Mittwoch, 11. junt 1924 Erster Blatt 124. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichö, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen o.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorfchrift 20° „ Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton.' Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Gießen. Nr. 135 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienb lütter Monats-Vezuorpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: AnzeigerGiehen. postschecttonto: Zrankfurt a. M. 11686. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheflen Dturf rmd Verlag: Vrüßl'sche Universitütr-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Für Regierungsbildung. Don Reichstagsabg. Dr'. Decker (Hessen). Die Reichstagswahlen vom 4. Mai haben eine außerordentlich starke Verschiebung der Wähler- massen nach rechts und links gebracht. So wie die Sozialdemokratie stark geschwächt aus dem Wahlkampf hervorgegangen ist, so haben auch die Mittelparteien eine Anzahl von Stimmen und die entsprechende Anzahl von Mandaten an die Deutschnationalen und an die Deutschvölkische Frei- heitspartei abgeben müssen. Die Deutsche Volkspartei und die Führung ihrer Reichstagsfraktion hat vom ersten Augenblick nach den Wahlen ab deutlich erkannt, daß diesem Wahlergebnis bei der Zusammensetzung der Regierung soweit Folge gegeben werden müsse, als es mit der Bildung einer nach innen und außen verhandlungssähigen Regierung vereinbar sei, und sie hat dieser Erkenntnis auch in allen Verhandlungen, die seit dem Wahltag über die Zusammensetzung der Regierung geführt worden sind, in Wort und- Tat deutlichsten Ausdruck gegeben. Wenn trotz all dieser Bemühungen sich in diesen Tagen im Reichstag wiederum eine Regierung vorstellen muhte, die sich nur auf die drei Mittelparteien stützen kann, so ist diese Tatsache tief bedauerlich, schon weil eine solche Regierung eine Stetigkeit der Führung po- littscher Geschäfte nur dann verbürgt, wenn die von ihr abseits stehenden Parteien auch in der Opposition sich der vollen Verantwortung bewußt find, die auch bei oppositioneller Haltung jede Partei mit ihren Entschließungen auf sich nimmt. Daß dies von der äußersten Linken nicht zu erwarten ist, bedarf keiner Ausführung. Auch den völlig Blinden müßten die Vorkommnisse in den ersten Reichstagssitzungen, die offenen Bekenntnisse des kommunistischen Abgeordneten T h ä l m a nn , der die Revolution, den Sturz der Verfassung des Reichs mit der Waffe in der Hand verkündigte, vollste Klarheit geschaffen haben. Wie die anderen Parteien es mit der auf ihnen ruhenden Verantwortung nehmen, dafür werden die künftigen Abstimmungen Klarheit schaffen. Wie kam es aber zum Wiederaufleben der alten Regierung der Minderheit? Es ist für den Freund einer ruhigen Entwicklung unserer politische Verhältnisse bedauerlich, festsiellen zu müssen, daß den Reichspräsidenten ein nicht ge-llng.--' Maß der Schuld an diesem Ergebnis trifft. Gewiß gibt es keine geschriebene ‘Bestimmung in der Reichs- Verfassung, wonach zunächst der Führer der stärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt iverden muh. Allein ein solches Verfahren entspricht im allgemeinen der Gewohnheit in anderen parlamentarisch regierten Staaten, und es sichert allein einen natürlichen Verlauf der Ereignisse. Der Herr Reichspräsident hätte vielleicht umsomehr Veranlassung gehabt, so zu verfahren, als man aus der Richtberufung beS Vertreters der stärksten Partei gar zu leicht auf politische Voreingenommenheit bei ihm schließen wird und als sein Verfahren gerade bei seiner demokratischen Gesamtauffassung besonders eigenartig anmuten muh. Daß der von den Deutschnationalen zunächst vorgeschlagene Kandidat ihm aus irgendwelchen Gründen nicht genehm war, durfte dabei nicht ausschlaggebend sein. Ihn zu beauftragen, war er ja nicht verpflichtet, er konnte seinen Auftrag ebensogut an den Führer der deutschnationalen Fraktion richten und er würde damit wohl auch die Krise zeitlich erheblich abgekürzt haben, selbst wenn dieser Auftrag keinen Erfolg gehabt hätte. Der Herr Reichspräsident hat es sodann mit dem Rei^kanzler der alten Regierungskoalition versucht, ein Versuch, den die Deutsche Volkspartei in der stärksten Weise unterstützt und soweit es an ihr lag, gefördert hat. Der Versuch erschien nicht aussichtslos. Freilich hat die deutschnationale Fraktion dem Reichskanzlerkandidaten und den k>alitionsbereiten anderen Parteien die Arbeit nicht gerade leicht gemacht. Ihr Beschluß, der neben anderem eine Kursänderung in der inneren und der äußeren Politik verlangte und der schließlich die Tür zu weiteren Verhandlungen zuschlug, war nicht nur sachlich nicht übermäßig geschickt, sondern wirkte durch seine Veröffentlichung wie ein kalter Wasserstrahl auf alle diejenigen, denen das Zustandebringen einer bürgerlichen Koalition mehr als eine rein politische Rotwendigkeit war. Wir sind nun einmal zwangsweise dazu veranlaßt, den Kurs der Auhenpolitik, der die letzten Monate gesteuert wurde, und vor allem die Stellung zu dem Sachverständigengutachten, wie man sie in dieser Zeit eingenommen hat, zunächst weiter innezuhalten. Diese Haltung bedeutet nicht unbesehene Annahme des Sachverständigengutachtens als die Lösung des Reparationsproblems, sondern die Regierung und die sie unterstützenden Parteien, vor allem die Deutsche Volkspartei, betrachten dieses Gutachten nur als eine Grundlage für die Lösung dieses Problems, die noch stark vervollständigt werden muß und in Einzelheiten noch schärferer Klarstellung bedarf, ehe man sie als eine solche endgültige Lösung ansehen kann. Auch nach der Erklärung der Regierung haben toir demnach noch völlige Freiheit, die zur Verwirklichung des Gutachtens nötigen deutschen Gesetze anzunehmen oder abzulehnen, und wir werden von dieser Freiheit je nach dem Ausfall der weiteren Verhandlungen entsprechenden Gebrauch machen. Den gesamten Kurs der Außenpolitik zu ändern aber würde ein Zerschlagen all der seitherigen Verhandlungen und die Verlängerung der unglücklichen Verhältnisse an Rhein und Ruhr bedeuten. Diese Folgen auf sich zu nehmen, war allerdings die Deutsche Volkspartei nicht bereit, immerhin war in den Verhandlungen mit den Deutschnationalen auch für die Behandlung dieser Frage eine Formel nahezu bis zum letzten Wort gefunden, mit der die neue Regierung hätte arbeiten können, und jo setzte man die Verhandlungen trotz jenes De- Millerand gestürzt. Am Freitag Neuwahl des Präsidenten der französischen Republik. — Painlevs im Vordergrund der Präsidentschafts - Kandidaten. Paris, 10. Juni. (WTD.) Die K am - m e r hat heute um 7 Uhr abends die De-« batte beendet. Die von dem Vertreter der zum Block der Linken gehörenden Parteien eingebrachte Tagesordnung wurde mit 3 2 9 gegen 214 Stimmen angenommen. Die Tagesordnung Herriot hat folgenden Wortlaut: „Die Kammer ist entschlossen, mit einem Ministerium, das durch seine Zusammensetzung eine Verneinung der Rechte des Parlaments darstellt, nicht in Verbindung zu treten, lehnt die verfassungswidrige Debatte ab, zu der sie aufgefordert wird, und beschließt, jede Entscheidung zu vertagen, bis sich ihr eine Regierung vorstellt, die im Einvernrhmen mit dem souveränen Willen des Volkes gebildet ist." Da Ministerpräsident M a r s a l gegcn die Tagesordnung die Vertrauensfrage gestellt hat, ist die Ministerkrise eröffnet. Dir Präsidentschaft der Republik veröffentlicht folgende Rote: Der Ministerpräsident hat sich mit dcn Ministern zum Elhsee begeben, um dem Präsidenten Mitteilung von den Vorgängen im Parlament zu machen. Millerand dankte Mar- s a l und seinen Kollegen lebHaft für die Unterstützung, die sie ihm bei der D^rteidin^rg der Verfassung gewährt hatten. Da die Mini st e r ihre Demission anboten, antwortete M i l l e r a n d, daß er angesichts der Sitzungsberichte aus Kammer und Senat, die ihm der Ministerpräsident erstattet habe, zurückzutreten beschlossen habe. Er ersuchte dementsprechend das Kabinttt, im Amte bleiben zu wollen.-Der Ministerrat wird morgen vormittag zusammentreten. Die Demission desPräsidentenderRepublik wird Kammer und Senat zu Beginn ihrer morgigen Nachmittagssitzung bekanntgegeben werden. Der Verlaus der Kammersitzung. Paris, 10. Juni. (Wolff.) Die Kammerfi tz u n g hat eine ungeheure Menschenmenge an- gelockt. Das Kammergebäude ist nach Eröffnung 5er Sitzung um 3 Uhr noch von Hunderten von Menschen, die Einlaß zu den Tribunen wünschen, belagert. Die Menschenmenge besetzte die Drücke, die nach dem Concordia-Platz führt. Hunderte von Kraftwagen stehen entlang dem Quai d'Orsay. Roch niemals seit dem Friedensschluß hat eine Parlamentssitzung ein derartiges Interesse ‘hervorgerufen. Die in der Kammer vom Ministerpräsidenten Fiancois Marsal und im Senat vom Iustiz- minister datier verlesene Botschaft des Präsidenten der Republik hat folgenden Mortlaut: Als die Rationalversammlung mir die Ehre erwies, mich mit 695 Stimmen zu dem höchsten Amt zu berufen, wußte sie aus meinen öffentlichen ©rtlärungen, daß ich nur bereit war, ins Elysöe zu gehen, um dort eine nationale Politik der sozialen Fortschritte, der Ordnung, der Arbeit und der Einigkeit zu vertreten. Die feierliche Verpflichtung, die ich vor der Wahl übernommen habe, habe ich getreulich gehalten. Frankreich durstet nach Frieden und Freiheit. Es will nach außen hin eine Politik ausüben, die ihm im Einverständnis mit ।