Rx. 258 Erstes Blatt U4- Jahrgang Donnerstag, 9. Moder 1924 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GießenerFamiIienblätter Heimat im Bild. Monatr-Vezvaspreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägcrlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undBeschaftsstelle 51. Ansonst für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Sietzen rAnjeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick rind Verlag: vruhl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Bnjtigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkcit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpscnnig; für Reklame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfcnnig, Platzvorschrist20° .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein,-für den Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Gießen. Die Parteien zur Regierungsumbildung. Die Fraktionsbeschlüsse zu den Richtlinien des Reichskanzlers Dr. Marx. — Verschärfung der Lage. WeShalb der Reichskanzler mit feinen Richtlinien eigentlich so geheimnisvoll getan hat, ist, nachdem sie nun glücklich veröffentlicht toorden sind, noch weniger- einzusehen. Das Ganze ist nicht viel mehr als eine einzige Zusammenstellung von Gemeinplätzen, die, wenn man nur die nötigen Interpretationskünste anzuwenden versteht, als Grundlage aller nur denkbaren Regierungslomdinationen verwendet werden tonnte. Dafür fehlt den Richtlinien allerdings auch die praktische Verwendbarkeit. Denn Parieren, die miteinander arbeiten und durch schwere Zeiten hindurchgehen sollen, können diese Ausgabe nir auf sich nehmen, wenn sie nicht mit verschwom- menen Redensarten über die Schwierigleiten hinweghuschen, sondern tiefer in die Drnge hineinsteigen und sich sachlich näher zu kommen suchen. Daß die Weimarer Verfassung die „rechtsverbindliche Grundlage des staatlichen Lebens" ist, wer will da widerstreiten, daß jeder Versuch, eine Abänderung aif ungesetzlichem oder gewaltsamem Wege her beizu führen, Hochverrat ist, darüber sind sich alle Gelehrten längst einig. Selbst die Deutschvölkischen können das nicht gut bestreiten, denn wenn sie ihr Wahlrecht zum Reichstag ausüben and ihre Abgeordneten in den Reichstag entsenden, dann erlennen nc damit die Verfassung als rechtsverbindlich an. Wobei sie sich selbstverständlich Vorbehalten, auf dem durch die Verfassung gegebenen Wege Aen- derungen zu beantragen and durchzusehen. Die Deutschnationalen haben jedenfalls schon bei verschiedensten Gelegenheiten den Gedanken an eine gewaltsame Aenderung der Verfassung weit von sich gewiesen, sie werden also einer Festlegung auf den ersten Punkt des Programms des Kanzlers nur dann aus dem Wege gehen, wenn sie darin eine Schlinge sehen, die ihnen, um ihre spätere Rückkehr in die Opposition zu verhindern. um den Hals gelegt werden soll. Der zweite Punkt beschäftigt sich mit der Außenpolitik und den Londoner Abmachungen. Er vermeidet jeden Dlick nach rückwärts, erleichtert also hier den Deutschnativnalen ihre Zustimmung, da Abänderungen für die Zukunft als erstrebenswert bezeichnet werden. Soweit die Aufnahme in denVölker- b u n d in Frage kommt, ist es natürlich schwer, die Stellung der Fraktionen zu begründen, weil das deutsche Memorandum bisher im Wortlaut nicht bekannt geworden ist. Was aber über seinen 3n= palt auch von uns mitgeteilt wurde, ist wohl htn- reichend, um auch da weder für die Rechte noch für die Linke irgendwelche Bedenken zu schaffen. Daß die Lastenverteilung aus dem Londoner Gutachten, das heißt also, die Erschließung und Umgestaltung der Steuerquellen nach dem Maßslabe der Wirtschastssörderung und der sozialen Gerechtigkeit, gestaltet werden soll, das ist ein Sah, der in den Wahlaufrufen aller Parteien für die kommenden Reichstagswahlen vermutlich enthalten sein wird. Die Schwterigkeften fangen erst da an, wo es gilt, den Begriffder Wirtschaftsförderung oder der sozialen Gerechtigkeit zu bestimmen und mit den praktischen Notwendigkeiten tunlichst in Ueberetnsttm-- mung zu bringen. Die sozialen Leistungen endlich dem Vedürsnis entsprechend zu steigern, „sobald die finanzielle 2age des Reiches es irgendwie zuläßt", ist ein ersträienswertes Ziel, ist eine Notwendigkeit, nachdem ganze Schichten des Volkes. unter ihnen große Teile des Mittelstandes, in der Geldentwertung ertrunken find. Dleibt endlich die Steigerung der Produktion, hinter der sich das künftige Handels- und Zollsystem versteckt. Der Grund- sah der wirtschaftlichen Freiheit, wie ihn die Richtlinien proklamieren, wird trotz des Erfurter Programms auch von den Sozialdemokraten geschluckt werden können. Dei den Zollvertragsverhandlungen schließlich soll mit der Stärkung der inländischen Produktion gleichzeitig die möglichste Förderung der Ausfuhr und die tunlichste Schonung des Verbrauchs verbunden werden. Wunderhübsch gesagt. Wenn das möalich wäre, wenn es so einfach wäre, diese Forderung in die Praxis durchzusehen, dann hätten wir vermutlich überhaupt keine Regie- rungskrifis gehabt, dann wäre unsere innere Politik ein Paradies, in dem Wolf und Schaf friedlich nebeneinander ihre Nahrung suchen. Aber so kommt man doch nicht weiter. Ein sehr kluger Abgeordneter hat dieser Tage sehr ironisch gesagt, dah Herr Dr. Marx heute vermutlich noch der einzige im ganzen Deutschen Reichstag wäre, der an die Möglichkeit eines Zusammenregierens von Deutschnationalen und Sozialdemokraten glaubt. Wenn man seine Richtlinien durchliest, sollte man diesem Spötter wahrhaftig recht geben. Aber gerade, wenn Herr Dr. Marx daran glaubt, dann müßte er greifbarere Formulierungen wählen, um fein Ideal zu erreichen. Mit dergleichen unverbindlichen Gemeinplätzen kommt er nicht einen Schritt vorwärts. Um so stärker wird deshalb der Verdacht, dah er diese Methode nur gewählt hat, um die Entscheidung hinausschieben zu können. Cs ist ja nachgerade ein öffentfiches Geheimnis geworden, daß die verschiedenartigsten Kräfte der Arbeit sind, um die Krisis über den 10. Januar hinaus zu vertagen, da man immer noch darauf hofft, daß die Franzosen bis dahin die Ruhr räumen und den Deutschnationalen ein solcher Erfolg nicht gegönnt werden soll. Als wenn es möglich wäre, Abmachungen dieser Art überhaupt geheim zu halten! Die Franzosen würden sich jedenfalls sehr genarrt vorkommen, wenn man erst einen Vertrag mit ihnen ab schlösse, der sie aus der Ruhr hinausmanövriert, und dann, nachdem sie eben draußen sind, ihnen beweist, dah nur für diesen Zweck die Regierungsfähigkeit der Deutschnationalen so lange vor ihnen geheim gehalten wurde. Ganz abgesehen davon, daß längst vorher etwas davon durchgesickert wäre. Herr Dr. Marx darf also selbst nicht im unklaren darüber fein, daß feine Kanzlerlaufbahn zu Ende ist, alls es ihm nicht gelingt, die Verhandlungen so >u führen, dah sie in einer ehrlichen Verkündigung mit den Deu tschnativna- len auslaufen. Die Richtlinien des Reichskanzlers. Die dom Reichskanzler den Fraktionen des Reichstages übermittelten Richtlinien für die Entscheidung über den Eintritt in die Volksgemeinschaft lauten: .1. Die Verfassung vom 11. August 1919 wird als rcchtsverbindlicheGrundlage dcs staatlichen Lebens anerkannt. Jeder Versuch, ihre Abänderung auf ungesetzliche, insbesondere gewaltsame Weise herbeizuführen, wird demgemäß als Hochverrat zu verfolgen und zu bestrafen sein. 2. Die Richtung der Außenpolitik wird in erster Linie durch die Londoner Abmachungen bestimmt. Die auf Grund derselben erlassenen Reichsgesehe sind lohalauszu- führen, ebenso wie wir eine loyale Durchführung deö Abkommens von unseren Dertragsgeg- nern erwarten. Die Regierung wird es sich angelegen sein lassen, die Auswirkung der übernommenen Verpflichtungen auf das sorgfältigste zu überwachen und die sich als notwendig erweisenden Abänderungen zu erreichen. Die Aufnahme in den Völkerbund soll entsprechend der im deutschen Memorandum niedergelegten Auflassung erstrebt werden. 3. Dei der L a st e n d e r t e i l u n g in Ausführung der bezeichneten Gesetze soflen die Maßstäbe der Wirtschaftsförderung und der sozialen Gerechtigkeit angewandt werden. Die bestehenden Finanzgesehe sollen nach diesen Gesichtspunkten durchgearbeitet werden. 4. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung wird betrachtet, die sozialen Lei- st u n g e n den Bedürfnissen entsprechend zu steigern, sobald die finanzielle Lage des Reiches dies irgend zuläßt. 5. Wirtschaftspolitisch wird die möglichste S t e i g e r u n g d e r P r o d u k t i o n und des Nutzungsgrades der Arbeit angestrebt werden, um die internationale Kredit- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern, wie sie insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Reparationsbelastung unerläßlich ist. Ausgehend von dem Grund der wirtschaftlichen Freiheit werden staatliche Eingriffe nut insoweit in Betracht kommen, als sie notwendig erscheinen, um eine wirflchastsschädliche Unter» brüdung der Wirtschaftsfreiheit von anderer Seite abzuwehren. Bei der Lösung der bevorstehenden außenhandelspolitischen Aufgaben wird mit der Stärkung der inländischen Produktion gleichzeitig auf eine möglichste Förderung der Ausfuhr auf dem Boden von Gegenseitigkeit und Meistbegünstigung und der tunlichsten Schonung des Verbrauchs hingearbeitet werden. Das Ultimatum der Ientrumspartei. Geringe Aussichten für die Aktion des Kanzlers. Von unseremDerlinerDertreter. Berlin, 9. Oft. Die parlamentarische Situation wird gegenwärtig vollständig beherrscht durch den Dorsto.