Nr. 213 Erstes Blatt U4- Jahrgang Mittwoch, 10. September 192$ Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: ® iehenerFamilienb lütter Monatsvezvgrpreis: 2 Goldmark u. 20 Gold» pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. GietzennAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd mid Verlag: vrühl'sche Univerfitalr-Vuch- und Steinöruderei R. Lauge iu Sietzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mir Breite örtlich8, auswärt, 10 Goldpfennig; für Rb Klame-Anzeigen v.70chm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrifl 20'/, Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange: für den übrigen Teil. Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: H ans Beck, sämtlich in Gießen. Der Bürgerkrieg in China. Der Kampf vor Shanghai. — Die Großmächte. — Die Rolle Deutschlands. Schanghai, 9.Sept. Zehn Kilometer von ber Stadt scheint eine Schlacht im Gange zu sein. Der Militärgouverneur von Tscheliang soll mit einer zweiten Armee von 20 000 Mann von Lschang King, zehn Meilen südöstlich von Tai Hurko, in der Richtung Ehing vorgerückt sein. Der Fall Shings wird erwartet. Als Hauptziel dieser Armee gilt Tschangtschou, das Hauptquartier Ktangsus. Infolge der gefährlichen Lage in den Herb* bezirken von Schanghai sind 1200 britische, amerikanische, japanische und italienische Marine- soldaten gelandet worden. Außerdem sind in Schanghai Freiwillige mobilisiert worden. T s ch a n q t s o l i n hat die Konsuln der fremden Mächte in Mulden amtlich davon in Kenntnis gefetzt, daß er Lujunghfiang, den Verteidiger Schanghais, unterstützen wolle. In der Stadt und der Provinz Rauling ist das Kriegsrecht proklamiert worden. Die Versicherungsgesellschaften verlangen von den Mitgliedern der Frem- denlolonie eine monatliche Versicherungsprämie von 2 Prozent für Kriegsschäden und haben dabei große Abschlüsse erzielt. Die Truppen von Tfchiangtsu können auch weiterhin wenig Terrain gewinnen, da die Truppen von Tscheliang ihre Stellungen fest in Händen halten. ♦ Die Kabel und Funksender verbreiten täglich aufregendere Meldungen über den chinesischen „Bürgerkrieg" um Schanghai. Aber zwischen den Zeilen der Telegramme liest man deutlich, daß sich im fernen Osten ein gewaltiges Ringen der Großmächte abspielt. Amerika, England und Japan sind die Verfechter des Gedankens, China zu zerschlagen. Rur ein uneiniges Reich der Mitte dient ihren Absichten. Ihr Werkzeug ist der Verteidiger Schanghais, der Rebellengeneral Lu-Vungh- Sian g, der zusammen mit dem Mrlitärgouver- ncnr von Tscheliang durch die Pekinger Regierung abgescht worden ist. Der Widersacher Lu-Vungh-Smngs, der Militärgouvernear von Kiangsu ist beauftragt, eine scharfe Straf- expedition gegen die Rebellen zu unternehmen. Er kämpft für die Einheit Chinas. Hinter ihm stehen Frankreich und Rußland. Seine Armee versmgt denn auch über französische Waffen und russische Offiziere und Flugzeuge. Frankreich befürchtet ein zu starkes Anwachsen des angelsächsischen Einflusses in Oft- asien. während Rußlands letztes Ziel die Vertreibung der Großmächte aus dem fernen Osten ist. Die Großmächte, die hinter den chinesrschen „Rebellen" stehen, betreiben wie gesagt die A u f - teilung Chinas in Einfluhgebiete. England sucht dabei seine Veute im Süden, Japan die sei- nige in der Mandschurei, insbesondere in der ost- chinesischen Eisenbahn. Der bekannte Sunjat- s e n. Präsident von S'tdchina, hat ein Manifest erlassen, das sich aufs schärfste gegen den „englischen Imperialismus" ausspricht. An Mac- d o n a l d richtete er einen Protest gegen die Absicht der Mächte, ihre Flottenkräfte in das Kampfgebiet zu schicken. Tatsächlich hat die englische, japanische und amerikanische Regierung den chinesischen Außenminister Dr. Wellington Koo benachrichtigt, sie würden nicht dulden, daß eine Seeschlacht int Hafen von Schanghai stattsinde. Die Seeschiffe der Mächte find bereit, sofort anzugreifen, toemi die Chinesen trotzdem versuchen sollten, zur See zu kämpfen, wobei nicht übersehen werden darf, daß die chinesische Kriegsflotte nicht vielmehr rechnet als die von Marokko oder Montenegro, bah aber Schanghai riesige Docks und Marinewerkstätten sowie das größte Kriegsarsenal Chinas, das Kianguan-Arsenal be'itzt. Während sich also die chinesischen Zwergfische streiten, rücken die Schwäre heran, um die größten Brocken wegzuschnappen. Dies die militärisch-politisch; Lage, Unb nun beachte nyin folgendes: Ein China-Engländer, der Times-Korrespondent in Hongkong, teilt der europäischen Öffentlichkeit mit, daß Sunjatsen, der seine Truppen nordwärts zur älnterstüyung der Tschekiang-Regicrung enttandtc, „deutsche und russische Ratgeber habe. Die vor einiger Zeit abgehaltene Transportarbeiterkonferenz in Kanton sei von einem Deutschen organisiert worden ... So wird also versucht, das unglückliche Deutschland in die chinesischen Wirren hineinzu- ziehen. Gegenüber diesem Manöver ist festzustellen: Deutschland hat, allerdings genau wie Rußland, seinen Frieden und seinen Vertrag mit China gemacht. Sich politisch zu einer der Mächteparteien im fernen Osten schlagen zu lassen, besteht auf deutscher Seite sicherlich nicht die mindeste Reigung. Der deutsche Chinahandel ist wieder erfreulich im Aufblühen begriffen Im bedrohten Shanghai befinden sich 1500 deutsche Lanosleute. Wer schützt sie? Im großen Vangtse-Decken sind in den letzten zwei Jahren häufig die bedeiEichsten Angriffe auf Fremde verübt worden. Engländer wurden im Bangtse- tale vor kurzem erschlagen. Amerikanische Schiffe werdep alle paar Jahre beschossen. Japanische Schiffsoffiziere sitzen seit dreiviertel Jahren in Haft gegen Lösegeld. Als Ergebnis des Weltkrieges und der ebenso unvernünftigen wie unbegreiflichen Herabsetzung der Deutschen in China durch alle Ententeangehörigen ist das Ansehen der Weihen gesunken. Bei dem Kampf um Shanghai kann es zu Zwischenfällen kommen, bei denen auch die Deutschen leidend bctei- zigt iinü. Den Ausbruch des Bürgerkrieges in China und seine Motive beleuchtet blitzartig ein Interview, das unlängst der ehemalige Ministerpräsident der Republik China Ttzng Shav 9)i einem Vertreter der amerikanischen Presse gewährte. „Cs ist glatter Ürtfinn, zu behaupten," so begann der ehemalige Ministerpräsident, „daß die Chinesen nicht in der Lage seien, sich selbst zu regieren. Wir waren dazu fähig, als die europäischen Rationen noch barbarische Provinzen Roms waren. Wir haben uns," so fuhr er fort, „nach der Revolution zu sehr beeilt. Wir haben die Tradition unseres Landes außer Acht gelassen wib uns nicht genügend um die Sitten und Gebräuche unseres Volkes gekümmert. Wenn wir so fortfahren, wie wir es je^t tun, so fortwursteln, hier und da flicken, Bürgerkriege führen, Präsidenten und Militärgvuverneure ernennen und absetzen, werden wir niemals weit kommen. Dann wird der Ausländer nach China hereinkommen, und China wird niemals Gelegenheit bekommen, sich selbst wiederherzustellen. Wenn man im Westen von einer Regierung spricht, so denkt man zunächst am die Ration, an die Hauptstadt, wie Washington, London, Paris, Berlin. Man denkt an einen König, an einen Kaiser, einen Präsidenten, an große Armeen und viel Gerede im Parlament und Senat. Wenn wir im Osten von der Regierung sprechen, so denken wir zunächst an die Familien, an den Bezirk, an das Land, an die klein st e Einheit, in der alle Bürger sich gut kennen und wahrscheinlich miteinander verwandt sind, wo kein Mensch etwas Schlechtes tun kann, so lange er dort lebt, weil er infolge unseres herrschenden Familiensystems sich sonst unmöglich machen würde. Als wir die Republik gründeten, kannten wir diese Prinzipien sehr wohl, aber haben sie in unserer ersten Aufregung vergessen. In bet ersten Begeisterung toanbten wir uns an ben Westen unb borgten alles, was ber Westen zu geben in ber Lage war: Einen Präsidenten, em Parlament, eine stark zentralisierte Regierung, eine Verfassung, viel Gerede und eine schlechte Verwaltung. Ich sage absichtlich, wir borgten uns alles das, aber das chinesische Volk ignorierte uns und das, was wir uns borgten. Das Volk kümmerte sich wenig um uns, bearbeitete weiter seine Felder und kümmerte sich s e l b st um die Angelegenheiten seiner einzelnen Bezirke und Provinzen. Richts wird in China von Erfolg begleitet sein, das sich nicht in lokalerHinsicht durchzusehen vermag. Die Pekinger Regierung hat niemals Einfluß gehabt auf die kleinsten Provinzen und Dörfer, und die von der Regierung entsandten Sendboten mußten sich immer vor lokalen Gebräuchen und dem lokalen Willen beugen. Der Expremier sprach sich dann gegen die Rachahmungen und Atrappen des Westens aus und trat nachdrücklichst für die Einführung rein chinesischer Methoden ein. Es sei zunächst notwendig, daß das chinesische Volk den Präsidenten, das Parlament, die Verfassung und andere Fehler der Republik vergißt und einen R a t i o n a l r a t bildet, der aus 22 Vertretern besteht. Jeder dieser 22 Vertreter soll von der Provinzversammlung derjenigen Provinz, in der er geboren ist, ernannt werden. In China regieren die Dörfer und nicht die Hauptstadt. Die Lage in Shanghai. Die St^dt vor einer Hungersnot. — Tschangtsolin im Anmarsch. Reuhork, 9. Sept. (Eig. Meldung.) Aas den neuesten Meldungen aus Schanghai geht hervor, daß die Lage der Stadt in höchstem Maße kritisch ist. Fleisch ist nur noch für zwei Tage vorrätig, auch die übrigen Lebensmittel sind knapp. Infolge des andauernden Zustroms von Flüchtlingen aus der Kriegszone sind die Krankenhäuser mit Verwundeten überfüllt. Rachdem die Pekinger Regierung sich osten auf die Seite von Kiangsus Streitkräften gestellt hat, die den Angriff auf Schanghai unternommen haben, stehen sich nun die beiden großen Parteien T s ch i l i und A n f u in offener Feindschaft gegenüber. Der gegencvärtige Präsident Chinas. T s a o k u n, besten Macht aber n u r n o m i - n e l l ist, da er ganz von dem mllitärischen Befehlshaber Wupeifu abhängt, ist Exponent der Tschili, denen von der Anfu-Partei und ihrem Führer Tschangtsolin der Verrat am chinesischen Volke durch Günstlingswirtschaft und Unterwürfigkeit gegenüber den ausländischen Regierungen zum Vorwurf gemacht wird. In der Kampfansage Tschangtsolins an Peking, die durch ein aus Viukden verbreitetes Zirkulartelegramm bekanntgegeben wurde, wird der Regierung unter anderem auch vorgeworfen, daß sie Deutschland in dem kürzlich abgeschlossenen Vertrage zu groheZugeständnisse gemacht habe. Sun- j a t s e n, der an der Spitze der südlichen Chinaprovinzen mit dem Sitz in Kanton steht, unterstützt Tschangtsolin und hat den Befehl gegeben, daß seine Truppen alsbald den Verteidigern Schanghais zu Hilfe eilen sollen. Die Hoffnungen, ben Kampf um Schanghai lokalisieren zu können, haben sich also als trügerisch erwiesen; nachbem Tschangtsolln bie „große Maner" im Äorben mit feinen Truppen überschritten hat, wirb säst ganz China in ben Bürgerkrieg verwickelt sein. Die Streitmacht Tschangtsolins wird nach den hier eintreffenden Telegrammen als sehr ansehnlich und gut ausgerüstet geschildert. Schanghai, das nach der Rieüerlage der Anfu-Partei das letzte Wider st andszentrum der An- fus gegen die siegreichen Tschilis gewesen ist, wird so zum Mittelpuntt der entscheidenden