M.158 Erscheint täglich, autz« Srmn- mW Feiertags, Ortt d. öomstagebdRigt: BkfeetHtÖatRiMenbltittt Monat»«vezngrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für TrägerMyx, auch Li Nichterscheinen von einzelnen Nuinmern infolge höherer Gewalt. ^ernsprech-Anfchlüye-' für di« Schriftleitiwg U2; für Verlag mtb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: AuzetaerGieße«. potfdKdlotrto: Sranftnrt a. M. 11686. Jahrgang vienrtag, 8^ M 192- Annahme von Anzeigen für die Tageennnnner bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite crttich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/o Aufschlag. - Verantwortlich für Polittk u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: fj ans Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck mrd vertag: VrühNfche Nuiverfitätr-Vuch- und Zteindrmkerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitnng und Geschästssteve: Zchulstraße 7. begreift. L die bleibt. Keine Verschiebung der Konferenz. Die Entspannungs-Aktion. Macdonald reist nach Paris. — Aufklärung im Unterhaus. — Der Friedenswille Herriots. — Keine Verschiebung des Termins. Eine halbamtliche deutsche Erklärung. Berlin, 7. Juli. (WTD.) Eine Washingtoner Meldung besagt, daß der amerikanisch- Botschafter in Berlin Houghton im Wersten Haase Lahmgehend Bericht erstattet habe, Last. Deutsche land erkläre, die durch das Sachverständigengut- achten notwendig gewordenen Gesetzentlvur,e nutzt m den Reichstag bringen zu können wenn es nicht vorher bezügliche der Räumung des Ruhrgebiets Sicherheiten habe. Die amerikanische Regierung t^afre aus diesem Grunde beschlossen, einen Schritt in Berlin zu unternahmen. Die „Zeit", das Organ des Außenministers Stresemann, erfährt dazu, Last, der angekün- drgte Schritt Amerikas nicht erfolgt ser und daß der amerikanische Botschafter mit der Auffassung der deutschen Regierung Völlig vertraut sei. Deutschland habe die Ausarbeitung ber Gesetze und ihre parlamentarische Erledigung wie die Teilnahme an der Londoner Konferenz nicht an die Bedingung geknüpft. Latz es Sicher- Perfide Taktik. Der Deutsche, trotz deS verlorenen Krieges ioielleicht immer noch der beste Europäer in Kultur. Kunst und Wissenschaft, ist und bleibt ein Stümper in der Diplomatie. Er hat es noch nicht heraus, daß jene merkwürdigen Zwischenfälle und Quertreibereien auf der Ententeseite den einzigen Zweck verfolgen, ihn bei dem Kuhhandel der nächsten Reparationskonferenz im Preise zu drücken, ihm wieder ein neues Bündel auf die alten Lasten zu häufen, ihn überhaupt so klein und mürbe wie möglich zu machen. Tritt da am letzten Tag der vorigen Woche im Meisten Hause zu Washington ein geheimer Rat zusammen, an dem sich auster dem Präsidenten Cvlidge und dem Staatssekretär Hughes Der amerikanische Botschafter in Berlin, H o u g h° ton General Dawes und Handelsminister Hoover beteiligten. AlleS wohlmeinende Staatsmänner, die das beste der europäischen Wiederauferstehung wünschen, weil sie auch dem Amerikaner im groben Austausch des Weltmarktes Vorteil brächte. Die Herren beschließen, die Regierungen Europas wissen zu lassen, es sei die LleErzeugung des Staatsdepartements der Vereinigten Staaten, dah der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas von der baldigsten Anwendung des Dawesgutachtens abhängt. Also ein energischer Wink Amerikas an Europa, sich zu beeilen. Was hat die alliierte Presseprvpaganda daraus gemacht? In London und Paris wird der Wink mit süßsaurer Miene entgegengenommen. Was wissen denn diese Yankees vom englisch- 'französischen Gegensatz? Also leiten wir den Blitz iouf den deutschen Michel ab. Der mutz den Puff --vertragen können. Flugs wird in London, ver- nrullich hinter dem Rücken Macdonalds arnd unter Beihilfe erfahrener Franzosenfreunde und Pvincaristen die Sache fol- aendermasten umftisiert: Der amerikanische Rip- penstost ist ganz beso n ders f ür—Deu ts land bestimmt. Äe Berliner Regierung wird einen Haupt-Rüffel erhalten. Denn in Washington ist man aufs unangenehmste berührt von den kategorischen Forderungen, die Dr. Strese- mann aufgestellt haben soll. Er soll auf Anfrage aus London erklärt haben, er könne die Vorlage der drei DaweSgesetze im Reichstag überhaupt erst in Erwägung ziehen, wenn die Alli- ierten sich bezüglich der Räumung des Ruhr- gebietes eindeutig gebunden hätten. Ein amerikanischer Botschafter in London, wahrscheinlich der Botschafter Kellog, habe das Wort von einer „größenwahnsinnigen Obstruktionstaktik Berlins" fallen lassen. Kellog hat das natürlich nicht gemeint. Wenn er so etwas wirklich ge- äustert hat, dann doch nur, weil man den üblichen Irrtum von Deutschlands „schlechtem Willen" in ihm erzeugte. 3 n . Aber die Intrigue geht weiter. Das Londoner Außenamt soll die Bockigkeit der Berliner Diplomatie zum Anlab genommen haben, um am Quai d'Orsay in Paris ein gutes Wort für Deutschland einzulegen: Man möge doch der deutschen Regierung ein paar entgegenkommende Eröffnungen machen. H e r r i o t habe darauf erwidert, seine innerpolitische und parlamentarische Stellung sei seit Cheguers derart, verschlechtert, dah er nicht daran denken könne, vor der Londoner Konferenz irgendein öffentliches Entgegenkommen zu zeigen. Die reine, unumstöstliche Wahrheit ist vielmehr folgende: Die deutsche Regierung hat keine Kategorischen Forderungen aufgestellt. Sie hat insbesondere die Räumung des Ruhrgebiets nicht in Beziehung zur Vorlage (sondern nur zur Durchführung) der Dawesgesetze gebracht. Die Verzögerung der Vorlage ist nicht etwa durch deutsche Obstruktion verschuldet, sondern durch den Zwist der Alliierten untereinander in der Fvage der Industrieobligationen, was ja durch die Abberufung des französischen Ko-mmissionsmitgliedes Descamps offenbar geworden ist. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton, der zur Zeit in Washington weilt, ist von diesen und den sonstigen Kulissengeheimnissen der Entente genau unterrichtet. Man darf auch nicht glauben, dah die Quertreibereien aus Amerika kommen. Sie kommen aus London und Paris. Und dahinter stecken die Anhänger Pvincarüs, die den leitenden Staatsmännern Macdonald und Herriot noch vor der Londoner Konferenz ein Dein stellen und den deutschen Derhand- lungsgegner möglichst klein halten wollen. Es ist perfide Taktik, die dem Deutschen nicht liegt und die er deshalb me recht Was die „Französischen Dokumente zur Sicherheitsfrage" lehren? Don Bernhard Schwertfeger. Das französische Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten hat sich veranlaßt gesehen ein besonderes Gelbbuch mit den Urkunden über die Verhandlungen betreffend die Sicherheitsbürgschaften gegen einen deutschen Angriff herauszugeben. Runme^hr liegt, im Verlage der Deutschen Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin, eine deutsche Ausgabe des für unsere ^heutige Stellung in der Welt und für unseres zukünftige Politik Frankreich gegenüber sehr wichtigen Gelbbuches vor. zu der Professor Hermann Oncken, München, eine Einleitung geschrieben hat. S- Die Dokumente umfassen die Zeit vom 10. Ja- < nuar 1919 bis zum 8. Dezember 1923. Sie beginnen mit der berüchtigten Rote des Marschalls Foch an die Bevollmächtigten der Mächte vom 10. Januar 19 19. Gerade diese Rote hat für deutsche Leser das höchste Interesse. Sie ist für Frankreichs Politik an Rhein und Ruhr mastgebend geworden. Foch behandelt in seiner Rote vom 10. Ha- \_ nuar 1919 die Frage der Westgrenze Deutschlands unter dem Gesichtspunkt der militärischen Sicherheit der Alliierten und assoziieren Mächte. Das Deutschland von 1914 bezeichnet er zunächst als das Ergebnis einer andauernden Arbeit von 150 Jahren, die von Friedrich H. begonnen, von seinen Rachfolgern methodische fortgesetzt worden sei und schließlich zur Derpreu- hung Deutschlands geführt habe. „Von 2lnfang an haben die Hohenzollern die preustrschr Macht auf einem übermähigen Militarismus begründet. Dieser Militarismus drückte sich namentliche in dem Unterhalt eines Heeres von einer im Verhältnis zur Devölkerungszahl ungewöhnlich großen Stärke aus. Eine selbstsüchtige Monarchie habe sich, ständig auf eine starke Ansto- kratie gestützt und sich immer nur auf ihre unstreitige militärische Äeberlegenheit. also auf dir Gewalt, berufen. Mit allen Mitteln habe man, auch durch, die Volksschule, einen deutschen Geisteszustand zu schaffen gewußt, wonach Macht unbedingt vor Recht gehe. Deutschlands Ideal und Daseinsgrund fei die Wellbeherrschung zum Ruhender Deutschen. So sei die „unwiderstchliche, allgemeine, blinde Schilderhebung von 1914 beim Aufruf Wilhelm kl." zu verstehen. Mit grober Sorge betrachtet nun Marschall Foch die deutschen noch vorhandenen Kraftquellen. Die Reichseinheit ser durch den Fortfall der kleinen Fürstentümer noch gesteigert und Deutschland bleibe noch für lange Zeit, bis zu einer völligen Wandlung seiner Politik und ferner Weltanschauung, eine furchtbare Dro. hung fürdieZivilisation.Deshalbgebiete die elementarste Vorsicht den alliierten Ratronen eine Gesamtheit von reinen Abwehrmastnahmen und grundlegenden Dorbereitungsregeln. Deutschland müsse in die Unmöglich, keit verseht werden, einen neuen Eroberungskrieg zu beginnen sein Programm der Herrschaftdurch Waffengewalt wieder aufzunehmen. Welche Mittel scheinen ihm nun hierfür an- gezeigt? Während eines großen Teiles des Welt- krieg es 'habe Rustland eine beträchtliche Anzahl deutscher Kräfte gebunden. Jetzt sei fern Schicksal für lange Jähre ungewiß, und WestEopa tonn5 nur auf seine eigene Macht zählen. Eine zahlen- mästige Tleberlegenheit gegen Deusichland ser nicht vorhanden, denn östlich des Rheins „wrrd stets eine deutsche Bevölkerung von 64—75 Millionen Staatsangehörigen fitzen, die durch das natürliche Band der Sprache und somit des Denkens geeint ist und die auch Gemeinsamkert ihren Interessen verbindet." Belgien, Luxemburg. Elsast^ Lothringen und Frankreich zusammen zahlten aber nur insgesamt 49 Millionen. Rur durch ulnter- stühung seitens überseeischer Länder könne dieser Unterlegenheit abgeholfen werden. Dre Westmächte müßten daher zu ihrem Schuh alle von der Ratur gebotenen Mittel benutzen. Dre Vatu r hat nur eine Sch ranke, über den Weg des einbrechenden Feindes gezogen: den Rhein. Ermußben.utztund umstritten und darum schon im Frre- de n beseht und befestigt werden. Ohne diese grundlegenden Dorsichtsmastnähmen bleibt Westeuropa öhne jede natürliche Grenze und steht wie früher den Gefahren eines feindlichen Einfalls offen, der noch gewaltsamer werden kann. Ohne diese Dorsicht werden »die friedlichen Jn» dustrieaeqenden Rordwesteurvpas unmittelbar von der zerstörenden Flut des Barbarentums überschwemmt, dem kein Damm Halt gebietet. ; Foch entwickelt sodann dre Rotwendrgkett,, Deutschland am linken Rheinufer (Sintrtttd- pforte, jeden Wafsenplah. jede Landeshoheit undi damit jede Möglichkeit zu nehmen, wie rm Jahre. 1914 rasch in Belgien und Luxemburg ernzu-, fallen, die Rordseeküste zu erreichen und England zu bedrohen, die natürlichen Derterdrgungs- j linien Frankreichs. Rhein und Maas, ^ umgehen, Rordsranireich zu erobern und genen siarrü vorzubnngm. Zar Begründung F-rdrrun. gen stellt er die brutale Geschrchtsluge die er durch die Einbeziehung der Koalllionsmachk ein wenig erträglicher zu wachen versucht dr-s Mächte hätten rn der Dergangenhert noch, nu eme^ französischen Dokumente zur Sicher-, heitsfrage. Deutsche DerlagsgEllsch^t für Polr-^ tif und Geschichte m. b. H., Berlrn 1924. keine Ersetzung des Versailler Vertrages sein. Die Konferenz vom 16. Juli hätte den besonderen Zweck, festzulegen, wie der Dawesbericht in Wirksamkeit gesetzt werden könne, Um das zu erreichen, brauchen wir die deutsche Unterschrift. Und um die deutsche Unterschrift zu erlangen, müssen deutsche Vertreter irgendwo empfangen werden, damit sie ihren Ramen unter die Dokumente sehen. Macdonald schliestt seine Ausführungen: Wir sollten in Zukunft versuchen, von Deutschland etwas mehr als lediglich eine legale Urkunde zu erlangen. Die Zeit ist für uns gekommen, um von Deutschland eine Urkunde und eine Unterschrift der Verpflichtungen zu erlangen, die wirklich durch eine moralische Verpflichtung auferlegt ist und nicht nur durch Zwang. Ein Wertvolles sranzöstsches Zeugnis für das Besetzungsregime. In der Generalversammlung der französischen Handelskammer in Köln hat der Vorsitzende Raussei in einer Rede u. a. erklärt: „er habe sich! während seines Aufenthaltes in Paris bei den berufendsten Persönlichkeiten über die Bedeutung der Reuorientierung der ftanzösischen Politik unterrichtet und die Ueberzeugung gewonnen, dah die Entspannun g mit großen Schritten näher komme. Vor allem werde die Initiative der Handelskammer nicht mehr durch die zahllosen Kontoollmahnahmen gestört werden, die jede Entwicklung hemmten. Man kehre, mit einem Wort gesagt, zu dem Besehungsregime zurück, wie es vor dem Januar 1923 bestanden habe, unter dem die Handelskammer sich gebildet und das Geschäft ihrer Mitglieder sich frei entwickelt habe. Mit groher Befriedigung erblicke er in der Rückkehr zu den vertragsmähigen Desehungsverhält- nissen die Bürgschaft dafür, dah gleichzeitig mit den französischen Kaufleuten und Industriellen auch die deutschen Geschäftsleute ihre alte Betriebsamkeit wieder aufnehmen werden. Großen Wert lege er auf die Feststellung, dah die Mitglieder der französischen Handelskammer in ihren geschäftlichen Beziehungen endlich wieder die Garantien des internationalen Rechtes geniehen würden. Das durch Ausnahmebestimmungen verschärfte Besetzungsregime habe dem Anspruch einer normalen Auffassung von Gerechtigkeit nicht genügen können: der Gang des Geschäftes sei dadurch ernstlich durchkreuzt worden, denn man könne nicht gerade behau p- len.dahderelementarsteRespektvor dem internationalen Recht im Rheinland knd im Ruhrgebiet unter dem gegenwärtig en Regime gesichert gewesen s e i.