ß Der Zentrumsfraftion, die noch vor dem Zusammentritt der d .utschnationalen Reichstagsfraktion eine Entschließung faßte, in der es heißt, die Zentrumsfraktion des Reichstages halte an ihrer Ueberzeugung fest, daß nur ein in innerer Einigkeit gestärktes Volk Deutschland retten, der durch Annahme des Londoner Abkommens geschaffenen gesamtpolitischen Lage gerecht werden und die uns auferlegten schweren Lasten unter tätiger Mitwirkung aller schaffenden Kräfte der Arbeit und Wirtschaft tragen kann. Die Zentrumspartei habe nachdrücklich die Bemühungen des Reichskanzlers unterstützt, die bestehende Koalition durch Hinzuziehung aller zu auf- tuender Mitarbeit bereiten Parteien von rechts und links zu verbreitern und dadurch eine starke gesicherte Regierung zu schaffen. Sie erwarte von allen zur Mitwirkung berufenen Parteien bestimmt, dah sie sich der vom Dolks- gMizcn dienenden Arbeitsgemeinschaft zum Wiederaufbau des Vaterlandes anschliehen. Das heißt also die Zentrumspartei ist entschlossen, unter allen Umständen an der Forderung der Verbreiterung der Regierungskoalition nach rechts und nach links festzuhalten. Dieser Beschluß des Zentrums wurde den anderen Parteien in ultimativer Form übermittelt. Reichslanzler Dr. Marx, der offenbar entschlossen ist, unter keinen Umständen auf die Mitarbeit der Sozialdemokratie zu verzichten, hat zweifellos seinen ganzen Einfluß aufgeboten, damit seine Partei diesen Schritt unternahm, der besonders für die Deutsche Volkspartei und für die Deutschnationalen eine außerordentlich schwierige Lage geschaffen hat. Während man noch am Dienstag mit der Möglichkeit gerechnet hatte, daß im Falle einer Bereitschaft der Deutschnationalen zur Anerkennung des gegenwärtigen Regierungsprogramms die Herstellung einer Regierungskoalition mit den Deutschnatiottalen allein erreichbar sein würde, ist diese Aussicht fast auf den Nullpunkt herabgesunken. In den Mrlamenlarischen Kreisen beurteilt man daher die Situation äußerst kritisch. Man fragt sich, ob das Ultimatum der Zentrumspartei auf taktische Momente zurückgeführt werden muh, und den Zweck verfolgt, die Deutschnationale Partei zum Rückzug zu zwingen, oder ob die Zentrumspartei wirklich ernsthaft an das Zustandekommen einer Koalition von den Deutsch- nationalen bis zur Sozialdemokratie glaubt. In den volksparteilichen Kreisen ist man geneigt, eher den ersteren Fall anzunehmen, da man fest davon überzeugt ist, dah sich die Zentrumspartei über die Wirkung ihres Beschlusses von voriiherein klar sein muhte. Man sieht daher schon jetzt voraus, dah die Mission des Reichsianzlers vollkommen zum Scheitern verurteilt sein wird. Ob dabei die Deutfchnationalen oder die Sozialdemokratie die grundsätzliche Verantwortung auf ihre Schullern laden, ist für die politische Beurteilung der Sachlage von untergeordneter Bedeutung. Weit ausschlaggebender ist die Frage, welche Konsequenzen nunmehr die Zentrumsfraktion aus den Wirkungen ihres Ultimatums ziehen wird. Lehnt sie nunmehr rundweg weitere Verhandlungen über die Regierungsumbildung ab, so kommt es zu einer ernsten Regierungskrise, die voraus- richtlich den Rücktritt des Kabinetts Marx-Strese- mann zur Folge haben wird. Ist sie dagegen geneigt, auf einer anderen Grundlage in eine Diskussion der Regierungsfrage einzutreten, so würde ihr nichts anderes übrig bleiben, als dieAufnahrne derDeutschnatio- nalen in die Reichsregierung. Aus führenden Kreisen des Zentrums wird uns mitgeteilt, dah die Zentrumsfraktion des Reichstages die Tragweite ihres Beschlusses sehr wohl erwogen hat. Wenn jetzt nicht eine Regierung der Volksgemeinschaft von den Deutschnationalen bis zur Sozialdemokratie zustande kommt, so ist nach Auflassung des Zentrums jede Möglichkeit einer Befestigung der inneren und äußeren Lage des Reiches unmöglich. Die Hinzuziehung der Deutsch nationalen allein würde nach Auflassung des Zentrums doch sehr bald zu neuen Regierungskrisen führen, die Deutschland aus dem Krisenzustand auf absehbare Zeit hinaus nicht mehr herausbringen würden. Um eine solche Gefahr zu verhüten, sei es besser, die Auflösung des Reichstages herbeizuführen als unhaltbare Regierungsexperimente zu veranstalten, deren auhenpolitische Wirkungen für Deutschland geradezu katastrophal sein mühten. Die Gegenrichtlinien der Deutfchnationalen. Grsinnnttgsgemeinschaft aller christlichen und nationalen Volkskräfte. Berlin, 9 Oft. (T. U.) Die Fraftionssihung der Deutfchnationalen Bvlkspartei, die gestern na-chmit:ag um 5 Uhr begann, dmert? bis 10 2 Uh ab.nds. Als Erg b lis der S.tzunz veröf e:t- licht die Frak.ion eine Entschließung, welche ie fast einmütige Zusttmmung aller Anwe'e dei fand. Die Enflchließung h.ißt: „Der Vorschlag des Herrn Reichskanzlers enttnid). we.1 sienwache z- m Schuhe der - ' ! ' i r"' 1 - uO zu • Lll rocht er Haltung 1 i i -.t 3iit2r4ien in diesen Gewässern Der Sturz des Kabinetts Maedonaid. L o n d o n , 9. Oft. (Teluniou.) Bei der in der gestrigen AnterhauSsihung um 11.30 Ahr nachts stattgefundenen Abstimmung wurde der k o n s e r - vative Mihtrauensantrag gegen die Stimmen der Arbeiterpartei abgelehnt. Die Konservativen und die Liberalen stimmten geschlossen dagegen, da infolge der verwchrrenen Geschäftsordnung eine Stimmabgabe der Konservativen für ihren eigenen Antrag die Regierung gerettet hätte. Der liberale Abänderungsantrag wurde mit 364 gegen 198 Stimmen angenommen. Der P r e - mierminister wird heute vom König empfangen, und wie man annimmt, sich die Vollmacht zur Ausschreibung von Neuwahlen geben lassen. Heute um 3 Ahr tritt das Anterhaus wieder zusammen, wo der Premierminister eine Erklärung über die Absicht der Regierung abgeben wird. Dfe'Debatte im Unterhaus Die Sitzung des Anterhauses begann bei sehr starkem Besuch schon in ziemlich erregter Stimmung. Sir Robert Horne (Konservativ) ergriff sofort das Wort und stellte fest, das) die Aufgabe des Verfahrens gegen den' Kommunisten Campb ell durchaus ungesetzlich sei und in krassem Widerspruch zu de. bisherigen völlig u n P o l i t i s ch e n Gerichtsbarkeit in England stehe. Die englische Justiz habe nie geduldet, dah sich irgendwelche politischen Einflüsse in einem gerichtlichen Verfahren geltend machten. Er tadelte die Regierung aufs Schärfste, weil sie aus P a r t ei r ück s i ch t e n mit diesen althergebrachten Aeberlieferungen gebrochen habe. Ferner sei ihr der Vorwurf zu machen, dah sie die Verhandlungen des Kabinetts und des Gene- ralstaatsanwal'.es mit den zuständigen Behörden über diesen Fall nur unvollständig dem Parlament zur Kenntnis gebracht hätte. Das Verfahren, das die Regierung im Falle Campbells eingeschlagen hat, sei nicht nur ungesetzlich, sondern bedrohe auch die öffentliche Ordnung. Hierauf verteidigte der Generalstaats- anwalt, Sir--»Patrie Hastings, die Maß- nähmen der Regierung und die von ihm getroffenen Anordnungen, indem er darauf h.nwies, dah jeder andere Staatsanwalt im Lande genau s o gehandelt hätte, wann ec in derselben Lage gewesen wäre. Hastings erklärte sich bereit, sämtliche Unterlagen dem Anter- hause vorzulegen. Er hätte wohl jelem anderen Kommunisten, der einen aufreizende i Ar- Ul l veröff.n. licht hat, den Pr-zest machen können, jedoch nicht einem Man n e wie Campbell, der im Kriege beide Beine verloren hat, schon allein das Menschlichkeitsgefühl verbiete dies. Ferner wies der Geieial» siaatsanwalt zu seiner Rechts r igang aif eine Abhandlung d.s Kconanwal.Lg hl,et hin, worin dieser bezweifelt, dah Campbeils Artt.el überhaupt als Aufreizung der Soldaten zurM.u- । tecei aufzufassen sei. Die DurchführungZeines der- artigen ungewissen Prozesses hätte nur den Kommunisten Vorteile gebracht. Er legte dem Anterhause einen Präzedenzfall vor, in welchem ein ähnlich liegender Fall nicht weiter verfolgt ist. Er schlug desyalb vor, den vorliegenden Fall ebenso zu behandeln. Der Bürgerkrieg in China. Paris, 9. Oft. (T. A.) Eine Havasmeldung aus Schanghai besagt, dah die Truppen T s ch a n g TsoLinscunI. Oktober inSchanghaiein- gebrungen sind. Es kam zu heftigen Strahen kämpfen. Auf beiden Seiten hat es schwere Verluste gegeben. Auf die letzte Rote der auswärtigen Delegationen hat Tschang Tso Lin erklärt, dah seine Armee Peking angreifen wird, weil sich das Hauptquartier des Gegners in der Stadt niedergelassen habe. Von einem Angriff würde abgesehen werden, wenn eine Aebersiedlung des Hauptq uartiers nach einem andern Ort veranlasst werde. Sun V a t Sen, dessen Versuche, eine Armee zur Verstärkung der Tschekiang-Truppen aufzubringvn, fehlgeschlagen sind, wird nach einer Havasmeldung wahrscheinlich China an Bord eines Kriegsschiffes der Sowjetregierung verlassen. Neue spanische Niederlage in Marokko. Madrid, 9. Oft. (TA.) Wie aus Tanger gemeldet wird, hoben die Riffleute im Tal zwischen aLraiche und Scheschauen einespanische Kolonne umzingelt und vollständig a u f g e r i e b e n. Scheschauen soll von den Ka- bilen wieder vollkommen eingenommen sein. Der spanische General Sezano befindet sich mit 14 Soldaten in schwer bedräng ter Lage. Aus aller Welt. Die Auslieferung des Grzberger- mörders Schulz verweigert. Budapest, 9. Oft. (Tel.