vrnS und Verlag: vrühl'sche Unwerfitäts-Vuch- und Stelndruckerei R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Die Politik von gestern. I ' ^2Tnfab Macdonald dürfte mit sehr ge- Etheater. der Poineare erteilt gute Ratschläge UN d in Paris, 10. Juli. (WTB.) In der heutigen Senatssitzung begann die Beratung der Interpellationen über die auswärtige Politik der neuen Regierung, die am Dienstag stattfinden sollte, aber wegen der Ankunft Rarnsay Macdonalds in Paris auf heute vertagt wurde. Als schien wirtschaftlichen und finanziellen Einheit ist das zweite Problem, das im Einvernehmen mit Deutschland bei der Regelung des Sachverständigengutachtens gelöst werden mißu Der Begriff der wirtschaftlichen und finanziellen Einheit schließt auch die Verwaltungshoheit in sich und bedingt die Wiederherstellung des status quo vor dem Ruhreinbruch. Weiter kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die deutsche Produktion nicht durch Fortdauer der militärischen Besetzung in dem nicht vertragsmäßig besetzten Gebiet gehemmt werden kann. Die Staatsmänner Englands und Frankreichs sind in Paris zusammengekommen und haben sich bemüht, eine Konstruktion zu finden, di» das Sachverständigengutachten nicht als außerhalb des Vertrages von Versailles stehend erscheinen läßt. Ohne zu diesen Beschlüssen gegenwärtig Stellung^ zu nehmen, muß doch festgestellt werden, daß 'die Einschränkung der deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Souveränität durch das Sachverständigengutachten über die Bedingungen hinausgeht, zu Lenen wir nach dem Vertrage von Versailles verpflichtet sind. Man kann uns deshalb diese Bedingungen nicht aufzwingrn. Die Entscheidung unterliegt letzten Endes einer Beschlußfassung des Deu,tschenReichstags. Für diese Beschlußfassung wird es entscheidend sein, vb der Vertrag von Versailles, auf dessen formeller Durchführung in bezug auf die Kompetenzen der Reparationskommissron von der Gegenseite so entscheidender Wert gelegt wird, auch darin wiederhergestellt wird, daß für Deutschland diejenige Grenzegilt. diees nach demVertrage vonVersailles hat, und daß Sicherheit dafür geschaffen werden muh, daß alle darüber hinausgehenden Besetzungen im Zusammenhang mit der Durchführung des Sachverständigengutachtens a u f h ö r e n. Rur durch die Anerkennung dieser Grundsätze werden wir bei den bevorstehenden Abmachungen diejenige Grundlage erreichen, die eine neue Aera wirtschaftlicher Verständigung an Stelle Les bisherigen Systems der Gewalt seht. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeil. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re« Klame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/° Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: H ans Beck, sämtlich in Gießen. IHacöonalö vor dem Unterhaus London, 10. Juli. (WB.) Im Unterhaus richtete Daldwin an Macdonald die Frage ob er nach seiner Rückkehr aus Paris eine Erklärung abgeben könne. Macdonald Nr. Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monats-vezuarpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold« Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: AnzeigerGiehen. Postscheckkonto: Zranksurt a. m. nese. deutschen Regierung zerstört werden. Hochverratsprozeffe. Elberfeld, 10. Juli. (WTB.) Aas der heutigen Iahrestagung des Eisen- Stahlwaren - Industriebundes Poincar6 die Tribüne besteigt, wird er von seinen Parteifreunden mit Beifall begrüßt. Einige Senatoren der Linken rufen: Rieder mit dem Krieg! Etliche Senatoren aus der Mitte des Hauses erwidern: Das sagen wir auch! Poincars selbst beginnt seine Rede mit den Worten: Es lebe der Friede! Rieder mit dem Krieg! Das sind zwei Ausrufe, die der Senat einstimmig annehmen kann. Aber es fragt sich: Durchweiche Mittel kann man den Frieden aufrechterhalten und den Krieg verhindern? Ministerpräsident Herri o t weiß, daß ich seinen Patriotismus und seinen Mut anerkenne. Ich werde also nicht versuchen, ihm seine Aufgabe zu erschweren. Ich wünsche nur einige Tatsachen ins rechte Licht zu sehen: Man darf eine Politik nicht desavouieren, die der Senat immer unterstützt hat. Wenn der Bericht Dawes möglich gewesen ist, so nur deshalb, weil wir die Ruhr beseht haben. Hätte sich Herriot vor der Ruhr- besehung nach England begeben, dann hätte er nicht die Resultate erzielt, die er erreicht hat. Er habe die Zusammenarbeit mit England immer gesucht und cr danke Herriot, daß er die gleiche Einstellung unternehme. Der Plan i sichere Deutschland große Vorteile zu, obzwar diese Vorteile nur temporär seien. Dir Reparationskommission habe Deutschland aufgs» fordert die notwendigen gesetzlichen Dispositionen 'zu treffen. Dis jetzt habe Deutschland das nicht getan und er befürchte, daß es sich inlLon» don bemühen werde, die Einzelheiten über seine grundsätzliche Zustimmung za dem Reparations» plan zu revidieren. Die zukünftige Zahlungsfähigkeit Deutschlands könne man nach' seinrr augrn- blicklichen Lage nicht abschähen. Das hat^n di» Sachverständigen zugestanden. Aus diesem Grunds hätten sie auch die Zahl der Annuitäten nicht bestimmt, weil sie dadurch eine neue Schuldsumme hätten bestimmen müssen. Poincars nimmt dann die von ihm so oft in öffentlichen Reden verbreitete Versio i über die Vorgeschichte der Ruhr- besehung wieder auf und sucht alsdann seins Handlungen zu rechtfertigen. Die Sachverständigen haben sich wohl gehütet, zu erklären, daß die D e s a h u n g s k v st e n in die Schuldziffer Deutschlands eingesetzt werden mühten. Sie hätten sich damit begnügt, zu sagen, daß man nicht mehr als eine gewisse Summe fordern dürfe. Welche Opfer man auch von Frankreich verlange, der Dawesbericht bietet Garantien, die man bis jetzt nicht gehabt habe, aber die Anempfehlungen der Sachverständigen müßten effektiv werden. Poincars streifte alsdann die Frage, vb das Foreign Office mit seiner Frage recht habe, daß gewisse Bestimmungen des Sachverständigenplanes aus dem Rahmen des Friedensvertrages heraustreten. Er' v e r n e i n t diese Frage und erwartet, daß Ministerpräsident Herriot nicht den Vertrag von Versailles antasten lassen werde. Rur möge man bedenken, daß die Reparationskvm- m i s s i o n Deutschland nicht zwingen könne, neuerliche Maßnahmen zu treffen und gewisse Gesetze zu votieren, sondern die alliierten Regierungen. Macdonald habe die Absicht, Deutschland gut zuzureden. Er habe wenig Vertrauen in diese Methode. Er bitte dringend, daß man die Zwangsmittel nicht frühzeitig fallen lasse, die man in Händen habe, die eines Tages vielleicht notwendig werden könnten. Deutschland dürfe keine neuen Vorteile aus dem Sachverständigenplan ziehen. Wenn man ihm Erleichterungen gewähre, dann sehe man kein Ende ab. Deutschland könne nur am Ende der Konferenz berufen werden, wenn die Alliierten unter sich vollkommen einig seien, und wenn die alliierten Regierungen die Zustimmung ihrer Parlamente erlangt hätten. Dor allen Dingen müsse Deutschland die notwendigen Gesetze annehmen. Zum Schlüsse sagt Poincarß, auf der Konferenz von London werde Deutschland versuchen, den Grundsatz der Reparationen zu verleugnen. In Deutschland bemühten sich alle Parteien, den Kampf gegen den Friedensvertrag fortzusehen. Es erkläre, daß es den Vertrag von Versailles gezwungen unterzeichnet habe. Deutschland wolle eben die Verantwortlichkeit für den Krieg nicht tragen und entfalte deshalb eine große Propaganda, um das kaiserliche Deutschland zu ent» Laften. Deutschland habe den Krieg erklärt. Es habe Frankreich nicht an der gemeinsamen Grenze angegriffen, sondern sei in Belgien eingebrochen. Hier liege die Verantwortlichkeit für den Krieg. Als Poineare seine Rede beendet hat, bereiten ihm etwa zwei Drittel des Senats Ovationen. Einige Senatoren verlangen, daß die Rede öffentlich angeschlagen wird. Poincarä erklärt, sie sei zu lang, aber er werde einen Auszug machen und ihn unter seine Kollegen verteilen. Morgen wird Ministerpräsident Herriot das Wort I ergreifen. I schien. erwiderte: Da in Paris eine bebau erliche Lage entstanden sei, die die Arbeit für das Zustandekommen der interalliierten Konferenz über die Anwendung des Sachverständigenverichts zu zer» stören drohte, sei er nach Paris gegangen, um zu versuchen, die Hindernisse zu beseitigen. Die Regierung sei der Ansicht, daß d i < äußerste Anstrengung gemacht Werder solle, um den Sachverständigenbericht unverzüglich in Wirksamkeit zu setzen. Es sei wesentlich, daß die für den 16. Juli festgesetzte interalliierte Konferenz abgehalten werde. , Da zahlreiche Einzelheiten geregelt werden müßten, bevor der Bericht durchgeführt, werden könne, und da einige dieser Regelungen eine gründliche Erörterung seitens der Sachverständigen des Schatzamtes sowie juristischer Sachverständiger erfordern würden, werde es nicht immer leicht sein, zu Vereinbarungen zu gelangen. Die französische öffentliche Meinung sei Nicht geneigt, zi gestatten, daß der Sachverständig rnbericht als Ersatz für die Bestimmungen des Versailler Vertrages angesehen werde. Sie sei jedoch geneigt, ihn als neuen and besseren Weg zur Behandlung der Reparationsfrage anzusehen. Macdonald erklärte