Kämpfe, die leicht zu einem völligen System- wechsel in Peking und zur Vertreibung der Tschilis führen können. Schanghai kann, den letzten Meldungen zufolge, in wenigen Stunden in den Kriegsschauplatz mit einbezogen fein. Die Kämpfenden sind bereits in die nächste Rähe der Stadt gedrängt worden. Die weitere Entwicklung hängt nun ganz von der Raschheit des Vorgehens Tschangtsolins ab, dessen Vormarsch in her Mandschurei gegen Peking bereits im Gange sein dürfte. „Reuyork American" glaubt annehmen zu können, daß hinter Tschangtsolin Japan st^hr. Cs sei bekannt, daß eine beträchtliche Zahl japanischer Offiziere und Soldaten in seine Truppen eingereiht sei, und auch die Finanzierung seines Vorstoßes, sduvch den die Stellung der Großmächte in Chino ernstlich bedroht würde, gehe von Tokio aus. Die Notifizierung der Kriegsschuldnote. Ein Schritt der Deutschnatioualen bei der Reichsregierung. Derlen, 9. September. (WB.) Die Deutsch- nationale Dolkspartei veröffentlicht folgende Erklärung: Die Reichsvegieurng erklärte in einer Kundgebung vom 29. August, durch die sie das erzwungeneKriegsschuldbekenntniS widerrief, dcch diese zur Kenntnis auswärtiger Mächte gebracht werden soll. Die Rotifizierung dieser Erklärung ist bisher unterblieben. Die Deutschnationale Volkspartei hat bisher der Erwägung Rechnung getragen, daß aus technischen und diplomatischen Gründen die sofortige Rotifizierung vielleicht nicht möglich erscheine und daß politische Erwägungen es angezeigt erscheinen lasten könnten, mit der Rotifizierung zu warten, bis die Haupffihungen der Genfer Dölkerbundstagungen vorüber wären. Rachdem diese beiden Gründe fortgefallen waren und die Rotifizierung noch nicht erfolgte, ist die Parteileitung bei den zuständigen leitenden Stellen der Reichsvegierung vorstellig geworden, und hat um Aufklärung ersucht, weshalb die Rotifizierung bisher nicht erfolgt sei und wann eine solche erwartet werden könnte. Seitens der Reichsregierung wurde daraufhin erklärt, daß sie ihre Derpflichtung, die Rotifizierung vorzunehmen, anerkenne und entschlossen sei, ihr zu entsprechen. Angesichts gewister zwischenzeitlicher Vorfälle habe man sich aber entschlossen, zunächst die für Ende dieser Woche zu erwartende Rückkehr derleit enden MitgliederdesReichs- k a b i n e 11 s abzuwarten und alsdann in einer sofort einzuberufenden Kabinettssitzung über den Termin der Rotifizierung endgültig Beschluß zu fassen. Seitens der Deutschnationalen Volls- partei wurde mit großem Ernste darauf hingewiesen, Latz bei den Mitteilungen der Reichs re- gierung vor Bekanntgabe der Erklärung nie ein Zweifel darüber gelaßen wurde daß die Bekanntgabe an die auswärtigen Mächte alsbald nach Veröffentlichung der Rote erfolgen werde. Die Aufgabe dieses Standpunktes der Reichsregierung würde nach äleberzeugung der Deutschnationalen Dollspartei im In- und Auslands als ein unverständliches Zeichen der Schwäche gedeutet werden und die mit der Erklärung verbundene Absicht in ihr Gegenteil verkehren. Die Deutschnationale Volts- Partei erwartet demnach, daß der bevorstehende Kabinettsbeschluh auf alsbald ig e Avt i f i- zierung lauten werde. Früherer Zusammentritt des Reichstages? Die Haltung der Parteien. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 10. Sept. (Drah Meldung) Zwischen den Führern der Deutschnationalen Vvlkspartei und der Rationalsozia list ischen Freche itspartei haben in den letzten Tagen Besprechungen stattgefunden, um gegebenenfalls sofort nach dem entscheidenden Kabinettsrat den Zusammentritt des Reichstages zu verlangen, der dann zu der ergangenen Entscheidung Stellung zu nehmen habe. Da aber im Aeltestenausschuß des Reichstages eine Mehrheit vorhanden sein mühte, um den Zusammentritt des Reichstages zu erzwangen, würde es von der Haltung der übrigen Parteien aühängsn, ab einem solchen Verlangen flattgegeben würde. Vorläufig besteht in den Kreisen des Zentrums und der demokratischen Partei die Ansicht, daß eine verfrühte Einberufung des Reichstages die polttische Lage nur verschlechtern und verwirren könnte. Die sozialdemokratische Partei ist sich zur Zeit noch nicht schlüssig geworden, ob sie einem derartigen Antrag zustimmen würde. Rach der Ansicht der sozialdemokratischen Führer wäre die Zustimmung davon abhängig zu machen, nach welcher Richtung hin die Entscheidung bed Kabinetts fällt Bekanntlich wirb in sozialbemokratischen Kreisen mit allen Mitteln bie Auflösung bes Reichstage« erstrebt, unb man hätte barnit zu rechnen, baß bie Sozialbernokratte ber Einberufung bes Reichstages zustimmen würbe, nur zu bem Zwecke, um bei einer etwaigen Abstimmung über bie außenpolitischen Entscheibungen unb ein babei einzu- bringenbes Vertrauensvotum bie Auflösung zu erzwingen. Der taktische Ausschuß der sozialdemokvattschen Reichstagsfraktion wird in den nächsten Tagen fortgesetzt Beratungen abhatten, um gegebenenfalls sofort die Parole ausgeben zu können wie sich die Reichstagsfraktton zu verhalten hätte. Zentrum und Demokraten werden möglicherweise den Vorschlag machen, statt dessen den Auswärtigen Ausschuß des Reichstages ernza- berufen. Aber alles in allem genommen, besteht doch die größte Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Rechtsparteien, denen sich voraussichtlich auch die Deutsche Volkspartei anschließen wird, eine frühere Einberufung des Reichstages erzwingen und daß dann im Plenum in aller Oeffentlichkeit die Entscheidung über die inner- und außenpolitischen Fragen fällt Ob die Sozialdemokratie dann mit ihrer Forderung nach Auflösung des Reichstages Erfolg haben wird, wird in den Kreisen der Mittelparteien für sehr zweifelhaft gehalten weil man sich hier, auch mit Einschluß der Demokraten, von einer Auflösung des Reichstages bet dieser Gelegenheit keine grundlegende Besserung der Lage mehr verspricht Der entscheidende Kabinettsrat. Kriegsschuldnote — Völkerbund — Bürgerblock. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 10. Sept. (Drahtmeldung.) Dir schwerwiegende Bedeutung des Kabinettrats, der Anfang nächster Woche in Berlin stattfindet, wird von den führenden Stellen aller Parteien erkannt, und es wird nicht an Bemühungen fehlen, auf die einzelnen Kabinettsmitglieder den stärksten Einfluß nach der einen oder der anderen Richtung auszuüben Vorläufig bestehen noch gewisse Verschiedenheiten in der Auffassung zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem Reichsauhew- minrftur Dr. Stresemann. Wahrend Dr. Marx der Ansicht ist, daß er sich in der Frage der Absendung der Kriegsschuldnote ebenso wie in der Frage des Völkerbundes und der Bürgerblockbildung nach allen Seiten hin frei fühlt, steht Dr. Stresemann auf dem Standpunkt, daß bie Zusagen, bie man vor ben Abstimmungen über bie Gesetze zur Durchführung bes Sachverstän- bigengutachtens ben Deutschnationalen gegeben hat, unbebingt einlösen müsse. Mit dieser Auffassung befindet sich Dr. Stresemann durchaus im Einklang mit feiner Fraktion, und es spricht alles dafür, daß auch die übrigen Kabinettsmitglieder, die der Deutschen Volkspartei nahestehen, diesen Standpunkt vertreten werden. Die demokratischen Kabinettsmitglieder dürften sich dagegen für eine Hinterlassung oder zum mindesten eine langfristige Hinausschiebung der lieber- miltlung der Rote aussprechen. Rach welcher Seite hin Dr. Marx und die Zentrumsminister ihre Entscheidung fällen werden, dürfte von einer letzten Besprechung abhängen, die in führenden Zentrums kreisen unmittelbar vor der Kabinettssitzung abgchalten werden wird. Aber eben deshalb, weil die UnftimmigEeiten in diesen Fragen innerhalb des Kabinetts noch sehr tiefgehend sind und eine Einigung nur schwer za. erzielen fein wird, wäre jede Voraussage verfrüht. Jedenfalls ist für die nächste Zett em lebhafter Meinungsaustausch in der Führerschaft der verschiedenen Parteien zu erwarten. Man spricht auch bereits davon, daß die Botschafter aus London und Paris nach Berlin berufen werden sollen, um über die Stimmung in den englischen und französischen Regierungs- kreisen Bericht zu erstatten. Frankreichs ^Beteiligung an der Reparationsanleihe. Paris, 10. Sept. (WTB.) Wie der „QEatin“ zu wissen glaubt, wird auf amerikanisches Eingreifen hin Frankreich grundsätzlich durch Vermittlung seiner Bankiers an der Zeichnung der 800 Millionen Anleche teil- nehmen, und zwar wird Frankreich 5 Proz., also 40 Millionen Goldma rk, übernehmen. Es steht noch nicht fest, ob es sich um eine reine Bankaktton handelt, oder ob auch die Anleihe dem Publikum angeboten werden soll. Die Beschlüsse des Ministerpräsidenten und des Finanzministers in dieser Beziehung stehen noch bevor. Die Auslieferung der Erzbergermörder. Wie die »Voss. Ztg." aus Budapest be- ttchiet, hat die ungarische Regierung sich nunmehr auf den Standpunkt gestellt, daß der verhaftete Deutsche tatsächlich der Erzbergermörder Heinrich Schulz ist. Man erwartet, daß das Auslieferungsverfahren vor Ablauf der vorgeschriebenen sechs Wochen erledigt sein wird. Kleine politische Nachrichten Die gurren Stück 5 Pf., Endivien Stück 15—30 Pf^ Ober-Kohlrabi Stück 5—10 Pf., Sinter-Kohlrabi Pfd. 20 Pf., Meerrettich Pfd. 30 Pf., Sellerie Stück 20—50 Pf., Radieschen Bd. 10 Pf., Kürbis Pfd. 10—15 Pf., Pilze Pfd. 15 Pf.. Kartoffeln Pfd. 5 Pf., Falläpfel Pfd. 5 Pf., Aepfel Pfd. 10 bis 15 Pf., Dirnen Pfd. 15 Pf., Brombeeren Pfd. 50 Pf., Preiselbeeren Pfd. 80 Pf., Zwetschen Pfd. 20 Pf., Mirabellen Pfd. 20 Pf., Reineklauden Pfd. 30 Pf., Honig, Pfd. 30 Pf. der 2vjähnge ledige Musiker Karl Richard Hauck aus Wiesbaden, Mitglied der Davoser Kurtapelle, zu Lode. Er befand sich mit einem Kollegen beim Abstieg am West grat, als er zu Fall kam Und seinen angeseilten Kameraden über einen Felstopf hinunter mit sich riß. Sein Begleiter ♦am mit einigen Verletzungen davon und konnte die Kunde von dem Unglück nach dem Flueler Hospiz bringen. Der Wirt, der selber Bergführer ist, begab sich sofort nach der Unglücks stelle, konnte aber nur noch den Tod des Verunglückten feststellen. Die Bergungsarbeiten sind im Gange. Pfd. 5 Pf., Tomaten Pfd. 30—35 Pf.. Zwiebeln Ein polnischer Panzerzug entgleist. Warschau, 9. Sept. (WTB.) Heute früh ist auf der Strecke Grodn o—W ilna bei Olkienniki hart an der litauischen Grenze ein mit Militär besetzter polnischer Panzerzug entgleist. Zwei Soldaten wurden gelötet, dreizehn verletzt. Wendung des Achtstundentages zu gelangen, wurde das Abkommen einer eingehenden Nachprüfung unterzogen. Sie bezweckten dabei, die unter ihnen etwa bestehenden Auslegungsschwierigkeiten zu beseitigen und so ihren Regierungen die Ratifizierung zu erleichtern. Es konnte festgestellt werden, daß in den meisten Punkten ihre Auffassungen überein stimmten oder doch nicht sehr erheblich voneinander abwichen. Die Konferenz schloß demnach unter dem allgemeinen Eindruck, daß es möglich sein wird, zu einer gemeinsamen Ratifizierung des Washingtoner Uebereinkommens zu kommission hat mit der Abschlußkontrolle in den verschiedensten Teilen des Reiches interalliierte Militärkontroll- gelangen. Reichswehrmanöver Das Recht der Minderheiten. Graf Aponyis Rede im Völkerbund. Genf 9. Sept. (WLB.) Die heutige Vor- mittagssitzüng der Völkerbundsversammlung wurde mit einer einstündigen Rede des Führers der ungarischen