Montag, n. August 192$ N4- Zayrgang Erster Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig: für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20*/o Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Deutschland bricht zusammen I Sta vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener UDr. Flügge, Sen^spräsident o. D. Ein Abkommen mit der Repko. London, 10. Aug. (WTD.) Gestern wurde zwischen der deutschen 'Regierung und der Repk) ein Abkommen abgeschlossen, das die formalen Bestimmungen für die Inkraftsetzung des Sachverständigenplans enthalt. Das 2lbkommen greift in keiner Weise den Ergebnissen der Londoner Konferenz vor. sondern wird hinfällig, wenn zwischen der deutschen Regierung und den alliierten Regierungen auf der Londoner Konferenz keine Aetereinstim- munq für die Inkraftsetzung des Sachverständigen- Plans erzielt werden sollte. Die 'Repko hat beschlossen, sofort nach Paris zuruckzu- k ehren. r z _ -Rach dem Londoner Berichterstatter von H a - vas enthält das Protokoll: . 1 die Verpflichtung der deutschen Regierung, die dem R e i ch s t a g zu unterbreitenden Orgam- sattonsgesehe betteffend die Notenbank und die Industrie- und Eisenbahnobligattvnen sowie ferner die Empfehlungen der Sachverständigen betreffend eine Kontrolle der verpfändeten Einnahmen durch- zuführen,^ Verpflichtung der Reparationskommission die 800-Millivnen-Goldmarkanleihe zu fördern und den für die Ausführung des Sachoerständigenplanes erforderlichen finanziellen Ausgleich vorzunehmen (Zahlungsvvrschriften für die Liebergangszeit, die Desahungskosten usw.); 3 eine Bestimmung, auf Grund deren die Vertragsparteien sich verpflichten, sämttiche Sttei- ttgkeiten über die Auslegung des Protokolls vom 9 August sowie des Sachverständigenplanes selbst einer schiedsgerichtlichen Entscheidung zu unterziehen: Das Ergebnis der Pariser Reise Herriots. Der Ministerrat billigt einstimmig die Bedingungen Herriots für die Fortführung der Londoner Besprechungen. den würden. Serrtot fofte schließlich di- L-ge W-m- mm uni> ftiiBte sich r»ck-, nam-ntsich-ms !°m. petente Ansicht des Marschalls F o ch. Die Minister und der Präsident der Republik schlossen sich dem Standpunkt des Mrn rsterp ra s i den len einstimmig an. Wenn man sich an das offizielle Cvmmunique hält ©eneral sollet defe Einstimmigkeit nicht durchbrechen wollen und sich «chenfalls der Kollegen angeschlossen. Herrrot bestätigte dreRach- richt^dah b^chlossen worden ser, daß auf die Londoner Konferenz eine weitere Konferenz folgen werde, die die Regel u n g d er int er - alliierten Schulden zum Gegenstand haben soll. Sie werde erst in der z we r t en R c v em ber hälfte, das heißt nach denameri- kanischen Wahlen einberufen tr^en. so daß die Vereinigten Staaten daran t^lnehmen rorrnten. Der amtliche französische Bericht. Paris, 10. Aug. Das offizielle Kom- muniquee, das diese Nacht um 1.30 Ahr bei Schluß des Ministerrats ausgegeben wurde, hat folgenden Wortlaut: Der M i n i st e r p r ä s i d e n t und seine Kollegen C l 6 m e n t e l und General Nollet, die heute die auf der Londoner Konferenz zur Debatte stehenden Probleme in ihren verschiedenen Elementen übersehen, haben den Ministerrat davon unterrichtet, unter welchen Bedingungen die Verhandlungen lhren Fortgang nehmen. Der Ministerrat hat ihnen einstimmig seine volle Zustimmung erteilt. Herriot, Clemente! und General Rollet reisen heute, Sonntag, nach London zurück. Der Verlauf des Ministerrats. Paris, 10. Aug. (WTB.) Leber: den Verlauf des heute nacht von 10 Ahr bis 1.30 Ufjr ate gehaltenen Ministerrats berichtet der „Matm . Als der Ministerrat zusammentrat, standen zwei Auffassungen einander gegenüber, eine, nach der die ^umung des Ruhrgebiets nicht nur von dem effektiven ginn der Erfüllung des Sachverstandigcnplanes abhängig zu machen, sofern auch mit dem französischen S i ch e r h e i t s p r o b lem und dadurch mit der M i l i 1 a r ko n t r o l le in Deutschland und der Abrüstung Deutschlands in Verbindung zu bringen ist, die andere, daß der Wortlaut des Versailler Vectra ge s und die Erklärungen der voraufiiegangenen Regierung Frankreichs die Begleichung der Reparationen sichern und daß die völlige Räumung der seit dem .11. Januar 1923 besetzten Gebiete lediglich von der Ausführung des Sachverständigenplanes abhängig zu machen ist. Der letzteren Auffassung entsprach auch der französisch-belgische Räumungsplan, der der Konferenz unterbreitet worden ist. Zwischen die- fen teiten Lösungen hatte der Ministerrat zu wählen. Der Präsident der Republik beteiligte sich aktiv daran. Der K r i e g s m i n i st e r legte ore Gestchts- punkte bar, die er bereits m London dem Mi nisterpräsidenten auseinandergeseht tette, von de- nen er jedoch wußte, daß sie nur sehr chwer die Zusttmmung der übrigen Kabinettsmitglreder frn- Ein deutsch-französischer Garantiepakt? (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 11. Aug. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Reichs reg ier un g gegenwärtig an einen Vorschlag arbeitet, der den Abschluß eines deu ts ch-f ranzo s i- schen Sicherheitspaktes vvrsieht. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Reichskanzler Dr. Marx und Minister Dr. Stresemann den franzöftschen Minister-Präsidenten nach Rückkehr aus Paris den Vorschlag unterbreiten werden, zwischen den beiden Staaten einen Friedenspakt abzuschließen und so der französischen Regierung die Möglichkeit zu bieten. fürdiemilitärischeRau- mung des Ruhrgebietes eine Unterlage zur Sicherheit Frankreichs in der Hand zu halten, die mehr Gewähr für die Aufrechterhaltung des Friedens bietet, als es jemals Gewaltakte wie die Besetzung des Luhr- gebietes erreichen können, i Die Regelung der Amnesttefrage. Wie der Sonderberichterstatter des Wolfs - bureaus in Konferenzkreisen erfährt, ist das von den Delegattonschefs mit der Behandlung der Amnestie frage bettaute, aus einem deutschen, einem französischen und einem belgischen Sachverständigen zusammengesetzte Iuristenkomitee am Samstag in später Abendstunde zur Regelun gder Amnesttefrage gelangt. Danach erstreckt sich die Amnestie auf alle politischen Handlungen, die in den besetzten Gebieten seit Beginn der Ruhrbesetzung begangen worden sind, und ferner auf alle Zuwiderhandlungen gegen die Befehle, Erlasse und son- sttgen Anordnungen der Besatzungsbehörden und der deutschen Behörden. Alle hiermit zusammenhängenden Strafen werden erlassen und es dürfen feint neuen verhängt werden. Ausgenommen von der Amnestie sind nur solche Personen, die Verbrechen gegen das Leben mit tödlichem Erfolg began- Dieses Schuldbekenntnis ist der deutschen Regierung und der deutschen Nattonalversammlung in Weimar abgepreßt worden! In einer Zeit, in der das deutsche Volk heimgesucht war von der furchtbaren Not des entsetzlichsten aller Kriege, tn der es keine deutsche Familie gab, bei der nicht der Tod eingekehrt wäre, in der die Kämpfe der Revolution Deutschland erzittern ließen — in dieser Zeit haben sich vor den Drohungen unserer Feinde, Krieg. Blockade, Aushungerung fvrt- zusehen und Deutschland gänzlich zu zerstören, und in der Hoffnung, so bessere Frietenstedin- gungen für Deutschland zu erhallen, Männer ge- firnten, die das Schuldbekenntnis abgelegt haben. Das Schuldbekenntnis ist unwahr, ist eine Lüge! Tiefer und tiefer ist Deutschland seitdem tn Not und Elend hineingeführt. Anser Heer ist entwaffnet. Auf deutschem Boden, an Rhein und Ruhr stehen mitten im Frieden unsere Feinde, wir müssen es schweigend dulden. Untere Industrie ist dem Untergänge nahe. Ansere Landwirtschaft I nicht mehr imstande, uns zu ernähren. Ansere Arbeiterschaft arbeitslos und brotlos. Ansere Greise verhungern. Ansere Frauen brechen zusammen. Ansere Kinder darben. Not und Elend, wohin wir blicken. Als Sie 1909 in Berlin waren, führten wir Sie in die Hellstätte in Beelitz, wo die kranken Arbeiter und Arbeiterinnen verpflegt wurden. Sie freuten sich damals, wie gut sie es hätten. Nun — so gut, wie es damals diese Aermsten der Armen hatten, so gut lebt heute in Deutschland von hundert, ja vielleicht von tausend Menschen kaum einer! „One God's prvtecttng Hand we vwn and praise" („Wir kennen und Preisen ein es Gottes schützende Hand") heißt es auf der Glückwunschkarte, die Mr. Henderson und Mr. Stead mir geschickt haben. Ich weih es, Herr Ministerpräsident, Sie sind ein ernster Christ. Ich hoffe, es auch äu fein. Ich spreche zu Ihnen als Christ zum Christen. Hören Sie mich! Deutschland kann die Last nicht tragen, die man ihm auflegen wlll! 4 einen allgemeinen Vorbehalt des Inhalts, daß jede Partei ihre Handlungsfreiheit wiedererhält, falls die 800-Mtllionen- Goldmarkanleihe nicht zustande kommt. Nr. 181 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit ö. Samstagsbeilag«: GießenerFamilienblütter Monats vezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: AnzeigerGiehen. poftfcheckkonto: SraRtfurt a. M. 11686. Offener Brief an Mr. Macdonald, Premier des Britischen Reiches Berlin, anfangs August 1924. Herr Ministerpräsident! Dor mir liegt eine Glückwunschkarte, die mir Neujahr 1910 zugegangen ist. Es heißt darin: Whit best wishes for the New Pear and wtth happiest recollections of the visit of the Labour Members of the British Parliarnent to ©er» manh, Whit sun tibe, 1909.“ (Mit den besten Neujahrswünschen und mit freundlichster Erinnerung an den Besuch des Arbeitsausschusses des Britischen Parlaments in Deutschland, Pfingsten 1909). Darunter ist der Anion Jack und die deutsche Flagge abgebildst, unter denen zwei Hände fest ineinander liegen — Deutschlands und Englands Hand — darunter stehen die Namen von Mr. Arthur Henderson, Ihrem freunde, und Mr. F. Herbert Stead, über dessen Grab heute die Wogen des Ozeans rauschen — Browning Hall, London, S. E. Darf ich Sie an diesen Besuch erinnern, Herr Ministerpräsident, den kurz nach Pfingsten 1909 etwa dreißig Mitglieder der Labour Party in Berlin abgestattet haben? Auch Sie waren darunter und Ihre Gemahlin, und ich hatte als Vorsitzender des Berliner Empfangsausschusses die Ehre, Sie zu führen. , Sie und Ihre Freunde kamen damals nach Berlin, nachdem kurze Zeit zuvor eine Abordnung hervorragender Deutscher in London gewesen war, um Zeugnis dafür abzulegen, daß Deutschland willens sei, unter allen Amständen Frieden zu halten. Nun erwiderten Sie den Besuch, um zu erklären, daß auch England den Frieden wolle. Sie wurden mit Jubel bei uns ausgenommen. Im Reichstagsgebäude fand ein Festmahl statt. Der Präsident des Reichstages begrüßte Sie. Die Reichsregierung hatte Herrn von Beth- mann-Hollweg abgeordnet, der damals noch Vizekanzler war, aber dicht vor seiner Ernennung zum Reichskanzler stand. Er sah zu ihrer Rechten, als Sie in flammenden Worten das Treiben der 'Kriegshetzer geißelten. Ich sehe Sie in der Er- | innerung noch deutlich, wie Sie m heller Entrüstung eine kriegshetzerische Zeitung ergriffen, aus der Sie vorgelesen hatten — es war keine deutsche, Herr Ministerpräsident! — es war nach meiner Erinnerung eine englische, aber man braucht das hier erst nicht zu sagen, auch ist es möglich, daß, sie einen französischen Artikel wieder- gab — zusammenknitterten und voll Zornes mit den Worten: „3t is shamefull" — Es ist schändlich — auf den Tisch warfen. Anmittelbar nach Ihnen erhob sich Herr von Dethmann und erklärte mit feierlichen Worten die volle Zustimmung der Reichsregierung zu dem, was Sie gesagt hatten, unverbrüchlich wolle Deutschland und seine Regierung den gnetem Niemals werde Deutschland ein anderes Land überfallen. ,r „ _ Haben Sie an diesen Worten gezweifelt, Herr Ministerpräsident? Nein! Herr von Dethmann hat sein Wort gehalten! Weder er noch der Kaiser, noch das deutsche Volk hat zu irgendeiner Zett den Krieg gewollt. Aber das Schuldbekenntnis, das Deutschland tm Vertrage von Versailles abgelegt hat? GietzeimAMger General-Anzeiger für Gderhessen vrvck und Verlag: Vrühl'sche UnivKfiläls-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllftrahe 7. genhaben. * Ä . Die ursprünglich vorn Zweiten Komitee gefaßten Beschlüsse hatten wesentlich anders abgesehen. Die Begnadigung der Deutschen sollte dem Ermessen der fran- zösischen und der belgischen Regierung überlassen bleiben. Ferner war darin ein wichttger Vorbehalt wegen der g?- gen die Sicherheit der Besatzungs- truppen gerichteten Handlungen gemacht worden, was natürlich ein sehr dehnbarer Begriff ist. Endlich sollten die an Sabotage, alten beteiligten Deutschen von der Am. nestie überhaupt ausgeschlossen bleiben« In allen diesen Punkten hat das Juristen- komitee sich auf den Standpunkt Macdonalds gestellt, der erklärte, beide Par. teien müßten in der Amnesttefrage durch alles Vergangene einen energischen Strich machen. Gegen Freigabe aller wegen politischer Vergehen von den Franzosen bestrafter Deutscher werden auch die wegen Hochverrats verurteilten Separatisten begnadigt werden. , . , In den Amnesttebesttmmungen wird aber ausdrücklich festgestellt, daß beide Parteien Übereinkommen, daß künftige Prozesse wegen etwaiger neuer hochverräterischer Handlungen in den besetzten Gebieten entsprechend ter deutschen Gesetzgebung durchgeführt werden. Die Beschlüsse des 3u- ristenkomitees bedürfen noch formell der Genehmigung durch die Vvllkonferenz. Sie bedeuten kurz gesagt die Freiheit für alle in Gefangenschaft befindlichen Deutschen und die Wiederher st ellungderdeut- schen Iustizhoheit in den besetzten Gebieten. ____________ Berichtigung. Der Druckfehlerteufel, der angesichts ter Fortt dauer des Kriegszustandes in Europa anscheinend den Sinn für die friedlichen Aufgaben ter^ Volker völlig verloren hat, veranlaßte in der Scnns- tagausgate des „Gießener Anzei§erss“ eine Sämaschine, den Leitaufsatz „Die Verfassungsfeien folgendermaßen zu beginnen: „Die Verfassung eines Kriegsfalles ist der Rechtsboden usf.“ . _ Selbstverständlich muß es J^en- "aris, iv. -aug o offi* । 2täumung des DuhrgEts s°rtsichr fcntl,* §at>a8 ente 1 herabgemintert. Denn die neue, von Herriot für nach die bisher geforderten zwei Jahre angeblich vor- der uiilitarif chen ^nmng teö Je Q 9 geschlagene Räumungsftist soll die Dreines Jahres vorsehen Em Zeitraum, ter schon aus ixrtretenen Mächte auf dem Standpunkt, wirtschaftlichen Grünten für Deutschland un- Ugten ternttwen . na l b« unb ' getreu Es liegt völlig auf der Hand, daß ter Amerikaner an. Em hervorrageni^s Mi. Verwirklichung die Sicherheitsglied des Kabinetts Herriot erklärte nach einem aran t (en Dei-ücksichtigung finden werten, Pariser Drahtbericht vor tem Mmisterrat einem 9.