10.30 Uhr auf dem Sportplatz an der Hardt statt. Ligaspiel 79,3c tanmla Murg-U EL Glehn findet morgen nachm. 3 Uhr auf dem Trieb statt. Für Händler und Hausierer 1OO Paar Makoriemen 5.50 Gm. (90 Elil) Magnus & Co., Diezstr. 6. [024154 Radio llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Seriöse Wiederverkäufer erstklassiger Radio-Apparate werden von bedeutender Radiofabrik gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 7906D an den Gieß. Anz. •••eeeieeeeee MMUMeraonio Mittwoch, 15. Oktober 1924, abendS 8 Uhr int Vcreinölokal ß«Mls«»l« Tagesordnung siehe Satzungen. Sonntag, den 12. Oktober 1924 Abfahren nach der Rehmühle Abfahrt: 1 Uhr Vereinslokal. Der Vorstand. ®©@©®e:e®e®oe Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhefsen)Samstag, n. Gttober 1924 Der amerikanische Wahlkamps. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Neu York, Ende September. Knapp sechs Wochen nur trcnr.cn uns i.vch Don dein 4. November, an dem der Mann gewal.lt •petbcn soll, der als Staatshaupt, und zwar aü8 regierendes Staats Haupt de r gröh- len und mächtigsten Republik der Erde im März des nächsten Jahres in das Weihe Haus von Washington einz ehen soll. Aeuherlich ist m den amerlkanrichen Stad en und beim amerikanischen Volke auch jetzt n-ch verhältnismähig wenig von fieberhaf er CS/rega g 1a spüren, älnd doch werden d.ese Präsident schastswcchlen für die Geschichte der Derei.i.g e i «Staaten vxchrscheinlich eine geirif e e vchalc D - bentimg gewinnen Und zwar zunächst wenig r durch das Ergebnis, als vielmehr durch g.-nz mue Erscheinungen im Partei we en, durch Volks- ftimmungen und scharfe Resvrmten - denze n, die meist erst wäh end dieses Wahlkampfes zum ersten Male hervortraten oder doch ihre jetzige bisher ungeahnte Stärke gewannen. Mit blonderem Interesse muh vor allem das deutsche Publikum die Wahlroch-veitirngca und die Vorgänge hier verfolgen, weil noch niemals iwrhec das amerikanische Deutschtum fv geschloffen und politisch zielbewuht in die Arena eines Wahlkampfes cingctrcten ist wie diesmal. Die offizielle Qlufftelhmg der dritten Kandidatur, Lafvllette für den Präsidentenpvstea und Whee'ler für die Vizepräsidentschaft neben den Kandidaturen der beiden historischen Parteien der Republikaner und Demokraten hat zunächst aber die technische Seite des WahlVorganges so sehr kompliziert, daß vie e schon heute das Schei tern aller drei Kandidaturen für wahrscheinlich hal'en, wonach dann das von der Verfassung vorgesehene Rot- verfahren ein treten würde. Die Sache ist nämlich dis, daß nach den Verfassungsbestinrmungm ber zu wählenbe Präsident unter allen ümftänben die absoluta Majorität der von den Einzelstaaten gemäh der Zahl ihrer Kongrehvertre er nominierten Wahlmänner erhalten mufk Weil daZ 531 ftnd, würde die absolute Mehrheit 266 ausmachei. Run ist es nach den bisherigen privaten Probeabstim- mungen — zum Beispiel der Hearst-Presse, die im 15 Städten für Coolidge 43568, f r Davis 24 765, für Lafvllet t e 51 180 Et mmen ergab — wie auch nach sonstigen genauen Sßät- Mngen sehr leicht möglich, dah keiner der drei Bewerber die nötige Mehrheit auf sich vereinigt. 'Sin zweiter Wah'gang ist in diesem Falle zwecklos, weil die Wahlmänner nach einem imperativen Mandat ihrer Staaten stimmen. Es wurde in diesem Falle also die weitere Derfassungsbestimmung angewandt werden müssen, nach der das Repräsentantenhaus aus den drei Kandidaten, die die meisten Stimmen eichalten haben, den Präsidenten zu wählen hat. Es werden jedoch nicht die 2T5= geordneten persönlich gezählt bei dieser Abstim- myng, es wird nach Staaten gerechnet, wobei jeder Staat eine Stimme hat und tixbei vor allem wiederum eine absolute Mehrheit borgefdjrieben ist. Also auch diesmal ist es zwei- fechaft, ob die Majorität von 25 Staaten unter den bestehenden 48 herauskommen wird. Lind nun bleibt nach der Rotbestimmung der Konstitution als letzter Weg nur die Wahl des Vizepräsidenten durch den Senat, bei der aber diesmal nur zwei Kandidaten in Frage kommen, nämlich die, die die meisten Stimmen auf 'ich vereinigt haben. Der so gewählte Kandidat für die Vizepräsidentschaft — der Republikaner Dawes, der Demokrat V r h a n und der Pro- gressist W h e e I c r — würde also, wenn die direkte Präsidentschastswahl kein absolutes Ma- sjoritätsergebnis bringt, automatisch im nächsten März Präsident werden. Zweifellos wird durch dieses Moment die Spannung und Unsicherheit sehr erhöht. Fast wichtiger aber noch ist der eigentliche Wahlkampf selbst und die unvorhergesehenen starken Aussichten, die die Führer der jungen amerikanischen Fortschritts- und Reformpartei erlangt haben, L a f o l l e 11 c und Wheeler. Soeben wird gerade bekannt, dah akich der einflußreiche Senator und Politiker Hiram W. I o h n s o n , bisheriger Republikaner, jetzt ganz offen und aktiv für Lafollette eingetreten ist, nachdem schon längere Zeit über seine passive Resistenz gegen das Programm Coolidges gesprochen worden war. Es ist trotzdem zweifelhaft, ob die Anstrengungen und auch die wachsende Gefolgschaft der jungen Partei gegen die mächtige Organisations- Maschinerie der Republikaner schon diesmal — wohlgemerkt schon diesmal — wird aufkommen können. Ein besonderes, zum Glück weithin als unfair empfundenes Kampfmittel der herrschender Parteischicht ist es, den greifen Lafolle11e, 6er doch die besten Traditionen des alten Ameri- kanertums verkörpert, womöglich als _ S o - zialisten und großen Revolutionä r hinzustellen. Viel Aufsehen hat so eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Kalifornien erregt, Danach die Anhänger Lafollettes für die sozialistische Liste stimmen müßten. Gerade dieser Willkürakt hat aber die Opposition sehr verstärkt. In letzter Zeit hat nun auch der demokratische Kandidat Davis, der bisher ziemlich un Hintertreffen geblieben war, stärkere Crfolgsaus- sichten, besonders im landwirtschaft lichen mittleren Westen gewonnen. Auch ferne Kampagne richtet sich vorwiegend gegen Die republikanische Korruption und die nngesunde Oligarchie. So sagte Davis in einer feiner Reden u. a.: ,,Dem Farmer, der trotz aller mühsamen Arbeit vom Elend bedroht ist, iem Konsumenten, der infolge unbilliger Gesetze unverschämte Preise für seinen Lebensunterhalt zahlen muß, und schließlich allen anständigen Korruptionsfeinden dieses Landes lege ich ans Herz, dafür zu sorgen, dah wir wieder eine Regierung erhalten, deren wir uns vor der Welt nicht zu schämen brauchen." . Die Sache ist nur die, dah man in sehr weiten Kreisen dem demokratischen Herrn Davis, dem einstigen „jungen Mann" des Hauses Morgan Lurchaus nicht den festen Reformwillen und den unbedingten GerechtigkeitsMMl ,?,utraut, wie dem populären „fithing bob", d. h. Lafollette. Das ist ienn auch der Grund, warum das amerikanische Deutschtum in seinem ganz überwiegenden Teile unb faff immer mit ehrlicher Begeisterung für Lafollette, den Vorkämpfer aus Wisconsin, ein tritt. Einen