Delegation, des Grafen Apo- nyi eröffnet, die in äußerst wirkungsvoller and eindrucksvoller Weise die Gesichtspunkte ind Empstndungen darlegte, die angesichts der Völkerbundsdebatte die besiegten Staaten beseelen. Zu Punkt Minderheitsproblem führte er vor allem aus, daß die vier Millionen Magyaren, die durch den Friedensvertrag von Trianon vom ungarischen Staat l o s g e l ö st wurden. wenigstens kulturelle Sicherheiten erlangen müssen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die unzulängliche Handhab mg des Minderheitenschutzes durch den Völkerbund, infolge der geringen Befugnisse^ die ihm pvcktifch zustehen; außerdem sei der Völkerbund durch seine Zusammensetzung völlig gebunden. Die Frage der Minderheiten müsse daher mündlich durch die Vertreter der Minderheiten dem Rate vorgetragen und von diesem dem ständigen internationalen Gerichtshof überwiesen werden. Bis jetzt sei auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes fast noch niemals Gerechtigkeit geübt worden, und tS sei eine dringende Forderung, daß die Minderheitenverträge ebenso streng gehandhabt werden wie -die anderen internationalen Verlegte auf Antrag 2orb Parmvors der Völkerbund Wert daraus, genau festzustellen, daß die j Davos 9. Sept. (WTB.) Am Montag I menkohl Stück 0.50—2— Mk., Salat Stück 5—12 Prganisatjon, zu deren Pröfiorg J>iß MiMrröom- I nachmittag stürzte am Flueler Weißdorn > Pfennig, Salatgurken Stück 10—50 Pf., Einmach- Völkerbundes. Rach der heutigen öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates fand eine geheime Sitzung statt, über die das Völkerbundssekretariat folgende Mitteilung veröffentlicht; Im Verlaufe einer nichtoffiziellen Sitzung beschäftigte sich der Völkerbundsrat mit der Frage seines Unters suchungs rechtes betr. die Rüstungen gewisser Länder. Wie man sich erinnert, war dem Völkerbundsrat in seiner Tagung vom vergangenen 3uni hierüber ein Antrag der englisc^n Regierung zugegangen, der sich auf die Ausübung des dem State in den Verträgen von Srianon.St. Germain und Reuillh zuerkannten Untersuchungsrechtes bezog. In Beantwortung einer Anfrage der Militärkommissi)n begonnen. Gleichzeitig besuchte sie eine Reihe von früheren Rüstungsfabriken und Formatto- nen der S ch u tz p o liz er. Die Besuche sind reibungslos und ohne jeben Zwischenfall verlaufen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 10. Sept. 1924. Die Opfer der Zeit. Don D. Reinhard Mumm, M. d. R. Es beschleicht den Abgeordneten der sich em fühlendes Herz für die Rot des Nächsten bewahrt hat, mitunter wie Verzweiflung, wenn er arf die Rotlage so vieler Kriegsversehrter, Klein-, Invaliden- und Unsallrentner und auf die Rot der Hinterbliebenen wirtzder Arbeitslosen blickt. Ein hoher Beamter sagte mir unlängst im Gespräch, ihm sei das Schwerste im Amte die Verwaltung des ihm anvertrauten Dispositionsfonds: ein Meer von Rot und keine Möglichkeit, durchgreifend zu helfen! Gewiß haben wir mit dem 1. August im Reichstage eine kleine Besserung erreicht. Aber wie klein ist sie! Wohl klingt es stattlich, wenn man hört, daß 60 Goldmillionen neu aufgewandt wurden. Aber was ist das unter so vielen! — Den Reichszuschuß für Invalidenrenten haben wir von 36 auf 48 Mk. erhöht, ihn also ungefähr auf den Vorkriegsstand — 50 Mk. — gebracht. Aber wir dürfen nicht übersehen. daß alles, was die Versicherungsanstalten mühsam in Jahrzehnten zusammengespart hatten, bis auf kleine Reste dahin ist. Die Invaliden- und Altersversorgung lebt nur von der Hand in den Mund — sie verfährt, technisch gesprochen, nach dem Umlageverfahren: wenn die Beschäftigung zurückgeht, gehen auch die Einnahmen zurück: die Ausgaben aber mindern sich nicht, sie betragen tagtäglich 1 Million Goldmark, wenn auch auf den einzelnen Invalidenrentner nur etwa 14 Mark monatlich entfallen. Und über der Rentenlast darf doch wahrlich das wichtigste Heilverfahren nicht vernachlässigt werden! Des weiteren wurde die Unfallrente nach dem alten Recht wiederhergestellt, und zwar dergestalt, daß die bis Anfang 1917 gezahlten Löhne der Rentenberechnung zugrunde gelegt werden. Wo für Schwerverletzte Sonderzulagen gewährt werden, sollen sie 15 Goldmark, für den ländlichen Arbeiter 10 Goldmark monatlich betragen. mrsfion aujget’Drbert war, der Ausübung des Untersuchungsrechtes angepaßt werden svll, so, wie es ebenfalls im Vertrag von Versailles vorgesehen ist. Damit wird die gestrige Genfer Meldung des Wvlffschen Bureaus bestätigt, wonach die Arbeiten der Militärkommission sich bereits auf die Ausübung der Militärkvntrolle auch in Deutschland erstrecken. Die Berner Arbeitszeil- konserenz. Bern, 9. Sept. (WTB.) Die Konferenz der Arbeitsminister Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Großbritanniens ging heute vormittag zu Ende. Ueber das Ergebnis der Beratungen wird folgendes mitgeteilt: Nachdem die Minister erneut festgestellt hatten, daß eS vor allem aus kulturellen und zialen Gründen erwünscht sei, auf der Grundlinie des Washingtoner Abkommens zu einer brauchbaren internationalen AnDas wertbeständige Eisenbahn' Notgeld aufgerufen. Der Deichsminister der Finanzen hat im Einvernehmen mit dem Reichsverkehrsminister das wertbeständige, auf. Goldmark und Dollar lautende Notgeld der Dcut- chen Reichsbahn mit den Ausgabe-Daten vom 23. Oktober und 7. November 1923 mit Wirkung, vom 15. September aufgerufen. Die Ein- lösungsfrist läuft bis einschließlich 15. Oktober. Die Einlösung kann bei sämtlichen Kassen der. Deutschen Reichsbahn (Fahrkarten-, Gepäck-, Eil-' gut-, Güter-, Stcttions- und Hauptkassen) erfolgen. Hiermit ist nunmehr das gesamte, von der Deutschen Reichsbahn ausgegebene, auf Pa- piermarl, sowie auf Goldmark und Dollar lautende Notgeld zum Aufruf gelangt. ** WechselinderLeitungd^ r,Obe r - Postdirektion D a r m st a d t. Wie die Oberpostdirektion in Darmstadt mitteilt, tritt Präsident Stroh nach Erreichung des 60. Lebensjahr res auf Grund her Personalabbauverordnung vom 1. Oktober ab in den einstweiligen Ruhestand. Sein Nachfolger ist der aus Hessen gebürtige Abteilungsdirektor Lenhardt von der Oberpostdirektion in Frankfurt (Main). ** Vorsicht bei Gesprächen nach dem besetzten Gebiet! Wie man erfährt, werden Gespräche von und nach den besetzten Gebieten innerhalb der letzteren noch immer von den Franzosen.kontrolliert. Die Verordnung bezüglich der Kontrolle der Gespräche reicht noch bis zum 31. Dezember und erfolgt stichprobenweise. Also weiterhin Vorsicht! ** Der Kreistag des Kreises Gießen ist auf nächsten Samstag, vormittags 10i/.> Uhr, in den Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu einer öffentlichen Sitzung einberufen worden. Einziger Punkt der Tagesordnung ist die Festsetzung des Ausschlags der Kreisumlagen für das Rj. 1924. Vornotizen. — Tages kalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Ich hatt' einen Kameraden". — Astoria-Lichtspiele: „Der 3. Alarm". — Deutschnationale Volkspartei. Freitagabend Mitgliederversammlung mit Vortrag von Prof. Dr. Werner. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage. Vorwiegend heiter, westliche Winde, Temperaturen wenig geändert, meist trocken. Das nördliche Fallgebiet ist nach Rordosten hin im Abziehen begriffen, ein Hochdruckgebiet naht von Frankreich her und verspricht eine leichte Besserung unserer Wetterlage. Landkreis Gießen. LJ Annerod, 7. Sept. Begünstigt von Herr» lichem Sommerwetter und unter starker Beteiligung unserer Gemeinde, sowie vieler Auswärttger nahm das heutige Gustav - Adolf - Fest hier einen wohlgelungenen Verlauf. In der dicht besetzten Kirche predigte Pfarrassistent Liz. Euler von Bad-Nauheim nach Galater 6 Vers 9—10 über den Wahlspruch des Gustav-Adolf-Vereins: „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen". In kurzer, gedankenreicher Predigt zeigte er, was der Gustav- Adolf-Verein sucht und bringt Vorträge des Posaunenchors Großen -Bus e ck und ein Lied der 1. Schulklasse unter Leitung von Lehrer Müller gaben der Feier eine harmonische Abrundung. Nach kurzer Kaffeepause folgte im Saale von Gastwirt Engelhardt die wiederum erfreulich besuchte Nachversammlung. Der unermüdliche Posaunenchor begleitete die gemeinsamen Gesänge und füllte die Zwischenpausen. In seinem Rechenschaftsbericht für 1923 gab Pfarrer Decker- Gießen anschauliche Bilder aus der weltumspannendeii Arbeit des Gustav- Adolf-Vereins aus der Heimat und aus der Ferne; aus Rom, Ierusalem, Riga und Rußland. Unter 196 evang. Gemeinden in Rußland sind nahezu 50 deutsche. Der evang. Pfarrer in Omsk in Sibirien hat etwa 50 000 Evangelische zu betreuen und 1918 etwa 500 Trauungen vorgenommen. Pfarrer Kalb Henn - Großen-Buseck berichtete von eignen Erlebnissen aus der evang. Diaspora: aus Kloppenheim, Ilbenstadt, Hirschhorn, Viernheim. Kirchcmvat Strack- Gießen überbrachte die Grüße des Vorstandes und knüpfte daran die Bitte um weitere Treue sowie den Dank an die Festgemeinde. Das Schlußwort sprach der Ortsgeistliche. Die Kolletten bei beiden Feiern ergaben zusammen fast 100 Mk., die an Ober* Mörlen und Hüttenfeld fielen. t Grün berg, 8. Sept. Der in der vorigen Gemeinderatssitzung auf heute vertagte Punkt „Umdeckung des Kirchendaches" wird dahin geregelt, daß die eine Seite des Kirchendaches mit kleineren Schiefern gedeckt werden soll, während die Schiefern der anderen Seite aus den alten hergestellt werden sollen. Stach dem Referat des Bauinspektors Seim sollen die Kosten 3700 Mk. betragen. Der Voranschlag der Gemeinde betrug 1000 Mk. Die Angelegenheit wird bis zum nächsten Frühjahr verschoben, bis dahin sollen die restlichen 2700 Mk. aufgebracht werden. Um während des Herbstes und Winters das Durchdtingen der Rässe in die Kirche zu verhindern, _ sollen Schuhmaßregeln getroffen werden. ■— Für die Kirchen Heizung find von der Gemeinde jährlich 350 Mk. genehmigt. Rach dem Bericht des Bauinspektors Seim hat es keinen Zweck, neue Kamine in der Kirche zu errichten, da in wenigen 3obren die Oefen erneuert werden müssen. Cs sollen vorläufig die Abzugrohre mit Eisenblech ausgebessert werden. — Rach dem Bericht des Bauinspektors Müller vom Kreisbauamt Gießen fördert die mit Wasser getriebene Pumpe nur 54 Prozent ihrer Gesamtleistung. Eine Reparatur der Pumpe svll teurer kommen, wie eine Reuanschaffung. Bauinspektor Müller wird beauftragt, sich wegen des Preises zu erkundigen, und es soll dann zum Kauf geschritten werden. — Am Farbgraben wird der Eckplatz an der Gießener Straße als Bauplatz an Schlossermeister Schäfer vergeben. Wird der Platz neben demselben nicht bebaut, so muß bis spätestens 1928 eine Schuhmauer aufgeführt werden. Der Preis pro Quadratmeter wird auf 3 Mk. festgesetzt. Es soll > für das abgegebene Land der Stadt Tausch- ! gelände von selten der Besitzer am Färb- > graben gegeben werden. — Der Antrcm des Frdr, zweierlei Recht gäbe. Als Aponyi die Tribüne verließ, wurde er, wie bereits zu Beginn der Sitzung von zahlreichen Banken des Hauses, vor allem den nordischen Staaten sowie den anderen ehemals neutralen Staaten, und bei den englisch sprechenden Delegativnen mit lebhaftem Beifall bedacht. Auch Leon Dourgvis, der als einziger ftanzösischer Delegierter der Rede beiwohnte, klatschte Beifall. Nach Aponyi bemerkte der britische Staatssekretär des 3nnern Henderson, daß das Interesse der Arbeiterklasse am Völkerbünde im Wachsen begriffen sei. Nichtsdestoweniger ständen noch weite Kreise der Arbeiter- schast dem Völkerbunde zögernd und skeptisch gegenüber. Wenn man sie gewinnen wolle, müsse der Völkerbund sein Friedenswerk zielbewuht aus- , gestalten und die großen Länder aufnehmen,. die Großadmiral v. Tirpih hat sich, wie die dungssumme noch nicht in ihm vertreten seien. Blätter berichten, zur Veröffentlichung Des weiteren wurden bei der Erwerbs- 9Ihriiffllttn * werbslosen gleichgestellt — find doch die Ver- ' Genf, 9. Sept. (WTB) Die Völkerbunds- • suchungen die an die weiblichen Erwerbslosen! Versammlung, die die Resolution Hemot-Macdo- Die interalliierte Militarkon t r o ll- - besonders zahlreich und schwer, naß) dem Dritten Ausschuß der Völkeröundsver- kommission hat mit der Abschlußkon- $ ©nbrich’ ’ Ken cg,. die Kleinrentner» sammlung l Ab röstunasaus schuß) überwiesen hat, trolle in den verschiedensten Teilen des Reiches c ü r f o r a e neue verbesserte Ausführungsbestim- "Wz L r ste&’MÄÄ betracht kommmden Artikel des B o lke r bu n d- * die Wochenhilfe eingeschlossen, 750 Millionen, der Paktes hinsichtlich etwaiger Abänderungen zu Der Aufstand der Menschewcki in Geor- I Invaliden Versicherung. 