vr. 108 Erscheint täglich, anher Sonru und Feiertag», mit d. Samstagsbeilage: ViehenerFamilienb lütter MonatL'vezvgrpkeir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: AnzeigrrSiehea. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11688. Donnerstag, 8. Mai 192< Prorf und Verlag: vrühl'sche UniVersiläts-Such- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Sdj- riftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichKeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ns- Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/„ 2Iuf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr. Friedr.Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen. Erstes Blatt Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Die Tschechen auf dem Vormarsch? Von Dardowiek. GS ist bekannt, wie man tfchechischerseits am Werke ist, dem Deutschtum in der Tschechoslowakei den Garaus au machen. Genau so wie die französischen Freunde in Elsah-Lothringen, ist man auch in der Tscheche! bestrebt, der deutschen Kultur die Wurzeln abzuschlagen, indem man sich besonders — auf seine Weise natürlich — der deutschen Schulen „annimmt". Ein neuerliches Beispiel dafür, wie man mit deutschen Schulen in der Tschechei umgeht und wie die Deutschen dort um die elementarsten Volksrechte gebracht werden, ist eine Mitteilung, die uns aus dem Bezirk Schüttenhofen zugeht, wo 1920 in Unter- Teschau eine einklassige tschechische Minderheits- Schule errichtet wurde, die man zwangsweise im deutschen Schulgebäude „einmietete". Drei Jahre später wurde ein eigenes modernes Schulgebäude für die tschechische Schule gebaut, mit einem großen Schulgarten — indem man einfach zwangsweise das nötige Areal aus einem deutschen Gutsbestande enteignete. Wenn man nun meinen sollte, daß danach den Deutschen das seinerzeit beschlagnahmte deutsche Schulgebäude wieder freigegeben worden wäre, so wäre das ein großer Irrtum. Vielmehr beliebte man, einen ledigen tschechischen Lehrer im deutschen Schulhaus einzuquartieren und ihm den größten Teil des deutschen Schulgartens zuzuweifen — während deutsche Lehrer zur Hausung einen Dachboden erhielten; dabei wurde dem deutschen Ortsschulrat m Unter-Teschau kein Heller Zins gezahlt — trotz der fünfjährigen Benutzung des deutschen Schulhauses. Aber das ist noch nicht alles. Die für den tschechischen Lehrer im neuerbauten tschechischen Schulgebäude eingerichtete Wohnung steht vollständig leer, bleibt unbenutzt; denn, wre gesagt, der tschechische Lehrer wurde im deutschen Schulhaus „einquartiert . . . Wie nicht anders zu erwarten ist, sind alle Eingaben des deutschen Ortsschulrates an die maßgebenden tschechischen Schulbehörden, so oft ,fie kamen, so oft unbeantwortet geblieben. Welches Geschrei würde es wohl geben, wenn «irrer tschechischen Minderheitsschule hn Reichsdeutschland etwas Aehnliches passierte? Welche Stellung würde dann die tschechische Regierung einnehmen, welche das ganze tschechische Volk? ilnö wir Deutsche müssen ruhig Blut bewahren. Müssen es hinnehmen, wenn auch noch so stark von Tschechen an unserem Volkstum genagt wird. Denken wir daran, daß in der Lausch mit Hilfe französischen Geldes eine wendische, sorbische „Bewegung" ins Leben ^gerufen wurde. Hier soll ein Pfahl mitten ins Herz des deutschen Volkes gestoßen werden. Wir nehmen an, daß die tschechische Regierung als solche nichts mit derartigen Machenschaften im Reichsgebiet zu tun hat. Sicher sitzen die Drahtzieher dieser Bewegung in Paris, wo schematisch alle jenen Stellen des Deutschen Reiches unterwühlt werden, wo es nur irgendwelche Ansahmöglichkeiten dafür gibt. Was ober an Vernichtung des Deutschtums auf dem Boden des tschechischen Staates geschieht, dafür gibt ein Artikel: „Von Weih- kirchen bis Troppau" in dem Amtsblatt des nordmährischen Tschrchisierunqsvereins „Straz Movavh" genügend Auskunft. Es heißt darin u. a.: „Wenn wir auf die Sprachenkarte Mährens und Schlesiens schauen, sehen wir uns gewiß als sonderbares Gebilde den tschechischen Rüssel an, der sich von Mährisch-Weißkirchen gegen Rorden zieht, tief einschneidend in die vom deutschen Element bewohnten Sudeten, und endend mit der tschechischen Gemeinde Spondau. Vom Rorden beobachten wir gleichfalls einen tiefen Einschnitt des tschechischen Elements in das deutsche Gebiet, der mit der Gemeinde Waltersdorf endet. Diese Gemeinde war fast völlig verloren und wurde dem tschechischen Volke durch die unermüdliche Arbeit des Herrn Bulva, der hier Leiter der tschechischen Schule (s. oben!) war, wieder zurückgegeben. Seine Tätigkeit in dieser weltentlegenen Ge- birgsgemeinde war troh des Einflusses des deutschen Großgrundbesitzes und der deutschen Staatsmacht (? D. Red.) so tatkräftig, daß heute Waltersdorf als fest und als auf immer gesichert anzusehen ist. Die mit Waltersdorf benachbarte Gemeinde Hantsch wird auch in kurzer Zeit fest in tschechische Hände übergehen. Schade, daß nicht auch das benachbarte Ratkau seinen Bulva, seinen Volksarbeiter fand, dessen Arbeit erst die Zukunft voll werten wird. Ratkau war vor 40 Jahren tschechisch, heute ist dort die wütendste deutsche Irredenta. Achnlich ist es auch in Maltsch und Philippsdorf. Wir sehen also auf der Sprachenkarte, daß es so aussieht, als wenn das tschechische Spondauer Gebiet dem tschechischen Waltersdorf die Hände reichen wollte, -Hnb was hindert dies? Bloh die Kataster der zwei deutschen Gemeinden Groß-Glockersdorf und Klein- Glockersdorf, die zwischen Spondau und Waltersdorf liegen, eine kleine Entfernung von einigere Kilometer. Uno wie wichtig ist tle'e Verbindung! Deswegen müssen wir auch diesem Teil die größte Aufmerksamkeit widmen, denn hier ist die schwächste Seite der Deutschen in Schlesien und Mähren. Bemächtigen wir uns dieser deutschenAchse, so ist dasSchicksaldes deutschen Kuhländchens besiegelt. Das tschechische Element durchsetzt ja ohnedies stark die Kuhländer Halbinsel und ist auf ständigem Vormarsch. Schneiden wir diese deutsche Halbinsel vom deutschen »Körper ab, machen wir aus ihr eine Insel, ein Inselchen, und tixfr vollbringen eine der wichtigsten Taten für Staat und Volk. Wir werden dann der Das Ausland und die Wahlen. Der neue Reichstag und die Beurteilung einer V a r i s, 7. Mai. (WTB.) Der „Temps" widmet den Auslassungen Les Abgeordneten Hergt im „Lotalanzriger" einen Leitartikel. Wir stellen gerne fest, schreibt er, daß die Rationalisten, wenn sie Regierungskandidaten sind den Sachverftändigenbericht mit mehr Rücksicht behandeln, als wenn sie für den Reichstag kandidieren. Im übrigen werden wir uns hüten, einen Mann wie Hergt mit einem Mann wie Westarp zu verwechseln. Aber schließlich möchten wir doch gerne toiifen, welches die unwiderruflichen Vorbehalte sind, die die Deutsch- natronalen machen. Es genügt nicht, diese Vorbehalte anzukündlgen. sie müssen auch auseinandergesetzt werden; besonders dann, wenn man sie für unabänderlich erklärt. Könnte in diesem Punkte der Abgeordnete Hergt seins Erklärungen nicht vervollständigen? Er wird vielleicht erwidern, daß das Kabinett Marx-Strese- mann auch Vorbehalte machte. Wir geben das zu. Diese Vorbehalte erschienen wenig befriedigend, denn sie bezogen sich sämtlich auf die Organrsatton der Eisenbahnen. Aber nach den Erklärungen der Deutschnationalen in der vorigen Woche uvüsfeu die jetzt von Hergt angeküudigten Dorlehalte schlimmer sein als diejenigen des Kabinetts Marx-Strese- manu. Die „Deutsche Tageszeitung" will in der Sage fein, über die deutschnationalen Vorbehalte die ersten Angaben zu machen. An Hand dieses Blattes könnte man ziemlich leicht nachweisen, daß die deutschnationale Politik den Sachverständigenbe- richt sabotiert. Wir wollen