glänzenden Beweis nicht nur für diese deutsche Gefolgschaft, sondern überhaupt für die endgültig einsehende politische Sammlung des amerikanischen Deutschtums gab am letzten Sonntag die große Fe st Versammlung der Steuben-Soeiety in dem Riesengebäude des Pankee-Sladiums, in dem 40 000 Männer und Frauen, amerikanische Bürger deutschen Blutes aller Schichten und Berufe versammelt waren und als einem der Hauptredner dem Präsidentschaftskandidaten Lafollette zujubelten, der mit frischen Worten den großen Anteil betonte, den gerade das deutsche Clement unter der amerikanischen Bevölkerung am Aufstieg Amerikas habe. Diese Anerkennung des deutschen Faktors durch den Führer der neuen großen Partei wird den frischen Zug des Selbstbewuhtseins und des politischen Interesses, der heute zum Glück endlich burch die deutschen Reihen geht, erfreulich tärfen. So wird hoffentlich bald die Mahnung der Reuhorker Staatszeitung eine Selbstverständlichkeit werden: „Haltetfest . wozu ihr euch in diesen Stunden stolz und freudig bekanntet, die Selbstbestimmungspflicht des neugeeinten Deutschamerikanertums, das nach langen Jahren schüchterner Demut, gewaltsamer ilnter- drückung und fast nach dem Verlust des Dolks- bewuhtseins den rechten Weg wiedersand. Fallt nicht zurück in die Traumduselei politischer Lethargie und willensschwacher Gleichgültigkeit." Man sieht, dies Wahljahr 1924 ist von hoher Bedeutung sowohl für die ganze Republik als auch für die Zukunft des amerikanischen Deutschtums. Jur Lage des kaufmännischen Mittelstandes Von Senator a. D. Deythien, M. b. R. In bet FriÄ>enszeit war bie Arbeit des Kaufmannes gewih nicht leicht, aber er schäftte im ganzen in Freiheit. In der Kriegszeit kam der Geist des grünen Tisches zur Herrschaft: gewiß formten wir nicht in Freiheit leben, sondern muhten, vom Weltmarkt abgeschnürt, uns Einschränkungen gefallen lassen: aber jenes Maß von grundsätzlichem Mißtrauen gegen das Wirken des selbständigen Kaufmannes, wie wir es erlebt haben, war ungerecht und unzweckmähig. In der Zeit nach dem Umsturz, der ohne eine große Idee hervortretend, wichtiges seelisches und wirtschaftliches Daterlandsgut verschlendert hat, ist der Zwang nicht von uns genommen worden und noch jetzt leiden wir unnötig darunter. Die Prns° gäbe unseres inneren Wohlstandes, der Verlust des Ruhrkampfes, den wir führen muhten als letztes Mittel gegen Vertragsbruch unb Feindesübermut, brachte uns an den Zustand des wirklichen Sterbens unserer Ration, beim der Währungsverfall mit seinen entsetzlichen Erscheinungen, der vollständigen inneren Knickung unseres Rechtlichkeits- und Ehrbarkeitsempfindens war wohl der Tiefpunkt unseres Verfalles, unb erst aus ber allmählichen Wiederkehr der staatlichen Ordnung, der Ehrlichkeit des Geldes, der Wieder- emporsührung wirtschaftlicher Ehrlichkeit, des Bruches mit dem Dogma der gesetzlichen Arbeitszeit, gab auch dem kaufmännischen Mittelstände neue Hoffnung, wenngleich nun erst fein toa fr- re r Kamps um bie Existenz begann. Die gründliche Verarmung unseres Volkes zeigte sich naturgemäß zuerst in den Läden der Kaufmannschaft. Die Kaufkraft sank in einem nie gekannten Maße, und zum Tageskassenrückgang kam bie Kreditarmut, denn das ersparte Kapital des Kaufmannes war verloren gegangen. Sich jetzt, angesichts ber teuren Krebitverzinsung, über Wasser zu halten, ist eine manchmal unmöglich erschei- nenbe Ausgabe. Aber man begreife, um wieviel schwerer dieses Ringen wird, angesichts der ungleichen Behandlung unseres Standes gegenüber anderen Wirtschaftsformen: haben doch nachweislich die Konsumvereinsorganisa-tionen wiederholt Reichs- und Staatskredite zu billigen Zinsen zugewiesen erhalten, also eine Bevorzugung, welche Mißbilligung verdient. Es muh verlangt werden, daß dann auch den Organisationen der selbständigen Kaufleute und Gewerbetreibenden eine solche Wohltat zuteil werde. Bei ber ümgeftaltung der Rentenbank zu einem agrarischen Kreditinstitut wird z. B. auch bie Kreditstützung des deutschen Handwerkes erwogen, was wir durchaus begrüßen müssen, aber nicht zuletzt ist ber beutsche Einzelhandel dieser Stützung wert und er mühte meines Erachtens über bie ausgezeichnete Organisation der Handelskammer zu diesem Zwecke in Verbindung mit den maßgebenden öffentlichen Gelbstellen gebracht werden. Viele Klagen entstehen auch über die Rücksichtslosigkeit, mit der gewisse ßieferantenfreife bie Rot ber Zeit gegenüber bem Kaufmannsstande ausnuhen, unb es wäre hier eine schärfere Anwenbung des neuen Kartell- gefetzes des öfteren am Platze. Während nun bie Zeit des Warenmangels obgelöft worden ist von dem eifrigen Suchen nach Warenabsatzmöglichkeit — dessen Auswuchs das Preisausschreiben-Unwesen ist, gegen das, mit auf mein Eingreifen hin, strenge Vorschriften erlassen wurden: während ein Wettbewerb in Gestalt von sich überbietenden Zeitungsanzeigen, Zugaben, Saison-, Extra- und Sonder-Rabatten usw. Platz greift: während also alle Voraussetzungen für einen Schuh der Käufer gegen HeberDorteilung geschwunden sind, bleibt dennoch ein großer Rest übelster Zwangswirtschaft bestehen, gegen den wir mit aller Energie Sturm laufen müssen. Die Reichsregierung gibt uns dazu das beste Mittel an die Hand. Cs ist unseren Anträgen im Reichstage, die an ber Spitze auch meinen Ramen tragen, enblich gelungen, den Erlaubniszwang abzuschaften, und bei der Begründung für die Aufhebung dieses Gesetzes sagt bie Reichsregierung u. a.: „Der Warenmangel hat bem Suchen nach dem Absatz der Ware Platz gemacht. Die Gefahr, daß unzuverlässige Elemente in den Zwischenhandel eindringen, besteht nicht mehr, weil der scharfe Wettbewerb hier grundsätzlich reinigend wirkt." — Es ist dies jedenfalls ber Sinn ber Begründung (ber Wortlaut ist mir gerade nicht zur Hand). Wenn aber so bie Voraussetzungen, bie für den Zwang unb bie Hemmung maßgebend waren, fielen, weshalb besteht dann noch bie Preis» treiberei-Verorbnung mit ihren Vorschriften über Gestaltung bes angemessenen Warenpreises, weshalb bestehen noch Preis- prüfungsstellen, bie barüber wachen sollen. daß das Publikum nur angemessene Preise bezahle? Diese Stellen müßten, wollten sie ihre Pflicht erfüllen, jetzt — es klingt paradox — die Käuferschaft zwingen, sehr ost höhere Preise zu bezahlen, da ber Kaufmann in seiner Rot, um zur Deckung für Gehälter und andere bringende Geschäftsunkosten Gelb in die Kasse zu bekommen, feine Ware oft unter bem Ge° stehungs preise abgibt. Also fort mit diesen Ana- cknonismen. — Dasselbe ist hinsichtlich des Preisschilder-Zwanges zu sagen, der im starken Konkurrenzkämpfe unnötig xmb oft schikanös erscheint. Roch immer treibt die An ti - Wu che rpv - l i t i k, beruhend auf bie Preistreiberei-Verordnung usw., böse Blüten. Rückblickend wissen wir, wie sie dazu diente, den Kleinen zu bangen, während der Große frei ausging. Die Wuchergerichte waren insofern eine zu berechtigten Klagen Veranlassung g bmde Einrichtung, als gegen