Er. 265 Erstes Erscheint täglich, auher Somu und Feiertag«. Beilagen: GiebenerFonulienblätter Heimat im BUd. monatsiBejigspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anfchlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undGeschäftsstellebl. Anschrift für Drahtnach- richtens Anzei-er^ietzeir. Postscheckkonto: Kraatfutt a. M. 11686. Blatt K4. Jahrgang Momag, fv. November (924 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und vrrlag: vrLHI'Ichr Un>v«iHtS Haupt halten fami, er braucht abrr e ne solche Kraftprobe nicht nur, um zu zeigen, dah es ihn mit seinen Sanierungsbeinühu gen ernst ist, so - dern auch, um den Nachweis zu erbring n> doh ein anderer als er, mag es nun ein De.rm.en-- Ministerium sein oder mag es der ehemalige Finanzminister sein, der sich auf den österreichische r Dr. Wirth lcknausspielt und ein rrrues Bündnis mit den Sozialdemokvaen schlie ei möchte, die rollende Kugel nicht auf halten kann. Unb das ist der eigentliche Anlah. der diesem Österreich schen Streik ein europäisches Deftcht gibt. Von Deutschland her ist stets behauptet worden, dah die Gründung dieses österreichischen Rumpfstaates eine Unmöglichkeit sei, weil ihm alle Voraussetzungen zum selbständigen Leben fehlen. Die Herren in Paris und London wollten das nicht zugchen, sie haben deshalb grohe Geldmittel zur Verlügung gestellt, um die Sanierung trotzdem durch^rdrücren, ohne zu begreifen, dah ein Stück Land nicht beliebig ans seinem wirtschaft! chen Zu'am nenhang heran s g e r i s s e n ux? den i?.n t, o ider >. se ne wirt- schastlichrn Kanäle zu dem Äachüarstaate behalten muh. 'Die letzten zwei 3ahre haben ihnen scheinbar Recht gegeben; aber doch nicht endgültig. Der österreichische Staat ist allzu hoch bepackt mit Lüsten auch von der Seite des Deamten- abbaus her, als dah er nicht früher oder später iufamia.mbnedjen mühte. Man wird ihm wahrscheinlich noch einmal helfen, wird vielleicht die Zügel der Finanzkontrolle etwas lockerer lassen urrd dadurch fein: Lei-msdauer verlängern, aber eine wi:cksch^tftltche Mi'g^urt blecht er trotzdem und Ruhe kann in M.t;oleuropa erst eintreten, Denn die natürlichen Lebensbedin- Zungen dieses Staates, die nach Deutschland Hinweisen, nicht mehr unterbunden sind. Das ist die eine Ruhanwendung, die wir, und hoffentlich auch Europa, ans bem österreicyi- ichm Streik ziehen müssen. Die andere aber ist diese: auch in der deutschen Cisenbahner- ' ch a f t ist unverkennbar eine starke Aeigung kvm Streik vo-,Hunden. Wir bestreiten nicht, rop die Lage der Eisenbahner keineswegs beneidenswert ist, wir bestreiten aber, dah sie Purch einen Streik verbessert werden kann. Helfen kann nur die äuherste Anstrengung aller Kräfte, denn wir haben keine Aussicht, die Lasten des Versailler Vertrages von unseren Schultern abzuwerfen. Deshalb muh rechtzeitig Vorsorge getroffen werden, dah die Wellen d.eses österreichischen Streiks, mag er nun vorübergehend erfolgreich sein oder zusammenbrechen, nicht zu uns herüberschlagen, denn die Konsequenzen wären bei uns ungleich verheerender, Erklärungen des Bundeskanzlers. Wien, 10. Rov. (SU.) Aus Regierungskreisen wird uns folgendes Bild von der politischen Krise gegeben: 3n allen politischen Kreisen ist heute in der Beurteilung der Lage eine wesentliche Beruhigung eingetreten. 3n der Pressekonferenz erklärte der Bundeskanzler Dr. Seipel: Die Demission der Regierung sei als durchaus e r n st aufzufassen. Der Bundeskanzler betonte nachdrücklich, dah sich die Leitung der Bundesbahnen einzig und allein von wirtschaftlichen Bedürfnissen bed Unternehmens habe leiten lassen, und dah eine Einfluh» nähme ber Regierung in ber einen oder anderen Richtung keineswegs erfolgte. Die Sanierung ber Bundesbahnen sei ein so wichtiger Bestandteil des Gesamtsanierungsplanes, dah die Regierung nicht im Amte bleiben konnte, sobald der Präsident Günther die weitere Verantwortung für die Vollendung der Organisation nicht mehr tragen zu können erklärte. Es handelt sich im übrigen gar nicht um den Streik der Eisenbahner allein. Es bestehe der Eindruck, dah gewisse mächtige Gruppen von öffentlichen Angestellten, trotz der Er, fahrungen der letzten 3ahre, nicht gelernt haben, die Angelegenheiten der Allgemeinheit und ihre eigenen auseinander zu halten. Die ganze Sanierung beruhe aber auf unzähligen Opfern der Gefamtbevölkerung. — Der Finanzminister Kienboeck führte aus, dah das nach langen Verhandlungen mit dem Dölkerbuno ausgestellte Rormalbudget ins Wanken geraten wäre, wenn die Bundesbahnen mit der Forderung erneuter Zuschüsse an die Bundesverwaltung herantreten würden Das Personal und die gesamte Oeffentlichkeit müssen bebenten, dah die Frage wieder aufsteigen könnte, ob die Bundesbahnen auch weiterhin, staatlicher Besitz bleiben föimtcn. Diese Erklärung d s D.indes! nckers und der Finanzminister haben h.nreichend Aufschlüsse über die Beweggründe der Demission gegeben und vor allem dazu beigetragen, die in der Oes entlich- keit aufgetauchte Meinung zu zerstreuen, als sei der Streik für die Regierung gewissetwnhet nur Der neue Landtag in Anhalt. Dessau, 10. Rov. (TU.) Das Gesamter- gebnis der anhaltischen Landtagswahlen ist bis auf einen ländlichen Ort folgendes: Sozialdemokraten 78 449 (bei der letzten Wahl 64 935), Demokraten 13991 (6187), Kommunisten 11 217 (16 709), Zentrum 2406 (2009), Völkische 7942 (7989), Dodenre- formet 3207 (3005), Dolksgemeinfchast 74 482 (74 514). Rach dem bisherigen Wahlergebnis haben an Mandaten im neuen Landtag bekommen: Volksgemeinschaft 14 (bisher 15), Sozialdemokraten 15 (13), Demokraten 3 (1), Kommunisten 2 (4), Zentrum 0 (0), Dationalfozialisten 1 (2), Dodenrcformer 1 (1). Die WqMchlacht in Anhalt ist geschlagen. Als Ueberrrfte des Ringens um die Gunst der Wähler bedecken grohe Menge i weihen Papie.s die Strahen, g?.nz besonders Lte der Lan^eshauoi- fhabt. Der K . mp f wurde diesmal nach amerikanischem Mu st er geführt. Die Demokraten liehen 'ei- Freitag La tautos mit Transparenten durch die Strahen sahnen, auf derer f e der Menge ihren Wahlaufruf bekannt machten. Dir Deutsche Dolkspartei schickte schwarz- weih-rote, mit den anhaltische r Färbet trapier e Autos durch die S rahen von De au Vor Heroldstrompeten tourten Wär che gebla en Soweit bisher b .-farmt ist, find die Wchlen im garten Lande ruh g verlauf 'n. 3n De sau wurde der Wahl'al durch Wecken der Reichs danne faw lle eirg.'Litrt. Di: f zraldemokrali'cke i H usbe'itzer fxtf.en schon in den frühen M'r^tiui er in d n Reichsfarben gefl ggt. Dir Wahlb teili^ung war auherordentlich groh. DievolksparteilicheKandidaten- lifte für Hessen-Nassau. Giehen, 10. Rov. (Wolff.) Auf dem Wahl» kreisvertreteickag ber Deutschen Dolkspartei für Hessen-Rass au wurden folgende Kandidatenlisten für die Reichs- und Land:agswahlen aufgestellt: Reichstagswahlliste: 1. Direktor Dr.Wilhelm F. Kalle- Frankiurt a M, 2. Reichsland- bundvorf itzer.der Landwirt Hepp- Seelbach. 3. Oberstudienrat Dr. Decker- Kassel. 4. Lokomotivführer Theodor Seibert- F^xinkfurt a. M., 5. Larckrwirt und Bürgerin rrster Günther- Wüst- willenroth (Vogelsberg), 6. Schrrftstellerin Frl. Minna Rrebour - Frankfurt a M, 7. Angestellter Leydhecker -Haigrr, 8. Taveziermeister Saal-Hersfeld, 9. Prof. Dr. Steinhousen, ein Vorwand gewesen, um anderen Schwierigkeiten auS dem Wege zu gehen. Anderseits ist aber aus den Mitteilungen deS Bundeskanzlers ersichtlich, dah ihm ernstlich daran gelegen ist, die Voraussetzungen für die Sicherung des Sanierungswerks zu schaffen und dah er im Rahmen des Genfer Uebc re in kommens de Sanierung Oesterreichs für unbedingt erreichbar und notwendig hält. Um diese sicherzustellen, hat Dr. Seipel die Demission des Kabinetts einqe.eicht und alle moralischen und politischen Kräfte auf den Plan gerufen. Diel bemerkt wurde, dah Dr. Seipel ausdrücklich bestätigte, er glaube nicht an eine lange Dauer des Streiks. Man glaubt daraus schließen zu können, dah Dr. Seip l im Besitze entsprechender Informationen ist. Die Christlichsoziale Partei erklärte, dah sie wie ein Mann hinter de in Bundeskanzler steht und auch die Grohdeutfche Dolts- partei ist ber Anficht, dah von einem Bruch der Koalition keine Rede sein kann. Die Streiklage. Wien, 10. Rov. (TU.) Die Bahnhöfe waren gestern noch verödeter als vorgestern, da keine Arbeiterzuge verkehrten. Der Streik nimmt vorläufig einen ruhigen Verlauf. Die S11 a - henbahn hatte gestern einen Massenverkehr zu bewältigen. Auch Autos wurden stark bean- sfrucht und vielfach von Fremden zu Fahrten nach Lundenburg und Prehburg benutzt, um dort den Anschluss an die tschechischen Bahnen zu erreichen. Die Streikleitung hat zugestanden, dah die Auslandpost mit Kraftwagen nach und von Wien befördert wird. V e r m 111 - lungsver Handlungen im Streik haben bisher noch nicht stattgefunden. Ein Ausweg dürfte sich kaum vor Dienstag nach dem Zusammentritt des Rationalrats zeigen. 3n der Plenarsitzung des Rationalrats soll nur die Demission des Kabinetts zur Kenntnis genommen werden, während sich die Parteiklubs bereits Dienstag vormittag mit ber Erklärung des Bundeskanzlers Dr. Seipel, dah sich das Kabinett durch keinerlei Vertrauenskundgebung der Mehrheit des Rationalrats dazu bewegen lassen wird, eine Wiederwahl anzunehmen, bevor nicht der Streik abgebrochen ist und die Regierung die Ueberzeugung gewonnen hat, dah das Sanierungswerk in Zukunft nicht durch die Bundesangestellten fortwährend gestört wird. 3n der Lebensmittelversorgung Wiens besteht vorerst keinerlei Gefahr und auch die Kohlenversorgung würde erst bei einer längeren Dauer des Streiks schwierig werden. Der volkswirtschaftliche Schaden des Streiks für die gesamte Geschäftswelt ist aber schon jetzt äuherst empfindlich. Vorsitzender b-4 Gläubig?r schu tzvcrbandcS, Kas el, 10. Postinspektor Schellenberger- Wetzlar, 11. Danfangestellter Osterhaus- Wiesbaden, 12. Landwirt Benner- Flcisbach (Dillkreis). Landtagswahlliste: 1. Schulrat Swarzhaupt- Frankfurt a. M, 2 Landwirt Kaiser, 1. Vorsitzender des 3unalanbbundes Hessen, Holzhausen (Kr K rchhain), 3. Dr. Wolff, Geschästsführer des Mitteldeutschen Braunkohlen - syndikats, Kastel, 4. Frau S udienrat Amalie Fröhlich- Höchst a. M., 5. Landwirt und Kom- munaL'artfctagäabgeorbneter Guckes - D eithardt, 6. Schlossermeister Ulm - Wetzlar, 7. Rechnungs- revisor Deeres - Frankfurt a. M., 8. Rot- Haar, Geschäftsführer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes Wiesbaden, 9. Volksschullehrer Bauspieh- Korb (Oberwesterwaldkreis), 10. Frau verw. General R o e t h e r - Wtes- batxm, 11. Landwirt Trteschmann- Oberellen- bach, 12. prakt. Arzt Dr. de D a r y - Frankfurt am Marn. Die demokratischen Kandidaten für Hessen-Nassau. Auf einem in Giehen abgehaltenen Parteitag der Demokratischen Partei Hessen-Rassau wurde nach einer Rede Professor Dr. S ch ü ck i n g s dieser als Spitzenkandidat für die Reichstags- liste nominiert. Rach ihm kandidieren für den Reichstag Obermeister Kniest (Kassel), Bank- bireftor Dr. Hahn (Frankfurt), Gottfried Rade (Kassel). Für den Landtag wurden aufgestellt: ber seitherige Abg. Goll (Frankfurt), Lehrer Wickel (Heftrich im Taunus), Frau Dr. Rosa Kempf (Frankfurt). Austritte aus der Demokratischen Partei. Frankfurt a. M, 9. Rov. (TU.) Dr. Fritz Röhler, fteUtxrtretenber Vvrfihenber des Aufsichtsrates der Deutschen Gold- und Silberfcheideanstalt. langjähriges Mit- glich ber Städtischen Verwaltung, hat seinen 2lustritt aus der Demokratischen Partei erklärt. An dieser Enlschliehung änderte auch nicht das Angebot einer Reichs tag skandidatur an einer ber ersten Stellen ber demokratischen Liste. — Ebenfalls aus der Partei ausgeschieden ist ber bisherige Oberbürgermeister Frankfurts, Dr. G. Voigt. Bauernbund und Demokratische Partei. Berlin 9. Rov. (TU.) Der erweiterte Ausschuh des deutsche Bauernbundes billigte Der Wahlkampf. den Austritt der Mehrzahl ber Prä> fibialmitglteber aus ber D u schm Demo« kratischen Partei. Einmütig wurde a[6 felbst- verstäichlich bezeichnet, dah einem so hervorragenden Führer des Bunde- wie Wach borst de Wente, der bei der Demokratischen Partei verbleibe keine Schwierigkeiten gemacht werden sollen. Keine eigene Kandidaten der Nationallideralen Neichspartei. Berlin, 9. Rov. (WTD.) 3n Berlin versammelte sich der Dertretertag der Ratioiwlllbe» raten Reichs Partei und nahm eine Entjchlief; mg an, in der die Partei den Gedanken eines Ausgehens in anderen Parteien abl.'h.tt Sie werd« ihre Organisation mit verstärkter Kraft ausg statten, um D o rkä mpser für alte entichie- den nationalen Elemente mit liberaler Weltanschauung fein zu können. 