350, An g e st e l l t e n- brüfen, 9ien ist von den Sowjetleuten niedergekämpft. Versicherung 110, Unfall Versicherung 120 Mil- b) die Frage der Abänderung der Schieds- 24 antirevolutionäre Organisatoren wurden stand- (innen Ewldmark jährlich dazu tritt noch die Kaufeln des Ständigen Internationa- rechtlich erschossen. knappschaftliche Versicherung. Für dieEr werbs- len Gerichtshofs zum Zweckes Herbei- --------------------- losen bringt das Reich 340, für die Kriegs- suhrung ^^I^E^^ttgatorischen Schieds- beschädigten und Kriegerhinterbliebenen verf^rens durch die Machte zm erörtern AUS GUCt -IÜCLL über 700 MMonen Goldmark jährlich auf. Die Erste Kommission trat heute in die De- Das ist nicht wenig für unser verarmtes Volk, batte dieser Ausguß em und beschloß nach lang- schweres Unwetter ttt Sudbaden. Unb ^as alles legt uns der Feind für Lasten toierigen Auseinandersetzungen, beide ihr über- Freiburg, 9. Sept. (WBT.) Ein ver- ^1 Allein für die 295 Offiziere der feindlichen wiesenen Fragen in einem gemeinsamen Un- heerendes Unwetter hat heute nachmittag die Militärkontrosie müfien wir doppelt soviel wie terausschuß zu berat«i. Dieser Unterausschuß Umgebung von Lahr heimgesucht. Von Süd- an sämtliche Offiziere der deutschen Reichswehr seht sich zusammen aus L 0 u ch e u r - Frankreich, westen nach Rordosten zog in mäßiger Breite zahlen. Hurst-England, Ada ec i-3aPan,Scialoja- eine Orkan über das Land und richtete u. a. Das Sachverständigen-Gutachten begründete Itcüien, Fernande s - Brasilien, T 0 r r i e n t e- auch in den Wasungen großen Schaden an. 3n nun freilich alle uns aufzuerlegenden Lasten da- Kuba, P 0 l i t i s - Griechenland, E r \- Finn- Grasenhausen wurden z a h l r e i ch e D ä ch e r a b- mit, daß das Reich durch die Inflatton entschul- land, L>itu lescu - Rumänien, O Byrne- gedeckt, in Kippenheim eine große massive Halle fot sei Es übersieht aber, daß diese Entschul- Irland und Ap 0 n h i - Ungarn. Er wird ständige mit Mehlvorräten ver n i chte t. Zahlreiche Tele- t>Ung mit tiefer Verarmung des Arbeiter- und Fühlung mit Dem Dritten Ausschuß der Ver- phonstcmgen wurden umgelegt und etwa 600 Mittelstandes erkauft worden ist. Mit dem Ver- -iammlimg (Abröstungsfragen),. der b^her den Bäume entwurzelt. Auch in Reichenbach sust ihres Sparkapitals haben Arbeiter undHand- ersten Teil der Resolutwn Hemot-MacÄonald be- hauste das Unwetter furchtbar, das mit seinen werker, Ladenbesitzer und Beamte die Entschuldung arbeitet, halten. vielen schwerbeschädigten oder völlig zerstörten des Reiches bezahlt. Allein bet den Sparkassen Die Muuärkonlroüe des Häusern einem beschossenen Orte gingen 20 Milliarden Sparkapital der „kleinen 1 gleicht. Durch den Einsturz einer Scheune fand Leute" zugrunde: die Erhaltung der Arbeitskraft ein Lanywirt seinen Tod. Ferner wurden zwei und Arbeitsfähigkeit imseres Volkes ist in, Frage Eisenbahnarbeiter mehr oder weniger schwer gestellt. verleht. Der entstandene Schaden ist sehr groß. Cs bedarf daher der ernstesten Anstrengung, Es sind Maßnahmen getroffen, um die Dächer ans unsere sozialpolitischen Errungenschaften aus der beschädigten Ortschaften zunächst notdürftig vergangenen Iahrzehnten zu erhalten. Instand zu sehen. Aus Grund der jetzt geschaffenen Zwischen- Doubüberfall auf einen Straßenbahnwagen. losung muh im Herbste tocitergearbeitet werden. In Recklinghausen wurde in der vergangenen * Rächt ein von Marl kommender Straßen- Giehener Wochenmarktpreise bahnwagen von zwei maskierten Räubern am 9. September (Händlerpreise). haVenrnPisiöie ,,Lrng^di?Ta°^ahme°?nd ®8 ÄWÄ>„a,g'.“e(lLb- ihre SnW aSjuIiefem. Ser Schaffner ff df^KLs-Pfd e?P^e- StÜcklS M Wrr. wurde durch Schläge mit der Pistole am Kopf LA. 2° Pf.', ZLlW-n Pfd S-i° Pfl 5 r Rote Rüben Pfd. 10 Pf., Spinat Pfd. 25 Pf., Rö- ®ln Todessturz bei Davos. | mischkohl Pfd. 10 Pf., Bohnen Pfd. 15 Pf., Blu- ____,_________________ö______ v, z Was die Kriegsbeschädigten und ren Stand haben. Das Interesse unserer Kriegerhinterblicbenen anlangt, so besteht über nationalen Verteidigung erfordert es daher, die Kümmerlichkeit der gezahlten Beträge kein daß gerade auf dem Gebiet des Flugwe- Zweifel: Amerika zahlt weit mehr an seine Krie- sens die -lkrgröhtenI Anstrengungen gemacht f^^e^n^geblm^n ^f nd^ ^<64^ werden, um im Ernstfall unserer kleinen ftur -Weniges geschehen: die bedürftigen Kriegs- ReichSwehr wenigstens eme nicht zu verach- Veteranen von 1864, 1866 und 1870/71 wurden tende Waffe in die Hand drücken zu können. | von 8 auf 10 Mk. monatlich gebracht — 33 Pf. den Tag für Männer, von denen der jüngste 74 Iahre ist! Für die Kriegsrentner des Weltkrieges wurde die Erhöhung von 40 auf 50 v. H. Rach einer Meldung der „Zeit" stattete Ge- I gebracht: die einfache Ausgleichszulage soll auf neral Allen, der ehemalige Oberbefehlshaber 35 v. H. und die erhöhte Ausgleichszulage auf der amerikanischen Desahungstruppen, dem 70 V H. festgesetzt werden: dazu kommen mehrere Staatssekretär Maltz ahn als Vertreter des Verbesserungen zugunsten der Kriegsblinden. Wit- Ministers des Aeußern einen längeren Besuch ab. wen, die sich wieder verheiraten, erhalten für • entwertete Auszahlung im Vorjahre eine Absin- träge. Hieraus ging Aponyi auf das Abrüstungs- Problem ein, das er mit außerordentlicher Offenheit und Klarheit behandelte. Er ging dabei von dem Gedanken aus, daß die Abrüstung der besiegten Staaten in den Friedensverträgen ausdrücklich als Voroiussetzung für d:e I Ali Gegend von Strausberg und Äi^nnch^Ei^Luu7^k"^ Z der ÄXÄKÄ » LLr°der^-ichsw^ sLg-fund-n. Es lich gegebenen Versprechens zu fordern, haben zwar nur wenige Regimenter Die gegenwärtige Sage sei unerträglich; es sei an diesen Hebungen teilgenommen, doch hat unannehmbar und unmöglich, daß Ungarn völlig sich schon bei diesen kleinen Verbänden gezeigt, waffenlos sei, während die anderen Staaten bis wie schwerwiegend der Verlust vor allem an an die Zähne bewaffnet^blieben. Olber g-iuqÄCugen, dann aber auch an mo- nicht nur der Friedensvertrag, sondern der Volker- ^ernstem Äeeresaerät für unsere Reichst? Raumes, wäre, verlange, daß endlich eine gleichmäßige aus dem sich die Uebungen z. B. bei Bautzen Behandlung aller Staaten in der Ab- abspielten, hat die Gefechtsleitung doch erst röstungsfrage Platz greife. Maa habe in allen vier Stnden nach dem Beuginn des Manövers Reden auf den unmöglichen Zusammenhang zwi- die ersten Nachrichten der Äufklärungspatouil- schen Abrüstung und Sicherheit hingewie,en. len erhalten. Im Ernstfall ist eine solche Ungarn fei entwaffnet ohne die geringste Garan- Truppe natürlich einer andern gegenüber, die tie der Sicherheit. mit Hilfe von Flugzeugen schmi in wenigen Demgegenüber sei immer wieder auf Artikel 8 zu Minuten den Aufmarsch des Gegners festge- verweisen, der das allgemeine Grundgesetz aller stellt hat, vollkommen ohnmächtig. Die Dölkerbundsmitglieder bilde und der keine Unter- Truppen selbst haben zwar nach den sehr fcheidung zwischen verschiedenen Kategorien von anstrengenden Uebungen einen durchaus unter den Wikern sei nicht s - i sch e n E i n d ruck 8-m°cht, demwch M- möglich, solange gewiße Staaten einem gewissen J?n sie, toenn bte Not des Va^rlandes ihren Ausnahmeregime unterworfen seien, solange es Einsatz fordert, emen unglauvlich schwe- Li-U-zJ iompsonI M .. geb. Weber 6946 D Lich, im September 1924 !! Die führende deutsche Marke !! 6952D Continental Astoria-Lichtspiele, Seltersweg Personal ausgeführt Telephon 1055. Wolfstraße 21, Ecke Licher Straße. Blühe«- uni) Gründlichen Unterricht in “Ä1* sowie sonstigen Handarbeiten erteilt liei-ert 5836, 5836c FfflFelisJraiMirlerär.äl11 Erna Schulte Ida Dauer. Gertrud Schäfer Hermann Ihring Für die bei unserer Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Großen-Linden, den 10. September 1924. Beerdigung: Donnerstag nachmittag 4 Uhr in Großen-Linden. 8636a Großen-Linden, den 10. September 1924. _______ __________________________ "02314'1 sollen Cbcrbürgcrmcifter S^eibcmann unD Sladlrat Rosen st vck zum 1. Rvvembcr in den vorläufigen Ruhestand versetzt werden. 3n 2lbänderung des alten BeschdllseS wird ausdrücklich festgestellt, daß mit dem neuen LZchluß der Abbau der Stelleninhaber und nicht der Stellen selbst herbeigeführt werden soll. — BÄannÜrch hatte die Regierung wegen der Untlarbdt der ersten Fassung in dieser Beziehung die Gültigkeit des Beschlusses vom 14. 3uli nicht anerkannt. Turnen, Sport und Spiel. Jahressitzung des Ausschusses der Deutschen Turnerschast in Würzburg. Am 1. und 2. Oktober hält der Aus schuh der Deutschen Turnerschaft in Würzburg seine diesjährige Sitzung ab. Sie dient neben der Berichterstattung des Borstandes und des ®c- schästssührers hauptsächlich der Borarbeit für den 1 8. D e u t s ch e n T u r n t a g , der sich am 3. und 4. Oktober an die Ausschuh-Sitzung anschließt. Am l.'Tag spricht Professor Lachenmaier über „Die Ziele der Deutschen Turnerschaff. Die Tagung am 4. Oktober beginnt mit einem Bortrag von Dr. Reuendorff über „Den neuen Geist in der Deutschen Turnerschaft". Bon der Tagesordnung interessiert besonders der Derwaltungs- bericht, zu dem eine große Anzahl von Anträgen über die'sogenannte „reinliche Scheidung", d. h. über den Streit zwischen Turnerschaft und Sportverbänden. vorliegen. Unter anderem beantragt hier der Kreis III b (Brandenburg), dah in den Kreisen, in welchen die Organisation des Fußballspiels nicht durchführbar ist, die Zugehörigkeit der Fuhballabteilungen bzw. ihrer Mit- glieder zum D. F. B. gestattet wird. Bei der bei der Leitung der D. T. herrschenden Stimmung ist mit der Annahme dieses Antrags kaum zu rechnen. Der Kreis VIII b (Rheinland) beantragt für das nächste Jahr die Austragung einer deutschen Meisterschaft in Fuhball (toill heihen Deutsche Fußballmeisterschaft der Turner). Zahlreiche Anträge befassen sich natürlich mit finanziellen Angelegenheiten. Den Kreisen Wird u. a. die Einrichtung von Kreisturnheimen empfohlen. Der dem Turn- tag vosgelegte Haushaltsplan 1925 26 balanciert mit etwas über 608 000 Mk. Den Schluß der Tagung bilden Wahlen. Tagung des Deutschen Ski-Derbandes. Der Deutsche Ski-Derband ist in Tegernso: zu seiner diesjährigen Tagung za- fammengetrekn. Der ganze Ort wimmelt von zünftigen Schneeläufern. Zunächst hielt der Haapt- Vorstand eine Sitzung ab, an die sich die Der- tretemrfammlung anschloß. Rach Verlesung des Jahresberichts wurden die verschiedenen Anträge durchgearbeitet. Einer der wichtigsten davon ist der Anschluß an die Internationale Ski- Kommission. Für die Iugend soll dadurch gewirkt Werden, daß es jedem Iugendmitglled ermöglicht wird, sich eine Schneeschuh-Ausrüstung für 20 Mark zu erstehen. Der Militär lauf um den Schwedenbecher, den zuletzt die GoSlaer Iäger gewannen, soll mit dem großen Staffellaus zusammen zur Entscheidung lammen. Als Austragungsort für die Deutsche Slime i st e r s ch a f t wurde Kitzbühel gewählt. Da hier auch die österreichische Stimmst erschall aus- gesahren wird, ist Gelegenheit gegeben, sich um beide Titel zu bewerben. 