-An.) Wie der „Deal. Lok-Anz." aus Budapest meldet, hat der Iust izminister die Auslieferung Schulz's verweigert. Der Düsseldorfer Bilderdiebftahl. Düsseldorf, 9. Oft. (TA.) Die verhafteten Gemäldediebe sind als der aus Wien gebürtige 31jährige Dr. I. M. Huppert, wohnhaft in Reuyork, und der aus Reusalz stammende 31jähr. Kaufmann M. Bergewski identifiziert worden. Die Festnahme erfolgte unter den abenteuerlichsten Amständen. Die beiden Diebe haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Angelegenheit nimmt insofern eine sensationale Wendung, als die Diebe namhafte Persönlichkeiten des Düsseldorfer Kun st lebens' als Mittäter bezichtigen. Aeber die Richtigkeit dieser Angaben wird der Staatsanwalt zu entscheiden haben, der mit der Aufklärung beauftragt ist. ! Entgleisung eines Expreßzuges. Rom, 9. Oft. (TA.) Der von Paris kommende Exprehzug ist gestern bei SantaMargherüa di Liguria entgleist. 6 Reisende wurden getötet und 15 verwundet. Plratenunwesen in China. Rach einer Havasmeldung aus Schanghai haben 30 Piraten sich auf den Dampfer Ring- Schi, der den Personenverkehr zwischen Schang- Der Premierminister stellte darauf fest, dah er in jeder Hinsicht völlig richtig gehandelt habe. Diese Feststellung müßte dem An.er hause genügen. Sir John Simon (liberal) stellte darauf den Antrag, einen Anterausschuh zur eingehenden Antersuchung des Falles emzusehen. Er soll besonders aufkläven, inwieweit der Generalstaatsanwalt durch parteipolitische Beweggründe beein- fluht worden sei. Für einen Premierminister sei es verhängnisvoll, sich in die Angelegenheiten eines Generalstaatsanwaltes einzumischcn. Er persönlich sei Der Ansicht, dah das Verfahren gegen Campbell auf Betreiben der Anhängerschaft des Premierministers eingestellt worden sei. Macdvnald wies demgegenüber darauf hin, dah die Annahme des einen sowohl als auch des anderen Antrages das Ende der Regierung bedeute. Sobald das Land imstande sein werde, ein eigenes Arteil in gerechter Weise über die Regierung zu fällen, werde auch die, Regierung wieder zur Macht gelangen. Nach der entscheidenden Abstimmung. London, 9. Oft. (Sil.) Rach dem Schluß der gestrigen Anterh M itzung kam es in ien Waiuvlgängen d.s .Anterhauses zu Kundgebun- n Dori hatte sich eine große Anzahl von Anhängern Macdonalds eingefunden, die ih.i demonstrativ begrüßten und die „R o t e Flagge' sangen. Konserv ckive P-arlarne ch i - gli.der stimrn.en darauf das „God save the King" an. Der Premierminister war e von einer groben Menschenmenge nach fti.iem Hause begleitet. Er erklärte zum Abschied an Der Sa)welle seines Hauses: Jltaa habe eine schwere Zeit in den 8 Monaten gehabt und e3 sei ein Fehler gewesen, der R.gierung heute ab: d eine Riederlag: bezubrin^en, aber es sei nicht das Letzte, was man von ihm und "der Arbeiterpartei '5ßre. Rach der allgemeinen Meinung wird Mac- Donald auf Reuwahlen bestehen. Das Datum steht noch nicht fest. Die Mehrzahl der Blätter rechnet mit dem 8. Rovember. An diesem Tage finden aber Gemeindewahlen in Schottland fta.t, so dah mit der Verschiebung der Wahlen bis zum 15. 11. gerechnet wird. 3m Spiegel her Pariser Presse. Paris, 9. Oft. (TA.) Die Rach richt °von dem Sturz Ramsey Macdonalds wurde gegen Mitternacht in Paris bekannt und hat in den politischen Kreisen, obwohl sie keineswegs überraschend kam, gewaltige Sensation erregt. Den einzelnen Phasen der Anterhaus- dcbalte war man mit ungeheurer Spannung gefolgt. Die gröberen Pariser Blätter standen in ständiger telephonischer Verbindung nrit ihren Londoner Vertretern. Der AuLgang der Debatte konnte bis zum letzten Augenblick nicht vorausgesehen werden. Als jedoch bekannt wurde, dah der Kolonialminister Thomas die Absicht der Arbeiterregierung bestätigte, sowohl gegen den Antrag der Konservativen wie auch gegen das liberale Amendement zu stimmen, da gab man das Kabinett Macdonald für verloren. Hai und Fou-Tschu vermittelt, eingeschlichen uü> die Besatzung nach heftigem Kampfe überwältigt. Sie plünderten 300 Reisende, Darunter 1 Ausländer, aus und haben bei Hongkong, mit einer ungeheuren Beate beladen, Land betreten. Aus Stadt und Land. Gieben. den 9. Olt. 1924. Wirtinnen. ^an viuh sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, wenn man nicht ein Gefühl der Dankbarkeit gegen seine Wirtinnen im Herzen behalten hat, denn sie mögen noch so unvollkommen gewesen sein hinterher verklärt sich ihr Bild doch und nimmt •3üge an, die es liebwert machen, so daß man gern daran zurückdenkt und davon spricht. Auch heute gibt es noch Wirtinnen von echtem Schrot und Korn. Viele von ihnen haben zwar auch unter dem Druck der Zeitverhältnisse ihr gutes Herz mit einer Art Stahlpanzer umgeben, aber zwischen den einzelnen Stahlfchuppen quillt dann doch immer wieder das herzliche mütterliche Gefühl hervor, das eine solche brave Frau nun einmal für einen jungen alleinstehenden Menschen hat. Er ist von seiner Mutter fort, muh sich in der Fremde selbst umtun, für feine Wünsche sorgen, das Geld einteilen, daß für die Abendmahlzeit auch noch etwas übrig bleibt — o, es gibt so viele Ausgaben, an die die Jugend nicht denkt, und da muß er doch jemand haben, der ihm zur rechten Zeit sagt: So geht das nicht weiter! Wenn er es ganz besonders gut trifft, dann ftndet er eine Wirtin, die entweder selber keine Kinder gehabt hat und einen nun bemuttern will, ober eine andere, deren Kinder ihren Flügeln entwachsen sind und sie nicht mehr brauchen Diese Frauen sind viel zu sehr daran gewöhn^ für einen zu sorgen, als dah sie dieses Gefühl entbehren konnten. And nun nimmt sie einfach Mutterstelle an diesem etwas verlassenen Jüngling wahr, für den sie dann mit Liebe und Eifer sorgt, wobei sie gar manchmal auch des Guten etwas zu viel tut. Eine Erfahrung habe ich aber mit Wirtinnen gemacht, Die mir zu denken gab; es ist Tatsache, dah sie lieber Herren als Damen nehmen, auch wenn alle Vorsichtsmahregeln im anberen Falle getroffen sind. Junge Leute mit einem Bari scheinen sich vermutlich lieber bemuttern zu lassen als junge Leute ohne Bart. Einen plausiblen Grund dafür hat mir noch feine meiner lieben Wirtinnen zu sagen vermocht. Die eine meinte nur ganz naiv: „Ach Höven Sie mit den Mädchen aus, ein junger Mann ist doch was ganz anderes." Wer will da mit ihnen Darüber rechten! Sie mögen ihre Sympatie schenken, wem sie wollen, wenn sie nur brav und treu sind und das Herz auf dem rechten Fleck haben. And so sind wohl auch heute noch die meisten von ihnen. H. H. * ** Eine Personenstandsaufnahme nach dem Stand vom 10. Oftober wird im Bc- kanntmachungsteil unseres heutigen Blattes an- gekündigt. Man beachte die Bekanntmachung. Der Vtestener Wocyenman: begrünt vom nächsten Samstag ab erst um 8 Ahr morgens. Der wagenweise Verkauf von Kraut, Kartoffeln und Obst findet nur auf dem Oswalds' garten statt. ** Der nächste Rindviehmarft in Gießen findet am Donnerstag, 16. Oktober, statt. ** Gegen die Radio-Zaungäste. Wie die Berliner Blätter melden, ist in jüngster Zeit an dielen Orten beobachtet worden, baj iie Zahl Der Radioschwarzhörer in ständig m Steigen te- griffen ist. Am Dem ungesetzlichem Treiben ein Ende zu bereiten, will die Postbehörde nu :me,r einen regulären Felvzug gegen die Schwarzhö er emleiten. Sie will sich nicht mehr alki t auf Die Anzeigen aus Dem Publikum stützen, w d.rn man gedenkt auf Grund eines bestimmten Planes sogar Haussuchungen vorzunehmen. ♦* Der Schutz- und Polizeihund- Sportverein Gießen 19 2 2 kündigt in unserem heutigen Blatte eine Landes-Verbands- Prüfung für Polizei- und Schuhhunde auf den 11. und 12. d. Mts. an. Man lese die Anzeige Wettervoraussage. Etwas ruhiger, wechselnde Bewölkung, Sem* Pera tu reu ein wenig steigend, ohne Riederschläge von Bedeutung. Vornotizen. — Tag eskalender für Dvnn ers tag. Gießener Radfahrer-Verein 1885: Ordentliche Jahres-Hauptversammlung 8V2 Ahr im „Hessi- sHen Hof". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Olur auf den Bergen wohnt das Glück" — Astoria-Lichtspiele: „The Fox". Landkreis Giessen. t Grünberg, 8. Oft. Aus oer heutigen Gemeinderatssihung ist zu berich en: Die Mlttetlung d:s Kreisamts, daß Der Stadtrat die Gebäude st euer auf 4 Pf., die Steuer für landwirtschaftlichen Grundbesitz auf 14 Pf., die S ondersteuer auf 60 Pf. pro 100 Mk. für das Rechnungsjahr 1925 genehmigen solle, wurde angenommen, ebenso eine Aenäerung Des Orisstaiutes b tr. das Wiegegeld. Der Antrag des Friedr. Kaus betr. ileberWfung eines Bauplatzes in Der Ga-rtenstrahe wurde genehmigt unD bestimmt, daß Der OuaDratmetec 1,20 Mk. kosten sdll. Stadtvat Keller regte an, zwei Bauplätze für Minderbemittelte in Aussicht zu nehmen. Aeber diesen Antrag soll während des Winters verhandelt: wrrden. Dir Frankfurter Allgemeine Ha f tp f 1 icht versi che ru ng ha' beim Kveis- amt borg:schlagen, Den Gemeinden beta/.n zugeben, daß, wenn die Bersich^ruirgspräm e 1 aus zehn 3al>re im vo aus bezahlt würden, Den zahlen, en Gemeinden 21 Freijrhoe gewährt werden würden. Die Kreiskasse hat sich crbvien, De 1 Betrag ebtl. zu zahlen und später in Anrechnung zu bringen. Der Antrag der Versicherungsgesellschaft wurde zurückgestellt. Der Beigeordne.e gab hierauf den Vertrag mit dem am 6. 