3m 3ntereffc einer möglichst beschlossen« i Rech:s- front werde sie bei dieser Wahl von der 21i.fi‘lob (ung eigener Kandidaten abse hen, vvrbc sittlich einer besonderen Regelung in den einzelnen Wahlkreisen. Keine Auslösung des sächsischen Landtages. Dresden 9. Rov. (TU.) Der sächsische Landtag lehnte mit 50 gegen 43 Stimmen die von den Kommunisten und Deutschnationalen beantragte Auflösung des Landtages nach langer Debatte ab. Für die Auflösung stimmten die Deutschnationalen und die Kommunisten. Eine Rede Stegerwalds. Die Arbeitnehmerschaft und die deutsche Wirtschaft. Hamburg, 10. Rov. (TU.) Bei dem aVH Samstag abend vom Verband deutscher Techniker (Deutscher Gewerkschaftsbund) veranstalteten ersten deutschen Technikertag sprach Ministerpräsident a. D. Stegecwald über das deutsche Volk und seine Wirtschaft. Der Redner führte u. a. auS. Die 1918 gegründete Arbeitsgemeinschaft konnte nicht zu der erhofften Auswirkung kommen, weil der Geist und ber Wille zur Gemeinschaft fehlten Heute, nach Annahme beS Londoner PatteS, stehen wir wieder vor einem entscheidende.^ Wendepunkte. Heute aber liegen die Dinge weit klarer. Die Arbeitgeber haben Gelegen eck, zu beweisen, ob es ihnen mit dem Gedanken der Arbeitsgemeinschaft ernst ist. 70 Prvz. d?s deutschen Dolles bestehen heute aus Lohn- und Ge- haltsempsängern. Als Ziel schwebt dem Deutschen Gewerkschastsbund bas organische Hinei n- wachsen der Arbeitnehmerschaft in Wirtschaft und Staat durch Selbst- und Staatshilfe vor, wogegen er Sozialisierung und die Bestrebungen des Kommunismus ab lehnt. 3n diesem Sinne ist die Einrichtung der Betriebsräte fortzubilden. Will Deutschland seine Selbständigkeit zurückge- Winnen, so bedarf es einer Entböl'erung der Großstädte und Stärkung deS landwirtschaftlichen Elements. Rotwendig ist vor allem auch die Rückkehr zur alten preuhischen Einfachheit und Sparsamkeit. Das bedeutet aber nicht Riedrighaltung der Löhne, die heute zum Teil kaum das Lebensnotwendigste gewähren. Mit hungernden Arbeft- nehmern wird keine Qualitätsarbeit geschaffen, die heute doch Das Kennzeichen ber brutschen Produktion fein muh. 3n ber Frage der Arve i t s z e i t tritt der Deutsche Gewerkschafts- bund für den Achtstundentag als Rorm ein, verwirft ihn aber bei mechanischer Anwendung. Läht sich die Durchführung deS Dawes-Gutachtens nicht mit dem Achtstundentag als Rorm ermöglichen, so fordert die deutsche Arbeitnehmerschaft feine Revision, da sie es ablehnt, Sklave des internationalen Kapitalismus zu fein. Die Aufgaben des Deutschen Gewerkschafts- bundes bestehen demnach in der Forderung nach Preissenkung bzw. Hebung des Reak- loynes, Regelung ber Arbeitszeit und Steuererleichterung für kinberreiche Familien Die Steuersenkung. llebcreinfommen zwischen Reich und Ländern. Berlin, 9. Rov. (WB.) Der Reichsfinanzminister und die Finanzminister der Länder habet sich ange* ch" ter dringenden Rotw-iOigkeit ever sofortigen S eue - senkung vorbehal lich der Se'lugichm: ccS Reichspräsidenten auf ei e Reu r nu g verständigt, durch welch? ti> seitens ie ReichS- regierung vo gesehenen Steuersenkungen herbeigeführt werten, durch tocl±? ferner die Weiterführung ter rh edicS mi: Tb' u des Kalenderjahres erlöschen en ßinlrmmen- steuer in dieser mr.tneb cinnähigten Form Iss zu der gesetzgeberischen Regelung gesichrrt und durch wccktze endlich 'eite^s ic? Reiche; i zun Ablauf des Rechnungsjahres dir Gev^h.' da.ür übernommen wird, dah die die Grundlage der LänderhauShalte bildenden Uebertoeifungen von Anteilen an R-ich§stenern in den vier Monaten De^em">er 1924 ti" Mirz 1925 nicht unter dem Mo:ats urchchnitt d.r b.i- ben Monate Augu i und S-pt m)? 192! fi cket. Die Länderr?giecu gc i mach.en ge e über di et Leistungen des Reitzes im 3nt-ie ie ber Wirt- jchaftserh^lung darauf austneckam. iah viel ach durch dio Senkung ber ReichSkteuer^ b> Ge- icitft ~ei ssonoer und Q?cmsiuö2n cmitcmatüd) niitocfcnlt würden uni> erklärten outlerbcm, ix>fj Tic, soweit dies mit der Ausgleichung der Haushalte der einzelnen Länder nur irgend vereinbar ist, von sich aus eine Senkung von Länder steuern mit tunlichster Beschleunigung vornehmen und entsprechend auf die Gemeinden wegen der Ge- meuldestcuern und der von den Gemeinden er- TjrobciiciT (5>;bitiyixMi nachdrücklich einwirken würden. Die Länder erklärten, daß sie diee ihre Zu- stinrnrung nur mit 'Rücklicht auf den sonst entstehenden Notstand aussprechen u 2> daß durch ihre Zustimmung zu der vorst h?nden Regelung ihrer grundsätzlichen Stellung zur Frag: des Rotverordnungsrechts des Reich.Prä ide.sten und seiner dringenden Reformbedürf- tigkeit nicht vorgegrissen werden soll. Die Lohnsteuer soll insofern gesenkt werden, als der Betrag des steuerfreien Lohneinkommens von monatlich 50 auf 60 Mk. her aufgesetzt wird. Die äl m sahst e u e r soll vom 1. Januar 1925 ab von 2 auf V/2 Proz., die Luxus st euer vom gleichen Termin von 15 auf 10 Proz. gesenkt werden. 3n den Einkommensteuerdorauszahlungen soll bereits am 1. Dezember eine Ermässigung um 25 Proz. eintreten. Wegen der Her a b - setzung des Börsen st em pels bei gleichzeitiger Herabsetzung der Provisionen werde mit den Organen der Berliner Börse verhandelt. Der Zweck der geplanten Steuererleichterung ist durch die Steigerung der Exportfähigkeit der deutschen Wirtschaft zum Abbau der Preise zu gelangen. 3m übrigen wird auch nach der gedachten Senkung die Steuer- belastung in Deutschland, verglichen mit dem Ausland beträchtlich höher sein, insbesondere wenn man hierbei die Verarmung des einzelnen deutschen Steuerzahlers berücksichtigt. Wie die Blatter endlich hören, werde an eine Aeberwachung der ausländischen Kreditgewährung an Pri bäte durch den Staat nicht g^acht. verveutsche Landgemeindentag. Steuerliche Wünsche der Gemeinden. Stuttgart, 10. Rov. (TA.) Der vor etwa ynei Jahren b-gründete Deutsche Lan gemeinde- tag hielt in Stuttgart seine diesjährige Bll- Versammlung ab. Den Geschäftsbwich. echta^e e Bürgermeister a. D. Kuth - Berlin, ter mi G - nugtuung fest stellte, Lah dec Deutsche Land e- meindetag h.nfte schon die gegebene Vertretung der deutschen Landgemei den im 3n- und 2,'u.- lande darstellt. Zum Schuh stellte er die Forderungen der Landgemeinden -usammen, die in der Wiederaufrich ung der Selb Iverwal ung gipfeln. Rach einer Tegrüßungs-ansprache deZ wBt- tembergischen Stacttspr ftidenten Bazille betonte Reichstagsabg GerekedieR twendig- keit einer großm, ge chlo feilen Orga isat d i der deutschen Landgemeinden, nomentiich auh im Hinblick auf den b.vorstehenden Finanzausgleich. Hieraus wurde eine Eickschliestung angenommen, in der die Wiederherstellung der Steuerhoheit der Gemeinden gefordert wird. ververnichtungskampfgegendas Deutschtum in Böhmen. -7000 nichtrschechische Beamte und ^Angestellte auf die Straße gesetzt. P r a g, 10. Rov. (T. 11.) Die Mitteilung des Sisenbahnministers Stribnh, Last 7030 Eisenbahnbeamte und Angestellte wegen ungenüge n - der sprachlicher Befähigung aus ine Strafte gesetzt werden sollen, hat in der deutschen Oefsentlichkeit ungeheure Aufregung hervorge- rufen. Es ist allgemein bekannt, so schreibt die „Bohemia", auf welch? Weise die Sprachprüfun- gen- mit den nichttschechischen Eisenbahnern vor- aenvmmen werden, welche geradezu grotesken Fragen, die mit dem Dienst nicht das geringste zu tun haben, bei den Prüfungen gestellt werden und wie man sich des nach auften hin so harmlosen Mittels bedient, um sich der nichttschechischen, hauptsächlich deutschen Beamten auf eine vom tschechischen Standpunkt bequeme Art zu entledigen. Die Ver- tschechung der Lokalbahn im geschlossenen deutschen Sprachgebiet liefert den Chauvinisten ein neues Mittel, deutsche Familien ihrer Arbeit und ihres Brotes zu berauben. Was mit diesen Tausenden deutscher Familien, die jetzt auf öu Straße gesetzt werden, geschehen soll, ist rätselhaft. Die Deutschen besitzen keine Mittel, um einer solchen Zahl von Volksgenossen unter die Arme zu greifen. Deutsch-SÄdwestafrlka. Windhuk, 9 Rov. (Reuter) Rach einer Rundreise durch Cüdwestasrika erklärte der afrikanische Ministerpräsident H e r h o g , der An - teil Deutschlands an der Entwicklung dieses Gebiets könne und solle nicht verschwiegen werden. Der Minister stellte die Schäftung einer besonderen Ges etzg -bung für Südwestaf ika in Aussicht, mit-dem Hinzusügen, daß die Ein- Gießener Stadttheater. Friedrich Schiller: Die Räuber. (Zur Vorfeier von Schillers Geburtstag, 10. Rovember 1759.) Rian konnte es für ein Wagnis hallen, gerade an einem Sonntagabend eine so schwer bekömmliche Kost wie die Schillerschen „Räuber" dem Publikum darzubieten. Man tonn aber nun mit Freuden der Theaterleitung und auch — dem Publikum dazu gratulieren, daß dieses Wagnis vollkommen geglückt ist. Das Haus war zwar nur leidlich gut gesetzt, aber man hatte von vornherein den Eindruck, daft das Publikum mit- ging And als nach den Hruptszenen wahre Beifallsstürme das Haus durchbrausten, da hatte man das erhebende Gefühl, daß selbst dieses Erst- lingswerk Schillers die Herzen noch heute zu erschüttern vermag wie nur je an jenem denkwürdigen Tag seiner Mannheimer Uraufführung, jenem 13. Januar 1782. Was ist es eigentlich, was uns an diesem Stücke noch heute packt? Das, was man so gemeiniglich Handlung trennt, kann es doch unmöglich sein: denn das ist in den Räubern schlimmer als die schlimmste Kolportage. Auch nicht die S^araftere; denn d ese sind doch durchweg mehr nDacht als erlebt und geben Zeugnis davon, daß ter Dichter die Welt erst wirklich tennenlernte, Hindernis bildet die fortschreitende Zersetzung in Heer und Flotte, die die Unsicherheit hn Lande nur noch steigert. Bezeichnend für die gegenwärtig in Brasilien herrschenden Verhältnisse ist der auf Wunsch der brasilianischen Regierung unterbliebene Besuch des italienischen Kronprinzen. Gegenstand der Unzufriedenheit ist der sehr tüchtige und energische Präsident Bernarbes, der es gewagt hatte, Ordnung in die zerrütteten Staatsfinanzen zu bringen, damit aber in manchen einflußreichen Kreisen des Landes wenig Gegenliebe fand. Bedauerlich ist, daß die anhaltende Unruhe eine Amnestierung der bei dem Aufstand von Sao Paulo in die Hände der Regierungstruppen gefallenen deutschen Aufständischen vorläufig unmöglich macht. 3hre Zahl ist zwar sehr gering, wie überhaupt das damals von den Revo- hitionären gebildete sogenannte „Deutsch e Data i l l o rr" nicht mehr als 145 Leute zählte, dennoch ist es zu wünschen, daß sie möglichst bald wieder freigelassen werden. Der größte Teil dieser Leute ist allerdings damals entkommen, während ein anderer, den man mit der Waffe in der Hand antcaf, etwa zwanzig Mann, sofort standrechtlich erschossen wurde. Der anhaltende Zustand der ilnruhe hat aber jeden Versuch des deutschen Gesandten in Brasilien, die Freiheit der Gefangenen zu erwirken, bisher scheitern lassen. Mus aller Wett. Der Erzbergermörder. Budapest, 8. Rov. (F. Z.) Die Affäre Förster-Schulz kann noch immer nicht zur Entscheidung gebracht Werdern Die deutsche Gesandtschaft hat das für Schulz von der hiesigen Behörde angesuchte Visum nicht erteilt und die Türkei, wohin Schulz reisen will, weigert sich, chn ohne ordnungsmäßige Dokumente aufzunehmen. Run sind Verhandlungen mit Rumänien im Zuge, um die Durchreise zu gestatten, doch hat Rumänien auch sich gegen die Einreise erklärt, Aebersall durch einen Marokkaner. Worms. 