^ Frankreich und Belgien zu fordern berechtigt Veickreter des „Matm : Ansere sa m t l i chen M ar s cha l l F o ch hat sich ihrer Auffassung Alliierten (also auch Del g i en!) ohne irgend- 'völlig an geschlossen eine Ausnahme verlangen von uns eine vourg ung \ > sehr rasche Räumung der seit dem 11. 3a° NäUMUNN nuar 1923 besetzten Gebiete." Man wird danach I . *> \ erwarten können, daß diese sämtlichen Alliierten I innerhalb eines japres r auch den einjährigen Räumungsplan n ich t gut- Varis 11. August. Wie ter „Matin" heißen. Deutschland fordert bekanntlich außerdem {>et Ministerrat brschlo srn, den Plan auch die Räumung ter vertragswidrig be- ^^umung des Ruhrgebiets einzig und setzten sogenannten S a n k t i o n s g e b i e t e. ,, ^ve r Re Pa ra t i o n s f rag e a b- Grund genug, den nächsten -^agen nut einiger 6äna; a AU maeßen. Die Räumung des Ruhr- Sorge entgegen zu sehen. Es wird nicht an den P Lj ^ach dem Plan innerhalb höch- deutschen Vertretern liegen, wenn die Hos^un- 8 z eines Jahres vor sich gehen. Der gen Herriots, die er gestern m Pariv aussprach, T „ französische Plan Hute eine Frist von nicht erfüllt werden. Er sagte u. a Mfe nach Jahren vorgesehen Die Deu t sch en ver- seiner Ansicht noch vor Ende der Woche alle | die Räumung in einer Zeit von Delegationen sich über alle Punkte einigen n. a[s sechs Monaten vor sich würden. ^ete. Es scheine, daß die Räumung innerhalb eines Jahres angenommen werte. Die Sich e r he i t s - uu nd S ch u l de n f r a ge, dir das frühere Ministerium gleichfalls von ter Ausgabe des Kampfes im Ruhrgebiet abhängig machen wolle, werde einer besonderen Beratung Vorbehalten bleiben. Sie erftere Frage und die Frage der Kontrolle der Rüstungen werte d e r n ä ch st e n S i h u n g de s D o l- kerbundsrates Vorbehalten bleiten und die Schuldenfrage, wir bereits gemeldet, der Konferenz im November, Die nach ter amerikanischen Präsidrntschaftswahl stattfinden werde. Wie Der „Matin" weiter tenaj’et, war General Rollet im Ministenat ter Ansicht, daß man die Räumung des Ruhrgebiets von d e r II e b e r» wachung der deutschen Rüstungen abhängig machen müsse. Wir dürfen nicht, fo meinte General Rollet, Essen verlassen, ohne sicher zu fein daß wir auch in der Folgezeit eine Kontrolle über das Kriegsmaterial ausübe^i können, das man in Essen her stellenkönne. Her r io t habe demgegenüber besonders auf die juristischen und politischen Grünte hingelviesen und angetunpigt, I daß bezüglich ter Sicherheitsfrage ter Studienausschuh des Obersten Rates unter Dem Vorsitz von Paul Boncour einen Beschluß gefaßt habe. Dieser Beschluß wurde schließlich von dem Ministerrat mit einer Abänderung angenommen Er sieht die Aufrechterhaltung des vom Völkerbund vorgeschlagenen Planes einer Rüstungskontrolle Deutschlands durch den Völkerbund vor. Der Reichspräsident in Münster H. fo kösttichsn Alltags. ** Eine öffentliche Stadtverordnete n, i tz un g findet am nächsten Donnerstag nachmittag 6 Mr im Stadtverordneten-Sihnngs- saale statt. Die wichtigste Vorlage betrifft die Erhebung von Grund-- und Gewerbesteuer im Rechnungsjahre 1924. •* Die Entrichtung der vorläufigen Gewerbesteuer betrifft eine Bekanntmachung des Finanzministeriums in unserem heutigen Blatte. Interessenten seien auf diese Veröffentlichung besonders chingewi-esen. •* Die Entschädigungen für verlorene Postpakete und Einschreibesendungen. Der Reichsrat hat einer Aenderung des Postgesetzes zugestimmt, nach der die Entschädigung für verloren gegangene Pakete und Einschreibesendungen im wesentlichen auf den Stand der Friedenssähe g b acht wird. 3m Falle des Verlustes oder der Beschädigung des Paketes ohne Wertangabe sollten künftig für das Pfund 3 Mark Entschädigung gewühlt werden und für eine eingeschriebene Sendung, die verloren geht, 40 Mark. * Was man nicht auf Postpakete kleben darf. Lieber Zettel mit unzulässigen Vermerken auf den Paketen beklagt sich die Post. 3h gleicher oder ähnlicher Grobe und Farbe wie Darmstadt. Darmstadt, 10. Aug. Die Verfassungsfeier wird hier heute und morgen gefeiert. 3m Mittelpunkte der heutigen Veranstaltungen stand ein F e st z u g , an dem sich hauptsächlich Berufsvereine, namentlich die Gewerkschaften, beteiligten. Am Residerczschloh hielten Reichstagsabgeordneter Dr. Q u e s s e l (Svz.) sowie die Lanotagsabgrord- neten Ruh (Zentr.) mtb Reiber (Dem.) Ansprachen. Veranstalter der Feiern sind die revu- blikanischen Parteien und Vereine un er Beteiligung der Regierung, das Bürgertum verhält sich ablehnend. Rur die staatlichen Gebäude und wenige Privathäuser hatten geflaggt. Aus Stadt und Land. Giehen, den 11. Aug. 1924. Unbekannte Bekannte. 3eben Morgen, wenn ich zum Dienst gehe, : sehe ich dieselben Menschen mit denselben Gesichtern, Bewegungen, Kleidern, Gewohnheiten, Grußformen und mit demselben fragenden Blick: wer bist du eigentlich? Wir kennen uns äußerlich bis auf Einzel-' heiten, weil wir uns fast zu derselben Zeit und in derselben Straße begegnen, aber wir wissen sonst nichts voneinander: höchstens dah man sich so seine Gedanken macht und den anderen nach Aktenmapve, silbernem Spazierstock, Handschuhen, Art des Bartes, gepflegter Kleidung und betonter Haltung in die Berufsgruppe einregistriert, für die das im wesentlichen Anzeichen find: abeü eine Garantie ist das natürlich nicht. So geht man denn Tag für Tag aneinander vorbei, ohne sich zu grüßen: es kommt vor, dah man sich einmal, wenn es der Zufall will, verständnisvoll zublinzelt, tut, als ob man nach dem Hute greifen will, aber doch im rechnen Augenblicke noch erkennt, daß man sich ja gar nicht vorgestellt und nur eine „Straßenbekannt- schaft" ist- Das gehört eben zur Straßenbekanntschaft, daß sie auf der Straße ihren Anfang nimmt und zugleich ihr Ende erreicht, ohne jede Verbindlichkeit, ohne jedes nähere Eingehen aufeinander. lediglich bringt durch das tägliche Rebeneinander der Schritte, durch das Fragen der Blicke, durch Aeußerlichkeiten, denen wir keine Worte beimessen. Llnd doch kann einem dann der hübsche Spaß passieren, daß man durch solche „Straßenbekannt- schaft" in rechte Verlegenheit kommt, wenn man sie an einem anderen, als dem gewohnten Orts trifft, und nun nicht weiß, wo man das so bekannte Gesicht „hintun" soll, wie- der Volksmund so hübsch sagt. Man erinnert sich da oft tatsächlich nicht, ob inan sich schon vorgestellt ist und wen man eigentlich vor sich hat, bis man dann am Lächeln des Gegenübers merkt, daß es sich „bloß" um eine Straßenbekanntschaft handelt. Besonders fatal aber ist es, solchen Zeitgenossen auf seiner Llrlaubsreise zu treffen, wo man gern ungestört und ungekannt sein möchte. Da ist oft die ganze gute Laune fort, wenn einem dann solch ein „Ausrufungszeichen" über den Weg läuft. Mit einem Male ist wieder die Dureauluf t da, die Enge, das Klappern der Tretmühle mitten in öer Freiheit, wo man das alleß einmal vergessen wollte: und da kann es dann geschehen, dah man fluchtartig den Ort verläßt pnd dort seine Ruhe und die Basis für seine „Unternehmungen" sucht, wo es keine „Straßenbekanntschaften" gibt. Sicher ist man freilich nirgends davor, denn die Welt ist klein. Wenn man sich nach einigen Wochen wieder pünktlich jeden Morgen begegnet, schämt man sich im Anfang wohl ein klein wenig ferner Flucht, aber dann ist alles wieder vergessen, begraben in der Furche be8 Alltags, des harten und doch Wettervoraussage Meist woMg, wärmer, südliche bis westliche Winde, Gewitterneigung und Rebensäfte. Dor einem neuen nordwestlichen Fallgebiet weicht der hohe Druck, der das heitere trockene Wetter der letzten Tage bedingte, langsam aber stetig zurück. Das Tiefdruckgebiet dürfte mit seinen Ausläufern noch heute unser Gebiet erreichen und seinen Einfluß allmählich geltend machen. Landkreis Gießen. * Watzenborn-Steinberg, 10. Aug. Der hiesige Gesangverein „3ugendfreund" errang gestern bei dem Wettstreit in Fechenheim- Frankfurt unter Leitung seines Dirigenten Georg Harnisch den Ehrenpreis und den ersten Preis. Starkenburg und Rheinhessen. * Dar mstadt, 10. Aug. Gestern abend wurde im Hauptbahnhof der Fahrdienstleiter, Eisenbahnsekretär Pflug, beim Lieberschreiten des Gleises im Hauptbahnhof vom Zuge erfaßt und sofort getötet. — Wie berichtet wurde, ist am Freitag in der Annastraße plötzlich ein Fuhrwerk im Erdboden verschwunden. Als Ursache des Unfalls hat sich herausgestellt, daß im Laufe der Zeit ein Ka - nalrohr undicht geworden ist und die Erde an dieser Stelle weggespült wurde. 3eht brach dann unter der schweren Last eines Kohlenfuhrwerks die Betondecke der Straße. * Offenbach, 9. Aug. Heute vormittag war öer 59 3ahre alte Arbiter Vitus Büttner aus der Dammstraße im Keller des Gaswerks mit Reinigungsarbeiten im Auszug beschäftigt. Der Aufzugsührer der das nicht wußte, fuhr plötzlich mit dem Aufzug abwärts und drückte dabei dem Büttner auf beiden Seite nöieRipPen ein. Auf dem Transport z um Krankenhause erlag der Mann seinen« schweren Verletzungen. Er war einer der ältesten Arbeiter des Gaswerks. Worms, 9. Aug. (Wolff.) Heute nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr fuhren zwei Burschen im Alter von 14 und 15 Jahren mit ihrem Paddelboot aus dem Flußhafen in den offenen Rhein. Sie hatten die Absicht, sich an den zu Berg fahrenden Schleppdampfer Hansa 2 anzuhängen. Offenbar des Ruderns unkundig, steuerten sie in verkehrter Richtung, wurden von einer starken Welle ergriffen, die das Paddelboot vollständig zertrümmerte und stürzten ins Wasser. Ueber das Schicksal der beiden hat man bisher noch nichts erfahren. Von der Rheinwache ist ein Mantel, sowie ein Riemen und verschiedene Teile des Paddelbootes geländet worden. Hcsseu-^iassau. fpö. Biedenkopf, 10. Aug. 3n dem Kreisort Wilsbacher st ach ein 30jähriger Mann in einem Anfall geistigerUmnachtungseine Ehefrau durch zahlreiche Stiche in den Unter« I leib und richtete dann sein 10 Monate altes Kind gleichfalls durch Messerstiche schwer zu, sodaß es bald verschied. Der Täter wurde zunächst der Landes-Irrenanstalt zu Herborn zu- gesührt. fpd. Frankfurt a. M., 10. Aug. Rach langen 3ahren hatte die Straßenbahn am letzten Sonntag und die folgenden Tage wieder Verkehrstage erster Ordnung. Am I Sonntag erzielte sie Einnahmen von über 50 000 I Mark, trotzdem sie wegen des Festzuges vier Stunden lang den Betrieb außerordentlich ein- schränken muhte. An den ersten Wochentagen bis einschließlich Donnerstäg hatte die Dahn Mehreinnahmen von 25 000 bis 30 000 Mark. — 3n den letzten Monaten hat die R a ch f r a g e nach Wohnungen etwas nachgelassen. Trotzdem nimmt die Zahl der Wohnungsuchenden von Jahr zu Jahr zu. Erhöhter Rachfrage, insbesondere nach Zwei- und Dreizimmerwohnungen steht ein im Verhältnis viel zu geringes Angebot an verfügbarem Wohnraum gegenüber. Die Gesamtzahl der Wohnungsuchenden flieg von 16 430 am 1. Juli auf 16 628 am 1. August. Zur Befriedigung des gemeldeten Wohnungsbedarfs nach dem Stand vom 1. August müßten 13 814 Wohnungen, bar- I unter 9658 Zweizimmer- und 3079 Dreizimmerwohnungen neu hergestellt werden. Unter den Wohnungsuchenden befanden sich 9119 dringliche Fälle. Die Stadt will bis zum 1. 3uli 1925 unter I Inanspruchnahme der Erträgnisse der Hauszinssteuer 222 Wohnhäuser mit 229 Zwei-, 117 Drei- I und 36 Vierzimmerwohnungen Herstellen. — Frei- ' taa früh wurde aus dem West Hafen die Leich«; die postdienstlichen Klebezettel würden sie die Beamten irreführen und die ordnungsmäßige Behandlung stören. Abgesehen von den amtlich vorgeschriebenen Vermerken sind auf der Aufschriftsseite der Pakete nur Vermerke zugelassen, die auf eine schonende Behandlung Hinweisen, wie „Vorsicht", „Glas" usw., ferner 3nhaltsangaben und Verhaltungsmaßregeln über die Behandlung. Vermerke wie „Rechnung im Paket", „Sofort nach Empfang offnen und Inhalt feststellen" dürfen auf der Aufschristsseite nicht angebracht werden. Aus den Seitenflächen werden derartige Vermerke nicht beanstandet, ebensowenig wie bis auf weiteres im 3nland die bedruckten Verschlußstreifen mit Inhaltsangaben, Aufforderungen, auf den Verschluß oder die Verpackung zu achten und dergl. ** Zahlung der Rundfunkgebühr r e n. 3n der letzten Zeit ist mehrfach die Nachricht durch die Presse gegangen, daß die durch Reuregelung des Rundfunks eingeführte monatliche Gebührenzahlung nicht durchgeführt werde, dah die Postanstalten vielmehr Zahlung der Gebühren für ein Vierteljahr * forderten. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Rundfunkteilnehmer nur zur monatlichen Gebührenzahlung verpflichtet sind. Eine Vorausbezahlung für mehrere Monate, und zwar dann möglichst für volle Vierteljahre, ist natürlich zulässig und zur Verminderung der Verwaltungsarbeit sehr erwünscht, es handelt sich aber dabei immer um eine freiwillige Handlung der Teilnehmer. Die Vorausbezahlung schützt auch vor etwaigen Gebührenerhöhungen im Laufe der vorausbezahlten Zeit. Eine längere Bindung des Rundfunkteilnehmers zur Zahlung der monatlichen Gebühren besteht nur für das erste 3ahr. i Rach Ablauf eines Jahres kann der Teilnehmer am Schlüsse jedes Monats ausscheiden. Bornotizen. — Tages kalenöer für Montag. Verfassungsfeier, veranstaltet vom Kreisamt, 81/! Uhr im Stadttheater: Festredner Professor Fritzsche. — 8 Uhr im Matthäussaal „Parsi- val"-Ausführung. — Schuhmacherzwangsinnung, 81/» Uhr Mitgliederversammlung bei Laichinger. — Rundfunkhaus, Löberstraße. 8V- äUjr Musik. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „3m Schatten der Moschee". Weimar. Weimar, 10. Aug. (WTD.) An der Hauptfeier im Rationaltheater, das innen und außen festlich geschmückt war, nahmen außer dem Bundesvorstand des Reichsbanners > Schwarz- Rot-Gold unter anderen die Reichstagsmitglieder Fehvenbach, Haas, Loebe und Wels teil, ferner der Schöpfer der Weimarer Verfassung, Prof. Dr. Preuß, General v. Deimling und der Generalinspektor der österreichischen Armee Körner. Unter den offiziellen Rednern erinnerte Professor Preuß art die Notwendigkeit einer raschen Ausarbeitung der Verfassung. General v. Deimling wandte sich sehr scharf gegen die Kriegshetze gewisser Verbände und betonte, das deutsche Volk müsse wieder arbeiten und schaffen lernen, damit der Wiederaufbau vor sich gehen könne. Der General- inspettoi des österreichischen Heeres Körner überbrachte die Grüße Oesterreichs und feierte die deutsche Verfassung als Vorbild für die Gestaltung der österreichischen Staatsverhältnisse. Die Reichstagsabgeordneten Fehrenbach und Haas legten besonderen Nachdruck auf den Umstand, daß seinerzeit die Verfassung von allen Mitgliedern der Nationalversammlung gewünscht wurde und daß auch die Deutschnationalen in den Kommissionen fleißig mitgearbeitet haben. Am Nachmittag und am Abend fanden Festlichkeiten in etwa zehn Gartenlokalen und im Volkshaus statt. Dersassungsfeiern im Reich. Berlin. Berlin, 10. Aug. (WB.) Unter getoaltiger Beteiligung der Berliner Bevölkerung hat heute vormittag die Vorfeier zur Erinnerung an den Derfassungstag von Weimar stattgefunden. Am Alexanderplah formierten sich die Fahnenabordnungen der Berliner Gewerkschaften des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und marschierten unter Dorantritt einer Musikkapelle nach dem Großen Schauspielhaus. Rach Eintreffen der Fahnen- abordnungen, welche die Bühne besetzten, begann in Gegenwart der Frau Reichspräsidentin und ihrer Tochter sowie zahlreicher Ehrengäste die eigentliche Feier, die einen überaus würdigen und harmonischen Verlauf nahm. Dittmann, der Vizepräsident des Reic^- tags, Dr. Dockel, Generalsekretär der Zentrums- Partei und der demokratische Reichstagsabgeordnete Erkelenz hielten Ansprachen, in denen sie, vielfach von Beifallsrufen unterbrochen, ein Bekenntnis zur Weimarer Verfassung ablegten. Rachdem die Ouvertüre zur Wagnerschen Oper „Die Meistersinger" verklungen war. fang die vieltausendköpfige Menge das Deutschlandlied. — Ebenso wie der Anmarsch vollzog sich auch der Abmarsch nach dem Aleranderplatz in vollster Ruhe und Ordnung. Am Rachmittage sammelten sich an 20 Stellen der Stadt viele Hunderttausende und marschierten unter den Klängen mehrerer Musikkapellen nach zwölf großen Lokalen, wo sich Volksfeste größten Ausmaßes entwickelten. München. München, 10. Aug. (WTD.) Unter Beteiligung aller republikanischen Parteien und Verbände hat die Organisation Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold heute vormittag auf dem Ausstellungs- gelände eine Gedenkfeier des Jahrestages der Weiinarer Verfassung abgehalten. Vertreten waren die Zentrrumspartei, die Deutsch- Demokratische und die Sozialdemokratische Partei. Der als erster RÄmec angekündigte Bundeskanzler a. D. Renner (Wien) war nicht erschienen. Rach der einleitatöen Musik und ©borborträgen teilte der Landtagsabgeordnete Dauer in seiner Feierrede mit, daß der bayerische Ministerpräsident die an ihn ergangene Einladung zur Teilnahme an der Verfassungsfeier mit bestem Dank mit dem Bemerken abgelehnt habe, dah er durch anderweitige Inanspruch- nahme verhindert sei, der Einladung Folge zu leisten. Zu den vor der Halle Versonimelten sprach Dr. Dehler von der Deutschen emokratischen Partei. Die teilnehmenden Organisationen rückten in kleineren Gruppen nach der Hauptseier in ihre Standquartiere ab, ohne daß es zu Zwischenfällen kam. M ü n st e r, 10. Aug. (Wolff.) Die alte Westfalenhauptstadt prangte heute im Fahnenschmuck zu Ehren des Reichspräsidenten, der mit Vertretern der Reichsregierung und der preußischen Regierung der in Münster schon am Sonntag veranstalteten Deifassungsfeier beiwohnte. Um neun Uhr erschien bei herrlichstem Sonnenschein der Reichspräsident, begleitet vom Reichsminister für die besetzten Gebiete, Höf le, vom preußischen Minister deS 3nnern Severing und vom Staatssekretär Meißner. Auf dem Bahnhof waren zum Empfang der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Gronvwski, der Münsterer Oberbürgermeister Dr. S p e r l i ch, der Befehlshaber des 6. Wehrkreises Generalleutnant von Lohberg und die übrigen Spitzen der Reichsund Staatsbehörden erschienen. Der Reichspräsident und die übrigen Ehrengäste fuhren durch die festlich geschmückte Stadt zum Schloß. Dort fand inzwischen ein großer Empfang der Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, der Abgeordneten, der Presse und der Führer des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Lebens aus der ganzen Provinz statt, dem sich ein Empfang der Bischöfe von Münster und Paderborn und der übrigen Spitzen der kirchlichen Behörden anschloß, an dem etwa 300 Personen teilnahmen. Ober Präsident Gronvwski be° grüßte den Reichspräsidenten. Der Reichspräsident erwiderte mit Worten des Dankes und der Anerkennung für die selbstlose und mutige Haltung, welche die Beamtenschaft, die Führer der Provinz wie die ganze Bevölkerung Westfalens in den schweren Monaten des Abwehrkampfes an der Ruhr fremder Gewalt entgegengesetzt haben. Namens der preußischen Regierung sprach Severing den preußischen Beamten der Provinz seinen besonderen Dank für die echte Westfalentreue aus, die sie nicht nur im Ruhr- kamps, sondern schon vorher dem Staate bewiesen hätten. Der Staat werde hoffentlich bald in der Lage fein, diesen Dank nicht nur mit Worten, sondern auch durch eine wirtschaftliche Besserstellung zu bekunden. Um 5 Uhr nachmittags begann die Verfassungsfeier in her Stadthalle. Musik und Chorgesang leiteten die Feier ein. Dann begrüßte Oberprasident Gronowfli die Ehrengäste mit einer Ansprache, in der es heißt: Herr Reichspräsident! Durch Ihre Teilnahme an der Verfassungsseier erhält diese Kundgebung eine besondere Bedeutung und Weihe. Eins möchte ich an erster Stelle aussprechen: Wir erneuern hiermit feierlichst das Bekenntnis zur Verfassung von Weimar, zur Demokvatte, der deutschen Republik und zum ungeteilten Deutschen Daterlande! Die westfälische Devöllerung hat durch den Provinziallandtag und den Provinzialausschuß mtt rücksichtsloser Entschiedenheit und unbeugsamer Beharrlichkeit jeden Gedanken, der auf eine Absplitterung von Preußen hinzielte, erfolgreich bekämpft. Wir wollen nicht, daß mit dem Artikel 18 der Reichsverfass ung Mißbrauch getrieben wird. Wer Preußen aufteilen will, beginnt auch mit der Aufteilung Deutschlands. Die westfälische Erde roar und ist, gottlob, unfruchtbar für separatistische Ideen. Roch einen dritten Gedanken lassen Sie mich aussprechen: London! Das Wort London hat für uns eine weltgeschichtliche Bedeutung. Wir wollen' nach vierjährigem Fieberzusland endlich gesund werden durch Arbeit, Opfer, Frieder und Ordimng. Deutscher Geist und deutscher Fleiß solle- in Ruhe und Frieden sich entfalten können. Richt Rache und Gewalt, sondern Vernunft und GerÄhtigkeit bauen wieder auf. Die en Weg ist die Reichsregierung zielbewuht gegangen, und auf diesem Wege wird der besetzte Westen wieder deutsche Freiheit erreichen. Der Reichspräsident erwiderte mit einer längeren Rede, in der er im wesentlichen Folgendes ausführte: Seit anderthalb Jahren, seit dem Ruhreinbruch liegen schwere Wollen auf diesem Lande, das die Schlagader unseres Wirtschaftslebens in sich schließt: feit anderthalb Jahren sieht Westfalen und mit ihm die benachbarte Rheinprovinz, wie sinnlos Werte der Arbeit und der Kultur zerstört und vernichtet werden, wie verheerender Raubbau getrieben wird in einem Gebiet höchstentwickelter Arbeit, das in der Welt kaum seinesgleichen hat. Tausende haben die Treue zur Heimat, die Liebe zum Vaterland mit Leben und Freiheit, mit der Vertreibung von Haus und Hof büßen müssen. Es ist Ehrenpflicht, auch heute mit Dankbarkeit und Bewunderung unserer Volksgenossen zu gedenken, die um Deutschlands willen Rot und Verfolgung erduldeten. Erst nach langem Leiden ist nunmehr den Verfolgten — aber noch nicht allen — Freiheit und Rückkehr gegeben werden: ihnen allen Freiheit, Heimat und Wohnstatt wieder zu erringen, wird nach wie vor unser rastloses Bemühen sein. Durch die Abschneidung vom Industriegebiet, durch die Rückwirkung vom besetzten Gebiet ist auch der unbesetzte Teil der Provinz Westfalen hart betroffen worden. Die einst so blühende Provinz sieht heute ihr Wirtschafts- und Kulturleben aufs schwerste geschädigt, auf eine harte Probe gestellt. Das unverrückbare Ziel der Reichspolitik ist, deutsches Land von fremder Besatzung zu befreien, Reichs- und Staatshoheit und die alte Selbstverwaltung wieder in ihre Rechte einzusehen und der deutschen Bevölkerung Recht, freie Betätigung und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit toiebcrgugeben. Treue um Treue! Das soll und darf kein llingender Spruch für festliche Versammlungen sein: Treue ist nicht Wort, sondern Tat! Sie fordert von uns, daß wir die Saften, die unsere Brüder am Rhein und Ruhr bisher fast allein getragen haben, opferwillig und im Geiste sozialer Gerechtigkeit auf die Schultern aller Deutschen verteilen, daß wir bereit sind, schwere Bürden auf lange Jahre hinaus zu tragen, um so unseren Volksgenossen im Westen auf dem allein möglichen Wege ihre Menschenrechte und ihre Freiheit zu erkaufen. R,lr m diesem Willen und nur für dieses Ziel können wir den Mut finden, die geforderte schwere Last auf uns zu laden, von der wir nicht wissen, ob wir nicht unter ihr zusammenbrechen werden. Aber neben allen Bedenken, neben allen ernsten Sorgen der Möglichkeit der Durchführung der übernommenen Verpflichtung steht unsere Pflicht, d.e besetzten Gebiete in ihrer Rot nicht allein zu lassen und die Opferbereitschaft, alles zu tum uni den Brüdern und Schwestern an Rhein und Ruhr Leben und Freiheit zu gewinnen. Das ist die Treue, auf die sie Anspruch haben, die wir fo oft ihnen gelobt haben, und die nun opfervolle; Tat des ganzen deutschen Volkes em= lösen soll. Rur die Tatsache, dah wir in all den Stürmen des Krieges und den Röten des Rachkricges unsere politische Einheit gewahrt und gerettet haben, daß uns das Reich geblieben ist, gibt uns die Kraft zum Vertrauen auf Deutschlands Zukunft. Nur ein gesunder, einheitlicher nationaler Wille, frei von allen Phantastereien, kann uns in der Welt die Achtung erzwingen, die unerläßlich ist, wenn Deutschlands Zukunft gesichert werden soll. In aller Rot des unglücklichen Kriegsausganges und des Druckes außm- und innenpolitischer Mach saitoren hat sich das Bewußtsein deutscher Schicksalsgenreinschaft stärker ertoiefen als fremde Lockung und Gewalt, aber auch stärker als eigene Zwietracht. In allen diesen Kämpfen und Bedrängniften htt unser Volk seine Einheit und feine staatliche Organisation gewahrt und hat diesem fundamentalen Grundgedanken, dem festgefügten Reiche, heute vor fünf Jahren in einem neuen Grundgesetz derVerfassung von Weimar, Ausdruck gegeben. Schon deshalb haben wir ein Recht, des heutigen Tages zu gedenken und Herz und Sinne zu erheben zu unserem größten politischen Gute, der deutschen Einheit, dem deutschen Reiche; Lassen Sie. meine Damen und Herren, uns stets bei allem, was u;is Deutsche sonst an Interessenwiderstreit und Weltanschauung getrennt hat, gedenken, daß nur in dieser Zusammengehörigkeit, einst schwer erkämpft und jetzt unter größten Opfern behauptet, die Wurzeln der Kraft liegen, die uns wieder aufwärts führen kann, und dah nur in dieser politischen Einheit auch der kulturelle und der ideale Geist wirken kann, der jeden wahren Aufstieg beseelen muß. In dieser Zusammengehörigkeit aller deutschen Stämme in Körper und Geist will die Reichsversassung von Weimar, die nationale Idee und den Gedanken der Demokratie Vereinen: die nationale Idee dadurch, daß die Einheit der Ration und ihre Bedeutung im Bewußtsein des ganzen Volkes lebt, den demokratischen Gedanken durch die verantwortungsbewußte Mitarbeit jedes Deutschen am Staate, durch die Betätigung des WUlens des Volkes. Rur auf dem festen und sicheren Rechtsboden, den vor fünf Jahren nach Monaten schwerer Wirrnisse die aus freier Wahl hervorgegangene Rationalversammlung in der Verfassung der deutschen Republll uns gegeben hat, kann sich unsere weitere staatliche Entwicklung und unsere auenßpolttische Zukunft vollziehen. Möge diese Erkenntnis immer weitere Wurzeln fassen und — unbeschadet der Weltanschauung und Parteimeinung — alle staatsbewußten Schichten unseres Volkes auf dieser Grundlage zusammenführen: Rur bann, wenn wir wenigstens in allen Grundfragen der Zukunft und des Lebens unserer Ration geschlossen zusammen- stehen, können wir in diesem Drang der Zeit es wagen, unser Schicksal zu meistern, und fest auf unsere Zukunft vertrauen. Mit dieser Hoffnung begrüße ich Sie, meine Damen und Herren, grüße ich Westfalen und seine kernige, tatkräftige Bevölkerung, grüße ich besonders herzlich die Brüder und Schwestern im besetzten Gebiet! ■ bis vrMche uif alle. «i Fallgebiet eitere trockene langsam ober >ürfte mit sei« tebiel erreichen end machen. l. rg, 10. Äug. rndsreund" in Fechenheim« cigenten Georg nd den ersten Dvntag. “Tetöamt, SV» ”, w! ussaal „Parii° öwangsinnunq, bei Laichinger. 1- älhr Nu!L “ Schotten der ML Spills- hJ* 016 aus \°N nach aus °”den. An mansch ,en nut I» 6m ° ??SebüK, ö'ii NZegenüb^ iw darau ,mer nur zur verpflichtet Zerteljahre "dernug der handelt sich le Handlung 9 s)uht auch 5. Laufe der Ladung des , °er monat« 1 A« 2ahr. c Teilnehmer en. eine» Jungen Mannes gelänfet, die schon etnige Wochen im Main gelegen hatte. Wahrscheinlich stammt der Mann aus Sprendlingen. Ferner wurde am gleichen Tage an der Niefer- räder Schleuse die 20jährige Rosa Pappenheimer aus Dornheim geborgen. Das Mädchen war bisher in Frankfurt nicht gemeldet. Weiter meßyet die Polizei nach weitere zwei Fälle von Personen, die den Tod im Wasser suchten, deren Latchen aber bisher nicht aufgefunden werden konnten. Ein Mann sprang Samstag früh gegen fünf Uhr an der Riederräder Eisenbahnbrücke in 'hen Strom, und schließlich ging am Rizza ein unbekannter Mann in das Wasser. — Aus einem Zigarren lager an der Ecke Diebergasse und Schil- lerstraße stahlen in der Rächt zum Samstag Diebe rund 10000 gute Zigarren. — Mr Ostern 1925 ist mit einer Mehreinschu- lung von über 1000 Kindern als in diesem Jahre zu rechnen. Damit ist die Deschäfti- mmg einer groben Anzahl Junglehrer gesichert. Die Schulgebäude genügen in dem bisherigen Umfange- inhtffcn. m abend wurde dienstleiter, lleberschreiten im Zuge er« Die beachtet maflra&e pßfr )vden der« lnsalls hat sich Jeit ein Ra» : und die Erde X. Jetzt brach les Kohlenfuhr« eutc vomittag Mas Dütt« Leiter des Gas« 1 Aufzug be« Xs nicht wutzte, j abwärts und - auf beiden s drm Transport -r OHarni seiner, iincr der ältesten Heute nachmittag toci Dursun im ihrem Paddel« ■n offenen Mein. »enzuBerg sah' anzuhangem 1 steuerten sie'N vn einer starken >lboDt vollständig ins Dass-r. .tmanbishern^ »einwache s em verschiedene Teile den. J,' In dem Kreis' Z^vurde ja« A Herborn J^ 10 Äug. lstenbahn.am I°Cly(iac meder en M tb11 aber 50000 von aver jS<*'£ rK« Ä? ,en K?an 1 Dre Juli Ä 30® rs Ä'«g dringe ch 91J-1025 unter l 6ul-Lzink versassungrseier der ReichsbannersSchwarz-Rot-Gold 1 Mit einer akademischen Feier im Siadttheater am Dornrittag und mit einem Festzug durch Vie Stadt unb anschließendem Volksfest auf der Liebigshöhe am Rachmittag feierte gestern die (Siebener Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rvt-GvlbfenDerfassungS- Xag. Zu der akademischen Feier hatte sich eine so große Menschenmenge im Stadttheater tingefünfen, daß der Theatersaal bis auf den letzten Platz beseht war. Die Feier wurde von dem Dauerschen Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten Görlach mit fern großen Chorwerk .Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" eingeleitet. Hierauf betonte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Studienassessor Schön, um'den inneren und äußeren Frieden zu retten, sei das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zusammengetreten, unter den Farben, „für die die Väter gestritten und gelitten haben", wolle das Reichsbanner siegen, um den Bürgerkrieg zu vermeiden. Sodann sprach als erster Redner der Polizeioberst Dr. Schühinger. Er erklärte u. a., alle, die auf dem Vvden der Weimarer Verfassung ständen, mühten einrücken in die Front zum Schuhe des Staates, der uns gegeben wvrfen sei als Vermächtnis unserer Väter. Namentlich die Jugend gelte es zu gewinnen, auch die, die heute noch auf anderem Dvden stehe. „Hinter dem heiligen Pergament von Weimar müssen die Fäuste der Republik stehen." Dieser Staat, dessen Farben hier gefeiert würden, sei letzten Endes eine Fassade, wenn nicht die Bürger sich hinter diesen Staat stellten, denn, so sagte der Redner wörtlich, „dieser Staat wird von Tag zu Sag auf fern Gebiete der Justiz, der Verwaltung, der Polizei, der Wehrmacht unterwühlt von fen Äräften der Gegenrevolutionäre, die uns nicht grün sind". An der Weimarer Verfassung und den Farben Schwarz-Rot-Gold müsse mit Fäusten und Zähnen festgehalten werden, man müsse dafür kämpfen mit den Waffen des Geistes und letzten Endes auch mit den Fäusten. „Das Gift, die Pest der völkischen Gegenrevolution, gilt es zu zerschmettern. Diese Republik ist verloren, wenn sie nicht zu kämpfen versteht um die Seele der deutschen Jugend." „Wir glauben, daß es uns gelingt, diese Verfassung zu halten, allein dadurch, daß wir unter die Gewehre treten, Kolonnen gliedern zum Schutze der jungen Republik." Die Erhaltung der Republik und der Verfassung von Weimar bedeute auch die Erhaltung des Friedens von Europa. Gegen den Geist von Potsdam, gegen bas „Potsdam der Kasernen", für den befreienden Geist von Weimar, für das „Weimar des Weltbürgertums" müsse Front gemacht werden. „Weimar soll die Parole sein," mit diesen Worten schloß der Redner seine von lebhaftem Beifall gefolgte Ansprache. Als zweiter Redner sprach Reichstagsabgeordneter Pfarrer Korell. Er sagte u. a., der Tag der Verfassung solle ein Tag der Selbstbesinnung unseres Volkes und seiner Einkehr fein. Er beklagte es, daß dieser Tag noch nicht allgemein von allen Volksgenossen gefeiert werde. „Wir die rotr mit Verständnis und Liefe an der deutschen Republik hängen, sehnen den Tag herfei wo das ganze Volk erkennt, daß diese Verfassung ein Werk des deutschen Geistes ist." Die Weimarer Verfassung habe die Einheit des Deutschen Reiches erhalten und unser Reich vor einer undeutschen Staatsform bewahrt, die und von Osten her aufge- Fwungen werden sollte. „Auf Grund der Weimarer Verfassung, nicht mehr gehermnt durch dynasttsche Interessen, die oft die Einigung der Deutschen schwer geschädigt und unmöglich gemacht haben, ersehnen und erkämpfen wir fen Zusammenschluß aller Deutschen auf Gr ind des Selbstfestimmungsrechts der Völker unter fen Farben Schwarz-Rot-Gold. Wir stehen, bewußt einblickend in die politischen Verhältnisse, in der Liefe des freien Mannes zu der deutschen femo- krcttischen Republik und sind entschlossen, sie zu verteidigen gegen alte, die sie stürzen wollen." Schwarz sei das Schicksal des deutschen Volkes, Rot sei die Liefe zu allen deutschen Volksbrüfem und --Schwestern innerhalb und außerhalb des Reiches, Gold sei die Tat, die tatfrohe Hoffnung. Schwarz--Rot-Gold: ein Ausfluß der tatfrohen Hoffnung, daß sich die Republik stützen solle auch auf die Fäuste, wenn es sein müsse, jedenfalls aber auf die Liebe des Volkes. Die Demokratie sei die geschlossenste Form zur nationalen Selbstbehauptung der Deutschen, die gleichgeachtet und gleich- feiechttgt unter den Völkern der Welt stehen wollten. „Wir nehmen diesen Tag nicht leicht, sondern wir sehen an ihm die ungeheuren Auf- gaben erst recht vor uns, die wir noch erfüllen müssen. Der Tag von Weimar soll uns verpflichten, die Augen für die Zukunft zu offnen.“ Hierauf nahm der Redner die Weibe der Fahne der Gießener Ortsgruppe vor. Rachdem der lebhafte Beifall, der auch dieser Rede folgte, verklungen war, folgte ein Treugelöbnis der Orts- gruppen-Mitglieder, dann fang der Arfeiter- Sängerchor, hierauf erhob sich die Versammlung au Aufforderung des Vorsitzenden zu Ehren der Gefallenen von fen Sitzen und verharrrte in kurzem Schweigen. Mit einem Hoch auf die Republik und „Frei-Heil" - Rufen auf das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold fand die Kundgebung dann ihren Abschluß. Am Nachmittag fand ein Aufmarsch auf dem Drandplatz statt, wo zwei Ansprachen gebalten wurden. Von hier aus setzte sich dann der Festzug durch die Stadt in Betonung, in dem neben der Fahne der Ortsgruppe noch zahlreiche andere schwar^- rot-goldene Fahnen und Fähnchen mitgeführt wurden. Auf der Liebigshöhe folgte nach Ankunft des Zuges ein Volksfest. In den Straßen der Stadt sah man die neuen Reichs färben an öffentlichen Gebäuden und an verschiedenen Privathäusern. x Dom Fliegerlager auf der Wasserkuppe. (Von fern Spezialferichterstatter fed „Gieß. Anz.) H’). Wasserkuppe, 5. Aug. 1924. Der zweite Tag fängt recht hoffnungsvoll an. Das Wetter hat sich gebessert. — -Ueferall sind fleißige Hände am Werk, die letzten Vorbereitungen zu treffen für die Unterkunft der zahlreich angemelfeten Flugzeuge. Heber 100 sollen bis jetzt angemelfet sein, davon etwa 25 mit Leichtmvtvren. Durch die Beteiligung dieses letztgenannten unterscheidet sich der diesjährige Wettbewerb prinzipiell von den vorhergehenden. Darüber wird später noch verschiedenes zu sagen sein. Lastautos bringen andauernd neue Flugzeuge, die in den Montagehallen oder in besonderen Zelten montiert werfen. Flugbereit ist anscheinend noch keines der bereits angekommenen. Daher hat der Meßtrupp Muße, sein Heim behaglicher zu gestalten, insfesonfere wird quer durchs Lager ein Kabel verlegt, um Anschluß an das „eleftr. Kraftwerk" zu erhalten. Am Abend erstrahlen denn auch unsere sämtlichen Gemächer in feenhafter elektrischer Beleuchtung. Das „Kraftwerk" wird dargestellt durch zwei Doschaggregate von je 1 KW, bestehend aus je einem Benzinmotor, gekuppelt mit einer, kleinen Dynamomaschine. Voriges Jahr waren zwei solcher Aggregate von den physikalischen Instituten der Universitäten Frankfurt und G i e ß e n leihweise zur Verfügung gestellt worden. Für dieses Jahr wurden zwei angekauft. 6. August 1924. Schon in aller Frühe hort man wieder das melodische Trommeln der Regentropfen und dreht sich mit einem Seufzer noch einmal auf die anders Seite. Bei solchem Wetter hat das Aufstehen keine Eile. Selbst das Läuten der Frühstücksglocke vermag keine Beschleunigung hervorzurufen.^ Sehr bald aber klärt der Himmel auf und das schönste Flugwetter stellt sich ein. Schon um die Mittagszeit geht das Gerücht um, „Breslau" wolle stiegen. Da aber auf offizielle Anfrage die Sport- leitung diese Möglichkeit verneint, widmet stch der Meßtrupp eifrig seinen verschiedenen Instrumenten, um etwaige verborgene Mängel zu entdecken, eventuell Korrektionen anzubringen usw. Wir sind dieses Jahr sehr gut ausgestattet, besonders an Entfernungsmessern. Deren sind fünf vorhanden: kleine tragbare, ehemalige Jnfan- terieentfernungsmesser, und größere, bis zu solchen von zwei Meter Basis, mit denen Entfernungen bis zu 20 Kilometer gemessen werden foimen. Diese sind natürlich unser größter Stolz. Alsbald umgibt uns eine dichte Zuschauermenge, unter denen sogar Gießener Ausflügler sind, die mit mehr ober minder Verständnis unsere Versuche diskutiert, markante Punkte der Umgebung: Kreuzberg, Wachtkuppe, Ebersburg und Milseburg anzu- schneiden, und die Angaben der verschiedenen Instrumente untereinander und mit der Karte zu vergleichen. Während wir uns so abntüfen, sind doch zwei Maschinen aus ihren Hallen gebracht worden: und auf fern Schul hang, so genannt, weil dort die Schulflüge stattftnfen, machen je ein Weltensegler und ein Breslauer Flugzeug ihre ersten Sprünge. Wir kommen noch gerade recht, um fest zustellen, daß der größte dieser Sprünge 420 Meter lang ist. 7. August 1924. Wunderbares Fliegerwetteri Ueferall vor fen Zetten ein emsiges Treiben. Hier wird die Verspannung eines Doppeldeckers nachgeprüft, dort Höhen- und Seitensteuer angesetzt und bald ist Breslau Nr. 70 wieder auf fern Wege 3 um Sportplatz. Der erste Sprung ca. 600 Meter mit Führer allein, der zweite über 700 Meter mit Führer und einem Passagier. Bei einigermaßen gutem Wetter werden letzt laubig derartige Probeflüge erfolgen. Sie dienen mehr Schlttmgszwecken, als zur Aufstellung von Rekorden. Dr. H. M. Strafkammer. • Gießen, 8. Aug. Der Kaufmann Julius Ohlig und der Schlosser Paul Detzer, beide aus Frankfurt a. M., erschienen im September 1921 im Gaben fes Zeugen Stein harbt in Friebberg. Sie ließen sich verschiedene Hemden vorlegen, jedoch ohne zu kaufen. Kaum waren sie fort', ba merkte fer LafeninHafer, daß ein Pack Handschuhe, fer zuvor noch auf fern Ladentisch gelegen hatte, verschwunden war. Die sofort benachrichtigte Polizei nahm die beiden zw.schen Friefergd und Bad-Nauheim fest. Die Handschuhe fand man nicht fei ihnen. Wohl aber wurde ein Teil fer Verpackung der Handschuhe auf fern Weg gefunden, fen die Angeklagten genommen hat en. Trotz sehr erheblicher Verdachts- Momente, insbesondere verbüßt Detzer zur Zett wagen Diebstahls 7 Jahre Zuchthaus, sprach die Strafkammer ebenso wie das ersti.mrzliche Gericht frei, da ein gänzlich lückenloser Beweis bei fern Bestreiten fer Angeklagten nicht erbracht war. . Wegen Preistreiberei wurde der Eier- und Geflügclhändler Wilhelm Scheuermann wrs Gettenau zu einer Geldstrafe von 50 M k. und ’ toei Tagen Gefängnis ^urteilt. Die letzteren würfen in eine Geldstrafe von 20 Mk. umgewandelt. Die erste Instanz in Nidda ha,: e freigesprochen. Die Strafkammer Helt I d ch nach längerer Beweisaufnahme für ertote en bah fev Angeklagte im Dezember 1923 Gänse in der Wetterau zu Preisen aufgekauft htt fee fee ortsub» lichen Preise weit überstiegen. Sch. war um des- willen in der Lage, höhere Preise zu bieten, weil er damals feine Ware in Köln afeetzte wo fer Preisstand ein höherer war als in Frankfurt. Der Maurergeselle Karl Harres von Le- derbach hatte im Winter 1920 21 im Bezirk fer Oferförfterei Romrod Holz gefrevelt. Das Gericht in Alsfeld batte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt, ba damals angenommen tourte, bah das gefrevelte Holz einen Wert von unter 15 Mk. fette und es sich somit nur um eine Forstentwendung handelte, die einer kur^n Verjährungsfrist unterliegt Durch ein Gutachten fer Forstfehärfe wurde vor der Strafkammer fest- geflellt, daß fer Wert 15 Mk. überfliegen hatte. *) Dergl. Nr. 183- DeSfelv wurde H wegen Diebstahl S zu drei Tagen Gefängnis verurteilt, umgewandelt in eine Geldstrafe von 30 Mk Der Bürgermeister der Stadt Friedberg hatte durch Bekanntmachung vom 25. Mai 1923 u. o. bestimmt, daß die Hauseigentümer berechtigt sind, die Betriebskosten, wie Grund- und Gebäufe- fteuer, Brandversicherungsbeitrag. Versicherungsbeiträge, Schornsteinfegergebüfeen, Was'ergeld und Beträge für Müllabfuhr auf die Mieter in fer tatsächlichen Höhe auszuschlagen. Hiergegen wandte sich eine Dekanntmachung fer Mieter- t>erei nigung vom 30. 6. 23, veröffentlicht in fern „Oberhessischen Anzeiger". In ihr würfen die Mieter aufgefordert, die Beträge nicht zu bezahlen, mit Ausnahme des Wassergelfes und fer Wohnungsbauabgabe. Der Vorsitzende der Mietervereinigung, Karl Fr. Bauer von Friedberg, wurde hierauf unter Anklage gestellt, weil er durch die fragliche Annonce zum ilngeferfam gegen eine rechtsgilllge Verordnung aufgeforfert habe. (§ 110 St.G.D.) Die erste Instanz verurteilte. Die Etvaftammer hob jedoch auf Berufung das Urteil auf unb sprach frei. Sie ging davon aus, daß nach fern Reichsmietengesetz die genannten Betriebskosten in Hunfertsätzen als Zuschläge zu den Mieten festzusetzen waren. Die Bestimmung, wie die Stadt Friedberg sie getroffen hatte, hielt sie deshalb nicht für rechts- giltig. Daran änderte nichts, daß bei der damaligen ständigen Gelbenttoerlung eine prozentuale Astsehung im voraus auf große Schwierigkeiten stoßen mußte. Der Angeklagte hatte somit nicht zum Ungehorsam gegen eine „rechtsgiltige Verordnung" aufgefordert. Turnen, Sport und Spiel. Handball. Noch vor zehn Jahren hat man kaum etwas vom Handballspiel gewußt. Die Deutsche Turnerschaft hat früher zwar eine Reihe von Ballspielen betrieben, welche den Spielgedanken fes Fußballspiels auf ein Fangspiel nur mit den Händen zu Überträgen suchten (Korbball, Raffball, Torball, Turmball u. a. m ), aber alle diese Spiele vermochten sich nicht durchzusetzen. Endlich gelang es fern verdienten Frauen turn wart fes Turnkreises Brandenburg, Heiser, die Regeln für ein Spiel zu finden, das geeignet war, das bis dahin fehlende Winterspiel für Turner und Turnerinnen zu schassen. Er griff aus den Regeln für Fußball, Rassball und Korbball bestimmte Eigenarten heraus, die er bann auf fer Basis, daß nur mit der Hand gespielt werfen durfte, neu aufbaute. Handball ist nach den Regeln Heisers zum erstenmal kurz vor fern Krieg unb dann in verstärktem Maße auch während des Krieges zunächst als Frauenspiel im Berliner Turnrat gespielt worden. Von Anfang an war man darauf bedacht, Runfenspiele einzurichten, und zwar in Klassen für Geübtere und Anfänger. Durch Sonder- und Mustervorführungen bei geeigneten Gelegenheiten wurde für die Ausbreitung des neuen Spieles geworben. Nach Kriegsende nahm fer Kreis Brandenburg das Handballspiel mit größtem Nachdruck auf. Er vervollkommnete die Regeln, schuf einen besonderen Handballausschuß und richtete nach dem Vorbild des Fußball-Verbandes einen geregelten Spielbetrieb ein. Die Deutsche Turnerschaft hat diese Arbeit fort geführt und farm jetzt mit Freude fest stellen, daß durch das Handballspiel in viele ihrer Vereine ein ganz neues Leben gekommen ist. Den besten Beweis für die schnelle Entwicklung dieses Spieles zeigen die Deteiligungszissem allein der Turnvereine: 1921 waren es 450 Mannschaften, 1922 