“ \ Diese austerordentlich treffende Charakterisierung des bisherigen ftanzösischen Besehungsre- gimes durch einen Franzosen selbst, kann nur mit Genugtuung begrüßt werden, einerseits als ein wohl kaum anf^stbares Zeugnis für die Berechtigung der deutschen Forderungen nach durchgreifender Aenderung dieses Regimes, andererseits aber auch als ein wertvolles Anzeichen für die wachsende Einsicht gewisser französischer Kreise und für die beginnende Entspannung, von- der Rousset selbst in seiner Rede gesprochen hat. Herriots Appell an den Geist des Friedens. Köln, 7. Juli. Herriot gab dem Pariser Vertreter der „Kölnischen Volkszeitung" nach einer Unterredung eine eingehende Au f - zeichnung für sein Blatt, worin es heißt: Die größte Wohltat, die die Menschen wünschen können, ist der Friede. Rach den großen Erschütterungen, die die Völker in ihren Instinkten verwirren, die alle Formen der Gewalt entfacht und furchtbare Krisen hervorgerufen sMben, kann der Friede nur wieder bei uns ein- kehren durch einen kühnen und ausdauernden Willen aufgeklärter and entschlossener Geister, die gewappnet mit dem Geiste der Aufopferung, unerschütterliche sind in ihrer Geduld. Diese Geister müssen sich bewußt bleiben, dah sie nicht arbeiten für einen Tag. der vorübergeht, sondern für die Zukunft, Pans, 8. Juli. (WTD.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Brüssel wird in im allgemeinen gutunterrichteten Kreisen versichert, daß von einem Aufschub der geplanten interalliierten Konferenz und der Verlegung des Tagungsortes nach Brüssel in keiner Weise die Rede fet des Versailler Vertrages überschreiten. Es sei selbstverständlich, daß bei der endgültigen Losung des Entschädigungsproblems alle „Sanktionen" aufgehoben werden müßten, die bisher wegen angeblicher Richterfüllung verhängt worden sind Auch im Kabinett herrsche in diesen Punkten nicht die geringste Meinungsverschiedenheit. Sichtbar zur Stärkung der Stellung Herriots hat sich Macdonald zu einem Schritt entschlossen, der mit Recht Aufsehen erregt: Er begibt sich Heute auf Wunsch Herriots nach Paris, um die Mißstimmung aus der Welt zu schaffen, die seine Mitteilung an die Empfänger der Einladungen für die Londoner Konferenz in Frankreich hervorgerufen hat. Es ist nicht unsere Aif- gabe, zu untersuchen, ob diese Mitteilung der nach englischer Ansicht wichttgsten Grundlagen der Konferenz an die Unterzeichner des Versailler Diktats unter Ausschluß Frankreichs taktvoll und geschickt war oder nicht. Eines hat der Sturm der Entrüstung, der sich in Paris erhob, mit für uns erfreulicher Deutlichkeit gezeigt, dah der gute Wille zu einer tatsächlichen und praktischen Aenderung der bisherigen Methoden gegen Deutschland nur in verhältnismäßig kleinen Kreisen Frankreichs vorhanden ist. Es war zum mindesten zweifelhaft, ob die für heute vorgesehene Attacke Pvincares im Pariser Senat nicht den Auftakt zum Sturz des Kabinetts Herriot dargestellt hätte. Dies zu verhindern und den Poincoristen den Wind aus den Segeln zu nshmen. dürfte des- ihalb der vornehmste Anlaß zur Pans-Reise des britischen Premiers gewesen sein. Vor feiner Abfährt hat Macdonald im Unterhaus die Angriffe gegen die Regierung zurückgewiesen. Er 'fyat nicht nur erklärt, er würde es keinem Mießmacher auf irgend einer Seite des Kanals gestatten, die günstigen Aussichten für eine Verständigung zwischen Frankreich und England zu zerstören, sondern er !hat auch klar und eindeuttg betont, daß die Herstellung eines Friedens mit Deutschland, der auf moralischen, freiwillig übernommenen und nicht durch! Diktat und Zwang erzielten Verpflichtungen beruht, sein Ziel und die Aufgabe der Londoner Konferenz ist. Gleichzeittg ^hat Herrwt in einer Unterredung mit dem Vertreter der „Köln. Volksztg." an den Willen zum Frieden und an die Geister appelliert, die über dem Lärm der politischen Friedensstörer stehen. Ohne Zweifel ist der gute Wille der gegenwärtigen Leiter der Geschicke Englands und Frankreichs durch diese Mahnahmen und Aeuheru.- gen aller Welt sichtbar dargestellt worden. Ob mit Erfolg, werden die nächsten Tage zeigen. Die Pariser Blockpresse beglettet nach den uns vorliegenden Aachrichten die Unterstühungsattion Macdonalds mit hämischen Bemerkungen. Sie erinnert an die Unsicherheit der Mehrheit, über die Herriot verfügt, und verlangt die parlamentarische Auseinandersetzung zur Klärung der Lage. Diese Auseinandersetzung dürfte morgen beginnen. Don ihr wird es abhängen, ob der gute Wille der beiden Ministerpräsidenten in die Tat umgeseht werden kann. Die Aussichten dafür sind vorläufig noch wenig günsttg. Macdonalds Fahrt nach Paris. London, 8. <)uli. (WTD.) 3m Unterhaus teilte Macdonald mit, daß er heute nach Paris reisen und am Mittwochabend wieder nach London zurückkehren wolle. Der Besuch erfolge auf DorschlagHer- riots. Macdonald betonte nochmals, daß der in der Presse entfachte Entrüstungs- sturm jeder Begründung entbehre. * Macdonald wird auf seiner Reise nach Paris, dem „TempS" zufolge, von dem S t a a t s se kre - tär Sir Ehre Crowe begleitet fein. Der Bericht von t>er Ankunft des englischen Premier- mmisters, der sich sofort um 4 Uhr vom Dahn- Hof zu Herriot begeben wird, hat in den Wandelgängen des Senats, wie Havas berichtet, Anlaß zu Erörterungen gegeben. Die Interpellationsdebatte, die für Heute angeseht war, und in deren Derlauf Senator Poincarö eine lange Rede halten sollte, ist verschoben worden. Macdonald im Unterhaus London, 7. Juli. (WB.) Im Unterhause erflärte Macdonald, die Angriffe, die gegen die britische Regierung gerichtet würden, weil sie angeblich verjuche, die Reparationskommission auszuschalten, seien ungerechtfertigt. Die Regierung habe sich im Augenblick nicht mit dem Vertrag von Dersailles, sondern mit dem S ach - verständigengutachten zu befassen, das Deutschland einige Der Pflichtungen auferlege, die außerhalb des Versailler Vertrages ständen. Gr boife, bafe wenn ein Uebereinkommen über das Sachverständigengutachten erreicht werden könnte, es durch ein Uebereinkommen zwischen d e n A l - liierten ergänzt werden könnte, damit die Alliierten, falls Deutschland nach Annahme des Gutachtens gegen dieses absichtlich ve^tohe, die Alliierten zueinander stünden und Deutschland verantwortlich machten. Aber wer, fragte Macdonald, würde entscheiden, ob Deutschland absichtlich gegen das Gutachten verstößt? Das Uebereinkommen würde wohl ein Zusatz, aber Hellen für die Räumung des Ruhrgebiets und der Sanktionsstädte haben müsse. Es habe keinen Zweifel daran gelassen, da ßdie Erfüllung dieser Forderung für die Durchführung des Sachverstan- digenberichts von entscheidender Bedeutung sei. Deutschland könne unmöglich zugemutet werden, auch in politischer und militärischer Hinsicht Lasten länger zu ertragen, die die Grenzen Prozesse Die Trauerfeier für provinzialdirettor Matthias. Eine arvhs Trauergemeinde hatte sich gestern vormittag um 11 Llhr in der Kapelle des Neuen Friedhvfes vereint, um dem so plötzlich Heimgegangenen Provinzialdirektor Cubtoig QKat» thias die letzte Ehre zu erweisen. Neben den Vertretern der Staats-, Provinzial-, Kreis-, Stadt- und Gemeindebehörden sah man viele Persönlichkeiten des politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens unserer Provinz, der Stadt und des Landes, sowie zahlreich» Personen, die sich dem trefflichen Verwallungsbeamten und Menschen Matthias in Sympathie, Bekanntschaft oder Freundschaft verbunden fühlten. Ger Zustrom zu der Lrauerversammlung war so stark, daß die Sitz- und Stehplätze der Kapelle die Erschienenen nicht fassen konnten und viele bis in den Dor- raum hinaus standen. a „ Ger Sarg mit der sterblichen Hülle des -verewigten war inmitten von Blattpflanzen ohne allen Prunk, ganz dem schlichten Wesen des Entschlafenen entsprechend, aufgebahrt. Die geistliche Handlung nahm Pfarrer D e r n b e ck aus Worms vor, der dem Abgeschiedenen von Hugend auf in herzlicher Freundschaft verbunden war und nun oili Geistlicher am Sarge zugleich auch als Freund dem Freund Len letzten Liebesdienst erwies. Er hatte seiner Gedächtnisrede das Wort aus dem Ev. Johannis 9. Kap. Ders 4 zugrunde gelegt: „Ich muh wirken die Werke des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist: es kommt die Nachts da niemand wirken kann.'" Diesem Schnftwort entsprach auch das Leben des Entschlafenen. Das Kay her für Bad-Nauheim, Abg. Brauer- Ober-Ofleiden als Mitglied des Provinzialaus- schusses, Kreisdirektor Dr. Michel für den Kreis Lauterbach, Gemeinderechner Arnold - Grü- ningen für die Gemeinderechner des Kreises Gie- hen Kreisdirektor Dr. Stammler für den Kreis Alsfeld, ein Aktiver des Korps Hassia, Oanögerichtsdirektor a. D. Bücking für die Alten Herren des Korps Hassia, Amtsgerichtsrat Höckel für einen engeren Freundeskrers, Dr. med. Wolf für den Dezirksverband alter Korpsstudenten von Giehen, Regierungsrat Weber für den Kreis Schotten, Regierungsrat Andres für die Feldbereinigungsbeamten, Bürgermeister Fendt-Hungen für die Bürgermeister des Landkreises Giehen, Geheimrat Prof. Dr. König für den Gleibergverein und Landgerichtsdirektor a. D. Bücking für den Oberhessischen Kunstverein. Aus all diesen Reden klang klar heraus, dah man in den weitesten Kreisen Hessens und der Provinz Oberhessen den Heimgang dieses Mannes aufs schmerzlichste empfindet, dah er der Allgemeinheit viel zu früh entrissen fchrift ein schlechtes Zeugnis aus, wenn er ihnen xumutet, das nicht zu wissen. Auf die Begründ mg kommt es ihm ja auch weniger an als auf die Tatsache der Rhein besetz ung, die aus nichts anderem geboren ist als aus der Furcht Frankrnchs vor der deutschen lleberlegenheit. Faßt man alles ins Auge, was wir seit 1919 an französischer Rheinpolrtck erlebt haben, so könnte man hinzufügen, die Vorschläge des Marschalls für die Verlegung der Grenze der Westmächte östlich über den Rhein hinaus seien vrrausschauend von Frankreichs schlechtem Gewissen diktiert worden, denn unstvritbar hat das brutal sadistische, völkerrechtlich ungeheuerliche Verhalten Frankreichs gegen uns seit 1919 eine wirkliche und grobe Gefahr für Frankreich geschaffen, eine Gefahr, über den Ernst sich insbesondere dre gegen Minister a. D. Hermann. Weimar, 7. Juli. (WTB.) 3m Prozeß gegen den Ehemaligen thüringisch Innenminister Hermann und Genoss wurde heute nachmittag das älrteil geMt. ^er mann wurde wegen falscher Beurkundung zi 1 000 Goldmark Geldstrafe, oder einem Monat Gefängnis, Aegmrunqs assessor Kunze wegen Beihilfe dazu und dreier selbständiger Fälle von falscher Beurkundung Al 1 Hahr 6 Mo naten Gefängnis unter völliger Anrechnung der ^^^^6901, Kreisdirektor Rennert zu 1200 Goldmark, K r e i s d i r ek 1 0 r H 0 r s ch e l m a n n zu 1000 Golömark, Kreisdirekt0r Faulian zu 500 Goldmark Geldstrafe verurteilt. Kreis- direktor Koch wurde f rei g e s P r 0 chen. Kunze wurde sofort aus der Hast en t6 lassen mit der Begründung, dah, er unveryait- liche und grobe G eine Gefahr, über , , ,, Leiter der französischen Politik nicht im unklaren befinden sollten. Ausgehend von den Vorschlägen des Marschalls Foch vorn 10. Januar 1919, die sodann in den Hehren 1919—1923 von der Entente immer weiter entwickelt und Die britische Regierung gegen den Kanaltunnel. London, 8. Huli. (W.B.) 3m Unterlaufe teilte Premierminister Macd 0 nald mit, dah die Regierung sich gegendie Unter tunn e = lung des Aermelkanals entschieden habe. Italien und das Loch im Westen. R 0 m, 7. Huli. Der „Messagerv" schreibt, dah, solange im besGten deutschen Gebiete der gegenwärtige Wirtschaftszustand andauere, dre italienischen Importeure nach Deutschland eine Konkurrenz m it Frankreich nicht aufnehmen fDurften, weil die Franzosen durch die besetzten Gebiete hindurch ihre W a r e n z 0 l l- f rei auch nach dem unbesetzten Deutschland ein- schmuggelten. ____________ brennt. Er muh alle. Augenblicke das Sacktuch ziehen sich den Schweih aus der Stirn wischen, oder er lauscht nach der Oder zu, von woher immer noch der ferne Donner grollt. Spricht auch einmal, dah das Schlachtgebrüll sein müsse. Worauf die Beate, gegen ihre Art lebhaft: „eine Bataille? Vater, und Ehristian ist dabei?" Schaut gleich wieder zu Boden. Und sie schreiten langsam weiter. Er immer mit der Hand an der Biusttafche. „ Mit einem Male sagt er's, was ihm fast den Atem erstickt. Sagt's ganz hart und rauh: Beate, ich hab' da auch einen Brief erhalten, der dich angeht. Da" — Und reiht das Schreiben heraus, reicht's ihr mit den Fingerspitzen. Verwundert schaut sie auf und auf das Königliche Siegel, liest: .An den Wohledlen Erb- und Gerichtsherrn, Herrn Hans Ehrenreich von Zabeltitz ..." Faltet das Schreiben auseinander: „Lieber und Getreuer. Wir haben resolviert, Euren Enkel, den Kaspar von Zabeltitz, des Hans Friedrich Sohn, in Memoria dessen, dah der Vater bey Hohenfriedeberg gefallen, als Page in Unseren