9. Rov. (TU.) 3n der Rächt zum Samstag wurde der Strommeister R e i n i ck e. als er sich von feinem Dienst nach Hause begab, in der Pavpelallee am Rhein von einem marokkanischen Soldaten, der offenbar zur Drücken wache g-hörte, überfallen und durch Fuß lritte in den Rücken verletzt. Ancheinen) w lle der Marokkaner den Teim'ei beraubet Rein de schlug mit seinem Stock auf den Solda.en ein und schrie um Hilfe. Der Marokkaner ergriff darauf 'die Flucht. Da erst vor eiliger Ze t der Vorstand des Wafterbauamtes in äh sicher Webe überfallen tour e, ha' ich der Devö fe u g eine starke Erregung bemäch ig . Die am - lichen deutschen Stellex haben strenge Unter- suchung und Bestrafung gefordert. Zuchthaus für einen dreifachen Mörder. Trier, 9. Rov. (WTD.) DrS französische Kriegsgericht te urteiPe ten franzöftichen Soldaten Detheves, der am 23. Dezember 1923 in Koblenz unter dem Vorwand, er wollte einem Kameraden, der in einem Easä geohrseigt wurde, rächen, drei deutsche Arbeiter durch Schüsse tötete, unter Zubilligung mildernder Llmstände zu lebenslänglichem Zuchthaus. Der Staatsanwall hatte Todesstrafe beantragt. Die Rückkehr der Zeppelinfahrer. Bremen, 9. Rov. (WTD) Mit dem Dampfer „München" sind die ersten zehn Mann der Desahung des Z. R. III zurückgekehrt. Sie wurden in Dremerhaven namens der Stobt Bremen, des Rorddeutschen Lloyd und des Bremer Vereins für Lustschiffahrt herzlich willkommen geheißen. Die Luftschifser waren von dem schlichten aber herzlichen Empfang aufs Angenehmste berührt und erklärten, daß dieser seichte Empfang in der Heimat die größte F r eü d e für sie sei. Tödlicher Fliegerabsturz in Münster. Münster, 10. Rov. (TLl.) Bei der gestern hier veranstalteten Flugveranstaltung stürzte der Flieger Schröder aus Barmen während der Vorführung eines Luftkampstluges aus etwa 80 Metern Höhe mit seiner Dietrich--Gobiet°Ma° schine ab. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Der Flieger war auf der Stelle tot. 3m Flugzeug auf dem Mount Everest. Reu York, 10. Rov. (TLl.) Die „Montags- pvst" meldet aus Reuhork: Der amerikanische Armeeflieger Rohlfs, der 3nhaber des Höhen- rekvrds, will im Flugzeug auf der Spitze des Mount Everest landen, und dann mit einem neuartigen Fallschirm absteigen. Hilfe für die Hochwasserschaden. Berlin, 9. Rov. (WTB.) Die Reichsregierung hat beschlossen, sich mit einem Aufruf an d' e Bevölkerung zu wenden, um die private Opf ertoi lli gleit für die durch die Llebeischwemmungslatastrophe Geschäd'g'en anzurufen. Der Reichspräsident wird die Cammlungsliste mit 200 000 Mark aus feinem Dispositionsfonds eröffnen. gevorenenkontrolle sowie die Eisen« bahnverwaltung in den Händen der Bundesregierung bleiben müsse. Er fei mehr überzeugt denn je daß schließlich das Schicksal Südafrikas das der Union sein werde. Wenn die Engländer in Südafrika dieselbe innige Liebe für das Land gefühlt Härten wie die Holländer, so würden die zwei Kolonien und Republiken es für Wahnsinn gehalten haben, jemals die Waffen gegeneinander zu ergreifen. Er freue sich über den veränderten Geist der englischen Freunde in dieser Beziehung, und da er sehe, daß die Deutschen Südafrikas die Tatsachen der gegenwärtigen Lage anerkennen, so hege er keinen Zweifel, daß das, was in der Llnion getan worden sei, auch in Südwestastika geschehen werde. RevolutionäreBewegung in Spanien. Anarchistenkämpfe an der französischen Grenze. Madrid 10. Rov. (£11) Aus verschiedenen Gegenden Spaniens werden blutige Zusammenstöße zwischen den Regierungstruppen und den Anarchisten gemeldet. Großes Aussehen erregt hier die Meldung, wonach eine etwa 50 Mann starke Anarch stenbande nach Ueberschrei- ten der französischen Grenze der spanischen Polizei ein blutiges Gefecht in der Grenzstation Dera lieferte. Auf beiden Seiten hat es 5 Tote gegeben. Die Anarchisten muhten schließlich in das Gebirge flüchten. 20 wurden gefangen genommen, den anderen gelang es, die französische Grenze zu passieren. Acht wurden dabei von der stanzösischen Gendarmerie dingfest gemacht. Einer der spanischen Kommunisten, dessen Kleider von Kugeln durchlöchert waren, wollte sich nicht ergeben und warf sich unter einen Eisenbah rzug. Die genaue Zahl der Anarchisten, die in den einzelnen Orten verhaftet worden sind, ist noch nicht mitgeteilt, doch glaubt man, daß es sich um ein planmäßiges Vorgehen der spanischen Opposition handelt. Von offizieller spanischer Seite wird von der «Situation eine Darstellung gege.en, die den Eindruck erweckt, als ob es sich um M.ammenge- schlossene Anarch. st enanschläge handelt. Diese Auffassung findet in Paris nur geringen Glauben. Bezeichnend ist, daß die spanische Regrerung Gendarmerie-Abteilungen zur Verstärkung der Grenz-Polizei abgesandt hat. Vorläufig läßt nichts darauf schließen, daß diese Betonung gegen die Monarchie gerichtet ist, obglerch Blasco 3ban 0 8, der bekannte Schriftsteller eines in Varis erscheinenden spanischen Blattes, erklärte, daß er mit einem Fel)zuge zur Ausrufung der Republik in Spanien am 1. Rovember beginnen werde. Er werde sein Dernrögen opfern, fügte er hinzu, um mit anderen Personen den Sturz der Monarchie herbeizuführen. Der „Malin" druckt heute früh einige Aufschlüsse eines spanischen Revolutionärs über die gestern gescheiterten Aufstandsbewegungen ab. Darin heißt es: „Die spanischen Emigranten tn Frankreich haben alle darauf gewartet, daß eine große Aufstandsbewegung gegen den Diktator Primo de Rivera ins Werk gesetzt werden würde. 3Hre Führer haben vor einigen Tagen nachstehendes Telegramm erhalten: „Ueherschreiten alle die Grenze, die Revolution ist soeben ausgebrochen." Rie- mand fiel es ein, sich über die Herkunft dieses Telegramms zu crfiuniigen. Untere Freunde wurden rasch benachrichtig! und in Perpig a i ungefähr 1000 Mann zus.nrm.mgezogen. Dir: nä er n Einzelheiten über das Schn ern der Bewegung find ua8 nicht bekannt. Soeben haben wir erfahren, daß einer der unsrigm. der den Kurie - Dienst zwi chen mir und Barc elona be o g , von ter spanische i Poliz i fest genommen tote, die an Hand der bei ihn beschlagnahmten Papie e jbie spanischem Gewerkschaf tssühre- in Pa is zu täuschen vermochte. Wir sind übe.-zeugt, daß das Telegramm von der Polizei des Generals Primo de Rivera abgefandt wurde. Ganz bftonders betrüblich ist die Rück- toirfung, die die Affäre in Barcelona gesunden bat. 2llles war in der Hauptstadt KatalanienS 'bereit, man wartete nur auf das Signal aus Madr-id, wo eine äh'lih r.v^lution'irr Deve- u g ins Werk gesetzt werden sollte. Als die Rach- richt von der Zu'ammenschliehung der Emigrcu en an der Grenze bekannt wurde, stob einige unserer Freunde sofort zur Tat geschritten. 3n bet Rächt vom Donnerstag auf Stettag fand eine Schlacht statt, der ich beiw'htte und an der sich nicht nur Anarchisten und Gewerk chftts- fübrer. sondern auch katalanische Sonderbündler unb Republikaner beteiligten." Die brasilianischen Unruhen. Obwohl die gegenwärtigen Unruhen in Brasilien eigentlich nur Ausläufer der Mitte des 3ahres in Sao Paulo aufgedeckten und rasch niedergeschlagenen Militärrevvlte find, hat die Zentralregierung in Rio de Janeiro doch alle Hände voll zu tun, um mit den zahlreichen Aufständen im 3nnern und an den Grenzen Brasiliens fertig zu werden. Ein wesentliches nachdem er das Stück gefchr eben hatte. Rein, was an dem Stück packt und immer wieder packend wirkt, das ist die Gesinnung, die aus ihm sprüht, dieses ©id)aufbäumen einer heroischen Seele gegen die Kleinlichkeit der Alllagsmisere, gegen all die Faulheit unb Morschheit einer Welt, die schlecht geworden ist, well sie die Größe entbehren lernte. Auch unsere heutige 3ugenb enrpf indst in oietem ähnlich. Unb doch: Wo in aller Welt findet sich unter all beil Stürmern unb Drängern unserer 3ugenb einer, dessen „in tyrannos" auch nur halb so urwüchsig und elementar aus der tiefsten Seele hervor- bricht wie der Schlachtruf des einundzwanzig- jährigen Schiller? (Die Räuber erschienen 1780 im Druck.) Die gestrige Aufführung unter der Leitung des 3ntendanten Hermann Steingvetter selbst, stand auf einer beachtenswerten Hohe. Die mit erfreulicher Schnelligkeit wechselnden Bühnenbilder waren gut gelungen. Rur der in der ersten, in den böhmischen Wäldern spielenden Szene verwandte Wald ist nachgerade allen allbekannt, um immer noch möglich zu fein. Von den schauspielerischen Oeifhmgen ist an erster Stelle Felix 0 r f0 l k als Karl Moor zu nennen, der sich in hervorragender Weise in seine Rolle ctngclebt ftatte unb sowohl das sonnige Pathos wie bte I melancholische Schwermut dä großen Räubers I glänzend verkörperte. Unmöglich war allein bte Auffassung der letzten Worte des Stückes, die ein gebrochener Mann, nicht ein Pathetiker spricht. Adolf Teleky als Franz Moor gab sich als den verschmitzten 3ntriganten, der mit kleinlicher Rechnerei baS Schicksal zu metftern sucht, bis er beim ersten Rechenfehler jämmerlich zusammenbricht. Es ist fraglich, ob Schiller sich fernen Franz Moor nicht mit einem größeren Schuh großen dämonischen Verbrechertums gedacht hat. Doch war die Rolle im Rahmen obiger Auffassung konsequent und gut durchgeführt. Den alten Moor gab der für den erkrantten Herrn Dolck einge» sprungene Hans Rerking vom Frankfurter Schauspielhaus sympathisch. Gerda Dachfeld in der unglücklichen Rolle der Amalie tat, was slch tun laßt. Karl 3 uhnke als Hermann gab feiner Rolle einen zu vornehmen Charakter. Diesem Hermann glaubte man seine ursprüngliche Gemein hell und Tölpelhaftigkeit nicht. Eine fein durchgeführte Charallerstudie war 3ulius D a st e als Spiegelberg. Hervorzuheben ist endlich noch Max Hoffmann als Rol/er und Kurt Joachim Daum als Kosinsky. — h— Frankfurter Uraufführung. Rachdem Toni 3mpekoven im Verein mit Äarl Mathern tn der vergangenen 6a Jon mit I seinem „Hamlet in Krähwinkel" einem | durchschlagenden Erfolg erzielt hatte, ging jetzt ein Aus Stadt und Land. Gießen, den 10. Rovember 1924, Die Fahrpreisermäßigung zu Guustea der Jugendpflege. o. 3ugeiidpftegevereine genießen unter gewissen Voraussetzungen für ihre Mitglieder unter 20 3ahren bei einer Mindest teilnehrnerzahl von 10 Personen eine Fahrpreisermäßigung. Diese beträgt die Hälfte des tarifmäßigen Fahrpreise- vierter Klasse. 3n Ausführung eines Landtagsbeschlusses hatte der preußische Wohlfahrtsrninistrr vor einiger Zeit dem Reichsverkehrsminister einen Antrag auf Aushebung der Vorschrift über eine Mindestteilnehmerzahl bei Fahrpreisermäßiguni gen zugunsten der Jugendpflege gestellt. Ster Reichsminister des 3nnern hatte diesen Antrag warm befürwortet. Die Reichsbahn ^Hauptverwaltung hat jedoch deii Antrag abgelehnt. 3n neuerer Zeit hat sich nunmehr auch eine Stimme erhoben, die eine Aushebung bzw. Beschränkung der Fahrpreisermäßigung zugunsten der 3ugendpslege fordert. 3n der ZAtunc, des Vereins Deutscher Eisenbahnverwallungeii schicivt Dr. Fischl-Regensburg gegen die Fahrpreisermäßigungen. Rachdem er festgestellt hat, doch .-;/en- trärtig die Hälfte aller Reisenden aus der Deutschen Reichsbahn zu ermäßigten Sätzen befördert wird, und daß daher die Anwendung toufmänni- scher Grundsätze hier unbedingt Anwendung finden müsse, schreibt er: „Unter Berücksichtigung aller Momente, die man für sie in die Wagschale Wersen kann, muß als reif für die Aufhebung ober wenigstens für eine ganz einschneidende Beschränkung die Fahrpreisermäßigung zugunsten der 3ugeitbbf(egc bezeichnet werden. 3Hr schädlicher Einfluß aus Die Einnahmen aus Dem Personenverkehr ist bedeutend. Wenn man bedenkt, daß ein kleinerer Reichsbahndirektionsbezirk über 700 anerkannte Fügend- Pflegevereine austoeist, ein größerer, tote z. D. Hannover, aber 15 000, so wird man die Zahl vDer die Fahrpreisermäßigung in Anspruch nehmenden Vereine oder Vereinsgruppen im ganzen Reich unbedenklich auf mindestens 200 000 schätzen hülfen. Ang-n. mm en, jeder dieser Vercite nehme die Ermäßigung jährlich nur 5 mal auf die Entfernung von 50 Km. für nur 10 Personen in der 4. Wagenklasse (Hin- und Rückfahrt) in Anspruch, so beträgt der Ausfall an Einnahmen 15 Millionen Goldmark im 3ahr, ein Betrag, mit dem 7000 Beamte bezahlt werden können. 