chren Spruch eine Berufung nicht stattfand. Solange es Menschen gibt, wird es auch bei Richtern Fehlsprüche geben, zumal, we n sie es ab- lefrnen, ber Ermah.rung der Iustizmi niste e i zu folgen und bei den komplizierten P reisen twick- lungsverhäUnissen Sachvrrstänlige zu vernehmen. So konnte ein angeklagter Kaufmann neben der Strafe auch die öffentliche Anprangerung e warten. denn das Urteil Durfte vor und in fernem Geschäftslokal und an den Anschlc^ äulen plakatiert werden. Sun wirklichen Wuch.rer m t Recht strengste Strafe, aber Rech.sgarantien gegen Fehl- sprüche durch einen Instanzenweg, das to.vr un ere Forderung Den unter meiner Führung eingereichten Anträgen ist es erfteulichernoei e mi. gelungen, bie Bäich.rgeeichte abzu «baffen, fv daß jetzt jeder Kaufmann seinem ordentlichen Richter wiedergegebe i ist. Wir erreich e i auch, dah eine Amnestierung der geringfügigen Vergehen aus bet Inflationszeit erfolgte. Auch hier ist noch nicht alles erreicht, wir arbeiten arm Erfolge weiter. Rach-gerade wird es Zeit, daß dem § 164 der Rechsvetfassung, der dem Mittelstände Schuh gegen Au fsaugung und lieber- laftung verspricht, lebrnbige Kraft gegeben würbe. Die Aufsaugung unserer Wirt ch fisform durch Trusts und Kartelle streifte ich schon Das Kartellge seh muß besser gefjanbfrab' werden, das Reichswirtschaftsminister um hat nach dem Gesetz hierzu die Möglich'eit. Der un er den Augen ber vorgesetzten Stellen bei Reichs-, Staats- unb Gemeindebchw en betriebene Warenhandel der Beamtenschaft ist zweifellos ein grundsätzlich w Verstoß g gen die erwähnte Verfaf tungsb stimmu-g W r g nnm der Beamtenschaft von H rzen auskömmliche Eehä ter unb wollen andererseits. dah bie Industrie unb das Gewerbe an Angestellte unb Arbeiter diejenigen Gehälter imb Löhne zahlen, welche das Produkt irgendwie tragen kann, aber wir verlangen, dah man den genannten Käuserschichten es überlasse, ihre Käufe im freien, selbständigen Ha ndel ober bei Wirtschasiseiii' richtungen zu tätigen, die denselben Steuern. Lasten, sozialpolitischen Verpflicht tu ngen. Beaufsichtigungen unb Kontrollen unter too r f e n sind, wie das selbständige Handelsgewerbe Die Industrie sowohl wie die Lairdwirtschaft bedenke, daß unsere ßetenS- arbeit gegenseitige Rücksichtnahme verdient. Diese aber wird außer acht gelaften. trenn die Industrie durch Versorgung ihrer Arbeiter mit Lebensmitteln und Gebrauchs gegenständen, und die Landwirtschaft durch ihre genvf fenschas tlichen Verkaufszentralen in das Wirtschaftsgebiet des kaufmännischen Mittelstandes cingreifcn Ich tin cn ar. und der landwirtschaftliche i Eigenart unb QI.beit unb trete in der Öffentlichkeit und im Parlament für ihre Lebensfrage ein, ich erwarte aber dah das oft geprägte Wort: „Mittelstand in ©tobt unb Land Hand in Hand^" auch praktisch verwirklicht werbe. Wenn diese lanbwirtschiftli< en Deckaussstellen sich zum 'Befuge u:ib 'Berlricte ber von ihr benötigten typischen Massengüter, wie Kunstdünger, Saatgetreide. Maschinen usw. zusammenschließen. so mag das verstanden werden. Es besteht aber kein wirtschaftlicher QIn laß. dort mit Kolonialwaren, mit Pelzen, Kostümen — bis zum einfachsten Küchengerät zu handeln. Die Stadt kann die Landlun. schäft nicht entbehren unb andererseits b aucht daZ Land bitter notwendig das Verständnis der Stadt Be- völkerung für ihre Röte. Die Konsumvereine der Beamten und QIrbeiter mögen als Konkurrenz für das freie Gewerbe weiter wirken, die selbständige Gefchäftssorm hat -ich als die ü'erlegene er wie en. Zu beklagen ist nur, wie gesagt, die kritisierte Bevorzugung, welche diese Stellen hie unb da genießen und eben «lls ihre Agitation, durch welche der .Kaufmann oft generaliter zum Wuchwer gestempelt wird Schier leiden der seßhafte Textil-Cinzelh'.ndel und auch andere Branchen unter dem Straßen ha ndel. dem Hausier- und Wanderlager-We en. Hier bc- dars die Gesetzgebung, was die Prüfung der Zuverlässigkeit und die rich ige Hinzuziehu.ig zu ben Steuern anb-langt, ber Ergänzung Das andere große Gebiet, aus dem uns verfassungsmäßig Schutz zuteil werdm soll, ist das Gebiet der ilebe Haftung mit Steuern und Abgaben, über die ich demnächst in einem besonderen Artikel berichten werde, gilt es doch, auch hier die richtigen Wege zu fin en, um. unter Wahrung der Rechte des Staaes. dem kaufmännischen Mittelstände notwendige Erleichterungen zu verschaffen. Landwirtschaft und Gartenbau. Jur Herbstaussaat. Wie müssen die Herbstsaaten gedüngt werden und welche Bodenbearbeitung ist ihnen zu geben? Von Landwirtschaftsrat Dr. Lehr, ßanbtotrt- schastsamt Lich. Von den vielen Faktoren, bie bei ber Erzeugung pflanzlicher landwirtschaftlicher Produkte eine wesentliche Rolle spielen, finb mit an erster Stelle bie Bodenbearbeitung unb bie Düngung zu nennen. Alle lanbwirtschaftlichen Kulturpflanzen unb mithin auch bie Wintersaaten müssen, wenn ste Höchsterträge bringen sollen, in voller Düngung ftrfren, b. h. alle zur Erzeugung pflanzlicher Masse erfoick)erlichen Rährstvffe müssen im Boden in genügenber Menge unb in aufnehmbarem Zustanbe den Pflanzen zur Verfügung^ stehen. Zu einer Vollbüngung haben wir die Rährstvffe Stickstvft, Phvsphvrsäure, Kali unb Kalk in den Boden zu bringen. Zu Wintergetreide geben wir die Phvsphvrsäure- und Kalidünger im Herbst vor der Bestellung in den Boden und sorgen durch üntergrubbern ober Eggen für ein g l e i ch- mähig es Vermischen mit der Olckerkrume. Wir können geben: Thomasmehl. Rhenaniaphosphat und Superphosphat als PhvsPhorsäurÄmnger: Kainit unb das Kalisalz als Kalidünger. Kainit ist immer 1—2 Wochen vor der Aussaat zu geben. Zu einer mittelstarken Düngung sind pro Hektar (1 Morgen) 15—20 Pfund Phvsphorfäure entsprechend 1—1,35 Zentner Thomasmehl oder 3L bis 1 Zentner Rhenaniaphosphat und 40 Pfund Kali = 1 Zentner 40proz. Kalisalz oder 3,5 Ztr. Kainit in den Boden zu bringen. An Stickstoffdünger stehen der Salpeter, schwefelsaures Olm- moniak, Leunasalpeter unb Kalkstickstoff als wichtigste zur Verfügung. Welcher Stickstoftdünger am besten angewandt wird, ist ohne Kenntnis der besonderen Verhältnisse schwer zu sagen. Bei richtiger, sachgemäßer Anwendung haben alle sehr gute Wirkungen. Zum Unterschied von den Kali- unb Phosphorsäuredüngemitteln geben wir die Stickstoffdünger unseren Wintersaaten nicht in voller Menge vor )der bei der Aussaat, ba wir sonst besonders bei den leichteren Bodenarten mit großen Verlusten durch Auswaschung während des Winters zu rechnen hätten. Kalkst ickstoft und auch schweselsaures Ammoniak kann auf schweren, kündigen Boden in ganzer Menge bei bzw. vor der Bestellung iKalkstickstoff) gegeben werden, da auf diesen Böden eine Auswaschung dieser langsam wirkenden Stickstoffdünger nicht zu befürchten ist. Ist ber Boden Verhältnis mäßig arm an leicht aufnehmbarem Stickst oft, wie es infolge der reichlichen Riederschläge wohl die meisten Boden m diesem Iahre sein werden, so gibt man — wenn man die ganze