Dienst zu nehmen und für ihn weiter zu sorgen, da es denen Edelleuten anständiger und nötiger ist wie Officiers zu dienen, als dah selbige auf dem Lande und zu Hause die Hühner füttern. Wollet also den Hunker alsobald zu Uns instradiren. Wir bleiben in Gnaden Euer wohl affetttonirter . . ." n Halblaut hat die Beate das in einem Zuge gelesen, mit zuckenden Lippen. Hält nun an, Jtarrt vor sich hin, wie eine steinerne Frau. Bis sie jach aufschreit: „3ch lass' ihn nicht! Ich geb' ihn nicht her! Mein Herzblut eher denn ihn! berg, Thedick und einen gewiss^ D^grmmnaw gelegt zu haben. Außerdem habe ^Schneider Epfohlen, auch den Regiefrankemimtausch vorzunehmen. Andererseits gibt er zu. daß Rertr^er fremder Mächte ihn des öfteren aufgesucht hatten, um Informationen zu erhalten. Das Urteil Politische Der Leiter einer Reichsgetreidestelle als Landesverräter. Wie aus R 0 st 0 ck gedrahtet wird, wurde der ehemalige Leiter der Reichs körn stell em Rostock Sundermann, vorn Rostocker Over- landesaericht wegen Landesverrats zu 3 Hähren Zuchthaus, 1000 Mk. Gewstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Hahren verurteilt. Sundermann war tätig als Spion der Ruhrbesatzung und als Spitzel der französischen Regierung, der er Nachrichten mitteilte, deren Geheimhaltung im Interesse des deutschen Volkes lag. Cin preußischer Ministerialrat vor dem englischen Gericht in Köln. Köln, 7. Huli. Heute begann vor dem zu diesem Zweck eigens gebildeten Sonder- g e r i ch t der Prozeh gegen den Min i ste r ia l - rat®r. Schnei der bon der Kölner Regierung. Der Gerichtshof setzt sich u. a. aus dem kommandierenden G eneral Ma x w e11 Scott, dem Major Macpherson und dem Rechtsbeisiher Major Ga t eh0 use zusammen. Die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Batholomah, der als amtlicher Dolmetscher aus dem Krupp-Prozeß bekannt ist und der von Rechtsanwalt Bolte- Essen unterstützt wird. Die Vertretung der A n - klage liegt in den Händen des Leutnants Varkers. Wie der Vorsitzende eingangs mll- teilt, bedarf das zu fällende Urteil der Bestätigung des Höchstkommandierenden der Rheinarmee. Aus der Rede des Anklagever- । treters ist hervorzuheben, dah die von der brlli- ! scheu Staatsanwaltschaft benannten Haupt- belastungszeugen Salomon Zucker, Silbermann, Hausner Isaak Sil- bermann, Max Paines und Franz ^.Hedi ck sich zur Zeit alle in Haft . bef 1 n.ben, teils wegen Verbreitung von gefälschten Regie- svanken, Thedick wegen politischer Propaganda^ im besetzten Gebiet. Äapitän Bö el ton, politischer Beamter der englischen Desatzungsbehörde in Köln, erklärt, von Ministerialrat Schneider keine Nachricht über die gefälschten Regiefranken und die Propaganda-Tätigkeit Lche- dicks erhalten zu haben. \ In der Nachmittagssitzung wurden die Haupt- belastungszeugen der Anklage vernommen, Die sich dahin äußerten, von einem gewissen H och- berg 250 000 französische Regieftanken, die sich nachträglich als f a l s ch herausgestellt haben, er- halteii zu haben. Bei dem Dersuche, sie gegen deutsches Geld umzuwechseln, wurde der Zeuge Max Paines auf dem Bahnhof in Ess e n verhaftet. Als Folge der Verhaftung wurde die ge- I sc»mte Summe in Essen und Köln beschlagnahiill. Ein französischer Beamter der Regie der Sachverständiger für die Regiefranken ist, bestätigte die Unechtheit des beschlagnahmten Geldes, das sich, wie er sagte, in coesentlichen Merkmcllen so von den echten Scheinen unterscheide, dah kern Kenner des echten Geldes dieses überhaupt an- Ofiensive^Km Deutschland vo^rreitet, seien aber 1914 von Deutschland brutal überfallen worden. Freilich hat es auch noch niemals eine krieg2= msche Koalition zwischen Frankreich, Belgien und England früher gegeben: dafür aber hat Frankreich ganz für sich allein, tote Bismarck es einmal au-gedrückt hat, Deutschland in zwei Hahrhunderten fast zcoanzigmal angegriffen, und Marschall Foch stellt den Lesern feiner Denk- Der Alle aus Topper. Roman von Hanns von Zobeltitz. 10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Dis er zu ihr herabkam, ihr die Hand reichte. Gottes Segen über Euch, Herr Vater. So find die Feinde abgezogen? Ich bin heilfroh, Herr Vater dah ich Euch gesund weih. Habt Dank, dah Ihr Euch selber zu uns bemühet." Er hat schon die Hand in der Brusttafche gehabt an dem Schreiben. Hatte sich's so fest vorgenvmmen, sich zu allererst das Herz frei zu sprechen, ihr schuldige Mitteilung zu machen, und hat es doch nicht über die Lippen gebeucht. So erzählt er von den Moskowitern, was sie angerichtet und für Schaden gestiftet: vom Marzanke und Ehrenpüttner und der Frau Magister und dem Karo. Rust die Geflüchteten zusammen, gibt Order, legt selber mit Hand an, wie sie dre Gäule' vor den einen .und die Ochsen vor den anbern Wagen spannen, und wettert ab und an kräftialich dazwischen. Als ob alles übergroße Eile Batt’, tot? er doch die Uhr am liebsten stille stehen heißen möchte. . Dann ziehen sie endlich los, un langen Zuge. €ebr langsam trecken die Gäule, langsamer noch die Ochsen durch den ungebahnten Wald und den tiefen Sand. Sie lesen inzwischen den Hunker auf der kräht und den Informator kecklich anlacht als der seinen Fischart zitieret: „Die Hu- aend denkt nicht weiter, als sie schaut. * Darauf ist der Zug schon voraus, und sie sind allein zurückgeblieben, der Alte und die Schwieger- lockter, die Beate. Dem Gestrengen wird, scheint es das Marschieren schwer. Freilich, die Sonne von Porncare brutal und kurzsichtig rns Unerträgliche verschärft worden sind, hat Frankreich in Deut schland eine Zone des Hasses geschaffen, die beide Lander auf lange Zeit hinaus voneinander entfernt und Die bei der unbestreitbaren militärischen Tüchtigkeit der Deutschen und dem fortdauernden Bevölkerungsrückgang Frankreichs eines Tages eine schwere Gefahr gerade für Frankreichs bilden kann. Vielleicht ist es itof> Zeit zur Umkehr. Man sollte wirllich meinen, dah man auch, in Frankreich die Grundlagen politischen Handelns in der Schaffung lebensfähiger Zustände erblicken mühte, nicht aber in der gewaltsamen Konstruktion völkerrechtlicher UngeHeuerlichknten und militärischer Scherndeckungen, die doch keine dauernde Sicherheit zu gewähren imstande ist. Was Frankreich und unter seiner Führung die Entente feit 1919 gegen uns verübt hat, das ist eine Sünde nicht nur gegen Sitte und Recht, sondern vor allem auch gegen den Geist der Geschichte, die nichts Widernatürliches erträgt, sondern mit Der Logik des Natürlichen darüber hinwegschreitet. Darin liegt unsere Hoffnung und unsere Zr- funft. Die „Französischen Dokumente zur Sicherheitsfrage" mögen unseren Volksgenossen die Augen darüber offnen, wie Frankreich durch sein zielbewuhtes, aber verantwor- I tungsloses an D unpolitisches Ver- | halten an Rhein und Ruhr dafür gesorgt 'hat, Die politische Atmosphäre auf Dem Kontinent immer weiter z u vergiften und Damit alle friedlichen Regungen zu ersticken. Die Lage in Brasilien. Berlin, 7. Huli. (WB.) Lieber die Lage fn Brasilien werden alarmierende Nachrichten verbreitet, die jeder Grundlage entbehren. Don unterrichteter Seite erfahren wir über Die wirkliche Lage folgendes: Unter Der Garnison bcr Hauptstadt des Bundesstaates Sao Paolo entstand aus bisher nicht näher bekannten Gründen Unruhe. Der Gouverneur des Staates ergriff scharfe Mahnahmen, um die Ausbreitung der Hnrut>e zu verhindern und die öffentliche Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Die Dun- desarmee und die Marine stehen treu zur verfassungsmäßigen Regierung. Die Gouverneure säMicher Staaten Brasiliens stellten die ihnen unter ft eilten Gendarmerietruppen der Regierung zur - Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zuv Verfügung. Der Kongreß verhängte, um jeder Eventualität vvrzubeugen, einstimmig den Belagerungszustand über das Land. In der sengenden Sonne standen sie, schweigend jetzt, eine ganze Weile. Kaum, dah er wagte, der armen Mutter ins Gesicht zu sehen. Nahm dann ihre schmalen feinen Hande in seine lederharten, umspannte sie fest, sprach aus sie ein. Alles, was er lang mit fl$ ertoogeu, von der Gnade des Königs, dah dem Kaspar im Dienste der Majestät eine ehrenvolle Karriere gewiß sei: auch dah ein Sohn nicht ewig am Schürzenband der Frau Mutter hängen Dürfe, sondern hinaus müsse ins 2eben. Sie lieh ihn aussprechen. Doch sie hatte nur eine Antwort: „Ich geb' ihn nicht her! Ich So ^gingen sie weiter durch den mahlenden Sand aus das Dorf zu. Das lag jetzt so friede- reich vor ihnen mit seinen Strohdächern, uber- ragt vom altersgrauen, hölzernen Kirchturm. Doch von ferne grollte unablässig Der Schlachtendonner. Das Herz tat ihm wehe. Aber er sprach weiter: Der Hunge sei gesund an Leib und Seete und groh und stark über seine Hahre hinaus. Was sie denn dächte: sollte er ewig auf Der Klitsche hocken? Was sollte er werden? Auf Die llniöerfitäten gehen? Fraglich genug, ob er dazu Anlagen und Lust hätte, ganz abgesehen, Dav das Studium schweres Geld koste, und das sei in jetzigen Zeitläuften rar. Das Ähreiben hatte er wieder an sich genommen und in die Drusttasche gesteckt: hielt nun die Hand 'darauf, als könnte er Kräfte daraus 8ie^JX Beate, liebes Kind. . . und dazu den Devoir gegen Den König . . .“ Da brach sie los: „Sprecht mir nicht von dem König, Herr Väter. Hetzt nicht, heut nicht! ^^ZuckerVehauptet, im Auftrag des Ministerin!- . rats Schneider Ende 1923 ein Bankkonto für Hoch- ! Kleine politische Nachrichten. Hitler legt Die Führung Der national-sozialistischen Partei nieder. München, 7. Huli. (WTB.) Irn „Völkischen Kurier" läht Adolf Hitler aus Landsberg mitteilen, dah er Die Führung D?a national-sozialistischen Bewegung nreDerge- legt habe unD sich auf Die Dauer seiner Inhaftierung jeder politischen ~ a tigfeit enthülle. Wie das Blatt Weller melDet ist Straher mit der Vertretung Hlllers beauftragt worden. „Verlustreiche Kämpfe" in Spanisch-Marokko. Madrid, 7. Huli.. (WTB) Das Direk- tcrium gibt bekannt, dah in Marokko weitere e r - folglose verlustreiche Kampfe statt- cmden. Die starke Konzentration der Rebellen im Aufstavdsgebiet macht es notwendig^ dah weitere Truppen vom Kontinent nach Ceuta und Melilla gesandt werden. Japans „Abrüstung". Tokio, 7. Huli. (WTB.) Der Marineminister erklärte im Parlament, die Weltlage erfordere, dah Japan seine Marineluft- streitkräfte weiter vermehre. Er empfahl die Aufstellung von 11 weiteren Geschwadern, außer den 17 im gegenwärtigen Programm bereits vorgesehenen. wurde. Heute nachmittag um 3 Ahr findet im Krematorium zu Friedberg die Einäscherung der Leiche statt. Aus Stabt und Land. Giehen, Den 8. Huli 192£ Weitere Steuerfälligkeiten. Außer den Fälligkeitsterminen für die Reichssteuern, die wir vor einigen Tagen mitteilten, sind jetzt noch folgende Steuerfälligkeiten zu beachten: Staatssteuern. A m 10. I u l i: An vorläufiger Gewerbesteuer: 80 Prozent der Einkommen- bzw. Körperschaftssteuervorauszahlung (Schonftist 7 Tage). Am 1. August: 2. Ziel staatliche Grundsteuer für die Steuerpflichtigen der Stadt Giehen (Schonftist 7 Tage). Vorläufige Gewerbesteuer für die Ktadt Gießen. Am 10. Juli: 80 Prozent der Cinkommen- bzw. KörperfchaftSsteuervorauszahlun- "ältdn Herzallerliebster, mein Teurer, hat sich für ihn verblutet. Ist das nicht genug? Was taM der König die Kriegsfurie jahraus, jahrein durch die Lande ziehen! Was heischt er immer neue Opfer an Gut und Blut?! Warum gibt er uns nicht endlich Den Frieden? Er hat seine Herzensfreude an den blutigen Bataillen, er lebt nur seiner Glvire, daß sie ihn den Großen nennen sollen! Fridericus Magnus. . . daß Gott sich erbarme . . . Schaut doch nur um Euch, Herr Vater, in der Nachbarschaft. In jeglichem Dorfe alle Äeberkvmpletten bei den Regimentern überall fehlt's an fleidigen jungen Händen. XLrvb Der Aeltcst. vom Schönborner Kalckreuth gefallen bei Zorndorf, der zweite Knobelsdorfs gefallen bei Soor Gottlieb Winning aick Wellwch seinen Blessuren erlegen. Heinrich Grünwald lebt als Krumpel bei Den Eltern in Steinkirch. . - ach, ich könnt' die Trauerliste noch lang, lang fortsetzen. Frieden soll er uns geben, Der König! „Du vergibt, meine Tochter, die gr^e Koalition Europens gegen ihn. Wenn er auch wollte, der König, sie lassen nicht ab von ihm. So sagt Ihr, Herr Vater. Hättet nur das Lottchen Lasvw hören sollen, wie fte am Hof in Berlin reden. Das ist ganz anderes..Qieb. Da sehnt sich alles nach Friedem Nicht die Frauen allein, auch die Prinzen ftuD^d^ etotgerc Batail- lierens müde, des unnützen Dlutvergiehens. Aber Der Friedrich..." „Beate, ich leid's nicht, dah du despektierlich von Seiner Majestät sprichst! , v (Fortsetzung folgt.) \ Leben war ihm Arbeit, Arbeit war ihm Leben. Der Geistliche schilderte dann den Heimgegangenen als liebevollsten Familienvater, dessen schönstes Reich seine Familie war, als treuen und selbstlosen Freund, kindlich-reinen Charakter, Der immer als ganzer Mann zu seiner äleberzeugung stand, als hingebenden Diener des Staates, vorbildlichen, nie rastenden Verwaltungsbeamten mit hohem, schöpferischen Gedankenflug, verständnisvollen und fürsorglichen Vorgesetzten, warmherzigen Freund und Förderer der Kunst und alles Schönen und Edlen und als unwandelbar treudeutschen Mann, dem seine deutsche Heimat Herzenssache war und der er mit seiner ganzen Kraft und Liebe Diente. Wie die Familie und der Freundeskreis einen unersetzlichen Verlust zu beklagen hätten, so habe auch das Hessenland, insbesondere aber Die Provinz Oberhessen durch Den Tod ihres Provinzialdirektors Matthias einen sehr schweren Verlust erlitten, Denn manche auf das Wohl des Ganzen gerichtete Pläne seien mit dem Verewigten ms Grab gesunken. Aber seine Werke werde man ihm über Tod und Grab hinaus danken, sie würden fortbestehen, trenn auch der Name Matthias ver- flungen sei. Hierauf widmete Der Minister des Innern von Brentano Dem Heimgegangenen herzliche Worte des Abschieds, wobei er die I außerordentlich hohe Wertschätzung betonte, die dem Beamten und Menschen Matthias, den auch er Freund nennen durfte, nicht nur im Innen- la! I en mit ver aebatten Ministerium, sondern allgemein in Der Regierung iuöm.atig lange m un& Verwaltung zuteil geworden war. Als Ab- toorDen ist. In Der . 