schon doppelt soviel, • 1923 gar schon 1900, unb im abgelaufenen Spieljahr haben nicht weniger als 3212 Mannschaften nachweislich an fen Hcmdball-Spielveihen in den Turn kreisen fer D. T. teilgenommen. Das sind Zahlen, die man nicht für möglich gehalten Hütte. Entgegen fern ersten Urteil Hafen auch die Sportverbände sehr schnell ihre Ansicht über bas Handballspiel geändert. Die Deutsche Sportfehörde für Athletik hat den Wert dieses Spieles bald erkannt unb sucht es in allen ihren Vereinen einzuführen. Auch hier ftnbet Handball überall Anllang, wenn auch die Mann- schaftszahl naturgemäß nicht entfernt so groß sein kann wie die fer Turner. Dem Handballspiel ein besonderes Lob zu reden, ist überflüssig. In höherem Maße als Fußball arbeitet es den ganzen Körper gleichmäßig durch und verbindet damit die Erziehung zu all den geistigen und seelischen Eigenschaften, fee in fern Kampfspiel liegen. Was ganz besonders hervor gehvfen werden muß, ist die Tatsache, daß Handball auch das Kampfspiel der Frau geworfen ist. Im Gegensatz zum Fußballspiel, von dem keiner seiner Anhänger behaupten wird, daß es sich auch für Frauen eignet, zeigt schon die Tatsache, daß der Schöpfer des Handballspiels ein grauen tu nraxtrt war und Turnerinnen es zuerst pflegten, daß es für sie in erster Linie gedacht war. Viele Hunderte von Frauenabteilungen spielen denn auch heute Handball, und zwar mit einer Leidenschaft, tote sie kein «Spiel, kaum das Turnen selbst, in ihnen erweckt hat. Im Frauensport ist hierdurch eine schlimme Lücke ausgefüllt wvrfen. Die weitere Tatsache, daß Handball jetzt auch neben fern Faustball das meistgepflegte Spiel der Turner ist, deutet darauf hin, daß hier mehr als nur eine neue Spielart geschaffen worden ist, nämlich ein nationalesSpielfürMannund Frau, für Junge und Alte. Handball ist das Spiel mit der jüngsten Vergangenheit: wer weiß, ob es nicht das Spiel der Zukunft wird? Tillh £tnbt vorn Gießener Schwimmberein bei fen Deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin siegreich. Arn Samstag gelang es Frl. Arn d t bei fen Deutschen Schwimmeisterschaften unter sieben Bewerberinnen im Rückenschwimmen über 100 Bieter den dritten Platz in fer Zeit von einer Minute und 36 «Set. zu belegen. Am «Sonntag wurde die Deutsche Meisterschaft im Brustschwimmen über 100 Meter ausgetragen: hier konnte Frl Arndt unter 13 Bewerberinnen als »weite «Siegerin in 1 Win. 33 «Set hinter Frl. Murray-Leipzig, fer langjährigen Deutschen Meisterin, feitet Ziel gehen. Frl. Murray stellte in 1 Kl in. 31 Sek. einen neuen deutschen Rekord auf. Frl. Ävndt war es auch möglich, fen alten deutschen Rekord zu drücken. 13. Deutsche Meisterschaftsregatta. Frankfurt a. M., 10. Aug. (WB.) In Anwesenheit einer nach Tau'enden zählenden Zuschauermenge sand heute hier die 13. deutsche Meisterschaftsregatta statt, die einen wenig zufriedenstellenden Verlauf nahm. In allen 5 Meister'chaftsrennen ereigneten sich Kollisionen ober sonstige Zwischenfälle, wie Um 1 erlagen usw., so bah ein einawandfreier Verlauf fer Rennen nicht gegeben war. Im allgemeinen waren blf süddeutschen Mannschaften fen norddeutschen überlegen. . 1. Vierer ohne Steuermann (Wer« sterschaft): 1. Franks. „Germania" 6,01,1, 2. Offen« bacher „Undine" 6,03. 2. Einer (Meisterschaft): 1. Franks. Rufer« verein (W. Flinssch) 7,10, 2. „Germania" Segel« Berlin (E. Reinhold) umgeschlagen. 3. Zweier ohne Steuer (Meisterschaft) „Alemannia" Hamburg, Kölner Klub f. Wassersport und „Victoria" Berlin abgestoppt. 4. Doppelzweier (Meisterschaft): Frankfurter Ruderverein, Frankfurter „Germania" auS geschlossen. _ 5. Achter (Meisterschaft): 1. Berliner Ruferclub Sport-Borussia, Mainzer Ruberverein in Führung liegend wegen Bvotsdefekt auf gegeben. Kölner Club für Wassersport nicht geftautet. 3n fen eingeschobenen Rennen Hegten: 3 u • nivr-Vierer. 1. Heidelberger Ruferclub 6 17 2. Ludwigshafener Ruderverein 6,17,2, 3 Rui er Club ,,'Hansa" Dortmund 6,30. Junior-Achter: 1. Frankfurter „Germania" 5,53,6, 2. Ka steler Rufergesellschaft 5,54. 3. „Hansa" Dortmund 5 55. Senior-Achter:* 1. Würzburger Ru- dergesellschaft 5,54,4, 2. Franks. „Germania" 6,03 Aus aller Welt. Handgranalen-Explosion In einem Eisenbahnzng Braunschweig, 10. Aug. (Privattelegr.) Vergangene Nacht explodierte in fern Zuge Bad Harzburg—Braunschweig im Abort eine Wagens vierter Klasse eine Handgranate. Ein in fern Raum sich aufhaltender, bisher unbekannter Mann wurde getötet. Fünf Personen wurden verletzt. Die älrsache des llnglucks- salls ist noch nicht aufgeklärt. Eine neue deutsche Flugverkehrs-Linie. Berlin, 9. Aug. (WTD.) 3unter«» flugzeuge werden am Montag fen Passagier- und Postverkehr auf fer Strecke Berlin-Dresden-Fürth aufnehmen. 3n Fürth besteht in beiden Richtungen unmittelbarer Anschluß an die Linie Frankfurt-München, so daß die Strecke Berlin-München in 6 Stunden zurückgelegt werden kann. Todesschuß eines Kunstschühen. Berlin, 11. Aug. Durch einen unglücklichen Zufall schoß gestern nachmittag auf einem Berliner Rummelplatz ein Kunst schütze seinem Partner bei fer Vorstellung eine Kugel in den Kopf. Nach Angabe fes Kunssschützen soll fer llnglücksfall auf eine Lade- hemm un g fes Gewehrs zurückzuführen fein. Der Verletzte starb auf fern Wege zum Krankenhaus. Ter Kunstschühe wurde verhaftet. Ein Erzschwindler. Aachen, 9. Aug. (WTB.) Der Reisende Robert Schwarz war, wie gemeldet, nachts in einem Zuge auf der Strecke München—Gladbach —Aachen ohne Kleider aufgefunfen wvrfen. Die hiesige Kriminalpolizei konnte Schwarz nachweisen, daß er die Sache selbst in Szene gesetzt hat. Zu diesem Scheinmanöver dürfte er durch Betrügereien veranlaßt worden fein, die er verübt hatte: er hatte Gelder zu kassieren, die ihm angeblich auf fer Eisenbahnfahrt geraubt worden sind. Wettere Erhebungen über die Beweggründe zu dieser Komödie sind im Gange. Otlanartigct Sturm aus dem Bodensee. Friedrichshafen. 10. August. Heute herrschte auf fern Bodensee ein orkanartiger West stur m, der an fern ganzen deutschen Ufer fes Sees großen Schaden anrichtete. Zwei 3nsassen eines Bootes, ein Major a. D. namens Hu m m el und seine 10jährige Nichte, wurden über Bord gefpült und ertranken, während der Sohn fes Majors im Boot aus dem Wasser trieb unb erst am Morgen geborgen werfen konnte. Schwere Wetterkatastrophe in Südslawien. Laibach, 9. Aug. (WTB.) Heute nacht ereignete sich in fen Tälern von Sora und Save eine gewaltige Wetter kata st r 0phe. 3nfolge mehrerer Wolkenbruch? stieg das Wasser innerhalb einer Stunde auf fünf bis sechs Meter. Zahlreiche Häuser wurden fort- gerissen, alle Sägewerksmühlen und Fabriken in bet Umgebung von Beschvflack unb Dillichgratz wurden vernichtet: in einzelnen Häusern werfen ganze Familien vermißt. Dis heute abend wurden 13 Leichen geborgen. Explosion in einer Pulverfabrik. Palermo, 9. Aug. (WB) 3n der Gemeinde Villa Abata explodierte aus unbekannter Ursache eine private Pulverfabrik, wobei mehrere Gebäude der Fabrik unb andere Häuser fer Umgebung schwer beschädigt wurden. Es wurden vierPersvnengetötet unb fünf schwer verwundet. Eine Schießübung mit unglücklichem Ergebnis. Warschau. 9. Aug. (WTB.) Während der Schießübungen fer Feldartillerie in der Vorstadt Kernbertowo bei Warschau explodierte ein Geschoß über einem Schützengraben. worin Soldaten der Unteroffizierschule und fes *30. Infanterieregiments sich befanden. Zwei Soldaten wurden getötet, zwei verletzt. 3m Polareis abgetrieben. Londo n, 9. Aug. (WTD.) Einern Telegramm aus 3s land zufolge geriet das dänische Regierungsschiff, das fen auf fern Flug um die Welt begriffenen amerikanischen Fliegern Proviant bringen sollte, in Eis und wurde abgetrieben. Groh« Ueberschwemmungen in Japan und China. Tokio, 9. Aug. (Wossf.) Nach Dlätterrnel- bungen tarnen durch die Ueberschwernmung in Formosa 700 Menschen ums Leben, 10000 Häuser wurden zerstört. Neu York, 9. Aug. (Durch Funkspruch.) Nach einem Telegramm aus Peking sind infolge von schweren Regengüssen Hunderte von Dorfe r n in den Flußgebieten Nordchinasüberschwemmt. Verantwortlich für Politik und Feuilleton: 3. V.: Heinz Gorrenz. Kranksein? Nein! SÄÄÄ „Der 'Beföftigung Juwel'’ Qeifit’s von Heftles RmdevmefiL P W E MMN v«IVs»I Wik! s w tofciat M °°°» 31m Den die As! "kLF LV Lei . Das be Vre ist bg 5 ^Eg« AeptsH' E d-n ^2 ätolfw;, raten IW' «4 d«4 *■ Ad« ° &*• * sozial weit! Krieges für dessen ? feit 1905 k nach der et Moskau em des Deutsch der bolscheo AisaMnemu Der bol fien die k Deutschs im Hvs-, ® dem Sturz sonders des vichtet. Zal «eie, mrd sie nicht m Kchdasb Krieg und so dah dies dem Leben ausscheidet. Halle schm veifungen den, und t die Sozial nnxg tioUt schen Ki eignung g durch die im Dolg< wurdar Jas das dm . zwei Mt leidet vor । reichen M plaimMg langsam i dah es g< Pause wie mfen, die M Trotz burger nur noch e sortschreite bedroht. 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Geburtstages erwiesenen Aufmerksamkeiten danke ich bestens. L. Stauß Wwe. geb. Weidig Bleichstraße 8. ■ Montag, U. August 192$ Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesten) Zwettes Blatt Ar. 181 2Iufflrebcn der gefunden Elemente der deutschen nahmen erngreifen. Die Höhe der fiskalischen Be° Bevölkerung au beobachten, so daß dort trotz der lastung durch diese Notstandsmaßnahmen aller Art ... . 7 z. ►men ? Tätigkeit. Tag- 1-30 MM. Dor- ) Uhr bei 022t6f öaynscher Hof. 9,30 m>r: Presse-Mß’- dünge" Sport-BencM 10 w: , Jaus °schee filmten Farbe als „Liebeszauber". Farbe beeinflußt den Blutkreislauf und den Blutdruck und wirkt dadurch auch auf uniere Geist csrichtung ein." Bon dieser Tatsache geht dre amerikanische Psychologin Hazel A. Adler aus, ore seit mehr als 10 Jahren sich mit der bereits von Goethe betonten „sinnlich-sittlichen Wirkung der Farbe" beschäftigt und mit ihrer Hilfe geradezu wunderbare Erfolge erzielt hat. Sie erregte kürzlich dadurch großes Aussehen, daß sie der mit einem Tennis-Champion davongelaufencn Tochter ernes Millionärs empfahl, sich mit dem zornigen Papa in einem blahblau ausgeschlagenen Raum und m blaßblcruer Toilette zu treffen. Diese zarte Blaue wirkte so besänftigend auf das Gemüt des Erzeugers, daß er ihr verzieh. Miß Adler, ine in dem psychologischen Institut der Harvard-Anwersität zahlreiche Versuche angestellt hat, macht die von ihr erkannte Zauberwirkung nicht nur der Medizin, sonderm auch der Wirtschaft dienstbar. Sie hat beobachtet, daß Fabrikarbeiter in rotgetunchten Räumen viel schneller arbeiten, aber leichter ermüden, dah sie bei grau getünchten Wanden langsamer arbeiten und länger aushalten, daß die beste Leistung aber in gelblich-grünen Räumen erzielt wird Auch hat sie Farbe für die Reklametechnik ausgenutzt und wird auf dem Anzeigenkongreh der jetzt in London stattfindet, über die für die Propaganda wertvollsten Farbtöne sprechen. Am erstaunlichsten aber ist ihre Verwendung der Farbe als Liebeszauber. „Wir brauchen die richtigen Farben in unserer Entwicklung, _ wie wir Medizin brauchen, wenn wir krank sind," schreibt sie Harunonische Farben sind der Schlüssel für die Harmonie in Liebe und Ehe. Die rechte Farbe f Lebendig begraben. Das berühmteste Kunststück der indischen Fakire ist das Sich-lebendig-begraben-lassen, das von heiligen Männern bei bestimmten Festlichkeiten als Höhepunkt der Feier noch immer aus- geübt wird. Otto Rothfeld, der die seltene Gelegenheit hatte, einem solchen Vorgang berzu- wvhnen, schildert diese Zeremonie in einem Londoner Blatt. „Einmal im Jahr, an einem ~og, den die Astrologen als besonders günstig bezeichnet haben, vollzieht der heilige Asket diese gefährliche und unerklärliche Handlung,zur Ehre der Götter und zur Weihe des üestes , schreit er. „Er läßt sich fünf Tage in dem Heiden Sande des heiligen Flusses lebendig begraben und steht wieder auf! Der Fakir ist ein magerer Mann mu einem schwermütigen ernsten Gesicht. Er sitzt nnt gekreuzten Beinen auf dem Sande, durch einen Stockgriff gestützt, den er sich unter den Arm gestemmt hat. Seine Hände sind mit den Handflächen zusammengelegt, totem Anbetung gegen die Brust gedrückt' seine Augen blicken stumpf und reglos auf die Menge, die ihn umgtbü Reben ihm steht eine Schale mit Milch, und vor chm befindet sich das etwa 5 Fuß tiefe Grab, m ba* er gelegt werden wird. Sein Haar ist etngefette und fest zusammengedrückt: ferne euAge Kleidung besteht in einem anliegenden Kittel, oer Köicher ist mit Asche- bedeckt. Er mmmt einige Schlucke von der Milch und verfallt tn immer tiefere Versenkung. Jetzt beginnt er titff gu atmen und vollzieht die uralte Methode der Körper beherrfchung binxfr das Atmen wie sie bereits in den heiligen Büchern vorgeschneben ist. Auch ganz gewöhnliche Inder, die kernen Anspruch auf Heiligkeit machen, beherrschen diese Atemt^hnik, durch die man den Herzschlag und den Blutkrets lauf in einer für den Europäer ganz unverständlichen Weise beherrschen kann. 3eZ>ert Morgen pforrn sie diese Atemübungen aus, die nut der Löberstr.'2 ----- He«i«»bcnd 3.30 UM1 wird im Charakter eines Kindes seine besten Setten entfalten und wird aus einem uitbeachteten „Mauerblümchen" eine gefeierte Dallkönigin machen. Die rechte Farbe veranlaßt einen Mann, ein Mädchen zu heiraten, daß er niemals begehren würde, wenn sie andersfarbig gekleidet wäre. Farbe, richtig ausgewählt und genau beobachtet, ist der Zauberstab, der im Leben den Erfolg sichert. Ich habe die Wissenschaft der Farbenwirkung durch viele Jahre studiert und vielen Männern und Frauen Ratschläge gegeben, die ihr Lebensglück begründeten. Eine Frau kam zu mir und klagte darüber, daß es ihr unmöglich fei, in einem bestimmten Geschäft eine Stellung zu erhalten. All ihre Anstrengungen waren fi-uchtlvs. Ich riet ihr, die Lieblingsfarbe des Direktors auszukundschaften. Sie fand heraus, daß es maulbeerfarben war. Als sie daraufhin sich in einem maulbeerfarbenen Kleid bei ihm vorstellte, wurde sie sofort engagiert. Mütter kleiden ihre Töchter vielfach in neutralen Farben, damit sie nicht zuviel auffallen. Ich kannte ein junges Mädchen, das immer solche neutralen Farben trug und aufGesellschaften überhaupt keine Beachtung fand Eines Abends schlang ich, da sie mir leid tat, einen buntfarbigen Schal um ihre Schultern. Die Wandlung war erstaunlich. Sie zog nunmehr die Aufmerksamkeit der Herren auf sich und wurde die Königin des Festes. Andere Mädchen haben durch die sorgfältige Beachtung der Farbenwahl einen Gatten bestimmen. Sie brachten heraus, auf welche Farben der von ihnen Erkorene am stärksten reagierte, kleideten sich in diese Töne und riefen sofort die größte