3n Wirklichkeit wird der Ausfall viel größer sein, als ihn diese vorsichtige Schätzung veranschlagt." Die deutschen Iugendpslegeverbände werden es nicht versäumen, bei der Reichsbahnverwal- tung Schritte gegen die dorgeschlagene Verkümmerung des 3ugenbwanderns zu unternehmen. Die Reichs-TeuerungSzisser. Die ReichSindexzif'er für die Lebensh.'ltungZ- kosten (Einährong, Wohnung, Heizung. Beleuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, 5. Rov., ist gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. Sie beträgt (die Vorkriegszeit 100 gesetzt) 123,0. Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Dahnhofstr.: „Der Schah Der Gesine 3akvbsen". — Hessische Dilderbühne: „Die Macht der Ftosternis", abends Fred Marion. — Aus Dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals auf den Vortragsabend von 3 r c n e Trie > ch hingewiesen, bei dem, wie ausdrücklich bemerkt sei, nur gewöhnliche Preise erhoben werden: hoffentlich kann die geniale Künstlerin, die sich hier so großer Sympathien erfreut, wie überall vor einem vollen Haus sprechen. — Die neue Operette von Gilbert „Dorine und der Zufall", die in der kommenden Mittwoch ab onnemcirttwrstellung hier zum erstenmal gegeben wird, hat auswärts viel Anklang gefunden. Wettervoraussage- Zunehmende Bewölkung, südliche bis südwestliche Winde, nachts Temperaturen um Rull, doch allmählich ansteigend, vorwiegend trocken. ** Besuch im Landwirtschaftlichen 3 n ft i t u t. Zur Des ich igung der Pachtung des Landwirtschaftlichen 3nstituts unserer Landes» Universität, des Hardthofes, hatte die 3n» ftitutfeitung zum Dcnnstagvvrmittag eingeladen. Als Derttreter der Staatsregierung waren Ministerialdirektor Ll r st a d t und Ministerialrat Schäfer, als Vertreter des Landtages dessen Präsident Adelung, ferner Bert re .er der Landwirts chaftskammer, der Stadt und der Landes- Uniocrfität erschienen. Dom Dahnhof aus fuhr man zunächst in langer Wagen reihe zum Hardthof, frer mit 3nteref|e besichtigt wurde und von dem man trotz mancher Mängel sagen, farm, daß er sehr wohl für ein Versuchsgut geeignet ist. Hierauf ging es zum Landwirtschaftlichen 3n- ftitut in der Senckenbergstraße, wo den Tellneh- mem einige neuere Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung demonstriert wurden. Ramenttrch für den Fachmann waren diese Vorführungen von besonderem Interesse. Als Abschluß des Besuchs fand im Schütz en Hans ein Frühschoppen statt, be* dem der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Gr> s e v i u s, die Gäste begrüßte. Ministerialdirektor Ll r st a d t wünschte nameirs der Staatsregierung von ihm und Hans Reimann verfaßter Cha- rakterschtoank unter dem ‘Hamen „Ekel" über d!e Dühne, der im ersten und zweiten Akt einen! vielversprechenden Anfang bot und auch in der Gerichtsszene sich auf beachtlicher Hohe bewefte, in monologisierendem Schlußakt mit seiner Moral- tendeno aber stark abfiel. Trotzdem spendete das Haus Impeloven, der mit unverwüstlichem Humor die Hauptrolle spielte, nach den einzelnen Aktschlüssen lebhaften Beifall und rief ihn nach Schluß wiederholt vor den Vorhang. Reben Impekoven bot besonders Alexander Engels mit seinem Amtsrichter eine gute Leistung. 3>aß deutsche Archäologische Institut in Rom Das Deutsche Archäologische Institut in Rom wurde mit einer schlichten Feier neu eröffnet. Anwesend waren Fürst Bülow, der deutsche Botschafter Professor Dr. Rodenwaldt, der Generalsekretär des Archäologischen Instituts in Berlin, Frhr. v. R e u r a t h , Prälat Wilpert, Prinz Georg von Bayern unb viele andere. Prof. A m e I u n g vom Institut in Rom hielt die Festrede. Dor vier Jahren hat der damalige Kultusminister Denedettv C r o c e die Bibliothek, die beschlagnahmt war, toieberetftai» tet. Jetzt hat das Institut im deutschen evangelischen Gemeindehaus eine neue Stätte bezogen, Da die alte auf dem Kapitol zerstört ist. omenk, dir ! niuh lngstenS für 1 bte Fahr. pflege fo mH auf di« • ifl brüeu* «rrr Reich-, 11 k Jugend* ■to;- i. A m die W Spruch nch* n im ganzen 3000 ereile ne£nt auf die Ent* Ionen m der in Anspruch, n 15 Mills- »g, mit bar 3n Dirfltch* lein, al- jyn agi." inte merbtr bahnbrrval' 1 Deckümm«* nehmen fjcr. nLh.'liungj- 19 Lekü>ch* 5. Rvv., ifl nbetl ge* ijetl - 100 J* * feil* ■ «b«r ein, « ^trag ’r auch ein, 1 M Dr. L^günftM ^üung fog wen !d)t;,ibt 7-i-eL d-lh r. e-, ‘I drc ■3;m. ® b:,örd:ci Mtifmänni. CTbung (hl, unb. 192«. Montag: ichah der Tr« bühne: .Ar Marion, erbureau als auf bat :fch t)W lerft sei, nur hostenllich fier so grober einem vollen : von Gilbert die in der siellimg frta luStoärti viel t bis südvesi- um M doch ixfen. 4aftli»'n Pachtung des e-.tr Lande-, hatte die > g cing^flM waren Dinl* Ministerin t.erderLE der fl»nö* M «tÖjj je zmn 'S Qtamcnttw •fübrunficn J5 gj^8 >d auch s" L^da , 10® rZe ' ®1?, Ct^' li aiif«OHuche. | Verschiedenes] Earosen zu tanken aefncht. Schr. Ana- u. 016034 an den (Vien. An». Haus miet) k Alleinbewoh' neu. zu fauren nef. Schr. Ana- u. 016005 an den (Weh- Anz. Lesen und Herde tu allen AuSsüb» rangen kehr vret-* wert stelö am Lager. August Lotz Wleeeck relep'i. 1079. 8S26D Die Ausführung der Anstreicher- u. Ta- pezierarbetten, ein- schlietzlich Material* lieferung zum Vier* samilienwohnhaus, Bahnhof Stockheim soll öffentlich vergeben werden. Angebote Können, so lange der Vorrat reicht, von der unterzeichneten Stelle zum Preise von 1.50 MK. bezogen werden. Derdingungstermin 21. November 1924, 10 Uhr norm., im Amtsgebäude Liebig* strahe 23, Zimmer Nr. 12 Iujchlagsfrist 3 Wochen. b',oid Eisenbahn - Betriebs* amt 2 Gießen. Wer nimmt ein lljäbt.. g u erzog. Mädchen gern gute Befahl, in liebevolle Pflege? Selbige kann schon kl. Handr. machen. Schr. An? u. 016908 a» dep (^ietz A«^ gen txrrrran nx-nrr« cfTUTiiarfl Gedeihen. toriter- Wn sprachen Landtags vräi ident Adelun g, der Keftor ber LardeS-^lniversitäl ®efcinwat Prof. D. Dr Arügcr, der u. a. mitteille, daß den t Qanbl-.-i ’i<5 Ge ärfabfertigurg nach und über Oestereich ist cingcfleüt. freie S der an Oesterreich an^ieijten ei bähe tscheu Di- rrftton sind Dorfeh ung m getroffen, um den italienischen Verkehr um,yuleiLcn. •• D i e Hegezeit für Hasen. DaS QBtniflerium des Innern hat für daS laufende Iagdjahr den Beginn der Hegezeit für Hasen auf den 1. Januar 1925 festgesetzt. fpd. Der Herr „G eneralagen t“. Als angeblicher Generalvertreter einer Frankfurter Versicherungsgesellschaft bereiste eine bisher noch nicht ermittelte Person Oberhessen und graste hier die Dörfer in gründlicher Weise ab. lleber- all macht« er Zechschulden, nahm Versicherungsanträge entgegen und lieh sich — selbstverständlich — Vorschüsse und Prämien bezahlen. Hat er eine Ortschaft beimgesucht, dann verschwindet der Generalschwindler über Rächt. •• Die Deutsche DolkSpartei hielt am Donnerstag im Dewerbehaus ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Kraus- müller gedachte in seiner Einleitung ber Verdienste des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden der Landtagsfraktion Abg. Osann. Zur Tagesordnung übergehend berichtete Reallehrer Appel über die Kassenverhältnisse im abgelaufenen Jahre. Die Vorstandswahlen ergaben keine wesentlichen Aenderungen in der Zusammensetzung des Vorstandes. 3m Mittelpunkt des Abends standen die Derichte der Mitglieder ber Stadtverordneten fraktion über ihre Tätigkeit in ben einzelnen Ausschüssen. Diese Berichte boten den Besuchern der Versammlung zunächst ein klares Bild über die umfangreiche Tätigkeit der Fraktion 'n kommunalpotttischen Fragen, sie zeigten aber mich, wie unberechtigt oft, ohne Kenntnis des Sachverhalts, von Außenstehenden Kritik geübt wird Landgericht« direktor Schudt dankte no- mens ber Versammlung den Berichterstattern für ihre seither Im Interesse unserer Bürgerschaft geleistete Arbeit. Den Schluh des Abends bilbete eine -öelpredjung über bte im Dezember statt- findenden Reichs- und Landtagswahlen, denen die Partei, wie betont wurde, mit grober Zuversicht entgegensetzen kann " Eine national-sozialistische Versammlung. Man bittet unS um die Aufnahme folgender Zeilen: Am Donnerstag abend 6 ^hr sprach im Saale des HolelS Hindenburg auf Einladung der national-sozialistischen Freiheitsbewegung. Grupp« ®leben, der frühere Reichstagvabgsordnete G. Feder-München über „Aufwertung — eine soziale Gerechtigkeit — trotz der Dawesgeietze". In fachlicher Ausführung legte er klar, datz die Voraussetzungen für einen souveränen Staat dem deutschen Staate fehlen. Seine Gebietshoheit ist ständig verletzt über die Einnahmen (Steuern) hat er nicht allein zu bestimmen, seine Bahnen hat er verpfändet, fein Geld trägt in Zukunft die Llnterschrift eines Ausländers, er darf nur 100 000 Mann Reichswehr-Soldaten haben, und feine Iustizhoheit hat et selbst preisgegcben. Dieser Versklavung reiht sich ein großes Unrecht an durch daS Gesetz der 3. Steuernotverordnung. In unerhört roher Weise wird dadurch dem Mittelstand, dem Arbeiter und Beamten, dem Rentner, Gläubiger und Sparer der letzte Groschen genommen. Hunger, Verzweiflung und Tod sind die Folgen. Der Staat hat sich nicht entblödet. dem Volke das „Almosengesetz" zu geben, das lumpige 40 Millionen Mark für alle Ansprüche an den Staat vorsieht, während er auf der anderen Seite 2500 Millionen Mark jährlich dem Volle für das Dawesgeseh herauspreht. 3m weiteren Verlauf führte er Einzelheiten auS seiner Arbeit im Auf- wertungsausichub an und wandte sich dann gegen bi« Zinsknechtschaft des Staates, der auf der einen Seite für ihm geliehenes Geld Zinsen zahlt, die er auf der anderen Seite durch Steuern wieder abnimmt. Aus der ruhigen, vornehmen Art des Vortrages hörte man den Führer des Volkes heraus, der mit warmem Herzen ihm helfen will. Es ist bedauerlich, daß feine Worte nicht eine breitere Öffentlichkeit erreicht haben. Zum Schluß des Vortrages wurde folgende Entschließung angenommen: „Die im .Hindenburg' anwesenden Männer und Frauen aller Berufe erklären hiermit: Die Versammelten werden in ihrem Kampfe um die Aufwertung ihrer Spar- und Hypotheken- Guthaben nicht eher ruhen, bis bas von einer’ unverantwortlichen deutschen Regierung ihnen zugefügte Unrecht, welches Rot und Elend dem sparsamen Arbeiter, Beamten, Handwerker und Kleingewerbetreibenden brachte, durch eine nach menschlichen Begriffen gerechte, soziale Auswertung ihrer Guthaben durch eine wahre, deutsche Regierung gutgemacht wird. Gleichzeitig erklären die Versammelten ihr volles Einverständnis mit dem vom Reichstagsabgeordneten Gottfried Feder Im Aufwertungsausschuß des Reichstages gestellten Gesetzentwurf in der Aufwertungsfrage." Oberhesfische Landschultagung. (Eigener Bericht des „©leb- Anz.") Gleben, 8. Rov. Der zweite Verbandllrngstag zeigte dne n ch regere Btteiligung aus den Kveie i dec ober- hesiischen l^urdl.'hvrrfchaft als ter erste T^g Der Vormittag wurde ausgefüllt durch ctnei aus reicher Erfahrung geschöpften Vor:vag des Kreis- schulrctts Dieterich aus Darmstadt über den ^Abteilungsunter richt in der einklassigen Schule". Au^hend von dem Stundenplan für bte eintta.'sige Schüfe, wie ihi der neue Lehrplanentwurf für die Grundschule vorsieht ze gte ter Redner gangbare We e, auf denen der Lehrrn ber einklassigen S hule der Schwier gkeftrn, tte daS gleichsei ge Unterrichten von acht Jahrgängen naturgemäb mit stch bringt, Herr werden kann. Drbei f Jtxb er tcef liche W rt« über den Geist des rechten Retigionsun^rrtchts, bei dem letzten Endes nicht di« Anzah. ber auswendig gelernten Sprüche und Liede.ftrovhen au:- schiaggeoend fein baej, bei dem es v.elmed. aus die rxble Anwcndu rg ber im Un.eirichte erworbenen Kennti.i f« und Sinsich e i ankommi- Auch ben