9 n (a ,a s schiedsgruh und Zeichen Der Dankbarkeit legte daß bei keinem Angell g I Redner zugleich im Auftrage des Staats- tere Motive vor liegen, und lrntz H^- der ^ner rügte cy^ JJgjgL eine = wurde Her- Kranzspende an Der Bahre nieder. Oberregte- toren gedeckt habe. Im Falle K ps nmaärat Weicker sprach für die Prvvinzial- mann freigesprochen. direktion, das Kreisamt, den Provinzial- und Der Graff-Prozeß. Den Kreisausschuh warme Worte der DanSarkeit Stettin 7 Huli. (Wolff.) Heute herrschte und hohen Verehrung, die der Verewigte bei all schon lange vor Beginn der Sitzung ein gewaltiger I seinen Mitarbeitern und in Den Kollegien sich Andrang Nach Eröffnung der Sitzung erhielt noch erworben habe und Die ihm für alle $eit getoabrt Anmclld e r V e r t eidiger Meyer das Wort, bleiben würden: auch dieser Redner ehrte den ©betonte daß die Angeklagten m i t W i 1 s e n Verstorbenmi sichtbar durch die Niederlegung dne8 ibrcr Vorgesetzten aus dem besetzten Ge- Kranzes. Ferner sprachen noch tiefempfuTidene biet gegangen Men und keine Schuld^ daran haben, Worte hoher Ehrung, des Dankes und De8 Ab- daft Unschuldige in Aachen verurteilt schieds Abg. Dinaeldey, für die Deutsche tourDen Das sei die Schuld der belgi- Dolkspartei in Hessen, Kreisarzt MAziimlrat schen Voruntersuchungsbeamten, die Dr. Walger für das Kreisgefundheitsamt, durch i e d e r Gerechtigkeit Hohn fpre- Regierungsoat Hemmerde für die Bechen de Mittel die Unschuldigen z u f a l s ch e n amten des Kreisamts, Provinzialrat W v l f für ® eftäUniffen beranlabt hätten. Dieser älm- die Beamten der Provinz, Deigeordnr. — Ruder- Gesellschaft Gießen, 8.30 Htyr, Bootshaus: Generalversammlung. — Gewerkschastsdund dec Angestellten. 8.30 Ähr, Hotel Hopfeld: MonatSver- sammlung. — Rundfunkhaus, Löberstraße 12: Musikabend. — Lichtspielhaus: „Der Rummelplatz deS Lebens." — Astoria-Lichtspiele: »Davas Dulba". — Palastltchtspiele: »Sonnabend nacht". | • • j $ •• Falsche Regiefranken auf dem Frankfurter Haupt bahn hvf. Der Fvan'- furter Polizeipräsident macht darauf aufmerksam, bah seit einiger Zeit bisher noch unbekannte junge Leute im Frankfurter Hauptbahnhof ihr Hnwesen itveiben, indem sie den nach dem besetzten Gebiet Reisenden Regiefranken anbieten, die gefälscht sind. Es wird vor solchen Ankäufen gewarnt und darauf hingewiesen, daß es tunlich erscheint, die Hmwechslung deutschen Geldes in ausländische Währung Mr an dem dafür bestimmten Wechselschalter im Frankfurter Haupt- vahnhvf vvrzunehmen. •• Das dritte Anlagenkvnzert unserer Reichswehrkapelle unter der Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r findet morgen. Mittwoch, nachmittag 6 Hfjr in der Nord- an läge statt. Musikfolge: 1. Armeemarsch II, 207 Bombardonmarsch aus der Oper »Das goldene Kreuz", 3. Brühl. 2. Ouvertüre ftur Oper „Die schöne Galathea", F. v. Suppe. 0. Eriksgang und Krönungsmarsch aus der Oper „Die Folkunger", E. Kretschmar. 4. Ein Immortellenkranz auf das Grab Lorhings — Fantasie, A. Rosenkranz. 5. Armeemarsch II, 199 Lumby- Marsch. C. Walther. eu. Das HoherodSkopffest des B. H. C. am Sonntag war gut besucht. Das jgute Wetter erlaubte ein Lagern im Freien, und so war überall ein buntbewegtes Treiben von solchen, die mit Abkochen beschäftigt waren, von anderen, die sich nach. dem mehr oder 4,-niger Langen Anmarsch ausrühten, von weiteren, die zur Zupfgeige "herrliche Volks- und Wanderlieder ''angen. Die Geltung des Festes hattL der Zweigverein Lauterbach übernommen und rt durÄ^ührt. V.H.C.-Druder Finger, der Vorsitzende des Zweigvereins Lauterbach, hielt die Festrede, wies mit überzeugenden Worten auf den Wert des Wanderns hin und forderte, jederzeit die Ideale des V. H. C. hoch zu halten und zu verwirklichen. An Stelle des erkrantteni 1. Vorsitzenden des V. H. C. begrüßte V.-H. C- Druder Link die zahlreich Erschienenen, darunter auch den Vorsitzenden der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Professor Kissinger- Darmstadt. Als nachahmenswertes Beispiel wurde der Zweigverein Schlüchtern hingestellt, der mit 112 Mitgliedern, trotz sehr schlechter Bahnverbindung erschienen war. Besonders beifällig wurden die Degrützungsverse vom „Hannes", dem Verfasser von „Mei Owephesse", ausgenommen. der mit treffenden Worten Einfach- Die Darbietung eines Reigens' durch den Zweigverein Schlüchtern und der Vortrag heit, Schlichtheit, Natürlichkeit und Ernrgkert pries, zweier Lieder des Gemischten Ehors desselben Zweigvereins, sowie Reigen- und Volkstanzaufführungen des Zweigvereins Lauterbach gaben einen Einblick in den Geist, der in den Zweigvereinen ^herrscht. Bedauerlich war, daß der größte Teil der Zweigvereine schon am frühen Rachmittag infolge der sehr ungünstigen Zugverbindungen den Heimweg an- treten mußte. Wenn so oft darauf hingewiesen wird, dah zur Förderung der Jugendbewegung alles getan werben muß, so wäre es aber auch auch unbedingt nötig, daß die Abendzüge an die DvgelSbergzüge bessere Verbindungen erhielten und nicht unterwegs Aufenthalte von 2—3 Qttn» den voäämen. •• Der 44. Stenographentag deS Hess. -Nassauisch DerbandesGabels- bergerscher Stenographen am SamS- tag und Sonntag in Offenbach gestaltete sich zu einer machtvollen Kunk«ebung für die Kurzschrift. Tausende von Anhängern der Gabels- bergerschen Stenographie waren nach, Offenbach geeilt. Die Zähl der Mitglieder des Verbandes ist seit dem letzten Verbandstaa von 15 000 auf 20 000 gestiegen. Im Gmetkahaus fand der eigentliche Festakt statt, denn mit der Tagung feierte auch der Offenbacher Stenographenverein Gabelsberger fein 50. Stiftungsfest. Der Festredner, Regierungsrat Dr. Müller aus Braunschweig, ein geborener Oberhesse, der auch Ehrenmitglied des Offenbacher Vereins ist, sprach über „Stenographie und Kultur" und gab bekannt, daß nun auch die Braunschweiger Regierung am Freitag verfügt habe, daß die Gabelsbergersche Stenographie in den höheren Schulen als wahlfreies Fach einzuführen sei, nachdem sie bereits in den Volksschulen als Pflichtfach vorgeschrieben wäre. An dem mit der Tagung verbundenen Wettschreiben beteiligten sich 1336 Personen in den Abtellungen 100—320 Silben. Es konnten 1233 Wettschreiber ausgezeichnet werden. Don den Preisen fielen folgende nach Gießen und Hmgegend: 220 Silben: Karl Röhm, G. G., 1. Preis: 200 Silben: Georg Wähl, (8111 Dingel, G. G., 1. Preise: 180 Silben: Lina Wahl, G. D., 1. und Ehrenpreis: 160 Silben: Heinrich Ganß, G. G. 1. und Ehrenpreis. Therese Schmall, G. D., 1. Preis: 140 Silben: Ottilie Tresen, Anni Storto. Heinz Schneider. G. G., Heinrich Konrad, G. V., 1. Preise, Wilhelm Dauer, Schotten, 3. Preis, Adolf Diehl, Schotten, lobende Erwähnung: 120 Silben: Anni Sommer, G. G., 1. und Ehrenpreis, Heinrich Gras, Heinrich Ioedt, Johanna Flamme, Karl Pfeil. G. G., Karl List, G. V., Emilie Voß. Else Ebert, G. D., Wilhelm Jung, Großen-Linden, 1. Preise, Erna Eckart, G. D., 2. Preis: 100 Silben: Lucie Melcher, G. D. 1. und Ehrenpreis, Erna Fuchs, Toni Schlehenbecker, Frieda Karnbach, Marie Ritz, Dora Nickel, Adolf Schmitz, Minna Günther, Heinrich Mircke, Otto Wahl, G. G., Willi Gofselmeher, G. V., Hilde Volkmann, G. D., 1. Preise, Klara Müller, Erna Wolf, Bruno Schneider, Marie Breuer, G. ©., Hilde Noll, G. D., 2. Preise. Martha Müller. G. D. 3. Preis. (Es bedeuten: G. G. = Gießen, Gesellschaft. G. D. = Gießen. Damenverein, G. V. ----- Gießen, Verein.) Landkreis Gießen. Dg. Großen-Buseck, 6. Juli Der hiesige Radfahrerverein „Edelweiß" veranstaltete heute ein Rennen, an dem sich — einschließlich der auswärtigen Vereine — 23 Rennfahrer beteiligten. Die ^.-Klasse fuhr über ©rün» berg. Lich, Butzbach, Gießen, die 6-Klasse über Grünberg, die Rabenau, Gießen mit dem Ziel Großen-Buseck. Der hiesige, mehrfach mit dem ersten Preis ausgezeichnete Fahrer Max Jakob errang in der ^.-Klasse den 3. Preis. Kreis Friedberg. sf. Friedberg. 6. Juli. Das von dem Wetterauer Retterverein veranstaltet« Reit-und Fahrturnier gestaltete sich auch in diesem Jahre zu einem sportlichen Ereignisse ersten Ranges. Mne tausendköpfige Menge aus Stadt und Land hatte sich auf dem Sportplätze, der städtischen Seewiese, zusammengefunden: die Sitzplätze waren schon im Vorverkäufe ausver- kauft, hunderte von Fuhrwerken, vom eleganten Landauer bis zum einfachen Landwägelchen und natürlich auch eine Anzahl Autos waren auf dem Wagenplatze aufgefahren. Besonderes Interesse erregten vor allem die nicht nur sportlichen, sondern auch praktischen Zwecken dienenden Nummern, wie ja auch das Ziel und die Arbeit des Vereins hauptsächlich der Hebung der Pferdezucht dienen soll. Mit Befriedigung kann man feststellen, welch herrliches Pferdematerial, trotz aller Schwere der Zeit, doch noch in unserer Gegend vorhanden ist. Bei der Eignungsprüfung für Reitpferde erhielten Gebr. Schwan-Gießen den 2. und Wilh. Löber-Giehen den 3. Ehrenpreis, bei Nr. 2, Arbeitsgespanne im Oekonomie- wagen, E. Dieler-Gteßen den 1. und 2. Preis, bei Nr. 3, Leichtes Jagdspringen, Ma- schinen-Gewehr-Komp. 4/15 Gießen (Reiter Lt. Gebb) den 2. Preis: bei Eignungsprüfung für Wagenpferde Gebr. Schwan- Gießen öen 2. Preis: bei Gruppenspringen Maschinen-Gewehr-Kvmp. 4/15 Gießen (Reiter Ob.-Lt. Hofmann und ® eng- nagel) den 3. Preis, bei Nr. 10, Großes Jagdspringen, Maschinen-Ge Wehr-Komp. 4/15 Gießen (R. Gengnagel) den 2. Preis. Wenn auch einige Stürze vorkamen, so verlief das ganze Rennen doch ohne jeden ernsten Unfall. Starkenburg und Rheinhessen. fpd. Neu -Isenburg, 7. Juli. Bei der am Sonntag vvrgenommenen Wahl eines Bürgermeisters erhielt der svzialisti- sche Kandidat 2120, der demokratische, von den Bürgerlichen gemeinsam aufgestellte Kandidat Arnould 2820, und der kommunistische Kandidat 1072 Stimmen. Es muß zwischen dem sozialistischen und dem bürgerlichen Kandidaten Stichwahl stattfinden. Kessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 7. Juli. Wahrend in den oberenNäumen eines Hauses der Hhlandstrahe eine Hochzeit gefeiert wurde, drangen Diebe in die im Erdgeschoß liegenden Räume ein und stah- l e n aus diesen bedeutende Mengen sehr wertvoller Silbersachen und eine goldene Handtasche. Einige Stunden später wurden aber die Einbrecher, als sie die Beute im Ostpark verteilten, von einer Polizeistteife überrascht. Einer der Diebe wurde mit einem Teil der Silbersachen festgengenvmmen, der andere entkam. Doch auch diesen ereilte bald das Schicksal. In H a n a u wurde er von der dortigen Polizei verhaftet. Seinen Antell an der Diebesbeute will er jedoch fortgewvrfen haben. Diez, (Lahn), 7. Juli. (Priv.-Tel.) In dem Kaliwerk von Schneider u. Schiffer bei Diez a. d. Lahn stürzte eine aus Marmorsteinen lose aufgebaute Mauer zusammen und begrub vier Arbeiter unter sich. Ein Arbeiter wurde getötet, die anderen wurden in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus übergeführt. Hessischer Landesfeuerwehrtag. Vilbel, 7. Juli 1924. 