einen Alliierten Sicherheit, Reparationen, Durchführung deZ Versailler Vertrags und Respettie ung sämtlicher diplomatischer Akte sichert, die die neue europäische Ordnung begründet hat. Sie,e Außenpolitik macht eine Innenpolitik nötig, die sich von den Lehren des Krieges leiten läßt, die sich auf das Einvernehmen unter den F anzosen, auf die Achtung vor der Meinung und dem Glauben der anderen, auf dem Bestreben, in die sozialen Beziehungen immer mehr Ge echtigkeit und Gutes hinein/,utragen, auf den Willen ter Aufrechterhaltung eines strengen Gleichgewichts zwischen den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben und auf den französischen Kredit gründet. Diese Ideen ‘haben mich in meinen Handlungen stets geleitet. Sie werden mich weiter dann leiten. Durch die Bestimmung, daß der Präsident der Republik nur im Falle des Hochverrats verantwortlich ist, hat die Verfassung im nationalen Interesse der Stabilität und Stetigkeit dafür Sorge tragen wollen, daß die Vollmacht des Präsidenten sieben Jahre hindurch vor den Schwanlungen der Republik gesch ht bleibt. S e werden die Verfassung respektieren. Wenn Sie sie nicht respektieren, und wenn künftig die Willkür einer Mehrheit den Präsidenten der Republik zwingen formte, sich aus politischen Beweggründen zurückzuziehen, wäre ier Präsident der Republik nur noch ein Spielball in den Händen der Parteien. Sie werden behilflich sein, eine so furchtbare Gefahr abzuwen en. I ch habe es abzulehnen, von meinem Posten zu desertieren. Es ist nicht möglich, daß aus dem Parlament, das über die Gesetze und ihre Beachtung wachen soll, die Zeichen und das Beispiel für ihre Vergewaltigung tom- i men. Gefährliche Ratgeber bemühen sich, im Par- \ teiinteresse durchzusetzen, daß die neue Legislaturperiode mit einem revolutionären Akt beginne. Die Kammer wird ihnen die Gefolgschaft Der» weigern. Getreu feiner ikbe.Lieferung wird der Senat, wie er es in ernsten Situationen war, der Verteidiger der Verfassung bleiben. Eine konstitutionelle Frage von solcher Wichtigkeit für die Zukunft der republikanischen Einrichtungen, wie es die ist, die durch die gegenwärtige Krise aufgeworfen wird, kann nicht im Halbdunkel durch Entscheidungen einzelner Personen oder Beschlüße geregelt werden. Ich appelliere an die Vernunft der beiden Häuser des Parlaments, an Ih.e Vorsicht und an Ihre Liebe zu Frankreich und die Republik. Meiner Pflicht bewußt, habe ich gern die Verantwortung übernommen für das Parlament, das jetzt die feinige zu übernehmen hat. Rach Verlesung der Botschaft des Präsidenten erklärt Kammerpräsident Painlevä: Ich nehme Kenntnis von dem Inhalt der Botschaft des Präsidenten der Republik, deren Wortlaut im Protokoll aufgeführt wird, und deren Text in den Archiven verwahrt werden wird. Hierauf verliest Ministerpräsident Marsal die Regierungserklärung, die von der Rechten und von den Mittelparteien! mit Beifall ausgenommen wird. Die Linksparteien nahmen sie mit eisigem Schweigen auf. Die ministerielle Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Sie haben die Botschaft des Präsidenten der Republik gehört. Die Regierung, die vor Ihnen steht, ist nur gebildet worden, um der Kammer und dem Senat zu ermöglichen, sich in einer Debatte konstitutioneller Art, die seit einigen Tagen außerhalb des Parlaments eröffnet ist, aber in der das Parlament endgültig entscheiden kann, auszusprechen. Wir haben Ihnen also kein Regierungsprogramm zu entwickeln. Unsere Aufgabe ist begrenzt und ganz bestimmter Art. Entweder werden Sie uns, wie wir es fordern, erllären, daß die verfassungsmäßigen Gesetze unantastbar über den Parteien bleiben müssen. In diesem Falle wird die Autorität ihrer Abstimmung den Führern der aus den Wahlen vom 11. Mai hervorgegangenen Mehrheiten zeigen, daß sie die Pflicht haben, die Regierung, die der Präsident der Republik Ihnen angeboten hat, aus seinen Händen an^unehmen und die Leitung der französischen Politik zu übernehmen, oder aber Sie werden uns durch eine Abstimmung, in der jeder einzelne unzweideutig seine Verantwortung erkennen wird, erklären, daß Sie die von dem Präsidenten der Republik in seiner Botschaft aufgestellten Grundsätze nicht billigen, Grundsätze, die wir vor Ihnen verteidigen, und die die Grundlagen der repubtitanischen Verfassung bilden. In diesem Falle werden wir dem Präsidenten der Republik über unseren Mißerfolg berichten, und dieser wird alsdann den sich daraus ergebenden Entschluß fassen. Wir appell.eren an Ihr Gewissen und an Ihre Vernunft. Die Debatte muh von jeder Zweideutigkeit frei bleiben. Die Abstimmung, die Sie vornehmen werden, ist von höchster Bedeutung für die Zukunft des Regimes. Die Wahrung der Gesetzmäßigkeit ist die Bürgschaft für unsere republikanische Einrichtung und die Garantie der öffentlichen Freiheit." Rach Verlesung der vorliegenden Interpellationen fragt der Kammerpräsident den Ministerpräsidenten wann deren Diskussion stattfinden soll. Der M i n i st e r P r ä s i d e n t erklärt et nehme die sofortige Diskussion an. Hieraus verliest Kammerpräsident Painlevö die Resolution des Kartells der Linken. Der Abg. Reibe! besteigt die Tribüne und führt folgendes aus. Die Frage, die gestellt ist, ist die folgende: Ist der Präsident sieben Jahre gewählt? Wir haben die Absicht, von der Kamme, die Annahme einer Tagung zu verlangen, in der erklärt wird, daß sie bereit sei, die Bestimmungen des Grundgesetzes zu beachten. Herriot und seine Freunde haben die plcbernahme der Regierung einzig und allein abgelehnt, um eine politische Krise und die Demission des Präsidenten Der Republik heroerzu- führen. In einem Kommunique des Elhsee ist festgestellt worden, daß Millerand und Herri)t über das Programm vollkommen einig waren. Herriot selbst ryai diese Mitteilung fefkurgt. Er erklärte nur, die Unterredung mit dem Präsidenten der Republik 'habe sich weniger auf ein Programm als auf gewisse Fragen von nationaler Bedeutung bezogen, bei denen es keinen Widerspruch gebe. Millerand aber habe dem Führer des Kartells der Linken volle Freiheit gegeben, das Programm des Kartells durchzufüh en. Herriot habe es aber abgelehnt, ein Kabinett zu bilden, weil, wie er sagt, die Mitglieder seiner Partei ihm nicht gestatten, das Mandat aus den Händen Millerands entgegenzunehmen. Eine Kampagne werde im ganzen Lande geführt, um zu einem antikonstitutionellen Ergebnis zu gelangen. Auf einem schönen Plakat habe man die Worte ausgeschrieben: „Respekt vor der demo- lratischen Verfassung!" Hinter der Leinwand ermorde man den Präsidenten der Republik. Die Radikalen hätten sich von den Sozialisten und Kommunisten treiben lassen, die Millerand nicht verzeihen konnten, daß er zum Siege Polens gegen die loten Truppen der Sowjets beigetvagen habe und daß er ein Anhänger der Ruhrbesetzung gewesen sei. Er wundere sich, daß eine große Partei wie die radikale Partei jetzt den Revolutionären auf das antikonstitutionelle Gebiet gefügt sei. Sie sei der Gefangene derer, die diesen Kampf eingeleitet hätten. Das erinnere an die Zeit, in der Radikale und Sozialisten nur durch den antiklerikalen Kampf geeint gewesen seien. Der lom- munistische Abg. Cachin ruft: „Fassen Sie sich kurz. Man muh auch zu verschwinden verstehen!" Abg. Reibel erwidert: „Man muh auch zu bleiben verstehen, wenn man das Recht auf seiner Seite hat." Ser Abgeordnete erging sich sodann in Auslegungen der Verfassung, insbesondere des Paragraphen, der die siebenjährige Amtszeit vor- 1 cbieibt. In diesem Augenblick wird von feiten des Linksblockes die Abstimmung des Senats Dertünbet. Sämtliche Mitglieder des Linksblockes nehmen diese Mitteilung mit dem Rus auf: „Es lebe der Senat!" Kammerpräsident Painlev6 kann nur mit Mühe dem Redner wieder Gehör verschaffen, der im übrigen offenbar fejne Eile hat und auf der Tribüne in Ruhe'abwartet, bis sich der Sturm gelegt hat Man dürfe die Entscheidung, die der Senat getroffen habe, nicht verkennen. Sie entspreche den schlusses unter Umständen fort, die kaum noch ein Scheitern befürchten liehen. Erst im letzten Augenblick ergaben sich neue Schwierigkeiten. Auch sie wären zweifellos, wenn mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte, noch zu beseitigen gewesen. Die Rervosität auf allen Seiten, das Drängen nach einem Ende der Verhandlungen und die Rotwendigkeit, noch vor Pfingsten eine aktionsfähige Regierung zu haben, warf in diesem letzten Augenblick alle Hoffnungen über den Haufen und veranlaßte den Reichskanzler Marx, die Verhandlungen für abgebrochen zu erklären und sich am nächsten Tage mit der Regierung der kleinen Koalition dem Reichstag von neuem vorzustellen. Freilich haben auch andere Umstände die Verhandlungen sehr erschwert. Ob alle drei Mittelparteien mit gleich warmem Herzen bei diesen Verhandlungen waren, mag billig bezweifelt werden. Demokraten und Deutschnationale werden im allgemeinen ihren ganzen Grundanschauungen nach überhaupt schwer zu gemeinsamer politischer Ar- Ibeit zusammenzubringen sein. Was die demokratische Fraktion an Bereitwilligkeit zu einer Verständigung mitbrachte, wurde überdies von ihrer eigenen Presse scharf angegriffen. Was „Vossische Leitung“, „Berliner Tageblatt" und „Frankfurter Zeitung" in diesen Tagen alles an Gift verspritzt haben gegen die anderen und gegen die eigenen Verhandlungsführer, übertrifft alles bisher Da- gewesene. Auch die Zentrumspresse hat leider mehrfach in die gleiche Kerbe gehauen, während es der Zentrumsfraktion nach Auffassung aller an den Verhandlungen Beteiligten ernst war mit dem Versuch zur Bildung einer Regierung der großen Dürgerkoalition. Die Presse hat indes nicht allein Maulwurfsarbeit geleistet, sie ist stark unterstützt worden von einer Reihe von „Unter- seebootsführern" im Parlament selbst, die ihreTor- pedos nach den verschiedensten Richtungen hin ab- geschossen haben. So unsauber und so mit Intri- guen belastet ist demjenigen, der dazu verurteilt war, diese Verhandlungen in Berlin selbst mit zu nleben, der parlamentarische Boden noch niemals vorgekommen, wie in diesen beiden letzten Wochen, und es gehörten wahrhaftig gute Rerven dazu, um in diesem unreinen Getriebe standzuhalten. Von allen Parteien hat die Deutsche Volkspartei das Ziel dieser Dürgerkoalition von vornherein am schärfsten erkannt und in den ganzen Verhandlungen seine Erreichung am zähesten verfolgt. Wenn die Fraktion ihrem Führer Dr. S ch o l z am Schlüsse der Verhandlungen ihren besonderen Dank und ihre volle Anerkennung ausgesprochen hat, so hat sie selbst Dank und Anerkennung für diese Zähigkeit und zielbewuß!e Arbeit nicht weniger verdient. Es ist selbstverständlich, daß für sie das einmal für Recht erkannte auch in Zukunft erstrebenswert erscheint. Was heute gescheitert ist, muß in Zukunft im Interesse einer gesunden außen- und innenpolitischen Entwicklung verwirklicht werden. Wenn heute die deutsch- nationale Fraktion noch nicht über ihren eigenen Schatten springen kann, wenn sie heute noch nicht so manches, was sie im Wahlkampf versprochen hat, zu verleugnen in der Lage ist, so wird sie vielleicht nach Bereinigung der außenpolisischen Schwierigkeiten koalitionsbereiter und koalitionsfähiger sein. Bis dahin wird diese Fraktion vielleicht auch in ihren Grundanschauungen einheitlicher geworden fein, als dies jetzt so kurz nach den Wahlen gerade wegen des starken Zuwachses- den ihr dies« gebracht haben, noch der Fall ist. parlamenrarifchen Gepflogenheiten. Die 