Der- liebtheit auf seilen des Mannes hervor So wirkt die Farbe geradezu als Liebeszauber. Allerdings müssen die Männer, die man auf diele Weise beeinflussen will, für Farben sehr empfindlich sein, was nicht immer der Fall ist, woraus zu entnehmen ist, dah Amerika — Amerika bleibt! beiHe.ck(Mn' Kaiierallee du. hi»«» loden Hoffnung berechtigt ist. Verhältnismäßig am günstigsten von den drei Gruppen deutscher Kolonisten tn Rußland sind die Kaukasusdeut s chen aus den Llnbilden von Krieg und Revolution hervorgegangen. Soziali- sierungsmaßnahmen find dort in geringerem Maße angewandt worden, das Deutschtum steht dort auch wirtschaftlich trotz aller Sorge noch kräftiger da. Es wird für die Zu k u n f t des R u h l a n d deutschtums von entfcheidender Bedeutung sein, ob es gelangt, die Möglichkeiten, die in der kommunistischen Rativnalitätenpvlitik liegen, für die Stärkung des Deutschtums zu verwerten, zu gleich der deutschen Jugend eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen zu lassen, die sie in den Stand setzt, später die nötigen Führer zu stellen. Zum Schluß seines Aufsatzes warnt der Ver- faffer dringend vor irrigen Anschauungen über Oie Möglichkeiten in Rußland, Anschauungen, wie sie in letzter Zeit vielfach in Deutschland Boden gewonnen haben. Rur Kenner russischer Verhältnisse und Sprache, von eiserner Gesundheit und an alle Entbehrungen gewöhnt, werden unter den gegenwärtigen Verhältnissen in der Lag« sein, sich in Rußland durchzusehen, und auch diesen Wenigen stehen die größten Schwierigkeiten bei ihrer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung entgegen. Die Reparationen für die Ruhraktion. Linser wirtschaftllcher Mitarbeiter im Ruhrgebiet schreibt uns. Auch bei den bisherigen Reparationsverhandlungen ist anscheinend völlig übersehen worden, daß auch Deutschland Reparationsansprüche hat. Diese erstrecken sich nicht zuletzt auf die auch nach englischer Auffassung rechtlich ungültige Ruhr- besehung. Lieber deren Schäden sind jetzt einiger* maßen zutreffende Schätzungen möglich. I. Schädigung der deutschen Volkswirtschaft. a) Rach vorsichtigen Schätzungen wird her in der Zeit von Januar bis Ende September 1923 (also während der eigentlichen Sauer des passiven Widerstandes) durch die Ruhraktion emgetretene gesamte industrielle Produktionsausfall (einschl. Bergbau) auf rund 1600 Millionen Goldmark beziffert. Hierzu kommt noch der Leistungsaussall der staatlichen Derkehrsanstalten (Eisenbahn. Post und Wasserstraßen). DieserLeistungsausfalldürfte auf mindestens 200 Mill. Goldmark zu beziffern sein. Insgesamt würde sich hiernach vom Beginn der Ruhraktion bis Ende September 1923 für Industrie, Handel und Verkehr ein Leistungsausfall an Gütererzeugung und Güterverteilung von rund 1800 Mill. Gvldmark ergeben. b) Der Prvduktionsausfall an Rhein undRuhr machte für das übrige Deutschland in sehr erheblichem Umfange eine Ersaheinfuhr aus dem Ausland« notwendig. Dies gilt vor allem für Koyle, die zu Preisen, die weit über dem deutschen Inlandspreise vor der Ruhraktion tagen, beschafft werden mußte. Die sich allein hieraus bis Ende September ergebende gesamte Mehrbelastung der deutschen Wirtschaft berechnet sich auf rund 200 Mill. Gvldmark. c) Die Folgen der Ruhraktion wirkten nach deren Abschluß (in Gestalt z. D. der Micum- verträge usw.) weiter. Den dadurch weiter em- getretenen Schaden wird man mit 1200—1500 Mill. Goldmark berechnen müßen. d) Der durch die Ruhraktion verursachte Schaden läßt sich also beziffern auf über 3 Milliarden Gvldmark. Dazu treten noch die Schädigungen durch unmittelbare Eingriffe in die Sustanz der deutschen Wirtschaft, Beschlagnahme vorhandener Vorräte Erhebung von Steuern und Zollen, Einziehung 'von Strafgeldern, Eingriffe in den deutschen Produktions- und Verkehrsapparat usw. in Höhe von etwa 1 Milliarde Gvldmark e) Der Gesamtschaden würde sich also — rein rechnerisch — auf über 4 Milliarden ©oLbmarf belaufen, wobei aber zu beachten ist, daß wichtige Schadenpositionen in dieser Summierung überhaupt nicht zum Ausdruck kommen, weil sie zahlenmäßig nicht erfaßbar sind. II. Schädigung der deutschen Finanzwirtschaft. a) Die Lahmlegung des deutschen Wirtschaftslebens an Rhein und Ruhr zwang 1,3 Millionen Erwerbstätiger zur völligen oder teilweis«i Un- tätigfeit Das Reich mußte mit Notstandsmah- Vom Deutschtum in der Sowjet-Union. Lieber das Deutschtum in der Sowjet- Union bringt die Ruhlandbeilage des „Reva- (er Boten" einen sehr interessanten Aufsatz aus der Feder des Chefredakteurs des „Boten , Arel de Dries. De Vries stellt kurz die drei Druppen des vor dem Kriege vorhandenen Rußland-Deutschtums heraus, das deutsche Bauerntum in Südrußland und im Wolgagebiet, in West sibirien, im Kaukasus und in Turkestan das reichsdeutsche Element, das bei den immer zunehmenden russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen in Handel und Industrie eine be- £Se%ode fhielte, und Miehllch als drittes Grundelement die im Innern Rußlands lebenden Deutsch-Balten. Während für die beiden ersten Gruppen in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege die Gefahr des Verlustes ihres deutschen Volkstums immer stärker wurde, haben die Deutsch-Balten und unter ihnen besonders wieder die deutsch balttschen Ltteratenkreise mit Zähigkeit an ihrem Deutschtum festgehaltem Alle drei Gruppen erbeuten sich vis zum Kriege einer ausgezeichneten wirtschaftlichen Stellung, der deutsche Dauer hob sich durch Sparsamkeit, Fleiß und Nüchternheit aus der russischen Umgebung deutlich hervor, mährend es die in den Städten lebenden gebildeten deutschen Kreise meistens sowohl finanziell wie sozial weit gebracht hatten. Dagegen hinderte der verschiedene Ursprung der drei Gruppen vor dem Kriege einen starken nationalen Zusammenschluß, für dessen Fehlen auch das Zusammenwirken der verschiedenen deutschen Abgeordneten tn bei Duma feit 1905 feinen Ersah bieten konnte. Erst 191z nach der ersten großen Revolution vereinigte in Moskau ein Kongreß Vertreter aus allen Tellen des Deutschtums in Rußland. Doch vernichtete der bolschewistische Umsturz die Früchte dieser Zusammenkunft und ihrer Beschlüsse. Der bolschewistische Umsturz traf am schwersten die höchst stehenden Kreise des Deutschtums, besonders alle diejenigen, die im Hof-, Mllitär- und Staatsdienst standen. Mll dem Sturz des Zaren war ein Sammelpunkt besonders des Deu tsch-Daltentums in Rußland vernichtet. Zahlreiche Balten, besonders auch Ofsi- ziere wurden brotlos und wandten sich soweit sie nicht umfamen, in ihre alle Heimat zurück. Auch das baltische Literatentum ist durch Krieg und Revolutton nahezu vernichtet worden, so daß diese ganze Gruppe fast vollständig aus dem Leben des heutigen Deutschtums tn Rußland ausscheidet. Das reichs deutsche Element hatte schon in den ersten Kriegsjahren durch Ausweisungen und Internierungen furchtbar zu leiben, und dieser Dernichtungsprozeß wurde durch die Sozialisierungsmaßnahmen der Svwjetregie- umg vollendet. Aehnlich erging es den deutschen Kolonisten, die von gewaltsamer Enteignung großenteils verschont blieben, dafür aber burch die furchtbare Hungersnot von 1921 besonders im Wolgagebiet tn entsetzlicher Weise heimgesucht Das heutige Deutschtum Rußlands, das von der Regierung immer noch mit etwa -lvei Millionen Köpfen angegeben wird, leidet vor allem unter dem Mangel einer einflußreichen Führerschicht und unter dem Fehlen einer planmäßigen deutschen Schulbildung, die erst jüngst langsam wieder erstarkt. Sv ist es erfreulich daß es gelungen ist, in Moskau nach langer Pause wieder eine deutsche Schule ins Leben zu rufen die am 30. März allen Schwierigkeiten zum Trotz eröffnet werden konnte. Die Peters - bürg er Kolonie stellt zahlenmäßig gegen früher nur noch einen Bruchteil dar, ist auch durch die fortschreitende Russtsizierung der Jugend schwer bedroht. Obgleich das Deutschtum von den „Dvlsche- wisten zu den wenigen „unzuverlässigen" Rationalitäten gerechnet wird, ist es wenigstens un Wolgagebiet gelungen, eine autonome deutsche Sowjetrepublik zu begründen, die zwar nach kommunistischen Grundsätzen von Kominunisten- beamten geleitet wird, immerhin aber dem Deutschtum einen starken geistigen und moralischen Rückhalt bietet. Es sind Bestrebungen im Gange, eine ähnliche Autonomie auch für die deutschen Kolonisten in Südruhland durchzuführen Besonders wichttg ist diese Autonomie sirr das Sckml- wesen, das damit in deutsche Hand und deutsche Derwaltung übergeht. In der letzten Zeit ist besonders in der deutschen Wvlgarepublck^ein c) Die Gesamtsumme der fiskalischen Schäden beläuft sich demnach bis Ende September 1923 auf über zwei Rlilliarden Gvldmark. In dieser Summe fehlen aber noch die unübersehbaren Stäben. welche durch Eingriffe in den Bestand der Reichsbahn, der Post, der Wasserstraßen ufux entstanden sind. Auch ein großer Teil der schaden, der Länder, Gemeinden, Gemeindeverbande, Privatpersonen usw. ist in dieser toummc mch enthalten. Schließlich fehlt vor allem aber auch noch der durch die Geldentwertung angerichtete Schaden. Wann bekommt Deutschland fiir diese Schäden Repavattonen? __ religiösen Versenkung in engem Zusammenhang stehen: sie glauben dadurch an geistiger Sammlung und körperlicher Gesundheit zu gewinnem Der Derufsheilige hat es nun in dieser Kunst des Atmens zu jener höchsten Vollendung gebr^t^ bte ihm die Ausschaltung der Lebenstattgkett über- haript gestattet. Während dest Atmens wird seine Beherrschung und Beeinflussung des Kobers Ünnner sicherer; die Pausen der einzelnen Herzschläge werden länger; er atmet immer langfamer, immer leiser, immer seltener, und am spaten Rachmittag ist fein Atmen fast unmerkbar ge- worden. Er läßt fich langsam aufden heißen Sand niedergleiten: sein Körper versteift sich, die Muskeln werden starr. Er gleich^ einer Leiche. So bleibt er noch ein oder ^roei ötunöen liegen, bis die Sonne untergegangen ist Qlun treten zwei Priester heran, fühlen ihm Puls und Herz und beobachten feine Lippen. Das i)erj schlagt nicht mehr, das Atmen hat aufgehört. Er wird behüt- sam aufgehoben und in das offene Grab gelegt., S^cd wird darüber geschaufelt und auf dem Körper fest getrampelt: Kopf und Mundb^eibM bis zuletzt Sei. Ein kleines Tuch wird über die Lllwen gelegt und bann auch der Kopf mit Sand zugedeckt. Eine Wache von vier Mannern laßt sich um das Grab nieder, und viele aus der Menge weichen nicht von der Stelle, um das Sber zu beobachten. Auch nicht die leiseste Möglichkeit eines Tricks ist hier vorhanden; der , Heilige würde auch zu keinem Betrug feine Zu- flucht nehmen, dazu ist er zu tief WwohWlliW, dem Ernst und toSjexligfeit seines Tuns. Vier volle -L-age liegt er so begraben, und am Nachmittag WS? D^Kö^ Grab zur festgesetzten Stunde geöffnet Der Kor- rer liegt genau so, wie er hineingelegt war. Aber das Erwecken ist höchst ^fäh^ich unk^mußmit größter Vorsicht vor sich ^ehem Der Körper wird sanft herausgehoben und ganz leicht auf an der Kehle und über dem Herzen d°° SluitiW »urüd. Kraftgewinnung aus Ebbe und Flut. Der Gedanke, aus Ebbe und Flut Kraft zu gewinnen, beschäftigt die Wissenschaft feit langem; aber alle bisherigen Versuche auf diesem Gebiet haben noch keine rationelle Verwertung der Meeresenergie ermöglicht. Günstigere Aussichten scheint in dieser Beziehung die Erfindung eines bulgarischen Ingenieurs Vodenitscha- r o f f zu eröffnen, über die vor kurzem in der bulgarischen Presse berichtet wurde. Seit etwa zehn Jahren hat der Genannte nacheinander vier verschiedene Krafterzeuger konstruiert, die indessen noch nicht allen Ansprüchen genügten. Mit einem weiteren vervollkommneten Apparat konnten nunmehr jedoch ausgezeichnete Ergebnisse erzielt werden. Die Maschine, die der Erfinder „Stihia" (d. h. Furie) benannt hat, kann an jeder beliebigen Stelle der Meeresküste installiert werden und soll angeblich ohne Kohle, Oel oder Petroleum aus den Meereswogen eine Energie von Millionen von Pferdekräften erzeugen können. Das Prinzip, auf dem der Mechanismus des Erzeugers Stihia aufgebaut ist, läßt sich mit wenigen Worten erklären. Unmittelbar an der Küste und bis zu einer bestimmten Tiefe hinab wird auf feiten Boden verankerten Eisenpfählen eine Art schräger Landungsfläche angelegt. Zwischen den Pfeilern wird ein sog. Empfänger oder Sammler im Gewicht von 10—20 oder mehr Tonnen angebracht und an der schiefen Ebene mit Ketten befestigt, die über besondere Rollen laufen und em System von Zahnrädern in Bewegung fefcen. Der Empfänger ist dergestalt mit feiner schrägen Grundlage verbunden, daß er sich mit Leichtigkeit allen Schwingungen der Wellen anpassen kann. Bei jeder Bewegung des Wassers und dementsprechend des Empfängers treiben die erwähnten Ketten einen eigenartigen Mechanismus an, der so konstruiert ist, daß trotz der Dor» und Rückwärts- betoegung der Wellen eine einheitliche Wirkung uach derselben Richtung hin erzeugt wird. Die so gewonnene stetige Energie wird zum Teil auf eine Aeiye von Pumpen übertragen, die ihrerseits an einem höher gelegenen Ort errichtete Reservoire mit Wasser füllen, um es in Zeiten der Ebbe oder Meeresstille zur Erzeugung der erforderlichen Schwingungen des Empfängers zu verwenden. Der Erfinder hat bereits eine Anzahl sehr erfolgreicher Versuche an der Küste des Schwär- -en Meeres bei Burgas unter Mitwirkung der Handels- und Jndustriekammer dieser Stadt aus- gesührt. Reuerbings hat sich auch die bulgarische Regierung für die Erfindung interessiert und dem Konsttukteur Dodenitscharosf ihre Unterstützung zugesichert, so dah demnächst weitere Experimente in größerem Maßstabe unternommen werden können. Bei völligem Gelingen wurde der Erfindung zweifellos große Bedeutung beizumessen fein, da es sich hier um eine Art Motor handeln würde, bei dem lediglich durch die Montage, niemals aber für die Betriebsstoffe Kosten entstehen könnten. Tieftauch-Dersuche am Walchensee. Uns wird geschrieben: Eine von einer Kieler Firma ausgerüstete Expedition unter Leitung des Kontre-Admirals Behnke macht zur Zeit am Walchensee Tieftauch-Versuche mit gepanzerten Taucheranzügen. Diese neuen Apparate waren bisher nur in geschlossenem Wasser erprobt worden Am Walchensee werden nun die ersten Versuche im freien Wasser bei zunehmender Tiefe gemacht. Während Taucher in Gummianzugen nur ganz kurze Zeit höchstens in Tiefen von 40—50 Metern arbeiten konnten, erlaubt der neue Apparat einen mehrstündigen Aufenthalt in einer Tiefe von 100—110 Metern, wie die bisherigen Versuche einwandfrei erwiesen haben. Die Erprobung noch größerer Tiefen wird fortgesetzt. Die