'Unter starker Beteiligung aus ganz Hessen fand am Samstag und gestern der Hessische Landesfeuerwehrtag für 1924 hier statt. Die Tagung war ursprünglich für Mainz vorgesehen, konnte aber wegen der Einreiseschwierigkeiten dort nicht zustande kommen und wurde nun hierher verlegt, um damit zugleich das 50jährige Bestehen der Vilbeler Freiwilligen Feuerwehr zu feiern. Am Samstag nachmittag fand die Sitzung des Landesausschusses mit den Vertretern der Freiwill. Feuerwehren Hessens statt. Der geschäftsführende Vorsitzende, Branddirektor Müller- Offenbach, hieß in seiner Begrüßungsansprache besonders die Ver- treter der Provinzialdirektion, des Kreisamtes, den Vorsitzenden der Hest. Drandversicherungsanstalt, Geh. Regierungsrat v. Hahn, und den Vertteter von Vilbel, Bürgermeister Rechthien, willkommen, ferner übermittelte er der Vilbeler Wehr zu ihrem 50jährigen Bestehen die Glückwünsche des Landesausschusses. Dem viel zu früh verstorbenen Provinzialdirektor Matthias widmete derRed- ner einen herzlichen Nachruf, die Versammlung ehrte den Entschlafenen in der üblichen Weise durch Erheben von den Sitzen. Begrüßungsansprachen hielten sodann Bürgermeister Rechthien und Geh. Regierungsrat v. Hahn. Aus den Verhandlungen ist folgendes hervorzuheben: An Stelle des schon lange erkrankten ersten Vorsitzenden des Hess. Landesverbandes, Keller-Mainz, wurde Müller- Offenbach zum ersten Vorsitzenden gewählt und Keller- Mainz im Hinblick auf feine jahrzehntelange hervorragende Tätigkeit für die Feuerwehrsache zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Im Kreise Erbach hat sich ein Kreisverband fnetto. Feuerwehren gebildet, Freiw. Feuerwehren sind in Neckarhausen, Grvhzimmern, Alsheim, Niederflörsheim, Deisenheim gegründet worden. In Rheinhessen bestehen 40, in Oberhessen 37, in Starkenburg 53 freiwillige Feuerwehren. Damm- Friedberg erstattete Bericht über die Aachen- Münchener Hnterstühungskasse und über denDeut- schen Feuerwehrtag in München, worauf eine eingehende Besprechung über technische Fragen erfolgte. Zur Sicherstellung des Weiterbeflehens der »Hessischen Feuerwehrzeitung" werden die Kreise und ©emelnben verpflichtet, die Zeitung obltga- torisch zu halten. Heber die Aenderung der Satzungen des Verbandes entspann sich eine längere Aussprache: u. a. sollen nunmehr die Vorsitzenden der Kreisverbände und der Provinzialverbände für die Folge für ihre Provsty 4 Mitglieder in den Landesausschuß wählen. Für den nächsten Landesseuerwehrtag haben sich Dingen und Worms gemeldet. Da erst 1927 der Feuerwehrtag wieder stattfindet, soll die Entscheidung gelegentlich eines Abgeordnetentages getroffen werden. Nach Erledigung einiger Personal- und technischen Angelegenheiten fand die Sitzung ihr Ende. Am Abend bewegte sich ein großer Fackelzug durch die prächtig geschmückten Straßen der Stadt zum Feslplah, wo der Vorsitzende Müller- Ofsenbach der Vilbeler Wehr nochmals die Glückwünsche des Landesverbandes zum 50jährige« Jubiläum aussprach und ihr als Iubiläumsge- schenk ein Bild überreichte. Bürgermeister Rechthien überbrachte der Wehr mit den Glückwünschen der Stadt einen goldenen Lorbeerkran-, die Feuerwehr Fechenheim stiftete einen Fahnennagel. Gesang, turnerische und sportliche Aufführungen verschonten den Abend. Sonntag vormittag fand vor dem Rathaus eine Aufstellung der Vilbeler Feuerwehr statt, rovran sich eine Geräte- und Fuß-Hebung anschloh. Nach dem Vorbeimarsch fand ein "Sranbangriff statt, wobei auch die Samariter-Kolonne Vilbel mit- wirkte. Alle Vorführungen verliefen nach der Kritik der Landesausschuhmitglieder fast durchweg befriedigend. Der Vertreter des Kreisamts verlieh sodann das Hessische Ehrenzeichen für 40- und 25jährige Dienstzeit an eine Anzahl Mitglieder der Vilbeler Wehr. Es tourben dann noch von verschiedenen Firmen Loschversuche mit verschiedenen Feuecloschapparaten gezeigt und mehrere Leitern, Spritzen und Motorspritzen in,Arbeit vorgeführt. \ Nachmittags bewegte sich ein Festzug, an dem 72 Vereine mit 22 Musikkapellen teilnahmen, durch die Straßen der Stadt. Außer allen Gesang-, Krieger-, Sport- und Turnvereinen der Stadt beteiligten sich der Vogelsberger Hohen- club, Arbeiter-Samariter-Kolonne, Rauch-Klub „Cuba", Bauernverein und der Polizei- und Schuhhundeverein, der seine Hunde mitführte, an dem Zuge. Die Fenster und Straßen waren mit Zuschauern dicht gedrängt gefüllt. Auf dem Fest- Platz begrüßte Bürgermeister R echt hien die Festteilnehmer und sprach den Feuerwehrleuten den Willkommengrrß der Stadt aus. Sodann überbrachten die Wehren Darmstadt, Friedberg, Gießen, Offenbach, Worms und zahll^iche andere durch ihre Vertreter der Dilbelet Wehr 'herzliche Glückwünsche. Auf dem Festplah entwickelte sich bald nun reger geselliger Betrieb, der noch gar lange anhielt. Vermischtes. Ein Auto vorn Zuge erfaßt und mitten durchschnitten. Kapellen (Kreis Grevenbroich), 7. Juli. (WTD.) Das Automobil des Fürsten Salm- Reifferscheidt-Dyck zu Schloß Dyck, in dem sich der Fürst, drei Damen und der Chauffeur befanden, wurde, als es das Dahngleis der Strecke Neuß-Düren bei der Ortschaft Harff kreuzte, vom Zuge erfaßt und mitten durchschnitten. Die Schranken waren nicht geschlossen. Der Fürst und der Chauffeur warm auf der Stelle tot, die drei Damen wurden schwerverletzt ins Krankenhaus zu Düren ein* geliefert. Das Automobil wurde vollständig Zertrümmert. Der Hnfall wurde dadurch herbeigeführt, daß an der Schranke, welche nicht an Ort und Stelle, sondern von einer anderen Stelle auS bedient wird, derDrahtzerrissen war, so daß die Schranke nicht rechtzeitig geschlossen werden tonnte. Schwere Anfälle bei einer Zuverlässigkeit-- I Hamburg, 7. Juli. (WB.) Bei der ZU* verlässigkeitsfahrt, die der Lübecker Motorradklub am Sonntag von Lübeck über Dege- borg—Neumünster—Kiel veranstaltete, ereigneten sich mehrere schwereHnfälle. Der Motorradhändler Steinbach aus Lübeck fuhr bei einer scharfen Kurve bet Fegetasche gegen einen Pfahl und war sofort t v t. Zwischen Travemünde und Lübeck erlitt ein Motorrad einen Gabelbruch Während der Führer leicht verletzt wurde, erlitt der Mitfahrer, der Sohn eines Dankdirettors au8 Schwartau, sehr schwere Verletzungen. In Neumünster fuhr eine Maschine, deren Führer die Gewalt über sein Rad verlor, i n e i n e M e n- schenmenge und verletzte sechs Personen, davon vier so schwer, dah sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. । Zwei Familien auf offener Straße ermordet. Kattvwih, 7. Juli. (WTD.) Wie die „Kattowiher Zeitung" meldet, wurden auf der Chaussee Sadow—Zielinien- wer jüdische Familien ermordet urib beraubt MINMI BEWÄHRT SEIT 30 3AHREN iAHOS 656 ARmomums & Flügel Bekanntmachung. 3m Stadtbauamt liegen Verdingungsunterlagen für Asphaltarbeiten offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum 14. Juli 1924, norm. 10 Uhr, abzugeben. 55058 Iuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 5. Juli 1924. Stadtbauamt. 3. V.: Grobe.______ Schafweideverpachtmig. Freitag, den 11. Juli, form. 9 Ahr, sollen in der Wirtschaft des Gg. Sommer VI. zu Watzenborn die in der Gemarkung Schiffenberg gelegenen Wüstungen zur Schafweide öffentlich meistbietend verpachtet werden. Nähere Auskunft durch Herrn Forster Menges, Forsthaus Baumgarten und die unterzeichnete Stelle. Gießen, 7. Juli 1924. 5514V Oberförsterei Schiffenberg. Schneider. Achtung! Achtung! kroße Sendung EiniuMWcn, ZohnnniSbeeren, Heidelbeeren, Soner- kirslhen und StaEelbeeren eingeiroffen Berkaus Mittwoch von 8 Ubr an an, Ielieukeller. 021611 Fra« Frosch, Tel» 1051 Wettkämpfe der Universität Gießen Mittwoch, 9. Juli, 4.30 nachm., auf dem Univerfitätr-Turn- und Spielplatz am Schützenhaus. M05d Eintritt 50 Pf., Schüler die Hälfte. Der alaö. Ausschuß s. Leibesübungen. r Vogt'sche HandeIssßtiole,Gie0en,Goethestr.32 15. Juli Beginn neuer Kurse. Anmeldungen werden täglich entgegengenommen. Prospekte frei ▲ A 53T)a ' 1 U. Lieh (Oberhessen) Gegründet 1 Q 7 6 Donnerstag, 10. Juli 1924, Dorrn, von 9 Hhr ab sollen auf Oswaldsgarten verkauft evtl, versteigert werden: zirka 700 qm Bretterzaun „ 300 „ Tanzboden 2 Kaffehäuschen vieles Holz und Brettermaterial. 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Das Späten» und Schürzenjahr Von Dr. Martin lllbridj. gleich mit den Vorteilen, die auS der militärischen Dienstpflic 830 Uhr Kamifler- nitisik Ine f. alle Zeitungen Pfeiffersche Buchhandlung Walltoretr. 21 Fernruf 1342.m 10. Soli SV. Ubr, .Hessischer Hör- Bisher n°ä> E erschienene Lands' lerne werden eingeiadewEM Heute abend 8.30 Uhr Hiiifci anschließend Nachrichtendienst \0-\\ ,OA teo. ts Die Klagen über die Zuchtlosigkeit der _ ßenb sind derart allgemein, daß man daran nicht länger vorübergehen kann. Schon das Betragen vieler jugendlicher im Verkehr gibt Anstoß. Sie Restkaufgelder nur, wenn sie vvr dem 31. 12. 18 „begrüntet“ worden sind. Heber den Begriff der Begründung spricht sich die Verordnung nicht aus. Regelmäßig muß es sich um Fälle handeln, in denen ein Grundstück vertäust, aber nicht gan- bezahlt, sondern der Rest des Kaufgeldes durch eine zu Lasten des Grundstücks bestellte Hypothek sichergestellt worden ist. Dieselbe Aufwertungsmöglichkeit über 15 Prozent hinaus besteht auch bann, wenn eine nach dem 31. 12. 18 begründete anfängliche Restkaufgeldforderung bei ihrer Begründung in eine Darlehnsforde» rung umgewandelt worden ist, wie es häufig zu geschehen pflegt. Maßgebend soll für die Reftkaufgeldforde- rungen und für die vorerwähnten, zu Darlehn umgewandelten Forderungen die „Begründung" sein, die nicht vor dem 1. 1. 1919 erfolgt sein darf. Entscheidend für die Begründung muß derjenige Zeitpunkt sein, in welchem das Grundstück verkauft und der nicht gezahlte Rest des Kauf- geldes durch Hhpothekcrrichtung sichergfftlllt oder in eine Darlehnsforderung umgewand.lt worden ist. Dieser Degründungsvorg.ing muh nach dem 31. 12. 18 erfolgt sein, um die Möglichkeit einer höheren Aufwertung über den Satz von 15 Proz. hinaus zu gewähren. Wichtig ist, daß bis zum 1. Januar 1925 bet der Aufwertungsstelle ein entsprechender Antrag gestellt sein muß, wenn höhere Aufwertung verlangt wird. Aufwertungsstelle ist1 nach § 1 der Verordnung vom 24. Mai das Amtsgericht, und zwar ist zuständig bei Hypotheken, Grundschulden, Rentenschulden, Reallasten, Schiffspfandrechten und Hypotheken das Amtsgericht, in dessen Bezirk das Grundbuch, usw. geführt wird, bei Ansprüchen der in 8 1 Abs. 2 Ziff. 5—IX) der 3. St. R. V. bezeichneten Art des Amtsgerichts, bei welchem der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand hat. Die Länder können bestimmen, daß an Stelle der Amtsgerichte andere Landesbehörden zuständig fein sollen, oder dah für mehrere Amtsgerichts bezirke eine gemeinsame Auswertungsstelle errichtet wird. Sie tonnen ferner bestimmen, daß an Stelle der Amtsgerichte oder neben ihnen die Sparkassen für die Entgegennahme des Apfwertungsantrags zuständig sein sollen. Zn dem Verfahren kann die Aufwertungsstelle von den Beteiligten die Glaubhaftmachung von tatsächlichen Behauptungen verlangen. Die Entscheidung der Aufwertungsstelle muh mit Gründen versehen sein. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde zu, die bei der Au fwertungsstelle oder beim Oberlandesgericht innerhalb einer Rotfrist von 2 Wochen zu Protokoll des Gerichtsschreibers oder durch Einreichung einer Beschwerdeschrift zu erfolgen hat. Die Deschwerdeschrift muh von einem Rechtsanwalt unterzeichnet sein. Auf besonderem Antrag erteilt die Aufwertungsstelle jedem, der ein berechtigtes Interesse darlegt, eine Bes cheinigung darüber, ob bei ihr bis zum 31. Dezember 1924 ein Antrag auf Herabsetzung -oder Erhöhung des Auswertungs- betrags eingegangen ist. Die außerordentlich einschneidende Ratur der neuen Bestimmungen wird das Publikum noch lebhaft beschäftigen. Was gerade den 31. Dezember 1918 als maßgebenden Zeitpunkt für eine höhere Aufwertungsmöglichkeit der nach ihm errichteten Hypotheken als so besonders geeignet erscheinen ließ, ist nicht recht klar, jedenfalls ist das Geld, was für die Errichtung der Hypotheken von den Gläubigem hingegeben worden ist, in der Zeit vor dem 31. Dezember 1918 und insbes. in der Vorkriegszeit viel sauerer und mit mehr Mühe und Sparsinn verdient worden, als die nach dem 31. Dezember 1918 „verdienten" Gelder. Daß die neue Regelung befriedigend wäre, wird der Gesetzgeber selbst nicht behaupten wollen: von dem Grundsatz von Treu und Glauben ist sie jedenfalls noch weit entfernt Darauf, dah sich der § 7 der Durchführungsbestimmung vom 1. 5. 24 mir sehr schwer mit dem § 3 der 3. St. R. V. vereinbaren läht soll hier nicht eingegangen werden. Die beiden Reuverordnungen stützen sich auf § 64 der 3. St. R. V., der die Reichsregierung ermächtigt, für besondere Fälle allgemeine Anordnungen ergänzenden oder abweichenden Inhalts zu treffen, „so weit es sich als notwendig erweisen sollte". -------- Gießener Wochenrnarktpreise am 8. juli. (Händlerpreise.) Es kosteten das Pfund: Butter 180, Matte 30, Käse 60, Wirsing 50, Römischkohl 15, Bohnen 70, Erbsen 35 Mischgemüse 20, Tomaten 80, Zwiebeln 20, Pilze 40, neue Kartoffeln 20, Dirnen 70. Kirsc^n 40, Heidelbeeren 35, Stachelbeeren 35. jvhannisbeeren 35, Erdbeeren 120, Himbeeren 100. Honig 25; das Stück: Eier 13, Blumenkohl 100 bis 150, Salatgurken 60 bis 100, Ober-Kohlrabi 10 bis 20, Salat, 3 Köpfe 10; das Bund: gelbe Rüben 15, rote Rüben 20, Rettich 20 bis 30; alte Kartoffeln der Zentner 450 Pf. ä*-nen ßuhren. Müll» 89. Für den Plan spricht insbesondere der Ver- sich zweifelsohne cht früher für die und sich vom jockeh-Klüb ihre Satisfaktionssähig- keit bescheinigen lassen — auch die Bereicherungs» skandale. Etwa die Geschichte von Laxenburg, dem ehemals kaiserlich herrlichen Schlohpark, der jetzt Eigentum der Invaliden ist, und dessen ungeheuren Kulturbestand ein paar gerissene Selbstsüchtige in wahrhaft vandalischer Weise zertrümmerten, verschleuderten, verschacherten — so dah die Invaliden um Milliarden geschädigt sind. Die unterschiedlichen kompromittierten Direktoren wurden gegen Kaution auf freien Fuh gesetzt. Die Gattin des einen hat die Konsequenzen gezogen; sie betritt — jeder Zoll eine schöne, charmante Frau, — als Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin im Rahmen einer nächtlichen Sommerrevue die Bühne. Mit sicherlich gröberem Erfolg und Talent, als ihr Gatte die Finanzbühne betrat. find es geistert über den Wiener Ring das Gespenst der Invalidendemonstration. In alten Möbelwagen fröstelt das armselige Menschengerümpel über den sommerlichen Ring und will den Dank des Vaterlandes einkassieren. Am Wochenende schielt das Gespenst der Bar- geldknappheit in alle Betriebe, das altehrwürdige Deutsche Volkstheater ist zusammengekracht, und man darf froh fein, daß ein fähiger Theatermensch sich dieser Kunststätte in letzter Minute annahm; in den Luxusgeschäften der Kärntner Strahe wird nichts gekauft. Gespenst über Gespenst! Immerhin: es ist nicht nur Lebensleichtigkeit, es ist auch Lebenstüchtigkeit in diesen wienerischen Menschen, älnd das