'Regierung allein sei nach der Verfassung vor dem Parlament verantwortlich Wenn der Präsident der Republik Handlungen gegen die Verfassung begangen habe, dann sei es Sache des Parlaments, die Regierung zu interpellieren. Wegen der Rede Millerands sei aber nur eine einzige Interpellation eingebracht worden, diejenige des sozialistischen Abg. Aubriot, der in gemäßigten Ausdrücken der Regierung die Frage gestellt habe, welche Konsequenzen diese Rede habe. Diese Interpellation sei nicht einmal zur Debatte gekommen. (Der Abg. Aubriot ruft: „Well Sie die Diskussion verhindert haben!") Reibel erwidert: „Sie haben die Debatte nicht verlangt!" worauf Aubriot und die Linke heftig protestieren. Republikaner wie der Abg. Thomson hätten gegen die verfassungswidrige Kampagne protestiert. Der Abg. Thomson, ( der dem linken Zentrum angehört, verlangt das Wort und erklärt unter eindrucksvollem Stillschweigen des Hauses, es sei richtig, daß er vor seiner Fraktion auf die Gefahr einer verfassungswidrigen Agitation hingewiesen habe. Er habe erklärt, er hoffe, daß die Krise sich in gesetzmäßigen Dahnen bewegen werde. Aber nichtsdestoweniger habe er bereits damals an den beginnenden Angriffen auf die neue Mehrheit Kritik geübt und im Augenblick erinnere er an andere Vorfälle, die denen ähnelten, die man heute erlebe. Er erinnere daran, daß die Republikaner 1877 es abgelehnt hätten, mit einem gegen die Mehrheit eingesetzten Ministerium in Verbindung zu treten (Verstärker Beifall links), und daß Gambetda es gewesen sei, auf den die Minderheit sich berufen habe, weil er es abgelehnt habe, mit einem ungesehmähigen Ministerium in Verbindung zu treten. Ihm hätten sich jene großen Republikaner angeschlossen, die es den Abgeordneten von heute erinöglicht hätten, auf der Tribüne zu sein, weil sie die Republik gemacht hätten. Der Abg. H e r r i o t und zahlreiche andere Abgeordnete der Linken beglückwünschen Thomson, aber der Abg. Reibel erwidert, daß 1877 Marschall Mac Mahon tatsächlich den General de la Rochebouet zur Bildung einer konservativen Regierung berufen hätte, als das Land eine Linksmehrheit gewählt hatte. (Zuruf links: Mcrrsal, Marsal! Maginot, Magi- not!) Reibel fügt hinzu, Mac Mahon habe dann Dufaure und Leon Sah und die ausgezeichneten Republikaner berufen, die sich bereit erklärten, jenes Ministerium zu bllden, das dann ein Jahr lang am Ruder geblieben sei. Es bestehe also keine Analogie mit dem Falle Millerand, da der letztere im Gegensatz zu Mac Mahon nach der Eröffnung der Ministerkrise Herriot habe rufen lassen, ein Vorgang, der Millerand ebenso zur Ehre gereiche, wie Herriot, der seinem Rufe gefolgt sei, well damals beide die Staatsgeschäfte über die Parteifragen stellten. Der Abg. Reibel beendet seine Rede, indem er nochmals betont, der Präsident der Republik habe, uht im Rahmen der Verfassung zu bleiben, strikt seine Pflicht erfüllt, nicht um der Mehrheit willen oder um sich, sondern um die Verfassung, ja um die Republik selbst. Darauf ergreift Ministerpräsident Marsal Las Wort. Als er sich erhebt, schreit die Linke: „Senat! Senat!" Der Ministerpräsident. erklärt, der Senat habe nach den parlamentarischen Gepflogenheiten gehandelt. Er wundere sich, daß die Mehrheit einen Vertagu ngsantrag gestellt habe. Er habe geglaubt, alle hätten den Wunsch, sich sofort und gründlich auszu'prechen. Dieüln- terzeichner des Antrages wünschen, daß die Mitglieder der gegenwärtigen Regierung bereit seien, ihr Portefeuille den Erwählten der Anken abzutreten. Heute handle es sich um keine Reg erungs- frage. Der Abg. Herri ot wisse das beser als jedermann, da er selbst es gewesen sei, der vom -Kammerpräsidenten Paiillevs zum Präsidenten der Republik berufen worden fei. Das Vvk dem Abg. Thomson angeführte gesch-.cht- licfL. Beispiel beweise, daß die Männer der Mehr- hen, die vom Staatschef berufen wurden, die Pftzcht hätten, seinem Ruf Folge zu leisten. Es sei ^gefährlich, sich auf den Weg zu begeben, den die Kammer gehen wolle. Wir gehen den Einkammersystem entgegen, ja sogar einer Dikta! ur. . Die Initiative zu dem antikonstitutionellen Feldzug ge'he nicht von den Republikanern aus, sondern sie sei zuerst von den Kommunisten empfohlen worden, die irgendeine Rede zum Vor- wand'genommen hätten. Es handle sich um die Rache für 1919. (Lebhafte Proteste auf der linken Seite des Hauses.) Kammerpräsident Pain- I e t> e erinnert denv Redner daran, daß diese Stelle seiner Rede Proteste auslöse. Ministerpräsident Marsal erklärt: Ich habe auf feinen Kollegen in der Kammer abgezielt, aber ich er» innere daran, daß die Initiative zu dieser Kampagne von Journalisten ausgeht, die einer aus- sändlschen Regierung Befriedigung gewähren wollen. Tie Erregung im Hause ist groß. Aus der Linken werde i wiederum Proteste laut, so daß der Ministerpräsident genötigt ist, dem Kammerpräsi- dentcn persönlich eine Erklärung abzugeben. Es fei niemals, so erklärte er, seine Absicht gewesen, einem Milgliede der Kammer eine Haltung zuzu- schreiben, bie es verletzen könne. Er habe nur von Zeitungsartikeln gesprochen. Rach dem Havas- bericht beendet Marsal ferne Rede, indem er erklärt, entweder werde der Ministerpräsident, der der Linken angehöre, nach der Verfassung die Mission der Kabinettsbildung aus den Händen desjenigen entgegennehmen, der für sieben Hahre zum Präsidenten der Republik gewählt wurde, dann bleibe er in seiner Rolle, oder aber die Mehrheit erreiche das gleiche praktische Ergebnis, indem sie im gewissen Sinne die Verfassung verletze. Aus der Mitte des Hauses wird verlangt, daß der Abg. Herriot das Wort ergreife. Von der Linken schreit man: „Schluß der Debatte!" Der Kammerpräsident erklärt, die Debatte könne nicht geschlossen werden, bevor die Rednerliste erschöpft sei. Es ergreift der kommunistische Abg. Renaud Jean das Wort. Er erllärte: Was man dem Präsidenten der Republik zum Vorwurf mache, feien die Handlungen, die er in der letzten Zeit begangen habe. Sie seien die logische Folge seiner polltt- schen Entwicklung. Der Redner geht alsdann des näheren auf die politische Entwicklung des Präsidenten der Republik ein und zitiert zahlreiche Stellen aus den Reden, die er gehalten hat zu der Zeit, als er noch Sozialist war. Als er von der Hinrichtung Wlllerands spricht, der man heute beiwohne, wird er von dem Kammerpräsidenten zur Ordnung gerufen Racydem der kommunistische Abgeordnete Re- naus Jean feine Rede beendet hat, ergreift noch Kolonialminister Fabry das Wort, um für den Präsidenten der Republik einzutreten. Es sei abscheulich, so erklärt er, daß dieser große Franzose von den Kommunisten beleidigt worden sei. Es sei nötig, daß Protest hiergegen erhoben werde. Hierauf erklärt Kammerpräsident P a i n - leve, daß das Haus über die von dem Kartell der Linken eingebcachte Tagesordnung ab- Äufiimmen habe, doch er aber von dem Abg. Reibel noch eine Tagesordnung erhalten habe, die folgenden Wortlaut hat: „Die Kammer, die entschlossen ist, die Bestimmungen der Artikel 2 und 6 der Verfassung vom 25. Februar 1875 zu respektieren, die eine der grundlegenden Garantien der Republik bildet, geht zur Tagesordnung über.“ Hierauf geben Vertreter der Mittelparteien und der rechtsstehenden Parteien Erklä- rungen ab, ebenso der Abg. Walter im Ramen der elsaß-lothringischen Abgeordneten, in der er gegen die Verletzung der Verfassung protestiert. Marsal stellt hierauf die Vertrauensfrage. indem er feststellt, daß keiner der Unterzeichner der Tagesordnung, über die abgestimmt werde, das Wort in der Debatte ergriffen habe. Hierauf wird in die Abstimmung eingetreten, die das obengemeldete Ergebnis hatte. Rach der Abstimmung über die Tagesordnung der Mehrheit hat diese beschlossen, den Wortlaut der heute angenommenen Tagesordnung und das Ergebnis der Abstimmung, das heißt die Ramhaftmachung der Abgeordneten, die für oder gegen die Tagesordnung gestimmt haben, int ganzen La nde zu verbreiten. Die Kammer hat sich darauf auf Mittwoch nachmittag 3 ülhr vertagt, um, wie es heißt, „eine Mitteilung der Regierung entgegenzunehmen". Die Abstimmung des Senats. Rach der Verlesung der Botschaft des Präsidenten der Republik in dem Senat teilte der Senatspräsident mit, daß von dem Senator CHeron eine Interpellation eingegangen sei, in der über die Politik der Regierung interpelliert werden soll. Die republikanische Union, die Gruppe Poincar6s, schloß sich dieser Interpellation an. Von der republikanischen Linken wurde darauf die Vertagung dieser Interpellation beantragt. Dieser Antrag wird mit 154 gegen 144 Stimmen angenommen. Die Wahl des neuen Präsidenten der Republik wird jedenfalls Freitag,13. Juni, um 1 ülhr in Versailles erfolgen. Morgen, Donnerstag, werden die Parteien der Mehrheit von Kammer und Senat eine Dorabstimmung vornehmen. Cs frage sich, ob das Kartell der Linken noch weitere Abgeordnete zu dieser Handlung h:nzu- ziehen werde. Rach dem „Ccho de Paris" sollen alle die hinzugezogen werden, die für die Afsichie- rung (öffentliche Anschlagung) der Rede des Kammerpräsidenten P a i n l e v 6 gestimmt haben. Dis jetzt sprich» man nur von der Kandidatur des Kammerpräsidenten Painleve. Tie Blätter der Mittelparteien halten aber auch die Kandidatur des Senatspräsidenten Do u- m e r g u e für möglich. Einige sprechen auch von einem Außenseiter, der vielleicht in Versailles in Erscheinung treten könnte. In Verbindung da- mit sind bereits zwei Ramen genannt worden, der Senator P a m s und Renaudel. Die Blätter des Linksblocks mehrnen jedoch an, daß der einzige Kandidat:der Mehrheitsparteien Pain - levs sein werde. Rach der Verfassung wird bis zur Installierung >des neuen Präsidenten der Republik und'die von ihm erfolgte Ernennung seines ersten Kabinetts das Ministerium Marsal die Geschäfte füh.en.,Letzteres hat übrigens nur formell seine Demission eingereicht, die tatsächliche Demission des Kabinetts kann nur dem zukünftigen Präsidenten 'übermittelt werden. Millerands Pläne. Wie der „Matin" berichtet, wird Präsident M i l l e r a n d jedenfalls mo: gen, Donnerstag da er noch keine Wohnung in Palls gefunden hat, in seine Villa in Versailles verziehen. Mil- lerand- hat jedoch auch während seiner Tätigkeit als Präsident der Republik die Räume seines Advokaten-Dureaus, das er vor seiner Wahl zum Präsidenten der Republik innegeh.ibt haste, bei» behalten. Millerand wünsche nicht unmittelbar in das politische Leben zurück- z u k e h r e n , aber ohne Zweifel