Apparate sollen zur Rettung und Hilfeleistung, Bergung von Werten aus gesunkenen Schiffen, Gewinnung von Schwämmen und Perlen, wissen- schastlichen Forschungen bfenen. Die Versuche im Walchensee haben auch ergeben, daß an sonnigen Tagen in einer Tiefe von 100 Metern noch ohne künstliches Licht gearbeitet werden kann. Geheimer Rundfunk. Heber ein neues Funkshstem werden in der in Frankfurt a. M. erscheinenden „Umschau" nähere Mitteilungen gemacht. jS)urdj diese amerikanische Erfindung wird die Funkentwi.llnng so gestaltet, daß der Betrieb geheim und frei von Störungen bleibt. Diese Neuerung würde natürlich das Funken im Kriege sehr viel wertvoller machen, weil dann keine Meldungen mehr vom Gegner aufgefangen werden könnten, und beim Rundfunk würden die „Schwarzhörer" einfach ausgeschaltet werden. Es können bei dem neuen System 70—80 Proz. des üblichen Materials verwendet werden, wozu nur 20—30 Proz. neues kommen. Die Sendestellen können leicht umgearbeitet werden, aber die Empfangsapparate müssen besonders eingerichtet sein. Das neue Funk- system wurde kürzlich in der italienischen Armee und Marine erprobt und soll auf die Behörden großen Eindruck gemacht haben. Der Hauptwert liegt in der Möglichkeit der Geheimhaltung. Diese wird dadurch erreicht, daß man die Trägerwellen durch eine große Anzahl von Ueberlagerungs- toellen verändern kann. Ein Sender, der eine bestimmte Wellenlänge benutzt, kann daher, indem er die Frequenz der Lieberlagerungswelle ändert, mehrere Nachrichten gleichzeitig schicken, ohne dah eine die andere stört. Es ist eine unendliche Kombination von Wellen möglich, und keiner kann mithören, der nicht die Kombination der Wellenlängen kennt, mit der die Sendestelle arbeitet. Dadurch wird die Geheimhaltung verbürgt. Eine andere wichtige Eigenschaft des Systems ist die, daß mit einer größeren Anzahl von Empfangsstellen gearbeitet werden kann. Man soll mit diesem System 3—4 verschiedene Funkverbindungen Herstellen können, die gleichzeitig laufen, ohne fich gegenseitig zu stören. So gab der Sender bei den Versuchen in Rom gleichzeitig ein musikalisches Programm und einen gesprochenen Vortrag Beide Ueberrnittlungen wurden unabhängig Don- einander von derselben Empfangsstelle wenige Meilen entfernt gehört, während zahlreiche andere Empfänger, die die Kombination der Wellenlänge nicht kannten, rings um Rom nichts hören konnten. Ein elektrisches Planetarium. Man schreibt uns aus M ü n chen: Unter dem großen Kuppelbau des Deutschen Museums ist ein Riesenplanetarium zur Aufstellung gelangt, das von der Firma Zeih in Jena nach den Plänen Dr. Bauersfelds hergestellt worden ist. Es ist em Riesenprojektionsapparat, in dem 40 kleinere Projektionsapparate ineinander greifen. Der Apparat projiziert den ganzen Sternenhimmel an die Kuppeldecke, dann setzen sich, durch einen Elektromotor betrieben, die einzelnen kleineren Apparate in Bewegung und am Kuppelhimmel gehen Sonne und Mond auf und unter unö die Planeten beschreiben ihre Dahnen. In exaktester Berechnung und genauester mechanischer Ausführung läuit lichtbild- artig der Sternenhimmel über das Kuppelgewölbe. Dieses einzigartige Meisterwerk eines elektrisch bewegten Weltalls im Kleinen dürfte ein Hauptanziehungspunkt des Deutschen Museums werden. 110 000 Volt-Kabel, die eine Spannweite von 1340 Meter haben, sind über die Straße von Carpinez bei San Franzisko gezogen worden. Früher waren hier zwei Kabel von 60 000 Volt angelegt. Diese beiden alten Kabel wurden nun gegen zwei andere von 110000 Volt vertauscht, und dadurch ist die Energie, die San Franzisko zugeführt wird, fast um das Doppelte erhöht worden. belief sich auf rund 1150 Millionen Gvldmark. Die durch die Besetzung und ihre Auswirkungen im besetzten Gebiet weiter entstandenen Schädigungen des Arbells markt es sind nicht mitgezählt. b) Zu diesen Ausgaben treten noch eine Reihe weiterer fiskalischer Belastungen (Einnahmeaus- falle von Post, Eisenbahn und Wassersttahen. Ausfälle von Steuern und Zöllen, Schäden des Bergsiskus, der Forst- und Donämenverwallung, Aufwendungen für Auslands kohle hei den staatlichen Derkehrsanstatten, Ersahtranspotte usw.) in Höhe von über eine Milliarde Goldmart._____ Eleg. u. eins. Damen- n. Kinderbekleidung werden billigst und schnell angeseriigl Näh. i d. Geschaiisst öes G/eß. Anz. Verloren. GoldeneDamen Armbanduhr aeitern abend aus d. Wege Bahnhoi - \ Bai>nbolstr.-fteblg- sirahe-tzranksurlei Sir. - SelterSweg bis Markiplnb- Ab-- zugeben auf dem ffuudbureau deö Polizeiamt^egen Pclobnong. 0224W WWW . Will - Mittwoch,13 Aus. Abends 9 Ubr. I EmeihW ; öcs neuen Vereins lobb Wirtschaft. ^ie Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduk- tion teS Dollsstaates Hessen weist für den Monat 3 ult 1924 folgende Zahlen nach: An Roh- boaunkohlen wurden gefördert 50 654 Tonnen, vertäust wurden davon 14 423 Tonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwe- leveiprodukten erzeugt: 3805 Tonnen Draun- kohlend rikctts, 2439 Tonnen Raßpreßsteine. ' Linier Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Mvnatsschluh absatzfähig: 15 837 Tonnen Rohkohlen. 4745 Tonnen Briketts, 3585 Tonnen Rahprehsteine, zusammen 24 167 Tonnen Draurrkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 194 230 Goldmark. * • Zur L age dcks Ruhrkohlenmark- t e s. Die Absatzverhältnisse haben sich im Monat Juli derart ungünstig gestaltet, daß Feierschichten in größeren: Umfange vor genommen werden müssen. Der effektiven Einschränkung der Förderungen ist nun auch ein formeller Beschluß der Derkaufsorganisation gefolgt. Augenblicklich sind keinerlei Anzeichen dafür vorhanden, daß der "August eine Besserung in den Marktverhältnissen bringen wird. Der Kohlenmarkt wird indes in der Hauptsache bestimmt von der Lage der Industrie. Hier verschlechtern sich die Absatzmöglich-- keiten täglich. Der Juli war einer der schlechtesten Monate, namentlich für den Eisenmarkt. Der August gestattet vorläufig keinen Ausblick auf ver- inehrten Kohlenverbrauch. Dieser Umstand eröffnet für den Arbritsmartt der Zechen keine Hoffnungen. Im Hausbrandmaterial ist das Geschäft sehr schlecht. Das Angebot ist außerordentlich dringend, zumal, da fortgesetzt neueKohlen firmen als Begleiterscheinung des gelockerten Syndikats auftreten. Die Verbraucher von Hausbrandmaterial begrün» den ihre abwartende Stellungnahme mit der Wahrscheinlichkeit von weiterer Ermäßigung der Preise. Die Preispolitik des Syndikats begegnet selbst in den Kreisen der Zechen einer scharfen Kritik. Die Ermäßigung der Preise ist viel zu spät gekommen, als daß sie belebend auf das Geschäft wirken könnte. Hier trägt zu der schlechten Marktlage mit bei, baf) die Gisenbahnverwaltung mit ihrer Tarifpolitik nur Stückwerk liefert. Im Verkehr der Ruhrkohle mit Holland macht sich übrigens auch die Konkurrenz der Reparationskohle bemerkbar. Die Franzosen haben mit Schiffen der enteigneten Rheinschiffe eine eigene Reederei gegründet, die auch in Holland, u. a. in Rotterdam, Filialen eingerichtet hat. Diese suchen einen erheblichen Teil des Hollandverkehrs an sich zu riehen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist die Stimmung zugunsten der Verlängerung des Syndikats nicht die beste. Reue Anträge auf Ermäßigung der Kohlentarife sind gestellt worden. * Die Siegerländer Gruben im Juli. Im Monat 3uli hat sich die Lage in der Siegerländer Industrie und den Dillgruben nicht gebessert. Die Detriebseinschränkunge.i haben sich sogar vermehrt, so daß ab 1. August nur noch ,30 Pnoz. der Arbeiter beschäftigt werden. Die Lage der Gruben wird sich, wenn auch die Preise für Eisen herabgesetzt sind, nicht bessern, solange die Absatzkrtse nicht definitiv behoben ist. * Julius Berger Tiefbau A G.. Berlin. Die a. o. G.-V. genehmigte die Goldmarkbilanz sowie die anderen Punkte der Tagesordnung. Das Aktienkapital wird von 70 Mill. Mark auf 3,5 Mill. Goldmark im Verhältnis von 20:1 umgestellt. Die Vorzugsaktien von 5 Mill. Mark werden sämtlich eingezvgen. Der Auftragsbestand im In- und Auslande ist als günstig an» Kusprechen. Die Aufträge sichern Beschäftigung noch bi^ins nächste Jahr. Es ist daher unter Vorbehalt auf ein gutes Ergebnis zu hoffen. ' Die Lage der o b e r s ch l e s i s ch e n Industri e. Infolge des ungenügenden Absatzes der deutsch-oberschlesischen Steinkohlenindustrie haben sich die Vorräte auf den Halden in noch nie dagewesener Gröhe vermehrt. Deshalb wird auch bei den fiskalischen Gruben das Einlegen von Feierschichten für die kommende Zeit in Erwägung gezogen. Der Koksabsatz in Deutsch-Oberschlesien rst im Juli bedeutend zurückgegangen. Auch die Koksnebenprodukten-Jndustrie leidet unter Absatzschwierigkeiten, namentlich was Ammoniak und Teer anbetrifft. Der Benzolabsatz bewegt sich in normalen Bahnen. Die Rachfrage nach Roheisen ist imIusi unbefriedigend g w sen. DiePreite bewegen sich weit unter den Gestehungskosten. Von den 15 Hochwfenwerken des Reviers sind nur sechs in Betrieb. Der Zinkexport war im Juli ungenügend. Speziell ins Deutsche Reich wurde weit weniger Rohzink ausgeführt als zur gleichen Vorjahrs- *eit. Auch die Rebenprodukte der Zinkindustrie fanden nur schleppend Absatz. • Skoda Werke A.-G, Pilsen. Die Skoda- werke haben neuerdings russische Aufträge auf Lieferung von Slfenbaynmaterial tm Gesamtwerte von mirchestens sechs Millionen Tschochenkronen erhalten und wurden außerdem beauftragt, ein Elektrizitätswerk in Krasnojarsk zu errichten. • Die französische Handelsbilanz. Die französische Einfuhr aus dem Auslande stellte sich ii: den sechs ersten Monaten dieses Jahres auf 17 869 043 000 Franken gegenüber 13 360 128 000 Franken in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die 2bisfuhr hatte einen Wert von 18 907 049 000 Franken gegen 12 310 695 000 Franken im gleichen Halbjahr von 1923. Die Einfuhr aus den französischen Kolonien hatte einen Wert von 2 003 613 000 Franken gegenüber 1299 296 000 Franken im vorigen Jahre; die Ausfuhr nach den Kolonien betrug 2 375 251000 Franken und 1838 168 000 Franken im ersten Halbjahr von 1924 bzw. 1923. Von England wurden in dieser Zeit für 2 485 871 000 Franken Güter eingeführt, gegenüber 2 632 342 000 Franken im Jahre vorher, aus den Vereinigten Staaten für 3 016 088 000 Franken, gegen 2 245 748 000 tm Jahre vorher. DK französische Misfuhr nach ®ngknti> belief sich auf 4 109 812 000 Franken gegenüber 3 013 058 000 Franken im erst en Halbjahr 1923, nach Deutschland auf 2 106 910 000 Franken, während es im vorigen Jahve nur 493 840 000 Franken waren. Kunst und Wissenschaft. Schloßmuseum in Dahreuth. Man schreibt uns aus Bayreuth: Das Reue Schloß in Bayreuth war seit dem Brand von 1753 nicht mehr zugänglich. Später nach dem Wiederaufbau waren verschiedene Behörden darin untergebracht und nun ist es zu einem großen Museum umgestaltet worden. Zweiundzwanzig Räume des Mittelgeschosses sind im Wvhnstil der Epoche möglichst getreu wiederhergestellt worden. Im Erdgeschoß wurde eine Gemäldegalerie und eine geologische Sammlung untergebracht, im Obergeschoß hat das städtische Museum Platz gefunden. Schnelligkeitsrekvrde von Bakterien. Man hat jetzt die Geschwindigkeit festgestellt, mit der sich die kleinsten Lebewesen, die Bakterien, foritewegen. Wenn wir hören, daß einer dec schnellsten Bakterien, der Erzeuger der Cholera, in 1 Sekunde den 22. Teil eines Millimeters zu- rücklegt, oder daß die Schwärmsporen einer niedrigen Pflanzenart in 1 Sekunde einen Weg von 1 Millimeter machen, so erscheint uns das als ein rechtes Schneckentempo. Trotzdem entwickeln diese Lebewesen eine geradezu erstaunliche Geschwindigkeit. Wir müssen nämlich die Schnelligkeit ihrer Fortbewegung in Beziehung zu ihrer Fortbewegung in Beziehung zu ihrer Körper- Körpergroße setzen. So ergibt sich, daß die Sporen sich in 1 Sekunde um das 60fache und die Cholera-Vibrionen um das 45fache ihrer eigenen Länge fortbewegen. Das sind aber geradezu ungeheure Geschwindigkeiten, wie sich an einigen uns geläufigen Beispielen verdeutlichen läßt. Ein Schnelläufer legt in einer Sekunde etwa? Meter, also das vierfache seiner Eigenlände, zurück, liniere besten Schnellzüge, die mit 80—90 Kilometer Stundengeschwindigkeit fahren, legen in der Sekunde etwa 25 Meter zurück, also nur den vierten Teil ihrer Eigenlände. Ein Auto von 3 Meter Länge kann in 1 Sekunde etwa 30 Meter fahren, also das Zehnfache seiner Länge. Rennpferde, die in einer Sekunde eine Strecke von 16 Meter durchlaufen, bewegen sich reichlich um das fünffache ihrer eigenen Länge fort. Diese Geschwindigkeiten, die wir im täglichen Geben als sehr bedeutend bezeichnen, find aber gering im Vergleich mit der Fortbewegungsschnelligkeit der Schwärmsporen und Bakterien, die also Geschwindigkeitsrekorde aufftellen. Buntes Allerlei. Heiliger Dureaukratismus! Die 1. Mannschaft des Fenerbacher Fußballvereins war bei dem Verein für Deltogungsspiele Saarbrücken kürzlich zu einem Wettspiel verpflichtet worden. Die Württemberger hatten sich aber irrtümlicherweise nur mit Pässen für das Saargebiet versehen, sv teift sie bei ihrer Ankmtst im Zweibrücker Bahnhof von der französischen Gendarmerie festgenommen und über 10 Tage in Haft gehalten wurden. Einem der Spieler, Eisenbahnsekretär bei der Stuttgarter Reichsbahndirek- tron, wurde bei seiner Rückkehr eröffnet, daß er seinen Urtaub um 1 1 Tage überschritten (I) und für diese Zeit seines Dien st ei n- kvmmens verlustig gehr (!) oder sich diete Zeit auf den Jahresurlaub anrechnen lassen müsse, da die im § 14 des R.G.D. geförterten besonderen Enischuldigungsgründe nicht vorhanden seien. Rur dem Eingreifen des volks- parteilichen Reichstagsabgeordneten Dickes ist es zu danken, daß ter Beamte, dem schon durch seine Festhaltung reichlich Unannehmlichkci ton entstanden waren, vor einer Kürzung feines Geholtes bzw. feines Urlaubs durch den unyetmkichen Herrn Bürokratismus bewahrt blieb. Die deutschen Schiftsneubauten seit dem Kriege. Der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte hat in dem geringen Umfang, ter unserer Wirtschaft heute gesteckt ist, seine Vollend:ng gefunden, und damit ist eine Grundlage für d:e Wiedergewinnung ter deutschen Seegeltung geschaffen. Außer den Reubaaten wurden zahlreiche an die Entente ausgelieferte Handelsschiffe zurückgekaust. Einen Ueberblick über diese Reubauten von 1919—1923 gibt „Werft, Reederei, Hafen". Die deutsche Handelsmarine umsaßte Mitte 1920 672 671 Tonnen, Mitte 1921 717450, Mitte 1922 1 687 408, Mitte 1923 2 590 073. Die größte Zahl ter auf deutschen Werften im Dau befindlichen Schüsse wurde 