läßt die Hoffnung berechtigt erscheinen, dah der bunte Wunderbrunnen auf dem äSS’S"* Aufwertung von Restkaufgeldforderungen Don Gg. Lind. Rechtsanwalt in Grünberg. Am 1. und 24. Mai sind zwei Verordnungen zur Durchführung des Art. I der Dritten Steuernotverordnung erlassen worden, die u. a. auch wichtige Fragen derHyPothekaufwertung behandeln. Die dritte Steuernvtverordnung hat ja eine eigentliche „Aufwertung" nicht gebracht, sondern ihre Vorschriften bilden in Wahrheit nur Aufwärtungsbes chränkungen für Ansprüche aus Vermögensanlagen, die durch den Währungs» verfall entwertet worden sind. Die öprozentige Au,wertungs beschränk ungen für Ansprüche nach 8 3 der 3. St. R. V. lediglich für das ding- liche Recht und es entstanden sofort die «Streit» und Zweifelsfragen, ob bei der persönlichen Forderung, die jeder Hypothek in der Regel zugrunde zu liegen pflegt, ebenfalls die 15pro- zentige Aufwertungsbeschränkung Platz greife, oder ob „nach allgemeinen Vorschriften" eine höhere Auswertung möglich sei. Durch den 8 7 der Durchführungsbestimmungen vom 1. Mai 24 ist diese Zweifelsfrage in einigermaßen brutaler Weise dahingehend gelöst worden, daß die 15pvoz. Auswertungsbeschränkung als „normaler Höchstsatz" auch für die persön l iche Forderung maßgebend ist. Wichtig und neu ist, daß ausnahmsweise auch höhere Aufwertungen zulässig sind. Dieselben sind jedoch auf folgende 3 Fälle beschränkt: 1. Wenn die Forderung auf den Deziehungen zwischen unterhaltsberechtigten und unterhaltsverpflichteten Personen beruht; 2. bei Auseinandersehungsforderungen unter Miterben, geschiedenen Eheleuten, Eltern und Kindern, sofern die Gläubiger zum Kreise der Aus- einandersetzungsberechtigten oder ihren Erben gehören; 3. bei nach dem 31. Dezember 1918 begründeten Restkaufgeldfvrderungen. Rur für diese drei Fälle sind Aufwertungen über den normalen Höchstsatz von 15 Prozent hinaus zulässig. Alle Darlehnsforderungen ohne Rücksicht auf die Zeit ihrer Entstehung und alle Hypothekcnforderungen, die vor dem 1. (Januar 1919 begründet worden sind, können nur bis zu 15 Prozent aufgewertet werden. Don den durch die Verordnung eingeführten Aufwertungsfällen über den normalen Höchstsatz hinaus wird der dritte Fall, Aufwertung der nach dem 31. Dezember 1918 begründeten Rest- kaufgeldsorderungen, der praktisch bedeutungsvollste sein. Die Verordnung gibt selbst eine Definition des Begriffes Restkaufgeldforderung und versteht darunter „Restkaufgeld für den Erwerb des mit der Hypothek belasteten Grundstückes". Lieber 15 Prozent auswertbar sind jedoch diese Dvlksgesamtheit ergeben haben; vornehmlich bestanden diese in der Erweckung deS uns jetzt völlig verloren gegangenen Gefühls des engen Verbundenseins der einzelnen Angehörigen der Volksgemeinschaft miteinander und mit dem «Staat. Außerdem könnte es sicher nichts schaden, wenn auf dem ilmtoeg über die Arbeitsdienstpflicht Disziplin, Arbeitswlllen, Verantwvrtlichkeitsge- fühl und Anerkennung von Autorität in das politische und wirtschaftliche Leben ihren Einzug halten würden, und toerm durch etwas strenges Anziehen der Zügel unsere immer mehr verwahrlosende jugend aller Stände und beider Geschlechter wieder besseren Empfindungen zugängig gemacht werden könnte. Auch wirtschaftliche Erwägungen l.^ssen den Gedanken der Arbeitsdienstpflicht verlockend erscheinen. Die Zahl der Personen, die für die Arbeitsdienstpflicht in De- tracht kommen, wird auf eine halbe Million geschäht; die Arbeitsleistung wird auf 12—1500 Millionen Arbeitsstunden jährlich veranschlagt. Diese Leistung könnte den besonders notleidenden Gewerbezweigen der deutschen Wirtschaft, (Landwirtschaft, Verkehrswesen usw.) zugute kommen; auch solche Arbeiten könnten mit ihrer Hilfe durchgeführt werden, deren Inangriffnahme zu den wirtschaftlichen Rotwendigkeiten der Zukunft gehört, wie z. D. Wohnungsbau, Kanalbauten usw. Auf der arideren «Seite stehen jedoch der Arbeitsdienstpflicht einige nicht unerhebliche Bedenken gegenüber, die nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden können. Das größte be= -ägorgesnchir Äit»n"^brauchlk UNd ^Verschiedenes] Wlwoch 9. M 1924,1*2 Uhr, _ versichere ich Neoeowcg 28 (tm Loweu) zwang?, weise gegen Bar- Mutig: 1 Schreibtisch iliDlomat) 1 Cbaiielongae, 1 Ommitut Korbmöbel Dich dank 2 reffe! und Blumenkriopej, 1 Notenständer 1 grohen Warenlchrauk, 1 vanSbackoseu. Versteigerung teilweise bestimmt Runter 5507D Serich/Sooll-ieber handgreiflich vor sich. Rings um das feudale Dankgebäude schwirren, aufgescheuchten, rubelosen Vögeln gleich, die Opfer, kleine Einleger, die um ihre armseligen Ersparnisse zittern, ruinierte Angestellte, die nach letzten Rachrichten bangen, ob sie noch mit den mageren juligehältern rechnen können. «Statt aller Beruhigung platzen die Sensationen in die Menge: Der Direktor hat demissioniert. Der Direktor V hat sich mit Leuchtgas vergiftet — aber von Demissionen und «Selbstmorden werden aus dem Gleis geworfene Angestellte nicht satt, und auf diesem Verzweiflungs- Weg kommen die kleinen vertrauensseligen Einleger und Sparer nicht zu ihrem Geld. Was sich hier vvr dem feudalen Gebäude der Depositenbank staut, ist eine wachsende Lawine des Elends, die mit furchtbarer Vernichtungsgewalt über die Stadt nieder gehen kann. Ratlos, ohne Disziplin, ohne Plan rennen die letzten treugebliebenen Finanzleute durch die Korridore der Dank. Die fünf Großbanken, die noch im Mai die Garantie für die Depositenbank übernommen hatten, um ihr jetzt höhnisch in den Rücken zu fallen, geben geschwollene und hochmütige Erllärungen ab. Die feierlichen Glocken des Schvttensttfts rauschen über den Platz, sie können keinen Frieden in die friedlose Menge läuten. älnd dann ist da in Wien das nicht zu bannende Gespenst der Skandale. Richt um der pikanten Gesellfchaftsskandale mit erotischen Hintergründen, und nicht nur der hocharistokrattichen Skandalaffären in deren Rahmen sich Grafen und Altgrafen vor dem mit österreichischer Erzherzogs- lieberlieferung satinierten Hotel Sacher ohrfeigen steht darin, dah die Arbeitsdienstpflicht nur soweit elngesührt werden kann, als geeignete Ar- beitSmöglichkeiten vorhanden sind. So z. D. kann die Kultivierung der deutschen Oedländer einer halbe Million Arbeitspflichtigen Arbeit von höchstens einem jahr geben. Der Kernpunkt der «Schwierigkeiten ist gerade der, dah vornehmlich die Be- völkerungs- und Industriezentren, die teilweise sehr starken Aeberfluh an Arbeitskräften haben, keine Arbeitsgelegenheiten bieten, während diejenigen Dezircke, in denen Arbeitsgelegenheit vorhanden wäre, in der Regel so dünn bevölkert zu fein pflegen, daß Arbeitskräfte von weither herangeschafft werden müssen. Das Problem der Arbeitsdienstpflicht ist daher zum guten Teil gleichbedeutend mit demjenigen der zwangsweisen Umschichtung grofjer Arbeitermassen, ein Problem, das um so schwieriger zu lösen ist, als es in kürzeren Zeitabschnitten immer wieder von neuem vorgenommen werden müßte. Dazu fommt, daß unmöglich nur diejenigen Kräfte zur Arbeitsdienst- Pflicht herangezogen werden können, die gerade arbeitslos sind, da in diesem Falle die sittliche Idee der Arbeitsdienstpflicht nicht zum Ausdruck käme. Wie aber die in Arbeit stehenden Kräfte aus den ^Betrieben herauszuziehen, in andere Gegenden zu überführen, für ihren neuen Beruf anzulernen usw. sind, das alles sind außerordentlich schwierige Fragen. Dazu kommen noch finanzielle Hebeilegungen. Die Unterbringung, die Beköstigung, die Beaufsichtigung mehrerer hunderttausend Arbeitskräfte usw. erfordern große Mittel, die sich noch vermehren müssen, wenn zur Ermöglichung der Arbeit erst Wohngelegenheiten geschaffen, große Maschinenanlagen errichtet, neue Verkehrswege gebaut, Grundstücke enteignet werden müßten usw. Alle diese Aufwendungen würden insgesamt Dutzende von Millionen verschlingen, ohne daß entsprechende Einnahmequellen fürs erste zur Verfügung ständen. Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß der Gedanke der Arbeitsdienstpflicht zwar viel Verlockendes hat, dah aber seiner Durchführung Schwarzenbergplatz auch ein Sinnbild der nächsten wienerischen Zukunft fein kann. M. Pr. $ Romantiker in der Darmstädter Knnsthatte. Darmstadt, 7. juli. In der Kunsthalle ist eine Ausstellung von Malern aus dem Zeitalter der Romantik eröffnet worden. Im Mittelpunkte dieser sehr beachtenswerten «Schau steht Karl Fohr, dessen Werken man in den letzten jähren mit Recht besondere Beachtung schenkt: manche feiner Schöpfungen war verschollen; einige von diesen sind 'lyier zu sehen, außerdem sein Hauptweick, das berühmte „Ideale Landschaft" betitelte Oelgemälde. Von Fohrs Freunden sind auf der Ausstellung vertreten u. a.: Issel, Lerch, Moller, Reinhard, Rvttmann und Ruhl. Einem älteren Malergeschlccht gehören an joses Anto n Koch, der Lehrer Fohrs, und Phil. H a ck e r t, an dem Goethe großes Interesse nahm. Aus Hessen sind Karl Bayer, Lucas und Schild ad)-. Reden bisher noch unbekannten Aquarellen Föhns und anderen wenig bekannten, sind bisher unbekannte Handzetchnuii- gen aus Privatbesitz zu einer besonderen Schau vereinigt, die aus dem römischen Kunstkreise stammen und dem zweiten jahrzehnt des vergangenen jahihunderts angeboren. Außer dieser hist)" rischen Ausstellung bietet die Kunsthalle eine große Zahl von Bildern des Darmstädter Malers Hans Vielmetter, eines jungen auf» strebenden Talents. sind unhöflich, aufsässig, lärmend, sie neigen zu Müßiggang und Ausschweifungen und sind an der Kriminalität in steigendem Maße beteiligt. Spricht man doch davon, daß in manchen Gegenden die Zahl derjenigen, die vor den Strafrichter kommen, 8mal so groß sei als vor dem Kriege. Vicht mit Unrecht sucht man bei den männlichen jugendlichen den Grund für diese unerfreulichen Erscheinungen in dem Wegfall der Militärdienst- Pflicht. Man zerbrach eine starke «Säule der Ordnung und Volkswohlfahrt, ohne dafür einen Ersatz zu geben. Dazu kam die Verleihung des allgemeinen Wahlrechtes an die jugendlichen, die dadurch in den Strudel des Parteilebens gezogen wurden, obwohl sie dafür noch lange nicht reif waren. Erfahrene Erzieher wissen, daß die jugend um die Zwanzig am erregbarsten und Urteils- - lofeften ist. Daher bedeutet das Wahlrecht der jugendlichen nicht einen Fortschritt, sondern eine weitere Lockerung der Zucht. Dieser Verfall darf nicht weitergehen. Daher hat man für die jugendlichen die Wiederaufnahme des Dienstjahres in anderer Form vorgeschlagen, ohne jedoch zu einem greifbaren Ergebnis gekommen zu fein. Es fei daher in diesen Zellen gestattet, einige Vorschläge zu machen. Um den «Staat nicht zu sehr durch neue Ausgaben au belasten, muß das Dinistjahr produktiv gestalt^ werden. Das wird am besten möglich sein, wenn man für die männlichen jugendlichen ein Spatenjahr einführt, das heißt: die jungen Leute sollen dem Vaterlande in dem jahre, worin sie die Zwanzig vollenden, mit wirtschaftlicher Spatenarbeit dienen. Gibt e£ doch in dieser Hinsicht gewaltige Aufgaben, die nur durch ein kräftiges Arbeiterheer geleistet werden können. Da sind Kanäle zu graben, Ufer und Deiche zu verbessern, Forstarbeiten zu leisten und weite «Streden von Oeblanb urbar zu machen. Bei der großen Wohnungsnot können die jugendlichen die Reubauten wesentlich fördern, wodurch das ganze Bauwesen sich bedeutend Der billigen würde. Es gibt noch große Wegstrecken, die noch nicht von Obst- ,bäumen eingefaßt sind. Was für Einnahmen könnten erzielt werden, wenn in dieser Hinsicht mehr getan würde. Roch liegen in Deutschland mach- ttge Wasserkräfte unausgenützt, die durch Errichtung von Talsperren für die Beleuchtung und die Industrie nutzbar gemacht werden könnten. Besonders wertvoll dürften die Spatensvldaten bei elementaren Ereignissen, wie großen Bränden oder Ueberschwemmungen. durch Hochwasser und Wolkenbrüche werden, deren Furchtbarkeit stets durch sachgemäßes Eingreifen genügend großer Hilfskräfte gemindert werden kann. Zur Beschas- ftmg von Unterkunft für die Dienstpflichtigen müßten nach Möglichkeit die früheren Kasernen benützt werden. Reichen diese nicht hin, so schaffe man Rotbehelfe durch Baracken oder durch Unterbringung In Privatguartieren, tote es bei den kleineren Mllitärvrganifattonen bis zum jahre 1870 Üblich war. Die ganze Organisation muß militärisch auf» gezogen werden Manformiere Kompagnien, Bataillone, Regimenter, Brigaden usw., in denen die straffste, soldatische Zucht herrschen muß. Angemessene Beförderungen und Auszeichnungen werden den Eifer anspornen. Die auf diese Weise aas- gebildeten Leute müffen nach der Dienstzeit in ein Reserveverhältnis treten, ähnlich wie es bei dem ein fügen Heere der Fall war. Um nicht mit einem Male eine allzugroße Menge von jungen Leuten anzusarnrneln, befreie man in den ersten jähren eine Anzahl von ihnen, die sich in einer dem Spatenjahre ähnlichen Be° schäfttgung befinden, die ihnen angerechnet werden mag. Da die neue Zeit darauf aus ist, dem weiblichen Geschlechte dieselben Rechte wie dem rnäim» lichen zuzubilligen, so ist es angebracht, den jungen Mädchen gleichen Alters ein Schürzen- Ia9r aufzuerlegen, das heißt: sie sollen dem Daterlande ebenfalls werktätig in einer ihren Gaben und Kräften angemessenen Weise durch ein jahr dienen. So wird sich das jahr für sie zu einer Art von Wirtschaftsjahr gestalten. Einrichtungen dieser Art, die bisher auf Freiwilligkeit