1926 geht die Meister- ■— Reparaturen — werden am Platze schnellstens durch fachmännisch geschultes Privatunterricht zu jeder Tageszeit. Gefällige Anmeldungen werden jederzeit in meiner Wohnung entgegengenommen. Neurenovierter und vergrößerter Tanzsaal mit erstklassigem Parkettboden. 6951D Tanzinstitut Th. Bäulke Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, für die liebevolle Pflege der Krankenschwester, die Grabgesänge der beiden Gesangvereine und für die zahlreichen Kranzspenden unseren tiefgefühltesten Dank. Die tieftrauemden Hinterbliebenen: Marie Klotz und Kinder. Todesanzeige. (Statt besonderer Mitteilung.) Heute nacht nahm uns Gottes Wille auch unsren letzten Sohn, Bruder und Bräutigam Dr. Reinhold Schulte Arzt zu Watzenborn-Steinberg. Die trauernden Hinterbliebenen: Pfarrer O. Schulte und Frau Auguste Ab morgen Donneretekg der größte Sensationsfllm der Gegenwart: Der III. Alarm Fabelhafte Leistungen der amerikan. Feuerwehr. 6971c Wtlh. Müller, ihm den Bauplatz zwischen demjenigen des Schlossermeisters Schäfer and der Firma Schmidt zu geben, wird abgelehnt, da dieser Platz schon anderweitig vergeben ist. — Das Gesuch des Herrn König, ihm einen Bauplatz an der Lehnheimer Straße abzugebeii, wird abgelehnt, da nicht genügend Hintergelände vvr- hcmden ist, ebenso der Antrag, ihm einen Bauplatz am oberen Ende der Käswiese an der Gießener Straße abzugeben. Die Herten König unb Müller sollen Bauplätze, 1.20 Mk. pro Quadratmeter, an der Garten straße erhalten. Sollte aber die DeMndungsstraße zwischen der Londorfer Straße und der Gießener Straße, ausgehend van der Dezirkssparkasse, gebaut werden, so sollen diese Reflektanten bevorzugt werden. r- Der Verwalter vom W a r t h o s stellt den Antrag, ihm die Hunde st euer zu erlassen. Wird angenommen. — Die Räume des Herrn W i ß n e r werden vom 9. September ab zu Wohnzwecken beschlagmchmt. — Dem Herrn K. Schott wird gestattet, an seinem Haus ein Firmenschild senkrecht zur (Straße anzubrrngen. — Herr K. Sei- fart erhält die Erlaubnis, am Diebsturm eine Antenne anzubringen. — Herrn Aug. Rö h m wird genehmigt, ein Lagerhaus in die Bismarck- ftraße zu bauen, jedoch soll das Gebäude der modernen Umgebung angepaßt werden. ri. Riedcrbessingen, 8. Sept. Gestern wurde hier unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde und der Rachbarorte das Gustav-Adolf-Fest des Solmser Landes gefeiert. 3m Festgottesdienst, dessen Liturgie mit Psalmengebet unter Mitwirkung der Schulkinder ausgestattet war, predigte Pfarrer L o r tz, ein geborener. Elsässer, der noch bis zum 3ahre 1920 in dem damals schon französisch gewordenen Lothringen tätig war und dann in Oberhessen, in Burggräfen- rode, eine neu£ Heimat gefunden hat. 3n der Rachversammlung erstattete, nachdem der Ortsgeistliche eine Begrüßungsansprache gehalten hatte, Pfarrer Gödel von Hungen den Bericht über die Tätigkeit des Gustav- Adolf-Bereins im Solmser Land. Darauf erzählte Pfarrer L o r tz von seinen Erlebnissen in Lothringen während der Franzosenherrschaft. Der Ortsgeistliche Pfarrer Schor- lemmer von Lich sprach ein Schlußwort. Die Sammlungen für Zwecke des Gustav- Adolf-Bereins im Festgottesdienst und in der Rachversammlung ergaben rund 100 Mark. Auch wurden für 10 Mark Postkarten zugunsten des Gustav-Adolf-Kirchleins verkauft, das zur Zeit die Gemeinde Hüttenfeld bei Lampertheim baut. Kreis Lauterbach. •• Lauterbach, 8. Sept. Der Stadt- Vorstand hat, dem „Lauterbacher Anz." zufolge, in seiner jüngsten Sitzung der Erwerbung einer neuen Quelle zur verstärkten Speisung des Wasserwerks zugestimmt. Das Quellgebiet, die sog. Hahnenteichquelle, wird von den Frhr. von Riedesel abgetreten. Mit der Fassung der Quelle und dem 'Ausbau der Leitung soll schon in den nächsten Tagen begonnen werden. Die Arbeiten wurden der hiesigen Firma Hardt übertragen. — Dem K|c>uf der Pfarrbyaft nach Partenkirchen, 1921 nach dem berg im Schwarzwald. Der große Staffellauf sott zur Mei st erfchafts staffel ausgebaut ttxr* den. Als Srgänzungssport für den Wintersport wurde hauptsächlich daS Flußwandern das Paddeln, empfohlen. Eine große Anzahl Schnee- lauf er und Jodler gehören schon jetzt dem Deutschen Kanuverband an, der mit dem Deutschen Rodlerbund eine Interessengemeinschaft geschlossen hat. Fußball und Jugend. Die Iugendcmsschuß-Sitzung desDeu t fchen Fußballbundes, die kürzlich in Berlin stattfand, konnte feststellen, daß der durch die Inflation bedingte Rückgang der Zggendzifsern wieder voll ausgeglichen ist. Die Organisation der Zugendarbeit hat weitere Fortschritte gemacht. Die Schaffung eines Zugendabzcichens soll dem Reichsausschuß nur empfohlen werden, wenn Gefahr besteht, daß sonst eine -Unmenge privater Abzeichen erscheinen. Die Forderung nach der täglichen Turnstunde fand älnterstühung, eine pflichtgemäße Ausübung von Leibesübungen als ständige Einrichtung in den Schulen und Fortbildungsschulen lehnte der Zugendausschuß aber ab. Ein endgültiger Beschluß über Zugendtage oder Jugendtreffen wurde der Detmolder Sitzung Vorbehalten. Eine Anregung auf ärztliche Beaufsichtigung der Zugendlichen sand allgemeine Zustimmung. Deutsche Segelstieger in Italien. Auf der Hochebene von Afiago findet tn der Zeit vom 1. bis 15 Oktober der erste italienische Segelflug-Wet ^bewerb statt. Man bemüht sich, zu dieser Veranstaltung auch ausländische (Segelflieger zu gewinnen. Don deutscher Seite dürfte mit der Beteiligung von M a r- tens und dem Zngenieur Hildebrandt zu rechnen sein. Buntes Allerlei. Die Lcoparden-Mode. Der Leopard ist das neueste Rlodrtier von Paris, freilich nicht als lebender Schoßhund, wozu er sich wenig eignen dürfte, sondern als Spender seines schönen bunten Felles. Ueb^rall an den neuesten Modellen findet man Besah von Leopardenfellen, und wo dieser fehlt, da wird die Farbenwirkung dieses Pelzes nachgeahmt. Der Leopardenpelz eignet sich wegen ferner außerordentlichen Leichtigkeit und Schmiegsamkeit besonders gut zur Verarbeitung. Ein Mantel aus Lcopardenpelz ist kaum schwerer als ein solcher aus Samt, und auch in der Garnierung läßt sich dieser Pelz vortrefflich verwenden. Die Sarben» Harmonie der ganzen Toilette wird auf den Pelz ahnestimmt. So trägt man zu den reichen schwarzen und goldenen Tönen am besten Beige. Die Begeisterung für den Leoparden ist so groß, daß man kostbare Crepe de Chine-Stoffe auf den Markt gebracht hat, die in ihren Farbtonen wie in ihrem Glanz das Leopardenfell auf das natürlichste nachahmen. Diese „Leoparden-Stoffe" werden zu Zumpers und Tiniken verarbeitet and -mit dreieckigen Stücken aus Leopardenfell garniert. Auch ein Ersatzpelz für den Leoparden ist bereits in dem „Leoparden-Kanin" geschaffen. Die langhaarigen Pelze sind fast völlig aus der Mode: man sieht höchstens hie und da weißen Fuchs als Garnierung an Abendschals. Tanzunterricht Meine diesjährigen Winterkurse beginnen Mitte Sept, und Anfang Oktober Moderne Tänze in neuester Stilart Teilzahlung: Hausrat Lindenplatz 1 *mak FYTki'f mnix rrr Verloren. Am 6. Sept, abends von Bahnsteig 6, Bahnbof, Liebig- fsrankfurter-Alicen- Bleichstrahe bis Universität braune Wollwcste. Abzu» geben gegen Be- Klavierslimmen 11. Reparaturen preiswert u. gut023043 W. Schlüter Klaviermacher Gießen, Schottstr. 15. 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Von Dr. Hildegard Katsch-Rostock. 2Xr: tote Matteotti nützt der antifaszistischen ' -ng m Italien mehr als der lebende viel- tc._', gekonnt hätte Der Prozeß ist an sich danach . seine herrischen und gewaltsamen Rechtsüber- ri 7 zu rechtfertigen ' Wir Deutsche aber dürfen ai.r vergeben. bafj vor unserem Volk der Faszismus m t-esonderer Verantwortung belastet ist, die ihm C ' ...chst aus seinem Verhalten gegenüber der beut- sch.-.r Minderheit in Südtirol. Italien Hal dem ohnmächtigen Oesterreich eine st^'.'.egische Grenze abgezwurrgen, die 230 000 De itsche aus 600 Jahre alter Verbindung mit den cfic erchischeif Landen loste. Wie rücksichtslos der G if el des Militärs die Linie zog. mag die Tatsache beleuchten, bab manche nördlich des Puster- la[j gelegenen Gemeinden von ihren jenseits des 2l!'-nhauptkammes befindlichen Almen getrennt tourten. Die den Krieg liguidierende italienische R c,j errmg hat sich ernsthaft zu der Verantwortung b fannt, die das Vorhandensein nationaler Min- dr.i-eilen ihr auferlegte. Das Thema von der Zu- l.dx’iiing der politischen Autonomie und Wahrung von Sprache und kulturellen Ginrichtungen, das vom Dersammlungs tisch in St. Germain angegeben wurde, ist von den mabgebenben Instanzen — Kammer, Ministerium, König mit der weithin ha'.' ,-nden Resonanz, die Ort und Gelegenheit ihnen gab, wiederholt worden, ja selbst im Iuli 1921 iwc) einmal angeschlagen worden, als bereits di< ei(tcn faszistischen Gewalttätigkeiten in Bozen suhnelos hatten erfolgen können Die faszistische Regierung hat dann das Ziel der Rationalisierung des italienischen Staates, d h der Entnationalisierung der annektierten ®e- b;Je ebenso klar erkannt, wie mit rücksichtsloser Energie zu erreichen gestrebt Die noch nicht ge* fd; icne Autonomie des deutschen Alpengebietes toi'.uce, ungeachtet der feierlichen Versprechungen, fcu- i) die Einbeziehung Südtirols in die italienische P.vvinz Trento unmöglich gemacht, ja, man nahm de' Lande den in Kriegen und Schlachten gehei- ligti-n *21 amen Tirol. Südlich des Brenner gibt es de jure keine Tiroler mehr. Mit tiefer Erbitterung lieft man auf dem weihevollen Soldatenfriedhvf in z runed. „5>er Kaiser rief, es rief Tirol, — die Freiheit galfs und Leben - da haben sie ihr B.fies wohl sich selber hingegeben." Unb Tirol • trav das nächste und rief noch lauter als der Kai sei. und die Dvrfkirchen der fernsten Gemeinden gcl n erschütterndes Zeugnis von der Kraft schol- Icn v'bunbencr Vaterlandsliebe ilnb das Empörend? ist, bah der- Llame Trento sich nicht so sehr gegen den deutschen Klang des Wortes Tirol rio'ete, als das) man, indem die deutschen Dezeich- nu ’.gen Hvchetsch und Etschländer zunächst erlaubt CI. en, die Erinnerung an die natur- und ge- fd)u’;tdgegebene Einheit des Landes fürchtete Reben dieser tief kränkenden Verletzung des H« .inatbewußffeins erscheint die oft bis zur Un- kcn. '.lichkeit entstellende Ilalienisierung der Orts- tu.;:: -n fast bedeutungslos, wenn nicht gar töricht uit ? lächerlich, so, toesm man den Schöblhof bauern eines Tages mitten aus der Ernte heraus auf bi - Interpräfektur zitierte, damit er dort fein Hun- bi-, ic von Iahren altes Anwesen umtaufe, was er na'ürlich mcht Cann, da er weder das Italienische keimt, noch zu sagen wüßte, was Schvbl berm heißt. 