werde er dem ersten Ruf der Wählerschaft folgen. Es ist bereits ja schon mitgeteilt worden, daß Millerand sich um den durch den Tod des rechtsstehmden Abgeordneten P e t i t i e r freigewordenen Sitz beworben hat. Seine Tätigkeit als Advokat wild er sofort wieder aufnehmen. Rach dem „Ma'lln" wäre es falsch, zu behaupten, daß Millerand sich zurückziehen werde. Vor Gericht und Parlament werde man ihn auch in Zukunft Wiedersehen. Alexandre Millerond. Alexandre Mille and wurde am 10 F bruar 1859 in Paris als Söhn eines keinen Kaufmanns geboren. Bei den Deputierten wählen 1885 gelangte er in die Kammer. Später wurde er in der Kammer der Letter der neuen sozialistischen Partei, der seinen Einfluß allmählich auf die gesamte Linke ausdechnte. Seine Reden wurden mit unerhörter Aufmerksamkeit hingenommen. Als dis Mumzipal-Wahlen von Paris 1895 große Erfaße für dir, Sozialisten brachten, hielt er bei dem Sieges kantest jene berühmte Rede, in der er das Programm feiner Partei mit wenigen Worten entwickelte: Erlangung der öffentlichen Macht: Vergctellschafttmg der Produktionsmittel und internationale Verständigung der Arbeiter. Einige Sag; später erteilte die Sozialisten-Liga offiziell ihre Zustimmung zu die'em Programm. Millerand wurde 1898 wiedergewählt. Im Juni übernahm er im Kabinett Waldeck-Rousseau das Handelsministerium, das er bis 1902 innehatte. Er war der erste sozialistische Minister in Frankreich Als Minister zeigte er plötzlich eine sehr große Mäßigung, so daß er sich von den extremen Sozialisten schwere Anfeindungen zuzog, die sogar seinen Ausschluß aus der Partei beantragten. Doch lehnte der sozialistische Parteikvn- gie bin Bordeaux am 14. April 1903 bei Ausschluß M s ab. Im Januar 1904 gelang es jedoch dem revolutionären Flügel der Partei, seine Ausschließung zu erzwingen. Im Juli 1909 trat dann M. als Minister für Verkehr, Post und Telegraphie in das Kabinett Driand ein, mit dem er am 2. Rovember 1910 seine Demission gab. 3m nächsten Jahr übernahm M. im Kabinett Poincare das Kriegsministerium. 1912 führte er auch den Zapfenstreich im französischen Heere wieder ein, um das Volk gegen Deutschland zu begeistern. Dis 1911 war er für eine Verständigung mit Deutschland eingetreten. Sein Versuch, den aus dem Dreyfuh-Prozeß übel beleumundeten Paty du Elam wieder im Heere anzust eilen, brachte ihn in Zwiespalt mit dem Kabinett, aus dem er am 12. Januar 1913 aus- schied. Während des Weltkrieges wurde er bann unter Viviani vom August 1914 bis Oktober 1915 ein zwettesmal Kriegsminister. Allerdings mußte ihm damals der Sozialist Albert Thomas als ülnterstaatssekretär beigegeben werden, um die Linksparteien zu beschwichtigen. Rach dem Kriege wurde er im März 1919 auf Vorschlag Cle-- mcnceaus von Poincare zum Generalkommissar von Elsah-Lothringen ernannt. Es, gelang ihm damals einigermaßen, bie Sympathien der Bevölkerung zu erhalten. Als kurz vor der 50- Iahrfeier der französischen Republik Deschanel infolge feiner Krankheit die Präsidentschaft aufgeben muhte, wurde M. am 23. September 1920 mit .695 von 892 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten der Republik gewählt. Englische Urteile über Marx' Politik. London, 10. Juni. (Wolff.) Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" fchreibt unter Hinweis daraus, daß dort der Beginn der Freilassung der R u b r gef a n g e n e n als eine weitere Rechtfertigung der Politit des Kabinetts Marx, eine Vereinbarung mit der Entente auf der Grundlage des Dawes-Berichts zu suchen, angesehen wird: In den Kreisen, die in Fühlung mit der französischen Bots cha f t stehen, verlaute, daß alle Hoffnungen auf eine endgültige Regelung des Konfliktes zwischen Deutschland und der Entente bestehen. Der Berliner Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt, die Hauptaufgabe des Kabinetts Marx sei das Zusammenwirken mit der gegenwärtigen englischen Regierung und der neuen französischen Regierung zur Vereinbarung einer Lösung des chronischen Reparationsproblems selbst. Seine bittersten politischen Gegner würden kaum wagen, dies Werk zum Scheitern zu bringen. Er habe den Mut, dies all zu versuchen, ohne eine dauerhafte Mehrheit im Reichstag hinter sich zu haben, weil die Erfahrungen der letzten Woche ihm gezeigt hätten, daß seine Hoffnungen auf Sieg berechtigt seien. Die französische Sicheryeusfrage London, 10. Juni. (Wolff.) Im zweiten Artikel des „Daily Telegraph" über das Thema: „Französische Sicherheit und der Frieden Europas" beschäftigt sich das liberale Parlamentsmitglied Fisher mit der Garantiefrage. Er schildert ausführlich wie das britische Angebot vom Jahre 1 9 2 2 in Cannes von poincare, der damals bereits an die Ruhrbesehung dachte, zu Fall gebracht wurde. Die Besetzung des Ruhrgebiets habe keineswegs zur Auflösung Deutschlands beigetragen, sondern im Gegenteil einen ausgesprochenen Einfluß in entgegengesetzter Richtung ausgeübt. Amerikas politische Tagesfragen. C l e v e l a n d (Ohio), 10. Juni. (WTD.) In der Ansprache, mit der er den republi - kanischenKonvent eröffnete, erklärte der Vorsitzende Theodor Burton, Mitglied des Kongresses, nach einer Würdigung der Leistungen der republikanischen Verwaltung u. a., es sei bedauerlich, daß bei der Beratung des neuen Einwanderungsgesetzes C o o l i d - g e s Ersuchen, sich Z e i t f ü r w e i t e r e Ve r- handlungen rnitIapan zu lassen, ab- gelehnt worden sei. Er, Burton, habe für Japan nur Gefühle der Achtung und Bewunderung. Der Ausschluß der Japaner von der Einwanderung bedeute nicht die Behauptung ihrer Minderwertigkeit. ES bestehe aber ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Völkern, besonders in ihrer Lebenshaltung, so daß die Japaner sich nicht als Arbeiter in Amerika eigneten. 3m weiteren Verlauf seiner Rede kam Burton auf das Komitee Dawes zu sprechen, das auf Veranlassung von Hughes und Coolldges zusammengetie en sei, und sag e, sobald sich die verschiedenen Rationen geeinigt hätten, werde ihnen Amerikas Hilfe ohneBeschränkung zuteil werden, und es würden ihnen Amerikas unbegrenzte Hilfsquellen für die Wiederaufbauanleihe zur Verfügung stehen. Der Ausstand in Albanien. London, 10. Juni. (WTB.) „Morning- post" zufolge sind die letzten Nachrichten, die über den Auf st and in Albanien eingetroffen sind, ungünsttg für die Regierungstruppen, die hart bedrängt würden. Einem bisher eingetroffenen Telegramm zufolge habe die südliche Nationalarmee nach einer zweitägigen Schlacht die irregulären Regierungstruppen besiegt. Ganz Südalbanien stehe, wie es heiße, auf feiten der Aufständischen. Uebereiukommeu in derJubalandfraqe. London, 10. 3unt (WB.) Reuter meldet, daß die b r i t i s ch e n und italienischen Sachverständigen, die sich mit der Frage der Ab- grenzung des Juba land es beschäftigten, ih.e Arbeiten beendet und ein Abkommen entworfen haben, in dem die Einzelheiten der neuen Grenze, die sich an die Milner-Seiasoja-Linie halten wird, festgestellt wurde. Die Vereinbarung wird binnen kurzem von den beiden Regierungen unterzeichnet werden. Durch das Abkommen erhält Italien einen bedeutenden Zuwachs an Gebiet, darunter den Hafen von Kismju, einem entwicklungsfähigen Zugang zum Hafen von Durnford. Aus Hessen. Neue Landtagsabgeordnete. Anstelle des Abg. Prof. Schi an in Gießen, der demnächst nach Schlesien über liebelt, wird Lehrer August Dollinger in Ober-Gleen Landtagsabgeordneter. Für den Abg. Oberbürgermeister Köhler- Worms wird der evang. Arbeitersekretär und Stadtverordneter Karl L a u s f e r - Darmstadt in den Landtag eintreten. Kleine politische Nachrichten. Im Gebäude des Preußischen Landtages in Berlin hat gestern abend der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei begonnen. * Dem „Vorwärts" zufolge hat der preußische Minister des Innern den „Deutschen Tag" in Siegen, der am 14. unb 15. Juni stattfinden sollte, verboten. Laut „Voss. Ztg." ist die komrnunisttsche Zeitung „DerKlassenkampf" inHalle durch Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen für die Zeit vom 10. bis 23. Juni verboten worden. * Wie das „Hamburger Fremdenblatt" meldet, kam es am Montag abenb in Wrist bei Hamburg zu einer Prügelei zwischen etwa 400 Kommun ist en, die sich auf der Rückfahrt von einem Kommunistenkongreß in Kiel befanden, und Angehörigen des Stahlhelm. Die Stahlhelmleute, die von den Kommunisten mitGummi- knüppeln geschlagen wurden, ergriffen die Flucht. Die Kommunisten verhindertem bann für den Rest der Fahrt das Einsteigen neuer Reisender in den Zug. ' Aus Stabt und Land. G ießen, den 11.Juni 1924. Die Jugendwohlfahrtspflege in Heffen. Das hessische Gesamtministerium hat dieser Tage eine Ausführungsverordnung zum Reichsgesetz für Iugendwohl- fahrt, vom 9. Juli 1922, das am 1. April in Kraft getreten ist, erlassen. Sie umfaßt 43 Paragraphen, deren wesentlichste Bestimmungen Folgendes besagen: Träger des Jugendamts ist der Bezirksfürsorgeverband. Die Verwaltung der Angelegenheiten des Jugendamts liegt in den Kreisen einer Kreiskommission, in den Städten einer städtischen Deputation ob. Diesen gehören als sttmmberech- tigte Mitglieder an: der Kreisarzt oder Stadtarzt, der Kreisschalrat (Stadtschulrat), ein im Dor- mundschaftswesen erfahrener Richter, sowie je ein Geistlicher der im Iugendamtsbezirk vertretenen staatlich anerkannten Religionsgesellschaften. Die Auswahl der übrigen Mitglieder erfolgt in den Kreisen durch den Kreisausschuß, in den Städten durch die Stadtverordnetenversammlung aus Männern und Frauen aller Berufskreise, die in der Iugendwohlfahrt erfahren sind, oder der Jugendbewegung dienen. Mindestens zwei Fünftel der Wahlmitglieder sind auf den Vorschlag der im Iugendamtsbezirk wirkenden freien Vereinigungen der Iugendwohlfahrt und der Jugendbewegung zu wählen. Mindestens ein Mitglied soll der Jugendbewegung angehören, aus ihr hervorgegangen fein, ober ihr nahe stehen. Die Wahlmitglieder müssen zu Gemeindeämtern wählbar fein, lieber die Zulassung der Vereinigungen zur Ausübung des Vorschlagsrechtes und die Zahl der von ihnen zu stellenden Vertreter entscheidet dieDezirksfürsorge- stelle. Landesjugendamt ist das Ministerium des Innern. Dieses Ministerium kann zur Beratung und Beschlußfassung über Fragen von grundsätzlicher Bedeutung einen Landesbeirat einberufen, dem Vertreter der Jugendämter, der Justiz-, Schul- und Gesundheitsbehörden, der Religionsgesellschaften, der amtlichen Kriegsbeschädigten- und Knegshinterbliebenenfürforge, der