uns heute auf diese Polemik nicht einlafsen; wir wollen dem parlamentarischen Führer der Deutfchnationalen kein Schriftstück entgegenhalten, das weder von ihm noch von seiner Partei unterzeichnet ist. Aber wir dürfen eine authentische offizielleDar- stellung der Vorbehalte erwarten, auf die zu verzichten der Abgeordnete Hergt sich außerstande erklärt. Rach unserer Ansicht müßte diese Darstellung sogar unverzüglich und noch vor Bildung der „Rechtsregierung" gegeben werden, in die Hergt einzutoeten wünscht. Alle Rationen, die Gläubiger Deutschlands sind oder die auch nur Handel mit ihm treiben, müssen sobald wie möglich wissen ob das Programm der Sachverständigen Aussicht auf Verwirklichung und vor allem, ob die Ausländsanleihe von 800 Millionen Goldmark Aussicht hat Zeichner au finden. Das deutsche Volk selbst muß es eilig hoben, klar zu blicket, wäre es auch nur, um den künftigen Wert der Rentenmark beurteilen zu können. Italien und der neue Reichstag. Mailand, 7. Mai. (WTB.) Zum Ausfall der Reichstagswahlen schreibt der „Popolo d'Ita- lia", das deutsche Wahlergebnis erfordere aufmerksame Beachtung. Die politischen Pläne der mit russischem Geld mächtig gewordenen Kommunisten müßten abgewartet werden. Eine Regierung der Rechten werde die Beziehungen zu Frankreich verschärfen. — Der „Secolo" führt aus, die Italiener wüßten aus eigener Erfahrung, welche Folgen eine Parteizersplitte- r_u n g, wie sie jetzt in Deutschland eingetreten, für ein Land habe. Für die Sachverständigengutachten sei nicht nur die Zustimmung, sondern auch die aufrichtige Mitarbeit des deutschen Volkes nötig. Man müsse wünschen, daß der neue Reichstag dem Bericht keine unüber- sieialichen Hindernisse bereite und daß die Extremen sich von dem Instinkt nationaler Selbsterholtung leiten ließen. — Di? „Sera" schreibt, vielleicht freue man sich jenseits des Rheins über' die Verschärfung des Germanismus, Sachverständigengutachten. - Die aber die Rationell, welche den europäischen Frieden wollten, vor ollem Italien und England, hätten es lieber gesehen, wenn der neue Reichstag im Sinne einer inner» und außenpolitischen Verständigung arbeiten könnte. — Die Agenzia Volta erklärt,, daß Italien über den Ausgrmg der Reichs ta^swahlen, besonders über die Vermehrung des nationalen Flügels, keineswegs überrascht sei und daß man die Folgerung^ Deutschland» werde jetzt den Expertenbericht bekämpfen, als gewagt undwillkür- l i ch betrachte, weil im dieser Beziehung zwischen den nationalen und den Mittelparteien kein wesentlicher älnt erschied bestehe, so daß das Reparationsprobl'tm durch die Wahlen nicht stark beeinflußt werde. Frankreich und die interalliierte Konferenz. Paris, 8. (WTD.) Aus sicherer Quelle wird berichttjt: Macdonald habe einen neuen Brief am Poincare abgehen lassen. Das „Echo Ue Paris" erklärt, es habe noch nicht nachprüfen können, ob dieser Brief bereits am Quai d'^jrsay elngetroffen sei. Das Blatt legt aber offe nbor dieser englischen Initiative eine besondere Bedeutung bei. Es schreibt, die belgfischen Minister hatten sich immer verterdi-It, sie wollten k e i n e Vermittler sein. Si'S könnten aber doch nicht leugnen, daß sie lties versucht hätten und daß sie immer noch die Rolle der Quaris tiermacher ei.ner eventuellen interalliierte« Konferenz spielten. Sie hätten erklärt, sie würden unmittelbar nach den französischen Wahlen nach Paris kommen, um Poineare das Ergebnis ihrer Unterredung in Etzequebekannt zu geben. Heute erkläre man, baß sie nicht kommen würde ehe sie am 18. Mai m einen Meinungsaustausch mit Macdonald getreten feien. Das „Echo de Paris" ist deshaM der Ansicht, daß das Pariser Kabinett ans seiner zurückhaltenden Stellung heraustueten müsse. Müssen wir, so fragt das Blatt, das Ende des Monats Mai und bas Ende der Rundfrage unserer belgischen Freunde abwarten, um uns in eine Verhandlung elkrzulassrn, die ohne unsere Teilnahme viel!,richt eine sehr klare Haltung gegen uns einnehmen kann? Oder müssen wir im Gegenteil, ohne zu warten, in diese Anterhatttrng miteintreten? Wer diese Frage stellt, beantwortet sie schon. Die Zeit ist gekommen, wo ftoir unsere Thesen in London sowohl wie in ^Brüssel und in Rom Vorträgen müssen. Denn ttoernt wir noch lange warten, werden wir mrsirre Position nich,t verstärken. Poiuc,iv« und Mussolini. Paris, 7s. Mai. (WTD.) Dem „Temps" wird aus Rom 'gemeldet, die Rachricht von einer bevorstehenden Besprechung zwischen Poin» carö und Mussolini finde dort keine Bestätigung. Es sej vielmehr möglich, daß Mussolini nach Annal-me der Antwortadresfe auf die Thronrede die Parlamentsferien dazu benutzen werde, mit de.cn König nachSpanien za reifen, um den Besuch des Generals Primo de Rivera mit König Alfons in Rom zu erwidern. Künftigen Rechtsrechierung deutschen Irredenta in Reutitschein und im Kuh- ländchen den Todesstoß geben, die bann im tschechischen Meer untergehen muß. llnb gerade in diesem Teile liegt der Großgrundbesitz der Firma Weibhuhn, auf welchen das Staatsbodenamt Heuer die Hand gelegt hat. Dieser Großgrundbesitz wird Heuer im Herbst enteignet. Er besteht aus den Höfen Groß ° Glockersdorf, Klein-Glockersdvrf und Mittelhof. Es ist nötig, daß hier die Bodenreform (! D. Red.) in nationaler Hinsicht wohl durchgeführt wird. Schon heute raten wir offen: Den Deutschen gebt überhaupt keinen Boden! Gebt nicht unserem Feinde eine Waffe gegen uns selbst in die Hand! Diese ganzen Höfe übergebt t sch e ch lsch e n b ewu h t e n Le u t e n Schafft die deutschen Angestellten fort und ihr werdet sehen, welchen Einfluß dies auf die dortigen nationalen Verhältnisse haben wird. Hier wird der kürzeste Weg von Weihkirchen nach Troppau geöffnet und diese Tat wird uns in Bälde weitere nationale Erfolge bringen. Hier sind die Termopylen des Kuhländchens, die zu erobern nötig sind . . . .“ Das also darf ganz offen geschrieben und getan werden. Richts regt sich zum Schuhe der deutschen Minderheiten. Richts in Deutschland, nichts im Schoße des Völkerbund s, deS QIreo- Pcms der internationalen Moral. Aber es handelt sich ja am deutsche Minderheiten, die auszurotten in jedermanns Belieben steht, solange das deutsche Voll sich nicht selbst zu ihrem Schutze entschließt. D e Gittve rnfuttg des Reichstags. Berlin, 6. Mai. (Prib.-Tel.) Der Reichskanzler Marx hat sich gestern mittag zu dem end Bad Mergentheim nach Berlin zurückgeke!^rteu Reichspräsidenten begeben. — T>er für die Einberufung des Reichstags in der Presse genannte Termin (22. Mai) stehst noch nicht bestimmt fest. Der Termin ho ngt davon ab, wann der Reichs- wahllritrr di p amtliche Liste der gewählten Abgeordneten endgültig abschließen kann. In parlamentaris chen Kreisen wird angenommen, daß die Einkierufung deS neuen Reichstags zwischen dem 23. und 26. Mai erfolgt. Die kolnrmnnistifchcn Umtriebe in Siiddentscl»land. München, 7. Mai. (WTD.) Das Dolks- gericht beschäftigte sich mit der Ende Februar erfolgten Oluffinimng eines kommunistischen Waffen- lagers im Au bingermoos bei München, wo in dem Anwesten des Schneiders Steininger außer Waffen, auch ein halber Zentner Sprengst o'/s von Kommunisten verborgen werden war. Den Sprengstoff hatten die kommunistischen Kuriere W i 11 m a n n und Däuml aus Stuttgart bei der dortigen Kampfleitung geholt. Er sollte da^u dienen, das damalige Vorgehen gegen Sachsen zu verhindern. Das Volks- gericht verurteilte Steininger, der taubstumm und offenbar zu kommunistischen Zwecken mißbraucht tourbe, zu 2 Mo naten, Dauml au sechs Monaten und» Wittmann zu 8 Monaten Gesänanis. Der Kampf um die Arbeitszeit. Düsseldorf, 7. Mar. (WTD.) Der ganze Ruhrbergbau mit Ausnahme von wenigen ^chen ruht nunmehr. Von der Belegschaft sind h^ite