ferner, es sei eine wesentliche Grundlage im Sachverständigenbericht die Aufbringung einer Anleihe von 40 Millionen Pfund. Dies könne nicht geschehen, wenn nicht die Leute, die bereit seien, ihr Geld anzulegen, einige Sicherheit hätten, daß ihre An-' lagen nicht durch eine politische oder militärische Aktion von feiten der alliierten Regierungen oder Die Forderungen Deutschlands. Strefemcmn wiederholt die Erwartungen und Voraussetzungen der deutschen Regierung für London. iXff96 wieder. k gewann ein ’■ M die Rolle btt »Ätt1 ®runb bitte 230 öN«. Ttk 21 D15 Mnen £ 13, Kommunistische Handgranatenfabrikanten. Leipzig, 10. Juli. (Wolff.) Der süddeutsche Senat des Staatsgerichts- hvfs ist zu einem neuen Tagungsabschnitt zu- fammengetreten. Heute wird gegen den Schneider Lambart -Stuttgart und Genossen wegen Verbrechens des versuchten Hochverrats und Verbrechens gegen das Sprengstvffgesetz verhäng delt. Der Angeklagte Lambart, der nach der 2In “ klage der Obmann für die Waffen» und Munitionsbeschaffung der kommunistischen Partei ist. wird beschuldigt, im Auftrage eines gewissen Walter, der identisch ist mit dem Führer der Tscheka Erich Wollenberg, eine Bestellung von Material für 100 000 Handgranaten vermittelt und die Verarbeitung des Materials sowie seine Weiterleitung besorgt zu haben. In der Tannerschen Fabrik in Feuerbach bei Stuttgart wurden 100 000 Mesfingzünder bestellt, die als Gassparer ausgegeben wurden. Der Angeklagte Wilhelm Brecht, Flaschnermeister in Stuttgart, hat nach der Anklage die als Um- hüllung dienenden Büchsen besorgt. Der Eisendreher Gustav Häusler aus Winnenden, der Mechaniker Hermann Daher, der Revolver» dreher Lorenz R a l l und der Eisengießer Alexander Gläser, sämtlich aus Stuttgart, sollen an der Anfertigung bzw. Weitergabe der Handgranaten mehr oder weniger beteiligt gewesen sein. Sämtliche sechs Angeklagte wurden wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit einem Verbrechen gegen das Sprengstoffgeseh und einpn Verbrechen gegen den § 1 des Gesetzes zum Schutze der Republik verurteilt und zwar erhielten: Lambart 8 Jahre Zuchthaus, Häusler 3 Jahre Zuchthaus, Brecht, Bayer und Rall je 6 Jahre, Gläser 1 Jahr Zuchthaus. Auf die erkannten Strafen werden bei Lambart, Brecht, Bayer, Häusler je 6 Monate, bei Gläser 3 Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. In der Begründung des Urteils wird ausgeführt, daß Stuttgart ein Herd f Ü r die kommunistischen Bestrebungen gewesen ist, die Republik mit Gewalt zu stürzen. Bei allen Angeklagten sei für erwiesen erachtet, daß diese Sprengstoffe bei einem gewaltsamen Sturz der Republik verwendet werden sollten. Separatistische Stohtruppler. Leipzig, 10. Juli. (WTB) Der V. Straf» senat des Reichsgerichts hat den Schlosser Walter ©eng aus Elbing und den Maschinenschlosser Otto Knuth aus Schadeck an der Lahn wegen Beihilfe zum Hochverrat zu je drei Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurteilt, außerdem den Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte für dis Dauer von fünf Jahren aberkannt. Die Angeklagten, die im Alter von 19 bzw. 23 Jahren stehen, haben sich in Ems für die Schutz- truppe der Rheinischen Republik an» werben lassen, ©eng hatte u. a. vor dem Residenzgebäude Dort en s Posten gestanden. Knuth hat an einem Streifzug der Separatisten nach Montabaur teilgc» nommen. Die Angeklagten behaupteten, auf der Suche nach, Arbeit in die Hände der Separatisten geraten zu sein, ohne gewußt zu haben, wer die beschäftigte. Das Gericht sah als erwiesen an, daß die Angeklagten die Separatistenbewegung kannten und den separatistischen Banden zum Schaden des eigenen Vaterlandes wesentliche Hilfe geleistet habe». mitnahm und dem, was am Quai d'Orsay daraus gemacht wurde, selbst unter Berücksichtigung der unbestreitbaren Tatsache, daß ohne Kompromisse die hohe Politik nicht denkbar ist, so erhebliche, ist der Rückzug Macdonalds vor der Unbelehrbarkeit der französischen „Sieger" so auffallend, daß das Bild der Londoner Konferenz nach der Pariser Reise nur als eine Karikatur der ersten Entwürfe erscheint. Es erscheint überflüssig, im Einzelnen diese Behauptung besonders za beweisen. Der gestern von uns veröffentlichte Wortlaut der Herrivt- Macdonaldschen Erklärung beweist zur Genüge, in welchem .Umfange der Brite dem Franzosen zuliebe umgefallen ist. Und das amtliche Frankreich hat sich, beeilt, diesen Sieg über die Vernunft und Gerechtigkeit, die in den Vorschlägen und Plänen Macdonalds sich zu regen begann, durch' einen offiziösen Kommentar zu dieser Erklärung unterstreichen. Es wird demnach' auch nach London alles beim Alten bleiben. Die von Macdonald gewünschte neutrale Schiedsstelle wird die unfelige Reparations kommissivn ein« nehmen — Deutschland wird zur Konferenz nicht zugezogen — ’ die Fragen der interalliierten Schulden und das famose „Sicherheitsproblem" werden entgegen der tags zuvor von Macdonald Vertretenen An- und Absicht ebenfalls beraten — die Politik von gestern, die das „Objekt" Deutschland gleich' einem Spielball in den Händen verwilderter Kinder -behandelte, wird in London neue herrliche Blüten treiben. Vorausgesetzt, daß Deutschland alle diese neuen Verdrehungsversache and daß die anderen Teilnehmer die Pariser „Vorschläge"- hinnehmen werden. — Denn — und das ist die einzigs Hoffnung — diese Pariser Abmachungen haben nur den Charakter von V o r s ch l ä g e n , sie sind, vom Standpunkt ihrer Pir Heber aus gesehen, nur c*n taftncfjeg Manöver, um die Konferenz don London nicht von vornherein durch' die um i|re Stellung und ihre Macht besorgten Politiker von gestern zum Scheitern zu bringen. Sie alle — die Unenttoegten in Frankreich mit Poincare a folgende Ausführungen: Die Lage der deutschen Industrie ist gekennzeichnet durch' die außerordentlichen Kredit» scha>ierigk eiten und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten namentlich der Aus- fuhrindustr i e. Die (Steigerung der deutschen Ausfuhrtätigkeit ist aber gleichzeitig die Grundlage für die von Deutschland nad)> dem Sachverständigengutachten zu leistenden Kriegsentschädigungen, deren Uebertragung an das Ausland aus dem Ueberschuß der deutschen Wirtschaft ohne Gefährdung der deutschen Währung erfolgen solle. Damit ist \ die Frage der Entwicklung der deutschen Ausfuhr zum Kernproblem der Durchführung des Sachverständigengutachtens geworden, von dessen Lösung seine reibungslose Durchführung abhängt. Diese knüpfe sich> an drei Voraussetzungen: einmal die Wiedsr- herstellung der ungehemmtsn Entwicklung unserer weltwirtschaftlichen Beziehungen, sodann der Wegfall der wirtschaftlichen Hemmungen im » Innern und endlich die Lösung der Kreditfrage, nicht nur im Sinne einer Aenderung der Politik der Reichsbank, sondern auch' des Heveinströmens ausländischer Kredite. Im Zusammenhang mit dem Fortfall der Deutschland durch' den Versailler Verttag aufsr- legten handelspolitischen Fesseln und im Zusammenhang mit dem Interesse der Alliierten an der Steigerung der deuffchen Exportleistungen für die Möglichkeit der Uebertragung deutscher Kriegsentschädigungszahlungen, ist wohl zu erhoffen, daß die Stera der Handelsvsr- tragsverhandlungen, vor der wir stehen, uns die wirtschaftliche Gleichberechtigung wieder verschaffen wird. Die Herstellung der deutsch. ei fürs Deutsche Ate dem Leben Freiherr von ®djen. 1 A- ton Drvstr.tzülz. tot Scheffel (Dnlaa HM) 2n ihm fünft* tung entoidelt sich die ™ Sammelbecken fla|* gt auch bk vorliegende Oagendbuche zeigt sich )off als Äeislerin der I unb scharfe Deobach» arallcrs. Sichenbocks Dichtung ist unsterblich ntische Novelle erzählt .chen Glücksfinbes, bas ragen läfjt Dagegen ist Geschichte eines Kreuz* ttuctsvvller Drohe. Ur* en Dartburgroman be- n glänzendes Murbild Erster Blatt Mrgang Kettag, Juli 192| GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen 0 « a,, LpeKkkU SÄS-- »11. 