Sozialversicherung, sowie der in Hessen wirkenden freien Vereinigungen für Iugendwohlsahrt und der Jugendbewegung angehören sollen. Das Landesjugendamt führt die Aufsicht über die Jugendämter. Die den Jugendämtern bei Ausübung der Jugendfürsorge erwachsenen Kosten werden von dem Dezirksfürsorgeverband getragen. Zu den Kosten der Jugendämter leistet der Lcmdesfürsorge- verband Zuschüsse. Der Derwaltungsaufwand für örtliche Vertrauens stellen des Jugendamts ist von der Gemeinde zu tragen, in der die Vertrauens- stelle errichtet worden ist. Die Kosten der Fürsorgeerziehung unter Ausschluß der allgemeinen Derwaltungskosten fallen dem auf Grund des bürgerlichen Rechts zum Unterhalt des Minderjähri- gen Verpflichteten zur Last. Besitzt der Rllnder- jährige selbst Vermögen, so kann der pfändbare Teil in Anspruch genommen werden. Zu den Kosten der Fürsorgeerziehung gehören: a) die Kosten der Reise des Minderjährigen nach der Erziehungsort, sowie die Kosten eines Wechsels des Erziehungsortes, b) die Kosten der Ausstattung des Minderjährigen einschließlich der Ergänzung während der Dauer der Fürsorgeerziehung unb bei Entlassung aus einer Anstalt in eine Lehr- oder Dienststelle, c) die Kosten der Erziehung und Verpflegung, d) etwaige Kosten für eine angemessene Unterbringung des Minderjährigen bei der Entlassung. Gegen die Entscheidungen des Jugendamtes steht den Beteiligten das Recht der Beschwerde an den bet dem Dezirksfürsorgeverband gebildeten Deschwerdeausschuß binnen einer Frist von einem Monat zu. Ferner ist noch eine RechE§ beschwerde zulässig, über die der VerwaltungS« gerichtshof entscheidet. Gegen Entscheidungen bzß Landesjugendamtes findet nur die Rechtsbe- fchwerde an das zuständige Gericht stall. Bei der Auswahl der Familie oder Anstalt in der ein Kind untergebracht werden soll, sowie bei der Auswahl der mit der Fürsorge für ein Kind Alt 'betrauenden freiwilligen Htlsspersonen des Jugendamtes ist auf das religiöse Bekenntnis Rücksicht zu nehmen. Zur Stellung des Antrags auf Fürsorgeerziehung sind neben dem Jugendamt die Staatsanwaltschaft, die Bürgermeisterei, das Kreisfchulamt (Stadtschulamt), das Krelsgesundhettsamt, das Pfarramt, die Eltern, die Großeltern, der Vormund und der Pfleger des Minderjährigen berechtigt. Bei dem Vollzug der Fürsorgeerziehung ist der Familiener- ziehung der Vorzug zu geben. Anstaltserziehung ist anzuordnen, wenn der Minderjährige nach feiner körperlichen und geistigen Eigenart, oder der Art'und dem Grad feiner Verwahrlosung zur Unterbringung in einer Familie nicht oder nicht ohne vorherige Anstaltserziehung geeignet ist. Vor der Entscheidung hierüber ist der Kreisarzt zu hören. Die Minderjährigen dürfen nur in Familien untergebracht werden, die volle Gewähr für sittliche und religiöse Erziehung und für aus- beühende Verpflegung bieten. Die Fürsorgserzte- lhung darf nur in Anstalten tmrchgeführt werden, die von dem Landesjugendamt für geeignet erklärt find. Das Jugendamt soll für jeden, sei es in der eigenen, fei es in einer fremden Familie, unter- ig€brad>ten Minderjährigen einen Fürsorger bc- ftellen. Heber die Aufhebung der Fürsorgerrzie- hung und über den Widerruf einer unter dem Vorbehalt des Widerrufs aufgehobenen Fürsorgeerziehung entscheidet das Vormundschaftsgericht. Wer zur Zeit des Inkrafttretens dieser Der- vrdnung ein Pflegekind von 6 oder mehr Jahren in Pflege 'bat bedarf, sofern nicht die Voraussetzung des Paragraphen 21 des Reichsgesetzes für Iugendwohlfahrt vorliegen, jur Fortsetzung der Pflsge der Erlaubnis des Jugendamtes Gr 'hat die Pflegestelle binnen einem Monat dem Jugendamt schriftlich anzuzeigen. Falls binnen drei Monaten nach Eingang der Anzeige das Jugendamt nicht anders entscheidet, gilt die Erlaubnis als erteilt. *• Die schtvarz-rot-goldeneKv- karde. Der „Vorwärts" meldet: DieReichs- eisenbahnverwaltung hat angeordnet, daß ihre sämtlichen Beamten bis zum 22. Juni im Besitz der neuen schwarz-rot-goldenen Kokarde sein müssen. Die anderen Behörden, deren Beamten Uniform tragen, Steuer und Post, werden demnächst ebenfalls Bestimmungen zum Tragen der neuen Kokarde erlassen. ** Ernennungen. Durch Entschließung des Landesamts für das Bildungswesen wurden zu Studienassessoren ernannt: die Studienreferendare Dr. Walter Gottschalk zu Gießen und Dr. Heinrich Schaum zu Friedberg, beide mitWirkung vom l.April 1924. ** 3tx de n Ruhestand versetzt wurde am 6. Juni der Polizeioberwachtmeister Hermann D e n d e r zu Gießen auf sein Rachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli 1924 an. ! £ Dos seltene Fest der Diamantenen Hochzeit begehen morgen, Donnerstag. Die Eheleute Friedrich Muhl und Frau geb. Dechert, Licher Strohe 7. Das Jubelpaar, das aus Alken-Duseck gebürtig ist, steht im 84. bztv. 83. Lebensjahr und erfreut sich einer noch verhältnismäßig guten körperlichen Rüstigkeit und geistiger Frische. Herr Muhl, der seit 1887 in der Zigarrenfabrik Dock, Marburger Straße, bis vor kurzem als Zigarrenmacher beschäftigt war, ist, tote festgestellt wurde, der älteste Zigarrenmacher Deutschlands. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. RundfunkhauS, Loderstrahe: 8V2 Uhr Vorlesungen von Paul Kornfeld. — Lichtspielhaus, Dahn- Hofstrahe: „Pat und Patachon". — Palast-Lrcht- sprrle: „Die Finanzen des Grohherzogs". — Abonnementskonzerte unserer Militärkapelle. Auf der Liebigshöhe beginnen am morgigen Donnerstag abend wieder die von jeher sehr beliebten Militärkonzerte unserer Reichswehrkapelle. Die Konzerte werden bei gutem Wetter im ©arten, bei ungünstiger Witterung jm Saale gegeben. Für gute Musikfolgen will Obermusikmeister"L0 ber besorgt sein. Der Kartenverkauf findet bei Challier statt. (Siehe heutige Anzeige.) — Zweigverein vom Roten Kreuz. Donnerstag, 26. Juni, Hauptversammlung. (Siehe Heutige Anzeige.) Wettervoraussage Wolkig bis bedeckt, zeitweise auffrischende Winde, wärmer, erneute stärkere Regenfälle. Landkreis Gießen. * Holzheim, 10. Juni. Die Kreisst raheHvlzheim—Gambach ist wegen Umbaus der Fahrbahn in Holzheim bis auf weiteres gesperrt worden. i. O 6 e r 6 e f f i n g e n, 10. Juni. Das Denkmal für d i e Gefallenen unseres Ortes, das am Sonntag geweiht wurde, hat auf unserem am stillen Walde gelegenen Friedhöfe seinen würdigsten Platz gefunden. Es zeigt auf schwerem Sockel eine Säule, die ton einem wuchtigen Kreuz gekrönt ist. Die Damen von 15 Gefallenen überliefert das Ehrenmal der Mit- und Racha>elt als Zeichen leuchtender Vaterlandsliebe. Der Entwurf des Denkmals stammt von Regierungsbaumeister Schneider -Gießen, die Ausführung war dem Steinmetz Werner in Hungen übertragen worden. Kreis Schotten. * Schotten, 10. Juni. Der diesjährige P f i n g st m a r k t, verbunden mit Prämierung des Viehes, war aus allen Teilen der Provinz sehr gut besucht, wozu das prächtige Wetter beitrug. Ferkel von sechs Wochen kosteten 20 bis 25 Mk., von acht Wochen 30 bis 35 Mk., sog. „Springer" (gegen drei Monat alt) dagegen 45 bis 60 Mk. Sehr gut war das Vogelsberger Rindvieh (rote Rasse) vertreten, teilweise geradezu prächtige Exemplare. Den 1. Preis der 1. Klasse (Kühe, die drei Kälber hatten) errang Schotten, den 1. Preis der 2. Klasse (Kühe, die weniger als drei Kälber hatten) errang das Dors Wohnfeld bei Ulrichstein. — Der Verkehr der Touristen war an den Psingstfeiertagen wieder sehr lebhaft. Heute zog eine starke Gruppe des „Main-Taunus-Gaues des deutschen Handlungsgehilfen-Ver bände s" der über 50 000 Mitglieder zählt, durch unsere Stadt. Prof. Dr. Roesche n - Laubach war für die Führung durch die Stadt und für einen Dortrag über den Vogelsberg in seiner geschichtlichen und wirtschaftlichen Bedeutung gewonnen worden. Auch verschiedene hiesige Bewohner folgten mit Interesse den Ausführungen des bekannten Geschichts- und Altertumsforschers. Die geologische Bildung des Gebirges, die Dor- geschlchte der Gegend und die wichtigsten Abschnitte der Geschichte wurden eingeheird und höchst anschaulich behandelt, auch die wichtigsten Denkmäler und Bauten (Kirche, beide Burgen, Rathaus) ausführlich besprochen. lg. ©eher n, 9. Juni. Das am ersten Pfingst- feiertage hier stattgehabte Kirchenkonzert des Gesangvereins „Sängerlust" aus Frankfurt a. M. -Eschersheim unter Leitung des Staatl. Musikdirektors Ferdinand Bischof und unter Mitwirkung von Frau Meta Carl-Mieten s (Sopran) und Herrn Carl Link (Violine) aus Frankfurt a. M. bildete einen Höhepunkt im kirchenmusikalischen Leben unseres Ortes. Für den Verein war es ein voller künstlerischer Erfolg. Es wäre Vermessenheit, wollte man an die einzelnen Darbietungen des auserlesenen Programmes, aus dem nur die Damen Mozart, Beethoven, Wagner, Schubert, Kreutzer, Hummel und Lachner genannt seien, die kritische Sonde anlegen. Sämtliche Gesänge, die teilweise in rhythmischer und dynamischer Hinsicht hohe Anforderungen an die Sänger stellten, sowie auch die Solls wurden in künstlerischer Vollendung zu Gehör gebracht. Leider war das Konzert nicht so zahlreich besucht, wie man es hätte erwarten sollen, zumal der Reinertrag für die Erneuerung einiger Fenster unserer Kirche bestimmt war. Dkig einesteils der Grund "bafür in der allgemeinen Geldknappheit zu suchen fein, so ist doch andererseits nicht die Tatsache von der Hand zu weisen, daß die Gleichgültigkeit wirklich künstlerischen Veranstaltungen gegenüber in unserer Gemeinde recht groß ist. — Abends hatte der Verein die Gederner Bürgerschaft zu einem Unterhaltungsabend eingeladen, der recht gut besucht war. Auch hier erntete die wackere Sängerschar reichen Beifall für ihre hervorragenden Leistungen. Kreis Friedberg. spd. Friedberg, 10. Juni. Dach Mitteilungen der Kulturinspektion ist das Wasser der U f a und der Wetter im Bereich der Stadt Friedberg nichteinwandfrei und zum Baden ungeeignet. Hessen-Nassau. • Frankfurt a. M., 9. Juni. Unter zahlreicher Beteiligung wurde am Samstag auf dcm Festhallengelände die 6 0 Gründungsfeier des Fußart. - Reaiments Generalfeldzeugmeister »Brandenburgisch es) Dr. 3 mit einem Kommers eröffnet, bei welchem dem Regiment von vielen Seiten Glückwünsche — darunter in einem Schreiben auch die des Grohherzogs — dargebracht wurden. Die beim Reichswehr-Artillerieregiment Fulda unterhaltene Traditions - Batterie d^s ®. F. Z.