auf gebaut waren, bestehen bereits in vielen Haushaltungsschulen, von denen eine Anzahl größeren Anstalten angegliedert ist. Hier lernen die jungen Mädchen alles, was ihnen zur Ertüchtigung nottut und erhalten Uebung in allerlei Fertigketten, die man von Frauen erwartet. ! Unsere Zeit leidet außerordentlich durchs die unwirtschaftlichen Frauen, die an dem ausgebrei- teten Kinderelend große Schuld tragen. Es ist nicht richtig, alles Elend allein auf die Unter» Die Gespenster von Wien. Wien, Anfang juli. jeden Donnerstag, um die Stunde, da am westlichen Horizont über den Hängen des Wiener Waldes Kardinalpurpur und republikanische Röte ebensowohl den «Sonnenuntergang wie die streitbaren Wiener Weltanschauungen farbig markieren, beginnt tm Zentrum der Stadt, auf dem Schwarzenbergplah ein anderes, irdisches Faroen- wunder zu spielen. Der Leuchtbrunnen bohrt seinen breiten, festlichen Strahl, aus der Tiefe einer raffinierten Maschinenanlage in die köstlichsten Far- bentöne getaucht, bunten Spieles froh, in den abendlichen Himmel. Alle südliche Heiterkeit dieser Stadt ist dann entzündet, alle Herzen schlagen in Lebenslust. Und der Leuchtbrunnen ist nur eines der vielen Sinnbilder wienerischer Sinnenfreunde, die, in all den jähren der Rotz betäubt, doch nie erloschen war. c _ Aber feit ein paar Wochen ist auf diese Symbole kein Verlaß mehr. Sie sind nicht mehr Widerhall unbesorgter wienerischer HerzensmÄodie. Diese Melodie quillt nicht mehr mit der schonen Frische des letzten Wiederaufbaujahres. Gespenster gehen durch Wien; Gespenster drohen neuen Verfall. , . Da ist das Gespenst der Ries en Pleite, Das feit Monaten schon lähmend nach jeder Kehle {greift und in den lebten Tagen mit dem Zusan^ menbruch der Depositenbank geradezu fürchterlich herrisch das Katastrophen Haupt erhob. Wessen Weg, das historische Schottentor kreuzt, der sieht ^taMglich die Wirkunaen dieses Zusammenbruchs NttlltöiiF ernährung zu schieben. Es gibt genug Familien, für welche der Vater hinreichende Mittel verdient, um die Kinder anständig durchzubringen; aber sein Fleiß ist vergeblich, wenn ihm nicht eine geschickte und arbeitsame Gehiffin zur «Seite steht. Von dieser Rot wissen die Fürsorger und Fürsorgerinnen zu erzählen. Es finden sich viele Hausfrauen, deren ganze Kochkunst in dem Aufwärmen von Konserven besteht, und die für ein Loch im Kleide keinen anderen Rat als die Sicherheitsnadel wissen. Unter ihnen gibt es genug, die sich mit Kindersorgen überhaupt nicht befassen wollen. Man wendet wider den Kindersegen die bedenklichsten Mittel an, und werden dennoch Kinder geboren, so tut man sie zu Ziehweibern, die dafür «Sorge tragen, daß diese armen Wesen kein all^uhohes Alter erlangen. Man greift nicht zu hoch, wenn man die auf diesem Wege hervorgerufenen Menschenverluste bei uns fürs jahr auf 150 000 schätzt. Was für «Segen würde es sein, wenn einmal auf diesem Gebiete Wandel geschähe. Man vermehre zunächst die vorhandenen Haushaltungsschulen. indem man den Anstalten, die sich mit dieser Arbeit befassen, Mittel zum Ausbau gibt. In erster Linie kommen die Diakonissenanstalten und eine Anzahl von Klöstern mit ähnlicher Tätigkeit in Betracht. Aber auch die zahlreichen Landes-, Heil- und Pflegeanstalten, die meisten Krankenhäuser, Krüppelheime und sonstigen Anstalten zur Pflege Gebrechlicher lassen sich für die neue Aufgabe verwenden. Wo die Anstalten nicht ausreichen, erwäge man, ob man nicht größere landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien für die Mädchendienstpflicht heranziehen kann. Das Spaten- und Schürzenjahr wird viel dazu beitragen, eine brennende Frage unserer Zeit zu lösen, nämlich die der vielen Erwerbslosen. Zieht man die jugendlichen aus den Arbeitsplätzen, so wird für die älteren Leute Raum geschaffen, so daß sie vom Arbeitslosenmarkte verschwinden. Dadurch wird die Erwerbslosenfürsorge materiell entlastet, so daß ihre Mittel für andere Zwecke frei werden. Das Arbeitsjahr muh durchgeführt werden unter möglichster Beschränkung der Volkslaster, des Alkoholismus und der älnsittlichkeit. Verboten muh die Zigarette werden, deren übermähiger Ge- nuh nicht wenig zur Vergiftung der Volksgesundheit beiträgt. Die Freizeiten müssen mit guter Lektüre und geistig fördernder Beschäftigung aus- gefüllt werden. Es ist nicht zu besorgen, daß von feiten der jugend einem Arbeitsjahre in vaterländischem Sinne wesentliche Schtoierigkeiten bereitet cver- den. Geht doch durch weite Kreise der Drang nach Erneuerung und Ertüchtigung, wie das Aufkommen der jugendringe, das «Streben der Wandervögel und Pfadfinder, und vor allem die Betätigung der christlichen Organisationen beweist. Daher muh man der jugend helfen, hindernde Elemente abwehren und die Widerwilligen zwingen, das zu tun, was ihnen heilsam ist. Von wesentlicher Bedeutung wird es sein, wenn man die jugend vom politischen Treiben und von der Dressur zur „Staatsbürgergesinnung" befreit, an deren Stelle Erziehung zum Rationalgefühl und zur Vaterlandsliebe treten muh. * * * Bekanntlich ist in Bayern der oben angeregte Plan der Einführung der Arbeitsdienst- pflicht für jugendliche spruchreif geworden. DerWer A tDtW.® ■ufern W Lab öer ges ligster Sege/ Tatsache, w Auslviikange schieben und, unbekümmert gseiterfcheimii Gegner und Stellung zu 1 Ter 6tu beitß als die siven Di Jahre. Der des Kabinett und Auhrber find allzu bei völkerrechlW Laltmahnahn finnigen Rep Liktats vor' an Frankrei« 11. August 1 Argumente mralische < lüste erreich unglaublich1 sonders die bin ff, fiote @egcn*d( Kd fommen der Annahme ihre da hder passt leistet worden kennen die H und Erhaltun auch der Poll die Stelle fr mit seinen 6c nahmen die I Reparationssi inner Konform Zustimmung i r^vlgt ist, di die eine vertr sthrung des ( wird. eelbstverst des Aertiagz in dem Aech an sich 1^ ■ °hne im Dora Jetens garen, lassender Hers änderten schn mens zu übe' 9'ei'ung nicht ung der deutschen A- dill. Andere möglichen 'M besetzten f Esstischen ur «ofen ur Achten ist, L^ing des 2 der Leuts hj6*n T-! SS Londo 'Gsgil ge* * Srfl*’ w® sss dm Wege 3»f*! “fwtatot c**«. bon dk «*6ten f-?ci •Ssfe »I« scheint ta *»Ä Ifiiw 's w jfdiiffiirt a‘ des «efb | Brief C,330 0,575 0,440 0,253 0,460 18,76 4,12 8,126 2,60 11,75 Banknoten. (Ohne Gewähr.) 0,330 0,550 0,460 1 0,180 0,435 0,300 0,500 0,600 4,2 79 5,75 20,97 3.40 6,25 7,65 0,4 8 11,6 2,3 0,36 0,3 7,62 8 48,75 45,5 61,5 7 10,25 4,75 8,75 24,75 0,350 0,550 0,440 1,01 0, SO 0,465 0,250 0,500 0,620 4,2 79,20 6,87 20 9,55 6,25 6,75 0,4 8,05 11,10 2,20 0,350 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. Juli. (Drahtbericht 0,560 79/25 5,622 20,40 3,75 6,5 7,75 8,25 2,25 0,360 0,3 43,50 7,1 812 43,66 45.6 52 6,25 10,25 4 8,25 24 20 81 7,25 8,12 45 45,12 6,35 10,50 4,12 8,12 24,12 20,5 1,25 18,75 4,05 1,6 8,25 2,80 8 11,37 1,8 9,C5 10,5 8,62 5,60 11 12,4 6,10 11 6,2 29 0,65 1,2 2,2 Ä 2^5 4,21 18,70 66,42 18,19 21.39 168/9 17,84 66,04 6,02 1.69 111,98 75,14 55,89 12,30 4,96 2,90 7,7 11,6 8,60 10,50 8,87 10,5 6,25 10,90 28,6 38,60 1,12 1,75 7,9 0,65 0,325 0,574 0,435 0,975 0,295 0,460 0.600 0,5 ,0 0..00 4,2 79 5,63 20,75 3,87 6,87 7,8 8,10 2,13 0,350 0,4 44,5 8.Ä 44,3 46.4 D2.10 6,8 10,25 4,13 8,80 24,65 20,25 33 18,75 4,1 10,65 9,20 5,80 10,62 12 6,25 10,75 6.5 28,5 1,25 1,9? 2,15 8,25 0,510 0,560 10,65 1,25 3,25 7,75 2,86 2,5 18,60 66,08 18,09 21,59 157,51 17,76 55,76 5,°8 1,8 > 110,62 74,76 56,61 12,24 4,94 2,65 8 12 9 10,85 9,13 10,87 6 10,75 28 5 -8,5 1,10 1,9 8.5 1,25 1,87 1,75 8,4 5,51 0,525 10 1,1 2,1 3,12 7,65 3 2,5 „Gießener Anzeigers".) Es wurden notiert: Weizen, Wettecauer, 16,75—17,25 Roggen, inländischer, 15,50—16, Sommergerste für Drau- rwecke 16,50—17. Hafer, inländ. 1575—16,25, Weizenmehl, inländ. Spezial 0 28—29,25, Rog- genmehl 23—23,50, Weizen und Roggenkleie 8L0 bis 9, Erbsen 18—24, Heu, neue Ernte, 4 bis 4,50, Treber, getrocknet, 10,25—10,75. Tendenz: fester. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 7. Juli. (Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Auch zu Beginn dieser Woche lagen Anregungen, die der Börsentendenz eine gewisse Richtung hätten geben können, nicht vor. 3m Mittelpunkt des Interesses .standen wiederum die Kriegsanleihen, für die von neuem eine zrrrnlich rege Kaufbewegung emschte. Mit 325 eröffnend, verkehrten sie weiterhin unter Schwankungen mit Reigung nach oben. 3m Anschluß hieran konnten auch die anderen, deutschen Renten, besonders preußische Konsols und Schuhgebietsanlethen, bei etwas stärkerer Rach frage anzishen. Dom Aktienmarkt dagegen, dessen Tendenz weiter unter Lustlosigkeit stand, ist nichts von Bedeutung zu berichten. Die Stimmung ist als uneinheitlich zu bezeichnen, da die Kursgewinne und die Einbußen, die sich in mäßigen Grenzen hielten, sich gegenseitig die Wage hielten. Reues Angebot machte sich> weiter geltend, dem im allgemeinen nur wenig Aufnahmefähigkeit gegenüberstand. Die Umsätze waren äußerst gering. Der Aktienmarkt lag weiter gedrückt. Das einzige Papier, das aus dem Rahmen des fast toten Geschäfts hervortrat, war Holzmann, das infolge des großen türkischen Auftrages einiger Kauflust begegnete. Der Man- tanmarrt hatte überwiegend leichte Kursgewinne zu verzeichnen. 3m Bankaktienmarkt verkehrten die führenden Werte zu anziehenden Kursen. 3m freien Verkehr war von Amsähen kaum etwas zu hören. Api 2,37, Becker Stahl 1,37, Becker Kehle 3.5, Hansa Lloyd 0,5 .Petroleum 12,5, Ufa 47/8, Tiag 0,7 Benz 2,25, Growag 0,13. f Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) •) Dom RuuzahlunLZwert. Berliner Dorfe. Berlin, 7. Juli. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Die Börse eröffnete heute bei ruhigem Geschäft mit widerstandsfähigen Kursen. Der Saison entsprechend ist der Besuch der Börse augenblicklich ziemlich schwach. Es herrschte allgemeine Zurückhaltung, die in der Hauptsache in der allgemein ungeklärten, politischen Lage begründet ist. Außenpolitisch interessiert vor allem die Stellung des Kabinetts Herriot. Die Börse beschäftigt sich lebhaft mit der Frage, ob Herriot genügende älnterstüyung im eigenen Lager findet, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die gewisse französische Kreise der Anerkennung des Staatsvoranschlags entgegensetzen. Lieber all sind die Meinungen über die Lllrssichten der Londoner Konferenz außerordentlich geteilt. Die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands gestalten sich von Tag zu Tag schwieriger und mahnen die Börse zu großer Vorsicht. Eine Oase bildet der Markt der Kriegsanleihe, die noch immer Wirtschaft. Fragen der Ausfuhrpolitik. . , Di« Erklärung für die zunehmende Passivität ,^^r^ H^^belsbilanz ist vornehmlich in dem Ver- latller Vertrag zu suchen, der so große Produk- iwnsgebrete von Deutschland abtrennte, daß wir letzt zu gesteigerter Einfuhr von Aahrungsmitteln .'^ustriellen Rohstoffen gezwungen sind. Die Sinfuhrhohe kann nur verhältnismäßig wenig vermindert werden. Dazu ist der Bedarf zu groß, W auch die Gefahr zu bedeutend, daß als Vergeltungsmaßnahme die betroffenen Län- i>cr ihre Märkte für unsere Produkte schließen, ^s bleibt nur übrig, zur Finanzierung des gesteigerten Einfuhrbedarfs die Ausfuhr nach Kräf- öu erhöhen. Hier liegen jedoch außerordent- ticye Schwierigkeiten vor. nr beruhen auf Qualitätsfragen. Das Ausland hat während des Krieges in vielen Fäl- J®* — da ihm alle Hilfsquellen offen standen — letnc Qualitäten bedeutend verbessern können, zumal es auch aus den beschlagnahmten deutschen Valenten viel lernen konnte, während in Deutschland die Ersahwirtschaft vielfach qualitätverschlech- ternd wirkte. Dem Qualitätsproblem muh die deutsche Ausfuhrtndustrie deshalb In Zukunft viel flroönc Beachtung als bisher schenken. Absatz- sorgen sind insofern für uns vorhanden, als im Gegensatz zu Deutschland, wo die Lager der Händler zeitweise fast leer waren, das Ausland mehr wn, als es verkaufen kann, auf Lager hat. Die Rachfrage auf dem Weltmarkt ist deshalb zur Zeit verhältnismäßig gering. Sie kann nur an- geregt werden durch sehr günstige Bezugsbedingungen. Gerade hier entstehen aber für uns die größten Schwierigkeiten. Die vornehmlichsie von chnen liegt in der Preisfrage. Der älebergang von den hohen Dillionensummen zu den Reinen Markbeträgen hat uns dem Blick für die Tatsache Der» t'eren lassen, daß das Auslandpreis niveäa tatsächlich nicht unerheblich unter dem deutschen liegt. Die Grunde dafür sind nicht nur in den hohen Gestehungskosten der deutschen Fabrikation zu suchen (z. B. die bei uns drei- bis viermal so hohen Steuern, Frachten usw.), sondern vor allem auch in der noch lange nicht scharf genug durchgeführten Kalkulation, in der teilweise viel zu hohen Gewinnspanne des Großhandels und in dem vielfach geübten Bestreben, frei der verringerten Produktion gerade so große Verdienste zu erzielen, wie bei der größeren Vorkriegserzeugung. G^ade in bezug auf die Preisgestaltung sind außerordentliche Anstrengungen nötig, um den Vorsprung des Auslandes wieder einzuholen, älnd das umso mehr, als wir in bezug auf die Kredit- und Lieferungsbedingungen hinter der ausländischen Konkurrenz weit zurückstehen. Der überseeische Abnehmer ist z. D. gewohnt, vom Exporteur einen mehrmonatigen Kredit vom Tage der Verschiffung an zu erhalten. Aus eigenen Mitteln kann der Exporteur diese langfristigen Kredite nur in den seltensten Fällen gewähren. Mit Hilfe fremder Mittel diese Kredite geben zu können, ist wegen der hohen Zinsbelastung, die bei uns mindestens drei- bis viermal so hoch ist koie im Ausland, aber faft ganz ausgeschlossen. Dazu kommen noch die außerordentlich scharfen Lieferungsbedin- aungen mancher deutscher 3ndustrie- und Handelskonventionen, die im Ausland unbekannt sind. Während bei uns Lieferungsbedingungen einen Umfang von 5—6 Seiten haben, begnügt sich das Ausland mit ganz kurzen Bestätigungsschreiben. Zu alledem kommen noch die dem Außenhandel gemachten staatlichen Erschwerungen. 