unterrichtlichen Gängen im Dienste ter Heimatkunde, Urgeschichte und Rnt.irlehre mibt ber Redner groben Wer', bet Weiler wies et auf die nuNicherld Vorzüge erziehlicher und unter- richtlicher Art hin, die die ugegliederte Landschule gegenüber ihrer reich gee.lie.ert en ftäbtl chen Schwester aufwoi en kann, und schloß seine treff- llchen AuSiühruegen mit einem d)orle Dörpsel S, des groben VcllS chulmannes deS vorigen Ja)- hunder.S: .Die cinfluf ige Schule i t für den Lehrer eine Hochschule." Seine txel’eitlgcn, aus langjähriger Praris geschöpften Dartegunger na m die Derfammlung äußerst beifällig auf Die Aus- fprache brachte auch kdne we'entliche gegensätzliche Auffassung zutage, so daß der Leier dem Ree- renten den ungeteilten Dank ber Versammlung auSsprechen konnte Die Mittagspause war auÄgefüllt von einer Protest Versammlung ber oberhessischen Landbeamten, bei der der Vorsitzende deS Kreis- kartellS Gießen-Land, Lehrer Westphal ((Sieben), die jüngste Ort» klassen regeln ng einer scharfen Kritik unterzog. Von den verschiedensten Rednern wurde daS der Landbe- amkenschast angetane Unrecht gekennzeichnet, das darin besteht, daß bas neue Or Sklassen- verzeichnis allein auf der Grundlage der Woh- nungsmieten aufgebaut ist, während die Aktivposten der Landbeamtenschaft: vermehrte Ausgaben für Einkäufe in der Stadt, für Ausbildung der Kircher, für Arztkosten und für kulturelle Zwecke außer Acht gelassen wurden. In einer Entschlleßung, die an alle mabgebenden Stellen weitergeleitet werden soll, fand die Entrüstung der versammelten Landbeamtenschaft Ausdruck: weiter wurde aus Antrag des De- ztrtslehrervereins Lich der hessische Landbeamtenausschub durch Hinzuwahl von Lehrer Meckel (Lich), Lehrer Petri (Beltershain) und Förster Büttner (Langd) aus sechs Mitglieder ergänzt. Zur Rachmittagstagung der oberhessischen Landlehrer hatte sich Ministerialdiiektor ilt* flabt eingefunden. der die Grüße des Landes- amts für bas Dilbungswefen überbrachte unb der Freude darüber Ausdruck gab, baß biese Veranstaltung ihr Zustandekommen allein ber 3nitiative der Lehrerschaft verdankt. Auch fanb er treftliche Worte für die unheilvolle Wirkung deS Ortsklassenunrechts gegenüber den Lehrern auf dem flachen öanbe. Den Abschluß ber oberhessischen Landschultagung bildete ein tiafschürfender Vortrag deS Krersschulrats Fischer )Giei)en) üvec „Die län bliche Fortbildungsschule". Er erläuterte zunächst bas Unterrichtsziel der Fortbildungsschule, daS nicht in einer einseitigen Zu- spitzuna auf den Beruf zu erblicken ist, sondern vielmehr eine Menschenbilbung im edelsten Sinne erstrebt. Diese Zielsetzung hat zur Folge, bah die Fortbildungsschule keine reine Wiederholungs- schule sein kann, sondern eine wirkliche „Fortbildungsschule" auf der Grundlage des Berufs fein mub. Die weitgehende Differenzierung nach Be- rufen, wie sie in den Städten durchgeführt ist, ist auf dem Lande nicht möglich unb auch nicht nötig, da 9/10 aller Schüler im Hauptober *21 eben beruf landwirtschaftlich tätig sind. An organisatorischen Maßnahmen verlangt ber Rä>ner, bah der Lehrer der ländlichen Foribilbungsschule weitgehende Kenntnisse tn Theorie unb Praris der Landtmrrschrft besitzen muß. baß auS biclcin ®runbc ber hauptamtliche FortbilbungSschullehrer auf dem Lande mit allem Nachdruck zu fördern ist, und bau Versuchsfelder in verschiedenen Gemeinden angelegt werden müssen Rach einigen wertvollen praktischen Hinweisen auf die Gestaltung deS Unterrichts In einzelnen Fächern schloß ber Redner feine Ausführungen, die die Versammlung äußerst beifällig ausnahm. Dem Redner wurde der Dank deS HauseS durch den Vorsitzenden ausgesprochen Rachdem bann noch Retror Dr Hein (Die- fed) und Rektor LooS (Gießen) b-*r Leitung und den Vortragenden ben Dank ber Veriammlung für bie in allen Teileir tt>3b/]clunge*e IBerctn Uilli g zum Ausdruck gebrach', bauen gab Mit .üerial- direktor 11 r ft a b t aut Wun ch der Dersainrnlltng noch Auskunft über ben derzeitigen Stand der Reuregelung der Lehrerbildung in Hellen. Gegen 6 Uhr fchloß ber Äoriiyende bie Tagung, von ber alle Teilnehmer mit sichtlicher Befriedigung über die reiche Fülle von Anregungen schieden. Hochfchulnachrichten. ]( Marburg, ?. Rov Die Gesamtzahl ber immatrikulierten Studierenden stellt sich im diesmaligen Wintersemester auf 1742, darunter 222 Frauen GS studieren 116 Männer und 7 Frauen Theologie, 526 Männer und 15 Frauen 3ura, 247 Manner und 22 Frauen Medizin und 631 Männer und 178 Frauen Philosophie. Im letzten Sommer waren es insgesamt 2154 und im vorigen Winter 2030 immarrilulierte Studierende Die Hörer sind nicht mit eingerechnet. Der Rückgang ber Besucher erklärt sich durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Spiclplau der frankfurter Tlseater. Opernhaus. Dienstag, 11 Rov: Die toten Augen. Dienstag, 12.: Der Troubadour. Donnerstag, 13.: Salahra Freitag, 14 Hoft- manns Erzähluttgen. SamStag. 15.: Der Schatzgräber. Sonntag, 16 Eavalleria rufticana, hierauf: Der Bajazzo. Schauspielhaus Dienstag, 11. Rov.: Medea des Euripides Mittwoch, 12.: Das Ekel Donnerstag. 13 : Medea des GuripideS. Freitag, 14. Sechs Personen suchen einen Autor. Samstag. 15 Die Eenci. Sonntag, 16.: Das Ekel QTUt xu, i&cAt Gute Arbeit erfordert autes,nicht blendendes y Licht. Osram-Nitra-Lainpen.opal, sind blendungsfrei I Erol. Site { Mietgesuche Mehrere iut möblierte gut möblierte Zimmer 8s:ißh ftraüe 5. Schrifll. iMuflcbotc Lichtspielhaus 8837c Bahnhofstraße Tauschwohnung. Suche zu tauschen Frankfurt a. M.r 3 Zimmer, K chc, Bad nefl. (llieücn: 4 Zimmer, Kücke. Schr. Llngeb. unter 87731) a.d.GiehAnz. für sofort aeslicht. Angeb. II. dir. üsttzO an Hcrfo, Mitteld. Ann.-Eroed., Piock- die selbständig arbeiten lanu und tn allen Hausarbeiten erfahren ist. für kl. Haushalt (2 Pers) ges cht. 024!)64 Frau BroL Senfgen Wichen, Ludwigftrabe 46. unter 88380 an den Gieß. Aiiz. | Junges [0,631e Md chen sucht f.taaSilb.i.?>auS bnlt Befchä'tia. Näb. flroföorfer 5tra.e 9n. 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Degen seiner ton Franlfurt L Friedberg bei 5ixurfrei$ geg'n «n e «ckchchtlich:s Drrckt..n nis z.' erwecken Dem dealst) ri Dole muß- dc.s n derT'er rung nhe t^rl.tt ae tn Weg finden helfen, die Leiden der Gegendart zu lvagen. festzustehen und an innerer Kraft p erstarLen für die Zukunft. Leit länger als einem Jahrtausend verfolgt Frankreich die Vernichtung Deutschlands als letztes Ziel. Dachfolgende lose Blätter aus der Gesch'ch e ton Frieddevg und der Wetteraar sind alten Eh.o- «len entnommen, eine flammende Anklage gegen Frankreich, den ewigen kliK-enfried Europa- Am 8. September 1870 erklärte die „Daily Actos": „Frankreich hat sich stets in Deutschland «mgemischt. Es roar nicht d.e eine oder andere Tefl.erung, sondern dis gan e frLxzösische D.lk iin Krieg für den Rhein war stets »olkstümlichundwirdesimmersei n." Di cker F stt eltung t.n P cph eiung stimmte der große schottische Geschich-tsphiloso h Thomas larlhle in seinem leruhmtrn Briese an de .TimeS" vom 11. Rovember 1870 rückhaltlos zu: ,-teine Ration Hal jeeinen so schlim- eenRachbar gehabt,wieDeutschland an Frankreich; schlimm aus jegl che Art: frech, »cuberifch, unersättlich, unversöhnlich und an- Snffslustig." Wegen seiner Lage an der g oßen Heerstraße ton Frankfurt a. M. nach der Weser war Friedberg bei fast aller Angrif sl ieg n K:xrnkretcchs gegm Deutschlano „der Tummelp. h ton Scharmi^. In und größeren Gefochten und in besten Falle unaufhörlichen Durchmärschen vrsge setzt." 3m 3 0jährigen Krieg (1618—1648) rucde die Freie Reichsstadt Friedberg viermal blagert und mußte 3 € türme und Plünderungen über sich erg^-hm lassen (1634, 1610, 1615, 1647). fle g ldene Wetterau, vordem ein lusti, Para- his, jetzo erfüllet mii Feuer, Rauch, Dampf, eine trostlose Einöde voller Hecken und Sträucher, Seinen und Disteln. 1635 schim es, als wollte itr Kr egsbrand erlöschen, aber das raubgie i e Frankreich entfachte die Feuer der Kriegsfurien pr neuer Glut, und „das weiland schöne und beliebte 'Friedborg ward wüst und wie eine Witwe" für Nichtmit- 5 Mk. gegen •walterRitter. M ! en Schloß | lende igung dehnten I I i -lelchterung I I »skewitz rnheima^>> !l< lier,1 u’ iDhenj^tion24 (lt40). „Dlut, Mord, Schänd und Drand, Leid v.b Geschrei, daß eS in und durch die Wolken erscholl." Ein von weh an Hunger toller Wolf -v'.^te fch im Januar 1630 bis in die Ufavorst adt. 'Andere zerr fren im Khruar 1643 am Mainzer Aw ein Wildschwein. Dvast und Stummer aller- vegen. ilnö so klagte der Frie b.rger Diakonus hritmwnn Streid 1647: „O Cffie te au. Wet er au. ho ist deine alte Fruchtbarkeit? Zerstöret und Vrteeret, verherget und verderb:t ist alles, was biß hiebevor gezieret und erhal en hat. Man siebt allenthalben nichts als Mord und Dlut- Dtnjtcßen.“ Der Raubkrieg Ludwigs XIV., des „(onnonkönigs". gegen Holland (1672 bns 7 ward zu einer harten Probe für die blutleere Wetterau und brachte unaussprechlichen „6 Schrecken und Jammer". Der Dor- itorsch Montecuccolis. Friedrich Wilhelms, des ärrßcn Kurfürsten, und Herzogs Karl 111. von Lothringen 25. September bis 2. Oktober 1672 uri) deren Rückmarsch anfangs Dezember 1672 Sieten „das Land in das Derderben", das Dor- fiel zu einer fürchterlichen Musik, denn im Juli 1673 trafen Frankreichs „G ot tes st r ei - ttr" unter 2u renne ein und wüteten vie- h'h. „Die Leute sind alle aus den Oertern entarten." Die Dauern, „welche ernten oder Heu wichen wollten, sind ausgezogen worden, die 2-cibsleut geschändet worden". Am 2. August 1673 begann Turenne endlich den Vormarsch. Literei, Fußvolk. Artillerie, B.ückentvains. Mu- liüonskolonnen ziehen „mit Heerpauken, Trom- Dttcn und fliegenden roten Standarten" an Fried- xrg vorüber. Tag für Tag, unter „großem Mut- »Il«n, mit Schießen, Stechen, Fluchen, Schelten «0 Schlägen" Am 19. August 1673 stürmte Seltsame Flitterwochen. Roman von Arnold Fredericks. 12 Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Ms er sich gegen sie umwa:röte. sah Grace, tob er eine auffallende Aeh -lichieit mit dem «stierten Manne hntte. de.' ihr Die erste Ruch' DQt für Stapleton in dem Zi nmer des Hou es x ter Der ailler Straße geg den hatte. Durand »stete ein kleines Kästchen auf der entggenge- -sten Seite des Zimmers und entnahn ihm ätc lichtgrüne Flasche „Absinth?' fragte Der stiere. .Jawohl. Eines schadet nichts. Ab.w nimm litt mehr." Er goß das Getränk in ein Glas, auf dem TUch stand. „Denn dir Francois Zeichen gißt,“ sagte er, „gib t du es urüd, gewöhnlich, Damit er weiß. Daß du es ge ehe.a M. Er wird nicht sehr lange in seinem Zimmer arbeiten wollen — aus Furcht, gesucht zu ^rden." .Sie verdächtig 7N ihn na ürlich." ,3a Er wird schon lange genug beobachtet 7 sobald et aus dem Haus geht. Sie haben lei Zimmer durchsucht und trotz allem nichts BninDen," schmunz.lte er und be am das Ge- teitfe zu schlürfen „Richcs zu finden!" Der andere setzte sich an den Tisch unb Die ■tfcten plauderte:! lange über ih.e Auchtpläre. •S-mce tonnte nicht alles Höven, ux>3 sie fag.cn; •■kr, soviel sie verstehen tonnte, beabsichtigten 'ne sobald der jüngere Mann Den älteren erreicht l&otie, im Auto Brüssel - ujujagen. Rahe der Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Montag, (0. Novemver 192| „General Monsieur Pierfiette" Friedberg, schlachtete das Dich ab, erpreßte unter Schlägen Wein, Dter und Geld, schändete Frauen und Mädchen, ruinierte und plünderte Häuser und Scheunen und äscherte etliche Däu ein. Drei Tage später mußte auch die Burg Friedberg kapitulieren. jedoch den 6. Oktober 1673 erschien „eine starke Partey kaiserlicher Stürafficre ohn- versehens", unter Markgraf Friedrich VI. von Baden, und jagte die Franzosen zum Teufel. Cm S iebenjährigen Krieg (1.55 bis 63) bauten d:e Franzosen Friedberg zu einem festen Platz mit gewaltigen Magazinen aus Seit dem 28. Juli 1757 lesen wir beinahe tagtägl.ch von Truppendurchmärschen aller Art. Einrichtung von Lazaretten und Feldbäckereien, Ankunft von Kriegsgefangenen, Paraden, Exekutionen. Unb wie der französische Kriegsminister Louvois 1689 den grausamen Befehl zur vollständigen Dernichtung der blühenden Pfalz gab. so traf am 21. Juli 1759 bei Marschall Eon lades die strikte Weisung aus Paris ein. aus dem wetten Gebiet zwischen Weser und Main „buchstäblich eine Wüste zu machen", „faire un veritable dösert", allein der Sieg Herzog Ferdinands von Braunschweig bei Minden, 1. August 1759, gebot dem drohenden Unheil Einhalt. Die als „Aktion bei) Friedberg" bekannte Schlacht am Johannisberg, wo Svub.se, d'Eströes und Condä den waghalsigen Sturm des Erbprinzen Ferdinand von Draunschweig abschlugen, setzte Friedberg und die ganze Wetterau in Schrecken. Cs haben „in unserem Gesichtskreis wenigstens 300 000 Dölker gelegen und campiert", alle Lebensmittel wurden aufgezehrt und unübersehbarer Schaden angerichtet. „Wollte der gnädige und barmherzige Gott unsere Rachkommcn keine solche beschwerliche und gefährliche Kriegszeit erleben laßen", he.