9. neu eingetretenen Schäfer bekannt, worin sich Der Schäfer verpflichtet. Die Scha.e nrorgens 10 Ah.- ans Dem Pferch zu lassen, andernfalls er eine Strafe von 1 Mk. zahlen muß: ferner, daß Die Schafe feinen Schaden anrichten und daß bei jedem Schafe, das zur Herde kommt, eine tierärztliche Beschönigung vc-rliegen muh, to.Dri e i = falls er mit 10 Mk. bestraft wird. Fnmer ha. er den Anordnungen des Bürgermeisters und des Obmanns Der Schafkommission Folge zu leisten und Die nötigen Aufklärungen zu geben. Die Kü- d gung kann nur am 1. Oktober jeden Ia'r s erdigen, andernfalls läuft Der Vertrag wei er. Das Gehalt beträgt, außer Kleini cküten, 66 Mk. Pro Mlonat. Konrad Bock ersucht, ihm Den Steinbruch an Der Licher Eisenbahn zu überlassen unter Der Bedingung, daß Die Stadt wäh^ rend Der Inbetriebnahme dieses S einbruches Drei Monate keine Stein? aus ihren Brüchen verkauft und auch während diöser Zeit von anderen Per- soiren aus städtischem Eigentum keine Steine gebrochen werden Dürfen, ferner Darf die Stadt keine Steine unter 3 Mk. pro Meter abgeben. In dem ersten Jahre kann von beiden Seiten keine Kündigung erfolgen, später von V» M V2 3äbr. Der Pachtpreis wird später festgesetzt, auch ist Die Stadt befugt, den Bruch späterhin zu verkaufen, wobei Bock das Verkaufsrecht erhält. Der Meldeapparat des Wasserstan- des im Wasserbassin ist nicht in Ordnung. Cs wurde beschlossen, Die Leitung ordnungsmäßig herzustellen. Liach Mitteilung des Vorsitzenden sollen Gerüchte in Umlauf sein, nach Denen bei Dem Rückmarsch der Truppen die Stadt 4000 Mark Quartiergelder erholien haben soll. Es sind nicht 4000, sondern nur 2600 Mk. ge- wesen. Der Stadtrat habe damals bestimmt (es war im Oktober 1920, wo Die Inflation schon im Gange war und das Geld nur noch Den Wert von 130 Goldmark hatte), daß das Geld in die Gemeindekasse fließen solle. Die Sache fand mit Dieser Erklärung ihre Erledigung. Runmehr beschäftigte man sich wieder mit der Bürger- meifter frage, wobei S adlrat Schmidt II. Den Vorsitz führte. Er berichtete über eine Anter- redung, die er mit dem Bürgermeister über dessen Pensionierung gehabt hatte und wobei der Bürgermeister geäußert habe, daß er mit Dem Vorschläge Des Stadtrates nicht einverstanden sei. Dagegen erflärte Stadtrat Schweihguth, der Bürgermeister habe ihm mitgeteilt, er sei mit der ihm gestellten Frist nicht zufrieden, sein Rücktrittsgesuch und das Gesuch um Pensionierung mit ärzlichem Attest habe er aber eingereicht Die Angelegenheit wurde bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. I) L i ch, 8. Ott. Ein interessanten Streitfall, der in unserer Stadt schon feit mehreren Zähren lebhaft erörtert wird, kam in der jüngsten Gemein deratssitzung zum Abschluß. Es handelt sich um Die Verteilung des Ortsbürgernuhens. Der Orts- bürgernuhen wurde b's zum Jahre 1867 in Holz gewährt, und zwar c t jeder Orts bürg er jährlich 1,6 Rm. Duchenscheiter, 1,6 Rm. Buchenknüppel und 78 Buchen-Wellen gegen Ersah dec Erntekosten. Damals beschloß Der Gemeinderat den Aebergang zur Geldabfindung wegen der großen Verschiedenheit in der Qualität des Holzes und Der alljährlich vorgekommenen häufigen Beschwerden. In Den 80er Jahren ist man verschiedentlich zur R a t u r a l D c r t e i l 1 n g zurückgekehrt. Eine solche ist aber seit Dem Jahre 1891 vollständig unterblieben. Die unliebsamen Degleiterscheinungen Dec Papiergeldwirtschaft Der letzten Jahre ließen in der Bevölkerung immer dringender den Wunsch nach einer Rückkehr zur Holzverteilung laut werden. Der Ge- metnöemt unterstützte diese Wünsche; der Bürgermeister suchte mehrmals beim Ministenum im die Genehmigung hierzu nach. die jedoch m keinem Falle erteilt wurde. 3m vorigen Jahre satzte dec Gemeurderat abermals den Beschlutz, wieder D.e frühere H o l z m e n g e zur Decteilung zu bringen. Der Bürgermeister konnte diesen De- s ch l u tz. weil er im Widerspruch stand za dem Gesetz vom 22 November 1872. nicht a uS - führen. Das Kreis amt beanstandete den Deschlutz und forderte seine Aushebung, ändernsalls die Angelegenheit den Derwaltungs» geruhten zur Entscheidung borge legt werden mützte. Der Gemeinderat gab immer noch nicht nach, sondern beschlaft. ein juristisches Gutachten über den Streitfall einzuholen Hiermit wurde der ^echtSanwalt Fischer in Diesten betraut. Aach dem von ihm erstatteten Gutachten ist eine weitere Derfolgung des Streitsalles durch die Gemeinde aussichtslos. Dem Ge- meindevat blieb daraufhin nichts anderes übrig, als ferne früheren Beschlüsse aufzu- tz e b e n. Es bleibt also für alle Zukunft bei der Geldabflndung. — Der zweite Punkt der Tagesordnung, dessen Beratung längere Zelt in Anspruch nahm, war gleichfalö von erheblicher Bedeutung. Es wurden die Grurrdsähc für die Erhebung des Wassergeldcs im Rechnungsjahre 1925 beschlossen. Unterschieden nach drei Klassen, entsprechend der Grütze der benutzten Wohnungen, zahlen einzelstehende Personen jährlich 4 bzw. 6 bzw. 9 Mark, Familien von 2 und 3 Personen 6 bzw. 8 bzw 12 Mark, Familien von 4 und 5 Personen 8 bzw. 12 bzw. 16 Riart und Familien von 6 und mehr Personen 10 bzw. 16 bzw. 22 Mark. Für die Wasserversorgung von Dadeeinrichtungen ist pro Kopf ein Betrag von 1,50 Blatt zu entrichten. Der gleiche Grundsatz gilt für Wasserspülklosetts. Für Gewerbebetriebe, wie Wirtschaften, Bäckereien, Metzgece ea. (Gärtnereien usw., sind besondere Zuschläge, die sich zwischen 1 und 35 Marl bewegen, zu zahlen. Für ein Stück Grotzvieh werden 2 Mart, für ein Schwein 1 Mark und für eine Ziege 50 P.ennig berechnet. Falls die Wasserabnehmer mit den genannten Sätzen nicht einverstanden sind, ist ihnen die Berechtigung zugestanden, sich auf ihre Kosten einen Wassermesser setzen zu lassen. 3n diesem Falle wird der Kubikmeter Wasser mit 40 Pfennig berechnet. Gewerbliche oder industrielle Giotzabnehmer zahlen 10 Pfennig für den Kubikmeter Wasser. — Gegen ein Gesuch der Hugo Stinncs-Riebeck, Oelhandels- g e s e l l s ch a f t, Frankfurt a. M. um Erlaubnis zur Errichtung einer Stratzentank-- stelle für Benzin wurde vorläufig nichts eingewendet, jedoch behielt man sich eine endgültige Stellungnahme vor und erwartet w:i e e Aufklärungen fettens der Gesuchstellerin — Für Len Orlsausschust der Krieg s beschädigten und Kriegshinterbliebenen ivutbe an Stelle des zurückgetretenen Jakob Schmidt der Obergärtner Johann Heinrich Schmidt Ii. gewählt. — Weiterhin wurde beschlossen, für vier Aeubauten em städtisches Delhilfeüarlehen als Baukostenzufchutz in Höhe von je 650 Mart zu leisten. — Der- Danziger Heimatdienst soll eine einmalige Beihilfe von 25 Mart auS der Stadtkasse erhalten. — Dem Stand.'sbeamten Vogt sotten die eingehenden Gebühren in voller Höhe überlassen bleiben. Bei der Aufsichtsbehörde soll die Genehmigung zu dieser Verzicht- leiftung auf die städtische Hälfte der eingehenden Gebühren eingeholt werden. Der Gemein deoat kam einer Anregung, die Haftpflich t ver- slcherungsprämie auf 10 3ahre im voraus zu leisten, wobei 2l/s Freijahre gewährt würden, nicht nach. Ferner wurde beschlossen, eine verwach lene Drainage auf siaorifche Kosten instand sehen zu lassen. — Autzerdem wurden noch verschiedene lleinere Vorlagen erledigt. ' Lich. 8. Ott. Am Sonntag fand das diesjährige Abschietzen des hiesigen Schütze nver- e i n s 19 13 mit dem im Holl. Hose stattfindenden Familienabend nebst Preisverteilung seinen Abschluh. Das Abschieden zerfiel in König-, Preis- und Chrenfcheibcnschietzen. Die Leistungen sind, da nur stehend freihändig geschossen wurde, als sehr befriedigend zu bezeichnen. Beim König- schiehen erwarb sich mit dem besten Schuh der Schütze Leopold Rath es die Würde des Schützenkönigs. Für diese Leistung erhielt er das von einem Mitgliede gestiftete Königsabzeichen nebst Diplom. 3m allgemeinen Preisschietzen wurde dem Schützen Hermann Uhrhau mit 34 Ringen der 1. Preis zuertannt. Mit 33 Ringen errangen die Schützen 3akob Sühel den 2.. Hans Sützel den 3., Gustav Radehktz den 4. und Ludwig Völz III. den 5. Preis Die Schützen Friedrich H e u s e r den 6. und Heinrich B r i e g e 1 den 7. Preis bei 32 Ringen. Der 8. und 9. Preis ging mit 31 Ringen in den Besitz der Schützen Friedrich Gondolph und Ludwig Barz über. Die weiteren vier Preise erhielten mit 30 Ringen die Schützen Fritz Walz, Leopold R a t h e s. Julius 3 h r i n g und Wilhelm K raus. Gleichzeitig wurden für 28 Ringe Karl Stein, 3akvb Uhr» Han, Christian Rt x. für 27 Ringe Karl Renk, Otto Srümner, bei 25 Ringen Hermann Lern» m e r, Heinrich 3 u n g, Leonhard Pir 1 und Hans Malkemus Preise überreicht. Sodann tarnen noch weitere 8 Trostpreise zur Verteilung. Den besten Schützen Hermann U h r h a n. 3akob und Hans Sühel wurden für Höchstleistungen im allgemeinen Preisschietzen Schühenkreuze verliehen. Die zum Ehrenscheibenschiehen gewidmeten Ehrenscheiben errangen die Schützen 3akob Uhr - Han. Ludwig Barz, Otto Trümmer.Hermann Uhrhan. Fritz Heuser, Leopold R a t h e s, 3akob Sühel, Wilh. Kraus. Ludw. Volz III., Friedrich Gondolph und Karl Renk. Kreis Friedberg. am. Stammheim. 