mindestens 90 Prozent nicht eingefahren; kleine arbeitswillige Gruppen haben sich nicht halten können. Die gestern in Bochum von der k o ra - munistrschen Union für Hand- und Kops- arbeiter abgehaltene Betriebsratssitzung hat bereits eine Kampfleitung von 15 'Bergarbeitern eingesetzt, die sich zwar aus verschiedenen Unionen zusammensehen soll, in Wirklichkeit aber von Kommunist en, Anion ist en und Syndikalisten maßgebend beeinflußt wird. Die Folgen des Streiks machten sich bereits auf an* beren Gebieten des Wirtschaftslebens bemerkbar, so wurde infolge des Streiks auf der Zeche Rad- bod die Gaszufuhr für die Stadt Münster unterbunden. — Am 5. Mai abends hat der Reichsarbetts Minister folgendes Tele- gramm an den Zechenverband gerichtet: Ich habe die Dergarbeiterverbände gebeten, die Mitglieder möglichst schnell über die R e ch t s l a g e bezüglich der Verbi n dlichkeitser klä rung des Ar- beltszeitschiedsfpruchs zu unterrichten; ich bitte dringend, darauf einzuwirken, daß Kampfmaßnahmen unterbleiben, falls einzelne Belegschaften aus falscher Beurteilung der Lage noch Widerstand gegen den Ar- beitszeitschiedslpruch leisten sollten. Die Bergarbeiterverbände legen Wert auf die vertrauliche Behandlung ihrer Zustimmung za dem Ver- handlungsergebnis vom 3. Mai vor der Stellung nähme zur Revierkonferenz. Dec Zechenderband sandte darauf am 6. Mai morgens an den Reichsarbeitsminister folgendes Telegramm: Fast alle Belegschaften sind trotz eingehender älnterrichtang über die neue Rechtslage durch die Zechenverwaltung am Montag vorzeitig abgefahren und tamit seit heute fristlos entlassen. Die Acbeiter- verbände haben bezüglich der Unterrichtung der Arbeitnehmer nicht nur völlig versagt, sondern nach unseren Feststellungen sogar die Betriebsräte angeto-iefen, vorläufig die Verbindlichkeit des Schiedsspruches nicht anzuerkennen und die Durchführung der verkürzten Schichten einstweilen durchzusetzen. Die Rechtslage ist unserer Auffassung nach durch die Derbindlichkeitserkla- rung völlig klargestellt. Anabhängig von der etwaigen Stellungnahv^ der Parteien ist demnach die Verschärfung der Lage lediglich auf die bewußte Verschleppung durch die Arbeiterverbäude zurückzuführen. Wie der „Lokalanz." mitteilt, befindet sich Reichsarbeitsminister Brauns auf dem Wege zum Ruhrgebiet, um dort durch eine Dermittlungsaktion den Kampf im Bergbau beizulegen. Die Vertreter der vier Derg- arbeiterverbLnde haben in Essen in einer Sitzung die Lage besprochen. Donnerstag nachmittag soll in Gelsenkirchen eine große Dergarb eiter» Versammlung aus Vertretern sämtlicher Gewerkschaften eine Kommission ernennen, die sich nach Düsseldorf begeben soll, um dort die Stellungnahme der Micum zu dem Arbeitszeit» kanrpf im Bergbau kennenzulernen. Vorläufig verhalten sich die Desahungsbehörden vollkommen Passiv. — Von Arbeitgeberseite wird noch mit» geteilt: Die gestern verbreitete Meldung, daß die Zechenbesitzer des Ruhrbergbaus seit gestern abend 6 älhr die gesamte Belegschaft a u s g e - sperrt hatten, ist in dieser Form nicht ganz zutreffend. Die Zechenverwalttmgeu haben lediglich diejenigen Bergarbeiter, die sich weigerten, länger als sieben Stunden zu arbeiten, nicht zur Arbeit zugelassen. Sobald es technisch irgendwie möglich ist, werden Arbeitswillige beschäftigt. — Die technischen Verbände der Angestellten des Ruhr» bergbaus (Afa, Gewerkschaftsbund der QInge» stellten, Gesamtverband deutscher Angestellten- Gewerkschaften, Reichsverband d'utscher Bergbau- angestellter) geben folgende Erklärung besannt: Das arbeitsrechtliche Verhällnis der technischen Angestellten wird durch die getroffenen Maßnahmen im Ruhrbergbaa nicht berührt. Hieraus ergibt sich für die Mitglieder der obengenannten Verbände, daß sie etwaigen Aufforderungen zur Verrichtung von Rotstandsarbeiten nachkommen. Die Streifclafle in Oberschlesien. Beu then, 7.Mai. (Wolfs.) Rach Mitteilung des Berg- und Hüttenmännifchen Vereins ist die Streiklage auf den deutsch-oberschlesischen Gruben unverändert. Von den Eisenhütten schloß sich die Belegschaft des Hüttenamtes in Gleiwitz und der Deich^elfabrik in Hindenburg dem Streik an. Don gewerkschaftlicher Seite wird mit» geteilt, daß eine Konferenz der Betriebsräte der Metallindustrie gestern in geh.imer Abstimmung beschlossen hat, ebenfalls in den Streik zu treten. Ihre Streikforderungen bederf sich mit denen der (Bergarbeiter. Für Streik stimmten 51, dagegen 20 Betriebsräte. Auf der Deuthener und der Frisdensgrube wird voll gearbeitet. Die Hedwigwunschgrube arbeitet mit 80, bet Gräfin Johanna-Schacht mit 20, die Eastellengogrube mit 24. Derginfpektion mit 4 Hindenburg mit 25 und die Abwährgrube mit 38 Prozent, aber sämtlich nur über Tage. Die übrigen Gruben liegen still. Von den Hüttenbetrieben traten außer den bereits gestern streikenden Rütgerswerken noch öle vberschlesischen Kokswerke und die staatliche Hütte in Streik; öu übrigen Hüttenbetrrebe arbeiten noch voll. Der oeutfcy-russiscye Konflikt. Berlin, 6. Mai. (Wolff.) Die tommu» »istische Fraktion des Preußischen Landtags hat eine grohe Anfrage eingebracht worin sie unter Hinweis auf die polizeiliche Durchsuchung der Berliner Handelsvertretung der Sowjetunion erklärt: Diese grobe Verletzung von Verträgen und voller- rechLlichenGepslogenheiten gefährdet aufs schwerste die politischen und wirtschaftlichen Interessen, dio die deutschen und russischen Arbeiter und Dauern verbinden. Die Fraktion fragt das preußische Staatsminisleriunr. wer dem Polizeipräsidenten Richter und dem Oberrcgierungsrat Weih den Auftrag zu dieser Polizeiaktion erteilt hat, ob der Polizeipräsident vor Einleitung der Polizeiaktion den preußischen Minister des Önncrn informiert hat, und ob der Minister deS Innern und daS Staatsministerium die Tat-- sache und die Art der Durchführung der Polizeiaktion billigen. Hierzu teilt die D. A. 3 mit, dah der preußische Minister des Innern über das ihm von der Berliner Polizei übermittelte, in der Handelsvertretung beschlagnahmte Material berichten dürfte. Die in der Handelsvertretung Vorgefundenen Druckschriften seien bereits ün vorigen Oktober derDe schlag nähme verfallen. Der kommunistischen Partei sei es jedoch gelungen, größere Destände dieser und anderer Flugblätter in dieRäume der rufsischenHandels- Vertretung zu verbringen, wo sie jetzt von der Polizei entdeckt worden sind. Schließlich sei von der Polizei auch wiederholt beobachtet worden, daß anläßlich der Waffen- k ä u s e für die kommunistische Partei immer wieder Persönlichkeiten feftgestellt worden feien, die zu der Handelsvertretung in irgendeiner Beziehung standen, die jedoch jebeSmoI, wenn die Polizei zu gegriffen habe, üls entlasse ne Angestellte bezeichnet wurden. 