ßl es 1762 in Dem Tagebuch der Familie Leopard zu Melbach. Jedoch am 26. Oktober 1792 Hub das Fran- zosenelend von neuem an. Oberst Houchard von der Custineschen Armee erschien, stürmte den von dem Hessen-Casseler Hauptmann Mondors, dem Befehlshaber der Salinenwache, tapfer verteidigten Johannisberg und fchlevpte als Herold franzöfifcher „Menschenrechte" für 50 000 Taler Salz von Rauheim weg. Ein schwarzer Tag für Friedberg brach mit dem 10. Juli 1796 an, als Der französische General Jourdan den ka.serlichen Generalfeldzeugmeister Wartenslcben schraz, der auf Dem Wartberg, unmittelbar südl.ch Der Stadt, in Stellung gegangen war. D.es bitterernste Gefecht bei Friedberg ist auf dem Triumphbogen Rapoleons I. in Paris verewigt. General Kleber setzte die Division Lefebvre bei Ossenheim und Bauernheim an, wähiend d.e Divisionen Eollaud und Donard Friedberg erstürmten. Die Franzosen begingen im Sieg s a.isch schwere Aus- schra langen. Ja, sogar d.e Lieöfra^en.i.che wurde geplündert. „Man macht sich keinen Begriff von allen Greueln der Derwüstung. die man vor den Toren und auf den W.gea sieht", schreibt eia Augenzeuge am 26. Juli 1796. UnD am 29. Juli: „Welch ein Anblick und Geruch von der Menge begrabener und noch unbegrabener Leichen, die ich 2 Stunden lang, von Friedberg bis Okarben, antraf.“ Mit blu'igen Lettern leuchten aus läigft vergilbten vberhessischen Chroniken die teuflischen Der brechen der französischen ©a Liften beim Rückzüge Jourdans vom 7.—9. September 1796, obwohl auf den Fahnen der ..glor.e chen" Republik Die gkeisne rischen Worte ., Frei hei:! Gleichheit! Brüderlichkeit l" prangte t Die Bimtert ä- gcr sranzösi chrr Kultur zerstör en unsinnig Haus und Hof, schändeten unbesehen Fra-nen. Mäde.en, Kinder und meyel.en wie Raubäcve das D.eh nieder. „Unfere Rachkemmenschaf: wird sich n cht überzeugen können, Daß in Der Gestalt von Me i- schen Ge chöpf: aus tem Erdboden vorhanden gewesen, bi? alles Ollewchengef .hl ausgez g n u tD Taten verübt haben, dergleichen in den ältesten und rcheften Zeiten nicht verübt worden und wahrscheinlich, fr lange die Welt steht, nicht erlebt werden." So tautet die gleichze.t ge Riederschrift des Amtmannes Hofmawt von Ridda. Lind unter dem 31. Mai 1797 hren wir von dem Tieib n des sra zösische t Gene al9 Hoche im Schloßgar en Der Da g Friedberg Di.- Ta el „war so prächtig als die Tadeln der Land s e» wohncr armselig sind . . . Du.gunder und Chtm- pagner belagerten den Ti^ch . . . Es wird f d el Wein r>erfd)üttet, als getrunken, und all dies muß von dem unglücklichen Lande bezahlt werden." ülebrl zerzaust, verschuldet, nur 356 Häuser groß, mit 2017 Köpfen, fiel die Reichsstadt Friedberg 1802 (Reichsdeputationshauotschl. ß) an Hessen-Darmstadt. 1806 ging oui) Li: Re.chsbu g in den Be itz des Großherzeg ums He'sen (Rhein bundaktc). Wäh-.^end der se erlichen Heber ,abe, am 12. September 1803, stand eite Äom-?agtie des 16. kaiserlich fvanzösischen leichten J-nfanter.e- Regünents in Parade. Den Donner der Schlacht bei Hanau (Rapcleon I. gegen Wrede». 30. 31. Ok:vber 1313, horte man bis über Friedberg hinaus Schlag für Schlag, aber erst mit Dem zwei et 'Pariser Frieden vom 20. Rovern ter 1815 kam unser geplagtes Vaterland zur Ruhe. Die schiUernde franzöftsche Seifenblase war zerplatzt. Das verlocken.e Ph.afengeliingel von Recy:, Fre heit, Menschenwürde, Fr.eden und Dölke beglückung. mit dem Die „grande Nation" noch heute krebsen geht, hatte sich als übelfter Lug und Trug entpuppt. Auch R a p o l c o n III. entsann sich der altbewährten Rattenfangermelodie, als er 1870 an Preußen den Krieg erklärte: „Wir führen nicht Krieg gegen Deutschland, dessen ilnabßänglgtcit wir achten." Ebenso zog man 1914—18 angeblich .nicht gegen das deutsche Dolk in den K ieg. sondern einzig und ahein g gen den preußischen MilUacts- mrts", um durch e ne allg meine Abrüstung das gcloenc Zeitalter des ew.gen Fr v)ens herauf a- führen. ..Frankreich, einst Der Gottesstreiter, heute Dortainp,e. der Mi.nfchlchke t tu. ti hin V n, e • träger der 3b.ale — so b ülit. „de T ger" Cle- menceau am 11. Rov.mber lyl r> n oer französischen K.immeitribane auS in die Welt. — Deutsches Dolk. toirft da durch tausendjährigen Sch.rden n.chl klug ? Jede deutsche Dorfchronik bestätigt D o l - taires Urteil: „Sie wis en nicht, daß es im Grunde keine grausamere Ration als die Franzosen gibt! M n chenfresserische Hanswürste! Halb Tiger, halb 2Iff.nl“ Dir Deutsche wer.en nur dann jeder Gefahr und Hinterlist gewachsen fein, wenn wir uns stets die bitteren Lehren der Geschichte vor Augen halten und Ernst 2Horiß Arndts imftc.bl che M hnung b:l:er igen. „daß ein Dolk. das frei sein will, nicht unterjocht werden tonn, wenn es Gerechtigkeit. Mäßigkeit, Bescheidenheit, Frömmigkeit, Tapferkeit als Die schönsten Zie den lehrt und b. wahrt." Vie gesundheitlichen Verhältnisse in den Gietzener Volksschulen. Auf die schweren gesundheitlichen Echiidi- gungen der Dollsschu jug-end währen) des D er- jähr gen Döllerkri g^ hier noch einmil einzu- gehen, erübrigt sich: in zahlreichen ärzt ichen Berichten sind die verheerenden Wirk ;nge i, welche die langjährige Hung rblockade unter De i deutschen Schulkindern anrichtete, bereits eingehend b schrieben und erörtert worden Die ärztlichen Feststellungen zeigen, daß der Plan unserer eben o zielbewußten als graufamei Feinde, das deutsche Dolt in seinem Rach wachs bis ins Mark zu treffen, nur allzu gut gelungen ist. Die haben sich wm die gesundheitlichen 2kr- hältnisse unserer Dolksschullinder nach dem Kriege gestaltet? Die von mancher Sette gehegte optimistische Auffassung, die kindliche Elastizität werde mit der Besserung der Ernährungsverhältnisse die traurigen Kriegs!olgen bald überwinden, hat s.ch keineswegs erfüllt. 2Dährend die Erwachsenen sich verhältnismäßig rasch erholten und d e während des Krieges eingetretenen Gewichts.:bnahinen im allgemeinen wieder ausglichen, hat die Zahl der Llnterernährungen in den städtischen Volksschulen mit dem Kriegsende keineswegs abgenommen: sie weist sogar eine nicht unbeträchtliche Zunahme auf. Dieser Unterschied in der Toleranz gegen Er- nähiungsstöiungen zw scheu Erwachs nen unoKin- deim hat nichts äleberraschendes. Es leuchtet ein, daß der noch im Ausbau begriffene kindliche Körper durch eine langanhaltende Unter-ernäö- rung viel nachhaltiger getroffen wird, als dies bei bereits ausgewachsenen Individuen de. Fall ist. Dir wissen weiterhin, daß sich Ernährurgs- schädig ungen um so intensiver auÄtDirRm, in einem je jngendl che en 2Itter das davon betraßere Individuum sich befindet, und daß eine schwere Unterernährung in frühester Jugend ihre unverwischbaren Spuren bis ins spätere 2llter hinterläßt. Aber nicht nur durch den — gegenüber der Vorkriegszeit — wesentlich verschlech'.er e.i Ernährungszustand machen sich die Kriegsfolgen noch heute in der Dolksschule bemerkbar, sie treten auch durch die gehäuften Fälle von Schul- a n ä m i en und rachitischen Veränderungen sowie durch die beb nkiiche Zunahme der Skrofulose und insbesondere der T u - b e r k u 1 o 1 e deutlich zutage. Richt zum wenigsten sind die in einen viel größeren Umfang als früher fcstzust lienten Wnbels. ul Derbiegungen auf DaS Kriegsfolgenlonto zu s-tzen: sie mahnen an eine baldige befriedigende Lösung der Sub- fellienfrage in den Volksschulen, an die in Den Grenze würden sie es zurückla'sen, andere Der- HeiDungen anlagen und die Grenze zu Fuß üb.r- schreiten. Einmal in Belgien wurden sie sich ganz sicher fühlen. Es mochte Mittag sein, als der ältere Mmn seine Verkleidung anlegle und das Haas red eß. Grace be bachtete Den andern, wie e seinen 2ll»sinth fer.igtrant und eine Z ga ette an leck e. 2hm ging er zum Liegesofa hinüber, warf sich Darauf und schnarch:e bald laut Der lange, h.iße Rachmitlag schlich dahin. Giace lehrte sich an die Wa id des K ei ersch an- kes -uriick, von Der spannenden Erregung ihrer Lage wach geholten. Das 2kr ted war eig und schwül. Sie war matt vor Luftmangel und vor junger. Zeitweise nickle sie ein, dann fuhr sie mit jähem Ruck auf und stand zitternd vor 21-g t, ein Geräusch verursacht zu haben, daZ die Ausmerk am leit des Schläfers erregen konnte. Rach einiger Zeit begann das leise Jammern Des Kindes wieder, erst schvach und we aus Der Ferne, Dann stärk, r bis Die w.n e i.chen Ruse „Lassen Sie mich heraus — so l -ffe.i Sie mich doch heraus!" von etiem Or e ga iz nahe rechts von ihr zu kommen lchienen. Endlich weckte das Jammern bei Sandes Den schlafenden Mann. Er brumm-e einen Fluch und erheb sich, gtig durch das Zimmer und tarn and Lickt. Grace horte ein leies kratzen eö Geräusch wie von einer Wandtür, die zurückgezogen wurde und plötzlich erschien Der Marn wiever mit dem Kind, Das um Brot urd Milch bat Rachdem es gegessen hatte, gab ihm Der Mann ein Buch mit grellfarbigen Bildern, um es zu zerstreuen, und lag rauchend auf Dem Bett. Ter Knabe faß auf Dem BoDen und sah die Bilder an. Ein- oder zweimal wollte er sprechen, aber der Mann wies ihn scharf zur Ruhe. Rach Sonnenuntergang hörte man Tritte auf Der Treppe und plötzlich wurde der Knabe rasch nach seinem Bcrsteck gebracht und ihm mit Strafe gedroht, falls er schreien sollte. Es war ein Modell auf der Suche nach Arbeit. Der Marm sprach barsch mit ihm und sagte, er habe alle Modelle, die er brauche. Rach- tem 'es gegangen, ließ er das Kiird nicht mehr heraus: er saß lange Da und las Endlich stand er auf und nahm das kurze schwarze Rohr vorn Tisch. Me Grace sah, war es eine elek.rische Taschenlampe. Er ging zu dem breiten Drpp.lfemster hinüber, das nach RorDen ging, und setzte sich auf die Brüstung Das Fenster stand auf und das Zimmer war unb.leuchtet. Grace drückte die Tür des Schrankes ein wenig auf, um besser zu sehen Das Fenster lag ihm genau gegenüber auf der anderen Seite des Zimmers. Sie t mnte Die unbeweglich? Gestalt t-cd Beobachters sehen, die schwarz gegen den abendlichen Himm l abstach. ®egei Rorden zu brannten viele Lichter — die Lichter in den Häusern gegen die CHamps tAhs^es und den Triumphbogen zu Einige Minuten blickte fe über die Schulter des Mannes weg und warte e auf das Zeichen, das ihnen beiden, ihr und Stapletons Knaben, die Erlökung aus ihrer langen Gefangenschaft bringen würde. letzten 10 Jahren auS Geldmangel n.cht heraa- getreten nxrDen konnte Daß diesen traurigen gesundheitlichen Verhältnissen unserer Dottsschulkini.'er mit aller Energie entgegengearbeuel tverben mufk liegt auf der Hand .S g -hört d eZ zu l cn vornehmsten Aufgabe.« deS Staat.s und de Stadt v Ebenso llar .st es aber auch. Da*’ alle damit verknüpften Ausgaben c ne erstklas ige Kap'lalanlag Dir- stellen, welche sich, an richtiger ct le ange ranol auf das beste rcnt.crca we den DielcS ist in Den letzten Jahren schon zur Ertüchtigung Der Dollss.. atju; nd ; flc e t. es genügt aber noch nicht. D Der Nisse zwing *n immer uiti>er zu neuen For. r. an i n -tei der Bekämpfung Der irr i.:erbr?it.ie:i Unterernährung unter den Dolkalchuck a.el i hat Die Quäkerlpeifung zw ifeilos seh. ir.rtvelleD.e ist« geleistet. In Gie* en nimmt über ein Dii tel sämtlicher DollschallinDer an Duier ..usay- speäung teil. Aller Te.