8. Oft. Am Sonntagabend veranstaltete der hiesige Zweigverein des evangelischen Bundes feinen ersten Vortragsabend. Generals k etär Haupt, zur Zeit in (Sieben, verbreitete sich in eineinhalb- stündigem Vortrage über „Die evangelische Dun- deswacht am Rhein". Er zeigte den aufmerksamen Zuhörern die mancherlei Gefahren. vor denen sich das deutsch-evangelische Voll hüten mutz. Pfarrer Hamburger forderte, zum Festhalten and Weiterverbreiten des Gehörten auf und betonte die Rotwenvlglelt, dah alle Evangelischen, denen ihr Deutschtum and ihr Evangelium lieb ist, sich dem Evangelischen VolkSbund. d h. dem Evangelischen Bund an sch liehen müssen. Die Mitgliederzahl konnte sich denn auch an diesem Abend vev- doppeln. Kreis Alsfeld. * A ls f e l d, 7. Oft. Auf dem hiesigen Bahnhof ereignete sich heute vormittag bei Abgang des Zuges nach dem „Gründchen" ein schweres Unglück. Der aus Hattenrode stammende, etwa 60 3ahre alte Konrad Schmidt wollte mit dem genannten Zuge fahren. Er kam erst auf dem Bahnsteig an, als der Zug bereits im Fahren war. Trotzdem versuchte Schmidt, auf den fahrenden Zug zu springen. Der Sprung gelang indessen nicht. ScftmiDt geriet unter die Räder des fahrenden Zuges und beide Deine wurden ihm abgefahren. Roch ehe der Schwerverletzte in das Kreiskrankenhaus eingeliefert werden konnte, war er den schweren Verletzungen erlegen. ______________________ Windhausen, 7. Ott. Prof. Dr. RoeS- chen aus Laubach hielt im Gast Hause .Zur Post" Hierselbst vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen inhaltreichen Vortrag über Geschichte und Sage von Windhausen und ülmgegcnd. Unfcr Dorf wird zuerst genannt 1325. Die hier ansässigen Herren sind ein Zweig derer von Queck- born und Engclhaufen bei Laubach, wie das Wappen (ein Löwe und ein .quicker" sfrischerj Dorn) ausweist. Ausgestorben ist dieses Herren- geschlecht, das drei 3ahrhunderte in Oberhessen blühte, im 3ahre 1612 in Winnerod bei (Sieben, der Heimat des Redners, wo noch ihre Grabsteine mit ihren Dildnissen zu sehen find. Autzerdem teilte der Redner noch verschiedene Sagen der Gegend mit; sie beziehen sich teilweise auf „Ab t Fingerhut" von Fulda, Berthold II., auf .die Alten im Steinrück". Reicher Beifall folgte dem Vortrag; dem Dank gab Bürgermeister Roth, der die Derfammlung eröffnete, lebhaften Ausdruck. Eine anregende Aussprache folgte. Kreis Lauterbach. * Lauterbach, 8. Ott. (Eigener Bericht.) Zur heutigen Dullen-Auktion waren 32 Bullen abgetrieben Versteigert wurden hiervon 13 Stück. Dec Höchstpreis stellte sich auf 750 Mk., der Durchschnittspreis war 575 Mk. 4 Dullen wurden mit 700 Mk. und höher verkauft. Kreis Büdingen. • Hirzen ha in, 8. Oft. Heute vormittag um 10 Uhr 25 entgleiste bei der Ausfahrt aus dem hiesigen Bahnhof die Lokomotive des Personenzuges 4103. Die Ursache konnte noch nicht festgestellt w rden. Personen wur.en nicht verletzt. Bahnanlagen und Betriebsmittel sind leicht beschädigt. Der Verkehr wird durch Um= steigen aufrechterhalten. Starkenburg uud Rheinhessen. -T- Aus Rheinhessen, 8. Oft. 3n diesen Tagen werden die letzten Orte Rheinhessens an die Ueberlandzentrale „Rheinhessi- sches Elektrizitätswerk Osthofen" an- geschlossen. Am 15. Oktober soll das elektrische Licht in allen rheinhessischen Gemeinden brennen. — Die Lese der Frühtrauben ist in der vergangenen Woche beendet worden. Die Güte der Trauben, die unter der anhaltenden Rässe sich nicht entwickeln konnten, läbt viel zu wünschen übrig. Man bezahlte in mittleren Lagen 13 Pfennig pro Pfund, in besseren höhere Preise. Der allgemeine Herbst nimmt in nächster Woche seinen Anfang. Man rechnet mit einem mittleren Ertrag. — 3m Gegensatz zu Oberhessen liefert die Kartoffelernte einen reichen Ertrag. 3n dem leichteren Boden haben sich die Kartoffeln sehr gut entwickelt und fast nicht unter Fäulnis gelitten. Da ein grober Teil der Roggenfelder im Frühjahr umgepflügt und mit Kartoffeln bestellt wurde, ist reichliches Angebot vorhanden. Man zahlt pro Zentner 2.50 Mark. Hessen-Nassau. S. Frankfurt a. M., 8 Oft. 3m Magi st ra t wurde beschlossen, das Wohnungsbauprogramm um eine größere Anzahl von Wohinlngen zu erweitern. Weiter soll in Ausführung der Rotstandsarbeiten ein Kredit von einer Million Mark aufgenommen werden. Für die Stratzenbeleuch- tung wurden 60000 Mark bewilligt, durch die tausend weitere Lampen in Frankfurt ihr Licht leuchten lassen werden. — Für bedürftige Kleinrentner ist die Errichtung eines großen Rentnerheimes mit 150 Wohnungen geplant. — Die Lohndiffevenzen tn der chemtfchen 3 n • dustrie sind beigelegt worden. Sie bracht« für Frankfurt eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pfennig. fpd. Frankfurt a. M, 8. Ott Mit bei Vorarbeiten für die Ernchtung der groben Textil Halle, für die btc Stadtverordnetenversammlung kürzlich 1 300 000 Mk. bewilligte, wurde dieser Tage begonnen, da die Halle ner- tvagsmätzig bis zur nächsten Frühjahrsmesse fertiggestellt fein mutz. Die Halle erhält ihren Platz auf der Stelle, wo sich heute die Rcrdhalle und deren Seitengebäude befinden Diese Gebäude werden augenblickltch niedec- geiiifen. Leider fällt auch der fchöne Baumbestand zwischen dem Westflügc. der Festhalle, an den sich die Textilhalle anlehnen wird, den Reubauten zum Opfer. Buntes Allerlei. Reue Helium-Fundstellen. Das Heliumgas. bad bei Der Füllung von Luftschiffen wegen seiner geringeren Feuersgefahr an die Stelle des Wasserstoff-- treten soll, steht heute durch neue Fundstellen in ausreichendem Matze zur Verfügung. Für die Vereinigten Staaten ergab sich diesem Gas in Dem Raturgas Der Erdölbrunnen, nachdem man Verfahren gefunden hatte, um den geringen Heliumgehalt des Raturgafes abzufchneiden und auszuspeichem Die englische Regierung veranlatzte 1915 eine Untersuchung, bei Der Die RaturgaSguellen von Rew- 3sland im Staate Alberta fest gestellt wurden, wo das Raturgas etwa 0.3 v. H Helium enthält. 3m Laufe des letzten 3ahres hat nun. wie in der ..Umschau" berichtet wird, die Bergbauverwaltung von Kanada im Staate Ontario Raturgas mit ähnlichem Heliumgehalt ermittelt. Die günstigsten Fundstellen sind bisher die von Alberta, zumal neuerdings etwas weiter südlich eine neue Ratur- gasquette entdeckt worden lf;, die täglich 0,42 Mill. Kubikmeter Raiurgas von 0,2 v. H. Heliumgehalt liefert; aus dieser Quelle hofft die kanadische Regierung jährlich etwa 0,42 Mill. Kubikmeter Heliumgas zu gewinnen. Der Dertikalverkehr Reuhorks. Alle groben europäischen Städte haben heule ihr Dertehrsproblem, das durch den immer lebhafteren und stärkeren. Rhythmus des Automobil- unb Stratzenbahnvertehrs bestänoig schwieriger zu lösen ist. Aber einen solchen Anblick, wie ihn heute die Straften Reuyorts gewähren, ein gleichsam ümrabmtfein durch Vertehrsrichlungen kennt man in den europäischen Städten doch nicht. Denn dort treten zu den zahlreichen auf der Strafte, unter der Strafte und über der Strafte verkehrenden Verkehrsmitteln noch die sog. „vertikalen" hinzu. Diese werden von den Auszügen gebildet, deren es in Reuyort mehr als 12 000 gibt, Die Tag und Rächt in ununterbrochener Bewegung durch 10, 20 und auch 25 Stockwerke hinaus- und wieder hinabgleiten. Sie legen insgesamt etwa 1000 Km. mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Meter in Der Minute zurück und befördern rund 10 Millionen Menschen täglich. Hm diesen enormen Verkehr zu regeln, bedurfte es einer genauen Ordnung nach dem Vorbild der Eisenbahn mit Signaldienst und einem feststehenden Fahrplan, mit einem Den Verkehr leitenden Stab von Angestellten. Deren jeDem etwa 5 bis höchstens 20 gleichzeitig ver- kehrende Auszüge unterstehen. - Sie bustcn nun schon wochenl5 bei Lollar. | Verkäufe Schweres Arbeitspferd zu verkaufen, [»m*! Schneller, Hammstraße 15. Wegzugshalber [Stellengesuche! Junger Reisender der Meblbranche sucht Stellung. Schrift!. Angebote unter 024063 an den Gieß. Anz. erbeten. Tüchtige SlmlWiM fuchtSteUnng,evtl. für halbe Tage. Schrift!. Angebote unter 024085 an den Gieß. Anz. erbeten. Bess., gut empfahl. 17jährige°Mädchen sucht zur Unter» sttttzung d. Hausfrau leichteStelleb. guter Kost u. Behandlung. Schrift!. Angeb. unt. 024087 a. d.Gieß.Anz. Wand- Gasbadeofen mit Zimmerbeizung und Badewanne zu verk. Zu erfr. Scbiltenb. Weg 12 II. 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Ferner: Die Gasse der Liebe und Sünde Sittenfilm in 6 Akten. flstoria-Lichtspiele Heute: Harry Caray der verwegenste Wildwest-Reiter Amerikas in The Fox 5 wildbewegte spannende Akte. — Ferner: Harry auf Freiersfüßen 2 tolle Akte. 7821c '««wwwnk WA e getragen sich keine der britis« möge, den tektorat i dah in t englischen ständig Iroß alle immer ai fläntngun freie 2 Suezk« wichti Keine b den Vue tens, bei bigen, fe Halle Eng Pen be: heil br würde de ges nicht Aegypten der Qlnto inneren Die brit dah sie oblehne, tischen Q könnten, in der < weder ii gelingst i dem Ar England vig seien just eilen, dvnald h Eie Johan, Dies Prvp< Ion »vn c M desse Msembso no: EM fei 3s mL- c £ M ihn Rr. 238 3wette§ Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, 9. Oktober (92$ a Zustände im Sudan unhaltbar feien, zumal wenn sich sudanesisch-ägyptische Beamte unb Offiziere offen gegen die bestehende Ordnung auflehnten. England sei schon allein der sudanesischen Bevölkerung gegenüber zur Beseitigung dieser Zustände moralisch verpflichtet. Bevor dies nicht völlig erreicht sei, könne von der Räumung des Sudans nicht die Rede sein. England gebe gewisse wirtschaftliche Interessen Aegyptens im Sudan zu und sei bereit, diese auch in jeder Hinsicht zu gewährleisten. Aus schöpferischen Augenblicken seht sich das Schöpferwerk der Ewigkeit zusammen. Treue i.n Kleinen verbürgt das Gedeihen des Ganzen, Hausherr und Hausfrau wirken in solchem Sinne durch Arbeitsteilung wundervoll zusammen. <5rauen beim Staubwischen oder vor Stickerei und Flickerei und diese Vögel beim Restbauen, beim Brüten und Füttern — sie schauen nicht mit Fernrohren ins Unendliche, sie versenken sich vielmehr in das Rahe und Gegenständliche. So auch die Mutter, die auf ihr trinkendes Kind an ihrem Buten hinabschaul. Cs ist immer Wüter ein rührend holdes, schön in sich geschlossenes DiD. Dieser Rahblick ist zugleich Liebe. Treue im Kleinen ist eine Form der Liebe. Dieselbe drängende Liebe, die des Vogels Eier legt und ausbrütet, hat schon das Rest mühsam zu ammrn- getragen.' Das Pärchen fand sich gegenseitig an- gezogen und ward aus Liebe schöpferisch Und so wirkt das einzelne wieder ins Ganze. Das sind Alltäglichkeiten, gewiß. 