2t ‘g/1o, ’ r.b icnea uni> SS war v/el die rborff ^§Mslunst * c ^Adne * rc 2rMe^Aedrich - Mnn vew Prinz von ii ' ■ "S Ä Ama Men troO deAa «rl . folgt-) zu Uns Unsen dauert sondere Bedeutung erhalten; danach wird handeln sein! Konflikts mit Amerika und des gänzlichen Versagens Frankreichs ebenso abrupt abgebrochen worden wie die in Bukarest eben eingetroffene japanische Militärmission Plötzlich abberufen wurde, ohne auch nur erst den Anfang mit Beratungen über ein militärisches Bündnis zwischen Rumänien und Japan gemacht zu haben. Nimmt man zu alledem hinzu, daß dafür die Besprechungen deS japanischen Gesandten in Peking mit dem Sowjetvertreter nicht nur wieder ausgenommen sind, sondern daß sie auch erfolgreich fortschreiten, so haben wir den deutlichsten Beweis für den völligen Kurswechsel der japanischen Außenpolitik. Sie lenkt jetzt endlich in das Falhtr^ wasser ein, daö dem japanischen Staatsschiff eine glattere und geradere Fahrtrichtung verspricht, und die, was für uns von besonderer Wichtigkeit ist, es mit dem unseren parallel laufen läßt. Schon die Tatsache bedeutet für uns eine Erleichterung, daß die Pariser Politik sich nicht in jedem Augenblick Hilfe in Japan gegen uns zu holen vermag. Dann aber werden die geopolitischen Auswirkungen des Rapallovertrages für uns erst im vollen Maße eintreten, wenn Rußland mit China und Japan in ein engeres Verhältnis getreten ist. Wir haben also allen Anlaß, die weitere Gestaltung der ostasiatischen Vorgänge, im besonderen den amerikanisch-japanischen Konflikt mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Aufgabe unserer verantwortlichen, amtlichen Stellen muß es sein, bei dieser sich vorbereitenden politischen Umgestaltung im fernen Osten auch dafür zu sorgen, daß wir dabei nicht vergessen werden. Möglichkeiten genug geben uns die für uns in China und Japan vorhandenen Sympathien. Das „ex Oriente luj“ hat nun einmal für uns jetzt nach dem Weltkrieg eine be- Kammermustk Laubach 1924. Die Kammermusikfeste, welche im I>2hre 1923 unter der Forderung des Grafen Georg Friedrich zu Solms-Laü- bach zum ersten Mal im gräflichen Schloß in Lau buch stattfanden und in größerem Maßstab mit besonderer Berücksichtigung der modernen Musik weitergepflegt werden sollen, erlebten am 5. und 6. Juli d. I. ihre erste Wiederholung. In zwei Abendkonzerten brachte das Drummquartett aus Darmstadt Brahms op. 6 7 und in äußerst feiner Stilisierung op. 18, Nr. 5, das Harfenquartett und das ci8-Moll-Streichquar- tett, op. 131 vvn Beethoven zu Gehör. 3n Dachs Solo-Sonate Nr. 1, O-Moll, überraschte Konzertmeister Otto Drumm neben »vollendeter violinistrscher Kultur durch, eig^namige subjektive Auslegung des strengen Dachstils. Mit schwungvoller Begeisterung setzte sich dre klanglich und musikalisch auf bemerkenswerter Höhe stehende Spielervereinigung tn einer Morgenfeier für Wilh. Petersens 2. Streichquartett in einem Sah ein, ein ehrlich gewolltes Werk, welches durch, meisterhafte schematische und kontvapunktische Arbeit besticht, leider aber in der dauernden Ekstase seiner Stimmungen nirgends zu einem Ruhepunkt gelangt. Den Schluß bildete Paul Hindemiths C= Dur-Streichquartett op. 16, das trotz seines abfallenden letzten Satzes, dessen Thematik stellenweise gewagt und problematisch bleibt, sich doch bereits wieder merklich in den Dahnen beherrschter Form bewegt und mit seiner manchmal genialen Satzkunst und seinen starken melodischen Linien heute kaum noch einen Anlaß zur Entrüstung bieten dürfte. Zwischen den beiden atem- tat bewies - Lage Wierkuirskms' m E. Sedet. vbends im fr. 1900: W spiele: „SM t - Aus Vie amerikanisch-japanische Spannung und Deutschland. I Don Dr. Paul Ostwald-Berlin. Die Frage der japanischen Einwanderung In Amerika wird bei uns im allgemeinen in bezug auf ihre politische Bedeutung nicht richtig eingeschätzt. Denn es muß festgehalten werden, daß es sich hier für Japan niemals um eine Frage politischer oder wirtschaftlicher Lebensnotwendigkeit handelt, so daß um ihretwillen einen bewaffneten Konflikt mit den Vereinigten Staaten heraufzuführen, sich die Tokioer Diplomatie wohl immer sehr hüten wird. Wohl aber ist die Einwanderungsfrage zu einer Prestigefrage für Japaner geworden und damit zugleich zu einem politischen Barometer, an dem man den jeweiligen Stand des amerikanisch-japanischen Gegensatzes ablesen kann. Dieser Gegensatz der beiden Randgroßmächte des Stillen Ozeans ist machtpolitisch und wirtschaftspolitisch gleichsam naturnotwendig begründet, und alle Versuche der japanischen Diplomatie, hier durch Nachgiebigkeit bis zur äußersten Grenze des nationalen Ehrgefühls versöhnend und ausgleichend zu wirken, sind fehlgeschlagen und muhten fehlschlagen. Gerade weil Amerika nach dem Kriege in immer stärkerem Maße auch in Ostasien sich wieder zu betätigen anfing, muhte jeden Augenblick damit gerechnet werden, dah die alte Kluft zwischen ihm und Japan sich wieder von neuem auftun würde, dah die Opfer, die Japan auf der Washingtoner Konferenz durch Aufgabe des Bündnisses mit England, durch Einschränkung seines Flo.tten- baues, durch Räumung von Kiautschou und der Insel Pap gebracht hatte, sich über kurz oder lang als vergeblich erweisen muhten. An eine wirkliche und dauernde Verständigung zwischen Japan und Amerika hat man wohl auch in Tokio nicht geglaubt, wohl aber an ein HinauSschieben des offenen Konflikts, an ein Verdecken deS Gegensatzes bis zu einem Augenblick, der das Mikadoreich nicht ganz isoliert fände. Darin sieht man sich nun in Tokio getäuscht. Ebenso aber auch in der Hoffnung auf die französische Hilfe. Seit den Lagen der Washingtoner Konferenz hat Japan sich darum bemüht, um für den Fall eines vor- zeittgen Ausbruchs des Konflikts mit Amerika wenigstens etwas gedeckt zu sein. Nun hat es sich gezeigt, dah Frankreich sich zwar pie ihm Von Japan gegen sein eigenes Interesse in der Bekämpfung Deutschlands und Rußlands geleistete Unterstützung sehr gern hat gefallen lassen, dah es aber zu irgendwelchen Gegendiensten zur Rückenstärkung der japanischen Politik den Vereinigten Staaten gegenüber nicht bereit zu finden war. Bei den geringes vstasiatischen Interessen Frankreichs, vor allem über bei seiner finanziellen Abhängigkeit von 'Amerika kann diese Haltung der Pariser Politik nicht verwundern. Japan aber hat mit seiner jetzt mehr als ein Jahrzehnt betriebenen reinen Opportunitätspolittk ein zweites Washington erlebt; das dauernde auher acht lassen der großen machtpolitischen und geopolitischen Gesichtspunkte hat sich zum zweiten Male bitter gerächt. -Immerhin scheint es so, als ob tnan das jetzt in Tokio begriffen hat. Denn weder hat man noch etwas von dem weiteren Verlauf) der Verhandlungen des Gouverneurs von Jn- dvchina mit dem japanischen Auswärtigen Amt gehört, noch ist etwas verlautet von den .Besprechungen des japanischen Botschafters in Paris mit den französischen amtlichen Stellen. Und doch wurde ein neuer Handelsvertrag zwischen Japan und Frankreich, wurden besondere Abmachungen zwischen Paris und Tokio über Jndvchina und Ostasien als nahe bevorstehend angekündigt. Wahrscheinlich sind diese bereits eingeleiteten und stark fortgeschrittenen Besprechungen infolge des neüen ' &6ini n L, «L® K*r ® Mlufe"- n Veiter n VerbenM seMklei icht m u Kise sp' Aale vorgeco ihren Dagel wenn ff* standen. SS b seS, um die © diesen MW durch einen e Unfall ihre 2l Aeise ertveckr immer wieder neue Verehrer findet, hat erst in Deutschland ihre Entfaltung erfahren, und neben den vielen Liebhabern, die, wie Goethe und sein Freundeskreis, mit Schere und Federmesser hantierten, die, wie Lavator, aus den feinen Profillinien den Charakter ablesen wollten, gibt es einige bedeutende Künstler, die sich dieser einfachen Methode annahmen und sie aufs Vortrefflichste ausbildeten. Wohl der bedeutendste dieser deutschen Silhouettenmeister war der erst seit kurzem wieder zu verdienten Ehren erweckte Maler Joh. Wilh. Wendt, der 1747 in Halle a. S. oder in der Umgebung geboren wurde. Wendt, der sich auch sonst als ein tüchtiger Meister der Zeichnung offenbart, hat die deutsche Silhouetten-Lieb- haberei zur Kunst erhoben, und sein größtes Meisterwerk ist das SilhvuettenbuchdesGra- fen Franz zu Erbach, das sich unter den berühmten Sammlungen aus Schloß Erbach befinoet. Der 1754 geborene Graf Franz zu Erbach war ein feingebildeter Mann, der große Sammlungen anlegte und zweimal nach Italien ging, um dort antike Marmorstatuen, Basen, Bronzen, Mosaiken usw. zu erwerben. Auf der zweiten Reise 1791 war er von Wendt begleitet, der in seine Dienste getreten war. Graf Franz war auch ein großer Silhouettenliebhaber, und so entstand in ihm der Gedanke, seine Familie und seine Verwandten, seine Freunde und die wichtigsten Persönlichkeiten seines Hofes in einem Buch mit Silhouetten zu vereinen. Wendt, der sich schon früher in Darmstadt als Silhouettenschneider betätigt hatte und durch seine Schattenrisse in ganzer Figur zu großer Berühmtheit gelangt war, führte das Werk in der Zeit von 1784 bis 1790 mit bestem Gelingen durch. So entstand eine 'Meisterleistung der deutschen Silhouettenkunst. Es gas Nitz? Mainz, 10. Juli. (WTB^ Das Kriegsgericht in Mainz verurteilte den Studenten Best von der Universität Gießen wegen seiner Mitgliedschaft zu der im besetzten Gebiet verbotenen Verbindung „Hochschulring deutscher Art und wegen der Einschmuggelung von 12 Gummiknüppeln zu 3 Jahren Gefängnis und 1000 Goldmark Geldstrafe. Mainz, 10. Juli. (WTB.) Am 29. Julr vorigen Jahres verhandelte das hiesige Kriegsgericht gegen 9 Angeklagte, von denen 5 am 25. April 1923 einen Sabotageversuchau den Schnellzug Paris —Wiesbaden unternommen hatten, während die anderen an der Zerstörung einer Eisenbahntelephonzelle mitgewirkt hatten. Als das Urteil bekannt wurde, das für 7 Angeklagte auf Todesstrafe und für die anderen auf Zwangsarbeit lautete, meldete sich der 32jährige Flugzeugführer Hoffmann aus Hamm, der ohne Pah in das besetzte Gebiet gelangt war, und erklärte, er und andere als die Verurteilten hätten den Sabotageakte ausgeführt. Hoffmann wurde in Mainz--- inhaftiert und krankheitshalber in ein Lazarett I diese arbeit ablehne. , < - <. Abg. Läufer (D. Vp.) verlangt, daß die Kreditnot beseittgt werde, damit eine Steigerung der Produktion erfolgen könne. Die Aufwertung sei notwendig, damit wieder Kapitalien angesammelt werden könnten, die der