3*i dem Vorfall sagte Litwinow tn einer Unterredung mit einem Vertreter der Russischen Telegraphen-Agentur u. a : Das Sin- dringen in Handelsreetretung bedeute eine formelle Mißachtung der Exterritorialität und eine Verletzung der Sowjetregierung. Die Exterritorialität der Handelsvertretung sei in dem Abkommen v)m 5. Mai 1921 seßgel-rgt und in dem Rapallovertrag bekräftlgt worden. Die Frage, >b der Zwischenfall das Ende deS Freundschaftsverhältnisses bedeute, müsse selbstverständlich verneint werden, leinen Augenblick könne angenommen werden, daß die deutsche Regierung ben zwischen dem Sowjetbund und Deutschlano bestichenden freundschaft- lichen BeztkHungen mit Bedacht ein Ende machen wolle. Fraglich sei, )b es zweckmäßig sei, die «-uflisch-deutsche Freundschaft auf die Probe 5? stellen und alle Folgen zu übersahen, welche ein«' feindliche Handlung der Leutchen Regierung nach fich ziehen könne. Der deutschen Regierung dürfe begreiflich fein, daß der Zwischenfall Len deutsch-rnfsifchen Beziehungen eine» empfindlichen Stoß versetzt habe. Bon der deutschen Regierung würde es abhängen, den bedauernswerten <^vischenfalt wieder gutzu- machen. Unterdessen sei der Botschafter Kreit i n s I i angewiesen worden, nach Moskau a b z u r e i s e n, falls er keine volle Genugtuung erhalte, um hier Bericht zu erstatten und über die weiteren Schritte zu beraten. Die Sowjetregirrung ?ei jedoch fest überzeugt, daß die deutsche Regierung die Aufrechterhaltung der Festigung der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder nicht geringer einschähe als die Sowjetrepubliken, »und bemüht sein werde, den Zwischenfall aus der Welt zu schaffen. Hierzu erklärt die 2L3": Der Ton der Aeußerungen Litwenows muh zurückgewie- f e n Lerden. Die Voraussetzung, von der das Interview ausgeht — ExtecritoriÄität der Handels- vertrÄung — ist falsch. Mit allem Nachdrucke maß die Frage gestellt werde», welchen polltifcheu Nutzen sich die russische Negierung von dieser Behandlung des Zwischeufalls verspricht? Litwinow erklärt auch, daß der Zwischenfall selbst- 'verständlich rein Ende des Freundschafts verhält- vjsses bedeute, seine Erklärung dient jedenfalls diesem Zwecke kaum. Stehen doch zu ernste Dinge aus dem Spiet als daß aus diesem Anlaß eine Haupt - und Staatsaktion hervocgerufen werden dürfte. — Das „D. T." bemerkt: Eine un- »uretchende Berichterstattung über den Zwischenfall muh die Klarheit des Urteils in Moskau außerordentlich getrübt haben. Sonst könnte niemand hinter dem Vorfall, der durch die Unge- Himrnel und Hölle. Don Fritz Müller (Partenkirchen)-Cannerv. Als ich neulich über die Straße ging, spielten sie Himmel und Hölle. Ein Geschrei war und ein Aufstand, als wäre daS Jüngste Gericht. Ich drückte mich in einen dunklen Winkel und schaute zu. Zuerst verstand ich's nicht. So einfach war die Technik von Himmel und Hölle nicht. Da waren neben- und aufeinander fünf dicke Rechtecke mit Kreide auf dem festgestampften Boden ausgezeichnet. Dann kam ein langes schmales Rechteck. Und darauf aufgebaut sieben Kreidekreise. Nach und nach brachte ich's aus dem Geschrei heraus: Die fünf dicken Rechtecke waren Höllen verschiedenen Grades. DaS schmale Rechteck war daS Fegefeuer, UnZ> die Kreise waren nacheinander sieben Himmel. Alle Buben und Mädel hatten anscheinend dasselbe Sündenregister auf dem Buckel. Denn alle fingen sie nach dem Tode — mit dem Tode! erst begann das Spiel — mit der dicksten unteren Hölle an. Und alle muhten sie sich nach und nach mit viel Geschrei und wechselndem. Erfolg zum siebenten Himmel durcharbeiten. Und das merkwürdigste war: Diese Arbeit geschah auf einem Dein, nur auf einem Deine hüpfend war es möglich, sich durch die Höllen in den Himmel aufzuschwingen. — Wer innerhalb der Kreidefiguren auf zwei Deinen zu stehen kam, der muhte unter unerbittlichem Hallo zurück to die Figur, aus der er kam. Eins nach dem andern von den Mädeln und Buben hüpfte unter scharfer Aufsicht aller Mitbewerber innerhalb der Kreidestriche wild herum pnd stieß leige Seele mit dem Fuße vor üch her. schtMchren zweier württiemberglfcyer Vottpaivp- ften Plötzlich entstanden ist, einen vorbedachten Plan, ja ein politisches Komplott der Rcichsregierung wittern. Nur in ernem fttm- mcn wir mit Litwinow volllommen überein, daß man hier wie in Moskau nicht imgeringsten Sehnsucht nach, einer Trübung des Verhältnisses zu Rußland hat. * Der Bot schafter der Union tec Sozialistischen Sowjetrepubliken verließ heute abend Berlin und trifft morgen abend im Flugzeugin Moskau ein. ®er gestern abend aus London nach Berlin zurückgekehrte Leiter der Ber- linerHandelsvertretung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken reist morgen nach M 0 s k a u ab. Die hannöverschen Separatisten. Berlin, 7. Mai. (WTB.) Beim Reichskanzler ist heute aus Hannover folgendes Telegramm eingegangen: Eine reibungslose Vorab st i m m u n g ist durch die maßlose Beeinflussung der preußischen In - st a n z e n schwer gefährdet. Die preußische Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten und des hannoverschen Oberpräfidenten stellt die verfassungsmäßige Durchführung der Abstimmung am 10. Mai in Frage durch amtliche Leitung einer Gegenagitation und Bereitstellung namhafter Geldmittel des Staates sowie durch die Verwirrung der Dolksmeinung durch amtliche Flugblätter, ferner durck einen weitgehenden Druck auf die Beamten und vieles andere mehr. Die reichsmini st erlichen Aeußerungen tragen daran die Mitschuld. Wir legen Verwahrung ein vor der aller Demokratie hohnfprechenden Vergewaltigung der Reichsverfassung und der unerhörten Hetze gegen die kerndeutsche, nur ihr verfassungsmäßiges Recht fordernde Bewegung. Wir rufen den Schatz der Reichsregisrimg an und fordern als einzige Gewähr für eine loyale Abstimmung sofort' einen unparteiischen Reichskomissar für Hannover. Die Vertrauensmänner und Bevollmächtigten für die Abstimmung: Hofkammerrat Meyer, Graf Dernstorff, Iustizrat Ra^en, Alpers. Der Reichskanzler sandte daraufhin an den Hofkammerrat Meyer-Hannover folgendes Telegramm: Die verfassungsmäßige Durchführung der Dorabstimmung ist durch die Maßnahmen und Leitung der Reichsreg'.erung vollkommen gesichert. Die Ausführung der Anordnungen liegt in den Händen der Äeichsbeamten in Hannover und die Bestellung eines Rsichskom- missars ist danach völlig überflüssig. Wenn zur Abwehr der Abtrennungsagitation das beteiligte Land Preußen, durch seine berufenen Vertteter den preußischen Standpunkt wahrt, so ist hiergegen verrassungsmähig nicht das mindeste einz uiw enden. Ebenso haben die Mitglieder des Äeichskabinetts in ihrer Stellungnahme zur hannoverschen Frage mir ihr gutes Recht zur Meinungsäußerung als Reichs- und Staatsbürger, insbesondere als Angehörige der durch die Abstimmung mit bettoffenen preußischen Westprovinzen, ausgeübt und dabei lediglich der in diesen Laudesteilen herrschenden Stimmung Ausdruck verliehen. aez. Marx. > i >■ ■■ ~ --: Die mecklenburgische Regierungskrise. Schwerin, 7. Mai. (WTB.) Bei der heutigen Wahl des Ministerpräsidenten im Mecklenburgischen Landtag wurden 63 Stimmen abgegeben, davon entfielen auf Freiherrn von Branden st ein (Dtschntl.) 24, auf Stelling (Soz.) 15, auf Höllein 8 und auf Wendthausen eine Stimme: 15 Stimmzettel teuren unbeschrieben. Da sich hiernach keine absolute Mehrheit für von DranLenstein ergibt, die Z.chl der übrigen Stimmen vielmehr ebenfalls 24 beträgt, wurde eine Stichwahl notwendig. Bei der Stichwahl erhielten von Brandenstein 24 und Stelling 22 Stimmen, während 16 Stimmzettel nicht beschrieben waren und eine Stimme ungültig war. von Brandenstein ist somit wieder- gewählt. Da er sich aber nicht im Hause befand und infolgedessen seine Zustimmung nicht erteilen konnte, muhte auch die Wahl der Minister verschoben werden. Amerika und die japanische Einwanderung. Washington, 8. Mai. (Hcwas.) Die vereinigten Ausschüsse des Repräsentantenhauses und des Senats haben auf Vorschlag des Präsidenten Evolidge beschlossen, als Tag des Inkrafttretens des neuen Auswanderungsgeseyes, das die Japaner aus den Vereinigten Staaten aus- schliehen wird, dem Parlament Sen 1. März 1925 Su empfehlen, unter der Bedingung, daß inzwischen Verhandlungen über die Ausübung des Settlementagrement begonnen würden, das solchen Japanern den Zutritt zu den Vereinigten Staaten gestattet, die keine mit der amerikanischen konkurrierende Handarbeit betreiben. Kleine politische Nachrichten. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages wird am 13. Mai zusammentreten, um sich mit dem Staatsvoranschlag für 1924 zu beschäftigen. Die Verhandlungen werden mehrere Tage dauern. Auch der GesetzgebungSausschuß wird demnächst mit seinen Beratungen beginnen. * Der „'Berliner Lokalanzeiger" und das als Nachfolgeblatt der Zeitschrift „Licht und Leben" erscheinende Blatt „In der Familie" sind für das besetzte Gebiet verboten worden. • Wegen Aufforderung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilte das Volksgericht den Redakteur der „Völkischen Deutschen Press e", Scheidle r, zu 600 Mark Geldstrafe. Scheibler hatte in einem Leitartikel erklärt, daß die Verurteilung Hitlers nicht hingenommen werden könne. .* Im britischen Unterlaufe tellte der Unterstaatssekretär Vonsonby mit, daß die Ernennung eines britischen Konsuls im Saargebiet augenblicklich zur Erwägung stehe. ** Der Vertrag zwischen England und den Vereinigten Staaten über den. Transport gei- stiger Getränke aus Schissen hat die Unterschrift des britischen Königs erhalten. Nach seinen Bestimmungen können nunmehr britische Schiffe unter Verschluß gehaltene geistige Getränke innerhalb der amerikanischen Gewässer be- fordern. Die amerikanischen Zollbeamten erhalten das Recht, des Schmuggels verdächtige Schiffe anzuhalten und zu durchsuchen innerhalb einer Entfernung vom Ufer, die man in einer Stunde Dampferfahrt zurücklegen kann. * Bei den Vorwahlen für die Präsidentschaft in St. Franzisko hat Präsident Evolidge 240 000 Stimmen erhallen, während Johnson nur 195 000 Stimmen erhielt. Die Niederlage Les letzteren ist um so bemerkenswerter, als Kalifornien seine Heimat ist. * Das amerikanische Repräsentantenhaus hat mit 211 gegen 115 Stimmen ein Gesetz angenommen, nach dem China der Rest d?r Doxerent- schädigung erlassen wird. * Nach dem „Echo Le Paris" weichem bei dem am 25. Mai zu erwarteten Desuchdes serbische n^Konigspaares in Paris möglicherweise ähnliche Verhandlungen wie zwischen Frankreich und Rumänien auch zwischen Paris und Belgrad ausgenommen werden. Das rumänische Königspaar ist zum Besuch des schweizerischen Bundesrats in Bern eingetragen. Der bekannte Schachmeister Capablanca soll sich eifrig an der kubanischen Revolution beteiligen. Gr habe die Rolle eines Ratgebers Ler Aufständischen gespielt und In einem Neuyorker Hotel ein politisches Bureau eröffnet. Alle seine Pläne — fügt das Blatt hinzu — seien fix und fertig, um die Regierung schachmatt zu setzen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Mai 1924. Gietzeuer Mochenmarktpreise am 8. Mai 1924 (Händlerpreise). Gs kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt: Butter 1,90 Mk., Matte 35 Pf., Käse 50 bis 70 Pf. das Pfund, Eier 10 Pf. das Stück Wirsing 60 Ps., Weißkraut 50 Ps., gelbe Ruben 25 Pf rote Rüben 30 Pf., Spinat 70 Pf Spargel 1 bis 1,40 Mk. das Pfund, Blumenkohl 2 bis 4 Mk., Salat 50 bis 70 Pf., (Salat» gurken 1,50 Mk., Lauch 10 bis 20 Pf., Sellerie 30 bis 80 Pf. das Stück, Feldsalat 2,50 Mk. Meerrettich 40 Pf. bis 1,50 Mk., Schwarzwurzeln 1 Mk., Rhabarber 50 Pf., Aepfel 15 Pf., Dörrobst 35 Pf. das Pfund, Radieschen Dd. 30 Pf. * Militärpersonal ie. Hauptmann Flörke, bisher im 111. (Häger-) Bataillon des 15. Infanterie-Regiments Kassel, ist mit Wirkung vom 1. Mai in den Stab des 15. Infanterie;'' Regiments nach Gießen versetzt worden. Die Seele hatte die Form eines platten Steins. Und nun galt es, diese: Seele vermittels des hüpfenden Fußes in die nächste Kreidefigur zu stoßen. „Teufel, das ist nicht leicht,' "murmelte ich, solange die Seele in den höllischem Bezirken herum- ftatterte. „Simmel, das hat der Teufel gesegnet," murmelte ich, wenn es aus dem Fegefeuer in den Himmel gehen sollte. Jetzt eben war es einem hüpfenden Mädchen gelungen, ihre Seele aus der letzten Hölle herauszuschleudern. Aber 0 Jammer, die Seele übersprang das allzuschmale Fegefeuer und tauchte in den ersten Himmel. Höllisches Hohngelächter ringsum. „Zruck, Sophie, zruck! Der Sophie ihre Seel muß wieder in die letzte Hölle, hurraxdaxl" Die Sophie war nahe am Weinen. Jetzt kam ein Heiner, dicker Junge an die Reihe. Dessen Seele lungerte noch in der ttefsten Hölle. Mit Schwitzen und mit Vorsicht bugsierte er sie durch drei Hollen durch. Hetzt verschnaufte er ein wenig. Dabei vergaß er aber, daß das linke Bein nicht auf die Erde durfte. „Halt, der Sepp steht auf zwei Fuß!" erscholl es in der Runde, „zurück mit feiner Seel!" Enttäuscht schaute der dicke Sepp an seinen zwei Fußpseilern herunter und trug seine Seele mißmutig wieder in die vorhergehende Hölle. „Jetzt kommt die Leni," hieß es. Und ein schlankes und behendes Mädchen schlängelte ihre Seele gewandt bür') drei Höllen und durchs Fegefeuer hindurch. „Jetzt kommt die Leni als erste in den Himmel," hieß es ringsum, bewundernd und' beneidend. „Leni, nimm mich mit“ taute ein Iunae lustig. Da muhte die schlanke Leni lachen. Und mit dem Lachen kam der Schwung zu kurz, so daß die Seele der Leni gerade auf den Kreidestrich zwischen Fegefeuer und erstem Himmel zu liegen kam. „Durch!" riefen der Leni ihre Freunde, „das größere Teil ist schon im Himmel." „Zurück!" riesen der Leni ihre Feinde, „das meiste steckt noch in der Hölle." Und nun begann ein Streiten und Messen um der Leni Seele. Mit Daumennägeln und zuletzt mit Strohhalmsbreiten wurden der himmlische und der höllische Teil von Lenis Seele abgemessen. Und endlich verkündete der Franz mit siegreich geschwungenem Strohhalm: „Hurra, die Leni ist um ein und einen halben Strohhalm mehr im Himmel!" Die schlanke Leni warf ihm einen Blick zu. einen himmlischen Blick. Und nun geschah es, daß sich auch Franz im Himmel fühlte, trotzdem seine schwarze Seele noch weit unten in der zweiten Hölle schmorte. Weiter ging das Kampfspiel von der Hölle in den Himmel. Ein Stoßen war und Schreien, ein Jubeln unb ein Brummen: So mochte es am Jüngsten Tage zugehn. Scharf war die Gerech- ttgkeii. Unerbittlicher gerecht hätte auch das Jüngste Gericht nicht sein können. Rur dah dort die Reden sicher heiliger geklungen hätten, wie sie hier erklangen. Eben war der Sepp wieder einen Himmel Weller geflogen, als er hätte sollen. Empört wies er auf den Kreidestrich, der an der kritischen Stelle ungeometrisch ausgebuchtet war: Und da stellte sich heraus, dah der Paal den irregulären Himmel mll der Krude voraezeichnet \ hatte. ' ^vvlrsyochschiule. Das neue öemefter beginnt am nächsten Montag. (Siehe heutige An- zeige.) * * 116er-Verband. Die Vorarbeiten zur Errichtung des Ehrenmals für b-te gefallenen Helden vom Regt. 116 und feiner Kriegsformationen find soweit vorgeschritten, daß die Grundsteinlegung anläßlich des diesjährigen U6er-Lages Anfang August stattfinden kann. Zur beschleunigten Fertigstellung sollte eine allgemeine Sammlung im Lande veranstaltet werden, die jedoch von der hessischen Regierung nicht genehmigt wurde. Man hofft aber von der bewährten Opferfreudig- kett der Kameraden, daß sie auch ohne ein« allgemeine Sammlung die Vollendung des Ehren- und DankeSzeichens durch Dellräge und Stiftungen ermöglichen werden. *• Arbeitsjubiläum. Gestern konnte der bei der Firma Heinrich Fillmann Wwe., Glasergeschäft am Asterweg, beschäftigte Glaser- meister Wilhelm Daubert aus Grünbera, auf eine 25jäh-ttge Sätigfett bei der Firma zurückblicken. **WerkenntdenSelb st Mörder? Gestern vormittag gegen 81/» Ahr hat sich ein bis jetzt noch unbekannter, anscheinend geisteskranker junger Mann in selbstmörderischer Absicht hinter dem Güterbahnhof in' did Lahn gestürzt und ist erttunken. Der Mann war etwa 25 Jahre alt, mit einem Hellen Gummimantel bekleidet, hatte einen hellbraunen Filzhut ans und trug eine schwarze Wachstuchaktentasche bei sich. Die Leiche ist noch nicht geländet. Personen, die Auskunft über den Unbekannten geben können, wollen sich bei der Kriminalpolizei melden. H. Prof. Muckermann