1921 mrt 1,071 Mull. Tonnen erreicht. Im Jahre 1922 war die Schiffs- bmdätigTeit erheblich geringer als im Vorjahr, doch wurde tn diesem Jahr infolge der Auf- träge von 1921 die größte Zahl von Schiffen ter Rachkriegszeit fertiggestellt. Die Durchschnittsgröße ter im Jahre 1923 fertiggestellten deutschen Seeschiffe war etwas geringer als im Vorjahre; die Dampfer aber waren größer, nämlich 3100 Tonnen im Durchschnitt gegen 2900 Tonnen 1922. Die Motorschiffe waren durchschnittlich bedeutend kleiner, nämlich 2671 Donnen gegen 4262 Tonnen. Im allgemeinen zeigte sich ein Anwachsen ter Dampf- und Motorschiffe auf Kosten ter Segelschiffe. Der Omnibus als Kinderwiege. Wieviele Kunter brüsten sich damit, das „Licht ter Welt" am soundsovielten erblickt zu haben. Einer eingehenden unb genauen Prüfung hält diese Behauptung nur fetten stand. Meistens ist es nur das Licht einer 20-, vielleicht 50terzi- gen Glühbirne gewesen, das einer Gasflamme, vielleicht war es auch nur das Licht einer Petroleumlampe oder sogar Wachskerze, und das wird dann alles in Bausch und Bogen „Licht ter Welt" genannt. Da verdient einer ter jüngsten Engländer eher diesen — übrigens recht zweifelhaften — Ruhm; denn er hatte sich als Geburtsort die belebteste (Straße Londons ausgesucht. Seine Mutter saß im Omnibus, tey gerate die Regentstreet hinauffuhr, 'und an diesem Zeitpunkt fühlte er das unwiderstehliche Verlangen, zurr Welt zu kommen. Und er kam. Mitten in dem Lärm, Getöse und ©ebränge der Weltstadt befand sich nun auf einmal ein neues Menschchen. Ehrerbietig machten ihm alle Mtt- fahrenten im Omnibus Platz. Sie stiegen aus und ließen ihn mit feiner Mutter allein durch die Regentstreet zum nächsten Krankenhaus fahren. Diergeruch als Entlassungsgrund. Als ein energischer Vorkämpfer des Alkoholverbots erweist sich der Automobillönig Henry Ford, der unter seinen vielen Tausenden Arbeitern eine strenge Kontrolle eingeführt hat. In allen Fabriken, Werkstätten und Bureaus hat er die folgende Bekanntmachung anschlagen lassen: „Don jetzt an wird es jedem Mann seine Stellung kosten, ohne daß eine Entschuldigung oder Ausrede angenommen wird, wenn sich in feinem Atem der geringste Geruch von Dier, Wein oder Alkohol findet, oder wenn an seiner Person oder in seinem Heim irgendein alkoholisches Getränk gefunden wird. Die Regierung fordert den verstärkten Kampf gegen den Alkohol. So weit es unsere Organisation angeht, wird diese Verschärfung des Verbots auf das Unnachsichtlichste durchgeführt werden." Türkische Mobilisierung gegen Insekten. Die türkische Regierung hat in Adana in Kleinasien, wo es vier Dcrumwvllspinnereien gibt, die Bevölkerung mobilisiert und zwar zu dem Zwecke, daß sie die Insetten vernichten soll, die die Baumwollernte und damit den Wohlstand des Landes bedrohen. Weintrauben als Diehfutter. In Südafrika herrscht ein solcher Ueterfluh an Weintrauben und Rosinen, daß man sich entschlossen hat, diese Früchte in getrocknetem Zustand als Futter für das Rindvieh zu verwenden. Aus fünf Pfund ftischer Weintrauben wird ein Pfund getrockneter her gestellt, und 100 Pfund getrockneten Weins kosten nicht mehr als 5 Sh. Die südafrikanischen Farmer können, wie aus Kapstadt berichtet wird, kein billigeres Viehfutter auftreiten. Büchertisch. — Die Ueberlieferung ter Lebens geschichte Buddhas ist von Legenden umsponnen, wie das Leben jedes großen Religivnsschöpfers. Rirgeads aber hat sich die Dolksphaniasie zügelloser gestaltet als gerate in Indien. Interessant ist es nun, den Ausführungen Dr. L. Lang zu folgen, die er in fernem soeben bei ter Franckhscheu 'Der- lagshandlung in Stuttgart in ter bekannten Der Alte arss Topper. Roman von Hanns t>on Zvbeltih. 39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Der Lentulus hat den betten oft genug von des Königs deffiziler (Situation gesprochen. „Sa nehmet hoalters an, ich wär' Seine Majestät. Da kommt von Süd her einer, ter will mich würgen, das sein meine alten Kameraden, die Oesterreicher, ilnö von Ost her kommt einer, ter will mich totschlagen, das sein die Russen; von Westen marschieren die windigen Franzosen mttsamt den Hallodris, den Reichsvölkern, und wollen mir an die Gurgel; und im Rorten machen sich die Schweden mausig. Da soll ich mich wehren. > Da wehr' sich einer! Schlag' ich dem einen über den Schädel, fallen mich die anderen an. Gvtt's Blut — ja — nun unser König wird schon Rat wissen." Die Prüfungen, schien's. wollten kein Ente nehmen. Im Juni wurde ter tapfere Fouque, Friedrichs Freund, den er den preußischen Leonidas nannte, in Schlesien vom Laudon attackiert, fiel selber in Feindes Hand, und sein ganzes Korps ward in achtstündigem, blutigem Kampf vernichtet, fünfzehn Bataillone; nur sechzehn Schwadronen konnten sich durchhauen. Damit stand Schlesien dem Feinde offen, konnte auf Breslau marschieren, konnte dorten den Russen die Hand reichen Tas feste Glatz fiel, Laudon belagerte wirklich die schlesische Hauptstadt. Doch da kommandierte ein Mann, ter nicht mit sich reden lieh. War ter General Tauentzien, von dem einmal sein Sekretär, ein gewisser Gvtthold Ephraim Lessing, der nachher zu den großen Dichtern der Ration zählte, geschrieben hatte: «Wäre ter König so unglücklich gewesen, feine ganze Armee unter einem Baume zu versammeln, General Tauentzien hätte sicher mit unter diesem Baume > gestanden.' Schätzten gewalttge Rosinen im eige- I nen Sack, die Oesterreicher, liehen ihm sagen: wenn er nicht kapitulierte, würde nach ter Einnahme das Kind im Mutterleibe nicht geschont werten. Woraus er erwiderte: seine Preußen seien nicht schwangere Weiber. So hielt sich Breslau, bis Prinz Heinrich ter m ter Renmark gegen die Russen gestanden, zum Entsatz heran- rücken konnte. Run endlich — ter Hochsommer war gekommen mit schwebender Glut — rührte sich ter Cunctator, ter Dann, aus seinem Lager, zog gen Westen, nach Schlesien; ein wenig getrennt ton ihm Lach, mit einem anderen Heeres teil. Dachten, sich mit Laudon zu bereinigen. Wollten dann eine Dataile riskieren und dem König völlig ten Garaus machen. So marschierte auch Friedrich westwärts, spähte scharf nach einer Gelegenheit, einen Gegner einzeln anzufallen. Lagerte am 14. August bei Ltegnitz, hob sich am Abend von dannen, um nicht in ter Mausefalle im Tal überrascht zu werten, ließ sein Heer in ter Rocht auf ter Höhe rasten. — Lag hinter Pfaffendorf am Feuer, das die Pagen schüren geholfen, in seinen Mantel gewickelt, sah in die Sterne. Der alte Zieten hielt Wacht mit seinen Husaren. Lind ha kam Fortuna. Wie die Glücks- brrngerin sv oft knnmt, ganz unerwartet. Sprengt ter Husarenmajor Hundt heran: „Wo ist ter König?" Der Lentulus, der Pirch, ter Zabeltitz sind gleich hoch. „Der Feind marschiert in großen Massen heran, ton Osten herauf!" Hallo! Auf eine Attacke D-rmis hat man gerechnet, doch das kann nur ßaufcxn sein. Fassen. greifen, festhalten muh man das Glück, wo es sich bmit. Die Gaule heran! In den Sattel! Abarm! Wer lagert zunächst? Da stehen schm die Grenadierbataillone Rathenow und Rimschewsky; auch eine schwere Batterie ist parat. Vorwärts — marsch! Der König — ter König ist an ter Spitze. So nah ist ter Feind, daß gleich die Gewehre knattern und die Kanonen brüllen. Wollt' uns der Lauten überfallen, jetzt haben wir das Prävenire! Drauf und ran! Er wehrt sich, er zeigt ferne Pranken. Durch Rächt und Dunkel brausen seine Reiter vor. Die Knockow-Dragoner, die Prinz Heinrich-Kürassiere werfen sie zurück. Er bringt sein Fußvolk in Schlachto'ddnung. Aber unaufhaltsam stürmen die Preußen vor. Kurze Zeit schwankt der Kampf. Laudon setzt sein zweites, sein drittes Treffen ein. Vergebens. Richt hilft ihm heut die Zahl: zwei- unddreihigtaufend gegen zehntausend Mann Da ist das Regiment Prinz Ferdinand, da sind die Regimenter Wetell und Altbraunfchweig, da ist das dritte Bataillon Garte unter dem löwen- mutigen Möllendorf — die lassen sich nicht lumpen. Und da ist — Hut ab — das Regiment Anhalt-Dernburg, einst des alten Dessauers. Das hat etwas auf dem Kerbholz, hat etwas gutzumachen. Hat vor Dresden, ein paar Wochen erst ist's her, die Ungnade des Königs auf sich gezogen; Offizieren und Unteroffizieren nahm er die Hut treffen, den Burschen die Bandlitzen, die Tambours durften den Grenad'ermarsch nicht mehr schlagen. Sie schnaubten Wut, afwe, tont Obristen bis zum letzten Mann tm Gliete. Mit dem Bajonett fallen sie die österreichischen Reiter an, stürzen sich auf die Infanterie. Es hilft tes nichts, wackerer Laudon, du mußt sudlet Mußt zehntausend Tote, Blessierte, Gefangene lasten. Sammstmg „Wege zur Erkenntnis"' erfchtmenW» Buche „Buddha und Buddhismus (Grundpreis geh. 1,20 Mt, geb. 2 ML) veröffentlicht. Dr. Lang, der Buddha und Näa» Lehre eingehend erforscht hat und bei ter Dev» öffentlichimg seines Buches von L. Antendvand, ter selbst längere Zeit im Lande DuddhaS wellte, unterstützt wurde, behandelt in knapper, habet aber nichts Wesentliches beiseite lassender Form Buddhas Leben, die Buddhalegente, die Lehre des Buddha, seine Ordensregeln, die attbuddhi- stische Literatur, die Kunst des Buddhismus, feine Ausbreitung in Asien und auch im häutige* Westen. — Dr. Wilhelm Köppers: Untet Feuerland-Indianern. Eine Forschungsreise zu den südlichsten Bewohnern der Erde mit und im Text und 1 Karte. (Strecker & Schröter, Stuttgart. Geh. 4,50 Mt, Lbd. 6 Mk.) KopperS M. Gusinte. Mit 74 Abbildungen auf Tafeln gibt tiefste Einblicke in das Seelenleben eineS wahren Urvolkes. Gr konnte an ter Jugendweihe und an Festen teilnehmen, die noch kein Fremder gesehen hat, über Aberglaube, Mythologie, die Ausbildung der Medicimänner viel unbekanntes hören und sich manches Märchen erzählen lassen und aufschreiben. Aber das erstaunlichste Ergebnis dieses Eindringens in ur- weltliches Denken, Tun und Treiben ist doch die Entdeckung eines ausgebildeten alten Ein- gottglaubens und einer altruistischen Sittenlehre, die auf einer so hohen (Stufe steht, daß i&te Angehörigen ter heutigen „Kulturvölker" vor diesem feit Darwins einseitigem Bericht als religionslose und kannibalisch verschdenen „Ratur- Volk" teschämt die Augen senken muffen. — Die Tragödie des ParacelfuS, Ein Jahrtausend deutschen Leides, von A France-Harrar. (In Halbleinen geb. 9 Mk. Verlag Walter Geifert, Stuttgarr/Hell- bronn.) Wie ein erschütterndes Drama rollt sich die Giftmordtragödie ter deutschen Seele auf, Vergangenheit. spiegelt modernste Probleme wieder, int Widerschein des Einst erblickt man Lösten» gen, die auch die unfern werten müssen, soll unser Volk noch eine Zukunft haben und „dÖrtsche Kultur" etwas Eigenes und Anderes fein als Abglanz und geborgter Flitterkram. Das Buch ist viel mehr als ein Lebens- ober auch nur ein Zeitbild, so interessant auch jene Zeit der großen Shphilisepitemie, ter ausllingenden Pest, des Endes ter gotischen Menschen und der duntel geheimnisvollen Welt der Zauberer und Gold- köche an sich auch gestaltet ist. Es ist «hier ein für all2mal gezeigt, was „deutsch sein" heißt und auf welchen Wegen für jeden von uns einzelnen und für uns als Volk -Untergang und Aufstieg liegen. ( — Das Testament Friedrichs des Großen. Friedrich der Große gehört zu den großen Führern unserer Ration. Der Geist des Pflichttewußtseins und der GerechtiAeit, den er selbst besessen und dem er nachgelebt hat, ist ein Erbstück, das wir uns neu erwerben müssen, trenn wir vor dem Urteil der Geschichte bestehen wollen, und nirgend hat sich dieser ernster, schlichter und ergreifender ausgesprochen als in dem Testament, das der König mit eigener, sorgsamer Hand im Jahre 1769 niederschrieb. 2ut geworden, war er aus dem Kampf der sieben Jahre zurückgekehrt. Mehr als einmal hatte er, ter immer Gift als letztes Heilmittel bei sich trug, ten Tod als Freund und Erlöser empfunden. Gr hatte die Richtigkeit aller Güter erkannt, selbst die des Ruhms, an dem sein junges Herz gehangen hatte. Run teilte er sein persönliches Gut an die Seinen auf, der erste Fürst, der Staats- und Privatvermögen streng unterschied. Ater auch in diesem, nur für seine Verwandten bestimmten Dokument, offenbart sich sein philosophischer Geist, seine brennende Vaterlandsliebe, sein fühlendes Herz. Der Volks verban d der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H. Berlin W, auf dessen ausgezeichnete Bucherscheinungen wir schon des öfteren hin- gewiesen haben, bringt in Form eines unverkäuflichen Werbebändchens, das er seinen Mitgliedern für die Werbung eines neuen Mitgliedes kostenlos zur Verfügung stellt, zum ersten- jnat dieses Testament, herausgegeten von Friedrich von Oppeln-Dronikowski, mit feinsinnig gewählten Menzelschen Zeichnungen geschmückt, in originalgeteeuer Wiedergabe hercmS und zwar genau so, wie es Friedrich der Große auf einen preußischen Stempelbogen nieterge* schrieben hat. Kronz-Drog. August Noll, P. J. Blöbs, Drog. Georg Wallenfels, Drog. 0. WinterhoIL 4146c Das war ein Sommermorgen, als die Sonn« auf ging über dem Dlachfeld! Als die SiegeS- trophäen gezählt wurden. Als ter König, strahlenden Auges, von Truppe zu Truppe ritt! Hatte oft genug in trüben Monden geklagt: sein Fußvolt sei nicht mehr das alte, unbesiegbare; heut nahm er's zurück Stand da, in Linie aufmarschiert, das Regiment Anhalt, das so Hari ge- schmähte. Rahm Friedrich seinen Hut ab: „All eure Ehrenzeichen sollt ihr toieter haben und meinen königlichen Dank dazu!" Trat ter eisgraue Flügelmann ter Leibkompagnie vor — Fan sei hieß er, hatte noch unter dem Dessauer gedient: „Ich danke Eurer Majestät im Ramen meiner Kameraden, daß Sie uns unser Recht wieder geben." Sagte ter König: „Ihr seid brave Bursche." Darauf ter Facher: „Wie sollten wir nicht? Wir kämpfen für die Religion, für Euch und das Vaterland." Die Soldaten umdrängten jubelnd Friedrichs Pferd: „Run sind^Eure Majestät doch wieder unser gnädiger König!" Ihm ater schossen die Tränen in die Augen. IInb bei Page Zabeltitz sah, wie er feine Prise Contenance nahm und daß ihm die Brocken auf die Uniform rollten, und dachte wieder: der Rock mühte endlich einmal in Mutters Waschtrog. Mittags, kaum daß er einen Löffel Warmes im Leite gehabt, nahm er sein Crayon, kritzelte auf ein Blatt Papier, das er dem Eichler, dem Kabinetts rat, abgctettclt: .Viktoria! Heut Haben wir's tenen gezeigt, ten Oester reichern, nu kommen die Russen an die Reih'. Hab' mich brav gehalten, hat der König gesagt. Ist auch gar nicht schlimm gewest, ist zu schön solch ein oieg. Ihv sollt auch Ihr, hoff' ich, batte Ruhe haben im Lande. Ich bin ter gnädigsten Frau Mutter untertänigster Sohn Kaspar.' (Fortsetzung folgt.)