Industrie und der Landwirtschaft zufliehen müßten. Die deutsche Sozialpolitik der Vorkriegszeit sei von einer vernünf- Itigen Entwicklung getragen gewesen, und wenn die jetzigen schweren Jahre vorüber seien, müsse sie diese Art der Entwickelung wieder aufneljmen. uoergesuyrt, aus Dem er entst o y. Vie unter» suchung über die Teilnahme Hoffmanns an dem Sabotageakt ergab für Hoffmann nichts Belastendes. Trotzdem verurteilte ihn das Kriegsgericht in Abwesenheit wegen Paßvergehens zu 5 Jahren Gefängnis. Vor einiger Zeit kam nun Hoffmann unter falschem Namen nach Mainz, wurde dort ermittelt und in Haft gesetzt. Er beantragte jetzt gegen das Kriegsgerichtsurteil Wiederaufnahme des Verfahrens. Dem Antrag wurde stattgegeben. Das Gericht hob das Urteil auf und verurteilte den Angeklagten wegen Pahvergehens zu 3 Jahren Gefängnis und 1000 Goldmack Geldstrafe. Ministerialrat Schneider sreigesprochen. Köln, 10. Juli. (Wolfs.) Das englische Kriegsgericht hat nach 3V2tägiger Verhandlung den Ministerialrat Dr. Schneider heute nachmittag für unschuldig erklärt und in allen Punkten freigesprochen. Aus der kommunistischen Praxis. Wie aus Weimar gemeldet wird, hat die gestrige Oandtagssihung mit einem neuen Zwischenfall begonnen. Der auf acht Tage ausgeschlossene Kommunist Beck weigecke sich, das Haus zu verlassen. Die Verhandlungen wurden auf eine Stunde unterbrochen und die Tribünen geräumt. Während der Pause ersuchten Beamte der Landespolizei den Abg.Beck, den Saal zu verlassen. Da er sich weigerte, wurde er durch ein Kommando von zwölf Polizeibeamten hinausgebracht. Die anderen kommunistischen Abgeordneten beschimpften den anwesenden verantwortlichen Innenminister. Schliehllch verlieh die kommunistische Fraktion den Landtag. Rach einer Meldung aus Essen ist die Weiterführung der Verhandlungen in der Dortmunder Stadtverordnetenversammlung in Frage gestellt, da die Kommunisten, Sozialdemokraten und die Packei der Kriegsbeschädigten, die zusammen die Mehrhett bilden, den Haushaltsplan ablehnten, gleichzeittg aber Beschlüsse faßten, die Kosten verursachen, für die keine Deckung vorhanden ist. Gegen 10 Uhr abends verliehen der Magistrat und die bürgerlichen Stadtverordneten den Sitzungssaal. Die Durchsuchung der Parlamentsräume. Berlin, 10. Juli. Der Ael t e stenr at des Reichstags beschäftigte sich heute mit der Beschwerde der kommunistischen Frccktion über die polizeiliche Durchsuchung Der Schränke der kommunistischen Abgeordneten im Reichstag. Mit Ausnahme der Kommuni st en billig- t e n die Parteien das Verfahren des Reichstagspräsidenten, der seine Zusttmmung dazu gegeben hat, nur machten di» Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion gewisseVorbe- halte in der Richtung, dah das Verfahren bei der Wiederholung solcher Fälle grundsätzlich geregelt werden müßte. Hessischer Landtag. Darmstadt, 10. Juli. Präsident Adelung eröffnet um 9 Uhr die Sitzung. Am Regierungstisch: Staatspräsident U l r i ch u. Minister Raab. Di?Beratungen werden bei Kapitel 75 (Ministerium für Arbeit und Wirtschaft) Die Unterbringung der Ausgewiesenen. Berlin, 11. Juli. (Wolff.) Durch Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Art. 48 Absatz 2 der Reichsverfassung wird zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet verordnet: § 1 der Verordnung über die vorläufige Unterbringung Ausgewiesener vom 14.Juni 1923 (Reichsgesetzblatt 1 S. 381) erhält' folgende Fassung: Die Gemeinden des besetzten und des unbesetzten Gebiets sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verpflichtet, aus den besetzten Gebieten verdrängte oder durch unmittelbaren Zwang entfernte oder aus ihren Wohnungen ausgesetzte deutsche Reichsangehöckge und ihre Familien (Ausgewiesene) unterzubringen und alle hierzu efforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Diese Verpflichtungen bestehen auch dann, wenn die Ausgewiesenen In das besetzte Gebiet zurückkehren. § 2. Diese Verordnung tritt svsortin Kraft. Berlin, 8. Juli 1924. gez. Reichspräsident Ebert. Im Zeichen der „Verständigung" Neue französische Urteile versetzenden Wecken schlangen sich unbeschwert and I tänzelnd die graziösen melodischen Gebilde von Julius Weismanns „Phantastischem Reigen" für Streichquartett, die leider durch ihre lyrische Gleichförmigkeit auf bia Dauer etwas ermüden. Dr. H. R. * Ein Meisterwerk der deutschen Silhouettenkunst. Die Kunst der Silhouette ist für uns aufs engste verknüpft mit der Zeit unserer llafsischen Dichtung. Klopstock und Lessing. Wieland und Herder, Goethe und Schiller — sie alle und der Kreis von Dichtern, von Fürsten, von schönen Frauen, der sie umgab, tritt ans aus den „holden Finsternissen" dieser „schwarzen Kunst" entmutig und schlicht entgegen. Was heute die Photographie ist, das war damals der Scherenschnitt, dessen reine klare Linien an antike Tasenbilder erinnerten. Zweifellos ist die Vorliebe für die Silhouette in dieser Epoche durch die Begeisterung für das klassische Altertum erweckt worden, mit dem man in dieser Linienkunst manchen Zusammenhang suchte. Soll doch die erste Silhouettenschneiderin Korinthia gewesen, sein, die schöne Tochter des Töpfers Dibutades, die den Profilfchatten des scheidenden Geliebten beim Schein der Lampe an der Wand bewahrte und sich als dauernde Erinnerung aufzeichnete! Die Benennung der neuen Kunst nach dem Sparminister Ludwigs XV. Etienne de Silhouette, der der vornehmen Gesellschaft nicht mehr die kostbaren Gemälde und Pastellbilder, sondern nur noch diese billige Por- tiätterung gestatten wollte, ist mehr zufällig. Die Eilfwuettenkunst, die im 19. Jahrhundert verschie- I deutlich wieder auflebte und auch in unseren Tagen Dievauf wird üver Kap. 51 (Hocyvauroe» sen) abgestimmt. Dem Ausschuhantrag, die Ausgabe mit 180 550 Mk. zu genehmigen, wird zu-, gestimmt, ebenfo wird Kap. 52 (Ku nst str a h en- Verwaltung) angenommen mit einer Ausgave von 798 425 Mk. Gleichfalls werden die Antrags zu diesen Kapiteln genehmigt. Die Beratungen werden dann bei Kap. co (Ministerium für Arbeit und Wirtschaft) wieder auf genommen. ' Abg. Dr. Müller (Dbd.) spricht über die Einwirkung des Gutachtens auf dre ßanbtotrt* schäft. Don allen Ständen fei die Landwirtschaft am stärksten belastet. Die deutsche Landwirtschaft brauche Zollschuh. Deutschland werde agrarisch ein oder es werde nicht sein. Um 1 Uhr werden die Beratungen abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachm. 31A Uhr, (Nachmittagssitzung.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3Va Uhr. Ä Abg. Delp (Soz.) verlangt eine Erhöhung der Unterstützungssätze für Sozialrenttrer, Kleinrentner, Kriegsbeschädigte und Erwerbslose und wünscht, daß die hessische Regierung sich bei der Reichsregierung für die Schaffung-neiner Erwerbslosenversicherung einseht. Abg. Hauck (Deutschvölkisch) erläutert einen Antrag, den er dem Hause unterbreitet hat. Dieser lautet: „Ich beantrage, der Landtag wolle beschließen, die Staatsregierung zu ersuchen, bet der Reichsregierung dahin vorstellig zu werben, daß sie die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über ein Zinswuchergesetz auf dem schnellsten Wege in Angriff nimmt und dem Reichstag Vvr- Ie9tQrbg. Hahn (D. Dpt.) verlangt von der Regierung, daß sie die Landwirtschaft schützt. Die Landwirtschaft sei am Ende ihrer Kräfte. Der Kckeg habe die Bestrebungen zur Förderung der Produktion zurückgeworfen. Der unreelle, verteuernde Zwischenhandel müsse beseitigt toerben. Ein gewisser reeller Zwischenhandel müsse aber bestehen bleiben. Der Redner widerspricht der Forderung nach Aufhebung staatl. landw. Aemter und Einckchtungen. Eine Richtigstellung. Zu dem Deckcht über die Abstimmungen im Petitivnsausschußdes Landtags, dem wir am Mittwoch veröffentlichten, wird uns vom Abg. Dr. Werner beckchtigend folgendes mitgeteilt: Der Antrag des Abg. Dr. Werner verlangte nicht die Wiedereinführung der S v m m e r- zeit, sondern wandte sich mit guten Gründen d a- gegen. Der Antrag Dr. Werner wurde auch nicht abgelehnt, sondern der 3. Ausschuß stimmte ihm zu und richtete an die Regierung das Ersuchen, auch in Zukunft gegen die Einführung der Sommerzeit auszutteten. Aus Stadt und Land. Gießen, den 11. Juli 1924. Der neue Provinzialdirektor. Provinzialdirektor Heinrich Leonhard G r a e ß dessen Ernennung zum Provinzialdirektor für Oberhessen und Kreisdirektor des Kreises Gießen laut „Darmstädter Zeitung" vom 7. Juli datiert ist, wurde am 23. Mai 1869 in OLonSheim (KreiS Worms) geboren. Ostern 1888 machte er sein Ma- turum in Worms, dann studierte er tn München. Berlin und Gießen. 1896 wurde er bei den Kreisämtern in Bensheim, Mainz, Alsfeld und Dieburg verwandt. 3m Jahre 1898 war er KreiS- aufgenommen. , „r Abg. Schott (D. Dpt.) verbreitet sich über die gegenwärtige schwierige Lage der Landwirtschaft. Getreide- und'Viehpreise wären derartig niedrig, dah dadurch die landwirtschaftlichen Betriebe kaum noch aufrecht zu erhalten feien. Sie Veranlagung nach dem Wehrbeitrag zeige gerade in Hessen besondere Härten. Die Jndustrieprodukte ständen heute noch zum größten Teil über Friedenspreis, die landwirtschaftliche Bevölkerung habe gar keine Kaufkraft mehr. Die ßanbtoirt* schäft verlange Zollschutz. , Abg. Felder (Ztr.) erftärt, ferne Partei fei gegen den schematischen Achtstundentag und verlange diese verkürzte Arbeitszeit für Bergwerke und lebensgefährliche Betriebe. Es fei ein Widersprach bei der Sozialdemokratie, wenn sie auf der einen Seite Annahme des Sachverständigen-Gut- achtens verlange, auf der anderen aber eine Mehramtmann in Dieburg, 1900 wurde er nach Heppen-, heim verseht. 