Stickstoffgabe z. D. auf schweren Böden nicht schon in Form v)n Kalkslickstoft ober schwefelsaurem Ammoniak gegeben hat — etwa i/3 ber gesamten Stickstoftgabe im Herbst bei der Bestellung und die restlichen -/3 im zeitigen Frühjahr als Kopfdüngung mit nachfolgendem Unter- eggen oder Hacken. Eine mittelstarke Gesamtstick- stoffdüngung find etwa 15 bis 20 Pfund Stickstvft auf den Morgen. Geben wir davon auf nährst)ft- armen Böden und bei später Aussaat zwecks rascher Kräftigung der jungen Pflänzchen noch vor Eintritt des Winterfrostes, wie es in diesem Iahre bei dem mehr oder weniger guten Saatgut angebracht ist, 1/3 der Gesamtstickstoffzufuhr gleich 5 bis 7 Pfund im Herbst, so wären dies rund 30 bis 40 Pfund Salpeter oder 18 bis 25 Pfund Leunasalpeter oder 25 bis 33 Pfund schwefelsaures Ammoniak. Die doppelte Menge dieser im Herbst gegebenen Stickstoftdünger muß im zeitigen Früi>- jahr außerdem noch als Kopfdünger verabreicht werden. Eine in solchen Mengen fachgemäß angewandte Düngung unserer Winter Halmfrüchte bedingt unter normalen Verhältnissen einen Mehr- ertrag von 3 bis 4 Zentner Körnern mit dem entsprechenden Stroh pro 1/4 Hektar. Einiges noch über die Bodenbearbeitung Im allgemeinen ist hierzu zu sagen, dah Höchsternten bei entsprechend starker Düngung mir ein Boden zu gewähren imstande ist, der die beste Bearbeitung erfahren hat. Wie mm im einzelnen bie Bearbeitung vorzunehmen ist, kann hier nicht gesagt werden, da auch frier wieder die besonderen Verhältnisse (Vorfrucht, Bodenart. Feuchtigkeits- zustarrd usw.) mit berücksichtigt werden m’ifren Der HaupHveck ber Bodenbearbeitung für die Winter- Halmfrüchte besteht darin, den Pflanzen ein gutes Saatbett zu beschaffen. Dieses wird ihnen aber am wenigsten dadurch gegeben, dah, wie es fast allgemein geschieht, der Olcker am Tage der Aussaat erst feine Saatfurche erhält. Die* unausbleibliche Folge dieser falschen Bodenbearbeitungs- maßnahme ist ein häufiges starkes Auswintern der in zu (öderem Boden stehenden Winterfrucht. Sie Saat furche ist frühzeitig zu geben, damit die Ackerkrume sich sehen und den Wurzeln ber jungen Pflänzchen ehren festen Halt gewähren kann. Ist durch besondere ilmftänbe, wie z. D. Aussäen der Winterhalmfrüchte nach Hackfrüchten, die spät das Feld räumen, eine rechtzeitige Saatfurche nicht zu geben, so muß künstlich durch Walze oder noch besser den ülntergrundpacker die Beseitigung der durch das frische Pflügen im Boden entstandenen Hohlräumen erstrebt und ein dichterer Zusammenhalt (Setzen) des unteren Teils der Ackerkrume bewirkt werden. Eine zu feine Herrichtung der Oberfläche des Saatackers ist ebenfalls unter allen Umständen zu vermeiden, weil einmal die auf der Oberfläche vorhandenen mehr oder weniger großen Schollen den Schnee besser fest halten und dadurch die Saat schützen, und andererseits eine zu feine Oberfläche zu sehr der Gefahr der OZerschlämmung ausgesetzt ist, was ein Ersticken und Faulen der Saat während des Winters zur Folge haben würbe. Die Vertilgung der Herbstzeitlose. Oluf den Wiesen hat sich im vorigen Iahre vielfach die Herbstzeitlose, welche den Wiesenertrag beeinträchtigt unb für ba£ Vieh schädlich ist, gezeigt. Die Vertilgung der Herbstzeitlose kann erfahrungsgemäß dadurch geschehen, daß das Kraut ber Pflanze 2—3 Iahre nacheinanber zur Zeit des höchsten Saftstandes — womöglich bei feuchtem Boden — ausgezogen wird, inf:>(gebeffen ersticken bie Zwiebeln nach und nach im eigenen Safte. Erfolgt einige Zeit vor bem Ausziehen des Krautes eine kräftige Düngung, sei es mit Tho- masmeA, Kainit ober auch Kompost, so ist ber Erfolg ber Vertilgung ein um so sicherer. Durch bie Düngung wird bie Rasennarbe dichter, unb bie durch bas Ausziehen an und für sich schon geschwächte Lebenskraft ber Zwiebel vermag nicht mehr so leicht ihre Triebe durch diese dichtere Rasennarbe hindurchzudrücken. Kohlpflanzen für das nächste Frühjahr. Um im nächsten Iahre recht früh Kohlgemüse zu haben, kann man bekanntlich schon ls" Aussaaten von Weiß-, Rot- und Wtrsmgkohl machen. Vielfach werden hierbei Fehler in der Anzucht dieser Pflanzen begangen. Man vermeidet sie am ehesten, wenn man an die Aufgabe dieser Pflanzen denkt, den Winter gut zu überstehen. Darum suche man weniger große, als ft dm» mige Pflanzen mit festem Gewebe zu erzielen. Am besten sät man in ein leer gewordenes Misb- beet (das natürlich keine Düngerpackung bekommt). Die Mistbeeterde darf für diese Pflanzen nicht zu fett sein, damit sie moch vor Winter nicht zu üppig wachsen. Man sät gleich so, daß die Pflanzen stehen bleiben können, ohne zu dicht zu stehen. Beste Entfernung 8 mal 8 im Quadrat. Ilm diese Entfernung zu erzielen, kann man die Samen entweder in Rillen oder breitwürfig dünn aussäen und dann auf die angegebene Entfernung verziehen. Ein Berstopfen (Pikieren) schwächt jedesmal das Wurzelwerk und dadurch die Winterfest igkeit. Gegossen werden die Pflanzen möglichst wenig oder gar nicht, damit das Gewebe recht fest bleibt. Die Mistbeetfenster werden erst bei stärkerer Frostgefahr aufgelegt und beim Vvr- übergehen derselben wieder ab- oder wenigstens hvchgehvben. Rur bei ganz großer Winterkälte werden Strohmatten aufgelegt. Man kann die Pflanzen auch auf ein gewöhnliches Freilandbeet aussäen. Dann wirft man am Rande desselben einen etwa 20 Ztm. hohen Wall auf und überdeckt die Beete mit Stangen, auf welche man dicht Spargelkraut, Stroh und dergleichen breitet. Winterhärte Sorten sind: Bon Weißkohl „Maispitz" und „Expreß". Bon Rotkohl „Früher, Keiner, roter Erfurter". Bon Wirsing „Advent" „Kitzinger", „Almer". Alle diese Sorten sind durchschnittlich Ende Juni schnitt fertig. Ueberwinterung der Artischocken. Die Durchwinterung der Artischocken geschieht am sichersten, wenn man sie im Spätherbst aus dem Sande hebt, in trockenen Sand im Keller eiw- senkt, gegen Mäuse bewahrt und sie dann im Frühjahr, wenn kein Frost mehr zu befürchten ist, in ein gut zugerichtetes Beet einpflanzt. Oder man macht an einem recht trockenen Ort ein» 30 Ztm tiefe Grube, seht die auf 90 bis 120 Ztm. eingestuhten Pflanzen hinein und bedeckt die Wurzeln samt den Pflanzen mit Erde. 3m Frühjahr versetzt man sie dann wieder auf die Beete. 