sprach gestern über „Werdende Menschen". Die ^e soll zwei Ausgaben erfüllen. Einmal vereinigt sie Zwei Menschen zur Lebensgemeinschaft und ist dazu bestimmt, das Triebleben menschenwürdig zu regeln. Der tiefere Sinn der Ghr ist aber bi? Fortpflanzung, das Kind. Eine gesunde Ehe kann sich nur auf vollkommener Gleichstellung zwischen Mann und Frau aufbauen. Verlangt man vom Weibe sittliche Reinheit, so muß man sie auch vom Manne verlangen können. Es besteht heute eine große Strömung im Volke, die dafür eintritt, daß in gewissen Fällen eine Tötung des keimenden Lebens erlaubt sein'solle. Einmal führt man wirtschaftlich-soziale Gründe an. Aber es geht nicht an, daß man aus wirtschaftlichen ©rünben ein Menschenleben beseitigt. Wirtschaftliche und soziale Probleme muß man wirtschaftlich bekämpfen und nicht durch die bequeme Art der Tötung des Kindes aus der Welt schaffen. Ferner führt man rassenhtzgienische Gesichtspunkte an. Doch auch diese sind falsch. Denn vor allem ist die Wissenschaft noch^ gar nicht so weit, um mll absoluter Genauigkeit feststellen zu können, ob das werdende Kirw krank oder gesund ist- und auf eine bloße Vermutung hin darf man kein Geben beseitigen. Kommt tatsächlich bann das Kind krank xur Welt, so darf natürlich eine Fortpflanzung dieses Kindes unter keinen Umständen geduldet werden. Zweifellos die schwierigste Frage ist die ob man das werdende Leben vernichten barf’ um die Mutter zu retten; aber auch dies lehnt der Redner ab. Einmal muß man bet Natur Rechnung trogen, die bei der Geburt der Kinder im Mutterherzen oft ungeahnte Kräfte entfaltet. Dann ist zu bedenken, bah im Siirzelfalle oft viel besser durch Bekämpfung der Krankheit geholfen als als durch Tötung des an der Krankhell völlig unschuldigen Kindes im Mutterleib. Vor allem ober muh man sich beugen vor den Geboten bet natürlichen Ethik, die die Tötung von Menschenleben verbietet. Zum Schlüsse kam der Redner noch auf das junge Kind zu sprechen. Auch diesmal wußte der Vortragende feine Hörer vollkommen zu bannen. Bornotizen. — TageskalenderfürDvnnerStaL. Stadttheater: 61/2 Uhr „Mignon". — Neue Aula: 8 Uhr Vortrag von Prof. Muckermann „Werdende Reife". — Rundfunkhaus Loderst raße: 8V3 Uhr Männerquartett. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Graf Cohn". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns mUgeteitt, dah bei der heutigen Aufführung von „Mignon" Rich. v)m Schenck als Laertes und Adolf Riedel als Friedrich mitwirken werden. — Der Bühnenvvlksb und will jetzt seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Zur Werbung von Mitgliedern hat er Einzeichnungslisten in den Buchhandlungen und bei Challier aufgelegt In Vorbereitung ist zunächst „Wieland, der Schmied" von Friedrich Lienhard. Die Spiel- „Wenn d' fein’ bessern Himmel machen kannst, nacha dersst dich Heimgeigen lassen!" „So? Also trenn du ein’ schöner'n Himmel machen kannst, da hast d' Kceid'n!" Und der Angerufene schickte sich eben an, ben Duckel aus dem Himmel hinauszubringen. „Halt, des gibt's net — wie der Himmel iS, so bleibt er — drei sind schon durch ben buckelten Himmel durch — die mühten sonst auch wieder zruck — tu bei’ Kreid'n to .j, damischer Hans- wurscht, und laß ben Himmel stehn, sonst hau'n wir dir eine runter, mei’ Liaber!" Da ließ der damische Hanswurst ben Himmel wie er war. Auf einmal war die Sophie niedergefallen, gerade auf die höllischen Rechtecke. Man lachte. Aber wie sie aufstand, zeigte sich das Unalück: »Iefles, b' Sophie hat mit ihre dummen Röck' die vierte Holl' ausgewischt l" Aber der Sachverständige für Höllenkreise hatte bald den Schaden wieder gutgemacht. Eifrig ging es weiter. Die Gesichter glühten und die Augen glänzten. Ich aber schaute unb schaute. Und auf einmal schaute ich durch die kindischen Kreidekreise durch und sah darunter das Leben der Erwachsenen liegen. Sonderbar — es deckte sich genau mit oben ... 2lls ich mich leise aus meiner dunklen Nische fortschlich, war die schlanke Leni mit ihrer Seele unter Iubelgeschrei gerade im siebenten Himmel angelangt Dicht auf den Fersen folgte ihr des Franzens Seele. „Da is nur der windige Himmel schuldF rief er, „wer hat beim überhaupt den buckligen Himmel da gemacht?" liegt tn Hürtven ernes MxmrfurtLr öptet» — Deutf chnalionale VvlkSpartei. Nächsten Montag abend, 12. Mai, spricht der neu- gewählte Rcichsttrgsa.bg. Prof. Dr. Werner in einer Mitgliederversammlung im Postkeller, wozu «auch Gäste sehr willkommen sind. (Siehe Slnseige.) — »Helen a". Man schreibt uns: Manfred M oa, dessen „Nathan der Weise" der erfol'greich- Iste deutsche Film des letzten Jahres war, hat in Dem grandiosen Stoffe vom Untergang Trojas die Grundlage seines neuen Filmwerkes gefunden, idessen riesige Aus mutze alles bisher Dage.resrne tn den Schatten stellen. Für die Titelrolle des Films der ein Jähr lang ungezählte Menschen beschäftigte, fand Roa die Italienerin Edy Da r- walt Rudolf, L. Selig, Mannheim. T.o- phil Walter, Frankfurt a. M. Frankfurter Börse. Frankfurt a M. 7. Mai. Tendenz: Flau. — Der Streik bezw. die Aussperrung im Rheinisch» westsälischen Kohlenle gbau, sowie die innerdeutschen Schwierigkeiten hinsichtlich der Kabinettsbildung machten einer außerordentlich schlechten Eindruck und bewirkten, das) das Angebot überaus stark anschwoll, während gleichzeitig von gearbeitet, denn bis man mit Deutschland fertig fein wird, werden sich aus den russischen Bolschewist en-Proletariern wohl „höhere" Finanzmag- naten entwickelt haben, worüber man gerade in England, via Bank of England, nicht ganz un- unterrichtet ist. Hnt) wenn diese Entwicklung In Ruhland nicht den gewünschten Weg gegangen fein sollte, so hat man ja für alle Fälle immer noch den Plan von Marschall Fach. Mit der Türkei, mit Polen, der kleine i Entente und, „last not least", dem Kanonenfutter aus dem zertrümmerten Deutschland und Japan im Osten wird es Tein Risiko mshr sein, jedenfalls em ganz bedeutend geringeres, als es Napoleon 1812 zu bestehen hatte. Finanziell hatte Amerika zunächst Frankreich in der Hand. Lieber Frankreich bezw. Frankreichs Hilfe, „finanziert" es jetzt Polen, die kleine Entente, z. L. auch Oesterreich, die neue Türkei, nach der furchtbaren Heimsuchung Hapans auch dieses Reich, und wie lehr Amerika in Rußland schon vordringt, zeigen täglich die Berich e von dort. Wenn es sich in diesem Lande auch noch nicht um ernstliche Sanierungen handelt und Ftna.,zakstonen großen Stiles noch ausgeschlossen smd, so zeig* sich doch ganz deutlich schon die amerikanische Absicht, England aus Rußland gänzlich auszuschalten. Das war auch der Grund, warum man die, allerdings etwas voreiligen, groben amerikanischen Hafenanlagen in Dänemark plante und bereits auszuführen begonnen hat. Aach in China dringt Amerikas Finanzmacht immer stärker vor, so allmählich ganz Asien, einschließlich dessen westlichen Ausläufer, Europa, in ihre Rehe ziehend. Es ist klar, daß solche Herrschaft auf die Dauer nicht möglich ist, wenn sie nicht zugleich sich auf eine militärische Macht stützt. Darum das Zusammenarbeiten Amerikas mit Frankreich, der augenblicklich stärksten Militärmacht! Da es sich dabei letzten Ende? um die Austragung des Machtkampfes zwischen Amerika und England handelt, so ist verständlich, warum England in immer schärferen Gegensatz zu Frankreich geraten must, denn wo auch in der Welt heute England Schwierigkeiten bekommt, steckt immer Frankreich und dessen heimlicher Verbündeter, Amerika, dahinter. Längst schon würde England versucht haben, energischer gegen Frankreich vorzugchm, wenn cs sich dazu nicht *u schwach fühlte, denn es müße ja diesen Kampf heute allem führen. Verbündete findet es heute nicht. Der einzige