ürftigt i. i t aber dadurch noch nicht Rech.u ig getragen. Es i t Daß r schulärztl cher rits zu forcc.n. Da* i d m t i i J c unterernährt, n Kinder Di. e Spei ung erhalten, und Das’, sie n unc t ich n -ch auf lm . ie Ze.t durchgeführi wird: nur unter D et:' Um- ständen l nn f ch.en Zweck ra rk.iH erfu-len. CD (J) . ihr unvcrgleichiich s L.eb.swen u Dank.» ver» uns ihre bereitwillige Hilfe i i ich ver ten . e ien war. so dürfen wir uns Doch keiner Ueaer- schätzung der Erfolge Der Qu iteesp. :funa bet Kindern wen-.g i ns in ihre, s ittzerageir Form — ßingeb.n Si: geb tene Rahrang enthielt Wohl geniäg.nd Krlar.ei sie war aber zu arm an Vitaminen. Za beanstanden ilt nach. Daß d e bei der Schullpe. ang v r b eichten ftl i- stosshalt igen Rährmiti el (U>i M.lch, F eisch) schm jahrelang ausschließlich in Kons r.eiform gegeb’n iverden. GC lag Des an Den et erig'.i w ilschastlichen VerDültnisstn. He ile ließe sich schon besser 2lbh lf? schaifen Durch Die allgemein rerschckechterten sozialen Verhältnisse iß Der Reinliatle tszustand in Den hiesigen Volksschulen — entsprechende Beobachtungen wurden auch anderwärts — gegenüber der Vorkriegszeit me lbar^zu ü igegangen. Unter diesen Umständen läßt'es sich nicht umgehen. Daß die Schulbäder wieiXr mindestens in dem gleichen Umfange wie vor dem K.icge Durchzesührt werden. Hi >r-.n zwing', schon Die starke Uebersullung der Schalckasten mit der Damit verbundenen htzgienifchen Mißständ-en. Es ist Doch zu berücksichtigen, daß die reinlichen Kinder ein Anrecht Haden, nicht dvrch unfaubera ONilschüler- in ihrem Wohlbefinden gestört ,zu werden. Gegenwärtig baden nur Di’ d.ei bis vier obersten Kla'sen von zw i Volksschulen im Volksbad Alle übrigen Klassen beteiligen sich überhaupt nicht an den Schulbädern. Die Folge Davon ist, daß in den nicht badenden Klassen neben der Unreinlichkeit manche ansteckenden Hautausschläge (wie Impetigo contagiosa usw.f gegenüber der Vorkriegszeit wesentlich ^genommen haben. Eines Ausbaus bedürfen die zur Entlausung getroffenen Einrichtungen. Es sind fernerhin bei der beträchtlichen Zunahme der Skrofulose und Rachitis in den hiesigen Volksschulen DU Schulsolbäder in einem möglichst großen Umfang durchzuführen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen. Daß in Gießen zwei ebenso billige als wirksame Heilfaktoren, Die ganz besonDers geeignet sind. Den kindlichen Organismus durch Hebung Der Widerstandskräfte im Kampfe gegen die Tuberkulose, Skrofulose. Rachitis und anämische Beschwerden zu unterstützen und zu stärken, noch nicht in Dem Umfange, wie es iß ter Wich'.igke t entspricht, zur Anwendung kommen. Es sind dies die L u f t - und Sonnenbäder, mit deren Einrichtung andere Städte hervorragende Erfolge erzielten, und die neben einer guten Ernährung und einer entsprechenden Lösung Der Wohnungsfrage die wichtigsten Bundesgenossen im Kämpfe gegen die Tuberkulose Darstellen. Vorschläge nach dieser Richtung hin wurden von dem 'Berichterstatter schon an anderer Stelle gemacht. Einen wesentlichen Rückschritt in der Hygiene Der Volksschulkinder bedeutet die in den letzten Jahren vorgenommene Einschränkung Der freien zahnärztl i chen Behandlung. Es ist zweifellos richtig. Daß es heute einer Kommune nicht zugemutet wetDen kann, auch Den Volksschulkindern besser situierter Eltern freie schulzahnärztliche Behandlung zu gewähren. Aber der Tatsache, Daß ca. 90 Proz. sämtlicher VolkSschul- kindcr eine behandlungsbedürftiges Gebiß haben, muß doch in einem viel weiteren Umfange als dies seicher möglich war, Rechnung getraam werden. Daß Der Blutarmut, der Skrofulose, der 21»- chitis und nicht zuletzt der Tuberlulose Durch Die allgemeine Wohnungsnot in weitgehendster Weisc Vorschub geleistet wird, ist eine bekannte Tatsache Run hörte sie den Mann fluchen und sah, wie er sich aus dem Fenster vo.b ug e sein Gesicht war gespannt jxnD u rcheweglih. Er Helt einen Feldstecker vor die 2Iu;en E was spä er hatte er ihn auch schon Weggele,-t. sei re elektrische Taschenlampe crgr.ffen und gab ein Zrichrn in die Dunkelh.it hinaus. Dies nahm nur einen Augenblick in Anspruch. Im nächsten war er sch n an der Türe und Grace hörte, wir er de r n_ Dir beiden Man er mürben zweifellos in fütrfz.ha bis zwanz'i Mi u.rn u« rück sein. Und dann — sie schaud:r e bei dem Gedanken, waS dann dem c crauü e.i K nde ge- schehen würde . . . Da fiel ihr etwas ein. Dichnrds Ge icht e-« schien ihr. und sie fiel bitterlich weinend übev die Fensterbrüstung. l"F'--rtsctzung folgt.) 2-as -veirreoen je Der wertvticvenven Kommune sollte es daher sein, ihren Dolksschulkindern, welche am meisten unter Wohnungsnot und ihrem Gefolge von überfüllten, schlecht ventilierten, ungenügend belichteten, feuchten und ungesunden Wohnungsgelegenheiten leidet, durch die Bereitstellung von gesundheitlich einwandfreisten Schulräumen ein entsprechendes Äquivalent zu bieten und damit an der Bekämpfung dieser Krankheiten sich zu beteiligen. Diesem Gesichtspunkt wurde aber seither in Gießen noch nicht ausreichend entsprochen. Es ist richtig, datz wir ein armes Volk geworden sind, und daß die Verhältnisse uns zwingen, unsere hygienischen Forderungen auf das bescheidenste Mast herabzufchrauben. Dies ist auch in den Kriegs- und Vachkriegsjahren weitgehendst geschehen. Dah aber heute noch in jeder Hinsicht zu beanstandende Schulräume, wie sie z. D. die alte »Aliceschule" aufweist, zu Unterrichts zwecken der Volksschule benutzt werden, läßt sich namentlich bei der heutigen Heberfüllung der Klassen nicht mehr länger verantworten, derartige unhaltbare Zustände müssen geradezu die Kritik herausfordern. Es sei hierzu bemerkt, dast ersah- rungsgemäst gerade die Schüler dieser Schule besonders ungünstige Gesundheitsverhältnisse aufweisen. Auch hier must also unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Legt das Gesetz den Eltern die Pflicht auf, ihre Kinder einer Schule anzuvertrauen, so haben sie auch einen Anspruch daraus, diese in hygienisch einwandfreien Schulhäusern untergebracht zu wissen. Die Stadtverwaltung Giehen besaht sich schon seit über 20 Jahren mit dem Projekt der Errich»- tung eines modernen Dolksschulgebäudes, das schon seit vielen Jahren als ein wirkliches Bedürfnis von ihr anerkannt wurde. Die Errichtung dieses Gebäudes bei der heutigen Finanzlage der Stadt noch länger hinauszuschreben, wäre ein später nicht mehr gutzumachendes Unrecht an der Giehener Volksschuljugend. Drängend aber ist davor zu warnen, wieder einmal mit einem „Aotbehelf" .halbe" Arbeit zu leisten. Halbe Maßnahmen sind bekanntlich die kostspieligsten und erfüllen ihren Zweck nur unvollkommen. Dr. B Aus der Provinz. Landkreis Gießen. L W i e s e ck, 10. Aov. Am Sonntagmorgen konnte die Wache von der umfangreichen Brand- st e l l e zurückgezogen werden und alle Gefahr als beseitigt gellen. Die AufräumungZarbeiten würden mich den Sonntag über fortgesetzt. Der Schaden ist für die Betroffenen recht hart, da die Versicherungen zum Teil gering waren. Die im Laufe des Sonntags ein ge leite e erste Hilfsaktion für die Abgebrannten zeitigte' ein äuherst günstiges Ergebnis. Durch dre Ortsschelle wurde am frühen Nachmittag zur Ablieferung von Heu und Stroh aufgefordert, die spenden liefen bei der Sammelstelle an der Kirche bis zum Abend so zahlreich ern, dah damit die erste Mot behoben ist. Ein recht schönes Zeugnis wahrer Nächstenliebe! Hm das schnelle Wieder- aufbauen der zerstörten GekÄude zu ermöglichen, wwd von der Gemeinde versucht, Gelder zu beschaffen. Es ist selbstverständlich, dah das günstige Wetter am gestrigen Sonntag sehr- viele Neugierige aus der Hmgegend anlockte, der Brandstelle einen Besuch ab^uftatten. .Es sind Tausende gewesen, die gestern in Wies eck waren. Der Feuerwehr, der Giehener sowohl l wie der Wiesecker, gebührt für ihre aufopfernde Tätigkeit der gröhte Dank, sie taten das menschen- 7 möglichste, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken, und dah es gelang, war ein großes Glück. 'r — Unter der Beschuldigung, sich an einem jährigen Mädchen vergangen zu haben, wurde am Sonntagabend ein etwa 30jähriger Mana f e st g e n o m m e n und nach Giehen abge'ührt. Er ist Kriegsbeschädigter, gab an, aus Qltarbuig zu stammen und bettelte hier. Die Ermittelungen werden ergeben, ob sich der Verdacht bestätigt. Vorläufig stellte der Verhaftete alles in Abrede. — Die niedrig st e Ster blich keitsziffer seit 18 7 5 weist unser Standesamtsregister auf. Es starben in diesem Jahre bis zum 1. November 23 Peifvnen. Der Durchchnitt der letz en Jahre betrug 40 bis 45 Sterbefälle. Auch die Zahlder Geburten g i n g e r h e b l i ch z u r ü ck, sie betrug bis 1. November 50, während schon Jahre mit 90 Geburten zu verzeichnen waren. Che- schliehungen wurden 20 vorgenommen. Kreis Friedberg. ^ Bad-Nauheim, 7. Nov. D.r hesire Stenographenverein „Gabelsberge r", V er seit m H. als 25 Zähren das System sei eZ M i- sters in eiligster Prpagandaarb it g lehrt und verbreitet hat, ist Der Au ff r eru g des „D ut- sch'n Sien gr.rph.'bun es Gab..sberg r' g,f lgt, indem er k>. schloß, sich sofort auf die Reichs - kurzschrift umzustellen. Die am 1. CE o'er* 'begonnenen Babelsberger Anfängerkurse in der Voltschule und im Verein w r.en sofort ab'gebrochen und durch Anfängrrkurse in der Reichskurzschrift ersetzt. öf. Friedberg, 8. Nov. 3n das hiesige Polytechnikum sind in dem begonnenen Wintersemester 124 Studierende neu eingetreten. Die Zahl der Hörer beträgt über 600. Damit ist der höchste Stand seit Bestehen der Anstalt erreicht. Unter den Studierenden befinden sich 53 Ausländer, und zwar 8 Ungarn, 7 Russen, 3 Tschechen, 2 Holländer, 8 Lettländer, 1 Esthländer, 3 Türken, 3 Oesterreicher, 2 Jugoslawen, 7 Rumänen, 1 Schweizer. 3 Litauer, 2 Norweger, die übrigen sind Reichsdeutsche: nach Fächern geordnet waren es im Do eigen Semester 312 Maschinenbauer, 176 Elektrotechniker, 45 Bauingenieure, 26 Architekten. Dah die Anstalt für das wirtschaftliche Leben unserer Stadt von grober Bedeutung ist. nimmt kein Wunder, aber auch das geistige Leben bleibt davon nicht unberücksich- ligt. oo veranstaltet die Direktion eine Reihe all- gemeinverständl.cher Vorlesungen, an denen jedermann gegen billiges Entgelt teilnehmen kann Hiesige und auswärtige Kräfte der benachbarten Hochschulen G ehen und Frankfurt haben diese Vorlesungen übernommen: so hat u. a. Professor Colin (Gießen, seine Vortragsreihe über den Deutschen Roman des 19. Jahrhunderts mit grobem Erfolge begonnen. Kreis Schotten. n Laubach, 6. Nov. Vorgestern bat F o r si r a t Kratz, der frühere Oberförster der Oberförsterei Feldkrücken (Sitz in Schotten), die Verwaltung des hiesigen staatlichen Forstamts übernommen, das bisher durch Forst assesfor Zimmer von Grünberg au-: versehen wurde. Die Stadt Laubach wird zum I Bau des neuen ForstamtS den 'Bauptatz und die Bruchsteine liefern. Der Bauplatz ist noch nicht endgültig bestimmt. Kreis Lauterbach. b Fleschenbach, 7. Nov. Bürgermeister D e r t i n g feierte heute sein 25j ähr. Dienst- jubiläum. Kreisdirektor Dr. Michel sprach dem Zubilar die Anerkennung und den Dunk des Kreisamts für seine treue und gewissenhafte Dienstführung aus und gab der Hornung Ausdruck, dah es ihm Der gönnt sein möge, noch lange in körperlicher Rüstigkeit und grifltgec Frische zum Wohle der Gemeinde das Amt zu verwalten, dah es ihm insbesondere gelingen möge, die durch die beschlossene Feldbereinigung in der Gemeinde hervorge trete neu Unstimmigkeiten zu Meitigen; der Kreisbirektor ermutigte den Zubilar, auf der betretenen Bahn we terzuschrciten und versicherte ihm, dah ihm auch seine heutigen Gegner noch dankbar sein würden, dah er das im wohlverstandenen Zn'er- esse der Landwirte unternommene Werk durchgeführt habe Zur Erinnerung an den Tag überreichte der Kreisdirektor dem Zubilar ein Handschreiben, in dem die Glückwünsche des Kreis- amts zum Ausdruck gebracht f nd. Beigeordneter Hausmann übeigÄ mit Worten des Dankes für seine der Gemeinde geleisteten Dienste dem Zubilar einen von den Mitgl'.eoern des Olls» vorstandes gestifteten Sessel. Bürgermeister Berti n g verband mit seinem Dank für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen die Bitte, der Gemeinderat möge ihm auch fernerhin in der seitherigen Weise bei seinen gemeinnützigen Bestrebungen unterstützen. Auher den M.tgliedern des Ortsvorstandes hatten sich einige Kollegen des Zubilars aus Nachbargemeinden zu der Feier eingefunden. Ä> Holzmühl, 7. Nov. Seit der Bildung einer eigenen Bürgermeisterei imZahre 1899 stehl Bürgermeister Schloder an der Spitze unserer Gemeinde. Am gestrigen Tage feierte er fein 2 5 jähr. Dienstjubiläum. Kreisdircktor Dr. Michel war hierzu erschienen und überbrachte ihm die Glückwünsche des Kreisamts, denen er durch die Ueberreichung eines Handschreibens besonderen Ausdruck verlieh. Der Ortsvorstand lieh durch den Beigeordneten Rasch dem Zubilar einen von der Gemeinde gegifteten Sessel übergeben. Der Zubilar dankte in bewegten Worten. Starkenburg und Rheinhessen. fpd. Offenbach 9. Nov. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Adam Ebner aus Neu-Zsenburg, der sich wegen einer Knochen- Vereiterung im hi es gen K'.-ankeahaus einer Operation unterz ehen muhte, würd' hier wegen eines Strafermi.ilungsv er fahrens mehrere- mal polizeilich vernommen. Zn einem unbewachten Augenblick verlieh Ebner sein Zimmer und floh aus dem Koankenhause. Heber seinen Aufenthalt konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Die Flucht Ebners hängt aller Wahrscheinlicht-'it nach mit der Aufdeckung der kvm m u« i ft । schcn Pah f.äl scherzentrale zusammen. Hessen-Nassau. # Königsberg (Kr. Biedenkopf), 9. Nov. Tie Bautätigkeit war in diesem Zahre hier s e h r r e g e. Trotz des großen Geldmangels wurden 5 Wohnhäu er nebst Wirtschaftsgeb uden gebaut, wovon das letzte in Kürze bezugsfähig toirb. Tie Firma Rinn & Eloos vergrößerte t.'jre Fa brik durch einen Anbau, der feiner Vollendung entgegengeht. Von der Firma M e n z & Schlierbach, Dillenburg wird augenblicklich ein neues, grö heres Maschinen Haus für die hiesige Grube Mannosmon i gebaut Die Gemeinde verstand die Baulust zu fördern, indem sie neues Baugelände erschloh und es zu sehr günstigen Be i igungen abgab Der in dea l tz ea Zähren entstandene neue Dorfteil umfaßt jetzt 10 Gehöfte und die Zigarre 'fab.stk. — Die Einbrecher, die vor ein ger Z it im Hohen- solmser Konsum verein ei gehorchen h t- ten, sind in Göttin gen ermittel' un) in Gewahrsam genommen w r en Der Diebstahl, der einen Tag später in Stnufenöerg verübt wurüe, wird ebenfalls auf ihr Konto gesetzt. fpd. F r a n k f u r t a. M., 9. Noo. Die Hoch- Wasserflut des Mains ist beendet, von Stunde zu Stunde ebbt der Main mehr in sein Bett zurück. _ Der Pegolstnnd beträgt nur noch 1,30 Meter über der Nvrmalhvhe. Nun erkennt man aber auch die Folgen des Hochwassers. An zahlreichen Stellen des rechten Mainufers rissen die Fluten das Stratzenpsllister in weitem Umfange auf und wirbelten die Steine in den Main. Die Schiffahrt wird voraussichtlich noch einige Tage ruhen müssen. Dagegen wird der Fährbetrieb an der Notbrücke Montag srüh wieder ausgenommen. Die Feuerwehr ist jetzt eifrig bei der Arbeit, die unter Wasser gesetzten Keller der Altstadt mit Motorspritzen oder mit Saug- onlagen wieder trocken zu legen. — Zn Frankfurt, Köln, Koblenz, Rüdesheim, Darmstadt, G i e tz e n , Wü zburg, Nü.mbe.g und noch etwa 40 anderen west- und süddeutschen Städten verübte ein Trio durch Vorlage gefälschter Dank- quittung.n der Sand-Bank D. ©a d.ns in Amsterdam um aigrc ch. Bet . ügereicn, wo. e. ihm hohe Werte in die Hände fielen. Die Verbrecher wurden jetzt in Hof i. D. auf frischer Tat ertappt und fe ft genommen. Es Hand lt ficf) um den 26jährigen Kaufmann Ferd.nand Seih aus Wadrach bei Trier, den 26jährigen Kaufmann Johann T h ö n n e s aus Morscheid bei Trier und dic Hausangestellte Katharine Z b e n t h a l aus Heddersdorf bei Neuwied. Wirtschaft. Ein deutsch-französisches Kohlen- adkommen. Zn Paris ist soeben in Ausführung des Londoner Paktes ein Kohlenlieferungs- Abkommen fertiggestellt worden, das voraussichtlich in dieser Woche Dom Organisationis- fomitee für Sachlieferungen ratifiziert werden wird. Das Abkommen legt in grotzen Zügen die Lieferungsbedingungen fest und bildet einen Ersah der am 28. Oktober abgelaufenen Micum- Verträge. Kleinere Ergänzungen wird dieses Abkommen durch die nächsten in Essen anf .n,s dieser Woche stattfindenden Besprcchu gn> e.f: - ren. Die zu liefernde Kohlenmenge wird auch in Zukunft von der Repacationstornmission für jeden Monat im voraus bestimmll Für den Mo- nai November sind im ganzen 1 114 000 Tonnen auf Reparationskonto an Frankreich und Belgien £ iberweisen: die Lieferung seht sich z-u Diei' Fünfteln aus Steinkohle und zu einem Pariser Presse kann alleromg8 nicht anders, als auch diese Angelegenheit zum Gegenstand eines Angriffs auf Deutschland zu machen und die Behauptung aufzustellen, daß vom 28. Oktober ab von deutscher Seite keine Kohlen geliefert wären. Das trifft nicht zu, die deutschen Zechen fühlten sich vielmehr verpflichtet, auch für die Zeit zwischen dem 28. Oktober und dem 1. November Reparationslieferungen auszuführen, die allerdings autzerhalb der Micumver- träge und des jetzigen Abkommens liegen, trotzdem aber auf Reparationskontv gutgefd>rieben werden. * * Betriebsstillegungen in Sach- f e n. Die Zahl der bei dem Sächsischen Arbeits- ministerium in der Zeit vom 16. bis 31. Oktober eingegai genen Anzeigen von Betriebsstillegungen beläuft sich auf 24, ist also um 3 großer als die Zahl aus der ersten Hälfte des Monats. An der Spitze steht die Maschinen und Apparate-Zn- dustrie. Buntes Allerlei. Dic Dicke der Wolken. Die Dicke der Wolkenschichten ist erst in neuester Zeit durch zahlreiche Drachen- und Fesselballonaufstiege näher erforscht worden. Heber bie interessanten Ergebnisse berichtet W. Keppler in den „Naturwissenschaften". Die mittlere Dicke ber meisten Wolkenfvrmen, mit Ausnahme der eigentlichen Regenwolke, des Nimbus, beträgt nur wenige hundert Meter. Am häufigsten kehren die Schichtdicken von 200—300 Meter wieder, fo dah man darin eine bestimmte Gesetzmässigkeit vermuten darf. Die Wolkenschichten gehören fast ausnahmslos den oberen Teilen der kalten Luft- körper an, und man darf annehmen, dah die Wolken sich im allgemeinen im oberen Teil aufsteigender Luftkörper befinden und dah über ben Wolken ein Zirkulätionssystem mit vor- herrschend absteigender Luftbewegung beginnt Die senkrechte Entwicklung der Wolken ist sehr von den Wärmeverhältnissen abhängig, was man besonders an den Haufenwollen beobachten kann. Die Entstehung dieser Wollenform ist auf bie Erwärmung der Erdoberfläche und die Bildung örtl.ch aufsteigender erwärmter Luftschlieren zurückzuführen. Sind die oberen Schichten warm, wie es an Sommertagen bisweilen der Fall ist, dann können sich keine Haufenwolken bilden, da der Auftrieb der erhitzten Luftschlieren beim Hebertvirt in die warme obere Schicht erlahmt. Eine bedeutende Hohenentwicklung der Wolken ist nur dann möglich, wenn bie Temperatur mit der Höhe stark abnimmt, so dah die Haufenberge mit unverm ndertem Auftrieb emporwachsen können. Zn diesem Falle entstehen dann bie Ge- w tterwolken, deren Höhe in Mitteleuropa zwischen 3 und 7 Kilometer betragen kann. Zn den Tropen erreichen sie bisweilen gewaltige Dimensionen. So hat man auf Zava einen Berg von Haufenwolken gemessen, der bis zu der ungeheuren Hohe von 15 Kilometer, also noch 6 Kilometer über den Gipfel des Everest, empvrwuchs. Diese autzerordentliche Höhenentwicklltng einer einzigen Wollenmasse ist nur durch bie grotzen Hnterschiede der unteren stark erhitzten Luftmassen und der oberen kalten Schichten zu erlläven. Es ist begreiflich, dah solche riesigen tropischen Gewitterwolken ungeheure Regenmengen liefern. Zm allgemeinen kann man an» nehmen, datz Wollen, die weniger als 500 Meter dick sind, keinen ober nur ganz geringen Niederschlag liefern. Daher sind denn auch die meisten Wolkenformen bei uns nicht von Regen begleitet. Die Versuche, auf künstl chem Wege dicke Wolkenschichten und damit Regen zu erzeugen, sind stets vergeblich geblieben, wie durch die ausgedehnten Mahnahmen dieser Art in Ztalien und Lllrstra- lien erwiesen ist. Es wären dazu so ungeheure Energievorräte nötig, wie sie durch menschliche Kräfte nicht aufzubringen sind. Selbst bei den gewaltigen Waldbränden in Amerika und den Feuersbrünsten im Weltkriege, die bedeuten de Haufenwollen hervorbonchten, zeigte sich doch kein nennenswerter Niederschlag. Die Wärmeumlagerungen im Kreislauf der Atmosphäre, die die dicken Regenwolken erzeugen, sind viel zu gewaltig, als dah der Mensch sie heroorbringen könnte. Frau Lincoln. Abraham Lincoln, bet im amerikanischen Bürgerkrieg Präsident der siegreichen Nordstaaten war, stand in ungewöhnlichem Matze unter bem Pantoffel und hatte oft unter der schlechten Laune seiner Frau zu leiden. Eines Tages kam er um 11 Hhr von einem Parteikongreh in Chikago heim. Am nächsten Morgen sprach ihm Frau Lincoln in unverblümten Wörtern ihr Hnbehagea über seine politische Tätigkeit aus, die ihn veran- latzte, Abenb für Abend auher bem Hause zu verbringen, während sie und bie Kinder allein zu Hause sitzen mühten. Sie schlotz ihre Worte: ..Heute abenb lege ich mich Punkt 10 Hhr ins Dell. Bist du zu dieser Zeit zu Hause, gut. wenn du aber bis dahin nicht kommst, so brauchst du nicht zu glauben, datz ich daran denke, aufzu- ^eben und dich hereinzulaften." Gesagt, getan. Punkt 10 gingen Frau Lincoln und die Kinder zu Bett, und eine Stunde später llovste Lincoln an bie Tür. Er klopfte und klopfte, aber niemand öffnete. Schliehlich wurde im ersten Stock ein Fenster auf-gemacht, ein Kopf guckte heraus und fragte in schroffem Ton, wer da stände. Zch b'n's". antwortete Lincoln. „Mach sckmell auf — 'ch Hube dir etwas sehr Wichtiges zu erzählen." > D'' wc-itztz was ich gesagt habe", erwiderte die erzürnte Frau Lincoln. „Zch bin deiner politischen <.a,.cn müde. Zch habe mir vorgenommen, bah bas letzt anders wird." „Za, aber, liebe Frau" ries Lincoln ungeduldig, „es ist ein Telegramm ae- kommen, dah ich zum Präsidenten der'Vereinigten (Staaten gewählt bin!" „Nein, weiht du, Abraham, brach Frau Lincoln in höchstem Grade entrüstet los, „das geht wirklich zu weit. Zch habe ja geahnt, dah du heimlich trinkst, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dah du betrunken nach Hause kommen würdest. Geh' und schlafe deinen Rausch da aus wo du ihn dir angeschafft hast!" Damit flog das Senner zu. Aber am nächsten Tag er» fuhr Frau Lincoln zu ihrem Erstaunen, dah ihr ^Ivrayam die Wahrheit gesagt hatte und wirklich zum Oberhaupt der großen Republik gcwähll worden war. Büchertisch. — <8-von Frankenberg: Der große! Europäer (Dietsch & Brückner. Weimar), .Die ! -Üezrehungen des Einzelmenschen zur Gemein- ! ichaft , dieser Preisav -e des Nietzsche-Archivs I Deroann das Buch leine Entstehung. Krieg ode< Verständigung ist bie Frage, die Frankenberg auf« wirft und im Sinne des Weltaufbaugedankens beantwortet. Das auherordentlich anregende Buch des umfassend gebildeten, alter Kultur entftam- menden Verfassers hat nichts gemein mit dem pazifistischen Gewinsel unserer Völkerbundsschwär- mer. Heber vieles wird man anders denken, aber keiner wird es ohne starke Befruchtung aus der Hand legen und es achten müssen, weil es ein aufrechtes Buch ist. 1058 — Ad. Beyerlein: Der Prozeh des Müller's Arnold (Deutscher Verlag, Leip, zig). Der Verfasser ist einer der wertvollsten Vermittler deutscher Geschichte in erzählender Form. Die Geschichte ins Vo