1901 kam er als Mlnisteckalserretäv in das Ministerium des Innern, im Oktober 1905 wurde er ständiger Hilfsarbeiter im Ministeck um des Innern mit dem Charakter als Regierungsrat. Am 1. Juni 1911 erfolgte seine Ernennung zum Vortragenden Rat im Ministerium des Innern mit dem Amtstitel Oberregierungsrat. Am 1. April 1917 wurde er Kreisdirektor in Sieb rg, ^suchen, bei 0, Su werden, '«schentwurfes ^schnellsten neichStag vor» dvn der «ft zur Sortierung - unreelle, bet» Jdtlgt werden. KI müsse aber iöe5f-richt der lanbto. Aemter ^Saison-Ausverkauf dauert nur noch bis zum Mittwoch, dem 16. Juli 1924 Der aussergewöhnliche Zuspruch hat bewiesen, dass wir unsere Preise den Verhältnissen in richtiger Weise angepasst haben Gosche ikum. tg der städtischen stieben: bnchmederSrra- StrahenbLyn w «#■ untätig*“ Dechftl" M i. D° es f® ein2eil6tä t mit t*» mir« es I® Bornotizen. , — Lageskalender für Freitag. Radierkunstausstellung, 5—7 Uhr im Kunstwissen- schafllichen Institut. — K. A. A.: Vortrag von P. E. Decker: »Das mystische Erlebnis", 8 Uhr labends im Katholischen Vereinshaus. — G. S. C. kv. 1900: Außerordentliche Generalversammlung, »Vs Uhr, Hessischer Hof. — Lichtspielhaus Bahn- chofstvahe: „Larvas Bulba". — Astoria-Licht- ffpiele: „Das Piratenschiff". I — Aus dem Stadttheaterbureau |wird uns geschrieben: Es ist das Bestreben der Bühnenleitung, durch möglichste Abwechslung im «Programm das Interesse für unser Stadttyeater tauch im Sommer abzuhalten. Es ist deshalb für Dienstag, 15. Juli, ein einmaliges Gastspiel des größten, zur Zeit existierenden Domra-Balalaika- Orchesters unter Leitung von Dr. Eugen Swer- Stoff abgemacht worden. Die Gesellschaft ist die »rvhte ihrer Art und bringt in ihren Darbietungen außerordentliche Abwechsiung durch Mitwirkung von Männerchören, russischer Tänzer und Zeines bekannten slawischen Tenors. Hoffentlich ist Der Besuch ein derartiger, daß öfter solche großstädtischen Veranstaltungen geboten werden tön» |inen. (Siehe heutige Anzeige.) — Der Konsumverein Gießen und (Umgegend bittet uns um die Aufnahme folgender Zeilen: „Für nächsten Sonntag, 13. Juli, taachm. 3 Uhr, ruft der Konsumverein für Gießen mnd Umgegend seine Mitgliederfrauen von Gieren und Wieseck zu einer großen Versammlung [im Philosvphenwald zusammen, um ihnen gelegentlich des 2. internationalen genossenschaftlichen Werbetages zum Bewußtsein za bringen, fwelche wirtschaftliche Kraft im Zusammenschluß der gesamten Verbraucher in Stadt und Land liegt. Die Genossenschaftssekretärin Frau G r e e h vom Konsumverein Bremerhaven, eine weithn bekannte, erfahrene Genvssenschafterin, hat das Re» «serat übernommen, so dah die Mitgliederfrauen 'eine langersehnte Gelegenheit haben, aus berufenem Frauenmunde zu vernehmen, was der Konsumverein ist und was derseDe den Verbrauchern bieten tarnt, sofern sie treu zu ihrer Verbraucher- Ivrganisativn stehen. Musik- und Gesangsvorträge sollen den Rachmittag verschönern helfen. Für die Mitgliederfrauen ist neben einer Ausstellung fine besondere Ueberraschung, für die Kinder Brezelverteilung vorgesehen. Es ist zu hoffen, dah die ganze Veranstaltung einen würdigen Verkauf nimmt und die Besucher eine schöne Erinnerung von diesem genvsseiffchaftlichen Werbetag Mit nach Hause nehmen." — Der Zirkus Otto Mark kündigt in unserem heutigen Anzeigenteil für morgen, Samstag, abend den Beginn seines hiesigen Gastspiels an. Das Unternehmen will sich an der Schützenstrahe aufbauen. Die Ankündigung ver- ffpricht mancherlei Sehenswürdigkeiten auf dem weiten Gebiete der zirzensischen Kunst, die auch in unserer" Stadt zahlreiche Interessenten zum Besuche des Unternehmens veranlassen dürften. Man beachte die Anzeige. * Die groben Ferien der Schulen nehmen morgen ihren Anfang. Dis zum 10. August hat unsere liebe Jugend nun mal wieder völlig freien Laub. Auch unser Stadtparlament hat sich am Dienstag in die Sommerferien begeben. Im Gegensatz zum Vorjahre, wo es den Ferienbeschluh in öffentlicher Sitzung faßte, hat es feine sommerliche Ruhepause diesmal in geheimer Sitzung bestimmt. Welche Gründe es für diese „Geheimdiplomatie" hatte, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis, wir wissen aber, dah ihm ein Dürgerzorn wegen der Feierzeit nicht auf dem Hals gekommen wäre, denn die Bürgerschaft erkennt an, dah auch unsere Stadtväter und Stadtmütter doch mal ausspannen müssen. ** Der Blumentag zur Beschaffung von Säuglings- und Kleinkinderwäsche für die offene Fürsorge der Stadt, den die Gießener Frauenvereine am vorigen Sonntag veranstalteten hat das sehr erfreuliche Ergebnis von 2883 06 Mark gebracht. Dieses Resultat stellt der Opferfreudigkeit der Blumenkäufer, zugleich aber auch dem überall zu beobachtenden Verkaufseifer der vielen jungen Damen, die sich selbstlos in den Dienst dieser Sache stellten, ein ehrenvolles Zeugnis aus. •* Die Rei chswehr Wollwoche in Gießen, die von militärischer Seite angeregt und vom städtischen Wohlfahrtsamt und dem Roten Kreuz in eifriger Weise mit verwirklicht wurde, hat ein Ergebnis gebracht, welches die kühnsten Erwartungen der Veranstalter weit übertrifft. An allen drei Sammeltagen sind die Fuhrwerke der Reichswehr hochbeladen mit den Spenden der Bürgerschaft beim städtischen Wohlfahrls- amt vvrgefahren, wo die Gaben in Obhut genommen wurden. Besonders erfreulich ist, daß sich, unter den Spenden auch viele sehr gute Sachen befinden. Rach einer privaten Information, die uns von einem der jugendlichen Helfer zuging, ist sogar ein — Zylinder Hut mitgespendet worden. Selbstverständlich wird die Angströhre auch ihre gute Verwertung finden, toeldjer Art diese aber sein wird, darüber mögen sich andere den Kopf zerbrechen. Die Sachen, deren ziffernmäßigen Einzelbestand man heute natürlich noch nicht übersehen kann, werden nun in eifriger Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes und seiner Helfer für unsere hilfsbedürftigen Mitbürger f?eTge= richtet, denen sie bekanntlich im nächsten Winter zugute kommen Jollen. Die Reichswehr, das Wohlfahrtsamt, das Rote Kreuz und die vielen jugendlichen Helfer dürfen der Anerkennung der Allgemeinheit und des herzlichen Dankes unserer Hilfsbedürftigen gewiß sein. ** Der Derkehrsverein gegen die Fremden st euer. Wie man uns mitteill, hat der Derkehrsverein s. Zt. eine Eingabe an die Stadtverwaltung gerichtet, in der um die Aufhebung der städtischen Fremdensteuer ersucht wurde. Die Stadtverordneten-Dersammlung hat die Entscheidung in dieser Angelegenheit bekanntlich bis zum Herbst zurückgestellt. In den letzten Tagen ist nun durch Rundschreiben, Radio and andere großzügige Propagandamittel von Frankfurt a. M. aus mitgeteitt worden, daß dort die Fremden st euer ab 1. Juli aufgeh o b e n ist. Don der Auswirkung dieser Maßnahme wird unsere Stadt bereits berührt; Fremde, die seither hier übernachteten, weil hier die (Steuer geringer war als in anderen Städten, ?iehStadt- und Land- kundschaft für den Verkauf mein. Oele, Jette und Seifen geg. hohe Provision gesucht. । Schristl. Angebote (unter 021669 an den Gieh. Anz. erbeten. Nach längerer, schwerer Krankheit entschlief heute sanft mein lieber Mann, unser treuer Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Zinßer Lrn 67. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Sanna Zinßer geb. Nowack. Gießen, den 10. Juli 1924. Die Beerdigung findet statt: Samstag, den 12. Juli, nachmittags 272 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofs. Beileidsbesuche dankend verbeten. Mentl., ehrl. 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Kurs 7,12 43 49 6,25 9,75 8,37 23 19,125 1,40 18,25 3,85 1,5 8,125 2,40 4.2 79,1 7,25 11 9 10 8,75 5,5 9,75 11,25 6 11 6,2 27,2 39,25 1,10 1,75 2 7,25 0,5 0,6 9,65 U 2,1 2,95 7,75 2,90 2,25 0,323 0,535 0,430 1 0,190 0,400 20,5 3,40 6,25 7,37 0,35 7,80 11 2,25 0,350 0,290 Company in Papua, Bob, der über eins 25« jährige Erfahrung tn amerikanischen Pelr^iram- gebieten verfügt, erklärte, er glaube nicht daß Amerika über ähnliche Zukunfts Möglichkeiten verfüge. Es sei zweifellos, daß sich tn größerer Liese ungeheure Reichtümer an Petroleum zeigen mü&- ten. Der Bohrplah befindet sich 54 Meilen von Aitape. * Die F orderungen der ost-ober- schlesischen Montanindustrie. Wie dem „Deutschen Handelsdienst" gemeldet wird, Hal fick den Forderungen der ost-oberschlesischen Montanindustrie zwecks Behebung resp. Milderung der Wirtschaftskrise in Polntsch--Oberschlesien jetzt auch die Polnisch-französische Grubengesellschaft angeschlosscn, die in erster Reihe die Einführung des Zehnstundentages dringend verlangt. Die Ber- mittlungsattron der polnischen Regierung mit der Berg- und Hüttenindustrie wird fortgesetzt. P Börsen kirrse. 