Verbündete, der als erster in Frage kommen könnte, Deutschland, ist infolge Mangels jeder außenpolitischen Betätigung, als Folge der heute in Deutschland herrschenden „internationalen", marxistischen und pazifistischen Geistesströmung nicht nur ungeeignet, sondern auch im höchsten Grade unzuverlässig: mit dem gegenwärtigen Deutschen Reiche ist ein zuverlässiges Bündnis überhaupt nicht zu schließen, wie denn auch von dem gegenwärtigen Deut- chen Reich nicht erwartet werden kann, dast es ich bewußt wird, welch ausschlaggebende Rolle es In dem, bereits im Gange befindlichen, vorstehend geschilderten Weltmachtskampfe spielen könnte. Tazu müßte zuvor tn Deutschland eine vollkommene, politische und wirtschaftliche Wandlung iattgefunben haben. Zunächst ersch e.i es wichtig,' auch das zuerst Rotwendige, die außenpolitischen Entwicklungen zu zeigen, aus denen heraus schon ich für das deutsche Volk die zwingende Rotwendigkeit ergibt, die inneren Kämpfe schleunigst zu beenden, damit die Kräfte der Ration frei werden zum Kampfe gegen die Gefahr, die, wie geschildert, von außen droht. Die Weltpolitische Lage. II. /©er die englische Politik verstehen will, muß sich nach Kalkutta begeben" sagte einstmals Lord Curzon, und er traf damit den Aagel auf den Kopf. Wer den Grund kennt, warum Indien vollkommen anders von England behandelt bezw. verwaltet wird, wie alle anderen Kolonien, der toeifj, welche Sorge jeder englische Staatsmann um Indien empfindet. Mit Indien stLht und fällt di- britische Weltherrschaft. Der Goldstrom, dec 0adr für Jahr aus Indien gepreßt wird, um den jedes Jahr Millionen Inder Hungers sterben müssen, der sich über England in seine Kolonien ergießt und der die britische Flotte erhalten must, er ist es, der allein Englands Herrschaft aufrecht erhält. Darum ist es nur zu begreiflich, daß- man in England nervös wird, wenn feine Herrschaft über Indien in Gefahr kommt, sei es nun, dast sie von außen her bedroht wird oder aus Indien selbst heraus. Das weist man sehr wohl in Amerika, das weist man aber auch in Paris, das haben alle großen Gegner Englands gewußt, so daß ein Kampf gegen England immer -ein Kampf um Indien werden mußte älnd um Indien geht wieder das Spiel . Von Osten, Rochen und Westen soll es angegriffen werden. Dazu find umfassende Vorbereitungen erforderlich, aber sic werden still und beharrlich getroffen, älnö mit weiter Voraussicht. Kaum war die Revolution in Deutschland erfolgt, als auch- schon der französische Marschall Ioffre in Japan eintraf. Zweck: Vorbereitung der Lösung des englisch-japanischen Bündnisses (zu dessen definitiver Lösung England auf der Konferenz zu Washington gezwungen wurde) und Anknüpfung einer fran- zösisch-amerilanisch-japanischen Verständigung über Rußland und China. Deshalb die Bereisung Rordchinas und Ostsibiriens durch Ooffre, in Begleitung hoher japanischer Offiziere Was das bedeutet, weiß man in London, weshalb man dort schleunigst den Ausbau von Singapore zu einem starken Flottenstützpunkt verlangte. Zwar tröstet man sich in London noch damit, dast die von Osten drohende Gefahr infolge dec Ereignisse in Japan augenblicklich nicht in Erscheinung treten Man, denn Japan hat für die nächste Zeit andere Sorgen, aber gerade diese japanischen Sorgen, so must man in London fürchten, müssen Hapan noch enger an Amerika brnden, well Amerika am besten Tn der Lage ist, Kredite an Japan zu gewähren. älnd dieser Ki edite bedarf Hapan drin- genöer wie je. Gerade aus dem japanischen Erdbeben zeigt sich schon die Wirkung des Wätkneges in Bezug auf die Verschiebung dec Weltsinanz- heirschaft von England nach Amerika ganz deutlich. Man must also m England fürchten, daß die augenblicklich verminderte japanische Gefahr tn absehbarer Zeit sich mit verdoppelter Heftigkeit Wieder einstellen ipird. Es besteht jetzt weniger wie zuvor die Möglichkeit, Japan in fein altes Bündnis zu England zurückgewinnen zu können. Viel brennender wird die Gefahr für Indien von Westen und Rorden her. Richt umsonst hat sich die letzte britische Reichskonferenz so eingehend mit dem Repo rationsproblem beschäftigt, ja, sie hat sich eigentlich nur mit diesem Problem' beschäftigt. Deim in England sieht man sehr klar, dast die Lösung dieses Problems die Beseitigung der dem britischen Weltreiche dröhenden Gesamt- gefahr bedeuten würde. Wenn eine Lösung möglich wäre, müßte sie allerdings England nach jeder Richtung hin Gewinn bringen. Zunächst müßte die gewaltige Finanzauf^be, die mit Lösung dieses Problems verbunden ist, in englische Hände Lmmcn; wie und wer an d'.eßm Finanzgeschäft beteiligt werden würde, hätte England zu bestimmen: auch Tempo und Ausmaß würden von England bestimmt werden. Die Verständigung Über das Reparationsproblem müßte zur Folge haben die Verständigung und Festlegung der po- titischen Ansprüche der ^Beteiligten, also In erster Linie Frankreichs, denn es ist einleuchtend, daß vhne solche Festlegung der politischen Ansprüche xjar ■ keine Finanzabkommen getroffen werden rönnen, die nur für 24 Stunden Geltung haben könnten. Würben diese politischen Ansprüche ober festgelegt, so müßten sie den Verzicht Frankreichs auf alle Machtansprüche bezw. Machtabsichten auf die Vernichtung Deutschlands aussprechen, und damit würden alle Dundnis'e gegenstandslos werden, die Frankreich sowohl mit Pvlen, als mit der kleinen Entente, als auch mit der 'Türker geschlossen hat Es müst'e auch gegenstandslos werden die Absicht Frankreichs auf Rußland, mit dessen Hilfe allein d.e ernstlichste Bedrohung Indiens möglich ist. Es müßte aber auch gegenstandslos werden das Interesse Amerikas an den tatsächlichen politischen Absichten Frankreichs. Hier liegt der Kernpunkt des Problems. 1 Denn mit Frankreichs Hilfe will Amerika sich dauernd den Gewinn sichern, ten es im Weltkriege gewann und den es England raubte. Wer die politischen Geschehnisse des Weltkrieges 'und vor allem diejenigen nach dem Kriege aufmerksam verfolgt hat, wird festgestellt haben, dast in allen Phasen der Entwicklung Amerika stets dann auf Frankreichs Seite trat, wenn es diesem tn seinem Kampfe gegen England brenzlich zu gehen drohte, angefangen von der Konferenz tn Washington, d<.m Versailler Vertrage, der Konferenz in Genua bis zur eiligen Entfernung der amerikanischen Truppen beim Ruhreinbruch der Franzosen. Immer 'hat Amerika heimlich Ft untre ich unterstützt, wenn es häufig noch so laut in seiner Presse scheinbar gegen Frankreich zeterte. Man sott sich gar keinen Illusionen darüber 'bingeben, dast die Existenz des Deutschen Reiches Amerikas Absichten genau so gut im Wege steht als denen Frankreichs. Hab beider Absichten gehen über die Beseitigung des Deutschen Reiches zur Herrschaft über Rußland. Dann hat man mit russischer Hilfe nicht nur China tn der Hand und über China auch Hapan, sondern damit und mit Hilfe der Türkei ist auch das Schicksal Indiens besiegelt bezw. die Frage der Vormachtstellung im britischen Weltreiche und in der Wlt entschieden, älnbmit Amerikas Hilfe, d. h. mit der Macht des neuen angelsächsischen Weltreichs, teiEi Frankreich dann seine Herrschaft in Europa dauernd auf- recht zu erhalten. In der Türkei hat Frankreich von Westen her gut vorgearbeitet und England eine ganz empfindliche Rieder tage cdebt. Mit Amerikas Hilfe wird die neue Türkei finanziert werden, wie schon der F eihLitskampf Kemal Paschas von Frankreich-Amerika finanziert worden ist. In Rußland hat die Bolschewisten he r r= schäft einer Verständigung bezw. älnVerordnung unter die „höheren" Finanzinteressen gut vor- 5% Deutsche NekchSanlelve 4*/0 Drinsche Nkichranlelbe . 