2lber teer beachtet sie? So sitzt der Schuhmacher vor feinem Schuh; fo schnitzt und bemalt der Handwerker seine Truhe. Sv malte der Mönch seine goldenen D.er karminroten Anfangsbuchstaben; fo trugen Ma er der Mittelalters mit herzlicher Sv gfalt ihre Farben auf die Flügel-Altäre. Und nicht anders entstand die Wunterwelt der Dorne. Cs ist ein Anstrahlen der Baustoffe mit Verklärung-kraft. Jüngst noch lagen diese Steine als Felsblocke im rauben Gebirge; jetzt sind Ne gewandelt in ein allbewundertes Münster. Treue im Kl re? ist auch eine Form der Frömmigkeit S.e hebt das einzelne und Kleine liebend enger in den Zusammeichang mit dem Ganzen und ®roten. Man kann übrigens weltbewegendes @ente fein und doch treu im Kleinen: das beweist ein Blick auf Kant und Friedrich den Groh n. Die Lerche fliegt in singenden Spiralen genial in die Weite des -Himmels und vergißt doch bei allem Hochflug nicht die kleine Stelle, wo ihr Rest wartet. <5d ist der Menschengeist zwischen Enges und Ewiges eingespannt. Lln'ere Geist- tejchlichlell ist ein Spaunwvgszustand zwischen Welt und Ewigkeit Wir wechseln zwischen Fern- und Rahblick. Das Wort „Haus" kann Enge bedeuten, kann Gereiztheit. Schwere oder Dumpfheit bergen. Aber es beherbergt auch eine Fülle von Treue im Kleinen, von Güte, von brgfäLiger Hingabe ilrcb es kann so weit sein wie unser äußerlich zwar begrenztes, unter [üb aber grenzenloses Ich An einem rechten Ich und Heim ist immer irgendwo ein Fenster offen in die Ewigkeit. Run habe ich freilich über dese Plauderei die räuberische Katze vergessen, de jenes Rest geleert hat. Mit einem einzigen Tatzen,ir ss w.rd alle Sorgfalt zunichte. Auch dvs ilt Ratur Sin Hagelschlag wettert oft eine Summe txo . Kleinarbeit nieder Kein Beobachter des wirklichen Lebens farm diesen oft erschreckend rohen Eingriff einer vernichtenden Raiurgewalt leugnen oder vertuschen. Genau so im Schicksal des Menschen. Ich steh? eben unter dem Eindrücke eines solchen Schicksals'chlages. Einem äußerst 'chätzensw.r en Kollegen war seine einzige Tochter Mi arbeiterin, heiratete dann und starb jählings am ersten Kinde — samt dem Kinde. Für di? Hinterbliebenen ein schwer zu tragender Ritz. Jenes winzi e Vogelnest fällt mir ein. Auch hier, im iönig'ichen Bezirk des Menschen, eine jäh hrreinwir e d? Macht von autzen — und alle Fülle von Treu? im Kleinen, von Liebe, Fürsorge. (Srttnrtun ] i' verwandelt in ein schmerzvolles .Klagen, Tr-gei und Verstummen. Hier gibt es nich s zu trösten nich s schon zu färben. Hier ist unerbittliche Tragik. .Unter Erdertdasein enthält davon ein herbes Teil, um das wir nicht herumkommen. Man muh dieser unenträtselbaren Sph.nx ins Auge schauen, den Schicksalsschlag verarbeiten und mit einem muticen „Dennoch!" dann weiterleben und mei ercoiicken. Hier setzt die Kraft des Glaubens ein. Wir ahnen Gesetze auch im Unerfvrschlichen unö beugen uns. Man schilt den Menschen so oft! Man faule ihn bewundern, dah er in all dem Leid und Irr- Wesen zu dem er von Geburt an verurteilt ist, dennoch so tapfer und so g rduldig au shalt und immer aufs neue unverdrossen am des Lebens weiterwüK legen Richard von Schenk als Gefängnisdirektor: zwar nicht ganz so fidet wie wir es von Schenk gewohnt sind, aber auch sein Frank war kein SpÄVerderber. Flott und witzig spielte Ernst Dadekow seinen Eisenstein. Wenn er auch stimmlich feiner Partnerin den Vortritt lassen muhte, im Spatzmachen war ihm nur der urkomische Frosch Josef Schreibers überlegen, ber wirklich alle Möglichkeiten dieser dankbaren Rolle voll ausschöpfte. Der Prinz Marga^the Sommers, Max Böllers Alfred und Karl Dauermanns Dr. Falke blieben hinter Den Vorgenannten nicht zurück; Else Simon war eine köstliche Adele. Auch der Chor tat sein Bestes, um der Aufführung zu dem lebhaften Applaus zu verhelfen, den das volle Hau- freigebig spendete. * e Treue im Kleinen. Don Friedrich Lienhard. Mehrfach habe ich die Beobachtung gemacht, dah in meinem vogelreichen Garten ein Rest in dem gestern noch unftügge Junge -hre Schnäbelchen emporstreckten, auegetaubt war. Ob Katzen ober Amteln die Schädlinge waren, konnte n cht festgestellt werben. Ein solcher Vorfall ist ja nur e ne Kleinigkeit Und doch! Mit welch unglaublicher S -rgfalt ist in einem Hänflingsnest Paar an Paar gereiht, bis ein wohnlich Heim für Eier und Junge zustande kommt! Cs schwindelt uns betrachtenden Männern wie vor der Hakel- oder Stickerei-Arbeit unserer gnend.ich geduldigen Frauen. Welche Treue im Kleinen! Ich wählte absichtlich ein ganz einfaches Beispiel aus der Ratur, um ' unserem Volke eine feht äußerst gewünschte Tugend ans Herz zu legen. Denn Treue im Kleinen ist ^ldentum :m Alltag. Eine Haupteigenschaf, de. Ratur t f b e (%cbn[b Wer ein solch leeres Rest, ras gestern rod, von hilflosen Jungen belebt war wer ein solches Kunstwerk der Elternliebe in ter Hand hält, ohne bewegt zu werden, der hat kein für die hier waltenden Seelenkraft? und tem Auge für die hier -ungeübte ^inft 1. Partie: Moritz- Darmstadt — Rubin - Gietzen 116:150 zugunsten Gietzen. 2. Partie: Schrot h- Darmstadt — Schley- t e n - (Sieben 150:115 zugunsten Darmstadt 3. Partie: Schultz-Darmstadt — PaulaS- Giehen 145: 150 zugunsten Gietzen. 4. Partie: Moritz-Darmstadt — Echleh- pen - Gietzen 139: 150 zugunsten Gietzen. 5. Partie: Schrot h - Darmstadt — Rubi n - Gietzen 138: 150 zugunsten Gietzen. 6. Partie: S ch u l tz - Darmstadt — Rubin - Gietzen 103:150 zugunsten Gietzen. 7. Partie: Moritz- Darmstadt — Paulus- Giehen 95: 150 zugunsten Gietzen. 8. Partie: S ch u l tz - Darmstadt — Schleh - l en» Gietzen 91:150 zugunsten Gietzen. 9. Partie: Schrvth - Darmstadt — Paulus-Gietzen 143:150 zugunsten Gietzen. Turn-Verein von 1846 Gießen. Dem am DorrnerStagcibrnd im Volksbad var- aufgegangenen Vereinswettschwimmen folgte am Sonntag das ebenfa wo hlgelungene Abturnen als Abschluß des abgelauf?:en De ° erirsjahrs. Am Vormittag maßen dü An-zehö- rigen der verschiedenen Qtoteilungen ih e Kräfte rm friedlichen Wettkampf und am Rachmitlag geigte ein Schau turnen den zahlreich erschienenen Besuchern, was in den Turnstunden gelehrt und gelernt wurde. Das Schauturnen wurde mit einem Aufmarsch sämtlicher Abteilungen und einer BegrützungSanspvache des 1. Spvecheis trage eitet. Es war ein herzerfreuender Anb.ick, Die vi len jugendfrohen, Gesundheit und Kraft verköipe.n- den Gestalten den Raum füllen zu sehen, und die nun folgenden Vorführungen erhöhte, noch btefen erhebenden Eindruck. Es würde zu weit fü£ en, jede einzelne Darbietung besonders zu wür t en, aber es kann gesagt werden, dah alle Ausi b:n"en ihren Turmwarten und Vortumer.t Ehr? machten Erregten die Turner, besonders bi? der ersten Riege, durch ihre schwierigen, Mut und Gewandbeit erfordern den Hebungen an Darren, Reck und Sprungtifch die Dewunderung der Zuschauer, so erfreuten besonders die Schülerinnrn un> Turnerinnen durch ihre anmutigen Dewe.ungen bei Freiübungen und durch ihr? vorzüglich? Haltrmg beim Geräteturnen. Die zahlreichen Zuschauer kargten daher auch nicht mit Deifallsbez u./angen. Am Abend vereinigten sich dann die Mitglieder nochmals zu einer kleinen Familienfeier, bei der auch die aus den einzelnen Wettkämpfen hervorgegangenen Sieger verkündet wurden. Zu den turnerischen Wettkämpfen waren angetreten 118; hiervon wurden 102 Sieger. Au szug aus der Siegerliste: 1. Sieger beim Gerätewettkampf um den Wanderpreis der „Gesellschaft Tu rn c I u b“ wurden Artur Heichel heim und Heinrich Trechsler, 2. Karl Strack, 3. Artur Kreiling. Iugendoberstufe: Ehvensieg: Hen ich Vetter: 1. Heinrich Wulkau; 2. Erwin Po like; 3. Karl Reitz. Iugen bunter stufe: 1. Willi Reih und Werner R o hl; 2. Erich Dilges; 3. Willi Schwan. Schüler: 1. Kurt Hvrehseck 2. Fritz Werner, Fritz Arnold und Heinrich Schmieder; 3. Otto Günther. Turnerinnen: Ehre sieg: Elfriede,Mün- nich; 1. Gretel Dirken stock; 2. Marie Schwan; 3. Lina Haubach. Schülerinnen: 1. Emmi Münnich; 2. EM Zipp; 3. Paula Reuter. Deim Schwimmen wurden Sieger: Christian Ziegler, Christian Weeg. WiM Reitz, Karl Reih, Ludwig Gerhard, Paul Bepler, Erich Wagner, Lina Haubach, Chrissi Kastein, Kurt Horeyseck, Frih Werner, Elli Zipp, Emmi Münnich, Anni Pftrnd, I. Hoffmann, E. Schott Deim Fechtenwurden Sieger: Chri- ftian Ziegler, Hans Eidmann, Ernst Depler, Ludwig Gebhard, Christian Weeg. Hugo