-Regiments nahm an der Feier teil. Bei der am Svnn'ag abgehaltenen Tote n°G edächtnisfeier wies Pfarrer V e i d t in packenden Worten auf die Bedeutung des nationalen Gedankens und des Frontgeistes hin, woraus der letzte Kommandeur des Regiments Oberstleutnant a D. R 01h- malet einen kurzen Uebetblick über die Geschichte des Regiments gab. Dach dem Abschreiten der Aufstellung fand unter Vvrantritt der ehemaligen Regimentskapelle ein Vorbeimarsch statt. Ein gemeinschaftliches Mahl, Konzert, Tanz und Unterhaltungen mannigfacher Art hielten die Teilnehmer mit ihren Angehörigen den Tag über zusammen. Mit einem Ausflug nach der Saalburg in Begleitung der Regimentsmusik fand die Feier heute ihren Abschluß. fpd. Fran kfurt a. M., 10. Juni. Erst jetzt lassen sich die Folgen des verheerenden Unwetters, das sich am Pfingstsonntag nachmittag üb^r Groh-Frankfurt mit unerhörter Gewalt entlud, übersehen. Da- mentlich haben die westlichen Stadtteile und die hier liegenden Gartenanlagen unter den Hagelkörnern und den ungeheuren Wasserfluten schwergelitten. Weite Strecken von Kleingärten standen nach zwei Tagen noch unter Wasser, die Hagelkörner haben die zarten Pflanzen zerschlagen, die von den höher gelegenen Stellen herabschiehenden Wasserfluten ten haben die Aecker und Gärten tief verschlammt. Der Schaden ist außerordentlich groß. Vermischtes. Ein Heilserum gegen dc« Krebs. Philadelphia, 10. Juni. (Wolff.) Haras. Dem Blatte „Dorth Ame.ican" zufolge hat Dr. © l 0 v e r in Toronto City in Kanada den Krebsbazillus isoliert und ein Heilserum zusammengestellt. Das Seram, das seit zwei Jahren versuchsweise bei mehr als 200 Krebsfällen angewandt worden ist, ton denen einige hoffnungslos waren, hat in der Mehrheit der Fälle günstige Resultate ergeben; in einigen Fällen sind sämtliche Krebsshmptome verschwunden. Ein Auto gegen einen Zug. — Vier Tote. Berlin, 10. Juni. Wie der „Lokolanz." meldet, stieß gestern abend gegen 9 Uhr ein Personenauto zwischen Oranienburg und Gransee im Dorden von Berlin auf einem schrankenlosen Uebergang mit einem Kleinbahn - zug zusammen. Das Auto stürzte dabei um unM wurde von der Maschine gefaßt. Die Insassen wurden eine kurze Zeit mitgeschleppt. Vier Personen irurben getötet, drei schwer verletzt. Dom Zuge überfahren. — Vier Menschen getötet. Münster (Wests.), 9. Juni. (WTD.) Amtlich. Am 7. Juni, abends 10 53, wurde vom Per- sononcug 699 auf einem unbewachten Weg Übergang der Landstraße Dortrup — Quakenbrück em Fuhrwerk des Gutsbesitzers A s s e r - b e h l aus Bork bet Quakenbrück überfahren. Sie Ehefrau sowie zwei Kinder und ein Fräulein Becker aus Oldenburg wurden getötet. Dach der Untersuchung ist mit ziemlicher Sicherheit Verschuldung des Wagenlenkers anzunehmen. Em 13jLhriger Junge als Einbrecher und Brandstifter. Berlin, 10. Juni. Das „Verl. Tagebl." meldet aus Wittenberg: Die Stadt Schwei- n i h und ihre Umgebung wurden in den letzten Monaten von vielen großen Bränden heimgesucht. Es ist jetzt ein dreizehnjähriger Schulknabe, der Sohn eines Häuslers, der wegen einer Züchtigung aus dem elterlichen Hause entwichen war und sich in den Wäldern verborgen hielt, als der Brandstiftung verdächtig verhaftet worden. Er gestand, daß er aus Hunger Einbrüche verübte und zur Verdunkelung der Spur die be=. treffenden Häuser in Brand steckte. HochschrUnachrichLen- Die Stellung der Hochschulassistenten. Sie süddeutschen Regierungen sahen sich seit einiger Zeit veranlaßt, die teilweise veralteten Dei Ordnungen über die Stellung der Hochschulassistenten einer Reform zu unterziehen. Bayern ist mit der Angleichung an die norddeutsche Regelung, wenigstens in materieller Beziehung, toiangegangen, Baden hat vor kurzem eine neue Assistentenordnung herausgebracht, in Württemberg hat die Staatsregierung den Hochschulen den Entwurf einer neuen Ordnung totgclegt. Alle diese DeuorLnungen unterscheiden sich untereinander in Einzelheiten der Gehaltshoh; und der Kündigungsbestimmungen, in ihrer Gesamtheit aber von den norddeutschen Dorbildern dadurch, daß die Regelung wieder nicht durch formelles Gesetz erfolgt. Die süddeutschen Hochschulassistenten fühlen sich deshalb ihren norddeutschen Kollegen gegenüber zurückgelrht, weil man ihnen vorenthält, was den andern Beamten selbstverständlich ist. In Hessen liegen dieDer- hällnisse für die Hochschulassistenten amungün» ft i g ft en. Den Hochschulassistenten wird nicht nur die Schaffung einer Asfistentenordnang verweigert, sondern sie müssen mit so tiefen Gehaltssätzen beginnen, wie in keinem andern deutschen Staate. Man muß befürchten, daß diese ungünstige Stellung über kurz oder lang zweifelsohne zu schweren Schädigungen der Hochschulen führen muß, da die süddeutschen Regierungen glauben, daß sie die geringen Mehrausgaben, die ihnen durch die mehr oder minder vollständige Angleichung an die norddeutsche Regelung entstehen, durch eine Verminderung der Stellen wieder einbringen müßten, die von allen Seiten als für den Hochschulbetrieb untragbar bezeichnet wird. Die großen Hochschulländer haben diese Mehrausgaben seit längerer Zeit getragen und tragen sie noch, es muß sich a^ch im Süden ein Weg finden trotz allgemeiner Sparmaßnahmen. die unaufschiebbare Deuregelung durchzuführen ohne die Hochschulen in so schwerwiegender Weise zu schädigen oder die Last auf die schwachen Schultern der Studierenden abzu- wälzen, wie es aus den amtlichen Begründungen der hohen Hochschulgebühren hervorgeht. Büchcrftisch. — Die soeben erschienene Dummer 4133 der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag Z. I. Weber) bringt eine ganze Anzahl von interessanten Zeichnungen, so das Deuyorker Geschäftsviertel von Kurd Albrecht, Momentbilder aus dem Glaspalast in München vor der Eröffnung der Ausstellung von Otto D. Franz, amüsante Szenen, die einen Blick hinter die Kulissen einer großen Ausstellung gestatten, und eine Reihe Heiner Zeichnungen von Lotte Oldenburg- Wittig, die das Leben in Wien darstollen. Besondere Erwähnung verdient noch die Zeichnung von M. Edmondo Abbo, auf der ein Regierungswechsel in San Marino wiedergegeben ist. Eine schone farbige Zeichnung ist die „Fronleichnams- Prozession in der Kirche zu Rottenbuch in Oberbayern" von Felix Schwormstädt. — Ist eine Rekonstruktion des Abendmahls von Leonard) da Vinei möglich? — In eingehendster Weise legte der soeben verstorbene Kunst Historiker Hermann Kranichfeld seine Erfahrungen y einem Essay im Aprilheft von Velhagen u. Klafings Monatsheften ufTwyri.niM if nur nieder. Den wertvollen Ausführungen sind Mbl* reiche Studien, Gruppen- und Einzelbild-Ausschnitte beigegeben. Der Verlag hat einen Sonderdruck von dem Aufsatz hergestellt. X Am 1. Juni ist die neue Zivilprozeßordnung in Kraft getreten. Da das Gesetz leider erst am 17. Mai veröffentlicht wurde, obwohl es schon am l.Iuni in Kraft trat, ist es doppelt zu begrüßen, daß Senatspräsident beim Kammergerichl Dr. B a u m b a ch bereits jetzt (im Verlage Otto Liebmann, Berlin W 57, Verlag der Deutschen Iuristen-Zeitung, 5 Mk.) eine Taschenausgabe hat erscheinen lassen, die nicht nur das neue Gesetz in wortgetreuem Abdruck enthält; alle Aenderungen sind durch den Druck kenntlich gemacht, zu jedem Abschnitt eingehende Vorbemerkungen und zu den Paragraphen selbst für die tägliche Praxis ausreichende Kommentierungen gegeben. Auch das Einführungsgesetz zur ZPO. und die Entlastungs-DO. sind erläutert, im Anhänge das Entlastungs-, ©erichtsversassungs- und Gerichtskostengeseh sowie die Gebührenordnung für Rechtsanwälte abgedruckt. Das Buch ist auf Dünndruckpapier gedruckt und in biegsamen Ganzleinenband gebunden. — Das Buch Lulecka, die Perle in dem köstlichen Geschmeide des west-östlichen Diwan, das Bekenntnisbuch Goethescher Liebe zu Marianne, hat die Reußen-Presse (Heinrich Reinold in Gera und Leipzig) in neuer, zart emp- sundener und fein ziselierter Fassung dem Freunde schöner Bücher neu zum Geschenk gemacht (Preis 3,50 Mr.). Der Direktor des Goethe-Dational- museums, Dr. Hans Wahl hat in einleitenden Worten toll warmer Einfühlung die Entstehungsgeschichte des Buches Dargelegt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei. Verantwortung.) Zweierlei Maß. Am 1. Psingstfeiettag fand auf der Liebigshöhe eine Tagung der kommunistischen Jugend statt. In den öffentlich angeschlagenen Plakaten forderte sie auf, zu „demonstrieren für die Diktatur des Proletariats"! In geschlossenen Zügen und mit wehenden roten Fahnen und Wimpeln zog sie unter Absingen kommunistischer und staatsfeindlicher Lieder durch die Stadt zum und vom Trieb. Die Besucher der Ivhanneskirche mußten sich beim Verlassen des Gotteshauses durch derartigen Gesang und Anblick in ihrer christlichen Psingstandachtsstimmung stören lassen. Die Gießener Bürgerschaft erinnert sich noch gut der empörenden Vorgänge im letzten Jahre, als von bei Treppe der Stadtkirche aus ein roter Führer während des Gottesdienstes Reden an die vorbeiziehenden Söldlinge Moskaus hielt. Wie damals war auch diesmal nichts vom Auge des Gesetzes zu sehen. Einem Kirchenbesucher, der sich auf der Polizeiwache erkundigte, wurde geantwortet, daß die kommunistischen Umzüge erlaubt seien. Aber als am Sonntag vor Pfingsten der Verein ehemaliger 168er zur Ehrung der im Weltkrieg gefallenen Kameraden auf dem Friedhof eine Gedenkfeier hielt, wozu verschiedene vollkommen unpolitische oder zum mindesten nicht parteiisch eingestellte Vereine (wie der Jung- deutsche Orden) eingebaden worden waren, wurde von vornherein der geschlossene Anmarsch zum Friedhof und in letzter Stunde noch der geschlossene Abmarsch von dort nach dem Marktplatz verboten. Zwei Fahnenabteilungen der Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens und eines anderen vaterländischen Verbandes, die ihre Fahnen durch je 8 Mann in geschlossenen Gruppen auf den Friedhof bringen wollten, wurden schon nach 50 Schritten an der Ecke Loder- und Dismarck- straße von einem dort aufgestellten Schutzmann — es ist dort sonst fo selten einer zu sehen wie beim Vorbeimarsch von Kommunisten an Kirchen — aufgelöst und ihnen befohlen, ihre Banner einzurollen. Sie mußten sich also zur Gefallenengedenkfeier geradezu hinschleichen. Wenn der Abmarsch vom Friedhof dann doch noch nach und nach zu einem geschlossenen wurde, so mögen wohl die voranziehende Reichswehr und der Marschiakt der Regimentsmusik dazu beigetragen haken, daß der verfluchte, dem Deutschen in den Knochen liegende Militarismus ihn in geordnete Reihen zwang. Jedenfalls haben die vom Friedhof abziehenden Regiments-, vaterländischen u.to. Vereine keinen Anlaß gegeben, gegen sie wegen Gefährdung der Republik oder der öffentlichen Ordnung .einzuschreiten. Jedoch scheinen die hohen Behörden und jetzigen Machthaber im hessischen Staate bei der Erlaubniserteilung zum öffentlichen Auftreten derartiger Vereine und Verbände ganz andere Maßstäbe anzulegen, als bei den harmlosen Kindern Severings, die nur einmal zur Errichtung der Diktatur des internationalen Proletariats demonstrieren wollen, und denen man dieses unschuldige Vergnügen bereitwilligst gestattet. Der Großmeister der Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens: Schmidt. 