5% Deutsche Reichsanleihe . 4°/» Deutsche Retchsanlcihe . ö'/,"/» Deutsche Rctchsanleihe A-> Deutsche Rctchsanleihe . Deutsche Sparprämtenanlethe 4°/o Preußische Konsols . . . 4% Hessen........... 3W7o Hessen.......... 3°/o Hessen........... Dcuüche Wertb. Dollar-Anl. dto- Doll.-Schatz-Anwetsng.') <°/o BontflrTen. ........ 6°/o Goldmcxtkaner...... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Prtvat-Bank. Tarmst. und Naitonalbauk . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank .... Disconto Commandit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Ocsterreichische Credttanstalt. Westbank............ Bochumer Guß BuderuS....... Caro............ . »-Luxemburg...... irchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte........... Oberbedarf «... Phönix Bergbau . ..... Rhetnslabl..... Riebeck Montan....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cont-Guano Badische Anilin........ Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt.......... Gries! eimer Electron .... Höchster Farbwerke Holzverkohlung..... Rütgerswerke...... Wirtschaft. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaats Hessen weist für den Monat Juni 1924 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen, wurden gefördert 43 285 Tonnen, verkauft wurden davon 11 785 Sonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde weiterverarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 3200 Tonnen Braunkohlenbriketts, 1958 Tonnen Rahprehsteine. Linker Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschlutz absatzfähig: 18 937 Tonnen Rohkohlen, 3419 Tonnen Briketts, 4128 Tonnen Raßpreß steine, zusammen 26 484 Tonnen Braunkohlen unb Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 210 823 Goldmark. * • Wirts chaf ts schwierig keit en hessischer Betriebe. Die Ganden berg ersche Maschinenfabrik tn Darmstadt hat etwa 200 Abdeckern gekündigt. Man bringt diese Entlassungen in Zusammenhang mit einem gvohrn Patentprvzetz, den die Firma verloren hat. — Eine große Darmstädter Firma, deren Inhaber zu den größten Steuerzahlern Darmstadts gehört, soll, wie verlautet, unmittelbar vor Zahlungsschwierigkeiten stehen. — Die Firma Opel in Rüsselsheim hat 1000 Arbeitern gekündigt. * Der Stickstoffmarkt im Juni. Der inländische Stickstosfmarkt war, nach Mitteilung des Stickstoffsyndikats, im Monat Ium, der Hahreszett entsprechend, still. Die heremgekom- menen Aufträge wurden prompt ausgeführt. Die Erzeugung war normal. Eine Preisänderung trat im Juni nicht ein. Die Stickstoffpreise für den Sommerbezug werden im Juli fortgesetzt werden. Im Aus lande war, der Jahreszeit entsprechend, der Martt für Stickstofsdüngemittel ruhig und nur Chilesalpeter wurde zeitweise noch in nennenswerten Mengen abgenommen. Der Markt für dieses Produkt war fest. Für schwefelsaures Ammoniak blieb die Stimmung gut infolge des vorteckhaften Preises, und es sind daher schon zahlreiche Dertaufsabschlüsse für das nächste Frühjahr gemacht. • Deutsche H o lzverwert ung 21.=©., Frankfurt. Die erste G.-B. genehmigte wider - nlos nach Erledigung der übrigen Forma- : Papiermarkbilanz, sowie die Gewinn- und Derlustrechnung für das erste am 31. Dezember 1923 ablaufende Geschäftsjahr und beschloß, den ausgeworfenen Reingewinn von 74,8 Billionen Mark auf neue Rechnung vorzutragen. * Daimler Motorengesellschaft. Das Geschäftsjahr 1923 erbrachte einen Reingewinn von 45 191 Bill. Mark, der zum Ausgleich von Substanzverlusten benutzt werden soll. * Preußische Pfandbrief-Dank, Berlin. Die o. G.-D. genehmigte den Geschäftsbericht für das Jahr 1923, die Dckanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung und erteilte 2luftichtsrat und Vorstand Entlastung. Eine Dividende wird nicht verteilt, sondern der Reingewinn auf neue Rechnung vorgetragen. Lieber die Geschäftslage äußerte sich der Vorstand dahin, daß, obgleich das neue Geschäftsjahr zur Hälfte bereits verflossen sei, es doch nicht möglich sei, über den weiteren Verlauf der Geschäfte ckgendwelchen Ausblick zu geben. Die eigentlichen Arbeiten der Firma haben erst vor ca. i/< Hahr begonnen. Eine Pfandbriefemission, die anfangs recht guten 2lbsah sand, geriet bald ins Stocken, da die Geldverhältnisse die Zurückhaltung wertester Kreise bedingten. Runmehr habe die Dank eine Emission lOprozentiger Pfandbriefe mit Erlaubnis der Behörde herausgeaeben und es habe den Anschein, als ob der Erfolg nicht ausbleibrn Werde. Im allgemeinen könne gesagt werden, daß, obgleich das erste Halbjahr nicht eigentlich produktiv gewesen, es doch gelungen sei, wenigstens die Linkosten wieder zu erhalten. * Geschäftsverbindung Jun kers- Ford? Zwischen der Dessauer Flugzeugfirma Junkers und dem amerikanischen Automobilrn» dustriellen Ford hat nach einer Meldung der „Evening Post" eine Besprechung in Ltetrort stattgefunden, die die Massenherstellung von Metallflugzeugen in Amerika auf Grund der Iunker- schen Erfindungen zum Gegenstand hatte. * Aussichtsreiche Petroleum- bohrungen im ehemaligen Deutsch- Reuguinea. In Teutsch-Reuguinea hat man an den Stellen, an denen bereits 1913 der deutsche Geologe Dr. Schlenzia Dohrversuche nach Petroleum unternommen hatte, in einer Tiefe von 70 Fuß Petroleum gefunden. Die Man- dated Development Company setzt außerordentlich große Hoffnungen, auf die Ergiebigkeit der OLlfelder, und der Leiter der Angla-Persian Berliner Börse. Berlin, 10. Juli. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Zum ersten Male seit längerer Zeit ließ man sich an der heutige nDörse wieder auf politische Erörterungen ein. Die englisch-französische Erklärung hat zunächst etwas enttäuscht, da man unter dem wiedevhergestelltem Einfluß der Reparationskommission an eine gedeihliche Durchführung des Dawesplanes kaum glauben kann. Die Deutschland-Reise des amerikanischen Staatssekretärs Hughes wird dagegen mit gewisser Befriedigung ausgenommen. Die Börse wird daher zur neuen Zurückhaltung veranlaßt. Be- fonders besorgt ist man im Hinblick auf die Haltung Amerikas, da man befürchtet, daß dieses evtl, offiziell sich an der Londoner Konferenz nicht beteiligen könnte. Das Geschäft beschränkte sich auch heute wieder hauptsächlich auf den Anleihemarkt und auf einzelne ausländische Werte. Besonders lebhaft ging es wieder am Markt der Kriegsanleihen zu, die bereits einen Kurs von 350- erreichten. Im wetteren Verlauf wurden diese Kurse jedoch gedrückt. Regeres Geschäft setzte ein in Türken- und in Russischen Anleihen. Der De- vis en martt liegt unverändert. Märkte. Berliner Produktenbörse. Berlin, 10. Juli. Getreide war auf die Schuhzollvvrlage fest, obwohl die ausländische Konkurrenz im Augenblick wenig oder gar nicht ins Gewicht fällt. Auch Mehl etwas höher. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märt. 141 bis 146, Roggen, märt 129 bis 137, Gerste, märk. 141 bis 150, neue J30 bis 138, Hafer, märk. 126 bis 137, Raps 230, Leinsaat 280 bis 290; für je 100 Kilo: Weizenmehl 21,25 bis 24, Roggenmehl 14 bis 21,75, Weizenkleie 8,70 bis 8,90, Roggen- tierung lautete auf 324. Bemerkenswert ist, daß neuerdings auch Stadtanleihen stärker in den Vordergrund traten und auch in diesen Werten rege Llmsähe erfolgten. Der Aktienmarkt konnte im allgemeinen von der vom Anleihemarkt ausgehenden günstigen Strömung nur im geringen ilm- fange profitieren, obwohl die politische Lage als bedeutend gebessert bezeichnet wird, nachdem die Pariser Konferenz befriedigend verlaufen ist. Am Geldmarkt waren die Zinssätze die gleichen. Monatsgetder l3/< Proz., Tagesgeld y4 pro Mille. 21m Devisenmarkt sind die Kurse Baum vrändert. Der französische Fcxrnk wurde mit 85,15 in Pfund- purität, und mit 19,65 in Dollarparität im Früh- verkehr gehandelt. Der Foeiverkehr lag völlig geschäftslos. Llmsätze wurden kaum getätigt. Man 'hörte Api 2,25, Decker-Stahl 1,37, Rastatter Waggon 1,87, Lisa 4,5, Drown Boveri 0,85, Growag 0,125, Krügershall 2,5. Im weiteren Verlauf schrumpfte der Verkehr stark zusammen, und eine Anzahl führender Werte wurden mangels jeglichen Interesses überhaupt nicht notiert. Der Verkehr in fremden und heimischen Renten flaut gleichfalls ab. Doch wurden hierin immer noch Llmsätze erzielt. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark au-gedrückt. BuenoS-AireS, London, Neu« York, Japan, Riode Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapett für 100000 Ein beiten, alle« übrige für 100 Einheiten.) T elegraphif che Auszahlu ng. •) Dom RuüzahlunLS'.r rrt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Juli. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Tendenz: In- und ausländische Anleihen fest, Aktien behauptet. — Die gesamte Börsen läge zeichnete sich heule durch eine freundlichere Haltung aus, und lebhafteres Geschäft entwickelte sich auf beinahe allen Gebieten. Lin- verändert stehen in- und ausländische Renten im Mittelpunkt deS Verkehrs, die bei andauernd lebhafter Rachfrage neue, sprunghafte Steigerungen aufzuweisen haben. Die Kauflust, besonders für türkische Werte, nimmt zeitweise wieder stürmischen Charakter an. Bevorzugt waren Zvll- türten, Bagdad, Anatolier und Russenwerte, während Ungarn etwas in den Hintergrund gerieten. In gleicher Weise wandte sich die berufsmäßige Spekulation dem Kriegsanleihe markt zu, aus dem sich ebenfalls heute das Geschäft konzentrierte. Daneben waren auch die anderen deutschen Renten und'Bundesstaatsanleihen stärker brachtet und wurden im Kurs wesentlich Häher. Kriegsanleihe notierte anfänglich mit 350, die erste amtliche Ro- Scheideanstalt...... Allg. ElektrizttätS-Gesells Bergmann........ Mainkrastwerke..... Schuckert......... Siemens & HalSke . . . Adlerwerke Kleher ... Daimler Motoren. ... Heyltgenstaedt..... Meguin.......... Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun MetallgefellnLaft Frankfurt Pct. Unton A.-G..... Schuhfabrik Herz . . . Sichel........... Zellstoss Waldhof.... Zuckerfabrik Frankenthal Zuckerfabrik Waghäusel Berlin, 10. Juli Amerikanische Noten . . . .. Belgische Noten........ Dänische Noten ........ Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten .... Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oestcrr., 4100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten . Schweizer Noten Spanische Noten . Tschechoflowakische Noten . . Ungarische Noten Sd)lu[ji Kurs Schluß Kur, Schluß Kur, 10.7. 9. 7. 10. 7. 0,310 C.315 0,310 0,565 0,550 0,555 0,430 0,415 0,450 1 1,05 1 0,190 0,180 0,200 0,430 0,420 0,440 - 0,650 — — 0,530 0,540 — 0,560 0,510 4,2 4,2 4,2 — 79,1 79,8 7,3 7,4 7,25 — 33,25 35 20,6 20,13 21,5 3,45 3,5 3,50 6,25 6,6 6,50 7,45 7,70 7,50 0,3 7,8 8,1 8,2 10,5 — — 2,25 2,20 2,25 0, 25 Ö,3 0,3 0,250 0,3 0,4 • 41,5 39,25 6,87 6,80 6.50 s 8.5 7,t>5 47,5 43,25 41,37 42,25 44 42,50 50 47,5 6,97 5,8 6,87 9,75 9,30 10 4 3,65 3,CO 7,5 8,25 7,75 22,62 23,625 21,9 18,5 18,75 17,5 29,5 30,5 32 1,3 — — 18,12 18,30 18,40 3,80 3,8 3,9 1,5 — 8 — 2,25 2,50 2,40 — 7,60 7,40 10,90 11 11,13 — —• 9,13 8,50 8,5 10,6 9,65 10,5 8,5 8,80 3,60 5,40 — — 9,75 9,625 9,65 10,6 — — 6 6 6 10,25 10,60 10,5 6,5 —■ ■■ 27 27,6 37 27,5 1,1 1,10 1,10 1,80 1,80 1,80 1,85 — — 7,4 7,75 8,5 0,41 — _ 0,65 0,625 1,05 1 1 2,1 2,1 2,1 2,85 3 2,4 7,5 7,60 7,6 2,9 2,25 2,3 2,13 9. Juli 10 Juli Repart. Amtliche Notierung Amtliche Notier r t \ Geld | Briet Geld Briet 9. 10. Amsi.-Rott. 158,20 159,00 158,20 159,00 voll voll Brss.-Nntw 18,85 18,95 18,90 19,30 voll voll Christiania. 55,71 55,99 55.66 65,84 voll voll Kopenhagen 66,71 67,07 66,83 67,17 voll voll Stockholm . 111,22 111,78 111,22 111,78 voll voll Hclsingfors. Italien. . . 10,45 17,98 10,51 17,94 10,47 17,91 10,53 17,99 voll voll voll voll London. . . 18,165 18,255 18,195 4,19 18,285 voll voll Neuyork . . 4,19 21,375 4,21 4,21 voll voll Paris. . . . 21,475 21,12 21,52 voll voll Schweiz . . 74,96 65,46 75,94 75,635 76,015 voll voll Svanicn . . Wien in D-- Oest.'abgest 55,74 65,31 65,59 voll voll 5,915 8,935 5,915 5,935 voll voll Prag . . . . Budapest. . 12,275 12,325 12,31 12,37 voll 5,015 5,035 5,015 6,035 voll voll Buen.-Aires Bulgarien 1,335 3,02 1,345 3,04 1,335 3,02 1,345 3,04 voll voll voll Japan . . . 1,75 1,76 1,75 1.76 voll Rio de Jan. 0,42 0,4' 0,42 0,43 voll Belgrad . . Lissabon . . 4,91 11,47 4,93 11,53 4,925 11,47 4,945 11,53 voll voll voll voll Geld I Briet Repart. °/a 4,19 4,21 voll 18,70 18,80 voll 66,63 66,97 voll 18,15 18.25 voll 21,38 21 18 voll 157,70 158,80 voll 17,83 17,94 voll 55,46 55,47 voll 5,99 6,02 voll 1,71 1.73 voll 111,02 111,63 voll 76,63 76,01 voll 65,16 55,44 voll 12,31 12,37 voll 4,91 4,96 voll _____ Mtag, ft. Juli 1924 a&KMr HW, uaw—mw flete 8.60, Viktoriaerbsen 19 bis 20, kleine Erbsen 13 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 12 bis 13, Ackerbohnen 12 bis 13, Wicken 12 bis 13, Lupinen, blau 9 bis 10, gelb 13,50 bis 14,50, Rapskuchen 9,80 bis 10, Leinkuchen 18 bis 19, Trockenschnitzeln 7,60 bis 7,80, Kartoffelslocken 19 bis 20 Mk. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. 2H., 10. Juli. (Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Es wurden notiert Weizen, Wetterau er, 17—17,25, Roggen, inländ., 15,75—16,25, Sommergerste für Brauzwecke 16,50 bis 17, Hafer, inländ. 16—16,75, Weizenmehl, inländ. Spezial 0 28,50—29,25. Roggenmrhl 23 bis 23,75, Weizen- und Roggenkleie 8,75—9. Tendenz: fest Frankfurter SchlaÄtviehmarkt. Frankfurt a. M, 10 Juli (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Austrieb: Rinder 23 S:ück, darunter Ochsen 12, Färsen und Kühe 11; Kälber 865. Schafe 250, Schweine 1026. Cs wurden gezahlt für 1 Zentner Lebendgewicht: Kälber: feinste Mastkälber 50—58, mittlere Mast- und beste Saugkälber 40—48, geringe Mast- und gute Saugkälber 30—38; Schafe: Mastlämmer und Mast Hammel 30—35, geringere Mast Hammel und Schafe 25—30; Schweine: vollfl. Schwäne von 80 bis 100 Kilo 55—58, vollfl. Schweine unter 80 Kilo 48—55, vollfl. von 100 bis 120 Kilo 55—56, vollfl. von 120 bis 150 Kilo 55—56. Marktverkauf: bei langsamen Handel geräumt Kirche und Schule- Pädagogischer Kongreß München. Unter dem Protektorate eines örtlichen Ehren» ausschusses findet vom 28—30. August 1924 in München ein pädagogischer Kongreß statt. 11. a. stehen zur Diskussion: Sinn und Ergebnisse der Reichsschulkonferenz. — Die Entwicklung der Schul- gesehgebung in den deutschen Ländern seit 1918. - Bolkserziehung durch die Schule. — Versuchsschulen und Schulversuche in den deutschen Ländern. — Höhere Schule — Aufbauschule. — Die derzeitige Lage der Mädchenbildung. — Die jrei< Volksbildungsarbeit. — Die Hauptreferate übernehmen die älniv.-Professoren Dr. Gg.Ke r scheu- ft ein er, Dr. Litt, Dr. Al. Fischer; ferner du Oberstudiendirektoren Dr. I. Bauerschmidt, Dr F. Karsen, sowie Dr. H. Gähner, Landesschub Inspektor Wien, und Frl. Dr. Gertrud Bäumer, Ministerialrat u. R.-A., Berlin. Auskunft erteilt Dr. Mann, Rosental 7. 7 Biicherlischt — Adelheid Weber, „A n der Grenze (Engelhorns Romanbibliothek 37. Reihe, Band 17/18). Droschürt 1,50 Gm., in Ganzleinen geb. 2,50 Gm. — Adelheid Weber hat sich schon durch ihre in Engelhorns Romanbibliothek erschienenen Romane „Äber den Tälern" und „Die dumme Ruth" einen großen Leserkreis erworben. Ihr neues Buch schildert in meisterlicher Weise den Kampf einer edlen Frau zwischen aufflammender Leidenschaft und treuer Pflichterfüllung. Lebenswahr treten uns die Persönlichkeiten entgegen auf den Gütern Ostpreußens wie in Berliner Künstlerkreisen, fein beobachtet und scharf gezecch-- net Ein sehr empfehlenswertes Buch. — Ricarda Huchs 6 0. Geburtstag Am 18. Juli ds. Is. feiert Ricarda Huch ihren 60. Geburtstag. Daß eine Frau eine derartige Stelle im geistigen Leben eines Volkes inne hat, wie.Ricarda Huch, ist ehre große Seltenheit, und an dem Llngewohnten dieser Situation liegt es auch wohl, daß die wahre Bedeutung dieser Frai erst einem kleinen Kreise auf gegangen ist. Mar kennt sie wohl als Lyrikerin und Erzählerin, aber die geistige Bedeutung ihres Gesamtwertes ist noch längst nicht nach Gebühr in das Bewußtsein des Volles gedrungen. Es ist daher eine sehr be» grühenswerte Tat der „Schönen Literatur", bei von Will Vesper herausgegebenen kritischen Monatsschrift, daß sie in ihrer Iuninummer eine groß- angelegte Auseinandersetzung mit dem Werke Ricarda Huchs bringt. Kirchliche Nachrichten. Ise. Religionsgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge (Süd-Anl.). Samstag, den 12. Juli. Vorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 8.50 u. 9.30. Isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 12. Juli. Freitag abd. 7.50, Samstag Dorrn. 8.00, nachm 4.30. Sabbatausgang 9.30. — Wochengottesdienst: Morg. 6.15, abds. 7.15. Der Alte aus Topper. Roman von Hanns von Zobelüh. 13. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Llm elf LIHr ist man mit dem Gefühl der Sicherheit in den Wällen von Spandau. Ihre Majestät haben befohlen, daß ein kurzer Aufenthalt genommen wird. Der biedere Herr von Kottwih soll Kaffee bereit halten lassen. Vorzüglichen Kaffee. Darm soll es weiter gehen. Gen Rathenow. Aber als man wieder einfteigen will, gibt's eine Mordskonfusion. Die Equipagen sind durcheinander gekommen. Riemand findet beim unsicheren Schein der Windlichter seinen Platz. Mancher will ihn vielleicht auch nicht finden. Lvttchen Lasow trippelt in ihren hohen Stöckelschuhen auf dem schlechten Pflaster an der langen Wagenreihe entlang. Llm des Himmels willen, nur nicht wieder mit dem langweiligen Lehndorff und der süßen Tettau zusammen I Irgendein anderes Plätzchen muß sich doch finden. Hier guckt sie und dorten in die geöffneten Schläge. Alles ist überfüllt. Hier und dort winkt man ihr. Rein — Reim Schon hat sich die große Galakutsche der Königin in Bewegung gesetzt, die Wagenreihe beginnt sich zu lichten. Die Lakaien löschen die Windlichter aus, schwingen sich neben die Kutscher, sitzen hinten auf. Eine abominable Dunkelheit. Rur ein paar Soldaten leuchten noch mit ihren, qualmenden Fackeln. Da — endlich — eine Halbchaise. Und es beugt sich jemand heraus: „Mademoiselle. . - Mademoiselle de Lasow I" Oh, wie komisch er den Warnen radebrecht. Sie zögert doch, rümpft das feine Rüschen. „Marquis, eine halboffene Chaise. Es wird kalt in der Rächt." Er lacht. „Wir haben gute Couvertüren." „Es darf nicht sein, Marquis —" „Ich beschwöre Sie, Mademoiselle! 