3m Lande überwintert man sie auf folgende Weise: Wenn die Fröste eintreten, so schneidet man «das Kraut 2 Zoll hoch über der Erde ab, häufelt letztere über die Stöcke, deckt frischen Pferdemist darüber, harkt im Frühjahr, wenn feine Fröste mehr zu befürchten sind, das Stroh hinweg und gräbt den feineren Mist zwischen den Stöcken ein, ohne aber diese dabei zu verletzen oder zu lüften. Mancherorts stellt man auch ein viereckiges, 30 Ztm. hohes, unten und oben offenes Kästchen über die Pflanzen und überdeckt dasselbe mit Laub, Stroh und Pferdemist. Wenn man im 3anuar oder Februar ein Mistbeet anlegt und die Artischocken hineinpflanzt, so kann man von ihnen schon im April oder Mai ernten. t3m Anfang hält man die Pflanzen warm und lüstet sie wenig, bei guter Witterung aber gibt man ihnen mehr Luft. Fragekasten. Frage 53: Wie kann man jetzt Stachelbser- (bzw. 3ohannisbeer-) raupen vertilgen, so daß sie nächstes 3ahr nicht wieder auftreten? Antwort: Die Wintereier, Puppen, Raupen und geflügelte Weibchen der Schädlinge überwintern am liebsten zwischen abgefallenem Laub. Es empfiehlt sich daher, die Umgebung der Beerensträucher von jedem Unkraut und trockn em Laub zu säubern und zu verbrennen. Sodann überstreut man den Boden unter den Beerensträuchern mit Aetzkrlk und gräbt so tief wie möglich um, so daß alle Brut, die etwa schon ihr Winterquartier bezogen hat, in eine Tiefe von 20 bis 30 Zentimeter gebracht wird, wo sie zugrunde geht. Würde dieser vorbeugende Kampf alljährlich und in jedem Garten geübt, so würden wir bald Herr der Schädlingsplagen fein. Wenn aber der böse Rachbar nichts tut, dann ist alle Mühe vergebens. Ein einziger verwahrloster Garten verseucht zehn andere. Frage 54: Wie sieht der Speierlingsbaum aus? Gedeiht er bei uns und von wo kann man junge Bäume beziehen? Antwort: Der Speierlingsbaum, Svrbus domestica, einheimisch im südlichen Europa bis Algier, ist ein seltener, den meisten Obstzüchtern nur dem Ra men nach bekannter Baum, welcher früher in Rheinhessen, im Rheingau, im Lors- bachtal, auch in der Wetterau bei- Hochweisel und Fauerbach angepflanzt und verwildert vorkam. Da er aber nur langsam wächst und verwildert strauchartig bleibt, so dürfte er an vielen Orten infolge der Feldbereinigungen verschwunden fein. 3m Aussehen gleicht er der Eberesche und hat wie diese gefiedertes ßaub, das aber stärker gezähnt und unterseits weißlicher ist. Die Blüten sind doppelt so groß wie die der Eberesche, die in Büscheln zusammenstehenden Früchte sind grün, vom Aussehen kleiner Birnen. 3hr Geschmack ist ungemein herb, doch werden sie wohlschmeckend, wenn man sie wie Mispeln teigig werden läßt. Das weihe Holz ist zäh, es ist das schwerste aller in Deutschland vorkommenden Gehölze und zu Drechslerarbeiten und Schnitzereien- besonders geschäht. Der Wert des Speierlingshaumes besteht darin, daß der Saft der gerbstoffreichen, herben Früchte dem Apfelmost zugeseht, einen klaren, dauerhaften und wohlschmeckenden Apfelwein gibt. Speierlingsfrüchte find daher sehr gesucht und werden gut bezahlt. Man ersieht den Baum aus Samen, er braucht nicht veredelt zu werden. Veredlungen auf Ebereschen, Mehl- und Elsbeer- bäume wachsen zwar an, sind aber nur von kurzer Lebensdauer. Am vorteilhaftesten bezieht man junge Bäume aus größeren Baumschulen. An Boden und Lage macht der Speierlings- oder Sperberbaum, wie er auch genannt wird, keine besonderen Ansprüche. Frage 55: Wie Farm man Hagebuttenwein Herstellen? Antwort: Rezept 1: Reife Hagebutten werden von Stil und Kelch befreit und dann in den Keller gestellt, bis ba8 Fruchtfleisch ganz weich geworden ist. Dann werden sie gründlich verknetet. Alsdann gibt man zu 10 Liter Hage- buttenmafje 5 Liter Wasser, rührt das Ganze tüchtig mit einem Holzlöffel durcheinander, läßt es einige Tage an einem kühlen Orte stehen und preßt barm aus. Der Rückstand wird abermals mit 5 Liter Wasser durcheinander gerührt und nach etlichen Tagen nochmals abgepreht. Dies Farm zum drittenmale wiederholt werden. Der gewonnene Most wirb mit 450 Gramm Zucker pro Liter versetzt und barm zum Gären in einem mäßig warmen Zimmer bei 12 bis 15 Grab auf- gestellt. Dabei wirb die Oeffnung von Anfang an mit einem Gärspund ober einem feuchten, tauberen Lappen zu verschließen sein. Zu bemerken ist, daß bie Gärung nur langsam vor sich geht unb der Wein nicht vor Mitte nächsten Sommers auf Flaschen gefüllt werden darf, weil er sonst nachgären würde. Ergebnis: Ein Helles, fast weißes, alkoholarmes, aber sehr angenehmes Getränk. — Rezept 2: 8 Liter reife Hagebutten werden von Stielen und Kelchen befreit, einmal ausgeschnitten und in eine etwa 40 Liter haltende Korbflasche getan. Hierauf werden 10 Pfund Zucker in 25 Liter Wasser aufgekocht, und dieses nach dem Abkühlen auf etwa 20 Grad nachgefüllt. Rach der stürmischen Gärung stellt man das Gefäß in einen luftigen Keller und zieht den Wein nach 4 Monaten auf Flaschen. Ergebnis: Ein vrangeroter, ziemlich kräftiger Wein. Der Rückstand kann durch Auffüllen mit der angegebenen Menge Zucker und Wasser zum zweitenmale zur Weinbereitung benutzt werden. Turnen, Sport und Spiel. Fußball. Morgen empfängt der S p o r t c tu b 19 0 0 in einem Gauligatreffen an der Hardt die Mannschaft des F.'C. Germania-Osterode am Harz. Die Gäste muhten bereits heute mittag um 2 Ahr auf die Reise gehen, um in Gießen ihrer Pflicht nachzukommen. 3n Anbetracht der schlechten Zugverbindungen erklärte sich 1900 bereit, das Spiel vormittags 10.30 Ahr auszutragen. Nachdem 1900 die drei ersten Spiele teilweise unverdient verlor, konnte es vergangenen Sonntag in Wetzlar gegen F. C. 05 die ersten Punkte nach Giehen mitnehmen. Auch morgen wird es einen spannenden Kampf geben und ist in Anbetracht der hervorragenden Gästeverteidigung der Ausgang des Treffens vollkommen offen. Die Zuschauer werden sicher auf ihre Kosten kommen. Das Ligafpiel B. f. D. Gießen—Germania Marburg findet dagegen erst nachmittags statt. Houben läuft einen Weltrekord. Recklinghausen, 10. Olt. (TU.) Houben, der deutsche Meister, betrat gestern unter dem 3übel der Tausende von Zuschauern den Biktoriaplatz. 3m Zwischenlauf brauchte er über 100 Meter 11 Sekunden, dafür wurde aber der Gnglauf um so spannender. M o st - Krefeld, fein gefährlichster Gegner, fam sehr gut vom Start, hingegen Houben um so schlechter, und unter dem Druck dieser Tatsache wurde nun der Endkamps das Spannendste, was man je gesehen hatte. Houben, der zunächst den Kampf kaum glaubte gewinnen zu können, holte mehr und mehr auf und schob sich in den letzten Metern unter dem brausenden 3ubel der aufs höchste gespannten Menge an Most vorbei. Als aber die Zeit von 10,4 Sekunden bekannt wurde, brach der 3ubel der Menge nochmals stürmisch hervor. Houben lief mit Rückenwind, doch wurde sein Vorteil durch den ungünstigen Start mehr als crus- geglichen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 12. Ott.: Der Rosenkavalier. Montag, 13.: Die Boheme. Dienstag, 14.: Tannhäuser. Mittwoch, 15.: Rigoletto. Donnerstag, 16.: Der Schatzgräber. Freitag, 17.: Ariadne auf Raxos. Samstag, 18.: Der fliegende Holländer. Sonntag, 19.: ®ie Zauberflöte. — Schauspielhaus. Sonntag, 12. ua., naajm» 3 Ahr: Rctthan der Weise. Abmds 8 Ahr: SochS Personen suchen einen Autor. Montag, 13.: Bvmmelstu denken. Dienstag, 14.: Der Liebes- tva.ck. Mittwoch, 15.: Rathan der Weise. Donnerstag, 16.: Die Hermannsschlacht. Freitag, 17.: Sechs Personen suchen einen Autor. Samstag, 18.: Der Liebestrank. Sonntag, 19.: Die Hermannsschlacht. Eingesandt. (Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Tierschutz. Es ist bedauerlich, daß es auch hier in Gießen Menschen gibt, deren Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt auf einem sehr tiefen Riveau steht. 