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Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Trais-Horloff, den 11. Juni 1924. Bürgermeisterei Trais-Horloff. 2e, Machen Dölsenge rot, noch auch ani Zmimmn Wen Mm Roten Kreuz Die Haupt-Versnmnilung soll Donnerstag, den 26. Juni l. I., nachm.öViUbr, tm Landgerichtsgebäudc, Zimmer Nr. 52 (2. Stock rechts) stattfinden, wozu die Vereinsmitglieder hiermit etn- geladen werden. TageSordn.: Geschäfis- bericht,Rechnung8ablage, Neue Satzungen des Hess. Landesvereins v.R.Kr., Jahres, beitrag, Vorstandswahl 4798V Giehen, 10. Juni 1924. _________Der 2 orsitzende. Wiener. Ar Weber gjinsüg kanisch Aerichl rückgär Amiur Freiwillige Versteigerung Donnerstag, den 12. Juni 1924, nachmittags 4 Uhr, werden meistbietend Am 5. Juni entschlief sanft unser lieber Bruder, Schwager und Vetter Herr Wilhelm Seipp II Die Beerdigung fand in aller Stille statt. , Die letzte Ernte feiner örrenttabaLr »st qualitntiD setzr gut ausgefallen. Durch Misere eigene, schon seit vielen ^cchreobesteh ende (Em£cntf5"0r9anifxitirm im Orient haben rotruns große Mengen der besten Lagen» #nJ)croovra9enderSorticrung^e|id)8rtfi Unser alter Grundsatz: »tlur gefunde, hefte und ISIyO s 2bisw oB Vst unb nicht zu fläche le mer, bk in nächst zu ich dnbünj AtzAc abnchm Sis 6p Mi bet 0(1 stavan . . . Rio de Ian. 1,685 1,675 1,665 1,675 0,425 0,436 6,06 0,425 (,435 volllvoll Belgrad . . 6,04 4,99 5,01 vollcholl Lissabon . 11,97 12,03 11,97 12,03 volllvoll Berkin, 10. Juni Geld Briet Revarr. °/a Amerikanische Noten..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ Französische Noten...... 4,19 17,95 70,17 17,99 20,95 155,86 13,05 56,1 5,94 1,74 110,41 73,22 66,76 12,12 4, 9 4,21 18,95 70,53 18,03 21.05 166,54 18,1 • 56,44 5,83 l,76 110,97 73,68 5f,0< 12,18 4,31 voll roll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch üestcrr ,2100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Märkte. Berliner Produktenbörse Berlin, 10. Juni. (Wolfs.) Am Pt?duklen- markt fehlte es wie bisher nahezu vollständig an Hnlernehmungslust. Das Geschäft in Weizen liegt unverändert still, da der Mehlabsah geringfügig und das Mehlgeschäft bei diesen Serijällniifen unlohnend bleibt. Für Roggen bestand wohl einige Nachfrage, doch waren die Forderungen meist zu hoch. Für Hafer wurden die knapp an- gebotenen guten Qualitäten für den laufenden Berliner Bedarf aufgenommen. Es wurden n fiert für je 1000 Kilo: Weizen märk. 147 bis 150 (rfthig). Roggen märk. 128 bis 134 (befestigt), Braugerste 148 bis 154 (schwächer), Futtergerste 140" bis 147 (schwächer), Hafer märt. 126 bis 133 (still), Aaps 250 (ruhig): für je 100 Kilo: Weizenmehl 21,50 bis 24 (kaum befestigt), Roggenmehl 19 bis 21,25 (ruhig), Weizenkleie 9,10 bis 9,40 (stetig), Roggenkleie 8,60 bis 8,70, Diktvriaerbsen 18 bis 20, kleine Erbsen 14 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 10,50 bis 11, Ackerbvhnen 13 bis 14, Wicken 1.0,50 bis 12, Lupinen blau 9,50 bis 10, Sera della alt 13 bis 13,50, neu 11 bis 13, Rapskuchen 9 bis 9,20. Leinkuchen 17, Trockenschnitzel 6,40 bis 6,60, Kartoffelstöcken 16,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurta. M, 10. Juni. Am h utigen Produktenmarkte war die Stimmung sehr still bei ganz kleinem Geschäft, da nut sehr wenige Händler anwesend waren. — Es wurde fast nich.s umgesetzt, doch zeigte es sich, dah sich die kleine Nachfrage in der Hauptsache auf Mehl und Weizen beschränkte. Die genannten Preise sind als vollkommen unverändert, höchstens für Weizen als etwas fester zu bezeichnen. Es nv'ierlen je 100 Kilo: Weizen (Wetlerau) 16,25 bis 16 50, Roggen 14,75 bis 15, Braugerste 16 bis 16,53, Haf.r (inländ.) 14,75 bis 15,25, We zenmehl südd. Spezial 0 26,25 bis 28, Roggenmehl 22,5 bis 23, Weizen- und Roggenkleie 8,75 bis 9,50. Frankfurter Schlacht^iehmarkt. fpd. F r a n k f u r t a. M. 10. (Juni. Auftrieb: 287 Ochsen, 78 Bullen, 989 Färsen und Kühe, 259 Kälber, 47 Schafe und 2869 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vol fl. 46 big' 52, junge fleischige 33 bis 45, mäßig genähte junge und gut genährte ältere 30 bis 37: Du l len: vollfl. ausgemästete 35 bis 40, vollfl. jüngere 28 bis 34; Färsen u. Kühe: vollfl. Färsen 45 bis 50. vollfl. Kühe 43 bis 45 wenig gut entwickelte Färsen 36 bis 4'4, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 32 bis 38, mäßig genährte Kühe und Färsen 25 bis 32, gering genährte Kühe und und Färsen 10 bis 20; Kälber: feinster Qualität 56 bis 62, mittlerer Qual. 50 bis 55, geringerer Qual. 38 bis 48; Schweine: unter 80 Kilo 40 bis 48 von 80 bis 100 Kilo 48 bis 50, über 100 Kilo 48 'bis 50 Mark. Der Handel vollzog sich langsam. Schweine hinterließen größeren Heberstand. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Ein anderer Wind aus dem Westen? London, 10. Juni (WB.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Teleg aph" meldet- ergänzend zu seinem gestrigen Bericht über die Punkte des Hebereinkommens zwischen den Vertretern der englischen Arbeiter und dem französischen Block der Lin - k e n. Beide Gruppen seien bestrebt, die in Deutschland vorhandenen demvkratiich.n Elemente zu ermutigen. Zu diesem Zwecke sei eine sofortige Amnestie für die deutschen politischeift Gefangenen und die Freilassung der deutschen Geiseln in den besetzten Gebieten in Aussicht genomm n. Den zunehmenden Requisitionen von offen • liehen und privaten Gebäuden durch die 'Besatzungsbehörden für militärische Zwecke und dem Bau neuer Kasernen and Paradeplähe müsse ein Ende gemacht werden. Man stimme auch darüber überein, daß der Dawesplan die Beseitigung der Micumver träge bedeuten würde. Die Art, in der der Weltge- r i ch t s h 0 f in Zukunft von .den Alliierten für die Friedensregelung verwandt werden soll, sei ein technisches Problem das sorgfältige Prüfung erfordere, bevor es endgültig gelöst Weeden könne. Die Spannung zwischen Japan und Amerika. London, 10. Juni (WTD.) Die „Westminster Gazette" berichtet aus Washington, daß dle amerikanische Antwortausden japanischen P rote st wegen der amerikanischen Elnwanderungsmaßnahnen unmittelbar bevorstehe. Man erwartet, daß das Staatsdepartement endgültig der Meinung Ausdruck geben werde, haß die bestehenden Vertrags- Verpflichtungen n^cht verletzt worden sind. Die Antwort werde in freundschaftlichstem Tone gehalten werden. Das Staatsdepartement erhielt von der amerikanischen Botschaft in Tokio die Nachricht, daß Japan den Gentleman-Vertrag, d. h. die freiwillige Ernschräntung der Ernwanderung, einzu halten beabsichtige, solange das amerikanische Einwanderungsverbotsgesetz noch nicht in Kraft sei. Reuter meldet aus Tokio: Die b-ieigen tinematographischen Gesellschaften haben gestern den Boykottgegen dieameritanis ch e n Filme beschlossen und ihre Kollegen in ganz Japan aufgefordert, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Geschäftliches. Süße Speisen von Rhabarber. Rhabarbergrieß. 2 Pfd. Rhabarberstiele werden geschält, in kleine Würfel geschnitren und mtt P/2 Liter Wasser, einem Stückchen Zimt und Zitronenschale zum Kochen aufgesetzt. Nach 10 Minuten langem Kochen schüttet man unter ständigem Rühren auch 100 Gr. groben Grieß hinzu. Sobald derselbe gar geworden ist, tut man 3 Eßlöffel Zucker und 1 Prise Salz hinzu und schmeckt den Grieß mit Süßstosflöfung ab. Zuletzt rührt man noch 6—8 Blatt ausgelöste rote Gelatine hinzu. Die Speise wird in von Wasser umspülte Schalen gegossen und nach dem Erstarren gestürzt. Es wird ein Vanillenbeiguh dazu gereicht. FABRIK KESSLER & CO. GELNHAUSEN „Wer ist denn die Mode? Wie heißt sie denn mit Vornamen?" „Die Mode ist gar keine Person, Bübchen. Die Mode ist... Also, verstehst du, wenn viele Menschen, die Geschmack haben, — das ist Freude an etwas Hübschem — wenn die Übereinkommen, jetzt werden wir so einen Hut tragen oder so ein Beinkleid — dann nennt man das Mode." „Das Beinkleid nennt man so? Ich dachte, das heißt „Hose"?" „Nein, nicht das Beinkleid — oder doch das nicht allein. Alles, was man anziehen kann, alles — zum Beispiel..." „Ich weiß schon, Papa — Windelhöschen und Nabelbindchen, wie sie unser Peterchen..." „Nun, auf Windelhöschen erstreckt sich die Mode nicht gerade. Aber paß' mal auf, Bübchen — du hast doch sicher Mamas neues Kleid gesehen, nicht wahr-? Nun, das ist doch ein wenig anders, als das alte." „Welches alte? Meinst du das gelbe Sommerkleid? Das ist doch überhaupt nicht mehr. Da bekommt Evchen doch Spielhöschen davon." „So? Nein anders, meinte ich, als alle andern Kleider, die sie hat. Der Rock ist doch wieder etwas länger geworden..." „Wer macht denn den länger?" „Natürlich die Schneiderin." „Ach so, das ist das Fräulein, das immer Stecknadeln im Mund hat und um die Mutti herumkniet — die macht die Röcke länger? Hnd woher sind sie denn vorher kürzer geworden und warum denn?" „Das war eben die Mode, Bübchen." »Ach, jetzt weiß ich, — die Mode macht alles kürzer, und das Fräulein Eisenhut macht alles wieder länger.