2lbcr man mufj die Dinge erwähnen, weil der Re! i>sbeuffche, indem er, halb aus Aengstlichkeit, halb aus Autoritätsgefühl, die neuen italiemfur- len Flamen gebraucht, ja vielleicht sich bis zu italienischer Korrespondenz versteigt, den Tiroler tief ve letzt, der nichts anderes als eine Preisgabe seitens des Mutterlandes darin erblicken kann. Bei der Ohnmacht, in der wir selber leben, können wir, weif; Gott, wenig genug tun für unsere Grenzlai ue. aber die laute und eindringliche Bitte, daß tri' wenigstens ohne Rot doch jene Verwelschung nicht mitmachen sollten, möchten Private wie Ge° Neues Licht über das Nordlicht. Weittragende Entdeckung eines norwegischen Physikers. Don Professor Dr Paul Kirchberger. Das Rordlicht, diese herrliche im Rorden und besonders in der Rähe des Polarkreises häufige Ra! nerscheinung, die große Teile des Himmels in rötlichem, Weihern, ja grünlichem Licht erstrahlen lädt, hat naturgemäß seit langer Zeit nicht nur die Aufmerksamkeit des Raturfreundes, sondern auch die des Forschers in Anspruch genommen, sorgfältige Messungen haben gezeigt, das) der Sitz der Erscheinung meist in etwa hundert Kilometer H?';e, mitunter auch in geringerer zu suchen ist, baf> sie sich aber in vereinzelten Fällen bis sechshundert Kilometer Höhe erstreckt. Ihr Za- sammenhang mit magnetischen, von der Sonne ausgehenden Erscheinangen ist seit langer Zeit bewiesen, aber über die eigentliche Ratur and die Ursache der so intensiven Strahlung war bis vor kurzem noch nichts Sicheres bekannr. Seit langer Zeit wird auch auf das Rordlicht die auf den verschiedensten Gebieten der Pbysik und der Astronomie so erfolgreiche Methode der Spektraluntersuchung angewendet, d. h. man fängt einen möglichst großen Teil des zu untersuchenden Lichts durch ein Fernrohr auf, läfjt es alsdann durch ein Prisma gehen, das das bcL.nnte, die Regenbogenfarben zeigende Band, Spcttrum genannt, erzeugt. In diesem Spektram treten nun Linien auf, die nach ihrem Entdecker Fraunhofer benannt sind, und die je nach der Ratur des erzeugenden Lichtes verschieden mißfallen. So sind auch die Linien des Rordlicht- spcltrums seit langer Zeit untersacht and genau gemessen worden. Dabei fiel eine sonst vollständig rr.Maimte, im grünen Teil des Spektrums liegende Linie auf. Da sie auch in den höchsten Seilen des Rordlichts zu finden war, so glaubten manche, daß sie mir von einem besonders leichten schäftslertte und Handelskammern doch vornehmen und beherzigen Praktisch tiefgehendere Folgen hat die Handhabung der Sprachen frage aus den Gebieten des Rechts und der Schule Die aus der österreichischen Zeit her geltenden Gesetze werden von Fall zu Fall durch italienische außer Kraft gesetzt, ohne dab in de» nur itcffienisch abgefahren Verlautbarungen je bebrrmtgegeben würde, welche der alten Gesetze nunmehr aufgehoben sind, noch welches der Inhalt der in Kraft tretenden Gesetze sei. Welche Rechtsunsicherheit daraus entsteht, kann man sich unschwer vorstellen Gerade in diesen Tagen hat die italienische Regierung auf Beschwerden der deutschen Abgeordneten über die Handhabung der Schulfrage offen geantwortet, das) sie an eine Aenderung nicht dächte, da die Entnationalisierung der landfremden Gebiete ihr Ziel sei. 3m vorigen Iahre wurde mit der Umstellung der Volksschulen vom neuen Schuljahre an begonnen Man stelle sich das Tiroler Büble und Maidle vor, dem gewiß schon die deutsche Schriftsprache ein Buch der RÄsel war, und das nun, ohne den Sinn zu ahnen, auf Italienisch lesen und rechnen lernen soll Die Eltern müssen in ohnmächtiger Verzweiflung ansehen, das; ihre Kinder nun rein gar nichts lernen. Denn Deutsch wird nur noch in ileberftunben unterrichtet und ohne Bücher und Lehrmittel' Ja auch der Reli- gionsmtterricht in den Schulen, dieses letz'e Pallcv- drum der Muttersprache, ist der Konsequenz der Faszisten zum Opfer gefallen Diese Verordnungen vom grünen Tisch stieben bei ihrer Durchführung es fehlte schließlich on l r genügenden Zahl italienischer Lehrer — auf solche Schwierigkeiten, bab ihre Folgen, wie Ferien Verlängerungen, alles in Deutschland beim Abbau Erlebte, weit in den Schatten stellen. Es ist nur folgerichtig, das) nach der Volksschule nun der Angriff auf die höhere Schule einseyt. In Bozen ist jetzt als dritte Mittelschule" das deutsche Lehrerseminar (Rormal- schule) dem Untergänge geweiht, da man ja feine deutschen Lehrer mehr braucht Die mit der Italienisr^rung der Schulen verbundene Verdrängung von Beamten läuft nur der in anderen Behörden parallel Postamt und Bahnhof sind für die kleinen Orte die Keimzellen des neuen Geiste und der Karabinierie-Marschall überwacht mit selbstbÄvubter Omnipotenz Hausaufschriften, Posttartenüberdrucke, Speisekarten, die verbotene Rational tracht: ja selbstdaseingerahmte Menü aus der Zeit Maria Theresias ist vor feinen Entdeutschungsbestrebungen nicht sicher. Aber diese täglichen Kränkungen, ja selbst die Schulfrage, treten im Augenblick zurück hinter der tiefen Empörung über Mussolinis neuestesSonder- gesetz für die neuen Provinzen vom 23. Mai 1924, veröffentlicht am 21. Iuli 1924, über das sog Enteignungsgefeh. Unter dem Scheine militärischer Qlsttoenbigteiten werden hier die Einwohner der neuen Provinzen den tiefgehendsten Eingriffen in das Privatrecht und der willkürlichsten Beschränkung der persönlichen Freiheit ausgesetzt, sinter dem Scheine militärischer Rotwendigkeiten — denn nur die neuen Grenzprovinzen werden von dem Gesetz betroffen — schafft man hier die Möglichkeit zu einer unauffälligen und legalen Evakuierung. zu der bisher Verschleppung und Richt- bewilligung von Optionsgesuchen sowie Landesverweisungen nur eine unvollkommene Handhabe boten. Dieses Gesetz untersagt für einen groben Teil Südtirols den Grundbesitzern, bauliche Veränderungen irgendwelcher noch so notwendiger Art ohne Einwilligung der Militärbehörde und ohne die grundbuchlich eingetragene Bedingung, diese Bauten auf beliebiges Verlangen wieder niederzureiben, vorzunehmen. Der Militärbehörde wird dagegen weitgehendstes „Demolierungsrecht" zugestanden. Viel tiefer in die wirtschaftlichen und persönlichen, ja die seelischen Belange greift der Artikel des Gesetzes ein, der den ganzen Immvbiliar-Verkehr, unter Einschluß der Vererbung, von dem Ermessen des Präfekten abhängig macht. Der Bauer fragt sich, für wen er denn arbeite, wenn er nicht einmal sicher sei, ob sein Sohn auch den Hof erbt. Während die Behörde sogar der Mühe enthoben wird, ihre Entscheidungen begründen zu müssen. Gas. das womöglich noch leichter sein sollte, als der Wasserstoff, herrühren könne, und man hielt für dieses Gas auch bereits einen Rainen bereit, indem man es Geokorvnium nannte. Der Rame sollte andeuten, bab auch die Erde, ähnlich wie die Sonne, von einer Korona, d. h. von einer sich weithin erstreckenden über der übrigen Atmosphäre schwebenden Gas hülle umgeben sei. Dies war freilich insofern voreilig, als bereits andere Erfahrungen dafür Vorlagen, dab neue Linien im Spektrum nicht nur durch neue Stoffe, sondern auch durch außergewöhnliche physikalische Zustände wohlbekannter Stoffe entstehen können. Für ein Gas der gedachten Art wäre zudem in unserem festgefügten Elementensystem kein Platz vorhanden gewesen. Der Rachweis seines Vorhandenseins hätte für grobe Teile unserer Physik einen völligen llmsturz bedeutet. Der norwegische Physi^r Lars Vegard ging nun von der Tatsache aus, dab die übrigen Spektrallinien des Rordlichts überwiegend vom Stickstoff herrührten, der ja auch das weitverbreitetste Gas unserer Atmosphäre ist. Er vermutete ferner dab der Stickitofs in der auber® ordentlichen Kälte jener Höhen möglicherweise zu einem festen Körper erstarrt und triltallmert fei und versuchte deshalb, durch kristallisierten Stickstoff die bis dahin nur im Rordlicht beobachtete Geokoroniumlinte künstlich im Laboratorium Herzust eilen. Seine Versuche stellte er in dem berühmtesten Kältelaboratorium der Erde an nämlich in dem des niederländischen Physikers Kammerlingh Onnes. Er erzeugte künstliche Stickstvffkristalle und setzte sie einer kräftigen Bestrahlung durch elektrische Wellen aus. Unter einer so starten Bestrahlung werden die Atome teilweise zertrümmert, indem sie eins oder zwei ihrer sogenannten Elektronen verlieren; sie werden wie man sagt, jonisiert: hierbei ändern sich die von ihnen ausgehenden Spektrallinien. Dies zeigte sich nun auch beim Stickstoff; denn unter den ganz ungewöhnlichen, bisher noch nicht verwirklichten Bedingungen erstrahlt er nicht nur Heibt dem Betroffenen nicht einmal der Trost, bab der Versuch eines Rechtsemsprucher auch nur aufschiebende Kraft hätte Es ist gar nicht möglich, in dieser allgemeinen llebersicht auch nur die möglichen wirtschaftlichen Schaben anzubeuten, die aus diesem Gesetz sich ergeben werben, das, schlimmer als Kriegsrochi. die betroffene Bevölkerung in die Rechtslage mittelalterlicher Höriger versetzt. llnd kaum bleibt der gequälten Bevölkerung die Stimme, um ihre Rot Hinaaszurufen in bre Welt. Die Presse ist geknebelt; — die Inflationszeit in Deutschland unterband den alten, lebhaften Touristenverkehr und wirkte so grenzenvertiesend, während der Tiroler mit Befremden und ohne die Möglichkeit rechten Begreifens den deutschen Gast t>crmibte und ihn Heuer mit aufrichtiger und beglückender Freude empfing Auch das letzte Recht moderner Völler auf Gehör in der Volksvertretung hätte der Faszismus den neuen Gebieten gern genommen. Mit allen Mitteln gewissenlosester Wahlmache ist es ihm nicht gelungen; immerhin sind zwei deutsche Abgeordnete wieder in die römische Kammer gewählt, allem Terror zum Trotz, der mit dem einen der beiden Kandidaten durch einen hinterlistigen Prügelüberfall eine Art Vor spiel zu dem Fall Matteotti versuchte und durch vorzeitige Schlitzung der Wahllokale die Bevölkerung um ihr Abstimmungsrecht brachte Liest man eingehende Schilderungen jenes 6 A^.il 1924, so ersieht man mit gewissem Staunen, welch geordnete Verhältnisse wir uns durch die Revolutionszeit hindurch erhalten haben. Diese Klagen, hier und dort und immer wieder gehört, kann der Deutsche nur mit schmerzlicher Beschämung über die eigene Hilflosigkeit vernehmen Aber hören mub er sie doch, denn das mindeste, das wir für die leidenden Brüder und Schwestern tun können, ist, bab wir um ihre Rot wissen, ilnb bab wir aus jenem Wissen heraus bic Verpflichtung fühlen, das Bewußtsein jenes wahren Deutschlands in uns lebendig zu erhalten, wie es dort unten in den Herzen lebt, jenes wahren Deutschlands, das im alten Arabischen Sinne reicht, „so weit die deutsche Zunge klingt". Empfang auf der russischen Botschaft. Von * * *. Der russische Botschafter und Frau Krestinski hatten zum ersten Empfang nach dein Zwischenfall auf der Handelsdolegation im Mai bs Is., der die diplomatischen Beziehungen wesentlich gestört hatte, eingeladen. Damit