'Linker meilwm Schutz! Parole dHonneur! Lind die Rächt ist dunkel. Auf der nächsten Station tauschen Sie den Platz." Sie sieht sich um. Wirklich, sie hat keine Wahl. Llngeduldig scharren die Gäule. Die Halbchaise ist fast die letzte im Zuge, dahinter folgen nur noch Gepäckwagen. Mit einem plötzlichen Entschluß rafft sie zierlich den Rock, seht das Füßchen auf den -Schlag. Er faßt sie um die Wespentaille, hebt sie wie eine Feder neben sich, legt ihr seinen Seidenmantel fast zärtlich um die Schultern. Mon Dien — es fröstelt wirklich, das süße Ding, fast wie Mama Camas vorhin fröstelte. So fahren sie in die du alle Rächt hinaus. Auf Rathenow zu. ,Peut-on etre aupres du rosier Sans en pouvoir cueillir la rose? Cueillissez-la si vous voulez, Car c'est pour vous qu'elle est Meiose.' * * * Drei Tage war's nach der Llnglücksschlacht bei Kunersdorf, da zuckelte im langsamsten Schritt ein Leiterwagen auf dem Sandweg nach Topper. Born saß neben dem allen Leichholzer Kutscher, der sonst nur die Herrschaftspferde fuhr, ein Musketier in arg mitgenommener Montierung, anstatt des Hutes eine blaue Zipfelmütze auf dem Schädel. 3m Wagen aber lag langausgestreckt auf Stroh und ein paar Bettstücken der Stabskapitän Zabeltitz vom Regiment Zastrow. Dann und wann drehte sich der Soldat um, obschon ihn jede Bewegung zu schmerzen schien. Wußte doch nach seinem Ofsizier sehen. Schlimm genug stand's. Schlimmer, als es zuerst den Anschein gehabt hatte, am Morgen noch der Schlacht. Da hatte zwar der .Herr Cvthenius, Leidmedikus Seiner Majestät, auch den Kopf geschüttelt; dann aber doch eftimiert, daß der Herr Stabskapitän vorsichtig transportiert- werden dürste. Wohl zum dritten Mal mußte der Marzanke das dem alten Oeichholzer Herrenkutscher erzählen: wie sie abseits der großen Straße, der verflixten Russen wegen, erst nach Matschdorf gefahren, den nächsten Dag nach Groß-Gandern, darauf nach Leich- holz. Ein Glück noch, daß er, der Marzanke, all die versteckten Waldwege so gut gekannt hatte und daß sie überall treue Seelen getroffen, die weiterhalfen. In Leichholz natürlich, bei der gnädigen Herrschaft, da war's am besten. Wär' vielleicht a;n allerbesten gewesen, so der Herr Stabskapitän dorten in guter Pflege geblieben. Aber der hatte immer, immer nach Topper verlangt. Ja, und seit gestern war nun das Fieber dazugekommen. Kein Wunder freilich, wo der Verband schon den dritten Tag lag . . . Der alte Kruse schüttelte den Kopf dazu. Das waren Zeitläufte, Gott soll sich erbarmen. 3n Leichholz hatten die Russen auch gehaust wie die Heiden. Die Kos-cken oder Kalmücken oder wie §as Volk hieß. Die gnädige Herrschaft freilich, die wäre noch so mit ’nem blauen Äug' davongekommen. Das machte nämlich, weil der gnädige Herr doch ehedem österreichischer — östreich- feber, sprach'S der Kruse aus — Rittmeister gewesen, in jungen Jahren. Hatte sich die alte .Uniform angezogen. Lind die Oestreichschen zogen doch mit den Reußen einen Strang. Mords klug von dem gnädigen Herrn — das —. Lind überhaupt, wer könnt' es wissen, am Ende wurden teil’ alle noch österreichisch oder gar reuhisch Denn mit dem König — nach der Schlacht — nämlich —. Lind er spuckte kunstreich aus, grade zwischen den beiden Pferdeschwänzen hindurch. Darauf begehrte der Marzanke auf. Solch dummes Zeug verbitt' er sich. Oesterreichisch odei reutzisch! Da müßte denn doch noch viel Wassei die Oder herunterlaufen; soviel Wasser, wies überhaupt nicht gibt. Lind nach der Schlacht?! Ter Fritz habe schon andere 'Bataillen verloren, fei immer wiederum obenauf gekommen. Das wär' nun mal nicht anders: mal siege der und mal der, wer aber zuletzt siege, darauf käme es an. Lind das ist unser König So wahr ein Gott im Himmel. Ins Halseisen stecken oder krumm schließen vüfte man jeden Hundss'tt, der daran zweifle. „Lind siehst du, Kruse, als wir von Reitwein abkutschte ten, da hatte Vater Fritz schon wieder eine ganze Armee um sich. Soll mid> der Deubel bei lebendigem Leibe holen: ein paar Wochen, und die Reußen and die Oester- reicher haben feste Dresche gefriegt —" Dann sah er sich wieder nach seinem Offizier um. Wälzte sich in den Kissen, der Herr Stabskapitän, die Hände im Stroh verhallt, baß Ge- sich dunkelrot, die Augen groß offen. Aber fte starrten und glitzerten, als ob gar kein Verstand mehr dahinter. Heut morgen hatte der Kapitän ihn, den Marzanke, noch erkannt, jetzo war bad auch vorbei. (Fortsetzung folgt. 1 ö? 5U € foK"9 »3. S=« N«S unb ®«i# ®4"U' b S-.' rtz'Z- Und (X W D' »Die 3 feit sechs, 0 ks? Siegermön teste s-A^ einen be>^ w Dan ero seren, aus jähren die vc U 2lA Leben der Hebel 2lbe sMchen und die unser Ll hmgen im - Es wär an diesem den geW zuschreiben. Träger und * lossprechen I len ertöteten, zwingt, in du versagten unt zu holen. 21 Doll ist eine wem es ziel , großen fittlk I sie - wo ist Bächlein bes durch die Je walisame Ge Ereignis ii ches, die Ei in die ®rf- fome Idee , leiöenschasten ' kampses uni ftreiteS zugrr . Äamps um 1 von Dersail! und so gesch digenguincht wem beute 3b?o der n tischen Des den biinütigt vernichlrnöen geteilte Mein müde Aesignc Hilfe der Fei! so beweist d guten Mil so mehr aber Form Lebm nalePlaltfo Doller eine gr zu vertreten wrvng mh cou Staalssorm, s ^l?iehung, in ten Glaub, öie Destim Änion 3ad js uer jemals V der urteilslose, der sozialistisch dvnald treik utche und n u George obe . . A ist TO| ^Mchtnis !W angeb ft an ( Mbalt.be:] fÄ tin6 i^chte zum 5 -.bestrast'' toy emzelner in ■ Send, öie der feÄ »en, S ’n eine S. rvurd X“ Dostes » einer . 1.75 2.25-* vorzügliche Drell-Qualität 3.75, 2.90, ßtamine-Stores 9.75, 7.75, 4.90 ■* VosklelSamiliilen2 @c6aI8'1 SBs» 6.5(U 5565a zu bedeutend ermäßigten Preisen 5465a MWH „Slim fühlen 6mö“, MM Inh.: Krüger 021681 Lächtep i e I h a us.Bahnhofstr. 34 Der Vorstand. 5564V ®ut erhaltenes Etwa 600 qm Jl'a Winland M. WB HM M (Stern. (Mr.-Hinben. , , . flstoria-Lichitspiege Gern. Gr.°Ltnden, gegen hohe Zinsen i. Tiefbau. I 18^ 32^ Beachten Sie gefl. meine 4 Schaufenster 1.25-* 38 H Nähe Mühle Amend, zu verkaufen. Schriftl. Angeboie unter 021678 an den (Siebener Anzeiger. Heinrich Hochstätter Brandplatz 1 / Ecke Schloßgasse 95 854' 75^ 95 75 § 1.35 •* 85 115 •* von Selbstgeber fof. gesucht. 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Als G^enwert erhalten Sie 1 Karton (3 Stück) feinste Toiletten-Seife Marke „El-Be“, und ist somit für Sie an Geldeswert keinerlei Verlustrisiko, da Seife doch jedermann benötigt, und außerdem da in elegantem Karton verpackt, als Geschenkartikel verwendet werden kann. Bei mehreren richtigen Lösungen entscheidet das Los, welches unter Aufsicht und Kontrolle eines Notars gezogen wird. Die eingehenden Bestellungen werden sofort numeriert und erhält jeder 100. Teilnehmer außerdem als Trostpreis wie oben angegeben eine elegante seidene Schlafzimmer-Ampel, gratis. Der Verlosungstermin ist der 30. August 1924, und wird jeder glückliche Preisträger bekanntgegeben. Meine Bedingungen sind unanfechtbar und geht jeder Teilnehmer durch seine Berwerbung damit einig. Alleiniger Lieferant der »El-Ben-Feinseifen Emil Schubert, Leipzig,Gohlis 9 (eingetr. Firma), 1ZÄ8MMIO Holzminden Beginn des Wintersemesters 14.10.24. KriegernereinGiefjen j 50. Sfiffungsfeff Samstag, den 12. Juli 1924, abends 8 Uhr: ll HTtttttOTÄ mit Damen auf der Liebigshöhe. ty vyaaivlllHlvl S Zutritt haben nur eingeladene Gäste und die Dereinsmitglieder mit ihren erwachsenen Angehörigen. Sonnlag, den 13. Juli 1924, vorm. 11V- Uhr: im Hofe der Zeughauskaserne; nachmittags 4 Uhr: Familienfeier auf der Liebigshöhe. Zum Festkommers und zur Gedächtnisfeier schwarze Anzug, Orden, Ehren- und Dereinsabzeichen sind anzulegen. Mir Umsorm verabschiedete Offiziere werden gebeten, beidemal in Uniform zu erscheinen. 5516D Nichtmitglieder, welche in Begleitung von Dereinsmitgliedern an der Familienfeier teilnehmen wollen, müssen im Besitz eines Festprogramms sein' ohne das kein Zutritt. Programme können am Eingang des Festsaales in Empfang genommen werden. 0 ftrCn-BEttfllÖPlIlÖEn in verschieden. Mustern 4.90 ß Macco-Jm. mit RipSeinsätzen . 2.45 6 nsMeiniien Ml NivselusäÄn"sw."l.b'. ”>2.95^ ßenen-Bfluwijemöen KÄi*'Doa- 3.45 .* SMeN'lWlM Gedächtnisfeier: Treffpunkt der 116er 111/* Ubr vormittags vor der Gendarmerie-Kaserne. Wir bitten unsere Mitglieder zu obigen Veranstaltungen um zahlreiches Erscheinen. Sßiünenftoffe ^Oe122„cbmbS 1.75^ SMWWeball6ore Ou“l“ät'meter 120,95, 55 4 Sailiasle SnÄPuaUt4t mU ,®cibenÄ 1.45 Domäne 130 cm breit......Meter 3.25, 2.90 fipißpnhflfiffp 110 cm breit, seine Qualitäten, in 1 ee „ «/4|or,llvUUslk verschiedenen Farben . . Meter 1.33'^ UlllffplillP ?5 und 80 cm breite Qualität, zu- QE _ zllllsstUUt sammeogestellte Posten . . . Meter “3 ‘Jrnffpß 100 cm breit, in vielen Mustern, 1 flE Meter 2.90, 2.35, 1.93 MWWer haltbare Qualität, 50X50 cm . . . 45 H ÜOi|n?ffEl 150 cm breit, ganz schwere Qualität 1.95 ** Schürzen Damen-Jumper u. Wiener Form, ganz schwere 1 nft Siamosen-Quaiiläl, in bes. weiter Ausführung J.!)U Blnfen n. 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