“ „Nein, das Fräulein Eisenhut tut nur, was die Mode vorschreibt. Das müssen wir alle tun, auch wenn wir es nicht gern tun." „Ach? Hnd die Mode schreibt vor, daß das Fräulein Eisenhut Stecknadeln in den Mund nimmt, wenn sie um die Mutti herumkniet? Warum nimmst du denn keine Stecknadeln in den Mund, Papa?" „O Gott, 0 Gott! Die Stecknadeln, Bübchen, dienen doch nur dazu, etwas festzustecken." „So? Die Mutti sagt aber, nur unordentliche Menschen stecken alles mit Nadeln!" „Da hat die gute Mutti, wie immer, recht. Aber sie meint das fertige Kleid. .." „Warum sagt sie denn „alles", wenn sie bloß das fertige Kleid meint? Hnd warum steckt denn Fräulein Eisenhut das Kleid nun wieder länger, wo du doch gesagt hast —“ „Was hab' ich gesagt?" „Du hast gesagt, die Menschen, die Freude an was Hübschem haben und die einen GSchmack haben —" „Das ist dasselbe." „Na, die dasselbe haben, die kommen überein: jetzt werden wir so ein Kleid tragen." „Nun ja, so ist es doch." „So? Aber sie sind doch früher anders über= eingetommen. Haben sie denn da noch keine Freude an was Hübschem gehabt?" „Doch, gewiß. Aber siehst du, wenn man etwas schon längere Zeit gehabt hat, und es wird älter und unansehnlicher, dann scheint es einem nicht mehr so hübsch —“ „Ach, ich weih. Dann wirft man's weg, tote der Betrunkene neulich auf der Straße feinen Hut." „Wegwerfen? Aber nein, das tut man nicht. Oder doch nur, wenn einer sich betrunken hat, tut er das. Hnd wir betrinken uns doch nicht." „Nein. Aber was machen wir denn mit den Sachen, die wo nicht mehr so hübsch scheinen und die älter und unansehnlicher geworden sind?" „Nun, die hängen wir in den Schrank oder wir verschenken sie." „Ist der Onkel Hugo auch beri den Leuten, Papa, die einen Geschmack haben, und die —“ „Aber natürlich. Onkel Hugo hat sogar viel Geschmack. Er ist — aber das verstehst du erst später — er ist sogar ein Aesthet." „Warum verschenkt der Onkel Hugo denn die Tante Ida nicht?" „Was redest du da für dummes Zeug, Junge!?!" „Aber die Tante Ida ist doch älter und unansehnlicher." Was sind das für Albernheiten!" „Hnd gefallen tut sie dem Onkel Hugo doch auch nicht mehr. Das hat er neulich selber zu Mutti gesagt." „Junge, sprich doch nicht so'n Husinn!" ..Aber das weih ich. Papa, wenn dir mal die Mutti nicht mehr so hübsch scheint, daun kannst du sie ruhig dem Onkel Hugo schenken. Die gefällt ihm!" „Sooo!? Hat er ihr das etwa auch gesagt?" „Nein. Aber wenn er sie ansieht, weiht du, dann macht er immer so ein Gesicht genau wie du, Papa, wenns dick? Erbsensuppe gibt, die, wo du so arg gern ifctF Die Bantiger. Roman von Hermann Stegemann. 24 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Da kam am Abend daraus der Befehl zum Abbruch des Strecks. Bantiger hatte unter Aufopferung seiner persönlichen Interesse.! die Wiederaufnahme der Arbeit erzwungen. Aber der kalte Herbslregen, der, vom Wind getrieben, über den Wolfenberg flog und in gurgelnden Bächen von der Flanke des Gebirges rann, machte die Arbeit zu schwerer Fron. Der Regen hielt an. „Es ist Zeit, bah ihr nach Runs zurückkehrt," sagte Lenz zwei Lage später nach dem Abende!sen. „Ich möchte lieber hierbleiben,"> erwiderte Ens ruhig, während Yvonne dankbar nickte. Lenz lächelte nicht. Er hörte aus dem Ton ihrer Stimme, dah sie nicht an Pometta dachte. „Der Vater kommt morgen für drei Tage hierher," entgegnete er einlen.end. „Er will dabei sein, wenn wir die grohe Ausschachtung mit Eisenblerrden auskleiden. Pometta ist schon lange im harten Gestein, wir machen wieder normale Fortschritte und die Rordmannschaft ist sogar weit im Dorsprung, aber vom Eidenmoos druckt es doch stärker, als ich dachte. Dicht dahinter ist eine ganze Quetschschicht in Bewegung gekommen." Er zerdrückte seine Zigarre, während er sprach, schien aber sonst ganz ruhig. Als der Baumeister etntraf, hatte er nur Sinn für den Dau. Er fuhr mit in den Tunnel und kroch mit Pomettas Mineuren bis' zu den Bohrmaschinen. Sein Lederzeug triefte, das Wasser sackte ihm in die Schuhe, aber nichts focht ihn an. Er war wieder der harte, Eifer und Schwertz heischende Herr und griff selbst zu, als ein übervoll mit nassen Gesteinsbrocken beladener Karren umstürzte und die Gleise verschüttete. „Das bihchen Wasser," lachte er verächtlich, als es ihm breiig über die Fühe quoll. „Mir reicht's bjs zum Kinnl" Er machte kein Hehl daraus, dah ihn die Beilegung des Streiks viel gekostet hatte, aber er forderte keine Teilnahme und trug die Last mit dem Dewuhtsein, dah er nicht anders handeln konnte. Er war seiner so sicher wie je, und diese Sicherheit übertrug sich auf alle, die mit ihm waren. Lenz hatte einen Brief Jörgs erhalten, dem er von den schwierigen Tunnelarbeiten und der wachsenden Verantwortung erzählt hatte. Er fand keine Zeit, die lange Epistel des Bruders mit Andacht zu lesen. Jörg sah noch am Ragne- fjord, hatte indes das Malen in neckerwachter Selbsterkenntnis wiederum aufgegeben und schien wieder einmal mit der Welt fertig und mit sich selbst zu Ende zu sein. „Wenn ich ein Achter wäre, was ich auch nicht bin, schrieb' ich ein Heldenlied. Drüben, über dem Fjord, liegen die verwitterten, vom Feuer zerfressenen und vom Schwamm überquol- lenen Trümmer eines alten Hofes. Aber ein Stück Weg ist abgestürzt und der Berg hängt vornüber. Ich seh ihn in der Spiegelung des WasserS bis in die kleinste Falte. Man kann nicht mehr hingelangen. „Ich möchte hin. „Die Brandstätte lockt mich. Ein Köhler hat mir erzählt, dah sie von einem Hof herrühre, der erstürmt und verbrannt worden sei, weil der Hofherr die Kleinhvfner geschunden habe. Er fei mit seiner Tochter darin geblieben, und das Mädchen habe keine Gnade genommen, sondern sei freiwillig mit ihm gestorben. Das ist ein Stoff, aber mein Dichten ist matt wie meine Farben, und ich hab' keine Phantasie. „Das Mädchen ist die Ens, so schlecht arbeitet meine Einbildungskraft. Oder ist's Sehnsucht, Heimweh — ich könnte mir denken, dah ich am Rande hinginge, bis der Fjord zu mir heraufgreift und ich in seinem grünen Wasser kühle Ruhe fände. Du kennst diese Stimmung aus alren Briefen, aber der Weg lockt mich, und ich glaube, die Ens bliebe auch mit ihm im Balkenhaus. Er lag schon von einem Beil tödlich getroffen, da stand sie noch auf der Schwelle und scheuchte die Bedränger, indem sie rief: „Er lebt noch, ihr könnt ihn nicht fällen!" Da legten sie Feuer an die Vorhalle und verbrannten die Lebendige mit dem Toten." Lorenz Bantiger hatte nur diese novellistische Episode in sich aufgenommen und ertappte sich dabei, dah auch er den beiden, die da trotzig zugrunde gegangen waren, die Gestalt des Vaters und die Züge seiner Schwester lieh. Er zeigte Ens den Brief nicht, und das Schreiben geriet rasch in Vergessenheit, denn der Kampf mit dem Berg litt keine Beschäftigung mit airderen Dingen. Es ging vorwärts. Am dritten Tag dachte der Baumeister an die Abreise. Yvonne begann zu packen. Ens blieb still und verschlossen, aber ihr Auge hing an dem Dater und mied Pometta. Die Fahrt und der Kuh schienen aus ihrem Gedächtnis gelöscht, und Giovanni wagte nicht, sie Daran zu erinnern, um den Bann mcyr zu vr«yen. „Wir fahren evst gegen Abend," sagte der Baumeister, als er aus dem Bureau tarn und sie zu Tische gingen. Sie waren allein. Lorenz war mit der zto?ii«n Schicht einge» fahren. Es war ein klarer, kalter Tag. Im Kamin brannte ein Wurzelklotz. Als sie sich setzten, wurde der Baumeister noch einmal ans Werktelephott gerufen. Er kam nicht wieder. Rach einer Weile stand Ens auf und ging nach ihm fragen. Sie fand ihn nicht. Sie streb aus älnruhe und ausweichende Antworten. Er fei zu den Maschinen, nein, itV weih im Gesicht. Einen Augenblick stand sie regungslos, keiner Bewegung fähig, dann stürzte sie hinaus. Sie fragte nicht, sie wußte, dah etwas geschehen war, sie tfU den Ledermantel an sich der schon zur Fahrt. bereit lag, und eilte hinnnter. Der Zweisitzer des Arztes schob über den Hof, als sie die 'Sprtreppe hinabflog. Sie winkte, und ihre Erscheinung wirkte so Gehorsam heischend, dah der Wagen hielt. Run flieg sie ein, setzte sich ttdfen den Arzt, der vergebens Lur Umkehr mahnte, und fuhr mit ihm zu Tal. (Fortsetzung felgt) kräftigt und belebt Körper und Geist, schafft neues gesundes Blut, hebt den Appetit, wird von jung und alt gern genommen. Preis Mk; -3:— Galenus Chemische Industrie, Frankfurt a. Main. Wer seine Finanzen noch in Sicherheit bringen will und für sein Geld mal was Gutes sehen will, der besuche heute und morgen noch: iii Finanzen ta in den 4814c Palast - Lichtspielen, Lindenplatz. 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Lda. während unserer Dienststunden zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schriftlich oder mündlich zu Protokoll vorgebracht werden. (Es Ht die Erhebung von Umlagen be- schlossen, zu denen auch die Ausmärker herangezogen werden. Allendorf a. d. Lda., den 10. Juni 1924. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. Rein. 47980 Lebende Buddhas kommt??? oiiiiiiiiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiiiiii WflffienaUetW liefert In jeder gewünschten Aurstattung preiswert di« BrShl-scheUntverfititts. Druckerei. Ä. Lange. flllllllllllillillimillllllHIHll ■J Die rührende, dem wirklichen Leben entnommene Handlung bringt auch in den härtesten Zuschauern Gefühlssaiten zum Tönen, jene Saite, die vielleicht seit ihrer Jugend nicht mehr erklungen war. Die Freuden und Leiden der Mutter, einer der Millionen Mütter, die in der ganzen Welt das gleiche Schicksal haben, sind hier mit unvergeßlicher Treue und Realistik gestaltet. Mary Carr erweist sich als eine Künstlerin, die das Herz jedes einzelnen gewinnen muß, denn was wir in ihrer Leistung sehen, ist nicht einfach eine vorzügliche Schauspielerin, sondern eine echte Mutter, das treue Mütterchen, dessen wir uns so gerne erinnern, und das uns allen so nahe steht. Nm eines ist an diesem Film bedauerlich; die Tatsache, daß ein so gemütvolles und erzieherisch wirkendes Glanzwerk, das ein Denkmal fürdieechte deutsche Mutter sein könnte, nicht deutschem Geist entsprossen ist, sondern aus Amerika kommen mußte. Der Film hat in Amerika den bisher größten Erfolg erzielt, den je ein Film aufzuweisen hatte. Darum rufen wir alle auf, die gehen und sehen können, Frauen, Männer und Kinder: Kommt zu uns. Sichern Sie sich einen guten Sitzplatz. Erzählen Sie Ihren Nachbarn, was Sie gesehen haben; dieselben werden Ihnen für die Empfehlung dankbar sein. Täglich drei Vorstellungen, 4.00 Uhr, 6.00 Uhr und 8.15 Uhr. Jugendliche haben nachmittags ermäßigten Eintritt Ab morgen: MM« Bahnhofstraße. 4806c Lichtspielhaus Heute letzter Taff: Pat und Patachon Astoria-Lichtspiele --------- Seltersweg - Ab Donnerstag: AusdenGeheimnissenderFürstenhöfe Dr. Oskar Kühn Sofie Kühn geb. Hettler Vermählte Butzbach Gießen 11. Juni 1924 ........................................................ .........IUI.........HUI....... Renate | Unser Klaus hat ein S ch w e st e r ch e n bekommen Dr. Walter Huch und Frau Claire geb. Schwarz I. I. Kathol. Schwesternhaus ~ «leichstrahe 8 I ...................................................... Liebigshöhe Donnerstag, den 12. Junie abends 8 Uhr I.Abonnemeots-Konzert der* Reichswehrkapelle. । । ■■■ -—TT- ■ ! 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