ist auch die gesellschaftliche freundschaftliche Verbindung wieder hergestellt. Der äubere An lab war wohl die Anwesenheit des mexikanischen Präsidenten in Deutschland, dem zu Ehren der Empfang gegeben wurde, und man benutzte gleichzeitig die Gelegenheit dazu, prominente deutsche Persönlichkeiten einzuladen. Die sehr schönen, prächtigen Dotschaftsräume füllten viele Gäste. In angelegter älnterHaltung verging die Zell. Ein ausgesuchtes Büfett (allerdings war der Kaviar eine kleine Enttäuschung) konnte den Verwöhntesten auf das Vielseitigste befriedigen. Im Saal daneben war extra eine Tafel lediglich mit fristen Speifen und Kuchen aufgestellt. Aeberhaupt ging es nicht volkstümlich einfach zu. sondern entsprach durchaus der Würde einer groben Botschaft. Unter den Anwesenden traf man viele bekannte Persönlichkeiten. Da war, wie schon oben erwähnt wurde, der mexikanische Präsident, der Reichsminister Oeser nebst Gattin. Vom Auswärtigen Amt sah man den Staatssekretär von Maltzan, daneben den Personalchef von Stohrer, der sich seiner groben Gestalt entsprechend ebensolcher Beliebtheit erfreut, den Referenten für RustlandH auschild, Legationsrat Freiherr von Schön mit Gattin und andere mehr. Besonders zahlreich waren ausländische Diplomaten erschienen? unter ihnen der liebenswürdige lettländische Gesandte Woit mit Gattin, der estländische Gesandte mit Gattin, der österreichische Gesandte Riedl, der italienische Botschafter Gras Bvsdari. Auf seiner Durch- in einem Licht, das dem RoiEcht ähnlich sieht, sondern die genaue SpStraluntersachung zeigte auch die bisher nur vom Rordlicht her bekannte Geokoroniumlinie. Der Beweis, dast das Rord- licht durch kräftige Besttahlung. also durch die Einwirkung besonders wirksamer Sonnenstrahlen auf festen, kristallisierten Stickstoff entsteht, dürfte damit einwandfrei erbracht fein. Wenn die ungeheuren, frei in der Höhe schwebenden Stickstoffeismcllsen, die die Theorie annehmen, unter dem Emflutz der Sonnenwärme zu verdunsten, sv entstehen bettächlliche Gasmengen, die den Luftdruck vergröbern müssen. Hierin ist vielleicht der Grund für die seit langem bekannten täglichen Schwankungen des Barometerstandes zu suchen. Diese Schwankungen wurden bisher gewohnllch mit Ebbe und Flut des Meeres verglick^i, aber eine restlose Erklärung gelang auf diesem Wege nicht. Bewährt sich hingegen der nunmehr mögliche neue Elcklärungsversuch. so werden wir in der leicht meßbaren Gröhe der Luftdruckschwankangen ein Mittel haben, die Menge der täglich in regelmäßigem Wechsel zu Eis erstarrenden und bann wieder- verdampfenden Stickstoffmassen zu bestimmen. Da es leicht möglich ist, die zur Verdampfung von Stickstoffeis nötige Wärmemenge zu messen, so wären dadurch wichtige Aafschlüsse über die von den Sonnenstrahlen gelieferte Wärme zu erwarten. Vielleicht löst die Entdeckung auch die alle Frage, warum der Himmel blau ist. Dab die Lust die roten Lichtstrahlen besser durchläbt, als die blauen, erkennen wir schon daran, bab die Sonne bei tiefem Stande, wenn also der Weg ihrer Strahlen in der Lust besonders lang ist. rot erscheint weil dte Luft den blauen Teil des Lftchts zurückhäll. Man nimmt an, dab die blauen Strahlen, die nicht auf dem geradlinigen Wege in unter Auge gelangen, sich durch unregelmäbtge Reflexionen in der Luft zerstreuen und so die blaue Himnrelsfarbe Hervorrufen: aber es fehlte bisher an den festen Stoffteilchen, die diese Zerreise von Italien nach Moskau weilte der ruffische Volkskommissar Litwinow unter den Gästen. Die rietne, aber energische Gestalt des Geheimrats Deutsch von der AGG. wie Kommerzienrat Guggenheimer verttalen die Wirtschaft. Selbstverständlich waren auch einige Abgeordnete zugegen Von den Sozialisten trat Herr Eohn in die Arena, unterstützt von dem allerdings diesmal durchgefallenen Kandidaten gleicher Partei, 2c« bebour mit seinem Schauspieler köpf. dazu ber Abgeordnete Hilferding, früherer Finanzminister im Kabinett Stresemann und einst Befürworter des Rapallovertrages. Reichsminister a. D. von Raumer, bläh, durchgeistigt und lebhaft wie immer, Staatssekretär a D v Rhein- haben, stets heiter und liebenswürdig, waren die Vertreter' ber Deutschen Dolkspartei. Frau von Oheimb, frühere Abgeordnete derselben Partei, erschien nerjüngt und verschönt, da vom Balast ber Politik befreit Sie war, ime stets, sofort ber Mittelpunkt verschiedenster Gruppen. Professor Einstein, eine Gruppe für sich bil- benb. kühl unb überlegen lächelnd auf die weniger bedeutenden Zeftgenolsen herabblickend Auch ein gröberer Flor unbekannter Damen unb Herren schmückten das Fest. Es war schwer, sich zu informieren, woher sie tarnen und wohin sie geben werben. Der' Botschafter unb seine Gattin bemühten sich sichtlich, liebenswürbige Wirte zu sein Herrliches Porzellan unb fein geschliffene Gläser flirrten leise, ber grobe Saal iveckte manche Erinnerung aus früherer Zeit. Ich denke dabei an ein Galadiner mit nachfolgendem groben Empfang der Hofgesellschaft, bei dem der damalige Dotsch/,, »tolltürken....... . 15,76 14,6 15,65 14,625 5% Goldmerikaner...... 47,9 Berliner Handelsgesellschaft Toumierz- und Privat-Bank 27,6 6 27 6,5 28 6 27.6 5,7 (i Darmst. und Nattonalbank . 9,70 9,4 10 9,30 Deutsche Bank......... 11,13 10,60 14 10,5 Deutsche Berelnsbank .... 0,395 0,35 — — DiLconto (Kommanbit .... 13,35 12,25 12,65 12 Metallbank........... 12,75 12,50 — —1 Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesierreichische Kreditanstalt 2,25 0,3875 2 0,3076 2,13 0,38 2,10 0,360 0,3 0,3 0,8 0,5 Bochumer Guß ........ 52 50,5 BnderuS............ 14,25 12 14 11,90 Sato.............. 14,6 14 15,30 12,4 Deutsch-Luxemburg...... 58 49 53,50 49,75 Gelsenkirchener Bergwerke. . 57,00 66 60 54,6 Harpener Bergbau...... Kaliwerke AscherSleden.... 73,6 19,20 69 17 74 18,75 70,75 1C,50 Kaliwerk Westeregeln..... 23 20,5 22,40 20,25 Lanrahütte........... 7,75 14,75 41,25 6,26 12 8 6,65 11,30 Oberbcdarf........... 14 Phönix Bergbau ....... 38,40 41,75 38 )it)ein)tabt........... 38,5 40 36 37,60 39,30 34,75 88 irtiebect Montan........ 38 Tellus Bergbau....... 2 1,90 27,4 - - Hamburg-Smerika Paket. . . Norddeutscher Llohd..... 28,25 6,75 28 27 6,25 8,75 7,13 Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . 15,75 15,25 —■ — Philipp Holjmann...... 6,8 4 6 5 Anglo Cont 'Guano ..... — — 12,5 11,90 Badische Anilin ....... 19,90 18 19,40 17,75 Chemische Mayer Alapin . . 1,25 — Goldschmidt........ . 13,5 12,75 13,65 12,75 Griesheimer Electron .... 17 15 16.75 14,60 Höchster Farbwerke...... 15,80 14 15,2^ 13,76 Holzverkohlung . . ...... 7 6,6 — — Nütgerswerke ......... 16,60 16,75 17,65 16,5 ^cheideanstalt......... 15,40 14.10 —— w Alla- EleltrizitütS-Gesellschaft 10,2 9,40 7 9,4 Bergmann........... 16,25 14,60 13,13 14,66 Mainkraftwerke ........ 7,9 8,20 — Schuckerk............ 39,75 85,5 39,50 36,5 Siemens & Halske ...... 45,75 2,6 44,5 Adlerwerre Äleyer ...... 2,55 2,40 2,25 3,25 Daimler Motoren. ...... 3,35 3,13 3,6 Hehligcnstaedt......... 2,85 2,76 -* — 'Uieguin............. 13,25 0,56 1,2 11,5 11,6 1,2 11 ,6 Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . « . 0,66 1,2 1J MK.5“*: 12 1,90 3,25 10,5 1,7 1,8 1,75 Schuhfabrik Herz . . .... 2,85 3.5 8,1 4,75 Sichel.............. -iellsto'f Waldbof...... 8 4,65 5,25 12,25 12,76 11,25 3,60 3 11 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . .. . 4,26 3,30 •) Dom Rückzahlungswert. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Berlin, 9. Sept. Die Börse steht unter dem Eindruck der zusam mengebr ochenen Anleih ehausse. Anscheinend hat sich die Haussespekulation die Finger stark verbrannt. Man rechnet damit, daß auch außerhalb der Börse weite Kreise erhebliche Verluste erlitten haben. Infolgedessen ist die Tendenz für die Mehrzahl der inländischen Anleihen heute sehr schwach. Die Derufslpekulation hat sich nur teilweise rechtzeitig aus dem Geschäft zurüctziehen können. Sie trägt den Schaden, den sie durch die allzu große sorglose Richtachtung aller amtlichen Erklärungen und Verwarnungen sich selbst zuzuschreiben hat. Am Aktienmarkt lag das Geschäft ruhiger bet eher nachgebenden Kursen. Die wirtschaftliche Stage, vor allem in der rheinisch-westfälischen Großindustrie, wird jetzt wieder sehr pessimtsttsch beurteilt. Reue Meldungen über schwierige Verhältnisse im Ersen- und Kohlenbergbau und über einen mächtigen Kampf tn der Kohlensyndikats- frage wirkten sehr verstimmend. Infolgedessen hat sich die Spekulation im großen uno ganzen von den Mti en Märkten sehr stark zurückgezogen. Eine Ausnahme bildet nur das Geschäft tn Kali° werten das im Hinbltck auf die Besserung der Abfahverhältnisse sich ztemlich lebhaft gestaltete. Der Devisenvertehr zeigte eine Zunahme der Rachfrage. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. Dl. (In Billionen Mort auSaedrückt BuenoS-AireS. London, Reu« York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, olle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphlsche Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten, (Ohne Gewähr.) 8. Septbr. 9. Septbr. Report. % 8. | 9. Amtliche Notierung Amtliche Notieru n Geld Briet Well) Bries Amst.-Rott. 160,30 161,10 149,93 150,13 voll voll Brff.Antw 20,925 21,025 20,676 20,775 voll voll Tbristiania. 57,26 57,54 57,11 67,39 voll voll Kopenhagen 69,92 70,98 71,12 111,2? 71,43 voll voll Stockholm . 111,22 111,78 111,78 voll voll HclstngforS. Italien. . . London. . . 10,49. 18,32 10,55 18,42 10,491 18,20 10,555 18,30 voll voll voll voll 18,635 18,725 18,563 18,645 voll voll Neupork . . 4,1) 4,21 4,19 4,21 voll voll Paris. . . . 22,14 22,26 21,875 21,976 voll ooll Schweiz . . 78,675 79,075 78.65 78,95 voll voll Spanien . . 64,61 54,89 64,46 64,74 voll voll Wien in D-> Oest.abgest. 6,91 5,93 5,911 12,53 5,935 voll voll Prag Budapest. . Bncn.-Aires 12,62 12,5% 12,59 voll voll 6,44 1,435 6,46 1,445 0,44 1,42b 6,46 1,435 I’nli voll voll voll Bulgarien 3,05 3,07 8,05 3,07 voll voll Japan . . . Wo de Jan 1,706 1,715 1,705 1,715 voll voll 0,395 MOB 0,395 0,406 voll voll Belgrad . . 6,51 6,52 5,49 6,51 12,08 voll voll Lissabon . • 11,97 12,03 11.97 voll voll Berkin, 9. Sept. Geld I Priel Re^art. Amerikanische Noten ..... 4,13 4,21 voll Belgische Noten........ 20,65 20,55 71,28 voll voll Dänische Noten........ 70,92 Englische Noten........ Französische Noten ...... 18,3C 13.60 voll 21,80 21,90 voll Holländische Noten...... 159,45 18,25 165,25 voll Italienische Noten ...... 18j35 voll Norwegische Noten...... 66,98 67,26 voll Deutsch - Scsterr., äioo Kronen 6,90 3,92 voll Rumänische Noten....... 2,14 2,16 voll Schwedische Noten ...... 110,92 111,48 voll Schweizer Noten ....... 78,46 78,85 voll Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 64,26 12,485 64,54 12,546 voll voll Ungarische Noten...... 6,36 6,38 voll Märkte. Rmdviehmarkt in Gießen. h. Gießen, 9. Sept. Der heutige Rind- viehmarkt stand ganz unter dem Zeichen des schlechten Wetters. Der Handel war von Anfang bis zu Ende schleppend. Aufgetrieben waren 360 Stuck Groh- und 33 Stück Kleinvieh. Es wurden bezahlt: für Kühe zur Zucht 1. Qual. 350—400 Mk., weniger gutes Material 250—300 Mk., während Schlachtkühe nicht über 250 Mk. hinausgingen. Rinder kosteten 80—100 Mk. das Stück. Am Schlüsse des Marktes war noch Ueberstand vorhanden. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Sept. Es wurden notiert: Roggen, inländ. 21,25 bis 21,75, Sommergerste für Drauzwecke 23,50 bis 25, Hafer, inländ. 21 bis 22, Mais (gelb) 19,50 bis 20, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 3525 bis 35,75, Roggenmehl 29,25 bis 29,75 Weizen- und Roggen- kleie 12,25 bis 12,40. Tendenz fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 9. Sept. Am GetveDemarkt machte der neue Regen die Verkäufer wiederum nachgiebiger: wenn auch dte Käufer zurückhielten, so kam doch keine neue, stärkere Preisermäßigung! zustcncke. Es notierten pro 1000 Kilo: Weizen, märt. 212 bis 222, Roggen, märt. 180 bis 186, Gerste, märt. 210 bis 238, neue 190 bis 200, Hafer, märt 170 bis 180, Raps 325 bis 340, Leinsaat 440 bis 445; pro 100 Ktlo: Weizenmehl 31,50 bis 33, Rvggenmehl 26,50 bis 28,50, Wetzen- kleie 13,50 bis 13,75. Roggenkleie 12,50, Diktvria- erbfen 32 bis 35, kleine Erbsen 22 bis 26, Futter- erbfen 19 bis 20, Peluschken 17 bis 18, Acker- bohnen 16 bis 17, Wicken 16 bis 17, Lupinen, blau 12 bis 12,50, gelb 18 bis 20, Deradella, alt 12,50 bis 13,50, Rapskuchen 1450, Leinkuchen 23 bis 24, Trockenschnitzel 12,80 bis 13, Tvrf- melasse 8,50, Kartoffelslocken 19,50 bis 20 Mk. Der Alte aus Topper. Roman von Hanns von Zvbeltih. 65. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Er dachte an die beiden daheim, bat ihnen im stillen seinen Unmut ab. Waren ja doch seine Letzten, und et hätte ihnen die Hände unter die Füße breiten und an ihrem Glück mitzimmern mögen, Tag und Rächt. Und hacke nun auch ihnen alle Zukunft auf Toppet verdorben bu ch seinen Trotz vor der Majestät. Ein rechter Lenztag wars. Die Amseln schlugen. Ueberall das srische junge Grün und zwischen den Büschen die Heben blauen Veilchen. Einmal bückte er sich, raffte ein paar ab: .Die bringst du der Schwieger mit, daß sie sie in ein Gläschen stellt auf den Tisch und sich drüber freut'. Warf sie wieder fort: .Freut sich doch nicht über das, so der alte Griesgram bringt.' Ging langsam bergab. Da und dort arbeiteten die Leute in kleinen Trrrpps, Männer und Frauen. Ia, die Braven versuchten es immer wieder, war aber Schinderei und fast zwecklos, so mit den Händen, ohne Pferd und Vieh. Man brauchte ja nur die Augen aufzumachrn: überall im Acker die dicken, dichten Quecken und überall Disteln. Wie das Unkraut hochgekommen toar in den Unglücksjahren! — Und war iwch so schön, der Ausblick ins Land hinein, über die Felder, im Sonnenschein. Konnte ein gutes, gesegnetes Iaht werden, nun Friede war. Wahrhaftig: da unten, in den Wiesen, saßen ein paar junge Frauenzimmer, hacken die Hacken zur Seite gelegt und sangen ein Lied. Zu verstehen war's nicht, aber es klang hübsch, so von weitem her. Ia, di« Märter, die waren mutig und gaben das Hoffen nicht auf, vertrauten auf Gott und bessere Tage. Wenn man's doch auch könnte. . . So ist er weitergegangen auf Vorwerk Grünewald zu, hat hier und dort mit der Stockzwinge in dem Erdboden herumgestockert, hat wahrhaftig mit der Krücke ein Stück Graben vom Schlamm freizumachen versucht, ha>lb im Spiel, halb im Ernste, hat gedacht: ,Der Acker und jener dort hat lange geruht, müßte jetzo gute Frucht bringen’, und hat dann doch wieder über die eigene Torheit sein bitteres Lachen gehabt. Und wenn er's noch einmal versuchte, wie s der Christian tat: für wen denn? Die Zabeltitz« hatten zum längsten auf dem schönen Topper gesessen! Da stand er endlich an der Pleiskebrücke und wunderte sich: es staken neue Dohlen drin und Drecker. Das muhte der Sohn auch getan haben. War doch ein ordentlicher Kerl, der Christian — Mit einem Male sieht er auf und sieht, wte von Spiegelberg her ein Trüppchen Pferde kommt. Für die Weite waren die alten Augen noch blitz- scharf. So erkennt er bald eine Uniform, einen Infanteristen, gleich auch ein paar bunte Husaren und einen schwarzen Rock dazwischen. Und das Herz pocht ihm gegen die Rippen. Deitzt schon die Zähne zusammen: Das ist gewiß für den Riede wider. Für den Topperschen gibt's so was nicht. Und will zur Seite treten. Aber, ist's zu glauben, reitet da vorn, neben dem Korporal, nicht Gottlieb, der lange Laban, der junge Marzanke? Und der schreit ganz un- despektierlich auf: „Halt, halt die Schwadronk" Hebt sich aus dem Sattel, klettert ein wenig ungeschickt, wie Infanteristen sind, vom Gaule, kommt auf den Gestrengen zu gerannt, mit rotem Gesicht, greift nach dem Rockschoh: „Melde mir, gnädiger Herr, ins Kanton entlassen." „So — so, mein düng, da wird sich der Vater freuen. Wo kommst denn so stolz auf dem Gaule her?" „Ia, gnädiger Herr — die haben uns aufgelesen, die Husaren, zwischen ©Dritten und Spiegelberg, und weil sie doch nach Topper wollten —“ Ist auch schon der Korporal da, ein martialischer Kerl mit langhängendem Schnauzbart, steht in Postur, hat ein Schreiben in der Hand. Run möcht' der Alte doch lesen. Will's noch nicht glauben, ist gewiß eine Verwechslung. Sucht die Drille in der Tasche, form sie nicht finden, und ohne die Drille geht's mm mal nicht in der Räh'. „Les' Er vor, Korporal." Doch der feixt und schüttelt den Kopf, datz die Barteichen fliegen. „Hat meiner Mutter Sohn nicht gelernt. Gedrucktes halbwegs, aber mit dem Geschriebenen steht's faul." „Also lies du, Marzanke." Der fängt auch wirklich an: „An den Hoch- unö Edelgeborenen Herrn von Zabeltitz —“ stottert aber, muh die Buchstaben einzeln zusammen- suchen . . . ruft: „Vielleicht lieft der Herr Regimentsprediger —" Da tritt der heran, lüftet den Hut. Ist ein schlanker, junger Herr, spricht bewegt: „Vielleicht, daß der gnädige Herr mich kennen - aus Briefen. Ich bin Cajetan Grolich." „Grolichl" schreit der Gestrenge auf, läßt Schreiben Schreiben sein und Pferd Pferd, breitet die Arme, umschlingt den Mann, halt ihn fest an seiner Brust, kützt ihm rechts und links die Büchertisch. — Zum 100. Todestag Kortüms, desDi- ters der I o b s i a d e , ist eine ganze Reihe von Reuausgaben dieser mit Unrecht fast vergessenen, köstlichen Satire herausgekommen, von Denen uns nun auch die auf Grund der Uraudgabe vom Iahre 1784 von Dr. Iohn Sacher vom Verlag Felix Alexander -Berlin veranstaltete DOtliegt, mit Textbildern, die den von Kortüms eigener Hand gefertigten Holzschnitten der Urausgabe nachgebildet wurden. Der in Ehmke-Fraktur aus Bütten preiswert hergestellte Liebhaberdruck wird viele Freunde finden. — Als Daniel Defoe seinen „Robinsot Crusoe" herausgab, wußte er gewiß nicht, daß er damit das Buch publizierte, das an Popularität jedes vordem und nachher erschienene Werl in den Schatten stellen wurde Cs war viel mehr als eine literarische Tat: Die rastlose Sehnsucht des überzivilisierten Abendlandes nach einem natürlichen Dasein sand damit ihren schönsten und vollendetsten Ausdruck. Seitdem ist diese Sehnsucht nicht müde geworden, sich in Bildern und Büchttn zu kristallisieren. Allmählich wurde uns der Westen das Ideal gigantischer Friedlosigkeit und immenser Leistung, während uns der Osten immer mehr als das Land schönheilstrunkener Phantasie und exotischer Romantik erschien. „D i I nsel Mai — kan — dee" von Hellmuth Unger ist die neueste Robinsonade, die dem großen Publikum ’ in der Zeitschrift ,^D i e Große Welt" Rr. 5 zugänglich gemacht wird. Ernst E. Deckers erzählt tn der Plauderei „A u f Karl Mays Spuren" von dem merkwürdigen Romancier der Abenteuer. Und der Japaner W. Komakizzy von Rohara liefert in seiner „Begegnung mit GeneralRogi" eine an Stimmung und Handlung reiche japanische Rovelle. „Die Große Welt" ist für 1.50 Gm) überall zu haben, oder direkt zu beziehen durch die Leipziger Verlagsdruckerei G. m. b. H., norm. Fischer u. Kürsten, Leipzig, 2o- hannisgasse 8. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Matthes in Gens. Genf, 9. Sept. (WD.) Der Genfer Sonder- berichterstatter der „Baseler Rachrichten" veröffentlicht folgende bemerkenswerte Ausführungen: Die heutige Post bringt mir einen längeren Prv - pagandabrief der Separatisten aus Düsseldorf, uitterzeichnet Matthes, z. Zt. in Genf. Der Brief stammt also von dem bekannten Separatisten-Führer Iosef Matthes. Das regt zu den zwei folgenden Fragen an; 1. An die eidgenössische Fremdenkvntrvlle, wie und unter wes seit Protektorat ist Herr Matthes, einer unserer schlimmsten Zeitgenossen, zu einem Schweizer Visum gelangt? Handelt es sich nur um eine auf die Tage der Genfer Konferenz beschräntte Einreiseerlaubnis oder, denkt man, die Separatisten, die das deutsche Rachbarland mit blutigen Unruhen bedrückt haben, überhaupt bei uns aufzunehmen? 2. An die französische Delegation tn Gens, wie stemmt wohl Herr Matthes dazu, seine hiesige Propaganda mit Hilfe der französischer Militärpvst zu machen? Farbflecken in derWäseheO^ K^«-^^ farbige Stoffe entfärbt Heitmann^ Entfärber Unschädlich für alle Stoffe. Mühelose Anwendung Dan achte an! die Harke „Fnekskopl im Stern". Erhält!, in Drogerien u. einschlägigen Geschäften. Eine Wohltal find ein paar Tropfen von 6em tßftltoei Kräuterhaanvastzr Havol, in bis Kovstau massiert, besonder^ nach geistig otet torper lich anstrengender Tdtiatetl. Die ßopfnegW werden durch Iavo! erfrischt, da« Ha« SB weich' duftig und locker. Für Liebhavtzr kE sonder« kräftigen'TÜohlgeruche - Qabol.llow Jur Kopfwäsche Iavol« Kopftoaschpulvak stark schaumend und vorzüglich reinigend Wangen und dann den Mund. „Cajetan Grolich . . . unseres lieben Kaspars treuer, würdiger Freund!" * * * Der Cajetan Grolich hat dorn alten Herrn auf dem Wege von des Iunters Leben und Sterben berichten müssen und von seinen letzten Grützen, die er nun auszurichten käme. Und nur so nebenbei, weil der Schnauzbart drängte, durfte er das Schreiben vom Kommando des Regiments Zteten-Husaren vorlesen, daß Seine Majestät auf den Bericht des Landvatsa-mtes zu Zielenzig und aus sonderlichen ©naben zehn ausrangiertc, aber brauchbare Pferde dem von Zabeltitz auf Topper zuzuwenden befohlen, wovon acht für das Dominium, zwei für das Dorf, nach des Gutsh:rrn Er» messen. Worüber nach Empfang zu quittieren... Hat der Gestrenge einmal ^en Kopf geschüttelt, einmal genickt, einmal geschmunzelt, es auch an einem .Schön, schön' nicht fehlen lassen; dann aber ist er gleich wieder auf den Grolich mit Fragen kvsgestürmt und hat seinerseits, ein wenig konfuse wohl, denn es drehte sich ihm im Kopfe, allerlei dazwischen geworfen von dem eigenen Kummer und eigenen Drangsalen. Sie sind langsam hinter dem Trupv Pferde nach Topper hinaufge^ ng:n, im eifrigen esnräch. und dann durch die Dorfstvatze. Bor d?r Kirche ist der Alte stehen geblieben, um von den schweren Russentagen zu erzählen, und auch vor dem kleinen Psarrhaus. Das sah aber heut bei aller Aermlichkeit fast festlich geschmücki aus, denn im Dorgärtlein blühten schon die ersten Blumen wie eine farbige Wildnis, und an den alten Mauern rankte sich der Efeu bis aufs Dach, Blatt an Blatt. (Fortsetzung folgt) MAGGI" Suppen Man achte auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Würfel-Packung. sind in den beliebten Sorten Erbs, Erbs mit Speck, Eiernudeln, Reis, Reis mit Tomaten, Grünkern, Pilz, Königin, Kartoffel, Tapioka echt, Rumford, Windsor usw. überall zu haben. ggtoc ■■ Sie schmecken vorzüglich! ——