3n 3ndustriebezirken ist eher die Berständnislofig- keit gegen alles Leben zu begreifen, als an Orten, die umgeben sind von einer gut entwickelten Landwirtschaft. Ein trauriges Beispiel- fall ein Beweis zu der Behauptung fein: Eingeengt von Mauern und Lattenwänden liegt hier in Gießen ein nur wenig Quadratmeter großes Plätzchen, mit Steinen gepflastert; kaum Raum genug, die alles Leben erzeugenden Sonnenstrahlen hineinscheinen zu lassen. Holzstöße und halbverfaulte Holzkisten verengen den Raum immer mehr — und vom Schmutze erst gar nicht zu reden. Hier an diesem Ort ist durch Menschen- wille gezwungen, Leben zu vegetieren. Ein armes Schwein, das nicht weiß, wo es sich lassen soll, das keinen warmen Anterschlups hat, „lebt" hier, und auf dem kalten Steinboden streckt das Tier seine müden Glieder aus. Ein ungepflegter Hund, mit struppigem, verstaubtem Haar, abgemagertem Körper, traurigem Blick, steht an einer Kette gebunden bar und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Hühner laufen umher unb find für jede zugeworsene Brotkrume dankbar. — So ist es mit dem Tiergarten dieses verständnisvollen Besitzers bestellt. Den Pflanzen geht es aber auch nicht besser. An mehreren Stellen bie)e§ sogenannten Hofes sind je ein Stein aus dem Bodenbeläge herausgenommen und in diesem nur wenige Quadratzentimeter großen Löchern sind Deerenobst- sträucher gepflanzt. Ein Einblick in solch eme „Wirtschaft" darf genügen, einen Rückschluß auf den Eigentümer ober Besitzer ziehen zu lassen. Richt nur die geringe Siebe zu Tier unb Pflanze, sondern auch die geringe spekulative Befähigung ist in solchen Fällen erstaunlich. Wie kann ein Tier unter solchen Verhältnissen freudig gedeihen und den erhofften Gewinn abwerfen? Möge jeder Leser dieser Zeilen, der sich mit betroffen fühlt, aus sich heraus Abhilfe schaffen oder soll der Staat seine Mittel einsehen, um solch rohen Treiben machtvoll entgegentreten zu können. H. M. Sonntagsdienstd.Acrztc «.Apotheken am 12.10.24: Dr. Geyer. Frl. Dr. Gürtler. Engelavotheke. Dicker Hals und Blähhals wird durch Sagitta Eichheimer Balsam entfernt. 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Platz Mk. 1.50, 3. Platz Mk. 1.—. 024124 Mtihtkfaen* Samstag, 18. Oktober 1924, abends 8*/2 Ubr beginnend, in der Turnhalle des Turnvereins von 1846 MöMW. verbunden mit Abendunterbaltung und Ball. Der Vorstand. Düngekalk in Waggonladungen und im einzelnen liefert äußerst preiswert [6510c Carl Haas jr., Gießen Frankfurter Str. 69, Telephon 1682. ist stets frisch gebrannt ab unserem Werk am Bahohof in Biabor oder per Waggon, Lastenzug und Fuhrwerk frei Baustelle zu haben, 6451D Menz & Schlierbach G. m. b. H., Dillenburg iHÄbtelinnsKalkwerkBiebertf« Fernsprecher: Dillenburg 186. Rodhelm a. c de.- 3. 2L Maffei, München: die Zweizylinic aß- die skunft 'leiden 'ödiger aße 35 und von 1 erteilt ystem n gleich 7896a dampf güterzuglokomotive der 2L E. G., D v i Vierzylinder-Heißdamp:schn ftz glokrmottv. ct obigen mt Teil Inner ung Die eisenbahntechnische Ausstellung in Seddin. Don Karl Eckert. Osts Jbesie MitieS das Haar gesund zu erhalten, die lästige Schuppenbildung zu verhüten und dadurch das Wachstum der Haare zu fördern, sind regelmäßige Kopfwaschungen mit dem weltbekannten „Schaumpon mit dem schwarzen Kopf“. Dieses altbe- währte Fabrikat ist unter Verwendung bester Rohstoffe sorgfältigst zusammen- ; <■*" y gesetzt und gibt dem Haar Glanz und Fülle. Man verlange ausdrücklich wHfieK Schaumpon Marke Schwarzkopf mit der weltbekannten Schutzmarke „Schwarzer Kopf“ und weise Nachahmungen zurück. >50 M. en usw- •eise. sind für iie sofoH, en ,=igl06 gegenwärtige Vildungsfrage. Don Dr. Friedrich Feld, Gießen. Der Artikel des preußischen Staatssekretärs Becker über „Dildungsfvagen der Gegenwart" in Dr 231 des Gießener Anzeigers veoanlaht mich, die Frage der Errichtung von Wirtschaftsoberschulen als einer noch kaum berührten wichtigen Bildungsnotwer :gleit der Gegenwart vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Becker stellt fest, daß die neue Zeit infolge ihrer Harken Betonung technischer und wirtschaftlicher Fragen neue Ziele und Wege der Bildung neben den alten fordert. Er bringt damit dje Bildungsreform der höheren Schulen in Zusammenhang und zeigt die neuen Schultypen, mit deren Berücksichtigung man den Erfordernissen der Zeit entgegen kommen will. Doch ist meines Erachtens ein Organisationsfaktvr nicht beachtet, auch in sonstigen wertvollen pädagogischen Reformschristen unserer Tage, nämlich die praktisch-wirtschaftliche Znteressenrich- tung eines Teiles unserer höheren Schuljugend. Wir können an dieser Tatsache heute nicht mehr ohne Schaden für die Volksbildung vorübergehen, zumal die Bedeutung dieser auf innerer Veranlagung beruhenden spezifischen Znteressenrrchtung für den Bildungserfolg von Autoritäten wie Ker- schensteiner, Spranger, Aatorp, Alohs Fischer u a. wissenschaftlich einwandfrei erwiesen ist. Reben das allgemeine Dildungsziel ist d.e D e r u f s- bildungsidee getreten und verlangt Gleichberechtigung. . Niemand wird behaupten wollen, daß ine Zusammenfassung des gesamten Kulturinhalts in einem Bewußtsein freute noch so möglich sei wie zur Zeit der Philosophenepoche Anfang des 19. Jahrhunderts. Was damals zur Rechtfertigung der Allgemeinbildung gelten konnte — zu einer Zeit, wo das humanistische Gymnasium noch M M ™’a les-- Vasch- und igenstände Waggon- und Maschinenfabrik A. ®., Bautzen; die G-Tender-Lokomotive mit Kaprotti-Steuerunq der Hannoverschen Maschinenfabrik A. G.: die ORaß- dampf-Tender-Lokomotive ter Henschel & Sohn G. m. b. H., Kassel: die Hcißdampfgüterzug- Tender-Lokomotive der Union-Gie' crei, Königsberg i. Pr.; die zwei G-Heitzdampspersmtenzug- lotomotive der Lincke-Hofmann-Lauchhamm r AG., Breslau: und den Clou der ganzen Ausstellung, die Turbo-Lokomotiv? d r Friedrich Krupp Akt.-Ges., Eisen. Endlich erwähnen boten werden tann. Es ist naturgemäß unmöglich, im Rahmen des hier zur Verfügung stehenden Raum>^ technische Einzelheiten klarzulegen, deshalb wollen onr uns auf die Bemerkung beschränken, daß die einzelnen Erfindungen und Patent? ein über- arältigendes Zeugnis von dem genialen Gehle ter deutschen Technik ablegen. Gewinnt der 'Beschauer schon diesen Eindruck tei einem flüchtigen Besuch der Ausstellung in der Halle, so steigert (ich dieser Eindruck zu offenbarer Bewunderung, sobald er die genial konstruierten Lokomotiven, und Wagen sicht, die auf dem Ausstellungsgelände im Freien ausgestellt sind. Auch hier müssen wir uns auf die Rcnnung nur weniger neuer Konstruktionen beschränle.i, wir fuhren an: Die Gleisverlegemaschin? der Firma Mohr & Fedcrhaff, Mannheim, die Lichtsignale der AEG Berlin: die Willison-Kuppelung der Knorrbremse A. G., Berlin-Lichtenberg: die Gleis- .