8'/«*/« ®eutf(te NcichSanleih, 8*A Deutsche Retchsanleihe . Deutsche Svarpräinienanleib« $/e preußische Konsols . . . iMH:::::::::: Deutsche Wertb. Dollar-An!. dto.Doll.-Schay-Anweisung.^ <•/, Zolltürlen......... E°/o Coldmerikanrr .. . . v-rUner HandelSqesellschaft. Commerz- inib Prtvat-Bank. Darnist. und Na'ionalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Beretn-bant .. . DiSconto Commandit .... Metallbau!........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Oeswreichische Lreditanstal». Westdauk........... vochumer ®a| .». ««. . Buder s....... . . . . Laro ...... Deutsch.Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerk» . . Barpeiier Bergbau..... Kaliwerke SlschcrSleben. . . . Kaliwerk Westeregeln.» . . . Laurahütte....... . . , . Oberbedarf....... Vhöuir Bergbau ...... mneiimabl........... Riebest Montau ..... LelluS Bergbau....... vaniburg-ümerika Pak»». .. viorddemscher Llovd . . . ,. Ctrramische Werke Albin .. 8emenNverk Hetdellxra . .. bilipv Holzmanu ...... Anala-Cont.-Kuano Badische Anilin........ Chemische Mayer Alapin. . . (Goldschmidt.......... Kricöheimcr Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverlohlung........ mütgerswerke Ccheideanstalt eng. ElektrilttStH^esellfchaft Beramaim .......... wiatiilraftwerke Bchuckert ............ SicuicuS & HalSk« Adlcrwerke Kley« ..... Daimler Motoreu. .....< Leyligenstaedt ..... wiegutn frankfurter Armaturen ... Konservenfabrik Braun . . . MctaNacsellschaft Frankfurt, l'tl. Union ....... Schuhfabrik Hcri Sichel.............. Zellstoff Waldhof.......• Zuckerfabrik Frankenthal . . »jnckerfabrik Waghäusel ... den cvenigen Kauflustigen allergrößte Zurück- dallung geübt wurde. Dazu kam noch, daß auch weiter für Wiener Rechnung und im Zusammenhang mit den finanziellen Schwie.agkciten der 'Diener Depositenbank neue Angebote Vorlagen. Ratulgernäß am schwersten wurde im Hinblick auf die Arbeitseinstellung im Rührgcbiet der Montan- markt hämgesucht. Die Kursrerluste. die durchschnittlich 2,5 bis 3 Prozent erreich.en, schnellten bci den meisten Montanwerken bis 6, ja, vereinzelt sogar bis 7 Billionen Prozent und darüber hinaus empor. Auch der etwas lerchter gewordene Geldmarkt konnte feine Entspannung in dec klta- strophalen Entwicklung bringen. Beson^e.s Obcr- bebarf und Caro waren neben Harpener und Gclscnkirchenec stark angeboten, nur Zuckeraktien waren einigermaßen gehalten. Auch im freien Verkehr war das Angebot außerordentlich dringlich bei bedeutend herabgesetzten Kursen. Api 3 Decker Stahl 4,5, Beckec Kohle 5,5, Petroleum 11, Krügershall 4,75, Ufa, stark angeboten, 4,5. Berliner Börse. Berlin, 7. Mai. Dir heutige Börse stand unter dem Einfluß der innerpolitischen Wirren Md der fortdauernden Geldknappheit und vor ollem der Melsungen über einen drohenden Ar- beiterausstand im Ruhnevier. Vielfach wurden Befürchtungen hin'ickllich weiterer Zahlungsschwierigkeiten getagt. Die Folge war em weiteres starkes Realisterungsangebot, das wiederum die noch einigermaßen hoch im Kurse stehenden Werte scharf mitnaym. Montanpapiece dieser Art büßten drei bis vier Billionen Prozent ein, wir insbesondere Gelsenkirchen, Deutsch-Luxumbürger und Kattowiyer. Auch Kaliaktien, Maschinenfa- brikaktien und chemische und Elektrizitätswerke hatten je nach dem Kursstand gleich schwere Verluste zu tragen. Bankaktien konnten sich Wenfalls nicht behaupten. Von Schiffahrtsaktien büßen Hamburger Paketfährt und Hamburg-Südamen- fanei circa zwei Billionen Prozent ein. Don ausländischen Renten neigten besonders türkisch? zur Abschwächung. Deutsche Anleihen gaben gleichfalls nach. Rach Festsetzung der amtlichen Kurse kamen zwar Ansätze zur Widerstandsfähigkeit und kleinere Erholungen zur Erscheinung, eine durchgreifende Be.sei.ung in der Stimmung trat jeooch nicht ein. Lustlosigkeit und weile.'e Biunruhig rng ließen die Kurie eher weiter abwärts gleiterf Am Devisenmarit waren die Hauptkurse unverändert. Bei wei ec verminderten Anforderungen konnten die Zuteilungen für einige Devisen erhöht werden. Börsenkurse. ®cn> Brie! Schwester Noten ......... ffrarijösilche Noten ....... 74,81 23,03 71,72 75,19 28, 7 72,09 112,03 158, 0 6,12 4,21 18,5 i 19,1 = 22,:6 4,66 12.5P Ädunebllrfit Noten ....... . AAfT/inbHfl), Noten ........ 168 JO 6,08 »rutsch-Oesterreich, 1 100 Äronev 8mrriertrtl(d)f Noten ....... 4,19 18,43 19,05 22,24 4,64 12,52 tkugltkehe Noten .......... Ztnllenstche Noten..... • • . •irlg/iif)» Noten .......... Ün^firische Noten ......... Tlchechoslowakische Not«. .... liorioeotsche Note« ........ 58,60 68,90 ^uttiäuisch« Noten. ...... 1,84 1/6 »vaotlchr Noten. ....... . t-8,45 ‘8,75 In Billionen Prozent Fronffnrt o M. Berlin Schiuh. Kurs Schl.», fiurg Schluß» fill'5 Schlug. S>iri Datum: 6. 5. 7.5. 6. 5. 7. 6. 0,030 0,087 0,078 0,45ü ' — — 0,220 0,275 0,230 0,920 0,940 0,930 0,120 0,130 0,125 0,2=0 0,270 0,240 — -* — — — — —e — —— 4,2 4.2 4.2 79.40 79,C0 79,40 4,13 4,63 4 47,28 46,1 24,5 28,5 24,45 2,8 4,25 3.75 0,13 7,4 6,75 7,95 8,87 8 0,6 — 7,9 8,87 8 12,1 — — 1,8 2,1 1,9 0,350 0,375 0,350 0,400 0,0 0,425 — 40,5 37,25 9,75 11,3 9 12,5 15,75 '3,5 31,5 31,25 90,5 38,5 40,13 36,75 48 53 47,5 8,5 '0.37 8 12,5 14,75 12 7,75 9,3 7,7 10,25 '3 75 11,5 20 23,25 19,78 29 25.63 24,75 30,5 37,5 32 1,5 — — 19,25 20,6 19 4,4 5 4,5 39 — 8,75 — _ 2,75 3,5 2.8 — 20,5 16.6 13 13,75 13 1,1 — 10 11 10 9,75 ii,cs 9,75 9 87 11 9,6 6,2 — •• 10,4 13,25 10,6 <3 — 7,7 8,63 7,7 9,26 13,5 9,5 4,6 *- 25,5 £9 25,5 — 31,6 32,75 1,6 1,87 1,83 2,9 9,5 4,7 2,9 — — 11 12,25 12,25 0,8 — — — — . 11,1 — — 1,4 1,75 1,5 2.8 3,2 2,6 6,6 — — 6,5 7,2 6,6 8,25 4,13 3,75 2,76 — — 6. Mai 7. Mai Report. °.j 6- 17. Amtliche Weid Notierung Briet Amtlich: Notttrn i i (Ucld Briet Amft.-Nott. 157,60 158,40 158,10 158,90 1 1 Brll-.Antw, 21,85 21,95 22,24 22 33 voll voll Cbrilltonio 58,45 58,75 58,60 56,90 10 12 Kop^nhoaen 71,52 71,88 71,72 72,08 2 2 Stollholm. 111,?2 111,78 111,47 112,03 4 4 HelfinaforS 10,57 10,6) 10,57 10,63 10 10 (itolieir. . 10,95 19,05 19,03 19,15 4 4 i'onbon. . 18,455 18,545 18,155 18,545 1 1 Neuhork . . 4,19 4,2) 4,1) 4,21 1 1 PoriS. ,. . 27,23 27,37 k7,b8 27,82 2 10 Schweiz . <4,81 76,13 74,81 75,19 2 2 epnnkrt . 58,45 18,73 68,45 68,75 12 15 Prien in D-> Oe>t.obgtit 5,98 6,02 5,9) F.O? voll voll Pro« .... 12,46 12,54 12,43 12,54 15 10 Bndnveft. . 4,73 4,82 4,73 4,77 Buen.-AireS 1,c8i 1, 9j 1,385 1,9. 50 50 Bulgarien . 9,14 5,1 b,0) 5,11 voll ooll Javan .. . 1,073 1,685 1,673 1,665 voll voll v'io D< J ill. 1,473 (,485 t,173 1,48- voll voll Brlgrao 5,28 6,32 6,28 6,32 voll voll ItiliaUon . 13,08 18.14 12,98 13,04 voll voll Der r-'Ä's« R. & » Sie W# Votzenhar GeMve der Sttli" " (hei Hal i11 e ISS* n noch 5 ßnN i '« tretet verlas herDol« kau erklär! a 2euterbure-m. M irngtoubr r MS hat hat das W Ipningener E Liesengebäude [n der Linden, der Durch:eile yi eMlüpser fieute". Sie 9C Dureaus und i Dabei fällt ihr nicht vorhe lichcs belasten! dem die pvliI scheu Behörde ^vmnunisMs sand man geW< denen die deut sich der kommu Mn sand barvb natürlid russischen Lage in einem er sozusagen auf LaS lei Decke 1921 und deS Auslvärtige 2 lichen tiebafa Russen. Ion ö bereits folgend« delsveriretung, 6ih hat und russischen Do! früher, als n begann, allerd ausgestattet < ßapalfo und fern ist die noch ein Regie Drhörde mehr, niemals zu, st Jahren fan Wn zwischen Regierung statt Moskaus ausdi bärtige Amt c ittomgen 2la6m ^ngen die ruffi' 8U sehen. Das Unheil nicht m büchten Füchtlii gnge angesragt, vre mußte Han "^fahren. Dies hAf.^tr Litw m Verdi (iS de. u.Mche etötun nifkä f berfen wollen.' ?? ^tje.tigen Roten und A lachen wollen. S fD intrigar Ä b-wä -Und über? nicht nötig H mit bzjf’n toitb die R'Mn Deleo fini?1- ^ese § * Ns? 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