3n Deutschland find zwar die Außenhandelsbefchränkungen im großen und ganzen abgebaut, dafür herricht aber im Ausland nach wie vor das entschiedene Bestreben, nach Möglichkeit den deutschen Handel auszuschließen, ein Bestreben, das durch die meisten Bestimmungen des Versailler Vertrages kräftig unterstützt wird. ; Aus dem hier Angeführten ist ersichtlich, daß die Forderung nach Ausfuhrsteigerung leichter er- Hoben als befolgt werden kann. Besonders wichtig ist diese Feststellung in Bezug auf die Beurteilung des Sachverständigengutachtens, das auf einer hohen deutschen Ausfuhr sich aufbaut. die Befriedigung der Ansprüche zum Halbjahrs- schluß in dcm letzten Wochen angesammelt worden waren. Insgesamt flössen 402 Trillionen Mark an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen neu in den Verkehr, und zwar wuchs der äl m - lauf an Reichsbanknoten um 206 auf 1097,3 Trillionen Mark, der Umlauf an Ren- tenbanks cheinen um 196 aus 1772 Millionen Rentenmark. Dementsprechend haben sich die Bestände der Dank an Renten- bänkscheinen von 474,3 auf 278,2 Millionen Rentenmark vermindert. Die Bestände der fremden Gelder gingen im ganzen um 298 auf 773,9 Trillionen Mark zurück, bemerkenswert ist dabei der ausgewiesene Rückgang der öffentlichen Guthaben um 231,9 auf 493 Trillionen Mark. Die Reubelastung der Anlagekonten war demgegenüber mäßig. Die gesamte Kapitalanlage nahm um 37,7 aus 2083,1 Trillionen Mark zu. Von der Zunahme entfallen 10 Trillionen Mark aus einen Rückgang der Summe rediskontierter Rentenmarkwechsel von 45 auf 35 Millionen Rentenmark. 3m einzelnen erhöhten sich die Rentenmarkkredite um 14,8 auf 1,144,6 Millionen Rentenmari, die PapiermaiÄredite um 23 auf 862,2 Trillionen Mark. Die Ausleihungen der Da r- lehnskassen des Reichs sind weiter bis auf einen Rest von 0,7 Trillionen Mark abgetragen worden, ilm den gleichen Betrag nahm infolgedessen der Bestand der Reichsbank an Darlehns- kassenscheinen ab. * Roggenrentenbank, A.-G.» Der - l l n. Das 2. Geschäftsjahr des -Unternehmend brachte einen Reingewinn von 395 833 Bill. Mk., der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Der Gesamtbetrag der ausgegebenen Rentenbriefe entsprach dem Wert von 4,5 Mill. Ztr. Roggen gegen 1,5 Mill. Ztr. Roggen im Vorjahr. Die Rach frage war in der Derichtszeit außerordentlich rege, das Tätigkeitsfeld des 3nstitutes dehnte sich in entsprechendem Maße aus. Das Geschäft im neuen Jahre hat eher zu- als abgenommen,'. 3n der starken Rachfrage nach Roggenrentenbriefen ist deutlich ein Moment der beginnenden Spartätigkeit zu sehen, wobei daS Verlangen nach wertbeständigen und verzinslichen Anlagen deutlich zum Ausdruck kommt. Die Goldbilanz kann vorläufig noch nicht vorgelegt werden, da der Prozeß in Sachen der Aufwertung der Januar- Kupons der Roggenrentenbriefe noch nicht erledigt ist; in zweiter Instanz hatte die Gesellschaft die Abweisung der Kläger erlangt. * Gen er alversammlungen in der Kali-3ndustrie. In der o. H.-V. der Kaliwerke Salzdetfurth A.-G. wurde beschlossen, dem Aussichtsrat 50 000 Billionen Mark zuzubilligen und 76 004 Billionen Mark voizutragen. — 3n der o. H.-V. der Kaliwerke Aschersleben wurden die Regularien genehmigt, 52 142 Billionen Mark vorgetragen und 42 000 Mk. als A. R.- Derfügung festgesetzt. Der Absatz sei infolge der Kr-editschwierigkeiten der Landwirtschaft ungünstig. Auch im Ausland trete das Interesse an Düngemitteln hinter dem an hohen Preisen und geringerer Ernte (besonders bei den Farmern) zurück. — Die H.-V. der konsolidierten Alkaliwerke zu Westeregeln beschloß. 76 475 Billionen Maik vorzutragen. dem A. R. 50 000 Mk. zu gewähren, und die ausscheidenden A.R.-Mitglieder wiederzuwählen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt cu M. (9n Billion«, Wart au-gedrückt. BuenoS«MrrS, London, Mu« hort, Japan, Mo de Janeiro für eine (Einbett, toten mid Budapest für 100000 Einbetten, alle« übrige für 10Ö (Etntoten.) Telegraphische Auszahlung. _______________(Ohne Gewähr.) • Deutsch - gri echisch es Wirtschaftsabkommen. Der deutsche Geschäftsträger in Athen und der griechische Außenminister unterzeichneten ein vorläufiges Wirtschaftsabkommen. Das Abkommen sichert allen wichtigen deutschen Exportartikeln die griechische Meistbe- günstigung und den deutschen Schiffen bei ihrem Derköhr in den griechischen Häfen die Gleichstellung mit den griechischen Schiffen zu, insbesondere auch bezüglich der zu entrichtenden Gebühren und Abgaben, wogegen deutscherseits der griechischen Regierung ein Kontingent für die Einfuhr griechischer Weine und die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Regimes für die Einfuhr griechischen Tabaks zugesichert wurden. Das Abkommen, dessen 3nlrafttreten noch besonders bekcrnntge-' geben wird, wurde für 6 Monate mit stillschweigender Verlängerung von 3 zu 3 Monaten geschlossen. Es wird zweifellos zur Belebung der deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen erheblich beitragen. * Der Juni-Abschluß der Reichsbank. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 30. Juni wurde der Alttmobedarf zum Etaus größeren Teil nicht durchs neue Kreditbeanspruchung, sondern durch Abhebung vorhandener Giroguthaben bestritten, die in Vorbereitung auf Berlin, 7. Juli Amerikanische Noten . . . ., Belgische Noten..... .. Dänische Noten ....... Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten Italienische Noten ..... Norwegische Noten...... ZEuttM-!>sten-.,äi0s> Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten....... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten die Aufmerksamkeit der Spekulatdon in größtem Mahstabe auf sich zieht. Die Dementis und Erklärungen, die noch immet durch die Presse laufen, vermögen natürlich nicht die Kurstreibereien za überwinden. Je länger die Regierung mit einer unzweideutigen Erklärung zögert, ura so mehr glaubt sich die Börse berechtigt, ihre eigenen Kombinationen als Tatsachen hinzustellen. Märkte. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 7. Juli. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.".) Auftrieb: Rinder 1319 Stück, darunter Ochsen 354, Dullen 67, Färsen und Kühe 895, Fresser 3, Kälber 465, Schafe 160, Schweine 3553. Es kosteten der Zentner Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 42 bis 50, jifiige fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 35 bis 41, mäßig genährte junge, gut genährte altere 28 bis 34, Dullen: vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 35 bis 40, vollfleischige jüngere 30 bis 34, Färsen und Kühe: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 42 bis 50, v-ollfl. ausgemäst. Kühr höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 36 bis 43, wenig gut entwickelte Färsen 32 bis 40, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 30 bis 35, mäßig genährte Kühe und Färsen 22 bis 28, gering genährte Kühe und Färsen 10 bis 15; Kälber. Feinste Mastkälber 50 bis 58, mittlere Mast- und beste Saugkälber 40 bis 48, geringere Mast- und gute Saugkälber 30 bis 38, geringere Saugkälber 25 bis 30; Schafe. Mastlämmer und Masthämmel 30 bis 35, geringere Masthämmel und Schafe 25 bis 30; Schweine. Vollfleischige Schweine von 80—100 Kilo 55 bis 56, vollfleischige Schweine unter 80 Kilo 48 bis 54, vollfleischige von 100 bis 120 Kilo 55 bis 56, vallfleischige von 120 bis 150 Kilo 55 bis 56, Fettschweine über 150 Kilo 55 bis 56, unreine Sauen und geschnittene Eber 40 bis 50. Marktverkauf ruhiger Handel. Dei Schweinen Lieberstand. Berliner Produktenbörse. Berlin, 7. Juli. Am Produktenmarkt war das Angebot heute etwas stärker, wirkte indessen auf die Preise nicht ein. Der preußisch^ Saatenstandsbericht verspricht eine relativ gute Ernte und veranlaßt zu Verkäufen. Es notierten: Weizen, märk. 138—143, Roggen, märk. 125 biS 133, Braugerste, märk. 138—147, Futtergerste, neue 127—135, Hafer, märk. 123—133, Weizenmehl 21—23,75 Roggenmehl 18,50—21,75, Wei- zenkleir 8,50, Roggenkleie 8,40, Raps 225—230, Leinsaat 280—290, Vittoriaerbsen 19—20, kleine Erbsen 13—15, Futtererbsen 12—13, Peluschken 12 bis 13, Ackerböhnen 13—14, Wicken 12—13, Lupinen, blau 9—10, Lupinen, gelb 13,50—14 50, Rapskuchen 9, Leinkuchen 18—19, TrvckenschmtzEl 7,60—7,80, Kartoffelflocken 19,50—20. Büchertisch. * Die WirtschaftSprobleme deS englischen Weltreiches bespricht Prof. Dr. Hermann Levy in einem interessanten Aufsatz „Der wirtschaftspolitische Hintergrund der Ausstellung in Wembley" in der Rümmer 4137 der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber). Aus dem übrigen Inhalt der wieder außerordenllich reichhaltigen Rümmer sei in diesem Zusammenhänge die Zeichnung von Steven Spurrier erwähnt, die das stark besuchte chinesische Restaurant aus der Ausstellung zeigt. Ein schöner kulturhistorischer (Beitrag ist „Der Flirt des Rokoko" von Dr. Dalerian Tornius, dem eine ganze Reihe von Illustrattonen nach zeitgenössischen Meisterwerken beigegeben ist. Kulturhistv- risches Interesse hat auch die Plauderei von Earry Brachvogel „Die berühmte Frau und ihr Wann". Von kürzeren illustrierten Beiträgen sind erwähnenswert ein Artikel über die Reubelebung des altgriechischen Theaters in Syrakus, eine kleine Plauderei „Der Sand als Kinderfreund" mit sechs hübschen Illustrationen und ein Aufsatz »Bei den Schweizer Gebirgstruppen' mit schönen Aufnahmen aus der Schweizer Gebirgswelt. Der aktuelle Teil enthält eine Anzahl von Abbildungen aus der Stadt Soest in Westfalen, die am 6. Juli ihr 1300jähriges Jubiläum feiert Ferner eine Zeichnung vom Einsturz des Turmes der Mar- tinskirche in Düsseldorf und eine besonders schöne Zeichnung von Claus Bergen, die die Ankunft des „Columbus" auf feiner Iungfernreise in Reuyork zeigt. Eine Reihe von Abbildungen aus dem eben fertiggestellten neuen Zeppelin-Luftschiff ZR3 werden Freunden des Luftsports willkommen sein. An sportlichen Bildern enchält die Rümmer außerdem noch zwei Zeichnungen, eine hübsche Ganzseite von Hanns Langenberg vom Entscheidungsspiel um die Handballmeisterschast der Deutschen Turnerschaft in Leipzig und eine Zeichnung von Otto Delling vom Wasserballspiel während der Wasserball-Werbewoche in Berlin. jtevart. °/. voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll 5% Deutsche RetchSanlethe . <% Deutsche RetchSanlethe . 3*/i°/n Deutsche Reichsanletde 3% Deutsche RetchSanlethe • Deutsche Svarpranucnaluethe 4’A Preußische Äousolö . . . 4% Hellen 3‘/*% Hessen.......... 3% Hessen........... Deutsche Werth. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schay-Anrrctlng/) 4% Zollttirken......... 5% Goldmexikaner ..... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- miß Prtvat-Bank. Darmst. und Naiionalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BcrcinSbank .... DiSconto Commandtt .... Metallvanl. . . ‘....... Mitteldeutsche Tredttbank. . Ocsterrcichische Creditanstalt. Wcstbank............ Bochumer Guß ...... Buderus............ Caro ............. Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Larvencr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben - • . . Kaliwerk Wcstcregelu..... Laurahütte........... Lberbcdarf....... Wiiir Bergbau....... Nyeinstahl......... Rtebeck Montan TelluS Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Cheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Analo-Tont -Guano Badische Anilin........ Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt.......... Gries' etmer Electron . . . i Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung..... Rütgerswerke Scheideanstalt..... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann........... Mamkrastwerke........ Schuckert......... . . Siemens & Halske ...... «dlerwerke Kleyer ...... Daimler Motoren. ..... Heyligenftaedt....... . Meguin............. Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . Metallgesell chaft Frankfurt' Pet. Union A.-G........ Schuhtabrik Herz . . . ' Sichel............' Zellstoff Waldhof......’ 3iiderfQtof Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . ün Billionen Prozent Frankfurt«. M. Berlin schlusz-l Schlus). Kur» । Schlich, ftii» Schlich. 51'ir» Datum: 4.7. | 7.7. 4. 7. 7. 7. 4. Juli 7 Juli Repart. Amtlich, 'Notieruna Amilih- kotier 11, 0 Geld Briet . Geld «rief 4 I 7. Amst.°Rott 167,70 158,30 158,10 158,90 Voll voll Brss.-Antw 18,60 18,93 18,75 18,85 voll voll Christiania. 56,06 66,34 55,86 56,14 voll voll Kopenhagen 56,23 56/7 56,83 56,67 voll voll Stockholm . Helstngfors. Italien. . . London. . . Neuyork . . 111,02 111,85 110,97 111,53 voll voll 10,47 17,96 10,53 18,04 10,47 17,885 voll voll voll voll 18,135 18,225 18,135 18,225 voll voll 4,13 4,21 4,19 4,21 voll voll Paris. . . . 21,35 21,45 Li,'9 21,39 voll Schweiz . . 74,56 65,06 74/4 74,76 76,14 voll Spanien . . 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