ückmachmaschine der Robert Jakobi G m. b.H, Berlin-Dahlem: die ^okomotwschiebebuhne der Rheincr Maschinenfabrik, Windho.f A^G.. Rh^rn, n Westfalen: die Deuckliiftgestcuerte Glersbrem^e per Jordan Bremsengesellscyaft, Reukol n: die verschiedenartigen Systeme von Grubenlokomotiven der Firmen 21. Borsig G. m b. |H., Derlin- Teael' der A E G., Berlin: der Henschel & Sohn G m b H., Kassel: der Hannoverschen Maschinenbau A ©., Hannover-Linden: der Berliner Maschinenbau AG. Schwachlopff, Berlin: die verschiedenen vierachsigen Durchgangstersonen- wagen 2. Klasse der Lincke-Hoffmann-Lauchham- mer A G 'Breslau der Waggonfabrik Wismar, der Eisenbahnvcrkehrsmittel A. G-. D^lrn-W^- mar' die verschiedenen Straßenbahnwagen der Rorddeutschen Waggonfabrik A G Bremen: ter Waggonfabrik Gebrüder Gastell G. m. vH. Mainz-Mombach: die veiffchi^m^fen ^lbst entladewagen der Fredrich Krupp . her A G für Eisenbahnbeöarf, Weimar, der Christoph & Unmack A. G Waggonfabrik 21. G., Rastatt: der Gothaer Wag gonstchrrk 2t. ©., Gotha: ^Daggon- ui^ Ma schinenbau A. G., Görlitz: d^ Bochumer Vereins für Bergbau und Guststahlfabrrkitro^ Bochum den vierachsigen Vollwagen für die Befo^erung von Vollspurwagen arst schmalspurigen ft l . der Bvth & Tillmann G. m. b. H-, Dortmunds ^er die Drilling-Heißdampf -Personenzuglotomotive der A Borsig G. m b. H, die Vierzylinder-Der- bnnd-Heiß!.ampf°Lorcm: tive der Ma ch nenfabrik Eßlingen: die Heißdampf-Tender-Lokomotiv. für Portugal: der Henschel & Sohn G. m b H., Kassel: die Einphasen-Wechselstrom-Lchnellzug- lokomotive der Berliner Maschinenbau A. G. Schwarhkopff: die Gebirgs-Güter g s komotive de A E.G., Berlin; und die verschiedenen Schlafwagen der Firma Wegmann & Co., Kassel: der ßtirde - Hofmann - Lauchhammer 21. G . Breslau: und der Waggon- und Maschinenbau 21. ©., Görlitz. Der Gesamteindruck der Ausstellung muß bei jedem objektiven Beurteiler tiefste Bewunderung der deutschen Technik auslösen. Das Deutsche Reich ist im Auslande tributpflichtig und soll einen Teil dieses Tributes in Sachlieferungen leisten. Es ist verständlich, daß unter die'sm Gciichtswinlel die Eisenbahnausstellung in Sed in das besondere Interesse der ehemals feindlichen Staaten findet, und darin liegt auch die Erklärung für den Besuch der Ausstellung du.ch a.';L» reiche ausländische Gäste. 21ilc diese Wunder deutscher Technik, die auf dem Ansst ?llu.ngsgestinde bei Seddin aneinanderger.iht sind, werden in absehbarer Zeit an das Ausland abgeliefert wer-» den, denn mit wenigen Ausnahmen sind diese großartigen Lokomotiven, Güterwagen, Schlafwagen, Transportwagen usw. bereits vom Auslande auf Reparationskonto angesordert. Die'r Tatsache sollte dem Beschauer zu besonderem Rachdenken ein ernster Anlaß sein; die zahlreichen auf dem 2lusstelliungsgelände herumwimmelnden fremdländischen Gestalten, die mit einem leichten Lächeln des Triumphes von Wagen zu Wagen gehen und sich mit dem Bleistift tn der Hand Rotizen machen, haben ihre tiefere Bedeutung und zeigen des Deutschen Reiches Ohnmacht in schreiendem Gegensatz zu der gewaltigen Größe deutscher Technik, bereu Spiegelbild diese Ausstellung in reinster ZinSarnation ist. Wenn wir unS darüber klar werden, welcher wirtschaftliche Aufschwung sich unter regulären Verhältnissen mit den hier gezeigten neuen technischen Errungenschaften für die einzelnen Maschinenbauanstalten ergeben müßte, begreifen wir erst die ganze Schwere des verlorenen Weltkrieges, der uns heute in den Frondienst anderer Staaten zwingt. als einziger höherer Schultypus bestand —, das ist heute längst überholt. Deshalb muß die auch jetzt in -.elen Kreisen bestehende ^leberschähung der theoretischen Allgemeinbildung einer Rachprüfung unterzogen werden. Bei der Einrichtung der vier auch von Decker angegebenen höheren Schultypen ist man aber auf halbem Wege stehen geblieben; denn wo bleibt die höhere Schuliorm für den wirtschaftlich gerichteten Menschen, den „ökonomischen Typus" (Spranger), der in seiner praktisch gerichteten Veranlagung weder in der antiken tGymnasium), noch in der westeuropäischen Kultur (Realgymnasium), noch in der Betonung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung (Oberrcalschule), oder vornehmlich dentschkund- lichen Erziehung (Deutsche Oberschule) die Wurzeln für feine Bildung finden kann? Hier muß die Bildung an Kulturgütern vorgenommen wer den, deren Wesenheit und Inhalt der inneren Beschaffenheit der jugendlichen Seele entspricht, um Kerschensteiners ..Grundaxiom des Bildungs p.r-:sts" volkstümlich auszudrücken. Das sind aber hier die kaufmännisch-wirtschaftlichen Leh'.- gebiete. Wirtschaftlich veranlagte junge Menschen müssen bei hauptsächlich theoretisch-abstrakter Geistesschulung notwendig verkümmern, genau so. wie ds mit künstlerischen Ratucen geht. Dies ha: Karl Reinhardt, der aneilanntc frühere gue, uw,in im preußischen Kultusministerium schon vor Jahren ausgesprochen und in seiner „Reugesta- tung des höheren Schulwesens" für solche Veranlagungen die höhere Fachschule verlangt, die zur Hochschule führt. Auch Boelitz, der jetzig? preußische Kultusminister, schreibt, ohne aber bi: Konsequenzen daraus zu ziehen: „Die Durchdrin - oung der Fach- und Berufsschulen mit wissen - sel-aitiich?n Bildungstendenzen, der Ausstieg von der Berufsarbeit zur theoretischen Erfassung der Probleme fordert immer mehr eine organische V rbindung mit den Hochschulen." „Daß es oft di- stärksten und eigenartigsten Begabungen sind, Menschen, die neue Ideen und schöpferische Kräfte in d.e höheren Deruse tragen und zugleich Drücken über die unser Volk zerklüftenden Risse schlagen", — stützt weiter unsere Forderung, solchen Menschen einen anderen als den bisher möglichen Weg zur Hochschule zu weisen. Wir fordern für sie die Wirtschaftsoberschule als 5.TY- pus der höheren Schulen. Mit dieser Forderung betreten wir Wege, die ter Sächsische Philologenverein bereits gegangen ist, gemeinsam mit den Diplomfrandelsleheern. Er hat der Errichtung sechsjähriger Oberschulen (ab Untertertia) auf der Grundlage w i r t s ch a f t s - w slenschaftlicher Bildung Anfang dieses Jahres zugestimmt. Statt dieser sechsjährigen Aufbauschule könnte der Aufbau auch auf der Ober- sekundareife geschehen, zu einer Zeit, wo man s hon besser die individuelle Befähigung des Zöglings beurteilen kann, die nach der pvaktifch-wirt- schaftlichen Seite hin veranlagten Absolventen der Untersekunda der verschiedenen höheren Lehranstalten bzw. die Mädchen der 1. Klasse der Lyzeen würden sich in dieser neuen Schulform zusammenfinden. Dieser älebergang besteht ja freute schon bei den höheren Handelsschulen. Als neue Forderung käme für sie nur noch eine dreijährige Durchführung bis zum Wirtschafts- ' matur in Betracht, das die volle Berechtigung zum wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulstudium einschließt. In dieser Wirtschaftsoberschule kann die Ausgabe ohne Hemmung in den Vordergrund treten, durch geistig« Schulung an lebensnahen, den Wirtschaftsverhättnisfen früherer und jetziger