Philippi, Ernst Jung unb Ludwig Da übel, Schöffengericht • Gietzen, 8. Oft. Die Frau Apollonia W. lebte im Jahre 1923 mit ihren Kindern in Alsfeld, während ihr Mann im Industriegebiet arbeitete. Als sie sich gegen End? des Jahres von einem anderen Mann schwanger fühlte, ging sie zuirächst einen Raturheilkundigen um Abtreibung an; dieser lehnte jeden Eingriff ab. Sie England in Aegypten. Ein englisches Weißbuch zum Abbruch der Londoner Verhandlungen. Die englische Regierung hat in einem Weihbuch den Verlauf der Verhandlungen mit Zag - lul Pascha zusammenfassend dargestellt und es dem britischen Oberkommissar in Aegypten. Lord Allenbh, überreicht. Die englische Regierung legt darin ihre Stellungnahme zu der Sudan- frage eingehend dar und weist darauf hin, dah Zaglul Pascha folgende kategorischen Forderungen gestellt habe: 1. Verlangt wird Zurückziehung sämt- licherenglischerStreitkräfte vom ägyptischen Doden, 2. Entlassung sämtlicher englischen Verwaltungsbeamten, 3. Aufhebung der englischen Kontrolle über die auswärtigen "Beziehungen Aegyptens und damit völlig freie und unabhängige diplomatische Deziehungen Aegyptens zu den anderen Staaten, 4. Erklärung der britischen Regierung, dah sie jegliche Einmischung einer dritten Macht in ä ghptis che Angelegenheiten als feindliche Handlung auffaffen werde, 5. die englische Regierung verzichtet auf ihre Schutz rechte für Ausländer und nationale Minderheiten in Aegypten, 6. die englische Regierung verzichtet auf ihrAnrechtan demSuezkanal. Ferner wird in dem Weißbuch darauf hingewiesen, dah eine Aeuherung Zaglul Paschas vor dem ägyptischen Parlament, in welcher er die Tatsache der englischen Oberhoheit im Sudan als eine Schmach für ein freies Aegypten bezeichnete, zurückgewiesen werden müsse. Gerügt wird ferner eine Aeuherung Zaglul Paschas, die britische Regierung habe sich ihre Machtstellung im Sudan gewaltsam angeeignet. Rachdem Macdonald Zaglul Pascha auf die iln- richtigkeit dieser Aeuherung aufmerksam gemacht habe, fei von Zaglul Pascha entgegnet worden, dah er damals nicht nur die Stimme des ägyptischen Parlaments, sondern die des ganzen ägyptischen Volkes ausgesprochen habe. Macdonald habe hieraus Zaglul Pascha erklärt, dah solche Aeuherungen lediglich zur Aufreizung des sudanesischen Volkes und Heeres gegen die bestehende Ordnung beigetragen haben unb betonte, dah Zaglul Pascha sich keinerlei Illusionen hinsichtlich der Stellung der britischen Regierung zur Sudanfrage hingeben möge, denn die britische Regierung habe ihr Protektorat nur unter der "Bedingung aufgegeben, dah in verschiedenen Streitfragen zwischen der englischen Regierung und Aegypten eine Verständigung erhielt würde. Macdonald habe trotz alledem daraus hingewiesen, dah er noch immer auf die Möglichkeit einer späteren Verständigung hoffe. "Besonders habe er betont, dah die freie Verf ügu ng Englands über den Suezkanal für G r o h b r i t a n n i en das wichtigste Lebensinteresse bedeute. Keine britische Regierung könne ihre Rechte auf den Suezkanal aufgeben. Die älnfähigkeit Aegyptens, den Kanal mit eigenen Kräften zu vertei- bigen, sei 1914 erwiesen worden, denn damals hätte England den Kanal durch eigeneTrup- pen verteidigen müssen. Die Anwesenheit britischer Truppen in Aegypten würde dem Abschluh eines Freundschafts Vertrages nicht im Wege stehen, würde auch keine Einschränkung der ägyptischen Selbständigkeit bedeuten. Im Gegenteil wurde sie die enge Verbindung unb die Zusammenarbeit beider Länder fördern. Sie läge auch im Interesse Aegyptens. Großbritannien würde sich auch trotz der Anwesenheit britischer Truppen nicht in die inneren Angelegenheiten Aegyptens einmrfchen. Die britische Regierung erflärte Zaglul Pascha, daß sie jegliche Verantwortung für die Folgen ablehne, die sich aus der Stellungnahme der ägyptischen Regierung gegen Großbritannien ergeben könnten. Die Auffassung der englischen Regierung in der Sudanfrage sei hinlänglich bekannt, so daß weder in Aegypten noch im Sudan nicht mehr die geringsten Zweifel bestehen könnten. Sollten trotzdem Unruhen im Sudan entstehen, so werde England alle Maßnahmen ergreifen, die notwendig feien, um die Ruhe und Ordnung tmeber frer= »ust eilen, wozu es moralisch verpflichtet fei. Mac- dvnald habe ausdrücklich betont, dah die heutigen Giehener Stadttheater. Johann Strauh: „Die Fledermaus". Die Intendanz hat den an dieser ©teile vielfach propagierten Entschluß gefaßt, in dieser Saison von Operetten in eigener Regie abzusehen und statt dessen mit einem geschlossenen auswärtigen Ensemble die klassische pberette 3u bflegcn bamjt also auch anspruchsvollen Theaterbesuchern ent- gegenzukommen. Wie recht sie hatte, bewr-^der gestrige Eröffnungsabend, für den Tenswerterweise die Perle der klafsr^en: Operette des Walzerkönigs ewig lugenbfrrsche,, Fledermaus" gewählt hatte. Strauß ist immer mich unerreicht in der entzückend-graziösen. mtenen. tun müssen. Ich werde nicht später als um sechs Ahr da sein." Sie stand auf. „Jetzt muh ich g a. Aber sagen Sie mir vorher noch eins. Was ist das für ein Geheimnis mit den Zigaretten mit Goldrand?" Ihre grege schien alles Gutmütige, das sein Gesicht gezeigt hatte, w.ggewischt zu haben. „Das kann ich Ihnen nicht sagen,' brummte er. „Das dürfen Sie mich nicht fragen. Ich rate Ihnen, die Geschich mit den Zigaretten ruhen zu lassen und Ihrs Bo!schaft an Herrn Stapleton sofort zu überbringen!" Einen Augenblick b.rcute Grace ihre Offenheit. Angenommen, er sei in Verbindung mit Mary Lanohan, der Wärterin, MlLtwisser bei dem Raub gewesen, um den Knabenentführen und pur. bauftvagt, in der Rolle etroeS Spions, der sich an den Wagen angeklammert hatte, ausfindig zu machen, wie sie es auf teilen wollte, die Räuber zu fangen! Unentschlossen blieb sie stehen. Da wurde an die Tür des Zimmers gaklopft. ©telnmg genommen hat. Im '^ergteny Mr gestrigen Rachbörse ergaben sich bei den meisten inländischen Anleihen erhebliche Kurssteigerungen. Im allgemeinen war dcrs Gechäst nicht besonders lebhaft. Man handelte gegen Mitrag Kriegsanleihe mit 705, 31 -pvozentige Preuh. Kons-ols mit 1185, Schutzgebietsanleihe mit 7,40, 23er K.-Schätze mit 245, 24er K-Schätze mit 600 605. Am Industrie-Aktienmärkte herrschte völlige Geschäftsstillc. Man konstatierte zwar mit gewisser Genugtuung, datz der Geschäftsgang in der Industrie nach den neuesten Berichten bereits eine kleine Besserung erfahren hat, die Börse hält es jedoch im Augenblick noch nicht für angebracht, sich stark zu en -agieren, da die inner politische Lage noch ernste Be orgnis einflöht. Man hofft auch nicht, dah di« h ut gm Besprechungen eine Klärung bringen werden. Gröhes Aufsehen erregte die Mitteilung über die Aufdeckung von Aktien-Fälschun en. Der Geldmarkt kann als relativ leicht bezeichnet werden. Tägliches Geld 1/2 pro Mille und darunter. Es herrschte aber keine Reigung für langfristige Abschlüsse, da man nicht weih, wie die Zinssätze in der nächsten Zeit sich entwickeln werden. Im Devisenverkehr ist das Gechäst sehr ruhig. Die Kursschwanku"gen der Industriepapie e Helten sich in außerordentlich geringen Grenzen. Am Rlontamnarkt ergaben sich im Vergleich zur gestrigen Börse wesentliche Beränduun en. E5 verloren Gelsenkirchen 0,25, Harpener 0.50. Am Kali- markt verloren Deutsche Kali 0.90, Steh'urler Salz 0,50. Chemische Werte eher etwas gefestigt. Anilin plus 1,25. Die Elcktroaktten lagen zum Teil etwas nachgebe d Mkumulatoren nr : ns 0,75. Am Markt der Metall- und Maschin nbau- Anstalten erwiesen sich die Kurte als r. iderstrn' s- fäh'g. Deutz plus 1,5. Banken unverändert. Schifffahrtswerte eher ctw?s gehestert. Deutsch Australien plus 0,5. Hochbahnnktten stark b gehrt, Berliner Hochbahn Plus 1,40. Am inlärch.schen Anleihemarkt tourben nach den ersten Kursfestsetzungen Kriegsanleihe mit 685 gehandelt. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (stn Billionen Mark auSeedrückt. ®ueno8'#tre?, Sonbo», 9ha« v?rk, Iap»m, 9tio be Äo.ieirv für efne Ttnhett, Wien an6 Bndaveit für 100000 (mh betten, alle« tzbriac für 100 CiubtÜtn.) Letegrayhlfche Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 7. Oktbr. 8 Okt >r. Repart. vmtlich, Notierung Geld 1 Briet 9lmtli h: Geld ioticc i x 1 Llr-ri 7. ! 8. Nm». Rot«. Brn- '".ntw Christ:nnia. Jtoixr.bagin Stockholm . ■6cifi)infor3. Italien . . . London. . . Uteuhort .. Varis.... Schweiz . . Sdanicu. . Wieni» D-- Cefi. ovgest Prag . . . Budapest. . Bnen.Aires Bulgarien llapa» - . . >rtio d? Ian Belgrad . . Lissabon - - lü-,93 20,10 59,85 73,32 <11,37 10,19 15.27 K.G85 4,13 n.99 8 ,1 5 15,61 5,915 12,49 5,44 1,56 2,065 1,675 0,475 5,985 13,72 ( (S 1..3.81 20,20 60,15 73,68 111,93 10,55 15,37 18,47» 4,21 £2,11 80,525 t5.i>9 5.940 12,65 5,46 1,57 3,085 1,685 0,48 6,015 13,78 bankn Dbne ©e 163, 9 20,01 66,03 73,42 111,37 10,49 18,175 13,69 4,11 H.89 80. 0 05,61 5,915 12,47 5,42 1,66 3,06 -3,725 c,475 6,085 13,72 »ten. währ.) 164,01 20,10 60.35 73,73 111,2 10.55 18,275 18,. 8 4,21 21,99 80,6h 85,89 1,933 12, 3 V,44 1,67 3,08 1,63'3 M85 6,115 13.78 voll! doll vollwoll vol! Voll von j voll voll DoU voU[doI( vouivoll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll vol! voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll iPfrlfr, 8. Oktbr. (Selb 1 Frtt! Revarr. AmcrUantsche N»te» ..... Belgische 'Jtotai ........ Dänische Norer« ....... Cnglische Noten........ Französtsche Note» volländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... D:utschLesterr, äioo Kronen !)inman,sche Noten ...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten...... 18,93 73^7 18,83 21,99 163,11 18,173 60,00 N 111,27 80,10 53,485 12,42 6r36 4,21 28,05 73,63 18.73 21,99 1'3,93 18,27 i 60,03 5,93 2.>7 111,83 80,40 65,765 .2,48 5.38 voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 8. Oft. (Täl.) Die Börse verlief infolge des schwachen Besuchs äußerst ruhig und mangels jeglicher Anregung fast umsatzlos. Die Grundstinnnung war wieder ziemlich fest, besonders für Anilinwerte, die ihre nad)= Valentin ging hin unb öffnete vorsichtig. Die Wirtin stand brausten. „Unten an der Tür ist ein Herr, der Sie zu sprechen wünscht, Monsieur," sagte sie leise „Wer ist eS?" „Ich weih es nicht. Er heistt Victor Girard." „Gut! Schicken Sie ihn herauf!" Grace hörte den Ramen — Victor Girard. Eine plötzliche Schwäche überkam sie. Das war Richard. Er hatte den Romen früher häufig angenommen. Sie hörte ihn die paar Stufen hevcmf- kommen. Instinktiv blickte sie nach dem Allvven, dessen Vorhänge sie schon einmal vor unberufenen Blicken geschützt hatten. Aber o weh! Sie Vorhänge waren teecgcnn>mmen, und ein anderes Versteck war nirgends zu erblicken. Es blieb kein Ausweg. Unb Loch hatte Lefevce ganz besonders darauf bestanden, sie solle sich nicht zu erkennen geben. Hastig zog sie ihren Schleier herab. „Schicken Sie ihn so bald als möglich fort!" flüsterte Sie Valentin zu und trat tn Len Schatten zurück. Du dall trat ein und sah sich scharf um. Seit früh abends wartete er, um Valentin zu sehen und Halle zweimal nach ihm gefragt; jebedmal war der RLrnn ausgegangen. „Was wünschen Sie, Monsieur?" fragte Valentin. Der Detektiv zog den Brief aus der Tasche, den Mary Lanahan an Valentin gesandt und den er abgefangen hatte. „Ist das für Sie, Monsieur?" fragte er unb brach erstaunt ab. Im Zwielicht hatte er Grace erblickt, die auf der anderen Seite des Zimmers stand und ihn beobachtete. „Ich — ich — dachte — Monsieur — ich dachte, Sie seien allein," stotterte er, die Augen börslich eingebauten .Verluste zum Teil wieder auf boten konnten. Zu nennenswerten Umsätzen kam es auf keinem Gebiet. Am Montanmarkt notieretn Phönix 401/1 mimls 0,25. Von chemischen Werten tarnen zur Rotiz: Badische Anilin 19V4, Chemische Griesheim 171/1, Höchster 17. Unter den Elektrowerten behaupteten AGG. mit 8Vs ihren Mittagsstand. Arn Dmikenmarkte gingen zu unveränderten Kursen um: Kommerzbank 43/4, Dresdener 6,9, Deutsche Bank 103/s, Diskonto 123/s, Metallbank 13\minus 0,1. Sonst wurden noch notiert: Dyckerhvss und Widdmann 3,65, Heddern- heimer Kupfer 6,6 minus 0L, Spinnerei Hammer- sen 17 minus 0,4, Gummipeter 1,35. Zucker Frankenthal 3,25, Zucker Heilbronn 2,7, Offsteinzucker 3,1. Deutsche Kriegsanleihe waren gegen Mittag leicht besesllgt 680 plus 4 Milliarden. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 9n $fnionen Prozent Datnm: 5% Devttche NetchSanlktLe . <% Deutsche NcichLan leihe . 8Vs% Dcnticde Neich. anleihe Deutsche Reich s.mlcihe . Deutsche Sparprämienanleihe 4°/o Preuyische Konsols - . . i°.o Heffei' .......... S'/aVr. ©eilen.......... 3®/v penou........... Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anlretsng.st <% Zolltnrken......... y*/o ÄojdmeMme»...... Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und 'Vrivat-Bank Darms', und Naiionalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSöcmk .... Disronto Lonunandit .... Melallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesierreichtsche Lreditanftalt West dank....... Bochuuier Gutz ....... BuderuS «... Caro ......... Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener -^irgtoede . . Parpeurr Bergbau..... Kalnuerke Aschersleben. . . . KaltNvrk Westeregeln. .... Laurahülte........ Lbcrdedarf Riedes Montan Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . viorddcutslher Llohd..... Chccamische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pdtlivp Hotzmanu...... Anglo-Con» -Gucmo ..... Badische Ainlin ...... Chemische Mayer Alajcki . . Voldschmidt Wries eintet Electron .... Höchster Farbwerke...... Holjverkohlmtg..... Nutgerswerke ........ Schetdeanftalt......... Mfin Elektrizit«»«efellfchaf, Bergmann........... Maiukrastwertr ........ Schuckert..... Siemens & Halske ..... «dlerwerke «leyer ...... Daimler Motoren. ..... Henligeustaedt......... Megmn.......... Frankfurter Armaturen . . . Konseioenfadrik Brann . . . Schoblabrtk Herz . „ .... Sichet ' . Zellstoff Amdhof Zuckerfabrik ^aghchi^. * Frankfurt a. 9K. | Berlin Äura bürse Schluh- tiur» Schlubk. Mittag» bönse 7. 10. | 8. 10. 7. 10. 8.10. 0,665 6,63- 0,665 0,680 U,9 0 — ,94 Ö 96 0,9 —• 0.92 0,96 1,445 — 1,45 1,410 0.525 — 0,49 C,5B 1,08 — 1.010 1.04 1,525 1,65 1,51 1,25 — 1,36 1,375 1,25 — 1.215 1,29 4,2 — 42 4,2 — — 86,25 89 11,13 — 10,75 10,90 — — -*■ — 25 — 24.6 24.75 4,7 4,75 4,90 4,90 9 9,13 9 10 62 10,40 10,60 10,6 0.29 — — —— 12.50 12,13 12,50 12,40 13,30 13.50 — — 1,12 — 1,7 1,70 0,315 _ 0.3 0,3 0,26 — 0,4 0,4 — — 49 50 10,26 — 10,90 10,70 11,40 — 11,6 11,25 52,62 — 52.25 62,20 55 — 55,25 55 81,5 —- 82,1 83 75 3,5 — 13, "5 13,25 15,6 — 18,75 18.5 5,25 — 5.20 5,25 10 — 10,30 10,21 39,50 40^5 40 39,90 — — 33,63 33,25 36 — 33,5 36 2,6 — — 27,75 —- ’8 28 4.96 — 4,90 4,90 — — — 15,25 — — — 4,93 — 5,1 6 — — 10,20 10,40 18,5 19,26 18,25 19 12 — —■ 12,75 — 12,65 12,65 16,-3 17,25 16,25 18.8 15.75 17 15,75 16.65 6,1 — —* -6 — 16,70 16,50 14,75 — — — 8,05 8,13 8 8 12,75 — 12.60 12,40 8,50 — -• — 37 — 39,25 33,5 — — 46 45.75 1,95 — 2 2 2>5 — 2.8 3 2,35 — — —■ — 9,5 —— 9,4 9,50 0,6 — —— 1,23 — 1,8 1,25 11,75 — — 1.3 1,35 1,8 1^5 3 — 2,5 2.5 3,4 — 3,40 8,26 9 — 8,9 9 3,45 3,25 —— — 2,85 — — — ■) Dom Rückzahlungswert. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „(Siebener Anzeiger" ) Frankfurt a. M, 8. Oft. Es wurden notiert: Weizen 26,25 bis 27, Roggen, inländ. 26 bis 27, Sommergerste für Brauzwecte 26,50 bis 30, Hafer, inländ. 22,50 bis 24, Mais, gelb 20,50 bis 21, Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 38 bis 39, Roggenmehl 37 bis 38, Weizenkteie 12,75 biS 12,90, Roggenkleie 12,50 bis 12,70. Tendenz: iln- beränbert auf Grace gerichte, als ob er ebnen Geist vor sich hätte. „Ich — ich bitte um Entschuldigung, aber —Er war unfähig, weiter zu sprechen. Valentin sah ihn erstaunt an. „Was ist denn los, mein Freund?" fragte er scharf. „Bitte, sagen Sie mir, was Sie herführt und gehen Sie 'bann! Ich habe Besuch." „Ja. LNvnsieur, — wie — tote ich sehe!" Seine mächtige Willensstärte brachte Duvall wieder ins Gleichgewicht und er sah Valentin an. Er hatte eine starke Erregung erlebt. Eineu Augenblick hätte er geschworen, das) Grace, wie sie leibte und lebte, da vor ihm stand — und doch war es verrückt — Grace, mit ihrem goldbraunen Hnar unb ihrer weihen Haut, tveilte dreitausend Meilen weit in der Ferne. Dieses dunkle Weib — die typische Französin — war doch selbstverständlich eine ganz andere Person, wenn auch die Aehrvlichkeit täuschend war. Er fühlte sich wie vom Fieber gefchüttM. „Gut, Monficur, geben Sie mir den Brief, wenn er doch, wie Sie sagen, für mich ist," hörte er Valentin sagen. Irn Augenblick hatte er seine Fassung wieder. „Hier," sagte er und gab dem vor ihm stehen den Mann den Brief: „er ist von Mary Lanahan. Ich habe ihn gelesen." „Sie haben ihn gelesen, Monsieur?" wiederholte Valentin zornig. „Mit welchem Recht erlauben Sie sich denn, meine Briefe zu lesen?" Rasch zog er das Dillet aus dem Umschlag unb las es. „Lieber Himmel, was soll ba3 heisten?" „Das soll heisten. das) ich diese Schachtel Zigaretten mit Goldrand h»ben will!" Grace horchte auf. Also war Richard auch mit der Entdeckung dieser geheimnisvollen Ziga- ~c. iT- irr niniiiMiiwiin 1 * —hihiimh ! »II Stoffe Vorbildlich mitt und SHx retten beschädigt. Was auf der Welt, wunderte sie sich, konnte das bedeuten? „Erstens, Monsieur," erklärte Valentin, „will ich Ihnen fagen, dah ich feine Zigaretten habe, weder solche mit Goldrand, noch andere. Zweitens frage ich Sie, mit welchem Recht Sie solche Fragen stellen?" „Verlangt nicht der Brief von Mary Lanahan. das) Sie die Zigaretten vernichten?" Valentin erbleichte, „ilnb ich sage Ihnen, das; ich feine Zigaretten habe," schrie er. „Ist cs nicht die Sorte, die Sie gewöhnlich rauchen„" „Ich rauche überhaupt nicht, Monsieur." Duvall lachte. „So erzählen Sie, tote es scheint, beide dasselbe Märchen. Guter Freund, ich verhandle solche Sachen nicht gerne vor Fremden." Er warf einen bezeichnenden Blick auf Grace. Sie getraute sich nicht, zu gehen. Ihre Stimme — wenn sie nur Valentin Guten Abend wünschte — hätte sie, dcfsen war sie sicher, verraten. Co schwieg sie. „Dann empfehlen Sir sich! Ich habe wahrlich feine Lust, Sie weiter anzuhören. Ich sage Ihnen, ich rauche nicht — ich habe feine Zigaretten — das genügt.“ „Was will der Brief dann besagen?" fragte Duvall ernst. „Das ist Mist Lanahans — und mexw Angelegenheit." Duvall nahm feine Brieftasche heraus artb entnahm ihr vorsichtig das Zigarettenstümpchen mit Goldrand, das er am Bfergen im Bois ite Doulogne gefunden hatte. (Fortsetzung folgt) ” NurCChf, * wenn in Originalpackung K W- AW'