Zeit entnommenen Stoffen die Jugend zu be- fäiyigen, ihre dahin gerichteten Interessen und Veranlagungen weitestgehend durchzubilden, um später als tätiges Glied in schöpferischer Gemeinschaft mitzuwirken. Diese Aufgabe ist durch gemeinsame Arbeit der wirtschaftsakademisch und philologisch vorgebildeten Lehrer durchzusühren. Wir weisen von vornherein den Einwand zurück, daß sich die neue Schule nur in den Dienst, einseitiger Fachbildung stelle, die die allgemeinen Kulturwerte vernachlässige und banausige Berufsmenschen erziehe. Vielmehr sollen die hauptsächlichen, an den höheren Schulen bewährten, besonders kulturkundlichen Bildungsstoffe im Dienst der Menschenbildung gepflegt werden, aber in einem Umfange und mit einer Zielstellung, dies die Wirtschaftsoberschule erfordert. Richtunggebend für uns bleibt die Erkenntnis, daß man'auch durch die Berufsbildung hindurch zur Menschenbildung kommen kann, wenn man nicht gar bebrupten will, daß dies nur der einzig richtige Weg ist, angesichts der durchweg fehlenden rem menschlichen „Gebildetheit" unserer Ab- iturienten den einfachsten Aufgaben des menschlich-gesellschaftlichen Daseins gegenüber. Ueber die innere lehrplanmähige Organisation der Schule soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden. Die Oeffentlichkeit interessiert vorerst die Art. wie die Rotwendigkeit der Schule begründet wird. Ein Vorteil der Wirtschaftsoberschule, den auch die Universitätslehrer der Wirtschaftswissenschaften begrüßen werden, besteht dann, daß die Hochschullehrer davon befreit werden, in aller Breite die Elemente des wirtschastswissenschaft- lichen Studiums vorzutvagen. Sie werden vielmehr in die Lage versetzt, ihre Lehrgebiete für eine schon qualifizierte Hörerschaft auszuwählen und ihre eigentlichen akademischen Bil- dungsziele besser zu erreichen. Damit wird auch den Studierenden der Weg zu intensiverer wissenschaftlicher Forschung freigelegt. Gerade von akademischer Seite aus muh die Wirtschaftsoberschule gestützt werden. In einer Zeit, wo das akademische Studium sich immer mehr spezialiftert, muh auch das v o r akademische Studium entsprechend differenziert werden, damit die Stu- I dierenden die notwendigen begrifflichen Grundlagen für ihr Studium mitbringen können. Es | handelt sich hier nicht um die rein kaufmännisch- Die eisenbahntechnische Ausstellung in Seddin, die vom 21. September vis zum 5. Oktober 1924 anläßlich der eisenbahntechnischen Tagung vom Verein Teutscher Ingenieure in enger Verbindung mit der Deutschen Reichsbahn veranstaltet wurde, ist auf Grand ihres großen Erfolges bis zum 19. Oktober verlängert worden. Es ist von Interesse, festzastellen, daß aus allen Seilen des Deutschen Reiches und aas dem europäischen und asiatischen Auslande diese Ausstellang die größte Beachtung findet. Man trifft dort Franzosen, Engländer, Spanier und Japaner, die von Wagen zu Wagen gehen und von Lokomotiv' zu Lokomotive und sich temühm, das G .he'mnis, das die deutsche Eisenbahntechnik umgibt, zu entschleiern. An einem wundervollen Oktvberlage fuhren wir, einer Einladung der Firma Friedrich Krupp A. G., Essen Folge leistend^ von De lin nach dem in der idyllischen Einsamlert der Mark liegenden Seddin. Die Äsenbahnfahrt, die etwa eine Stunde dauert, führte uns über Wannsee, Drewitz, Potsdam blieb rechter Hand liegen, an Rehbrücke vorüber über Michendorf nach dem Ziele. Rech.s und links flogen die alten märkischen Wälder vorüber, in Rehbrücke sahen wir zahlreiche Billen- bauten, die neuen Siedelungen des KyfsHäuser- Bundes, weite Felder wechselten, und über allem lag der goldene Herbstsonnenschein. In Seddill lag rechts von der Bahnlinie die Ausstellung. Tausende von Menschen ftrömten durch den Eingang, und immer erneut spieen ankommende Züge noch mehr Menschmmassen aus Beim Eintritt in die Ausstellung betraten wir zunächst die links am Eingang flehende Ausstellungshalle, in der eisenbahntechnische Reue- Tungcn und Erfindungen aller Art zu bestchtigea sind. Schon hier zeigte sich das tiefe Interesse der Besucher, die ftch von Stand zu Stand rand ton Wagen zu Wagen schoben und die einzelnen Doi-führungen mit Ausdrücken des Staunens und der Bewunderung begleite'en. De'onrere Aufmerksamkeit erregte u. a. das Kraftstellwerk der Firma Orenstein & Koppel 21.®., B?rlin; das Der- führungsstellweiTk der AG.®., Berlin; der elektrische Zugfolgoanzeig?r der Siemens & Halske A ®., Berlin; der Hebckschienenstromschließer der C Lorenz A ® , Berlin; die Apparate zur mechanischen Reinigung von Dampftesseln der Firma Heinrich Baschy, Hamburg: die ®leisstopfmasck>rne der Firma Friedrich Krupp A G., Essen (Ruhr); die PveßluftentstLubungsanl>age der Firma 21. Dcnsig ®. m. b. H.; der vierachsige Schlafwagen der Lincke-Hofmann Lauchhammer A G.; das Doppelabteil für einen vierachsigen Schlafwagen (Modell) der Waggon- und Maschinenbau A. G.; die Scharfenberg-Plniversaltuppelung der Scharsen- berg Kuppelung A. G., Derlin; die Schraaben- tkuppelungen der Friedrich Kvapp 2k®., Essen; -und nicht zuletzt die großen Wagen mit den zahlreichen und kompliziertesten Meßgeräten, die in der Mitte der Ausstellungshalle ausgestellt sind. Besonders auf diese Wagen konzentriert? sich das Interesse, bergen sie doch in den im^Wagen- iimern angebrachten zahlreichen und verschiedenartigen Meßgeräten eine solche Fülle von großartigen Erfindungen und Sicheroeitsmaßnahmen für den Eisenbahnbetrieb, die nicht mehr über- die ftigoslawischen Staatsbahnen der Berliner Maschinenbau 21. ®.; die Heißdampf-SchnAl-ug- lokomotive der Sächsischen 2Aaschinen- und Loko- motivfabrik Hartmann, Chemnitz Weiler sollen noch genannt werden: Die zwei O-Heißdampf-Personen'uiglrk: motiv ? des Ei en- bahnzentralam!-es, Berlin: die gleich L fsmotibe der Hohenzollern '21.®., Düsseldorf-Grafenbeig, technischen Fertigkeiten, die man in jedem Kursus bequem erlernen kann, sondern um das ganze kaufmännisch-wirtschaft'.iäx Denken und Fühlen des jungen Menschen gemäß seiner inneren Veranlagung, um die Bereitstellung feiner produktiven Kräfte zur bestmöglichen 2lusübung seines wirtschalilich geeichte.en LebenLberuses. Die diesen Sommer in Marourg abgehaltene Tagung der Staats- und Wirtschaitswissenschaft- l-chen Fachg'.-uppe der Deutschen Studentenschaft (Stawifag) hat mir als älterem Teilnehmer (Ver- tvcter der deutschen D omhandelslehier) gezeigt, txi ; man die Rotwerdigkeit der vorakademischeii Bildungsresorrn in obigem Ginne auch in st ur dentischen Kreisen durchweg anerkannt. Cjiicinem Antrag, betr. di? Errick» ung von Wirt- s uftsoberschnlen als neuer höherer Schulform ub Obersekunda haben die Studentenveili,:er einstimmig zugestimmt. Rückblickend darf zum Schluß bei. argefroben werden, daß die Wir.schaftsobersch..i - eine segens- reche, alle selbständigen Kräfte und Veranlagung gen der wirtschaftlich gerichteten jungen M?n- i fron beanspruchende Differenz: erung der B i l d u n g s w e g e zur Hochschule berb